Reine Nahrung für den Geist

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Unsere tägliche Nahrung versorgt Körper, Geist und Seele mit allem, was für ein gesundes, glückliches und langes Leben notwendig ist. Je nachdem, welche Prioritäten man im Leben setzt, sollten die Speisen individuell ausgewählt, kombiniert und zubereitet werden. Dadurch kann man jene Teile des eigenen Wesens in ihrer gesunden Entwicklung fördern, die aktuell besonders im Fokus stehen.

Für den spirituell Suchenden empfehlen Yoga und Ayurveda eine reine Ernährungsform, die auch sattvische Ernährung genannt wird. Darunter versteht man in der ayurvedischen Diätetik eine sehr reine und naturbelassene Ernährungsform, die die geistige Verfassung des Menschen verbessern soll. Anhand der drei Gunas Tamas, Rajas und Sattva legt man die Ernährungskriterien so fest, dass Tamas und Rajas überwunden und Sattva gesteigert wird. Dadurch können die Klarheit des Geistes, die Reinheit der Gefühle und die Kraft des Körpers gestärkt werden. Im Yoga stehen die drei Gunas Tamas, Rajas und Sattva für die Gemütszustände des Geistes: Tamas herrscht während des Schlafes und beschreibt einen Geisteszustand, der von Trägheit und Unbewusstheit geprägt ist. Rajas herrscht tagsüber und wird durch Aktivität und Stimulation bestimmt. Sattva ist die Balance von Tamas und Rajas: ein ausgeglichener, kontrollierter Geisteszustand, in dem Bewusstheit, Intelligenz und ethische Werte vorherrschen. Das oberste Ziel aller psycho-mental ausgerichteten Yoga- und Ayurvedapraktiken ist es, das Sattva-Guna zu stärken, um ein Leben in ganzheitlicher Gesundheit und spiritueller Verbundenheit zu führen.

Frische Nahrung für die Seele
Die wichtigste Eigenschaft einer sattvischen Ernährung ist ihre frische, vitalstoffreiche und liebevolle Zubereitung – und ein ebensolcher Verzehr. Fertignahrung in jeglicher Form wird aus ayurvedischer Sicht als nicht-sattvisch bezeichnet und ist im Vergleich zu Selbstgekochtem immer minderwertig. Eine frisch zubereitete Suppe ist somit selbst hochwertigen Fertigprodukten aus dem Bioladen vorzuziehen. Unter diesem Gesichtspunkt sollte man auch die Verwendung von Sojaprodukten – die zwar vegan, aber häufig fermentiert und nicht frisch sind – überdenken.

Vegetarisch oder doch mit Fleisch?
Das ist die Gretchen-Frage in der ayurvedischen Ernährung, wenn es um das sattvische Bewusstsein geht. Ziel der sattvischen Ayurveda-Ernährung ist es, unsere spirituelle Entwicklung zu fördern. Dafür ist eine naturbelassene Bio-Ernährung, die auf alle fleischlichen Eiweiße verzichtet, ein absolutes Muss. Durch Ahimsa, das geistige Prinzip der Gewaltlosigkeit, gewinnen wir an spiritueller Kraft, feinstofflicher Energie und geistiger Vitalität. Aus diesem Grund werden in der sattvischen Ernährung Fleisch, Fisch und Eier strikt gemieden. Die einzigen Quellen tierischen Eiweißes sind frische Biomilch, Butter, Ghee und Buttermilch.

Anregende Reizstoffe wie Kaffee, schwarzer Tee, roher Knoblauch und Zwiebeln werden aufgrund ihrer aphrodisierenden Wirkung für Mönche und Meditations- Praktizierende nicht empfohlen. Umso wichtiger ist das Gebet in der sattvischen Ernährung: Die Energie des Essens hängt stark von der inneren Haltung während des Kochens und Essens ab. Jede Mahlzeit sollte mit Dankbarkeit für Gottes Gaben und Bewusstheit zubereitet und in Ruhe eingenommen werden. Man kocht mit Liebe und legt geradezu Zärtlichkeit in die Verarbeitung von lebendiger Nahrung – das Gemüse wird mit Bedacht geschnitten, der Duft beim Köcheln geatmet und die fertigen Speisen entstehen vor dem inneren Auge. Durch das Singen spiritueller Verse (Mantras) beim Kochen kann die heilende Kraft noch verstärkt werden. Besonders in Klöstern und Tempeln richten Yogis und spirituell Suchende ihre Ernährung traditionell nach diesen sattvischen Grundregeln aus. Doch auch wenn man kein strenges Yogaleben führt, kann die sattvische Ernährung eine wertvolle Therapie sein. Die reine Ernährung befreit von psychischen Schlacken und bringt unterdrückte Gefühle an die Oberfläche. Gerade depressive oder traumatisierte Menschen sind oft mit „geistigem Ama” belastet. Eine sattvische Ernährung kann dabei helfen, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen und sich von Ängsten, Aggressionen und negativen Emotionen zu befreien.Mit der richtigen Ernährung erfährt man eine neue Lebendigkeit und Klarheit, die Kraft geben kann, alte Persönlichkeitsmuster abzulegen und ein neues Selbstbild zu erschaffen. Dafür sollte etwa die Hälfte der Nahrung aus möglichst unbehandeltem Gemüse und Früchten bestehen, dazu kommen vollwertige Getreideprodukte und Nüsse. Alle Mahlzeiten des Tages werden immer frisch zubereitet und direkt im Anschluss in angenehmer Atmosphäre verzehrt. Die einfachen und mild gewürzten Speisen gleichen das körperliche und geistige Feuer aus und fördern inneren Frieden und Reinheit. Der Grundgeschmack der sattvischen Diät setzt sich aus süßen und bitteren Nahrungsmitteln wie zum Beispiel süßen Früchten, Nüssen und Blattgemüse zusammen. Diese öffnen den Geist, befreien von negativen Emotionen und fördern den Heilungsprozess bei psychischen Erkrankungen. Die traditionelle Ernährungstherapie des Ayurveda kennt zudem spezielle Rezepturen, die das mentale Gleichgewicht fördern. Dazu werden besonders gerne Nahrungsmittel wie Reis, Weizen, Mungbohnen, rote Linsen, Sellerie, Spinat, Rüben, Granatapfel, Mangos, Kokosnuss, Trauben, Milch, Ghee, Sesamsamen, Datteln, Ingwer und Kurkuma verwendet. Auch Heilkräuter wie Shatavari, Brahmi, Amalaki, Ashwagandha, Pippali oder Haritaki setzt man zusammen mit Milch oder Trockenfrucht-Toffees zur Behandlung von mentalen Dysbalancen wie Gedächtnis-, Schlafstörungen oder Trauer ein.

Kerstin Rosenberg bildet als Ayurveda-Spezialistin und erfolgreiche Buchautorin Ayurveda-Therapeuten, -Ernährungsberater und psychologische Berater in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der Europäischen Akademie für Ayurveda

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