Quinoa-Süßkartoffel-Salat auf Grünkohl

Dieses Rezept ergibt 4 Portionen.

Zutaten
2 EL Weißweinessig oder Zitronensaft
1 EL Sesamöl aus gerösteten Saaten
1 TL Honig
1 TL Tamari oder Bragg Liquid Aminos
½ TL frisch geriebener Ingwer
½ Orange, ausgepresst
1 Süßkartoffel
1 Bund Grünkohl
1 Tasse gekochte Quinoa
½ Tasse Schnittlauchröllchen
2 EL Mandelsplitter

Zubereitung

  1. Für das Dressing verquirlen Sie die ersten sechs Zutaten in einem Schälchen und stellen es beiseite.
  2. Schneiden Sie die geschälte Süßkartoffel in Würfel und dämpfen Sie sie etwa 3 Minuten, bis die Würfel gar sind, aber noch Biss haben. Danach schrecken Sie sie mit kaltem Wasser ab und tupfen sie mit Küchenpapier trocken.
  3. Putzen Sie den Grünkohl, entfernen Sie welke Blätter und dicke Blattrippen und waschen Sie die Blätter gründlich, bevor Sie sie 1–2 Minuten in Salzwasser blanchieren. Danach schrecken Sie auch den Grünkohl ab und lassen ihn abtropfen.
  4. Vermengen Sie die gekochte Quinoa mit Süßkartoffelwürfeln, Schnittlauch, Mandelsplittern und 3 EL Dressing. Das restliche Dressing mengen Sie unter den Grünkohl.
  5. Richten Sie den Grünkohl auf vier Salattellern an und verteilen Sie die Süßkartoffel-Quinoa-Mischung darüber.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen und abgewandelt aus Rebecca Woods Buch „The Splendid Green“, William Morrow Cookbooks 1998.

 

Dies.Das.Asana – Der lächelnde Flamingo

Jelena Lieberberg von kickassyoga zeigt einen eleganten Vogel, der auf einem Bein steht: den Flamingo. Woher der Name kommt? – Auf jeden Fall passt er viel besser zu dieser lebensfrohen Haltung als „gedrehte halbe Stehhocke“.

Diese moderne Asana aus dem Vinyasa Flow Yoga sieht auf dem Foto nach einer leichten Übung aus. Doch der Schein trügt, denn die vermeintlich geringe Modika­tion, aus Parivritta Utkatasana (gedrehte Stehhocke oder Stuhl) ein Bein anzuheben und sich in dieser wackligen Ausrichtung weiter zu drehen, ist unwahrscheinlich an­spruchsvoll. Ganz entscheidend ist dabei der Einsatz der Bandhas, vor allem Mula Bandha (Wurzelverschluss). Diese Grundspannung sorgt dafür, dass der Druck im Bauchraum an der richtigen Stelle wirkt. Es geht aber nicht nur um Beckenbodenkraft: Die Spannung beginnt schon an den Füßen und zieht sich bis zum Beckenboden als Kraftlinie nach oben. Da der Flamingo ja bekanntlich sogar auf einem Bein schläft, kann man sich vorstellen, dass es (wie immer im Yoga) nicht nur um eine hohe Grundspannung geht, sondern auch um die Entspan­nung in die Haltung hinein.

Muss ich das können?

Der Flamingo ist eher eine Spielerei als eine Voraussetzung für weitere Variationen. Im Vinyasa Yoga wird er als Übergang zum gedrehten Krieger I genutzt.

Was brauche ich?

Grundvoraussetzung ist Stabilität in Utkatasana (Stehhocke) und in Parivritta Utkatasana (gedrehte Stehhocke).

Ist das gefährlich?

Nicht wirklich. Sobald man ins Kippeln kommt, kann man einfach den angehobenen Fuß wieder am Boden aufsetzen.

1. Beginnen Sie in Tadasana. Mit einer Einatmung beugen Sie die Knie und setzen sich in der Luft auf einen imaginären Stuhl. Dabei sind die Arme neben den Ohren nach oben gestreckt. Mit der Ausatmung legen Sie die Hände vor dem Her­zen aneinander, ziehen ihre Sitzkno­chen zueinander hin und drehen den Oberkörper zur rechten Seite.

2. Legen Sie den linken Ellenbo­gen an die Außenseite des rech­ten Oberschenkels. Diese gegenseiti­ge Stütze vereinfacht die Drehung und hilft Ihnen, die Wirbelsäule lang zu strecken. Gleichzeitig aktiviert das die Bandhas. Achten Sie in der gedrehten Hocke darauf, dass die Knie auf einer Höhe bleiben und sich das Becken nicht verschiebt.

3. Atmen Sie in Ruhe tief ein. Mit der nächsten Ausatmung schauen Sie wieder zu Boden: Das macht es leichter, den linken Fuß langsam und kontrolliert anzuheben und zum Gesäß zu ziehen. Dabei verstärken Sie die Beckenbodenspannung zusätzlich, indem Sie beide Oberschenkel zueinander hin pres­sen. Wenn Sie das Gleichgewicht gut halten können, wenden Sie den Kopf langsam zur Seite. Ansonsten halten Sie den Blick am Boden. Nach drei bis fünf Atemzügen setzen Sie den lin­ken Fuß ab und richten sich langsam wieder auf. Anschließend lockern Sie beide Beine und wiederholen das Ganze auf der anderen Seite.

Tipp: Ganz wichtig: Nicht vergessen, dass der Flamingo lächelt!


Anregungen oder Fragen? Jelena Lieberberg finden Sie auf www.facebook.com/kickassyoga

Foto: Björn Fehl

Yogini Kaliji

Yogini Kaliji

Kaliji ist international als Yogini und Gründerin von TriYoga bekannt. Ganz natürlich gibt sie Yogaübungen und Philosophie weiter und hat über 50 Eröffnungsreden gehalten. TriYoga ist von Kriyavati geleitet so wie es sich durch Kaliji ausdrückt. Auf diese Weise hat sie eine vollständige Yogamethode hervorgebracht, mit mehr als 1.300 Handmudras und der Systematisierung von Asana und Pranayama. TriYoga® wird in 40+ Ländern unterrichtet, mit 65 TriYoga Zentren und über 2.200 anerkannten Lehrern. Als eine vegane Fürsprecherin für Tierrechte seit 40+ Jahren lehrt Kaliji die Ahimsa Dreiheit für Tiere, Ökologie und Gesundheit. Kalijis Gegenwart, ihre Meisterschaft des Flows und die TriYoga innewohnende Weisheit haben weltweit zahllose Menschen inspiriert.

 

TriYoga® Kunst & Wissenschaft des Yogaflow

Samstag: 14.15 – 15.00 Uhr im Vishnu Yoga Raum

Kurzbeschreibung: TriYoga ist ein nahtloses Fließen – die Vereinigung von Pranayama und Mudra mit dynamischem und gehaltenem Asana, um einen größeren Pranaflow zu schaffen.

TriYoga Beschreibung: TriYoga ist bekannt für seinen systematisch eingeführten Yogaflow (Prasara). Der Ursprung und die kontinuierliche Emtwicklung von TriYoga ist von Kriyavati Siddhi geleitet so wie es sich durch Kaliji ausdrückt. Die diesem Ausdruck innewohnenden Eigenschaften, dazu gehören ein feiner rhythmischer Atem, Wellenbewegungen der Wirbelsäule, Entspannung-im-Handeln und Ökonomie der Bewegung, ergeben einen nahtlosen Yogaflow – die Vereinigung von Pranayama und Mudra mit dynamischem und gehaltenem Asana, um einen größeren Pranaflow zu schaffen. TriYoga-Sequenzen sind in einer umfassenden Methode von Basics bis Level 7 systematisiert. TriYoga ist Einswerden mit dem inneren Flow, der universellen Energie.

 

TriYoga® Befreiung von Becken & Wirbelsäule

Sonntag: 10.15 – 11.00 Uhr im Vishnu Yoga Raum

Kurzbeschreibung: Erwecke Becken und Wirbelsäule mit dem Yogaflow, der sich auf den unteren und den oberen Körper konzentriert, für mehr Lebensfreude, Gesundheit, Kraft und Beweglichkeit.

Befreiung von Becken & Wirbelsäule Unterrichtsbeschreibung: Erwecke Becken und Wirbeksäule mit dem Yogaflow, der sich auf den unteren und den oberen Körper konzentriert, für mehr Lebensfreude und Gesundheit. Erlebe die sechsfach ausgerichteten Bewegungen des Beckens (Beugung/Streckung, innere/äußere Drehung, Abduktion/Adduktion) und der Wirbelsäule (Beugung/Streckung, innere/äußere Drehung, rechte/linke Seitbeuge). Befreie das Bewegungsvermögen von Becken und Wirbelsäule, in dem Du das Fließen in Vor- und Rückbeugen zulässt sowie Drehung und seitliches Beugen. Das die Wirbelsäule anregende Fließen hebt die wellenförmigen Bewegungen der Wirbelsäule hervor, die die Kraft und Beweglichkeit erhöhen, in der Wirbelsäule sowie in Brust, Bauch, Schultern, Armen und Händen. Fühle das heilsame Fließen des Prana.

www.triyoga.com


Yogini Kaliji auf der Yoga World Stuttgart 2019:

Samstag, 27 April // 14:15 – 15:00 Uhr // TriYoga® Art & Science of Yogaflow // Vishnu Yoga Space

Sonntag, 28. April // 10:15 – 11:00 Uhr // TriYoga® Free the Hips & Spine // Vishnu Yoga Space

Beide Stunden werden in Englisch gehalten, aber ein Übersetzer wird vor Ort sein


 

Playlist der Woche

Wer sagt, dass man Liebe nur am Valentinstag feiern kann? Diese Songs drehen sich um verschiedene Formen von Liebe und passen zu jedem Tag und zu jedem Zeitpunkt – natürlich auch beim Yoga Üben.

 

Warmer Quinoa-Brei

Zutaten

  • 1 Tasse Getreide (3/4 Quinoa, 1/8 Hirse)
  • 2 Tassen Wasser
  • evtl. 1 Stück Ingwer, 1 Zimtstange und oder andere wärmende Gewürze
  • 1 kleine, reife Banane, in Scheiben geschnitten
  • evtl. 1 EL Butter
  • 3 EL Bio-Naturjoghurt oder Saft von 1/2 Zitrone
  • 1 EL Kokosflocken
  • etwas Honig, Reissirup oder Stevia zum gesunden Süßen

Zubereitung

  1. Getreide, Wasser und nach Geschmack Gewürze kurz aufkochen, dann bei geringer Temperatur ca. 15 Minuten schwach köcheln lassen. Zwischendurch umrühren.
  2. Den Topf vom Herd ziehen, Bananen und eventuell Butter untermengen, einen Deckel auflegen und den Brei noch einige Minuten im eigenen Dampf ziehen lassen, bis die Flüssigkeit aufgesogen ist.
  3. Den Brei warm servieren. Nach Geschmack mit Kokosflocken und entweder Joghurt oder Zitronensaft aufpumpen. Bei Bedarf (leicht!) süßen.

Tipp: Noch etwas besser verdaulich wird der Brei, wenn man das Getreide über Nacht in der Flüssigkeit einweicht oder vor dem Kochen trocken in der Pfanne röstet.

Rezept: Diana Jost // Foto: Harold Pereira Courtesy Algarve Yoga

7 Rituale um besser zu schlafen

Mit ein paar einfachen Tipps und Tricks erhöhen Sie Ihre Chancen, leicht einzuschlafen und dann auch besser durchzuschlafen. Wenn sich Schlafstörungen dennoch festsetzen, sollten Sie abklären, ob es unter Umständen organische Ursachen gibt, etwa Hormonschwankungen, Schlafapnoe oder das Restless-Legs-Syndrom.

  1. Rituale pflegen
    Suchen Sie sich für den Abend eine bestimmte entspannende Tätigkeit und machen Sie sie zur festen Angewohnheit. Das kann eine Meditation sein, eine bestimmte CD, schöne Lektüre, ein Bad oder eine ruhige Yogapraxis wie die auf diesen Seiten beschriebene.
  2. Rechtzeitig abschalten
    Alle Geräte mit Bildschirm (TV, Computer, Handy, iPad etc.) strahlen Licht in blauen Wellenlängen ab. Diese Strahlung kann die Bildung des Schlafhormons Melatonin hemmen. Deshalb: Mindestens 1 Stunde vor dem Schlafengehen alles abschalten.
  3. Für genügend Bewegung sorgen
    Sport und kraftvolle körperliche Aktivitäten während des Tages fördern einen guten Schlaf während der Nacht. Versuchen Sie, je 30 Minuten Herz-Kreislauf-Training an fünf Tagen die Woche einzuplanen.
  4. Alkohol und Koffein meiden
    Für manche Menschen ist schon die morgendliche Tasse Kaffee zu viel. Auch Alkohol kann dazu führen, dass man sich zwar zunächst schläfrig fühlt, dann aber mitten in der Nacht wach liegt.
  5. Gedanken loswerden
    Ein Nachttisch-Notizbuch ist eine gute Methode, um sich alle „wichtigen“ Gedanken und die Pläne für den kommenden Tag von der Seele zu schreiben. Das Wissen, dass man nichts im Kopf behalten muss, weil es bereits notiert ist, wirkt manchmal unglaublich entspannend.
  6. Leicht essen
    Während Kohlenhydrate relativ leicht verdaulich sind, kann ein eiweißreiches Abendessen die Verdauung die ganze Nacht über auf Trab halten. Dazu kommt: Lieber früher (am besten vor 19 Uhr) und nur in Maßen essen.
  7. Ruhe bewahren
    Wenn Sie mitten in der Nacht hellwach sind, dann stehen Sie auf und gehen Sie einer ruhigen Tätigkeit nach. Sobald Sie sich wieder schläfrig fühlen, gehen Sie zurück ins Bett. Vesuchen Sie, Ihre Gedanken zu beruhigen und keinen unnötigen Druck aufzubauen.

Yoga People: Dörthe Eickelberg

Wo Wellen Namen haben

Kein Sport, sondern eine Bewegung: Ein großes Anliegen der Surferin und Allround Künstlerin Dörthe Eickelberg sind Frauen auf der noch nicht ganz perfekten Welle.

Als sich der Surfwettbewerb im indischen Chennai zu Ungunsten der 16-jährigen Surferin Aneesha Nayak zu entwickeln droht – den männlichen Teilnehmern wurden die weitaus günstigeren Slots gegeben – ist es um Dörthe Eickelbergs Fassung geschehen. Die Kamera verweilt auf ihrem bestürzten Gesicht und zeigt die Empathie, mit der sie den Wettkampf ihrer Protagonistin verfolgt. Denn Eickelberg ist hier nicht nur Regisseurin, sondern auch selbst Teil des Films. Kurz zuvor eine Szene, in der Aneesha mit ihrem Surfboard unter dem Arm eine Gruppe feixender Männer passiert. Surfen ist in Indien, einem Staat mit 7000 Kilometern Küste, Pionierleistung und oftmals Provokation. Natürlich besonders, wenn es um surfende Frauen geht.

Dass Surferinnen auch in anderen Kulturen eine Männerdomäne erobern, hat die Moderatorin, Impro-Schauspielerin, Kabarettistin und Regisseurin Dörthe Eickelberg in ihrer Doku-Serie „Chicks on Boards“ festgehalten). Das Thema geht ihr sehr nahe, sie empfindet sich als Sprachrohr der von ihr portraitierten Surferinnen aus Südafrika, Gaza, Hawaii und Europa. „Eigentlich ist Surfen eine Ode an das Leben und die Freiheit, eine Anbindung an die Kraft der Natur“, so die aus dem Ruhrgebiet stammende Eickelberg. „Für mich ist es kein Sport, sondern eine Bewegung – an der aber offenbar nicht jeder teilhaben darf.“ Wie viele andere in der Community sucht Eickelberg auf den Wellen („Wir geben ihnen sogar Namen“) nach der idealen Balance. Der Vergleich mit Yoga liegt ihr auf der Zunge: „Ich finde, dass der Weg zur Erleuchtung auch über das Wasser führen kann. Man lernt, sich treiben zu lassen und gleichzeitig wach und achtsam zu sein: Eine Defragmentierung des Hirns.“ In Berlin, wo sie lebt, übt Eickelberg Jivamukti-Yoga, „am liebsten die akrobatischen Haltungen.“ Ihr gef ällt es, sich dabei nicht mit anderen messen zu müssen, sondern die eigenen Grenzen auszuloten und sie gleichzeitig annehmen zu können. Diese Idee trägt auch die Indien-Episode in „Chicks on Boards“. In ihr erzählt Aneesha: „Meine Mutter hat mir beigebracht, mich nicht mit anderen zu vergleichen. Stattdessen soll ich an mir selbst arbeiten.“ Am Schluss verliert sie gegen ihre Freundin und kommentiert: „Ich werde etwas aus dieser Erfahrung lernen.“

Eickelberg erlebte die Erfahrung, die Surfszene im Ursprungsland des Yoga zu beleuchten, als prägend. Als sie auf Einladung des Goethe-Instituts in Südindien Improtheater-Workshops gab, nutzte sie die Gelegenheit, auch den Krishna-Ashram des 67-jährigen Amerikaners Jack Hebnar zu besuchen, besser bekannt als „The Surfing Swami“. Abseits des Ashrams traf sie auf kein gutes Verhältnis zum Meer.

„Viele Inder können nicht schwimmen und nähern sich dem Wasser nur, um zu fischen oder ihren Hausmüll loszuwerden. Es sind die Yogis aus dem Ashram, die hier die Surflandschaft kartographieren.“ Aber auch hier gehen keine Frauen ins Wasser. Eickelbergs Frage, warum das so ist, weichen die Krishna-Jünger aus.

Ob die junge Inderin, das Mädchen aus Gaza, das bald heiraten wird und das Surfbrett dann an den Nagel hängen muss, oder die coolen weiblichen Surfsocken aus Südafrika, Hawaii und England: Sie alle scheinen sich regelrecht an die bunte, quirlige Eickelberg anzulehnen. In „Chicks on Boards“ verfilmt sie ihre Lebenseinstellung und ihre gesammelten Talente fließen zusammen: diplomatische Moderatorin, kritische Journalistin, Impro-Künstlerin mit Hang zur Clownerei und genau beobachtende Dokumentaristin. Abgesehen davon, dass sie offenbar mühelos auf der ganzen Welt Freundschaften schließen und perfekt in mehreren Sprachen parlieren kann, mutig brisante Fragen stellt (in Gaza fragt sie einen Imam: „Wo steht im Koran, dass Frauen nicht surfen dürfen?“) und sogar auf dem Surfbrett mithalten kann, illustriert die Filmreihe vor allem ihre Überzeugung: „Das Meer kennt keine Grenzen, die werden an Land gemacht. Aber irgendwann hört die Kultur auf, und die Natur übernimmt.“

Yoga im „Paradies“

Foto von Amelie Fried

Vier Frauen, die auf einem Yoga-Retreat statt der erhofften Entspannung eine höllische Achterbahn der Gefühle erleben: (Fast) alles in ihrem neuen Roman „Paradies“ kennt Amelie Fried aus eigener Erfahrung, wie sie im Interview mit YOGA JOURNAL erzählt.

TEXT: CHRISTINA RAFTERY FOTOS: ANNETTE HORNISCHER

Foto von Amelie Fried
Frau Fried, danke für Ihre Zeit, denn Sie sitzen ja quasi auf gepackten Koffern in Richtung „Paradies“: in diesem Fall ein Schreibworkshop mit Yoga auf Formentera. Wird es hier wie im Roman am Ende eine Leiche geben?

Höchstens eine literarische. Meine Yoga­lehrerin und Freundin Inge Schöps, die mich vor etwa sechs Jahren auf einem ihrer Retreats für Yoga begeistern konn­te, wollte einmal etwas mit Creative Writing anbieten. Und da mein Mann Peter Probst und ich schon länger vorhatten, mal einen Schreibworkshop anzubieten, haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Der Flow beim Schreiben und Flow beim Yoga haben ja durchaus einen Zusammenhang.

Die Brücke zum Roman „Paradies“, der in einem Yoga-Retreat spielt, liegt nahe: Auch auf Formentera wird die Gruppendynamik sicher besonders sein.

Die Erwartungshaltung an Retreats ist oft immens hoch, ein Erlösungs­gedanke kommt ins Spiel, daher auch der Romantitel. In den Vorstellungsrunden, an denen ich selbst teilgenommen habe, hörte ich oft: „Ich will den Kopf frei be­kommen“ – also offenbar vor dem fliehen, was das Leben und den Alltag ausmacht oder belastet. Dass eine Woche aber reicht, sich zu orientieren und hinterher zu wissen, wie es weitergeht, empfinde ich als illuso­ risch. Es ändert sich ja nicht gleich alles, nur weil ich mal weg bin und Yoga mache.

Wenn Yoga eher nicht beim Sortieren des Alltags hilft: Welche eigenen Erfahrungen haben Sie selbst mit der Praxis gemacht?

Beim Schreiben handelt es sich ja bekanntermaßen um eine sitzende Tätig­keit, da ist ein körperlicher Ausgleich gut. Ich gehe laufen, und auch Yoga hat sich bewährt, um gesund zu bleiben, mich nicht zu verrenken oder zu blockieren. Aber auch der Zustand des Yoga hilft mir, er ist den Momenten beim Schreiben sehr ähnlich, in denen mein Kopf frei ist und die Gedanken kommen und gehen kön­nen. Wenn sich die Geschichte quasi von selbst und von innen heraus erzählt.

Wie verlief dies im Fall von „Paradies“?

Die Idee ist mir tatsächlich auf der Yogamatte gekommen. Auf einem Retreat habe ich versucht, in Shavasana zu kommen. An diesem Tag ist es mir nicht gelungen, weil mir beunruhigen­ de Bilder des Weltgeschehens durch den Kopf gingen. Den Kontrast habe ich als heftig empfunden: In dieser wunderbaren Umgebung auf der Mat­te zu liegen und den Luxus zu haben, mich nur um mich selbst kümmern zu dürfen, während die Menschen an anderer Stelle mit Krieg, Zerstörung, Flucht und Hunger leben müssen.

„Heilsversprechen machen mich misstrauisch.“

Aus diesem Zwiespalt ist die Figur der „Weltverbesserin“ und Eso-Skeptikerin Suse entstanden. Ja, in der Gegenüberstellung mit ande­ren Protagonistinnen, für die vor allem Wellness das Gebot der Stunde ist. Ich finde jedes Extrem ist problema­ tisch: Menschen, die sich nur um das eigene Wohlbefinden kümmern, und auch diejenigen, die nicht mit ihren Kräften haushalten und sich in blindem Aktionismus nach außen verschleudern. Beides ist keine Lösung. Wir brauchen das Bewusstsein, dass wir alle Verant­ wortung dafür tragen, was in der Welt passiert. Es braucht Balance, um gleich­zeitig in seiner Kraft zu sein und davon abgeben zu können.

Vor einigen Jahren sprachen Sie in einer Kolumne von der „Wohlfühldiktatur“, die Sie unter anderem auch im Umfeld des Yoga beobachten. Natürlich üben wir das vielzitierte „Bei sich selbst Ankommen“. Manchmal scheint es sich aber in der Selbstwahrnehmung zu erschöpfen.

Die richtige Balance dafür zu finden, be­schäftigt mich tatsächlich seit langem. Natürlich sind wir selbst der Ausgangs­punkt für alles, aber es gibt sicherlich Menschen, die ununterbrochen um sich selbst kreisen und das eigene Befinden über alles stellen: „Ist mir zu warm, ist mir zu kalt, bin ich wirklich in meiner Mitte …“ Manchmal kann ich es nicht mehr hören und denke: Blick doch mal wieder hinaus in die Welt. Gerade wenn man älter wird und die Zipperlein zu­ nehmen, muss man aufpassen, dass man es damit nicht übertreibt, sondern sich weiter für andere Menschen und die Welt interessiert. Sonst wird man auch als Ge­sprächspartner langweilig.

Die „esoterischste“ der Figuren, Larissa, die stark an Engel glaubt, ist am Ende ein Fall für die Psychiatrie. Das ist auch ein schmaler Grat …

Die Entwicklung dieses Charakters war in der Tat herausfordernd. In ihrem Engelwahn hat sie mich durchaus zur Satire eingeladen und ich merkte, wie ich sie immer mehr überzeichnete und ihrer Figur nicht mehr gerecht wurde, die durchaus Gutes will: Sich selbst, Erfül­ lung und Sinn finden. Das fand ich in sich in Ordnung, meine Übertreibung nicht. Also beschloss ich: Wenn ich sie zu ei­ nem kranken Menschen mache, kann ich ihre Spinnereien zeigen, aber muss sie als Figur nicht so denunzieren.

Insgesamt sind „Paradies“ und seine Figuren sicher für viele, die sich mit Esoterischem beschäftigen, ein einziges Déjà-Vu. Sehr vertraut ist mir auch der Impuls, manches ironisch zu überspitzen. Was ist es an der „Yogaszene“, das dazu so einlädt?

Das habe ich mich auch schon oft gefragt und kann hier nur für mich sprechen. Ich bin immer misstrauisch, wenn es um Heilsversprechen geht. Oder wenn es darum geht, Verantwortung zu delegieren. Ich finde – mit gewissen Einschränkungen – dass allein der Mensch für das, was er tut, Verantwortung trägt, auch für den Zu­stand der Welt . Ereignisse auf Götter, Schicksal, Erdstrahlung und Chakren zu schieben, widerspricht meiner in­neren Haltung der Verantwortlichkeit.

Einen anderen zutreffenden Text haben Sie amüsant mit „Gärtnern ist das neue Yoga“ betitelt. Wird das Selbstverständliche gerne mal überhöht?

Mir scheint, dass man irgendwie aus al­lem eine Religion machen kann. Meine Art ist das nicht.

Welche Romanfigur aus „Paradies“ ist Ihnen am nächsten?

In allen steckt ein Stück von mir. Als Autorin muss ich meine Figuren so lie­ ben, dass auch die Lesenden Bezug zu ihnen finden. Am ehesten würde ich mich jedoch mit der Hauptfigur Petra verglei­chen, der unauffälligsten, normalsten, ei­ner Ehefrau und Mutter, die ein wenig in ihrer Entwicklung blockiert ist. Ein Bier trinken würde ich vielleicht gern mit der Ex­Prostituierten Jenny, aber eigentlich würde ich am liebsten mit der ganzen Gruppe einen Mädelsabend verbringen.

Die Frauen stehen bei Ihnen ohnehin immer im Vordergrund.

Daher haftet meinen Büchern auch das Etikett des „Frauenromans“ an. Mich interessieren Frauen einfach, mit ihnen kann ich mich identifizieren. Natürlich sind es oft die Männer, die bei den Frauen Handlung auslösen, außerdem wichtige Counterparts für meine Heldinnen. Ich könnte jedoch nicht aus der Männer­ perspektive schreiben.

Übt Ihr Mann Yoga?

Nein, wie die meisten Männer ist er sehr unbeweglich, hat zwar 25 Marathonläufe absolviert, macht Bewegungstraining und Physiotherapie, kommt mit seinen Händen jedoch nicht unter die Knie. Die Krähe kann er – im Gegensatz zu mir – allerdings aus dem Stand.

Unbeweglich? Genau dann wäre Yoga ja eine gute Idee…

Ich weiß, habe ich ihm auch empfohlen. Aber eigentlich ist es auch schön, etwas nur für mich zu haben. Man muss ja nicht alles in der Ehe gemeinsam machen. Soll er doch zur Physiotherapie (lacht).

An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zum unfassbaren 60. Geburtstag. Welches Lebensjahrzehnt hat sie rückblickend bisher am meisten geprägt?

Mit 32 und 35 Kinder habe ich unsere Kinder bekommen, die nun aus dem Haus sind. Das war eindeutig die schöns­ te, intensivste und anstrengendste Zeit meines Lebens. Wir waren beide in Voll­ zeit berufstätig, zwar auf selbständiger Basis und oft in gemeinsamen Projekten, dennoch war ich manchmal am Rand meiner Kräfte. Trotzdem habe ich das Gefühl, alle meine Möglichkeiten inten­siv ausgelebt zu haben und empfinde das als großes Glück. Ich habe meine Kinder aufwachsen sehen, dazu eine Karriere erlebt und öffentliche Anerkennung. Mehr kann man nicht verlangen. Auf alles, was mir das Leben geschenkt hat, kann ich mit großer Dankbarkeit zu­ rück blicken.

Kürzlich haben Sie sogar weitere Ausbildungen als Coach und Mediatorin abgeschlossen. Brauchen Sie als Bestseller-Autorin und gefragte Moderatorin ein weiteres Standbein?

Ach, ich lerne einfach so gerne. Die Kinder waren aus dem Haus, die Fern­ sehtätigkeiten wurden weniger, was si­ cher mit meinem Alter zusammenhängt und völlig okay ist. Plötzlich gab es neue Energie, freie Kapazitäten und Lust auf Neues. Erst dachte ich, zu meiner alten Liebe Psychologie zurückzu­ kommen und noch mal zu studieren, aber so viel Theorie brauche ich nicht mehr. An Mediation und Coaching gefällt mir das Praktische. Ich habe mich auf die Beratung von Menschen in exponierten Positionen und ihren Umgang mit der Öffentlichkeit spezialisiert. Da kann ich aus großer Erfahrung schöpfen.

Beruflicher Neustart mit 60: sehr inspirierend!

Entgegen warnender Stimmen bin ich überzeugt, dass es sich lohnt. In bera­ tenden Berufen ist Lebenserfahrung ein großes Plus. Da wird doch nur die Person ernst genommen, die ausstrahlt, dass sie ein Leben hinter sich hat.

Spielt das auch im Yoga eine Rolle?

Da brauche ich nur an meine 88-­jähri­ge Mutter zu denken, die seit ungefähr 70 Jahren Yoga übt. Sie ist fit wie ein Turnschuh, unglaublich gelenkig und macht Übungen, die ich nicht mehr ma­chen kann. Eine lebende Werbung für Yoga! Und weil sie immer geübt hat, fand ich es natürlich immer blöd. Das Vorur­teil hat gehalten, bis zum erwähnten Retreat mit Inge Schöps. Wir scherzen immer, Inge sei Konrad Lorenz und ich das graue Gänsekind, das ihr folgt – sie ist meine Yoga­ Prägung … Ihr Yoga ist extrem im Leben verankert. Das finde ich gut.


YJ-Redakteurin CHRISTINA RAFTERY fand Amelie Fried schon als Moderatorin von „Live aus
dem Alabama“ super. Daher griff sie sofort zu „Paradies“ (Heyne, ca. Euro) und traf staunend auf „Arschengel“, Tantra versus Porno und viel Tiefgründiges. Falls sie sich jemals an einem Roman versuchen möchte, gibt es, das steht für sie fest, vorher ein Coaching bei Amelie Fried.

Nach einem geisteswissenschaftlichen Studium und einem Dokumentarfilm-Diplom an der Hochschule für Fernsehen und Film München wurde AMELIE FRIED in den 1980er Jahren als Moderatorin von „Live aus dem Alabama“ bekannt. Es folgten die TV-Talks „Live“, „Stern TV“, „3 nach 9“ mit Giovanni di Lorenzo, die Literatursendung „Die Vorleser“, dazu Auszeichnungen mit dem Bambi und dem Grimme-Preis. Mit über vier Millionen verkauften Büchern ist Amelie Fried eine der beliebtesten deutschen Autorinnen sowie eine gefragte Zeitschriften-Kolumnistin. Sie engagiert sich zu Fragen der Erinnerungskultur und Vergangenheitsbewältigung und ist seit 2010 offizielle Patin des Kinderhospiz Bethel. Sie ist mit dem Drehbuchautor Peter Probst verheiratet.