Yogi in der Maschine

Eine Kernspintomographie zeigt die Kraft des Yoga.
Ich war gerade dabei, Gomukhasana (Kuhgesicht) zu unterrichten, da spürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz in meiner linken Schulter. Da mein Arzt einen Riss in der Rotatorenmanschette befürchtete, schickte er mich umgehend zu einer Kernspintomographie. Obwohl die halbstündige Prozedur schmerzfrei ist, ist sie für niemanden einfach. Doch für Menschen, die an Platzangst leiden, kann die in einer dunklen Röhre durchgeführte Untersuchung zu einer klaustrophobischen Tortur werden.

Obwohl ich schon seit Jahren keine Panik­attacke mehr hatte, spürte ich – in Decken eingewickelt, den linken Arm festgebunden und Gehörschutz in den Ohren – alte Angstgefühle in mir aufsteigen, als ich auf einer Trage liegend mit dem Kopf voran in die enge Röhre geschoben wurde. Gerne hätte ich den Vorgang abgebrochen. Doch anstatt mich wie früher von Panik leiten zu lassen, hatte ich diesmal einen starken Verbündeten an meiner Seite: Yoga!

Ich begann das Dirga Pranayama (Drei-Teil-Atmung) zu praktizieren, schloss meine Augen und atmete tief in meinen unteren Bauch, die Brust und die Kehle, mit Konzentration auf langer Ausatmung. Als der ohrenbetäubende Lärm der Maschinen einsetzte, ließ ich mich vollständig auf seinen Rhythmus ein. Schon bald klang das Rattern des Apparates wie das Mantra Om. Intuitiv ließ ich jeden Taktwechsel kommen und passte mich ihm an: Ich wurde eins mit der Maschine. Wenn die Geräusche zwischenzeitlich stoppten, ruhte ich mich aus und nahm die ­Situation bewusst wahr.

Als ich nach einer halben Stunde aus der Maschine in den hell erleuchteten Raum gefahren wurde, fühlte ich mich so friedvoll und entspannt wie nach einer sitzenden Meditation oder Savasana. Zu meiner großen Erleichterung erfuhr ich außerdem, dass die Sehne zwar entzündet, aber nicht gerissen war. Dankbar war ich für die Erinnerung, dass Yoga ­immer da ist – sogar im Zentrum der Angst.

YogaWorld Journal 5/26
YogaWorld Journal 5/26

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