Achtsam essen – Das 3-Wochen-Programm (Teil 1)

Was wäre eine Yogastunde ohne Achtsamkeit? Nicht viel mehr als Gymnastik. Genauso bringt das ausgeklügeltste Ernährungskonzept nicht viel, wenn wir nicht lernen, den Autopiloten abzuschalten und wirklich achtsam mit unserer Nahrung umzugehen. Unser 3-Wochen-Programm zeigt Ihnen Wege zu einer bewussteren Art zu essen – und zu genießen.

Eines ist klar: Yoga und bewusste Ernährung gehören zusammen. Oder kennen Sie jemanden, der intensiv übt und zugibt, dass er sich von Currywurst, Limo und Eiscreme ernährt? Viel eher kennen Sie endlose Diskussionen darüber, was denn nun der „richtige“ Ernährungsstil sei. Oder ein latent schlechtes Gewissen, weil Sie es immer noch nicht geschafft haben, Ihre Ernährung konsequent umzustellen. Fragt sich nur, worauf genau Sie überhaupt umstellen wollen oder sollen? Ständig kommen neue Theo rien, Konzepte, Heilslehren und Verbote auf den Tisch. Es sollte vermutlich vegetarisch, vielleicht vegan, bitte bio, betont basisch, lieber low-carb, aber – pourquoi pas – auch mal paläo sein. Auch einzelnen Nahrungsmitteln wird entweder das Prädikat „wertvoll“ umgehängt oder sie werden als „total ungesund“ verdammt – nur leider sind diese Etiketten oft widersprüchlich und das, was heute als hypergesund gilt, kann morgen schon ein No-Go sein. Die Folge: Immer mehr Menschen sind unzufrieden mit ihrem Ernährungsstil, sie haben das Gefühl, ständig etwas falsch zu machen, sie sind verwirrt und suchen nach einer verständlichen, verbindlichen Anleitung – dabei wissen sie gleichzeitig: All das ist nicht nur Ausdruck eines absurden Optimierungswahns, es wäre auch völlig undenkbar ohne den noch nie da gewesenen materiellen Überfluss, in dem wir (im Gegensatz zum Großteil unserer Vorfahren und Millionen unserer Zeitgenossen) heute leben.

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Die yogische Antwort auf all das kann eigentlich nur heißen: raus aus den verkopften Konzepten und rein in die authentische Erfahrung. Bewusst hinschauen, ausprobieren, spüren – mit einem Wort: Achtsamkeit üben. Seit der ursprünglich buddhistisch geprägte Begriff der „Achtsamkeit“ im Mainstream angekommen ist, wird er selbstverständlich auch auf die Ernährung bezogen. Das Erfrischende daran: Anstatt mit medizinischem und ernährungswissenschaftlichem (Halb-)Wissen zu wuchern und dem Fetisch „Gesundheit“ zu huldigen, geht es hier endlich mal wieder ganz einfach ums Essen. Genau wie die Yogapraxis besteht auch die Praxis des achtsamen Essens zunächst einmal darin, bewusst wahrzunehmen, was ich in diesem Moment eigentlich tue – möglichst fein und ohne permanent zu urteilen und zu werten. Die Ziele lauten hier wie dort: das Körpergefühl verbessern, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung entwickeln, Verhaltensmuster erkennen und durchbrechen, freier und bewusster handeln.

Aber auch die Schwierigkeiten sind beim achtsamen Essen ähnlich gelagert wie bei der körperlichen und geistigen Yogapraxis: Genau wie Haltungs-, Bewegungs- und Denkmuster ist auch das Essverhalten von Konditionierungen geprägt, die vielfach bis in die früheste Kindheit zurückreichen. Solche Prägungen überwindet man nicht einfach, indem man beschließt: „Ab heute esse ich achtsam.“ Je mehr Sie sich dem Thema zuwenden, desto deutlicher werden Sie vermutlich erkennen, wie häufig Sie beim Thema Essen vollständig im „Autopilot-Modus“ laufen. Jeder, der schon einmal eine Fressattacke erlebt hat oder die Phänomene „Frustfuttern“ und „Trostessen“ aus eigener Erfahrung kennt, weiß: Es gibt viel mehr Arten von Hunger als nur einen leeren Magen. Sogar wenn Sie versuchen, Ihrem emotionalen Hunger mit rigiden Ernährungsregeln zu begegnen, befriedigen Sie damit unter Umständen wieder nur einen weiteren Hunger: den des Geistes.

Achtsam zu essen ist daher genau wie Yoga ein Übungsweg, auf dem Sie, wenn Sie wollen, lange Zeit unterwegs sein können. Unser 3-Wochen- Programm ist dazu ein guter Einstieg. Viele der Experimente und Übungen, die Sie hier in den nächsten Tagen kennenlernen, bieten genügend Potenzial für wochenlange Erforschungen. Und genau wie die meisten Asanas können auch diese Übungen noch nach langer Praxis immer wieder zu ganz neuen, überraschenden Erkenntnisse führen. So entdecken Sie mit der Zeit nicht nur eine ganz neue Art, sich zu ernähren und zu genießen, sondern tatsächlich so etwas wie ein „Yoga des Essens“.

Die 5 wichtigsten Punkte
1 Langsam – Lieber schlemmen statt schlingen.
2 Mit allen Sinnen – Sehen, riechen, tasten, schmecken und genießen.
3 Frei von Ablenkung – Wenn ich esse, esse ich.
4 Gerade genug – Aufhören, sobald der Hunger gestillt ist.
5 Liebevoll und dankbar – Würdigen statt werten.


In den nächsten Tagen folgen die einzelnen Wochenprogramme

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