Selbstloses Geben: 9 Tipps für sinnvolle Geschenke

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Zugegeben, etwas früh ist es schon sich über Weihnachtsgeschenke Gedanken zu machen, aber nimmt man sich nicht jedes Jahr aufs Neue vor, richtig früh mit der Geschenke-Planung anzufangen? Wir möchten Ihnen mit unseren 9 Tipps verraten, wie Sie Ihre Mitmenschen sinnvoll beschenken. Hierbei gilt der Grundsatz: Gib mehr, als du erwartest, denn die schönsten Geschenke sind die, die von Herzen kommen. Zur Inspiration erzählen Patricia Thielemann, Tom Beyer, Swami Durgananda und andere bekannte Yoga-Größen, was für sie ein besonderes Geschenk ausmacht und was sie selbst gerne verschenken – nicht nur zur Weihnachtszeit. Nachmachen erlaubt!

Als ich in der fünften Klasse war, fertigte ich ein Bild von den Heiligen Drei Königen an – es bestand aus getrockneten Makkaroni, Goldspray, Kleber und grünem Filz. Auch wenn es auf materieller Ebene nichts wert war, war es doch kostbar: Ich hatte es mit meinen eigenen Händen geschaffen. Zudem gefiel es meiner katholischen Mutter besonders gut.

Jemandem das perfekte Geschenk zu überreichen, ist vergleichbar mit einem herzlichen Namasté: „All das Beste und Höchste in mir würdigt das Beste und Höchste in dir.“ In diesem Moment des Schenkens haben der Gebende und der Empfangende die Möglichkeit, tief in den anderen hinein zu blicken und sein wahres Selbst zu feiern. Auf diese Art zu geben bedeutet, Yoga gemeinsam zu leben. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, ob es sich bei dem Geschenk um einen selbstgemachten oder gekauften Gegenstand handelt. Am Ende sind die besten Geschenke die, die von Herzen kommen.

Was aus meinen Heiligen Drei Königen wurde? Bis heute gehören sie zu meinen besten Geschenken. Zur Weihnachtszeit hängen sie immer noch bei Mama an der Wand – auch wenn inzwischen ein paar Makkaroni fehlen. 

  1. Auf das Wesentliche konzentrieren
    Patricia Thielemann freut sich noch immer über eine besondere Kette, die sie vor Jahren von ihrem Mann geschenkt bekam. „Mein Mann Brian ist einen ganzen Kopf kleiner als ich. Damit hatte ich nie ein Problem. Dass ich aber gut 15 Kilo schwerer bin als er, fand ich anfangs äußerst bedenklich. Als ich ihn vor zehn Jahren in Los Angeles kennen lernte, war ich zwar erfolgreich, aber keineswegs glücklich“, erzählt die Besitzerin des Spirit Yoga-Studios in Berlin. Wie viele Frauen hoffte sie, irgendwann einen Mann zu treffen, an dessen starker Schulter sie sich für immer anlehnen kann. Brian entsprach nicht ihrer Wunschvorstellung, also übte sie wie besessen Yoga. Die Praxis war hart und laut genug, um ihre Sehnsucht zu betäuben. „Lass uns in Deutschland ein ganz tolles Yoga-Studio aufmachen und viele Kinder kriegen“, schlug Brian enthusiastisch vor. „Träum’ weiter, kleiner Liebling“, spottete Thielemann damals. „Als fünf Jahre später bei mir die Wehen tobten, zitterten zwar seine Beine, aber er hielt mich, physisch und psychisch – mit meinem Kampfgewicht und meinen Launen.“ Nachdem ihr erster Sohn geboren war, legte Brian ihr liebevoll eine Kette mit einem gläsernen Herz um den Hals. Der Anhänger sollte ein Symbol dafür sein, wie kostbar und fragil das Leben ist. „Immer wenn ich das filigrane Schmuckstück trage, fühle ich mich zart und weiblich. Endlich bin ich angekommen bei mir, als Frau.“ So habe sie viel von Brian gelernt. Ein Kernsatz bleibt Thielemann besonders in Erinnerung: „Frage dich, ob das, was du tust, einfach nur beeindruckend ist oder wirklich wesentlich.“ Mit dieser Aussage habe sich nicht nur ihre Art zu unterrichten verändert, merkt sie schmunzelnd an. 
  2. Do It Yourself
    Cyndi Lee liebt das Stricken – und so machen ihre Stricknadeln auch vor Geschenken nicht Halt. „Während ich etwas stricke, das ich verschenken möchte, denke ich an denjenigen, der es bekommen soll,“ erklärt die Gründerin von OM Yoga in New York. Einer ihrer ersten Strickversuche war zugleich eines ihrer besten Geschenke: eine Wolldecke für ihren krebskranken Vater.
    Lee fand heraus, dass ein Geschenk nicht unbedingt schön sein muss, um geschätzt zu werden. „Für dieses Anfängerstück benutzte ich grobes Garn in grellem Rot, Grün und Gelb. Die farbenfrohe Decke stahl am Weihnachtsmorgen allen anderen Geschenken die Show“, erinnert sie sich. Ihr Vater liebte diese Decke – so schlampig zusammengenäht und uneben, wie sie war. „Cyndi, du bist so talentiert, das kannst du richtig gut!“, freute er sich. Obwohl diese Decke kaum groß genug war, um seinen Schoß zu bedecken, wärmte sie ihn bis zu seinem Tod nicht nur körperlich, davon ist Lee überzeugt. 
  3. Eins sein
    „Ein Geschenk von Herzen ist für mich die Beziehung zu meiner Frau“, erzählt Yoga Vidya-Gründer Sukadev Bretz. „Wir arbeiten schon sehr lange zusammen. Zuerst hat sie mich im Frankfurter Yoga Vidya Center unterstützt, danach im ersten Seminarhaus im Westerwald und jetzt hilft sie mir bei der Leitung des Ashrams in Bad Meinberg.“ Wichtig ist ihm, regelmäßig Zeit für gemeinsame Meditationen, aber auch für private Ausflüge und Urlaube zu finden. Einmal hatte Bretz in einer Mitarbeiterversammlung kurz vor Weihnachten vergessen, ihr besonders zu danken. „Ich denke, das geschah deshalb, weil wir uns so sehr eins fühlen. Ich habe das natürlich nachgeholt, und bin sehr froh, dass wir hier in Bad Meinberg gemeinsam Yoga leben“, so Bretz. 
  4. Mach Musik
    Im Laufe der Jahre ist es für den amerikanischen Kirtan-Sänger Jai Uttal und seine Frau Nubia Teixeira zur Tradition geworden, sich zu Weihnachten gegenseitig selbst zusammengestellte CDs zu schenken. Für die beiden ist es eine gute Möglichkeit, ihr Eheversprechen aufzufrischen, gemeinsam Pläne zu schmieden und ihre Liebe zum Ausdruck zu bringen: „Es macht so viel Freude, einen Liebesbrief auf diese Art zu verfassen“ erklärt Teixeira lachend. Es ist ganz einfach: Mit Hilfe von Instrumenten wie Shaker, Synthesizer, Trommel und Gitarre entstehen fröhliche Loblieder auf den anderen. Sie sollen an Momente erinnern, die für das Paar ganz besonders wichtig waren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Erinnerungen ernst oder albern sind. Auf einer CD von Teixeira war einmal ihr gemeinsamer fünfjähriger Sohn zu hören. „Das war das beste Geschenk, das ich je bekommen habe“, freut sich Uttal bis heute. 
  5. Gib mehr, als du erwartest
    Für Tom Beyer, Yogalehrer bei Home Yoga in Berlin, ist selbstloses Geben eines der wertvollsten Geschenke. „Das passiert ständig, überall und im Kleinen. Etwa wenn jemand auf der Straße ein Lächeln verschenkt , oder verständnisvoll ausweicht, wenn man noch schnell in die U-Bahn springen möchte“, erklärt er. Er schätzt Menschen, die ihr Gegenüber bedingungslos annehmen – ohne Bewertung, Kritik oder die Absicht, zu beeinflussen. „Es ist toll, wenn jemand wahrhaftig ist und seine Masken fallen lässt, ohne Angst zu haben, verletzt oder ausgenutzt zu werden. Die Kraft, Unabhängigkeit und Sicherheit dafür kann aus Yoga, aber auch aus anderen Quellen kommen“, findet Beyer. Selbstloses Geben besteht für ihn auch da- rin, Wissen und Weisheit mit anderen zu teilen, ohne einen unmittelbaren Gegenwert zu erwarten. „Das habe ich so bei einigen meiner Lehrer erfahren, denen ich sehr dankbar bin. Nun versuche ich in meinem Unterricht dieses Wissen an Schüler und zukünftige Lehrer weiterzugeben.“ 
  6. Charity-Aktion
    Nachdem einer ihrer deutschen Fans einen Schlaganfall erlitten hatte und plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen war, starteten Deva Premal und Miten kurzerhand eine Charity-Aktion. Mit Hilfe ihrer Fans schenkte das spirituelle Gesangspaar der Frau einen Behindertenhund. Mit der festen Überzeugung, alle seien eine große Familie, in der man einander hilft, riefen sie zu Spenden auf. Das Duo stellte während seiner Konzerte Boxen auf und sammelte Geld für den kranken Fan. Auf der Bühne machten sie auf die Aktion aufmerksam und baten um Hilfe. Das Publikum reagierte enthusiastisch: Bei nur zwei Auftritten kam genügend Geld zusammen, damit sich die Frau den dringend benötigten Vierbeiner anschaffen konnte. „Seit der Hund sie im Alltag unterstützt, fällt ihr vieles leichter“, erzählt Deva Premal nach einem Besuch bei der Frau und ihrem Hund in Köln. 
  7. Das Geschenk des Gurus
    „In der Yoga-Tradition hat die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler eine große Bedeutung“, erzählt Swami Durgananda, seit über 30 Jahren Leiterin der europäischen Sivananda Yoga-Zentren. 1982 entschloss sich ihr Guru Swami Vishnudevananda, mit einem motorisierten Ultralight-Flugzeug über die Berliner Mauer von West nach Ost zu fliegen – als Aufforderung, „menschengemachte Grenzen mit Liebe und Blumen zu überwinden“. Diese öffentlich angekündigte Friedensmission war zu dieser Zeit extrem riskant. Er beauftragte Swami Durgananda mit den Vorbereitungen dieser Aktion. „Vieles musste streng geheim gehalten werden. Dennoch sollte parallel dazu Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Der illegale Flug musste in den Medien angekündigt werden und ich knüpfte Kontakte zur Weltpresse, um die Friedensbotschaft ‚der Mensch ist frei wie ein Vogel‘ publik zu machen“, erzählt sie. Swami Vishnudevananda vertraute in der Vorbereitungsphase auf die Kraft positiver Gedanken und in göttliche Führung. Es bestand das Risiko, von Grenzsoldaten beschossen oder nach dem Flug inhaftiert zu werden. Am 15. September 1983 hob Swamiji von den Gatower Rieselfeldern in Westberlin ab, überflog die Mauer beim Checkpoint Charlie und landete schließlich auf einem Acker in Weißensee, Ostberlin. Nach einem Verhör bei der Stasi ließ man ihn zurück nach Westberlin fahren. „Swamiji hatte buchstäblich sein Leben in meine Hände gelegt – dies ist das größte Geschenk, dass mir jemals gemacht wurde“, so Swami Durgananda. 
  8. Sei großzügig
    Der amerikanische Yogalehrer und Autor Baron Baptiste sieht in der Weihnachtszeit die ideale Möglichkeit, bei seinen Söhnen Güte und Großzügigkeit zu stärken. Deshalb schenkt er den neun, zwölf und 15 Jahre alten Jungs jeweils einen Umschlag mit 100 Dollar. Die Hälfte des Geldes dürfen sie behalten und über die restlichen 50 Dollar frei verfügen. Baptistes Intention: Seine Kinder sollen sich überlegen, ob sie die andere Hälfte für sich selbst ausgeben oder spenden. „Darüber wird dann viel diskutiert, vor allem aber entsteht dadurch ein großes Bewusstsein dem Thema gegenüber“, erklärt der Erfinder von Power Vinyasa Yoga. Entsprechend reagieren auch seine Söhne: Sie entscheiden sich jedes Mal dafür, das Geld weiterzugeben. Meistens suchen sie sich eine gemeinnützige Organisation für Kinder aus, wie etwa das „Africa Yoga Project“. „Es ist ein Geschenk, das weiterlebt und etwas bewegt. Es ist ein Geschenk, das Leben in sich trägt“, so Baptiste. 
  9. Verschenke, was du liebst
    1978 entdecke die Yogalehrerin Angela Farmer in einem Londoner Antiquitätengeschäft ein kleines indisches Medaillon. Es zeigt eine Yogini, die in Padmasana, im Lotussitz, sitzt: „Ich fand es wunderschön und es wurde mein wertvollster Besitz“, erzählt Farmer. Vier Jahre später schenkte sie diesen Anhänger dem Yogalehrer Victor van Kooten, um ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen. Er war von diesem Geschenk derart gerührt, dass er dafür einen kunstvollen Reisealtar anfertigte. Bis heute begleitet dieser Altar die beiden auf ihren gemeinsamen Veranstaltungen. „Ich habe mein wunderschönes indisches Medaillon weggegeben, aber es kam zu mir zurück – geschmückt und verehrt! Es hat uns all die Jahre bei unseren Lehrveranstaltungen auf der ganzen Welt begleitet. Und jetzt steht die Yogini hier in unserer Yogahalle auf Lesbos, Griechenland. Sie repräsentiert unsere Herangehensweise an Yoga und das Geschenk unserer Liebe“, freut sich Farmer.

Text von Lisa Maria; Fotocredit: Pixabay