Raus aus dem Kreislauf der Wiedergeburten – im Hinduismus ist das das große Ziel. Davon mal abgesehen, sind Zyklen aber etwas, was unserem Leben Halt gibt, es irgendwie „rund“ macht und stimmig. Bis plötzlich die Wechseljahre kommen und ordentlich Chaos stiften.
Text: Carmen Schnitzer / Titelbild: Eleonora Grigorjeva von Getty Images via Canva
Grumpy Woche, Aua-Tage, entspannter Übergang zur horny Woche, über die Entspannung zurück zur Gereiztheit und wieder von vorn: Über viele Jahre konnte ich mich ganz gut darauf verlassen, wann ich mich ungefähr wie fühlen würde. Natürlich dachte ich nicht täglich daran, aber wenn mich eine Situation kolossal nervte, womöglich gar zum (Wut-)Weinen brachte oder ich mich dabei ertappte, ansonsten für mich mäßig attraktive Männer plötzlich irgendwie anziehend zu finden, dann musste ich nur kurz rechnen, um festzustellen: Ah, okay, es ist mal wieder so weit! Halt durch, geht vorbei. Ich geb’s zu, ich war und bin Sklavin meiner Hormone. Die steuern schon einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner Persönlichkeit und meines Seins, auch wenn ich den nicht immer so auslebe, wie sie mir diktieren.
Im Hin und Her der Wechseljahre
Tja, aber was soll ich sagen: Ich bin jetzt 49, und seit ein paar Jahren ist alles ein bisschen anders. Die grumpy, horny, relaxten und Aua-Zeiten gibt’s zwar noch, aber sie melden sich nicht mehr so schön im Takt wie einst, sondern unzuverlässig, wann und in welcher Intensität sie gerade wollen. Und nicht nur diesen Kreislauf haut’s mir durcheinander – mir wird in letzter Zeit auch häufiger mal schwindlig, wie einst in jungen Jahren, mein Blutdruck setzt regelmäßig zum Sinkflug an. Das alles ist nicht lustig, aber auch nicht soooo schlimm, wir mittelalten Frauen haben ja alle brav „Woman on Fire“ von Sheila de Liz gelesen, nicht wahr?
Es ist, wie es ist, gehört zum Leben dazu, und es gibt Möglichkeiten, die Symptome zu lindern – nicht zuletzt liegen ja auch in unserem Yoga-Werkzeugkasten so einige Tools, die uns dabei helfen können, nicht komplett aus der Balance zu geraten. Also ja, ich weiß, ich werde da schon durchkommen, durch diese aus den Fugen geratene Zeit. Und ein Riesenspaß ist so eine Regelblutung ja auch nicht, ist schon okay, dass die gerade ihr Abschiedskonzert gibt, Disharmonien und „Ach, doch noch mal mit Power“-Comebacks inklusive, man kennt das ja auch von großen Stars.

Was kommt nach den Wechseljahren?
Allerdings schleicht sich bei mir unabhängig von den körperlichen Veränderungen in letzter Zeit manchmal der Gedanke ein: Was kommt danach? Wer werde ich sein, wie werde ich mich fühlen, wie werde ich von anderen wahrgenommen werden, wenn mich meine hormongesteuerte Grumpi- und Horniness nicht mehr durch den Alltag leiten? Gibt es einen Kreislauf nach dem Kreislauf? Und wenn ja, wie sieht der aus?
Ältere Freundinnen, Kolleginnen oder auch Interviewpartnerinnen wie zum Beispiel die wunderbare Anna Trökes leben mir vor, dass es ein Leben nach der Menopause gibt. Schöne, starke Ladys, auf die der immer noch hin und wieder (aber seltener als früher) zitierte Spruch „Ab 50 wird man als Frau unsichtbar“ in meinen Augen absolut nicht zutrifft. Ich bin froh, dass mein „Mittelalter“ hierzulande in eine Zeit fällt, in der von mir nicht mehr – oder zumindest von immer weniger Menschen – erwartet wird, demnächst meine geliebten knallbunten Kleider einzumotten und mich dezent in den Hintergrund zu verziehen. An dieser Stelle mal danke an all jene Vorkämpfer*innen, die das in den letzten Jahrzehnten möglich gemacht haben!
So bin ich nun also gespannt, ob und wie sich der aktuelle Zickzack-Kurs meines Lebens irgendwann wieder zu einer „runden Sache“ entwickelt. Vielleicht werde ich größer denken und fühlen, nicht mehr in Monats-, sondern in Jahreszeiten- oder Lebensabschnitts-Rhythmen? Oder kleiner, in Tagesablaufs-Zyklen? Wenn es nach mir geht, auf jeden Fall unter anderem noch eine ganze Weile im YOGAWORLD-Ausgaben-Kreislauf: Alle zwei Monate ein neues Heft, eine neue Kolumne – in der ich dir dann berichten kann, wie sich alles bei mir weiterentwickelt. (Solltest du mir umgekehrt mal schreiben wollen, zu welchem Thema auch immer, dann freue ich mich über c.schnitzer@wellmedia.net auf deine Post.)
Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 05/2025 mit dem Titelthema „Zeit“.

Wie die Zeit vergeht und nicht nur Zyklen sich wandeln, stellte Carmen Schnitzer kürzlich mal wieder fest, als ihr „kleiner“ Bruder ihr erzählte, dass ihr Neffe gerade beim Wacken-Festival weilte. Der kleine Junge von einst ist längst zum jungen Mann gereift, ups!
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