Alignment Check mit Timo Wahl: Weniger ist mehr – die wichtigsten Prinzipien der Dehnung

Timo Wahl Dehnung in Janu Shirshasana

Beweglichkeit erfordert Dehnung – aber die erreichen wir gerade nicht, indem wir uns anstrengen, sondern indem wir uns Zeit lassen. Hier erklärt Timo Wahl die wichtigsten Prinzipien der Dehnung.

Text: Timo Wahl / Fotos: Katrin Schander

Wir alle haben im Leben wohl die Erfahrung gemacht, dass ein gewisses Maß an Engagement nötig ist, um die erwünschten Resultate zu erreichen. Sprüche wie „No pain, no gain“ haben auch oft ihre Berechtigung. Betrachten wir zum Beispiel den Körper, dann wissen wir: Ohne regelmäßigen Sport oder überhaupt genügend Bewegung, ohne ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung wird unser Organismus irgendwann nicht mehr viel Leistung zur Verfügung stellen. Dann verlieren wir den Muskelapparat, den wir vielleicht einmal hatten, merken es aber nicht und sagen über uns selber: „Ich war mal Leistungssportler*in, für mich ist diese Übung kein Problem …“

Ziemlich anders sieht die Sache jedoch aus, wenn wir von unserem Körper nicht Muskelkraft fordern, sondern Weite und Beweglichkeit. Hier geht es nämlich gerade nicht um Anstrengung, sondern um Aufmerksamkeit: Damit Dehnübungen wirklich wirksam werden können, müssen wir Geduld aufbringen und uns eine innere Erlaubnis geben loszulassen. Trotzdem sehe ich im Unterricht immer wieder, wie viele meiner Schüler*innen ziehen, zerren und schnaufen – mit dem Erfolg, dass genau dieser am Ende ausbleibt. Deswegen möchte ich dir in dieser Folge meiner Kolumne die Grundparameter aufzeigen, die deinen Körper veranlassen, dem Wunsch nach mehr Flexibilität nachzukommen.

Timo Wahl Bein Dehnung im Sitzen

Dehnung – was ist das eigentlich?

Muskel und Bindegewebe sind als untrennbare Einheit fest miteinander verbunden. Jeder Muskel besitzt einen sogenannten Grundtonus – also eine bestimmte Spannung, die auch dann vorhanden ist, wenn wir uns eigentlich in einem entspannten, also einem ruhigen inneren Zustand befinden. Eine ähnliche Grundspannung besitzt auch das Bindegewebe, wobei das nicht direkt auf Nervenreize reagiert, sondern auf Stresshormone und die Konzentration an CO2 im Blut.

Die Spannung beider Systeme entscheidet gemeinsam darüber, wie flexibel wir sind – wie groß also der Bewegungsradius ist, den ein Muskel darstellen kann. Um die Beweglichkeit nun zu erhöhen, muss zunächst der meist erhöhte Grundtonus des Muskels reduziert werden. Schon ein stressiger Tag hat oft eine Erhöhung dieser Spannung zur Folge, wodurch bei Dehnung zunächst gegen die Spannung des Muskels gearbeitet wird. Er muss also erst in seinen Ruhetonus zurückfinden, damit das „passivere“ Bindegewebe nun ebenfalls einen Dehnreiz erfahren kann. Zum Reduzieren dieser Muskelspannung haben wir vier Möglichkeiten:

1. Dehnung bis kurz vor den Widerstand

Wenn wir einen Muskel bis zu einem Punkt dehnen, den wir als Widerstand empfinden, erhöht sich die Eigenspannung des Muskels durch einen Schutzreflex (Reflexbogen). Arbeiten wir also zu intensiv, erhöht sich die Spannung sogar!

2. Anspannung des Gegenspielers (Reziproke Hemmung)

Um große Bewegungen zu erleichtern, hat sich die Natur einen Trick ausgedacht. Spannt man den Gegenspieler eines Muskels an, so reduziert sich automatisch die Spannung des Zielmuskels. Dehnt man beispielsweise die Beinrückseite, so reduziert sich deren Spannung, wenn man gleichzeitig die Beinvorderseite anspannt.

Timo Wahl Dehnung in Janu Shirshasana

Lesetipp: Mehr von Timo Wahl über die Ausrichtung in Vorwärtsbeugen findest du in seinem Artikel „Gestreckt – oder doch lieber rund?“

3. 3- bzw. 25-Sekunden-Regel

Der als Schutzreflex gedachte Mechanismus der reziproken Hemmung greift erst nach rund 3 Sekunden. Wird die Dehnung danach bewegungslos gehalten, endet er nach weiteren 25-30 Sekunden. Man kann also entweder für maximal 3 Sekunden bis zum Widerstand dehnen, um danach das Bein zu entlasten und den Vorgang zu wiederholen oder man hält die Dehnung am Widerstandspunkt (ohne weiter zu bewegen) und der Reflex lässt nach 25-30 wieder nach.

4. Passive Dauerdehnung

Hier wird ein sehr moderater Dehnreiz über mehrere Minuten hinweg gehalten. Vor allem im Yin Yoga und Iyengar Yoga arbeitet man oft mit dieser Technik. Das Ergebnis ist eine Längung von Muskel und Bindegewebe. Allerdings geht die mit einer solchen Senkung der Grundspannung einher, dass man bis zu mehrere Minuten lang pausieren muss, bevor man wieder mit Kraft üben kann, weil das Gewebe danach nur schlecht wieder Spannung aufbaut.

Fazit:

Bei Dehnübungen geht es immer darum, das jeweils ideale Maß an Intensität zu finden. Arbeiten wir zu engagiert, reagiert unser System sogar entgegengesetzt zu unserem Wunsch nach Weichheit und Entspannung.


Kurse, Retreats, Ausbildungen und den Podcast von TIMO WAHL findest du unter: www.timowahl.de


Kleine Kobra, große Kobra – oder beides? Im letzten Teil von Timos Kolumne ging es um die Wirkung der verschiedenen Kobra-Variationen:

#60 „Vererbtes Schicksal“: vom Überwinden belastender Familienmuster – mit Sabine Lück

So lüftest du Geheimnisse der Vergangenheit und bringst Heilung in Gang

Es ist eine faszinierende Erkenntnis, dass die Schicksale unserer Ahninnen und Ahnen unser eigenes, aktuelles Leben beeinflussen. In einem Familiensystem werden bestimmte Muster von Generation zu Generation weitergegeben und beeinflussen die individuelle Entwicklung, das Selbstkonzept und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Familienmitglieder – sowohl positiv als auch negativ. Psychotherapeutin und systemische Familientherapeutin Sabine Lück weiß, wie wir belastende Familienmuster überwinden und unser wahres Potential entfalten können. Und genau das beschreibt sie in ihrem Buch „Vererbtes Schicksal“ und in dieser Folge „YogaWorld Podcast“ im Gespräch mit Susanne.

Sabine spricht zunächst von einem sehr spannenden Aspekt: Der Treuevertrag des Kindes mit seinen Eltern. Sie erklärt zunächst, wie dieser Treuevertrag über Generationen wirkt. Die Erfahrungen der Ahnen werden auch im Körper gespeichert und über die Genetik weitergegeben. Sabine gibt aber auch Entwarnung, denn der Treuevertrag muss einen nicht bis ans Lebensende knebeln, sondern kann aufgelöst werden. An dieser Stelle geht sie zum einen auf die Rolle der Familientherapie und zum anderen des persönlichen Engagements bei der Transformation schädlicher Familienmuster ein. Sie stellt ausgewählte Übungen vor, um ein Gefühl für diese Art des Arbeitens zu vermitteln. Dabei betont Sabine, dass man sich durchaus auf eigene Faust auf die Reise in die Vergangenheit begeben kann. Sie stellt aber auch klar, wie wichtig es ist, auf eventuelle Trigger vorbereitet zu sein und einen sogenannten Sicherheitscheck durchzuführen.

Der Sponsor dieser Folge ist das Yoga del Mar Spirit Festival. Weitere Infos: https://yogadelmar.es/de/das-spirit-festival.html

#59 Praxisreihe: Yoga Nidra – mit Marc Fenner

YogaWorld Podcast Cover Marc Fenner Folge 59

Gehe deinen inneren Weg mit den zehn Stufen von Yoga Nidra

In dieser Praxisfolge im „YogaWorld Podcast“ führt dich Marc Fenner durch eine Yoga Nidra-Einheit. Yoga Nidra ist eine Entspannungs- und Meditationstechnik, die ursprünglich aus der tantrischen Tradition stammt und sich an Patanjalis achtgliedrigem Yogapfad orientiert. Die tiefe Entspannung und der daraus resultierende Alpha-Zustand können den Zugang zu verschiedenen Bewusstseinsschichten ermöglichen. Du kannst dir Yoga Nidra vorstellen wie einen bewussten Schlaf, daher wird diese Technik auch gerne als „Yoga-Schlaf“ bezeichnet. Außerdem sagt man, dass 30 Minuten Yoga Nidra wirken wie drei Stunden Schlaf. Probier es aus und tanke mit dieser Praxisfolge Frische und Kraft für deinen weiteren Tag!

Marc Fenner wurde im Jahr 2006 von Swami Prakashananda das erste Mal durch Yoga Nidra geführt. Seitdem sind Yoga Nidra und sein persönliches Sankalpa feste Bestandteile seines Lebens und seiner persönlichen Entwicklung auf dem Yogaweg. Marc war bereits in unserem Podcast zu Gast. Hör dir gerne nochmal Folge 48 an, in der Marc im Gespräch mit Susanne Yoga Nidra, den Alpha-Zustand und Sankalpa genauer erklärt und auch darauf eingeht, warum die Bezeichnung „Yoga-Schlaf“ Yoga Nidra nicht ganz gerecht wird.

Wir wünschen dir viel Freude mit dieser Praxisfolge!

Das neue Heft ist da! Titelthema „Lebendigkeit“

Das neue YOGA JOURNAL ist ab sofort im Handel und als Online-Ausgabe erhältlich – ganz einfach, ohne Papier, ohne langes Warten und ohne Versandkosten. Diese Themen erwarten euch im neuen Heft…

Titelthema „Lebendigkeit“

Endlich Sommer! Wenn es eine Zeit im Jahr gibt, in der wir uns besonders lebendig fühlen, dann jetzt. Ein schöner Anlass, um mal genauer hinzuschauen: Was macht dieses Gefühl eigentlich aus? Was hat das mit Yoga zu tun? Und wie können wir Lebendigkeit kultivieren und ihr mehr Raum geben?

 © David De Lossy via Canva

Chefredakteurin Stephanie Schauenburg weiß genau, was ihr mehr Lebendigkeit schenkt (und stolpert dann doch immer in die Fallen des Gewohnten). Im Artikel spricht sie über die Merkmale des Lebendigen, gibt Tipps für mehr Lebendigkeit im Alltag und vieles mehr.

Außerdem im Heft:

 © Ty Milford
  • Blockunterricht: Wir zeigen 10 knifflige Haltungen und wie du dich dabei mit Blocks unterstützen kannst
  • Heiße Zeiten: Chancen und Herausforderungen der Menopause
  • Down to Earth: Hala Khouri, die Pionierin des traumasensiblen Yoga, zeigt eine stabilisierende und erdende Sequenz.
 © Nela König
  • Summer Flow: eine kräftigende, energetisierende und noch dazu herzöffnende Praxis
  • Freudenfeuer: Warum wir uns im Yoga frei machen sollten von Optimierungsdenken

… und vieles mehr


Die Yoga Journal Online Ausgabe

Das neue Yoga Journal gibt es auch als Online Ausgabe. Ganz einfach, ohne Papier, ohne langes Warten und ohne Versandkosten, direkt in unserem Online Shop. Lade dir einfach und bequem deine Wunsch-Ausgabe herunter – egal ob alt oder neu:

Vegane Blumenkohlsuppe mit zitroniger Zwiebel-Kapern-Gremulata

Cremesuppen schmecken mit einem kreativen Topping gleich doppelt so gut. Ein Topping bietet überraschende Kontraste – in Geschmack und Konsistenz. Das Rezept für diese frische und intensive Gremolata zu der sanften Blumenkohlsuppe von den Profiköchinnen Jessica Wolf und Kristina Mohr stammt aus ihrem Kochbuch „Gemüse feiern! Genial zubereitet – grandios serviert.“

Zutaten für die herzhafte Suppe mit spannenden Aromen

Für 4 Personen | Zubereitungszeit: 40 Minuten

Für die Gremolata:

1 rote Zwiebel
1 geh. EL eingelegte Kapern
½ Bio-Zitrone
2 EL neutrales Öl
2 geh. EL Semmelbrösel
1 TL Ahornsirup
Salz, Pfeffer

Für die Blumenkohlsuppe:

20 g Knollensellerie
1 Zwiebel
1 mehligkochende Kartoffel
½ Blumenkohl
2 EL neutrales Öl
ca. 850 ml Gemüsebrühe
1 TL Zitronensaft
3 TL Ahornsirup
1 Msp. frisch gemahlene Muskatnuss
Salz, Pfeffer

Zubereitung der Blumenkohlsuppe mit Topping

Vegane Blumekohlsuppe mit Gremulata
Gräfe und Unzer / Lars Walther

Gremolata
– Die Zwiebel schälen und fein würfeln.
– Die Kapern fein hacken.
– Die Zitrone heiß waschen, trocken tupfen und die Schale abreiben.
– Das Öl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin goldbraun anrösten.
– Die Kapern und danach die Semmelbrösel unterrühren, alles etwas anrösten.
– Mit Zitronenschale, Ahornsirup, Salz und Pfeffer abschmecken.

Blumenkohlsuppe
– Sellerie und Zwiebel schälen, die Kartoffel waschen. Alles separat in Würfel schneiden und beiseitestellen.
– Den Blumenkohl putzen, waschen und in Röschen teilen.
– Das Öl in einem Topf erhitzen, die Zwiebel darin anschwitzen, Sellerie und Blumenkohl ein paar Minuten anbraten.
– Die Kartoffel untermischen und mit Brühe ablöschen. Das Gemüse in 15–20 Min. weich köcheln.
– Zitronensaft und Ahornsirup untermischen.
– Das Gemüse im Topf mit dem Stabmixer oder im Hochleistungsmixer cremig pürieren.
– Die Suppe mit Muskatnuss, Salz und Pfeffer abschmecken.

Anrichten
Die Suppe in tiefe Teller verteilen und mit der Gremolata toppen.

TIPP: Die Suppe lässt sich hervorragend für später vorbereiten und auch tiefkühlen. Sollte sie nach dem Aufwärmen zu sämig sein, einfach etwas Wasser oder Gemüsebrühe angießen und noch einmal abschmecken.


Über die Autorinnen

Köchinnen Kristina Mohr und Jessica Wolf
Gräfe und Unzer / Lars Walther

Jessica Wolf, vegane Unternehmerin und leidenschaftliche Köchin, gründete 2019 mit Kristina Mohr das vegane Restaurantkonzept „die FETTE BEETE“, das 2020 zu den Gewinnern des deutschen Gastro-Gründerpreises zählte. Kristina Mohr lebt vegan und ist leidenschaftliche Köchin. Gemeinsam mit Jessica Wolf beweist sie in ihrem Restaurant „die FETTE BEETE“ jeden Tag, wie kreativ pflanzliche Küche sein kann. In der angeschlossenen Kochschule geben die beiden Gastronominnen ihr Wissen weiter.


Gemüse Feiern GU Verlag

Vegane Rezepte aus der kreativen Profiküche, die auch Nicht-Veganer*innen überzeugen und begeistern – das und vieles mehr gibt es im aktuellen Kochbuch „Gemüse feiern!“, mit dem die Profiköchinnen mit geschmacklichen Highlights durch das ganze Jahr begleiten. Ob Gourmet-Abend mit Freunden, After-Work- oder Candlelight-Dinner: In „Gemüse feiern!“ werfen sich die Zutaten in Schale und treten in den aufregendsten Kombis auf, ob Süßkartoffel-Bruschetta mit Grünkohltopping oder Frittierter Rosenkohl mit Whiskeykaramell.

„Gemüse feiern!“ (240 Seiten), erschienen im GU Verlag


Probiere auch dieses leckere Rezept aus Kristinas und Jessicas Buch „Gemüse feiern!“:

Das Meer und ich – von Thomas Zielinski

Das Meer ist ein großer Lehrer, findet der Yogi, Surfer und Fotograf Thomas Zielinski. Hier erzählt er von seiner ganz persönlichen Beziehung zum Ozean, er erklärt, was er von ihm gelernt hat und was das mit Yoga zu tun hat.

Text & Fotos: Thomas Zielinski

Als wir vor circa 20 Jahren zu dritt zusammengepfercht im vollgepackten Opel Corsa auf der Autobahn in Richtung Frankreich fuhren, war mir nicht im geringsten bewusst, welch prägenden Einfluss dieser eine Trip an den Atlantik auf all die darauffolgenden Reisen in meinem Leben haben würde. Nicht nur war ich auf dem Rücksitz noch eine gefühlte Ewigkeit vom Meer entfernt, ich war auch noch Jahre entfernt von einem Mindset, das sich mit dem Hier und Jetzt zufrieden zu geben weiß. Und so wuchs die Ungeduld mit jedem Kilometerschild, das wir passierten, und mit jedem Kreisverkehr, der uns in den kleinen Ortschaften des Südens ausbremste. Nach erschöpfenden 1600 Kilometern schien die Küste endlich in spürbarer Reichweite und je mehr wir uns ihr näherten, desto dunkler wurde der Himmel an diesem Nachmittag.

Vor dem Pinienwald angekommen, hasteten wir sofort Richtung Düne, begleitet von einem immer lauter werdenden Donnergrollen. Etliche Touristen eilten uns entgegen und warfen uns skeptische Blicke zu. Oben auf der Düne lag es dann endlich vor uns, das Ziel unserer Reise, dessen Anziehungskraft uns schon aus 1600 Kilometern Entfernung in den Bann gezogen hatte: das Meer. Geradezu nahtlos ging sein dunkles Blau in den Horizont über. Durch den warmen Sand rannten wir zum Ufer, von oben prasselten dicke Regentropfen auf uns herab. Wir rissen uns die T-Shirts vom Leib, schmissen sie auf den leergefegten Strand und sprangen in die Brandung. Wild warfen uns die Wellen hin und her – und wir, nur ein kleiner Teil von etwas Großem, gaben uns dem Meer hin und waren einfach nur glücklich und beseelt. Mir war sofort klar: Es würde keine Reise mehr ohne Meer geben.

Meer Thomas Zielinski
© Thomas Zielinski

Meeres-Meditation

Etliche Surf- und Yogareisen später ist diese Faszination ungebrochen. Und ich bin damit gewiss nicht alleine. So wie das Licht Insekten anzieht, so zieht das Meer den Menschen an und lässt ihn immer wieder strapaziöse Irrfahrten in Kauf nehmen, nur um ein paar Tage in der Nähe dieser Kraftquelle zu verbringen. Schneller noch als jeder Tempel oder jede Kathedrale schafft es das Meer, uns unmittelbar ins Hier und Jetzt zu holen.

Man könnte auch sagen: Das Meer ist Pratyahara für alle. Die fünfte Stufe des Ashtanga-Weges, der Rückzug der Sinne, wird hier ganz simpel erlebbar gemacht – auch für Menschen, die mit Yoga noch nie in Kontakt gekommen sind. Hier tun sie es, ohne es zu wissen. Der Blick auf die Weite der See spült, ob man will oder nicht, die Reizüberflutungen des Alltages einfach weg. Bereits wenige Tage am Meer reichen aus, um sich wieder bewusst zu werden, wie wenig es eigentlich braucht, um zufrieden zu sein, zu wissen, dass der Moment, so wie er gerade ist, perfekt ist. Santosha kann so einfach sein!

Das Meer ist wie eine große, tiefe Meditation: Wir beobachten, wie es sich durch äußere Umstände wie Ebbe, Flut und Winde ständig verändert, so wie auch unser Bewusstsein sich stets verändert. Wellen kommen und Wellen gehen. Mal ist es stürmisch und mal entspannt. Wir lernen, dass kein Zustand im Sein eingemeißelt ist, sondern alles stets im Fluss, in Bewegung. Und uns wird deutlich, dass wir so viel mehr Zufriedenheit in unser Leben bringen, wenn wir uns dessen bewusst sind.

Lesetipp: „Meditation unter Wasser“ – Interview mit der Surferin Loly Rehder

Ozean-Macht

Von der Zeit am Meer können wir aber noch weitere Lehren für unsere eigene „innere“ Reise mitnehmen und weitergeben. Ganz egal, ob man an Gott oder an etwas „Höheres“ glaubt oder nicht – das Meer ist zweifelsfrei eine höhere Macht. Es erlaubt uns einen Perspektiv-Wechsel, den wir ruhig öfter in unserem Leben einnehmen könnten: Auf imposante Art und Weise zeigt es uns, wie klein und unbedeutend wir doch im Vergleich zum „Großen und Ganzen“ sind. Und das, indem es einfach nur da ist. Im Kontakt mit dem Ozean lassen wir schneller von unserem Ego ab als in jeder Asana-Praxis. Dafür müssen wir nicht erst von einer gefährlichen Strömung mitgerissen werden. Wir spüren ganz intuitiv, wieviel größer und stärker die Kraft dieser Natur ist. Gibt es eine schönere Art Demut zu praktizieren?

Meer Thomas Zielinski
© Thomas Zielinski

Sich dieser höheren Macht hinzugeben, lehrt uns das fünfte der Niyamas, Ishvara Pranidhana. So groß unsere Vorfreude auf die lang erwartete Zeit am Ozean auch sein mag, so sehr wir uns bestes Wetter und perfekte Wellen erträumen – am Ende zeigen uns auch hier höhere Mächte, dass kein Tag so sein wird wie der andere. War heute noch alles perfekt und voller Sonnenschein, so können wir uns schon morgen inmitten wilder, stürmischer Bedingungen wiederfinden.

Wir begreifen, dass wir keine Kontrolle darüber haben, was uns widerfährt. Was wir aber kontrollieren können – hier wie auch in den Wirren unseres Alltags – ist, wie wir mit der jeweiligen Situation umgehen: Versuchen wir dagegen anzukämpfen und werden frustriert oder versuchen wir loszulassen, lernen zu akzeptieren, was ist, und machen das Beste aus den Umständen? Selbst wenn der Himmel heute grau und der Wind kalt ist: Ich kann selbst wählen, den Tag nun frustriert zu verbringen oder ihn alternativ zu gestalten, mit Dingen, die mir und meiner Umgebung Freude bereiten.

Wir sind alle gleich

Im sechsten Kapitel der Bhagavad Gita lehrt Krishna seinen Schützling Arjuna: „Als sehr fortgeschritten gilt der Yogi, der aufrichtige Gönner, zugeneigte Wohltäter, Neutralgesinnte, Vermittler und Neider, Freunde und Feinde sowie die Frommen und die Sünder alle mit gleicher Geisteshaltung sieht.“ Equal Vision lautet die Devise – und auch hier können wir das Meer als Lehrmeister sehen, denn egal ob arm oder reich, dick oder dünn, groß oder klein, schwarz oder weiß: Der Ozean macht keine Unterschiede zwischen denen, die sich in und an ihm tummeln. Er birgt für alle die gleichen Gefahren und die gleiche Freude.

In seinem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Buch „Barbarian Days“ beschreibt der Surfer und New-Yorker-Redakteur William Finnegan den Ozean als einen gleichgültigen Gott, gefährlich und übermächtig und zugleich der Ursprung von allem. Auch im Yoga kennen wir so etwas: Wir alle sind spirituelle Wesen, Teil von etwas Größerem, aber wir haben diesen wahren Ursprung im Laufe der Zeit einfach vergessen. So wie ein isolierter Tropfen aus dem Meer scheinen wir die Verbindung zu unserer wahren Essenz verloren zu haben – zu der wir durch unsere Yogapraxis nach und nach zurückfinden wollen.

Unsere Zeit ist begrenzt

Das ist vielleicht ist die größte Lehre, die ich von all meinen Reisen ans Meer mitnehme: Mir ist bewusst, dass ich nur eine gewisse Anzahl an Tagen zur Verfügung haben werde. Also versuche ich, jeden Tag in den Wellen voll auszukosten, egal wie gut oder schlecht sie sind. So oft es geht. Ich beginne jeden Tag mit einem positiven Mindset und bleibe enthusiastisch. Diese Zufriedenheit, Santosha, egal ob am Meer oder im gewöhnlichen Alltag, die Fähigkeit, unsere oft selbstgemachten Probleme entspannter zu sehen, dazu müssen wir nicht erst die Erleuchtung finden.

Dem Meer ist es übrigens ohnehin egal, wie wir uns entscheiden. Unser Sein oder Nicht-Sein wird nichts daran ändern, dass sich Ebbe und Flut auch in den nächsten tausend Jahren alle sechs Stunden abwechseln. Die Gezeiten werden die Energie regelmäßig von einer Küste zur anderen transportieren und das Wasser in Bewegung halten, ganz egal welches Unwetter über ihm tobt, völlig egal, wie groß ein Unterwasserbeben sein mag. Das Meer wird ganz einfach so weitermachen wie seit 200 Millionen Jahren.


THOMAS ZIELINSKI ist Coach, Texter, Fotograf, Jivamukti-Yogalehrer und Surfer. Er veranstaltet regelmäßig Yoga- und Surf-Retreats (das nächste findet im Oktober 2023 in Ericeira/Portugal statt), hält Yoga-Workshops und möchte Menschen inspirieren, sich selbst neu zu entdecken und Potentiale zu entfalten. Auch in seinem Podcast „Get Wet Soon“ dreht sich alles rund um Yoga, Kreativität und Surfen.

Mehr über Thomas und seine Arbeit erfährst du in seinem Blog www.getwetsoon.de oder auf Insta @getwetsoon


Lerne Santosha, Ishvara Pranidhana und die anderen Niyamas in diesem Artikel noch besser kennen:

Playlist des Monats: „Shake the Dust“ von Felizitas Blosat

Unsere Playlist des Monats kommt im Juli von Felizitas Blosat und steht ganz unter dem Motto „Get out of your own way“. Vielleicht kennst du Felizitas schon von unseren YogaWorld-Messen. Auch auf der letzten YogaWorld in Stuttgart hat sie einen ganz besonderen Workshop angeboten: eine „Shake the Dust“-Session.

Das Konzept hierfür wurde von Satu Tuomela entwickelt und hat nun auch seinen Weg hierher nach Deutschland gefunden. Die Musik spielt bei „Shake the Dust“ eine zentrale Rolle. Felizitas erklärt dir in diesem Artikel, worum es bei dieser besonderen Art der Praxis geht und führt dich Schritt für Schritt durch ihre Playlist. Stell dich ein auf Schwitzen, Burpees, die ein oder andere Emotion, „wirble den Staub auf“, befreie dich von Limitierungen und komme voll und ganz bei dir an.

Playlist „Shake the Dust – get out of your own way“

Über „Shake the Dust“

Schon in den ersten Yogastunden, die ich nach meiner Vinyasa-Ausbildung gegeben habe, waren Elemente aus anderen Bewegungspraktiken sowie freie Bewegung und Tanz oft ein wichtiger Bestandteil. Irgendwie hat sich das für mich intuitiv richtig angefühlt und ich verbinde gerne scheinbare Gegensätze miteinander. Irgendwann habe ich dann die von Satu Tuomela entwickelte „Shake the Dust“-Session entdeckt und fand es von Anfang an großartig. Vor einem halben Jahr habe ich dann an einer ihrer Ausbildungen teilgenommen und seitdem schon viele Menschen durch diese besondere Praxis begleitet.

„Shake the Dust“ ist kein Yoga im klassischen Sinne und dennoch sehr yogisch – es bringt dich ins Hier und Jetzt. Mit Hilfe deines wunderbaren Körpers begegnest du dir selbst, mit allem, was dazu gehört, jeder Emotion, jedem Gedanken, deinen Mustern, deinen Widerständen, deiner Freude. Ein tiefes Gefühl von Lebendigkeit entsteht.

Die Praxis besteht aus verschiedenen Elementen aus den Bereichen Yoga, HIIT, Pilates, Somatics, freier Bewegung und sogar Aerobic. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und die Playlist ist quasi die Basis und ein Hauptbestandteil. Begrüße jeden Song als einen neuen Container, in dem du dich auf eine Bewegung mit vollem Herzen einlässt. Bleib dabei, auch wenn es dir endlos vorkommt, du schwitzt, dein Herz schneller schlägt oder du dich langweilst.

Shake the Dust Felizitas Blosat Jump

Auch im Leben abseits deiner Matte bist du manchmal mit Situationen konfrontiert, die dir eng oder endlos erscheinen. Vielleicht gelingt es dir, auch in den Containern Freiheit zu finden. Tempo und Intensität bestimmst du selbst. Lass dich von der Musik tragen, atme groß und laut, gerne immer wieder durch den Mund aus. Erlaube dir Geräusche – das kann so befreiend sein. Lachen, weinen, schreien – alles ist erlaubt.

So könnte deine „Shake the Dust“-Praxis aussehen

„Residue“ und „What If This Was Your Last Breath“: Ankommen

Der erste Song in dieser Praxis ist für dich zum Ankommen. Du bist hier ganz frei. Vielleicht liegst du auf der Matte, spürst deinen Körper, deinen Atem oder den Raum. Wenn Bewegung da ist, lass sie da sein – wenn nicht, dann nicht. Von wo auch immer du gerade bist, findest du für den zweiten Song eine Position, in der du einfach lauschen kannst. Rückenlage, ein aufrechter Sitz oder auch Stehen – alles ist erlaubt. Wie fühlst du dich mit dieser Freiheit?

„Hula Hoop“: Heel Tapping

Ein neuer Song begleitet dich dann auf deine ganz eigene Weise und in deinem Tempo in einen aufrechten Stand. Du hast viel Zeit dahinzukommen. Vielleicht nutzt du Bewegungen, die dir vertraut sind, vielleicht eine dynamische Schulterbrücke, Katze-Kuh, ein paar Bewegungen im Herabschauenden Hund. Erkunde was entstehen will, bevor ein Gedanke darüber da ist. Du hörst den einsetzenden Beat, der den Container „Heel Tapping“ ankündigt. Lass deine Fersen sich gleichzeitig immer wieder auf und ab bewegen. Vielleicht wird im Laufe der Zeit daraus ein nach unten Springen, ein Landen, ein Ankommen.

Zwischen den Containern

Zwischen den Container-Songs kommen kürzere, meist ruhigere Songs, in denen du dich einfach bewegen kannst wie du möchtest, ganz frei. Oder du bleibst für ein paar Momente zum Nachspüren stehen. Öffnest dich für alles, was in diesem Moment da ist, vielleicht mit den Handflächen nach oben gerichtet.

„Chemirocha“: Goddess Squats

Shake the Dust Felizitas Blosat goddess squat

Song Nummer sechs könnte dich zum Beispiel in eine dynamische Goddess Pose oder auch durch einfache Squats führen. Beuge und strecke die Beine im Rhythmus der Musik, deine Arme sind frei. Vielleicht bleibst du ein paar Momente mit gebeugten Knien stehen und federst nur dein Gesäß leicht. Jaaa, das brennt in den Oberschenkeln. Aber ich verspreche dir: auch das geht vorbei. Und wie befreiend fühlt es sich an, wenn dann neue Klänge dein Ohr erreichen?

Von „Prelude“ bis „Lion“

Du bist während Joe Löhrmanns „Prelude“ wieder ganz frei. Es folgt der Song „Scarecrow“, der sich später wiederholen wird. Das heißt, du kannst hier eine einseitige Übung machen, vielleicht aus dem Vierfüßlerstand oder auch der Seitlage heraus ein Bein heben und senken. Wofür auch immer du dich entscheidest, wechsele nach einer kurzen Verschnaufpause (Song 9) die Seite. Der Song „Dreamriver“ lässt dir Zeit, deinen Atem wieder zu finden, oder von Seite zu Seite zu schwingen, zu tanzen.

Und dann ist es Zeit, beim Song „Lion“ die Löwin oder den Löwen rauszulassen. Das kannst du zum Beispiel in einer fließenden Bewegung vom Down Dog in die Planke tun oder auch von der Child’s Pose in einen halben Liegestütz mit Knien auf dem Boden. Wie will sich deine innere Löwin hier ausdrücken?

Burpees!

Der „Elephant Waltz“ bringt dich dann wieder zum Stehen und bereitet dich auf meinen wahrscheinlich liebsten Container während dem Song „Baiana“ vor: BURPEES! Egal ob schnell oder langsam, ob ein Bein nach dem anderen oder in einem Sprung in den Liegestütz – du wirst zu der Bewegung. Du bist in diesem Moment der Burpee und nichts anderes. Lass dich ein! Begegne möglicherweise hier deinen Widerständen und erfahre, wie stark dein Körper sein kann, wenn du den Verstand mal beiseitelässt.

Lesetipp: In diesem Artikel wird der Burpee Schritt für Schritt erklärt.

Shake the Dust Felizitas Blosat Burpee

Nach diesen vier Minuten in dem recht engen Container, hast du nun viel Zeit, deine Freiheit zu genießen (Song „Dance Away“). Oder vielleicht auch festzustellen, dass genau dieser Teil der Praxis dich herausfordert. Bevor es Richtung Shavasana geht, wird es nochmal richtig verrückt. Du hörst es an der Musik. Bewege dich gerne kreuz und quer durch den Raum, lasse Chaos zu und baue zwischendurch ein paar Hampelmänner ein. Die sorgen in der Regel immer für Freude.

„The Whole Universe…“ bis „Moment“: Cooldown und Shavasana

Danach ist es Zeit, wieder ruhiger zu werden, zurück auf deine Matte zu kommen und vielleicht mit einer vertrauten Bewegung, den Weg zum Sitzen zu finden. Hier kommt nochmal ein Song („Grace“ von Kae Tempest) zum ganz bewussten Zuhören. Auch wenn der Text auf Englisch ist, vertraue, dass du das verstehst, was für dich in diesem Moment wichtig ist. Und dann finde den Weg in dein Shavasana, wie auch immer das aussehen mag. Und lass dich hier ganz hineinsinken. Spüre die Energie, die sich wahrscheinlich durch ein Kribbeln oder Pulsieren in deinem Körper ausdrückt. Spüre alles, was gespürt werden will.

Über Felizitas Blosat

Felizitas Blosat

Die ersten 30 Jahre meines Lebens hatte ich mit Yoga gar nichts zu tun. Bis mich das Leben dann nach Indien geführt und mich und alles, was ich bis dahin über mich, andere Menschen und die Welt gedacht habe, ziemlich durcheinander gewirbelt hat. Eine Reise, die sich ganz anders entwickelt hat, als ich mir jemals hätte vorstellen können und die damals eigentlich nur den Beginn eines Weges markiert hat, auf dem ich mich nun befinde. Bis 2021 war ich in verschiedensten Bereichen als Sozialarbeiterin unterwegs. Dann bin ich in den Yoga Vidya Ashram in Bad Meinberg gezogen, wo ich unter anderem Yoga unterrichtet und auch Wochenendseminare gegeben habe, bis mich das Fernweh wieder gepackt hat. Aktuell bin ich in Thailand, um traditionelle Thai Massage und Breathwork zu lernen.

Besonders kraftvoll ist „Shake the Dust“ in der Gruppe. Wenn du diese Praxis gerne live mit mir erleben möchtest, komm zum Xperience Festival oder melde dich zu einem meiner Seminare bei Yoga Vidya an. Oder, falls du in Hamburg oder Umgebung wohnst, lege ich dir Agnes und ihren „Being Space“ ans Herz. Hier gibt es regelmäßige „Shake the Dust“-Sessions.

Mehr zu Felizitas Blosat auf Insta @mitflitziaufreisen

#58 Yoga und Krebs – mit Gaby Nele Kammler

Yogaworld Podcast cover Gaby nele kammler

Wie die Praxis durch die schwere Zeit einer Krebserkrankung tragen kann

Die Ursachen für die Entstehung von Krebs sind sehr vielfältig und reichen von ungesundem Lebensstil über genetische Vorbelastung bis hin zum reinen Zufall. Und nicht nur die Ursachen sind vielfältig, sondern auch die verschiedenen Ausprägungen von Krebs. Vielleicht hast du auch schon Berührungspunkte mit der Krankheit Krebs gehabt – sei es in der Familie, im Bekanntenkreis oder als selbst Erkrankte*r. Sicher ist: Die Zahl der Krebserkrankungen steigt stetig an und hat sich beispielsweise seit 1970 verdoppelt. So bekommt Krebs eine immer größere gesellschaftliche Relevanz. Und weil die positiven Wirkungen von Yoga auf unsere Gesundheit mittlerweile als erwiesen gelten, fragt sich Susanne, ob und inwiefern Yoga auch bei Krebs helfen kann. 

Die Antwort darauf liefert Yogalehrerin Gaby Nele Kammler in dieser Folge „YogaWorld Podcast“. Sie ist spezialisiert auf Yoga mit Krebspatient*innen und hat ein eigenes Konzept entwickelt, um typische Nebenwirkungen der Krebstherapien zu lindern. 

Anfangs erklärt Gaby, was bei einer Krebserkrankung im Körper passiert und welche Auswirkungen eine Krebserkrankung auf den Geist haben kann. Dann geht sie auf die Wirkweise von Yoga bei Krebs ein und erläutert, wie eine gut ausgewählte Yogapraxis durch die verschiedenen Stadien einer Krankheitsgeschichte tragen kann. Dabei geht Gaby, die selbst ursprünglich aus der Schulmedizin kommt, auch auf die wissenschaftliche Studienlage zum Thema ein. So berichtet sie von einem wahren Durchbruch: Yoga wurde in die Leitlinien für therapiebegleitende Maßnahmen in der Behandlung onkologischer Patient*innen aufgenommen. Nicht zuletzt, weil Yoga nachweislich die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie erhöht. 

Natürlich teilt Gaby auch Persönliches und erzählt, wie ihre eigene Krankheit sie zur Spezialisierung auf Yoga bei Krebs brachte und was sie an ihrer Arbeit besonders berührt. Am Ende sprechen Gaby und Susanne noch über den Seelenweg und darüber, wie man spirituell auf eine Krebserkrankung blicken kann. Nicht selten verhelfen Lebenskrisen zu wahrer Transformation.