Du suchst neue Yogakleidung oder Yogaausrüstung, bist dir aber nicht sicher, welchen Impact und Fußabdruck dein möglicher Kauf hat? Die Kleidungs- und Textilindustrie tragen zu der Verschmutzung des Planeten bei, doch oft ist es schwer bis unmöglich herauszufinden, ob ein Produkt wirklich nachhaltig und fair produziert wurde.Wir erklären, worauf du achten musst. //anzeige
Nachhaltigkeit spielt in der gesamten Gesellschaft eine immer größere Rolle, vor allem in der Welt des Yoga ist sie ein zentrales Thema. Deutlich wird das bereits im täglichen Leben vieler Yogis: bei der Glas- oder Metallflasche während der Yogastunde, hoher Naturverbundenheit und einer achtsamen Ernährung.
Nachhaltigkeit und Yoga: Eng miteinander verbunden.
Bereits im Yogasutra, einem der wichtigsten Grundlagentexte des Yoga, wird ein rücksichtsvoller und bewusster Umgang mit allen Lebewesen vorgeschlagen. Auch auf den achtsamen Umgang mit der Natur wird explizit hingewiesen: nur so viel zu besitzen, wie wir wirklich brauchen. Viele Yogis, die diesem Leitfaden folgen, suchen deshalb auch beim Kauf neuer Yogakleidung nach Alternativen, die dem Planeten und der Natur weniger schaden. Doch oft ist es gar nicht so einfach wirklich nachhaltige Kleidung und Ausrüstung zu erkennen.
Die Textilindustrie als Treiber der Verschmutzung des Planeten
Die Textilindustrie ist einer der größten Treiber der Verschmutzung unseres Planeten. Sie alleine verursacht mehr CO2 als der Flugverkehr und die Schifffahrt zusammen. Rund 65 Prozent aller Textilfasern auf dem Weltmarkt sind aus synthetischen Chemiefasern, für deren Produktion bis zu 98 Millionen Tonnen Öl nötig sind. Das sind erschreckende Fakten und leider gibt es viele Hersteller, die den Marketing-Trend „Nachhaltigkeit“ rein für Zwecke des Wirtschaftens und nicht aus dem Achtsamkeitsgedanken heraus für sich nutzen.
Häufig gibt es nur vereinzelt nachhaltige Produkte, zwischen herkömmlichen und für unseren Planeten schädlichen Teilen. Selbst Öko-Siegel können verwirrend und irreführend sein. Denn die meisten betrachten nur einzelne Schritte im Herstellungsprozess, nicht aber die ganzheitliche Produktion.
Woran erkennt man nachhaltige Kleidung?
Und wie kann man sich sicher sein, dass man der Umwelt mit einem Kauf nicht schadet? In den letzten Jahren sind viele kleine und unabhängige Unternehmen aufgetaucht, die der Textilindustrie zeigen, dass es auch anders geht: Produziert wird aus Bio-Baumwolle, die bis zu 90% weniger Wasser benötigt als herkömmliche Baumwolle, aus Econyl® oder Tencel®. Econyl® ist ein Nylongarn, das aus Fischernetzen und Plastikabfällen gewonnen wird. Der Garn hilft daher einerseits den Müll in unseren Ozeanen zu reduzieren und hat darüber hinaus einen bis zu 80% geringeren Treibhausgaseffekt als herkömmliche Sportbekleidung – ohne dabei auf Funktionalität verzichten zu müssen.
Auch Lyocell und Modal Fasern, aus natürlichen Zellstoffen wie Bambus oder Holz, werden umweltschonend gewonnen und sind biologisch abbaubar. Viele Produktionsorte liegen in Europa oder sind zertifiziert und auf Fairness geprüft worden. Wichtig ist, darauf zu achten, aus welchen Materialien ein Artikel besteht, aber auch wo und unter welchen Umständen er produziert wurde.
PLANETICS vereinfacht die Suche nach nachhaltigem Sportbedarf
Auf PLANETICS findest du eine große Auswahl an nachhaltiger & fairer Yogakleidung, Yogamatten & Co.
PLANETICS wurde mit dem Ziel gegründet, Menschen die Suche nach wirklich nachhaltiger Sportkleidung und -ausrüstung zu vereinfachen. Das Unternehmen hat eigene, strenge Richtlinien entwickelt, nach denen ein Produkt als nachhaltig gilt und lässt sich von Marken den kompletten Herstellungsprozess, -ort und verwendete Materialien offenlegen. Nur wenn es in allen Bereichen fair und nachhaltig zugeht werden die Produkte einer Marke auf PLANETICS verfügbar gestellt. Die Richtlinien können auf der Website nachgelesen werden und auf jeder Produktseite wird transparent gezeigt wo und aus welchem Material ein Produkt hergestellt wurde.
Der Grundgedanke von PLANETICS ist, die Sportindustrie nachhaltiger und ethischer zu machen, indem es Sportlern so einfach wie möglich gemacht wird, nachhaltig und fair produzierte Produkte zu kaufen. So kann jeder Yogi einen nachhaltigen Lebensstil auch beim Tragen der Kleidung weiterführen, muss sich nicht selbst mit der Überprüfung einzelner Marken beschäftigen und sich um das Karma beim Kleidungskauf sorgen!
Ob Musik während der Yogaklasse oder wilder Kirtan, ob wummernder Gong oder dreimal „OM Shanti“: Klänge sind ein vibrierender Bestandteil der Yogawelt – und wenn sie ertönen, schwingen nicht nur unsere Körper mit, sondern oft klingt auch tief in uns etwas an. Alisa Reimer und Temple Haze von Soneiro haben für dich eine Klangreise aufgenommen – zum Spüren, Entspannen und Ankommen – in dir.
Soneiro Klangreise
Wir laden dich ein, mit uns einen Moment der sinnlichen Auszeit zu genießen. Nimm dir Zeit für dich und lasse dich von dem Klang und der angeleiteten Meditation mit auf eine Reise nehmen. Vielleicht fällt es dir leicht, das Folgende zu visualisieren, vielleicht fühlst du es eher oder du brauchst etwas Praxis. Sei liebevoll mit dir und wisse: die Intention zählt!
Mache es dir gemütlich. Diese Meditation erfährst du am besten liegend. Am Ende wollen wir noch ein Mantra gemeinsam singen.
MANTRA ZUM MITSINGEN AM ENDE Om Shri Ram Jaya Ram Japa Re Mana Om Shri Ram Jaya Ram Japa Re Mana Tumi Bhaja Re Mana Tumi Japa Re Mana
Tipp: Höre dir diese Meditation mit Kopfhörern oder einer guten Soundanlage an, da wir neben den Instrumenten auch Binaureal Beats für diese Meditation produziert haben.
Achtung: Personen, die unter epileptischen Krampfanfällen leiden, werden binaurale Beats nicht empfohlen.
Über Alisa Reimer von Soneiro
Alisa Reimer
Alisa ist eine ausgebildete und erfahrene Yoga- und Meditationslehrerin, Autorin und Kulturwissenschaftlerin (M.A. an der UNAM México und der Humboldt-Universität Berlin). Alisa lebte früher in Mexiko, wo sie Lateinamerikastudien und Theaterwissenschaften studierte. Sie lernte von verschiedenen indigenen Kulturen, schrieb für Kulturmagazine und machte eine Ausbildung zur Yoga- und Reiki-Lehrerin. In Berlin gründete sie den gemeinnützigen Verein YOGA FOR OTHERS e.V., um Yoga und Meditation zu bedürftigen Menschen zu bringen. 2016 ist sie Mitbegründerin von Soneiro. In ihren ganzheitlichen Yoga-Workshops, Retreats und Musikmeditationen bringt sie ihre vielfältigen Interessen zusammen und lädt so dazu ein, die magische Verbindung zwischen Körperarbeit, Wissenschaft, Kunst und Bewusstsein zu erleben. Mehr von Alisas Arbeit findest du auf ihrer Website: www.alisareimer.com
Über Temple Haze von Soneiro
Temple Haze
Temple Haze ist ein in Amerika geborener Singer/Songwriter, ausgebildeter Yogalehrer und zertifizierter Reiki-Praktiker mit Sitz in Berlin. Als Mitbegründer und musikalischer Leiter von Soneiro bietet er Raum für Musikmeditationen und Mantra-Singkreise, in denen er das Beste aus seinem universellen Wissen und seinem empathischen Gespür für Musik zum Ausdruck bringt. Temples Musik gibt es hier zu hören: www.templehaze.com
Mehr Klang, geführte Meditationen, Musik und Tutorials gibt es auf www.soneiro.com
Wir wäre es, dieses Jahr den Fokus auf einen guten Stand zu richten? Das führt gleich zur nächsten Frage: Wann hast du dich das letzte Mal mit deinen Füßen beschäftigt? Vermutlich ist es zu lange her – aber das ändern wir jetzt, denn deine Füße verdienen vollste Aufmerksamkeit!
Wenn du gerade nicht auf der Yogamatte stehst, sind deine Füße im Winter eher in Stoff- oder Ledersärge, genannt Schuhe, eingesperrt. Versteckt und vergessen. Und selbst auf der Matte bekommen sie oft viel zu wenig Aufmerksamkeit. Das Ergebnis davon (und von einer zu hohen Stützfunktion der Schuhe) sind verkümmerte Muskeln und Sehnen. Die wiederum begünstigen unzählige Beschwerden, von Rücken- und Fußschmerzen bis hin zu Kopfweh und einem Ungleichgewicht im gesamten Bewegungsapparat. Denn eigentlich sind unsere Füße darauf ausgelegt, Bodenkontakt zu haben und dem Gehirn unzählige subtile Informationen zu übermitteln.
Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen ihre Füße nicht mögen. Schade eigentlich, denn sie verdienen unsere volle Fürsorge – und unser absolutes Interesse. Wusstest du zum Beispiel, dass in ihnen mehr Sinneszellen sitzen als im Gesicht? Mit 60 Muskeln, 26 Knochen und fast 30 Gelenken, über 100 Bändern und 214 Sehnen sind sie ein wahres komplexes anatomisches Evolutionswunder. Tagtäglich tragen sie uns. Schenken uns Gleichgewicht. Mit ihnen tanzen, gehen, springen, laufen und rennen wir bis ans Ende unseres Lebens.
Mit der hier vorgestellten Übung stimulieren wir die Plantarfaszie an der Fußsohle. Sie ist die dickste Faszie im Körper und gehört zu der rückwärtigen Faszienbahn, die von den Zehen über die Fußsohle und die Beinrückseiten hinauf zum Rücken und dann weiter über den Kopf bis an die Augenbrauen reicht. Sie ist ausgestattet mit Tausenden von Nervenenden und Sensoren. Deshalb spüren wir auch kleinste Steinchen oder genießen barfuß einen Strandspaziergang. Wir fühlen und spüren also mit unseren Füßen. An Tagen, an denen ich das Gefühl habe, mein Kopf platzt – nicht nur vor Schmerzen, sondern auch weil mir alles ein wenig über den Kopf wächst – lindert diese Übung nicht nur meine Beschwerden, sie entspannt auch meinen Geist.
Fotos: Susanne Schramke
Step-by-step Anleitung
Stelle dich aufrecht mit einem Fuß auf eine kleine Faszienrolle. (Alternativen: Tennisball, Faszienball, Trinkflasche, Nudelholz etc.) Platziere deinen Fußballen auf der Rolle. Dabei liegt die Ferse am Boden, das Bein ist gebeugt. Mit dem anderen Bein machst du einen kleinen Schritt nach hinten und hältst es gestreckt. Deine Arme hängen seitlich am Körper (kleines Foto).
Dann legst du die Hände an den Hinterkopf und ziehst die Ellenbogen zueinander. Gleichzeitig verlagerst du dein Gewicht nach vorne, rundest deinen Rücken und ziehst das Kinn zum Brustbein. In dieser Position rollst du mit dem Fuß über die Rolle nach vorn und ziehst die Zehen hoch und auseinander. Die Rolle wandert in Richtung Ferse. Rolle ein paar Mal hin- und her, dann löst du die Haltung auf und wiederholst die Übung mit dem anderen Fuß.
Wichtig zu wissen
• Das Ausrollen deiner Füße kann durchaus auch schmerzhaft sein. Das ist ganz normal.
Wirkungen
• löst Verspannungen im Rücken, Nacken und Schultern
• entspannt Körper und Geist
• lindert Kopfschmerzen
• erhöht die Flexibilität der Beinrückseiten
Tipps für gesunde Füße
• Variiere die Übung, indem du mal schnell, mal langsam rollst, mal mehr über die Fußaußenkante, mal über die Fußinnenkante.
• Dehne regelmäßig deine Zehen und den Fußspann.
• Massiere deine Füße, zum Beispiel abends im Bett mit Lavendelöl oder -Creme.
Yogalehrerin Elena Lustig ist sich sicher: die Postmenopause kann ein totaler Gewinn sein, wenn wir endlich lernen, diese Zeit zu schätzen. Wir haben uns mit der Autorin und Gründerinvon PRO AGE YOGA zum Gespräch über Yoga und das Älterwerden getroffen.
Liebe Elena, wir haben uns in Berlin bei der „Aktion Kleine Helden“ kennengelernt und ich weiß noch, wie ich dachte „WOW“. Du wirkst unglaublich ruhig, gelassen und angekommen – ich habe selten einen Menschen mit so einer entspannten Aura erlebt. Wie schaffst du das?
Danke für das Kompliment, das freut mich sehr! Ich war einfach super gelaunt an dem Tag, weil es so toll war, wieder mit Yoga-Menschen zusammen zu kommen und gemeinsam etwas Schönes und Positives zu machen. Tatsächlich bin ich nicht immer so entspannt, weil ich dazu neige, mir zu viel vorzunehmen und dann renne ich meinem eigenen Programm hinterher. Aber es gelingt mir immer öfter, im Hier und Jetzt zu sein. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich das, was ich anderen empfehle, inzwischen selbst umsetze. Und da steht tägliche Yogapraxis, ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung ganz oben auf dem Plan.
Dann hat sich dein Yogaweg im Laufe deines Lebens verändert?
Ich habe als Kind und Teeager getanzt und war sehr auf die äußere Form und Leistung fokussiert und das sitzt tief. Deswegen war mein Yoga früher ehrgeiziger. Heute bin ich total entspannt und mache nur noch das, was mir gut tut und was sich für meinen Körper passend anfühlt. Natürlich fordere ich mich auch heraus, aber immer auf der sicheren Seite!
Klingt so, als wärst du fein mit den Veränderungen deines Körpers …
„Ich liebe meinen Körper dafür, dass er mein Zuhause ist, für die Zeit, die ich hier auf der Erde verbringe. Er macht einen super Job für mich. Ich bin ihm dankbar und ich pflege und ehre ihn.“ – Elena Lustig
Wir Frauen sollten zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens mit unserem Körper zufrieden sein: das Wort Frieden ist dabei für mich ganz wichtig. Leider sind wir sehr darauf konditioniert bestimmte Normen erfüllen zu wollen und oft hat das mit den Ansprüchen des Patriarchats zu tun. Wir wollen, was Männer wollen (oder zumindest was wir denken, was Männer wollen). Da haben Abweichungen von „jung, straff, sexy, faltenfrei, fruchtbar“ wenig Platz. Und mal Hand aufs Herz: wann sind wir Frauen jemals mit uns und unserem Körper im Reinen – egal in welchem Alter?
Du wirkst auf jeden Fall im Reinen mit Dir.
Ich habe gelernt, mich so zu mögen, wie ich bin. Ich liebe meinen Körper dafür, dass er mein Zuhause ist, für die Zeit, die ich hier auf der Erde verbringe. Er macht einen super Job für mich. Ich bin ihm dankbar und ich pflege und ehre ihn. Ich wünsche mir, dass alle Menschen und insbesondere Frauen lernen, sich selbst genug zu sein und das, was sie mit sich und ihrem Körper anstellen, in den Dienst der Selbstfürsorge und Gesundheit stellen. Dabei kommt die Schönheit und das Strahlen von innen von ganz allein!
Hast du deswegen ProAgeYoga gegründet? Was genau kann ich mir darunter vorstellen?
ProAgeYoga ist ein ganzheitliches Programm, das gesunde Ernährung, gute allgemeine Lebensführung, ein starkes, entspanntes Mindset und natürlich Yoga auf der Matte beinhaltet. Es geht darum, die Benefits des Älterwerdens anzuerkennen und damit zu arbeiten. Wir sind darauf konditioniert, uns eher den problematischen Aspekten des Lebens zuzuwenden, anstatt auf die positiven und guten Dinge zu schauen. Dabei geht es nicht um „spiritual bypassing“. Älter zu werden ist eine Herausforderung. Aber wenn wir zum Beispiel die Wechseljahre anschauen: klar, da geht etwas zu Ende, die Fruchtbarkeit, die Jugend. Aber mit der heutigen Lebenserwartung sollten wir uns unbedingt damit beschäftigen, was danach kommt, was wir gewinnen.
Und das wäre?
Das Offensichtliche ist, dass wir zum Beispiel nicht mehr über Verhütung nachdenken müssen. Wir sind ja fast die Hälfte unseres Lebens in der Postmenopause: die braucht dringend ein Re-Branding! Wir sollten darüber sprechen, uns austauschen und zwar laut und nicht hinter vorgehaltener Hand!
Sollte jeder Mensch sein Yoga dem Alter anpassen oder ist das eine Entwicklung, die automatisch passiert?
Elenas Grundsatz: „Regelmäßig auf die Matte gehen. Lieber nur 10 Minuten am Tag, als 1 mal in der Woche 90 Minuten.“
Wer sein Yoga nicht anpasst, zahlt irgendwann einen Preis. Yoga ist seit ca. 30 Jahren Bestandteil unserer „Fitness-Kultur“ im Westen und es wird leider auch so praktiziert. Es gibt inzwischen viele langjährige Yoga-Praktizierende, die sich durch Yoga Verschleißerscheinungen zugezogen haben.
Was müssen wir also anders machen, wenn wir älter werden?
Wichtig ist, dass wir mit einer guten Ausrichtung arbeiten, uns auch mental und energetisch der neuen Lebensphase öffnen und nicht dagegen ankämpfen. Deswegen heißt mein Programm ja auch PROAgeYoga und nicht AntiAgeYoga.
Und ein ganz wesentlicher Baustein von PRO Age ist gesunde Ernährung. Warum spielt sie eine so große Rolle?
Unsere Nahrung kann entweder Gift oder Medizin sein und jede Zelle, die wir essen und trinken, nährt unsere Zellen im Körper. So wird die Nahrung Teil von uns, wir aber auch in der Konsequenz Teil der Nahrung. Deswegen ist es wichtig, bewusst zu entscheiden, womit wir unser System verbinden wollen. Fleisch ist zum Beispiel mit viel Leid verbunden. Wollen wir das wirklich in uns aufnehmen?
Dann gibt es die EINE richtige Ernährung?
Nein, denn jeder Mensch ist anders und für jeden Menschen gelten andere Regeln. Deswegen kann man gerade die Ernährung nicht über einen Kamm scheren. In meinem Buch stelle ich deswegen verschiedene Ernährungskonzepte vor und durchleuchte sie auf Nachhaltigkeit, Alltagstauglichkeit und ihren yogischen Aspekt. Es gibt allerdings ein paar Regeln, die für alle Menschen gelten: die richtigen Sachen wegzulassen.
Egal, ob es darum geht, deinen Körper morgens sanft zu wecken und dann mit Energie in den Tag zu starten, oder ob du abends zur Ruhe kommen möchtest – diese Sequenz darf dich begleiten. Du musst noch nicht einmal aufstehen. Wenn du magst, übst du einfach mal im Bett. Wie das geht zeigt YOGA JOURNAL-Autorin Gina Weber.
Bevor du beginnst: Für diese Sequenz brauchst du keine Hilfsmittel, keine Matte, keine Vorübungen – du brauchst noch nicht einmal aufzustehen und dich anzuziehen. Du kannst sie direkt nach dem Aufwachen im Bett üben oder auch am Abend vor dem Schlafen. Je nachdem ob du früh oder spät dran bist, findest du bei manchen Übungen passende Tipps. Mach sie am besten zu deiner täglichen Routine, die dir zuverlässig deine kleine Yogazeit schenkt, ganz egal, wie dein übriger Tag aussehen mag.
1. Achtsam Ankommen
Setz dich bequem auf dein Bett. Gerne auf ein Kissen oder eine Decke, damit Becken und Wirbelsäule sich mühelos aufrichten können. Die Hände ruhen entspannt auf den Knien oder Oberschenkeln. Schließ deine Augen. Atme drei mal tief durch. Durch die Nase ein, durch den Mund wieder aus.
Morgens: Atme alle verbleibende Müdigkeit aus. Atme Energie ein und mit ihr alles, was du dir für diesen Tag wünschst.
Abends: Atme allen Stress aus, den du verspürst. Atme alles, was dich den Tag über beschäftigt und gestresst hat, aus. Atme tiefe Ruhe und Entspannung ein.
Werde Beobachter deines Atems. Lass dich von jedem weiteren Atemzug ein bisschen mehr ins Hier und Jetzt holen. In den Moment. In deinen Körper. Richte mindestens 3 Minuten lang all deine Aufmerksamkeit auf das Rauschen deines Atems und den Moment. Nutze den Atem, um deinen Gedanken nicht mehr so viel Raum zu geben. Gedanken leben von Aufmerksamkeit. Keine Aufmerksamkeit, keine Gedanken. Soweit die Theorie ;).
Spüre dich selbst und verbinde dich mit all deinen Gefühlen und Wünschen. Was sagt dein Bauch, was sagt dein Herz, wie geht es dir? Und was wünschst du dir heute von deiner Yogapraxis? Lass deine Augen geschlossen und fang an dich ganz intuitiv zu bewegen. Gerne erst mit kleinen Bewegungen, die dann nach und nach größer werden dürfen. Mach einen „Check-In“ in deinen Körper. Wie geht es dir und deinem Körper heute? Brauchst du große kraftvolle Bewegungen, oder doch lieber ganz sanfte? Nimm dir heraus, was sich für dich gut anfühlt. Es ist deine Praxis, dein Körper!
2. Parshva Sukhasana
Angenehme Sitzhaltung mit Seitbeuge
Einatmend hebst du deine Arme über die Seite weit nach oben, die Schultern bleiben locker. Ausatmend lehnst du dich entspannt nach rechts. Die rechte Hand oder der Unterarm findet das Bett. Der linke Arm schafft dir sanft Länge über das linke Ohr. Spüre die Länge in deiner rechten Seite.
Variation: Probiere mal aus, ob es sich schöner anfühlt, den linken Arm senkrecht nach oben zeigen zu lassen und dabei die Schulter ein wenig nach hinten zu nehmen. Das öffnet wundervoll den Brustraum.
Gerne darfst du mit diesen beiden Varianten spielen und jeden Tag neu spüren, was sich gut anfühlt. Welcher Winkel ist heute für deinen Körper schön und hilft dir beim Öffnen und Loslassen?
Bleib hier 5-10 tiefe Atemzüge lang. Dann wiederhole die Asana auf der anderen Seite.
3. Janu Shirshasana
Einbeinige Vorwärtsbeuge im Sitzen
Lehne dich leicht nach hinten, verlagere das Gewicht nach links und schiebe dabei das rechte Bein ohne große Mühe zur Seite raus. Lass das linke Bein gebeugt und zieh den Fuß liebevoll zur Innenseite des rechten Oberschenkels. Die linke Fußsohle berührt den rechten Oberschenkel. Das rechte Bein darf gerne leicht gebeugt bleiben.
Ausatmend legst du die Hände links und rechts neben das gestreckte Bein und lässt dich liebevoll nach vorn sinken.
Einatmend richtest du dich wieder halb auf und schaffst dir Länge im unteren Rücken. Verweile hier 5–10 tiefe Atemzüge lang. Mit jedem Ausatmen darfst du ein bisschen mehr Spannung lösen. Im Körper und im Kopf.
Wann immer du bereit bist, richtest du dich mit einer Einatmung langsam wieder nach oben zum Sitzen auf. Danach machst du ohne Seitenwechsel weiter mit Übung 4.
4. Parivritta Janu Shirshasana
Gedrehte Kopf-zu-Knie-Position
Einatmend hebst du beide Arme weit über die Seiten bis in die Senkrechte.
Ausatmend drehst du den Oberkörper nach links über dein angewinkeltes Bein. Die rechte Hand findet das linke Knie. Die linke Hand darfst du hinter dir aufstellen.
Einatmend schaffst du bewusst Länge in der Wirbelsäule und richtest dich nach oben auf.
Ausatmend löst du ein bisschen Spannung und sinkst in die Länge hinein, die du geschaffen hast.
Spiele 5-10 Atemzüge lang mit An- und der Entspannung in deinem Körper. Zum Abschluss wird der Oberkörper einatmend noch einmal lang, ausatmend löst du die Position ganz langsam und kommst zurück zur Mitte.
Anschließend wechselst du die Seiten und wiederholst Übung 3 und 4 anders herum.
5. Wilde Marjaryasana & Bitilasana
Wilde Katze und Kuh
Aus dem Schneidersitz Sukhasana rollst du dich über die Knie nach vorne und kommst in den Vierfüßlerstand. Die Hände stehen senkrecht unter den Schultern, die Knie unter den Hüften. Im Bett darfst du dich auch auf die Fäuste stützen, wenn es für die Handgelenke unangenehm ist.
Einatmend lässt du deinen Bauch- und Brustraum nach unten sinken. Der Blick geht nach oben in Richtung Decke. Fülle möglichst deinen gesamten Bauch- und Brustraum mit Luft.
Ausatmend geht es in die Gegenbewegung: Runde deinen Rücken nach oben zu einem Katzenbuckel. Der Bauchnabel zieht Richtung Wirbelsäule, der Blick richtet sich auf den Bauchnabel.
Wiederhole diese Abfolge für mehrere Atemzüge lang.
Dann beginnst du, ganz intuitiv nach und nach weitere Bewegungen hinzuzufügen die sich gut anfühlen: Beweg deine Schultern, die Hüfte, die Wirbelsäule, alles in alle Richtungen. Ganz egal, wie es aussieht. Es ist nur wichtig, wie es sich anfühlt! Spüre in jede Region deines Rückens hinein, in deine Schultern, den Nacken, die Wirbelsäule. Schau, wo Verspannungen sind, und knete sie mit leichten Bewegungen raus. Bring Bewegung in deinen gesamten Rücken.
Wann immer du genug hast, kehrst du zurück in die neutrale Position im Vierfüßlerstand.
6. Anahatasana
Schmelzendes herz
Lasse deine Hände aus dem Vierfüßlerstand langsam nach vorne gleiten, bis die Arme schulterweit gestreckt sind, der Rücken sanft durchgebogen ist und deine Stirn das Bett berührt. Du kannst jederzeit ein Kissen oder eine Decke unter deine Stirn legen, wenn das angenehmer ist.
Wenn das zu intensiv ist, schiebst du dein Becken zurück auf die Fersen in die Stellung des Kindes, Balasana.
Mit jedem Ausatmen lässt du dich ein bisschen tiefer in die Position sinken. Spüre dabei mal, ob du irgendwo Spannung hältst, die du nicht brauchst.
Bleibe mindestens 5-10 tiefe Atemzüge lang in dieser Haltung und genieß die liebevolle Öffnung des Brustraums. Lass dein Herz nach unten in Richtung Bett schmelzen.
Wann immer du genug hast, lässt du dich entspannt nach vorne in die Bauchlage sinken.
7. Supta Baddha Konasana in Bauchlage
Schmetterling in Bauchlage
Hebe mit einer Einatmung Unterschenkel und Füße an, sodass sie Richtung Decke schauen. Gleichzeitig schiebst du die Knie auseinander und lässt die Fußsohlen zueinander sinken.
Sobald deine Füße Kontakt zueinander haben, lässt du sie geschlossen so weit wie möglich nach unten sinken.
Mit jedem Ausatmen lass ein bisschen mehr los. Alle Spannungen und alle Gedanken. Spür nochmal bewusst durch deinen Körper und lass alles los, was du im Moment nicht brauchst.
Bleibe 2-5 Minuten lang in dieser Haltung. Wann immer du dich dazu entscheidest die Übung zu beenden, bewegst du Füße und Unterschenkel langsam wieder nach oben. Dann löst du die Fußsohlen voneinander, führst deine Knie langsam wieder zueinander und legst die Beine gestreckt ab. Anschließend rollst du dich gemütlich auf den Rücken.
8. Narkasana
Das Krokodil
Ziehe deine Knie liebevoll zur Brust und drücke sie eine Weile sanft an dich.
Setze die Füße wieder ab und versetze das Becken ein Stück nach rechts. Dann legst du das rechte Bein über das linke und lässt deine Beine mit einer Ausatmung nach links sinken. (Wenn das zu heftig ist für deinen unteren Rücken, lässt du die Füße parallel stehen, wenn du die Knie nach links bewegst.)
Die linke Hand findet sanft das rechte Knie, den rechten Arm darfst du als Gegengewicht weit zur Seite ausbreiten. Auch der Kopf sinkt locker nach rechts. Achte dabei darauf, nur so weit zu drehen, dass die rechte Schulter auf dem Boden bleiben kann.
Bleibe 5-10 Atemzüge lang in der Drehung. Atme tief ein und entspannt wieder aus. Mit jedem Ausatmen lass ein bisschen mehr los.
Anschließend löst du sie behutsam wieder auf und wiederholst sie auf der anderen Seite.
9. Savasana
Endentspannung
Für die Endentspannung gibt es drei Optionen:
1. Wenn es dir warm genug ist, oder du gleich aufstehen willst, bleibst auf der Decke liegen. Die Arme sind locker neben dem Körper oder schräg zu den Seiten ausgebreitet, wenn möglich zeigen die Handflächen nach oben. Auch die Beine liegen entspannt parallel oder leicht auswärts, dabei lässt du die Füße nach außen sinken.
2. Selbe Position, aber du legst dich gemütlich unter deine Bettdecke.
3. Solltest du das Gefühl haben, noch nicht so richtig entspannt zu sein, legst du deine Beine möglichst senkrecht an die Wand (Viparita Karani). Das entspannt das Nervensystem und den Körper nochmal extra.
Lass all deine Gedanken und deinen Atem ziehen und deinen Körper tief und schwer nach unten in dein Bett sinken.
Text & Sequenz: Gina Weber, Fotos: Daniela Niedermayer
Yoga soll sich gut anfühlen – das ist das oberste Prinzip von GINA WEBER. Gemeinsam mit Theresa Brackmann unterrichtet sie im Duo Pop-up Yoga an ganz verschiedenen Locations in München. Und bei so viel Aktivität und Flexibilität fühlt sich der Rückzug ins Bett natürlich doppelt gut an. Mehr Infos zu Gina findet ihr unter www.popupyogamuc.com, auf Instagram und Facebook.
Der Tanz der Polaritäten spielt schon im Yogasutra des Patanjali eine wichtige Rolle. In Yogaklassen wird vor allem das Prinzip stira sukham asanam als philosophisches Mitgebsel in die Asana-Praxis mit eingeflochten. YOGA JOURNAL-Autorin Jelena Lieberberg zum Yin und Yang in Vasishthasana, dem Seitstütz.
Das Prinzip stira sukham asanam ist im zweiten Kapitel des Sutra zu finden, also in Sadhana-Pada, dem Übungsteil. Über die genaue Interpretation wird gern gestritten. R. Sriram übersetzt die Textstelle mit „Die ideale Haltung ist stabil und leicht zugleich.“ Manchmal heißt es auch: „Asanas sollen gleichermaßen die Qualitäten Kraft und Entspannung aufweisen.“ Oder: „Der Sitz ist fest und leicht.“ Ähnlich wie die chinesische Philosophie die Pole Yin und Yang in Harmonie bringen will, beschreibt also auch Stira Sukha die Entstehung des Ganzen durch die Verbindung der Gegensätzlichkeiten.
Vasishthasana, der Seitstütz, ist eine herausforderne Haltung, die Balance und Körperspannung erfordert. Zugleich spricht sie unser Herzchakra an und fördert so den Zugang zu Selbstliebe, einem friedvollen Umgang mit uns selbst. Mich interessiert hier vor allem der Ausgleich zwischen Anstrengung und Leichtigkeit, Yang und Yin, Stira und Sukha, denn gerade in Armbalancen kann man schnell in alte Muster der Anstrengung fallen. Um so interessanter wird es, das Prinzip der Polaritäten ins Üben einfließen zu lassen und in dieser Stützposition die Kraft wahrzunehmen und gleichzeitig auf die Suche nach Leichtigkeit zu gehen.
Macht das Spaß?
Auf jeden Fall. Bei dieser Asana gibt es Varianten für alle Level, weshalb sie auch für Anfänger zugänglich ist: In der leichtesten Variante bleibt das untere Knie am Boden und du konzentrierst dich mehr auf die Qualität der Haltung als auf die Form.
Muss ich das können?
Nein, aber wenn du mal die Lust verspürst, etwas für deine Körperspannung, in diesem Fall vor allem für die schrägen Bauchmuskeln, Po, Beine und Arme zu tun, dann ist der Seitstütz ideal. Merkst du, dass er dir schwer fällt, dann übe ihn ganz bewusst auch 2-3 Mal pro Seite und versuche, ihn 5 Atemzüge oder länger zu halten. So baust du mehr Kraft und Ausdauer auf.
Was muss ich dafür tun?
Deine Handgelenke werden dir für ein wenig Warm-up dankbar sein. Dafür kannst du die Finger verschränken und die Gelenke 30 Sekunden kreisen lassen. Um den Kreislauf in Schwung zu bringen, übst du außerdem 3-5 Sonnengrüße, bevor du dich dem Seitstütz widmest.
Foto: Aljosa Petric
Step by step Anleitung
Wir beginnen im herabschauenden Hund. Setze die Füße etwas weiter nach hinten und dichter zueinander und verlagere dein Gewicht ein wenig nach vorne, bis die Schultern etwa senkrecht über den Händen stehen. So gelangst du in die Schiefe Ebene (auch Bretthaltung genannt).
Verlagere nun dein Gewicht auf die rechte Hand und drehe den Körper in den Raum. Dabei hast du verschiedene Möglichkeiten für die Beine: In der klassischen Variante streckst du beide Beine und „stapelst“ deine gebeugten Füße übereinander. Du kannst aber auch den oberen Fuß vor dem unteren auf dem Boden aufsetzen, oder sogar das untere Knie absetzen. In jedem Fall richtest du die linke Hüfte senkrecht über der rechten aus und die linke Schulter über der rechten.
Wie viel Kraft brauchst du? Wo kannst du Leichtigkeit finden? Wähle eine Variante, die dir genau dieses Gleichgewicht ermöglicht. Am besten erkennst du das richtige Maß an Intensität an einem ruhigen Atem. Stabilisiere dich aus der Körpermitte und strecke deinen Körper lang. Gleichzeitig lässt du überschüssige Spannung los, vor allem im oberen Arm und im Gesicht.
Wenn du eher noch etwas mehr Kraft aufwenden möchtest, dann beugst du zusätzlich (wie auf dem Foto) das obere Bein und legst die freie Hand auf das Knie. Diese Hand auf dem Knie ist deine Erinnerung an die Prinzipien der Sutras: Sei stark und selbstbewusst und gleichzeitig gütig zu dir selbst. Atme mit Leichtigkeit. Diese Freundlichkeit kannst du gut mit einem wohlwollenden Lächeln erreichen und unterstützen.
Bleibe 5-10 Atemzüge lang in der Haltung, dann wiederholst du den Seitstütz auch auf der anderen Seite. Tipp: Falls sich eine Seite viel schwächer anfühlt, übe sie länger oder gib ihr mehr Wiederholungen.
Der „nach oben gerichtete Bogen“ ist eine der spektakulärsten und zugleich klassischsten Yogahaltungen. Mit der richtigen Technik kannst du ihre Schwierigkeiten meistern und sie in ihrer vollen Schönheit erfahren. Aber wie immer gibt es auch gute Alternativen.
Wirkung
Urdhva Dhanurasana ist eine intensive Rückbeuge und schafft dadurch Länge in der gesamten frontalen Faszie. Je nach Ausführung kannst du die Dehnung dort in unterschiedliche Bereiche lenken. Außerdem mobilisiert die Haltung die Schulterblätter und gibt dem Schultergürtel Kraft.
So geht’s
Phase 1 Stelle in der Rückenlage deine Füße möglichst dicht am Becken auf, dabei haben sie etwa schulterbreiten Abstand. Setze nun deine Hände dicht neben den Ohren auf den Boden auf. Dabei zeigen die Finger zunächst fast rechtwinklig zu den Seiten.
Phase 2 Hebe nun einatmend zuerst nur das Becken möglichst hoch. Verweile hier für einige Atemzüge. Erst dann drückst du die Hände kraftvoll gegen den Boden, streckst die Arme und schiebst die Schulterblätter Richtung Hände. Dabei kannst du deine Finger etwas nach innen rutschen lassen.
Foto: Richard Plinick
Alignment-Tipps
Kompression oder Spannung? Beobachte ob du eher eine Kompression an der Rückseite des Rumpfes beobachtest, oder ob das Spannungsgefühl an der Vorderseite überwiegt.
A Überwiegt die Kompression, dann spanne Hinterkopf und Kreuzbein aktiv auseinander. Das schafft Raum zwischen den Dornfortsätzen und löst diese Kompression.
B Überwiegt das Spannungsgefühl, dann baue zwischen Becken und Hals einen gegenläufigen Zug auf. Du wirst mehr Weite an der Körpervorderseite genießen können.
C Wenn du dich nicht entscheiden kannst, dann versuche beiden Prinzipien, also sowohl Spannung zwischen Kreuzbein und Hinterkopf als auch zwischen Hals und Becken, zugleich zu kultivieren.
Schultern lang! Schiebe die Arme aktiv gegen den Boden. Das Dach der Schulterblätter (Acromion) sollte sich also in Richtung Arme, in die Elevation, drehen. So richtest du die Gelenkfläche am Schulterblatt senkrecht zum Boden aus und bringst es direkt über den Oberarmkopf. Das schützt die Schultergelenke vor Überlastung.
Finger nach außen! Platziere die Hände so, dass die Finger leicht nach außen weisen. Das erleichtert auch im Schulterblatt eine Außenrotation und das Schulterdach hebt sich weg vom Oberarmkopf. Damit schützt du die häufig eingeklemmte und geschädigte Sehne des M. Supraspinatus.
Leisten nach innen! Stelle dir vor, deine Leisten nach innen und hinten zu ziehen. Diese Innenrotation hilft, die Hüftgelenke zu zentrieren. Die Knie sollen also nicht nach außen fallen.
Am Boden beginnen! Baue die Rückbeuge schon am Boden liegend auf, indem du in Phase 1 das Becken zunächst maximal kippst. Zusätzlich wanderst du mit liegenden Schulterblättern möglichst nahe Richtung Becken, um die Rückbeuge auch von oben einzuleiten. Behalte beides bei, während du in Phase 2 erst das Becken und dann auch den Schultergürtel abhebst.
Hinweis: Nur wenn die Kompression in der Lendenwirbelsäule für dich in der Haltung dominiert (A), empfehle ich ein langsames Hochrollen mit dem Kreuzbein beginnend.
Alternative Formen
Foto: Richard Plinick
Die größte Limitation und auch das Verletzungsrisiko in dieser Haltung liegen im Bereich der Schultern. Denn um die Schulterblätter wie beschrieben in die Länge zu schieben, ist viel Bewegungsraum zwischen Rumpf und Schulterblättern notwendig. Keinesfalls sollten sich die Schultern unangenehm in der Haltung oder auf dem Weg hinein bzw. heraus anfühlen.
* In der Schulterstandbrücke (Setu Bandha Sarvangasana) entlastest du die Schultern und erlebst dennoch eine angenehme Rückbeuge. Dabei bleiben die Schultern am Boden und die Oberarme sind parallel zueinander. Ich empfehle eine Variante, bei der die Unterarme senkrecht nach oben weisen und du die Schulterblätter aktiv in Richtung der Ellenbogen schiebst. Das schafft auf sichere Weise mehr Bewegungsraum für die Schulterblätter.
* Wenn du nicht so beweglich bist, kannst du deinem Rücken sowohl im Bogen als auch in der Schulterbrücke mehr Bewegungsraum geben, indem du die Fersen hebst oder die Füße erhöht auf zwei Blöcken platzierst.
Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung. www.AshtangaYoga.info
Was ist eigentlich genau gemeint, wenn wir im Yoga von „Herzöffnung“ sprechen? Und warum spielt das Herz im Yoga so eine wichtige Rolle? Anna Trökes weist uns den Weg – und der führt mitten hinein ins Herz des Yoga.
Text: Anna Trökes / Titelbild via Canva
Das menschliche Herz ist ein erstaunliches Organ: Es ist nicht nur der gefühlte, sondern der tatsächliche Mittelpunkt unseres Lebens – das einzige Organ, das niemals ruht oder pausiert, sondern unablässig schlägt bis zu unserem Tod. Dabei ist es sehr viel mehr als nur eine Muskelpumpe, die mechanisch Blut durch den Körper bewegt: Jede Zelle des Herzens ist einzigartig, keine gleicht der anderen, und gleichzeitig arbeiten sie doch in absolutem Einklang zusammen. Wie ist das möglich?
Alles ist Energie
Hintergrund der Idee von den drei Herzebenen ist eine Erkenntnis aus der tantrischen Philosophie: Alles, was je erschaffen wurde, besteht ausschließlich aus Energie. Sie schwingt in unterschiedlichen Frequenzen und formt sich dadurch zu mehr oder weniger dichter Materie. Jede Zelle unseres Körpers ist solch ein energetischer Raum, der in einem hohen Grad an Bewusstheit in das Netzwerk alles Lebendigen eingewoben ist. Mit anderen Worten: Jede Zelle pulsiert in der ihr eigenen Frequenz, und alle zusammen schwingen – sofern wir gesund sind – in einem Einklang, der an das Zusammenspiel eines großen Symphonieorchesters erinnert. Darin spielt das Herz – um im Vergleich zu bleiben – die erste Geige.
Die Gesamtheit dieses Schwingens bildet das, was im tantrischen Yoga Energiekörper oder Prana-Maya-Kosha genannt wird (Prana = Lebensenergie; Maya = geformt aus; Kosha = Körper). Er ist auf das Innigste vernetzt mit unserem Mentalkörper, der seinerseits durch die Bewegungen unserer Gedanken, Gefühle und aller anderen mentalen Aktivitäten in Schwingung versetzt wird.
Die drei Ebenen des Herzens im Überblick
Physisches Herz
Als lebenswichtiges Körperorgan pumpt das Herz Blut durch den Organismus. Unzählige Nervenverbindungen ermöglichen starke Empfindungen im Herzraum und helfen uns, Bewusstsein über die eigene Befindlichkeit zu erlangen, Emotionen zu verarbeiten und einen Einklang zwischen Herz und Geist herzustellen.
Energetisches Herz
Im Herz-Chakra erfahren wir nach yogischer Vorstellung all jene Herzensqualitäten, die uns von der Beschränkung in die Verbundenheit führen können: Vertrauen, Liebe, Güte, Mitgefühl, Hingabe. Auf dieser Herzebene können wir eine liebende, liebevolle Einstellung zu allem entfalten, was ist.
Spirituelles Herz
Hier verortet die Yogaphilosophie das Selbst, also den innersten Wesenskern eines Menschen. Auf dieser Herzensebene haben wir an etwas teil, das über das Ego und die individuelle Existenz weit hinaus weist: der nährenden, schützenden Kraft des Lebens an sich, der Quelle, dem Absoluten oder Göttlichen.
Alle drei Herzebenen durchdringen sich – und jede ist für sich betrachtet ein Wunder.
Anna Trökes
Fokus: Das physische Herz
Bild: Neonbrand via Unsplash
Wissenschaftliche Studien aus der Neurokardiologie haben gezeigt, dass das Herz über eine Art „Gehirn“ verfügt, ein eigenes Nervensystem mit Tausenden von Verschaltungen. So wirkt es auf unser Denken, Entscheiden und Handeln ein und umgekehrt spiegeln seine Erregungskurven alles wider, was uns auf mentaler Ebene bewegt. Wenn wir also ausdrücken, dass uns „weit ums Herz wird“, „uns das Herz aufgeht“ oder wenn uns etwas „das Herz schwer macht“ oder gar „das Herz bricht“, lässt sich jedes dieser Gefühle auch im physischen Herzen nachweisen. Umgekehrt kann man aber auch beobachten, dass Körperhaltungen und -übungen, Atemübungen und vor allem bestimmte Meditationen intensiv auf das Organ Herz einwirken. Das macht es uns möglich, selbst entscheidend etwas zu unserer Herz-Gesundheit beizutragen.
Unser Herz ist aber viel mehr als „nur“ ein physisches Organ. In seinem rhythmischen Pulsieren können wir unsere unmittelbare Teilhabe an der Kraft des Lebens fühlen. Es ist der Ort, an dem wir Mitgefühl, Nähe und Intimität erleben, Emotionen also, die wahrhaftige Begegnungen erst möglich machen. Im Herzen erfahren wir jene Sehnsucht, die uns antreibt, unsere Ego-Identität zu transzendieren, es ist der Ort des Selbst, unsere eigentliche spirituelle Mitte.
Die Sufi-Meisterin Annette Kaiser unterscheidet deswegen drei Ebenen des Herzens: unser physisches Herz, das das Blut durch die Adern pumpt und über sein feines Nervengeflecht und die dort wahrgenommenen Empfindungen Bewusstheit für die eigene Befindlichkeit erzeugen kann; dann unser energetisches Herz, das sich im Herz-Chakra manifestiert, und schließlich unser spirituelles Herz als die Ebene in uns, in der die Verwirklichung von Liebe und All-Einheit und damit unseres wahres Mensch-Sein möglich wird. Alle drei Ebenen durchdringen sich – und jede ist für sich betrachtet ein Wunder. Der große indische Weisheitslehrer Ramana Maharshi hat es so ausgedrückt: „Das ganze Universum ist im Körper enthalten, der ganze Körper im Herzen. So ist das Herz der Kern des ganzen Universums.„
Übung 1 – das physische Herz: Himmel und Erde im Herzen verbinden
Nimm eine aufrechte und angenehme Sitzhaltung ein.
Spüre hinunter zu deinem Wurzelraum und werde dir bewusst, wie die Erde dich sicher trägt.
Dann richte die Wahrnehmung zu deinem Scheitelpunkt und verbinde dich spürend mit dem Licht und der Weite des Himmelsraums.
Als nächstes spüre dein Herz in der Mitte zwischen Himmel und Erde. Ohne je Pause zu machen, ist es seit dem Beginn deines Lebens immer für dich da. In seinem steten Pulsieren ist es ebenso verlässlich wie die Erde unter dir. Und in der Art, wie es weit und unbegrenzt wird, wenn etwas dein Herz berührt, ist es dem Himmel verbunden.
Öffne dich dem Empfinden, dass sich Erde und Himmel in deinem Herzen berühren und durchdringen und dich so ganz innig mit der Kraft des Lebens verbinden.
Verweile einige Minuten lang in diesem Gefühl.
Fokus: Das Herz-Chakra – unser energetisches Herz
Bild via Canva
Das Konzept des Herz-Chakras wurde schon sehr früh, in den Upanischaden und im Narayana Sukta entwickelt, einer Hymne aus dem Yayur-Veda. In diesen Texten heißt es, dass unzählige Nervenenden (Nadis) im energetischen Herzen zusammentreffen. Dieser Ort in der Mitte zwischen Halsgrube und Nabel trägt in den alten Schriften den Namen Hrid – und genau hier verorten wir im Yoga unsere Mitte. Es heißt, dass dort ein Freiraum sei, wie in der Mitte eines Spinnennetzes. Wenn es dort eng ist, entsteht Duhkha (Leid). Ist dieser Bereich dagegen weit und offen, dann erfahren wir Sukha (Leichtigkeit).
Das Herz-Chakra liegt auf der vertikalen Linie der sieben Chakras genau in der Mitte. Es ist energetisch mit den Schultern, Armen und Händen verbunden – der horizontalen Ebene, in der sich unser tägliches Leben abspielt. Annette Kaiser vergleicht diese beiden Achsen, die vertikale und die horizontale, mit denen von Zeit und Raum und sieht ihren Schnittpunkt als die Quintessenz (lateinisch quinta essencia – „das fünfte Seiende“, das Wesentliche), in der sich Raum und Zeit überschneiden und damit aufheben. Damit gibt sie dem Herz-Chakra eine Dimension, die jenseits von Raum und Zeit liegt – und diese zugleich enthält.
Das Herz-Chakra ist ein Erfahrungs- und Lernfeld, für dessen Reinigung und Entfaltung die Spanne eines Lebens oft nicht auszureichen scheint, denn es umfasst all die großen Themen, die unser Menschsein ausmachen: Offenheit, Vertrauen, Herzlichkeit, Warmherzigkeit, Güte, Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, selbstlose Liebe, Hingabe an sich und Hingabe an das Absolute. Alle diese Qualitäten sind uns nach yogischer Vorstellung ursprünglich mitgegeben, sie sind sogar die Grundpfeiler unserer emotionalen und sozialen Intelligenz. Ohne sie könnten wir nicht friedlich miteinander leben und voneinander lernen. Jede dieser Herzensqualitäten trägt in sich das Potenzial, die negativen Kräfte des Egos zu neutralisieren, etwa Gier, Neid, Misstrauen, Lieblosigkeit oder Hartherzigkeit.
Über das Herz-Chakra entfalten wir eine liebende Einstellung zu allem, was ist.
Wenn wir mit solchen inneren Bildern und Vorstellungen arbeiten, dann wird unser Herz zunehmend erfahrbar als ein offener und weiter Raum, in dem wir die Schwingung unseres eigenen Seins aufnehmen können. Dort sind wir frei von den üblichen Erwartungen und wissen, welche Entscheidungen und welches Handeln jetzt für uns angemessen und förderlich sind. Und nur dort können wir die Schwingung eines anderen Menschen erfühlen, können uns frei von unseren üblichen Konzepten und Erwartungen in ihn einfühlen, mit ihm mitfühlen und vom Herzen her wissen, was sein Wesen braucht. Wir lernen dann mit dem Herzen zu sehen, zu hören und zu fühlen. Diese Qualität entsteht ausschließlich auf der Ebene des Herz-Chakras. Nur dort wächst unsere Sehnsucht, die engen Grenzen unserer Egozentriertheit, unserer Begierden, Abneigungen und unserer Angst endlich aufzubrechen. Sie wird erfahrbar in der Kraft der Liebe, die alle Hindernisse, die das Ego auftürmt, überwinden und auflösen kann.
Dazu gehören auch die Hindernisse von Konventionen und unseren üblichen Sichtweisen und Erwartungen. Die der Tiefe des Herzens entspringende Liebe ist in der Lage, alle Polaritäten wie weiblich-männlich, introvertiert-extrovertiert, aktiv-passiv zu versöhnen. Sie sieht nur das Verbindende und vermag dem scheinbar Getrennten Brücken der Begegnung zu bauen. Wenn wir es wagen, uns dieser Kraft der Liebe zu öffnen und hinzugeben, dann hören wir auf, jemanden oder etwas nur deshalb zu lieben, weil uns etwas Bestimmtes anzieht. Stattdessen werden wir zu liebenden Wesen, das heißt, wir entfalten eine grundsätzlich liebende und liebevolle Einstellung zu allem, was ist.
Deshalb heißt das Herz-Chakra auch Anahata – der nicht angeschlagene Klang. Anahata meint, dass es nichts und niemanden mehr braucht, damit das Herz in Liebe schwingt. Das wird möglich, weil das Herz auf der Ebene des Seelenbewusstseins von dem Wissen durchdrungen ist, dass Ich und Du und Wir Erscheinungen von etwas Größerem und Tieferem sind, das wir zwar spüren, aber begrifflich nicht vollständig erfassen können.
Übung 2 – das energetische Herz: Mit dem Herzen atmen
Lege dich auf den Rücken oder nimm eine entspannte Sitzhaltung ein. Lege die Hände auf dein Herz. Spüre dich ein in den Raum deines Herzens und schenke ihm ein warmes und liebevolles Lächeln.
Spüre, wie sich dein Herz in diesem Lächeln entspannt.
Entspanne deinen Atem und lasse ihn in seinem eigenen Rhythmus kommen und gehen. Stelle dir vor, dass du nun mit dem Herzen ein- und ausatmest. Mit jedem Einatmen wird dein Herz weit und leicht. Mit jedem Ausatmen entspannt sich dein Herz.
Fahre einige Minuten damit fort und lächele deinem Herzen immer weiter zu (es liebt dein Lächeln!).
Fokus: Das spirituelle Herz – der Sitz des Selbst
Foto: Med Ahabchane auf Pixabay
Unser spirituelles Herz wird verkörpert durch unser physisches Herz. Es entfaltet seine Wirkkraft durch die energetischen Schwingungen des Herz-Chakras. In welchem Maß es unser eigentlicher und wesentlichster Bezugspunkt ist, wird deutlich, wenn wir auf uns selbst zeigen. Wenn wir jemanden fragen: „Meinst du mich?“, dann weisen wir niemals auf die Stirn oder auf den Bauch, sondern vollkommen selbstverständlich auf unser Herz. Hier erfahren wir unser Wesen und unser lebendiges, bewusstes Sein: Im Herzen bin ich ganz die, die ich bin! Wenn ich mich selbst meine und auf mein Herz zeige, dann meine ich nicht die Person Anna, die Ehefrau, die Freundin, die Yoga-Lehrerin, Buchautorin, die Expertin für dieses und jenes, sondern mein Da-Sein.
Damit zeigt sich die schlichte Geste, mit der ich auf mein Herz weise, als die jedem Menschen innewohnende Fähigkeit, das eigene Ego zu transzendieren. Nur so wird es möglich, dass wir uns bewusst als den Ausdruck des Lebens erfahren, der wir sind. In unserem spirituellen Herzen sind wir Teilhabende an der nährenden und schützenden Kraft des Lebens, das sich immer wieder aus sich selbst heraus gebiert und über eine für uns schier unfassbare Intelligenz verfügt. Sie zeigt sich in seiner Fähigkeit, sich anzupassen und sich selbst unablässig so zu ordnen und zu heilen, dass wir mit dem Strom des Lebens zu fließen vermögen.
Wenn wir uns mit unserem spirituellen Herz verbinden, dann öffnen wir uns dem in uns, was wir in unserer christlichen Kultur als eine reine Seele verstehen, oder in den Worten von Claus Eurich: „das Unverstellte, das durch das hindurchscheint, was du geworden bist oder was du zu sein glaubst. Das, was dahinter liegt, was tiefer liegt – und noch tiefer liegt und noch tiefer liegt … das ganz Klare, das ganz Reine, das Unschuldige.“ Es ist das, was die Yogis das Selbst nennen.
Im Herzen bin ich ganz die, die ich bin.
Yoga und das Konzept des Selbst
Im Yoga umfasst das Konzept des Selbst (Atman oder Purusha) nicht nur unseren Wesenskern, sondern auch unsere Teilhabe an der allumfassenden Bewusstseinsenergie, am Absoluten, der Quelle allen Seins, dem All-Einen, dem Göttlichen, Brahman. Atman ist also gleich Brahman – und umgekehrt: „Was hier ist, ist auch dort, was dort ist, ist auch hier“, heißt es in der Katha-Upanischad (Teil II, 1.10). Deswegen erklärt der Gott Yama in dieser Upanischad: „Kenne das Eine und du kennst alles.“ (Teil II, 1.3). Auch „Tat tvam asi – Du bist dies“, der berühmte Ausspruch der Katha-Upanishad, gibt genau dieser Erkenntnis Ausdruck. Der Ort, an dem wir unser Selbst (Atman) in seiner ganzen Dimension – das heißt in der Dimension des Absoluten (Brahman) – zu erfahren wagen, ist unser spirituelles Herz.
In der Erfahrung des Einsseins allen Seins wächst in uns tiefes Vertrauen und tiefe Verbundenheit. Sie ermöglicht es uns, zu wahrhafter Vergebung für uns selbst und andere zu finden. Sie schenkt uns die Freude der vollkommenen Hingabe an einen anderen Menschen, an das Leben, an das Göttliche, denn sobald wir wissen, dass wir im All-Einen geborgen sind, verlieren wir jede Angst davor, die Kontrolle aufzugeben und die starren Formen unseres Egos in die Zartheit und Kraft unseres wahren Seins schmelzen zu lassen.
Wenn wir in dem Einen ruhen und uns als ein Gefäß erfahren, mit dem es sich ausdrücken und durch das es hindurchscheinen möchte, dann öffnen wir uns der Liebe an sich. Sie wird ein Impuls, der aus uns herauswachsen möchte und mit seinem Mitgefühl alles, was da ist, umfängt und durchdringt. Auf der Ebene unseres spirituellen Herzens entfaltet sich die wahre Ethik, jenseits aller Gebote und Verbote. „Liebe – und dann tue, was du willst!“ erklärt deshalb Aurelius Augustinus in seinen Confessiones, denn wenn wir in der Liebe sind, können wir keine Fehler machen.
Alle diese Gedanken machen sicher mehr als deutlich, dass wir den Qualitäten, die sich durch die drei Ebenen des Herzens ausdrücken wollen, sowohl im Yoga als auch in unserem alltäglichen Sein viel mehr Beachtung schenken sollten. Lasst uns also ein Leben führen aus vollem Herzen und vom Herzen her – OM HRIDAYA NAMAHA!
Übung 3: Das Spirituelle Herz – Maitri-Herzmeditation
• Finde einen Moment der Ruhe, wo auch immer du gerade bist: im Gehen, Stehen, im Sitzen oder im Liegen.
• Spüre hin zu deinem Herzen und werde dir bewusst, wie sehr es sich danach sehnt, dass du dich in Wohlwollen und Verbundenheit der Welt und allen Wesen zuwendest.
• Spüre, wie du dich danach sehnst, dass auch die Menschen um dich herum sich dir in Wohlwollen und Verbundenheit zuwenden.
• Verbinde dich mit der Empfindung von Mitgefühl mit dir selbst und allen Wesen.
• Sage dir im Stillen oder laut: „Mögen ich und alle Wesen glücklich und frei von Leid sein!“ „Mögen ich und alle Wesen sicher und geborgen sein!“ „Mögen wir in gegenseitigem Wohlwollen und in Verbundenheit miteinander leben.“
• Wiederhole diese drei Herzenswünsche mehrere Male wie ein Mantra und beobachte, wie sie dadurch in dir wirksam werden.
Dieser Artikel stammt aus dem YOGA JOURNAL 03/2019.
Über die Autorin Anna Trökes
Anna Trökes gilt nicht umsonst als die einflussreichste deutsche Yogalehrerin: Sie hat seit 1974 unzählige Menschen unterrichtet und über Jahrzehnte die Yogalehrerausbildung des BDY geprägt. Ihre zahlreichen Bücher und CDs haben viel zur heutigen Beliebtheit und Verbreitung von Yoga beigetragen. prana-yogaschule.de