Auf Buddhas Spuren: Die Parallelen zwischen Yoga und Buddhismus

Dass in vielen Yogastudios Buddha-Figuren thronen, ist kein Zufall: Zwischen den beiden Lehren gibt es viele Parallelen. Timo Wahl erläutert, wie uns der Buddhismus dabei helfen kann, eine moderne und alltagstaugliche Sicht auf die Yogaphilosophie zu entwickeln.

Text: Timo Wahl / Titelbild: Samuel Austin via Unsplash

Schon immer suchten Menschen nach Antworten auf die großen Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach der Be­deutung des Todes. Zu allen Zeiten streb­ten sie nach tiefem Glück und Freiheit von Leid. Auch im antiken Indien meinte man, Antworten gefunden zu haben. Man glaubte an eine kosmologische Ordnung hinter den Dingen und an ein alles durch­dringendes Bewusstsein. Auch daran, als Mensch mehr zu sein als nur Körper und Geist. Man betrachtete den Körper als Ge­fäß für den Geist und seine unsterbliche Seele, die von Leben zu Leben reist, bis sie eines Tages erkennt, dass sie selbst un­sterblich ist und eins mit allem.

Wer nach Weltlichem strebe, so wurde geschrieben, werde automatisch darin verwickelt, denn der Geist hefte sich an Besitz und Standes­dünkel. Wer jedoch nach der Wahrheit suche, der müsse nach dem Ewigen su­chen – dem Teil in uns, der immer schon gewesen sei und immer sein würde. Diese Suche ist auch heute noch die Kernidee im Pfad des Yoga.

Der frühe Yoga kannte sehr wahrschein­lich noch keine Körperübungen. Zu üben bedeutete, einen ethisch reinen Lebens­stil zu pflegen, den Geist ganz und gar auf das „Sein“ zu fokussieren und dabei alle Identifikationen mit der Welt, Besitz, Beziehungen, Gedanken und dem Körper aufzulösen. Gleichzeitig aber diktierte das strenge Kastensystem, dass nur derjenige Yoga betreiben dürfe, der seine karmische Last der letzten Leben bereits aufgear­beitet hätte. Und dies waren lediglich die Menschen der oberen Kaste, die durch ihre Geburt „bewiesen“ hatten, ihre letzten Leben richtig gelebt zu haben.

In diese hinduistische Weltanschauung hinein wurde 563 vor Christus Siddharta Gautama, der spätere Buddha, geboren. Auch sein Weg führte zunächst traditio­nell über die Lehre der heiligen Schriften, die Praxis der Meditation und vor allem eine strenge Askese. Diese Praxis sollte dazu führen, alle Anhaftung an den Kör­per und damit an das Vergängliche zu überwinden. Buddha jedoch erkannte, dass der Weg der Befreiung weder in der absoluten Askese bestand, noch in deren Gegenteil. Er postulierte den Weg der Mitte und damit einen Weg der Befreiung, die inmitten des Lebens stattfinden könne.

Historischer Überblick

563 – 483 v. Chr.: Lebenszeit des Buddha
4. oder 3. Jh. v. Chr.: Entstehung Bhagavad Gita
3. Jh. v. Chr.: Entwicklung des Buddhismus
? 300 v. Chr. / 300 n. Chr.: Entstehung des Yoga Sutra
um 300 n. Chr.: Vyasa nennt in seinem Kommentar zum Yoga Sutra 11 Asanas
um 100 n. Chr.: erste ayurvedische Schriften
um 500 n. Chr.: erste tantrische Schriften
um 1400 n. Chr.: Entstehung der Hatha Yoga Pradipika

Quelle: Yoga. L’encyclopédie. Paris 2021

Die Anfänge des Buddhismus

Buddhas Lehrreden verbreiteten sich schon bald wie ein Lauffeuer – hätte er einen Instagram-Account besessen, wären ihm sicher tausende Menschen gefolgt. Seine enorme Wirkkraft bestand sicher­lich in seiner Lehre selbst, aber auch da­rin, dass er den Menschen auf eine neue Weise begegnete. Entgegen damaliger Gepflogenheiten negierte er Standesunter­schiede zwischen den Kasten, er erkannte Frauen als Schülerinnen an und forderte alle, die ihm folgten, auf, seine Lehren auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen. Das war revolutionär, denn nach der damals gängigen Überzeugung sollte man vor al­lem seiner durch die Geburt auferlegten Bestimmung folgen.

Für alle Fragen der Spiritualität war allein die Priesterkaste zuständig, an die man Abgaben zu ent­richten hatte. Der wesentliche Aspekt in Buddhas Lehre ist deshalb sicherlich das Übernehmen von Eigenverantwortung für den eigenen Lebensweg und somit auch für das persönliche Karma. Und hier fin­den wir eine wichtige Analogie zum klas­sischen Yogaweg: Auch dieser sieht für jeden individuellen Fortschritt das eigene Bemühen als Grundlage.

Die vier edlen Wahrheiten

Yoga und Buddhismus
Foto: Diana Dima via Unsplash

Aber auch inhaltlich finden wir in den beiden Lehren wesentliche Übereinstimmungen, allen voran die „Vier edlen Wahrheiten„. Diese beruhen grob gefasst auf der Beobachtung, dass wir alles, was uns im Leben begegnet, auf zwei grund­legende Fragen hin untersuchen, näm­lich ob eine Situation für uns potenziell bedrohlich oder förderlich ist. Diese Be­wertung entscheidet, wie wir reagieren: Auf vermeintlich Angenehmes reagieren wir anhaftend: Wir verlangen nach mehr oder möchten den angenehmen Zustand zumindest erhalten (Raga). Auf Unan­genehmes reagieren wir dagegen mit der Energie der Ablehnung (Dvesha). Dazu kommt die Fehleinschätzung (Avidya), dass äußere Bedingungen für unser Glück sorgen könnten. Dieser Dreiklang aus Gier, Ablehnung und Fehleinschätzung gilt im Buddhismus als Ursache für un­ser selbstverschuldetes Leiden (Dukkha).

Alle drei Begriffe finden wir auch rund 500 Jahre später im Yoga Sutra von Patanjali. Es gilt als eine der wichtigsten und zentralsten Schriften des Yoga und wird vor allem im Westen als Grundla­ge der Yogaphilosophie angesehen. In Patanjalis Werk werden die drei von Buddha beschriebenen „geistigen Gifte“ in den sogenannten Kleshas (Hindernissen auf dem Weg zur Befreiung) integriert. Patanjali erweitert den Leid erzeugenden Dreiklang aus Gier, Ablehnung und Fehleinschätzung um zwei weitere Begriffe und entwickelt somit aus heutiger Sicht die Ideen Buddhas weiter. Diese beiden Begriffe sind: Ich­-Bezogenheit (Asmita) und die Angst vor dem Unbekannten (Abhinivesha)Asmita meint eine Betrachtung und Bewertung der Dinge aus dem Ego heraus. Abhinivesha mündet letztlich in die Angst vor dem Tod als größte Instanz des Unbekannten.

Nicht-Ich: Es gibt kein beständiges Selbst

Wir alle identifizieren uns ständig mit unserer Historie, erzählen uns und an­deren die Geschichte(n) unseres Lebens und entwickeln dabei die Idee einer re­lativ stabilen Persönlichkeit. Buddha war jedoch davon überzeugt, dass die Idee eines „Ich“ lediglich ein Konzept unseres Geistes sei. Stellen wir uns also einmal vor, unsere gesamte Lebenshistorie würde auf einmal gelöscht … Sicherlich ein zunächst befremdlicher Gedanke. Aber wie viel frei­er könnten wir sein, hielten wir nicht an den Überzeugungen darüber fest, was wir meinen zu können und zu sein!

Auch diese buddhistische Idee greift die klassische Yogaphilosophie auf. Unsere wahre Form zu erkennen, ist demnach nur dann möglich, wenn alle Gedankenwellen (Vrittiüber uns und die Welt zur Ruhe gekommen sind. Liegen also keine Akti­vitäten im Geist vor, gibt es auch keine Identität mehr, die uns beeinflusst. Kein Ego, das sich einschaltet. Keine innere Rechtfertigung und auch kein Drama.

Sati: Achtsamkeit

Kaum ein Diskurs verzichtet heute auf den Hinweis auf Achtsamkeit als Basis für Zufriedenheit und seelische Gesund­heit. Nicht immer ist dabei klar, worum es genau geht. Buddha forderte seine Schü­ler*innen auf, sich selbst, ihre Reaktionen und Gewohnheiten genau zu studieren. Allen inneren Anteilen möge man mit Freundlichkeit begegnen, bemüht, in je­dem Augenblick die wohlwollendste Hal­tung allem und allen gegenüber einzuneh­men, die möglich ist. Damit stellte Buddha die Gemeinschaft über das Individuum.

In der Yogaphilosophie finden wir dazu gleich diverse Analogien. Das Yoga Sutra fordert zu einem beharrlichen Beobachten aller geistigen Aktivitäten auf. Der denkende Geist wird genau beschrieben. Er kann zu richtigen Ergebnissen kommen, sich aber auch leicht täuschen lassen, da dauernd Erinnerungen und Vorstellungen auftauchen, die uns von einer ungefilter­ten Wahrnehmung ablenken. Beobachten wir unseren Geist, können wir Zeuge, Zeu­gin unserer Gedanken werden, ohne uns stetig mit ihnen zu identifizieren – nach dem Motto: „Glaube nicht alles, was du denkst“. Durch diese Distanz zu unseren Gedanken wird der Raum größer, in dem wir uns für eine wohlwollende und heil­same Ausrichtung entscheiden können.

Liebende Güte und Mitgefühl

Yoga und Buddhismus
Foto: Chris Ensey via Unsplash

Buddha formulierte in seiner Lehre vom „Edlen achtfachen Pfad“ die Wichtigkeit der Entwicklung von liebender Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Großzügigkeit. Diese „Vier unermesslichen Qualitäten“ zu kultivieren, bedeutet, sich bewusst für sie zu entscheiden. Dieselben erstrebenswer­ten Tugenden finden wir auch im Yoga Su­tra wieder. Auch Patanjali fordert uns auf, in allen Situationen stets die vier Qualitä­ten Maitri (Liebende Güte), Karuna (Mit­gefühl), Mudita (Mitfreude) und Upeksha (Großzügigkeit) zu kultivieren. Aufbau­end auf diesen buddhistischen Ideen geht die Yogaphilosophie aber auch hier noch ein Stück weiter.

Denn Yoga gibt uns zu­ sätzlich die Möglichkeit, den Geist über die Regulation des Atems zu beruhigen. Je ruhiger der Atem, desto ruhiger der Geist – so sagt es das Sutra. Und dann gibt es ja noch den heute bekanntesten Bereich des Yoga, nämlich die Körperpraxis. Hier finden wir einen weiteren Schlüssel, um unser System ganzheitlich in die Ruhe zu führen und Gleichmut zu bewirken.

Akzeptanz: Schlüssel zur Befreiung

Zu jeder Zeit haben die Denker und Den­kerinnen der Welt voneinander gelernt, voneinander gelesen, studiert, interpre­tiert und Konzepte weiterentwickelt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass buddhistisches Gedankengut in die Yogaphilosophie eingewoben wurde – und auch der Buddha selbst war von älterem Wissen inspiriert. Ohne die Grundpfeiler seiner hinduistischen Prägung wären viel­leicht ganz andere Gedanken entstanden. Wichtig aber ist, dass die zugrundeliegen­de Botschaft aller großen Traditionen die gleiche war und ist: Akzeptanz.

Sowohl Buddhas Lehrreden als auch die großen Yogaschriften zielen ab auf die Botschaft der Akzeptanz. Dabei sind die Lehren Buddhas klar und strukturiert. Sie sind rational, logisch und oft kompromiss­los. Die Weichheit, die es aber im Alltag manchmal braucht, finden wir eher in den Yogaschriften. Denn Yoga hat immer integriert, nie gab es einen Anspruch auf die ultimative Richtigkeit einer Idee oder eines Konzeptes. Deshalb findet man auch häufig verschiedene Interpretationen zu einer Aussage, und alle dürfen nebenein­ander stehenbleiben.

Der Yogaweg hat sich über die Jahrhun­derte immer weiter entwickelt und in verschiedene Richtungen ausdifferenziert. Im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Ayurveda gewann die Idee, den Körper in die Lehren einzubeziehen, mehr und mehr Raum und die Asanapraxis entwi­ckelte sich. Durch den Tantra bekam der Mensch als Abbild des Göttlichen die Er­laubnis, auch wieder mehr Mensch sein zu dürfen und das Leben in Freude zu gestal­ten. Und die Auseinandersetzung mit der Bhagavad Gita führte dazu, dass auch die mystische Suche nach etwas „Größerem„, dem wir uns hingeben und anvertrauen möchten, stärker kultiviert wurde.

Wollen wir also in unserem eigenen All­tag ein Stück weiter in Richtung Befrei­ung und Entwicklung voranschreiten, bedeutet das, uns von einschränkenden Glaubenssätzen und Überzeugungen zu lösen. Beide Systeme – Buddhismus und Yoga – lehren uns dabei vor allem eines: Wenn wir das Ruder nicht selbst in die Hand nehmen, wird es auch sonst nie­mand für uns tun! Hegen wir den Wunsch nach Veränderung, müssen wir bereit sein, Verantwortung für uns und unsere Um­welt zu übernehmen. Die Welt wird weder vom Beten geheilt, noch vom Abwarten. Und verbinden wir diese Haltung mit Le­bensfreude und Zuversicht, können wir vielleicht auch selbst für andere zu Influ­encerinnen und Influencern werden.


Timo Wahl ist einer der profiliertesten Yogalehrer und -Ausbilder in Deutschland und weit über sein Frankfurter Studio hinaus dafür bekannt, eine moderne, bewegungs-, aber nicht leistungsorientierte Praxis zu unterrichten, bei der Achtsamkeit, Selbstbeobachtung und philosophische Tiefe im Vordergrund stehen. Mehr zu Timo auf timowahl.de und auf Instagram @timo_wahl_yoga_frankfurt


Timo Wahl war auch zu Gast in unserem Podcast und hat uns in diesem Zweiteiler mehr über den Buddhismus erzählt:

Auf in DAS PARADIES! – Eine luxuriöse Auszeit in Südtirol

Manchmal braucht man einfach eine Auszeit vom Alltag, Zeit, um die Seele ein bisschen baumeln zu lassen und Zeit für Entspannung und Erholung. Wenn man diese kleine Auszeit in Südtirol verbringt, dann gibt es dafür wohl kaum einen besseren Ort als das 5-Sterne Hotel „Das Paradies“. Schon der Name lässt erahnen, was einen erwartet: ein Paradies des Wohlbefindens eingebettet in die saftig grünen Apfelwiesen und den majestätischen Bergen der Texel- und Ortlergruppe … //anzeige

Fotos: Foto Atelier Wolkersdorfer, Franziska Unterholzner, Hotels in Southtyrol

Wenn man im kleinen Dorf Latsch im Vinschgau ankommt, spürt man sofort die besondere Atmosphäre. Man wird begrüßt von frischer Bergluft und einem gemütlichen Ambiente, welches Entspannung ab der ersten Minute verspricht. Umgeben von den malerischen Apfelwiesen und dem milden Klima mit rund 300 Sonnentagen im Jahr ist das Paradies der perfekte Ort, um zur Ruhe zu kommen und die Natur in vollen Zügen zu genießen. Das Hotel bietet nicht nur Entspannung pur, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten, wie Wandern und Radfahren. Besonders Mountainbike-Fans kommen auf den rund 170 km an Strecken im nahegelegenen Martelltal voll auf ihre Kosten. Ein kleiner Geheimtipp: Im Sommer kannst du hier die süßen Marteller Erdbeeren probieren – ein Genuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte. 

Wer es lieber etwas gemütlicher mag, der kann direkt vom Hotel aus zahlreiche Spaziergänge unternehmen oder entlang des nahegelegenen Fahrradwegs „Via Claudia Augusta“ radeln.

Im Hotel selbst hat man es geschafft einen Ort zu kreieren, an dem sich wirklich jeder wohlfühlen kann. Die Wellnesslandschaft des Hotels erstreckt sich über großzügige 3.700 m² und bietet zwei Bereiche: einen Family-Spa, wo Familien gemeinsam entspannen können, und den exklusiven Adults-Only Silence Spa Garden, der Erwachsenen eine friedliche Rückzugsoase bietet. Besonders die täglichen Sauna-Aufgüsse und Peelings im Silence Spa Garden sind ein echtes Highlight – man fühlt sich danach wie neugeboren.

Ergänzt wird das Wohlfühlprogramm durch das umfassende Fitness- und Aktivitätsprogramm, bei dem Yoga und Meditation eine besondere Rolle spielen, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.

Yoga als Lebensweg

Das Paradies: Yoga-Angebot

Das Yoga- und Entspannungsprogramm ist ein Herzensprojekt von Juniorchefin Marilena Pirhofer und ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Hotels, der von Gästen sehr geschätzt wird. Marilena erkannte schon vor Jahren die wohltuende Wirkung von Yoga und Entspannungsübungen auf Körper und Geist.

Ihre Leidenschaft für Yoga begann auf einer Reise durch Südostasien. Schon immer faszinierte sie ein gesunder und bewusster Lebensstil in Kombination mit Sport und Bewegung. Ihre erste richtige Yogastunde absolvierte sie 2016 auf Bali, gefolgt von zahlreichen weiteren Kursen. Im Jahr 2019 reiste sie schließlich nach Indien, dem Ursprungsland des Yoga, und absolvierte im Sivananda-Ashram ihre Ausbildung zur Yogalehrerin.

„Für mich ist Yoga eine harmonische Kombination aus verschiedenen Posen, der richtigen Atmung, Konzentration, einer bewussten Lebensweise, Gedankenkontrolle und gesunder Ernährung“, sagt Marilena. „Yoga ist eine innere Haltung und ein Weg zu größerer Lebensfreude, der nicht auf der Yogamatte endet.“

  • Hotel Paradies: Kraftraum

Das Yoga- und Entspannungsprogramm ist ebenso vielfältig wie abwechslungsreich. Egal ob man sich für Klangschalenmeditation, Hatha-Yoga, Pilates oder Qi Gong interessiert – hier findet jeder etwas, das ihn anspricht. Besonders schön sind die Yogaeinheiten, die im Sommer auf der Outdoor-Yoga-Plattform stattfinden. Umgeben von der Kraft der Natur und der frischen Bergluft fällt es leicht, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren und die Verbindung zur Natur zu spüren. Einfach traumhaft!

Neben Yoga wird auch ein vielseitiges Fitnessprogramm mit Pilates, Aqua Gym, Bauch-Beine-Po oder HIIT-Trainings im Fitnessraum des Hotels geboten. Die erfahrene Fitness- und Yogatrainerin Valentina begleitet dich mit viel Motivation auf deiner Reise zu dir selbst.  

Neben Gruppenkursen werden auf Anfrage und gegen Gebühr auch private Einzelstunden angeboten, wie z. B. Sound Healing oder Private Yoga. Zudem können Schwangerschaftsyoga und Baby Yoga als Privatkurs bei Marilena gebucht werden.

Wellness für alle Sinne

Das Paradies: Spa

Auf einer Wellnessfläche von 3.700 m² erwartet dich eine Oase der Ruhe, davon 1.700 m² im exklusiven Adults-Only-Wellnessbereich „Silence Spa Garden“. Hier kann man in der Panoramasauna, dem Solepool, dem Dampfbad und der Biosauna entspannen. Zudem stehen Infrarotliegen, Ruheräume, luxuriöse Sonnenterrassen und idyllische Rückzugsnischen jederzeit zur Verfügung. Um einen absoluten Erholungsraum zu generieren, ist der Zugang zu diesem Bereich nur den Gästen ab 16 Jahren vorbehalten.

Der Familien-Spa-Bereich hingegen ist für Gäste jeden Alters geöffnet und bietet auch Kindern die Möglichkeit, erste Wellnesserfahrungen zu sammeln. Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten wird ein größeres Saunaprogramm angeboten. Während der beliebten Sauna-Wochen erwarten dich besondere Aufgüsse, eine wöchentliche Sauna-Night, spannende Rituale und spezielle Highlights wie der Vollmondaufguss. Zudem gibt es immer wieder informative Sessions zum „richtigen Saunieren“, um dein persönliches Saunaerlebnis zu perfektionieren.

Tiefenentspannung und Harmonie: Ayurveda und mehr im LaVita Spa

Das Paradies: Ayurveda-Massage

Im LaVita Spa des Hotels das Paradies kannst du aus einer breiten Palette an Behandlungen wählen, darunter Massagen, Ayurveda- und Beauty-Anwendungen. Ayurveda, ein traditionelles indisches Medizinsystem mit über 5.000 Jahren Geschichte, fördert das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele. Eine der angebotenen Ayurveda-Behandlungen ist die Abhyanga Ganzkörpermassage, bei der der Körper mit warmem Sesamöl großzügig eingeölt wird. Diese Massage wirkt entspannend, vitalisierend und unterstützt die Harmonisierung des Körpers sowie die Ausscheidung von Giftstoffen.

Hier merkt man wirklich, dass Ayurveda mehr ist als nur eine Behandlung – es ist eine Philosophie, die darauf abzielt, das Gleichgewicht von Körper und Geist wiederherzustellen. Ayurveda ist nur ein Teil des umfangreichen Angebots im LaVita Spa – so werden beispielsweise auch spezielle Verwöhnbehandlungen für Schwangere und Spa-Behandlungen für Kinder angeboten.

Entdecke hier weitere Behandlungen.

Genussvoll durch den Tag: Die Soft All Inclusive Formel

Nach einem Tag voller Entspannung, Yoga und Wellness kann der Appetit groß sein – und genau dafür gibt es im Paradies die Soft All Inclusive Formel. Der Tag beginnt mit einem paradiesischen Frühstücksbuffet, bei dem du dir an der Live-Kochstation dein Frühstück ganz nach Wunsch zubereiten lassen kannst. Am Nachmittag lockt ein leckeres Buffet mit einem frisch zubereiteten italienischen Pasta-Gericht. An den Saft-Stationen stehen von 07:30 bis 11:00 Uhr und von 14:00 bis 16:30 Uhr kostenfreie Getränke zur Verfügung. Im Wellnessbereich kannst du dich zudem den ganzen Tag über mit kostenfreien Getränken und getrockneten Früchten stärken. Am Abend wird man dann mit einem 5- bis 7-Gänge-Menü verwöhnt, das den Tag kulinarisch abrundet.


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Dr. Ronald Steiner: Alignment Cues für Shirshasana

Dr. Ronald-Steiner-Shirshasana

Der Kopfstand gilt als der „König der Asanas“, doch während er traditionell zu den wichtigsten Yogahaltungen zählt, spielt er in der heutigen Praxis eine deutlich geringere Rolle. Hier erfährst du, worauf es ankommt, um Shirshasana gefahrlos zu üben.

Text: Dr. Ronald Steiner / Fotos: Richard Pilnick

Wirkung von Shirshasana

Laut der traditionellen Energielehre der Hatha-Yogis tropft Lebensenergie (Prana) im Körper von oben nach unten und verbraucht sich dabei. Man nahm an, die körperliche Umkehr könne diesen Prozess stoppen beziehungsweise umkehren und daher verjüngend wirken. Doch damit nicht genug: Die mit Hilfe der Schwerkraft in den Kopf geführte Energie sollte auch zu einer spirituellen Einheitserfahrung führen.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht gibt es bisher keine Belege für diese verjüngende oder gar erleuchtende Wirkung. Viel eher steht der Kopfstand wegen seiner Risiken in der Kritik (dazu weiter unten mehr). Dennoch hat die Asana für viele Übende einen besonderen Reiz, fast eine Magie: Sie vermittelt wie wenige andere Selbstvertrauen und Konzentration und wird als gleichermaßen erfrischend und beruhigend empfunden. Voraussetzungen für eine gefahrlose Ausführung sind ein starker Rumpf und Schultergürtel und Stabilität in der umrundenden Halsmuskulatur.

So geht’s:

Dr. Ronald-Steiner-Shirshasana

Step 1: Knie dich auf den Boden und falte deine Hände. Nimm dabei den kleinen Finger der unteren Hand nach innen. Platziere nun deine Unterarme so vor dir, dass zwischen Ellenbogen und den gefalteten Händen ein etwa gleichseitiges Dreieck entsteht, im Zweifelsfall setzt du die Ellenbogen lieber enger, denn sie haben die Tendenz auseinander zu rutschen.

Step 2: Lege nun die Mitte deiner Schädeldecke so auf den Boden, dass dein Nacken gerade ist und du deinen Hinterkopf mit den Händen umschließt und stützt. Schiebe dabei die Unterarme aktiv gegen den Boden, so dass nur wenig Gewicht auf dem Kopf lastet.

Step 3: Strecke Beine und Rumpf und wandere mit den Füßen Richtung Kopf, bis das Becken senkrecht über den Schultern steht.

Step 4: Bewege das Becken noch etwas weiter nach hinten und komme auf die Zehenspitzen. Sobald sie sich vom Boden lösen, ziehst du deine Knie an den Rumpf.

Step 5:  Rolle deine gebeugten Beine nun langsam nach oben. Dann streckst du die Beine senkrecht Richtung Himmel.

Alignment Cues

Druck auf die Unterarme: Schiebe die Schultern aktiv in die Länge und drücke die gefalteten Hände fest gegen den Boden. So lastet weniger Druck auf der Schädeldecke und du bringst die Muskel-Faszienzüge rings um die Halswirbelsäule auf Spannung. Das schafft Länge und Stabilität in der Halswirbelsäule.

Balance aus dem Becken: Anstatt sich abzustoßen oder die Beine mit Muskelkraft zu heben, also gegen die Schwerkraft zu arbeiten, verlagerst du mit dem Becken den Körperschwerpunkt so, dass die Füße sich von alleine vom Boden lösen.

Rippen rein, Schulterblätter lang: Wenn du deine Rippen zum Bauchnabel hin ziehst, spürst du wie die Muskulatur, die deine Schulterblätter mit dem Rumpf verbindet, einen besseren Ansatz bekommet. Stemme dich nun von den Schulterblättern beginnend kraftvoll gegen den Boden.

Kreuzbein lang, Sitzbeinhöcker weit: Indem du das Kreuzbein aktiv weg von deinem Hinterkopf in die Länge spannst, entsteht mehr Stabilität durch den gesamten Rumpf. Achte dabei aber darauf, die Sitzbeinhöcker weit zu lassen. Das Becken balanciert in einer neutralen Stellung auf der stabilisierten Wirbelsäule.

Risiken:

Wie bei allen Umkehrhaltungen ist auch hier Vorsicht geboten, insbesondere bei erhöhten Blutdruck, vorheriger Schädigung der Blutgefäße und der Einnahme von Blutverdünnern: Der Augeninnendruck kann sich erhöhen, auch Hirnblutungen sind möglich, weswegen in diesen Fällen grundsätzlich vom Kopfstand abgeraten wird. Hinzu kommt der mögliche Druck auf die empfindliche Halswirbelsäule, vor allem bei mangelnder Kraft und Vorbereitung. Daher empfehle ich, zunächst genügend Kraft und Stabilität im Schultergürtel und im gesamten Rumpf aufzubauen, bevor man von der Basic Form zur klassischen übergeht.

Alternative Form – Basic Form

Dr. Ronald Steiner Shirshasana

Stütze hierzu deine Unterarme wie in Step 1 beschrieben auf dem Boden auf. Platziere dann jedoch im zweiten Schritt deinen Kopf nicht auf dem Boden, sondern halte die Schultern senkrecht über den Ellenbogen und lass den Kopf knapp über dem Boden schweben, während du deine Beine wie in Step 3 langsam streckst. Bleibe mehrere Atemzüge lang in dieser Position. Sie aktiviert deine Schulter-Rumpf Verbindung, baut Kraft auf und erzeugt viele der positiven Effekte der Umkehrhaltung.


DR. RONALD STEINER ist Arzt, Wissenschaftler und Sportmediziner sowie einer der bekanntesten Praktiker des Ashtanga Yoga. Mehr zu Ronald und zu Shirshasana findest du auf ashtangayoga.info.


Auch im „YogaWorld Podcast“ war Dr. Ronald Steiner bereits mehrmals zu Gast. Wie z.B. in dem spannenden Zweiteiler über Yogatherapie:

#119 Jin Shin Jyutsu – Traditionelle Heilkunst für moderne Zeiten – mit Bettina Roschewitz

Die Kunst des japanischen Heilströmens: Blockaden lösen und Selbstheilung fördern

Jin Shin Jyutsu (dt. „Erkenne dich selbst“) ist eine alte japanische Heilkunst, die durch sanfte Berührung bestimmter Punkte am Körper das energetische Gleichgewicht wiederherstellen und die Selbstheilungskräfte aktivieren soll. Auch bekannt als japanisches Heilströmen, ist die Methode in den letzten Jahren wieder verstärkt in den Fokus gerückt und bietet eine faszinierende Möglichkeit, das eigene Wohlbefinden zu verbessern. In dieser Folge „YogaWorld Podcast“ will Gastgeberin Susanne Mors herausfinden, was sich wirklich hinter dieser alten Heilmethode verbirgt und hat dafür die erfahrene Jin Shin Jyutsu- Therapeutin, Bettina Roschewitz, eingeladen. 

Bettina erklärt die Wurzeln und die Geschichte des Jin Shin Jyutsu und wie diese Heilkunst im Laufe der Zeit überliefert wurde. Sie beleuchtet die grundlegenden Prinzipien und Konzepte, die hinter dieser Methode stehen, und erklärt, was es mit den sogenannten Energieschlössern auf sich hat – jenen Punkten am Körper, die durch sanften Druck aktiviert werden, um Blockaden zu lösen und die Energie wieder frei fließen zu lassen.

Aber es bleibt nicht nur bei der Theorie. Bettina gibt einen tiefen Einblick in die Praxis des Jin Shin Jyutsu. Sie erklärt, wie eine typische Anwendung aussieht, welche Techniken dabei zum Einsatz kommen und wie jeder von uns diese Methode zur Selbsthilfe nutzen kann. Sie teilt ihre persönlichen Erfahrungen, erzählt von eindrucksvollen Erfolgsgeschichten und berichtet, wie Jin Shin Jyutsu ihr eigenes Leben nachhaltig verändert hat. Darüber hinaus wird die Verbindung zwischen Jin Shin Jyutsu und Yoga angesprochen. Wie ergänzen sich diese beiden Praktiken? Kann man sie sinnvoll miteinander kombinieren, um Körper und Geist in Einklang zu bringen? 

Zum Abschluss gibt Bettina wertvolle Tipps für alle, die mehr über Jin Shin Jyutsu erfahren und es selbst ausprobieren möchten. Diese Episode bietet inspirierende Einblicke in eine heilende Praxis, die ohne spezielle Werkzeuge auskommt und sich ideal zur Unterstützung der eigenen Gesundheit eignet.

Nahrung für die Seele –Erntedankrituale der Welt

Erntedank
Foto: Magmos / Getty Images via Canva

Überall auf der Welt, in allen Nationen, Religionen und seit Menschengedenken werden Opfer- und Erntefeste gefeiert. Es sind Rituale, in denen wir uns in Dankbarkeit mit der Schöpfung verbinden. Wir danken für alles, was das Leben uns schenkt. Dieser Dank verbindet uns – als Menschengemeinschaft und mit dem Göttlichen. 

„Dankbarkeit“ ist auch das Titelthema unseres neuen YOGAWORLD JOURNALS 05/2024. Seit 27. August 2024 hier und am Kiosk erhältlich!

Text: Andrea Goffart / Titelbild: Magmos/Getty Images via Canva

Im Dank entsteht Verbundenheit – wir nehmen wahr, dass wir etwas nicht aus eigener Kraft geschafft haben. Wir beziehen uns dankend auf eine Verbindung, erkennen an, dass wir Teil einer Gemeinschaft sind und dass für uns gesorgt ist. Vielleicht danken wir unseren Eltern für unsere Existenz oder der Nachbarin, weil sie unsere Blumen gegossen hat, als wir in Urlaub waren. Vielleicht bringen wir ihr eine Flasche Wein mit und trinken diesen besonderen Tropfen dann sogar zusammen, feiern unsere Verbindung – in der Fähigkeit zu helfen und der Möglichkeit, für diese Hilfe „Danke“ zu sagen.

Jetzt, wo es in großen Schritten Richtung Herbst geht, bedanken wir uns für die Fülle der Nahrung, die uns sicher über den kommenden Winter bringen wird. Sicher – heute kaufen wir unsere Äpfel im Supermarkt und haben den Bezug zu den Zyklen der Erde verloren. Wir kennen die Zeitpunkte für Aussaat, Reife und Ernte nicht mehr und essen Erdbeeren auch gerne im Winter. Trotzdem verbinden viele von uns mit Erntedank ein vielleicht sogar unbewusstes Wissen um diese Fülle. Allein über das Wort entstehen sofort Bilder bunter Herbstblätter und froher Farbigkeit von Obst und Gemüse – leuchtend rote Äpfel und pralle Birnen. Getreideähren, vielleicht geflochten zu einer Krone.

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Titelthema „Dankbarkeit“

Dankbarkeit als Ritual

Jedes Jahr zum Oktober laden uns die Kirchen ein, die Altäre zu schmücken und unserem – ihrem? – Gott Dank zu sagen: Dank für den Reichtum, den wir geschenkt bekommen. Danke für die Fülle, in der wir leben. Danke, dass wir so reich mit Früchten beschenkt werden. In der Dankbarkeit liegt gleichzeitig immer ein Stück Demut verborgen – ich habe das nicht alleine geschafft. Das mag im aktuellen Ich-Zentrismus ungewöhnlich sein und bei manchen sogar Ablehnung hervorrufen – zu gerne möchten wir uns selbst verantwortlich fühlen für die Früchte unserer Arbeit. Oder?

Öffnen wir uns dem Ritual, dann setzen wir uns zugleich in Bezug zu jemandem oder etwas. Deswegen sind Rituale auch immer ein Zeichen für das, was eine Kultur ausmacht und wenn wir sie ausführen, dann stabilisieren und entwickeln wir sie weiter. Rituale synchronisieren Gemeinschaften, weil sie uns eine Ebene von Verbundenheit erleben lassen, die über rationales Denken hinausgeht. Dankbarkeitsrituale ordnen die Früchte des individuellen Handelns in den größeren Kontext ein – setzen sie in Bezug zu einer übergeordneten Instanz.

Im Erntedank ist etwas lebendig, was uns in unserer rationalen Lebensweise merkwürdig und fremd erscheint – das Ritual als Verbindung zu Gott, zu den Göttern, zu einer spirituellen Welt. Vielleicht kann ich sogar weitergehen und behaupten, dass zu jeder Spiritualität die Kunst der Dankbarkeit gehört, weil sich (nur) durch sie eine Wertschätzung für das Leben entwickelt?  Aus der Anerkennung dieses existentiellen Werts erwächst – vielleicht – Verantwortung für die Schöpfung. Ist das der Grund aus dem überall auf der Welt, in allen Religionen und zu allen Zeiten Dankbarkeitsrituale gefeiert werden?

Dankesfeste in verschiedenen Kulturen

Hinduistisches Erntedankfest Pongal: Süßer-Reis
Hinduistisches Erntedankfest Pongal: Süßer Reis. Foto: Pixelshot via Canva

Bei den Hindus gibt es ein Dankesfest zur Wintersonnenwende, das Makar Sankrani und Mitte Januar wird Pongal gefeiert – das Fest des Überflusses. Was hier rituell überfließt, ist ein Topf mit einer Süßspeise aus Reis und Zuckerrohr – ein Überfluss auch an Lebensfreude. Muslime danken Gott im Ramadan für alle Gaben und im jüdischen Glauben gibt es mehrere Wallfahrtsfeste, die auch Dankfeste sind – bekannt ist besonders das Laubhüttenfest am Ende der Erntezeit. 

Die Lakota (Sioux) kennen ein wichtiges Ritual: „Wopila“ ist zugleich Ausdruck und Zeremonie. Als Wort drückt es Dankbarkeit aus – für alles, was das Leben zu bieten hat, für die gesamte Existenz und den Segen, der in jedem Augenblick liegt. Wopila als Zeremonie, als Ritual, benötigt viel Vorbereitung und die Führung durch eine menschliche Instanz, die mit dem Göttlichen in Verbindung treten kann, einen Medizinmann oder eine weise Frau.

Der Altar wird geschmückt und Opfergaben werden angerichtet, Räucherwerk, Trommel und die Pfeife spielen eine Rolle – wie in vielen indigenen Ritualen. Mir hat besonders gefallen, dass in diesem Dankbarkeitsritual die gesamte Runde der Anwesenden ihren Dank persönlich aussprechen kann – alle werden ausgiebig gehört. Dieses Vorgehen würde ich gerne in unsere (kirchlichen) Rituale aufnehmen – jede und jeder wird gehört und die einzelnen Intentionen verbinden sich zu einem riesengroßen Dankeschön.

Verbindende Kraft von Ritualen

Erntedank: Panchamama-Muttererde
Danke an Mutter Erde. Foto: Alex_Ugalek/Getty Images via Canva

Übrigens hat das klassische amerikanische Thanksgiving – ihr wisst schon, Truthahn, Süßkartoffeln und Gedöns – seinen Ursprung auch in den indigenen Kulturen. Zwar haben der Überlieferung nach die „Pilgerväter“ (wo waren eigentlich die Mütter?) ihre Erntedankkultur aus der Alten Welt mitgebracht, doch es waren die Ureinwohner, die den ersten Siedlern zeigten, welche Pflanzen essbar sind und sie mit Saatgut versorgten.

Nur mit dieser Unterstützung haben die Ur-Siedler der Mayflower den ersten harten Winter in Massachusetts überlebt und die Legende erzählt uns, dass zum Dank für dieses Überleben und für die Unterstützung der Ureinwohner im nächsten Jahr ein gemeinsames Erntefest gefeiert wurde. Das erste Thanksgiving könnte das gewesen sein. Ein schöner Gedanke, dass Dankbarkeit uns über Kulturen und auch Konflikte hinweg verbinden kann – auch das möchte ich gerne aufnehmen in mein persönliches Dankbarkeitsritual.

In Zusammenhang mit der Geschichte Amerikas steht auch das Kwanzaa-Fest, ein afrikanisches Erntedank-Ritual. Kwanzaa ist Swahili und heißt „erste Frucht“. Kwanzaa zeigt auf besondere Art die identitätsstiftende und verbindende Kraft von Ritualen, denn es wurde geschaffen aus der Not der Afro-Amerikaner, die ihre eigene kulturelle Identität in der Sklaverei aufgeben mussten. Bewusst zur Zeit der christlichen Weihnacht gefeiert, steht es dafür, alle schwarzen Menschen zu vereinen. Es gibt viele weitere afrikanische Danktraditionen, sie alle aufzuzählen, würde den Platz sprengen. Besonders gefallen hat mir das Fest N’cwala, denn es beginnt mit einem Wasserfest, bei dem die Schaumkronen des indischen Ozeans abgeschöpft werden. Wie schön: Man schöpft die Naturgewalt – möge sie das Ritual und das Leben unterstützen. 

Geben und Nehmen

Dankbarkeitsrituale feiern das, was wir bekommen haben. Und sie geben fast immer etwas zurück, führen den Kreislauf weiter, betonen den zyklischen Aspekt der Natur. So kennen südamerikanische Bauern zahlreiche Opfer- und Dankbarkeitsrituale entlang der kompletten Anbauphase. Wenn der Boden für die Aussaat „verletzt“ wird, danken die Menschen der Erde mit Alkohol oder dem Blut von Opfertieren. Und mit dem Erntedank werden immer auch die besten Samenkörner der Erde zurückgegeben.

Diese Mutter Erde – Pachamama – ist in Südamerika die Schöpferin des Lebens, ist Natur, Boden und Wertschätzung der Gaben der Erde zugleich. In Ecuador und Bolivien wurde Pachamama vor einigen Jahren sogar in die Verfassung aufgenommen und die Natur bekam einen Anspruch darauf, von den Menschen achtsam behandelt zu werden. Zu geben – und zu bekommen.

Erntedank: Dankbarkeits Ritual
Foto: Nina_Gili via Canva

Es ist diese Anerkennung und Dankbarkeit, die unsere Herzen berührt. All die seit Urzeiten durchgeführten Rituale, die Sitten, Brauchtümer und Traditionen der Welt – ist nicht im Grunde Dankbarkeit ihr eigentlicher Kern? Wie es oft mit Traditionen passiert, tritt mit der Zeit der religiöse oder spirituelle Charakter in den Hintergrund. Wir kennen es von Weihnachten oder Ostern – auch im Thanksgiving und in unserem Erntedank steht der weltliche Gedanke im Vordergrund und vielleicht sagt das ja einiges aus über unsere Kultur?

Es scheint kein weit hergeholter Gedanke zu sein, dass wir unseren Planeten nur ausbeuten können, wenn wir nicht um die Ausgewogenheit von Nehmen und Geben wissen. Wenn wir die Kraft des Rituals als Seelennahrung leugnen, die Kraft der Dankbarkeit aus den Augen verlieren. Daher meine ich: Wir brauchen dringend wieder Rituale! Und sie dürfen ganz modern sein – hier und jetzt und in dieser Welt. Rituale, die all das Bunte der Welt-Kulturen aufnehmen und das globale Dorf widerspiegeln, in dem wir leben.

Ihr mögt es spirituelle Selbstbedienung nennen oder sogar kulturelle Aneignung schimpfen, ich finde den Gedanken wunderbar, mir aus den verschiedenen Traditionen mein persönliches Dankbarkeitsritual zusammenzustellen. Ein bisschen Buddhismus und ein Rest Christentum, etwas Wissen der Inuit und noch eine Prise Aberglaube der Urgroßmutter – fertig ist der persönliche Raum, in dem ich meine Kerze anzünde und mich mit dem großen Ganzen verbinden kann – und mit euch. In tiefem Dank. 

Dankbarkeitsrituale für den Alltag

Marmeladendank
Wer von euch vielleicht ein kleines Stück Land bewirtschaftet, weiß, dass eine reiche Ernte von vielen Faktoren und Menschen abhängt, nicht selbstverständlich und sehr mühsam ist. Erntedank ist daher die pure Freude über die eingefahrene Ernte – es ist ein Fest, das Mühe und Lohn zugleich feiert. Vielleicht auch im ganz Kleinen, indem wir die Gläser mit „unseren“ Marmeladen besonders hübsch etikettieren und ihnen einen Ehrenplatz zuweisen.
Und vielleicht halten wir jedes Mal, wenn wir ein Glas öffnen, einen Moment inne und bedanken uns bei allen Wesen und Gewalten, die daran beteiligt waren, dass wir diese Köstlichkeit genießen dürfen.

Erntedank in den keltischen Jahreskreisfesten
Mabon ist eines der acht Feste des keltischen Jahreskreises. Als Erntedankfest steht es in der Mitte der Erntezeit. Die Ernte beginnt an Lughnasadh und endet mit Samhain. Zum Dank für die erfolgreiche Ernte, aber auch als Anerkennung für all die Geschenke des Jahres wird den Göttern ein Teil der Ernte dargebracht und ein Festmahl im großen Kreis gefeiert. 

Der Sonnengruß – ein Dankbarkeitsritual
Dein nächster Sonnengruß, heute Abend, auf der Matte – vollziehe ihn bewusst als Dank, als Dank für den Tag, als Dank an die Sonne, die Elemente, das Leben. Verneige dich, schaue hinab, schaue hinauf, verbinde Demut und Dankbarkeit zu einer reifen Praxis. Atme und sei präsent im Fluss des Lebens, an das der Sonnengruß seinen Dank richtet.

Ritual – Der Film
Für Menschen, die sich Fragen zu Kraft und Möglichkeiten, Grenzen und Risiken
von Ritualen stellen, kann dieser Kurzfilm anregende Impulse bieten. 
Mehr Infos findest du bei ritual-film.com


Autorin Andrea Goffart

Andrea Goffart ist Biografin, Ghostwriterin und Schreibcoach. Durch ihre Neugier war sie lange Zeit privat und beruflich viel in Europa unterwegs. Wodurch sie sich ein großes Spektrum an Themen und Wissen angeeignet hat. Mehr über die Autorin findest du auf ihrer Website.


Wenn du mehr über Naturfeste und -rituale erfahren möchtest, hör dir unseren Podcast zum keltischen Jahreskreis an:


#118 Moderne Wege des Tantra: tiefe Mysterien und transformative Kraft– mit Sandra von Zabiensky

Entdecke einen Weg zu mehr Bewusstsein, Intimität und spiritueller Erfüllung

Tantra ist bei uns im Westen weitläufig bekannt als eine Methode zur Steigerung der sexuellen Energie. Diese Sicht wird dem Tantra aber keineswegs gerecht, denn es ist ein umfassender Weg zu mehr Bewusstsein, Intimität und spiritueller Erfüllung. In dieser Episode des „YogaWorld Podcast“ steht die transformative Kraft des Tantra im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Sandra von Zabiensky, einer erfahrenen Tantra-Expertin und Yogalehrerin, wagt Gastgeberin Susanne Mors einen tiefen Blick in die faszinierende Welt dieser uralten spirituellen Praxis. 

Sandra teilt ihr umfassendes Wissen über die Ursprünge und die Entwicklung des Tantra, beleuchtet verschiedene Strömungen innerhalb dieser Tradition und erklärt, wie Tantra und Yoga historisch und philosophisch miteinander verwoben sind. Sie erklärt, wie Tantra uns dabei unterstützen kann, ein tieferes Verständnis für uns selbst und unsere Beziehungen zu entwickeln, und wie diese alten Techniken uns helfen, in der modernen Welt achtsamer zu leben. Außerdem richten wir das Augenmerk auf die Bedeutung der Polaritäten im Tantra, wie Shiva und Shakti, die männliche und weibliche Energien symbolisieren und gehen der Frage nach, warum diese zentral für das Verständnis der tantrischen Weltsicht sind. Weiter erfährst du, wie Tantra auf den Körper blickt und warum im Tantra keine Trennung zwischen Körper, Geist und Emotionen existiert – alles ist eins.

Im praktischen Teil gibt Sandra wertvolle Tipps für den Einstieg in die tantrische Praxis, von täglichen Übungen bis hin zu Hatha Yoga und Meditationen. Sie beschreibt, wie diese Praxis das Bewusstsein erweitern und spirituelles Wachstum fördern kann. Auch die Rolle der Sexualität im Tantra wird thematisiert, wobei Sandra die Unterschiede zwischen modernen und traditionellen Ansichten aufzeigt und mit gängigen Missverständnissen aufräumt. 

Dieses Gespräch bietet tiefgründige Einblicke, praktische Ratschläge und inspirierende Impulse für alle, die den Weg des Tantra erkunden und mehr Achtsamkeit, Intimität und spirituelle Erfüllung in ihr Leben bringen möchten.

Tantrische Meditation mit Sandra: https://yogaworld.de/77-praxisreihe-tantrische-bindu-meditation-mit-sandra-von-zabiensky/

Leckeres Sommermenü für heiße Tage

Sommermenü für warme Sommerabende

Die warmen Sommerabende eignen sich ideal für einen Mädelsabend im Garten oder ein spontanes Dinner für die Liebsten. Doch bei diesen Temperaturen hat man nicht immer Lust sich an den heißen Grill zu stellen oder für Stunden in der Küche zu verschwinden. Hier stellen wir dir ein Menü vor, das sich schnell umsetzen lässt und zudem leicht und lecker schmeckt.

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Der Sommer steht für Geselligkeit, Grillfeiern, Gartenpartys. Da ist es gut, wenn man ein Menü für spontane Einladungen in petto hat. Zum Glück bietet die Natur jetzt allerlei Leckereien, die auch ohne viel Verarbeitung einfach herrlich schmecken.

Vorspeise: Minziger Gurkensalat

Sommer Gurken-Fete-Salat

Die Gurke ist das perfekte Gemüse im Sommer. Sie enthält einen hohen Wasseranteil und ist reich an Kalium und Vitaminen. Die Minze hat eine kühlende Wirkung und das Beste: Beides wächst (möglicherweise) direkt im Garten.

Zutaten für 4 Personen:

  • 1 große Gurke
  • 200g Feta
  • 1 Avocado
  • Blaubeeren
Dressing:
  • 2 EL Joghurt (Natur oder Kokos)
  • 1 EL Honig
  • 1 EL Tahini
  • 2 EL Essig
  • Kokosmilch
Außerdem:
  • Spinat / Rucola
  • 1 Handvoll Minze
  • Kerne / Pistazien nach Belieben

Zubereitung:

Die Gurke längs halbieren, in Scheiben schneiden und in eine Schüssel geben. Die Avocado würfeln und zusammen mit den Blaubeeren und dem Feta zu den Gurkenscheiben dazugeben. Die Minze grob hacken. Alles zusammen in der Schüssel mit Salz vermengen.

Anschließend die Zutaten für das Dressing verrühren und mit Gewürzen nach eigenem Gusto abschmecken. Von der Kokosmilch einfach so viel hinzufügen, bis es die gewünschte Konsistenz erhalten hat. Das Dressing mit dem Spinat über den Gurkensalat geben und alles gut vermengen.

Abgerundet wird der Salat mit knackigen Kernen. Pistazien passen nicht nur farblich, sondern auch geschmacklich sehr gut dazu.


Hauptspeise: Ofen-Süßkartoffel mit Tomaten-Mango-Salsa

Ofen-Süßkartoffel
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Ein tolles und einfaches Rezept, das sich super vorbereiten lässt. Die Süßkartoffel karamellisiert ganz von alleine im Ofen und die Salsa ist im Handumdrehen zubereitet. Das Gericht ist ein richtiger Hingucker, da so viele kräftige Farben auf einen Teller kommen. Zudem schützen die Antioxidantien, die sich sowohl in der Süßkartoffel als auch in den Tomaten befinden, die Haut vor UV-Strahlung.

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 große Süßkartoffeln
  • etwa 2 Handvoll Tomaten (am besten kleine, die schön süß sind)
  • 1 Mango
  • 2 EL Zitronensaft
  • 1 EL Honig
  • Sonnenblumenkerne
  • Chili
  • Koriander
  • Olivenöl
  • 1 Avocado
  • 200g griechischer Joghurt
Außerdem:
  • Salz
  • Zitronenzesten

Zubereitung:

Den Ofen auf etwa 200°C vorheizen. Die Süßkartoffeln (mit Schale) rundum einstechen und in den Ofen legen. Dort bleiben sie so lange, bis sie schön weich sind.

Für die Salsa Tomaten und Mango klein würfeln und in einer Schüssel mit 1 EL Zitronensaft, Salz und Honig vermengen. Je nach Geschmack Chilli und Koriander klein gehackt hinzugeben. Noch ein paar Sonnenblumenkerne untermengen und zur Seite stellen.

Jetzt den griechischen Joghurt mit der Avocado, Zitronenzesten und dem restlichen Zitronensaft zu einem cremigen Dip verarbeiten. Dieser kann ganz nach Lust und Laune mit verschiedenen Gewürzen und Kräutern abgeschmeckt werden. Übrig gebliebene Minze oder Koriander eignen sich zum Beispiel sehr gut dazu.

Wenn die Süßkartoffeln weich sind, können sie auf den Teller gelegt und längs aufgeschnitten werden. Die Tomaten-Mango-Salsa auf die Süßkartoffel geben und mit dem Avocado-Dip abrunden. Übrigens: Die Ofen-Süßkartoffel kann mit allerlei Toppings serviert werden, ob süß oder herzhaft.


Dessert: „Yogurette“ zum Löffeln

Jogurette zum Löffeln
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Noch was Süßes zum Schluss, aber bitte nicht zu schwer und vielleicht auch mal was anderes, als Eis oder Mousse au Chocolat? Die „Yogurette im Glas“ ist genau die richtige Mischung aus Schokolade, fruchtig und frisch.

Zutaten für 4 Personen:

  • 300 g Naturjoghurt
  • 300 g Kokosjoghurt
  • Erdbeeren (oder jede andere Beere, Kirschen passen auch sehr gut)
  • Kokosraspeln
  • Kakaonibs
  • 100 g Zartbitterschokolade
Außerdem:
  • 4 Gläser
  • ein paar Deko-Blätter

Zubereitung:

Die beiden Joghurtsorten mit einer beliebigen Menge an Kokosraspeln und Kakaonibs in einer Schüssel vermengen. Die Erdbeeren in kleine Würfel schneiden und unter die Joghurtmasse heben. Alles auf die vier Gläser verteilen.

Die Schokolade bei niedriger Hitze im Wasserbad schmelzen. Die flüssige Schokolade auf die Joghurtmasse in den Gläsern verteilen und in den Kühlschrank stellen, sodass die Schokoschicht wieder fest und knackig wird. Somit hat man ganz schnell ein kühles Sommerdessert, mit Früchten und knackiger Schokolade.

Wer Eindruck machen möchte, schneidet ein paar Erdbeeren in Scheiben und ordnet sie an der inneren Glasseite an, bevor die Joghurtmasse eingefüllt wird. Macht optisch immer wieder was her.


Drink: „Eis, Pink-Grapefruit und Gin“

Grapefruit-Cocktail
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Zum Aperitif oder zum Ausklingen des Abend, rundet ein Cocktail deinen Sommerabend erst so richtig ab. Inspiriert von Peter Fox‘ Lied ist eine pinke Erfrischung entstanden, die sowohl mit als auch ohne Alkohol zubereitet werden kann. Mit dem Hauptstar, der Grapefruit und ihren vielen Vitaminen und Mineralstoffen, wird dieses Getränk fast schon zum Super-Drink.

Zutaten für 4 Personen:

  • 200 ml Ginger Ale
  • 200 ml Grapefruitsaft
  • Sprudelwasser
  • 1 Grapefruits
  • 6 cl Gin (mit oder ohne Alkohol)
  • Eiswürfel
  • Minze
Außerdem:
  • Bowlegefäß oder Karaffe
  • super fancy wird es mit ein paar Granatapfelkernen

Zubereitung:

Ginger Ale, Grapefruitsaft und Gin mit etwa 100-200 ml Sprudelwasser in ein Gefäß geben. Die Grapefruit in Scheiben schneiden und mit Minze und Eiswürfeln auf die Gläser verteilen.

Mit dem Cocktail aufgießen und schon ist der Pink-Gin-Cocktail fertig.

Auf einen gelungenen Abend!


Hier findest du noch mehr Rezepte für heiße Tage:

„Das Leben ist wie ein Regenbogen“ – ein Gespräch über Dankbarkeit, Glück und Verbundenheit in Bhutan

Bhutan
Foto: Fotofritz16 / Getty Images via Canva

Erinnerst du dich an unseren Filmtipp zu „Was will der Lama mit dem Gewehr?“, der aktuell in den Kinos läuft? Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist mittlerweile eine Videokonferenz zu Regisseur Pawo Choyning Dorji nach Bhutan geglückt! Ein Gespräch über Dankbarkeit, Glück und Verbundenheit …

„Dankbarkeit“ ist auch das Titelthema unseres neuen YOGAWORLD JOURNALS 05/2024. Ab 27. August 2024 hier und am Kiosk erhältlich!

Interview: Carmen Schnitzer / Foto: fotofritz16 / Getty Images via Canva

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Foto: Kinley Wangchuk/MFA

Unsere neue Ausgabe des YOGAWORLD JOURNAL wird sich um das Thema Dankbarkeit drehen. Was verbindest du damit?

Weißt du, wann immer ich im Ausland jemandem verrate, dass ich aus Bhutan komme,
bekomme ich zur Antwort: „Oh, dann bist du sicher sehr glücklich.“ (lacht) Und es stimmt schon – ich bin tatsächlich sehr dankbar dafür, aus so einem einzigartigen Land zu stammen, in dem das Streben nach Glück über dem Streben nach Wohlstand und ökonomischer Entwicklung steht. In dem wir sogar ein eigenes Glücksministerium haben, das das Glück der Bevölkerung sicherzustellen versucht. Diese Dankbarkeit merkst du meinen Filmen auch an – ich feiere darin unsere Kultur, unsere Spiritualität … Im Buddhismus gibt es ja den Begriff der Interdependenz. Der ist sozusagen das Herzstück unseres Glaubens.

Die wechselseitige Abhängigkeit oder, vielleicht schöner ausgedrückt, das
Verbundensein von allem mit allem …

Genau. Wir glauben sehr stark daran, dass wahres Glück nicht von außen kommt, von einem Ferrari, einer Hermès-Tasche oder einem dicken Bankkonto, sondern eben von dieser tiefen Verbindung mit der Natur und dem Kosmos. Darum gibt es bei uns auch interessante Gesetze – zum Beispiel, dass man keine Bäume fällen darf, obwohl uns das womöglich reicher machen würde. Auch Bergsteigen ist verboten. Umweltschutz ist ein ganz erklärtes Staatsziel und wir sind weltweit das einzige Land mit einer negativen CO2-Bilanz. Auch, weil wir dankbar sind für unseren Wald, unsere Berge. Sie sind ein Teil unseres Seins.

Das klingt alles so wunderbar nachvollziehbar. Warum glaubst du, dass sich andere Länder, andere Kulturen damit so schwer tun? Schockiert dich das nicht manchmal?

Das ist sehr schwer zu beantworten – wir gucken dabei ja auf ein paar Tausend Jahre Karma. An Ursache und Wirkung glauben wir in Bhutan sehr stark. Daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Dass andere Länder nach anderen Dingen streben, liegt meiner Meinung nach in deren Karma begründet. Aber ich möchte übrigens nicht den Eindruck erwecken, anti-westlich zu sein oder unsere Herangehensweise als die einzig wahrhaftige anzusehen. Das tue ich keinesfalls!

Du nimmst deine Kultur in deinen Filmen ja durchaus auch auf die Schippe …

Eben. Du hast natürlich recht, dass Umweltverschmutzung bei euch zum Beispiel ein großes Problem ist. Aber Leiden kann sich auf unterschiedliche Weise manifestieren – und Bhutan leidet eben an anderen Dingen. Weil wir uns dafür entschieden haben, keine Bäume zu fällen, unsere Berge nicht für Tourist*innen zu öffnen etc., sind wir ein sehr armes Land. Ein sehr armes Land in einer modernen Welt, in der sonst alle zum Rhythmus der Materialismus- und Industrialisierungs-Trommeln marschieren. Das hat natürlich schmerzhafte Folgen: Unsere Infrastruktur ist schlecht, auch unsere Kliniken und Schulen sind sicher nicht die besten, unsere Arbeitslosenquote ist hoch.

Fernsehen und Internet gibt es in Bhutan erst seit 1999 – inwiefern haben sich durch die neuen Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Ländern die Haltungen zum Leben und zum Glück gewandelt?

Das hat natürlich viel geändert und eine große Neugier auf die Welt außerhalb unseres Landes geweckt. Viele Menschen haben Bhutan verlassen … Damit einher geht auch ein gewisser Verlust der Unschuld, die doch eine solch wunderbare Qualität hat. Diese Arg- und Ahnungslosigkeit, dieses Pure, das es eben auch wahrscheinlich macht, das jemand eine gewaltige Menge Geld ablehnt, weil ihm die Annahme nicht richtig erscheint, wie es in meinem Film passiert. Ich wünsche mir, dass wir diese Kultur der Unschuld schützen und zelebrieren. Es gibt da im Westen ein großes Missverständnis …

In Bezug auf die Unschuld

Ja. Die Unbedarftheit wird gerne mit Ignoranz verwechselt. Darum geht es aber nicht, sondern eher um Authentizität. In Bhutan gibt es ein Sprichwort: „Du wirst nie deine eigenen Wimpern sehen.“ Weil sie dir viel zu nah sind. In dieser Hinsicht bin ich ein eher ungewöhnlicher Bhutanese: Ich konnte meine Wimpern sehen, weil ich viel in anderen Ländern gelebt habe, in Indien zum Beispiel, der Schweiz oder den USA … Und da ist mir aufgefallen, dass es in ärmeren Ländern, insbesondere in Asien oft eine Verwechslung gibt …

Regenbogen über Bhutan
Das Leben ist wie ein Regenbogen. Foto: Fotofritz16 / Getty Images via Canva

Nämlich?

Dass Modernisierung mit Westernisierung gleichgesetzt wird. Dass wir alle westlichen Werte 1:1 adaptieren müssen, um modern zu sein. Dem ist aber nicht so.

Ein großer westlicher Wert scheint mir Freiheit zu sein. Aus meiner deutschen
Perspektive fällt mir die Vorstellung tatsächlich schwer, wie man für die Einführung der Demokratie, der freien Wahlen nicht dankbar sein könnte. Dein aktueller Film hat mir geholfen, es zu verstehen. Was verbindest du mit dem Begriff Freiheit?

Interessante Frage, denn ich denke tatsächlich, dass der Freiheitsbegriff bei uns ein sehr anderer ist. Ich komme da gerne noch mal auf die Interdependenz zurück, von der ich anfangs schon gesprochen habe. Ein Konzept, das längst nicht so religiös ist, wie es vielleicht zunächst klingt! Im Grunde ist es sogar sehr irdisch. Es gibt da eine buddhistische Weisheit: Wenn du ein Stück Papier betrachtest, kannst du darin auch eine Wolke sehen, die darüber hinwegschwebt. Ohne diese Wolke gibt es keinen Regen, ohne den Regen keinen Wald, ohne den Wald keine Bäume und ohne die Bäume kein Papier …

Der Kreis schließt sich.

Und so ist es mit allem im Leben. Auch, dass wir beide jetzt miteinander sprechen, hat damit zu tun. Es gab eine Menge Bedingungen, Kausalitäten usw., die das ermöglicht haben. Wenn du wirklich fest daran glaubst, dass alles mit allem zusammenhängt, dann können wunderbare Dinge entstehen. Dann bringst du allem eine Wertschätzung entgegen: Frieden, Liebe, Mitgefühl. Dann siehst du in einem Stück Papier mehr als eine kleine weiße Fläche. Ich vergleiche das Leben gerne mit einem Regenbogen – du brauchst eine Menge Bedingungen, damit er sichtbar wird: das Licht, den Regen, einen bestimmten Winkel in dem das eine auf das andere trifft … Plötzlich erscheinen diese so echten, so lebendigen Farben – und im nächsten Moment sind sie verschwunden. Aber gerade wegen seiner Flüchtigkeit schätzen wir sie so. Das Leben ist wie ein Regenbogen. Alles ist wie ein Regenbogen.

Ein wirklich schönes Bild! Ich sehe schon, wir können viel von Bhutan lernen. Da wage ich kaum zu fragen: Denkst du, das funktioniert auch umgekehrt?

Aber ja! Ich bin ja letztlich selbst ein Produkt des Westens. (lacht) Es geht mir wirklich nicht darum, Kulturen gegeneinander auszuspielen. Viele gute Dinge, die es auf der Welt gibt, kommen aus dem Westen, das muss man nicht leugnen. Zum Beispiel, was die Verantwortung für das eigene Leben angeht, den Wunsch, etwas aus sich zu machen. Dafür sind wir in Bhutan manchmal ein bisschen zu entspannt. Um nicht zu sagen faul. (lacht)


Jean-Marc Turmes

Carmen Schnitzer arbeitet als Journalistin und schreibt seit Jahren für das YOGAWORLD JOURNAL. Erfahre mehr über die Autorin und besuche ihre Facebook-Seite.


Wenn du wissen möchtest, welche Rolle das Glück in der Yogaphilosophie spielt, kannst du hier weiter lesen: