Bhakti bezeichnet auf Sanskrit die Hingabe an eine Gottheit.
Bhagavad Gita
Bhagavad Gita bedeutet übersetzt „die göttlichen Gesänge“. Sie sind Teil der Veden und werden oft in den Yogalehrer-Ausbildungen gelesen. Darin geht es um ein Zwiegespräch von Krishna, einer Inkarnation des Vishnu, mit seinem Schüler, dem Prinzen Arjuna. Am Rande des Schlachtfeldes um das Prinzen-Erbe erklärt der Gott seinem Schüler ethische Grundsätze der yogischen Lebensführung. Hier tauchen auch die vier Wege des Yoga, die Margas, auf.
Bauchatmung
Zum Yoga gehört auch die richtige Atmung: Du lenkst deine Atmung einfach ganz tief nach unten in den Bauch, anstatt wie im Alltag üblich, flach in den Brustraum zu atmen. Die Bauchatmung hat automatisch eine erdende und beruhigende Wirkung, aber lass sie dir hier auch von Dr. Ronald Steiner erklären.
Yoga Playlist mit einer Prise Gangster Rap
Du hast schon jeden Yoga-Stil ausprobiert und denkst, du weißt bestens Bescheid? Dann müssen wir dich enttäuschen. Yoga ist so vielfältig wie die Menschen die es praktizieren. So findet jeder genau den Nutzen, den er gerade braucht. Der beste Beweis dafür ist Hip Hop Yoga und diese Playlist.
Gleiche Asanas. Andere Musik
Die Lieder hat uns Yogalehrerin Magdalena Wahlmüller zusammengestellt und somit zwei ihrer Leidenschaften kombiniert: Hip Hop und Yoga. So kannst du deinen gewöhnlichen Vinyasa Flow zu coolen Beats üben. Lasse dich von der Musik leiten, werde kreativ und beobachte, wie du an Yoga immer wieder etwas Neues entdecken kannst.
Lust auf mehr? Weitere Playlists für deine Yoga-Praxis findest du hier. Bei dieser Auswahl ist für jede Laune etwas dabei.
Playlist
Sinneswandel: Wie ich mein erstes Embodiment-Coaching erlebte
Yogaworld-Autorin Jenny Hansen berichtet, wie sehr ihr erstes Embodiment-Coaching sie berührt und verändert hat. //anzeige
Wusstet ihr, dass es neben den fünf bekannten Sinnen noch drei weitere gibt? Forscher bezeichnen den sechsten und siebten Sinn als Raum- bzw. Zeitwahrnehmung und den achten als Wahrnehmung von Bedeutung, der sogar vor einer Emotion entsteht. Außerdem spannend: Unser Gehirn sendet 20 Prozent des kognitiven Informationsflusses an unser Herz, doch andersherum sind es 80 Prozent, die das Herz an unser Gehirn sendet!
Online-Coaching-Programm our patterns
Mit diesen und anderen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen beschäftigen sich die Gründer*innen Jeanny und Teresa von our patterns, einem Online-Coaching-Programm aus Wien. Kurz vor meiner ersten Session mit Jeanny gaukeln mir meine Gedanken mal wieder ein Zukunftsszenario vor, das sich ziemlich sicher so nicht abspielen wird. Ihr kennt es bestimmt: „Warum meldet er/sie sich nicht? Habe ich vielleicht etwas Falsches gesagt? Was ist, wenn wir in einem Jahr noch immer keinen Schritt weiter sind?“
Jetzt schaltet sich der Verstand dazwischen: „Hallo? Byron Katies Buch schon vergessen? Glaube nicht alles, was du denkst!“ Und obwohl ich dachte, ich hätte diese irrgartenähnlichen Hirngespinste unter Kontrolle, tappe ich immer wieder in die Falle. Umso gespannter bin ich auf den Zoom-Call mit Jeanny …
Resonanz und Energie im Fluss
Nach einer Einführung in die Thematik (mehr dazu im Interview) steigen wir direkt in die Materie des Embodiment-Coachings ein. Als Thema wählen wir eine aktuelle Situation aus meinem Leben, zu der ich fünf Begriffe auf kleine Kärtchen schreibe und sie auf dem Boden linienförmig mit etwas Abstand ausbreite. Jeanny stellt die erste Frage, und schon überkommt mich eine Gänsehaut am ganzen Körper, gefolgt von Wärme und Kribbeln. Ich spüre, wie ich immer mehr mit dem Zustand und der Position in Resonanz gehe, eine Energie-Welle durch mich durch geht und mich in verschiedene Richtungen lenkt.
Nun stehe ich ganz vorne bei der „Gestaltung“ und werde ruhiger, das Kribbeln lässt etwas nach, ein Gefühl der Gelassenheit breitet sich aus. „Dreh dich nun mal um!“, sagt Jeanny. Hinter mir steht in Gedanken ein Herzensmensch, bei der Karte „Verantwortung“. Ich atme mehrmals tief in den Solarplexus hinein, bis ich plötzlich wie aus dem Nichts einen Schritt zurück gehe, als würde ein Magnet an mir ziehen. Jetzt stehen wir nebeneinander.
Der Knoten löst sich
Ich soll nach rechts schauen und blicke auf meine Büchersammlung von Paolo Coelho. Nun weiß ich, dass alles genauso wird, wie ich es mir gewünscht habe. Der Knoten in meinem Kopf löst sich, meine Gedanken bestimmen nicht mehr mein Handeln, denn mein Körper zeigt mir den Weg ins Vertrauen. Mein Fazit: Dieses Coaching hat mich absolut geflasht!
Mehr Infos dazu und einen kostenlosen Intuitions-Test findest du auf der Webseite intuition.ourpatterns.com. Für alle die Jeanny & Teresa persönlich erleben und auch Fragen stellen möchten, findet am 1.Juni 2021 von 19:30-20:30 ein kostenloses Webinar statt. HIER kannst du dich dafür anmelden. // Titelbild: Foto von Sarah Outeiro von Pexels
So verhelfen Probiotika und Präbiotika zu einem gesunden Darm
Zugegeben: Beim Essen denkt man nicht unbedingt gerne an die Verdauung. Dabei können wir unserem Darm mit jeder Mahlzeit viel Gutes tun, und dabei richtig lecker essen. Hier erfährst du alles über die Geheimnisse von Probiotika und Präbiotika und die alte Kunst des Fermentierens.
Wenn bei dir regelmäßig Kefir, Joghurt, Kombucha oder Kimchi auf dem Speiseplan stehen, dann weißt du es wahrscheinlich schon: Diese Nahrungsmittel strotzen nur so vor „guten“ Bakterien, die die Gesundheit des Verdauungssystems unterstützen. Dabei können diese so genannten „Probiotika“ noch einiges mehr als nur den Darm glücklich machen…
Bakterien und ihre Rolle im Darm
Was Bakterien wie der berühmte Lactobacillus acidophilus eigentlich genau im Darm-Mikrobiom bewirken (also in der Gesamtheit der Mikroorganismen, besser bekannt als „Darmflora“), das wird seit einigen Jahren intensiv erforscht – und die Ergebnisse sind ziemlich erstaunlich: „Offenbar kommunizieren die Bakterien- der Darmflora direkt mit dem Immunsystem, dem Stoffwechsel und sogar mit dem zentralem Nervensystem bis hin zum Gehirn“, erklärt Erica Sonnenburg, die gemeinsam mit ihrem Mann das Buch „Der gute Darm“ geschrieben hat und an der renommierten Stanford University als Mikrobiologin und Immunforscherin arbeitet. Wie die Darmbakterien das machen, ist noch nicht so richtig klar, aber ein wichtiger Schritt bei dieser geheimnisvollen Kommunikation scheint es zu sein, dass sie Chemikalien ausschütten, die ins Blut übergehen und dann an Rezeptoren in verschiedenen Geweben andocken. Auf diese Weise wird die Aktivität der angesteuerten Zellen verändert. Außerdem nähren sie die Innenwände unseres Verdauungstraktes und gewährleisten so seine Funktion: Lebenswichtige Nährstoffe werden aufgenommen, während Giftstoffe zugleich daran gehindert werden, in andere Körperteile überzutreten.
Gute Bakterien, schlechte Bakterien
Aber natürlich haben die „guten“ Darmbakterien auch gefährliche Gegenspieler, etwa den berüchtigten Clostridium difficile. Kommen diese „bösen“ Bakterien in die Überzahl, dann sind gesundheitliche Probleme vorprogrammiert: Verdauungsprobleme, Entzündungen, Immunschwäche, Allergien, aber auch Depression, Diabetes, Darmkrebs und sogar Herzerkrankungen können von einem gestörten Gleichgewicht im Mikrobiom des Darms ausgehen. Leider ist die moderne Lebensweise nicht besonders gut geeignet, um diese Balance aufrecht zu erhalten: Pingeliger Wohnungsputz, der Einsatz von Desinfektionsmittel und Antibiotika töten Bakterien ab, ohne Rücksicht darauf, wer hier zu den „Guten“ und wer zu den „Bösen“ gehört. Dazu kommt häufig eine Ernährung mit viel industriell verarbeiteten Lebensmitteln, die gesundheitsfördernden Bakterien genau die natürlichen Nährstoffe vorenthält, die sie zum Leben brauchen.
Die Folge: Die Diversität des Mikrobioms nimmt seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Im Darm von heutigen Menschen leben deutlich weniger verschiedene Arten von Bakterien als noch zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern. Das ist bedenklich, denn „eine robuste Gesundheit hängt eng mit der Vielfalt an Darmbakterien zusammen – während umgekehrt Krankheiten aller Art in Relation zum Verlust dieser Vielfalt stehen“, sagt der Arzt und Buchautor Leo Galland.
Mit Yoga und der richtigen Ernährung den Körper entgiften? Hier erfährst du mehr…
Die Darmflora in nur einem Tag verbessern
Das Gute ist: Wir können diesen Trend mit ziemlich einfachen Mitteln umkehren. Eine 2013 an der Harvard University durchgeführte Studie zeigte, dass die Balance der Darmflora schon an einem einzigen Tag, an dem man die „richtigen“ Dinge isst und die „falschen“ meidet, deutlich verbessert werden kann. Gerade wenn man bedenkt, dass die Bakterienzellen im Darm gut die Hälfte aller im Körper vorhandenen Zellen ausmachen, ist es entscheidend, dass man diese Zellen gut füttert. Dieses Veggie Ramen Rezept von Mara King ist dafür ein guter Anfang. King setzt dabei besonders auf fermentierte Nahrungsmittel. Ihr Credo: „Vergiss deine Angst vor Bakterien und stelle dir lieber vor, dass du mit Ihrer Ernährung einen inneren Garten pflegst, der dich gesund und fit hält.“
In drei Schritten zu einem gesunden Darm
1. Mehr fermentierte Lebensmittel
Fermentation ist eine uralte Technik, Lebensmittel mit Hilfe von Bakterien oder Hefen zum Gären zu bringen und zu konservieren. Die bekanntesten heimischen Produkte sind Joghurt und Sauerkraut, aber auch asiatische Fermente wie Kombucha, Kimchi oder Miso sind längst bei uns bekannt. Fermentierte Lebensmittel enthalten nicht nur viele förderliche Mikroorganismen, während des Gärens werden die Ausgangsprodukte auch aufgebrochen. Das erleichtert die Verdauung und macht wertvolle Nährstoffe wie Vitamin B und C, Eisen und Antioxidantien besser verfügbar. Außerdem entziehen die bei der Fermentation wirkenden Bakterien schädlichen Keimen im Darm die Nahrung und bringen so das Mikrobiom ins Gleichgewicht. Dabei haben die verschiedenen Stämme der Probiotika jeweils spezifische Eigenschaften. So hält zum Beispiel der Lactobacillus reuteri DSM 17938 das Verdauungssystem in Schuss, kann aber im Gegensatz zu seinem Verwandten Lactobacillus salivarius LS01 keine Ekzeme lindern. Da diese Feinheiten und die genaue Zusammensetzung der verschiedenen Fermente noch nicht gut erforscht sind, gilt: Je größer die Bandbreite an Probiotika ist, desto besser. Außerdem wichtig: Selbst eingemachte Lebensmittel sind die erste Wahl, denn beim längeren Lagern verändern sich die Probiotika.
Lies hier: Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?
2. „Gute“ Darmbakterien füttern
Die beste Nahrung für die erwünschten Darmbakterien sind so genannte Präbiotika, eine bestimmte Art von Kohlenhydraten, die der Körper nicht richtig aufspalten kann. Sie gehören zur Gruppe der löslichen Ballaststoffe. Ihre schlechte Verdaulichkeit führt dazu, dass sie in den Dickdarm wandern, wo die Bakterien sie zersetzen und sich dabei an ihnen nähren. Ein bedeutsames Nebenprodukt dieses Vorgangs sind die kurzkettigen Fettsäuren, ein wichtiger Nährstoff nicht nur für die Zellen im Inneren des Dickdarms, sondern auch für Darmflora allgemein. Präbiotika sind also so etwas wie ein Dünger, der den Verdauungstrakt gesund und im Gleichgewicht hält, doch leider spielen sie in der modernen Ernährung eine viel zu geringe Rolle. Man findet sie vor allem in Spargel, Fenchel, Knoblauch, Lauch, Linsen, Zwiebeln, Erbsen, Granatäpfeln, Nektarinen und Wassermelonen. Eine Sonderrolle unter den Präbiotika spielen die resistenten Stärken, die unter anderem in Bananen, Bohnen, Nudeln und Reis vorkommen.
Sie nähren nicht nur die „guten“ Darmbakterien, sondern erleichtern auch die Aufnahme von Kalzium, verbessern den Zuckerstoffwechsel und angeblich auch die Fettverbrennung. Interessanterweise variiert der Anteil an resistenten Stärken je nach Temperatur und Reifegrad. Besonders günstig sind zum Beispiel abgekühlte Nudeln und Kartoffeln und nicht allzu reife Bananen.
3. Schädliche Nahrungsmittel meiden
Zuguterletzt gilt es dann, bei der Ernährung alles zu meiden, was eine gesunde Darmflora stört: vor allem zu viel Zucker, raffinierte Kohlenhydrate und ungesunde, industriell verarbeitete Fette. Ihnen fehlen die Ballaststoffe, die „gute“ Darmbakterien zum Leben brauchen. Die Folge: Ihre Zahl und Diversität nimmt ab. Gleichzeitig füttern sie aber die problematischen Bakterien und bringen so die Darmflora vollends aus dem Gleichgewicht.
Text: Karen Ansel, Ernährungsberaterin und freie Autorin.
„Yoga als dreidimensionale Kunst“: Simon Park im Interview
Yoga-Legende Simon Park hat auf der ganzen Welt unterrichtet und seinen eigenen Yogastil gegründet: Liquid Flow Yoga. Im Interview mit YogaWorld teilt der Wahl-Münchner seinen Lebens – und Yogaweg mit uns und verrät, wie er die Zukunft der Yogawelt einschätzt.
Der erstaunliche Yogaweg von Simon Park begann 1995 mit Shiva Rea an der Universität von Los Angeles. Es folgte eine Yogalehrerausbildung mit Maty Ezraty beim ersten YogaWorks in Kalifornien. Später unterrichtete er landesweit und zog nach New York, wo er im Exhale Studio arbeitete und die Körpertherapie namens „Body Enlightening“ entwickelte. Seine Yoga-Reise führte ihn neben Asien und Australien schließlich nach Europa, vor allem nach Paris und Barcelona und München – Kein Wunder also, dass er vom US-Yoga Journal unter die 21 einflussreichsten Yogalehrer*innen unter 40 gewählt wurde.
Wegen seiner Liebe zu den Bergen und zum Wandern lebt Simon mittlerweile in München, wo er im Kale and Cake Studio mit Sinah Diepold unterrichtet und Yogalehrerausbildungen leitet – einmal im Jahr sogar in den französischen Alpen. Höchste Zeit, dass er dem deutschen Yogaraum Frage und Antwort steht …
Simon, schön dich kennenzulernen und danke, dass du dir heute Zeit für unser Interview nimmst! Was hat dich persönlich zum Yoga gebracht?

Alles begann mit einer Verletzung nach einem Motorradunfall. Zuerst habe ich Physioptherapie probiert, dann aber schlug mein Nachbar in Venice Beach Yoga vor. Also meldete ich mich bei einer Klasse an der Uni an und traf dort Shiva Rea. Sie war erst 27 und hatte Ashtanga bei Chuck Miller und Maty Ezraty gelernt. Damals trainierten großartige Lehrer*innen bei Yoga Works: Rod Stryker, Sean Corne, Baron Baptiste usw. Dort habe auch ich damit begonnen, sehr intensiv zu praktizieren und Ashtanga und Iyengar zu lernen. Dann wurde Maty Ezraty mit seinem Mysore Stil mein Hauptlehrer. Nach meiner Ausbildung zog ich zunächst zurück nach Philadelphia und übte dort mit Joan White, einer direkten Schülerin von BKS Iyengar. Dabei nahm ich besonders viel von den Grundlagen und dem Alignment der Asanas mit. Ab meiner Ausbildung 2000 unterrichtete ich in Vollzeit. Ich verband mich wieder mit Shiva Rea, die damals nationale Anerkennung erreicht hatte. Ihr durfte ich bei der Yoga Journal Konferenz assistieren. Das gab mir die Möglichkeit, noch mehr großartige Lehrer*innen zu treffen wie Rodney Yee, John Friend, Richard Freeman, Ana Forrest und viele weitere.
Wow, du hast echt bei vielen bekannten Größen geübt. Wenn Schüler*innen nach ihren Lehrer*innen suchen, auf was sollten sie achten?
Ich habe mit Yoga begonnen, als Lehrer*innen noch nicht so wie Rockstars behandelt wurden. Ganz im Gegenteil: Abgesehen von den indischen Meister*innen gab es nur sehr wenige im Westen bekannte Yogalehrer*innen. Ihre Bekanntheit hing ab von ihrer Erfahrung bei der Praxis und ihrem dynamischen Unterrichtsstil. Ich persönlich suche nicht nach Lehrer*innen wegen ihres Ruhms. Meine erste Lehrerin, Shiva Rea, war noch ziemlich unbekannt. Als ich Maty Ezraty traf, hatte ich keine Idee, dass sie die Leiterin einer großen Yogaschule war und eine richtige Legende. So war das für mich ein relativ intuitiver Prozess.
Dann sollten die Schüler*innen also mehr auf ihre Intuition vertrauen und weniger auf Bekanntheit achten?
Der Schlüssel ist die Verbindung oder der Vibe. Oft kann man lange gar nicht genau sagen, was einen an dieser Person fasziniert. Besonders wichtig ist es, sich von den Lehrer*innen gesehen zu fühlen. Mit all deinem Potential und deinen Herausforderungen. Sie sollten darüber hinaussehen können, wie du in einer bestimmten Pose aussiehst. Man findet sich irgendwie gegenseitig. Was all meine Lehrer*innen gemeinsam hatten war folgendes: Egal, wie berühmt sie waren, sie konnten ihre Präsenz vielen Individuen gleichzeitig schenken. Dadurch bekommen die Schüler*innen eine einzigartige Verbindung zu ihnen.
Welche Lehrer*innen haben dich am meisten berührt?
Ich hatte ja sehr viele verschiedene Hauptlehrer*innen, was wahrscheinlich viel aussagt über das, was ich für meine Entwicklung gebraucht habe. Ich suche mir in den meisten Bereichen des Lebens das aus, was für mich passt: bei Kunst, Musik, Freunden, Reisen. Die Vielfalt meiner Lehrer*innen machte das Lernen umso interessanter. Shiva kommt aus Kalifornien, ist ein Freigeist, eine Tänzerin und eine Rebellin. Maty war eine wahre Technikerin, aufregende Motivatorin und die Meisterin, dein Potential zu erkennen. Richard für seinen Teil war ein genialer Professor mit seinem Kopf bei den Sternen und auf der Yogamatte in die hinduistische Mythologie geerdet. So hat jede/r seine/ ihre Vorzüge.
Was empfiehlst du Yogi*nis die auf der Suche nach dem/r richtigen Lehrer/in an einen Ort gebunden sind?
Heutzutage ist die Auswahl an Yogaunterricht sehr breit durch das Online Yoga. Trotzdem würde ich empfehlen, mit einer/m lokalen Lehrer*in zu üben, die du regelmäßig sehen kannst. Am besten natürlich mehrmals die Woche. Wenn du in deiner Praxis fortgeschritten bist, kann das auch einmal im Jahr oder alle paar Jahre stattfinden. Wenn Schüler*innen mit der richtigen Absicht suchen, gibt es Lehrer*innen. So kann ein tiefer Wachstumsprozess stattfinden. Das beste, was Lehrer*innen eigentlich für ihre Schüler*innen machen können, ist sie von Tag eins darauf vorzubereiten, dass sie sich frei entwickeln und auch irgendwann weiter ziehen.

Und weitergezogen bist du und hast dabei die Welt bereist. Worin unterscheidet sich in deinen Augen die Yogaszene in den USA und von der in Deutschland?
Zur Zeit gibt es neben vielen Gemeinsamkeiten auch ein paar große Unterschiede. Die Parallelen kommen daher, dass wir im Informationszeitalter leben. Zudem hatten viele US-amerikanische Lehrer*innen großen Einfluss auf die Szene in Deutschland, wie etwa Jivamukti in Berlin und München. Sharon Gannon und David Life inspirierten ein paar Schlüsselfiguren in der Entwicklung und der Verbreitung von Yoga in Deutschland: Patrick Broome, Gabriela Bozic und Petros Haffenrichter. Vor der Eröffnung von Jivamukti München folgten deutsche Yogi*nis meistens der Shivananda Tradition.
Wie denkst du kam es dazu?
Die breite Bevölkerung nahm Yoga als New-Age-Spiritualität war. Die meisten Lehrer*innen übten mit US-amerikanischen Yogi*nis, wie beispielswiese Christine May und Barbara Noh. Die Lehrerinnen wurden immer bekannter und so verbreitete sich der relativ neue amerikanische Yogastil in Deutschland. Das ist die Grundlage der deutschen Yogaszene. Aber auch andere bekannte eklektische Yogalehrer*innen wie Young Ho-Kim und Sinah Diepold orientierten sich am US-amerikanischen Yoga und dessen Trends. Dieses Phänomen hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Dadurch verbreitete sich das positive Charisma, die Weisheit und die Leidenschaft, die die bereits genannten Lehrer*innen mitbrachten. Sonst wäre Yoga in Deutschland nicht so bekannt. Anschließend begannen auch sie ihre eigenen Stile zu entwickeln, was ich als gesunde Entwicklung betrachte. Heute hat die deutsche Yogaszene ein eigenes Leben. Ich persönlich finde sie sehr aufregend, aufblühend und genau am Puls der Zeit.
Young Ho Kim über Yoga-Evolution: Warum “Inside Flow” pure Expression ist
Auch du hast mit Liquid Flow Yoga deinen eigenen Stil entwickelt …
Liquid Flow Yoga ist einerseits die Synthese aus den Stilen, die ich von der Abstammungslinie meiner Lehrer*innen mitnehmen durfte. Allerdings sind diese Erkenntnisse natürlich durch meine einzigartige Weltanschauung wie durch ein Prisma gefiltert. Lange war mein Unterricht wie eine Kopie der Personen, von denen ich gerade lernte. Wenn ich mehr mit Shiva lernte, dann unterrichtete ich ihren Flow. Wenn du noch nicht so viel Erfahrung hast, dann macht das dein Lernen etwas schizophren: Du springst von Stil zu Stil und von Lehrer*in zu Lehrer*in. Ich musste dadurch erst lernen, allen Input durch meine Brille zu filtern und nur das zu behalten, was sich für mich und meine Schüler*innen stimmig anfühlte. Man saugt zuerst alles auf und kopiert. Anschließend muss sich das Potpourri an Informationen und Techniken erst setzen. An einem Punkt erkennt man dann seinen eigenen Stil. Dann kannst du dich und deine Persönlichkeit einzigartig ausdrücken. Diese Entwicklung spiegelt die von den meisten Künstler*innen.
Ein Mittel zum Ausdruck ist Musik und genau die spielt auch eine wichtige Rolle in deinen Workshops.
Ich sehe da eine große Parallele zwischen den beiden Welten Musik und Yoga. Auch Vinyasa Flow profitiert von großartiger Musik. Ich höre am liebsten Bruce Springsteen, Jimi Hendrix, und The Rolling Stones. Auch hier bin ich Fan von vielen Genres und Stilen und arbeite selbst gerne mit Live Musik bei meinen Workshops. So sehe ich auch Yoga als eine fluide Kunst an, nicht als Sammlung von exakten Techniken und Informationen. Das war für mich ein sehr langer Prozess, der bis heute anhält. Nach all den Jahren entwickelt sich auch meine Yoga- und Unterrichtspraxis immer noch weiter und gewinnt an Tiefe. Ich freue mich sehr, dass auch die nächste Generation Yoga übt. Außerdem bin ich gespannt, wie sich Yoga noch weiterentwickeln wird.
Wenn du dir die Zukunft von Yoga vorstellst, was siehst du?
Da ist natürlich das Internet der „Elephant in the Room“. Der Lockdown hat aber nicht nur die Entwicklung hin zum Online Unterricht verschnellert. Sondern auch den Kult um die Person der Yogaleher*innen. Einerseits hat das viele Vorteile, z.B. ist Yoga dadurch für viele erreichbarer geworden. Die Preise sind runtergegangen; so kann man für wenig Geld gutes Yoga finden. Viel mehr Menschen können von der Wissenschaft des Yoga profitieren.
Ich spüre ein ABER …
Ja, das Ganze hat auch eine Schattenseite. Die Qualität des Unterrichts und das Üben online kann nicht die Live-Klasse mit einem erfahrenen Lehrer ersetzen. Manche Dinge kann man nicht oder weniger klar und deutlich vermitteln, wenn man mit Video oder Audio übt. Yoga ist eigentlich eine mindestens dreidimensionale Kunstform. Video kann nur zwei Dimensionen vermitteln und alles andere nur ankratzen. Ich erkenne auch die Chancen von Plattformen wie Instagram. Wenn Praktizierende hartnäckig und begeistert üben, dann kann man online schon einen großen Fortschritt machen.
Hast du eine Empfehlung bezüglich Online Yoga?
Wie bei jeder Disziplin müssen die Methoden und die Inhalten in den entsprechenden Kontext gebracht werden. Bei Yoga gehören die verschiedenen Yogi*nis und die über 5000 Jahre alte Tradition zum Kontext. Eine wichtige Person, die es geschafft hat, die alte yogische Tradition ins moderne Zeitalter zu überführen, ist Krishnamanchaya. Er unterrichtete Pattabhi Jois, BKS Iyengar, Indra Devi und TKV Desikachar – der Lehrer der Lehrer*innen. Er unterrichtete nur eine/n Schüler*in zur selben Zeit, weil die Praxis individualisiert am meisten Vorteile birgt. Mit den Samen, die er in seine Schüler*innen setzte, sorgte er trotzdem dafür, dass sich Yoga über den gesamten Erdball verbreitet. Der standardisierte Unterricht vor vielen ist ein Schritt weg von der Lehre Krishnamacharyas. Für mich fühlt sich dann Online-Unterricht noch einen Schritt ferner davon an. Vielleicht sorgt das breite Angebot von Lehrer*innen auch dafür, dass man gar nicht mehr intensiv von einer Person lernt. Das ist allerdings entscheidend gewesen für meinen persönlichen Yogaweg. Am Ende geht es wieder darum, Balance zu finden. Wenn Schüler*innen tiefer zur Praxis finden, werden sie auch nach tieferem Wissen suchen. Und die Intuition wird sie oder ihn zu den richtigen Lehrer*innen bringen.

Simon Park ist ausgebildet in Ashtanga, Iyengar und Vinyasa. Auch du kannst bei Kale and Cake in München mit Simon privat oder gemeinschaftlich trainieren und dich von ihm ausbilden lassen. Zudem hofft er, Liquid Flow, seinen selbst entwickelten Yogastil, bald wieder weltweit unterrichten zu können.
Mehr Infos über Simon Park auf seiner Website www.liquidflowyoga.com oder auf Instagram.








