Anna Trökes erklärt, worum es im Tantra wirklich geht
Bis Susanne sich im Rahmen der Vorbereitung näher damit beschäftigt hat, war Tantra, für sie gar nicht mit Yoga verknüpft. In ihrem Kopf war dazu irgendwas in Verbindung mit Sexualität und Ritualen. Allerdings stehen sexuelle Aspekte im klassischen Tantra durchaus nicht im Mittelpunkt. Unter dem Begriff Tantra oder Tantrismus sind verschiedene Strömungen der indischen Philosophie und Religion vereint.
Trotzdem ist Tantra von etwas Geheimnisvollen, Magischen umgeben. Und dem geht Susanne in dieser Folge von „Yogaworld“ auf den Grund. Dafür hat sie eine echte Topexpertin an ihrer Seite: Anna Trökes. Sie erklärt die Ursprünge der Tantralehre und beschreibt Tantra als Lebenskunst. Außerdem spricht sie über die Bedeutung von Polaritäten und Tabubrüchen. Zu guter Letzt enthüllt Anna dann aber doch noch das Geheimnis von gutem Sex. Es gibt da tatsächlich einen Zusammenhang mit einer tantrischen Lebenseinstellung.
Kraftvolle Ausfallschritte und dynamische Squats für Po, Beine und Bauch helfen dir in dieser fordernden Vinyasa-Sequenz, gezielt deine untere Körperhälfte zu stärken und zu mehr Standkraft und Stabilität zu finden.
Sequenz: Irene Pappas / Fotos: Christopher Dougherty
Bevor du beginnst
Die Sequenz selbst ist ziemlich fordernd, vielleicht gelingen dir nicht alle Übungen auf Anhieb. Das macht nichts. Vor allem kommt es darauf an, dass du dich der Herausforderung des Kraftaufbaus stellst und kontinuierlich übst. Wärme dich einige Minuten lang mit leichten Cardio-Übungen auf, mobilisiere dabei auch deine Handgelenke. Alternativ kannst du einige Runden dynamisches Surya Namaskar (Sonnengruß) üben.
Stelle in Rückenlage die Füße parallel und hüftweit auf und klemme einen Block mit der schmalen Seite zwischen die Oberschenkel. Die Arme liegen längs vom Körper. Drücke die Beine fest gegen den Block, spanne den Po an, hebe das Becken und senke es gleich darauf wieder ab. Wiederhole diese Bewegung in zügigem Tempo 10 Mal. Anschließend senkst du das Becken nur ein bisschen und ziehst es gleich darauf wieder kraftvoll nach oben (10 Wiederholungen). Als nächstes hältst du das Becken oben und drückst die Oberschenkel in kleinen, pulsierenden Bewegungen gegen den Block (10 Sekunden). Zum Abschluss hebst du das Becken noch etwas höher, spannst deutlich den Po an und hältst diese Position (10 Sekunden.) Arme, Nacken und Gesicht bleiben während der ganzen Übung möglichst entspannt.
2. Vierfüssler-Kicks
Hebe im Vierfüßlerstand das linke Bein, bis der Oberschenkel waagerecht und der Unterschenkel senkrecht steht. Aus dieser Position kickst du in kleinen, kraftvollen Bewegungen mit der Ferse des gebeugten Fußes ruckartig nach oben. Achte dabei darauf, das Becken parallel zum Boden zu halten und etwa gleich viel Gewicht auf beiden Händen zu haben. Indem du den Nabel ansaugst, schützt du deinen unteren Rücken. (15 Wiederholungen, danach gleich weiter zu Übung 3).
3. Hüft-Warm-up
Als nächstes hebst du das gebeugte linke Bein zur Seite und senkst es wieder ab. Auch hier achtest du darauf, den Rumpf stabil und das Becken parallel zum Boden zu halten. (10–15 Wiederholungen, anschließend wiederholst du Übung 2 und 3 mit dem rechten Bein).
4. Adho Mukha Shvanasana – Herabschauender Hund
Stelle im Vierfüßler die Zehen auf, schiebe die Hände fest gegen die Matte und hebe das Becken in den Hund. Vertrete dir einen Moment lang die Beine und dehne dabei Po und Beinrückseiten. Zusätzlich kannst du auch hier das linke Bein heben und mit der lang nach hinten gestreckten Ferse pulsierend gerade nach oben kicken. (10 Wiederholungen, dann Seitenwechsel, anschließend nochmals dehnen)
5. Hoher Ausfallschritt – dynamische Variation
Hebe im Vierfüßler das linke Bein und ziehe den Fuß dann nach vorne zwischen die Hände. Stabilisiere dich durch beide Füße und Beine, bevor du die Hände vom Boden löst und den Oberkörper aufrichtest in den hohen Ausfallschritt. Dabei streckst du die Arme lang nach oben. Aus dieser Haltung beginnst du, das hintere Bein in jeder Ausatmung dynamisch zu beugen und es einatmend wieder zu strecken. Bei jedem Beugen ziehst du außerdem die Hände dabei zu Fäusten geballt vor die Brust. (8-10 Wiederholungen, anschließend Seitenwechsel)
6. Bretthaltung
Die folgenden 4 Übungen kannst du einzeln üben und einige Atemzüge lang halten, oder du verbindest sie zu einer geschmeidigen Abfolge, die du 3-5 Mal wiederholst. Du beginnst, indem du aus dem Vierfüßler die Beine nach hinten streckst, dabei stehen die Schultern senkrecht über den Händen, du stehst auf deinen Zehenballen und aktivierst kraftvoll den Bauch. Deine Ausrichtung, stabilisiere das Becken und hebe die Brust (5 Atemzüge).
Aus dem Brett beugst du die Arme und senkst den gestreckten Körper, bis er auf Höhe der Ellenbogen über der Matte schwebt. Dabei hältst du die Ellenbogen dicht am Rumpf. Wenn die Kraft in Armen und Bauch dafür nicht ausreicht, setzt du die Knie auf dem Boden ab.
8. Urdhva Mukha Shvanasana – Aufschauender Hund
Ziehe die Brust aus Chaturanga nach vorne und oben, während du zugleich über die Zehen auf die Fußoberseite rollst und die Arme streckst. Bilde dabei eine Spannungslinie durch den gesamten Körper und hebe dich kraftvoll aus den Schultern heraus.
9. Adho Mukha Shvanasana – Herabschauender Hund
Hebe das Becken, rolle die über die Zehen wieder zurück auf die Ballen und schiebe dich von den Händen ausgehend durch Schultern und Rücken bis zu den Sitzknochen nach hinten in den herabschauenden Hund. Auch hier achtest du darauf, dich kraftvoll aus den Schultern zu heben, statt dich in die Haltung hinein hängen zu lassen.
10. Hoher Ausfallschritt – dynamische Variation
Wiederhole die bei Übung 5 beschriebene dynamische Bewegung aus dem hohen Ausfallschritt. (8- 10 Wiederholungen) Wenn deine Kraft es erlaubt, wechselst du im Anschluss nicht zum rechten Bein, sondern machst gleich weiter mit Übung 11. Alternativ kannst du aber auch wechseln und einige Dehnungs- und Entspannungsübungen zwischenschalten.
11. Virabhadrasana 3 – Heldenhaltung 3, dynamisch
Verlagere aus dem hohen Ausfallschritt das Gewicht auf den vorderen, linken Fuß, stoße dich mit dem hinteren sanft ab, strecke das Standbein und kippe den Oberkörper nach vorn, so dass er mit dem hinteren, rechten Bein in einer Linie steht, entweder diagonal oder maximal waagerecht. Drehe die hintere Ferse etwas nach außen, das hilft dir, das Becken parallel zum Boden auszurichten. Lege die linke Hand an die Hüfte und strecke den rechten Arm senkrecht nach unten. Dann richtest du dich wieder auf, setzt die Zehenspitzen des freien Beins sacht hinter dir auf und kehrst gleich wieder zurück in die Heldenhaltung. (3–5 Wiederholungen, dann Seitenwechsel).
12. Krabben-Squat
Lege im Stand deine Hände auf die Hüften und hebe dein rechtes Knie. Dann führst du das gehobene Bein hinter dich, beugst gleichzeitig das Standbein und kommst in einen tiefen Ausfallschritt mit abgelegtem Schienbein und Fußrücken. Aus dieser Haltung bringst du wieder Druck auf den vorderen Fuß und kehrst zurück in die Ausgangsposition. (5-8 Wiederholungen, dann Seitenwechsel)
13. Pistolen-Squat
Strecke aus dem Stand den linken Fuß nach vorn und hebe die Hände waagerecht nach vorn. Dann beugst du langsam das Standbein und kommst in eine einbeinige Hocke, bei der die Ferse des Standbeins möglichst am Boden bleiben sollte. Du kannst dich stabilisieren, indem du die Hände auf zwei Blocks aufstützt. Vielleicht gehst du zu Beginn nur in die halbe Hocke und arbeitest dann daran, das Becken allmählich bis zum Sitzen abzusenken. (5-8 Wiederholungen, dann Seitenwechsel)
Tipp: Wenn du schon ziemlich kraftvoll bist, verbindest du Übung 11-13 ohne Seitenwechsel.
14. Upavishtha Konasana – Vorwärtsbeuge aus der sitzenden Grätsche
Nachdem du dich etwas in der Stellung des Kindes entspannt hast, setzt du dich mit gegrätschten Beinen auf die Matte und richtest Becken und Wirbelsäule auf, dabei hilft dir evtl. eine unter die Sitzknochen geschobene gefaltete Decke. Beuge dich zunächst locker über das eine Bein, dann das andere, bevor du schließlich langsam und mittig nach vorne gehst. Genieße die Dehnung, halte Rumpf und Beine aber aktiv. (5-10 Atemzüge)
15. Hüftbeuger-Lift
Richte dich wieder auf, wende dich in der Grätsche zum linken Bein und setze die Fingerspitzen beidseits von Oberschenkeln oder Knien auf die Matte. Hebe das gestreckte linke Bein jetzt in kleinen pulsierenden Bewegungen 10 Mal an. Wiederhole das selbe mit dem rechten Bein, dann lockere beide Beine durch Ausschütteln oder eine kleine Massage. Beim zweiten Durchgang kannst du, wenn möglich, die flachen Hände aufsetzen. Beim dritten versuchst du, die Hände mittig vor dem Körper aufzusetzen und beide Beine gleichzeitig zu heben.
Abschluss
Nimm dir Zeit für einen ausgiebigen Cool-Down. Dazu eignen sich Hüften und Beine dehnende Vorwärtsbeugen wie Baddha Konasana (Schmetterling, gebundene Winkelhaltung) und Janu Shirshasana (Kopf-Knie-Haltung). Beschließe die Praxis mit einer Entspannung in Shavasana und/oder einer Meditation.
IRENE PAPPAS kommt vom Ashtanga und Rocket Yoga, hat sich aber auch ausgiebig mit anderen Formen funktioneller Bewegung beschäftigt, etwa Pilates, Akrobatik und Training mit Gewichten. Der Name ihrer Website ist daher Programm: fitqueenirene.com
In diesen bewegten Zeiten hat sich unsere Asana-Kolumnistin auf eine klassische Haltung besonnen, die wie kaum eine andere ein Gefühl von Verbundenheit, Stabilität und Zentrierung vermittelt: den Baum. Aber Jelena wäre nicht Jelena, würde sie nicht auch hier einen innovativen Dreh finden …
Im Baum (Vrikshasana) kannst du im gesamten Körper ein Gefühl von Standhaftigkeit entwickeln. Wir verwurzeln uns in dieser klassischen einbeinigen Balance über das Standbein nach unten und fühlen uns so mit der Erde und unserer Welt friedvoll verbunden. Genau wie ein Baum es tut, wenn eine leichte Brise oder auch ein stärkerer Wind durch seine Blätter und Zweige rauscht, stehen auch wir dabei nicht starr: Unsere Stabilität und Widerstandskraft entsteht im Gegenteil erst dadurch, dass wir uns lebendig bewegen lassen, dabei aber in unserer Mitte bleiben und auf unsere Wurzeln vertrauen können.
Hier kombiniere ich den Baum mit hinter dem Rücken aneinander gelegten Händen (Namaskarasana). Die betende Geste verstärkt noch die Wirkung des Baums: innehalten und einkehren, um sich der Verbundenheit bewusst zu werden – ganz konkret, indem du spürst, wie du jetzt hier an diesem Ort des Übens bist, aber auch sinnbildlich im Gefühl der liebevollen Verbundenheit mit allen Menschen und Wesen. Indem wir die Hände hier nicht vor dem Herzen, sondern hinter dem Körper aneinander legen, bringen wir den Fokus weg von der im Alltag vorherrschenden Ausrichtung nach vorn, wo wir aktiv und im Handeln sind. Wir spüren unsere Rückseite, dürfen uns selbst eine Stütze sein und uns daran erinnern, was uns im Leben im wahrsten Sinn des Wortes „Rückhalt“ gibt.
Foto: Sofia Gomez Fonzo
Macht das Spaß?
Auf jeden Fall. Die kleine Veränderung, die Hände nicht wie üblich vor dem Herzen aneinander zu legen, sondern hinter dem Rücken, bringt eine neue Herausforderungen für die Balance, die aber für alle Level zugänglich ist. Gleichzeitig dehnt sieSchultern und Unterarme und weitet den Herzraum.
Muss ich das können?
Natürlich nicht. Aber wenn du gerne experimentierst, dann bietet diese Variante dir eine schöne Gelegenheit deine Praxis (oder auch zwischendurch mal schnell deinen trockenen Büroalltag) aufzulockern, deine Balance zu testen und deine Mitte zu stärken.
Was muss ich dafür tun?
Sehr feste Schultern werden sich für ein kleines Warm-up bedanken: Lasse Schultern und Arme locker kreisen und schwingen und übe die Armhaltung vorab im Stehen in den vorbereitenden Varianten (Fäuste gegeneinander drücken, Unterarme oder Ellenbogen umfassen). Zusätzlich mobilisierend wirken Gomukhasana-Arme (eine Hand greift hinter dem Rücken von unten die andere Hand, die von oben kommt – eventuell überbrückst du die Distanz mit einem Gurt).
Step by step in den betenden Baum
1 Beginne im hüftbreiten Stand. Falls du weißt, dass die Balance dir (heute) eher schwer fällt, stellst du dich mit einer Armlänge Abstand und dem Gesicht zur Wand und fixierst dort einen festen Punkt (Drishti) auf Augenhöhe.
2 Verlagere das Gewicht auf dein linkes Bein, verwurzle dich durch den Fuß nach unten und zentriere dich. Dann legst du den rechten Fuß an die Innenseite des linken Oberschenkels (mit oder ohne Zuhilfenahme deiner Hände) und drehst das gebeugte Knie nach außen. Schiebe die Ferse fest gegen den Schenkel und den Schenkel gegen den Fuß, um dich zu stabilisieren und den Fuß nicht abrutschen zu lassen. Falls das zu wackelig ist oder deine Hüften es nicht erlauben, kannst du den Fußballen am Boden lassen und die Ferse locker ans Fußgelenk des Standbeins legen. Fortgeschrittene können den rechten Unterschenkel auch in den halben Lotus legen.
3 Hebe nun beide Arme auf Schulterhöhe zu den Seiten, drehe die Handflächen nach hinten und führe die Hände zueinander. Wenn möglich, legst du die Handflächen vorsichtig und ohne ruckartige Bewegungen aneinander. Wenn das nicht geht, schiebst du die geballten Fäuste gegeneinander oder umfasst deine Ellenbogen.
4 Stabilisiere den Bauch, um nicht ins Hohlkreuz gezogen zu werden. Dann wachse in beide Richtungen: Über das Standbein schickst du deine Wurzeln in die Erde, gleichzeitig entfaltest du dich über deine Kopfkrone hinaus in den Himmel. Atme dabei möglichst so ruhig, als würdest du ganz einfach in Tadasana, der Berghaltung stehen. Wenn du sehr stabil und leicht stehst, kannst du damit experimentieren, vorsichtig die Augen zu schließen. Nach 5-15 Atemzügen löst du die Haltung behutsam auf und wechselst zum anderen Bein.
Andrea Helten übt mit Kindern spielerisch die Achtsamkeit
Zehn Dreijährige sitzen mit geschlossenen Augen in Reih und Glied im kreuzbeinigen Sitz und atmen in ihren Bauch? – Not gonna happen! Trotzdem können auch Kinder schon viel von den Wirkungen des Yoga profitieren. In einigen Yogastudios, Kindergärten und Schulen wird mittlerweile Yoga für Kinder angeboten.
Kinderyogalehrerin und Buchautorin Andrea Helten unterrichtet seit 10 Jahren Kinderyoga und weiß genau worauf es ankommt, wenn man spielerisch yogische Werte vermitteln will. Sie erklärt, warum der Spaß im Kinderyoga immer an erster Stelle steht und teilt berührende und lustige Geschichten aus ihrem Alltag als Kinderyogalehrerin. Willst du wissen was sich hinter ihrem Motto „Kinderyoga rockt“ verbirgt?
Sie hat Dutzende Yogabücher geschrieben und Hunderte Yogalehrende ausgebildet. Inzwischen gilt Anna Trökes als die „Grande Dame“ des deutschen Yoga – was sie eher belustigt als beeindruckt. Altersweise? Die quirlige Berlinerin empfindet sich vor allem als ewige Lernende. Ein Leben auf dem Yogaweg hinterlässt eben doch ganz besondere Spuren – die Lebendigkeit und Weisheit von Yogi*nis wie Anna Trökes ist nicht nur Inspiration und Vorbild, sie zeigt auch: Das Älterwerden hält viele Schätze für uns bereit …
Interview: Stephanie Schauenburg / Bilder: Nela König
Liebe Anna. Du bist 1972, also vor über 50 Jahren so richtig in die Yogapraxis eingestiegen …
Ja, ich bin damals in einen der ersten Club Med nach Mallorca gefahren, weil ich mal jeden Tag Yoga üben wollte und so etwas in Berlin gar nicht möglich war. Was ich nicht wusste: Das war das Ausbildungscamp des französischen Yogalehrerverbands und die hatten fantastische Lehrer*innen. So hat es begonnen.
In der hinduistischen Tradition spricht man ja von vier Lebensabschnitten, den Ashramas. Du hast 2011 nach fast 30 Jahren dein Studio aufgegeben, dennoch unterrichtest und schreibst du weiterhin so viel, dass ein Ruhestand nicht erkennbar ist. In welcher der vier Phasen siehst du dich?
Bei mir hat sich das immer gemischt. Ich habe schon mit 22 Jahren angefangen zu unterrichten und mich früh im BDY in der Yogalehrerausbildung engagiert, gleichzeitig habe ich selber immer neue Ausbildungen absolviert und bin bis heute eine Schülerin geblieben. Ich liebe es zu lernen. Ich bin so begeisterungsfähig, ich springe immer wieder auf etwas an. Aber ich dehne mich in dem, was ich lerne, auch immer weiter in die Breite und Tiefe aus – und da bin ich dann schon im dritten oder vierten Ashrama.
Um nur ein paar Schlaglichter zu werfen: Du hast Yoga der Energie in Deutschland mitbegründet, übst selbst inzwischen Ashtanga, hast eine 10 jährige Body Mind Centering Ausbildung gemacht, über Yogadidaktik und Yogaphilosophie geschrieben und in letzter Zeit auch viel über Heilung mit Yoga. Mit was beschäftigst du dich zurzeit?
Yoga der Energie war immer meine Heimat, aber der große Grund dahinter, das ist Tantra. Ich merke immer mehr, wie stark mich das im Innersten berührt, diese ganze Shiva Shakti Thematik. Da beginne ich gerade noch mal ganz neu. Außerdem konzipiere ich gerade eine vierjährige Meditationsleiterausbildung, damit wir endlich in Deutschland ein paar richtig gute, sattelfeste Meditationslehrer*innen bekommen, die Yogameditation machen und nicht irgendwas.
Du kommst mir vor wie eine Art Yoga Superprozessor, der aus allen Richtungen Impulse und Informationen aufnimmt, verarbeitet, verbreitet. Spürst du mit zunehmendem Alter nicht auch eine Verdichtung hin auf etwas Essenzielles?
Nein, ich unterrichte nach wie vor genauso leidenschaftlich Anatomie wie Fachdidaktik oder Yogasutra. Für mich gehört das alles zusammen. Ich bewege mich da wie ein Fisch im Wasser – es ist das ganze Wasser.
Klingt nicht, als ob es dir jemals langweilig würde …
Zur Langeweile hab‘ ich kein Talent. Es gibt so viele Dinge, denen ich nachgehen und die ich noch erforschen kann!
Und wie nimmst du den Umgang mit dem Altern in unserer Gesellschaft wahr?
Na ja, wir gehen sehr ungnädig damit um: In einer Leistungsgesellschaft älter zu werden – geht gar nicht! Tu was, um es aufzuhalten! Dabei ist der Prozess unausweichlich und ich denke, man kann ihn unterschiedlich betrachten.
Wie erlebst du ihn denn bei dir selbst?
Ich muss natürlich auch feststellen, dass manches nicht mehr so gut geht wie früher, aber manches geht auch deutlich besser.
Bild: Nela König
Nämlich?
Mich selbst beruhigen, meine Emotionen regulieren, Dinge nicht mehr so persönlich nehmen. Gelingt nicht immer, aber immer öfter. Mein Selbstvertrauen ist durch die Lebenserfahrung deutlich gewachsen. Ich kann auf viele Dinge zurückblicken, die auch gelungen sind. Auch darauf, wie viel ich aus meinen Fehlern gelernt habe und welche grandiosen Erfahrungsfelder das Scheitern eröffnet hat.
Du hast mal gesagt, du wüsstest oft gar nicht, wie alt du eigentlich bist. Warum?
Ich habe Mühe, mich in meinem Alter zu erfahren, weil ich von meiner Natur her so extrem neugierig bin. Eine meiner Lehrerinnen, Ursula Lyon, ist schon weit über 90 – und auch sie ist immer noch wie ein Fisch im Wasser: ein quicklebendiges, herumsausendes, offenes, interessiertes Fischlein. Sie ist extrem rege – und da ist sie mir ein Beispiel.
Weil es diese geistige Regheit ist, die uns lebendig hält?
Ja, aber nicht nur. Ich denke da an meine zweite Schwiegermutter, die irgendwann pflegebedürftig wurde und dann war auf einmal nichts mehr da, womit sie sich hätte retten können. Sie hat sich verloren gefühlt, weil sie sich selber nicht hatte. Sie hatte nie eine Intimität mit sich selber entwickeln können. Das ist bei uns hoffentlich anders: Durch Yoga stecken wir jeden Tag in dem Prozess, die Beziehung zu uns selbst immer wieder neu zu begründen.
Aber ich erlebe da – gerade in der Yogawelt – auch einen unguten Druck: Sogar im Alter sollen wir noch hellwach, wunderschön und einfach perfekt sein …
Klar, wenn du Yoga machst, darfst du nicht krank werden, du darfst dich nie ärgern, nicht aufbrausend sein, nie wütend sein, nie aggressiv sein, du musst vegan leben, egal ob es dir bekommt oder nicht, und du sollst auch im Alter noch gertenschlank, gelenkig und strahlend aussehen – das alles ist natürlich eine Projektion. Man wünscht sich das so, damit man sich nicht so hoffnungslos fühlen muss. Aber ich muss auch sagen: Meine älteren Kolleginnen sind von diesen Erwartungen erstaunlich wenig angefasst. Man weiß, dass man älter wird, aber es macht nix. Das Einzige, was da manchmal zappelt und zuckt und es irgendwie ernst nimmt, ist doch das Ego – und na ja, okay, das kennt man ja so langsam: Wir brauchen dieses Ego draußen in der Welt, aber ansonsten ist es doch ein gigantischer Störfaktor.
Und um diese Souveränität geht es, nicht wahr?
Ja. Aber das kriegt man, glaube ich, erst mit, wenn man bewusst viele Lebenserfahrungen machen durfte und auch die Zeit hatte, darüber zu reflektieren – nicht darüber, was geschehen ist, sondern wie man sich darin erlebt hat und wie man damit umgegangen ist.
ANNA TRÖKES gilt nicht umsonst als die einflussreichste deutsche Yogalehrerin: Sie hat seit 1974 unzählige Menschen unterrichtet und über Jahrzehnte die Yogalehrerausbildung des BDY geprägt. Ihre über 30 Bücher und CDs wurden in 13 Sprachen übersetzt und haben viel zur heutigen Beliebtheit und Verbreitung von Yoga beigetragen. Mehr Info auf prana-yogaschule.de
Zum Weiterlesen: Im YOGAWORLD JOURNAL 05/2025 haben wir mit Anna Trökes darüber gesprochen, welche Bedeutung Zeit in der Yogaphilosophie hat. Die Ausgabe kannst du dir hier bestellen:
In Gastein im Süden des Salzburger Landes wird Yoga an besonderen Orten praktiziert. Mitten in der Natur, am Wasserfall, am See und direkt im Nationalpark Hohe Tauern. Die Kraftplätze im Tal sind seit Jahren bei den Yogatagen im Frühling und im Herbst erlebbar. Mittlerweile ebenso beim Yunion Yoga Festival Ende August oder bei Yoga on Snow im Winter. Wir stellen euch heute die kraftvollsten Yoga-Plätze im Gasteinertal vor. //anzeige
Reedsee
Foto: SalzburgerLand Tourismus
Der Reedsee liegt auf 1.830 Metern am Fuße der malerischen Tischlergruppe und bietet ein herrliches Panorama auf die Bergwelt. Im See spiegeln sich der umliegende Bergwald und die mächtigen Bergspitzen. Bei Yoga- und Meditationsübungen erscheinen Probleme hier ganz klein.
Alpen- und Felsentherme
Foto: Yogaplattform Alpentherme Gastein
Das wohltuende Thermalwasser der Gasteiner Thermen genießen und im Anschluss noch eine Runde Yoga? Was kann es Schöneres geben. Im Gasteinertal warten zwei Thermen darauf entdeckt zu werden. Yogaangebote gibt es in der Felsentherme speziell zu den Yogatagen und in der Alpentherme das ganze Jahr lang.
Gasteiner Wasserfall
Foto: Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl
Der atemberaubende Wasserfall verläuft direkt durch das spektakuläre Ortszentrum von Bad Gastein. Mächtige Bauten aus der Belle Époque säumen die Kaskade. Die Wucht des Wassers ist imposant und energetisch. Bei Atemübungen neben dem Tosbecken atmet man die wohltuende ionisierte Luft. Und die Yogaplattform im Wald lädt zu ausgedehnten Einheiten. Weitere Infos: Yoga am Wasserfall
Kurpark Bad Hofgastein
Foto: Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl
Mitten im lebendigen Ortszentrum von Bad Hofgastein ist der Kurpark eine Ruheoase umgeben von den höchsten Grasbergen Europas wie dem Gamskarkogel (2.467 m). Auf der neu angelegten Yoga-Plattform führt man Übungen im Schatten der Bäume aus und genießt die Aussicht auf den Teich. Weitere Infos: Yoga im Kurpark
Dorfgasteiner Kraftplätze
Foto: Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl
Gleich mehrere Kraftplätze findet man im urigen Dorfgastein. Oben am Fulseck (2.033 m) gibt es eine Kraftplatzwanderung, die bei Yoga on Snow sogar im Winter genutzt werden kann. Ein weiterer Platz ist neben der Drei-Waller-Kapelle zu finden, die einen herrlichen Ausblick auf das gesamte Tal bietet.
Sportgastein
Foto: Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl
Sportgastein auch Nassfeld und „Little Tibet“ genannt ist ein Hochplateau auf 1.600 Metern Seehöhe. Umgeben von mehreren 3.000ern liegt es mitten im Nationalpark Hohe Tauern. Während der Yogatage wurden vom Jodl-Walk bis hin zu Nachtspaziergängen mit Atemübungen schon die unterschiedlichsten Einheiten angeboten. Man darf gespannt sein, was sich die Veranstalter dieses Jahr einfallen lassen.
Stubnerkogel
Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl
Der Stubnerkogel ist der Aussichtsberg des Tales. Bei Yogaübungen auf den diversen Plattformen saugt man die Kraft der gesamten Bergwelt der Hohen Tauern auf. Sogar den Großglockner sieht man von dort oben. Während der Yogatage wird der Berg ebenso zum Schauplatz von „Yoga am Berg“ wie die Schlossalm in Bad Hofgastein.
Yoga in den Partnerhotels
Foto: Gasteinertal Tourismus GmbH, Marktl
Egal ob Aerial, Hatha oder Core Yoga – die Hotels des Gasteinertales bieten nicht nur zu den Yogatagen, sondern das gesamte Jahr ein umfangreiches Angebot an verschiedenen Stilen. Weitere Infos gibt es hier: Yoga-Hotels in Gastein.
Yogatage und Yoga Festivals in Gastein
Zu den Yogatagen in Gastein erwarten euch 250 Yogaklassen, 30 internationalen Yogalehrende und unzähligen Yogastile. Die Yogatage im Herbst und Frühling sind die größten Festivals dieser Art in ganz Europa.
Christian übt seit 2004 Yoga und hat bei Eric Brown gelernt. Neben seiner regelmäßigen Praxis unterrichtet er seit vielen Jahren Workshops und eigene Yogastunden.
Seine Stunden zeichnen sich durch seine Hingabe, viel Ruhe und Movements mit Musik aus, ohne dabei die ursprünglichen Aspekte des Yoga aus den Augen zu verlieren. Christian hat neben seinem Yoga Teachertraining eine Ausbildung in „Ancient Thai Yoga Massage“ an der Ostküste von Indien absolviert.
Solange wir bewusst Atmen ist es Yoga. Bei dieser bewegungsreichen Yogaeinheit stellt Christian die Essenz einer jeden Praxis – den Atem – in den Vordergrund. Ankommen, Sitzen, Stehen, Fließen, Zulassen, Entspannen. Alles in Verbindung mit der Atmung.
Bestimmt kennst du Sätze wie „In der heutigen Stunde verbinden wir uns mit dem Wurzelchakra“ oder „Atme hier in dein Herzchakra“. Aber halt! Was sind nochmal die Chakras? Wir erklären dir die Chakra-Basics.
Der Begriff „Chakra“ bezeichnet die Energiezentren unseres Körpers. Das sind die Schnittstellen unserer Energieströme. Am bekanntesten sind die sieben Hauptchakras: Wurzel-Chakra, Sakral-Chakra, Solarplexus-Chakra, Herz-Chakra, Hals-Chakra, Stirn-Chakra, Kronen-Chakra. Den Veden zufolge gibt es allerdings weitaus mehr. Was macht also genau diese sieben zu den wichtigsten? Diese Chakras sind auf körperlicher Ebene Sitz entscheidender Organe, die verschiedenen Punkte reihen sich entlang der Wirbelsäule bis zur Kopfkrone hin auf. Deshalb sorgen diese sieben Chakras auch für Stabilität.
Von unten nach oben: die Entwicklung der Chakras
Jedes Chakra steht für ein ganz grundsätzliches Lebensthema, das alle Menschen teilen. Allerdings gibt es immer Themen, die dir leichter fallen, als andere. Wenn du beispielsweise einen Verlust eines geliebten Menschen erleidest, kann es sein, dass du dein Herz verschließt. Eventuell baut sich dann nicht nur eine emotionale Blockade auf, sondern auch eine körperliche. Vielleicht bist du in der Folge so verspannt im Brustraum, dass du nicht mehr richtig aufrecht sitzt oder gehst. Denn wir Yogis wissen: Das Innen spiegelt das Außen. Imbalancen entstehen aber nicht nur durch Mangel, sondern auch dadurch, dass du zu viel in einer Energie bist und keine Balance zu den anderen Chakras besteht.
Wenn also zum Beispiel eine Imbalance im ersten Chakra besteht, kann sich diese auf alle anderen oberhalb gelegenen Chakras negativ auswirken. Es muss sozusagen erst die Grundlage durch Themen wie „Vertrauen“ gelegt werden, bevor komplexere Themen wie „Liebe“ oder „Erleuchtung“ bearbeitet werden können. Dieser schrittweise Pfad zu ausgeglichenen Energiezentren wird auch das Erwecken der Kundalini-Energie genannt. Das ist eine aufsteigende Spirale der Energie, das Symbol dafür ist die Kundalini-Schlange. Ja, Kundalini ist auch der Name für einen Yoga-Stil. Und da kommen wir bereits zum nächsten Punkt: Wie kann man jetzt an den Chakras arbeiten?
Es gibt unendlich viele Wege, um mit den Chakras zu arbeiten. Du stärkst sie durch Klang, Farben, Meditation, und eben auch Yoga. Durch Yoga kannst du über den körperlichen Aspekt Blockaden lösen. Jedem Chakra kann nämlich eine Asana-Familie zugeordnet werden, die sich entsprechend auf die Energie auswirkt. Während einer Chakra-Yoga-Stunde wird der jeweilige Themenfokus zusätzlich mit Affirmationen unterstützt. Hierbei werden den einzelnen Chakras sogar bestimmte Göttinnen und Götter zugeordnet. Ganesha steht beispielsweise für das Wurzel-Chakra, wie du unserer kurzen Chakra-Übersicht entnehmen kannst.
Aber auch abseits der Yogamatte solltest du an den Chakras arbeiten. Die Farben der Chakras-Übersicht deuten schon auf Farbtherapie hin. Dafür eignen sich zum Beispiel einfache Mittel wie Kleidung oder auch farbiges Essen. Du kannst aber auch farbige Edelsteine nutzen, die dich bei Meditation oder Massage unterstützen. Auch die Inhaltsstoffe ätherischer Öle zeigen schon, welches Chakra sie fördern. Manchmal ist der einfachste Weg doch der Wirkungsvollste. Beispielsweise lohnt sich auf der Suche nach Erdung immer ein Spaziergang.
Die bekannteste Chakra-Therapie ist neben spezialisiertem Coaching auch das Sound-Healing. Es gibt spezialisierte Klangschalen, die jeweils ein Chakra ansprechen. Und auch in der klassischen Musik lassen sich die 7 Haupttöne den Energiezentren zuordnen. Die Arbeit an ihnen ist sowohl psychologisch durch Gesprächs-Coaching als auch physisch durch Yoga oder Massage denkbar.
Chakras fungieren als Brücke zwischen innen und außen, oben und unten. Wie auch der Regenbogen, dessen Farben sie tragen, Himmel und Erde verbindet, verbinden sie unseren Körper mit unserer Seele. Ist diese Balance nicht genau das, was wir alle im Yoga suchen?
PS: Eine Sache, die ich mich schon immer in Bezug auf das Wort „Chakra“ gefragt habe. Wie ist die korrekte Mehrzahl? Sagt man jetzt „Chakras“ oder „Chakren“? Laut Duden geht beides.