Dies.Das.Asanas. – Baum Vrikshasana

Immer wenn Menschen, die mit Yoga nichts am Hut haben, erfahren, dass ich Yogalehrerin bin, bemerken sie entweder „Na, dann musst du ja total entspannt sein!“ oder sie turnen mir den Baum vor. Jelena Lieberberg erklärt dir Vrikshasana ausführlich.

Vrksa (= Vrikshah, Baum) bzw. Vrksasana, heißt eine der wenigen vokalarmen Haltungen im Yoga. Es gibt mehrere Schreibweisen: vielleicht kennt ihr sie auch als Vriksanasa, Vrksasana oder Vrikshasana. Ähnlich wie Tadasana (Berghaltung) oder Savasana (Totenstellung) scheint sie so vermeintlich einfach zu sein. Das ändert sich aber schlagartig, wenn man die Augen schließt, während man auf einem Bein steht.

In Anfängerkursen gerne unterrichtet, hat diese Gleichgewichtshaltung im Stehen mehr mit der Ruhe bzw. Unruhe des Geistes als mit der körperlichen Verfassung zu tun. Erstaunlich dabei und für den rationalen Verstand erstmal eine harte Nuss ist: In Balance zu sein, bedeutet nicht Stillstand. Es heißt, offen für Veränderungen zu sein! Mal wankt man mehr, wie Baumwipfel in einer herbstlichen Böe, mal weht nur ein frühlingshaftes Lüftchen. Dabei sind minimale Bewegungen im Fuß des Standbeins zu spüren, die, wenn man sie zulässt, Gleichgewicht überhaupt erst ermöglichen. Wenn es gelingt, dann kann es so sein, als stünde man einfach nur in der Berghaltung (Tadasana).

Schritt für Schritt

1 Stelle dich in Tadasana (Berghaltung) auf eine Matte oder den Boden.

2 Setze den linken Fuß entweder an die Innenseite des Oberschenkels (klassische Variante), stelle die Zehen am Boden an die Inneseite des rechten Fußes (leichte Variante) oder ziehe das Bein in den halben Lotus (fortgeschrittene Variante). Dabei drehst du das linke Knie nach außen und richtest das Becken auf.

3 Erde dich über das Standbein, den Baumstamm, und verwurzel sich, indem du die Innenseite des Standbeins in Richtung Mittellinie ziehst.

4 Die Hände sind vor dem Herzen aneinandergelegt, die Schulterblätter leicht zueinander gezogen, das Gesicht ist weich. Lass den Atem gleichmäßig fließen.

5 Versuche langsam, den Blick nach innen zwischen die Augenbrauen zu senken und mit der Zeit die Augen ganz zu schließen. Anschließend wechselst du für Vrikshasana die Seiten.

TIPP:
Manchmal ist es leicht, das Gleichgewicht zu halten, manchmal gar nicht. Aber wenn sich ein Gefühl der Ruhe ausbreitet, kannst du diese Konzentration vielleicht nach und nach auf 1 Minute ausdehnen. Diese Variante des Baumes mit geschlossenen Augen wird dir zeigen, wie geduldig und engagiert du praktizierst, ohne aufzugeben oder frustriert zu sein!


Foto: Bella Lieberberg

Das Neueste

Neumondkalender 2026: So wirkt der Mai-Neumond im Zeichen Stier

Wann ist Neumond? Den nächsten Neumond erwarten wir am 16. Mai 2026. Nachts um 22:00 Uhr steht er im Zeichen...

Yoga und Konsum: Passen Substanzen und spirituelle Praxis zusammen?

Vielleicht kennst du das Gefühl: Du praktizierst regelmäßig Yoga, achtest auf deine Ernährung, arbeitest an deiner inneren Ruhe –...

Alles antizyklisch, oder was? Gedanken über die Wechseljahre

Raus aus dem Kreislauf der Wiedergeburten – im Hinduismus ist das das große Ziel. Davon mal abgesehen, sind Zyklen...

Schmerzen im Nacken? Diese Übungen helfen

Wer kennt sie nicht? Verspannungen und Schmerzen im Nacken sind für viele Alltag. Die häufigsten Ursachen: einseitige Körperhaltung, muskuläres...

Gutes Timing – wie empfinden wir Zeit in der Asana-Praxis?

Wie empfinden wir Zeit in der Asana-Praxis und beim Üben, wie gehen wir mit ihr um und wie wirkt...

Zwischen Reiz und Reaktion: Wie wir durch Meditation weniger zum Handy greifen

Es wird derzeit viel über Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche diskutiert, wie sie etwa in Australien beschlossen wurden. Aus...

Pflichtlektüre

Das könnte dir auch gefallen
Unsere Tipps