Mark Stephens: Yamas und Niyamas in der Yoga-Praxis

Mark Stephens über Yamas und Niyamas
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Yogalehrer haben viele Möglichkeiten, in ihren Stunden einen inneren Raum zu öffnen. Hier sind einige Techniken, die – auch beim persönlichen Üben – eine bedeutungsvollere Erfahrung fördern: Mark Stephens über Yamas und Niyamas.

Du willst die eigene Yoga-Praxis und die deiner Schüler bereichern? Hier erfährst du, wie dir das mit der Reflektion über Yamas und Niyamas gelingt. Denn die beiden Kernpunkte des Yoga Sutra sind Verhaltensempfehlungen: Für den Umgang mit anderen Menschen und für das Verhalten uns selbst gegenüber. 

Die Yogastunde als Raum für Stille

Lasse deinen Schülern mehr Raum für ihre eigenen Erfahrungen, anstatt ihnen mit vielen Worten deine eigenen Interpretationen und Vorstellungen überzustülpen. Jeder Yogi sollte lernen, möglichst genau in sich selbst hineinzuhören und die Effekte der eigenen Praxis wahrzunehmen.

Yama und Niyama in der Yoga-Praxis

Die beiden Kernpunkte des Yoga Sutra mit ihren zehn Geboten helfen dir, die Yoga-Praxis zu vertiefen und zu bereichern. So kannst du sie auf deine Yogastunde und eine eigene Praxis übertragen.

  • Ahimsa (Gewaltlosigkeit)

Schmerz wird im Yoga manchmal als Freund bezeichnet. Das stimmt aber nur dann, wenn er als Wegweiser für eine sichere und nachhaltige Praxis genutzt wird. 

  • Satya (Wahrhaftigkeit)

Als Yogalehrer solltest du nur das unterrichten, was du wirklich kennst und schätzt. Für die Lehre gilt ebenso wie für die Praxis: „Sei dir selber treu.“

  • Brahmacharya (heilige Lebensweise, Keuschheit)

Nutze deine Energien auf ehrenvolle Weise – würdige deine eigene Integrität ebenso wie das Wohlergehen und die Sicherheit deiner Schüler.

  • Asteya (Nicht-Stehlen)

Nimm dir nicht ohne Erlaubnis, was nicht dir gehört. Dazu gehören auch Ideen, Zeit und Kraft anderer Menschen.

  • Aparigraha (Nicht-Gier)

Öffne dich dafür, dass die Dinge zu dir kommen und sich dir als Möglichkeit erschließen, anstatt etwas zu erzwingen.

  • Saucha (Reinheit)

Stelle dir die Frage, wie das Streben nach Reinheit dein Leben beeinflusst: Was (und wer) hat darin Platz und welche Stoffe möchte ich in meinem Organismus haben?

  • Santosha (Zufriedenheit)

Sei bereit, in diesem Moment zufrieden zu sein, auch während die Praxis dich auf immer wieder neue Weise fordert.

  • Tapas (Eifer)

Auch während du Zufriedenheit und Genügsamkeit übst, verdient deine Praxis den größtmöglichen persönlichen Einsatz. Die Balance aus Stabilität und Mühelosigkeit ist dabei ein guter Wegweiser.

  • Svadyaya (Selbsterforschung)

Wer bin ich? Reflektiere während der Praxis fortwährend die Gesamtheit deine Erfahrungen. Lerne dich selbst in deinen emotionalen und geistigen Reaktionen kennen.

  • Ishvara Pranidhana (Hingabe an Gott)

Was ist der größere Zusammenhang? Denke über diejenigen Kräfte des Universums nach, die allem, was ist, Form und Bedeutung verleihen.

Spiritualität neu erfunden

Lasse diese Gebote aus dem Yoga Sutra in deinen Unterricht einfließen. Dabei geht es nicht darum, bestimmte Gottheiten anzurufen oder mit Sanskrit-Begriffen und philosophischen Schlagworten um sich zu werfen, sondern um ganz einfache Dinge: Vor allem darum, mehr Selbst-Gewahrsein zu fördern. Zum Beispiel indem man sich selbst in jedem Atemzug spüren lernt. Oder indem man versucht, das ganze Leben mehr vom Herzen her zu betrachten, geduldig und freundlich zu sein und offen gegenüber Fehlern.


Mark Stephens: Yamas und Niyamas hat dir gefallen? Lies mehr von Mark Stephens über Yogaunterricht für alle Bedürfnisse.


Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt „Schlaf“ erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Selbst-Mitgefühl bringt dein wahres Ich zum Blühen

Du musst oder möchtest etwas in deinem Leben ändern? Dann ersetze doch mal nüchterne Disziplin durch Selbst-Mitgefühl. Denn Studien belegen, dass das die effektivere Strategie ist, um Verhaltensänderungen zu etablieren.

Jeder gute Vorsatz beginnt mit übersprudelnder Begeisterung. Du fühlst dich gut, wenn du Yoga übst, also schwörst du dir, ab sofort jeden Tag zu praktizieren. Oder du merkst, dass deine nachmittäglichen Kaffeepausen dir Energie rauben und willst sie komplett kappen. Wenn du dir selbst dieses Versprechen gibst, fühlst du dich fröhlich. Oder beschwingt und sogar verbunden mit deinem höheren Selbst. Du bist bereit, deiner Sehnsucht nach Gesundheit und Glück Raum zu geben, und tief im Inneren weißt du auch: Du bist der Herausforderung gewachsen.

Selbstzweifel durch „Versagen“

Doch wenn dieser anfängliche Enthusiasmus nachlässt und du den ersten Rückfall erleidest (die verführerische Latte Macchiato, die verpasste Yogastunde …), dann meldet sich dein innerer Kritiker zu Wort: „Was läuft falsch mit dir? Warum bekommst du diese einfache, kleine Veränderung nicht hin?“ Die Stimme wird lauter und gemeiner, und bald schleichen sich Selbstzweifel ein. Möglicherweise bekämpfst du sie, indem du dir noch strengere Ziele setzt. Vielleicht sagst du dir aber auch, dass der Vorsatz eigentlich doch nicht so wichtig gewesen sei. So oder so schwindet deine Begeisterung und – zack! – kehrst du zurück zu deinen alten Gewohnheiten.

Glücklicherweise zeigt Yoga dir noch einen anderen Weg, mit dem du dein Leben in eine neue, positive Richtung lenken kannst: Selbst-Mitgefühl. Eine der Botschaften aus der wichtigsten Schrift des Yoga, dem Yogasutra von Patanjali, lautet: Menschen wandeln sich nicht über Nacht, aber es ist durchaus möglich, negative Verhaltensmuster nach und nach abzulegen. Wenn du milde mit dir selbst bist und Verständnis für deine Rückfälle aufbringst, kannst du dein Leben verbessern. Neuere wissenschaftliche Studien untermauern diese alte Weisheit. Sie zeigen, dass Selbst-Mitgefühl die größte Kraftquelle ist, wenn es darum geht, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen.

Dein inneres Licht

Wenn es also kontraproduktiv ist, hart zu sich selbst zu sein, warum bist du es? Kate Holcombe, die Gründerin der Healing Yoga Foundation in San Francisco, erklärt, dass der kritisch-harte Weg mit uns Selbst mit „Avidya“ zusammenhängt. Holcombe übersetzt den von Patanjali geprägten Begriff mit „falschem Verstehen“, was häufig von Selbstverurteilung, Angst, Scham und Schuldgefühlen begleitet wird. Das Problem dabei sei häufig, dass man das Verhalten, das man ändern wolle, mit der eigenen Person gleichsetzt. Stattdessen sollte man es als das sehen, was es ist: eine Angewohnheit oder ein Verhaltensmuster, das einem nicht gut tut.

„Ein Grundprinzip des Yoga besagt, dass du tief in dir bereits absolut perfekt bist, so wie du bist“, fasst Holcombe zusammen. Wenn du dir daher bewusst machst, dass du im Grunde bereits makellos bist, anstatt dich auf deine vermeintlichen Makel zu konzentrieren, kannst du deine negativen Angewohnheiten betrachten, ohne dich zu verurteilen. „Patanjali sagt, dass das Gehirn wie eine Art Juwel ist, wie ein Diamant. Im Laufe eines Lebens wird dieser Diamant schmutzig und staubig, er wir überzogen von antrainierten Denkweisen und Erfahrungen.“

„So verblasst nach und nach sein Glanz und wir verlieren den Zugang zu unserem inneren Licht. Wir können uns nicht einmal erinnern, dass es einmal da war.“ Yoga ist ein Weg, diesen „Gedankenstaub“ quasi wegzuwischen und alles, was deinen inneren Diamanten am Strahlen hindert, aus dem Weg zu räumen. Also den Teil deines Wesens, der nicht repariert, kontrolliert oder perfektioniert werden muss. Selbst-Mitgefühl zu entwickeln, entspricht dieser Art von Reinigung und bringt dein bereits „richtiges“ Ich zum Vorschein.

Änderung zum Guten

Schon seit Jahrtausenden widmen sich Yogaübende dem Selbst-Mitgefühl, doch Psychologen haben gerade erst begonnen, die Weisheit dieser Herangehensweise zu erforschen. Ein erstes Ergebnis gibt es aber bereits: Selbst-Mitgefühl verbessert die Chancen, seinem Leben eine positive Wende zu geben, ganz erheblich. Eine der weltweit führenden Wissenschaftlerinnen auf diesem Gebiet ist Kristin Neff, Lehrbeauftragte für Persönlichkeitsentwicklung an der University of Texas. Sie erklärt: „Eine Haupterkenntnis aus meinen Forschungen ist: Menschen denken, es sei gut, ein wenig Mitgefühl mit sich selbst zu haben, aber bloß nicht zu viel. Es gibt einen starken Glauben daran, dass Selbstkritik wichtig ist, um uns zu motivieren. Nach dem Motto: Wenn ich nicht hart zu mir selbst bin, bedeutet das, dass ich mir alles durchgehen lasse.“ Das, so Neff, sei ein gewaltiges Missverständnis.

Denn Selbst-Mitgefühl bedeute, freundlich und unterstützend auf eigene Schwächen, Herausforderungen und Rückfälle zu reagieren. „Selbst-Mitgefühl geht noch tiefer als Selbst-Akzeptanz“, erklärt sie. „Es beinhaltet ein aktives Sich-Kümmern, das Beste für sich selbst zu wollen und sich zu sagen: Ich will meine Wunden heilen, gesund und glücklich sein. Und das bedeutet eben manchmal, dass eine Änderung des Lebensstils nötig ist.“ Es ist Erfolg versprechender, den guten Vorsatz als Akt der Selbstliebe zu sehen, anstatt sich durch Ärger und Ablehnung zu motivieren.

Selbstmitleid ist nicht Selbst-Mitgefühl

Neff führt weiter aus, dass manche Menschen Selbst-Mitgefühl mit Selbstmitleid verwechseln. Damit, sich hängen zu lassen und keine Verantwortung zu übernehmen. Dabei sei Forschungen zufolge das Gegenteil wahr: In einer fünfteiligen Studienreihe (Journal of Personality and Social Psychology, 2007) sollten Teilnehmer auf reale, erinnerte und imaginierte Fehler reagieren. In jedem Szenario ließen sich die Teilnehmer, die in Neffs Test einen höheren Selbst-Mitgefühl-Wert erreicht hatten, von Fehlern weniger leicht aus der Ruhe bringen. Sie waren außerdem weniger defensiv und eher bereit, die Verantwortung für die Ergebnisse ihres Handelns zu übernehmen. Anders als die, welche hart mit sich ins Gericht gingen. Neffs Forschungen haben ergeben, dass selbstkritische Menschen Fehl- und Rückschlägen gegenüber empfindlicher reagieren und anfälliger für Ängste und Depressionen sind. Sie behandeln sich so, wie sie niemals einen Menschen, den sie lieben, behandeln würden: Sie bestrafen sich für jede Schwäche und halten sich von dem ab was sie wirklich wollen.

Selbst-Mitgefühl dagegen schafft eine unterstützende, emotionale Grundhaltung, die Veränderungen möglich macht. Ohne Scham, Schuldgefühle und Selbstzweifel kann man seine Entscheidungen viel bewusster und klarer treffen. Das ultimative Ziel von Yoga ist es, in seinem wahren Ich, fern von allem Leiden, ein Zuhause zu finden. Doch diesen Punkt zu erreichen ist nach Patanjali ein weiter Weg. Die Reise besteht aus kleinen Schritten des Selbst-Mitgefühls, die du in deine achtsame Yogapraxis und in dein Leben integrieren kannst.

Innere Zeugenbefragung

Maggie Juliano, die Inhaberin von Sprout Yoga in Pennsylvania, leitet Yogalehrer-Kurse, die sich auf Erholung und psychische Gesundheit konzentrieren. Zudem hat sie sich darauf spezialisiert, Menschen beim Ablegen selbstzerstörerischer Verhaltensweisen zu helfen. Seien es nun Junk-Food-Orgien oder Drogenmissbrauch. Ihrer Meinung nach ist es wichtig, zunächst den Blickwinkel auf das ungesunde Muster zu ändern. Man sollte es als ein Symptom sehen, unter dem man leidet, anstatt als schlechten Teil seines Selbst, den es zu reparieren gilt.

„Wenn wir zu viel essen oder Geld ausgeben, dann halten wir uns selbst in gewisser Weise für schlecht„, erklärt Juliano. „Wir realisieren nicht, dass wir leiden, weil wir unsere Traurigkeit mit Essen oder Shopping bekämpfen. Wir denken: Ich fühle mich schlecht, weil ich schlecht bin. Ich habe keine Selbst-Kontrolle.“ Allzu oft entsteht so ein Teufelskreis und wir kehren zu unseren alten Tröstern (der Eiscreme, Couch oder Kreditkarte) zurück, weil sie (zumindest kurzfristig) unsere Seelenruhe fördern.

Fragen, was dahinter steckt

Anstatt uns selbst zu kritisieren, so Juliano, sollten wir erkennen, dass wir an der falschen Stelle nach Glück im Jetzt gesucht haben. Wenn es gelingt, das eigene Sein vom eigenen Verhalten zu trennen, dann sei es leichter, sich zu fragen: „Welches Bedürfnis wollte ich hiermit erfüllen?“ In anderen Worten: Warum wolltest du das nächste Glas Wein, den dritten Donut oder dieses Paar Schuhe? Willst du Stress bekämpfen oder fürchtest du die Einsamkeit? Was steckt wirklich dahinter, wenn du auf der Couch bleibst und Erledigungen wieder aufschiebst?

Laut Juliano ist es wichtig, auf die eigenen Gefühle zu achten, statt sie ständig beiseite zu schieben. Wenn du wieder in die Versuchung kommst, in eine schlechte Gewohnheit zurückzufallen, nutzt du das, um sie noch geduldiger und liebevoller zu untersuchen. Dies wird dir helfen, weise Entscheidungen zu treffen, die dir wirklich gut tun.

Positiv denken

Anstelle von Selbstkritik solltest du eine positive Motivation finden, rät Juliano. „Erinnere dich daran, dass du bedingungslose Liebe verdienst. Dass du es wert bist, nicht zu leiden. Aus diesem Blickwinkel heraus kannst du jede Veränderung angehen: Ich ändere dieses Verhalten, weil ich ein gesünderes, glücklicheres Leben verdiene.„

Ihrer Ansicht nach ist die Yogamatte ein guter Ort, um damit zu beginnen. Auch hier meldet sich oft genug unser innerer Kritiker. Julianos Rat: Achte in solchen Momenten darauf, wie du dich fühlst – psychisch und physisch. Und dann wählst du eine mitfühlendere „Antwort“ auf diese Emotionen. Wenn du dich zum Beispiel schimpfst, weil du für eine bestimmte Asana nicht flexibel genug bist? Erinnere dich daran, dass genau diese Asana dir dabei hilft, deine Flexibilität nach und nach zu verbessern. Es geht nicht darum, die Haltung über Nacht perfekt zu beherrschen. Einfach achtsam in der Pose zu bleiben, ist genug. Wenn du dich bei dem Gedanken erwischst: „Ich muss mehr in diese Asana gehen oder sie besser aussehen lassen!“ Frage dich stattdessen: „Fühlt sie sich gut an? Fühle ich mich darin sicher? Was kann ich tun, um sie mehr zu genießen?“

Diese Denkweise kommt dir auch außerhalb der Matte zugute. Wenn du vor der Wahl zwischen Standhaftigkeit und altem Verhaltensmuster stehst, dann achte darauf, wie du diese Entscheidung innerlich diskutierst. Nein zu dem Stück Schokoladenkuchen zu sagen oder früh aufzustehen, um zu meditieren, ist kein Akt der Selbstverleugnung! Es bedeutet, dass du dich um sich selbst kümmerst. Sei stolz auf deine positive Entscheidung und du stellst fest, wie kleine Schritte mit der Zeit zu großen Erfolgen führen.

Ausrutscher und Rückfälle

Wenn wir Schwierigkeiten haben, einen guten Vorsatz in die Tat umzusetzen, sind wir schnell versucht, das als Beweis dafür zu sehen, dass mit uns etwas nicht stimmt. Doch wie Patanjali ausführt, leidet jeder auf seinem Weg der Selbst-Transformation und macht dabei Fehler. Das bedeutet nicht, dich jedes Mal abzukanzeln, wenn du zum Beispiel eine morgendliche Yogastunde verpasst. Oder in deiner Partnerschaft  die Geduld verlierst oder mal eine riesige Schüssel Eiscreme verputzt. „Wenn du dich fragst: Warum ich? oder Wieso bin ich so blöd?, vermehrst du nur dein Leiden. Besser ist es, den Fehler als Chance zu sehen. Als Chance, daraus zu lernen.“

„Studien bestätigen, dass achtsame Selbstreflexion helfen kann, positive Veränderungen zu bewirken, während zu große Selbstkritik einen kleineren Ausrutscher oft zu einem größeren Rückfall werden lässt. Von Oh nein, ich habe meine Kreditkarte benutzt! ist es dann nur noch ein kurzer Weg zu Jetzt habe ich meinen Vorsatz schon gebrochen, dann kommt es auf dieses 300-Euro-Kleid auch nicht mehr an. Ich habe heute kein Yoga geübt wird zu Ich werde niemals eine passionierte Yogini werden, also kann ich den Kurs gleich aufgeben.“

Dieses Phänomen ist so gängig, dass Wissenschaftler ihm sogar einen Namen gegeben haben: den „What-the-hell“-, also „Was zur Hölle“-Effekt. Das Problem ist nicht der einzelne Fehler, sondern das Elend, das man daraus macht. Das führt dazu, dass wir genau in dem Verhalten Trost suchen, das wir eigentlich ändern wollten. Oder dass wir ein Ziel aufgeben, damit wir uns nicht schlecht fühlen müssen, wenn wir auf dem Weg dorthin Fehler machen. Fehlerhaft ist fabelhaft! Studien haben ergeben, dass deine Erfolgschancen größer sind, wenn du dich erst mal so akzeptierst, wie du bist – und dir Ausrutscher verzeihst. Selbst-Mitgefühl bedeutet, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, ohne die üblichen Schuldgefühle auszulösen. Im Gegenteil, es gibt dir die Kraft, dich um dich selbst zu kümmern. Auch dann, wenn alte Versuchungen locken. 

Die Antwort der Yogaphilosophie

In der Bhagavad Gita, einer der Heiligen Schriften des Yoga, findet man einen Rat, wie man an Vorsätzen festhält, auch wenn die Fortschritte alles andere als groß sind: Am Rande einer Schlacht überwältigen Furcht und Verwirrung den Protagonisten. Der Krieger und Sinnsucher namens Arjuna verliert seine Kampfeslust und bittet Krishna um Unterstützung. In dem darauffolgenden Monolog lehrt Krishna Arjuna, sein Selbstvertrauen und seine Entschlossenheit zurückzugewinnen. Er „umarmt“ und verinnerlicht sozusagen die Taten, die er auszuführen hat. „Taten, die der wahren Natur eines Menschen entspringen, sollten nicht aufgegeben werden, auch wenn sie Schuld beinhalten. Denn jede Unternehmung ist auch durchzogen von etwas Schuld, so wie es kein Feuer ohne Rauch gibt.“

Der Yogalehrer und Psychologe Rolf Sovik, spiritueller Leiter des Himalayan Institute, erklärt: „Tief innen sind selbst die Taten, denen die besten Vorsätzen zugrunde liegen, niemals perfekt. Das heißt aber nicht, dass du aufgeben solltest! Die Bhagavad Gita besagt, dass, wenn du dich den Taten widmest, für die du bestimmt bist, du toleranter gegenüber deinen Unperfektheiten sein wirst. Schritt für Schritt wirst du bemerken, wie dein Verstand klarer und dein Herz ruhiger wird. Mitgefühl ist in diesem Zusammenhang weniger eine psychologische Strategie als das natürliche Ergebnis des Strebens nach einem höheren Selbst.“

Was also ist die Kernaussage von all dem?

Wenn du ein bestimmtes Verhalten ändern möchtest, tue das mit Selbst-Mitgefühl. Bei jedem deiner Schritte, auch dann, wenn du aufgeben willst, denke stets daran, dass die Kraft für Veränderung einem liebevollen Umgang mit sich selbst entspringt. Wie Holcombe beobachtet: „Wir alle besitzen eine innere Quelle voller Weisheit, Widerstandsfähigkeit und Kraft, einen Ort voller innerem Frieden und Leichtigkeit, von großer Freude und Licht. Wenn wir mit dieser Quelle verbunden sind, dann haben Selbstzweifel keine Chance. Tief im Inneren wissen wir, wer wir sind und was wir tun sollten.“ Yoga kann dir helfen, diesen Ort zu finden. Und Selbstliebe ebenfalls.


Kelly McGonigal ist promovierte Psychologin, Professorin und Yogalehrerin. Ihr Buch „Glücksfaktor Stress: Warum Stress uns erfolgreich und gesund macht“ ist bei Trias erhältlich.

Guter Yoga-Unterricht: Quick Tips

Quick Tips Yogaunterricht
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Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der bekanntesten Yogalehrer und -Ausbilder. Nicht umsonst nennt man ihn den „Lehrer der Lehrer“. In einer neuen Artikelreihe erklärt er exklusiv für YOGA JOURNAL Deutschland, was guten Yoga-Unterricht und gute Yogalehrende im Kern wirklich ausmacht. Hier gibt er einige Tipps an angehende Yogalehrer. 

Präzise, aber knappe verbale Anweisung

Das Gesagte sollte beim Einfachsten beginnen und dem Level der gesamten Klasse angemessen sein. Die ersten Anweisungen führen in die Asana hinein und legen dabei besonderen Wert auf das Fundament der Haltung. Aus den Beobachtungen beim Einnehmen der Haltung leiten sich spezifischere Anweisungen ab: Dann werden missverstandene Anleitungen präzisiert, Modifikationen angeboten und sinnvolle Hilfsmittel vorgeschlagen.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, wird nach und nach erklärt, wie man die Haltung so verfeinern kann, dass Stabilität und Leichtigkeit immer besser ins Gleichgewicht kommen, Verletzungsrisiken sinken und die wichtigsten Ziele der Übung verstanden werden. Erst wenn das in der Grundform erreicht ist, gibt man Hinweise dafür, wie man die Haltung in fortgeschritteneren Varianten und im Hinblick auf die innere Erfahrung weiter vertieft.

Dabei ist wichtig: nicht zu viel reden! Die selbe Asana wird noch oft bei der Yoga-Praxis unterrichtet werden. Bei den ersten Malen genügen die Basics, im Lauf der Zeit folgen dann feinere und komplexere Anweisungen.

Visuelle Demonstration

Der Platz des Lehrers sollte vom gesamten Raum aus gut sichtbar sein, umgekehrt sollte er dem Lehrer einen guten Überblick über die Klasse ermöglichen. Diese visuelle Demonstration wird begleitet von klar verständlichen Worten. Besonders effektiv ist die spiegelverkehrte Demonstration: Wenn man frontal vor der Klasse steht sagt man zum Beispiel: „Jetzt drehst du den linken Fuß auswärts und öffnest deine Rumpfmuskeln“, während man selbst den rechten Fuß dreht. Auch wenn mann wichtige Punkte hierbei leicht überzeichnet demonstriert, sollte die Haltung immer Stabilität und Leichtigkeit ausstrahlen. Besonders in Workshops kann es sinnvoll sein, typische Beispiele von falscher Ausrichtung oder unnötig erschwerter Ausführung selbst zu demonstrieren. Jedoch sollte man niemals etwas demonstrieren, von dem man in diesem Moment nicht sicher weiß, dass es tatsächlich funktioniert.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, verliert die visuelle Demonstration an Bedeutung. An diesem Punkt beginnt der Lehrer , durch den Raum zu gehen, die Ausführung beobachtet und auf dieser Grundlage noch gezieltere verbale und körperliche Hilfestellungen gibt.

Taktile Hilfen

Als Lehrer sollte man grundsätzlich um Erlaubnis bitten, bevor man einen Schüler berührt. Guter Yogaunterricht akzeptiert es, wenn Adjustments unerwünscht sind. Vor allem sollte man nur Hilfestellung anbieten, wenn es aus gutem Grund als sinnvoll erscheint. Jede Berührung sollte auf einer klaren Vorstellung davon beruhen, was sie genau bewirken soll. Wenn jedoch die Wirkung anders als erwartet ausfällt, sollte man auch bereit sein, diese Intention abzuwandeln.

Am wirksamsten und verständlichsten sind Hilfen, die synchron zur Atmung gegeben werden: Einatmend bereitet die Hilfe vor und dehnt aus, zur Ausatmung folgt der vertiefende Impuls in die Haltung. Vor allem biomechanisch sinnvoll sind zum Körperzentrum hinführende Korrekturen. Dabei sollte man verletzliche Körperpartien und Hebelbewegungen meiden und jederzeit auf unwillkürliche Bewegungen vorbereitet sein. Keine Berührung darf je grob, unachtsam, ziellos, unangemessen oder übergriffig sein. Beim sanften Lösen der Berührung sollte der Schüler auch alleine ausreichend stabil und leicht in der Haltung bleiben können.

Guter Yoga-Unterricht – taktile Hilfen sollten immer dazu dienen:

  • verbale Anleitungen zu verdeutlichen
  • eine stabile Basis zu fördern
  • Einsatz oder Entspannung bestimmter Muskeln in den Asanas klar machen
  • einen größeren Bewegungsspielraum auszuloten
  • Vertrauen und ein Gefühl der Verbundenheit und offenen Kommunikation zu fördern
  • dem Schüler auch in intensiven Haltungen das Gefühl zu geben: „Ich werde gut unterstützt“

Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yoga-Unterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Cover Shootings, Yoga in allen Facetten und Stände ohne Ende: Das war die YogaWorld 2020 in München

Cover Shooting Challenge Yoga World 2020

Good Vibes only: Auf der YogaWorld in München tummelten sich Aussteller, Yogis und Yoginis, Ayurveda-Anhänger und alle die auf der Suche nach einem entspannten Lifestyle sind.

Die Palette war breit gefächert: Von Yoga-Fashion und Zubehör, über Irisfotografie und filigrane Schmuckstücke, bis zu nachhaltigen Yogareisen, Faszienrollen, spannenden Messeneuheiten und Klangschalen in allen Größen. Die Aussteller auf der Yoga-World im MOC München zeigten auch in diesem Jahr wieder, wie vielfältig das Thema Yoga aufgestellt ist. Die Besucher konnte durch die Messehalle schlendern, Vorträgen lauschen, sich über Ayurveda informieren oder an einer Yogastunde teilnehmen: Denn hier warteten unter anderem Ashtanga, Kundalini, Meditation, Sound Healing, Kinderyoga und noch viel mehr …

Eindrücke von der YogaWorld 2020 in München

Aber am besten kommst du einfach auf unsere nächste YogaWorld- und Vegan-Messe in Stuttgart und machst dir vor Ort ein Bild.

Wir freuen uns auch dich! Namasté

Playlist für Herzöffner von Veronika Rössl

Veronika Rössl

Blockaden im Herzchakra? Yogalehrerin Veronika Rössl hat uns eine Playlist erstellt, die Herzen öffnet.

Also: Roll deine Yogamatte aus und lasse dich in den Rockstar fallen. Diese Lieder öffnen den Herzmuskel und lassen ganz viel Liebe hinein. Wenn du dabei Lust auf mehr bekommst, kannst du diese Meditation für Herzöffner von Elena Brower üben.

Mehr zu Veronika, ihren Kursen, Workshops, Retreats und ihrem Studio findest du auf MahaShakti Yoga.

Playlist für Herzöffner

Mein erstes Mal: Ayurveda für Anfänger auf Sri Lanka

Ayurveda Sri Lanka

Von Zuckerbananen und Kopfmassagen: Yoga-Journal-Redakteurin Carmen Schnitzer reiste nach Sri Lanka, um in einem der Mutterländer des Ayurveda diese traditionelle Heilkunst am eigenen Leib kennenzulernen …

Mein erster Eindruck: grün! Grün in allen Schattierungen, es ist zu schön! Der Weg vom Flughafen Colombo zu unserem Hotel Ayurvie Weligama Resort im Südwesten Sri Lankas führt uns die Küste entlang, vorbei an Palmenlandschaften, Bananenplantagen, Mango- und Papayabäumen. Hier also soll ich Ayurveda kennenlernen, jene uralte, traditionelle Heilkunst, die übersetzt „Wissen vom Leben“ bedeutet. Wie passend, denke ich angesichts der prallen Saftigkeit der Natur, die an unserem Busfenster vorbeirauscht, und beiße in eine der kleinen Zuckerbananen, die unser Reiseleiter verteilt hat. Da weiß ich noch nicht, dass ich mir diese säuerlich-süße Köstlichkeit aufgrund meines Doshas, also meines ayurvedischen Konstitutionstyps, nur ab und zu genehmigen sollte. Doch dazu später mehr.

Erfahrung durch eigenes Erleben weitergeben

Ich habe großes Glück, hier mitfahren zu dürfen, denn das hier ist keine klassische Pressereise – als einzige Journalistin darf ich einen Famtrip von Neue Wege begleiten, einem Reiseveranstalter, der sich auf Yoga- und Ayurvedareisen in Asien und Europa spezialisiert hat. Famtrip, das steht für Familarisations-Trip und bedeutet, dass hier Personen aus der Reisebranche bestimmte Angebote durch eigenes Erleben kennenlernen, um diese später guten Gewissens weiterempfehlen zu können. Kleiner Spoiler: Das werden neben mir auch die anderen zehn Frauen und der einzige Mann aus unserer Gruppe nach der Woche hier tun.

Ayurveda auf Sri Lanka beginnt mit ärztlicher Konsultation

Das Ayurvie Weligama liegt in einer ruhigen kleinen Bucht und mich als Wasserratte freut neben der Nähe zum Meer auch der wunderschöne, dreieckige Infinitypool, in dem ich mir trotz straffen Programms jeden Tag zumindest ein paar Bahnen gönnen werde. Doch in erster Linie bin ich ja hier, um zu lernen – über Ayurveda, meinen Körper und mich selbst. Unsere Woche beginnt mit einer ärztlichen Konsultation: Der Chefarzt des Ayurvie, Dr. Herath, der im Übrigen wie auch der Yogalehrer des Hauses Deutsch spricht, wickelt mir zur Begrüßung ein weißes Gebetsbändchen ums Handgelenk und murmelt dabei einige Worte. Anschließend misst er mir den Puls, untersucht mein Haar, meine Zähne, meine Zunge – und befragt mich zu meiner Verdauung, meinen gesundheitlichen Schwachpunkten und meinem Lebenswandel. Oje. Soll ich schwindeln? Doch das brächte mir ja nichts, zumal man mir vieles ohnehin ansehen dürfte.

Tut weh: Der Blick auf die Waage

Also gebe ich zu, dass ich einen recht unregelmäßigen Tagesablauf habe, gerne mal fett- und kohlenhydratreich esse, zu einem guten Gläschen Wein (oder auch zwei) selten nein sagen kann und geradezu süchtig nach zuckerfreien, koffeinhaltigen Softdrinks bin. Dass ich in der kommenden Woche problemlos ausschließlich stilles, warmes Wasser und Kräutertee sowie zweimal einen Fruchtsaft trinken werde, kann ich mir zu diesem Zeitpunkt nur schwer vorstellen. Doch tatsächlich werde ich meine eingeschmuggelten Notfall-Colaflaschen nicht anrühren! Wer mich kennt, weiß, was das heißt. Dann der Schritt auf die Waage. Noch mal oje! Ich habe ihn seit Jahren vermieden, weil ich mein Wohlbefinden nicht von einer Zahl abhängig machen wollte und hinter dieser Haltung im Grunde immer noch stehe. Nun erschrecke ich aber doch, was sich da bei mir im Laufe der Zeit so angesammelt hat. Mollig sein ist völlig okay für mich, aber gesund möchte ich bleiben. Die Zahl, die mir da entgegenblinkt, klingt mir dafür dann doch etwas zu grenzwertig und ich sehe mich in naher Zukunft zumindest Knieprobleme bekommen.

Ich bin ein Kapha-Vata-Typ

Ayurveda Sri Lanka

Immerhin ist mein Blutdruck super, und dass ich Vegetarierin bin, sorgt ebenfalls für Pluspunkte auf meiner ayurvedischen Selbstfürsorge-Liste. Tatsächlich sind meine Doshas relativ ausgeglichen, mit etwas zu ausgeprägtem Kapha-, leicht erhöhtem Vata- und einem etwas unterversorgten Pita-Anteil. Insgesamt ein Kapha-Vata-Typ. Dieses „Etikett“ hilft mir bei den täglichen Buffets das für mich Passende aus den leckeren Currys, Gemüsegerichten, dem frischen Obst und Gemüse sowie den köstlichen Dessertverführungen zu wählen, denn alle Speisen sind mit einem entsprechenden Vermerk versehen. Zugegeben, manchmal mogle ich und lege mir auch mal etwas Verlockendes auf den Teller, das eigentlich Pita-Typen empfohlen wird. Aber insgesamt versuche ich, brav zu sein.

Ayurveda-Schnupperkur mit Verwöhneffekt

Neben unserer Ernährung beinhaltet unsere „Schnupper-Kur“ (für eine richtige bräuchte es mehr als eine Woche Zeit) auch spezielle Treatments wie Kopf-, Fuß- oder Ganzkörpermassagen, Dampfbäder, Peelings usw. Welche genau am nächsten Morgen auf uns warten, erfahren wir jeden Abend an der Rezeption, denn dort liegt für jeden ein Zettel, auf dem Uhrzeit und anstehende Behandlungen vermerkt sind. Wie die Kinder freuen wir alle uns nach dem Dinner immer auf diese kleinen Überraschungen, die uns vorfreudig in den Schlaf gleiten lassen. So macht Gesundheit Spaß!

Sir Lanka relativiert meine Vorstellung von Verzicht

Dennoch will ich nicht verschweigen, dass ich anfangs mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte. Ob es am tropischen Klima liegt oder daran, dass mein Körper sich erst an den Koffeinentzug und die Ernährungsumstellung gewöhnen muss – vermutlich ist es eine Mischung aus allem und bei Ayurvedakuren ganz normal, wie mir versichert wird. Und von Tag zu Tag wird es besser, am Ende würde ich sehr gerne noch länger bleiben, Colaverzicht hin oder her. Überhaupt relativiert sich meine Vorstellung von Verzicht auf Sri Lanka schnell angesichts der Schicksale, die mir begegnen und die ich an dieser Stelle nur am Rande erwähnen kann, obwohl sie Bücher füllen könnten: Der Tsunami von 2004 hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen, viele zerstörte Häuser stehen leer, beinahe jeder weiß von Menschen zu berichten, die durch die Katastrophe ihr Leben lassen mussten. Ein Fischer etwa, mit dem ich bei einem kleinen Strandspaziergang ins Gespräch komme, verlor damals seine Frau und seinen kleinen Sohn. Der Herzlichkeit der Einwohner hat dieses fürchterliche Unglück keinen Abbruch getan, wir werden überall sehr warm empfangen.

Offenheit gegenüber allen Heilmethoden

Ayurveda Sri Lanka

Kleines Goodie obendrauf: Mein Feministinnenherz hüpft, als ich feststelle, wie viele Frauen unter den Ayurveda-Ärzten sind, die wir im Laufe der Reise kennenlernen durften. Das hätte ich, so ehrlich will ich sein, nicht gedacht. Auch dass während des sechsjährigen Ayurveda-Studiums auch ein Jahr lang westliche Medizin gelehrt wird, wusste ich bislang nicht. Mir gefällt diese Offenheit gegenüber unterschiedlichen Heilmethoden, von der wir, glaube ich, in unserer Entweder-oder-Kultur noch lernen können.

CO2-Kompensation mit Atmosfair

Was bleibt mir zu sagen? Ich würde gerne wiederkommen! Nicht nur das Ayurvie Weligama Resort, auch die anderen Neue-Wege-Hotels, die wir während der Reise besuchen, versprechen wunderbare Aufenthalte. Ob nun das stylische Ananda Resort, das elegante Sithnara Ayurveada Resort oder die schnuckelig-familiäre Villa Safira
– jeder dieser Orte hatte einen ganz besonderen Zauber, der nachhaltige Erholung verspricht. Und das im doppelten Wortsinn: eine Erholung, die auch nach der Rückreise anhält und die an einem Ort stattfindet, der auf nachhaltige Bauweise, Stromversorgung etc. sowie auf Bio-Ernährung setzt. Ein Wermutstropfen ist lediglich die Anreise mit dem Flugzeug. Wer diese Umweltsünde durch einen CO2-Kompensationsbeitrag an das Vorzeigeprojekt Atmosfair ausgleichen möchte, wird von Neue Wege unterstützt: Der Veranstalter übernimmt hierfür die Hälfte der Kosten.

Auyurveda auf Sri Lanka: Eine Reise die lange nachwirkt

Ayurveda Sri Lanka
Unsere Autorin Carmen Schnitzer auf Sri Lanka

Fazit: Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und noch immer wirkt die Reise in mir nach. Nicht nur, dass Dr. Heraths weißes Bändchen nach wie vor mein Handgelenk ziert, dass bereits vollkommen stressfrei die ersten Kilos gepurzelt sind, dass mich hin und wieder ein lieber Gruß aus unserer Sri-Lanka-WhatsApp-Gruppe erreicht: Insgesamt habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich nun ein kleines bisschen mehr vom Leben weiß – um auf die Bedeutung des Wortes Ayurveda zurückzukommen. Schön war‘s!

Du willst noch mehr zum Thema Ayurveda erfahren? Dann klicke dich durch die Auswahl unserer Ayurveda-Themen.

Dies.Das.Asanas: Die verspielte Variation der Krähe

Variation Krähe Asana Jelena Lieberberg - Foto: Sofia Gomez Fonzo
Unsere Kolumnistin Jelena Lieberberg fotografiert von Sofia Gomez Fonzo

Krähen gelten unter den Vögeln als besonders intelligent und verspielt. Kein Wunder, dass sich auch die Yogakrähe nicht mit ein oder zwei klassischen Formen zufrieden geben sollte – findet zumindest unsere ebenso schlaue und verspielte Asana-Kolumnistin und erklärt, wie diese Variation der Krähe funktioniert.

Ich liebe die Vielfalt im Yoga. Ist es nicht wunderbar, dass es für jedes Alter und jede Lebenslage genau den richtigen Yoga-Stil gibt? Von still bis fließend, von sanft bis kraftvoll ist alles dabei. Wer also keine Lust auf Anstrengung und Kraftakt hat und sich zum Beispiel im Yin Yoga viel wohler fühlt, darf einfach nur die wunderschönen Blautöne genießen, die ich für dieses Foto auf Ibiza gefunden habe. All jene, denen Stabilität und Power am Herzen liegen, werden sich an den Spielmöglichkeit freuen, die ich Euch hier zeige: Auf dem Weg zur einbeinigen Krähe begegnet dem fleißigen Yogi und der fleißigen Yogini unter anderem diese Stellung der Beine.

Nervenkitzel der Balance

Variation Krähe Asana
Unsere Kolumnistin Jelena Lieberberg fotografiert von Sofia Gomez Fonzo

Sobald Geist und Seele auf einer Wellenlänge fließen, lässt sich der Körper nämlich auf das ein oder andere Abenteuer ein. Mich erinnert die Pose ein wenig an das Wahrzeichen von Sizilien, die Trinacria, ein Fabelwesen mit Kopf und drei Beinen. Diese Asana-Variante eignet sich für alle, die ihre Kräfte spielen lassen möchten und dem Nervenkitzel der Balance lächelnd trotzen. Das Schöne ist: Sobald man in Händen und Fingerspitzen das richtige Gefühl für den Schwerpunkt gefunden hat, kann man die Beine theoretisch in fast unmögliche Positionen bewegen – die nötige Kraft und Beweglichkeit natürlich vorausgesetzt.

Verspielte Variation der Krähe: Muss ich das können?

Natürlich nicht. Trotzdem sind der Kraftaufbau und das Spiel mit der Balance eine tolle Sache – selbst wenn man dabei auf allen Schnickschnack verzichtet und sich auf die klassische Krähe (Schritt 1 und 2) beschränkt.
Wärme Handgelenke, Schultern und die Rumpfmuskeln gründlich auf. Um für den „Fall des Fallens“ gewappnet zu sein, legen dir ein großes Sofakissen vor die Nase. So kannst du dich, wenn schon nicht graziös, dann doch immerhin weich abfangen.

Step by Step Anleitung

  1. Beginne mit einer Vorwärtsbeuge aus dem Stand und setze deine Hände schulterbreit auf den Boden. Aktiviere deine Hände und verwurzele sie kraftvoll am Boden. Dann hebe die Fersen, beuge die Knie und schiebe eines nach dem anderen fest gegen deine Oberarme.
  2. Verlagere vorsichtig das Gewicht nach vorn, bis sich die Zehen vom Boden lösen. In dieser Haltung versuchst du zunächst, die Fersen Richtung Po heranzuziehen.
  3. Sobald Schritt 2 mit Leichtigkeit klappt, versuchst du, ein Knie vom Oberarm zu lösen, in der Mitte zwischen den Ellenbogen schweben zu lassen und danach wieder auf dem Oberarm zu platzieren. Dasselbe wiederholst du auf der anderen Seite. Dabei stabilisierst du dich nicht nur mit den Bauchmuskeln, sondern vor allem aus der Kraft deiner aktiv arbeitenden Hände.
  4. Wenn das funktioniert, beginnst du nach einer kleinen Pause erneut in der Krähe (Schritt 1 und 2). Löse langsam und kontrolliert wieder ein Knie vom Oberarm und ziehe es in Richtung Himmel. Dann versuchst du, das gehobene Knie mit den Zehenspitzen des anderen Fußes zu berühren. Voilà! Nach 1-3 Atemzügen segelst du langsam und elegant zurück und wiederholst das Ganze auf der anderen Seite.

FRAGEN ODER ANREGUNGEN? Du findest mich auf instagram.com/kickassyoga, kickassyoga.net oder im Buch „KickAssAsanas“.

Helge Timmerberg über Mantras, Ängste und sein neues Buch

Helge Timmerberg
Helge Timmerberg spricht mit uns über die Kraft der Mantras - Foto: Frank Zauritz

Helge Timmerberg ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. In zahllosen Reportagen und Büchern hat er seine Leser schon mitgenommen auf Reisen rund um den Globus – und zu sich selbst. Sein neues Buch handelt von einem Mantra, einem nepalesischen Wanderyogi und der Frage, ob man im Leben zu allem bereit sein kann.

Helge Timmerberg, dein neues Buch heißt „Das Mantra gegen die Angst“ – und es kreist um ein Mantra, von dem du schreibst, es hätte dir das Leben gerettet. Erzähl mal …

Vor etwas über 15 Jahren, als ich so um die 50 war, hatte ich eine schwere Krise. Nach goldenen Jahren als freier Autor saß ich plötzlich fast ohne Jobs da. Ich hatte keine Kohle mehr und kein Selbstbewusstsein, nur noch Ängste – die ganze Kraft, die ich mit 30 oder 40 gespürt hatte, war weg. Ich fühlte mich komplett out.

Wie kam die Wende?

Geo gab mir den Auftrag für eine Reportage. Ich sollte mit einem Wanderyogi durch den Himalaja pilgern. So traf ich den Yogi Kashinath und der tat mir unheimlich gut. Egal, was auf der Reise alles schief ging, er sagte immer: „I’m ready for everything.“ Die Vorstellung, dass man wirklich bereit ist für alles, hat mich fasziniert. Wenn das stimmt, ist es doch der Wahnsinn: Dann hat man keine Angst mehr! Man wählt nicht mehr aus, gut oder schlecht, will ich oder will ich nicht, man ist nur noch in der Wahrnehmung.

Und das Mantra?

Das gab er mir beim Abschied. Ich hab das erst nicht so ernst genommen, aber daheim angekommen, hab ich es sofort ausprobiert: Da gab’s bei mir im Haus ein Bordell und die Luden hatten Kampfhunde. Vor denen hatte ich panische Angst, weil mich als Kind mal ein Wolfshund gebissen hat. Ich kam also vom Flieger, bog um die Ecke, sah die Hunde, probierte das Mantra – und es funktionierte auf der Stelle! Die Angst war wie weggewischt und die Hunde ließen mich in Ruhe. Da hab ich Vertrauen geschöpft. Immer wenn dann wieder Ängste des Weges kamen, murmelte ich mein Mantra und es half.

Im Kleinen wie im Großen?

Ja. Auch die Lebensangst, dieses „Was soll nur aus mir werden?“, war mit dem Mantra nur noch halb so wild. Von da ab ging es wieder aufwärts. Ich fing an, Bücher zu schreiben und die hatten richtig viel Erfolg.

Für dein neues Buch bist du nach Kathmandu zurückgekehrt. Du wolltest den Yogi Kashinath suchen und dich bei ihm bedanken. Ohne hier schon zu viel zu verraten: Dabei wurde dein Glauben an das Mantra ganz schön erschüttert.

Ach, das können wir schon erzählen: Ich hatte gehofft, beim Gorakhnath-Tempel wenigstens jemanden zu treffen, der mir sagen könnte, wo Kashinath hingegangen ist. Da hieß es aber nur „Der ist irgendwo in Indien.“ Der ältere Mönch, mit dem ich sprach, wollte wissen, worum es ging. Da erzählte ich ihm von dem super Mantra. Er guckte so komisch und sagte: „Das ist gar kein Mantra. Das ist nur eine Begrüßungsformel für den Gott Ganesha.“

Was hat das bei dir ausgelöst?

Ich stand da wie ein begossener Pudel. Einerseits hatte das Mantra immer extrem gut funktioniert. Aber das ist ja ein alter Hut: Es hat funktioniert, weil ich dran geglaubt habe. Plötzlich war da dieses ganze Thema Glauben und ich fragte mich: Sind die Objekte des Glaubens wirklich so unwichtig? Geht es nur um meine eigene Glaubensfähigkeit? Ich konnte gar nichts mehr ernst nehmen. Es war wie in dem Film Matrix, wo die plötzlich aufwachen, am Rande des Universums an einem Felsen hängen und ins Nichts gucken.

Kam der Glaube wieder?

Na ja, ich kam bald wieder in eine Situation, in der ich eine Riesenangst hatte. Die Geschichte steht auch im Buch. Hier nur so viel: Ich hatte den alten Mönch – routinemäßig – beim Abschied noch gefragt, ob es denn ein „echtes“ Mantra gegen die Angst gäbe. Das hatte ich auf dem Handy aufgezeichnet. Und als ich nun in dieser Todesangst nicht mehr weiter wusste, hab ich das Handy aus der Tasche gezogen und mir das Mantra ans Ohr gehalten.

Und das hat gewirkt?

Bumm – die Panik war weg. Der böse Film riss einfach.

Kannst du dir das erklären?

Wenn etwas sofort so funktioniert, dann interessiert es mich erst mal gar nicht, wieso und warum. Aber ich hab es immer wieder probiert. Vor allem beim Schreiben, denn da habe ich immer Ängste: „Klappt das oder klappt das nicht?“ Und dabei stellte ich fest, dass das „richtige“ Mantra schon noch mal anders wirkte als mein altes.

Wie denn?

Es schneidet nicht einfach, zack, die Angst ab. Die Angst ist noch da, aber in ihrer Mitte kommt der Mut: „Das schaffst du schon!“ Denn eine Angst hat ja meistens einen Sinn. Man braucht nur Mut, ihr zu begegnen.

Es gibt ja die These, dass die Konzentration auf ein Mantra Panikgedanken einfach wegdrückt. Demnach könnte man auch „Coca Cola, Coca Cola“ chanten, um die Angst zu besiegen …

Das hab ich mir auch oft gesagt: Nüchterne Erklärung, du schaltest nur dein Gehirn auf „Nicht-Denken“. Ich habe es sogar mit „Coca Cola“ probiert, aber bei mir hatte das nicht dieselbe Wirkung. Die Inder haben ja nicht umsonst ganz verschiedene Mantras – für alles und gegen alles: ein Mantra gegen die Angst, ein Mantra, um Tiger ruhig zu stellen und so weiter.

Wir westlichen Yogis sind inzwischen auch ganz schön auf dem Mantra-Trip …

Ich wusste gar nicht, dass Mantras in der Yogaszene jetzt so ein Ding sind. Das hat mir erst mein Wiener Freund Manfred Holub gesagt, als ich von Kathmandu zurückkam und ihm erzählt habe, dass ich jetzt das „richtige“ Mantra kenne. Da hat er nur gelacht: „Ach das! Das singen wir jeden Donnerstag im Mantra Circle.Da hättest du auch hierbleiben können!“

Bist du mal mit ihm beim Kirtan gewesen?

Ja und ich sag dir: Ich kam raus und war richtig high! Als hätte ich stundenlang meditiert. Wenn ich donnerstags in Wien bin und es nicht vergesse, dann gehe ich da hin.

Du meditierst regelmäßig seit du 19 warst, oder?

Ja, das mache ich wirklich jeden Morgen. Eine Kombination von verschiedenen Atem- und Meditationstechniken. Ohne das möchte ich nicht leben. Das ist auch gar keine Anstrengung. Nach dem ersten Kaffee und der ersten Zigarette setze ich mich hin.

Was erlebst du da?

Ich fühle mich total wohl. Ich komme zurück in so einen seelischen Schutzraum. Da hab ich meine besten Gedanken und finde Lösungen für alles mögliche.

Hat sich etwas verändert in den vielen Jahren Praxis?

Ne, das geht nur immer mal mehr oder weniger tief. Mehr oder weniger sicher. Mehr oder weniger inspirierend. Nur in meiner Krise kam ich damit nicht mehr durch. Da kam dann das Mantra ins Spiel. Wie so ein Special Effect. Obwohl ich es nie so praktiziert habe, wie Kashinath mir das empfohlen hat: „Dieses Mantra sprichst du jetzt schön 108 Mal!“ Ich hab’s gesagt, wenn ich Angst hatte, und wenn die Angst weg war, dann tschüss.

Und wie steht es mit Asanas? Denen bist du doch in Indien sicher auch begegnet?

Ich spiele lieber Tischtennis. Ich fahre auch wahnsinnig gerne Fahrrad und hatte immer viel Sex – was brauche ich da noch Asanas? So hat eben jeder sein Ding.

Du bist auf deinen Reisen vielen traditionellen Yogis begegnet. Was war dein berührendstes Erlebnis?

Ich hab es zweimal erlebt, dass mir ein Yogi die Hand aufgelegt hat und ich schlagartig im Hier und Jetzt angekommen bin. Da denkst du nicht mehr, was du noch alles erleben willst und wo du noch überall hinwillst. Ich war komplett da – und alles war ein einziger Genuss. Darum geht es! Mein Lieblingssatz im neuen Buch ist auch: „Das Sein braucht keinen Sinn.“ Das ist einfach.

Wenn man das verinnerlicht, dann ist man vielleicht auch so wie Kashinath „ready for everything“.

Also wenn du mich so fragst: Ich bin mit Sicherheit nicht ready for everything. Absolut nicht. Aber es ist eine unheimlich gute Zielsetzung. Das ist doch das Geilste, was es gibt! Es bedeutet ja nicht nur, dass du kaum noch Ängste hast, du wertest einfach nicht mehr. Alles ist da und du kannst an allem lernen. Wie gehe ich mit einer Pleite um? Wie gehe ich mit Liebeskummer um?

Und solange wir noch nicht „ready“ sind, helfen uns die Mantras … Dein Mantra gegen die Angst willst du hier wohl nicht verraten? Im Buch gibt es nur einen QR-Code und der führt zu einem Soundfile, wo du es singst.

Ah, da hattest du anscheinend die vorläufige Pressefahne. In der Druckfassung steht das Mantra drin. Ich hatte es bloß vergessen.

Mir hat die Idee mit dem Soundfile eigentlich gut gefallen. Da bleibt dem Mantra mehr von seiner Magie, als wenn man es schwarz auf weiß liest. Übrigens Kompliment: Du singst sehr gut. Vielleicht bist du ja auch „ready for Kirtan-Karriere“?

Haha, das sagt der Manfred auch immer. Der ist ja Profi-Musiker und hat ein eigenes Studio. Da werden wir das noch mal richtig aufnehmen – und auch noch ein paar andere Mantras mehr.

Da bin ich gespannt. Aber ich denke, wir verraten hier jetzt doch nur so viel: Das Mantra gegen die Angst ist sehr bekannt. Es richtet sich an Ganesha und hat zehn Silben.

Und wer es jetzt noch nicht weiß, kann ja das Buch lesen …


HELGE TIMMERBERG war viele Jahre freier Journalist, bevor er als Buchautor erfolgreich wurde. Titel wie „Tiger fressen keine Yogis“ und „Shiva Moon“ zählen inzwischen zu Bestsellern der Reiseliteratur. Sein neuestes Buch erscheint am 14. Oktober:

Helge Timmerberg: Das Mantra gegen die Angst. Oder: Ready for everything. (Malik Verlag, 20 Euro)