Chi horsing: Wie Pferde deine Emotionen spiegeln

Chi Horsing Pferde Yoga

Was haben Pferde mit Yoga gemeinsam? Mehr, als wir vielleicht vermuten, denn Tiere können uns spiegeln, unsere Emotionen spüren und wahre Lehrmeister sein. Alexandra König hat vor 12 Jahren die Saliho School gegründet, in der die Teilnehmer lernen können, wie Pferde wirklich kommunizieren und welche Energien dabei eine Rolle spielen.

Im Interview mit unserer Redakteurin Jenny Hansen erklärt sie uns, was dahinter steckt …

Liebe Alexandra, ich bin noch immer ganz überwältigt von diesem Kraftort, den du hier im Chiemgau für Pferde und Menschen erschaffen hast. Als ich eben ankam und die Energie dieser wunderschönen Tiere spürte, fühlte ich mich sofort geerdet und  beflügelt zugleich. Fast wie in einer Meditation … die erste Frage vorab: Was bedeutet chi horsing bzw. was ist der Kern deiner Arbeit?

Eine gute Freundin, die mich mehrere Jahre in meiner Forschungsarbeit mit den Pferden begleitet hatte, brachte es eines Tages auf den Punkt. Sie meinte, „Es fällt dir so leicht Glaubenssätze, die dir und einer friedlichen Begegnung mit Pferden nicht dienen, einfach loszulassen, um alles, was das Pferd aufleuchten lässt, in einem wunderbaren Dialog in Bewegung mit dem Pferd kommunizieren zu können. Das ist wie ein in Materie gegossenes Herumspielen mit Energie.“ Aus dieser Aussage ging dann später auch das Wortspiel „chi horsing“ hervor. Dieser Name steht eher dafür, wie ich mit Pferden bin, aber auch für die Art der Begegnung, für die ich Lernkonzepte für Interessenten entwickelt habe, in denen sie sich selbst ebenfalls ganz in ihrem Tempo auf solch einen spielerischen Weg mit ihren Pferden als Beziehungscoach einlassen können. Wenn uns das gelingt, können wir unsere Lebensweise enorm verbessern. 

Das klingt interessant. Was ist denn deiner Meinung nach das Hauptproblem in der Kommunikation zwischen Pferden und Menschen?

Eines der Hauptprobleme von Pferden ist heutzutage, dass sie kaum noch eine Chance haben, sich dem Menschen in ihrer Sprache mit ihren natürlichen Interessen mitzuteilen. Wir Menschen haben so viele verschiedene Methoden des Pferdeumgangs entwickelt, die sich im Kern alle darum drehen, dem Pferd psychisch wie körperlich Räume wegzunehmen und sie so an den Menschen zu binden. Das kann zum Beispiel durch einen Roundpen geschehen oder mit anderen Hilfsmitteln. 

Pferdefreunde wissen aber meist nichts über die Folgen von solchen Herangehensweisen. Weder, welche Folgen es für das Pferd hat, noch für sie selbst und ihre eigene Entwicklung. Die Aufklärung über diese Dinge ist heute der Mittelpunkt meiner Arbeit. Immer mehr Menschen entwickeln ein Bewusstsein für diese Missstände und viele von ihnen suchen mich auf, weil sie  den Wunsch haben, das Pferd wie einen Freund zu verstehen und ihm auf Augenhöhe zu begegnen. Nach Jahrhunderten der Unterwerfung und Konditionierung dieser wunderbaren Tiere, kommen immer mehr Menschen zu der Einsicht, dass sie so wie bisher – mit dem Hauptaugenmerk auf eine Gymnastizierung zum besseren „Gebrauch“ des Pferdes – nicht mehr weitermachen möchten. 

Die Sensationslust, ein Pferd auf zwei Beinen zu sehen, sitzend oder liegend neben dem Menschen, mit Planen abgedeckt vor hunderten Zuschauern, nur um zu beweisen, dass einem das Tier vertraut und nichts mehr fürchtet, egal wie laut und unruhig es außen herum ist, hat sich als beliebtes und erstrebenswertes Ideal etabliert.

Alexandra König

Doch die Konditionierung in den Köpfen der Menschen, bezüglich dessen, wie man mit Pferden arbeitet und umgeht, sitzt oft sehr tief. Und auch die Prägung der Pferde durch die angewandten Methoden ist oft kaum noch aus Pferden herauszubekommen, wenn sie sich bereits viele Jahre einem Menschen mit bestimmten Konditionierungen im Umgang untergeordnet haben. 

Die Pferde zeigen – so wie heute auch zahlreiche Menschen –, dass sie müde und abgestumpft geworden sind. Zum Teil apathisch, depressiv oder wie programmierte Maschinen tanzend neben ihrem Menschen, der sie in endlosen Wiederholungen zu einer frei beweglichen Marionette gemacht hat. Die Sensationslust, ein Pferd auf zwei Beinen zu sehen, sitzend oder liegend neben dem Menschen, mit Planen abgedeckt vor hunderten Zuschauern, nur um zu beweisen, dass einem das Tier vertraut und nichts mehr fürchtet, egal wie laut und unruhig es außen herum ist, hat sich als beliebtes und erstrebenswertes Ideal etabliert. Dass es sich dabei aber weder um echte Verbundenheit, noch um eine authentische Beziehung handelt, ist für die meisten Pferdemenschen mittlerweile nicht mehr erkennbar. Viele von ihnen haben verlernt, das Wesen Pferd überhaupt noch in seiner Natur wahrzunehmen und wissen überhaupt nicht, wie sie einen echten, empathischen Dialog mit ihm finden können. 

Einige Menschen spüren aber Gott sei Dank langsam wieder den Wunsch nach echter Nähe und einer authentischen Beziehung zum Pferd, die auf natürlicher Freiwilligkeit beruht – ohne den Versuch, das Pferd durch Dressur an sich zu binden. 

Um Interessenten in diesem Wirr-Warr an unterschiedlichen Techniken und Methoden im  Pferdeumgang einen Leitfaden an die Hand zu geben, habe ich in über 30-stündigen Online-Seminaren eine Struktur zur Bewusstwerdung für die Menschen entwickelt, die sich der Natur eines Pferdes und ihrer eigenen Natur wieder annähern möchten.

Das ist wirklich spannend, vor allem für mich als Pferdemenschin. Welche Parallelen gibt es denn zur Yoga-Philosophie?

Alexandra und Soberano am Reitplatz: Beziehungsarbeit

Ich bin zwar kein Yoga Spezialist, aber Yoga dient ja dazu, Körper und Geist zu reinigen, damit wir die ursprünglich bestehende Einheit unseres göttlichen Wesens wieder bewusst erfahren können. Das Bewusstsein über den Atem, den feinstofflichen Körper, die Bewegungen, unsere Konzentrationsfähigkeit, die Übung der Beständigkeit und letztendlich das Spüren einer gewissen Befreiung, das sind viele Gemeinsamkeiten zu chi horsing. 

Mit derselben Langsamkeit, mit der wir uns im Yoga bestimmten Dehnungshaltungen und Positionen annähern, begegnen wir in chi horsing auch dem Pferd. Es ist ein behutsamer Prozess, der sehr viel Achtsamkeit erfordert. Wir befassen uns erst mit der Pferdepsyche, der Pferdesprache und unserem eigenen Bewusstsein für unsere Körpersprache, bevor wir zum Pferd gehen. Denn ein Pferd geht schon ins Gespräch, wenn wir nur in seine Sichtweite kommen. Das Pferd wird dabei nicht zum Üben benutzt, damit wir uns unsere Wünsche erfüllen können, sondern wir erarbeiten uns eine Beziehung, in der das Pferd permanent in seinen Aussagen respektiert und geachtet wird. Das Pferd repräsentiert dabei den Körper, an dem wir im Yoga arbeiten. Es steht für den sich bewegenden, bewegten Körper, der dem Wunsch des menschlichen Geistes ein Feedback gibt. Er vermittelt uns permanent Botschaften, wie zum Beispiel: „Nein, diese Haltung oder Position kannst du noch gar nicht von mir verlangen, weil wir noch nicht stabil auf den Füßen stehen.“ Oder: „Ja, das können wir bereits miteinander erfahren, weil du mir deinen Wunsch in einer für mich verständlichen Weise konzentriert, friedlich und entspannt vermitteln kannst, ohne Druck auf mich auszuüben“. Es ist ein langsamer Weg, der uns durch das Aufzeigen der Reaktionen des Pferdes auf unsere innere Haltung und Kommunikation, immer mehr Bewusstsein über unser gesamtes Verhalten und dessen Wirkung in der feinstofflichen Welt vermittelt.  

Das stimmt, Pferde haben wirklich eine ganz besondere Aura. Was können wir denn von ihnen lernen?

Pferde haben mir mit chi horsing zwei Seiten von sich offenbart. Eine sehr kindliche und instinktive Seite und eine Seite, die über eine Verbindung zur göttlichen Weisheit verfügt. Im Zusammensein mit ihnen können wir die Quelle von lebensbejahenden Lebensweisen erfahren.  Dies ist aber nicht so einfach. Das Pferd zeigt uns dies nur, wenn wir ihm das bereits richtige Angebot in der Verständigung machen, dass es in sich wachsen lässt und seiner Ganz-Werdung dient. Ganz-Werdung im Sinne von mental, psychisch und physisch stark zu werden, um einen hohen Rang in seiner Gruppe zu erhalten und dadurch Stabilität, Sicherheit und Wohlsein zu erfahren. Die universellen Gesetze besagen auch, dass wenn wir uns etwas wünschen oder erreichen möchten, dann müssen wir es in uns bereits fühlen können, so tun als wäre es schon da. Auf meiner Entdeckungsreise zu chi horsing habe ich mit dem Pferd genau diese Parallele entdeckt, die uns dieses kosmische Naturgesetz sichtbarer macht. Es scheint kompliziert, aber so wie ich das sehe, einmal gespürt und verstanden habe, eröffnet mir das Pferd eine Anleitung für die materielle Umsetzung im Alltag, für das Spiel mit der Energie zum Tor des Himmelreichs. Wer aber vorher dem Pferd seine Wünsche mit dem Fokus auf Figuren oder Funktionalität aufdrückt, wird diese Offenbarung von seinem Pferd niemals erfahren können. Dieses Wissen von Pferden zu erhalten, ist für mich wie einen verborgenen Schatz in den Tiefen der Weltmeere zu finden. 

Das ist eine sehr schöne Metapher, ich bin ganz berührt. Wie genau kommunizierst du mit den Pferden? 

Das ist wahrlich eine sehr feine und konzentrierte Geschichte. Dazu ein Beispiel aus meiner täglichen Erfahrung im Zusammenleben mit Pferden. Wenn ich mir vornehme, zu einem Pferd auf die Weide zu gehen, dann beobachte ich davor die ganze Pferdegruppe, in der es steht, bevor ich mich ihm annähere. Bin ich etwa im Haus, dann denke ich vorher an das Pferd, zu dem ich gehen möchte. In Gedanken stelle ich mir bereits vor, wie ich seine Koppel betrete und es begrüße. Ist das Pferd bereits mit mir in einer Beziehung, dauert es ca. 2 Minuten bis es diese Intention spürt und schon am Zaun steht und auf die Eingangstüre meines Hauses starrt. Es erwartet mich bereits. Wenn es mich erblickt, beginnt bereits die Vermittlung meiner Absicht davon, was ich gleich mit ihm tun möchte. Nun ist es bei meiner eigenen Pferdefamilie von 11 Pferden eine große Herausforderung, das entsprechende Pferd geistig anzutreffen, ohne dass es gleich drei andere Tiere aus der Familie mitbekommen. Denn sie erzählen es sozusagen sofort weiter, dass Frauchen gleich kommt und etwas vorhat. Wenn sich also einer freut, weil er weiß, ich komme gleich, dann spürt der Freund das auch und freut sich gleich mit. Wenn ich für mein Vorhaben dann aber nur ein Pferd herausholen möchte, dann muss ich beim ersten Sichtkontakt zu den restlichen Pferden, die mich sehen sofort einen geistigen Satz senden, wie „Nein, ich hole nur Finn“. Das ist mein Friese. Ich stelle mir dabei Finn vor, damit sie fühlen, dass sie nicht gemeint sind. Das ist die erste Übung. 

Alexandra und Minnipony Chantalle und Friese Finn im Garten

Du siehst einen Schimmel und redest mit ihm, aber stellst dir einen schwarzen Friesen vor, weil du den gleich haben willst. Dann kann zwar sein, dass der Schimmel dich noch weiter beobachtet, aber wenn ich stark genug bin und den schwarzen Friesen nebenbei fokussiere, dann geht dieser so kraftvoll zum Ausgang, dass der Schimmel zusätzlich merkt, dass er nicht gemeint ist. Und so geht das dann im Detail weiter. Die geistige Absicht, begleitet von dem Bild des Wunsches in der Zukunft (z.B. Hufe schneiden des schwarzen Pferdes und wie er ruhig am Platz steht), dieses Bild wird in meinem Kopf mit 50 Prozent Energie befeuert, während mein Körper und die restlichen 50 Prozent Energie das schwarze Pferd aus dem Auslauf holen, mit jeder Bewegung die es zum Kommunizieren in der Körpersprache braucht. Sollten doch noch andere Pferde am Ausgang stehen, zeigt sich für alle Pferde mit welchem Ton und wie friedlich ich ein Pferd aus der Gruppe nehme, oder grob und chaotisch handle. Solche Momente veranlassen alle Pferde dazu, mir zukünftig selbstverständlich zu vertrauen oder mich eher zu meiden. Das klingt ziemlich anspruchsvoll und das ist es auch. Es ist wie eine vielschichtige geistige und körperliche Disziplin. Ein Rennfahrer, der mit 300 km/h auf einer Rennstrecke mit Konkurrenten neben sich unterwegs ist und ohne Behinderungen ans Ziel gelangen möchte, muss sich auf alles am Rande, hinter und vor sich konzentrieren, damit er so glatt wie möglich ans Ziel kommt. Und so ähnlich ist meine Kommunikation mit Pferden. Am besten bin ich dabei immer nur mit der minimalsten Anspannung, aber höchsten und friedlichsten Präsenz aktiv, die die jeweilige Situation erfordert. Ja, ich würde sagen, chi horsing ist für mich die Königsklasse. 

Sehr spannend, denn viele unserer Leser*innen kennen diese Visualisierungsmethode sicherlich aus anderen Bereichen. Für unsere Yogis und Yoginis, die (noch) keinen Kontakt zu Pferden hatten; welche Erkenntnisse lassen sich dennoch aus deiner Arbeit mit den Pferden für jemanden mitnehmen, der keinen Bezug zu diesen Tieren hat?

In den Feedbacks, die ich laufend erhalte, schildern mir die Menschen, dass sie Dank meiner Lehren über die Pferde nun ebenfalls die Ursachen und Wirkungsweisen ihres Denkens und Handelns besser verstehen und diese Erkenntnisse in ihr Leben integrieren können

Alexandra König

Ich habe viele Interessenten, die mich über Suchergebnisse bei Google gefunden haben, und dann meine Online-Seminare studiert haben, um einfach Hilfestellungen für ihr Leben mit anderen Menschen, Kindern oder auch Hunden zu erhalten, um die Beziehung zu der eigenen Körpersprache oder zu den Naturgesetzen besser verstehen zu können. In den Feedbacks, die ich laufend erhalte, schildern mir die Menschen, dass sie Dank meiner Lehren über die Pferde nun ebenfalls die Ursachen und Wirkungsweisen ihres Denkens und Handelns besser verstehen und diese Erkenntnisse in ihr Leben integrieren können. 

Wow, das klingt toll, ich habe eine Gänsehaut … Dein Haus und Garten sehen aus wie ein kleines Himalaya-Refugium, mit bunten Fähnchen, Buddha-Figuren und handgemalten Mandalas … welche Rolle spielen der Buddhismus bzw. Yoga und Meditation in deinem Leben?

Alles hat mich auf den Weg gebracht. Angefangen vom Leid, das ich jahrelang in der Welt erfahren habe, war ich mit 35 Jahren irgendwann an einem Punkt, an dem ich nicht mehr konnte. Der Buddhismus hat mir als erstes geholfen, die Entstehung des Leids zu verstehen. Aber die Entsagung von allem, so wie ich lebte, war mir nicht so schnell möglich. Also begann ich erst das Leben zu erforschen. Ich stieß auf Mantras und heilte meine geistige und seelische Unruhe mit jahrelangem Singen. Zwei Jahre vertiefte ich mich intensiv in die Welt des Kundalini Yoga. Die Meditation half mir, ganz tief in mein Inneres einzutauchen und meinen Geist als einen friedlichen Ort, den ich steuern kann, wahrzunehmen. Durch all das bemerkte ich, dass ich gerne in höheren Schwingungen verweilen möchte, weil es dort so friedlich und leicht ist. Die Pferde konnten mich zwar im Geistigen gut wahrnehmen, aber im Körperlichen, immer weniger greifen, und so begann ich mit Qi Gong. Darin konnte ich die Energie in den Zwischenräumen noch besser erfahren, so wie ich sie für die Kommunikation mit den Pferden brauche und so fand ich meinen ganz eigenen Zugang zu Körper, Geist und Seele. Die Mandalas, die in meinem Haus hängen, sind für mich ein energetischer Ausdruck von Farben, Kraft, Symbolik und Schönheit. Die vielen Götter aus Stein oder die Fähnchen und Flaggen rund um den Hof sind für mich wie ein paradiesisches friedliches Himmelreich. 

Das stimmt, genauso habe ich es auch empfunden. Einen Hof wie diesen zu betreiben, ist ein echter Knochenjob. Woher nimmst du die Energie und Kraft dafür, wenn es dir mal nicht so gut geht?

Die Pferde, die Berge, die unendliche Weite, auf die ich jeden Tag hier in unserer Alleinlage in Bayern blicken darf, erfüllen mich mit solch einer Dankbarkeit, dass es kaum einen Tag gibt, an dem es mir nicht gut geht. Alles, was ich bis hierher geschafft habe, erfüllt mich mit Stolz auf mich selbst und einer großen Selbstliebe und Zufriedenheit. Sollte das also wirklich mal der Fall sein, dann lass ich es an solchen Tagen sehr gemütlich angehen. Entweder ich fahre in die Therme, genieße warmes Wasser, esse das Leckerste, was mir in den Sinn kommt, buche mir eine Massage, tanze zu mindestens einem Lied mit guter Musik, knutsche meine Hunde solange sie es aushalten, schlafe, wenn ich müde bin und schaue mir vielleicht noch einen schönen Film an. Zu den Pferden gehe ich an diesen Tagen nur, wenn ich außer mit ihnen zusammen zu sitzen nichts möchte. Denn das, was sie immer brauchen, permanente Kommunikation, möchte und kann ich an solch einem Tag nicht bieten. Ich richte mir also solche Tage spontan, wenn sie vorkommen, so schön ein, dass ich mich fast schon darauf freue, wenn so ein Tag kommt. Denn das ist wie Urlaub vom Zufriedensein. Ich mache mir dann auch bewusst, wo ich im Körper denn das schlechte Gefühl spüre und meistens decke ich dann die Illusion dahinter auf und kann herzlich über mich selbst lachen. 

Nächstes Jahr im Sommer gibt es ja ein ganz besonderes Retreat bei dir … magst du unseren Leser*innen mal ein bisschen was darüber erzählen?

Alexandra geht im Wald spazieren mit Welsh Pony Charly und Araberstute Stella

Mit diesem Retreat möchte ich die Menschen dazu einladen, wieder mehr ins Spüren zu kommen. In sämtlichen Seminaren suchen die Teilnehmer nach einem geistigen Verständnis aller Zusammenhänge im Verhalten von Pferd und Mensch. Das ist auch wichtig, aber auch sehr kopflastig. In diesem Retreat verbringen wir die meiste Zeit draußen und beobachten die Pferde in ihrem ständigen In-Verbindung-Sein. Damit wir hier vielleicht auch wieder einen Zugang zur Empathie bekommen. Denn in unserer Welt herrscht so viel Leid, dass sich so mancher nicht mehr aus Selbstschutz in andere Wesen hineinfühlen mag. Das viele Aushalten-Müssen ist so ein täglicher Bestandteil unseres Lebens geworden, dass sich der Körper oft unbewusst für uns, von ganz alleine verabschiedet und nicht mehr in der Lage ist, in Verbindung zu gehen. Wir nutzen die Tage im Retreat auch, um unsere Andersartigkeit und Individualität besser akzeptieren zu lernen. Durch gemeinsame Körperübungen entwickeln wir ein Gefühl für die Befindlichkeiten des Anderen, ohne uns selbst dabei zu verlieren und lernen, trotzdem für ihn da zu sein… Wir kochen gemeinsam und machen uns dabei bewusst, dass jeder Körper andere Bedürfnisse hat und lernen eine neutrale innere Haltung zu bewahren während wir die Entscheidungen aller Teilnehmer in Bezug auf ihre Ernährung tolerieren. Darüber hinaus möchten wir die Teilnehmer in gewaltfreier Kommunikation schulen.

Für wen sind die Workshops und Seminare geeignet?

Für jeden, der Interesse an Pferden und der Kommunikation mit Ihnen hat und für Menschen, die sich generell für die geistigen und energetischen Verbindungen zwischen Mensch und Tier interessieren. Dazu gehört auch die Aufklärung über fehlgeleitetes Wunschdenken und wie wichtig es ist, eine gute Erdung und Bodenständigkeit in der Psyche anzustreben. In den praktischen Einheiten üben wir die Körpersprache gegenüber dem Pferd zunächst noch untereinander als Menschen. Dabei erfahren die Teilnehmer ihre inneren Verhaltensmuster und ihre Lebensweise meist ganz von alleine im Spiegel des Anderen. Sie erhalten hierbei auch einmal selbst die Erfahrung, wie sich das Pferd fühlt, um die oftmalige eigene Unklarheit in der Körpersprache nochmal klarer erkennen zu können. 

Wer Lust mitbringt, sich selbst zu erforschen und andere Menschen und Tiere besser verstehen möchte, der wird fasziniert sein von den Seminaren und Workshops, in denen wir dann oft mit den Fortgeschrittenen tiefer in jeweilige Themen eintauchen.  

Die Gänsehaut, die ich spüre, seitdem ich hier bin, wird zur Dauer-Emotion durch deine bewegenden Geschichten … welcher Moment hat dich besonders geprägt? Was war das Schönste, das du je mit Pferden erlebt hast?

Ich durfte einmal für einen Filmdreh mit einer Sondergenehmigung in Island in eine abgelegene 40-köpfige wildlebende Islandpferdeherde hinein gehen. Davon gab es einige, die in Arealen lebten, die Touristen normalerweise nicht betreten dürfen. Einmal im Jahr findet dann für manche Herden ein Herden-Abtrieb statt, wo man besonders schöne Isländer auswählt und zum Verkauf vorbereitet. Der Gedanke war nicht so schön, aber ich freute mich die Gelegenheit zu bekommen, in eine ganz wilde Pferdeherde hineingehen zu dürfen. So konnte ich auch für mich entdecken, ob das die wirkliche natürliche Pferdesprache war, was ich jahrelang meinte gefunden zu haben. Das war eine sehr spannende Reise. Am Berg Kirkjufell, einem 463 Meter hohen Gipfel in West Iceland, kam ich mit einem sechsköpfigen Filmteam nach einem längeren Marsch endlich an. Als uns die Pferde aus ca. 2 km Entfernung wahrnahmen, galoppierten sie sofort weg. 

Das waren zu viele Menschen?

Genau, ich musste das Filmteam erstmal wegschicken. Wir hatten Glück, dass sie auf einem Berg standen und so konnte sich das Filmteam den Berg hinab entfernen, während ich mich alleine bergauf der Herde langsam im Zick-Zack Schritt annäherte. Ich musste jeden Schritt immer mit den Bewegungen der Herde abgleichen. Ihr Einverständnis oder Misstrauen quittierten sie immer mit der Veränderung der Gruppendynamik und ihren unterschiedlichen Positionierungen, die ich aus der Ferne erkennen konnte und an die ich mein Verhalten dementsprechend anpassen musste, um auch für die Gruppe verständlich zu antworten. Ich wanderte ca. eineinhalb Stunden in friedlicher Absicht den Berg zu ihnen hinauf. Ich begab mich auf ein felsiges Stück Boden und legte mich hin, weil ich bemerkte, dass ich ihnen stehend oder sitzend einfach zu gefährlich vorkam. Liegend war ich für sie dann sicherer. Die Gruppe blieb erst auf ca. 100 Meter Abstand und schickte eine Stute zu mir, die mich untersuchen sollte. Gefühlt dauerte es ca. eine Stunde lang. Als sie in meinen Schuh biss und merkte, dass ich nicht zurück biss, sondern stattdessen eine harmonische Melodie summte und keine wilden Bewegungen machte, trauten sich auch langsam weitere fünf bis acht Pferde zu mir. Dann ging alles ganz schnell und ich war innerhalb von 30 Minuten umgeben von vielen neugierigen Isländern, die alle an mir herumzupften und rochen. Ich musste auch mit meinen Händen und einem kleinen Stock, den ich als verlängerten Arm benutzte, kommunizieren und andeuten, wenn mir eines der Pferde zu Nahe kommen wollte, und so hatte ich schnell durch das Beachten ihrer Kommunikationsregeln ihr Vertrauen gewonnen. Als ich aufstand, gab es weitere klärungsbedürftige Dialoge, die für mich so selbstverständlich abliefen, als wäre es immer schon meine Muttersprache gewesen. Diese Isländer waren noch so ursprünglich und hochsensibel, dass es nur kleinste Fingerbewegungen und Atemzüge brauchte, um verstanden zu werden und sich einig zu sein. So verging eh ich mich versah, eine Stunde um die andere.

Ich zog mit der Herde ein Stück am Berg entlang und mit einer kleinen Gruppe, die aus ca. 10 Isländern bestand, machte ich eine Pause an einem Felsen und sie versammelten sich um mich und wir meditierten miteinander. Ich kann kaum beschreiben, welches Gefühl das in mir weckte. Es war eine tiefe Sehnsucht, die plötzlich erfüllt wurde. Ich hatte das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein

Alexandra König

Ich zog mit der Herde ein Stück am Berg entlang und mit einer kleinen Gruppe, die aus ca. 10 Isländern bestand, machte ich eine Pause an einem Felsen und sie versammelten sich um mich und wir meditierten miteinander. Ich kann kaum beschreiben, welches Gefühl das in mir weckte. Es war eine tiefe Sehnsucht, die plötzlich erfüllt wurde. Ich hatte das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein. Ich vergaß sogar, dass zu Hause zwei Hunde, 11 Pferde und liebe Menschen auf mich warteten. Ich wollte nicht mehr weg, nicht ohne diese gefühlte „meine Familie“. Nach neun Stunden, die sich für mich anfühlten wie ein ganzes Leben, gab mir die Filmproduzentin plötzlich ein lautstarkes Zeichen aus der Ferne. Über mein Handy erhielt ich eine SMS. „Alle Akkus leer, Film im Kasten, wir gehen nach Hause, komm zurück, Ende“. An diesem Tag erfuhr ich das schönste und zugleich das schmerzhafteste Gefühl, das ich jemals erlebt hatte. Ich ging zurück Richtung Ausgangspunkt und die Herde begleitete mich wieder bis dorthin, wo wir uns kennengelernt haben, zu exakt dem Felsen unserer ersten körperlichen Begegnung. Ich kniete am Boden und weinte bitterlich. Plötzlich kam mir die Vorstellung, dass diese zarten, unschuldigen Isländer eines Tages vom Berg abgetrieben werden, eingefangen und die schönsten von Ihnen eingeritten und irgendwo in Europa verkauft werden sollten und in unserer lauten Welt ihren Platz einnehmen mussten. Diese Erkenntnis riss mir zeitgleich zu meinem Verlassen-Schmerz gefühlt das Herz heraus. 

Das ist ja eine unglaubliche Geschichte! Danke, dass du dein innerstes Erleben mit uns teilst. Meine letzte Frage: Welches ist dein Lieblingszitat und was möchtest du hier auf dieser Erde hinterlassen?

„Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen.“ Von Marie Curie. Ich möchte für die Menschen die Pferdesprache mit ihren individuellen Botschaften für jeden einzelnen Menschen in die Welt bringen. Für mehr Frieden und Wohlsein für alle. 

Vielen Dank für dieses bereichernde Interview.


Mehr Info unter chi-horsing.com

Forschung: Wie Yoga das Gehirn verändert

Neuere Forschungen belegen: Yoga kann nicht nur Gedächtnis und Konzentration verbessern – es soll sogar Demenzerkrankungen wie Alzheimer entgegenwirken. Auf der Matte den Geist gesund erhalten? Hier erfährst du, was dahinter steckt.

Text: Tasha Eichenseher / Titelbild via Canva

Wer bin ich? Was ist wirklich? Warum bin ich hier? Im Yoga nehmen wir diese Fragen philosophisch. Für Menschen mit Alzheimer und anderen Formen von Demenz können sie erschreckend konkret werden. Zu bemerken, wie die eigenen Erinnerungen schwinden, wie sich das Denken mehr und mehr trübt, sich vorzustellen, dass der Bezug zu geliebten Menschen verloren geht und man sich irgendwann sogar selbst verliert, ist furchtbar. Häufig beginnt Demenz schon Jahrzehnte, bevor sie diagnostiziert wird. Umso naheliegender ist es, schon in jüngeren Jahren etwas für die Gesunderhaltung des Gehirns zu tun. Was das mit Asanas, Meditation, Mantra und Achtsamkeit zu tun hat? Vermutlich eine ganze Menge. Neuere Untersuchungen zeigen nämlich, dass diese Praktiken dazu beitragen können, Gedächtnisverlust vorzubeugen und ernsthaftere kognitive Erkrankungen zumindest hinauszuzögern.

Nach einem 12-wöchigen Yogaprogramm hatte sich das visuelle und verbale Gedächtnis der Studienteilnehmer*innen messbar verbessert.

Seit mehr als einem Jahrzehnt forscht Dr. Helen Lavretsky an der University of California zu diesem Thema. Als Psychiaterin und Professorin leitet sie Langzeitstudien über die Wirkung von Mind-Body-Methoden bei altersbedingter Depression und dem Verlust kognitiver Fähigkeiten. Ihre Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: „Wir konnten mehrfach belegen, dass Methoden wie Meditation, Yoga, Tai-Chi und Qigong helfen, die Stimmung aufzuhellen, die Resilienz zu fördern und die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern,“ berichtet Lavretsky. In einer 2016 publizierten Studie ging es speziell um Yoga. Dabei hat sie den Zustand von Patienten über 55 erforscht, die schon an leichter kognitiver Beeinträchtigung (mild cognitive impairment, MCI) litten und daher ein erhöhtes Risiko hatten, irgendwann an Demenz zu erkranken. Ergebnis: Nach einem 12-wöchigen Yogaprogramm waren sie ausgeglichener und ihr visuelles und verbales Gedächtnis hatte sich messbar verbessert – ein Effekt, der sechs Monate lang anhielt. In bildgebenden Verfahren konnte man sehen, dass insbesondere die Verbindungen im Default-Mode-Network von dem Kurs profitiert hatten. Diese Hirnregionen sind für komplexe Entscheidungen, Bewusstsein und Empathie ausschlaggebend und speichern Erinnerungen ab.

Nach Lavretskys Überzeugung hängen diese positiven Veränderungen im Gehirn vor allem damit zusammen, dass die Testpersonen im Yogakurs ihnen unbekannte Bewegungen einübten: Etwas zu lernen, legt nämlich neue neuronale Pfade an und verbessert so die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu erneuern. Das menschliche Gehirn besteht aus Milliarden von Neuronen, die Trillionen von Verbindungen untereinander bilden. Diese Verbindungen wiederum erzeugen elektrische und chemische Netze, die unsere Erfahrungen formen und es uns ermöglichen zu lernen und uns zu entwickeln. Sobald wir aufhören, immer wieder Dinge zu tun, die diese Verbindungen bilden und stärken, beginnt das Gehirn zu verkümmern und büßt an Plastizität ein. Aber es geht auch anders herum: „Indem wir neue neuronale Pfade anlegen, können wir das Gehirn regenerieren und die kognitiven Kapazitäten verbessern – wir können Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson also gezielt entgegenwirken,“ erklärt Lavretsky.

Dr. Ulrich Ott spricht im Podcast darüber, wie Meditation auf unser Gehirn wirkt.

Was passiert bei Alzheimer?

Auch mit zunehmendem Alter bildet das Gehirn immer noch ständig neue neuronale Verbindungen, doch seine Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt ab – weswegen einem manchmal ein Name nicht auf die Schnelle einfällt oder man unten an der Kellertreppe nicht mehr weiß, was man da überhaupt wollte. Bei Alzheimer-Patienten geschieht dagegen etwas viel Gravierenderes: Gehirnzellen sterben in großer Zahl ab. Schuld daran sind zwei verschiedene Eiweißablagerungen im Gehirn: Ein Peptid namens Beta-Amyloid bildet Plaques zwischen den Neuronen, während man sich die sogenannten Tau-Fibrillen als dicht verworrene Proteinfasern im Inneren von Gehirnzellen vorstellen kann. Die Folge dieser Ablagerungen sind buchstäbliche „Löcher im Kopf“: Der Verlust gesunder Gehirnzellen führt zu Gedächtnis-, Sprach- und Orientierungsverlust und schränkt das Urteilsvermögen ein. Leider werden diese Krankheitsbilder immer häufiger: Nach Berechnungen der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft gab es vergangenes Jahr in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, in den meisten Fällen Alzheimer. Dass die Zahlen mit jedem Jahr steigen, hat zum größten Teil mit der höheren Lebenserwartung zu tun. Es gibt aber auch eine Reihe weiterer Faktoren, die Demenzerkrankungen begünstigen und dazu führen, dass nach einer aktuellen Schätzung mehr als 25 000 deutsche Patient*innen unter 65 Jahre alt sind: Etwa 15 Prozent der Bevölkerung haben ein zwölffach erhöhtes genetisches Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Schuld daran ist ein Protein der genetischen Variante ApoE4.

Dazu kommen Risikofaktoren, die vor allem mit dem Lebensstil zu tun haben: Entzündungsreaktionen, schlechte Ernährung, Insulin-Resistenzen und Giftstoffe wie Schimmelsporen oder Chemikalien. Der Arzt Dr. Dale Bredesen hat mehrere internationale Beststeller zum Thema Alzheimer geschrieben. Er ist überzeugt: „Mit den Plaques und Fibrillen im Gehirn verhält es sich so ähnlich wie mit unbezahlten Rechnungen: Man kann sie eine Weile beiseiteschieben, aber solange man nichts an den Ursachen verändert, werden es einfach immer mehr.“ Genau wie andere Experten hat Bredesen vier Bereiche ausgemacht, die wir selbst aktiv verbessern können und sollten, um länger geistig fit zu bleiben und unser Demenz-Risiko einzuschränken: Stress, Schlaf, geistige und körperliche Bewegung sowie Ernährung.

1. Stress abbauen

Entzündungsreaktionen spielen offenbar eine beträchtliche Rolle beim Schwund von Gehirnzellen – und häufig stehen sie in Zusammenhang mit dem Stresshormon Cortisol. Der Alzheimer-Experte Bredesen ist deswegen überzeugt: „Es ist ganz entscheidend, dass du für ausreichend Ruhe und Entspannung sorgst und dein Nervensystem gut regulieren kannst“ – und dafür sind ganzheitliche Körper-Geist-Praktiken wie Yoga und Meditation prädestiniert. Besonders kritisch sind in diesem Zusammenhang chronische Entzündungsprozesse. Eine 2018 in der Fachzeitschrift Neurobiology of Aging veröffentlichte Studie hat mehr als 12 000 Personen ausfindig gemacht, die im Alter zwischen 40 und 60 erhöhte Entzündungswerte aufwiesen und dann mit zunehmendem Alter auch überdurchschnittliche Probleme mit dem Gedächtnis bekamen. Sehr deutliche Zusammenhänge gibt es auch zwischen akutem Stress (etwa dem Tod eines Angehörigen) und dem Einsetzen von Demenz, erklärt der Psychiater und Autor Dr. Henry Emmons. Er empfiehlt in diesen Fällen die meditativen Praktiken des Yoga, speziell Restorative Yoga, um das Nervensystem aus dem Stressmodus herauszuholen und wieder in die Balance zu bringen.

Beyond Yoga – wir haben für dich 8 Techniken gegen Stress, die keine Atemübungen sind

2. Guter Schlaf

Das Allerwichtigste, was wir für unser Gehirn tun können, ist nach Emmons‘ Ansicht tiefer, erholsamer Schlaf. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Im Tiefschlaf verarbeitet das Gehirn aktuelle Erinnerungen und verlagert sie ins Langzeitgedächtnis. Eine vor einigen Jahren in der Zeitschrift Science veröffentlichte Studie zeigte außerdem einen wichtigen Zusammenhang mit dem Plaques bildenden Beta-Amyloid: „Wenn im Tiefschlaf das Gehirn zur Ruhe kommt, werden die Hirnzellen kleiner. Das schafft Raum für die Kanäle, durch die die verschiedenen Nebenprodukte des Stoffwechsel abfließen können,“ erklärt Emmons. Dazu kommt, dass der Tiefschlaf neueren Forschungen zufolge auch dazu beiträgt, Stresshormone abzubauen und den Glukose-Stoffwechsel zu verbessern, die beide wiederum Entzündungsprozesse begünstigen und so Alzheimer und andere Demenzerkrankungen wahrscheinlicher machen. Dass eine ausgewogene Asana-Praxis während des Tages den nächtlichen Schlaf verbessert, gilt als erwiesen. Emmons rät zusätzlich dazu, mehrfach täglich eine kleine Pause einzulegen und mithilfe von beruhigendem Atem das Nervensystem vom erregten Sympathikus- in den regenerativen Parasympathikus-Modus zu führen.

3. Bewegung

Körperliche Bewegung hat bekanntermaßen eine Fülle positiver Wirkungen auf das Gehirn: Sobald die Herzrate steigt, können Stresshormone besser abgebaut werden. Außerdem hilft sie, die sogenannte Entspannungsreaktion zu verbessern, also die Fähigkeit, sich auch in aufreibenden Situationen wieder zu beruhigen und das parasympathische Nervensystem zu aktivieren. Auf chemischer Ebene verbessert Sport die Insulinsensitivität (laut Bredesen ein bedeutender Risikofaktor für Alzheimer) und unterstützt die Wirkung des Wachstumsfaktors BDNF (brain-derived neurotrophic factor), ein Protein, das bestehende Neuronen schützt und das Wachstum von neuen fördert.

Dass all das für cardiointensive Sportarten wie Jogging, Tennis oder Crosstraining funktioniert, ist gut belegt. Aber auch mit weniger „anstrengenden“ Formen von Yoga kann man ähnliche Effekte erzielen, wie Dr. Helen Lavretsky in ihren Forschungen gezeigt hat: Einmal wöchentlich eine 60-minütige Kundalini-Yogaklasse mit Asanas und Meditation, kombiniert mit einer täglichen, 12-minütigen Kirtan-Kriya-Meditation (siehe unten) verbessert demnach messbar die Konnektivität im Gehirn. Warum ausgerechnet Kundalini-Yoga? Lavretsky ist selbst seit vielen Jahren Kundalini-Lehrerin und sie findet, dass die Praxis mit ihren vielen Übungen im Sitzen für ältere Menschen besonders gut zugänglich ist. Die 65-jährige Sylvia Mendoza ist eine von Lavretskys Studienteilnehmer*innen. Als sie mit dem Kundalini-Programm begann, hatte sie bereits merkliche Schwierigkeiten. Im Gespräch fielen ihr Worte nicht ein und sie verlor den Faden. Die Diagnose: leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) – mit dem Risiko, Stück für Stück in die Demenz abzurutschen. Nach dem 12-wöchigen Kundalini-Programm war Mendoza nach eigenem Empfinden wieder ganz die Alte: „In meinem Kopf kugelten die Gedanken nicht länger wie Murmeln durcheinander,“ erzählt sie, „ich konnte sie wieder ordnen.“ Auch etliche Monate nach Ende der Studie übt sie fleißig weiter: „Ich werde bis an mein Lebensende beim Yoga bleiben. Es gibt mir Zuversicht und Frieden.“

Forschungen zeigen: Regelmäßige Meditation scheint ein ziemlich ideales Work-out fürs Gehirn zu sein.

So viel zu körperlicher Bewegung. Aber wie sieht es mit geistiger aus? Zum einen ist es wie gesagt entscheidend, immer weiter Neues zu lernen. Aber auch eine regelmäßige Meditationspraxis scheint ein ziemlich ideales Work-out fürs Gehirn zu sein So fanden Neurologen der Universität Harvard laut einer 2011 in der Zeitschrift Psychiatry Research veröffentlichten Untersuchung heraus, dass eine tägliche, 30-minütige Meditation schon nach acht Wochen einen ziemlich verblüffenden Effekt hatte: Die Gehirne der 50-jährigen Probanden hatten ähnlich viel Graue Substanz (GS) wie die von 25-Jährigen. Lavretsky hält den klassischen Weg des Yoga dennoch für den vielversprechendsten: nämlich die Kombination von körperlicher und geistiger Bewegung. In einer 2016 erschienenen Studie konnte sie zeigen, dass nicht nur die klassischen Meditationspraktiken wie Vipassana und Zen Konzentration und Gedächtnis verbessern, sondern auch eine meditative, achtsame körperliche Bewegung. Laut Lavretsky war sie sogar effektiver als viele der in der Medizin eingesetzten Tools zum Gedächtnistraining.

4. Ernährung

Gesundes Essen ist ein weiterer wichtiger Schlüssel im Kampf gegen Demenzerkrankungen. In seinen Büchern empfiehlt Dr. Dale Bredesen eine vorwiegend pflanzliche Ernährung mit vielen gesunden Fetten, dafür aber wenig Zucker und Kohlenhydraten. Konkret gesprochen: kräftig gefärbte Gemüsesorten wie Rot- und Grünkohl, die obendrein reich an Ballaststoffen und Antioxidantien sind, Obst mit niedrigem glykämischen Index wie Beeren, Fette aus Nüssen, Saaten und Oliven, außerdem mittelkettige Triglyceride, sogenannte MCT-Fette, wie sie in Kokos- und Palmöl vorkommen.

Nach Bredesen solltest du deinem Körper zwischen Abendessen und dem Frühstück am nächsten Morgen konsequent eine 12- bis 16-stündige Fastenzeit gönnen. Das hilft, den Nüchterninsulinwert zu stabilisieren und reduziert Entzündungsreaktionen – beides wichtige Werte bei der Vorbeugung von Alzheimer. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Rammohan Rao hat Bredesen auch zur ayurvedischen Ernährung geforscht. Ihre Ergebnisse decken sich mit anderen Studien: Die traditionelle indische Gesundheitslehre vom Ausgleich der drei Grundenergien (Doshas) scheint tatsächlich dabei zu helfen, geistige Alterungsprozesse zu verlangsamen. Kernpunkte der typgerechten Ernährungslehre sind dabei auch hier der Schwerpunkt auf Gemüse und gesunden Fetten sowie regelmäßige Fastenkuren. Ayurvedische Gewürze und Heilmittel wie Kurkuma, Ashwagandha, Brahmi und Gotu Kola haben Bredesen zufolge sogar die Fähigkeit, Vergesslichkeit gezielt entgegenzuwirken, die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und Entzündungsreaktionen zu reduzieren.

Kennst du deine Ayurveda-Konstitution? Mach den Test…

Etwas schwieriger ist es, Aussagen über das riesige Angebot an speziellen Nahrungsergänzungsmitteln zu machen. Dr. Henry Emmons empfiehlt seinen Patienten aktivierte B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium-L-Threonat und Antioxidantien wie das Coenzym Q10. Auch für einige pflanzliche Mittel wie Gingko, Vinpocetin und Huperzin A gibt es bezüglich ihrer positiven Effekte auf Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten verlässliche Forschungen. Bei vielen anderen Präparaten ist die wissenschaftliche Lage dünn – vor allem dann, wenn, wie bei vielen Alzheimer-Patienten, verschiedene Faktoren zur Erkrankung beitragen, etwa Insulinresistenz oder Umweltgifte.

Nicht nur das Gehirn, auch die Psyche ist mit der Ernährung verbunden…

Früh anfangen – und am Ball bleiben

Je früher im Leben du beginnst vorzubeugen und aktiv etwas für die Gesundheit von Gehirn und Nerven zu tun, desto besser. Alzheimer entwickelt sich typischerweise in vier Stadien – und gerade in den ersten beiden kann man mit Änderungen im Lebensstil noch sehr viel erreichen. Während der ersten, bis zu zehn Jahre dauernden Phase gibt es keine Symptome, ein MRT des Gehirns zeigt aber schon Abnormalitäten. Im zweiten Stadium beginnt man erste kognitive Veränderungen zu bemerken. Das kann sich über eine weitere Dekade hinziehen. Der dritte Abschnitt ist dann die Diagnose MCI: leichte kognitive Beeinträchtigung. „Die meisten Menschen mit MCI können die Entwicklung noch bremsen oder umkehren, aber nicht alle,“ erklärt Dr. Bredesen. „Die Wahrscheinlichkeit, schon im nächsten Jahr an Alzheimer zu erkranken, beträgt zwischen 5 und 10 Prozent.“

Für Dr. Helen Lavretsky ist die vielleicht wichtigste Lehre aus ihren langjährigen Forschungen diese: „Je eher man lernt, gut mit Stress umzugehen, desto besser wird man in der Lage sein, altersbedingte Erkrankungen hinauszuzögern.“ Yoga ist dafür ihre erste Wahl, doch sie betont: „Vor allem kommt es darauf an, eine Praxis zu finden, die man mag – und dann konsequent am Ball zu bleiben.“

Übung: Kirtan Kriya

Mithilfe dieser 12-minütigen Kundalini-Yoga-Meditation konnten Teilnehmer einer Studie erste kognitive Beeinträchtigungen stoppen und ihre Gedächtnisleistung messbar verbessern.

  1. Richte eine bequeme Sitzhaltung ein, schließe die Augen und lenke deine Aufmerksamkeit auf das dritte Auge. Stimme dich etwa 1 Minute lang auf deinen Atem und das Sitzen ein.
  2. Dann beginnst du Gyan Mudra: Dabei sind die Arme locker gestreckt, die Handrücken ruhen auf den Beinen und die Spitzen von Daumen und Zeigefingern berühren sich sanft:
    • Atme entspannt ein und chante in der Ausatmung den Laut „Saaa“. Er symbolisiert Unendlichkeit, den Kosmos und den Beginn der Zeit.
    • Atme erneut ein, lege die Daumenkuppen an die Mittelfingerkuppen und chante ausatmend „Taaa“. Diese Silbe steht für das Leben, die Existenz.
    • Beim nächsten Atemzug liegen die Daumen an den Ringfingern und du chantest „Naaa“, den Laut für Tod, Veränderung und Transformation.
    • Als letztes legst du die Daumenkuppen an die kleinen Finger und chantest „Maa“: Wiedergeburt.
  3. Wiederhole diesen Ablauf 10 Minuten lang und stelle dir dabei vor, wie die Energie jedes Lauts durch dein Kronen-Chakra (am höchsten Punkt des Scheitels) eindringt und durch das Stirnchakra (drittes Auge) wieder hinausströmt. Dabei wechselst du zwischen unterschiedlichen Lautstärken:
    • Während der ersten 2 Minuten nutzt du eine normal laute Stimme.
    • Dann wechselst du 2 Minuten lang in ein Flüstern.
    • Die nächsten 2 Minuten wiederholst du das Mantra still in deinem Geist.
    • Es folgen noch einmal 2 Minuten im Flüsterton.
    • Zum Schluss intonierst du es noch einmal 2 Minuten mit deiner Stimme.
  4. Löse die Fingerhaltung, sitze noch 1 Minute lang in der Stille und spüre der Übung nach.

Tipp: Am Anfang übst du am besten mit einem Timer.


Über die Autorin Tasha Eichenseher

TASHA EICHENSEHER hat sechs Jahre lang die US-amerikanische Ausgabe des YOGA JOURNAL geleitet. Jetzt tut sie wieder das, was ihr als Wissenschaftsjournalistin am meisten liegt: wichtige Themen rund um Gesundheit, Ökologie und Nachhaltigkeit recherchieren und darüber schreiben.

Der letzte Neumond des Jahres: Dezember-Neumond im Steinbock

Am 23. Dezember 2022 geht der letzte Neumond des Jahres auf. Damit endet das Jahr wie es begonnen hat im Zeichen Steinbock. Warum dieser Neumond so anders ist, liest du unten im Artikel. Überhaupt ist 2022 mit dreizehn Neumonden ein magisches Jahr.

Vollmonde gelten im Allgemeinen als anregend und aufbauend, während Neumonde die Selbstbeobachtung und Ruhe fördern. Wenn du jemand bist, der versucht, seine Zeit zu füllen, anstatt seine Gefühle zu spüren, sind Neumonde wahrscheinlich schwierig für dich. Das Jahr 2022 hat uns dreizehn, statt der üblichen zwölf Neumonde geschenkt, so dass wir in diesem Jahr viele Gelegenheiten haben, um uns mit uns selbst zu beschäftigen.

Plus: Die beiden Sonnenfinsternisse des Jahres finden an Neumond statt! Mit dieser Liste aller Neumonde im Jahr 2022 kannst du die Mondphasen ehren und ein außergewöhnliches Jahr für dich gestalten.


Podcast mit Mond-Expertin Johanna Paungger-Poppe

Altes Wissen, das immer noch aktuell ist. Die Mond-Expertin über den Rhythmus des Mondes …

2. Januar: Neumond im Steinbock (Super-Neumond)

Wir beginnen das Jahr 2022 mit einem Supermond (wenn der Mond der Erde am nächsten kommt). Dies ist eine ausgezeichnete Zeit, um sich praktische Ziele für das Jahr zu setzen. Nutze die Nähe des Supermonds, um dich darauf zu konzentrieren, was dir richtig Freude bringt, um neue Erfolge voranzutreiben.

1. Februar: Neumond im Wassermann

Nachdem du im Januar praktische Ziele gesetzt hast, kann der Wassermann-Neumond helfen, deinen spirituellen Weg zu überdenken. Welche dir bereits bekannten Traditionen, Werte oder Rituale willst du dich neu widmen?

2. März: Neumond in den Fischen

„Sanftmut“ ist das Thema des Fische-Neumonds. Wie ist dein Energie-Level? Bist du erschöpft? Wenn ja, gibt es Menschen oder Umstände, die zu dieser Erschöpfung beitragen? Versuche nur heute Abend diese Stressfaktoren zu vermeiden, gehe früh ins Bett und schlafe so lange wie möglich. Gehe nur ans Telefon, wenn du dich wirklich darauf freust mit der Person zu sprechen.

1. April: Neumond in Widder

Der Widder-Neumond im April ist ein optimaler Zeitpunkt, um ein neues Projekt zu beginnen – Widder lieben es, Pläne zu schmieden. Nutze den Schwung und die Kraft dieses Zeichens, um Vorhaben voranzutreiben.

30. April: Neumond-Sonnenfinsternis im Stier

Am 30. April 2022 ab 22:29 Uhr steht bereits der zweite Neumond im April am Himmel. Deshalb wird er auch als „Schwarzer Mond“ bezeichnet. Die partielle Sonnenfinsternis von ereignet sich von 20:45 Uhr bis 00:37 Uhr. Der Mond steht dabei zwischen Sonne und Erde, doch die drei Himmelskörper bilden keine komplett gerade Linie, wie üblich beim Neumond. Die partielle Sonnenfinsternis verstärkt in Verbindung mit dem Stier-Neumond den Einfluss auf die Sternzeichen. Auch wenn es sich so anfühlt als würde sich die innere Unruhe und Müdigkeit bei dieser Sonnenfinsternis im Stier hartnäckig festsetzen – stehen Neuanfänge unter einem guten Stern. Obwohl die Stier-Energie sehr resistent gegen Veränderungen ist, bewegt sich das Universum in dir immer weiter. Mache dir keine Gedanken über Pläne oder Vorsätze – bleibe ruhig und atme mit dem Wissen, dass alles vorübergeht.

30. Mai: Neumond im Zeichen Zwillinge

Während die Nächte kürzer werden und die Sonne heller scheint, kannst du diesen Zwillinge-Neumond als Gelegenheit sehen, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Während der Zeit der Zwillinge neigen wir alle zur Extrovertiertheit und Geselligkeit. Nutze diese Energie und tausche dich mit Menschen aus, die ähnliche Ziele haben, denn das gibt dir den Push in die richtige Richtung.

29. Juni: Neumond im Krebs

Der Neumond im Juni entfaltet sich im empfindsamen Sternzeichen Krebs. Das Wasserzeichen ist sehr sensibel und gefühlvoll. Daher bietet der Krebs-Neumond die perfekte Gelegenheit, um sich mehr Selbstliebe zu schenken. Es ist wichtig regelmäßig abzuschalten und sich selbst etwas Gutes zu tun. Zur Mitte des Jahres solltest du dir daher etwas Zeit für Selbstfürsorge nehmen. Heute ist nicht der richtige Zeitpunkt, um auszugehen oder in großer Gesellschaft zu sein. Denke darüber nach, was im Laufe des Jahres bisher geschehen ist und nimm dir etwas Zeit zu reflektieren. Sieh diesen Neumond wie eine Halbzeitpause, bevor die zweite Hälfte des Jahres beginnt.

28. Juli: Neumond im Zeichen Löwe

Während dieses Neumondes steht Merkur im Quadrat zu Uranus und damit das Thema Kommunikation im Fokus. Das heißt unerwartete Neuigkeiten oder Pläne könnten sich ändern, sogar ein Aha-Erlebnis ist möglich. Auch Jupiter beginnt während dieses Neumondes seine Rückläufigkeit und ermutigt uns dazu, langsamer zu machen, auszuruhen und eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen. Gönne dir Raum zum Nichtstun! Frage dich: Woher ziehst du deine Kraft? Bist du eher introvertiert, das heißt du erholst dich, wenn du alleine bist? Oder bist du eher extrovertiert, das heißt du tankst auf, wenn du Zeit mit anderen verbringst? Nimm dir an diesem Löwe-Neumond einen Moment Zeit, um herauszufinden, wer und was dir Energie raubt und wer und was dich auf allen Ebenen bereichert. Ausmisten ist eine gute Idee

27. August: Neumond im Zeichen Jungfrau

Es ist schon mehr als die Hälfte des Jahres vorüber. Haben sich alte Gewohnheiten wieder eingeschlichen? Dieser Neumond ist der richtige Zeitpunkt für eine Neuorientierung. Wenn du dich dabei ertappst, dieselben Fehler zu machen, dann ändere den Kurs jetzt. Der Neumond im August findet im reinen und nach Vollkommenheit strebenden Zeichen Jungfrau statt. Seine spirituelle Bedeutung wird uns helfen, über die oberflächliche Unordnung in unserem Leben hinwegzusehen und herauszufinden, in welche Richtung wir als nächstes steuern wollen. Der Neumond in Jungfrau im August inspiriert uns dazu, pragmatische Pläne für die Zukunft zu schmieden und uns auf unser Wohlbefinden zu konzentrieren. Die naturverbundene Energie der Jungfrau schätzt die Schönheit der einfachen Dinge.

25. September: Neumond in der Waage

Nicht nur, dass am 25. September um 22.54 Uhr der Neumond aufgeht, Power-Planet Jupiter wandert am 26. September zum erdnächsten Punkt seit 70 Jahren. Das bedeutet es wird intensiv! Planetarisch ist einiges los: Der Eintritt von Sonne und Venus in die Waage, kann uns helfen, alles, was in unseren Beziehungen und Partnerschaften aus dem Ruder gelaufen ist, wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Außerdem steht der Neumond dem Transit-Jupiter im Widder gegenüber und das kann eine Menge Exzesse mit sich bringen. Wir können in vielerlei Hinsicht über die Stränge schlagen, denn die Waage liebt alles, was luxuriös ist. Nutze diesen Aspekt und kombiniere ihn mit der erholsamen Neumond-Energie: Koche deine Lieblingsessen oder nimm ein ausgiebiges Bad. Heute sind die idealen Voraussetzungen für einen herrlichen Abend allein.

25. Oktober: Neumond-Sonnenfinsternis im Skorpion

Die Sonnenfinsternis im Skorpion im Oktober ist kein gewöhnlicher Neumond: Am 25. Oktober tritt der Neumond um 12:49 Uhr in den Skorpion ein. Der Skorpion ist leidenschaftlich und intuitiv und wird mit allem in Verbindung gebracht, was tabu ist. Er wird vom achten Haus der Wiedergeburt und Verwandlung und dem rätselhaften Pluto beherrscht. Als Wasserzeichen erinnert der Skorpion uns sehr an unsere emotionale Empfindlichkeit und unterstreicht jedes Mal, wenn der Mond in sein Reich eintritt, all unsere aufgestauten Gefühle. Diese Gefühle und Gedanken werden intensiver als sonst, da die Sonnenfinsternis auch unsere Schattenseite und Verletzlichkeit hervorbringt.

Im Gegensatz zur typischen Neumondstimmung, die einen Neuanfang bietet, der sich perfekt für das Setzen von Vorsätzen eignet, kann eine Sonnenfinsternis zu einer Art spirituellen „Stromausfall“ führen. Betonung auf „kann“, denn manche Menschen werden völlig unkonzentriert und verlieren den Fokus; bei andere wird der Geist kristallklar. Das kommt auf euer Sternzeichen an.

Da diese Sonnenfinsternis in exakter Konjunktion mit der Venus steht, deutet alles auf eine Wiedergeburt des Herzens hin. Venus ist der Planet, der die Liebe regiert. Anstatt eine Romanze zu manifestieren oder sich Beziehungsabsichten zu setzen, ist dies ein guter Moment, um all die Leidenschaften, die wir in uns tragen, wirklich zu leben. Das sind nicht nur Partnerschaften, sondern im Grunde alle Themen, die uns Lust machen.

23. November: Neumond im Zeichen Schütze

Die Schütze-Saison hat gerade begonnen, und wir erleben einen Neumond, während der Schütze-Herrscher Jupiter direkt im Verlauf der Fische, seinem ursprünglichen Domizil, steht. Der kommende Mondzyklus wird somit von einem starken Wunsch nach Expansion und einem gewissen Forscherdrang geprägt sein und uns Gelegenheiten bieten, neue Möglichkeiten und Wege zu entdecken.

Vielleicht spricht dich der Tatendrang des Schützen gerade gar nicht an. Der rückläufige Mars (seit dem 30. Oktober und noch bis 12. Januar) – ja auch der Mars kann rückläufig sein, nicht nur der altbekannte Merkur – wandert in das Zeichen der Zwillinge, das für Kommunikation steht. Das heißt, es kann bei all den Umwälzungen auch gerne mal krachen.

Sonne und Mond im Trigon zu Jupiter lassen uns optimistisch in die Zukunft blicken und ermutigen, an uns selbst und an unsere Fähigkeit zu glauben, mit den Herausforderungen, denen wir begegnen, umzugehen und daraus zu lernen. Jetzt ist der Zeitpunkt, um alle Altlasten hinter sich zu lassen und die Weichen für die Zukunft neu zu stellen. Der Schütze-Neumond hilft uns, auf dem Weg zum Jahresende den Glauben nicht zu verlieren – trotz rückläufigem Mars.

Ähnlich wie die beiden anderen Feuerzeichen-Neumonden, ist auch dieser Schütze-Neumond eine Gelegenheit, um deine Ziele zu überprüfen und gegebenenfalls den Kurs zu ändern. Lass dich nicht vom Frust des rückläufigen Mars unterkriegen. Frage dich: Was machst du, um deine Ziele zu verwirklichen? Und noch wichtiger: Macht es dir Spaß?

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23. Dezember: Neumond im Steinbock

So wie das Jahr 2022 begonnen hat, so beenden wir es auch mit einem Neumond im Steinbock. Der Neumond am 23. Dezember im stabilen Steinbock steht in Verbindung mit dem Jupiter – damit ist ein guter Start in die Festtage garantiert. Dazu kommen übrigens in den folgenden Tagen auch noch Merkur und Venus, die bis zum 26. Dezember diese friedliche und harmonische Stimmung unterstützen.

Der Steinbock zum Jahresende ist ein richtiger Kraftspender: Es ist eine Zeit, in der wir uns auf die konstruktiven Eigenschaften des Zeichens konzentrieren können: zäh, einfallsreich, diszipliniert, weise, ehrgeizig, umsichtig und beständig. Diese Qualitäten können wir jetzt auch in unser Leben einbringen, uns auf praktische und erreichbare Ziele konzentrieren. Das solide Erdzeichen fördert die Entwicklung von Reife und gesundem Menschenverstand, wir können Verpflichtungen eingehen und Verantwortung übernehmen und unsere Träume auf realistische Weise verwirklichen.

Erinnere dich: Wie hast du dich seit Anfang des Jahres verändert? Was hast du hinter dir gelassen, und was wird dich weiterbringen? Mit der erwähnten Stärke der Steinbock-Energie haben wir die Chance, unserem Leben eine neue Richtung zu geben. Eine der „Lektionen“ des Steinbocks ist die Akzeptanz des Konzepts, dass vernünftige Grenzen und Regeln uns tatsächlich Freiheit bieten – Freiheit von Sorgen und Chaos zum Beispiel. Wenn wir uns selbst Ziele setzen, können wir uns auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Neumond im Januar 2023

Das war’s für dieses Jahr. Du fragst dich vielleicht schon: Wann ist Neumond im Januar 2023? Der erste Neumond 2023 ist am 21. Januar um 21:53 Uhr und zwar im Zeichen Steinbock. Wir bringen euch auch 2023 mit einem brandneuen Neumondkalender durch die Mondphasen.

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Titelbild: Benjamin Voros via Unsplash

#30 Das Geheimnis der Rauhnächte

Beate Tschirch über die magische Zeit zwischen den Jahren

Sie werden meist Rauhnächte, aber auch Innernächte, Glöckelnächte oder Unternächte genannt: Mit dieser geheimnisvollen Zeit werden im europäischen Raum die verschiedensten Brauchtümer in Verbindung gebracht. Das geht von Geisteraustreibung oder -beschwörung, über das Sprechen mit Tieren bis hin zum Wahrsagen. Ob man daran glauben möchte oder nicht – auf jeden Fall sind diese Nächte irgendwie speziell. Warum das so ist, erklärt Yoga- und Meditationslehrerin Beate Tschirch im Gespräch mit Susanne beim „YogaWorld Podcast“.

Beate spricht über die besondere Stellung der Rauhnächte im Jahreskreis. Dann erzählt sie vom Orakeln und Räuchern und verrät, wie man die Rauhnächte optimal nutzen kann, um die Grundsteine für ein erfülltes neues Jahr zu legen. Außerdem deckt Beate mit historischen Erklärungen so manchen Aberglauben auf und beschreibt, warum uns diese Zeitqualität so empfindsam für bestimmte Energien macht.

Vegan X-Mas: Blaukraut-Roulade mit heller Bratensauce

Weihnachtsmenue vegane Kohlrouladen

Surdham Göb ist ein bekannter veganer Koch, auf dessen Rezepte wir immer wieder zurückgreifen. Gemeinsam mit dem angehenden Arzt und Ernährungsberater Cirus Henn zeigt Surdham, dass Kulinarik und Medizin Hand in Hand gehen. Wie wir die Kraft der Ernährung lustvoll einsetzen, erklärt ihr medizinisch-kulinarisches Kochbuch „Gesund“, aus dem auch dieses Rezept stammt.

Oftmals sind Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte bräunlich und auf den ersten Blick vielleicht nicht so attraktiv. Diese Roulade ist ein perfektes Beispiel dafür, wie man Erdtöne violett ummantelt farblich in Szene setzen kann. Bei uns schon ein moderner Klassiker!

Zutaten für 4 Personen

100 g schwarze Bohnen

100 g schwarzer Reis

ca. 600 ml kaltes Wasser

1 rohe Rote Bete

2 EL geschrotete Leinsaat

50 g Haferflocken

7 EL Hefeflocken (z. B. von Naturata)

1 Bund Estragon, fein gehackt

Salz

12 äußere Blätter eines Rotkohls

5 Nelken

3 Lorbeerblätter

1 EL Olivenöl

1/2 Sellerieknolle

3 EL Haselnussmus

250 g Buschbohnen

1 Msp. Natron

1 TL Koriandersaat

Fotografie © Oliver Brachat / AT Verlag

Zubereitung

Die Bohnen und den Reis getrennt über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Am nächsten Tag die Bohnen abgießen und in 250 ml Wasser 1 Stunde mit geschlossenem Deckel köcheln lassen. Den Reis abgießen und in einem kleinen Topf mit 150 ml Wasser 20 Minuten bei geschlossenem Deckel köcheln lassen. In der Zwischenzeit die Rote Bete schälen und auf einer Gemüsereibe klein raspeln. Die Bohnen und den Reis leicht auskühlen lassen und mit Roter Bete, Leinsaat, Haferflocken, 4 Esslöffeln Hefeflocken, der Hälfte des gehackten Estragons und einer Prise Salz zu einer homogenen Masse vermengen.

Den Rotkohl am Strunk anschneiden, sodass die 12 Blätter offen liegen. Den Kohl mit den Nelken und dem Lorbeer in kochendes Wasser geben und die weich werdenden Blätter nacheinander ablösen, weitere 3 Minuten im köchelnden Wasser schwimmen lassen. Wenn man die 12 Blätter beisammen hat, diese aus dem Wasser nehmen und abkühlen lassen. Den Strunk der ausgekühlten Blätter ausdünnen, damit sie flexibel werden, mit der Bohnen-Reis-Füllung belegen, einrollen und mit der Nahtseite nach unten in eine Kasserolle legen. Mit einem Schuss Wasser und einem Spritzer Olivenöl im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad Umluft 20 Minuten backen.

Inzwischen den Sellerie schälen und würfeln. In einem kleinen Topf knapp mit Wasser bedecken, leicht salzen und das Wasser einkochen lassen, das dauert etwa 15 Minuten. Danach wieder kaltes Wasser dazugeben und dann mit dem Haselnussmus und den restlichen Hefeflocken mithilfe des Pürierstabs eine cremige Sauce zaubern. Die Buschbohnen putzen und in reichlich kochendem Wasser so lange kochen, bis ihre Farbe ins Dunkelgrüne geht (ca. 9 Minuten). Abgießen, kurz abschrecken und mit einem Spritzer Olivenöl und dem restlichen gehackten Estragon vermengen.

Anrichten

Eine kleine Kelle Sauce in die Mitte des Tellers geben, die Buschbohnen darauf anrichten und 1 1/2 Kohlrouladen anlegen. Tipp: Der übrig gebliebene Rotkohl kann, gut mariniert, wunderbar zu einem frischen Salat oder zu einem Apfelblaukraut weiterverarbeitet werden.


 Surdham Göb

Der bekannte vegane Koch Surdham Göb und der angehende Arzt und Ernährungsexperte Cirus Henn haben medizinische Erkenntnisse in ein Kochbuch mit vollwertigen pflanzlichen Rezepten verwandelt. Zeitgemäß, nachhaltig und zukunftsfähig kochen, aber unkompliziert und mit viel Genuss – das ist die Devise.

Die Zutaten sind leicht zu bekommen, bunt und abwechslungsreich. Die Rezeptfotos machen deutlich: Es geht nicht um Verzicht und Diät, sondern darum, die Kraft der Ernährung lustvoll einzusetzen. Beeinflusse mit deiner Kochkunst, wie die Welt in Zukunft aussieht.

“Gesund – das medizinisch-kulinarische Kochbuch” erschienen im AT Verlag


Noch ein tolles veganes Rezept von Surdham Goeb…

Achtsamer Wandel: So gelingt wahre Transformation – von Sally Kempton

Echte Transformation ist ein ziemlich radikaler Prozess. Die Meditationslehrerin Sally Kempton erklärt, wie man einen großen Wandel achtsam meistern kann.

Während einer Meditation erkannte mein langjähriger Schüler Dirk, dass das Leben, das er führte, nicht mehr wirklich authentisch war. Als Arzt fühlte er sich ausgebrannt, er hatte das dringende Bedürfnis, eine Auszeit zu nehmen, um sich über seinen weiteren Weg klar zu werden. Seine Frau sah das völlig anders und so brachte seine Einsicht auch vieles zutage, was in ihrer 20-jährigen Ehe nicht gut gelaufen war. Plötzlich stand nicht nur eine berufliche Neuorientierung im Raum, sondern auch eine Scheidung. Dirk begann, sich in Yogatherapie fortzubilden, er meditierte täglich mehrere Stunden und berichtete mir, er weine viel und fühle sich, als schwimme er in einem schnell fließenden Strom an Gefühlen – ohne zu wissen, wohin ihn dieser Fluss tragen würde.

Lass dich einfach kochen! Dann wird ein leckerbissen aus dir.

Rumi

Dieses Gefühl radikaler Unsicherheit ist typisch für jemanden, der mitten in einem Transformationsprozess steckt. Der arabische Mystiker Rumi beschreibt in einem seiner Gedichte, wie sich eine Kichererbse in einem kochenden Eintopf darüber beklagt, ihr sei zu heiß und das energische Rühren des Kochlöffels sei schmerzhaft. Daraufhin entgegnet der Koch: „Lass dich einfach kochen! Dann wird ein richtiger Leckerbissen aus dir.“ Ich habe dieses Gedicht immer wieder gelesen, wenn ich das Gefühl hatte, das Feuer, das meine Yogapraxis in mir entfachte, sei mal wieder allzu heiß. Ich fand, dass Rumi dieses fast körperliche Durchgekocht-Werden während bestimmter Phasen der Transformation wirklich gut beschreibt: Man erlaubt sich selbst, weich zu werden, ja sogar vollkommen aufzubrechen, um genauer zu erfahren, wer man eigentlich ist. Da ist es nur natürlich, dass man sich manchmal so fühlt wie die überhitzte Kichererbse. Vielleicht hat man sogar das verstörende Gefühl, überhaupt nicht mehr zu wissen, wer man eigentlich ist. Daran ist nichts Schlimmes, im Gegenteil: Diese Unsicherheit, das Verlorensein zwischen dem alten Selbst und dem noch unbekannten neuen, ist nur ein typisches Anzeichen für einen echten Transformationsprozess.

Sein und werden

Eine Transformation ist etwas anderes als ein spirituelles Erwachen oder eine Erleuchtung. Der Philosoph Yasuhiko Kimura definiert sie als einen „Tanz zwischen Sein und Werden“. Das Sein ist dabei die unveränderliche Quelle all dessen, was ist, der formlose Grund, an dem sich Worte und Kategorien auflösen. Das Werden dagegen ist jener Teil deiner selbst, der wächst und sich wandelt. Mit anderen Worten: Das Sein ist dein stilles Zentrum, das Werden dagegen deine Persönlichkeit, dein Körper und deine Interaktionen mit der Welt.

Während einer spirituellen Erweckung oder auch während einer Erfahrung tiefer Stille taucht man ein ins reine Sein, in die Liebe und Freiheit einer unsterblichen Essenz. Transformation geschieht, wenn die Erfahrungen und Einsichten aus diesem Sein auf die gewöhnliche menschliche Persönlichkeit und deren alltägliche Realitäten treffen und beginnen, Entscheidungen und Beziehungen zu durchdringen. So begann Dirks Transformation, als er erkannte, dass die Einsicht, die er während der Meditation gehabt hatte, auch gelebt werden wollte. Auch das ist typisch: Denn oftmals entsteht zwischen der Weisheit spiritueller Erfahrungen und den Gewohnheiten und Anforderungen des Alltags eine große Spannung. Und diese Spannung treibt den Wandel an. Aber es gibt noch andere Hinweise, an denen man nicht nur die Transformation an sich, sondern sogar ihre verschiedenen Phasen erkennen kann.

1. Der Weckruf

Die Reise beginnt fast immer mit einem Ereignis, das ich den „Weckruf“ nenne. Bei manchen ist das, wie bei Dirk, eine plötzliche, intuitive Erkenntnis. Aber genauso gut kann der Auslöser eine äußere Krise sein. So setzte Francescos Transformation ein, als der junge Schauspieler von einem Regisseur zu hören bekam, er könne kein echtes Gefühl ausdrücken. Für Daniela war der frühe Tod ihres Mannes der Ausgangspunkt. Und Andreas wurde von einem seiner Yogaschüler an den Kopf geworfen, sein Leben spiegele überhaupt nicht das wider, was er unterrichte. Jedes dieser Ereignisse brach etwas auf: den äußeren Lebensrahmen des betreffenden Menschen, aber viel mehr noch sein Selbstbild.

Die Evolutionsbiologin Elisabet Sahtouris schreibt, dass Evolution in der Natur von Stress angeschoben wird. Pflanzen zum Beispiel wachsen besser, wenn man sie radikal zurückschneidet. Bei Menschen ist das nicht viel anders: Wenn wir in eine Situation geraten, die wir mit unserem gegenwärtigen Maß an Verständnis und Fähigkeiten nicht kontrollieren oder verändern können, entsteht ein evolutionärer Stress. Er zwingt uns zum Hinterfragen, Suchen, Üben und dazu, einen Schritt aus unserer Komfortzone hinaus zu tun, um zu einem höheren Level an Bewusstsein zu gelangen.

2. Unsicherheit aushalten

Stress ist unangenehm, für manche Menschen sogar regelrecht verstörend. Aber er ist auch wichtig. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Spiritualität geht einem wichtigen Durchbruch oft eine Phase intensiver Frustration und Stagnation voraus. Zum Beispiel wenn ein Forscher alle relevanten Daten zusammengetragen und unzählige Experimente durchgeführt hat, aber dennoch keinen Schlüssel zur Lösung seines Problems findet. In dieser scheinbaren Sackgasse steigen die Antworten nicht selten dann auf, wenn der Geist nach großer Anstrengung einen Moment lang ganz still wird, zum Beispiel weil man sich ausruht oder einen Spaziergang macht.

Spirituelle Durchbrüche folgen ähnlichen Mustern: Zunächst sucht man mit unbändiger Neugier und viel Engagement nach Antworten. Große Lehrer auf dem Pfad der Selbsterforschung, allen voran Ramana Maharshi und Nisargadatta Maharaj, haben sich zum Beispiel mit der Frage „Wer bin ich?“ abgemüht. Für meinen Schüler Dirk lautete sie eher: „Wie will ich leben?“ Eine einfache Antwort auf solche fundamentalen Fragen gibt es nicht, deswegen muss man sich in der Zeit nach dem Weckruf dem Stress dieser ungelösten Fragen aussetzen. Es ist eine Phase von intensiver Anstrengung und Praxis – und eine des Sehnens nach Weisheit, nach Wandel. Erst dieses Bemühen bringt Tapas hervor, eine transformierende innere Hitze, die ungute Gewohnheiten geradezu verbrennt, den Menschen reinigt, verfeinert und seine Psyche öffnet für tiefe Einsichten und Offenbarungen, die dann oft aus der Stille kommen – oder mit etwas Hilfe von außen.

transformation orientierung

3. Hilfe suchen

So wichtig die persönliche Anstrengung und spirituelle Praxis sind, es kann auch sein, dass man die Hilfe eines Lehrers oder Beraters benötigt – oder die einer höheren Instanz, die ich Gnade nennen würde. Mir selbst ist es oft so gegangen, dass die wichtigsten Durchbrüche geschahen, nachdem ich viel gebetet hatte. Je nach Stimmung bete ich zu Gott, zum universellen Bewusstseinsfeld oder zu meinem höheren Selbst. Das ist nicht so entscheidend. Viel wichtiger finde ich es, nur für etwas zu beten, das sich auch positiv auf andere auswirkt. Da ich aber weiß, dass sich eine positive Transformation auf individueller Ebene immer auch positiv auf andere auswirkt, habe ich keine Skrupel, um Hilfe zu bitten, wenn ich auf meine inneren Hindernisse stoße. Und das wirkt. Immer dann, wenn wir uns unsere grundlegende Hilflosigkeit eingestehen, scheint das Gnade geradezu anzuziehen. Das Beten hilft mir, meinen Stolz und mein Kontrollbedürfnis loszulassen. Deswegen beginne ich mein Gebet oft mit den Worten: „Ich kann das selbst nicht. Ich brauche die Hilfe der Gnade.“

Sally Kempton über den Halt im Inneren, wenn im Außen Chaos herrscht…

4. Gnade, Einsicht, Erwachen

Wenn Gnade im Spiel ist, dann ist das meist sehr deutlich spürbar, denn sie wirkt geradezu berauschend und oft wundersam: Man liest ein Buch und genau die Worte, die man gerade braucht, springen einem entgegen. Man fühlt sich angezogen von einem Kurs bei einem bestimmten Lehrer, der einem dann den entscheidenden Hinweis gibt. Man hört sich selbst einem Freund einen weisen Rat geben, und merkt, dass das jetzt von woanders herkam als aus einem selbst. Wenn Gnade im Spiel ist, ist das Leben voller Synchronizität, bedeutungsvoller Zufälle und Inspirationen, die einen ganz mühelos nach vorne bringen.

Diese Phase der Transformation kann unglaublich aufregend sein. Man hat das Gefühl zu lernen, wie man sich für die Weisheit des reinen Seins öffnet. Der Kabbala-Lehrer Marc Gafni sagt, dass man für eine echte persönliche Transformation den Quell-Code umschreiben müsse, also die tief eingeschriebene Programmierung, die darüber entscheidet, wie wir bestimmte Situationen erleben und auf sie reagieren. Da wir nicht wissen, wie wir willentlich an diesen Code herankommen, muss der tiefgreifende Wandel aus tieferer Einsicht erfolgen – einer Art intuitivem Bewusstsein, das aus dem Inneren aufsteigt.

Dass du diese Ebene von Einsicht erlebst, erkennst du daran, dass du eine Wahrheit, die du seit Jahren immer wieder gehört oder gelesen hast, mit einem Mal so richtig erkennst. Dann begreifst du zum Beispiel endlich, dass sie tatsächlich nicht deine Gedanken sind. Oder dass du deine Erfahrung wirklich verändern kannst, indem du deine Wahrnehmung veränderst. Wenn das geschieht, fühlt sich alles mit einem Mal ein wenig anders an und du spürst, dass deine Welt nie mehr dieselbe sein wird.

5. Die Flitterwochen

Diese Phase beginnt mit dem Eintreten der Gnade samt ihren Synchronizitäten und wundersamen Einsichten. Es fühlt sich an, als sei man verliebt und erfährt, dass diese Liebe auch erwidert wird. Manchmal halten die Flitterwochen über Jahre an: Man hat das Gefühl, alle Kämpfe seien zu Ende und man sei von einer spirituellen Kraft erfüllt, die vielleicht sogar so stark ist, dass auch andere sie spüren. Diese Präsenz von Gnade kann regelrecht euphorisierend sein. Manchmal so sehr, dass sie ein subtiles (oder weniger subtiles) Gefühl spiritueller Überlegenheit erzeugt: Man meint, es würde einem der Weg gewiesen, und blickt deshalb ein bisschen auf all jene herab, die noch nicht so weit sind. Häufig entscheidet man sich in dieser Zeit, seinen Launen zu folgen: Man lässt sein altes Leben hinter sich, um nach Indien durchzubrennen, oder man kündigt seinen Job und eröffnet ein Yogastudio. Manchmal sind diese Entscheidungen goldrichtig – und manchmal auch nicht.

6. Aus der Gnade fallen

Die Gefahr der Flitterwochen-Phase liegt auf der Hand: Man neigt zu allzu großem Vertrauen. So kann es im Rausch der Transformationsverliebtheit leicht geschehen, dass man Grenzen verletzt. Zum Beispiel weil man meint, man könne gar nichts mehr falsch machen. Oder weil man blind seiner Intuition folgt und nicht mehr klar unterscheidet. Es ist fast unvermeidlich, dass dem Glück der Gnade dann ein Absturz folgt – oder vielmehr das Gefühl, aus der Gnade herauszufallen. Manchmal ähnelt das einer Art Trockenheit, so, als würde man von dem Fluss abgeschnitten, der einen zuvor getragen und genährt hat. Das kann sich zum Beispiel äußern, indem du einen beruflichen Fehler machst, dich in die falsche Person verliebst oder dich mit deiner besten Freundin, der Familie oder Lehrer*in überwirfst. Es mag auch sein, dass du deine Ehe in den Sand setzt oder dass du dich beim Versuch, eine bedeutsame Lebensveränderung herbeizuführen, entmutigen lässt. Aber meistens ist das, was sich wie ein Absturz anfühlt, in Wirklichkeit eine tiefe Reinigung, ein emotionaler Detox, durch den psychische Themen, die du bisher nicht bearbeitet hast, ans Licht kommen und angeschaut werden können.

Der Absturz ist also ein wichtiger Teil der Reise.

Warum geschieht das? Meistens weil unser psychisches Gefäß nicht stark genug ist, um die kraftvolle spirituelle Einsicht der Transformation überhaupt halten zu können. Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen: Vor vielen Jahren machte eine Freundin während eines Meditations-Retreats mit einem indischen Meister eine tiefe spirituelle Erfahrung. Sie sah ein wunderschönes goldenes Licht und erkannte, dass viele ihrer Glaubenssätze, etwa ihre Gefühle von Schuld und Ungenügen, völlig irreal waren. Sie geriet in einen Zustand großen Glücks. Mit kaum verhohlenem Stolz sagte sie: „Ich hab so ein Glück. Nie muss ich mich fragen, was ich tun soll, denn ich trage dieses innere Wissen in mir.“ Nach einer Weile veranlasste diese Intuition sie dazu, immer weniger zu essen. Sie war sich ihrer inneren Führung so sicher, dass sie lange nicht glauben konnte, was eigentlich offensichtlich war: Sie war magersüchtig geworden. Während der anschließenden Therapie meinte sie zunächst, sie sei auf ihrem spirituellen Weg gescheitert, doch in Wirklichkeit handelte es sich darum, erst einmal eine gesunde Balance in Körper und Geist herzustellen, die ihre spirituelle Praxis auf ein solideres Fundament stellte. Diese Geschichte ist sicher ein Extrembeispiel, aber sie verdeutlicht ein wichtiges Gesetz der spirituellen Transformation: Auch wenn man eine Ahnung davon bekommen hat, wer man sein könnte, ist fast immer ein gewisses Maß an Arbeit nötig, um die verschiedenen Stränge des eigenen Seins mit dieser Vision in Einklang zu bringen. Manches davon ist nur Fein-Tuning, anderes dagegen kann radikal sein, vor allem wenn verborgene Schattenseiten der Persönlichkeit zum Vorschein kommen.

7. Integration

Der Absturz ist also ein wichtiger Teil der Reise. Nicht nur macht er uns demütig, vor allem unterstreicht er die Notwendigkeit von Integration und setzt diesen Prozess auch in Gang. Jetzt geht es darum, innere Widersprüche zu verhandeln. Dein persönlicher Entwicklungsprozess mag nach radikaler Freiheit verlangen, um zu üben, zu reisen oder das Leben ganz neu zu organisieren. Gleichzeitig bist du aber aufgerufen, deinen Verpflichtungen gegenüber der Familie oder deinem Beruf nachzukommen und sich mit all dem herumzuschlagen, was notwendig ist, um im 21. Jahrhundert zu überleben. Die Integration von spirituellem Wandel kann nur gelingen, wenn man die gewonnenen Einsichten auch konsequent auf das eigene Leben anwendet. So ist es beispielsweise eine Sache, während einer Yogastunde zu erkennen, dass man eins mit der Erde ist – und noch mal etwas ganz anderes, diese Einsicht auch wirklich im täglichen Leben umzusetzen. Erst diese manchmal langwierige Integration erdet deine transformierende Erfahrung und macht aus ihr eine gelebte Art, sich in der Welt zu bewegen.

Es ist wie das Wachsen, Blühen und Gedeihen eines Apfelbaums: Es braucht Zeit für die Reifung.

Man muss sich also bemühen, Einsichten bewusst in Handlungen zu übersetzen. Dennoch – und darin liegt eines der Mysterien des Transformationsprozesses – geschieht die Integrationsphase in Wirklichkeit unter der Oberfläche des Bewusstseins. Genau wie jeden anderen natürlichen Prozess kann man sie im Grunde nur wenig beeinflussen. Es ist wie das Wachsen, Blühen und Gedeihen eines Apfelbaums: Es braucht Zeit für die Reifung. Eine Freundin hat das vor einiger Zeit sehr eindrücklich erlebt. Jahrelang hatte sie sich nach einer intimen Verbindung gesehnt. Dann wurde ihr Leben mit einem Mal durch eine leidenschaftliche Liebesaffäre auf den Kopf gestellt, die genau diese Sehnsucht zu erfüllen schien. Die Beziehung war zu intensiv, um von Dauer zu sein, und als sie endete, versetzte das meine Freundin in eine Phase großer Verwirrung und Unsicherheit. Als langjährige Meditierende wusste sie genug, um sich nicht zu vorschnellen Entscheidungen hinreißen zu lassen. Stattdessen ließ sie die Verunsicherung zu und wartete ab, wie sich alles entwickeln würde. Im Lauf einer Therapie und intensiver Meditation begann sie eine tiefe Verbundenheit mit den Energien der Natur wahrzunehmen. Dieser Prozess zog sich über mehrere Monate hin und es schien, als trete sie ganz allmählich über eine Schwelle. Immer mehr ihrer Begegnungen waren von diesem wachsenden Gefühl gemeinsamer Energie erfüllt. Auf diese Weise begannen sich ihre Beziehungen auf ganz natürliche Weise zu vertiefen. Sie musste nicht länger Stille mit Geplauder füllen, sie hatte keinen Drang mehr, sich unbedingt mit anderen zu verbinden. Stattdessen erkannte sie, dass diese Verbindung immer schon da ist. Irgendwann hatte sie ihre Sehnsucht nach Intimität auf eine Weise integriert, die sie nicht länger dazu zwang, das in einer leidenschaftlichen Affäre auszuleben. Stattdessen erkannte sie, dass Verbundenheit immer da ist, wenn man mit dem eigenen Herzen verbunden ist.

Als sie mir das erzählte und ich mich an unsere Gespräche der vergangenen Jahre erinnerte, wurde mir klar, dass meine Freundin die klassischen Phasen einer echten Transformation durchlaufen hatte: Sie war durch ihre Liebesaffäre aufgerüttelt worden, hatte die darauf folgende Unsicherheit ausgehalten und an einer Schwelle gestanden, an der sie nicht wusste, wohin ihre Reise sie führen würde. Sie hatte viel geübt, sich Hilfe gesucht, war immer wieder für kurze Zeit in das reine Sein eingetaucht und hatte die Einsichten aus diesen Erfahrungen in die Begegnungen mit anderen Menschen hineingetragen. Bis die geheimnisvollen Kräfte des Seins an einem bestimmten Punkt einen tief greifenden Wandel bewirkten, der ihren Quell-Code umschrieb: ihre Wahrnehmung und das Gefühl von sich selbst.

Das ist in meinen Augen der entscheidende Punkt: Wenn wir das Tor der Transformation durchschreiten (und Yoga ist in seinem Kern nichts anderes als solch ein Tor), können wir nicht vorhersehen, wohin diese Transformation uns führen wird. Wir können nur davon ausgehen, dass sie ein Tanz ist zwischen Einsicht und praktischer Anwendung, zwischen Übung und Gnade, zwischen Sein und Werden. Mit jedem Transformationszyklus, den wir im Lauf unseres Lebens durchlaufen, können wir die einzelnen Phasen etwas besser erkennen und durchleben. Wir beginnen, diese Gelegenheiten zu wachsen und uns zu entwickeln willkommen zu heißen – auch wenn es manchmal schwierig ist.


Sally Kempton Yogajournal

SALLY KEMPTON gehört zu den international renommiertesten Lehrerinnen für Meditation und Spiritualität. Sie schreibt seit vielen Jahren über Yogaphilosophie und hat mehrere Bücher verfasst. Mehr Infos unter sallykempton.com

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Die schönsten vegan-freundlichen Hotels in Deutschland und Österreich – plus Hunde-Hotelguide

Viele vegan lebende Menschen kennen das sicher: Der Urlaub naht, doch es ist gar nicht so einfach, ein passendes Hotel zu finden, das diesen Lebensstil unterstützt. Doch wir von YogaWorld halten immer die Augen auf nach schönen Orten, wo auch Veganer*innen die Seele baumeln lassen können, ohne beim Essen Abstriche machen zu müssen. In diesem Artikel haben wir dir die schönsten veganen Hotels mit einem rundum nachhaltigen Konzept in Deutschland und Österreich zusammengestellt.

Es hat sich zwar in den letzten Jahren viel getan, aber in den meisten „normalen“ Hotels erntet man noch immer einen schiefen Blick, wenn man nach veganen Essensoptionen fragt. Je weiter man in ländliche Gegenden kommt, desto schiefer wird der Blick. Mir selbst ging es schon oft so: Während die anderen Mitreisenden sich am Frühstücksbuffet satt essen, streife ich etwas zermürbt an den reichlich bedeckten Tischen vorbei. Am Ende ist alles, was ich finde, eine Vollkornsemmel mit Margarine und ein paar Streifen roher Paprika und Salatgurke. Manchmal gibt es sogar ein Müsli mit pflanzlicher Milch. Kommt schon, wir wissen doch inzwischen, dass die vegane Küche so viel mehr kann! Beim Abendessen gibt es mit ein wenig Glück ein veganes Curry. Da man das einzige vegane Gericht auf der Karte aber nicht jeden Tag in Folge essen möchte, bleibt die einzig andere Option der alte Klassiker unter den veganen Notnägeln: Pommes mit Salat. Juhu.

Aber genug gejammert. Denn es gibt sie: wunderschöne Hotels mit veganer Küche, wo Tierwohl und Nachhaltigkeit groß geschrieben werden. Los geht’s!

Plus: Vegane Hotels lieben Hunde und du darfst deinen gerne mitbringen. Den Hunde-Guide zu den einzelnen Hotels findest du ganz unten.

1. ahead Burghotel in Lenzen/Elbe (Brandenburg)

Lage: Allein die Lage dieses Hotels ist schon beeindruckend: Das ahead Burghotel ist eine denkmalgeschützte Burg, eingebettet in einen riesigen biozertifizierten Burggarten. Es ist umgeben von der faszinierenden Natur des UNESCO Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe Brandenburg. Dort lädt der Fluss Löcknitz zu zahlreichen Freizeitaktivitäten ein wie Stand Up Paddeling, Schwimmen und Kanufahren. Oder, falls du nicht so wassersportaffin bist, kannst du wandern gehen oder dir ein Bambusfahrrad ausleihen und die schöne Gegend erkunden.

Küche: Bei der Verpflegung ist vegan nicht nur eine Option, sondern Standardprogramm. Das Restaurant „place to V“ serviert dir leckere, saisonale und rein pflanzliche Mahlzeiten. Im Wintergarten wird jeden Morgen ein reichhaltiges Frühstücksbüffet serviert, das bereits im Zimmerpreis enthalten ist. Im Restaurant gibt es Mittag- und Abendessen sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag.

Yoga: Für Yogi*nis besonders interessant: das Teehaus mitten im Grünen. Es bietet dir einen Rückzugsort für deine Yoga- und Meditationspraxis – und das mit Fußbodenheizung. Egal welches der gemütlich eingerichteten Zimmer du in der Burg oder nebenan in der Burgschule buchst, in jedem wartet bereits eine eigene Yogamatte auf dich. Für die perfekte musikalische Vinyasa Flow-Untermalung liegt sogar noch eine Bluetooth-Box bereit. Wenn du lieber in der Gruppe übst, hast du mehrmals pro Woche die Möglichkeit, an einer Yogastunde teilzunehmen.

Nachhaltigkeit: Das ahead Burghotel ist nicht nur konsequent nachhaltig und klimaneutral ausgerichtet, sondern sogar klimapositiv. Die Energie kommt aus 100% Ökostrom und wird gespart, wo es nur möglich ist. Von der gesamten Zimmerausstattung, über die Kosmetikartikel in nachfüllbaren Spendern, bis hin zur Mitarbeiterkleidung ist alles rein vegan. Die Vision des Hotels ist, auch Vorreiter für andere Hotels zu sein: „Für eine bessere Welt, im Einklang mit der Natur, Mensch und Tier.“ We love it!

Mehr Infos unter www.aheadhotel.de

Fotos: © Patrick Hipp Werbefotografie

2. Das Naturhotel Chesa Valisa (A-Vorarlberg)

Chesa Valisa Hotel Übersicht

Lage: Das Naturhotel Chesa Valisa liegt in Hirschegg im Kleinwalsertal, umgeben von einer imposanten Bergkulisse. Ortsansässige bezeichnen es als „die schönste Sackgasse der Welt“, denn es führt tatsächlich nur eine Straße von Oberstdorf über die Landesgrenze in das Kleinwalsertal, das zu Österreich gehört.

Küche: Die Küche im Chesa Valisa ist nicht rein vegan. Veganer*innen sind aber auf jeden Fall willkommen und müssen nicht hungern, denn es steht täglich das vegan-ayurvedische Vital-Menü zur Auswahl. An einem Abend in der Woche wird allen Hotelgästen ein fisch- und fleischloses Menü aufgetischt. So werden mit schmackhaften, bunt angerichteten Tellern auch die Fleischesser unter den Hotelgästen an die vegetarische Ernährung herangeführt. Alle Produkte sind regional und saisonal und bio-zertifiziert.

Essen im Chesa Valisa Hotel

Yoga: Yoga und Ayurveda werden im Chesa Valisa besonders großgeschrieben. Von Ayurveda-Schnuppertagen bis Panchakarma kannst du tief in die Lehren des Ayurveda eintauchen. Unabhängig davon stehen in ihrem Aktivprogramm mindestens zwei Yogakurse pro Tag, die abwechselnd von insgesamt fünf Yogalehrer*innen unterrichtet werden. Du kannst wählen zwischen traditionellem Hatha, Vinyasa Flow, sportlichen Stunden mit Physio-Hintergrund oder Stunden mit einem stärkeren Fokus auf Spiritualität. Darüber hinaus gibt es eine laufende Auswahl an unterschiedlichen Yoga-Retreats, die im Chesa Valisa abgehalten werden. Gerade wegen dem tollen Yogaangebote ist das Chesa Valisa eines unserer absoluten Lieblinge.

Nachhaltigkeit: Auch das Chesa Valisa ist ein zertifiziertes Bio-Hotel – und das schon seit 2005 als das erste in Vorarlberg. Von den Lebensmitteln und Getränken, über die Bettwäsche, bis hin zur Baubiologie des Hauses ist alles Bio. Das Hotel ist klimaneutral.

Mehr Infos unter www.naturhotel.at

Fotos: © Heldentheater

3. Das SEINZ in Bad Kohlgrub (Bayern)

Das Seinz Hotel Übersicht

Lage: Die Gemeinde Bad Kohlgrub in Bayern hat eine lange Geschichte, was Gesundheit, Heilkuren, Moorbäder und Heilanwendungen betrifft. Das Seinz ist sowohl Biohotel, als auch Seminarzentrum und liegt auf einem schönen, zwölf Hektar großen Gelände inmitten der Ammergauer Alpen, das zu vielen Freizeitaktivitäten wie Ponyreiten, Wandern und E-Biken einlädt. Die Vision der Besitzer ist es, damit einen liebenswerten uns heilsamen Lebensraum zu schaffen.

Küche: Unter dem Motto „Vegan Plus“ wird grundsätzlich vegan gekocht, es kann jedoch jeder individuell und auf Wunsch sein Essen vegetarisch ergänzen. Alle Zutaten sind so regional und saisonal wie möglich, frisch und kommen aus naturnahem biologischen Anbau. Die Mahlzeiten sind stets bekömmlich und gesundheitsförderlich im ganzheitlichen Sinne zusammengestellt. Die Halbpension in Büffetform ist für alle Gäste zubuchbar, für Seminargäste gibt es auch ein Mittagsbüffet.

Das seinz Essen

Yoga: Es gibt unter anderem den 270 qm großen Seminarraum „Sonnensaal“ mit Yogamatten, Sitzkissen und Decken. Dort organisiert das Seinz entweder selbst oder zusammen mit ihrem Partner Neue Wege-Reisen regelmäßig Yogaretreats.

Nachhaltigkeit: Als Biohotel mit Öko-Zertifizierung DE-ÖKO-006 verfolgt das SEINZ eine ökologische Grundlinie. Neben den Bio-Lebensmitteln wird besonders auf Energiesparen, baubiologische Materialien, Abfallvermeidung und natürliche Gartengestaltung geachtet.

Mehr Infos unter www.seinz.de

Fotos: © Das Seinz, Danny Rothe

4. Maripop in Ried im Zillertal (A-Tirol)

Maripop Hotel Übersicht

Lage: Das Maripop ist ein Designhotel mitten im Zillertal und damit, neben dem atemberaubenden Bergpanorama rundherum, ein echter Blickfang. Es vereint Stadtleben und Dorfkultur und bietet einen Rückzugsort für alle Generationen. Während im Untergeschoss Künstler ihre Werke ausstellen, bildet das Herz des ehemaligen Gasthofs die Küche samt Bar und Stube im Erdgeschoss, wo – genau wie es früher in Tirol schon üblich war – alle zusammenkommen.

Küche: Im Maripop wird eine komplett vegane Verpflegung bestehend aus Frühstück, Nachmittagsjause und 5-Gänge Abendmenü angeboten. Tierische Produkte für nichtvegane Reisende bilden die Ausnahme. Das meiste Biogemüse (unter anderem Kürbis, Karotten, Kartoffeln, Gurken, Rot- und Weißkraut) kommt sogar aus eigenem Anbau. Falls Produkte nicht selbst angebaut werden können oder die Menge nicht ausreicht, wird regional und stets in bester Qualität eingekauft. In der Schauküche kannst du sogar zusehen, wie dein Gericht liebevoll zubereitet wird.

Maripop Hotel Essen

Yoga: Dreimal pro Woche wird im Hotel eine Yogastunde angeboten. Für weitere Entspannung sorgt das umfangreiche Wellness- und Massagenangebot. Lass im Rooftop Spa, in der Sauna oder im Innen- oder Außenpool deine Seele baumeln.

Nachhaltigkeit: Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden im Maripop großgeschrieben. Die Design-Hotelzimmer wurden mit ökologischen Baustoffen angefertigt und es warten darin österreichische Naturkosmetikprodukte auf dich.

Mehr Infos unter www.maripop.at

Fotos: © Lisa Staudinger, Martin Kaufman, Jenny Haimerl, Dominik Berchtold

5. Lindenberg-Hotels in Frankfurt am Main (Hessen)

Lindenberg Hotel Übersicht

Lage: Die Lindenberg Hotels in Frankfurt und Bali laden zum zeitlosen Bleiben ein. Das heißt, Übernachtungsgäste sind genauso willkommen wie solche, die für Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre ein zweites Zuhause suchen. „Lindenberg“ steht, nach den Worten der Betreiber*innen, weder für Hotel noch Wohngemeinschaft und ist doch beides zugleich. Die Hotelgäste werden vielmehr als Gästekollektiv betrachtet, das sich an einem Ort der Gemeinschaft zusammenfinden soll. Ein sehr schönes Konzept, wie wir finden, und nah dran an der Yogaphilosophie. Die Zimmer wurden von einem Designer liebevoll und mit einem beeindruckenden Auge für Ästhetik eingerichtet. Dabei gleicht keines dem anderem.

Küche: Im Restaurant wird ausschließlich vegan gekocht. Jeden Tag gibt es für die Hotelgäste ein reichliches veganes Frühstück. Im 30 Kilometer entfernten Braumannswiesen im Taunus werden Gemüse und Kräuter biodynamisch und in Permakultur eigens angebaut. Es wird sogar ein Tagesausflug dorthin angeboten und in Anschluss daran darfst du gemeinsam mit dem Koch Matthias in der Gemeinschaftsküche die eigens geernteten Produkte zubereiten.

Lindenberg Hotel Essen

Yoga: Ein ausgeschriebenes Yoga-Angebot gibt es in den Hotels zwar nicht, dafür aber viel Platz, in deinem „zweiten Zuhause“ deine Yogamatte auszurollen. In der Großstadt Frankfurt findest du auf jeden Fall eine breite Auswahl an den unterschiedlichsten Yogastunden.

Mehr Infos unter www.thelindenberg.com

Fotos: © Steve Herud, Simon Bolz

Extra: Hunde-Guide

hund
Foto: Sofia Guaico via Unsplash.

Ahead Burghotel: Große wie kleine Hunde sind willkommen und dürfen mit zum Frühstück und ins Restaurant. Auf dem Zimmer gibt es ein Hundekissen, nur ins Bett darf er aus hygienischen Gründen nicht. Kosten: 19 € pauschal für bis zu zwei Hunde.

Chesa Valisa: Für das Naturhotel zählen Hunde als Familienmitglieder und sind ausdrücklich willkommen. „Die Umgebung mit der wunderschönen Natur rund um das Hotel lässt jedes Hundeherz höher schlagen“, so heißt es auf der Webseite. Daumen hoch!

SEINZ Biohotel: Solange dein Hund kinderfreundlich und sozialverträglich ist, darfst du ihn gerne mitbringen. Beachte, dass es auf dem Gelände auch Pferde, Kühe, Ziegen und einen Streichelzoo mit Kleintieren gibt.

Maripop: Im Maripop-Designhotel sind leider keine Haustiere erlaubt. Gegenüber gibt es jedoch das Maripop-Guesthouse, wohin du deinen Vierbeiner mitbringen darfst. Mehr Infos dazu unter maripop.at/maris-guesthouse

Lindenberg: Haustiere sind auf Anfrage und gegen einen Aufpreis von 15 € pro Haustier und pro Tag willkommen. Assistenztiere sind natürlich von den Gebühren ausgenommen. Näpfe werden bereitgestellt.


Noch mehr tolle Hotels findest du hier…

#29 Praxisreihe: DJAYA – Yoga und Soundhealing

Erfahre tiefe Erdung und Verbundenheit mit Tanja Seehofer und Yann Kuhlmann

Heute kannst du dich in der „YogaWorld Praxisreihe“ auf eine einzigartige Reise in dein Inneres begeben. Tanja Seehofer und Yann Kuhlmann sind gemeinsam „DJAYA – Yoga & Soundhealing“. Yann begleitet eine Yin Yogapraxis von Tanja mit meditativer Livemusik in der Frequenz 432 Hz. Erfahre, warum genau diese Frequenz so besonders ist und mache den Selbsttest in vier wirkungsvollen Asanas:

1. Unterstützter, liegender Schmetterling

2. Liegender Halbmond

3. Drehung

4. Shavasana

Wir freuen uns, wenn du von deinen Erfahrungen erzählst. Schreib an Podcast@yogaworld.de oder kommentiere auf Instagram. Jetzt aber wünschen wir dir ganz viel Spaß und inspirierende Erlebnisse!