Das Jesus-Mantra: N°14

Om Jesu Christaya ­Paramatmane Purusha Avataraya Namaha

Dieses Sanskrit-Mantra ehrt Jesus ­Christus als Avatar (wörtl.: Herabkunft), der kam, um neue Wege der religiösen Verwirklichung aufzuzeigen und diese Wege seinem Zeitalter anzupassen. Ein Avatar ist frei von Bindungen an das Ich. Er befindet sich jenseits der Dualität. Durch seine 40-tägige Meditation in der Wüste brach Jesus aus der Verwirrung seiner Zeit durch zu seiner Essenz. Er wurde zum stillen Zeugen, zum ewigen ursprünglichen Menschen (Purusha). Klar, unzerstörbar und strahlend wie der Purusha ist auch der Paramatman. Jesus fand den göttlichen Funken (Atman) in sich und wurde eins mit seinem höchsten Selbst: „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10,30) Das Singen oder Rezitieren dieses Mantras mag uns helfen, die eigene ewige Seele zu entdecken, denn wir tragen alle die göttliche Vollkommenheit in uns. Einmal mit ihr verbunden, sind wir befreit von der Angst vor dem Tod und sprechen und leben aus dem Herzen der universellen Liebe.


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de04 – 2012


Foto von Wendy van Zyl von Pexels

CD-Tipp: „MANTRAS FOR LIFE“

Mantra, Mantra! Deva Premal & Miten schaffen das, was sich wohl viele Künstler wünschen: Ihre Musik wird seit Jahren von der Szene angenommen, sie füllen ganze Stadien bei ihren Kirtan-Konzerten und ihre Alben verkaufen sich nach wie vor gut. Kein Wunder: Die beiden überzeugen durch konstante Verlässlichkeit. Die Qualität ihrer Songs ist gleichbleibend gut und man weiß, was man von ihnen zu erwarten hat. Ihr neues Album „Mantras for Life“ wirkt jedoch etwas reduzierter, konzentrierter und klarer als sonst. So clean das Design des Covers, so clean sind auch die neuen Tracks gestaltet. Zu hören ist hauptsächlich Deva Premals vibrierende Stimme, das zarte Flötenspiel von Manose und etwas sanfte Hintergrundmusik durch ein von Kamal Engels gespieltes Mido-Cello. Miten ist nur leicht im Hintergrund vernehmbar. Die Mantras können ihre volle Kraft entwickeln und den Zuhörer bei der Rezitation unterstützen. (Laura Hirch)

 Fazit: Wunderschön anzuhören nach einem hektischen Tag!

 Tipp: Wenn Sie jetzt das Yoga Journal für ein Jahr abonnieren, bekommen Sie die CD von Deva Premal & Miten gratis dazu! Hier finden Sie unser Abo-Formular.

 „Mantras for life“ von Deva Premal & Miten mit Manose, Prabhu Music, ca. 19 Euro

Lebensmittelunverträglichkeit: Mit diesen 8 Tipps leben Sie leichter

Lebensmittelunverträglichkeit Laktoseintoleranz Tipps Ernährung Lebensmittelallergie

Mittlerweile sind Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz (auch bekannt als „Milchzuckerunverträglichkeit“), Gluten- und Fruktoseunverträglichkeiten oder sonstige Lebensmittelallergien in aller Munde – dennoch stößt unsere Redakteurin Laya manchmal auf fragende und bemitleidende Gesichter, wenn sie sich als lakoseintolerant „outet“. Sie hat exklusiv für Sie 8 Tipps zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Lebensmittelunverträglichkeit besser akzeptieren und dadurch ein unbeschwerteres Leben führen können.

  1. Sie ernten mehr Verständnis von anderen
    Sind wir mal ehrlich: Hätte ich schon früher kommunizieren können, dass ich eine Laktoseunverträglichkeit habe, wären mir wohl so einige qualvolle Stunden erspart geblieben. Ein trauriges „Ich darf dieses Gericht leider nicht essen“ kommt bei unserem Gegenüber einfach besser an als ein plumpes „Das schmeckt mir nicht.“ Die Tatsache, dass andere über Ihre Lebensmittelunverträglichkeit Bescheid wissen, baut Druck ab und erhöht wiederum die Akzeptanz anderer gegenüber Ihnen und Ihren Essgewohnheiten.
  2. Körperliche Beschwerden oder Unwohlsein sind passé
    Die Liste der Symptome einer Lebensmittelunverträglichkeit ist lang: Sie fängt bei Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen oder Übelkeit an und hört bei Fieber, Gliederschmerzen oder Atemnot auf. Versuchen Sie, Ihre Intoleranz oder Allergie positiv zu sehen, da Sie nun die Gründe und Auslöser der Beschwerden kennen, was diese kalkulierbar macht. Sagen Sie sich nicht „Leider bin ich laktoseintolerant“, sondern schätzen Sie sich glücklich, dass Sie wissen, woran Sie leiden und wie Sie die Symptome vermeiden können.
  3. Sie dürfen Neues und Gesundes ausprobieren
    Seitdem mein Arzt eine Laktoseintoleranz bei mir diagnostiziert hat, bin ich essentechnisch offener gegenüber Alternativ-Produkten, die meist sowieso gesünder sind. So verdanke ich beispielsweise meiner Milchzuckerunverträglichkeit, dass ich noch mehr Gefallen daran gefunden habe, vegan zu kochen. Milch, Sahne, Joghurt oder Schmand ersetze ich leidenschaftlich gerne durch Soja-, Hafer-, Mandel- oder Kokosprodukte. Freuen Sie sich darüber, neue Rezepte auszuprobieren, die auf Ihren Ernährungsplan abgestimmt sind und auf die Zubereitung von Speisen, die Sie beschwerdefrei vertragen.
  4. Sie können leichter Rücksicht auf Ihre Mitmenschen nehmen
    Vielleicht kennen Sie das: Ist man zu Besuch bei der Großtante und hat noch nicht mal den Fuß über die Küchenschwelle gesetzt, fliegen einem schon gefühlte 3 Kilogramm Sahnetorte entgegen. Sofort heißt es dann: „Schätzchen, jetzt iss‘ doch erst mal etwas.“ Trotz hilflosem Verneinen und zum Scheitern verurteilen Aufklärungsversuchen wie „Ich habe gerade erst zu Mittag gegessen“ lässt sich die Stimmung der Großtante nicht aufhellen. Um der Tante wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, schaufelt man schlussendlich doch die reichhaltige Sahnecreme-Torte artig in sich hinein. „Aua“, schreit da das Laktose intolerante Herz! Hätten Sie sich damals schon mit dem Satz „Tantchen, ich bin laktoseintolerant und vertrage keine Sahne“ wehren können, wäre dies definitiv die schmerzfreiere Alternative für Sie gewesen und das Tantchen wäre dank Ihrer höflichen Erklärung und Ihres ärztlich bestätigten Leidens vermutlich nicht lange traurig gewesen. Unsere Mitmenschen reagieren also verständnisvoller, wenn Sie eine Lebensmittelunverträglichkeit als Grund angeben können.
  5. Sie sind gezwungen, sich bewusst und gesund zu ernähren
    Dadurch, dass ich mich täglich damit befasse, was ich trotz meiner Lebensmittelunverträglichkeit essen darf und was nicht, beschäftige ich mich intensiver mit den Inhaltsstoffen der Produkte, die ich zu mir nehme. Durch meine Laktoseintoleranz achte ich mehr darauf, was ich meinem Körper zumuten kann und habe stets eine gute „Ausrede“, die gesündere Variante zu wählen. Beispielsweise greife ich im italienischen Restaurant mittlerweile gerne zum Pizza-Brot statt zu der mit Käse überbackenen Pizza.
  6. Mit Ihrem Wissen können Sie Freunden oder Bekannten helfen
    Meine Laktose-Unverträglichkeit half mir dabei, anderen zu helfen. Wie? Ich habe sie dahingehend sensibilisiert, dass sie sich und ihre Körper bei Beschwerden bewusster wahrnehmen und darauf achten sollen, welche Nahrungsmittel sie vertragen. Es gibt mir ein gutes Gefühl, anderen aufgrund meiner persönlichen Erfahrung Rat geben zu können und sie beispielweise über „versteckte“ Laktose-Fallen aufklären zu können. Nicht nur einmal ist es vorgekommen, dass ein Freund auf meinen Rat hin zum Arzt gegangen ist und der Arzt bei ihm ebenfalls eine Milchzuckerunverträglichkeit diagnostizieren konnte.
  7. Sie können Geld sparen
    Wenn Sie sich Ihre Speisen selbst zubereiten, wissen Sie immer, welche Lebensmittel Sie gerade zu sich nehmen und ob Sie alle Zutaten vertragen. Zwar gibt es bereits Restaurants, die Allergikergerichte anbieten, eine Lebensmittelunverträglichkeit erschwert jedoch oftmals die Auswahl und grenzt uns in unseren Möglichkeiten ein. Aber sehen Sie auch diese Sache optimistisch: Wenn Sie seltener auswärts Essen gehen, freut sich nicht nur Ihr Körper – auch Ihr Geldbeutel wird es Ihnen langfristig danken.
  8. Ihre Selbstwahrnehmung wird verstärkt
    Durch eine Lebensmittelunverträglichkeit, nimmt man seinen Körper besser wahr und weiß, was einem gut tut und was nicht. Bestimmte Warnsignale können einfacher gedeutet werden als ohne Diagnose. Dies macht das Leben kalkulierbarer und damit auch leichter.

Falls Sie ebenfalls eine Lebensmittelunverträglichkeit haben, und sich zu diesem Thema austauschen möchten, nutzen Sie die unten eingebaute Kommentar-Box. Wir freuen uns auf Ihr Feedback. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, könnten Sie möglicherweise auch folgende Beiträge interessieren: Warum vegan, Reine Nahrung für den Geist, Rohe Köstlichkeiten, Worauf müssen Veganer achten?

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Buch-Tipp: Mit Yoga leben. Im Hier und Jetzt.

Jäger des verlorenen Schatzes: Aber halt! Dieser Schatz ist gar nicht verloren. Es braucht „nur“ Momente der Konzentration, um wahrzunehmen, dass wir nichts mühevoll vergolden müssen, sondern selbst die Schatztruhe sind. „Der Traum von einem perfekten Leben verhindert, dass wir direkt am Leben teilhaben“, schrei­ben die Autoren im Vorwort, und tatsächlich wollen wir auch die Yogapraxis oftmals „beherrschen“, anstatt sie zu erleben. Dazu haben sich Berthold Henseler und Patrick Broome nicht vorgenommen, etwas strapazierte Begriffe wie „Achtsamkeit“, „Energie“ und „Hingabe“ erneut durch die Definitionsschleife zu schicken. Vielmehr haben sie pragmatische Vorschläge und Übungsreihen zusammengestellt, die sich nicht auf bestimmte Stile, Systeme und Situationen beschränken, sondern uns mit humorvollen „Achtung Yogi!“-Aufrufen aus Routinen wecken und ins innere Erleben schicken. Eben ganz ins viel beschworene „Hier und Jetzt“ – denn da wollen wir alle ja endlich hin.

Mit Yoga leben. Im Hier und Jetzt.Fazit: Was die von Co-Autor Patrick Broome unterrichtete Fußballnationalmannschaft stark gemacht hat: Ab 30. September beim Buchhändler Ihres Vertrauens!

Foto von Daria Shevtsova von Pexels

MIT YOGA LEBEN. IM HIER UND JETZT von Berthold Henseler und Patrick Broome, Allegria Verlag , ca. 15 Euro

Mantra des Buddhismus: N°13

Om mani padme hum

Als ich in Nepal war, fand ich „Om mani padme hum“ überall: In großen Buchstaben in die Felsen gemeißelt und farbig angemalt, in Gebetsmühlen in den Händen gedreht, in aufgestellten Granittafeln entlang des Weges. Es ist das zentrale Mantra des Buddhismus, die essenzielle Verbindung von Weisheit und Mitgefühl, die Balance vom männlichen und weiblichen Pol. Ein Weiser ohne Anteilnahme ist leer. Mitgefühl ist in dieser Welt ohne das Wissen um das Gesetz von Karma, von Ursache und Wirkung, nicht möglich.

Die Lotusblüte Padma erhebt sich vom schlammigen Boden, um in voller Blüte ihre Weisheit über der Wasseroberfläche zu verströmen. Der Juwel Mani, unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl, ist der Weg und das Ziel, die Klarheit und die Weisheit, die uns führt. Om, der Urlaut, erschafft unser derzeitiges Universum; Hum, das Gegenstück dazu, lässt das sichtbare Universum in sich zusammenstürzen.

Es ist mir ein Anliegen, dieses Mantra so oft wie möglich zu singen – besonders auch, da es in diesen Tagen vielen Buddhisten in Tibet nicht mehr möglich ist, ihre Spiritualität frei zu leben.


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de. 03 – 2012


Foto von Sunilkumar Krishnamoorthy von Pexels

Jelena Lieberberg: „Hör‘ auf dein Herz.“

In unserer exklusiven Online-Serie “6 Fragen an…” stellen wir bekannten Yogalehrern- und lehrerinnen, Yoginis und Yogis Fragen zu den Themen Liebe, Sex, Herzschmerz, der Yoga-Welt, Lebenserfüllung und Selbsterkenntnis. In diesem Artikel antwortet Yogalehrerin Jelena Lieberberg auf unsere 6 Fragen.

  1. Jelena, welchen Tipp gibst du Yoga-Anfängern?
    Sei nicht zu streng zu dir und gehe einen Schritt nach dem anderen. Gerade am Anfang denkt man als Neuling, dass man gleich alles „können“ muss und, dass die perfekte „Asana“ das Ziel ist. Deswegen sage ich meinen Anfängern meistens: Macht mit und habt Spaß dabei!
  2. Vervollständige den Satz: Das Leben ist zu kurz, um NICHT mindestens einmal…
    … ein Tier zu retten oder einem verwaisten Tier aus dem Tierheim ein schönes Leben zu schenken.
  3. Was machst du, wenn du vor einer schwierigen Entscheidung stehst und Rat suchst?
    Alle Einflüsse von außen, gut gemeinte Ratschläge oder Listen, die man auf Verstandesebene aufstellt, ersetzen nicht das, was man im Kern wirklich will; das kann einem nur das eigene Herz sagen. Also: Hör‘ auf dein Herz.
  4. Was möchtest du unbedingt einmal erleben?
    Zwei Monate lang segeln: einmal in die Karibik und zurück.
  5. Wenn du Hals über Kopf das Land verlassen müsstest, welche drei Dinge würdest du mitnehmen?
    Meine Familie, den Hund und eine Yogamatte.
  6. Wir wissen, du hast mehrere Tattoos. Verrätst du uns, welche Bedeutung sie haben?
    Es gibt Motive mit Bedeutungen, wie die Namen meiner Kids, mein Geburtsdatum, das Om, mein verstorbener Kater, Sonne, Mond und Sterne, aber auch einfach ästhetisch Schönes.

6 Fragen an Jelena LieberbergJelena Lieberberg ist Heilpraktikerin, Sängerin, Sprecherin und Moderatorin. Ihre Yoga Alliance zertifizierte Ausbildung absolvierte sie mit Patricia Thielemann bei Spirit Yoga Berlin. Seitdem ist Spirit Yoga Jelenas Heimat, wo sie Vinyasa Flow, Power Yoga & Cross Yoga unterrichtet. Mehr Informationen zu Jelena finden Sie unter: www.kickassyoga.de 

Pro & Contra: Brauchen Männer ein spezielles Yogakonzept?

Wir haben drei bekannte, männliche Yogis gefragt, was über Männeryoga denken und ob sie sich für ein auf den Mann abgestimmtes Yogakonzept aussprechen oder eher gegen eine geschlechterspezifische Praxis sind. Patrick Broome und Dirk Bennewitz meinen „Ja, Männer benötigen ein spezielles Yogakonzept“, wohingegen Michi Kern anderer Meinung ist: „Männeryoga – muss das sein?“ Die Kommentare lesen Sie hier:

Patrick, du hast das vielleicht bekannteste Buch zum Thema „Yoga für den Mann“ geschrieben. Weshalb beschäftigst du dich damit und was spricht aus deiner Sicht für Männeryoga?
Yoga spricht die „wilden Kerle“ unter uns an: eine bunte Mischung von (er)wach(t)en, neugierigen und bewussten, das heißt reflektierenden Männern. Yoga ist eine wunderbare Hilfestellung für all die Männer, die ihre Prioritäten neu definieren wollen, denen es nicht mehr ausschließlich um Status und Karriere geht. Erfolgreich ist heute, wer eine stabile Gesundheit hat, wer zufriedenstellende Beziehungen zu anderen unterhält, wer Kinder zu glücklichen und selbstbewussten Persönlichkeiten erzieht, wer trotz Verantwortung in Beruf und Familie seine eigene Entwicklung nicht vernachlässigt. Es geht für uns Männer immer mehr darum, die selbst auferlegten mentalen Beschränkungen abzulegen und uns zu öffnen für die eigene Größe, den eigenen Mut, die eigene Wahrheit. Die alten Schriften nennen das Erleuchtung. Wir müssen den Männern daher nur vermitteln, dass sie sich im Yoga nicht blamieren, sondern sich etwas Gutes tun. Und dafür brauchen wir starke Rollenvorbilder! Also mehr Männer, die über Yoga und dessen positive Effekte sprechen. Zum Glück hat sich da in den letzten Jahren enorm viel getan!

Dirk, du hast ebenfalls ein Buch zum Thema geschrieben. Worin siehst du den Nutzen von Yoga speziell für den Mann?
Männeryoga ist keine Neuerfindung oder ein neuer Stil. Ich habe die Männeryoga-Übungsfolge so zusammengestellt, dass sie den körperlichen Voraussetzungen der meisten Männer in unserem Kulturkreis besser entspricht. Die Yogapraxis macht einen stark, flexibel, mental ausgeglichen und gesund. Und das tut eben auch Männern gut. Mir ist es ein Anliegen, den Männern nicht nur Sport zu vermitteln, sondern auch die Faktoren, die die Lebensqualität spürbar erhöhen.

Michi, wie stehst du zum Thema Männeryoga?
Wie muss man sich Yoga für Männer eigentlich vorstellen? Ungefähr so wie eine Vatertagsfeier oder einen Junggesellenabschied? Oder eher wie einen gemeinsamen Sauna-besuch unter Männern? Werden da derbe Zoten ausgetauscht, frauenfeindliche Witze erzählt, wird danach getrunken und gegrillt? Jedenfalls wird man das Gefühl nicht los: Männer unter sich, das könnte gruselig werden.
Bisher war es eigentlich schön im Studio: Die Männer im Yoga mussten sich gut benehmen und sich der großen Zahl von Frauen anpassen. Also mal leise sein, nicht den Ton angeben, sich nicht nach vorne drängeln, nicht alles besser können und wissen. Das hat den Männern ganz gut getan, glaube ich. Und vielleicht hatte das Miteinander eine größere therapeutische Wirkung auf das ganze Ding Mann als die Körperübungen an sich.
Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war Yoga heiligen Männern vorbehalten. Frauen waren – wie immer – verboten. Dann kamen Sri T. Krishnamacharya und seine Schülerin Indra Devi und Yoga wurde vor allem im Westen eine Frauendomäne. Die Männer zogen nicht mehr so recht. Yoga ist weiblich.
Nun sind Männer trotzdem nicht gerade eine bedrohte Spezies. Das neuerliche Männeryoga will ihnen aber wieder einmal erklären: Ihr seid etwas Besonderes! So ein Mann hat besondere Probleme, spezielle Anforderungen, einen anderen Körper, andere Bedürfnisse. Und vor allem: Der Mann an sich leistet mehr als die andere Hälfte der Menschheit – er braucht dringend ein „Entmüdungsbecken“ für Körper und Geist. Schade eigentlich, denn ganz im Gegenteil könnte man(n) hier im Yoga lernen: Alles ist normal, mach einfach mit. Doch Scham und Eitelkeit stehen dem im Wege – die Frauen sind nämlich längst viel beweglicher.
Wirklich hilft als Promotion-Trick letztlich nur eines – und darauf laufen fast alle modernen Männeryoga-Ansätze hinaus: Yoga ist gut für die Potenz. Vornehmer ausgedrückt: Yoga steigert die Virilität, ist gut für die Beweglichkeit der Spermien, schafft Ausdauer im Bett. „Bei vorzeitigem Orgasmus yogamäßig durch die Nase atmen, mein Freund.“ Na endlich ein Grund für den Mann, den er versteht. Bisher geht der Wert von Extra-Männer-Würsten für den Planeten leider gegen Null. Aber ein wenig Hoffnung bleibt: Vielleicht jubelt Yoga den Neuen doch ein paar Erkenntnisse unter. Weniger Fleisch essen, weniger Alkohol, weniger Lautstärke, weniger Gewalt in alle Richtungen und ein bisschen mehr über andere nachdenken – das bringt’s wirklich. Ach nein, das ist ja Frauensache.


Fotoquelle: Stefanie Kissner

Yoga als Performance (?)

Seit 1978 kombiniert Edward Clark Yoga und Performing Arts. Mit seinen Tripsichore-Shows schafft er eine Zuschauerverbindung der besonderen Art. „Dabei sitzen wir nicht nur herum und singen Om“, erklärte er YOGA JOURNAL anlässlich eines Workshops im Yogaloft Köln.

YOGA JOURNAL: In deinen Workshops beschreibst duYoga als„Technik“,die es vermag, das Schöne und Göttliche in allen Dingen zu sehen. Wie ist das gemeint?
Edward Clark: Brahman (kosmische Kraft) ist der Schlüssel. Gemeint ist die Schönheit, die erst zum Tragen kommt, wenn man sie erlebt. Brahman ist nicht wie ein Gemälde, dass du anschauen kannst. Nehmen wir den Sonnenuntergang als Beispiel: Du stehst auf der Spitze eines Berges, auf der du dieses überwältigende Erlebnis hast, auf ein von der Natur geschaffenes Kunstwerk zu blicken. Du kannst diese Schönheit in Tanz, Theater, in der Musik oder der Malerei wiederfinden. Yoga hilft, Schönheit wahrzunehmen, ohne sie explizit zu erleben. Yoga ist eine Technik, um bestimmte Dinge erlebbar zu machen. Je mehr wir unsere Yogatechnik diesbezüglich verfeinern, desto mehr kommen wir in Einklang mit dem, was wir erleben. Asanas helfen dabei.

Du hast eine Verbindung aus Yoga und Performing Arts entwickelt, die du „Tripsichore“ nennst. Was genau steckt dahinter?
Tripsichore ist eine griechische Muse des Tanzes. Unser Ziel ist es, das Schöne zu erleben und anhand eines yogisch-choreografischen Vokabulars zu transportieren. Wir nennen es zwar Theater, aber wir beschränken es nicht auf eine Sparte wie beispielsweise Tanz. Wir betrachten es ganzheitlich. Wir drücken uns durch Yoga, Vinyasa und die Verbindung der Haltungen aus. Wobei all das ständig im Fluss bleibt und Raum für Entwicklung lässt.

Wie läuft eine Performance normalerweise ab?
Wenn du ein trauriges Stück spielst, wird das Publikum traurig werden. Die Zuschauer nehmen Anteil und leiden mit. Wenn wir jedoch eine gute Vorstellung bieten, dann schaffen wir es, das Publikum in den selben meditativen Zustand zu befördern, in dem wir uns befinden. Die Zuschauer atmen mit uns und tauchen in eine gemeinsame Erfahrung ein. Wobei ich betonen möchte, dass wir extrem anstrengende Körperübungen machen. Wir sitzen nicht bloß herum und singen Om. Tripsichore besteht aus zahlreichen Partnerübungen und komplexen Asana-Konstellationen, mit denen wir versuchen, den yogischen Gedanken zu transportieren. Diese Kombination benötigen wir für unsere Ausdrucksfähigkeit und packen sie in eine Show. (lacht)

In den ersten Jahren war Yoga nur eine Ergänzung des Tripsichore-Trainings. Was war der Auslöser, es fest zu integrieren?
Das war eigentlich ein pragmatischer Grund. Damals hatten wir große Probleme, öffentliche Fördermittel zu bekommen. Wir hatten zwar eine Bühne, aber gefördert wurde nur langweiliger Kram wie Modern oder Contempory Dance. Also dachten wir uns, wir müssten auch etwas Langweiliges bieten. Wir nahmen an, dass die Kulturförderer Yoga-Theater lieben würden. Es war eigentlich ein Witz – aber es funktionierte.

Ihr habt dann experimentiert…
Genau, wir wollten eine Mischung aus Yoga und Style entwickeln. Und während wir experimentierten, bemerkten wir, wie außergewöhnlich diese Verbindung ist. Die Formen, die Gestaltung, die Ausdruckskraft – es war so viel besser als alles, was wir bisher gemacht hatten. Es stellte alles Bisherige in den Schatten.

Was ist der Unterschied zu den Ausdrucksmöglichkeiten im Contemporary Dance?
Das ist eine interessante Frage, weil Asanas noch nie Bestandteil einer Choreografie waren, abgesehen vom traditionellen indischen Tanzformen. Es war einfach ein Experiment, für das die Zeit reif war. Diese Kombination konnte wahrscheinlich nicht ohne den Modernen Tanz entstehen. Möglicherweise brauchte es auch den Einfluss Krishnamarcharyas und seiner innovativen Neuerungen bezüglich der Verbindung von Atem und den Haltungen. Die Atemkontrolle hat gleichzeitig eine Kontrolle über Körper und Geist zur Folge – was den Tänzer zu einer Einheit verschmelzen lässt. Im modernen Tanz steht diese Verbundenheit nicht im Vordergrund.

Hast du eigentlich schon vor der Tripsichore-Gruppe Yoga praktiziert?
Nein, es entwickelte sich parallel: Als ich anfing zu schauspielern und die idiotische Entscheidung traf, Tanz zu studieren, kam ich auch das erste Mal mit Yoga in Kontakt. 1978 – es war das Ende der Punk-Ära – gab es einen Jungen in der Klasse, der Yoga praktizierte. Und es stellte sich heraus, dass ich es mochte. Yoga war tatsächlich eine tolle Ergänzung zum Tanzen. Meine damalige Freundin und ich behielten es bei. Mit der Tripsichore-Gruppe nutzten wir Yoga zur Aufwärmung. Es war einfach da – auf ganz natürliche Art und Weise. Dann kam der Trick für die Fördermaßnahmen, und ab da es wurde fester Bestandteil von Tripsichore. Es dauerte 14 Jahre, bevor wir Yoga schließlich choreografisch einbanden.

In welcher Art und Weise beeinflusst dein Job beim Tripsichore-Yoga-Theater deine persönliche Yogapraxis?
Ich denke, der Job eröffnet mir eine interessante Perspektive für mein eigenes Üben. Yoga, Tanz und Theater haben gemeinsame – schamanische – Ursprünge. Viele Konzentrationstechniken sind denen aus dem Yoga sehr ähnlich. Die Art, wie man den Raum und den Geist nutzt oder wie der Geist Raum für Bewusstsein schafft, ist im Theater ähnlich. Die Schauspieler loten aus, wie sie den Raum nutzen können, der ihnen für die Performance zur Verfügung steht. Ähnlich ist es bei den Yogis, die ihre Konzentration auf ihr drittes Auge richten, einen sehr kleinen Raum. Oder sie konzentrieren sich auf etwas Externes, wie eine Blume oder den Himmel. Es ist in jedem Fall ein Moment der Konzentrationssteigerung.

Wie funktioniert das auf der Bühne?
Im Theater – vor 800 Menschen – kommt das Tanzen an einen Punkt, an dem du etwas geben musst. Beim Yoga hört man ständig: „Es ist okay, wenn etwas nicht klappt. Übe ohne Druck. Du bist gut so, wie du bist.“ Klar stimme ich damit überein, aber es muss doch möglich sein, darüber hinaus zu gehen. Hör auf dich zu entschuldigen, geh raus und tu, was du kannst! Theaterbühnen eignen sich ausgezeichnet dafür. Wenn du einen Handstand machst und dabei umkippst, werden das die Anwesenden mitbekommen. Damit muss man in diesem speziellen Moment umgehen. Während einer Vorstellung ist es wichtig, glaubhaft an die Choreografie anzuknüpfen. Wenn das gelingt, ist das großartig, denn dann arbeitest du tatsächlich im Moment.

Du sagst , Tripsichore habe sehr viel mit der energetischen Intention des Tänzers zu tun.
Damit ist das Vermögen zur Steigerung gemeint. Sobald du an etwas glaubst, wird eine gewisse Entwicklung seinen Lauf nehmen. Die positive Energie wirkt sich auf das Handeln aus. Es wird sich manifestieren. Genauso funktioniert es natürlich, wenn du denkst: „Das wird niemals klappen.“ Das ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Das beste Beispiel sind Schüler, die sich immer in die hintersten Reihen verdrücken und meinen, sie könnten bestimmte Asanas nicht. Mit dieser Einstellung werden sie tatsächlich keinen Erfolg haben.

Wie änderst du ihre Einstellung?
Ich versuche sie energetisch an einen Punkt zu bringen, an dem sie Lust bekommen, daran zu arbeiten. Was du denkst, beinflusst dein Bewusstsein und damit auch deine Transformation. Das ist etwas, was wir bewusst kontrollieren können. Wenn du dich auf den Moment konzentrierst, ist das ähnlich wie Mantren zu singen. Sie können sehr lang sein, und möglicherweise ergibt sich ein Moment, der eine Stunde andauert. Und jeder Atemzug sollte mit dieser Konzentration und diesem Bewusstsein geschehen. Einige Atemzüge werden vielleicht nicht im Rhythmus sein, aber das ist kein Drama. Sie werden sich entwickeln. Du kennst zwar nicht den genauen Weg, aber du weißt, es wird funktionieren.

Du hast nie eine Yogalehrer-Ausbildung gemacht, weshalb nicht?
(lacht) Ich glaube es ist nicht möglich, Menschen das Unterrichten zu lehren. Viele Menschen meinen, dass sie Yogalehrer sein könnten. Oftmals wissen sie aber nicht, was für ein harter Job das ist. Es ist ein Prozess des Lernens. Wobei du erst etwas lernst, wenn du deine eigene Praxis beleuchtest. Die Fähigkeit zu unterrichten erlangst du nicht in 200 oder 500 Stunden. Im Gegenteil, ich denke, Teacher-Training-Zertifizierungen mindern den Unterrichtsstandard beträchtlich. Entweder man kann unterrichten oder man kann es nicht. Ich lache darüber, dass jemand meint, mit einem 200h-Teacher-Training könne er nichts mehr falsch machen. Viele Senior Teacher wissen nicht einmal, wie man Adjustments korrekt gibt.


Edwark Clark Tripsichore YogaWeitere Infos, Termine, Workshops und Retreats finden Sie unter www.tripsichore.com. Copyright: Edward Clark