10 Tipps für mehr Balance in Gleichgewichtshaltungen

Tipps Gleichgewicht Yoga

Wunderbar, wenn man ganz mühelos ins Gleichgewicht findet, egal ob auf zwei Beinen oder (typisch Yoga) irgendwie andersrum. Aber woran hapert es eigentlich, wenn es mit der Balance in Asanas nicht so recht klappen will? Wir sind der Sache mal auf den Grund gegangen und haben 10 Tipps für mehr Balance in Gleichgewichtshaltungen für dich.

Text: Stephanie Schauenburg / Fotos: Yan Krukov von Pexels

1. Kopfarbeit

Der vielleicht häufigste Fehler ist ein Denkfehler: Gleichgewicht ist nichts Statisches, sondern durch und durch dynamisch, ein Pendeln oder Schwingen um die Mitte – mal mit winzigen und mal mit größeren Bewegungen. Wenn du genau das auch erwartest und jedem Kippeln oder Schwanken so freundlich und entspannt begegnest wie ein Grashalm dem Wind, wird es sofort viel besser klappen.

2. Der Patanjali-Trick

Sthira Sukham Asanam – stabil und zugleich leicht soll die Asana sein. Für Gleichgewichtshaltungen heißt das konkret: die nötige Kraft aufwenden, um ein gutes Alignment zu erreichen, zugleich aber alle unnötige Anspannung loslassen, weich werden, atmen und sich zur Mitte hin sammeln, statt sich krampfhaft zu halten – und dann wachsen.

3. Von unten nach oben

Pflanzen machen es uns vor: Jede Gleichgewichtshaltung (und überhaupt jede Asana) wird von der Basis her aufgebaut. Egal ob das beide Füße, ein Fuß, die Hände oder auch mal die Sitzknochen sind, immer gilt: Die Kontaktpunkte werden präzise aufgesetzt und verwurzeln sich lebendig und kraftvoll am Boden. Von diesem erdenden Halt aus kann sich eine Haltung durch alle Körperteile hindurch nach oben entfalten. Extra-Tipp: Neben exakter Ausrichtung der Standfläche und Verwurzelung nach unten entsteht Stabilität auch durch Hasta Bandha und Pada Bandha, die energetischen Verschlüsse von Hand und Fuß.

4. Im Zentrum

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Jeder Körper ist anders … Wo liegt DEIN Körperschwerpunkt?

Nicht erschrecken, jetzt geht’s um Physik: Mache dir bewusst, wo der Körperschwerpunkt liegt und was das für die Statik der Haltung bedeutet. Im wahrsten Sinn des Wortes „zentral“ ist es, bei Gleichgewichtshaltungen Kraft und Stabilität in der Körpermitte aufzubauen. Rumpf, Arme und Beine werden dann so um diese Mitte herum angeordnet, dass im Spiel mit der Schwerkraft ein Gleichgewicht entstehen kann.

5. Linienführung

Physik Teil 2: Manche Yogastile erheben das Alignment zur Wissenschaft, andere gehen eher intuitiv damit um, doch immer gilt: Es macht einen Unterschied, wie welche Körperteile zueinander ausgerichtet sind. Das Denken in Linien und Achsen kann helfen, ein Gespür für das Spiel der Kräfte zu entwickeln – nicht im Sinn von kalter, geometrischer Mechanik, sondern für eine lebendige, organische Balance.

6. Fokus

Nicht nur Yogis, auch Tänzer und Akrobaten lernen, sich mit Hilfe eines Blickpunktes „festzuhalten“ und damit das Gleichgewicht zu unterstützen. „Drishti“ nennt man diesen Fixpunkt im Yoga. Aber Vorsicht: Auch für die Augen gilt Sthira Sukham Asanam (siehe Tipp 2). Ist der Blick starr und verkrampft, hilft dir Drishti nicht viel weiter. Also: den Fixpunkt zwar halten, Augen und Gesicht dabei aber entspannen.

7. Innere Bilder

Ein Baum mit tiefen Wurzeln, Kraftlinien, die sich durch den ganzen Körper ziehen oder das Becken als Schale: Solche und ähnliche Bilder sind eine wichtige Hilfe beim Erlernen zunächst schwieriger Asanas. In Gleichgewichtshaltungen können Visualisierungen dich dabei unterstützen, deine innere Achse zu finden, deinem Körper zu vertrauen und vom hektischen Kippeln in ein feines Schwingen überzugehen.

8. Hilfen

Hilfsmittel gibt es, damit wir uns helfen lassen. Doch in Gleichgewichtshaltungen haben sie auch ihre Tücken: Wenn man zum Beispiel den Handstand vor der Wand lernt, kann es sein, dass man nie ein richtiges Gefühl für die Senkrechte und die innere Achse gewinnt. Setze deshalb Wand, Block oder Stuhl eher als mentale Stütze und Orientierungspunkte für deine Raum-Lage-Wahrnehmung ein, aber nicht als Krücke.

9. Spieltrieb

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In Gleichgewichtshaltungen erkennst du sofort, wie sehr du „in deiner Mitte“ bist.

Gleichgewichtshaltungen sind ein wunderbarer Anlass, sich dem eigenen Körper und seinem Verhältnis zu Raum und Schwerkraft wieder so zu nähern, wie zuletzt als Kind: mit ungebremster, spielerischer Neugier. Einfach mal ausprobieren, was geht, schwanken, vielleicht umfallen – und es gleich nochmal versuchen. Spannend dabei: Kein Tag ist wie der andere. An der Balance erkennt man sofort, wie sehr man „in seiner Mitte“ ist.

10. Üben, üben, üben

Sogar Ashtanga-Crack Ronald Steiner gibt zu, dass er jahrelang getüftelt hat, bis er den Handstand so richtig „raus“ hatte. Das zeigt: Mühelose Balance ist zwar himmlisch, aber diese Mühelosigkeit fällt leider nicht vom Himmel. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als schwierige Gleichgewichtshaltungen immer wieder aufs Neue zu versuchen. Dabei hilft eine andere Art von Balance, nämlich die zwischen Disziplin und spielerischer Freude. Am Ende lernen wir dabei deutlich mehr als eine neue Asana: Geduld.

Medhya Rasayana: Resilienz stärken mit Ayurveda

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„Besondere Zeiten bedürfen besonderer Maßnahmen.“ Dieser in der Pandemie oft zitierte Satz gilt auch für die psychische Gesundheit: Die Ängste und Einschränkungen der Corona-Zeit können wir nur mit guter Resilienz meistern – und um diese Widerstandskraft zu fördern, hat Ayurveda eine Menge zu bieten: Medhya Rasayana

Aus Sicht der traditionellen Ayurveda-Medizin ist die Kombination aus sanftem Hatha-Yoga, Pranayama und Medhya Rasayanas die beste Art, die psychische Gesundheit zu stärken. Die positive Wirkung einer regelmäßigen Yogapraxis mit Atemübungen auf ein stressbedingt überstrapaziertes Nerven- und Herz- Kreislaufsystem kannst du unmittelbar beim Tun erleben. Doch was sind Medhya Rasayanas?

Darunter versteht Ayurveda stärkende Maßnahmen für das mentale Gleichgewicht. Dazu zählen spezielle Nahrungsmittel und Heilkräuter, aber auch Methoden der ayurvedischen Psychotherapie. Typische pflanzliche Heilmittel sind beispielsweise Kürbis, dunkle Trauben und Datteln als Teil des täglichen Speiseplans sowie Amalaki, Brahmi, Mandukarpani oder Guduchi zur Nahrungsergänzung.

Ayurvedische Heilpflanzen

Ayurvedische Heilpflanzen
  • Amalaki, (Phyllanthus emblica) ist der Allrounder gegen Stress. Die als „Mutter der Medizin“ bezeichnete Amla-Frucht wird in der traditionellen Ayurveda-Heilkunde für ihre schützende, stärkende, regenerative und präventive Wirkung gegen alle stressbedingten Erkrankungen geschätzt.
  • Guduchi (Tinospora cordifolia) ist eine besonders ausgleichende Rasayana-Pflanze für alle Pitta-Typen. Die Kletterpflanze mit herzförmigen Blättern ist bekannt für ihre ausgleichende Wirkung auf das Verdauungssystem, alle Doshas und die Psyche. Speziell Menschen, die auf Druck mit Verhaltensauffälligkeiten oder Ticks reagieren, wird Guduchi empfohlen.
  • Brahmi, das Nabelkraut (Bacopa monnieri), gilt unter den Medhya Rasayanas als beste Pflanze, um höhere mentale Fähigkeiten zu wecken. Deshalb wurde es auch nach Gott Brahma benannt. Neben dieser spirituellen Bedeutung ist Brahmi sehr wirkungsvoll, um das Gedächtnis zu verbessern, die Nerven zu beruhigen und die Konzentration zu steigern.
  • Ashwagandha, die Schlafbeere (Witania Somnifera) ist, wie der deutsche Name schon andeutet, ein sehr gutes Akutmittel gegen Erschöpfung und Leistungsschwäche mit schlaffördernder Wirkung. Das aus der Wurzel gewonnene Pulver wird im Ayurveda für seine nervenberuhigende, kräftigende und immunstärkend Wirkung geschätzt.
  • Yashti, die Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra), nährt das Gehirn und hilft mit seiner beruhigenden Wirkung gegen Aufgeregtheit, Stress und Einschlafstörungen. Besonders
    wohltuend ist Süßholz für die Stimme, deshalb wird es auch bei Erkältungserkrankungen zusammen mit Ingwer und etwas Zitrone als Tee verabreicht.

Sie alle wirken innerhalb der ganzheitlichen Ayurveda-Therapie nervenstärkend, konzentrations- und leistungssteigernd. Deshalb sind sie bei stressbedingten Beschwerden fester Bestandteil eines Behandlungsplans.

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Resilienz ist Typsache

Die Kernfrage, wenn es um psychische Gesundheit und Resilienz geht, lautet im Ayurveda: Wie stark ist dein Geist? Wir kennen das alle: Verfügen wir über eine stabile Psyche mit guter Resilienz, sind wir auch in stressigen Zeiten in der Lage, einen kühlen Kopf zu bewahren und mit positiver Kraft und Optimismus allen Hindernissen zu trotzen. Sind unsere mentalen Kräfte jedoch erschöpft, so fühlen wir uns bereits bei kleinen Problemen überfordert und gestresst. Um die Stärke des Geistes, das sogenannte Sattva Bala, des Einzelnen zu bemessen, untersucht die ayurvedische Psychologie die persönliche Konstitution und die typgemäße Reaktionsweise im Umgang mit Krisensituationen. Denn je nachdem, ob das individuelle Persönlichkeitsprofil mehr von Vata, Pitta oder Kapha geprägt ist, kann man mehr oder weniger gut mit dauerhaftem Frust, Sorgen oder Überforderung umgehen.

Resilienz: Jeder Ayurveda-Typ geht anders mit Stress um.

Vata-Typen: sensibles Nervenkostüm

In stressigen Zeiten am meisten auf sich aufpassen müssen Vata-Typen. Sie sind von Natur aus mit ihrem zarten Körperbau und einem sensiblen Nervenkostüm nicht besonders belastungsfähig und neigen dazu, sich von Sorgen, Ängsten und Zweifeln übermannen zu lassen. Schlafstörungen, Konzentrationsmangel und neurologische Beschwerden, wie Tinnitus, Kopf- oder Rückenschmerzen sind da schnell mal die Folge. Zum Ausgleich setzt Ayurveda auf entspannende Ölmassagen, Meditation und einen geregelten Tagesablauf mit warmen Mahlzeiten und nervenstärkenden Kräutern. Aus der großen Palette der Medhya Rasayanas eigenen sich Brahmi, Mandukarpani und Ashwagandha ganz besonders gut zur körperlichen und mentalen Stärkung zum Vata-Ausgleich.

Kapha-Typen: ständiger Druck beeinflusst Wohlbefinden

Am wenigsten ansehen kann man stressbedingte Überforderungen Kapha-Typen. Sie wirken mit ihrem kräftigen Körperbau und einer phlegmatischen Art wie der Fels in der Brandung. Dennoch ist die mentale Stärke auch bei einer Kapha-Person nicht unerschöpflich. Steht sie ständig unter Druck – besonders wenn Beziehungsprobleme, Streit oder plötzliche Veränderungen wie eine Kündigung das seelische Wohlbefinden beeinträchtigen – so steckt sie häufig den Kopf in den Sand und flüchtet sich in Erstarrung und Antriebslosigkeit. Wichtigste Maßnahmen für die Resilienz zum Kapha-Ausgleich sind dann dynamische Yoga-Übungen, scharfe Gewürze und anregende Medhya Rasayanas, wie Trikatu und Amalaki.

Pitta-Typen: gefährliche Stressspirale

Gefährlich ist die Stressspirale auch für Pitta-Typen. Diese nehmen die widrigen Herausforderungen des Alltags zwar erst einmal sportlich und versuchen Probleme mit Kampfbereitschaft und eiserner Disziplin zu besiegen. Doch mentale Reizbarkeit, innere Anspannung, Bluthochdruck, Migräne und Entzündungen des Verdauungstraktes zeigen deutlich an, wenn Pitta die Grenzen der mentalen Belastungsfähigkeit überschritten hat. Nun heißt es, Druck rausnehmen und die psychische Gesundheit mit Pitta-ausgleichenden Medhya Rasayanas zu stärken. Kurkuma, Guduchi, Trauben, Granatäpfel sowie Ausdauersport und kühlende Pranayama-Übungen können die innere Gelassenheit und psychische Balance wieder herstellen. Auch Übersäuerung und Bluthochdruck kann man auf diese Weise lindern.

Resilienz in der Praxis

Die ayurvedischen Resilienz-Therapie verfolgt einen ganzheitlichen Behandlungsansatz der auf drei Schritten basiert. Wir beginnen immer mit den bereits beschriebenen Medhya Rasayanas, um die körperlichen und psychischen Reserven neu aufzuladen. Darauf folgen psychotherapeutische Interventionen mit Blick auf die krankheitsverursachenden Faktoren. Und anschließend richtet sich der Blick mit nachhaltigen Maßnahmen zur Selbstfürsorge und Eigenverantwortung in die Zukunft.

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Schritt 1: Den Körper stärken

Mentale Stärke und Resilienz braucht aus ayurvedischer Sicht an erster Stelle unterstützende Maßnahmen für die körperliche Stabilität. Ölmassagen, Yoga und Atemübungen entspannen das Nervensystem und fördern die psychische Kraft. Ergänzende Empfehlungen für eine vegetarische Ernährung mit frisch zubereiten und in Achtsamkeit eingenommen Mahlzeiten sind Grundlage einer ayurvedischen Psycho-Diät. Als Medhya Rasayanas für den täglichen Speiseplan empfiehlt Ayurveda den regelmäßigen Verzehr von Datteln, Rosinen, Trauben, Walnüssen, Granatapfel, Kürbis, Basilikum, Rosmarin, Safran, Ajwain (Königskümmel), Süßholz sowie Milch und Ghee (Butterschmalz).

Schritt 2: Psyche und Seele heilen

Erkennen, was uns krank macht – das ist das Motto des zweiten Therapieschrittes. Dazu setzt Ayurveda auf eine typgerechte Gesprächstherapie, die zur Selbstreflektion anregt und krankheitsverursachende Verhaltensmuster und Glaubenssätze transformieren hilft. Wichtigstes Ziel der psychologischen Ayurveda-Therapie für eine bessere Resilienz ist die Beseitigung von mentalen Hindernissen, die einer Verhaltensänderung im Weg stehen.

Schritt 3: Heilsame Rituale für den Alltag

Entscheidend für eine nachhaltige Resilienz auch in stressigen Zeiten ist die eigene Handlungskompetenz. Deswegen dreht sich im 3. Schritt alles um ein Verhalten, durch das sich Gesundheit, Glück, Erfolg, Lebensfreude, Liebe und Erfüllung auf Dauer gewinnen lassen. Dazu werden energiestärkende Rituale in den Alltag eingebaut, die den körperlichen Bedürfnissen des eigenen Konstitutionstyps entsprechen und die Belastungsfaktoren der aktuellen Lebenssituation berücksichtigen. So verankert man eine liebevolle Selbstfürsorge fest im täglichen Leben. Gelingt es uns, diese ayurvedischen Grundsätze für die psychische Gesundheit umzusetzen, so haben wir nicht nur besondere Maßnahmen für besonderen Zeiten kennengelernt, sondern eigentlich etwas viel Wichtigeres: einen Leitfaden für ein gesundes, glückliches und langes Leben mit Ayurveda und Yoga.

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Autorin Kerstin Rosenberg ist eine international bekannte Ayurveda-Spezialistin, Seminarleiterin und Buchautorin. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die renommierte Europäische Akademie für Ayurveda mit angeschlossenem Ayurveda-Kompetenz- und -Kurzentrum in Birstein. Unter blog-ayurveda.de findest du regelmäßig ihre neuen Beiträge rund um Ayurveda, Gesundheit und Genuss.

Praxis-Strecke für ein heilendes Herz


Um Trauer zu bewältigen, braucht man innere Kraft und Vertrauen. Diese Übungssequenz von Seane Corn zielt darauf ab, die Herzgegend mit aktiven Rückbeugen und Drehhaltungen zu weiten und sie dabei mit Energie zu versorgen. Gleichzeitig beruhigen tief entspannende Übungen aus dem Restorative Yoga das häufig erschöpfte Nervensystem und nähren Körper und Geist. Steigst du gerade erst ein? Schaue dir die Einleitung an, Yogamatte ausrollen und schon kann es für dein heilendes Herz los gehen.

Text & Sequenz: Seane Corn, Fotos: Joe Hancock

Versuche jeden Morgen zu üben. Möglichst in einer ruhigen, geschützten Atmosphäre. Beobachte deine körperlichen Wahrnehmungen und versuche sie zu benennen. Etwa mit Begriffen wie „müde“, „angespannt“ oder „schwer“. Auch für deine Gefühle kannst du Worte finden, vielleicht „traurig“, „ängstlich“ oder „wütend“. Beides hilft dir, jetzt zu heilen, anstatt sich gegen deine Empfindungen abzuschotten und umso länger zu leiden. Tiefes, bewusstes Ausatmen hilft dir beim Loslassen emotionaler Spannungen.

Anfangsmeditation

Meditation Namaste Yogaworld

Finde eine bequeme, aufrechte Sitzhaltung. Währenddessen stehen die Hüften höher als die Knie (falls nötig setzt du dich erhöht auf ein Kissen). Schließe die Augen und lege die Handflächen im Anjali-Mudra vor dem Herzen aneinander. Atme ruhig und tief. Nach einer Weile formulierst du im Stillen eine Intention für diese Praxis. Seane Corns Formulierung dafür ist folgende:

“Möge diese Praxis mich mit meinem Körper in Verbindung bringen. Mich im Hier und Jetzt erden und meine Trauer heilen. Ich bitte um Klarheit und um die Kraft, all jene begrenzten Überzeugungen loszulassen, die mich davon abhalten, mich zu verändern und zu wachsen. Möge sich mein Herz öffnen, um jenseits des Verstandes zu schauen, bedingungslos ja zu sagen und ohne zu zögern zu lieben.”

1. Anjaneyasana (tiefer Ausfallschritt)

Herzöffnung Anjaneyasana Yogaworld

Aus dem Stand machst du mit dem rechten Bein einen weiten Ausfallschritt nach hinten. Setze die Fingerspitzen beidseits des vorderen Fußes auf und strecke die Wirbelsäule lang. Nach 4 tiefen Atemzügen legst du Knie und Fuß des hinteren Beins am Boden ab. Mit einer Einatmung hebst du den Rumpf. Richte das Becken möglichst gerade nach vorn aus, bevor du die Hände hinter dem Körper verschränken. Mit der nächsten Einatmung streckst du die Arme nach hinten und weitest die Brust. Richte den Blick sanft geradeaus und atme 4 bis 5 Mal tief. Dabei richtest du die Aufmerksamkeit auf mögliche Spannungsgefühle in der Brust und stellst dir vor, wie diese Aufmerksamkeit den Blutfluss in der Herzgegend verstärkt. Über den herabschauenden Hund wechst du die Seiten.

2. Hoher Ausfallschritt mit Drehung

Twist hoher Ausfallschritt Yogaworld

Setze aus dem herabschauenden Hund das linke Bein nach vorn in einen hohen Ausfallschritt. Die rechte Hand bleibt am Boden, wenn du nun den linken Arm heben und den Rumpf aus mittlerer und oberer Wirbelsäule heraus zur Seite drehen. (Einfachere Alternativen: Setze die rechte Hand wie abgebildet erhöht auf einen Block oder stütze den rechten Unterarm auf dem linken Oberschenkel auf.) Strecke dich durch die rechte Ferse lang nach hinten, ziehe die Brust lang nach vorn und halte das Becken gerade, um der Haltung Stabilität zu verleihen. Der Blick folgt 5 Atemzüge lang sanft der gehobenen Hand und Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auch hier auf die Herzgegend. Erneut wechselst du die Seiten über den herabschauenden Hund.

3. Shalabhasana (Heuschrecke)

Shalabasana Yogaworld

Verschränke in der Bauchlage die Hände hinter dem Rücken und strecke die Beine lang nach hinten aus. Verwurzele das Schambein fest am Boden, bevor du mit einer Einatmung Beine, Brust und Hände heben. Strecke die Zehen nach hinten und die Brust nach vorn. Der Nacken bleibt möglichst weich, der Blick geht sanft nach vorn. Nach 3 tiefen Atemzügen machst du eine kleine Pause in Bauchlage oder in der Stellung des Kindes, dann wiederholst du die Übung. Sie wirkt der Tendenz entgegen, die Schultern schützend nach vorn zu ziehen und die Brust eng zu machen – eine typische Körperreaktion auf seelischen Schmerz. Nach der Wiederholung entspannst du eine Weile in der Stellung des Kindes.

4. Setu Bandha Sarvangasana (Schulterbrücke)

Brücke Yogaworld

Stelle in der Rückenlage die Füße in hüftbreitem Abstand unter den Knien auf. Mit einer Einatmung hebst du langsam das Becken und verschränkst die Hände hinter dem Rücken. Rolle die Schulterblätter zueinander hin und weite die Brust. Dabei schließst du die Augen und atmest 4 Mal tief und langsam ein und aus. Nach einer kurzen Pause mit zur Brust gezogenen Knien wiederholst du die Übung zwei weitere Male. Danach ziehst du erneut die Knie zur Brust. Die Schulterbrücke ist eine Einladung, zugleich stark und verletzbar zu sein. Außerdem erhöht sie den Blutfluss zu Gehirn und Drüsen, die Hormonhaushalt und zentrales Nervensystem steuern.

5. Krokodil (intensive Drehung in Rückenlage)

liegender Twist Yogaworld

Lege in der Rückenlage das rechte Bein über das linke und lassen Sie beide Beine nach links sinken. (Wenn das unangenehm für den unteren Rücken ist, stelle beide Füße auf und lassen die Knie nur locker zur Seite kippen.) Breite den rechten Arm zur Seite aus, die linke Hand legst du locker auf das rechte Knie, der Kopf sinkt weich nach rechts. Bei dieser und den folgenden Übungen steht bewusstes Loslassen und Entspannen im Vordergrund. Dazu schließt du die Augen und lauschst deinem Atem. Nach 8 bis 10 Atemzügen kehrst du mit einer Einatmung zur Mitte zurück. Pausiere kurz mit zur Brust gezogenen Knien, dann wechselst du zur anderen Seite.

6. Sanfte Drehung auf dem Bolster

erweitertes Krokodil Yogaworld

Setze dich seitlich auf die Matte und platziere ein Bolster so, dass ein Ende deine linke Hüfte berührt. Drehe dich zu der Kissenrolle hin und lege Rumpf und Kopf darauf ab. Wenn du die rechte Wange nicht weich und mühelos ablegen und wirklich bequem liegen können, unterpolstere die Haltung mit zusätzlichen Kissen. Schließe zudem die Augen und lege die Arme entspannt am Boden oder auf dem Bolster ab. Die Haltung veranlasst das Nervensystem, in den Ruhe- und Verdauungsmodus zu gehen. Sie erdet den Körper und beruhigt den Geist. Bleiben Sie mindestens 2 Minuten lang liegen, bevor du dich behutsam wieder aufrichten und die Seiten wechseln.

7. Pashchimottanasana (Vorwärtsbeuge im Sitzen, mit Bolster)

sitzende Vorbeuge Yin Yogaworld

Setze dich mit nach vorn ausgestreckten Beinen auf die Matte und platziere das Bolster längs auf deinen Beinen. Lass die Wirbelsäule mit einer Einatmung noch einmal ganz lang werden, bevor du dich ausatmend nach vorn auf das Bolster sinken lassen. Der Kopf dreht dabei zu einer Seite, die Arme liegen entspannt längs der Beine am Boden. (Wenn das zu viel Spannung an den Beinrückseiten oder am unteren Rücken verursacht, lege Kopf und Arme statt dessen auf der mit einem Kissen gepolsterten Sitzfläche eines Hockers ab.) Entspanne dich jetzt tief und ruhig atmend mindestens 1 Minute lang mit geschlossenen Augen.

8. Shavasana (Endentspannung mit Bolster)

Mit einer Einatmung richtest du dich aus der Vorwärtsbeuge wieder zum Sitzen auf. Platziere die Kissenrolle hinter dich längs auf der Matte. Lege anschließend Rücken und Kopf auf dem Bolster ab. Damit der Nacken weich bleibt und sich der gesamte Körper entspannen kann, erhöhe auch hier die Liegefläche nach Bedarf durch weitere Kissen. Die Arme sinken währenddessen schwer zu den Seiten, die Augen sind geschlossen und du atmest tief und weich. Bleibe mindestens 2 Minuten liegen. Dann rollst du dich seitlich vom Bolster, stellst die Füße auf und lässt den Rücken mehrere Atemkreisläufe lang am Boden ankommen.

9. Abschließende Meditation für ein heilendes Herz

Kehre nun zurück in die bequeme Sitzhaltung. Die Augen sind geschlossen, die Hände vor dem Herzen aneinander gelegt und du lauschst eine Weile auf deinen Atem. Dann formulierst du erneut eine Intention wie zum Beispiel diese:

„Den höheren Mächten dankend bitte ich zugleich um Kraft für meinen Weg der Heilung. Möge ich mitfühlen-der und liebevoller werden. Nicht trotz meines Verlustes und meiner Trauer, sondern dank dieser Erfahrung. Möge ich Dankbarkeit empfinden für mein Leben und den Segen der darauf liegt und weiterhin liegen wird. Und möge ich keinen Moment meines Lebens für selbstverständlich halten, sondern diesen und jeden Moment würdigen. Möge ich Vertrauen in den Heilungsprozess finden und wahren können. Dann möge ich mich seinen Lehren anvertrauen und erfahren dürfen, wie er mein Herz für eine tiefere Liebe öffnet.“


Seane Corn Yogaworld

SEANE CORN ist nicht nur als Yogalehrerin international bekannt, sondern auch als Aktivistin, ganz besonders durch die von ihr gegründete Organisation „Off the Mat into the World“. Vor der Kamera stand für diese Sequenz ANI JACKSON, eine Yin-Yogalehrerin aus Colorado.

In Erinnerung an Guru Jagat

Mit großer Trauer haben wir erfahren, dass Guru Jagat am 1. August ganz überraschend mit nur 41 Jahren in Los Angeles gestorben ist. Guru war ein moderner, populärer Guru, dazu (betont) weiblich. Ihre Variante des Kundalini-Yoga präsentierte die Amerikanerin als kraftvolle Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit – und traf damit nicht nur den Nerv der „Digital Natives“. YJ-Redakteurin Christina Raftery traf sie 2018 auf ihrer Buchtour und erinnert sich zurück. 

An diesem Tag genoss Guru sichtlich eine echte bayerische Brezen. Sie, die sonst nie Gluten zu sich nahm, hatte es auf der München-Station ihrer Deutschlandtour getan und erzählte minutenlang von der extremen Wirkung des wuchtigen Gebäcks auf ihr sensibles System. Dass das nicht nervte, sondern bestens unterhielt, sprach bereits vor der Veranstaltung für ihre Entertainer-Qualitäten. Optisch eine gesündere Version von Janis Joplin, verbreitete sie in ihren Workshops und ihrem Buch „Unbesiegbar leben“ Kundalini-Yoga als Rundum-Programm, in dem Gesundheit, psychische Kraft und spirituelle Präsenz auf besonders effektive Weise zusammenkommen. Spektakulär einfach klingende Beauty-Tipps („mit Beckenbodentraining zu Faltenfreiheit“) und Drei-Minuten-Kurzprogramme, die so ziemlich alles Unangenehme aus dem Leben räumen sollen, haben Guru Jagat eine große Fangemeinde beschert.

Bei ihr traf Turban auf Tablet: Sie unterrichtete in der traditionellen, weißen Kundalini-Kluft, doch mit griffbereitem Handy und spielte dabei Musik ihres eigenes Labels. Als Unternehmerin betrieb sie Studios in Los Angeles, New York und auf Mallorca, dazu den Videokanal Rama TV und professionelle Social- Media-Auftritte.

Begleitet wurde sie auf Tour von einem wuseligen Team. Ununterbrochen nestelte die Assistentin an der Technik, besorgte Cappuccinos und Smoothies, rückte Yogi Bhajans Foto auf dem Bühnenaltar zurecht. Diese Choreografie und Entourage hatte Guru Jagat vielleicht von ihren prominenten Schülerinnen übernommen: Stars wie Alicia Keys, Demi Moore und Kate Hudson übten regelmäßig mit ihr. Dass ihr dabei Community sehr wichtig war, das zeigen auch die Fotos im Buch „Unbesiegbar leben“: Stets umringt von einer weiß gekleideten, sympathischen Hipster-Clique, setzte Guru Jagat einen erfrischenden Kontrapunkt zu den Solo-Motiven anderer Lehrer, die sich gerne in akrobatischen Haltungen und Funktions-Leggings zeigen.

Durchaus selbstironisch und tief mit den Ideen ihres berühmten Lehrers verbunden, sah die mit damals 38 Jahren jüngste Kundalini-Yogalehrerin, die noch von Yogi Bhajan persönlich unterrichtet wurde, Yoga vor allem als Wissenschaft. Ihre optimistisch-blumigen Heilsver- sprechen konnten dabei durchaus „gaga“ klingen (Süddeutsche Zeitung). Doch der Schlüssel liegt in der Praxis: Die Übungen und Meditationen, die Guru Jagat an diesem Tag in München anleitete, hatten in ihrer Kompaktheit unmittelbare Wirkung. Genau wie ihre Person: Sie gab sich handfest, zugewandt, engagiert und humorvoll. Man fühlte sich auf Augenhöhe und konnte sich vorstellen, mit dieser Frau seinen Liebeskummer zu besprechen, Brillenshopping zu gehen (ihre eigene auffällige Sehhilfe stammte von Dolce & Gabbana) oder auch einen feministischen Diskussionszirkel mit veganen Snacks zu gründen. Guru Jagat modernisierte Kundalini-Yoga für junge Zielgruppen – und besonders für junge Frauen. Was übrigens ganz im Sinne Yogi Bhajans war, der Frauen wie sie als neue Führungskräfte im Yoga betrachtete.

Der beste Beweis für den Effekt ihres Kundalini-Yoga war sie tatsächlich selbst: Ausgeruht, gut gelaunt und tatsächlich faltenfrei vermittelte sie 2018 im Interview mit YOGA JOURNAL mit jedem Satz ihr Lieblings-Mantra: „Keep it simple“…

„Stars wie Alicia Keys, Demi Moore und Kate Hudson üben regelmäßig mit ihr.“

Das Besondere an Kundalini-Yoga scheint die unmittelbar sichtbare Wirkung der Übungen, der berühmte „Glow“. Auch du beschreibst Kundalini als ein besonders „effektives“ System. Wollen wir in einer Gesellschaft, die so sehr auf Effizienz setzt, Yoga nicht eher als Alternative, als Weg der Entspannung sehen?

Wir dürfen nicht vergessen, dass es der Westen war, der Yoga mit dem Attribut „sollte“ versehen hat: Wir sollten inneren Frieden finden, wir sollten uns vegan ernähren, wir sollten insgesamt besser werden – das ist ein westlicher Überbau. Die großen Lehrer und Rishis denken an „könnte“: Was könnte passieren, wenn wir unsere Lebensweise optimieren, gesünder lebten, aus tieferer Kraft schöpften? Waskönnte heute passieren, wenn ich tiefer atme, in die Stille gehe… Mein Ziel ist, dass sich die Menschen solche Fragen stellen. Ich möchte sie motivieren, zum Yoga-Wissenschaftler ihrer selbst zu wer- den und ein Experiment einzugehen: Was funktioniert für mich?

Parallel beschäftigst du dich viel mit den Herausforderungen durch die neuen Technologien: das pausenlose Verfügbarsein und die Informationsflut, der wir nonstop ausgesetzt sind.

Wir Westler repräsentieren oft eine „Typ A“-Persönlichkeit, sind hoch organisiert, leistungsorientiert und immer im Wettbewerb. Es ist tief in unserer Kultur begründet. Yogi Bhajan war das bewusst. In seinem sehr realistischen Zugang zu Yoga hat er damit gearbeitet, statt es auszublenden oder negativ zu bewerten. Schließlich haben wir es heute mit Menschen zu tun, die die nächste Generation des Internet vorbereiten – und damit entscheidende Veränderungen bewirken werden, hoffentlich zum Guten.

Empfindest du eine davon als besonders dringend?

Jahrhundertelang sind alle Traditionen zur Kontemplation von Männern begründet worden, während die Frauen das System Familie erhielten. Hier wird es zu einer großen Verschiebung kommen, beziehungsweise: Wir sind schon mittendrin.

Yoga beschreibst du als Technologie, Werkzeug, Wissenschaft: alles männlich konnotierte Begriffe …Tatsächlich empfinde ich mich als analytische Natur und stand dem esoterischen „Fou fou“ in der Yogaszene und den Ritualen, von denen man nie die genaue Bedeutung erfuhr, immer etwas ratlos gegenüber. Wir leben in einem Zeitalter, in dem ein immenses Interesse am menschlichen Potential besteht. Wie können wir uns intensiv mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, wenn wir unsere eigene kaum erforscht haben?

Dein spiritueller Name trägt das Wort „Guru“ in sich, worunter man sich wohl eher einen strengen, bärtigen Inder vorstellt. Mit welcher Bedeutung füllst du dieses Wort?

Yogi Bhajan hatte viel Humor. Dass er mir als 21-jähriger Yogaschülerin den Namen „Guru“ gab, beweist es (lacht). Nein, ich glaube, dass ich ihn erhielt, weil er ernsthaft von dem Wechsel zu weiblicher Führungskraft in der Welt überzeugt war. Dazu kommt, dass wir in der Kundalini-Tradition davon überzeugt sind, dass der Klang eines Wortes dessen wahre Bedeutung und Kraft enthält. Wir verstehen Klänge als direkten Zugang zum Gehirn, die es regelrecht massieren und aktivieren. In der Aussprache des Wortes „Guru“, das in vielen unserer Mantras vorkommt, entsteht durch die Bewegung der Zunge eine Resonanz mit dem Hypothalamus, die die Chemie des Gehirn verändern kann.

„Letztlich empfinde ich alles, was beim Praktizieren wachgerufen wird, als mystische Erfahrung. “

Entsteht hier die Brücke zum Mystischen?

Das Chanten ist im Kundalini-Yoga sicher der wichtigste Teil der „Spiritualität“, wenn man so will. Ich habe meinen Namen bekommen, um mit ihm umzugehen, ihn zu rezitieren, über ihn zu meditieren. Er hat nichts mit einem „Guru-Trip“ zu tun. Aber natürlich bedeutet er „Lehrerin“, umfasst also auch ein Schicksal und eine Aufgabe.

Wie verändert sich die Aufgabe der spirituell Lehrenden heute?

Viele berühmte Yogalehrer haben in den letzten Jahren ihre Körper verlassen. Einige der Lehrer, die noch in ihrem Körper sind, enttäuschen ihre Schüler und stürzen von ihren Sockeln. Eine Veränderung scheint unausweichlich: Lehrer, die komplett im Mystischen aufgehen, sind nicht mehr zeitgemäß. Wir müssen mit den Umständen umgehen, die uns umgeben. Mir hilft es, das Leben als Kunst und meinen Job als den einer Künstlerin zu begreifen. Je kreativer wir sind, desto glücklicher. Ein anderer Teil meines Anliegens ist Transparenz – gerade in einer Zeit, in der es keine Geheimnisse mehr zu geben scheint.

In deinem Buch „Unbesiegbar leben“ erreichst du das unter anderem durch Fotos, die nicht der gängigen Yogaästhetik entsprechen.

Das war mir ein großes Anliegen. In dem Maß, in dem große Teile des Yoga in der Wellness-Industrie aufzugehen scheinen, gleicht sich auch die Ästhetik an. Man denkt oft, man habe es mit der Mode-Industrie zu tun – aber nein, hoppla, es ist Yoga! Was mir fehlt, ist eine positive Einstellung zu allen Körperformen und vor allem Hautfarben. Letzteres ist nicht einmal in meinem eigenen Buch genug repräsentiert. Mir geht es um Schönheit jenseits von Alter und eine sexy Ausstrahlung, die nichts mit viel Haut oder halsbrecherischen Yogahaltungen zu tun hat. Das erzeugt so viel Druck!

Schönheitstipps gibt es dennoch reichlich in deinem Buch.

Ja, für die wahre Schönheit von innen, hoffe ich. Wir werden nie aufhören, uns für Ratschläge zu interessieren, wie wir besser und gesünder aussehen. Das ist – Stichwort „Wissenschaft“ (lacht) – Teil des X-Chromosoms.

Wie empfindest du es als Vertreterin eines traditionellen Stils, dass wir heute die Auswahl unter einer Vielzahl von Yogarichtungen haben?

Dass Kundalini in diesem Zusammenhang nicht verschwindet, sondern sogar immer populärer wird, ist für mich das Ergebnis harter Arbeit – und einer sehr ernst zunehmenden Tradition. Wir machen das schon ein paar Tausend Jahre lang (lacht)! Ich habe von erfahrenen Lehrern gelernt und lege bis heute meinen Mentoren Rechenschaft ab. Das ist ein Unterschied zu den selbst ernannten Stilgründern und Lehrern auf Instagram. Verstehe mich nicht falsch: Ich bin ein großer Fan der Chancen, die die sozialen Medien bieten, und ich nutze sie ausgiebig – aber ich lasse mich nicht von ihnen benutzen.


Ihre erste Begegnung mit Kundalini Yoga hatte YJ-Autorin CHRISTINA RAFTERY im Kino: Im „Woodstock“-Dokumentarfilm keucht ein heftig Pranayama übender Hippie „Das ist besser als Drogen“. Im Workshop mit Guru Jagat verkniff sich Christina eine solche Bemerkung, konnte die beflügelnde Wirkung aber nicht verhehlen.

FOTOS: EVE BREGMAN, LISSANDRA VASQUEZ

Schmeckt nach Urlaub: Tomaten-Ciabatta-Salat, Kräuter-Gnocchi & Rucola-Pesto

Tomaten Ciabatta Salat Toskana

Wir holen uns den Geschmack der Toskana auf unseren Teller: mit saftigen Tomaten, fluffigem Ciabatta, selbstgemachten Gnocchi, frischen Kräutern und sündig öligem Rucola-Pesto …

Natürlich wären wir lieber höchstpersönlich in der Toskana. Oder in der Provence. Oder in Andalusien – überhaupt einfach irgendwo anders, als immer nur daheim. Bis dahin lassen wir uns den Geschmack unseres Fernweh-Ziels einfach genüsslich auf der Zunge zergehen. Alle Angaben sind für 4 Personen.

Lauwarmer toskanischer Tomaten-Ciabatta-Salat

  • 25-30 Cocktail Tomaten
  • 6 Scheiben Ciabatta
  • Jeweils zwei Zweige frischer Rosmarin,Oregano und Thymian
  • 1 Stück Parmesan (nach Belieben)
  • 1 EL gemahlener rosa Pfeffer
  • 1 Prise Zucker
  • 1 TL grobes Meersalz
  • 100 ml Olivenöl
  • 4 EL Balsamico Essig
  • Basilikum zum Dekorieren

Zubereitung:

Die Tomaten vierteln und die Kerne entfernen. Die Rosmarin-Nadeln fein hacken, Oregano und Thymian vom Stengel abstreifen. Ciabatta in Würfel schneiden, Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und das Brot darin anbraten. Wenn es eine goldgelbe Farbe bekommt, die restlichen Zutaten bis auf den Parmesan und das Basilikum zugeben und für weitere 3-4 Minuten unter gelegentlichem Rühren erhitzen. Vor dem Servieren nach Belieben frischen Parmesan über den Salat hobeln und mit Basilikum dekorieren.

Rezept-Tipp: Blumenkohlsteak mit Tomaten und Kapern

Kräuter-Gnocchi mit Rucola-Pesto

  • 1 kg mehlig kochende Kartoffeln
  • 500 g Mehl
  • 100 g Grieß
  • Jeweils ein Bund Schnittlauch und Petersilie
  • 1 TL Salz
  • 1/2 TL Muskatnuss

Zubereitung:

Schnittlauch und Petersilie kleinhacken. Die Kartoffeln gar kochen, schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Mit Grieß, Mehl, den Kräutern, Salz und Muskat vermischen und zu einem glatten Teig verarbeiten. Anschließend aus dem Teig lange Rollen mit etwa 4 cm Durchmesser formen. Den Teig in Stücke schneiden, zu kleinen runden Bällchen formen und mit einer Gabel eindrücken. Die Gnocchi im siedenden Salzwasser gar kochen, bis sie oben schwimmen.

Lese-Tipp: Gesund essen im Krisenmodus – Vorbereitung ist Alles

Rucola-Pesto

  • 1 EL geröstete Pinienkerne
  • 200g frischer Rucola
  • 5 EL Olivenöl
  • 1 TL Rohrzucker
  • 1/2 TL Chilipulver
  • 1/2 TL Meersalz
  • 1/2 TL gemahlener Pfeffer
  • 4 EL Orangensaft

Zubereitung:

Alle Zutaten mit Ausnahme des Olivenöls in eine Küchenmaschine oder klassisch in einen Mörser geben. Alles gut zerkleinern und anschließend sorgfältig mit dem Olivenöl vermengen.

Olivenöl–DIY-Tipp: Natürlich schön mit Olivenöl

Ayurveda & BBQ: Kochen und Karma – Plus: Die leckerste Süßkartoffel für den Grill.

Jetzt wird’s heiß: Wir erklären dir, warum Grillen und Ayurveda so gut zusammenpassen, was Kochen mit Karma zu tun hat und wie du ganz easy die leckerste Grill-Süßkartoffel plus Paprika-Nacho-Salat mit frischer Ananas zubereitest. Eins, zwei, GRILL …

Wenn man an ein klassisches BBQ denkt, tauchen vor dem inneren Auge schnell Bilder von Fleischbergen, Ketchup und Dosenbier auf. Dabei ist „Barbecue“ ursprünglich nur der Name für eine spezielle Technik der Fleischzubereitung und kann natürlich auf vegetarische Lebensmittel übertragen werden.

Traditionell bereitet man das Grillgut in einem so genannten Barbecue-Smoker zu: Bei dieser Art von Grill wird nicht direkt über dem Feuer gegrillt, sondern im heißen Rauch bei mäßiger Temperatur gegart beziehungsweise geräuchert. Im umgangssprachlichen Gebrauch bezeichnet man allerdings mit dem Begriff „Barbecue“ alle Formen von Grillpartys.

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Was BBQ mit Ayurveda zu tun hat? Tatsächlich ist es die Zubereitungsmethode, die aus Sicht des Ayurveda zu empfehlen ist. Sie fördert das soziale Zusammengehörigkeitsgefühl, Geselligkeit und Kommunikation. Beim traditionellen BBQ sitzt man gemütlich beisammen, während das Grillgut über mehrere Stunden langsam vor sich hin schmort, bis man zu essen beginnt.

Kochen und Karma

Im Sinne des Ayurveda hat das Zubereiten einer Mahlzeit auch eine karmische Bedeutung. Die Hinwendung an die Mitmenschen im Rahmen eines Festmahls erzeugt viel Positives und drückt Dankbarkeit für unsere Lebens-Mittel aus. Es müssen ja nicht gleich 108 Gänge wie bei einem traditionellen Hindu-Festmahl sein! Ein nettes Grillfest für Freunde zu organisieren, sie zu (er)nähren und stundenlang mit ihnen zusammen zu sitzen, ist eine gute Alternative. Wir stellen euch zwei Rezepte vor, die sich gut für ein BBQ eignen – eins für den Grill und einen Salat als Beilage:

Marinierte Süsskartoffel

(Für 4 Personen)

  • 1 große Süsskartoffel, geschält, halbiert und in Stücke geschnitten
  • 100 ml Olivenöl
  • 1 TL Tandoori-Gewürzmischung
  • 1 TL gemahlenes süßes Paprikapulver
  • 2 kleine Lauchzwiebeln, klein geschnitten
  • 1 TL gemahlener rosa Pfeffer
  • 1/2 TL grobes Meersalz

Die Süsskartoffel mit allen Zutaten vermischen und mindestens drei Stunden lang ruhen lassen. Anschließend alles in eine Aluschüssel geben, abdecken und auf dem Grill bei nicht allzu großer Hitze 20 bis 25 Minuten schmoren lassen.

Auch lecker: Gegrillte Aubergine mit Miso-Glasur

Paprika-Nacho-Salat mit frischer Ananas

(Für 4 Personen)

  • Je zwei rote und gelbe Paprika, gewaschen, halbiert, entkernt und in Streifen geschnitten
  • Zwei fingerdicke Scheiben frische Ananas, in Streifen geschnitten
  • 50 g Nacho-Chips
  • 2 EL Nacho-Dip, je nach Geschmack mild oder scharf
  • 4 EL Olivenöl
  • 2 EL süßer Balsamico-Essig
  • Etwas Salz und Pfeffer

Die Paprika- und Ananas-Stücke mit dem Nacho-Dip, Essig und Öl vermischen. 30 Minuten ziehen lassen. Kurz vor dem Servieren die Nachos zugeben, vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.


Titelbild via unsplash.com // Pavan Trikutam

Yoga-Playlist für Atemübungen

Playlist Yoga Atemübungen

Pranayama ist der Sanskrit-Name für die yogischen Atemübungen, die den Körper und den Geist verbinden. Manche Yogi*nis machen ihre Atemübungen gerne im Stillen, andere lieben es dabei Musik zu hören. Mit dieser Playlist kannst du auch im hektischen Alltag sanft in deinen Atemrhythmus kommen.

Im Gegensatz zu den Asanas und beliebten Entspannungstechniken wie Meditation und Savasana, werden Atemübungen im Yoga häufig als Nebensache gesehen. Dabei spielt der Atem im Gesamtsystem des Menschen eine wichtige Rolle – mal ganz davon abgesehen, dass es ohne ihn kein Leben gäbe. Über die Atmung nehmen wir Sauerstoff auf; aus yogischer Sicht aber auch Prana, die Lebensenergie.

Auch spannend: Atemtechniken für Fokus und Klarheit

Bewusstes Atmen hilft uns wieder zur Ruhe zu kommen und kann bei Angstzuständen und Panikattacken helfen. Mithilfe einer regelmäßigen Pranayama-Praxis lernen wir, den Atem wieder bewusster zu kontrollieren und wahrzunehmen und so unsere Lebensenergie zum Fließen zu bringen. Hier findest du viele heilende Atemübungen, die du zu dieser Playlist machen kannst. Suche dir dafür ein ruhiges Plätzchen und schenke dir und deiner Atmung täglich ein paar Minuten Zeit und Aufmerksamkeit.

10 wichtige Tugenden für unsere Zeit

10 Tugenden für unsere Zeit

Max Strom schlägt einen Katalog aus zehn universellen Tugenden vor. Nicht im Sinne der klassischen Gebote und Verbote, sondern als eine Art Arbeitsvorlage, um deine eigene Ethik klarer zu definieren und am Leben zu erproben.

„Wir möchten die Welt verändern – doch der Teil der Welt, auf den wir den meisten Einfluss haben, sind wir selbst.“ Der amerikanische Yogalehrer und Ethik-Referent Max Strom weiß, dass die beste Möglichkeit zur Veränderung in uns selbst liegt. Deswegen gibt er uns einen Leitfaden an die Hand: 10 Tugenden die wir im Alltag allzu gerne außer Acht lassen.

1. Dankbarkeit

Bewusst kultivierte Dankbarkeit löst negative Emotionen auf und öffnet das Herz für Freundlichkeit, Respekt und viele weitere Tugenden. „Dankbarkeit ist nicht nur die größte Tugend, sondern die Mutter aller Tugenden.“ (Cicero)

Lies auch: Freude kultivieren? Dankbarkeit einladen!

2. Freundlichkeit

In diesem Begriff ist das Gebot der Gewaltlosigkeit (Ahimsa) in eine aktive Haltung gewendet – das beinhaltet auch, dass der Impuls zu verletzen überwunden wird. „Meine Religion ist einfach, meine Religion ist Freundlichkeit.“ (Dalai Lama)

3. Respekt

In Gesten des Respekt spürt ein Mensch, dass er gesehen und geschätzt wird – Respekt ist ein Ausdruck der Gleichwertigkeit aller Wesen. „Respekt ist die höchste Form der Liebe.“ (Sufi-Sprichwort)

4. Ehrlichkeit

Wer ehrlich in Worten und Taten ist, wird nicht lügen und nicht stehlen. Allerdings sollte Aufrichtigkeit auch nicht verletzen, sie muss mit Freundlichkeit einhergehen. „Ehrlichkeit ist das erste Kapitel im Buch der Weisheit.“ (Thomas Jefferson)

5. Tugendhafte sexuelle Beziehungen

Hier sollten sich immer die ersten vier Tugenden verkörpern – was auch bedeuten kann, dass man sich in Zurückhaltung üben muss. „Wenn einem die Treue Spaß macht, dann ist es Liebe.“ (Julie Andrews)

6. Einfachheit

Das buddhistische Konzept der selbst gewählten Einfachheit ist eine soziale und ökologische Tugend, vor allem aber ist es ein Weg zu Klarheit und Zufriedenheit. „Nicht was ich habe, sondern was ich tue, ist mein Königreich.“ (Thomas Carlyle)

7. Zufriedenheit

Im deutschen Wort „Zufriedenheit“ steckt nicht umsonst das Wort „Frieden“, es beinhaltet Genügsamkeit und Gelassenheit – auch in schwierigen Zeiten. „Ich habe gelernt, mit der Lage zufrieden zu sein, in der ich mich befinde.“ (Apostel Paulus)

8. Disziplin

Eingeprägte Verhaltensmuster kann man nur mit Hilfe von Disziplin durchbrechen. So wie auf der Yogamatte müssen wir auch in der Ethik vor allem die Dinge üben, die uns schwer fallen. „Es werden mehr Menschen durch Übung tüchtig, als durch natürliche Anlage.“ (Demokrit)

9. Achtsamkeit

Im Zusammenhang mit Ethik bedeutet Achtsamkeit vor allem eines: die Folgen des eigenen Handelns für andere Lebewesen und die Umwelt zu berücksichtigen. „Die beste Weise, sich um die Zukunft zu kümmern, besteht darin, sich sorgsam der Gegenwart zuzuwenden.“ (Thich Nhat Hanh)

Zum Runterkommen: Achtsamkeitsmeditation – Fokus auf den Atem

10. Vergebung

Anderen zu vergeben, ist heilend, denn nichts kann einen glücklich machen, solange man Wut in sich festhält. „Groll zu empfinden ist, als ob man Gift trinkt und dann hofft, dass die Feinde daran sterben.“ (Nelson Mandela)


Lies auch die 10 Gebote des Yoga: Yamas und Niyamas von Max Strom erklärt.

Titelbild: Photo by Abigail Ducote on Unsplash