Körperliche Nähe in Beziehungen durch Yoga?

Körperliche Nähe

Kann Yoga bei größerer körperliche Nähe helfen? Im Laufe unserer langjährigen Beziehung ist die Romantik eher einer pragmatisch-freundschaftlichen Haltung gewichen. Das wirkt sich auch auf den Sex au. Wie können wir das frisch halten? Antwort von Roswitha Aengenheyster.

Wie im Yoga gilt natürlich auch in (Liebes-)Beziehungen, dass das einzig Beständige der Wandel, die Transformation (Sanskrit: „Parinama“) ist. Der Verlust von Körperlichkeit und Sex kann unterschiedliche Ursachen haben. Diese muss jedes Paar selbst herausfinden. Darauf kann man keine pauschale Antwort geben. Aber es gibt eine Chance, wenn sich beide Partner nach wie vor lieben. Das heißt Bereitschaft haben daran zu arbeiten.

Dabei hilft Yoga natürlich. Im Yoga geht es um Körper, Atem und Geist. Die gezielte Verbindung von Atem und Bewegung schafft Achtsamkeit. Regelmäßiges Üben führt außerdem zu Selbst-Bewusstheit. Das optimiert unsere alltägliche Wahrnehmung, unser Verstehen und Handeln. Wir selbst werden offener und zugewandter. Diese Sensibilität hilft im Bett. Sie verbessert den Kontakt zum eigenen Körper und auch zum Körper des Partners. Eine schöne Idee ist, sich als Paar zu einem gemeinsamen Abend zu verabreden. An dem man sich gegenseitig massiert. So übt man Geben und Nehmen. Das kommt im Sex oft durcheinander. Im Tantra wird es bewusst getrennt.

Wie im Yoga auch. Beide Partner machen innerhalb der Beziehung einen Teil aus. Dieser Teil ist entweder aktiv oder passiv. Wir haben alle sowohl aktive als auch passive Seiten. Wir brauchen die Möglichkeit, diese im Wechsel zu leben. Das bringt uns in Richtung Ebenbürtigkeit und Harmonie.

Yoga ist Verbindung

Der Yoga ist ein Bemühen um das Selbstverständnis. Aber auch meiner Umwelt (Partner, Familie, Freunde, Kollegen). Und vor allem auch die Verbindung beider. Allerdings geht es hier nicht um intellektuelles Verstehen. Sondern um emotionales Verstehen. Das geht vom Herzen aus. Es braucht körperliches Verstehen. Aber Yoga wirkt nicht unmittelbar. Yoga ist ein Impuls auf das System. Die Wirkung ist ein individueller Prozess.

Dafür muss man eine gewisse Disziplin aufbringen. Genauso ist es mit einer Beziehung. Und dem Sexualleben eines Paares. Das Wort Arbeit klingt immer schrecklich. Aber ja, eine eine erfüllte Sexualität bedeuten Arbeit. Außerdem Üben in Gleichmut, Beharrlichkeit und Offenheit. Grundsätzlich sollte man nachsichtig sein. Mit sich und dem anderen. Sich bewusst machen, dass der andere ein großartiges Geschenk und ein Spiegel für einen selbst ist. Schaffen es beide, das Gefühl innerer Freiheit zu kultivieren? Dann stehen die Chancen für neue Lust gut. Und mehr in die körperliche Nähe kommen.


Roswitha Aengenheyster arbeitete schon im Kulturmanagement, Sponsoring und Marketing. Heute arbeitet sie als Yogalehrerin (BDY/EYU) und Coach in Berlin. Das entwickelt sie kontinuierlich durch Fortbildungen weiter. | Foto von Cole Keister von Pexels

Standhaft bleiben im Krieger I

Um stark, leicht und aufrecht im Krieger I zu stehen, hilft ein Aufbautraining für die Füße.

Unsere Vorfahren bewegten sich nicht auf glattem Asphalt – sie mussten unebenes Gelände durchqueren, über Felsen klettern und Steilhänge besteigen. Dafür brauchten sie Füße, die sich in alle möglichen Richtungen beugen, biegen und drehen ließen und gleichzeitig trotzdem Stabilität boten. Aufgrund dieser Anforderungen formte die Evolution die Füße entsprechend. Das „Design“ verbesserte sich von Generation zu Generation, bis es schließlich an uns weitergegeben wurde. Ihre Füße sind zu viel mehr fähig, als Sie bisher vielleicht realisiert haben.

Stehende Haltungen im Yoga fordern die Füße auf allen Ebenen, da sie – ausgerichtet in verschiedenen Winkeln – in jeder Position gleichzeitig das Körpergewicht tragen müssen. In jeder Haltung müssen die Füße auf eine bestimmte Weise platziert und gehalten werden – dazu braucht es auch ein spezifisches Zusammenspiel von Muskelkontraktion und -dehnung. Das macht die Stehhaltungen zu einem ‚Allround-Fußaufbau-System‘: Sie optimieren die Flexibilität, Stärke und Kontrolle beim Bewegen der Füße. Auf den Punkt gebracht: Stehende Haltungen trainieren die Füße, damit sie ihre Bestimmung erfüllen können.

Wenn die Fußknochen korrekt positioniert sind, formen sie Bögen, die das Körpergewicht effizient tragen. In Stehhaltungen ist es wichtig, die Wölbung im Fuß beizubehalten. Dadurch wird die gesunde Fußform unterstützt und ein stabiles Fundament für die Haltung geschaffen. Die Füße so auszurichten, dass sie das Körpergewicht auf drei Punkten verteilt tragen, ist der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der Fußgewölbe. Die drei ausschlaggebenden Punkte, die es zu belasten gilt, sind: die Fersenmitte (Calcaneus), der Großzehenballen (distales Ende des ersten Metatarsal) und der Kleinzehenballen (distales Ende des fünften ­Metatarsal). In den meisten Haltungen sollte die Hälfte des Gewichtes auf die Ferse und die andere Hälfte gleichmäßig zwischen dem Groß- und Kleinzehenballen verteilt sein.

Virabhadrasana I (Krieger I) ist eine der herausfordernsten Haltungen für die Füße, vor allem für den hinteren Fuß. Wenn Sie ihn so weit eindrehen, wie es die Haltung erfordert (typischerweise 45 – 60 Grad nach vorne), ist es extrem schwierig, das Gewicht gleichmäßig auf diese drei Punkte zu verteilen. Man neigt dazu, am stärksten den Großzehenballen zu belasten, während der Kleinzehenballen nicht mehr gut geerdet ist, das Fußgewölbe sich senkt und die Ferse sich oftmals vom Boden hebt. Die Stellung in dieser Art zu üben fördert jedoch kaum den gesunden Aufbau der Füße und macht die ganze Haltung instabil, schwach und leblos.

Um die Ferse auf der Erde zu halten, drehen viele Übende den Fuß zu weniger als ein Drittel ein. Dadurch kann die restliche Ausrichtung der Krieger I-Haltung komplett durcheinander geraten: Wenn der hintere Fuß nicht weit genug nach vorne gedreht ist, dreht sich auch die Hüfte nicht ausreichend weit (da man sonst das Knie völlig verdrehen würde), um den Oberkörper und das Becken parallel zum vorderen Mattenrand auszurichten. Nur wenn sie es schaffen, den hinteren Fuß 45– 60 Grad einzudrehen und gleichzeitig die Ferse und die Außenkante des Fußes fest in die Erde zu pressen, wird die komplette Haltung mit Leben gefüllt. Ihr hinteres Bein wird lang und stabil und Ihr Becken wird sich viel freier drehen können. Ihr Brustkorb wird auf beiden Seiten gleichmäßig nach vorne zeigen. Sie werden Leichtigkeit, Offenheit und einen Auftrieb fühlen, die aus Ihrem starken Fundament resultieren. Die kraftvolle und gezielte Muskelaktivität Ihres Fußes stärkt das Schienbein, dehnt die Wade, hebt das Fußgewölbe und verfeinert Ihre Achtsamkeit.

Der richtige Winkel
Um zu verstehen, wie Sie mit Ihrer hinteren Ferse im Krieger I arbeiten können, sind gewisse Anatomiekenntnisse von Vorteil. Damit Sie Ihr Gewicht gleichmäßig auf die drei wichtigen Punkte des Fußes verteilen können, muss Ihr hinterer Fuß eine Dorsalflexion (Bewegung des Sprunggelenkes in Richtung Fußrücken) und gleichzeitig eine Supination (Heben des inneren Fußrandes bei gleichzeitigem Senken des äußeren) leisten. Die Dorsalflexion drückt Ihre Ferse nach unten, während die Supination den Fußinnenrand hebt und den Außenrand nach unten bringt. Je weiter Sie Ihren Fuß nach innen drehen, desto tiefer geht die Dorsalflexion. So kann die Ferse am Boden bleiben, während das vordere Knie gebeugt ist. Die häufigste Ursache, welche die Dorsalflexion einschränkt, ist eine Verkürzung der hinteren Wadenmuskulatur, dem Musculus gastrocnemius (zweiköpfiger Wadenmuskel) und dem Musculus soleus (Schollenmuskel). Werden diese Muskeln auch nur etwas gedehnt, kann das die Ausführung dieser Haltung extrem verbessern. Der M. soleus wird bei jeder starken Dorsalflexion des Knöchels gedehnt, aber um den M. gastrocnemius zu dehnen, bedarf es nicht nur einer Dorsalflexion des Fußgelenkes, sondern einer gleichzeitigen Streckung des Knies. Der Krieger I erzeugt beide Aktivitäten im hinteren Bein. Somit ist er eine besonders gute Stellung, um den M. gastrocnemius zu verlängern.

Um diesen Muskel mit der Haltung zu erreichen, dreht man den hinteren Fuß 60 Grad bei gestrecktem Bein ein. Während Sie die Ferse am Boden halten, beugen Sie Ihr vorderes Knie, aber nur so weit, dass die Position des hinteren Fußes nicht beeinträchtigt wird. Bei manchen werden dabei die vorderen Knochen des Fußgelenkes zusammengedrückt, wodurch die Dorsalflexion gestoppt wird. Falls das bei Ihnen der Fall ist, können Sie dieses Problem eventuell vermeiden, indem Sie den Fuß etwas mehr nach außen drehen. Beachten Sie dabei, dass eine zu starke Außendrehung die restliche Ausrichtung der Haltung beeinträchtigen kann. Egal, ob die eingeschränkte Dorsalflexion durch zusammengepresste Fußgelenkknochen oder verkürzte Wadenmuskeln verursacht wird, gibt es eine weitere Option: Den hinteren Fuß weit eingedreht zu halten, die Ferse aber durch eine schräge Fläche wie beispielsweise einen Holz-oder Schaumstoffkeil zu unterstützen, damit das Fußgelenk sich nicht so weit nach vorne beugen muss.

Haben Sie den optimalen Winkel für Ihren hinteren Fuß gefunden, können Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Musculus tibialis anterior, den vorderen Schienbeinmuskel, lenken. Obwohl mehrere Muskeln zusammenarbeiten, um die Ferse zu senken, den Fußbogen anzuheben und die Außenkante des Fußes im Krieger I nach unten zu drücken, ist der M. tibialis anterior viel wichtiger als die anderen Muskeln, da er alle Bewegungen gleichzeitig und am stärksten ausführt. Der Krieger I ist für die Stärkung dieses Muskels perfekt geeignet. Doch viele wissen nicht, wie sie ihn effektiv aktivieren sollen. Das obere Ende des M. tibialis anterior setzt an der äußeren Vorderseite des Schienbeins und umliegenden Bindegewebes an. Das untere Ende bildet eine Sehne, welche die Vorderseite des Knöchels kreuzt und zum inneren Rand des Fußes läuft, bis zum höchsten Punkt des Fußgewölbes. Um den Muskel zu finden, platzieren Sie Ihre Fingerspitzen auf der Vorderseite Ihres Schienbeinknochens (Tibia) zwischen Knie und Knöchel, ungefähr ein Drittel vom Knie entfernt: Bewegen Sie von dort aus die Finger ein paar Zentimeter nach außen, drücken Sie zu und flexen Sie den Fuß. Nun können Sie spüren, wie sich der Muskel unter Ihren Fingerspitzen zusammenzieht.

Verdoppeln Sie den Spaß am Üben
Um diesen Muskel in Aktion zu spüren, üben Sie den Krieger I pro Seite zweimal. Das erste Mal behalten Sie eine „perfekte“ Fußausrichtung bei und beugen Ihr vorderes Bein nur so tief, dass Sie die Ausrichtung des hinteren Fußes nicht verändern müssen. Das stärkt den M. tibialis anterior und dehnt den M. gastrocnemius. Beim zweiten Mal beginnen Sie auf die gleiche Weise, gehen dann aber tiefer in die Haltung und erlauben dabei kleine Kompromisse bei der Ausrichtung des hinteren Fußes. Versuchen Sie dabei trotzdem kontinuierlich, weiter an der perfekten Ausrichtung zu arbeiten. Das trainiert Ihre Wade, das Schienbein und den Fuß auf etwas andere, aber dennoch gesunde Weise. Zusätzlich kann die Haltung alle anderen positiven Wirkungen entfalten: zum Beispiel die Stärkung des Oberschenkels im vorderen Bein.

Stellen Sie sich seitlich auf Ihre Yoga-Matte und platzieren Sie Ihre Füße ungefähr eineinhalb Meter auseinander. Bringen Sie die Hände an die Hüften. Heben Sie nun Ihre linke Ferse und drehen Sie sie nach außen, so dass der Fuß um ein Drittel nach innen zeigt. Drehen Sie den rechten Fuß 90 Grad nach außen, indem Sie zuerst die Ferse und dann den Fußballen heben. Jetzt heben Sie wieder die linke Ferse und drehen den Fuß um ein weiteres Drittel nach innen. Halten Sie beide Beine gestreckt. Falls Ihre hintere Ferse nicht am Boden bleibt, können Sie entweder den Abstand zwischen Ihren Füßen verkleinern oder die hintere Ferse durch eine Unterlage unterstützen. Schauen Sie zu Ihren Füßen und ziehen Sie eine imaginäre Linie von der Mittellinie Ihres rechten Fußes bis zum linken Fuß. Positionieren Sie Ihre Füße so, dass die Linie durch den höchsten Punkt des Fußgewölbes Ihres linken Fußes läuft. Sollten Sie dabei die Balance verlieren, versetzen Sie Ihren hinteren Fuß einfach um ein paar Zentimeter nach links.
Drücken Sie Ihre linke Ferse kräftig nach unten, bis Sie das ­Gefühl haben, dass das Gewicht gleichmäßig auf Ferse und Fußballen verteilt ist. Nun gleichen Sie das Gewicht zwischen innerer und äußerer Fußkante aus, indem Sie darauf achten, dass der Großzehenballen und der Kleinzehenballen in gleichem Maße belastet werden. Zum Schluss balancieren Sie das Gewicht auf der Ferse aus, so dass Innen- und Außenseite gleich stark in den Boden pressen.

Drehen Sie nun, ohne dabei das Gleichgewicht des hinteren Fußes zu verändern, die linke Seite Ihres Beckens in Richtung rechter Fuß. Während dieser Bewegung müssen Sie die linke Ferse und die Außenkante des linken Fußes stärker in die Matte drücken und das Fußgewölbe anheben. Aktivieren Sie dazu bewusst den M. tibialis anterior, indem Sie die Mitte des inneren Fußrandes zum oberen äußeren Schienbein ziehen. Wenn sich Ihre Hüfte nun nicht mehr weiter drehen lässt, strecken Sie Ihr linkes Knie und beugen Sie langsam das rechte. Achten Sie strikt darauf, das Gewicht im linken Fuß gleichmäßig zu verteilen. Vermutlich wird sich der Schwerpunkt tendenziell zur inneren Ferse hin verlagern – lassen Sie dies nicht zu. Pressen Sie die äußere Ferse in den Boden und bringen Sie genauso viel Gewicht auf den Fußballen.

Sie werden eine weitere Tendenz feststellen: Das Gewicht verlagert sich auf den Großzehenballen. Um dem entgegen zu wirken, drücken Sie den Kleinzehenballen fest gegen die Matte. Fahren Sie damit fort, die linke Hüfte nach vorne zu drehen, während Sie das rechte Bein tiefer beugen. Sie werden dabei nicht sehr weit kommen, es sei denn, Sie haben sehr gut gedehnte Waden. Das ist in Ordnung, denn es geht darum, den hinteren Fuß so perfekt ausgerichtet zu halten wie nur möglich. Drehen Sie nun Ihren Oberkörper nach vorne und heben Sie den Brustkorb nach oben. Beobachten Sie, wie die Vorderseite Ihres linken Schienbeins (M. tibialis anterior) mehr und mehr kontrahiert und Ihre Wade (M. gastrocnemius) sich dehnt. Sind Sie an dem Punkt angelangt, an dem Sie Ihr Bein nicht weiter beugen können, ohne die Ausrichtung des hinteren Fußes zu verlieren, dann bleiben Sie für ein paar Atemzüge in der Stellung. Wiederholen Sie die Übung auf der anderen Seite.

Standhaftigkeit
Kommen Sie auf der ersten Seite noch einmal in die gleiche Haltung und versuchen Sie dabei eine kleine Variation: An dem Punkt, an dem Sie das vordere Bein nicht mehr tiefer beugen können, ohne den hinteren Fuß zu verändern, arbeiten Sie daran, das Gewicht auszubalancieren. Gehen Sie aber dennoch tiefer in die Haltung, auch wenn sich das Gewicht verlagert. Beugen Sie das vordere Bein so weit Sie können, während Sie die hintere Ferse und den Kleinzehenballen auf dem Boden halten. Wenn sich der hintere Fuß dadurch nach außen dreht, lassen Sie dies nach und nach zu, nur nicht weiter als 45 Grad. Wenn Sie Ihre Grenze erreicht haben, bringen Sie die hintere Hüfte wieder nach vorne und strecken Sie das hintere Knie noch stärker. Drücken Sie nun Ihre hintere Ferse in den Boden, um Ihren Brustkorb noch mehr nach vorne zu drehen und nach oben anzuheben. Strecken Sie die Arme hoch über Ihren Kopf, um Ihren gut geerdeten Krieger I zu vervollständigen.

Foto: Pixabay


Der zertifizierte Iyengar Yoga-Lehrer Roger Cole ­lebt in Del Mar, Kalifornien.

Höllbachhof: Alternatives Wohnen

Weniger ist mehr: Diese Devise zieht sich in der Lebensgemeinschaft Höllbachhof bei Regensburg durch jeden Aspekt des täglichen Lebens – eine Alternative zur Konsumgesellschaft.

Die Erkenntnis kam über Nacht: „Ich muss hier raus.“ Raus aus einem konsumorientierten, materialistischen Stadtleben, das keine Verbindung zur Natur, geschweige denn ein umweltverträgliches Dasein ermöglicht. Die erfolgreiche Seminarleiterin und Lebensberaterin Vivian Dittmar beschloss, ihre 120 Quadratmeter große Eigentumswohnung in der Münchner Innenstadt zu verkaufen und ihre florierende Praxis – kurz: ihr etabliertes Leben – aufzugeben, um den Wunsch nach Einfachheit, Ursprünglichkeit, einem Leben in mehr Verbundenheit mit der Natur und anderen ­Menschen konsequent zu verfolgen.

Der Großteil der Einrichtung und andere Besitztümer fanden über eBay ein neues Zuhause. Sie selbst bezog mit ihrem kleinen Sohn eine Hütte im Wald, ohne fließendes Warmwasser, die weniger als ein Viertel des vorherigen Wohnraumes bot und mit Holz beheizt wurde. Von außen betrachtet eine drastische Umstellung, aber die 31-Jährige empfand die vermeintliche Einschränkung und die Aufgabe des gewohnten Komforts als sehr bereichernd. Bereits in ihrer Kindheit in einem balinesischen Dorf hatte sie Naturverbundenheit, Gemeinschaft und Spititualität sehr positiv erlebt. Gemeinsam mit gleichgesinnten Freunden machte sie sich auf die Suche nach einem Ort, wo sie die Vision des nachhaltigen Miteinanderlebens umsetzen und damit erfahrbar machen konnte.

Etwa ein Jahr, nachdem sie der Stadt den Rücken gekehrt hatte, war der gewünschte Ort gefunden: Der Höllbachhof, ein abgelegenes Gehöft 30 Kilometer östlich von Regensburg. „Als ich das Angebot im Internet entdeckte, wusste ich gleich: Das ist es“, erinnert sich Vivian Dittmar. Innerhalb eines halben Jahres wurde die Finanzierung der Übernahme gestemmt. Zusammen mit ihren Weggefährtinnen Chiara Greber und Puria Kästele gründete sie die Stiftung Höllbachhof. Mitte vergangenen Jahres bezogen sie mit ihren Familien den über 400 Jahre alten Hof, der von der Vorbesitzerin bereits als ­Seminarzentrum genutzt und ökologisch bewirtschaftet worden war.

Hier, in relativer Abgeschiedenheit, und direkt angrenzend an das Naturschutzgebiet „Hölle“, lassen sie seither ihre Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden: Es geht darum, einerseits eine Forschungs- und Bildungstätte für nachhaltiges Leben, und zugleich einen Ort, an dem dies unmittelbar erfahrbar und lebbar ist, zu schaffen. „Unser wichtigstes Anliegen ist es, eine Kultur der Nachhaltigkeit entstehen zu lassen“, sagt Puria Kästele. Hierbei spielt die praktische Umsetzung der Prinzipien der Permakultur eine herausragende Rolle. Der Begriff steht für „Permanent Agriculture“ und für eine Wirtschaftsweise, die nicht mehr Energie verbraucht, als erzeugt oder erneuert werden kann. Zentral ist das Bewusstsein über Produktionskreisläufe sowie die Einsicht, dass langfristig nur ein Leben von den Zinsen und nicht auf Kredit möglich ist.

Diese nachhaltige Lebensweise, die etwa vom Österreicher Sepp Holzer seit mehreren Jahrzehnten überaus erfolgreich angewendet wird, basiert auf fünf Direktiven: „Beginne bei dir selbst“, „Gehe sorgsam mit deinem Lebensraum um“, „Teile deinen Besitz und dein Wissen“, „Verteile die Ressourcen so, dass jeder genug hat“, „Reduziere Wachstum“. Die ethischen Prinzipien lauten kurz und knapp: „Trage Sorge für die Erde und die Menschen und teile gerecht.“ Praktische Umsetzung findet dies beispielsweise durch Ablehnung gewisser Konsumentscheidungen, die Verringerung des Verbrauchs von Ressourcen, Wiederverwendung, Reparatur statt Ersetzen von Dingen und Recycling. Essenziell ist auch die Berücksichtigung natürlicher Kreisläufe. Kein System kann langfristig ertragreich sein, ohne dass ihm etwas zurückgegeben wird.

Einer der ersten Schritte zur konkreten Umsetzung war die deutliche Reduzierung der Bäder, um den Wasserverbrauch zu reduzieren. Auch von Wasserspül- auf Komposttoiletten umzustellen, ist angestrebt. Eine biologische Pflanzenkläranlage existiert bereits. Diese ermöglicht die Reinigung von Abwasser auf ökologisch vorbildliche Art. Selbstredend kommen auf dem Hof ausschließlich biologisch abbaubare Körperpflegeprodukte, Wasch-, Spül-, und Reinigungsmittel zum Einsatz. Die Ölzentralheizung soll mittelfristig von Solarsystemen oder Holz- beziehungsweise Pellet-Zentralheizung zur Wärmegewinnung abgelöst werden. Energiesparende Technologien sollen den Stromverbrauch drosseln. Statt Neuanschaffungen versuchen die Bewohner, Second Hand den Vorzug zu geben. Beim Lebensmitteleinkauf wird die Wahl verpackungsarmer Ware großgeschrieben, dennoch anfallender Müll wird konsequent getrennt und dem Recyclingkreislauf zugeführt. Alle verrottbaren Abfälle werden verkompostiert, um so die Grundlage für neues Wachstum zu schaffen. Im Herbst 2009 fand auf dem Hof der deutschlandweit erste Permakultur-Design-Ausbildungskurs nach den international anerkannten Richtlinien des australischen „Permaculture Institute“ statt. Hier holten sich die Bewohner zahlreiche Anregungen bezüglich der nachhaltigen Bewirtschaftung des etwa drei Hektar umfassenden Grundes.

„Das, was Kinder heute in der Schule lernen, ist nicht unbedingt das, was sie später benötigen. Wenn sie erwachsen sind, werden die Lebensumstände sich deutlich von den heutigen unterscheiden“, glaubt Vivian Dittmar, selbst Mutter zweier Söhne. Permakultur auch und gerade für Kinder zugänglich zu machen, ist eines ihrer größten Anliegen. In geplanten Tagesprojekten für Schulklassen sollen Kinder im Rahmen von Permakulturprojekten die Möglichkeit bekommen, spielerisch natürliche Zusammenhänge zu erfassen. Im Rahmen der Pflege partizipatorischer Künste wie Theater und Musik kann Erfüllung im gemeinsamen Schaffen gefunden werden, statt im erlernten Konsum materieller Dinge.

„Konsum ist eine Sucht“, sagt Vivian. Der Höllbachhof soll ein Ort sein, an dem jeder eingeladen ist, zu erfahren, was ihn wirklich nährt. „Ich lebe heute äußerlich auf kleinem Raum, mein innerer Raum hat sich jedoch deutlich vergrößert, seit ich mich materiell reduziert habe“, sagt Vivian. „Erst das persönliche Erleben offenbart die Lebensfreude und den Reichtum, die Permakultur und nachhaltige Lebensweise umfassen. Hier am Höllbachhof können wir und jeder, der Lust dazu hat, unmittelbar erfahren, dass die besten Dinge im Leben nicht käuflich sind.“

Als Seminarteilnehmer, Gast oder Volontär kann man dieses Leben ausprobieren. „Wir wünschen uns, dass der Höllbachhof für viele Menschen ein zweites Zuhause wird. Ein Ort, an dem alternative Werte, Handlungsweisen und Formen des Miteinanders spielerisch erprobt werden können – ohne dass man das gewohnte Lebensmodell aufgeben muss“, so die Initiatorinnen des Projekts. Mittelfristig soll der Hof zwischen 20 und 30 Personen aller Altersstufen ein permanentes Zuhause bieten.


Weitere Informationen und Veranstaltungstermine finden sich unter www.hoellbachhof.de

Yoga hilft bei Asthma

„Die meisten Pranayama-Übungen sind für Asthmatiker nicht das Richtige“

Der Atem rasselt, der Kranke japst nach Luft: Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Kurzatmigkeit, Husten und Erstickungsanfälle können die Folge sein, die körperliche Leistungsfähigkeit ist meist eingeschränkt. Ungefähr fünf bis zehn Prozent der Deutschen leiden an Asthma. Yoga kann gegen diese Krankheit helfen: der indische Yoga-Lehrer und Arzt Ganesh Mohan erklärt, welche Yoga-Übungen besonders für Asthmatiker geeignet sind.

Ganesh Mohan spricht ruhig, freundlich und zugewandt: „Asthmatiker müssen vor allem das Atmen üben. Der Atem ist absolut grundlegend für unsere Gesundheit! Ruhige, freie Atem-Praxis: Das ist vielleicht nicht so aufregend wie manche anstrengende Yoga-Positionen, aber langfristig nutzt es dem Körper mehr.“ Also vor allem Pranayama, die Yoga-Atem­übungen? „Nein, die meisten Pranayama-Übungen sind für Asthmatiker nicht das Richtige.“ Natürlich nütze Ujjayi, das Atmen mit leicht verengter Stimmritze, das ein sanfte Rauschen in der Kehle erklingen lässt und dem Übenden ein Feedback gibt. „Aber sich hinzusetzen und einfach nur das Atmen zu üben, ist für viele Menschen erst einmal eine zu große Herausforderung“. Sein Rat: bewusstes Atmen bei sanften Bewegungen.

„Asthmatiker müssen vor allem lernen, auszuatmen“ erklärt Mohan. Das klingt zunächst verwirrend, denn bei einem Anfall schnappen Asthmatiker schließlich deutlich nach Luft – sie haben also das Gefühl, nicht einatmen zu können.  Nur wenn man ausatmen kann, kann man auch einatmen. Während eines Anfalls hat ein Asthmatiker nicht zu wenig, sondern zu viel Luft in der Lunge. Diese Sichtweise vertreten auch Schulmediziner. Aber viele Ärzte wissen nicht, welche körperlichen Übungen das ­Ausatmen besonders unterstützen können.

„Ich empfehle Asthmatikern vor allem Vorbeugen und Umkehrpositionen“, sagt Ganesh Mohan. „In Adho Mukha Svanasana drücken die Organe auf das Zwerchfell und erleichtern die Ausatmung“, erklärt Mohan. Er empfiehlt diese Haltung auch, um Bandhas zu lernen. Umkehrpositionen wie Kopfstand oder Handstand sind natürlich für viele Menschen zu schwierig. Stattdessen schlägt Mohan einen „halben Schulterstand“ vor, mit diagonal gehaltenen statt mit ausgestreckten Beinen, die noch dazu leicht gebeugt sein könne (Viparita Karani). „Diese Übung ist den meisten Menschen problemlos möglich. Man kann nicht wirklich gut einatmen und verlängert so automatisch das Ausatmen.“

In der Yoga-Therapie geht es um den Menschen als Ganzes: Atemübungen und körperliche Bewegung machen nur einen Teil der Behandlung aus. Hinzu kommen psychologische Betreuung sowie Tipps zur Ernährung und zur Veränderung des Lebensstils im Allgemeinen. Asthmatikern empfiehlt Ganesh Mohan, trockene und kalte Luft zu meiden und vor allem Stress abzubauen. Auf schweres und fettes Essen sollten sie ebenso verzichten wie auf eisgekühlte Getränke.

„Bloß keine körperliche Anstrengung!“ Das hat man früher Asthmatikern gesagt – aus Angst vor Anfällen. Längst hat die Medizin dazugelernt und weiß: Bewegung stärkt die Lunge. Sport beugt Asthma-Attacken vor! Es gibt sogar Hochleistungssportler, die Asthma haben. Normalerweise empfehlen Ärzte ein leichtes Ausdauertraining. Wie auch Yoga helfen kann, Asthma zu lindern, ist vor kurzem wissenschaftlich untersucht worden. Beim American College of Sports Medicine in Seattle haben Ärzte die Wirkung von Yoga auf Asthmatiker getestet: 20 Teilnehmer im Alter von 20 bis 65 Jahren haben dafür regelmäßig zweimal wöchentlich Yoga-Stunden genommen und noch dazu ein einmal pro Woche eine halbe Stunde zuhause geübt. Schon nach zweieinhalb Monaten fühlten sich die meisten deutlich gesünder.


Die Journalistin und Yoga-Lehrerin Claudia Wiese führt mit ihrem Mann Michael Wiese in Leverkusen das Studio Yogaya.

Befreiung durch Handschrift

Die Handschrift der Freiheit

In Deutschland ist der amerikanische Zen-Mönch Edward Espe Brown durch sein Buch „Das Lächeln der Radieschen“ und als Protagonist in Doris Dörries Dokumentarfilm „How To Cook Your Life“ bekannt geworden. Neben dem Kochen widmet er sich aktuell einer weiteren Alltagspraxis und deren bewusster Ausführung: Was kann sich einstellen, wenn man die eigene Handschrift ändert? Nichts weniger als persönliche Freiheit, sagt Edward Espe Brown im YOGA JOURNAL-Interview.

YOGA JOURNAL: Edward Espe Brown, in „How To Cook Your Life“ ­haben Sie die Zubereitung einer Mahlzeit als spirituellen Akt des Respekts vor sich selbst, den Lebensmitteln und den Gästen vorgestellt. Im kommenden Sommer bieten Sie in Deutschland und Österreich wieder Koch-Retreats an, in München aber auch einen Workshop mit dem Titel „Befreiung durch Handschrift.“ Was hat es damit auf sich?
EDWARD ESPE BROWN: Ich habe 1995 als Form der Meditation begonnen, meine Handschrift zu ändern. Unsere Hände sind ein Ausdruck für die Kreativität des Körpers, sei es beim Kochen, Malen, Schnitzen oder Schreiben mit Stift auf Papier. Der bewusste Einsatz dieses Werkzeugs hat einiges dazu beigetragen, mich aus eingefahrenen Mustern zu befreien.

Seit 1965 praktizieren Sie Zen- und Vipassana-Meditation, üben Yoga und Qi Gong, haben Erfahrung in Akupunktur und Homöopathie und geben Seminare zu vegetarischer Ernährung. Welche eingefahrenen Muster meinen Sie?
Das alles tue ich seit über 40 Jahren und bin dabei durchaus frustanfällig. Ich interessiere mich für viele Dinge und überlege immer, wie ich meine Erfahrungswelt weiter anreichern kann. Ich habe zwar eine Ausbildung zum Zen-Lehrer gemacht, aber vor kurzem, mit 65 Jahren, habe ich mir gedacht: Es wäre schön, Zen-Lehrer zu sein. Allmählich fühle ich mich bereit und merke, dass die Menschen anders als früher auf mich reagieren – und ich auf sie.

Ist das Üben von Handschrift ein Teil des Zen-Systems?
Meine aktuelle Art des Übens, die von meiner Lehrerin ­Vimala Rodgers inspiriert ist, ist kein Bestandteil des Zen, obwohl in Japan und China die Kalligraphie schon immer eine Rolle im Leben und der spirituellen Praxis gespielt hat. In der Art, wie wir Worte zu Papier bringen, äußern sich ­generell unsere Strategien, das Selbst zutage zu fördern oder zu schützen. Den Ausdruck hierfür zu ändern, kann das ganze Leben beeinflussen. Ohne die Schreibpraxis hätte ich nicht in „How To Cook Your Life“ auftreten können. Aber damals hatte ich bereits in größeren Buchstaben geschrieben – ich war bereit, gesehen zu werden.

Kann man sich beim Üben konkrete Ziele setzen?
Erleuchtung ist nicht garantiert und Erwartungen eher kontraproduktiv. Ich ermutige die Schüler, herauszufinden, was sie an der Praxis anzieht. Das ist interessanter als die ­Vorstellung von dem, was wir erreichen können. Das eignet sich höchstens als anfängliche Motivation. Ich habe eine ­Weile Improvisationstheater gespielt. Dort gab es ­ironischerweise recht verbindliche Regeln, die auf jede Übung ­anwendbar sind: Sei präsent, plane nicht, starte von dort, wo du bist, mache Fehler, akzeptiere jedes Angebot und passe es an die Situation an.

Das Schreiben lernen wir als Schulkinder, in einem Alter, in dem man meistens noch nicht bewusst über seinen Unterricht reflektiert. Parallel existiert ein großer Wissensdurst.
Je nach Persönlichkeit versuchen wir zu diesem Zeitpunkt auf bestmögliche Weise das umzusetzen, was uns die Autoritäten vorschreiben. Was wir später daraus machen, formt unseren Charakter weiter. Alle regelmäßigen Übungen, seien es Meditation, Yoga, Qi Gong oder eben Handschrift ändern unser Sein und damit unser Leben. Wer wir sind, reflektiert sich in unseren vielen Aktivitäten. Wenn wir diese ändern, wirkt es auf unser Selbst. Die Prinzipien des Zen-Kochens, vor allem die absolute Vermeidung von Verschwendung, haben mein ganzes Denken beeinflusst.

Was bedeutet es, dass Handschrift eine physische Praxis ist?
In unserer Kultur ist es mittlerweile fast verpönt, mit den Händen zu arbeiten. Intellektuelle Tätigkeiten sind viel anerkannter. Vielleicht haben Chirurgen oder Künstler noch ein gutes Image, aber Brot zu backen befindet sich Lichtjahre von dieser Wertschätzung. Ich glaube, dass die Handschrift in ihrer physischen Form eine große Nähe zu Yoga hat. Ich stelle mir gerne vor, dass wir in uns kleinere Körper tragen, die noch nicht erwachsen sind, jüngere Versionen von uns. Im Yoga sprechen wir manchmal davon, uns neu in den Körper einzufinden, neues Bewusstsein in den Körper zu bringen. Ich übe gelegentlich mit Erich Schiffman, mir gefällt sein von Iyengar inspiriertes „Freedom Yoga“. Darin entdecken wir alle Körperteile neu, bringen Aufmerksamkeit bis in die Kniescheiben und Fingerknöchel, schieben unsere „kleineren“ in die „großen“ Hände, den inneren in den äußeren Körper. Kaum jemand studiert die Details so genau wie die Iyengar-Yogis. Erich Schiffman sagt immer: Wenn du diese Methoden einmal kennst – wie kannst du dann beim Alten bleiben? Warum nicht alles von Herzen nach innen strömen lassen? Dann formen die Hände die unglaublichsten Mudras. Meine Schreibpraxis wäre ohne Iyengar Yoga nicht die gleiche. So kann mein Bewusstsein in jede Fingerspitze gelangen – und darüber hinaus.

Welche Bedeutung hat der kreative Aspekt der Handschrift?
Die Hände machen einen sehr großen Teil unserer Eigenschaft als Menschen aus. Mit ihnen als Werkzeug haben wir unsere komplette Kultur geschaffen. 35 Prozent unserer motorischen Neuronen laufen in die Hände. Wenn wir mit ihnen also Neues lernen, beeinflusst dies unser gesamtes System. In San Francisco habe ich viel mit der Yoga-Lehrerin Judith Lasater geübt. Sie betont immer: „Mache“ die Übung nicht, sondern empfange sie, lass die Erfahrung zu. Das ist sehr kreativ, denn es wirkt befreiend. Kontrollieren wir uns zu sehr, grenzen wir uns über die Maßen ein. Insgesamt geht es ja beim Schreiben, Yoga und im Leben darum, den Raum zu nutzen, den wir zur Verfügung haben. Wie füllen wir die unbeschriebene Seite, wie ändern wir den Verlauf der Zeilen?

Gibt es zwischen Zen und Yoga eine natürliche Verbindung?Edward Brown
Im Zen heißt es oft: „Gerade sitzen.“ Davon machen wir uns eine Vorstellung und befehlen dem Körper die Ausführung. Stattdessen sollten wir Bewusstsein üben. Wer weiß besser, wie die Hüften sich ausrichten sollten? Der Geist – oder vielleicht die Hüften? Unser Denken sollte die Hüften darin unterstützen, ihre wahre „Hüftigkeit“ („Hipness“!) zu finden. In einer Mischung aus Stabilität und Leichtigkeit kann schließlich Energie fließen. Benutze deine Intelligenz, um deinen eigenen Weg zu finden. Wenn du du bist, ist Zen Zen. Trotzdem wollen wir oft mehr Zen als wir selbst sein. Letztendlich ist es bei jeder Praxis das Gleiche: Je mehr wir durch die Übung erfahren, desto mehr können wir alles im ­Leben als Übung annehmen.

Je nach Kultur nimmt Handschrift verschiedene Formen an. Gilt beim Üben das Gleiche für lateinische Buchstaben, ­Sanskrit oder chinesische Schriftzeichen?
Die unterschiedlichen Formen bergen unterschiedliche Energien. Wenn man eine bestimmte Form praktiziert und sich dabei von alten Verhaltensweisen entfernt, kann man sich auch von seinem alten Selbst lösen. Das Zen-Prinzip lautet: Praktiziere die Form, um dich von deinem Ego zu lösen. Wenn das geschehen ist, kannst du die Form entweder beibehalten oder dich etwas anderem widmen. Ein anderer Sinn von Form ist die Chance, unsere Ausdrucksmöglichkeiten zu vervielfältigen.

Inwieweit kann Handschrift Aufschluss über die Persönlichkeit der Schreibenden geben?
Die populären Graphologie-Handbücher typisieren und bewerten eher oberflächlich. Mein Lehrer Shunryu Suzuki Roshi sagte: In der Meditation, wenn alle die gleiche Haltung einnehmen, kann ich sehen, wer der Einzelne ist. Das gilt für alle Aktivitäten. Schriftübungen sind eine hervorragende Praxis, um sich von alten Mustern weg zu bewegen. Ich habe die letzten zwei Jahre sehr ernsthaft geübt. An einem bestimmten Punkt hat sich mein Stift regelrecht verselbständigt.

Tatsächlich sind Sie nach über 40 Jahren immer noch ­überrascht von einer spirituellen Praxis…
Auf welche Weise können wir wir selbst sein? Das ist und bleibt die interessante Frage. Dabei kann ich immer noch von Erfahrungen oder Wechseln der Empfindungen überwältigt werden. Aus Lampen­fieber kann kreative Energie werden, genauso kann aus Verkrampftheit plötzliche Leichtigkeit oder Ruhe ­entstehen. Und natürlich eine ganze Reihe von ­Gefühlen, die man niemals vorher gekannt hat…

 Fotos: Eric Brown

Bernd Rößler

Bernd Rößler

Beratungen, Workshops, Seminare & Ausbildungen in Vedischer Astrologie (Jyotisha) und indischem Handlesen (Hasta Samudrika).
Jahrtausendealtes Wissen für moderne Lebensplanung.
Die Chance tatsächlich vorausschauend zu planen liegt im Wissen dessen was sich ergibt und daher auch gestalten lässt.

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Yoga und Schreiben – Barbara Immick und Milena Moser

Collage Schreiben und Yoga

Seinen individuellen Ausdruck finden, auf der Matte wie auf dem Papier – für Schriftstellerin Milena Moser („Schlampenyoga“) und Yoga-Lehrerin Barbara Immick eine selbstverständliche Kombination. In ihrem Schreibyoga-Workshop übertragen sie den Ansatz des Vini Yoga auf den Prozess des kreativen Schreibens. Dabei gilt: Beim Yoga und Schreiben sind Bedürfnisse des Einzelnen wichtiger als die Lehre.

Die Verbindung von Yoga und Schreiben

„Erst schreiben, dann denken!“ lautet Milena Mosers Methode, die sie zur Maxime des Schreibyoga-Workshops in der Yoga-Schule Hannover ausruft. „Die Putzfraueninsel“ machte sie zur Bestseller-Autorin und mit „Schlampenyoga oder Wo geht’s hier zur Erleuchtung?“ präsentierte sie ihre persönliche, höchst amüsante Auseinandersetzung mit der Yoga-Szene und Patanjalis Yoga-Sutra. Zu ihrem Workshop mit Barbara Immick sind Yoga-Anfänger, angehende Lehrer, professionelle Schreiber und Hobby-Autoren gekommen. Es schwirren Ideen für einen Roman, die Lust, Tagebuch zu führen oder ganz einfach der Wunsch, kreativ zu sein, durch den Raum. In den kommenden zwei Tagen werden die Schreib- und Yoga-Willigen jede Menge Texte verfassen, Yoga üben, Papier zusammenknüllen und zuweilen ratlos auf ihre Matten starren. Sie werden auf verblüffende Ideen stoßen, über wunderbare Textfragmente staunen und eine Ladung Inspiration und Motivation mitnehmen. Doch zunächst beginnt der Workshop mit einer Vini Yoga-Session.

YOGA JOURNAL: Was ist dein Ansatz beim Vini Yoga?

BARBARA IMMICK: Es geht darum, die passende Form zu finden und seine Grenzen zu erkennen. Es gibt kein „One size fits all“ und auch kein Gut oder Schlecht, weder im Yoga noch beim Schreiben. Zudem ist es schon viel wert, auf ein ­bestimmtes Ziel in sinnvollen Schritten hinzuarbeiten. Sei es eine bestimmte Asana…

MILENA MOSER: …oder eine Textidee.

Individuell an die Tagesform angepasst

Was genau ist mit „passender Form“ gemeint?

B. I.: Im Vini Yoga versuchen wir, das Herz der Asana zu finden, zu berühren und zu erspüren. Im nach unten ­schauenden Hund ist das beispielsweise der gerade ­Rücken, ­unabhängig davon, ob die Beine gestreckt sind oder nicht. Es gilt, die Fülle der Asana zu erkennen und daraus zu schöpfen, sie dabei aber konstant zu hinterfragen: „Was passt heute für mich? Wie weit kann ich gehen?“

M. M.: Dieser Ansatz lässt sich eins zu eins aufs Schreiben übertragen. Man kann an Grenzen stoßen, aber es gibt kein Richtig oder Falsch. Daran scheitern die meisten Schreibwilligen. Die primäre Hemmung ist die Angst, etwas Schlechtes zu schreiben. Dabei geht es vielmehr darum, seinen individuellen Ausdruck zu finden. Außerdem verrate ich dir etwas: Der erste Satz ist nie der erste Satz. In puncto Form gibt es beim Schreiben zahlreiche Möglichkeiten: Dem einen liegen eher Kurzgeschichten, dem anderen längere Texte. Auch hier gilt es herauszufinden, welche Form die passende ist.

Selbstreflexion durch Schreiben und Yoga

Milena Moser erklärt ihre Herangehensweise mit dem „Hä-Effekt“ – beim Schreiben geschieht etwas, das man sich vorher nicht ausdenken kann. Die praktische Umsetzung erleben die Teilnehmer augenblicklich, indem sie von ihr vier Fragen erhalten und spontan aufschreiben sollen, was ihnen dazu in den Sinn kommt. Dieses intuitive, freie Schreiben soll den Prozess des Sich-Beobachtens, ohne sich zu bewerten, in Gang bringen. Angelehnt an die Yoga-Praxis sollen die Übungen so ausgeführt werden, wie es jedem Einzelnen in diesem Moment möglich ist.

M. M.: Wenn man wirklich schreiben will, muss man in Kauf nehmen, auch mal aufs Gesicht zu fallen. Man muss mit dem arbeiten, was man hat. Chaturanga Dandasana gelingt auch nicht gleich beim ersten Mal. Als ich angefangen habe, Ashtanga Yoga zu praktizieren, war meine Ausgangssituation Couch Potato. Zu Beginn fiel es mir unheimlich schwer, mitzuhalten, aber mit genügend Praxis boten sich neue Möglichkeiten.

Kann man Schreiben „üben“?

M. M.: Durchaus! Nehmen wir Patanjalis Sutra „shtira sukham asanam“. Es geht darum, Ausgewogenheit zwischen Fokus und Leichtigkeit zu erreichen. Aufs Schreiben bezogen bedeutet das: In einer starren Struktur Freiheiten zu genießen. Daher empfehle ich meinen Teilnehmern, jeden Tag 20 Minuten zu schreiben. In dieser Zeit darf nichts anderes gemacht werden außer – und hier halte ich es wie der US-Schriftsteller Raymond Chandler – „sich in Verzweiflung am Boden zu schlängeln“. Dabei ist es egal, was in welcher Form geschrieben wird; das können Tagebucheinträge oder Alltagsbeobachtungen sein. Hauptsache, es etabliert sich eine gewisse Routine.

B. I.: Dieses Prinzip der Gegensätze begegnet uns beim Yoga als ständige Balance zwischen Kraft und Beweglichkeit oder Konzentration und Leichtigkeit. Das ist die Herausforderung beim Üben, wobei das Ziel nicht ein „endgültiges Ankommen“ ist. Vielmehr ist es ein ständiger Neuanfang den eigenen Zustand zu ergründen und der damit definierten Grenzen – abhängig von der Konstitution, die jeden Tag anders sein kann.

Schreiben ohne Leistungsdruck

Die zweite Schreibübung ist inspiriert durch die Surrealisten und ihre „Écriture automatique“. Moser stoppt die Zeit. Die Teilnehmer haben sieben Minuten und dürfen währenddessen dem Bleistift keine Pause gönnen. Es gilt, ohne Unterlass zu schreiben und offen zu sein für das, was ihnen in den Sinn kommt. Auf dem Papier geht es zuweilen fantastisch zu. Die Ideen sind nicht immer realitätskonform, müssen sie auch nicht.

In sieben Minuten entwickeln sich Love-Storys, wird der Fokus auf Erinnerungen gerichtet, werden detailgetreue Beobachtungen festgehalten und so manche Blockade gelöst. Wem nichts einfällt, der muss seinen Bleistift trotzdem beschäftigen. Aber genau darin liegt der Sinn: Orthografie, Grammatik, Interpunktion sind egal. Wortketten, Satzstücke und einzelne Wörter transportieren Bilder, Gefühle oder Zustände intuitiv und ohne kritische Selbstreflexion. Und schon sind die Teilnehmer im Free Flow der experimentellen Literatur. Moser hat sie geschickt hineinmanövriert.

Warum schreiben Sie?

M. M.: Meine Mutter hat einmal gesagt, wenn ich schreibe, bin ich am meisten ich selbst. Damit hatte sie Recht. Schreiben ist der Ausdruck von dem, was man ist. Im Grunde genommen ist es die Analogie zum Herz des Yoga – das Eigene zu finden und es mit Worten ausdrücken zu können. In seinem eigenen Stil und in der Form, die zu einem passt.

Sind damit auch Themen definiert?

M. M.: In gewisser Weise ja. Daher schreibe ich beispielsweise keine hochintellektuellen Abhandlungen, weil das nicht mein Material ist. Ich kann nicht über etwas schreiben, was ich nicht bin. Genauso wie ich im Yoga nur die Rückbeugen praktiziere, die mein Rücken aushält, kann ich nur über Themen schreiben, die ich als meine akzeptiere.

Unterschiede zwischen Yoga und Schreiben

Sie finden zahlreiche Parallelen und Analogien beim Yoga wie beim Schreiben – worin liegen jedoch die Unterschiede?

M. M.: Beim Yoga sucht man die Balance zwischen Shtira und Sukha und findet sie ab und an. Beim Schreiben bleiben stets Zweifel. Aber genau das ist es, was das Wesen eines kreativen Geistes ausmacht – diese Unausgeglichenheit. Das Potenzial für kreative Tätigkeiten liegt darin, nicht eins zu sein mit sich und der Welt.

Ist Yoga dann nicht eher kontraproduktiv?

M. M.: Keinesfalls. Den größten Gewinn erziele ich auf mentaler Ebene und das, obwohl ich nicht meditiere. Ich erinnere mich an einen Meditationstag, der für mich schlicht und einfach die Hölle war. Ich schaffe es nicht, meinen „Monkey Mind“, die Affenstimmen, abzuschalten oder auch nur zu beruhigen. Stattdessen praktiziere ich viel Pranayama. ­Außerdem spielt die yogische Philosophie eine große Rolle in meinem Leben. Das Sutra über Avidya, die falsche Wahrnehmung, hat mich beispielsweise inspiriert, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Der Einfluss vom Yoga auf das Schreiben

Inwiefern hat Yoga ihr Schreiben beeinflusst?

M. M.: Wie schon gesagt, war mein körperlicher Zustand zu Beginn meiner Yoga-Praxis nicht der beste. Die positiven Veränderungen haben mir gezeigt, dass es sich auszahlt, ­Herausforderungen anzunehmen. Logischerweise gab es auch schlechte Tage. Nach Übungserfolgen wurde ich hin und wieder zurück katapultiert, mit der Konsequenz, dranzubleiben und es weiter zu versuchen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

M. M.: „Schlampenyoga“ hätte ich ohne meine Yoga-Praxis so nicht geschrieben. Und ich meine hier nicht die inhaltliche Ebene, es ist vielmehr die Form, auf die ich anspiele. Das Buch kommt ohne besondere Kunstgriffe aus. Den Mut, es aber genau so zu machen, hätte ich vermutlich ohne Yoga nicht gehabt. Ich habe es geschafft, mich nicht ständig zu vergleichen und habe einfach mein Ding durchgezogen.

B. I.: Sich vom Vergleichen zu lösen, ist eine Kunst. Auf der Yoga-Matte schielen viele Schüler zum Nachbarn und checken, ob sie alles richtig machen, vielleicht sogar besser sind. Höher, schneller, weiter – diese Einstellung entfernt uns von uns selbst. So ist es schwierig, seinen eigenen Weg zu gehen und seine individuellen Grenzen zu erspüren.

Fantasie für groß und klein

Während der Vini Yoga-Session bietet Immick stets drei Varianten der jeweiligen Asana an. Jeder übt nach seinen Möglichkeiten und Gegebenheiten. Bei den Schreibübungen stehen Vergleiche auf dem Plan. So unerwünscht sie im Yoga sind, so elementar sind sie in der Literatur. Moser erzählt von Jugendlichen, die während des Projekts „Schulhausroman“ mit ihr zusammen eine Geschichte entwickelt haben. Mit ungeheurer viel Mut und Fantasie hätten die Schüler sich ins Schreiben gestürzt. Ihre Welt vermochten sie in Vergleiche wie „Ich fühle mich wie ein T-Shirt, das nicht gekauft worden war“ zu packen. Die Workshop-Teilnehmer versuchen es ebenfalls und bemerken, wie schwierig es sein kann. Danach dürfen sie den Blickwinkel wechseln und eine andere Perspektive einnehmen. Sie schlüpfen aus sich heraus und wahlweise in eine andere Person oder einen Gegenstand hinein.

M. M.: Schreiben bietet die Möglichkeit, andere Leben zu streifen. Dabei gilt es, seinen Figuren Freiheiten zu lassen. Ich weiß nie alles über meine Figuren und es bleiben immer gewisse Lücken. Genau wie im wahren Leben. Schließlich kenne ich meinen Mann, meine Söhne oder meine Mutter auch nicht in- und auswendig.

B. I.: Ich vermute, Vertrauen ins eigene Schreiben spielt eine große Rolle?

M. M.: Genau. In meinem letzten Roman gab es beispielsweise diese Figur, die eigentlich für eine Liebesgeschichte vorgesehen war. Aber plötzlich war sie tot. Obwohl wir sie schreiben, machen Menschen auf dem Papier, was sie wollen.

Schreibtipps von der Expertin

Frau Moser, Sie führen zusammen mit ihrer Kollegin Sybille Berg und der Literaturagentin Anne Wieser eine Schreibschule. Haben Sie zum Abschluss noch ein paar elementare Tipps?

M. M.: Schreiben muss Selbstzweck sein. Ich verfolge den Ansatz, mich nicht den Normen anzupassen. Schauen Sie nicht auf andere, finden Sie ihren eigenen Ausdruck. Ich halte es wie Desikachar: So wie Yoga dem Einzelnen dienen soll und nicht umgekehrt, so ist es mit dem Schreiben. Außerdem ist die Unterstützung Gleichgesinnter enorm wichtig. Finden sie einen Mittelweg zwischen Home Practice und Gruppenkurs. Man braucht immer mal wieder Leute, die einen antreiben. Und wie gesagt – kultivieren Sie ihre 20 Minuten tägliches Schreiben.


Milena Moser lebte acht Jahre in San Francisco und entdeckte dort Ashtanga Yoga für sich. Die Schriftstellerin ist mittlerweile in die Schweiz zurückgekehrt. Barbara Immick ist Yoga-Lehrerin und ­Mitbesitzerin der Yoga-Schule Hannover.


Illustration: Carla Schostek

Die 5 besten Yogaübungen vor dem Surfen

Die bekannte amerikanische Surf-Yogini Peggy Hall hat eine kurze Übungssequenz speziell für Surfer entwickelt, die sich ganz einfach am Strand üben lässt, bevor es ins Wasser geht. Die fünf Übungen erzeugen Hitze im Körper und wärmen die Muskelgruppen und Gelenke auf, die beim Surfen besonders beansprucht werden. Um zu verhindern, dass man später im Wasser schnell ermüdet, empfiehlt Hall, sich während der Übungen auf den Atem zu konzentrieren und die Stellungen nicht zu lange zu halten. „Bevor man rauspaddelt, sollte man sich geistig auf das Surfen vorbereiten und den Körper aufwärmen“, sagt sie. „Schließlich will man sich im Wasser nicht überanstrengen.“ Wir zeigen Ihnen hier die 5 besten Yogaübungen vor dem Surfen.

Bildschirmfoto 2014-07-23 um 14.20.15 1. Tai Chi-Kreise
Öffnen Sie Ihre Füße im Stand auf Hüftbreite. Die Zehen zeigen gerade nach vorne. Verschränken Sie die Finger und strecken Sie die Arme über den Kopf. Atmen Sie aus und dehnen Sie sich nach rechts, beugen Sie dann die Knie und bewegen Sie den Oberkörper weit nach vorne. Achten Sie darauf, dass dieser dabei parallel zum Boden ist. Kreisen Sie weiter nach links, bis Ihr Körper zur linken Seite gestreckt ist. Richten Sie den Oberkörper mit der Einatmung wieder auf und kommen Sie zurück in die Ausgangsposition. Kreisen Sie vier- bis fünfmal in eine Richtung. Verschränken Sie anschließend Ihre Finger andersherum, auch wenn es sich ungewohnt anfühlt, und wiederholen Sie die Übung auf der anderen Seite.

2. Rückendehnung in der Hocke

Sehen Sie in einer weiten Grätsche und drehen Sie die Zehen nach außen. Nehmen Sie wahr, wie dadurch die inneren Oberschenkelmuskeln gedehnt Bildschirmfoto 2014-07-23 um 14.20.50werden. Legen Sie die Hände auf die Oberschenkel und beugen Sie Ihre rechte Schulter nach unten zwischen die Knie. Blicken Sie dabei zu Ihrem linken Ellenbogen. Diese Übung dehnt Ihren Rücken, der beim vielen Sitzen auf dem Brett stark beansprucht werden kann. Halten Sie die Übungen für ein bis zwei Atemzüge. Richten Sie beim Einatmen den Oberkörper wieder auf und beugen Sie sich anschließend zur anderen Seite. Wiederholen Sie die Übung drei- bis viermal.

Bildschirmfoto 2014-07-23 um 14.20.303. Utthita Parshvakonasana (Gestreckte seitliche Winkelhaltung) mit Armkreisen
Beugen Sie sich nach rechts in die seitliche Winkelhaltung und platzieren Sie Ihren rechten Unterarm auf dem rechten Oberschenkel. Kreisen Sie Ihren linken Arm gegen den Uhrzeigersinn, als wollten Sie nach hinten rudern. Diese Bewegung ist dem Paddeln auf dem Surfbrett genau entgegengesetzt und dehnt dadurch die Muskeln zwischen den Rippen, wodurch die Lungenkapazität -vergrößert werden kann.

4. Hoher Ausfallschritt, Variation
Verschränken Sie die Finger hinter dem Rücken und ziehen Sie die Schulterblätter zueinander. Machen Sie mit dem linken Fuß einen Schritt nach hinten und heben Sie die linke Ferse an. Beugen Sie beide Knie. Strecken Sie die Hände vom Körper weg und nach unten. Ihr linker Oberschenkel sollte dabei senkrecht zum Boden sein. Ziehen Sie das Steißbein in Richtung Boden, bis Sie eine Dehnung in Ihrem linken Oberschenkel spüren.

Bildschirmfoto 2014-07-23 um 14.21.125. Parivrtta Utkatasana (Gedrehte Stuhlhaltung), Variation
Stehen Sie mit hüftbreit geöffneten Füßen. Die Zehen zeigen gerade nach vorne. Bringen Sie Ihren rechten Arm über die Schienbeine und halten Sie das linke Schienbein. Strecken Sie den linken Arm nach oben. Verlängern Sie die Wirbelsäule und drehen Sie Brustkorb und Schultern auf. Blicken Sie nach unten zu Ihren Füßen. Halten Sie die Stellung für einige Atemzüge und drehen Sie sich dann zur anderen Seite.

(Fotos: Titelbild: Norden Surfboards. Übungsstrecke: David Martinez)