Was passiert im Frauenkreis?

Was passiert im Frauenkreis?

Spiritueller Trend oder uralte Tradition? Frauenkreise oder „Women’s Circles“ finden gerade in der Yogaszene immer mehr Zuspruch. Es geht um heilsame Verbundenheit, gemeinsames Wachstum – und eine besondere Magie. Verena Borell war mit dabei und erzählt, was sie dabei erlebte.

Warmes Kerzenlicht, murmelnde Stimmen und üppige Blumen in der Raummitte. Darum versammelt: Ein Kreis von etwa fünfzehn Frauen. Frauen, die sich an diesem Abend zuhören und stärken. Frauen, die sich zuvor nicht kannten und heute wie Schwestern begegnen. In dieser Runde wollen sie sich so zeigen, wie sie wirklich sind. Sie wollen aussprechen, was gesagt werden will, zusammen lachen, meditieren, singen und vielleicht auch zusammen weinen.

Frauen bewegen ähnliche Fragen

Der „Soul Sister’s Circle“ findet heute im lichten, türkisblau-verträumten Münchner Yogastudio (T)raum statt. Beim gemeinsamen Meditieren und dem sogenannten Sharing (Von Herzen kommendes Sprechen und vorurteils- und wertfreies Zuhören. Diese Achtsamkeitsübung verlangt von allen Beteiligten Mitgefühl, Demut und Respekt – und sie wirkt sehr heilsam: Das Aussprechen der eigenen Ängste nimmt diesen oftmals ihre Kraft, im Zeigen der eigenen Verletzlichkeit macht man sich frei von den Rollen und Masken des Alltags.) wollen sich die Frauen dieses Mal zum Thema „Fühlen und Reflektieren“ austauschen. Aber ganz egal, wie das Thema lautet: Häufig zeigt sich, dass alle Frauen im Grunde ähnliche Fragen und Herausforderungen bewegen – auch wenn jede einzelne zunächst ihre individuellen Erfahrungen mitbringt.

Bedürfnis nach tiefen Begegnungen

„Der Soul Sister’s Circle gibt mir das Gefühl, nicht alleine zu sein. Durch das Aussprechen meiner Herzensthemen im geschützten Rahmen erfahre ich Trost und neue Inspiration. Ich komme mit mir selbst in Kontakt und finde gleichzeitig Halt in der Gemeinschaft“, reflektiert Freya Bretnütz, die regelmäßig am Circle in der Münchner Maxvorstadt teilnimmt. Das Bedürfnis nach solchen ehrlichen, tiefen Begegnungen und dem Zulassen von Verletzlichkeit scheint zu steigen – gerade unter Frauen. Vor allem in Großstädten findet inzwischen jede Suchende ihren Kreis. Sie kann sogar wählen zwischen Female Empowerment Circles, mystischen Moon Gatherings, berührenden Yoni-Ritualen oder wilden Witches-Treffen.

Was allen Formen gemeinsam ist? Der Kreis. Das gleichwertige Zusammenkommen. Der geschützte Rahmen. Doch woher kommt das Bedürfnis nach derartigen Treffen? Ist es nur ein neuer spiritueller Hype, der das (Instagram-)Bild der consciously living Yogini mit nachhaltiger Peace-Mala abrundet? Oder reflektieren Women’s Circles eine tiefe Sehnsucht nach einer modernen und zugleich sehr ursprünglichen Weiblichkeit?

Kreis statt Konkurrenz

Ehrliche Begegnungen unter Frauen: Für Verena Borell (Dritte von Rechts) sind diese Momente besonders wichtig im Frauenkreis. – Foto: Stella Schultner

„Oft vergleichen wir Frauen uns miteinander und schämen uns voreinander. Dabei merken wir gar nicht, dass wir uns in Wahrheit alle ähnlich sind,“ beobachtet Andrea Morgenstern. In ihren Workshops und bei Circle Ceremonies will sie Frauen die Möglichkeit geben, „die Masken fallen zu lassen und tiefe Herzensverbindungen einzugehen.“ Die Kraft solcher Treffen erlebte auch Daniela Batista dos Santos, die vor rund vier Jahren auf Bali zum ersten Mal mit Women’s Circles in Berührung kam. „Frauenkreise haben eine zutiefst transformierende Wirkung. Diese Idee wollte ich unbedingt nach Hamburg bringen.“ Obgleich ihre ersten Circles ganz intim in ihrer Einzimmerwohnung stattfanden, wuchs Batista dos Santos Kreis stetig, sodass „The Circle of Wonderwomen“ heute deutschlandweite Events und sogar einen gleichnamigen Podcast umschließt. „Obwohl es schon immer Frauenkreise gab, werden sie heute neu entdeckt und zeitgemäß interpretiert“, meint Batista dos Santos.

Frauenkreise: So alt wie die Menschheit

Und es stimmt: Frauenkreise sind zwar im Moment ein Trend, in Wirklichkeit aber beinahe so alt wie die Menschheit. Traditionell ließ vor allem die Menstruation die Frauen zusammenrücken, doch diese Treffen waren nicht immer freiwilliger Natur: Patriarchale Gesellschaften schlossen Frauen während ihrer „unreinen Tage“ aus. So war es schon früh auch die Unterdrückung in einer von Männern dominierten Welt, die Frauen motivierte, sich gegenseitig zu stärken. Adelheid Ohlig, Yoga-Pionierin und Gründerin von Luna Yoga (das ebenfalls im Kreis praktiziert wird), erinnert sich noch gut an die Frauenkreise der 1970er- und 80er-Jahre: „Sie dienten zu Beginn der Frauenbewegung der Selbstermächtigung. In München hatten wir zum Beispiel einen Journalistinnen-Kreis, zudem war ich in einem Frauen-Heilkreis, in dem der gegenseitige Austausch über Homöopathie, Tanztherapie und vieles mehr im Mittelpunkt stand.“ So lebendig es damals zu „kreiseln“ schien, spätestens seit den 1990er-Jahren verloren Frauenkreise an Bedeutung. Barbara Bötsch, die sich als Religionswissenschaftlerin unter anderem mit Yogaphilosophie und matriarchalen Themen beschäftigt, berichtet: „In Westdeutschland waren wir in den 1990ern nach den Erfolgen der großen Frauenbewegung eine zeitlang stolz, dass Frauen und Männer gleichberechtigt waren.“

Heute, so Bötsch, merkten aber gerade die jüngeren Frauen, dass es weibliche Themen gibt, die im geschlechtergetrennten Kreis besprochen werden wollen. Die ehemals politisch inspirierte Frauenbewegung habe sich in eine Gender-Bewegung gewandelt, in der es vor allem darum ginge, sich gegenseitig und im eigenen Frausein zu bestärken.

Es gibt weibliche Themen, die im geschlechtergetrennten Kreis besprochen werden wollen. – Foto: Stella Schultner

Weiblichkeit als Weg der Heilung

Zwar liegt auch auf gesellschaftlicher Ebene noch einiges im Argen – das wissen wir nicht erst seit der #Meetoo-Debatte und den endlosen Diskussionen um Frauenquoten und Equal Pay. Dennoch begegnen die meisten der heutigen Frauenkreise diesem gesellschaftlichen Grundrauschen eher mit Spiritualität. Wanda Badwal, die sich als Yoga- und Meditationslehrerin verstärkt dem Weiblichen widmet, meint: „Viele Frauen versuchen in unserer männlich dominierten Welt mitzuhalten, aber sie zahlen dabei einen hohen Preis: Sie fühlen sich von ihrer Gefühlswelt und ihrem weiblichen Körper abgeschnitten. Wenn Frauen dagegen in einer gemeinsamen Intention zusammenkommen, kann Magie entstehen.“

Lies auch: Ayurveda-Lehre – Verlieren Frauen ihre Weiblichkeit?

Diese Magie knüpft gerade im Yoga an kraftvolle Traditionslinien an. Die Yogalehrerinnen Veronika Hausberger und Katrin Strohhäcker etwa sehen ihre „Yogini Circles“ als energetischen Ansatz, um wieder mehr Balance zwischen Shiva, dem männlichen und Shakti, dem weiblichen Prinzip herzustellen. Sie sind sicher: „Nun ist die Zeit angebrochen, in der wir uns auf unsere ursprüngliche Schöpferinnenkraft zurückbesinnen müssen.“ Das hat durchaus auch eine politische und ökologische Dimension, denn äußerer Frieden und Heilung sind erst möglich, wenn auch im Inneren Frieden herrscht.

Rückkehr in den Schoß von Mutter Erde

Diese Position vertritt auch Andrea Morgenstern: „Ich glaube, dass es vor allem darum geht, die eigenen Ängste anzuerkennen, loszulassen und zurück zum eigenen Licht zu finden. Erst dann kann ich auch mit meinem Gegenüber und der Welt im Frieden sein. Es geht letztlich um eine Rückkehr nach Hause. In die Liebe. In den warmen Schoß von Mutter Erde. Genau so kann sich auch ein Women’s Circle anfühlen.“

Ein kleiner (Frauen-)Kreis kann folglich nicht nur für jede einzelne Teilnehmerin heilsam und transformierend sein, sondern auch gesellschaftliche und globale Auswirkungen haben. Doch liegt die Heilung von Mutter Erde nun plötzlich in Frauenhand? Heißt es jetzt: „Circles for Future“ und „Pussies for the Planet“? Gewiss nicht, denn das feminine Prinzip beschränkt sich keinesfalls nur auf das biologisch weibliche Geschlecht. Natürlicherweise tragen auch Männer Yin-Energien in sich, genauso wie Frauen über männliche Qualitäten verfügen.

Nicht gegen Männer, sondern für Frauen

Die Yogaphilosophie und vor allem die tantrischen Traditionslinien im Yoga betonen die Verbindung dieser gegensätzlichen Elemente, Shiva und Shakti, Yin und Yang. Dennoch haben die getrennten Kreise ihren Sinn. Die Luna-Yogalehrerin und Religionswissenschaftlerin Barbara Bötsch meint: „Verbindung und Abgrenzung gehören immer zusammen. Dabei darf jedes Einzelteil eigene Stärken haben. Ohne die Separation kann man lediglich vermischen, aber niemals verbinden.“ In vielen Kulturen treffen sich sowohl die Frauen als auch die Männer in speziellen Brüder- und Schwesternschaften, um das jeweilige Potenzial zu fördern. Ganz ähnlich sehen das auch die Initiatorinnen heutiger Women’s Circles: Frauenkreise sind keinesfalls gegen Männer, sondern für Frauen.

Hautnah statt feinfiltriert

Gerade der Corona-Lockdown hat uns erneut ins Bewusstsein gerufen, wie lebenswichtig und heilsam echte Begegnungen, Herzensverbindungen und der Bezug zu Mutter Erde sind. Denn so positiv die globale Vernetzung ist, die es uns ermöglicht, Like(s)-Minded People auf der ganzen Welt zu finden: Wir haben eine tiefe Sehnsucht nach realen Umarmungen, bei denen frau den Herzschlag der anderen fühlt. „Ich betrachte Circles als Gegenpol zu unserer Online-Welt. Das Bedürfnis nach Echtheit lässt sich nur stillen, wenn die Energie der anderen bei realen Treffen spürbar ist,“ weiß Daniela Batista dos Santos.

Was nicht heißt, dass die Frauenkreise sich den Möglichkeiten des Internets verschließen. Sahara Rose Ketabis erfolgreiche Community zeigt, dass Women’s Circles erst am Anfang stehen und vermutlich noch viele weitere, kreative Kreisformen annehmen werden. Echte Verbundenheit steht dabei immer im Zentrum – mit der eigenen Weiblichkeit, mit anderen Frauen, unserer Gesellschaft und letztlich auch mit Mutter Erde. In einer Zeit, in der psychische Burnouts und physische Brände zunehmen und ein immer schneller werdender Machen-müssen-Motor weibliche Qualitäten wie Muße und Verletzlichkeit zu überrollen droht, können Women’s Circles einen heilsamen Raum eröffnen. Sie können der Beginn eines neuen Kreislaufs sein, der Werte wie Verbundenheit, Ehrlichkeit und Da-Sein erstarken lässt. „Während des Circles bin ich fähig, zur Ruhe zu kommen und endlich einmal den Pausenknopf zu drücken“, sagt Freya Bretnütz nach dem Besuch des Münchner Soul Sister’s Circles. Sie atmet tief durch. Und genau dieser Pausenknopf ist ein Anker für mehr Achtsamkeit – Achtsamkeit mit uns selbst, unserem Gegenüber und unserer Umwelt.


Verena Borell

Autorin Verena Borell beschäftigt sich auch abseits der Artikel-Recherche mit Frauenkreisen: Sie ist die Initiatorin des im Artikel beschriebenen „Soul Sister’s Circle“ in München. Zudem hilft sie Frauen durch ihr „Astrology & Empowerment“-Angebot dabei, ihre Wahrheit zu finden und zu leben. Verenaborell.com

Montags-Mantra: Inneres Licht

Auch wenn die Tage noch kalt sind und die Zeiten herausfordernd: Tief in unserem Inneren gibt es ein Licht, das uns Kraft schenkt und den Weg weist. Klingt seltsam religiös? Muss es gar nicht – schon der große Yogaweise Patanjali empfahl, sich immer wieder auf den Teil in uns auszurichten, der von den Dramen des Lebens unberührt bleibt.

Im Yogasutra, einer der Grundlagenschriften im Yoga, erfahren wir viel über die Möglichkeiten, den Geist zu beruhigen und so unserem Wesen näher zu kommen. Patanjali schlägt eine Besinnung auf das „Innere Leuchten“ vor, um zu mehr geistiger Klarheit zu gelangen.


Visoka va jyotismati
Der Geist klärt sich auch durch das Eintauchen in das Innere Licht,
welches frei ist von Leid und Sorgen.

Yogasutra I, 36


Stell dir im Inneren ein Licht vor, das unberührt von äußeren Umständen kontinuierlich leuchtet. Das Licht leitet dich durch den Tag und verleiht dir Wärme, Gelassenheit und die nötige Übersicht. Dieses Licht begleitet dich bei allem was du tust und zeigt dir immer wieder den Weg.

Übung: Die verborgene Flamme finden

Diese kleine Meditation hilft dir, dich mit deinem inneren Licht zu verbinden.

  1. Suche dir einen ruhigen Platz und nimm eine für dich bequeme Sitzhaltung ein. Lasse die Hände entspannt auf den Oberschenkeln ruhen, am besten mit nach oben zeigenden Handflächen. Schließe die Augen und richte die Aufmerksamkeit zunächst auf deinen Atem. Atme einige Male ganz bewusst und gelöst ein und aus.
  2. Dann beginne, das Licht in deinem Herzen zu visualisieren. Lass ganz natürlich und unvoreingenommen ein Bild in dir aufsteigen und atme dabei ruhig weiter. Richte deine Aufmerksamkeit möglichst vollständig auf dieses innere Licht. Wenn du bemerkst, dass dein Geist abschweift, lenke den Fokus sanft wieder zurück auf dein Bild vom Licht.
  3. Wenn du magst, unterstütze deine Konzentration, indem du ein passendes Mantra verwendest, das du innerlich wiederholst, laut sprichst oder chantest. Das kann zum Beispiel das Sanskrit-Sutra I, 36 sein, seine deutsche Übersetzung oder etwas Ähnliches in deinen eigenen Worten, vielleicht: „Mein inneres Licht scheint hell.“
  4. Wenn du das Gefühl hast, fest in dem Bild des Lichts verankert zu sein und es klar und kraftvoll vor dir zu sehen, füge eine einfache Bewegung hinzu: Einatmend führen deine nach oben geöffneten Handflächen nach vorne und außen, ausatmend bewege die Hände vor dein Herz und lege sie in Anjali-Mudra aneinander. Wiederhole diese öffnende und zentrierende Bewegung drei Mal. Dann sitze wieder eine Weile still und atme tief und entspannt.
  5. Sobald du bereit bist, wiederhole die Bewegung von Armen und Händen weitere drei Mal. Dabei legst du die Hände ausatmend auf dein Herz oder eine andere Stelle. Einatmend öffnest du dich, ausatmend bringe das Licht dorthin, wo du es besonders nötig hast. Das kann ein Körperteil sein, aber auch dein Geist, deine Beziehungen oder dein Energiekörper.
  6. Anschließend sitze wieder eine Zeit lang in der Stille und atme entspannt, bis du bereit bist, die Meditation abzuschließen und sanft deine Augen zu öffnen.

In diesem Sinne wünschen wir dir eine Woche voller Klarheit, Erhellung und Durchsicht.

Namasté!

Daniela Klemmer

Daniela Klemmer ist Teil der YogaWorld Online-Redaktion, nebenberuflich aber auch Yogalehrerin. Auf der YogaWorld in Stuttgart wird sie am Freitag einen Somatic Yoga Flow unterrichten.

Daniela hat seit 2017 mehrere verschiedene Yoga-Aus- und Fortbildungen absolviert mit Schwerpunkten unter anderem auf Vinyasa, Yin Yoga und Myofascial Release. In den letzten Jahren liegt ihr Schwerpunkt vermehrt auf Embodied Yoga und Somatics:

„Seit ich 2021 die ersten Berührungspunkte mit meiner Lehrerin Satu Tuomela und somit mit Embodied Yoga und Non-Dual Somatics hatte, sind diese beiden Konzepte sowie ihre Parallelen zur non-dualen tantrischen Philosophie nicht mehr aus meiner Praxis und meinem Yogaunterricht wegzudenken. Hier fühle ich mich zu Hause. Denn es geht unter anderem darum, zu SEIN statt zu TUN, alles anzunehmen was ist und den eigenen, authentischen Ausdruck zu finden.“

Somatics umfasst bestimmte Werkzeuge und innere Bewusstseinspraktiken, die wir durch den Körper finden und nutzen, um die Verkörperung – das embodiment – zu erkennen, die wir bereits sind. Wir schulen unsere Interozeption und lernen uns damit selbst näher kennen. Das hilft uns, ins Spüren zu kommen und uns (wieder) mit unseren Instinkten und physischen Empfindungen zu verbinden.

Mehr über Daniela unter dhanyayoga.com oder auf Insta @dhanya.yoga

Workshop: „Soft Spine – Somatic Yoga Flow“

In diesem 45-minütigen Workshop tauchen wir ein in unser „soft spine„. In der Embryologie ist das der Notochord, eine weiche Teilform bzw. ein Vorstadium unserer heutigen Wirbelsäule. Die Überbleibsel befinden sich – im ausgewachsenen Körper – im Nucleus pulposus in der Mitte unserer Bandscheiben. Klingt irgendwie kompliziert? Willkommen in Somatics! ;-)

Aber keine Sorge, denn hier geht es weniger um das kognitive Verstehen, sondern vielmehr um das Spüren. Es ist ein Bottom-up-Ansatz, das heißt, die Bewegung erfolgt aus dem Körper heraus und der Kopf darf sich hinten anstellen.

Was erwartet dich in dieser Klasse? Weiche, bewusste und fließende Bewegungen, ein Spiel zwischen Form (Yoga Asana) und Formlosigkeit, aber auch ein authentisches Erleben deines Selbst und deines Körpers und dessen, was gerade für dich da ist.


Daniela Klemmer auf der YogaWorld 2025 in Stuttgart:

Freitag, 25. April // 14:15 – 15:00 Uhr // Soft Spine – Somatic Yoga Flow // Ganesha Yogaspace


Auch im Frühjahr schön – die Playlist „Winter Flow“ von Daniela:


Gadschar Halva – Süßspeise aus geriebenen Karotten

Der gelernte Koch Nicky Sitaram Sabnis nimmt uns in seinem Buch „Happy India“ mit auf eine kulinarische Reise durch sein Heimatland Indien. Sinnlich präsentiert, gespickt mit herrlichen Anekdoten und viel Information über die indische Küche und ihre Zutaten. Eine köstliche Liebeserklärung an Land und Leute. Dieses Rezept ist in ganz Indien sehr beliebt.

Diese Süßspeise könnt ihr warm oder kalt genießen. Sie ist eine Mahlzeit für sich und ein Muss bei indischen Hochzeiten. In Indien wird dieser Klassiker mit hauchdünnem essbarem Silber umhüllt. Heutzutage wird das warme Halwa gerne mit einer Kugel Eis serviert.

Zutaten

4 TL Ghee

250 g Karotten, geschält und fein gerieben

100 ml Kokosmilch (S. 22), mit 2 Messerspitzen geriebener Muskatnuss gemischt

2 EL Rohrzucker

2 EL Kokosraspel

2 EL Rosinen

¼ TL gemahlener Kardamom

¼ TL Rosenwasser

1 EL Mandelblättchen, ohne Fett angeröstet, zum Garnieren

1 EL gehackte Pistazienkerne zum Garnieren

© Horst Jahreiß/Irisiana Verlag

Zubereitung

In einer beschichteten Pfanne 2 TL Ghee erhitzen. Karotten, Kokosmilch, 100 ml Wasser, Muskatnuss und Zucker unterrühren und alles auf kleiner Hitze 15–20 Minuten köcheln lassen.

Die restlichen Zutaten bis auf die Mandelblättchen und Pistazienkerne unterrühren und alles auf mittlerer Hitze weitere 5 Minuten köcheln lassen, bis das Halwa eingedickt ist.

Mit dem restlichen Ghee abschmecken und mit Mandelblättchen und Pistazien garnieren.


Die besten Originalrezepte aus ganz Indien

Happy India – Mehr als 150 authentische Gerichte, Südwest Verlag

Auf 240 Seiten präsentiert Nicky Sitaram Sabnis heißgeliebte Familienrezepte und Gerichte, die er während seiner Reisen und seiner Ausbildung kennengelernt hat. Nordindische Currys sind ebenso vertreten wie südindische Reisgerichte, cremige Dals und unzählige Auberginen-Variationen. Auch Streetfood, Getränke und zuckersüße, aromatische Desserts dürfen nicht fehlen. Insgesamt kommen so mehr als 150 authentische Rezepte zusammen, die sich mit frischen Zutaten auch bei uns problemlos zubereiten lassen.


Titelbild © Horst Jahreiß/Irisiana Verlag

Rick Hanson: Meditation für Mitgefühl und Güte

Ruhe bewahren, im Hier und Jetzt leben, sich glücklich, verbunden und angenommen fühlen – all das scheint so wichtig wie nie, um in schwierigen Zeiten ein ausgeglichenes Leben zu führen. Ein Weg dorthin: Meditation. Der Neuropsychologe und Achtsamkeitsexperte Rick Hanson hat dazu ein Buch geschrieben; mit Übungen, die jeder in seinen Alltag integrieren kann.

Unsicherheit, Sorge und Unruhe scheint in letzter Zeit unser ständiger Begleiter geworden zu sein. Zum Glück haben wir Yogis ein Mittel dagegen: die täglich Praxis und Meditation. Doch manchmal müssen wir noch tiefer gehen und genau da setzt das neue Buch von Rick Hanson „Achtsam wie ein Buddha“ an: Der Autor kombiniert die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaft mit den grundlegenden Ideen des Buddhismus. So findet er einen Weg, unsere neuronalen Schaltkreise zu stärken, damit wir nach und nach tiefe Ruhe, Zufriedenheit, Weisheit und Güte in uns erschaffen. Dabei helfen einfache Übungen und Meditationen rund um die sieben Glückswurzeln: Beständigkeit, Barmherzigkeit, Erfülltsein, Ganzheit, Gegenwätigkeit, Allheit und Zeitlosigkeit.

Meditationsübung für Mitgefühl

Neugierig geworden? Wir stellen dir hier eine seiner Meditation aus dem Buch vor.

Suche dir eine Haltung, in der du es bequem hast und gleichzeitig wachsam bleiben kannst … Sei dir deines Körpers gewahr… geerdet… hier… der Empfindungen des Atmens in deiner Brust gewahr… Stelle dir vor, wie der Atem in dein Herz hineinfließt und wieder aus deinem Herzen hinausströmt… Du kannst auch eine Hand auf dein Herz legen… Vergegenwärtige dir ein oder mehrere Wesen, in deren Gesellschaft du dich wohlfühlst… einen Freund, ein Familienmitglied, ein Haustier… ein Wesen, das dich wertschätzt, dich mag, dich vielleicht sogar liebt…

Konzentriere dich auf die guten Gefühle, die du in Gegenwart dieses Wesens hast… Schweift deine Aufmerksamkeit zu konkreten Situationen oder Problemen ab, lenke sie sanft wieder darauf zurück, wie es sich anfühlt, mit jemandem zusammen zu sein, dem du am Herzen liegst… Öffne dich diesen Gefühlen, verinnerliche sie…

Wähle nun einen Wohltäter, jemanden, den du wertschätzt. Halte diesen in deinem Herzen und erkunde die folgenden Sätze still für dich: „Mögest du sicher sein… Mögest du gesund sein… Mögest du glücklich sein… Möge es dir gut ergehen.“ Seie dir deiner warmherzigen Gefühle gewahr… Du kannst auch andere Worte wählen… oder einfach nur in wortloser Zuwendung und guten Wünschen verweilen…

Probiere dies nun mit einem Freund, mit jemandem, den du magst oder vielleicht sogar liebest… „Mögest du sicher sein… Mögest du gesund sein… Mögest du glücklich sein… Möge es dir gut ergehen.“… Lasse Mitgefühl und Güte den Gewahrsein füllen… Spüre, wie sie sich in dir ausbreiten…

Probiere dies nun mit einer neutralen Person, vielleicht mit einem Nachbarn, einem Kollegen oder einem Fremden auf der Straße… Entdecke das Mitgefühl und die Güte für diesen Menschen in dir… „Mögest du sicher sein… Mögest du gesund sein… Mögest du glücklich sein… Möge es dir gut ergehen.“ Probiere dies nun mit dir selbst… „Möge ich sicher sein… Möge ich gesund sein… Möge ich glücklich sein… Möge es mir gut ergehen.“ Du kannst dich auch mit deinem Namen ansprechen und dir vorstellen, dass du dir selbst gegenübersitzt… Spüre, wie diese warmherzigen Wünsche mit dir verschmelzen, wie du sie verinnerlichst.

Probiere dies nun mit jemandem, mit dem du Schwierigkeiten hast, am Anfang mit jemandem, der dich nicht sofort auf die Palme bringt. Vielleicht hilft es, wenn du dir den wahren Kern dieses Menschen hinter den Eigenschaften bewusst machest, die du schwierig findest, oder dir den Menschen vorstellst, wie er als Kind, wie er als Baby war. Wir können Mitgefühl und gute Wünsche für Menschen haben, mit denen wir nicht einer Meinung sind, die wir missbilligen… Versuche es mit diesen Wünschen: „Mögest du sicher sein… Mögest du gesund sein… Mögest du wahrhaft glücklich sein… Möge es dir gut ergehen.“

Verweile nun schlicht in Mitgefühl und Güte… Kleine Wellen des Mitgefühls und der Güte breiten sich in konzentrischen Kreisen um dich als Mittelpunkt herum aus, zu niemand Bestimmtem hin… Verweile in Warm- und Gutherzigkeit… vielleicht in Liebe… Lasse dich in die Liebe hineinsinken, ebenso wie sie in dich hineinsinkt…


Rick Hanson ist Neuropsychologe und international bekannt für seine wirksamen Techniken, die er aus dem Zusammenspiel von Achtsamkeit, Hirnforschung und Psychologie entwickelt hat. Die Bücher des New York Times-Bestsellerautors sind in 28 Sprachen erschienen und haben alleine im englischsprachigen Raum eine Gesamtauflage von über 750.000. Er ist Gründer des Wellspring Institute for Neuroscience and Contemplative Wisdom und wird als angesehener Redner von zahlreichen Universitäten wie Oxford, Stanford und Harvard eingeladen und unterrichtet in Meditations-zentren weltweit. rickhanson.net

Die „Meditation für Mitgefühl und Güte“ stammt aus dem aktuellen Buch: Rick Hanson: „Achtsam wie ein Buddha – Mit Meditation und Neurowissenschaft zum wahren Ich. Die 7 Stufen: von mehr Gelassenheit bis zum erwachten Geist“ 352 Seiten, 20 Euro, Irisiana. Ebenfalls bei Irisiana erschienen: Denken wie ein Buddha.

Om Shanti, Shanti, Shanti: Das bedeutet das Mantra des Friedens

bedeutung von Om Shanti
Om Shanti Shanti Shanti – in der Yogastunde singen wir es ganz oft. Die Bedeutung dagegen, kennen nur Wenige. Wir schauen uns das wichtige und bekannte Mantra mal genauer an.
 

Die Bedeutung von Om

Om Shanti Shanti Shanti

Om Shanti Shanti Shanti: Das Mantra beginnt mit einem Om. Diese heilige Silbe wird zu Beginn und zum Ende der Yogastunde gesungen. Das ist erstmal etwas befremdlich – bis man weiß, was sie bedeutet. Sie gilt im Buddhismus und Hinduismus als heilig und steht für das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele und somit für innere Harmonie. Das Sanskrit-Alphabet beginnt mit O und endet mit M. Damit umfasst Om alle Worte, die man sagen kann und stellt damit das Universelle als Ganzes dar. Manchmal wird Om daher auch als Sound des Universums bezeichnet. Om besteht aus den Silben A, U, M. Diese drei Buchstaben stehen entweder für die drei Götter Vishnu, Shiva und Brahma oder werden als Symbole für drei Bewusstseinszustände verstanden: A für Wachen, U für Träumen und M für Tiefschlaf.

Frieden mal drei

Shanti heißt Frieden. Doch warum benutzen wir es gleich dreimal? Das erste Shanti ist für den persönlichen, inneren Frieden. Das zweite stiftet Frieden in persönlichen Beziehungen, im Freundeskreis oder der Familie. Das dritte Shanti gilt dem Frieden der ganzen Welt. Du kannst es dir vorstellen, wie bei einem ins Wasser fallende Stein. Die Schwingung von Shanti dehnt sich kreisförmig aus und umhüllt die Erde.
 

Die Herkunft von Shanti

Die Etymologie des Wortes Shanti zeigt Spannendes. So sind santé (die Gesundheit), santo und santa abgeleitet vom lateinischen sanctus – das Heilige. Die Energie des Friedens ist „heilige Gesundheit“ oder „gesund und heil“. Sanctus kommt vom Verb sancire für „festsetzen, bannen“, ursprünglich: „abgegrenzt“. Es bezog sich auf Tempel und heilige Bezirke.

Ein Mantra für Schutz

Om Shanti ist auch eine Art Schutz-Mantra. Unser inneres Heiligtum wird durch die Yoga-Praxis aufgeladen und so für die nächste Zeit festgesetzt und von äußeren Einflüssen abgegrenzt. Das schafft Schutz und Frieden. Hast du in der Yogastunde schon mal gechantet? Chant und Shanti gehören auf vielen Ebenen zusammen. Chant bedeutet Gesang. Und das Singen von Mantras stiftet Frieden. Daher können wir Om Shanti Shanti Shanti frei übersetzen mit: „Let’s sing, sing, and sing: Om.“
 

Die 4-7-8 Atmung gegen Ängste und Schlafprobleme

Magie der Meditation
Magie der Meditation. Foto: Jeff Nelson

Die 4-7-8 Atmung ist eine tiefe rhytmische Atemtechnik, die als natürliches Beruhigungsmittel für das Nervensystem gilt und eine entspannende Wirkung auf den Körper hat. Die Methode des US-Mediziners Andrew Weil überrascht. Seine 4-7-8-Atemtechnik soll bei Bluthochdruck, Ängsten und Schlafstörungen helfen. Zeit, sich die Übung mal genauer anzuschauen.

Was ist die 4-7-8 Atmung?

Die Methode verdankt ihren Namen dem Atemrhythmus: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden die Luft anhalten, 8 Sekunden ausatmen. Das soll Panikattacken und Ängste lindern, den Blutdruck regulieren und beim Einschlafen helfen. Manche behaupten, man schlafe innerhalb einer Minute ein. Zudem soll sie Gelüste nach Zigaretten oder Schokolade lindern, Heißhunger-Attacken regulieren und für eine höhere Stressresistenz sorgen. Wissenschaftliche Studien gibt es bisher noch wenig und doch häufen sich positive Erfahrungsberichte die zum Ausprobieren motivieren.

Woher kommt die Methode?

Der Ursprung dieser Technik liegt im Pranayama. Nach den Yoga-Sutras von Patanjali ist Pranayama das vierte Glied des Raja, bzw. Ashtanga Yogas. Es bezeichnet Atemübungen, die das Nervensystem stimulieren und den Körper so auf Entspannung, Schlaf und Wachstum programmieren können. Entwickelt und populiert wurde die 4-7-8 Atmung durch den US-Arzt Dr. Andrew Weil, der sich auf Alternativmedizin konzentriert und die naturheilkundliche Fakultät der University of Arizona leitet. Bekannt ist er vor allem für seine Methoden bei Schlafstörungen.

Wie wirkt die Atemtechnik?

Abschalten ist heutzutage zum Luxus geworden: E-Mails, Anrufe, ein ewiger Informationsfluss über die sozialen Medien, eine ständige Erreichbarkeit. All das gehört für viele so selbstverständlich zum Alltag, dass sie unbewusst in einem Zustand von Dauerstress fallen und sich zu wenig oder gar keine Erholung gönnen. Diese Anspannung wirkt sich auch auf unsere Atmung aus. Sie wird flacher und versorgt den Körper nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Psyche und auf Organe, die dadurch nicht mehr richtig arbeiten können. Wie auch bei Angstzuständen, aktiviert das Stresshormone, die unseren Körper auf Flucht oder Angriff vorbereiten. Diese Funktion ist in bedrohlichen Situationen hilfreich, kann auf Dauer jedoch krank machen. Durch die ausgiebige Ausatmung von 8 Sekunden, steigt der Sauerstoffvorrat im Blut. Das befördert eine große Menge verbrauchter Luft nach draußen. Der Puls senkt sich. Wir werden gelassener und die Entspannung setzt ein.

Wie funktioniert die 4-7-8 Atmung?

Ob beim Liegen, in deiner liebsten Meditations-Haltung oder auf einem Stuhl – die Atmung kann zu jeder Zeit und überall geübt werden kann. Wenn du im Sitzen übst, achte darauf, dass dein Rücken gerade ist. Platziere deine Zungenspitze hinter die oberen Schneidezähne ans Zahnfleisch und lasse sie während der gesamten Übung dort – egal ob der Mund geöffnet oder geschlossen ist. Vielleicht möchtest du die Augen schließen um ganz nach innen zu wandern und dich auf den Atemfluss zu konzentrieren.

  • Atme einmal tief ein und wieder aus, so dass die Lungen vollkommen leer sind
  • Atme nun durch die Nase ein und zähle bis 4
  • Halte die Luft an und zähle bis 7
  • Atme mit geöffnetem Mund tief und gerne geräuschvoll aus und zähle bis 8

Wenn du dir unsicher bist, ob du die Bauchatmung richtig machst, gibt es hier eine hilfreiche Anleitung dazu. Bereitet dir die Sekundenanzahl Probleme, kannst du auch etwas schneller zählen. Wichtig ist nur, dass du den Rhythmus von 4-7-8 einhältst. Du wirst merken, dass es dir nach und nach immer einfacher fällt, die Luft anzuhalten und die Ausatmung in die Länge zu ziehen.

Dranbleiben lohnt sich

Dr. Weil empfiehlt, die Atemübung abends und morgens vier Mal zu wiederholen um den Körper daran zu gewöhnen. Obwohl die Methode schon direkt eine Wirkung zeigt und sich Herzfrequenz und Blutdruck senken, ist vor allem die Regelmäßigkeit ausschlaggebend. Wenn wir jeden Tag 2 Minuten opfern und diesen Rhythmus verinnerlichen, können wir die Atmung in stressigen Situationen schließlich als Werkzeug nutzen. An der Angst sollte man unbedingt arbeiten, denn sie beeinflusst auch das Immunsystem. Das können schlaflose Nächte sein, Momente in denen sich die Angst breit macht, wenn wir uns ärgern oder andere starke Emotionen spüren. Bevor wir in diesen Momenten sofort reagieren oder unseren Gelüste nachgeben, können wir die Atmung üben und unsere Reaktion verschieben und verändern. Probiere es selbst aus. Es kostet dich nur 2 Minuten am Tag. Nach etwa sechs bis acht Wochen kannst du auf acht Zyklen morgens und abends erhöhen.

Die 4-7-8 Atmung kannst du übrigens auch mit anderen Entspannungs-Techniken kombinieren. Dazu zählt die Progressive Muskelentspannung, einfache Yogaübungen oder die Meditation.

8 Techniken, die Ängste und Stress lösen und keine Atem-Übungen sind

Übungen mentale Gesundheit

Fragt man Therapeuten und Experten für mentale Gesundheit nach direkten Anwendungen gegen Ängste und Stress, gehen die ersten Tipps oft in eine Richtung: tiefes Einatmen, verlängertes Ausatmen. Atemtechniken helfen, da ist die Wissenschaft sich einig. Aber hast du schon mal von diese 8 Techniken, gehört, die alle deine Sinne einbinden und Anspannung und Unruhe effektiv nach unten fahren?

1. Einfach aber effektiv – die 54321-Technik

Diese Methode wirkt wie eine tiefe Ein- und Ausatmung: Suche fünf Gegenstände in deiner Umgebung, die du sehen kannst und nenne sie laut. Mache das nun mit vier Dingen, die du berühren kannst, drei Dingen, die du hörst, zwei Dingen, die du riechst und einer Sache, die du schmeckst. Vielleicht ist es sogar möglich, den Sinnen freien Lauf zu lassen und die Dinge tatsächlich zu berühren und zu riechen – in dem Falle kann das den Prozess unterstützen. Diese Methode wirkt erdend: Du konzentrierst dich auf konkrete und greifbare Objekte und kommst so auf eine achtsame Weise zurück in die Realität und in den Moment.

2. Safe Place – eine Meditation für unterwegs

Ängste und Stress sind in Corona-Zeiten treue Begleiter. In dieser neuen Realität kommen Anspannung und Unruhe auch mal unterwegs auf. Schließe deine Augen und stelle dir einen Ort vor, an dem du etwas Schönes erlebt hast und mit dem du gute Erinnerungen verbindest. Was machst du dort? Sehe es lebhaft vor dir, visualisiere es. Das muss kein exotischer oder weit entfernter Platz sein. Es kann auch deine Couch sein, auf der du dich mit deinem Hund einkuschelst. Binde all deine Sinne ein und fühle dich in die Situation hinein

3. Lass den Stress schmelzen – die Eiswürfel-Technik

Sensorische Schock-Therapie: Lege dir einen Eiswürfel auf die Handfläche und konzentriere dich darauf, wie er langsam auf deiner Hand schmilzt, wie er zu Wasser wird, das zwischen deine Finger zu Boden tropft. Stelle dir vor, deine Anspannung löst sich zeitgleich mit der Konsistenz des Eises auf und zerfließt. Das ist auch eine schöne Methode, um das Loslassen zu üben. 

4. Zupacken bei innerer Unruhe

Ok, wir geben zu: Nicht jeder hat mal einfach so einen Eiswürfel parat. Macht nichts, denn du kannst Übung 3 auch etwas abwandeln und jeden greifbaren Gegenstand in die Hand nehmen. Wie wäre es mit deinem Autoschlüssel? Fühle seine Ecken und Kanten, bemerke seine Temperatur. Wie riecht er? Wie wandelbar ist er? Dein Verstand wird sich ganz auf darauf fokussieren und das Gedanken-Karussell stoppt ganz von alleine.

5. Finde Geborgenheit in Kuschel-Objekten

Die Magie der Berührung: Fasse etwas sanftes, weiches oder kuscheliges an. Streichele über eine Lieblingsdecke, ein Kuscheltier, ein Haustier oder sogar über deine Haare. Das weckt Erinnerungen an die Kindheit und erzielt den gleichen Effekt wie damals – es beruhigt und schenkt Geborgenheit.

6. Eine Geräusch-Reise nach Innen

Die Berührung ist nur eine Methode, um die Gedanken umzuleiten. Doch auch unsere Ohren können behilflich sein. Konzentriere dich auf einen Sound, der weit entfernt ist. Arbeite dich so nun langsam nach innen, zu einem Geräusch, das ganz nahe ist. Du hast Probleme etwas zu hören? Wie wäre es mit dem Rascheln der Bäume da hinten oder dem bellenden Hund in der Entfernung? Weiter zu den lachenden Kindern im Nachbar-Garten, zu den zwitschernden Vögeln im Gebüsch und zu dem Summen der Hummel im Blumenstock neben dir. Merkst du, wie dein Körper langsam zur Ruhe kommt und dass Ängste und Stress abnehmen?

7. Ängste lösen mit vertrauter Musik

Bleiben wir beim Hören: Schalte dein Lieblingslied ein oder wähle einen Musikstil aus, der dich entspannt. Noch effektiver ist es, wenn du das über deine Kopfhörer machst und all die anderen Geräusche gedämmt werden. Höre genau hin und bemerke verschiedene Stimmen, Instrumente und Stufen des Songs, die dir so noch nie aufgefallen sind. Löst die Musik etwas in dir aus? Lockern sich vielleicht deine Schultern, wird dein Herz ruhiger oder entspannen sich deine Gesichtsmuskeln?

Du suchst nach Musik-Inspirationen? Dann schau doch mal hier nach: Yoga-Playlists für jede Stimmung.

8. Die Stimme einer geliebten Person

Sind wir ängstlich oder unruhig, hilft die Anwesenheit einer vertrauten Person. Ist diese gerade nicht um dich herum, genügt auch ihre Stimme. Lasse dir eine Sprachnachricht schicken oder nehme sie für kleine Notfälle einfach vorab auf. Welche Worte beruhigen dich? Hier genügt schon ein kleiner Satz wie: „Alles wird gut!“ oder „Du bist sicher, dir kann nichts passieren!“. Suche dir ein Mantra aus, das zu deiner Entspannung beiträgt. Diese Methode funktioniert auch bei Stress – lasse dir hier einen kleinen Reminder zur Entschleunigung sagen.

Wichtig ist: Mit Stress oder Ängsten ist es wie mit so vielem: Was für Einen funktioniert, hilft dem Nächsten nicht unbedingt. Schaue was für dich zutrifft. Bei den Übungen musst du weder still stehen noch die Augen schließen. Es geht darum, die Sinne auf verschiedenste Art zu nutzen und dich dadurch mehr geerdet zu fühlen.


Wie gehst du mit Ängsten und Stress um? Hast du noch weitere Tipps? Dann teile sie gerne per E-Mail oder über Instagram mit uns.