Yoga-Playlist „CONTEMP YOGA“ von Franzi Wagner

Playlist Franzi Wagner Contemp Yoga

Franzi ist ausgebildete Tänzerin und Yogalehrerin aus München und vermittelt Bewegung mit ganz viel Leichtigkeit, Power und Lebensfreude! Mit ihrem eigenen Konzept „CONTEMP YOGA“ verbindet sie Contemporary Dance und Yoga in einem ganz eigenen Format. Diese Playlist passt perfekt zu ihrem tänzerischen Flow…

Am liebsten verbindet Franzi verschiedene Bewegungskonzepte miteinander. „Yoga mit sportlichem Touch und ästhetischen Flows“ beschreibt sie ihren Stil selbst, bei dem sich die leicht tänzerischen, fließende Bewegungen in jeder Yogastunde wiederfinden.

Diese Playlist ist die perfekte Ergänzung für eine kurze Einheit im CONTEMP YOGA Stil von Franzi für dich zuhause. Lass dich von Songs zu freien Bewegungen, kleinen Tanzimprovisationen und freiem Flow-Gefühl inspirieren! 

Step by Step: Den wunderschönen Flow „Move your body – free your mind“ von Franzi findest du ganz detailliert erklärt im aktuellen Yoga Journal (ab 23. Februar im Handel oder in unserem Online Shop erhältlich).

Und wenn du mehr möchtest, dann drehst du im Anschluss noch deine eigenen Lieblingssongs auf und fließt weiter, zu allem, was dir Freude bereitet! Werde kreativ und lass dich ermutigen, Tanz, Yoga und deine Lieblingsmusik zu verbinden! Gib dich der Bewegung hin und genieße oder sei auch mal mutig und finde mit ihr kleine, persönliche Herausforderungen auf der Matte.


Franzi Wagner Yoga Playlist

Mit ihren Stunden, Workshops und Sessions möchte Franzi zu einem bewussten, positiven Körpergefühl beitragen und Menschen dazu bestärken, ihr inneres Feuer zu finden. Mit ihrem eigenen Konzept CONTEMP YOGA verbindet sie Contemporary Dance und Yoga in einem ganz eigenen Format: In ihren Workshops leitet sie Improvisationen an und führt dann durch fließende Sequenzen, getragen von der Atmung und Musik.

Offline findest du Franzi in verschiedenen Studios in München. Online kannst du an ihren Stunden & Workshops ganz einfach von überall aus teilnehmen. Alle Infos findest du unter www.franziwagner.com oder du folgst Franzi auf Instagram.

Übrigens: Vielleicht willst du uns auch mal deine Lieblings-Playlist zusammenstellen? Dann melde dich unter redaktion@yogajournal.de, auf Facebook oder Instagram bei uns. Wir freuen uns von dir zu hören. Mehr Playlists findest du hier.

Koshas – die Lehre von den fünf Körperhüllen von Anna Trökes

Koshas Yogaphilosophie

Schon lange bevor sich die Lehren des Tantra entfalteten, wussten die Yogis aus ihrer Selbsterfahrung heraus, dass sie mehr sind als nur der physische Körper. Anna Trökes erklärt uns kurz und einfach das Grundprinzip der Koshas.

Bereits in der Taittiriya-Upanishad wurde ein Modell des menschlichen Seins entworfen, das ihn um einen feinstofflichen Körper (sukshma sharira) ergänzt. Diese Differenzierung in fünf Hüllen (koshas) wurde im Tantra und vor allem im Hatha-Yoga zu einer wichtigen Grundlage, um Körper- und Atemübungen, Energielenkungen, Visualisierungen und Meditationen entwickeln zu können. Diese ermöglichen es uns zu erfahren, dass sich die Tattvas wieder „einfalten“ lassen, indem der/die Übende sich mit seinem/ihrem Bewusstsein zunehmend aus dem grobstofflichen Körper zurückzieht bis hin zur alleinigen Ausrichtung der Wahrnehmung auf die allerfeinste Schwingungsebene.

So werden die fünf Koshas unterteilt

Was sind die 5 Koshas

Der Annamaya-Kosha ist unser physischer Körper. Er bildet sich aus der Nahrung, die wir zu uns nehmen, und wird als grobstofflicher Körper angesehen. Er wirkt im Leben wie ein „Anker“ für die feineren Hüllen.

Der Pranamaya-Kosha ist unser Energiekörper, auch Ätherkörper genannt. Sein Prana durchdringt den grobstofflichen Körper vollkommen und sorgt dafür, dass alle Prozesse des Lebens in sinnvoller und intelligenter Weise aufrechterhalten bleiben. Wenn der Prana den Körper verlässt, bleibt der Annamaya-Kosha als tote Hülle zurück und zerfällt.

Der Manomaya-Kosha umfasst unseren Emotionalkörper und einen Teil unseres Mentalkörpers. Er ist das subtile Feld unserer Emotionen und Vorstellungen, die durch den Umgang mit der Welt ausgelöst werden, also der affizierte und geprägte Geist (manas) und dessen pranische Rückwirkung auf den grobstofflichen Körper. Auch diese Hülle durchdringt jede Zelle und wirkt aktivierend, lähmend oder ausgleichend auf den Gesamtorganismus ein.

Der Vijnanamaya-Kosha ist ebenfalls Teil des (höheren) Mentalkörpers und darüber hinaus des (unteren) sogenannten Kausalkörpers. Er repräsentiert auf mentaler Ebene die uns innewohnende Fähigkeit zu abstrakten Gedanken und Ideen und deren Manifestation. Auf übermentaler Ebene stellt er fühlendes Erkennen und tiefes Wissen dar, das sich nicht mit Worten beschreiben lässt, das wir aber in uns als stimmig und wahr erfahren können. Damit umfasst dieser Kosha auch unsere Fähigkeit zur Intuition und zu jeder Form sogenannter
übersinnlicher Wahrnehmung.

Der Anandamaya-Kosha ist die Sphäre des höheren Kausalkörpers, der Hülle der Seele, und die Erfahrung der Seele selbst. Er realisiert die absolute Glückseligkeit (ananda), die wir als unser Selbst (purusha) erleben, wenn wir uns vollkommen der Teilhabe am Absoluten öffnen und wieder mit dem Urgrund (Paramashiva) verschmelzen (laya).

Energetische Ausstrahlung durchdringt den ganzen Körper

Alle fünf Körper durchdringen sich und wirken aufeinander ein, wobei jedoch vor allem die feineren Hüllen auf die gröberen wirken. Je feinstofflicher – das heißt je feiner in der Schwingung – die Erfahrung ist, desto mehr transzendiert sie den Verstand und die Energie, die im Körper wirkt und die er ausstrahlt. Diese mentale, emotionale und energetische Ausstrahlung durchdringt schließlich den ganzen Körper eines Menschen, und zwar teilweise so stark, dass sie sich sogar noch über eine Fotografie mitzuteilen vermag. Im Verlauf der spirituellen Praxis soll sich allmählich ein Kosha nach dem anderen entfalten und zu schwingen beginnen, bis der ganze Mensch von den feinstofflichen Schwingungen des Verstehens, des tiefsten Wissens durchdrungen ist und dann zum Ausdruck der Gegenwart Gottes in der Welt wird.

Anna Trökes über unsere feinstoffliche Anatomie im YogaWorld Podcast:


Aktion Kleine Helden Anna Trökes

Anna Trökes gilt nicht umsonst als die einflussreichste deutsche Yogalehrerin: Sie hat seit 1974 unzählige Menschen unterrichtet und über Jahrzehnte die Yogalehrerausbildung des BDY geprägt. Ihre über 30 Bücher und CDs wurden in 13 Sprachen übersetzt und haben viel zur heutigen Beliebtheit und Verbreitung von Yoga beigetragen. Dieser Auszug über die Koshas stammt aus dem Buch „Die kleine Yoga-Philosophie. Grundlagen und Übungspraxis verstehen“ von Anna Trökes.

Mehr Info: prana-yogaschule.de

Lies auch: Sally Kempton’s Artikel über die fünf Körperhüllen…

Pimp your Karma! Die 30-Tage-Yamas-Challenge

Achtsamkeit ist in aller Munde: Rücksicht, Umsicht, Vorsicht. Aber man sieht oft wenig davon. Mit ihrer 30-Tage-Yamas-Challenge versucht unsere Gast-Autorin Sybille Schlegel, ein bisschen mehr Yogasutra-Vibes in den Alltag zu bringen. Der Plan ist simpel: Den Faden aufnehmen und jede Regel der Yogaethik jeweils sechs Tage üben.

Text: Sybille Schlegel

Jedesmal. Wirklich jedesmal, wenn ich die Ethik der alten Yogaschriften im Teacher Training unterrichte, grüble ich danach: Wie kann es sein, dass die – unter anderem im Yogasutra von Patanjali – erwähnten Anregungen zu einer achtsameren Lebensweise nach über 2000 Jahren noch immer auf der gesellschaftlichen und individuellen To-do-Liste stehen? Dabei werden die Vorteile klar benannt: ein friedlicheres Dasein zum Beispiel, Ehrlichkeit oder weniger Egoismus. All das ist doch durchaus erstrebenswert und, soweit mir bekannt ist, wünschen sich das auch heute noch die meisten Mitmenschen. Es scheint, als würden Herz und Verstand zustimmen und die Richtigkeit oder vielmehr: die Notwendigkeit erkennen. Aber die Umsetzung! An der hapert’s gewaltig.

Grund genug, mal die Yamas, die ethischen Grundbegriffe des Yoga zu … Nein: Nicht schon wieder zu beschreiben und zu diskutieren. Jetzt wird gehandelt! Wie einst die weisen Werber*innen einer bekannten Sportartikelfirma postulierten: Just do it! Ich lade hiermit alle geneigten Leser*innen ein in mein Yamas Boot Camp. Alle sind herzlich und ehrlich willkommen. Nur Schweinehunde müssen natürlich draußen bleiben.

Keine Sorge. Anders als etwa bei den Navy Seals müsst ihr hier keine 200 Chaturanga Dandasana fünfmal pro Tag machen, auch keinen 50-Kilometer-Geländelauf in meditativem Schweigen. Dieses Boot Camp ist eigentlich ein Root Camp: Hier wird das eigene Verhalten analysiert, evaluiert und neu konditioniert. From the bottom up. Oder in Yoga Speak: Das Karma bekommt einen neuen Anstrich.

Lies auch: „Yamas und Niyamas in der Yoga-Praxis“ von Mark Stephens

Es ergibt nur Gutes, wenn man tut es

Kurze Wiederholung: Im Yogasutra behandelt Patanjali im zweiten Kapitel das Sadhana. Sadhana heißt so viel wie „auf ein Ziel hin arbeiten“. Es ist das „Just do it“-Kapitel in diesem altehrwürdigen und zugleich wahnsinnig aktuellem Text. Patanjali führt hier fünf seiner acht Glieder auf, die zum Erreichen des Yogazustands geübt werden sollten. Da das Yogasutra auch gerne als „Leitfaden des/zum Yoga“ übersetzt wird – Sutra (mit langem u) heißt auf Sanskrit unter anderem Faden, Schnur oder auch Seil – nehmen wir es doch als solchen.

Kletterseil Alex Underwood
Foto: Alex Underwood via Unsplash

Bildlich gesprochen wie den Faden der Ariadne in der labyrinthischen Höhle des Minotaurus auf der beliebten Urlaubsinsel Kreta. Den hatte die Gute vorausschauend beim Hineingehen in die Höhle gespannt, damit der Held, Theseus, nach ihrer Rettung auch den Weg wieder hinausfinden würde. Wenn man sich das mal praktisch vorstellt, dann ist alles, was man tun muss, um den Ausgang wirklich und wahrhaftig wiederzufinden: das Folgen des Fadens. Um nicht zu sagen, das unbedingte Folgen des Fadens! Man könnte langsam gehen, ein paar Schritte vor und zurück oder eine Weile pausieren. Aber man muss am Faden bleiben, wenn man die Möglichkeit der Verirrung ausschließen möchte. In Bezug auf inneren und äußeren Frieden bedeutet das in Konsequenz: Man folge dem Yogasutra – zögerlich, langsam oder schnell. Dann kommt man mit Sicherheit zum Ausgang des leidvollen Daseins mit Gier, Hass, Verblendung & Co. Aber machen muss man es.


Erfahre mehr zu Patanjalis Yogasutras in unserer Podcast-Folge mit Eckard Wolz-Gottwald:


Und: Action!

Natürlich findet man die ethischen Verhaltensvorschläge auch in anderen Yogatexten wie zum Beispiel der Hatha Yoga Pradipika oder der Bhagavad Gita. Im Yogasutra sind sie aber schön zusammen gruppiert und in der Benefit-Dimension beschrieben. Deshalb arbeiten wir im Yamas Root Camp damit. Wer Spaß daran findet, sei hiermit eingeladen die anderen Texte ebenfalls zu erforschen. So wie wir jetzt gemeinsam die Yamas von Ahimsa bis Aparigraha auf der Handlungsebene erforschen. Eine Handlung ist im Yoga übrigens schon ein Gedanke, dem folgen das Gesagte und das Getane. Die folgenden Übungen finden also auf drei Ebenen statt.

Tag 1 bis 6: AHIMSA

Mehr Miteinander als Gegeneinander

„Wer sich ständig nicht-feindlich verhält, erlebt echten Frieden.“

Patanjali, YS 2.35

Einfach gesagt. Wer von uns empfindet sich schon als gewalttätig? Ist eine vegane Lebensweise ausreichend? Oder gilt es, wie die Heiligen der Jaini-Gemeinschaft auf das eigene Leben im Körper zu verzichten, um keinem anderen Lebewesen durch die eigene Existenz Raum, Nahrung oder Atemluft zu nehmen? Wenn wir uns in solchen Überlegungen aufhalten, dann wird das wieder nichts mit der Friedfertigkeit. Was wir tun müssen, ist: den ersten Schritt gehen und damit beginnen, dem Faden aus dem Wirrwarr heraus zu folgen. In unseren Teacher Trainings lasse ich die Trainees Ahimsa mit positiven Worten übersetzen: a-himsa heißt nämlich nicht-Gewalt oder nicht-feindlich – und wir suchen dann Begriffe ohne ein „nicht“ davor. Wie verhält man sich nicht-feindlich? Unter den Germanys-Next-Top-Antworten sind meist: schützend, tolerierend, respektierend, Raum gebend, anerkennend, friedlich, verbindend.

Aktion 1: Schreibe die Begriffe auf und ergänze die Liste nach Belieben.

Aktion 2: Setz dich auf dein Meditationskissen und überlege, wo du dich bereits so verhältst und wie sich das anfühlt. Mach gerne Notizen.

Aktion 3: Mach dieses Gefühl die nächsten 6 Tage lang zu deinem Leitgefühl. Vielleicht hilft es, im Alltag etwas langsamer zu werden, um dir den Raum dafür zu geben. Ja. Auch im Büro – und vor allem im Straßenverkehr.

Lies auch: „Was bedeutet Ahimsa“ von Rina Deshpande.

Tag 7 bis 12: SATYA

Wenn es so ist, wie es ist

„Wer sich ständig ehrlich verhält, dessen Taten tragen den Erfolg bereits in sich.“

Patanjali, YS 2.36

Satya ist das Sanskritwort für ehrlich, wahrhaftig, faktisch, real, tatsächlich, authentisch, konkret. Sutra 2.36 ist also nicht nur die Aufforderung, ehrlich zu sein, sondern vielleicht vor allem: im Hier und Jetzt zu sein. Den Verführungen von Phantasie, Illusion und Einbildungskraft (Vikalpa Vrtti) zu widerstehen. Und das heißt dann auch: Ehrlich zu anderen – und vielleicht vor allem: zu sich selbst. Meine Lehrerin Manorama inspiriert immer zu einer liebevollen Ehrlichkeit. Das halte ich für einen sehr hilfreichen Ansatz. Meine Oma war sehr ehrlich und das endete manchmal in einem „Billekind, warum siehst du heute so schlecht aus?“ Ehrlich, aber nicht nett …

Ehrlichkeit mit sich selbst ist die wahre yogische Übung: Die eigenen Gedanken supervisen, bis man tatsächliche Wahrnehmung von persönlichen Geschichten und Meinungen unterscheiden kann. Seien es positive oder negative. Der Blick der Wahrnehmung ist neutral – ohne Rückkoppelung auf der Gefällt mir/Gefällt mir nicht-Ebene. Welche eine evolutionäre Gewohnheit des Geistes ist. Blitzschnell. Und selten kritikfähig. Dafür durchaus unbeständig und wandelbar je nach Laune, Alter, Situation.

Meine gute Freundin sagt immer: „Wir sind hier nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isses.“ Ein Satya-Satz. Nicht, weil Wünschen schlecht wäre. Aber zu wissen, dass ein Wunsch ein Wunsch ist, der gerade gewünscht wird, ist Satya. Zu denken, ein Wunsch, eine Idee, eine Vorstellung, ein Plan oder Ähnliches wäre Realität, nicht. Vikalpa Vrtti, also alles, was in Gedanken passiert ohne einen vorhergehenden Sinneseindruck, erzeugt neben den Gedanken auch Emotionen. Und die fühlen sich real an. Wir brauchen also das Schwert der Unterscheidungskraft (Viveka), das Patanjali in einer seiner Hände hält.

Aktion 1: Was ist was? Erlebe deine Sinneseindrücke. Erinnere dich über den Tag häufiger, genau das zu sehen, was du siehst, zu hören, was du hörst usw. Das bringt dich ins Hier und Jetzt.

Aktion 2: Werde etwas langsamer und betrachte deine Gedanken. Welche Geschichten erzählst du dir? Über andere? Über dich selbst? Basieren diese Geschichten auf Fakten oder auf Gewohnheiten? Sind sie überhaupt aktuell oder nur schon lange in deinem Leben? Wenn du Journaling magst, mach dir Notizen. Wenn nicht: Reflektiere am Abend 5-10 Minuten.

Aktion 3: Verzichte auf jede noch so kleine Notlüge, Beschönigung, Pessimismus und deren Verwandte. Werde dir darüber bewusst, wann und wie oft, wir das benutzen. Stay nice and friendly.

Tag 13 bis 18: ASTEYA

(Innerer) Reichtum für alle

„Wer niemals stiehlt, sieht überall Schätze.“

Patanjali, YS 2.37

Asteya, das Nicht-Stehlen, Nicht-Wegnehmen, Nicht-auf-Kosten-anderer-Leben. Auch hier kann man das Verneinende in bejahende Wörter übersetzen: Geben, teilen, schenken, opfern, sich erfüllt fühlen. Nachdem kurz vor Weihnachten bei uns eingebrochen wurde, habe ich sehr viel über das Stehlen nachgedacht. Über das Haben und Nichthaben. Denn meine „Schätze“(Omas Schmuck) waren weg. Meine Lehrerin sagte mir, ich solle in Gedanken halten, dass niemand stiehlt, der schon hat. Das macht Sinn.

Und auch wir, die wir nicht über die Balkone anderer Leute in fremde Häuser klettern, stehlen mehr als wir denken: im Verbrauch von Ressourcen, beim Kauf von Billigwaren, beim Zuspätkommen. Wir stehlen Zeit, Lebensraum, Würde. Nicht immer, aber oft. Sutra 2.37 lässt uns überdenken, was wir tatsächlich brauchen. Unser Verhältnis zum eigenen Ego. Und es stimmt schon, oder? Wer teilt und gibt, fühlt sich reich. Sonst könnte man ja nicht teilen und geben. Zufriedenheit summt hier mit. Und Vertrauen auf die Fülle des Seins.

Aktion 1: Wenn du merkst, dass du etwas möchtest, brauchst oder unbedingt willst, nimm 10 tiefe Atemzüge. Und dann schau, ob es immer noch so ist.

Aktion 2: Perspektivwechsel von „Was mir fehlt“ zu „Was ich alles habe“. Notiere oder reflektiere.

Aktion 3: Gib etwas einmal am Tag, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Es muss kein Geld sein. Es kann Zeit sein, Zuhören, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit.

The Ian Unsplash Kletterseil
Foto: The Ian via Unsplash

Tag 19 bis 24: BRAHMACARYA

Fokus auf Liebe, Weisheit und Einheit

„Wer sich stets zum Brahman hin bewegt, findet Kraft.“

Patanjali, YS 2.38

Wer mich kennt, weiß, dass ich an dieser Stelle Brahmacarya nicht wie die Traditionalist*innen als Askese und sexuelle Enthaltsamkeit übersetze. Sondern wortwörtlich als das „sich Hinbewegen zu Brahman“. Brahman ist die Seele des Vedanta, unser inneres Licht, das, was als Atman in uns ist – das, was wir wirklich sind.

Im Wörterbuch steht bei Brahmacarya auch die Übersetzung „das Studium der Veden“, der heiligen Texte. In der Chandogya Upanishad geht es um Brahman. Der Sohn fragt den Vater und Lehrer, was das genau ist. Dieser gibt ihm verschiedene Beispiele: Es ist unsichtbar und überall, es ist unfassbar fein, voller Kraft, in allem enthalten, unwandelbar und ewig – und vor allem ist es auch in ihm, dem Sohn. Es ist das, was du wirklich bist, sagt er. Tat tvam asi. Wenn wir also darauf unseren Fokus, unser Denken und unser Wirken legen, anstatt auf das neueste iPhone oder das nächste Reel, dann erhalten wir Kontakt zu dieser ewigen Kraft, die unser wahres Selbst ist.

Aktion 1: Richte deinen Blick auf Gemeinsamkeiten. Was verbindet mich und …? Fühle das Boot, in dem wir alle sitzen (und damit meine ich alle, über die Speziengrenzen hinaus).

Aktion 2: Stelle dir häufiger die Frage, wer du bist. Und lies die Chandogya Upanishad. Es lohnt sich.

Aktion 3: Meditiere täglich in einer für dich angenehmen Zeitdauer, mindestens 5 Minuten. Fokussiere dich dabei auf Brahman. Wenn du kein Gefühl dafür hast, was Brahman ist, dann stelle dir diese Frage innerlich.

Tag 25 bis 30: APARIGRAHA

Ein Leben im Flow

„Wer nicht an Besitz festhält, versteht das Wesen der manifestierten Existenz.“

Patanjali, YS 2.39

Klingt ein wenig zusammenhangslos auf den ersten Blick, vor allem, wenn das Sutra wie oft übersetzt wird mit „Wer sich in Besitzlosigkeit übt“: Wer am Existenzminimum lebt, versteht die Wiedergeburt und vorherige Leben? Natürlich ist es ein wenig anders. Es geht um das im Yoga viel beschworene Loslassen. Ums Nicht-Behalten, Nicht-Konservieren, Nicht-Einmotten. Um den leidigen Versuch, aus etwas, das uns vom Universum nur geliehen wurde, Eigentum zu machen. Eigentum ist Egotum (sagt das Yogasutra implizit). Wer sich hingegen, wie das Sutra rät, darin übt, Dinge im Kommen und Gehen zu begreifen – in echt und ganz frei von Spiri-Pathos – der versteht, dass alles Materielle ein Verfallsdatum hat. Im ewigen Dreiklang des Kreislaufs aus Geborenwerden, Existieren und Vergehen. Brahma, Vishnu, Shiva. A. U. M. Auch der eigene Körper. Ob wir das wollen oder nicht.

Aktion 1: Setz dich in einen gewohnten Raum und schau dich um. Ordne alles, das du siehst in „kommt“, „existiert“ und „geht“. Fortgeschrittene sortieren die mittlere Kategorie noch in „eher neu“, „eher mittig“, „eher alt.“

Aktion 2: Ganz pragmatisch: Ausmisten und Reduzieren. Kleiderschränke, Küchenschubladen, Badschränke, Keller, Dachboden. Noch gut? Dann Secondhand-Laden, Flohmarkt oder Free your Stuff.

Aktion 3: Für Fortgeschrittene. Aber cool: Verzichte mal, so oft es geht, auf die Wörter „mein“, „meine“, „meins“. Vielleicht bist du auch überrascht, was man so den ganzen Tag darunter katalogisiert.


Sybille Schlegel

SYBILLE SCHLEGEL ist unsere Lieblingsautorin, wenn es um alltagstaugliche Texte zur Yogaphilosophie geht: So locker und leicht, so tief und wahr – einfach wunderbar! Live kannst du Sybille in Mainz erleben, im Hatha Vinyasa Parampara Studio, das sie gemeinsam mit Andreas Ruhula leitet. Mehr unter www.hathavinyasa.de und auf Insta @hathavinyasaparamparayoga

Titelbild: Greg Rosenke via Unsplash


Lies auch diesen spannenden Artikel zu den Yamas und Niyamas von Max Strom:

#38 Balance für den Hormonhaushalt

Geführte Meditation aus dem Hormonyoga mit Tina Beitinger

Mit Hormonyoga sollen die wichtigen Hormondrüsen der Frau in Balance gebracht werden. Die Eierstöcke im unteren Bauch, die Schilddrüse im vorderen Hals und die Hypophyse, eine kleine Drüse in der Mitte vom Kopf. Spezielle Asanas und Atemübungen, verbunden mit Energielenkung, kurbeln die Hormonproduktion an und die Drüsen sollen in Einklang gebracht werden, damit sie wieder miteinander harmonieren.

Yogalehrerin Tina Beitinger leitet hier die besondere Endentspannung am Ende der Hormonyoga-Reihe an, die auch für sich alleine praktiziert wohltuend und ausgleichend auf die Hormondrüsen wirkt. Haben wir Stress, gerät unser Hormonhaushalt aus der Balance. Diese Meditation reduziert die schädlichen Stresshormone im Körper und bringt die wichtigen Hormondrüsen wieder ins Gleichgewicht. Wenn du mehr über Hormonyoga wissen willst, empfehlen wir dir unsere Podcastfolge Nr. 24 über Hormonyoga.

„Kochen ist mein Yoga“: Tauche ein in die Gewürzwelt des Ayurveda

Ein Leben ohne Gewürze kann sich Ines Wirth von „Ganz mein Geschmack“ nicht vorstellen. Sie ist leidenschaftliche Gewürzsommeliére, Ernährungsberaterin, Ayurveda-Expertin und begeisterte Yogini. Gehe gemeinsam mit ihr auf eine Reise in die Gewürzwelt des Ayurveda und lass auch du dich begeistern… //anzeige

Was Ines besonders an Gewürzen reizt? Das Spiel mit den Aromen. „Ich kann mit dem Einsatz von verschiedenen Gewürzen sofort ein anderes Geruchs- und Geschmacksbild auf den Teller zaubern, auch wenn das Ausgangslebensmittel immer gleich ist.“ Sie liebt die Vielfältigkeit der Aromen und welche überraschenden Geschmacksnuancen hervortreten, wenn man bestimmte Gewürze miteinander kombiniert: Was macht ein Gericht besonders spannend, nicht nur geschmacklich und aromatisch, sondern auch visuell? Welche Texturen sind möglich, damit nicht nur Magen und Gaumen, sondern auch Körper, Geist und Seele genährt – und nicht nur ernährt – werden?

Gewürzregal Ganz mein Geschmack

In ihrer Ausbildung zur Ernährungsberaterin kam Ines Wirth zum ersten Mal mit Ayurveda in Berührung. Seitdem bildet sie sich ständig weiter und ist von der gesundheitlichen Wirkung von Gewürzen und Kräutern überzeugt.

„Kochen ist mein Yoga“, sagt Ines, auch wenn die Yogamatte immer neben der Gewürzkiste mit im Gepäck ist. So auch während ihrer dreiwöchigen Gewürzreise nach Indien, wo sie Ayurveda ganz lebensnah kennengelernt hat. Beim Schlendern über die Märkte in Kochi, Goa und Mumbai hat sie allerlei probiert und gesehen. Sie war beeindruckt davon, mit wie viel Stolz und Hingabe die Gewürz- und Teeplantagen gepflegt wurden und genoss mit Demut und Dankbarkeit eine große Palette indischer und ayurvedischer Gerichte: Vanille für gute Laune, Muskat für innere Ruhe und Kreuzkümmel für den schwer verdaulichen Kohl. Was in Indien als ganzheitliche Naturheilkunde einen festen Platz hat, findet auch in unseren Breitengraden immer mehr Beachtung.

Online-Seminar „Ayurveda & Gewürze“ am 10. März 2023

Lerne auch du die Gewürzwelt des Ayurveda kennen! Ines Wirth teilt mit dir in ihrem Online-Seminar „Ayurveda & Gewürze“ ihr umfangreiches Wissen. Sie erklärt, welche Gewürze in keiner Ayurveda-Küche fehlen sollten und wie du aromastarke Partner am besten kombinieren kannst. Du lernst die Basics der Gewürzkunde und den richtigen Umgang mit Gewürzen, wie zum Beispiel die richtige Aufbewahrung. Darüber hinaus gibt Ines dir einen Einblick in die Grundprinzipien des Ayurveda und interessante Tipps zu den drei Doshas Vata, Pitta und Kapha. Es gibt eine Verkostung 10 hochwertiger Gewürze und am Ende hast du sogar die Möglichkeit, deine eigene Curry-Gewürzmischung herzustellen.

Eine Gewürzdose, ein umfangreiches Skript zum Nachlesen, einen Warengutschein und ein Giveaway aus der „Ganz mein Geschmack“-Gewürzmanufaktur bekommst du obendrauf dazu.

Wann? Am Freitag, den 10. März 2023 von 19.00 – 21.30 Uhr

Wo? Online via Zoom

Kosten: 69 € pro Bildschirm

Über Ines Wirth und „Ganz mein Geschmack“

Ines Wirth Ganz mein Geschmack

Ihr Wissen um Genuss, Geschmack und Gewürze teilt Ines Wirth mit „Ganz mein Geschmack“ in Beratungen, Workshops und Tastings, als Dozentin und Referentin für Institutionen und Unternehmen, in Einzelcoachings oder auch in Publikationen von Printmedien, im Radio oder vor der Kamera. Sie kann dabei auf eine langjährige Berufspraxis aus dem Lebensmittelhandwerk und dem Catering zurückgreifen. Dieses Know-how verbindet Ines mit dem theoretischen Input aus der Ernährungswissenschaft, Aromen-Forschung und der Naturheilkunde „weil das Leben mehr Genuss und die richtige Würze braucht.“

Darüber hinaus bietet Ines ihrem Online-Shop „Genuss & Würze“ handgefertigte Gewürzmischungen, Chutneys, Würzsoßen, Einzelgewürze und vieles mehr an. Seit 2019 darf sie sich sogar als Gewürzsommelière bezeichnen, wobei es bundesweit eine sehr begrenzte Anzahl gibt. Das zeugt von ihrer anspruchsvollen Ausbildung und ihrem breiten Wissen über Gewürze.

Mehr zu Ines Wirth und „Ganz mein Geschmack“ unter www.ganz-mein-geschmack.de und Insta @ganzmeingeschmack


Alle Fotos von Ines Wirth.

Jivamukti Spiritual Warrior

58. Heraufschauender Hund - einatmen

60 Minuten Zeit, eine feste Abfolge von Übungen, rhythmisches Atmen und Bewegungen, die den Körper stärken und in alle Richtungen mobilisieren – das ist die Spiritual-Warrior-Klasse aus dem Jivamukti-Yoga. In diesem Artikel zeigen wir die komplette Abfolge mit Bildern zu allen Asanas der Signature Jivamukti-Stunde – vorgemacht von Jivamukti Advanced Lehrer und Ausbilder Moritz Ulrich.

Bilder: Christian Böhm

Beginn der Stunde Warm-up – Aufwärmen

11: Chanting OM, OM, OM, Shanti, Shanti, Shanti, Hari Om

Surya Namaskar Ashtanga A – Sonnengruß – 3 Runden

Jivamukti A, eine Runde auf beiden Seiten

Stehende Haltungen

Balance

Rück- und Vorbeugen

Salamba Sarvangasana Sequenz – Schulterstand Abfolge

Salamba Shirshasana Sequenz – Kopfstand

Meditation und Savasana

86: Chanting: OM, OM, OM, Shanti, Shanti, Shanti, Hari OM


MORITZ ULRICH betreibt die Jivamukti Yoga School „Peace Yoga Berlin“. Er ist Arzt, Ausbilder der Jivamukti Yoga Teacher Trainings und unterrichtet neben Asanas auch Sanskrit und Anatomie für Yogalehrende. Tipp: Auf dem Digital Channel und der App gibt es den Spiritual Warrior in acht Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Norwegisch, Russisch, Japanisch: digital.jivamuktiyoga.com

Moritz Ulrich bei uns im YogaWorld Podcast:

Stress als Vata-Störung – Interview mit Ayurveda-Experte Remo Rittiner

Die Grundkonstitution eines Menschen wird in der indischen Weisheits- und Gesundheitslehre Ayurveda durch die drei Doshas beschrieben: das luftige Vata, das feurige Pitta und das erdige Kapha. Besonders Vata steht in Zusammenhang mit dem Stress-Phänomen. Darüber hat die Gesundheits-Expertin Mag. Christina Kiehas mit dem Schweizer Ayurveda und Yogatherapie-Spezialisten Remo Rittiner gesprochen.

Text: Christina Kiehas

Vielleicht hast du schon von den Doshas gehört und davon, dass es im Ayurveda vor allem darum geht, diese im Gleichgewicht zu halten. „Ayur“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Leben. Im Ayurveda – dem Wissen vom Leben – geht es darum, gesund zu bleiben, und zwar auf allen Ebenen, die das Menschsein umfasst. Die Grundlage für die individuelle Heilbehandlung im Ayurveda stellen die sogenannten Doshas dar. Sie kennzeichnen etwa die körperliche, geistige und seelische Beschaffenheit eines Menschen. Man kann auch sagen, dass sie auf eine Art unseren Charakter formen.

Die Doshas und ihre entsprechenden Elemente

Der Mensch wird in der ayurvedischen Lehre als Mikrokosmos der Welt betrachtet. Alle Elemente des Makrokosmos (der Welt) finden sich auch im Mikrokosmos Mensch, so zum Beispiel in seinen fünf Sinnen: Hören (Raum), Sehen (Feuer), Riechen (Erde), Fühlen (Luft) und Schmecken (Wasser). In jedem von uns sind diese Elemente unterschiedlich ausgeprägt, und so ist jeder von uns auch mit ganz individuellen Stärken und Schwächen gesegnet. Die Grundkonstitution eines Menschen wird im Ayurveda über die Doshas beschrieben. Man spricht von Vata, Pitta und Kapha. Die Doshas wiederum setzen sich aus den genannten fünf Elementen zusammen.

Das Typen-ABC

VATA besteht aus den Elementen Luft und Raum und gilt als Lebensenergie. In unserem Körper reguliert es alle Aktivitäten. So ist es verantwortlich für die Atmung, das Nervensystem und die Bewegung. Ist Vata im Gleichgewicht, sorgt es für Flexibilität, Kreativität und Leichtigkeit. Ist es im Ungleichgewicht, kann es Nervosität hervorrufen, Schlaflosigkeit oder Blähungen.

PITTA besteht aus den Elementen Feuer und Wasser und gilt als Energie der Erhitzung. In unserem Körper reguliert es alle biochemischen Vorgänge, ist verantwortlich für den Stoffwechsel und die Verdauung. Ist Pitta im Gleichgewicht, sorgt es für Aufnahmebereitschaft, Verständnis und Lernfähigkeit. Ist es im Ungleichgewicht, kann es Wut hervorrufen, Verdauungsstörungen oder Entzündungen.

KAPHA besteht aus den Elementen Wasser und Erde und gilt als formende Energie. In unserem Körper reguliert es den Aufbau der Körperstrukturen und ist verantwortlich für Gelenkigkeit und Stabilität. Ist Kapha im Gleichgewicht, sorgt es für Ruhe und Liebe. Ist es im Ungleichgewicht, kann es Gier, Erkältungen oder Fettleibigkeit hervorrufen.

Bei den meisten Menschen dominieren ein oder zwei dieser Doshas. Im Idealfall befinden sich diese Doshas im Gleichgewicht, dann fühlen wir uns ausgeglichen, sind gesund und freudvoll. Gerät allerdings ein Dosha ins Übermaß, so führt dies zu einer Imbalance im gesamten Organismus. Vor allem Stress kann die Doshas aus dem Gleichgewicht bringen. Davon betroffen sind vor allem Vata und Pitta. Meist geht uns irgendwann das Feuer aus, dennoch bleiben wir in Bewegung, so manifestiert sich Stress oftmals über den Bewegungsapparat.

Erfahre hier, wie du mit Ayurveda deine Resilienz gegenüber Ängsten und Stress stärken kannst.

Ich habe mich mit dem erfahrenen Ayur Yogatherapie-Experten Remo Rittiner unterhalten und ihn gebeten, uns etwas genauer über diese Vata-Störung zu informieren. Wir gehen dabei auch auf die Wirkweisen des Yoga ein, das eine sehr enge Beziehung zum Ayurveda pflegt. Du erfährst, warum Yoga einen so wunderbaren Ansatz bei Stress gewährt und bekommst auch ganz konkrete Übungen, die einen Vata-Überschuss balancieren.

Remo Rittiner im Interview

Christina: Remo, du bist AyurYoga-Therapie Experte. Das Wort „Ayur“ unterstreicht bereits die Bedeutung des Ayurveda in dieser Form des Yoga, das du bereits seit 25 Jahren prägst. Aus dieser Erfahrung heraus beschreibst du Stress als Vata-Störung. Kannst du dies für uns näher erläutern?

Remo: Unruhe und Kreisen der Gedanken reizen den Sympathikus – er wird überstimuliert, wohingegen der Parasympathikus unterdrückt wird. Diese sogenannte Wind-(Vata-)störung führt dazu, dass sehr viel Energie verbraucht wird. Man kommt in die Müdigkeit, in die Erschöpfung, leidet unter Konzentrationsschwäche. Sie führt zu sehr viel Anspannung im Körper. Rückenschmerzen, aber auch Schlafprobleme sind typisch für Vata-Störungen.

Hier sind 10 Tipps, wie du mit Ayurveda deine Schlafqualität verbessern kannst.

Man kommt also aus dem Rhythmus, da man sich in einer Überfunktion befindet: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck ist erhöht – das ganze System ist hochgefahren. Man könnte aus ayurvedischer Sicht sagen, jetzt ist man durch den Wind. Gekennzeichnet ist dieser Zustand durch übersteigertes Denken, viele Emotionen, denen man immer wieder nachgeht. Darüber geht auch die Erdung verloren, man ist dann in einem abgehobenen Zustand. Letztlich landen Betroffene oft jäh. Darum ist es wichtig, sich gut zu erden, sich im Körper zu verankern, und gleichzeitig Ruhe zu finden wie auch Entspannung. Das fehlt vielen, gerade in der jetzigen Zeit. Viele Menschen sind nicht mehr geerdet, sind sehr bewegt von Meinungen und Meldungen, Emotionen, Gedanken, Konzepten – sehr unruhig im Geist. Sie sind quasi nicht bei sich. Fehlende Ruhe und mangelnde Erdung sind eine schlechte Kombination. Und man muss sich vorstellen: 80 % aller Krankheiten sind Luft- also Vata-Störungen.

Tiefenentspannung ist für die Vata-Balance sehr wichtig

Remo Rittiner

Christina: Wie kann ich mir im Falle einer Vata-Störung mit Yoga helfen?

Remo: Entscheidend ist: Wie atmest du, wie bewegst du dich? Schnell? Dann wirst du dein Vata nicht beruhigen. Sehr unrhythmisch? Auch dann wirst du dein Vata nicht ausgleichen. Ist es ehrgeizig? Auch dann findest du keinen Ausgleich. Vata braucht vor allem langsame, ruhige Bewegungen und es braucht Rhythmus, den im Idealfall der tiefe Atem gibt. Es braucht auch Entspannung, wie etwa Shavasana, Meditation, Atemtechniken. Tiefenentspannung ist für die Vata-Balance sehr wichtig. Wenn es uns also gelingt, das Nervensystem mit den Yoga-Techniken zu balancieren, dann ist auch die Gesundheit im Lot. Denn dann aktivieren wir den Vagus-Nerv und Ruhe kann einkehren. Ich selbst habe dazu ein YouTube-Video aufgenommen, das Fokus und Ruhe vereint.

Auf diese Weise kann sich der zerstreute Geist des Vata-Typs – dieser Typus hat ja immer sehr viele Ideen, ist sehr kreativ – zentrieren. Vata-Menschen fehlt manchmal der Fokus, wenn sie nicht in Balance sind, deshalb ist neben Ruhe auch Fokus zentral. Ruhe, Rhythmus, Erdung, Fokus und Struktur unterstützen das vegetative Nervensystem und somit die Vata-Balance und Resilienz.

3 Übungen, um aufgewühltes Vata zu beruhigen

Christina: Remo, du hast bereits dein Video erwähnt, das sich sicher gut als Ansatz eignet. Hast du eine konkrete Übung, die du unseren Leser*innen ans Herz legen kannst, um das Vata-Dosha zu beruhigen? Eine Übung, die bei dir gut wirkt, wenn Vata aus der Balance kommt.

Remo: Für mich ist es am besten, mich hinzulegen und mich ganz aufs Fallenlassen zu konzentrieren. Dann spüre ich zum Kontakt mit dem Boden hin – von den Fersen bis zum Kopf. Damit komme ich im Körper und in der Erdung an. Gleichzeitig geht es darum, nichts zu tun – nicht zu denken, nichts zu machen, also wirklich in die Ruhe zu kommen. In diesem Fall ist es Shavasana ohne Affirmation oder Mantra, es ist einfach ein Fallenlassen und die Ruhe in sich finden. Das ist für mich eine sehr gute Übung, um Vata sofort zu beruhigen.

Shavasana
Foto von fizkes via Canva

Ein etwas aktiveres Beispiel ist die Bauchatmung, wo ich ganz bewusst den Ausatem verlängere. Wenn man das Atmen mit Zählen kombiniert, kommt man auch gut in einen Rhythmus. Dazu kann man auch die Hände auf dem Bauch auflegen, um sich und die Atmung besser zu spüren.

Was auch sehr wichtig ist und ich empfehlen kann, ist, sich einen Moment hinzusetzen, ruhig zu werden und zu schauen, was will ich wirklich? Diese Übung kann man gut in den Alltag einbauen. Da sprechen wir wieder die Bedürfnisse des Ruhigwerdens und des Spürens an: Was brauche ich jetzt? – darum geht es.

Also: Entspannung, Atmung oder das in die bedürfnisorientierte Ruhe gehen, das sind drei Top-Übungen für mich, die ich auch selbst praktiziere, vor allem wenn ich merke, jetzt war ich nicht so in meiner Balance, jetzt bin ich zu stark ins Pitta gegangen oder ich war nicht fokussiert. Diese Übungen bringen mich wieder in die Mitte.

Warum Yoga ein Wundermittel gegen Stress ist

Christina: Aus deinen Ausführungen geht ganz klar hervor, Yoga bietet einen idealen Ansatzpunkt hinsichtlich Stressbewältigung und Stressmanagement. Warum wirkt Yoga in diesem Fall so gut?

Remo: Das wichtigste ist eigentlich die Atmung – das ist die eine Seite. Denn mit der Atmung können wir wirklich sofort das Nervensystem beeinflussen – willentlich! Wir können sie steuern. Indem wir den Atem sanft und langsam führen, verändern wir sofort die Gefühle, die Gedanken, aber auch den Muskeltonus und die Verdauung. Sicher, man kann sich auch mit Yoga stressen – im Druck, der Anspannung verhaftet bleiben, wenn du zum Beispiel zu fest presst, etwa bei der Ujjayi-Atmung. Wirklich fließen lassen – das ist elementar.

Und das zweite: Durch die Bewegung, durch die Asanas kommt man ins Lösen: Anspannung, gestaute Energie, Muskelverspannungen, blockierte Atmung, wodurch Druck im Herzbereich entsteht, all das darf sich im Körper lösen. Durch die Asanas kommt man auch ins Spüren, man kommt in Kontakt. Man steigt quasi vom Kopf aus und in den Körper ein – das sich wieder Wahrnehmen wird geschult. Das hilft enorm, beispielsweise in die Erdung zu kommen, zu entspannen, präsent zu sein, in der Achtsamkeit und dabei im Jetzt anzukommen.

Hier geht’s zu einer schönen Mini-Yogapraxis für Ruhe und Erdung.

Yoga ist sanft, meditativ, achtsam und nicht auf Leistung ausgerichtet, es unterstützt das In-Kontakt-Kommen und -Sein mit sich selbst. Die „glückliche Anstrengung“ ist sehr wichtig, denn sehr ehrgeiziges Yoga, quasi Yoga als Gymnastik oder Work-out, kann Stress sogar noch verstärken. Wenn man Krankheiten hat oder Störungen, kann es sogar das Ungleichgewicht verstärken. Wir sollten darauf schauen, das Maß beim Yoga zu finden, das uns in die Mitte bringt. Ein Mensch, der es ein bisschen feuriger braucht, steigt aus, wenn es zu sanft ist. Wichtig ist also zu schauen, welches Yoga passt heute am besten – das ist der Hauptsatz von Krishnamacharya:

„Finde das Yoga, das jetzt für dich passt.“

– Krishnamacharya

Das, was du gestern gemacht hast, muss heute nicht stimmig sein. Schaue: Wie ist das Wetter heute, wie geht es deinem Körper, merkst du etwas in deinen Gelenken, wo hast du Verspannungen – dann wähle Übungen und Techniken, die dich genau da abholen und dich da hinbringen, wo du hinwillst, nämlich in die Balance. Bei Yoga bedeutet das von der Dysbalance in die Balance zu kommen: zu viel Denken, zu schnelles Atmen, zu viel Bewegung im Geist bedeutet Imbalance. Um in die Balance zu kommen, geht es also um weniger.

Yoga hat auch psychisch – durch die Entspannung und Meditation – die absolute Topwirkung. Yoga bringt den Geist zur Ruhe, das ist eigentlich der Schlüssel: Je ruhiger dein Geist ist, desto entspannter bist du. Ein leerer Geist kennt keine Sorgen. Ein entspanntes Herz ist zufrieden, ist glücklich. Ein angespanntes Herz, das unter Druck ist, beschreiben die Thailänder als ein „heißes Herz“, als jemanden, der heißblütig ist. Im Herzen, dem Sitz der Gefühle sind dann Gefühle wie Zorn stark, auch Ärger und Wut, und das schlägt sich letztlich auf den Bauch, die Galle, die Leber und es wird eng ums Herz. Yoga bringt uns aus der Enge wieder in den Raum – Raum in den Gelenken, in der Atmung und vor allem im Geist.

Die Weisen wie Buddha oder Patanjali sagen auch, es bringt uns aus dem Leiden. Es gibt keine Methode, die ich kennengelernt habe, die so ganzheitlich ist wie Yoga, weil es eben alles aus der Enge führt. Auf der Körperebene etwa gelangt man zu mehr Raum in der Dehnung, im Gelenk zu mehr Beweglichkeit. Auf der Ebene der Atmung, zeigt sich der Raum für das langsame Verlängern der Atmung. „Ayama“ (Pranayama; Prana und ayama) heißt ja verlängern. Wenn man Yoga regelmäßig praktiziert, bleibt man einfach beweglicher, gesünder und geistig fit.


Christina Kiehas Remo Rittiner

Mag. CHRISTINA KIEHAS ist mehrfach zertifizierte Yogalehrerin, spezialisiert auf Gesundheitsyoga & Ayur Yogatherapie wie auch Ausbildungsleiterin bei der Yoga Akademie Austria. „Yoga ist mein Lebensweg, Patanjali ist mein Lehrmeister, Meditation ist mein Ort der Ruhe, Anatomie ist mein Lernfeld, ferne Länder sind meine Passion, Musik ist mein Tanzfeld, Natur mein Kraftraum.“ Mehr zu Christina unter www.yogena.at.

REMO RITTINER ist mehrfacher Buchautor und einer der führenden Experten für Yogatherapie. Er ist der Gründer von Ayur Yogatherapie. Diese verbindet Yoga mit Ayurveda, westlicher Anatomie und Psychosomatik zu einem ganzheitlichen Konzept. Mehr zu Remo unter www.ayuryoga.ch.


Titelbild: Anthony Tran via Unsplash.


Du möchtest noch mehr über Ayurveda erfahren? Höre dir gerne unser Podcast-Interview mit Dr. Annette Müller-Leisgang an:

#37 Sozialarbeit durch Yoga

Cornelia Brammen über die gesellschaftliche Relevanz von „Yoga für alle“ 

Heute geht’s im YogaWorld Podcast um Sozialarbeit durch Yoga. Was bedeutet das? Die vielfältigen positiven Wirkungen von Yoga auf unser Leben gelten mittlerweile als erwiesen. Yoga hilft unter anderem gegen Stress, Schmerzen und Müdigkeit. Yoga kann ganz einfach zu unserem Wohlbefinden beitragen, aber auch ganz konkret in Krisen oder anderen schwierigen Lebensumständen ein Anker sein. Oft wird Yoga sogar therapiebegleitend eingesetzt. Jedoch hat nicht jeder Mensch ohne weiteres Zugang zur Yogapraxis und zum Yogawissen. Und genau hier setzt soziales Yoga an. Kundalini-Yogalehrerin Cornelia Brammen, hat 2014 den Verein „Yoga für alle e.V.“ ins Leben gerufen und widmet sich seitdem leidenschaftlich der Aufgabe Yoga zu denjenigen zu bringen, denen der Zugang aus eigener Kraft nicht möglich oder erschwert ist. 

Im Interview mit Susanne erzählt Conny von dem Programm „Yogahilft“ und beschreibt dabei die verschiedenen Bereiche, wie Kinderyoga in Brennpunktschulen, Seniorenyoga bei Altersarmut oder Yoga im Strafvollzug. Anhand von konkreten Beispielen arbeitet Conny den Unterschied zwischen sozialem Yoga und Lifestyle Yoga heraus und teilt Geschichten, wie sie und ihr Team mit unermüdlichem Einsatz das Motto „Yoga für alle“ in die Tat umsetzen. Telefonyoga ist nur eine von vielen kreativen Ideen, die so entstehen durften. Zudem erklärt Conny, warum Yoga immer mehr gesellschaftliche Relevanz erhält. Dann verrät sie, wie sich ihr Blick auf Yoga durch die Verknüpfung mit sozialer Arbeit verändert hat und welche Zukunftsvision sie antreibt.

Hier geht’s zur Website von Yogahilft: https://www.yogahilft.com