Dies.Das.Asanas. – Baum

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Immer wenn Menschen, die mit Yoga nichts am Hut haben, erfahren, dass ich Yogalehrerin bin, bemerken sie entweder „Na, dann musst du ja total entspannt sein!“ oder sie turnen mir den Baum vor.

Vrksa (= Vrikshah, Baum) bzw. Vrksasana, heißt eine der wenigen vokalarmen Haltungen im Yoga. Dem Namen nach könnte es sich auch um eine kroatische Insel handeln. Ähnlich wie Tadasana (Berghaltung) oder Shavasana (Totenstellung) scheint sie so vermeintlich einfach zu sein. Das ändert sich aber schlagartig, wenn man die Augen schließt, während man auf einem Bein steht.

In Anfängerkursen gerne unterrichtet, hat diese Gleichgewichtshaltung im Stehen mehr mit der Ruhe bzw. Unruhe des Geistes als mit der körperlichen Verfassung zu tun. Erstaunlich dabei und für den rationalen Verstand erstmal eine harte Nuss ist: In Balance zu sein, bedeutet nicht Stillstand. Es heißt, offen für Veränderungen zu sein! Mal wankt man mehr, wie Baumwipfel in einer herbstlichen Böe, mal weht nur ein frühlingshaftes Lüftchen. Dabei sind minimale Bewegungen im Fuß des Standbeins zu spüren, die, wenn man sie zulässt, Gleichgewicht überhaupt erst ermöglichen. Wenn es gelingt, dann kann es so sein, als stünde man einfach nur in der Berghaltung (Tadasana).

Schritt für Schritt

1 Stellen Sie sich in Tadasana (Berghaltung) auf eine Matte oder den Boden.

2 Setzen Sie den linken Fuß entweder an die Innenseite des Oberschenkels (klassische Variante), stellen Sie die Zehen am Boden an die Inneseite des rechten Fußes (leichte Variante) oder ziehen Sie das Bein in den halben Lotus (fortgeschrittene Variante). Dabei drehen Sie das linke Knie nach außen und richten das Becken auf.

3 Erden Sie sich über das Standbein, den Baumstamm, und verwurzeln sie sich, indem Sie die Innenseite des Standbeins in Richtung Mittellinie ziehen.

4 Die Hände sind vor dem Herzen aneinandergelegt, die Schulterblätter leicht zueinander gezogen, das Gesicht ist weich. Lassen Sie den Atem gleichmäßig fließen.

5 Versuchen Sie langsam, den Blick nach innen zwischen die Augenbrauen zu senken und mit der Zeit die Augen ganz zu schließen. Anschließend wechseln Sie die Seiten.

TIPP:
Manchmal ist es leicht, das Gleichgewicht zu halten, manchmal gar nicht. Aber wenn sich ein Gefühl der Ruhe ausbreitet, können Sie diese Konzentration vielleicht nach und nach auf 1 Minute ausdehnen. Diese Variante des Baumes mit geschlossenen Augen wird Ihnen zeigen, wie geduldig und engagiert Sie praktizieren, ohne aufzugeben oder frustriert zu sein!


Foto: Bella Lieberberg

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