Der Pflug: warum sollte man wirklich für ihn ackern

Halasana in corpore sano

Deutsch, Englisch, Geschichte: Das waren meine guten Fächer. Mathe, Chemie, Physik: ein anderes Kapitel… 13 Jahre Schule prägen einen, egal, wie lange sie zurückliegen. Und so hatte ich mich schnell daran gewöhnt, meine Stärken vor mir herzutragen und gleichzeitig vor meinen Schwächen davonzulaufen. Aber hopp, hopp! Die Konzentration auf das, was ich kann, hat mich ja auch einigermaßen weit gebracht, finde ich. Allerdings natürlich mal wieder nicht im Yoga.

Sei es nun dem Davonhoppeln oder meiner großen Liebe, dem Radfahren, geschuldet. Meine Beinsehnen waren stark, ausdauernd und leider unendlich verkürzt. Und das musste ich bald bei einigen Übungen feststellen. Vorbeugen, wie soll das gehen? Mit dem Oberkörper zum Knie, wie bitte? Mit den Händen zum Boden, qué pasa, amigo?! Das hatte ich noch nie gekonnt und das war auch nicht in meinem Repertoire, bums, aus, Nikolaus. Ich bin gut in Stehhaltungen, kann meine Arme toll hinter dem Rücken verbiegen und meinen Oberkörper verdrehen wie die lustige Post-Eule von Harry Potter. Und genau wie sie lieferte ich mit schlaftrunkener Sicherheit Krieger und Twists ab und verstand nicht, warum ich immer noch dazu gezwungen wurde, die Dinge zu machen, die ich doch gar nicht drauf hatte – wie den Pflug.

Von Anfang an war mir klar: Das wird nix mit uns. Ich bin die mit den kurzen Hamstrings, Ham wie Schinken, hallo? Es macht doch nur Sinn, dass die bei einer Prä-Gemüseanbau-Haltung nicht auch nur im Geringsten mitarbeiten. Ich machte es also zu meiner Gewohnheit, mich innerlich seufzend und schon mit der Sache abschließend aus dem Schulterstand auf den Rücken zu rollen und die Fußgelenke slash Schienbeine anzuglotzen. Meine Beinsehnen, mein Rücken, meine Halsmuskeln, buhuu. In dieser echt mies gespielten Ergebenheit in mein schreckliches, aber eben unabwendbares Schicksal, niemals meine Oberschenkel erblicken zu können, spielte ich falsches Ding einfach auf Zeit und wartete, bis wieder eine Paradehaltung von mir drankam. (Nun gut, nach dem Pflug kann man es ja nur noch im Fisch oder in Shavasana verbocken, und dazu muss man noch ne ganze Ecke begabter im Das-kann-ich- nicht-das-konnte-ich-noch-nie-Spiel sein als ich…)

Ich hatte mich so auf diese Rolle eingeschossen, dass ich eines Tages schrecklich doof geguckt haben muss, als ich plötzlich mit den Füßen hinter meinem Kopf den Boden antippte. Höäh? Anscheinend hatten meine Beinsehnen und mein Verstand nach zwei Jahren Yogapraxis endlich ein Einsehnen, pardon Einsehen, mit mir. Und auf einmal lag ich da, kompakt wie ein Schweizer Taschenmesser, und konnte nach zögerndem Probieren sogar die Knie an die Ohren bringen. An das Gefühl, das ich nach der Stunde hatte, kann ich mich gut erinnern: Wenn ich das kann, was ich nie konnte, dann kann ich ja vielleicht noch viel mehr lernen! Ich hatte mich nur an das Nicht-Können, Nicht-Dürfen und Nicht- Machen so sehr gewöhnt!

Tatsächlich steht bezüglich der Wirkung des Pfluges (oder Halasana) geschrieben, dass die Übung dabei hilft, “langfristige Veränderungen einzuleiten und geduldig die Wirkungen abzuwarten”. Amen. Der Pflug dehnt Rücken und Halswirbelsäule, hilft Flexibilität zu bekommen, dehnt die Beinmuskeln (aha!) und löst Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich (und ab und an auch ein paar Zentimeter weiter drüber – in der Birne).

Ich muss jetzt dazu sagen, dass ich trotzdem immer noch mies im Kopfrechnen bin. Mein Steuerberater kann das bestätigen, der arme Knilch. Aber ich bin wirklich offener für Veränderungen geworden, positive wie auch negative. Und darauf kann man wenigstens zählen.

Das Neueste

Was passiert im Frauenkreis?

Spiritueller Trend oder uralte Tradition? Frauenkreise oder "Women's Circles" finden gerade in der Yogaszene immer mehr Zuspruch....

Kann ein Atheist spirituell sein? Satsang Kolumne

In der Satsang-Kolumne antwortet Dr. MoonHee Fischer, promovierte Religionsphilosophin, im Bereich der alternativen Heilung tätig, auf eure...

Wie finde ich meinen Seelenpartner?

Wäre es nicht schön, deinem Seelenpartner einfach im Park über den Weg zu laufen? Und wäre es...

Meditation in 15 Minuten: Frei in der Natur

Im Freien vertiefen wir unsere Verbindung zur Natur und zur eigenen Mitte. In 5 simplen Schritten zeigt...

Heilkraft der Natur: Kleine Kräuterkunde

Du wolltest dir schon immer einen eigenen Kräutergarten anlegen? Sehr gut, denn Petersilie, Minze und andere Kräuter...

Yoga gegen Stress und Depression

In schwierigen Lebensphasen kann Yoga eine besonders große Hilfe sein. Das hat auch Sandra erfahren, die durch...
- Werbung -

Pflichtlektüre

Meditation in 15 Minuten: Frei in der Natur

Im Freien vertiefen wir unsere Verbindung zur...

Kann ein Atheist spirituell sein? Satsang Kolumne

In der Satsang-Kolumne antwortet Dr. MoonHee Fischer,...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallenEmpfohlen
Unsere Tipps