Yogastudios wieder öffnen! Lehrerinnen starten Petition

Wann dürfen Yogastudios wieder öffnen? Wenn es nach der Politik geht noch lange nicht. Zwei Yogalehrerinnen aus Hamburg haben jetzt genug und starten eine Petition zur bundesweiten Wiedereröffnung! Ihr Argument: Yogastudios sind systemrelevant.

Marion Schwarzat und Astrid Schoepplenberg (Foto oben/Credit: @grit siwonia) wollen nicht mehr nur ruhig zusehen, wie der Corona-Shut Down etliche Existenzen und Studios bedroht. Online Streaming mag eine tolle Alternative sein, aber es ersetzt auf Dauer nicht den persönlichen Kontakt, die Hilfestellung in den Studios. Deswegen haben die Yogalehrerinnen eine Petition gestartet. Warum Yoga systemrelevant ist und wie sie die Anforderungen an Abstand und Hygiene in des Studios sicher stellen wollen, hat Astrid uns im Interview erklärt.

Hallo Astrid, was hat Euch dazu veranlasst die Petition zu starten?

Die Idee mit der Petition bekam ich, weil ich durch die sozialen Netzwerke mitbekam wie es teilweise zu einer Spaltung in der Yogawelt kam. Da gab es die einen, so wie wir, die vom ersten Tag des Shut Downs mit den Kursen online gingen – und wir mussten uns dafür von etlichen Lehrern heftig kritisieren lassen. Dann gab es die anderen, die erst einmal yogisch abwarten wollten. Manche boten ihre Kurse auch kostenlos für ihre SchülerInnen an. Marion hat drei Studios, bietet jährlich zwei Yogalehrerausbildungen à 200h und eine 300h YL Ausbildung an, es waren diverse Workshops und Fortbildungen geplant und auch gebucht und von jetzt auf gleich brach all das zusammen.

Unsere YogalehrerInnen in allen drei Studios verloren genau so unerwartet und schnell all ihre Klassen. Sie unterrichten ja auch noch in anderen Studios. Die Welt von allen stand plötzlich Kopf und es kamen Ängste hoch, weil niemand mit dieser Situation gerechnet hatte und natürlich auch in keiner Weise darauf vorbereitet war. Durch den guten Zusammenhalt der SatyaLoka und Urban YogalehrerInnen untereinander, konnten wir uns immer wieder gegenseitig aufbauen. Als jedoch letzte Woche die ersten Stimmen laut wurden, dass die Yogastudios und Yogaschulen als nicht systemrelevante Einrichtungen zu den letzten gehören würden, die erst im Spätsommer oder Herbstanfang wieder öffnen sollten, dachten wir uns: „Das geht so nicht weiter, wir müssen uns bundesweit zusammen tun.

Wir müssen für die Öffnung der Yogastudios und Yogaschulen aus zwei Gründen gemeinsam aufstehen:

Erstens: Weil Yoga aus gesundheitlichen Aspekten wichtig ist. Unsere YogaschülerInnen haben uns schon mehr als einmal während des Online Unterrichts mitgeteilt, dass die gemeinsame Yogapraxis ein Highlight in ihrem jetzigen Leben darstellt. Zum Yoga kommen ja nicht in erster Linie gesunde Menschen, sondern Menschen mit den verschiedensten gesundheitlichen Problemen und durch die regelmäßige Yogapraxis spüren diese Menschen eine Verbesserung ihrer gesundheitlichen Problematik.

Zweitens: Weil es für die Inhaber der Yogastudios-/schulen und auch für die freiberuflichen YogalehrerInnen um ihrer berufliche Existenz geht. Ich sehe wie sehr Marion versucht alles zusammenzuhalten und täglich mehr über sich hinauswächst. Ich sehe wie häufig sie in den letzten Wochen ihre eigene Komfortzone verlassen hat und wollte ihr mit meiner Idee helfen. Ich möchte nicht, dass sie ihren Lebenstraum aufgeben muss, deshalb habe ich Marion meine Idee vorgeschlagen und wir haben uns zusammengesetzt, natürlich mit dem entsprechenden Abstand (lacht), haben gemeinsam den Text der Petition geschrieben und alles online gestellt.

Können Studios denn die vorgeschriebenen Hygiene-Regeln einhalten?

Ja das können sie. Wir legen vorab fest wie die Yogapraxis für die YogasschülerInnen ablaufen wird. Teilnahme ist nur nach vorheriger Onlineanmeldung möglich. Im Studio gelten dann strenge Regeln:

1. Bereits umgezogen im Studio mit eigener Matte erscheinen, Umkleideräume sind nicht nutzbar.
2. Abstandsregel auch im Studio einhalten.
3. Mundschutz bis zum Beginn der Yogapraxis benutzen
4. 20-30 Sek. Händewaschen bevor es in den Yogaraum geht.
5. Eigene Matten auf die markierten Mattenplätze auslegen.
6. Kein Offline-Angebot von dynamischen Yogakursen.
7. Mundschutz nach Beendigung des Kurses wieder anlegen und dann mit der eigenen Matte wieder das Studio verlassen.
8. Die YogalehrerInnen verhalten sich entsprechend.

Das klingt machbar! Euer Hauptargument, neben der wirtschaftlichen Situation für YogalehrerInnen ist ja die Systemrelevanz. Warum ist ein Yogastudio systemrelevant?

Wie gesagt, zum Yoga kommen nicht nur gesunde Menschen, sondern Menschen mit den verschiedensten gesundheitlichen Problemen. Durch die Yogapraxis spüren diese Menschen eine Verbesserung ihrer gesundheitlichen Problematik. Wir helfen den TeilnehmerInnen durch das Erlernen verschiedener Atemtechniken und Meditationen, besser mit den unterschiedlichen Stresssituationen umzugehen. Für viele Yogis gehört das Praktizieren im Studio zu ihren wichtigen, wenn nicht wichtigsten sozialen Kontakten und Oasen inmitten all des Alltags- und jetzt aktuelle des Angst- Stresses, der gerade herrscht. Es ist allgemein bekannt, dass Angst und Stress krank machen und so ist die beruhigende, wertschätzende und ausgleichende Wirkung des Yoga gerade in einer Pandemie unerlässlich und wichtiger als je zuvor. 

Petition: Bundesweite Wiedereröffnung der Yogastudios und Yogaschulen

Wenn auch du der Meinung bist, dass Yogastudios und Yogaschulen und bestimmten Vorraussetzungen – wie etwa strenge Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln – wieder öffnen sollten, dann kannst du die Petition von Astrid und Marion auf change.org unter diesem Link chng.it/MX8dYvQJ unterstützen.


Astrid Schoepplenberg ist AYA zertifizierte Vinyasa- sowie Kinder und Teens-Yogalehrerin. Sie leitet das Yogastudio SatyaLoka in Hamburg, betreut Yoga-Retreats innerhalb Europas und schreibt für verschiedene Blogs.

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