Einer der Gründe, warum eine regelmäßige eigene Asana-Praxis so wichtig ist: Hier hast du Raum, dich deiner inneren Führung zu überlassen. Yoga ist nicht gebunden an einen Kanon festgeschriebener Haltungen und Abfolgen. Jede Haltung, jede Bewegung kann Yoga sein, wenn du sie in dieser feinen Achtsamkeit ausführst.
Text: Stephanie Schauenburg, Titelbild: Tabitha Turner via Unsplash
Die Stimme der Verbundenheit
Im Hinduismus gilt Saraswati „die Fließende“ nicht nur als Göttin der Künste und der Gelehrsamkeit, sie wacht auch über unsere Inspiration. Als Inbegriff der Weisheit hilft sie uns, Vertrauen in unsere Intuition zu fassen und zugleich genau zu unterscheiden zwischen der Stimme des höheren Selbst und den Täuschungen des Ego. Das Saraswati geweihte Mantra unterstützt dich auf diesem Weg und verbindet dich mit dieser Kraft:
Om shrim hrim sarasvatyahe namaha
Stelle dir folgende Fragen für intuitives Üben: Wo zieht es dich hin? Welche Bewegung wünscht sich dein Körper jetzt? Wie lange willst du in der Haltung bleiben? Was folgt als nächstes? Welche Empfindungen löst eine bestimmte Haltung aus: im Körper, im Atem, im Geist? Wie wird eine Asana zum Ausdruck deiner Befindlichkeit, deiner Körperlichkeit, deiner Lebendigkeit?
Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.
Albert Einstein
1. Raum schaffen
Intuition kommt aus dem Inneren – ohne Zeit für dich selbst, ohne einen Raum für Stille und Innerlichkeit in deinem Leben kannst du ihre Botschaften kaum hören. Mit Yoga tust du genau das: Du gibst dir Gelegenheit für tiefe Entspannung, du erhöhst deine Achtsamkeit und schulst deine Wahrnehmung. So kannst du die Vorgänge in deinem Körper und deinem Geist immer feiner und bewusster beobachten und ihre Signale erkennen.
→ Deswegen ist eine regelmäßige Yogapraxis schon per se ein guter Weg, um dich für deine Intuition zu öffnen. Nimm dir genügend Zeit für deine individuelle Praxis, für die Körperwahrnehmung, aber auch für Stille. Besonders die Meditation eröffnet dir Zugang zu einem nach innen gerichteten Gewahrsein. Nicht umsonst gilt sie als die wichtigste Technik zur Förderung der Intuition.
2. Verbindung herstellen
Yoga ist in seiner Essenz ein Weg zu mehr Verbundenheit: In der Asana-Praxis verbinden wir uns mit unserem Körper, unserem Atem. Wir beobachten unsere körperlichen Empfindungen, aber auch unsere emotionalen Reaktionen, unsere Widerstände und Denkmuster. So schaffen wir über den Körper mehr Verbindung nach innen und durchdringen die verschiedenen Schichten (Koshas), die unser wahres Selbst umgeben. Zugleich wird uns auf diesem Weg auch unser Angebundensein an ein größeres Ganzes immer bewusster: Wir sind Teil des unendlichen, alles durchdringenden Geflechtes des Lebens, wir sind im ständigen Austausch und wir schöpfen aus dieser Quelle. Intuition ist zugleich ein Ausdruck dieser Anbindung als auch ein Mittel, sich ihrer bewusst zu werden.
→ Im Yoga kultivieren wir Intuition gezielt mit Techniken wie der Meditation, mit der Konzentration auf das dritte Auge (Ajna Chakra), aber auch mit bestimmten Mantras und Mudras. Dabei ist es wichtig, anzuerkennen, dass die Sprache der Intuition individuell sehr verschieden sein kann: Bei manchen ist sie eher visuell geprägt, bei anderen zeigt sie sich in Körperempfindungen, einige haben einen starken Zugang zu Synchronizität, andere hören die Botschaften ihrer inneren Stimme in Worten. Wie immer im Yoga tun wir auch hier gut daran, diese Individualität zu erkennen und zu würdigen.
3. Vertrauen finden
Yoga hilft dir, dich mit der Zeit immer besser kennenzulernen. Je verbundener du mit dir selbst bist, je feiner du die Hinweise deines Körpers und die Muster deines Geistes wahrnehmen kannst, desto leichter wird es dir fallen, die Sprache deiner Intuition zu erkennen und Vertrauen in ihre Botschaften zu fassen. Dabei ist es wichtig, genau zu unterscheiden: Was kommt wirklich aus dieser überbewussten Quelle und was ist eher Projektion des Ego, Ausdruck deiner Wünsche, Ängste und Muster?* Swami Kriyananda nennt drei Merkmale für intuitives Wissen: Ruhe, Klarheit und Freude.
→ Wie generell im Yoga kannst du auch bezogen auf deine Intuition ganz pragmatisch vorgehen: indem du übst, beobachtest, forschst und es immer wieder neu ausprobierst. So wirst du mit der Zeit ganz natürlich ins Vertrauen finden und dich deiner inneren Führung nach und nach besser überlassen können.
*Ist es wirklich deine Intuition, die zu dir spricht, oder bildest du dir das nur ein? Die Unterscheidung zwischen wichtiger Botschaft und Hirngespinst fällt nicht immer leicht. Aber es gibt hilfreiche Hinweise. Im YogaWorld Journal 01/2025 erklärt Isabelle Fontaine, wie du lernen kannst, dich deiner inneren Stimme anzuvertrauen.Hier kannst du dir das Heft bestellen:
Ich glaube, ich habe mich ein wenig vernachlässigt. Die letzten Jahre war ich vor allem eines: Mama. Und so sehr ich diese Rolle liebe, habe ich dabei verlernt, auf mich selbst zu achten. Damit ist jetzt Schluss! 2025 wird mein Jahr – das Jahr, in dem ich mich selbst wieder mehr in den Mittelpunkt stelle. Und mir wieder etwas gönne – wie z.B. meine tägliche Portion AG1. //anzeige
Selbstfürsorge: Warum ich wieder mehr auf mich achte
Mir ist klar geworden, dass ich dringend etwas ändern muss. Ich möchte wieder mehr auf das hören, was ich brauche, auf meine Wünsche, meine Grenzen und vor allem auf meine Gesundheit achten. Das bedeutet für mich: regelmäßige Bewegung, frische Luft, ausreichend Schlaf und eine gesunde und bewusstere Ernährung. Aber es heißt auch, mir regelmäßig kleine Auszeiten zu gönnen. Mal einen Abend allein in der Therme verbringen, mal etwas Neues zum Anziehen kaufen – all diese Dinge helfen mir, mich besser zu fühlen und wieder bei mir selbst anzukommen.
Meine neue Morgenroutine: Struktur für einen entspannten Start
Damit ich meine Ziele wirklich umsetzen kann, habe ich mir eine neue Morgenroutine aufgebaut. Morgens sehr früh aufzustehen gibt mir die Möglichkeit, in Ruhe in den Tag zu starten. Mein erster Kaffee ist dabei ein heiliger Moment, während dem ich langsam wach werde. Danach schmiere ich die Pausenbrote, helfe den Kids beim Suchen dieser einen frechen Socke, kümmere mich um erste Sorgen. Sobald die beiden aus dem Haus sind, gönne ich mir eine ruhige Auszeit am Küchentisch. Dort trinke ich mein AG1 – mein ganz persönliches Ritual, das ich richtig zu schätzen gelernt habe.
Früher hätte ich an dieser Stelle wohl meinen zweiten Kaffee getrunken, um mich für den Rest des durchgetakteten Tages zu wappnen. Jetzt genieße ich stattdessen mein Glas AG1 und überlege, was heute Priorität hat, was im Job so ansteht und ob wir vielleicht irgendein Highlight in den Tag integrieren können. Es fühlt sich an wie erstes kurzes Durchatmen und AG1 ist dabei mein leckeres Mini-Frühstück, das mir Energie für den Tag gibt. Besonders mag ich, dass es so einfach und schnell zubereitet ist.
Was sich verändert hat, seit ich AG1 trinke
Seitdem ich AG1 in meinen Alltag integriert habe, merke ich, dass meine Nägel und Haare widerstandsfähig sind. Ich vermute, das liegt an den Inhaltsstoffen wie Biotin, Zink und Selen. Klar, diese Stoffe gibt es auch in anderen Nahrungsergänzungsmitteln, aber bei AG1 bekomme ich Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Bakterienkulturen, Pflanzenstoffe und hochwertige Pilze gebündelt in einer Portion. Besonders gut finde ich, dass ein Vitamin-B-Komplex, Vitamin C, Phosphor und Mangan enthalten sind. Diese Mischung gibt mir das Gefühl, gut versorgt zu sein und den Energiekick, den ich für meine vollen Tage brauche. Dickes Pro: Die Wirkung ist mittlerweile sogar durch eine klinische Studie bestätigt. (Schaut mal hier vorbei.)
Mein „weil ich es mir wert bin“- Moment
Anfangs habe ich überlegt, ob ich das Geld wirklich dafür ausgeben möchte. Aber heute sehe ich es als kleine Investition in mich selbst. AG1 ist für mich nicht nur irgendein Produkt – es ist zu einem festen Bestandteil meiner Morgenroutine geworden und erinnert mich jeden Tag daran, wie wichtig es ist, auch mal an mich zu denken. Es fühlt sich gut an, mir das zu gönnen und dabei zu wissen, dass ich meinem Körper etwas Gutes tue.
2025: Mein Jahr der Selbstfürsorge
Dieses Jahr steht für mich unter einem ganz besonderen Stern: Ich möchte mich wieder auf mich selbst besinnen und lernen, besser auf meine Bedürfnisse zu achten. Es tut einfach gut, bewusste Entscheidungen zu treffen, die mir helfen, mehr Balance und Struktur in meinen Alltag zu bringen und seit einigen Wochen gehört AG1 da definitiv dazu. Schritt für Schritt fühle ich mich wieder mehr wie ich selbst – und ich freue mich darauf, diesen Weg konsequent weiterzugehen. 2025 wird mein Jahr – mein persönlicher Neuanfang! Du willst AG1 testen, bist aber noch unsicher? AG1 hat eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie. Probiere es einfach mal aus!
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Sitzhaltungen sind das Kernstück der Yogapraxis, egal ob beim Üben von Asanas, bei Atemübungen oder in der Meditation. Die Münchner Yogalehrerin Jessina O’Connell zeigt dir anhand dreier klassischer Sitze und jeweils drei Variationen, worauf es ankommt – damit du dich mühelos in der Gegenwart verankern und gelöst in die Zukunft blicken kannst.
Text und Sequenz: Jessina O’Connell / Fotos: Christian Boehm / Outfit: OGNX
Sthirabedeutet im Sanskrit „fest“, „stabil“, „beständig“,ist aber auch ein Name für die Pflanze Shalaparni (Wandelklee). Mit ihrer langen Pfeilwurzel steht sie fest und stabil in der Erde und wirkt auch als ayurvedisches Heilmittel stabilisierend: Sie kräftigt und beruhigt und kann so helfen, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen. Mit diesem inneren Bild wenden wir uns unserer Yogapraxis zu. Auch sie kann die Energien in Körper und Geist ausgleichen, wenn sie fest, stabil und beständig ist. Entsprechend schreibt Patanjali in Yoga Sutra 2.46, Asanas sollten sthira sein, gleichzeitig aber auch sukha: freudvoll, glücklich, leicht. Wie beim Wandelklee kann nämlich aus Kraft und Stabilität eine Leichtigkeit erblühen und uns Freude machen.
„sthira-sukham asanam“: Die (Sitz-)Haltung soll fest und freudvoll sein.
In seinem Ursprung bezeichnet das Wort Asana allerdings nicht alle Körperhaltungen, es bezieht sich zunächst auf as, den Sitz. Gemeint war damit vermutlich ursprünglich die Meditation. Aber auch hier gilt ja: Durch eine feste Verwurzelung können wir ganz in der Gegenwart ankommen und davon ausgehend nach unten (unsere Vergangenheit) und oben (unsere Zukunft) wachsen. Der stabile, aufrechte Sitz dient dazu, in der Gegenwart Festigkeit und Sicherheit zu erfahren, die Möglichkeit zu haben die Vergangenheit loszulassen und sich für die Zukunft zu öffnen. Wie der Wandelklee fest mit seinen Wurzeln im Boden verankert ist und aus der Erde Kraft für das Wachsen in den Himmel schöpft, so schöpfen auch wir aus einem stabilen Sitz Kraft für Neues. Die Wurzeln unseres Sitzes halten uns aufrecht, damit wir mühelos nach oben streben und unsere Gedanken loslassen können. Wie die Blüten des Klees lassen auch wir die Wolken unserer Gedanken am blauen Himmel des Geistes vorüberziehen und wachsen weiter in Richtung Licht.
Die folgende Sequenz kann als Vorbereitung für die Meditation dienen, sie ist aber auch eine eigene Praxis, die dir hilft, dich zu erden und die Aufmerksamkeit von außen nach innen zu richten. Wir üben drei klassische Sitzhaltungen in jeweils drei Variationen: Die aufrechte Variante verbindet uns mit dem Hier und Jetzt. In der Vorwärtsbeuge dehnen wir die Körperrückseite, die für alles steht, was hinter uns liegt. So gehen wir in den Kontakt mit unserer eigenen Vergangenheit und machen uns zugleich von ihr frei. Umgekehrt bereiten uns die Rückbeugen auf die Zukunft vor und auf alles, was wir nicht kontrollieren können, denn wir weiten unsere Vorderseite und unser Herz. So üben wir uns in Akzeptanz und Vertrauen für alles was ist, war und sein wird.
Bevor du beginnst:
Um dich aufzuwärmen und den Kreislauf in Gang zu bringen, kannst du mehrere Runden Sonnengrüße üben.
Die Fotos zeigen die klassischen Positionen, aber wie immer im Yoga geht es nie darum, dieses äußere Bild zu erfüllen: Nähere dich jeder Haltung behutsam und arbeite gegebenenfalls wie im Text beschrieben mit Hilfsmitteln.
Lass dir Zeit, um die unterschiedlichen Wirkungen der Varianten wahrzunehmen, jeweils etwa 15 Atemzüge.
Die Praxis ist intensiv, vor allem für Hüften, Leisten und Knie. Übe daher mit sanfter Achtsamkeit für deinen Atem und mit Respekt vor deinen Grenzen. Höre auf deinen Körper und vermeide vor allem jegliche Spannung.
Baddha Konasana – gebundene Winkelhaltung
1. Aufrechter Sitz
Strecke die Beine im Sitzen zunächst nach vorne in Dandasana (Stabhaltung) aus. Dann legst du die Fußsohlen aneinander, ziehst sie zu dir und lässt die Knie nach außen sinken. Schiebe die Fersen gegeneinander und aktiviere sanft die Beine. Die Hände greifen zu den Füßen, die Brust hebt sich und die Wirbelsäule streckt sich lang. Du atmest ruhig und bewusst. Dabei spürst du den Boden unter dir, deine Erdung, deinen Halt und nimmst wahr, wie du dich aus dieser stabilen Basis kraftvoll nach oben aufrichten kannst.
Mögliche Hilfen: Setze dich erhöht auf ein Kissen oder die Kante von einer oder mehreren gefalteten Decken. / Ziehe die Füße nicht so dicht heran. / Lege Blöcke unter deine Oberschenkel.
2. Vorwärtsbeuge
Sitze aufrecht und aktiviere die Beine, indem du die Fußsohlen noch mal deutlich gegeneinander schiebst. Wenn möglich, ziehst du deine Fußsohlen nach oben, als würdest du ein Buch öffnen. Entspanne deine Schultern, bevor du dich mit langer Körpervorderseite nach vorne beugst. Versuche dabei, dich nicht in die Haltung zu schieben, stattdessen atmest du ruhig und bewusst, entspannst die Leisten und lässt dich nach und nach tiefer sinken. Spüre die Dehnung und die Atembewegungen an deiner Rückseite, nicht nur in der Mitte des Rückens, sondern auch am Kreuzbein und an deinem Hinterkopf. Jede Einatmung hilft dir, die Länge im Oberkörper zu betonen, jede Ausatmung erlaubt dir, dich sinken zu lassen.
Mögliche Hilfen: Schiebe die Füße weiter von dir weg. / Stelle einen Hocker vor dich und lege die Arme und eventuell die Stirn darauf ab.
3. Rückbeuge
Ausgehend von der aufgerichteten Variante legst du dich achtsam zurück. Dabei stützt du dich zunächst auf die Hände, dann auf die Unterarme, bis dein Rücken flach und entspannt am Boden liegt. Die Arme kannst du längs des Körpers oder leicht diagonal am Boden ausbreiten. Spüre den Kontakt zum Boden, wie er dich trägt und hält. Dann nimm Verbindung auf zu deiner Körpervorderseite und zu ihrem Kontakt mit dem Raum, der dich umgibt. Atme ruhig und entspannt.
Mögliche Hilfen: Lege eine gerollte Decke oder ein Bolster unter die Wirbelsäule. / Eine gefaltete Decke oder ein flaches Kissen stützt deinen Kopf, falls dein Nacken zu stark nach hinten abknickt.
Vajrasana – Fersensitz
1. Aufrechter Sitz
Setze dich aus dem Kniestand kommend mit möglichst geschlossenen Knien und Füßen auf deine Fersen. Dabei zeigen deine Füße gerade nach hinten. Halte Beine und Füße dabei aktiv und richte dich von dieser Basis aus lang nach oben auf. Lege deine Hände entspannt in den Schoß und nimm den Druck aus deinen Schultern und dem Gesicht. Spüre deinen Atem und die Wirkung dieser Haltung – stabile Wurzeln unten, Freude und Leichtigkeit in der Entfaltung nach oben.
Mögliche Hilfen: Lege eine gefaltete Decke auf deine Matte. / Öffne Knie und Füße etwas weiter, achte dabei darauf, dass sie weiterhin parallel sind. / Setze dich erhöht auf einen oder zwei Blöcke oder lege eine gefaltete oder gerollte Decke in deine Kniekehlen. / Um Druck von den Fußrücken zu nehmen, schiebst du je ein Paar zusammengerollte Socken unter die Fußgelenke.
2. Vorwärtsbeuge
Lege aus dem aufrechten Fersensitz die Stirn am Boden ab. Die Hände kannst du in einer entspannten Haltung vor dir auf dem Boden platzieren oder du greifst wie auf dem Foto hinter dem Rücken mit einer Hand das andere Handgelenk und legst dort Zeigefinger und Daumen in Chin-Mudra aneinander. Nimm dir auch in dieser Vorwärtsbeuge Zeit für die Dehnung und für ein vertieftes Bewusstsein von Atmung und Körperrückseite. Lass los.
Mögliche Hilfen: Lass deine Stirn auf einer gefalteten Decke oder einem Kissen ankommen. / Wenn sich der Po in der Haltung von den Fersen löst, legst du eine Decke dazwischen.
3. Rückbeuge
Um dich Schritt für Schritt in die Rückbeuge zu begeben, stellst du zunächst im aufrechten Sitz die Fingerspitzen knapp hinter deinen Hüften auf, hebst die Brust und lehnst dich behutsam nach hinten. Vielleicht genügt das schon. Ansonsten versetzt du die Hände noch ein Stück zurück und setzt sie flach auf. Lasse die Großzehballen dabei möglichst dicht aneinander.
Bei der nächsten möglichen Position stützt du dich auf den Unterarmen auf. Wenn sich dabei die Knie etwas öffnen, ist das in Ordnung, versuche aber, die Körpervorderseite aktiv zu halten und ziehe dazu deine Rippenbögen nach innen. Hebe behutsam dein Kinn und bewege den Kopf nach hinten, wenn möglich, legst du deinen Scheitel am Boden ab.
Nur wenn du ganz entspannt in dieser intensiven Rückbeuge bleiben kannst, führst du zum Schluss noch die Arme über dem Kopf nach hinten und legst die Hände aneinander. Das ist aber nicht das Ziel! In allen Stadien kannst du spüren, worum es in dieser Haltung geht: um die Dehnung deiner Vorderseite und die vertrauensvolle Weite des Herzraums.
Mögliche Hilfen: Stütze die Hände hinter dem Körper auf Blöcken auf. (Vorsicht: Falls du eine Decke untergelegt hast, könnten die Blöcke rutschen, also die Decke besser einschlagen.)
Padmasana – Lotussitz
1. Aufrechter Sitz
Padmasana solltest du nur üben, wenn deine Hüftgelenke entsprechend flexibel sind, die Verletzungsgefahr für die Knie ist ansonsten hoch. Ziehe dazu zunächst aus dem aufrechten Langsitz (Dandasana) den linken Fuß auf deinen rechten Oberschenkel und lege ihn möglichst dicht an die Leiste. Nur wenn das linke Knie dabei mühelos und ohne Spannungsgefühl den Boden berührt, ziehst du auch das rechte Fußgelenk zu dir heran und legst den Fuß nahe der Leiste auf den linken Oberschenkel. Alternativ bleibst du beim halben Lotossitz, bei dem der rechte Fuß unter den linken Oberschenkel gezogen wird. Halte Füße, Beine und Sitzfläche aktiv und richte dich aus dieser Kraft heraus locker auf. Spüre deinen Atem.
Mögliche Hilfen: Der volle und der halbe Lotossitz wird durch Hilfsmittel nicht wesentlich erleichtert. Alternativ übst du Siddhasana, den Sitz mit überkreuzten Füßen. Hier kannst du die Sitzfläche mit Decke oder Kissen erhöhen und die Knie mit Blöcken abstützen.
2. Vorwärtsbeuge
Wenn du entspannt im halben oder vollen Lotos sitzt, beginnst du, dich Schritt für Schritt an die Vorwärtsbeuge anzunähern. Dazu bewegst du dich aus den Hüftgelenken nach vorn und stützt dich auf beiden Händen auf. Halte deine Körpervorderseite lang, atme dabei aber auch bewusst und ruhig in deine Rückseite. Lass dir Zeit, Atemzug für Atemzug kannst du ein bisschen mehr loslassen. Zu schnell zu weit führt dich nicht zu einer tieferen Erfahrung der Haltung sondern nur weg davon. Solltest du irgendwann die Stirn am Boden ablegen, kannst du die Hände wie beim Fersensitz hinter dem Rücken verschränken.
Mögliche Hilfen: Lass die Stirn auf einem Hocker oder einem Bolster ankommen.
3. Rückbeuge
Ausgehend vom aufrechten halben oder oder vollen Lotos stützt du deine Hände knapp hinter den Hüften auf, hebst die Brust und lehnst dich behutsam zurück. Setze einen Unterarm nach dem anderen auf den Boden und lege dich von dort aus langsam auf den Rücken. Greife die großen Zehen beider Füße mit den ersten beiden Fingern und Daumen und lass innerlich los. Atme ruhig und entspannt, spüre den Boden unter dir und den Raum über dir.
Mögliche Hilfen: Wie bei Baddha Konasana kannst du eine gerollte Decke oder ein Bolster unter deinen Rücken legen. / Möglicherweise liegt dein Nacken entspannter, wenn du ein flaches Kissen unter den Kopf legst.
Anschließend übst du den Lotos beziehungsweise Siddhasana noch einmal in allen drei Varianten mit anders herum gekreuzten Beinen.
Abschluss
Entlaste deine Beine, indem du sie in Rückenlage locker nach oben streckst und bewegst. Anschließend kannst du die Praxis mit einer Meditation weiterführen oder dich zur Endentspannung in Shavasana legen.
Jessina O’Connell hat schon als Kind mit ihrer Mutter Yoga geübt. Entsprechend leicht fiel ihr der Weg als Jivamukti- und Yin-Yogalehrerin. Vom „Küken“ unter den Münchner Lehrerinnen wurde sie rasch zu einer der gefragtesten Lehrerinnen im „Studio am Engel„. Mehr Eindrücke von Jessina bekommst du auf ihrem Instagram-Account @jessinaoconnell.
Tipp: Jessina hat uns vor einiger Zeit eine schöne „Yin & Yang“ Yoga-Playlist erstellt. Hör‘ gleich mal rein!
Daran anschließend eignet sich unsere Yogapraxis zum Wurzeln und Wachsen:
Das Frühstück ist dazu da, unseren Körper und Geist mit sanfter, nährender Energie zu versorgen. Wir stellen dir hier zwei süße ayurvedische Gerichte vor: einen cremigen Grießbrei und ein aromatischer Linsen-Dhal mit getrockneten Pflaumen. Diese Rezepte vereinen köstliche Geschmackserlebnisse mit uraltem Wissen und versprechen einen harmonischen Start in den Tag.
Text & Rezepte: Volker Mehl, Titelbild: SMarina von Getty Images via Canva
„Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler“: Aus ayurvedischer Sicht enthält dieser Satz gleich drei Irrtümer auf einmal. Denn:
Alle Mahlzeiten sind gleich wichtig.
Nicht jeder Mensch hat die gleiche Verdauungsleistung.
Man sollte zu allen Mahlzeiten gleich viel essen. Als Faustregel – im wahrsten Sinne des Wortes – empfehle ich: maximal so viel, wie in die Flächen der geschlossenen Hände passt.
Die meisten von uns frühstücken morgens zwischen 6 und 10 Uhr – eine Zeit, in der unser Organismus noch nicht wirklich auf der Spitze seiner Leistungsfähigkeit angekommen ist. Wenn wir dann ein traditionelles „Kaiser“-Frühstück einnehmen würden – mit ordentlich Wurst, Käse und Wein – würde das den Körper extrem belasten.
Aus Sicht des Ayurveda wird die Zeit am Morgen von den trägen und kalten Eigenschaften des Kapha-Doshas dominiert. Man spürt das vor allem im Winter, wenn man sich erst nach mehrfachem Ignorieren des Weckers aus dem Bett schält. Wenn du dir zu dieser Tageszeit etwas Gutes tun willst, gönn dir ein warmes, gewürztes und nicht zu umfangreiches Frühstück. Dafür eignen sich vor allem verschiedene Arten von Breien und Suppen ganz hervorragend. Probiere doch mal diese beiden Rezepte:
Ayurvedischer Grießbrei
Für 4 Portionen:
200 g Weichweizengrieß
700 ml (pflanzliche) Milch
5 EL Rohrzucker
4 EL Ghee oder Kokosfett
1 Prise Salz
1 TL Zimtpulver
50 g geröstete Mandelblättchen oder -stifte
Je nach Geschmack: 2 EL getrocknete Cranberries, Rosinen oder Aprikosen
eine abgeriebene Schale einer Orange und ihren Saft
So geht’s:
1. Die Mandelblättchen oder -stifte in einer Pfanne ohne Fett anrösten.
2. Das Ghee oder Kokosfett in einem Topf erhitzen und darin den Grieß unter Rühren anrösten, bis er goldbraun ist und das Ghee wieder austritt.
3. Die (pflanzliche) Milch in einem separaten Topf erhitzen und zum Grieß geben. Es funktioniert auch mit kalter Milch, dann aber Vorsicht: Den Topf unbedingt vom Herd ziehen und die Milch vorsichtig zugießen, da der Grieß anfängt zu spritzen.
4. Nun Zucker, Zimtpulver, Mandeln, Orangenschale, den Saft und die getrockneten Früchte zugeben und alles gut vermischen.
5. Den Grieß auf kleiner bis mittlerer Hitze ca. 15 Minuten unter Rühren wachsen und gedeihen lassen.
Süßer Linsen-Dhal mit getrockneten Pflaumen
Für 4 Personen
200 g rote Linsen
700 ml Gemüsebrühe
150 g getrocknete Pflaumen ohne Kern
1 geriebener frischer Apfel
Saft von 1 Orange
2 EL Ghee
2 TL mildes Currypulver
4 EL Rohrzucker
2 TL gehackter frischer Ingwer
1 TL Salz
So geht’s:
1. Die Linsen mindestens dreimal mit klarem Wasser waschen.
2. Apfel grob reiben und mit Orangensaft mischen.
3. Das Ghee in einem Topf erhitzen. Ingwer, Pflaumen und Apfel zugeben und zwei Minuten darin glasig dünsten.
4. Currypulver und Zucker hinzufügen, kurz darauf die Linsen zugeben und alles für drei Minuten gut verrühren.
5. Gemüsebrühe zugießen und die Linsen auf mittlerer Hitze für 20-30 Minuten bis zur gewünschten Konsistenz einkochen lassen.
Vor dem Servieren mit etwas Salz und Zucker abschmecken.
Volker Mehl ist leidenschaftlicher Koch, Autor und ganzheitlicher Gesundheitsbegleiter. Seit seiner frühesten Kindheit begleitet ihn die Faszination für die Verbindung von Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden. Mehr zu Volker, seiner Arbeit und seinen Büchern unter volkermehl.com
Draußen ist es zwar noch frostig, doch die Tage werden spürbar länger. Genau zu dieser Zeit, am 1./2. Februar, feierten die Kelten Imbolc – ein Fest, das den Übergang vom Winter zum Frühling markiert. Wie wäre es, wenn du diese Energie des Neuanfangs in deine Yogapraxis integrierst? Nutze Imbolc als Inspiration, um deinen Körper und Geist zu reinigen und dich innerlich aufblühen zu lassen. Bereit, den Winter abzuschütteln und mit frischer Energie auf die Matte zu gehen? Los geht’s!
Titelbild: Iryna Khabliuk via Canva
Imbolc, auch Imbolg oder Oimelc genannt, ist eines der acht großen keltischen Jahreskreisfeste, neben Samhain, Yule, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh und Mabon. Es markiert den Übergang vom Winter zum Frühling und wird am 1. Februar oder, noch ursprünglicher, am zweiten Neumond des keltischen Jahreskalenders gefeiert. Der Name „Imbolc“ stammt aus dem Altirischen und bedeutet „Rundum-Waschung“, was auf die reinigenden Rituale hinweist, die zu dieser Zeit durchgeführt wurden. Der Name „Oimelc“ hingegen bedeutet so viel wie „Schafsmilch“. Dies bezieht sich auf die Milch der Mutterschafe, denn zu dieser Zeit werden die ersten Lämmer geboren. Später wurde das Fest von der christlichen Tradition durch Mariä Lichtmess ersetzt.
Symbolik von Imbolc
Das Jahreskreisfest Imbolc steht für Reinigung, Erneuerung und die Rückkehr des Lichts. Es ist die Zeit, in der die Natur langsam aus dem Winterschlaf erwacht und die ersten Anzeichen des Frühlings sichtbar werden. Traditionell wurden Häuser gereinigt und mit Kerzen erleuchtet, um die wachsende Kraft der Sonne zu begrüßen. Diese Rituale symbolisieren das Loslassen des Alten und das Willkommenheißen des Neuen, was Imbolc zu einem Fest des Übergangs und der Hoffnung macht. Es erinnert uns daran, dass nach jeder Dunkelheit wieder Licht kommt und dass es an der Zeit ist, uns auf die kommenden Veränderungen vorzubereiten.
Bedeutung der Göttin Brigid
Imbolc ist eng mit der keltischen Göttin Brigid verbunden, die unter anderem für Feuer, Poesie und Heilung steht. Auch sie verkörpert die wachsende Kraft des Lichts und die Inspiration, die mit dem Frühling einhergeht. Sie steht in Verbindung mit dem Fluss von Gewässern, dem Fluss der Körpersäfte, sie symbolisiert Reinheit und ist die Göttin der Poesie und Künste. Kommt dir das irgendwoher bekannt vor? Ja genau, das hinduistische Pendant zu Brigid wäre Saraswati: Beide Göttinnen stehen für die Kraft des Neubeginns – sei es durch kreatives Schaffen, spirituelles Wachstum oder die Erneuerung der Natur.
Noch heute wird in Irland der St. Brigid’s Day gefeiert. Eine alte Tradition ist, ein Tuch oder Band über Nacht an einen Strauch oder Baum zu hängen, um sie von Brigid segnen zu lassen. Foto: Stephen Barnes von Getty Images via Canva
Praktische Inspiration für die Yogapraxis
Wenn es um Imbolc geht, steckt die Energie von Reinigung, Neuanfang und Licht quasi schon in der Luft. Warum also nicht genau diese Themen in deine Yogapraxis integrieren? Hier sind konkrete Vorschläge für Asanas, Pranayama und Meditation, die den Spirit von Imbolc auf deine Matte bringen:
Asanas für Reinigung und Neuanfang
Drehhaltungen (Twists): Drehhaltungen wie z.B. Ardha Matsyendrasana (der halbe Drehsitz) helfen, den Körper energetisch zu reinigen und den Stoffwechsel anzukurbeln. Sie symbolisieren das Loslassen von Altem, genau wie die Rituale zu Imbolc.
Herzöffner: Rückwärtsbeugen wie Ustrasana (das Kamel) oder Setu Bandhasana (die Schulterbrücke) fördern eine offene Brust und helfen, Licht und Wärme willkommen zu heißen – eine perfekte Metapher für den Beginn des Frühlings.
Stehhaltungen für Stabilität: Asanas wie Virabhadrasana (Krieger) oder Tadasana (Berghaltung) stärken die Verbindung zur Erde. Sie erinnern daran, dass Wachstum und Erneuerung immer eine stabile Basis brauchen.
Pranayama für Erfrischung und Vitalität
Kapalabhati (Schädelglanz-Atem): Diese reinigende Atemtechnik unterstützt den Körper dabei, sich von überschüssigen Toxinen zu befreien und den Geist zu klären. Kapalabhati bedeutet übersetzt „schimmernder Schädel“ – passend zur Lichtenergie von Imbolc.
Nadi Shodhana (Wechselatmung): Um innere Balance zu finden, eignet sich diese Atemübung perfekt. Sie harmonisiert die Energien in deinem Körper und bereitet dich auf die Veränderungen des Frühlings vor.
Bhastrika (Blasebalg-Atem): Diese dynamische Atemübung bringt frische Energie in deinen Körper und weckt deinen Geist aus dem Winterschlaf – ideal, um dich auf einen Neuanfang einzustimmen.
Tipp: Eine Kombination all dieser drei Atemtechniken findest du in dieser fortgeschrittenen Pranayama-Sequenz von Susanne Mors:
Visualisierung des inneren Lichts: Setze dich bequem hin, schließe die Augen und stelle dir ein warmes Licht vor, das in deinem Herzen erstrahlt. Lass es langsam in deinen gesamten Körper ausstrahlen, wie die wachsende Kraft der Sonne, die den Frühling ankündigt.
Mantra-Meditation: Wähle ein Mantra, das den Spirit von Imbolc einfängt, wie z.B. das Jyoti- oder Licht-Mantra:
Om asato mā sad gamaya tamaso mā jyotir gamaya mrtyor mā amrtam gamaya Om shanti, shanti, shanti
Wiederhole das Mantra mental oder laut, um dich mit der Energie des Neubeginns zu verbinden.
Dankbarkeitsmeditation: Nutze die Gelegenheit, um dich für die Lektionen des Winters zu bedanken und Intentionen für die kommenden Monate zu setzen. Frage dich: Was möchte ich loslassen? Was darf in meinem Leben wachsen?
Brigid-Ritual und Visualisierung
Foto: Nina Gili via Canva
Stelle eine Kerze neben deine Yogamatte, um das Licht von Brigid zu symbolisieren. Wenn du magst, widme deine Praxis der Göttin, indem du eine Intention setzt, z. B.: „Möge diese Praxis Licht und Heilung in mein Leben bringen.“
Schließe die Augen und stelle dir vor, du sitzt an einer sprudelnden, heiligen Quelle – Brigid wird oft mit solchen Quellen in Verbindung gebracht. Visualisiere, wie das Wasser deine Sorgen und alten Energien davonträgt, während warmes Licht von Brigid dich durchströmt. Wiederhole innerlich deine Intention oder eine ähnliche Affirmation wie: „Ich lade Licht, Kreativität und Heilung in mein Leben ein.“ Verweile mit dieser Visualisierung für einige Minuten, so lange, wie es sich für dich richtig anfühlt.
Lösche die Kerze, während du dir vorstellst, wie ihre Flamme jetzt in deinem Herzen weiterbrennt. Verneige dich in Dankbarkeit vor dir selbst, vor Brigid und vor der Energie des Neubeginns.
Jetzt ideal: Frühjahrsputz und Räuchern
Abseits der Yogamatte macht es jetzt Sinn, deine eigenen vier Wände rundum auf Vordermann zu bringen. Mach den berühmten Frühjahrsputz und trenne dich von Altem. Zudem ist jetzt die ideale Zeit, das Zuhause auszuräuchern und zu segnen. Beginne im Keller (falls vorhanden) und arbeite dich von dort nach oben. Allgemein gilt: Jeder Raum wird im Uhrzeigersinn geräuchert. Gehe dabei intuitiv vor und vergiss nicht die versteckten Ecken. Öffne oder kippe die Fenster, damit die alten Energien, die der Rauch löst, auch raus können. Verwende reinigende und segnende Räucherpflanzen wie z.B. Salbei, Lavendel, Palo Santo, Wacholder, Thymian oder Fichtenharz.
Let your light shine!
Wir hoffen, wir konnten dich inspirieren, den Spirit von Imbolc ganz bewusst in deinen Alltag zu integrieren. Das keltische Fest ist eine schöne Erinnerung daran, dass jeder Neuanfang mit kleinen Schritten beginnen darf. Ob durch herzöffnende Asanas, reinigende Pranayama-Techniken oder Meditationen, die das innere Licht stärken – Imbolc lädt uns ein, Altes loszulassen und voller Zuversicht in die nächsten Kapitel unseres Lebens zu starten. Lass dein Licht strahlen und begrüße den Frühling mit Leichtigkeit und Energie!
Erfahre in diesem Artikel von Beate Tschirch noch mehr über die heilsame Kraft der Jahreskreisfeste:
Kristalle sind nur esoterischer Krimskrams? Wir meinen nein. Und selbst wenn es nur um den Glauben daran geht … ein bisschen Magie im Leben tut uns allen gut! Also widmen wir uns hier dem Zauber von Kristallen: Wir zeigen dir, wie du sie verwendest, zu welchem Chakra sie passen, wie du sie pflegst und wie sie in wertvollen Essenzen zum Einsatz kommen.
Text: Devi Brown(mit Ergänzungen von Anika Kedzierski)/ Titelbild: Dan Farrell via Unsplash
Das Unglaublichste gleich zu Beginn: Kristalle haben die Kraft, uns mit der Energie des Universums zu verbinden. Egal ob du das nun wörtlich verstehen möchtest oder „nur“ symbolisch. Über Millionen oder sogar Milliarden von Jahren haben sie – typischerweise in Perioden großer geologischer Umwälzungen – ihre Gestalt geformt: wunderschöne Kunstwerke aus dem Erdinneren, die auf ganz unterschiedliche Weise funkeln, schimmern und strahlen. Da liegt der Gedanke nahe, dass sie etwas von der Energie und Weisheit aus dem Ursprung der Existenz in sich tragen – und dieser Gedanke fasziniert die Menschen seit Tausenden von Jahren.
Transformation durch Steine
Wir schmücken uns mit den Steinen, halten sie in der Hand, stellen sie im Haus auf oder tragen sie als Glücksbringer bei uns. Kaiser und Königinnen haben sie zum Schutz verwendet, Schaman*innen ihre Heilkraft erkannt. Uhrmacher*innen verwenden Quarz zur Zeitmessung und Wissenschaftler*innen konstruieren mit Mineralien Mikrochips. Viele sind daher überzeugt: Wenn sie uns begleiten, können wir ihre Energie für unsere physische, mentale, emotionale und spirituelle Transformation nutzen.
Wenn du dich von einem bestimmten Kristall besonders angezogen fühlst, integriere ihn in dein Leben. Seine Energie kann sich mit deinem persönlichen Rhythmus verbinden und dadurch Neuausrichtung bewirken. Wir haben dir hier ein paar Edelsteine mit ihrer Wirkung zusammengesucht.
Der Kyanit für tiefe Heilung
Foto: Harry Kao via Canva
Du möchtest dich selbst besser kennenlernen? Dann bietet der Kyanit eine intuitive Anleitung dazu und besitzt die Fähigkeit, dich emotional zu heilen. Außerdem hilft er dir dabei, Energie-Brücken zu schaffen, mit deren Hilfe du tiefsitzende und schmerzhafte Gefühle überwinden kannst. Auf subtiler Ebene kann die Arbeit mit diesem Kristall Muster der Selbstzerstörung und der negativen Selbstwahrnehmung auflösen. Zudem stärkt er Ausdauer, Fairness und Unterscheidungsvermögen. Sänger*innen, Schauspieler*innen und Führungskräfte aufgepasst: Der Kyanit wirkt positiv auf Gehirn und Hals und eignet sich daher besonders für euch.
Farbe: Blau mit transparentem Perlmuttschimmer
Chakra: Halschakra
Verwendung: Du musst in der Öffentlichkeit sprechen oder Gruppenaktivitäten leiten? Dann ist der Kyanit als Schmuck oder Talisman ein super Begleiter. Unter deinem Kopfkissen hilft der Stein, dir deiner Träume bewusst zu werden. Und während der Meditation trägt er zu deiner inneren Balance bei und stellt das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang her.
Tipp zum Aufladen: Kyanit kann keine negative Energie ablagern und ist damit einer der wenigen Mineralien, die nicht gereinigt werden müssen. Vielmehr kann er andere Kristalle positiv aufladen – einfach indem du ihn deiner Sammlung hinzufügst.
Amethyst – ein Stein, der Muster auflöst
Foto: MvH von Getty Images via Canva
Die Wurzel des Namens Amethyst stammt aus dem altgriechischen amethystos und bedeutet so viel wie „nicht berauscht“. Seit Jahrhunderten steht dieser Kristall für Selbstbeherrschung und Nüchternheit. Bekannt ist er vor allem dafür, bei der Überwindung ungesunder Gewohnheiten zu helfen. Was er besonders gut kann? Er versteht die tiefen Ursachen einer Sucht und kann diese freisetzen.
Verwendest du dieses Mineral, darfst du mit einigen Aha-Momenten rechnen. Denn es verbindet dich mit der Energie des Universums. Indem der Amethyst die spirituelle Selbsterforschung unterstützt, kann er gegen Ängste, Stress und negative Energie wirken. Außerdem hilft er bei der Suche nach stabilen Umgebungen, in denen du wachsen, dein Immunsystem stärken und Gehirn und Nervensystem ins Gleichgewicht bringen kannst.
Farbe: Helles Lila bis zu tiefen Malventönen
Chakra: Kronenchakra
Verwendung: Trage den Amethyst als Schutz gegen Suchtverhalten. Platziere ihn für Stabilität und Unterstützung in deinem Zuhause. Integriere ihn in deine Meditation, um verborgene Motive für bestimmte Verhaltensweisen zu entdecken.
Tipp bei Schlaflosigkeit: Lege ein Stück Amethyst unter dein Kopfkissen und reibe ein poliertes Stück sanft über deine Stirn, um Kopfschmerzen zu lindern.
Der Bergkristall – ein Stein, der Klarheit schafft
Foto: alusruvi via Pixabay
Der Bergkristall verhilft zu mehr Balance, verbessert den Fokus und schafft mehr Klarheit. Er wird oft als vereinfachender Kristall bezeichnet. Das heißt, dass er jede Energie oder Absicht verstärken kann, mit der er in Verbindung gebracht wird. Daher macht er sich in Kombi mit anderen Mineralien auch super als Werkzeug für die Meditation. Zudem stimuliert der Bergkristall den Körper – insbesondere das Nervensystem. Er fördert das Wachstum von Haaren und Fingernägeln und gilt als vielseitiger Heilstein, der unter anderem gegen starkes Kopfweh hilft und für die Behandlung von Verletzungen und Verbrennungen eingesetzt wird.
Farbe: farblos, wolkig bis glasähnlich
Chakra: Kronenchakra
Verwendung: Gebe dem Kristall während der Arbeit am Schreibtisch einen gut sichtbaren Platz – hier regt er klares Denken und Konzentration an. Da der Bergkristall außerdem Energie reinigt, kann er besonders in stark frequentierten Bereichen wie einem Eingang oder einem Wohnzimmer wirken. Er erfüllt seine Rolle jedoch auch bei der Meditation – hier öffnet er neue Energiekanäle und kräftigt somit die Aufnahmebereitschaft des Geistes.
Good News: Als verstärkender Kristall und starker Energieträger speichert er keine negativen Schwingungen. Und doch ist es wichtig, ihn regelmäßig zu reinigen und durch das Arrangieren mit anderen Steinen regelmäßig aufzuladen.
Karneol für Vitalität
Foto: Santje09 von Getty Images via Canva
Als Stein der Tat und der lebendigen Leidenschaft steht der Karneol häufig für beschleunigte Heilung, erhöhte Vitalität, kraftvolle sexuelle Energie und mutiges Handeln. Dieser Kristall bringt Körper und Geist in Bewegung, um so die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Er eignet sich hervorragend für die Unterstützung des Stoffwechsels, die Aufnahme von Vitaminen, die Regeneration von Geweben, Schilddrüsenerkrankungen und die Reinigung des Blutes.
Aufgrund seiner beschleunigenden Energie und der Verbindung mit dem Element Feuer gilt der Karneol auch als Werkzeug, um in der Beziehung Leidenschaft und Romantik neu zu entfachen. Ein wahrer Fast-Alleskönner, der auch gegen Müdigkeit, Trägheit, Apathie, Depression, Neid, Eifersucht und andere negative Emotionen ankämpft.
Farbe: Feurig leuchtendes Rot-Orange
Chakra: Sakralchakra
Verwendung: Die alten Griechen und Römer trugen diesen Stein bei sich, um sich von Sünden fernzuhalten. Heute können wir den Stein als Schutz im Eingangsbereich unserer Wohnung aufbewahren und so gleichzeitig Wohlstand willkommen heißen. Du fühlst dich krank? Dann trage einen kleinen Karneol bei dir und beobachte, welche Wirkung er auf dich hat. In der Meditation durchbricht der Karneol einschränkende Gedanken und hilft somit, dass du deine Ziele verwirklichen kannst.
Tipp für mehr Leidenschaft: Wenn du Lust auf mehr Passion hast, platziere ihn beim Sex in der Nähe des Bettes. Entferne ihn jedoch möglichst wieder vor dem Einschlafen, da seine kraftvolle Energie die Nachtruhe stören kann.
Achat für die Balance
Foto: MissNiss Getty Images via Canva
Die Familie der Achate und besonders der blaue Lace-Achat kann helfen, wesentliche Ideen zu kommunizieren. Der Kristall unterstützt die Funktion des Geistes und fördert tiefes spirituelles Verständnis und Wachstum. Seine ausgleichende Energie beruhigt hyperaktive Naturen und Fantasien. Daher wird er oft für Kinder empfohlen, die schwer einschlafen und ihre eigene Vorstellung von der Realität haben.
Man nimmt an, dass Achate auf einer niedrigeren Schwingungsfrequenz wirken als andere Kristalle. Dabei bedeutet langsamer keinesfalls weniger stark. Die Achatenergie ist extrem kräftigend und kann dauerhafte Vibrationen erzeugen. So ein gleichmäßiger Energiefluss kann dann beispielsweise dazu beitragen, die Gedanken viel beschäftigter Familien in Einklang zu bringen: Ein großes Geschenk für Eltern! Auf physischer Ebene empfiehlt die Verbindung des Achats mit dem Hals-Chakra den Stein besonders für die Heilung von Kehlkopfentzündung, Halsschmerzen und Sprachproblemen.
Farbe: Achat: fast alle Farben; Lace-Achat: Streifen aus blassem Himmelblau und Weiß
Chakra: Halschakra
Verwendung: Platziere diesen Kristall in dem Teil deines Zuhauses, der von einer beruhigenden Energie profitieren kann. Unter deinem Kopfkissen wirkt er gegen Schlaflosigkeit und Überreizung. In der Meditation hilft er, neue Methoden von Wachstum und Ausdruck zu manifestieren. Halsentzündungen kann er super auskurieren, wenn du ihn um den Hals trägst.
Labradorit – ein Schutzstein
Foto: Harry Kao via Canva
Ein Stein mit schönem Farbenspiel: Durch seine Farbenvielfalt steigert der Labradorit die Kreativität und verbessert das Erinnerungsvermögen. Außerdem hilft er Ängste abzubauen und kreiert ein stabiles Energiefeld, das Energieverluste vermeidet. Du bist sehr sensibel? Dann profitierst du vom Tragen dieses Steins wenn es in deinem Umfeld mal sehr trubelig wird oder du von temperamentvollen Menschen umgeben bist – denn er beruhigt und wirkt ausgleichend.
Generell ist der Labradorit jedoch vor allem ein Schutzstein – so nutzten ihn Schaman*innen und andere Heiler*innen, die ihn bei sich trugen, um sicher zwischen Welten zu „reisen“. Er schützt deine Aura und hilft dir, dich von alten Denkmustern zu lösen und die negativen Projektionen anderer links liegen zu lassen. Auf körperlicher Ebene unterstützt der Labradorit die mit dem Solarplexus verbundenen Organe: Galle, Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse, Darm und Nieren. Außerdem lindert er Schlafstörungen, Rheuma und Gichtanfälle.
Farbe: Ein Stein mit schönem Farbenspiel: Der Labradorit ist mehrfarbig und kann in weiß, gelb, grün, blau und rot erstrahlen.
Chakra: Herzchakra
Verwendung: Für seine psychische Wirkung reicht es schon, den Stein einfach nur zu betrachten. Für seine körperliche Wirkung solltest du ihn direkt auf der Haut tragen. Trägst du den Stein beim Meditieren, kann er alte Blockaden lösen.
So pflegst du deine Kristalle:
Da Kristalle als Leiter von Energie und Intention funktionieren, solltest du sie regelmäßig reinigen. Das hilft, sie von früheren „Ladungen“ und Verwendungen zu befreien.
1. Einweichen Mische in einem Glasbehälter je einen halben Teelöffel Meersalz pro Tasse alkalisches Wasser, die Menge sollte reichen, um den Kristall komplett einzutauchen. Schließe deine Augen, lasse die Hände über der Schüssel schweben und übertrage dem Salzwasser die Absicht, dem Kristall jede negative Energie zu entziehen. Lasse ihn über Nacht in der Lösung liegen und spüle ihn anschließend unter fließendem Wasser ab.
2. Räuchern Entzünde ein Bündel Salbei oder ein spezielles Räucherholz wie Palo Santo. Nimm deinen Kristall in die Hand und bewege ihn durch den Rauch.
3. Tönen Platziere den Kristall in der Nähe einer Klangschale und schlage sie dreimal sanft an. Lasse den Filzschlägel noch mehrmals um den äußeren Rand der Schale kreisen.
4. Aufladen Bewahre deinen Kristall einen Tag lang in der Sonne oder über Nacht im Mondlicht auf, damit er sich wieder mit der Erde verbinden kann.
DIY: Kristall-Essenzen
Bereits vor Tausenden von Jahren verwendeten Heiler*innen und Kosmetiker*innen Kristalle als Teil von Schönheitskuren, als Medizin und für die Realisierung von Wünschen. Sie zerrieben die Steine zu Pulvern und legten sie in Wasser ein. Heraus kam das, was heute als „Essenzen“ bekannt ist. Kristall-Essenzen werden bis in unsere Zeit in der Hautpflege eingesetzt, als Getränk genossen und als Badezusatz oder Raumspray verwendet. Wie die Mineralien selbst, verfügt jede Essenz über eine spezifische Schwingungs-Energie.
Und so geht’s:
1. Fülle ein sterilisiertes Glasgefäß mit einem halben Liter Wasser oder einem Basisöl (Traubenkern, Jojoba oder Kokos).
2. Lege die Kristalle vorsichtig mit einem Holzlöffel in die Flüssigkeit.
3. Formuliere eine Intention.
4. Stelle das Glasgefäß in direktes Sonnen- oder Mondlicht (7 Stunden für wasserbasierte, 24 Stunden für ölbasierte Essenzen).
5. Nimm die Kristalle mit einem Holzlöffel aus der Flüssigkeit.
6. Fülle eine Pipetten- oder Sprühflasche mit der Essenz, verwende sie sofort oder lagere sie im Kühlschrank (wasserbasierte Essenzen halten sich einige Tage, ölbasierte länger).
Oft essen wir, um Ängste, Frust und Einsamkeit wegzudrücken – aber es geht auch anders: Hier liest du, wie eine bewusste Ernährung Ängste lindern und zu mehr psychischer Gesundheit beitragen kann.
Text: Liana Werner-Gray, Titelbild: Khamkhor via Unsplash
Jahrelang habe ich mir als Teenager die Nägel bis aufs Fleisch heruntergekaut. Ich war voll nervöser Energie, ertrank in Selbstzweifeln und fürchtete mich mit jedem Tag ein bisschen mehr vor meiner ungewissen Zukunft. Meine einzige Bewältigungsstrategie war Essen: Ich versuchte, meine Ängste mit Fast Food herunterzuschlucken – und wusste dabei nicht einmal, dass ich eine von sehr vielen war: Jeder dritte US-amerikanische Teenager ist zumindest zeitweise von Angststörungen betroffen, bei den Erwachsenen hatte im Jahr 2017 fast jeder Fünfte damit zu tun. In Deutschland ist die Lage nur wenig besser: Etwa 12 Millionen Menschen leiden laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie unter den diversen Formen des Beschwerdebilds Angststörung, das ist jede*r siebte Deutsche – und Experten gehen davon aus, dass nicht nur ihre Zahl seit Corona gestiegen ist, sondern dass sich auch die Intensität ihrer Beschwerden verschärft hat.
Die Rolle der Ernährung bei Ängsten
Therapieplätze sind schwer zu bekommen, viele Betroffene schlucken Psychopharmaka und noch viel mehr „medikamentieren“ sich selbst mit Alkohol und Drogen, oder sie weichen so wie ich in ein gestörtes Essverhalten aus. Dabei gibt es durchaus Alternativen: Sowohl bei Ängsten als auch bei Depressionen hat man die Wirksamkeit von Meditation und Yoga, aber auch von neueren Entspannungstechniken wie der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (MBSR) in den vergangenen Jahrzehnten wissenschaftlich nachgewiesen. Relativ neu ist dagegen die Erkenntnis, dass auch die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Stress und Ängsten spielt.
„Furchtlosigkeit“: Das Titelthema im YogaWorld Journal 01/2025
„Das erscheint auf Anhieb vielleicht nicht gerade naheliegend,“ erklärt die Ärztin und Ernährungspsychiaterin Uma Naidoo, „aber psychische Gesundheit und Nahrung sind untrennbar miteinander verwoben.“ Um das zu belegen, empfiehlt sie einen Blick auf den Verdauungsapparat: 95 Prozent des körpereigenen Serotonins, eines Botenstoffes, der auf chemischer Ebene Stimmungen und Emotionen steuert, werden im Darm produziert. Zudem sind Darm und Gehirn eng über den Vagus-Nerv miteinander verknüpft, man findet sogar sehr ähnliche Zellen in den beiden Organen – weswegen vom Darm seit einiger Zeit auch als unserem „Bauchgehirn“ gesprochen wird.
Was psychische Gesundheit mit Ernährung zu tun hat? Unter anderem werden 95 Prozent des körpereigenen ‚Glückshormons‘ Serotonin im Darm erzeugt.
Fest steht: Alles, was wir essen, wird umgewandelt in chemische Informationen und entsprechend können schlechte Ernährungsentscheidungen mit der Zeit nicht nur einen Effekt auf die körperliche, sondern auch auf die geistige Gesundheit haben. Ein entzündlicher Prozess im Darm zieht nicht selten eine Entzündungsreaktion im Gehirn nach sich, was wiederum den Tod von Hirnzellen bedeuten kann. Diese meist unbemerkt ablaufenden Entzündungen im Gehirn wurden in der Forschung schon vielfach mit Depressionen, Angststörungen und Antriebsschwäche in Verbindung gebracht. Laut Uma Naidoo kann man ihnen weder mit Medikamenten noch mit Therapien wirklich nachhaltig begegnen. Sie ist überzeugt: „Solange wir das Ernährungsproblem unserer Gesellschaft nicht in den Griff bekommen, werden wir auch die psychische Gesundheit der Bevölkerung nicht verbessern können.“
884 Minuten ohne Gegentor – diesen Rekord aus der Bundesliga-Saison 2003/04 hält Ex-Nationaltorwart und VfB-Stuttgart-Legende Timo Hildebrand bis heute. In die Klischeekiste vom knallharten Kicker passt er trotzdem nicht: Mit uns sprach er über Yoga, Glück und vegane Ernährung.
Interview: Carmen Schnitzer / Titelbild: Sven Cichowicz
Dass die Fußball-Nationalmannschaft schon länger auf Yoga setzt, klingt für viele immer noch überraschend. Wie passt das für dich als Ex-Profi zusammen?
Sehr gut! Als Sportler ist es nur professionell, sich auch außerhalb des Trainings mit seinem Körper auseinandersetzen. Dazu gehört zum Beispiel eine gesunde Ernährung, und auch Yoga kann natürlich sehr hilfreich sein. Als Ausgleich zum intensiven Training mit der Mannschaft und auch für die Regeneration. Gerade in jungen Jahren, wenn der Körper noch widerstandsfähiger ist, macht man sich oft noch nicht so viele Gedanken – aber spätestens wenn die ersten Schmerzen kommen, merkt man, wie wichtig es ist, sich gut um seinen Körper zu kümmern.
Oh ja, das merke ich jetzt mit dem Älterwerden auch …
Eben. In den letzten beiden Jahren habe ich wegen meines Triathlon und Kraftsport-Trainings etwas weniger Yoga geübt. Kürzlich aber hat Moritz Ulrich hier in Stuttgart einen Workshop gegeben, bei dem ich gemerkt habe, dass mein Körper wieder mehr Mobilität brauchen kann, also werde ich mich wieder verstärkt dem Yoga widmen. Das ist nämlich wirklich mein großes Ziel: mobil zu bleiben. Ich bin zweimal an der Hüfte arthroskopiert und habe keine Lust, meine Lebensqualität zu verlieren. Leider sehe ich oft ältere Menschen, die sich immer weniger bewegen können. Dem möchte ich bestmöglich vorbeugen.
Geht mir ähnlich. Hast du selbst bereits in deiner aktiven Fußballer-Zeit mit Yoga begonnen?
Ein bisschen, aber da habe ich mehr mit Gyrotonic-Geräten trainiert. Das ist eine ganzheitliche Bewegungsmethode, die der ungarische Tänzer Julius Horvath entwickelt hat. So richtig an Yoga herangetastet habe ich mich erst später, zum Beispiel während einer Ayurveda Kur auf Bali. Yoga hat mir nach meiner Fußball-Karriere geholfen, meinen Körper geschmeidiger zu machen und wieder in Balance zu kommen.
Auch in die seelische Balance?
Ja, natürlich, das gehört ja alles zusammen – Körper, Geist und Seele.
Bist du denn nach deiner Karriere in ein Loch gefallen? Ich stelle es mir schwierig vor, wenn ein so großer Teil des Lebens wegbricht. Gerade noch haben einem Zigtausende im Stadion zugejubelt, plötzlich ist das vorbei …
Foto: Photocreo via Canva
Na ja, es ist natürlich eine Herausforderung. Wie jeder andere Arbeitnehmer hat man ja seinen eingespielten Rhythmus, seine Abläufe, seine Struktur – das muss dann alles erst mal neu sortiert werden. Okay, jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt, wie gestalte ich den? Viele Ex-Profis bleiben ja dem Fußball in irgendeiner Weise treu, aber ich habe eher danach gesucht, was mich sonst noch interessieren könnte. Und ich bin glücklich, so viele verschiedene Dinge gefunden zu haben, mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten zu können, neue Inspirationen zu bekommen … Es macht Spaß, Dinge selbst gestalten zu können, sei es das Festival YEZ Yoga hier in Stuttgart, unsere Hilfsorganisation STELP e.V. oder das vegane Restaurant vhy!, das ich vor drei Jahren mitgegründet habe.
Und ein Kinderbuch hast du auch geschrieben … Aber gleich mal zu deinem Lokal. Wie kam es denn dazu?
Eigentlich ganz pragmatisch, genau wie beim Festival: Stuttgart hatte kein Yogafestival, also habe ich bei einem Studio angefragt, ob wir nicht eins auf die Beine stellen wollen. Gesagt, getan, es kam auch gut an. Und es gab in der Innenstadt kein veganes Restaurant in entsprechender Größe, also habe ich eins gegründet. (lacht) Natürlich habe ich mir Gastro-Profis mit ins Boot geholt. Die Gründungsphase fiel zwar genau in die Corona-Zeit, aber wir haben es trotzdem durchgezogen.
Pragmatisch – und optimistisch. Bist du grundsätzlich ein Optimist?
Immer mehr, ja. Ich mag es, das Leben nicht immer ganz so ernst zu nehmen. Hürden sind dazu da, überwunden zu werden, das war schon beim Fußball so. Einfach machen! Und wenn man hinfällt, dann aufstehen und weitermachen.
Und sei es mit einem veganen Gastrobetrieb mitten in der Pandemie, verstehe. Bist du denn zur pflanzlichen Ernährung in der gleichen Zeit wie zum Yoga gekommen?
Das entwickelte sich tatsächlich relativ parallel, ja. Es ging los damit, dass ich in ein veganes Unternehmen investiert und mich dadurch immer mehr mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Da erschien es mir einfach logisch, immer mehr tierische Produkte aus meinem Leben zu verbannen. Mittlerweile sollte ja jeder kapiert haben, wie sinnvoll pflanzliche Ernährung für die Welt ist. Wobei ich ganz klar die Philosophie habe, dass niemand perfekt sein muss. Ich esse auch hin und wieder mal noch ein Stück Käse oder Fisch im Urlaub. Sehr viele Menschen, die zu 80 bis 90 Prozent vegan leben, helfen letztlich mehr als eine kleine Gruppe, die es komplett durchzieht.
Ein fast vegan lebender Fußballer, der Yoga übt – damit brichst du auch mit klassischen Männlichkeitsstereotypen …
Foto: Yan Krukau via Canva
Ja, und da sehe ich mich durchaus ein bisschen als Role Model. Ich würde Männer gerne inspirieren, mehr in ihre Weichheit zu gehen und sich neuen Themen zu öffnen. In den letzten zehn Jahren hat sich ja schon viel getan, aber es gibt durchaus immer noch dieses Schubladendenken von männlichen Alphatieren, die unbedingt Fleisch brauchen, aber zum Beispiel keine tiefgründigen Gespräche … Aktuell kommen in unser Restaurant auch zu 70 bis 80 Prozent Frauen, aber die bringen vielleicht irgendwann ihre Männer mit, ihre Verwandten, ihre Großeltern … Denen schmeckt es im Optimalfall einfach, das Vegane soll gar nicht im Zentrum stehen.
Ich denke auch: Der Weg geht in diesem Fall über den Genussfaktor.
Das ist jedenfalls meine Erfahrung. In letzter Zeit weiten wir das Ganze auch ein bisschen aus, machen vermehrt Catering oder arbeiten mit Betriebskantinen zusammen. Mit Mercedes haben wir zum Beispiel in einer Aktionswoche im April mal jeden Tag ein neues veganes Gericht konzipiert, das kam super an – und hat natürlich noch einen viel größeren Impact als das Restaurant, in das vielleicht 500 Leute pro Woche kommen. Na ja, und zurück zum Yoga – das tut nun mal einfach jedem gut, völlig egal, ob Mann oder Frau.
Unbedingt! Ich denke immer wieder, dass es sinnvoll wäre, Yoga in den Schulen einzuführen.
Das ist tatsächlich eine super Idee, finde ich auch. Ich glaube, wir sollten grundsätzlich mal so einiges überdenken in unserer Gesellschaft. Durch die Digitalisierung wandelt sich vieles extrem schnell, da wäre es an der Zeit, neue Impulse zu setzen. Schule hat einen früher nicht aufs Leben vorbereitet und tut es heute leider immer noch nicht. Yoga könnte man einführen, auch Themen wie Finanzen und Versicherungen … oder auch ein Fach wie Glück.
Foto: Sven Cichowicz
An manchen Schulen gibt es das ja sogar schon …
Ja, aber warum sollte man das zum Beispiel nicht flächendeckend einführen, von der Regierung vorgesehen?
Da bin ich gerne dafür! Ich habe kürzlich einen Spielfilm aus Bhutan gesehen, wo Glück erklärtes Regierungsziel ist, sehr interessant. Im Prinzip wären wir da beim Thema: Wie politisch ist Yoga? Hast du dazu eine Meinung?
Yoga vertritt ja die Philosophie der Liebe, des Miteinanders, der Gemeinsamkeit und dem Streben nach einer besseren Welt. Das ist doch im Grunde schon politisch genug, oder nicht? Wenn wir uns alle mehr der Liebe hingeben würden, dann gäbe es auch weniger Kriege etc.
Wohl wahr. Ich wundere mich oft, warum wir uns damit so schwer tun. Im Grunde sehnt sich doch jeder und jede Einzelne von uns nach Liebe und Akzeptanz. Aber gerade in Gruppen werden wir oft schwierig …
Oft sind es ja auch die Führer eines jeweiligen Landes, die den Hass schüren. Und auf Krieg folgt immer noch mehr Hass … Man kann sich schon Sorgen machen, wenn man sich in der Welt umguckt, aber ich habe irgendwie immer noch die Hoffnung, dass, um es jetzt mal sehr vereinfacht auszudrücken, am Ende die Guten gewinnen.
Als Kind kickte Carmen Schnitzer selbst mal in einer Mannschaft – mit sehr mäßigem Erfolg. Eineinhalb Jahrzehnte später stand sie beim Spiel mit anderen Schüler*innen einer ecuadorianischen Sprachschule im Tor und merkte: Das klappt viel besser! Zum Profi hat’s natürlich dennoch nicht gereicht. Erfahre mehr über die Autorin und besuche ihre Facebook-Seite.
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