Tara-Mantra: N°12

Om Tare Tutare Ture Soha

Das kurze Tara-Mantra klingt wie ein Notruf nach der schnellen Retterin: „Tatü Tata“, rufst du Tara – und sie ist gleich da! Die buddhistische Göttin des Mitgefühls wird in den meisten Abbildungen und Statuen in einem aufgelösten Lotussitz dargestellt, ein Fuß auf dem Boden, jederzeit bereit aufzuspringen und zu Hilfe zu eilen. Sie ist eine Kämpfernatur, die Jeanne d’Arc der Göttinnen. Der Sage nach lebte Tara einst in einem kleinen Dorf im Himalaya, in dem schnell die Runde machte, dass sie eine erleuchtete Meisterin sei. Eines Tages kamen hohe Lamas eines benachbarten Klosters ins Dorf und in Taras bescheidene Hütte. Bei ihrem Anblick warfen sie sich ehrfürchtig zu Boden. Einer der Mönche bat sie: „Jetzt, wo du vollständig erleuchtet bist, bitte ich dich, in deinem nächsten Leben wieder bewusst als Mann zu inkarnieren.“ Tara legte daraufhin einen Eid ab, immer in einem weiblichen Körper zu erscheinen.

Das Tara-Mantra soll uns vor den acht Arten der Angst schützen: Stolz, Verblendung, Zorn, Neid, falsche Ansichten, Geiz, Begierde und Zweifel. Tara kann Wünsche erfüllen, wobei es ihr neben weltlichen Dingen eigentlich darum geht, uns durch die Überwindung unserer inneren Blockaden zur Erleuchtung zu führen. Und zwar schnell!


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan- Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de 01- 2012


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Selbstloses Geben: 9 Tipps für sinnvolle Geschenke

Zugegeben, etwas früh ist es schon sich über Weihnachtsgeschenke Gedanken zu machen, aber nimmt man sich nicht jedes Jahr aufs Neue vor, richtig früh mit der Geschenke-Planung anzufangen? Wir möchten Ihnen mit unseren 9 Tipps verraten, wie Sie Ihre Mitmenschen sinnvoll beschenken. Hierbei gilt der Grundsatz: Gib mehr, als du erwartest, denn die schönsten Geschenke sind die, die von Herzen kommen. Zur Inspiration erzählen Patricia Thielemann, Tom Beyer, Swami Durgananda und andere bekannte Yoga-Größen, was für sie ein besonderes Geschenk ausmacht und was sie selbst gerne verschenken – nicht nur zur Weihnachtszeit. Nachmachen erlaubt!

Als ich in der fünften Klasse war, fertigte ich ein Bild von den Heiligen Drei Königen an – es bestand aus getrockneten Makkaroni, Goldspray, Kleber und grünem Filz. Auch wenn es auf materieller Ebene nichts wert war, war es doch kostbar: Ich hatte es mit meinen eigenen Händen geschaffen. Zudem gefiel es meiner katholischen Mutter besonders gut.

Jemandem das perfekte Geschenk zu überreichen, ist vergleichbar mit einem herzlichen Namasté: „All das Beste und Höchste in mir würdigt das Beste und Höchste in dir.“ In diesem Moment des Schenkens haben der Gebende und der Empfangende die Möglichkeit, tief in den anderen hinein zu blicken und sein wahres Selbst zu feiern. Auf diese Art zu geben bedeutet, Yoga gemeinsam zu leben. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, ob es sich bei dem Geschenk um einen selbstgemachten oder gekauften Gegenstand handelt. Am Ende sind die besten Geschenke die, die von Herzen kommen.

Was aus meinen Heiligen Drei Königen wurde? Bis heute gehören sie zu meinen besten Geschenken. Zur Weihnachtszeit hängen sie immer noch bei Mama an der Wand – auch wenn inzwischen ein paar Makkaroni fehlen. 

  1. Auf das Wesentliche konzentrieren
    Patricia Thielemann freut sich noch immer über eine besondere Kette, die sie vor Jahren von ihrem Mann geschenkt bekam. „Mein Mann Brian ist einen ganzen Kopf kleiner als ich. Damit hatte ich nie ein Problem. Dass ich aber gut 15 Kilo schwerer bin als er, fand ich anfangs äußerst bedenklich. Als ich ihn vor zehn Jahren in Los Angeles kennen lernte, war ich zwar erfolgreich, aber keineswegs glücklich“, erzählt die Besitzerin des Spirit Yoga-Studios in Berlin. Wie viele Frauen hoffte sie, irgendwann einen Mann zu treffen, an dessen starker Schulter sie sich für immer anlehnen kann. Brian entsprach nicht ihrer Wunschvorstellung, also übte sie wie besessen Yoga. Die Praxis war hart und laut genug, um ihre Sehnsucht zu betäuben. „Lass uns in Deutschland ein ganz tolles Yoga-Studio aufmachen und viele Kinder kriegen“, schlug Brian enthusiastisch vor. „Träum’ weiter, kleiner Liebling“, spottete Thielemann damals. „Als fünf Jahre später bei mir die Wehen tobten, zitterten zwar seine Beine, aber er hielt mich, physisch und psychisch – mit meinem Kampfgewicht und meinen Launen.“ Nachdem ihr erster Sohn geboren war, legte Brian ihr liebevoll eine Kette mit einem gläsernen Herz um den Hals. Der Anhänger sollte ein Symbol dafür sein, wie kostbar und fragil das Leben ist. „Immer wenn ich das filigrane Schmuckstück trage, fühle ich mich zart und weiblich. Endlich bin ich angekommen bei mir, als Frau.“ So habe sie viel von Brian gelernt. Ein Kernsatz bleibt Thielemann besonders in Erinnerung: „Frage dich, ob das, was du tust, einfach nur beeindruckend ist oder wirklich wesentlich.“ Mit dieser Aussage habe sich nicht nur ihre Art zu unterrichten verändert, merkt sie schmunzelnd an. 
  2. Do It Yourself
    Cyndi Lee liebt das Stricken – und so machen ihre Stricknadeln auch vor Geschenken nicht Halt. „Während ich etwas stricke, das ich verschenken möchte, denke ich an denjenigen, der es bekommen soll,“ erklärt die Gründerin von OM Yoga in New York. Einer ihrer ersten Strickversuche war zugleich eines ihrer besten Geschenke: eine Wolldecke für ihren krebskranken Vater.
    Lee fand heraus, dass ein Geschenk nicht unbedingt schön sein muss, um geschätzt zu werden. „Für dieses Anfängerstück benutzte ich grobes Garn in grellem Rot, Grün und Gelb. Die farbenfrohe Decke stahl am Weihnachtsmorgen allen anderen Geschenken die Show“, erinnert sie sich. Ihr Vater liebte diese Decke – so schlampig zusammengenäht und uneben, wie sie war. „Cyndi, du bist so talentiert, das kannst du richtig gut!“, freute er sich. Obwohl diese Decke kaum groß genug war, um seinen Schoß zu bedecken, wärmte sie ihn bis zu seinem Tod nicht nur körperlich, davon ist Lee überzeugt. 
  3. Eins sein
    „Ein Geschenk von Herzen ist für mich die Beziehung zu meiner Frau“, erzählt Yoga Vidya-Gründer Sukadev Bretz. „Wir arbeiten schon sehr lange zusammen. Zuerst hat sie mich im Frankfurter Yoga Vidya Center unterstützt, danach im ersten Seminarhaus im Westerwald und jetzt hilft sie mir bei der Leitung des Ashrams in Bad Meinberg.“ Wichtig ist ihm, regelmäßig Zeit für gemeinsame Meditationen, aber auch für private Ausflüge und Urlaube zu finden. Einmal hatte Bretz in einer Mitarbeiterversammlung kurz vor Weihnachten vergessen, ihr besonders zu danken. „Ich denke, das geschah deshalb, weil wir uns so sehr eins fühlen. Ich habe das natürlich nachgeholt, und bin sehr froh, dass wir hier in Bad Meinberg gemeinsam Yoga leben“, so Bretz. 
  4. Mach Musik
    Im Laufe der Jahre ist es für den amerikanischen Kirtan-Sänger Jai Uttal und seine Frau Nubia Teixeira zur Tradition geworden, sich zu Weihnachten gegenseitig selbst zusammengestellte CDs zu schenken. Für die beiden ist es eine gute Möglichkeit, ihr Eheversprechen aufzufrischen, gemeinsam Pläne zu schmieden und ihre Liebe zum Ausdruck zu bringen: „Es macht so viel Freude, einen Liebesbrief auf diese Art zu verfassen“ erklärt Teixeira lachend. Es ist ganz einfach: Mit Hilfe von Instrumenten wie Shaker, Synthesizer, Trommel und Gitarre entstehen fröhliche Loblieder auf den anderen. Sie sollen an Momente erinnern, die für das Paar ganz besonders wichtig waren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Erinnerungen ernst oder albern sind. Auf einer CD von Teixeira war einmal ihr gemeinsamer fünfjähriger Sohn zu hören. „Das war das beste Geschenk, das ich je bekommen habe“, freut sich Uttal bis heute. 
  5. Gib mehr, als du erwartest
    Für Tom Beyer, Yogalehrer bei Home Yoga in Berlin, ist selbstloses Geben eines der wertvollsten Geschenke. „Das passiert ständig, überall und im Kleinen. Etwa wenn jemand auf der Straße ein Lächeln verschenkt , oder verständnisvoll ausweicht, wenn man noch schnell in die U-Bahn springen möchte“, erklärt er. Er schätzt Menschen, die ihr Gegenüber bedingungslos annehmen – ohne Bewertung, Kritik oder die Absicht, zu beeinflussen. „Es ist toll, wenn jemand wahrhaftig ist und seine Masken fallen lässt, ohne Angst zu haben, verletzt oder ausgenutzt zu werden. Die Kraft, Unabhängigkeit und Sicherheit dafür kann aus Yoga, aber auch aus anderen Quellen kommen“, findet Beyer. Selbstloses Geben besteht für ihn auch da- rin, Wissen und Weisheit mit anderen zu teilen, ohne einen unmittelbaren Gegenwert zu erwarten. „Das habe ich so bei einigen meiner Lehrer erfahren, denen ich sehr dankbar bin. Nun versuche ich in meinem Unterricht dieses Wissen an Schüler und zukünftige Lehrer weiterzugeben.“ 
  6. Charity-Aktion
    Nachdem einer ihrer deutschen Fans einen Schlaganfall erlitten hatte und plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen war, starteten Deva Premal und Miten kurzerhand eine Charity-Aktion. Mit Hilfe ihrer Fans schenkte das spirituelle Gesangspaar der Frau einen Behindertenhund. Mit der festen Überzeugung, alle seien eine große Familie, in der man einander hilft, riefen sie zu Spenden auf. Das Duo stellte während seiner Konzerte Boxen auf und sammelte Geld für den kranken Fan. Auf der Bühne machten sie auf die Aktion aufmerksam und baten um Hilfe. Das Publikum reagierte enthusiastisch: Bei nur zwei Auftritten kam genügend Geld zusammen, damit sich die Frau den dringend benötigten Vierbeiner anschaffen konnte. „Seit der Hund sie im Alltag unterstützt, fällt ihr vieles leichter“, erzählt Deva Premal nach einem Besuch bei der Frau und ihrem Hund in Köln. 
  7. Das Geschenk des Gurus
    „In der Yoga-Tradition hat die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler eine große Bedeutung“, erzählt Swami Durgananda, seit über 30 Jahren Leiterin der europäischen Sivananda Yoga-Zentren. 1982 entschloss sich ihr Guru Swami Vishnudevananda, mit einem motorisierten Ultralight-Flugzeug über die Berliner Mauer von West nach Ost zu fliegen – als Aufforderung, „menschengemachte Grenzen mit Liebe und Blumen zu überwinden“. Diese öffentlich angekündigte Friedensmission war zu dieser Zeit extrem riskant. Er beauftragte Swami Durgananda mit den Vorbereitungen dieser Aktion. „Vieles musste streng geheim gehalten werden. Dennoch sollte parallel dazu Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Der illegale Flug musste in den Medien angekündigt werden und ich knüpfte Kontakte zur Weltpresse, um die Friedensbotschaft ‚der Mensch ist frei wie ein Vogel‘ publik zu machen“, erzählt sie. Swami Vishnudevananda vertraute in der Vorbereitungsphase auf die Kraft positiver Gedanken und in göttliche Führung. Es bestand das Risiko, von Grenzsoldaten beschossen oder nach dem Flug inhaftiert zu werden. Am 15. September 1983 hob Swamiji von den Gatower Rieselfeldern in Westberlin ab, überflog die Mauer beim Checkpoint Charlie und landete schließlich auf einem Acker in Weißensee, Ostberlin. Nach einem Verhör bei der Stasi ließ man ihn zurück nach Westberlin fahren. „Swamiji hatte buchstäblich sein Leben in meine Hände gelegt – dies ist das größte Geschenk, dass mir jemals gemacht wurde“, so Swami Durgananda. 
  8. Sei großzügig
    Der amerikanische Yogalehrer und Autor Baron Baptiste sieht in der Weihnachtszeit die ideale Möglichkeit, bei seinen Söhnen Güte und Großzügigkeit zu stärken. Deshalb schenkt er den neun, zwölf und 15 Jahre alten Jungs jeweils einen Umschlag mit 100 Dollar. Die Hälfte des Geldes dürfen sie behalten und über die restlichen 50 Dollar frei verfügen. Baptistes Intention: Seine Kinder sollen sich überlegen, ob sie die andere Hälfte für sich selbst ausgeben oder spenden. „Darüber wird dann viel diskutiert, vor allem aber entsteht dadurch ein großes Bewusstsein dem Thema gegenüber“, erklärt der Erfinder von Power Vinyasa Yoga. Entsprechend reagieren auch seine Söhne: Sie entscheiden sich jedes Mal dafür, das Geld weiterzugeben. Meistens suchen sie sich eine gemeinnützige Organisation für Kinder aus, wie etwa das „Africa Yoga Project“. „Es ist ein Geschenk, das weiterlebt und etwas bewegt. Es ist ein Geschenk, das Leben in sich trägt“, so Baptiste. 
  9. Verschenke, was du liebst
    1978 entdecke die Yogalehrerin Angela Farmer in einem Londoner Antiquitätengeschäft ein kleines indisches Medaillon. Es zeigt eine Yogini, die in Padmasana, im Lotussitz, sitzt: „Ich fand es wunderschön und es wurde mein wertvollster Besitz“, erzählt Farmer. Vier Jahre später schenkte sie diesen Anhänger dem Yogalehrer Victor van Kooten, um ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen. Er war von diesem Geschenk derart gerührt, dass er dafür einen kunstvollen Reisealtar anfertigte. Bis heute begleitet dieser Altar die beiden auf ihren gemeinsamen Veranstaltungen. „Ich habe mein wunderschönes indisches Medaillon weggegeben, aber es kam zu mir zurück – geschmückt und verehrt! Es hat uns all die Jahre bei unseren Lehrveranstaltungen auf der ganzen Welt begleitet. Und jetzt steht die Yogini hier in unserer Yogahalle auf Lesbos, Griechenland. Sie repräsentiert unsere Herangehensweise an Yoga und das Geschenk unserer Liebe“, freut sich Farmer.

Text von Lisa Maria; Fotocredit: Pixabay

Verkaufte Erleuchtung: Yoga ist nicht die Lösung aller Probleme

Yoga Lösung

Ich fühle mich getäuscht. Meine Yogapraxis war keine Immunität für schwierige Situationen. Dabei hätte sich Yoga doch wie eine Bannmeile um mein Leben legen sollen. Schwierigen Situationen und unangenehmen Menschen bliebe der Zutritt untersagt. Wenn ich mich in meinem Leben umschaue, dann fällt mir auf. Same same – but different. Bietet Yoga Lösung aller Probleme?

Bezüglich schwieriger Lebensumstände muss ich leider feststellen: Bislang ist der Mose-Effekt ausgeblieben. Meine Yogapraxis gleicht nicht jenem Stab, der es Mose ermöglichte, trockenen Fußes durch das Rote Meer zu waten. Ich übe Nörgelei und Enttäuschung darüber, dass ich trotz komplexer Armbalancen immer wieder mit den Untiefen des Lebens konfrontiert werde. Darin gleiche ich eher Hiob, der vom gottesfürchtigen und ehrenwerten Mitbürger zum Lamentierer mutierte. Hiob und ich haben eigentlich nichts gemeinsam. Die Geschichte des Alten Testaments zeigt aber, dass selbst die stärkste Gottesfürchtigkeit oder Yogapraxis einknicken können. Mir geht es mit Letzterem ganz oft so. Warum ist das in der Yogaszene kein wirkliches Thema?

Mit einem strahlenden Lächeln…

Liest man die Biographien von Yogis, dann handelt es sich meist um Lebensläufe. Diese bewegen sich in einer kontinuierlichen Aufwärtsspirale. Ausgangspunkt war bei vielen die Krise. Diese scheint aber ein für alle Mal überwunden. Kein Blick mehr zurück. Ganz nach dem Motto: Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Alle scheinen unentwegt glücklich.

Zugegeben: In einer vollen Umkleidekabine spart man das eine oder andere weniger erfreuliche Lebensdetails aus. Wenn man von einer schmerzhaften und unlösbaren Veränderung im Leben spricht, sind die wenigsten Yogis um einen schlauen Spruch verlegen. „Das zahlt sich irgendwann einmal aus. Es ist eine Phase, die Dich weiterbringt.“ Diese Sätze höre ich zu oft, zu schnell und zu häufig. Spätestens dann habe ich das Gefühl, als hätte ich etwas wichtiges nicht verstanden. Kommt das von aufgelöster Dualität? Dass wir jede Situation und jede Schwierigkeit in ihren schönsten Farben strahlen sehen? Wenn wir unser ganzes Bewusstsein, unsere Sprache und unsere Haltung auf harmonischen Konsens bürsten, ist dann nicht zu befürchten, dass wir gegenüber den wahren Hiobsbotschaften dieser Welt abstumpfen?

Gerade in der westlichen Yogawelt herrscht die Tendenz, sich auf die freundlichen, guten und schönen Seiten des Lebens zu konzentrieren und diese zu stärken. Das kommt besonders in der Betonung der Körperlichkeit zum Ausdruck. Sicher haben die Lifestyle-Magazine ihren Teil dazu beigetragen, dass Yoga viel zu oft als reines Körperstyling vermarktet wird. Aber auch dort, wo keine Paparazzi vor den Yogastudios warten, um Stars nach ihrer Yogastunde Wasserflasche tragend abzufotografieren, fehlt mir oft die kritische Auseinandersetzung und Konfrontation mit dem Leben. Und dem Teil von Yoga, der sich nicht auf die Körperlichkeit konzentriert. Warum geben wir uns konstant dem Kraftakt hin, mit jedem und allem um uns herum im Einklang sein zu müssen und dabei noch gut aussehen zu wollen? Das hat beinahe schon „Klum“esque Züge.

Ich kann nichts dafür, es ist mein Gehirn!

Ich weiß, dass es ein Wiederspruch ist, aber wenn ich tatsächlich einmal einen meiner Yogalehrer jammern höre, bin ich verunsichert. Mein geschätzter Lehrer, meine geliebte Lehrerin schienen immer über allem zu stehen. Aber sind sie auch nur ein Mensch mit den üblichen weltlichen Problemen? Also: Ärger mit dem Finanzamt, mit dem Arbeitgeber. Probleme in der Partnerschaft oder verhaftet in einem lähmenden Verhaltensmuster mit einer eingebauten Rewind-Taste. Bietet dabei Yoga Lösung? Warum scheint der Graben zwischen yogischer Erkenntnis und richtigem Handeln so unüberwindbar groß?

Auf der Suche nach einer Erklärung gibt die Neurodidaktik aufschlussreiche Hinweise. Eines wird dabei sofort klar. Wir haben es mit einem starken Gegner zu tun. Nämlich unserem Gehirn. Die Neurodidaktik führt verschiedene Ansätze didaktischer und pädagogischer Konzepte mit Erkenntnissen der Neurowissenschaften zusammen. Insbesondere aus der Hirnforschung. Ob wir eine Erkenntnis in die Tat umsetzen und uns dafür auf den steinigen Weg des Umdenkens begeben, hängt davon ab, wie attraktiv uns ein Lernprozess erscheint. Was wir lernen oder nicht, ist multifaktoriell bedingt. Manche Faktoren können wir nicht beeinflussen. Etwa die Motivation und Glaubhaftigkeit unserer Lehrer, den kognitiven und emotionalen Lernvorraussetzung und dem Umfeld, in dem wir aufwachsen und leben.

Am Ende untersteht der Lernprozess aber dem Profanen, und weniger den höheren Werten. Ob wir wirklich bereit sind, etwas Neues zu lernen, hängt davon ab, ob das Gelernte auch belohnt wird. Folgendes Beispiel soll diesen Mechanismus erklären. Ich habe einmal von der folgenden Antwort des Musikers Billy Joel in einem Interview gehört. Warum wollte er unbedingt Klavier spielen lernen wollte? „Um die Mädchen zu beeindrucken.“ Zu Highschool-Zeiten konnte Joel nämlich mit den sportlichen Football- und Basketballspielern nicht mithalten. Er hatte aber festgestellt, dass Frauen ganz hingerissen waren, wenn man für sie Klavier spielte. Auf jeder Party, die ein Klavier zur Verfügung hatte, stand er fortan im Mittelpunkt. Das Piano war umringt von den Schönheiten seiner Schule, die schmachtend sein Spiel verfolgten.

Eine Lernsituation muss dem Lernenden attraktiv vorkommen. Das Gehirn reagiert auf extrinsische Belohnungen. Setzen wir uns aber mit Yogaphilosophie auseinander. Man stellt fest, dass Yoga von einer Tugend getragen wird, die auf Innerlichkeit setzt. Und wer applaudiert mir denn, wenn ich es schaffe, beim Anblick des Briefes vom Finanzamt ruhig und gelassen zu bleiben oder ich bei der Aufforderung zur Steuernachzahlung nicht in Panik gerate? Wer klopft mir auf die Schulter, wenn ich in der heißen Phase einer Diskussion gelassen abwarte und nicht darauf abziele, am Ende die besseren Argumente vorzuweisen? Habe ich die Kraft, mir ständig meine eigene Schulterklopferin zu sein? Ein schrecklicher Gedanke!

Die westliche Yogawelt geht widersprüchlich mit den yogischen Erkenntnissen um. Das ist nicht zu übersehen. Einerseits werden auf jedem Yogaflyer innere Qualitäten wie Ruhe und Gelassenheit hervorgehoben. Zusätzlich setzt die Yogakultur genau wie alle anderen auf schicke Yogaklamotten, einen schlanken Körper und eine gewisse Ästhetik bei der Einrichtung der Studios. Diese erinnern vielerorts eher an hippe Lounges. Werden uns die yogischen Tugenden also Anreiz genug sein, dass wir uns mit aller Wucht gegen alte Handlungsmuster stemmen? Auch, wenn uns eine Belohnung im konventionellen Rahmen eventuell verwehrt bleibt? Unser Gehirn entscheidet.

Yoga Lösung nur bei Erwerbstätigkeit?

Im Herbst 2008 auf der Brooklyn Bridge geriet ich in den berühmten Avon Walk gegen Brustkrebs. Tausende Frauen mit glühenden Gesichtern und entschlossenem Marschschritt brachten die Brücke beinahe zum Erbeben. Sie trugen T-Shirts mit Aufschriften wie „We will win the war against breast cancer“. Oder „Fight breast cancer“. Am Ende auf der Manhattan-Seite angekommen, war der Strom der Aktivistinnen noch nicht schwächer geworden. Unter diesen gefühlten zehntausend Frauen befanden sich exakt zwei Frauen of Color Herkunft. Ich war in eine Veranstaltung geraten, die vorgab, sich mit allen Frauen in den USA zu solidarisieren. Aber sie hatte es nicht geschafft, die nicht-weiße Bevölkerung mit ins Boot zu holen.

Genau das gleiche Bild liefert mir die urbane Yogaszene, zumindest in Deutschland. Von außen betrachtet suggeriert dieser Zirkel, dass jeder willkommen ist. Dass in Yogastudios Gegensätze  – auch soziale – überwunden werden. Für Gleichheit im Yoga gibt es aber weit und breit noch keinen Beweis. Die Eintrittspreise zur Yogastunde können sich nur wenige leisten. 10er-Karten, Halbjahres-Abos, Workshops oder gar Retreats. Alles ist kostspielig und setzt einen monetären Spielraum voraus. Der durchschnittliche Yogi ist weitgereist, mehrsprachig, gesundheitsbewusst und verfügt über ein regelmäßiges Einkommen. Also muss sich die Yoga-Community Fragen stellen. Setzt das Erlernen von Spiritualität eine Erwerbstätigkeit über dem Hartz IV-Niveau voraus? Dringt Yoga zu den Außenrändern der Gesellschaft vor? Oder hören wir sein Echo nur in bessergestellten Vierteln?

Momentan muss ich feststellen: Wir Yogis bleiben unter uns. Yoga verbindet Gleichgesinnte mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Das große Ziel ist jedoch, die Auflösung des Dualismus. Das beschränkt sich bislang bei viel zu vielen Yogis auf das Private. Denn immer noch hält sich hartnäckig eine Vorstellung. Yoga wird eben noch nicht gesellschaftsübergreifend praktiziert. Diese „guten Vibes“ täuschen über die Realität hinweg. Für die Weiterentwicklung des Yoga brauchen wir LehrerInnen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Natürlich sind Lebensläufe immer hochindividuell. Allerdings sind sich die Eckdaten der yogischen Hauptklientel bisher bezüglich Herkunft und Bildung zu ähnlich.

Feige, dreckig und gemein. Auch ein Teil von mir, trotz der scheibaren Yoga Lösung.

Die Öffnung hin zur Außenwelt geht neuerdings zum Glück voran. Viele Yogastudios bieten Yogaklassen auf Spendenbasis an. Organisationen wie „Off the Matt into the World“ möchten die Qualitäten, die Yoga in uns weckt, in Aktivismus umsetzen. Ein großer Schritt ist getan, Yoga allen zugänglich zu machen. Auch denen, die nicht zum üblichen Klientel gehören.

Es gibt aber immer wieder Tage, an der Yoga Lösung zweifeln werde. Natürlich ist mir bewusst, dass alles in meiner Hand liegt und Yoga nur das Werkzeug ist. Doch beim Lesen der verheißungsvollen Botschaften der Yogaszene vergesse ich das manchmal. Für mich persönlich bedarf eines regelmäßigen Abgleichs meiner Vorstellung von Yoga und der Wirklichkeit. Denn wie ein Schaf hinter einer Lehre her zu trotten ist gefährlich. Wir können viel mehr sein als nur Schafe, um es mit einem Gary-Larson-Comic auszudrücken.

Mehr zum Thema spiritueller Aktivismus als Yoga Lösung gibt’s hier.

Mit Yoga akzeptierte ich meinen Skeptizismus als eine nötige Triebkraft in meinem Leben. Die Liebe zum Hinterfragen und Anzweifeln schleift Pranayama nicht ab. Zweifellos hilft mir Yoga dabei, das Unangenehme besser zu ertragen. Oder die richtigen Fragen zu stellen. Am Ende des Tages rolle ich auch während persönlicher Krisenzeiten immer meine Yogamatte aus. Machen wir uns nichts vor. Außer dem Duft meines Kindes, einem regelmäßigem Einkommen, Antibiotika zum richtigen Zeitpunkt und den Simpsons, ist ein Satz Sonnengrüße für mein Wohlbefinden unschlagbar.


Über die Autorin! Diana Krebs arbeitet als freie Texterin in Berlin. Das Foto von Yan Krukov von Pexels.

Das Mantra der Transformation: N°11

Om asatoma sat gamaya

Der Bayer sagt „ja gemma“ und meint damit „ja gehen wir“. Der Brahmane sagt „gamaya“ und meint energetisch das Gleiche. „Gam“ ist die Keimsilbe Ganeshas. Dieser wird um Segen gebeten, wenn etwas Neues beginnt. „Om asatoma sat gamaya“, das Mantra der Transformation, ist die Bitte, dass Negatives gehen und Positives kommen möge. „Von der Unwirklichkeit führe uns zur Wirklichkeit, von der Dunkelheit ins Licht und vom Tod zum ewigen Leben.“

Das Singen oder Rezitieren von „Om asatoma sat gamaya“ eignet sich sowohl für den täglichen Gebrauch, beispielsweise am Ende einer Yogastunde, als auch als Kraftspender in schwierigen Situationen. Als die Mutter einer Freundin im Sterben lag, setzte ich mich neben ihr Bett und rezitierte leise 108 Mal dieses Mantra. Auch wenn Sie bereits abwesend war, so spürte ich dennoch eine positive Resonanz. Außerdem wurde die Angst der Tochter gemildert. War sie vorher wie erstarrt auf dem Balkon gesessen, kam sie jetzt in das Zimmer und konnte in der letzten Stunde ganz bei ihrer Mutter sein.


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhaja-Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de. 05 – 2011


Foto von Karl Solano von Pexels

Jetzt am Kiosk: Die November–Dezember Ausgabe

Musik und Stille: „Je stiller du wirst, desto klarer kannst du hören“, lautet ein Zitat von Rumi. Tatsächlich hängen Klang und Stille untrennbar zusammen: Nur durch die Pausen zwischen den Noten kann schließlich eine Melodie entstehen…

Erneut haben wir eine Ausgabe dem großen Thema Musik gewidmet: Mit diesem Heft erhalten Sie eine neue „Yogi Beats“-CD – bereits die sechste! Beliebte Kirtan-Sänger, aber auch berühmte Musiker wie Heather Nova haben uns ihre Lieblingslieder zur Verfügung gestellt, aus denen wir eine Playlist für Ihre Yogastunden und für Zuhause erstellt haben. Vielleicht mögen Sie ja mitsingen? Heather Nova meint im Interview: „Ich finde eine schöne Stimme überhaupt nicht wichtig – siehe Bob Dylan! Es zählt, die eigene Stimme zu finden.“

Die eigene Stimme finden – eine wunderschöne Aufgabe für einen Yogi. Auch in dieser Ausgabe haben uns wieder viele Yogis zum Nachdenken gebracht: Christiane Paul mit ihrer Meinung („Man muss keiner Norm entsprechen, um Tolles zu leisten“); Michi Kern mit seinem Engagement (er setzt sich in seiner Kolumne für die Rechte der Tiere ein) und zwei Yogalehrerinnen im Nahen Osten mit ihrem Mut im Ringen um Frieden („Yoga in Zeiten des Krieges“).

Letztlich geht es neben Stimme, Ausdruck und Handeln im Yoga aber immer auch um die Stille zwischen den Tönen. Der Achtsamkeitslehrer Lienhard Valentin spricht über Meditation als innere Quelle der Kraft und Ralf Sturm schreibt in „Lernen von den Göttern“: „Klar, irgendwann müssen wir handeln. Aber wir dürfen die Zeiten der Pause und der Ruhe nicht vergessen. Sie geben uns die Gelassenheit, wieder weiter nach vorne zu gehen.“

Also gönnen Sie sich doch einfach eine Pause – für Yoga, zum Lesen, zum Zuhören, zum Entspannen!

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.
Ihre YOGA JOURNAL-Redaktion

Titelthemen:

  • CD: YOGI BEATS – THE SOUND OF YOGA // CD Nr. 6 (10 Songs für die Yoga-Praxis und Künstlerporträts)
  • Artikel über die Wirkung von Klang/Musik im Yoga
  • Übungsstrecken für Balance und mehr Kraft: Hüftöffner und Armbalancen
  • Flying Bodywork mit 10 Haltungen
  • Inspiration/Philosophie: Über Mitgefühl und Empathie
  • City-Trip Basel
  • Ernährung: Warme Wintersalate
  • Interview: Christiane Paul über Körpergefühl und bewusstes Leben
  • Interview mit Heather Nova: „Ich will nicht perfekt sein“

Sie können die YOGA JOURNAL Ausgabe von November und Dezember 2014 (#36) bequem und versandkostenfrei für nur 5,50 Euro (inkl. Yogi Beats CD Nr. 6) in unserem Wellmedia-Shop bestellen. Hier klicken.

Mantra für Zufriedenheit: N°10

Ehrerbietung an die Kraft von Sri, die große Göttin Lakshmi

Om shrim mahalakshmyai namah

Stellen Sie sich eine Lotusblume vor, die in schlammigen Gewässern blüht und gedeiht. Indem Sie dieses Mantra sprechen, können Sie die selbe Fülle an Schönheit in Ihrem Leben heraufbeschwören. Dieses Mantra feiert die Kraft von Sri in Form der Hindu-Göttin Lakshmi. „Sri“ ist ein wichtiges Konzept im Yoga und der tantrischen Philosophie. Der Begriff steht gleichermaßen für Erfolg, Eleganz, Strahlungskraft und Heiligkeit. Lakshmi ist die göttliche Verkörperung all dieser Qualitäten.

Dieses Mantra ist Lakshmi als Inbegriff alles Göttlichen in uns selbst und in allen Geschöpfen gewidmet. Wer die Kraft von Lakshmi in sich erkennt, findet Zufriedenheit unabhängig von äußeren Umständen. Sie werden sich weniger habgierig fühlen und dankbar sein für das, was Sie umgibt. Als Verkörperung von Sri lehrt uns Lakshmi, durch das innere Gefühl der Genugtuung Erfolg im äußeren Leben zu erfahren – und nicht umgekehrt. Unabhängig davon, wie viel Zeit, Geld und Liebe Ihnen zur Verfügung steht, Sie werden nie Genugtuung verspüren, solange Sie nicht Sri in sich erwecken und ehren.

Beginnen Sie Ihre Praxis mit stillem Sitzen. Wiederholen Sie das Mantra in sanftem Ton immer wieder, während Sie die Kraft von Sri in sich spüren. Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeit, sich Sri in Ihnen bewusst zu machen und lassen Sie negative Gefühle und Zweifel hinter sich.


Foto von Oleg Magni von Pexels

Mark Whitwell über sein Mantra und Mutter Erde

Wir haben den geborenen Neuseeländer Mark Whitwell zum Kurzinterview getroffen und mit ihm über die zeitlosen Prinzipien des Yoga gesprochen. Er ist nicht nur hierzulande ein gern gesehener Lehrer, sondern erfreut sich weltweiter Beliebtheit. 

Mark Whitwell Munich Sessions 2014Name: Mark Whitwell
Ort: Fiji-Inseln und Los Angeles
Stil/Tradition: Yoga (Es gibt nur ein Yoga!)
Meine Lehrer: Krishnamacharya und Krishnamurti
Mein Mantra: Lachen und Vogelgesang
Website: www.heartofyoga.com

Mark, Herz-Yoga ist dein Motto und der Titel eines deiner Bücher. Hast du in den letzten Jahren in der Yogawelt eine Veränderung der Praxis zum Herzen hin bemerkt?
Ja, das habe ich tatsächlich – und zwar bei denjenigen, die das Glück haben, die Prinzipien meines Lehrers Krishnamacharya in ihre Praxis, ihr Wissen und ihr Leben integrieren zu können. Das lässt ihre Praxis effizient, kraftvoll und sicher werden. Sie begreifen, dass es beim Ausführen der Asanas darum geht, Gegensätze wie Ein- und Ausatmung oder die weibliche und männliche Lebenskraft zu vereinen. Die Vereinigung der Gegensätze offenbart die dahinterliegende Quelle aller Gegensätze und des Herzens.

Und worum geht es in deinem neuesten Buch?
Mein neues Buch „The Promise“ ist nicht nur für Yogis gedacht. Ich habe es geschrieben, damit jeder auf einfachste Weise ein Verständnis für die Methoden der großen Traditionen entwickeln kann. Zudem definiere ich darin, was Yoga tatsächlich ist und warum wir es praktizieren sollten. Ich möchte zeigen, wie leicht es wirklich für jeden ist, Yoga in der Art zu praktizieren, die für seine jeweilige Körperform, sein Alter, seinen Gesundheitszustand und seinen kulturellen Hintergrund angemessen ist. „The Promise“ erklärt ausführlich, dass die Yogapraxis Intimität mit dem Leben bedeutet und greift dabei Intimität jeglicher Art, auch sexueller Natur, auf.

Du bist ein Weltreisender. Wo ist dein Lieblingsplatz?
Mutter Erde ist mein Lieblingsplatz. Auf der Welt ist es überall außerordentlich schön, denn die Natur der Welt ist die Schönheit selbst – und das sind wiederum wir. Zuhause fühle ich mich auf den Fiji-Inseln, denn der Lebensraum ist hier noch sehr natürlich und bietet Platz für die Entfaltung vieler indigener Stämme. Ich liebe aber auch Deutschland, denn dort gehen die Menschen sehr in die Tiefe und sind aufrichtig.

Dein Unterrichtsstil ist sehr individuell. Was können deine Schüler von dir lernen?
Bei mir lernen die Schüler, wie sie Yoga an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Mein Guru würde sagen: „Passe Yoga an das Individuum an, nicht das Individuum an Yoga“. Das ist wichtig!

Welchen Kurs wirst du bei den MUNICH SESSIONS (Anm. d. Red. Veranstaltung vorbei) unterrichten und weshalb?
In München werde ich die essenziellen Prinzipien von Krishnamacharya unterrichten, wie sie in meinem Buch „Herz-Yoga“ beschrieben sind. Ich werde außerdem das Thema meines neuen Buches „The Promise“ vorstellen. Wir werden viel üben, so dass jeder weiß, wie er Freunde und Familie in Yoga unterrichten kann. Yoga muss in alle Welt verbreitet werden – als  verbindendes Prinzip aller Kulturen und Menschen in der EINEN Innigkeit mit dem Leben, die wir alle teilen.

Jetzt bestellen: Die November – Dezember Ausgabe

Musik und Stille: „Je stiller du wirst, desto klarer kannst du hören“, lautet ein Zitat von Rumi. Tatsächlich hängen Klang und Stille untrennbar zusammen: Nur durch die Pausen zwischen den Noten kann schließlich eine Melodie entstehen…

Erneut haben wir eine Ausgabe dem großen Thema Musik gewidmet: Mit diesem Heft erhalten Sie eine neue „Yogi Beats“-CD – bereits die sechste! Beliebte Kirtan-Sänger, aber auch berühmte Musiker wie Heather Nova haben uns ihre Lieblingslieder zur Verfügung gestellt, aus denen wir eine Playlist für Ihre Yogastunden und für Zuhause erstellt haben. Vielleicht mögen Sie ja mitsingen? Heather Nova meint im Interview: „Ich finde eine schöne Stimme überhaupt nicht wichtig – siehe Bob Dylan! Es zählt, die eigene Stimme zu finden.“

Die eigene Stimme finden – eine wunderschöne Aufgabe für einen Yogi. Auch in dieser Ausgabe haben uns wieder viele Yogis zum Nachdenken gebracht: Christiane Paul mit ihrer Meinung („Man muss keiner Norm entsprechen, um Tolles zu leisten“); Michi Kern mit seinem Engagement (er setzt sich in seiner Kolumne für die Rechte der Tiere ein) und zwei Yogalehrerinnen im Nahen Osten mit ihrem Mut im Ringen um Frieden („Yoga in Zeiten des Krieges“).

Letztlich geht es neben Stimme, Ausdruck und Handeln im Yoga aber immer auch um die Stille zwischen den Tönen. Der Achtsamkeitslehrer Lienhard Valentin spricht über Meditation als innere Quelle der Kraft und Ralf Sturm schreibt in „Lernen von den Göttern“: „Klar, irgendwann müssen wir handeln. Aber wir dürfen die Zeiten der Pause und der Ruhe nicht vergessen. Sie geben uns die Gelassenheit, wieder weiter nach vorne zu gehen.“

Also gönnen Sie sich doch einfach eine Pause – für Yoga, zum Lesen, zum Zuhören, zum Entspannen!

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.
Ihre YOGA JOURNAL-Redaktion

Titelthemen:

  • CD: YOGI BEATS – THE SOUND OF YOGA // CD Nr. 6 (10 Songs für die Yoga-Praxis und Künstlerporträts)
  • Artikel über die Wirkung von Klang/Musik im Yoga
  • Übungsstrecken für Balance und mehr Kraft: Hüftöffner und Armbalancen
  • Flying Bodywork mit 10 Haltungen
  • Inspiration/Philosophie: Über Mitgefühl und Empathie
  • City-Trip Basel
  • Ernährung: Warme Wintersalate
  • Interview: Christiane Paul über Körpergefühl und bewusstes Leben
  • Interview mit Heather Nova: „Ich will nicht perfekt sein“

Sie können die YOGA JOURNAL Ausgabe von November und Dezember 2014 (#36) bequem und versandkostenfrei für nur 5,50 Euro (inkl. Yogi Beats CD Nr. 6) in unserem Wellmedia-Shop bestellen. Hier klicken.