#106 Die heilende Kraft der Klänge – mit Lisa Schuster

Die positiven Effekte von Sound Healing aus wissenschaftlicher Sicht

In dieser Folge „YogaWorld Podcast“ will unsere Moderatorin Susanne Mors mehr über die faszinierende Welt der Klänge und ihr heilendes Potenzial erfahren. Dazu spricht sie mit Yogalehrerin und Ärztin Lisa Schuster. Lisa hat sich auf Sound Healing spezialisiert und beleuchtet das Thema sowohl aus der wissenschaftlichen Perspektive als auch aus spiritueller Sicht.

Lisa erklärt, wie Klänge unseren Körper und Geist beeinflussen und gibt Einblicke in die Unterschiede zwischen Sound Meditation und herkömmlicher Meditation. Sie zeigt auf, wie die Grundfrequenz der Erde und Klangschwingungen auf unseren Körper wirken und warum Instrumente aus Naturmaterialien eine besondere Bedeutung haben. Erfahre, wie Klangschalen und andere Soundhealing-Instrumente in die Yogapraxis integriert werden können, um Stress abzubauen und den Energiefluss zu fördern. Lisa teilt praktische Tipps, wie man sich dem Sound Healing annähern kann, und berichtet von einem berührenden Moment in ihrem Leben, als die transformative Kraft der Klänge für sie wirksam wurde.

Von Klangschalen über binaurale Beats bis hin zur eigenen Stimme: Tauche ein in die Welt der Klänge und erfahre, wie sie deine Meditation vertiefen, deine Selbstheilungskräfte aktivieren und dein Wohlbefinden steigern können.

Der Sponsor der Folge ist NEUE WEGE Reisen (www.neuewege.com). Mit dem Stichwort „yogaworld“, erhältst du 50 Euro Rabatt auf deine erste Buchung!

Weibliche Spiritualität im Yoga

Frauen auf einem Bett Women Circle Weibliche Spiritualität
Foto von Elly Fairytale von Pexels

Ist weibliche Spiritualität das Gegenstück zur männlichen Praxis? Seit jeher prägten spirituelle Traditionen die Gesellschaft. Aber welche Rolle spielt die weibliche Spiritualität? Was macht die weibliche Übermacht mit Yoga? Und welche Chancen stecken darin?

Text: Diana Krebs, Fotos: Elly Fairytale via Pexels

Die Gesellschaft wurde von der männlichen spirituellen Erfahrung geformt. Das machte den Zugang zum Spirituellen exklusiv. Die Erfahrungen von Frauen, Kindern und Bedürftigen werden ausgeklammert. „Aber es gab doch Frauen, die spirituelle Traditionen mitgestalteten?“ – Durften sie dabei ihre eigenen Erfahrungswerte einbringen? Oder wurden ihre ­Erfahrungen gering geschätzt?

Frauen spielten in Religion und Spiritualität stets eine Rolle. Die katholische Kirche hat mit Maria einen geschickten Schachzug vollzogen. Schließlich ist Maria eine gute Identifikationsfigur. Frau, Mutter und Leidende. Aber das Konzept täuscht es doch darüber hinweg, dass sie selbst keine Göttin ist. Sie ist heilig, aber nicht göttlich. In der christlichen Lehre ist die Erlöserrolle klar verteilt. Maria ist die Trostspenderin, auch wenn sie bei ihren Verehrerinnen mehr als das ist. Damit die Frau in der katholischen Kirche sich nicht zu wichtig nimmt, wurde noch ein Haken eingebaut. Die unbefleckte ­Empfängnis. Maria wird damit die Körperlichkeit abgesprochen. Ein frauenfeindlicher Zug und ein wichtiges Merkmal des Monotheistismus. Weder kann man als Frau im Christentum die volle Menschlichkeit erlangen. Noch wird man wegen Empfängnis geschätzt.

Yoginis auf dem Vormarsch

Die Partizipation, die Frauen in den meisten spirituellen Traditionen untersagt blieb, ist im Yoga scheinbar vorhanden. Die Praktizierenden und Lehrerinnen sind überwiegend weiblich. Die Yoginis geben dem Yoga ein neues Gesicht. Doch gibt es einen Vormarsch einer weiblichen Spiritualität? Und was ist weibliche Spiritualität?

Wie sieht eigentlich das Leben einer durchschnittlichen Yogini aus? Das ist vollkommen unterschiedlich. Die eine lebt in der Stadt, die andere auf dem Land. Die eine hat Kinder, die andere keine. So lässt sich das unendlich weiterführen. Frauen sind auf den gleichen Bühnen wie ihre männlichen Kollegen. Das Einzige, was sie eint, ist vermutlich folgende Tatsache. Sie haben sich bislang nicht von der Außenwelt zurückgezogen. Sie alle sind tagtäglich dem Alltags konfrontiert. Diese Erfahrungen werden im spirituellen Kontext kaum thematisiert. Lama Christie McNally ist eine der wenigen weiblichen westlichen Lamas. Gerade erst hat sie ein dreijähriges Schweige-Retreat in der Wüste Arizonas beendet und sprach in Berlin und München über ihre Erfahrungen. Vorab kaufte ich mir „Das tibetische Buch der Meditation“ über die Formen der Meditation. Beim Lesen ihres Buches stelle ich fest. Im Grunde ist sie eine ganz normale Suchende. Nur hat sie diese Suche etwas ernster genommen. Ihr Vortrag ist interessant.

Extreme Erfahrungen

Aber was haben die spirituellen Erkenntnisse durch dreijährigen Rückzug in die Wüste mit mir zu tun? Sind meine Erfahrungen als Frau, Mutter, Tochter, als Teil der Gesellschaft, politisch Aktive, weibliche Arbeitskraft und beste Freundin nicht spirituell? Ich finde es tief beeindruckend, dass sie sich drei Jahre lang in die Wüste zurückzieht, um mich ­später mit ihrer ­bloßen ­Präsenz zu faszinieren. Allerdings hilft mir das nicht weiter. Denn ich sehe meine Erfahrungen als Teil der Gesellschaft nirgends widergespiegelt. Sollen die Belehrungen von allen, die sich längere ­Zeit zurückziehen, diejenigen sein, die ich für meinen Alltag benötige?

Ich suche also weiter nach Identifikationsfiguren. Mir fallen meine Großmutter und sämtliche Frauen meiner Familie ein. Meine Großmutter war eine unglaubliche Frau, die sich während des Zweiten Weltkriegs um einen Bauernhof und drei kleine Kinder kümmerte. Später pflegte sie ihren an den Rollstuhl gebundenen Ehemann. Sie war eine kleine Person von nicht mal 1,60 Metern. Ihr Ehemann war doppelt so groß und schwer. Doch sie wuchtete ihn in den Rollstuhl, von dort auf die Toilette und abends wieder ins Ehebett. Und jeden Tag dankte sie ihrem Schöpfer für ihr Leben. Sie war bis ins hohe Alter fit. Nur ihren Hausschlüssel verlegte sie ab und zu. Wenn sie ihn wieder einmal suchte, dann legte sie einfach eine Pause ein und sagte. „Herr Jesus, du weißt, wo sich mein Schlüssel befindet. Bitte zeige mir, wo er liegt.“ Selbstredend, dass jeder Schlüssel wieder auftauchte. Sie ist die spirituellste Frau, die mir je begegnet ist.

Der Alltag zählt

Weibliche Spiritualität Frau Himmelbett Gemeinschaft

Damit möchte ich die Erkenntnisse von Lama Christie nicht abwerten. Nur sind die Erfahrungen meiner Großmutter nie aufgewertet oder als spirituell betrachtet worden. Doch es sind diese Erfahrungen, die die andere Hälfte der Menschheit gemacht hat. Während die Männer das Leben bestritten und daraus Lehren ableiteten. Es sind die Praktiken der Männer, die im Christentum oder im Yoga Bedeutung hatten. Früher beruhte Spiritualität auf den Erfahrungen der „ausgezogenen“ Männer. Wenn wir von einer weiblichen Spiritualität sprechen, dann von einer der „Daheimgebliebenen“. Was kennzeichnet eine weibliche Spiritualität im Yoga? In ihrem sehr spannenden Buch „Yogini – The Power of Women in Yoga“ gibt Janice Gates eine Übersicht, wie Frauen Einfluss auf die Yogaphilosophie genommen haben. Und es noch immer tun.

Die Verbannung der Frau aus dem Yoga

Die ersten yogischen Zeugnisse belegen, dass Frauen eine aktive Rolle im spirituellen Kontext einnahmen. Sie waren dabei nicht ausgeschlossen, sondern wurden gleichgesetzt mit Fruchtbarkeit, Wachstum, Überfluss und Wohlstand. Im frühen Yoga, etwa 2600 bis 1600 v. Chr., gab es keine Trennung zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen. Auch die heiligen Schriften weisen darauf hin, dass eine weibliche Göttin ebenso wichtig war wie ein männlicher. Frauen waren dabei als Lehrerinnen, Priesterinnen und Heilige wichtiger Bestandteil. Sie waren aktiv involviert und gleichberechtigt.

Aber wie in den meisten Traditionen wurden sie auch im Yoga aus diesem Bereich verbannt. Der Brahmanismus (etwa 900 bis 600 v. Chr.), der zu Hinduismus und dem Kastenwesen führte, leistete der patriarchalen Spiritualität Vorschub. Frauen wurden in der vedischen Gesellschaft zunehmend als unrein betrachtet. Weibliches wie Menstruation, Schwangerschaft und Geburt bedrohten die brahmanischen Priester.

Ein Gleichgewicht?

Die Upanishaden verschoben den Fokus von den exklusiven Ritualen der Brahmanen hin zur inneren Spiritualität. Doch erst mit der Bhagavad Gita wurde den Frauen der Wiedereintritt gewährt. Darin ist zu lesen, jeder könne am spirituellen Leben teilhaben und es mitgestalten. Zwar betonte die Bhagavad Gita nach wie vor Jnana Yoga, das Yoga des Wissens. Das Besondere aber war die dargestellte Verbindung zwischen spiritueller Praxis und Alltagsleben durch Karma und Bhakti Yoga. Für Erleuchtung war nicht der Rückzug nötig, sondern genau das Gegenteil. Was war spirituell und was nicht? Das entschieden nicht länger die Priester, die sich auf ihre einseitig männlichen ­Erfahrungen beriefen und diese als universell verkauften.

Auch Patanjalis Yoga-Sutren stärken das Bhakti Yoga und damit das Weibliche. Mit dem Tantra war schließlich auch die spirituelle Wiedergeburt der Frau möglich. Tantra stand im Gegensatz zu den Lehren der Brahmanen. Der Körper war nicht mehr Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung. Sondern vielmehr eine Manifestation von Shakti, der göttlich-femininen Kraft. Der Körper wurde als Vehikel auf dem Weg zur Erleuchtung betrachtet. „Diese revolutionäre Spiritualität lehrte, dass Erleuchtung nirgendwo anders erlangt wird als im Hier und Jetzt“. So Gates in ihrem Buch. Tantra wurde dann zum Vorläufer des Hatha Yoga.

Frauen prägen das Bild des zeitgenössischen Yoga

Gates‘ Buch über das Wirken dieser außergewöhnlichen Frauen zeigt. Weiblichkeit ist nicht an einer Sache festzumachen. Sondern an einer Vielfalt von Erfahrungen. Die Alltagserlebnisse bilden dabei die Basis ihres Yogaunterrichts. Wie etwa Schwangerschaft und Geburt. Oder Angela Farmer, die ihren Körper nicht in starren Yogahaltungen gefangen sehen wollte. Oder Sharon Gannon, die den Unterschied zwischen Demut und Erniedrigung aufzeigen möchte. Da im Yoga ein Oberhaupt fehlt, können Frauen hier mit Spiritualität experimentieren. Denn ihre (Alltags-)Erfahrungen unterscheiden sich von den männlichen. Im Yoga kann eine Geschlechterdemokratie gelebt werden, wie sonst kaum in spirituell-philosophischen Kreisen.

Lehrerinnen wie Indra Devi waren Wegbereiterinnen für ein neues Yoga. Sie bringen weibliche Erfahrungen ein. Viele weibliche Stimmen sind verloren, weil sie als unwürdig galten. Die Frauen agierten am Rand. Sie hielten die Gemeinschaft zusammen, kochten und kümmerten sich um Kinder und Alte. Diese Erfahrungen allerdings kommen in den heiligen Schriften nicht vor. Sie waren Gegenteil zu Sakral-Männlichen. Dabei sollten wir unsere Erfahrungen selbstverständlich einbringen. Denn jeder Augenblick ist heilig. Weibliche Spiritualität ist Alltagsspiritualität.

Yoga als Alternative, Weiblichkeit zu leben

Lass uns beginnen, das aufzuschreiben und auszulegen. Und die bestehenden Schriften mit unseren Erfahrungen interpretieren. Doch wie soll das funktionieren? Was ist am morgendlichen Gedrängel in der U-Bahn yogisch-spirituell? Daraus kann man eine Menge herausholen! Wir können darüber schreiben. Wir können uns diese Erfahrungen mit der Yogaphilosophie ansehen. Denn die wenigsten werden sich länger meditativ zurückziehen. Weil die Yoga uns menschliche Ganzheit bietet. Was viele Feministinnen im Christentum vermissen, ist das A und O im Yoga.

Weibliche Spiritualität Schwestern Frauenkreis
Foto von Elly Fairytale von Pexels

Weibliche Spiritualität birgt tiefe Veränderung. Sie trägt zudem einen revolutionären Geist. Außerdem spricht sie wütend und liebevoll bisher verschwiegenes aus. Sie passt in kein Schema. Davon profitieren auch die Männer. Weiblichkeit ist so vielfältig und wandelbar wie Frauen selbst. Davon profitiert jede spirituelle Praxis. Wenn sie den Mut hat, undogmatische Vielfalt anzuerkennen. Hört sich ­irgendwie nach Yoga an, oder?

Die Bhagavad Gita: Ein Krieger auf der Suche nach Frieden

Bhagavad Gita
Bhagavad Gita Illustration: © Reedes/Images via Canva

Anstatt zum Kampf zu blasen, bricht ein Heerführer voller Angst und Zweifel zusammen. Was wie ein militärischer Skandal anmutet, ist der Beginn der Bhagavad Gita – einem der wichtigsten spirituellen Texte des Hinduismus und des Yoga. Seine zentrale Frage lautet: Wie erlangen wir Frieden?

Text: Sybille Schlegel, Titelbild: reddees Images via Canva

Er ist der beste aller Bogenschützen. Beliebt, bewundert, begeisternd. Er ist der Beschützer der Armen und ungerecht Behandelten. Er strahlt, er strotzt vor Energie, er ist unzweifelhaft ein Held. Er heißt Arjuna: der „Silberstreif am Horizont“.

Im großen Epos Indiens, dem Mahabharata, erleben Arjuna und seine Brüder verschiedene Abenteuer, beginnend mit einem verlorenen, weil gezinkten, Würfelspiel: Yudhisthira („der Kampferprobte“) verliert dabei seinen Anspruch auf den Thron an seinen missgünstigen Cousin, Duryodhana („den Falschkämpfenden“). Nomen sunt Omen: Die Geschichte beschreibt den Kampf des Guten gegen das Böse, des Lichts gegen die Dunkelheit, der Pandavas („die Weißen“, Familie Arjunas) gegen die Kauravas (die Familie Duryodhanas). Es ist ein ungleicher Kampf: Das Gute ist in der Unterzahl und doch ist es das Karma der Brüder, den Weg der Gerechtigkeit zu gehen.

Die Arjuna-Situation

In den der Bhagavad Gita vorangehenden Kapiteln des Mahabharata wird Arjuna zu einem Helden stilisiert. Er zeichnet sich ebenso durch seinen unnachahmlichen Fokus beim Bogenschießen aus wie durch seine Moralität im Kampf für das Gute. Zu Beginn des sechsten Kapitels stehen sich dann endlich beide Seiten auf dem Schlachtfeld gegenüber: Der Erzähler berichtet von den würdigen Kriegern beider Seiten, er beschreibt, wie sie sich, zum Losschlagen bereit, gegenüberstehen. Man kann es sich lebhaft vorstellen: Das Schnauben und Stampfen der Pferde, jemand hustet, der Wind pfeift leise. Sonst Stille, die Ruhe vor dem Sturm.

Arjuna lässt den Wagenlenker vor seine aufgereihten Mannen fahren. Der Wagen stoppt. Alle halten den Atem an. Gleich wird Arjuna auf seinem Muschelhorn zum Angriff blasen … So weit, so Braveheart. Doch was dann passiert, ist ein hollywoodreifer Clou: Der Held bricht zusammen! Zitternd, blass und voller Zweifel klagt er dem Wagenlenker sein Leid, also demjenigen, der ihn in die gewünschte Richtung leiten soll.

DIE GITA AUF
EINEN BLICK

* Kapitel VI des Epos Mahabharata

* 18 Gesänge


* Dialog zwischen Schüler und Lehrer

* Vier Yogawege:

Jnana Yoga, der Yoga der Erkenntnis
Raja Yoga, der Yoga der Meditation
Karma Yoga, der Yoga der Tat
Bhakti Yoga, der Yoga der Liebe
(Oft werden auch nur drei Wege genannt,
die Meditation wird ausgenommen als Technik für Jnana.)

Ein moralisches Dilemma

Arjuna hat das Gefühl, dass egal, was er auch anstrebt, falsch ist: Kämpft er, tötet er seine Verwandten und Freunde, was seiner Ehre als Krieger entgegensteht, der doch seine Familie beschützen sollte. Kämpft er dagegen nicht und lässt den „bösen“ Kauravas den Sieg, so handelt er entgegen seiner Pflicht, denn ein Krieger ist in der Standesgesellschaft des alten Indiens nun mal zum Kämpfen da.

Ein klassisches Dilemma, aus dem er keinen Ausweg sieht. Sein Geist wirbelt wie ein entfesselter Sturm. Alles, was Arjuna jetzt will, ist Frieden: „Sag mir, was ich tun soll,“ fleht er seinen Wagenlenker an. „Ich bin dein Schüler!“

Die Weisheit weist den Weg

Arjuna fragt allerdings nicht irgendwen: Sein Wagenlenker ist der Gott Krishna. Bisher einer seiner Jungs, einer, mit dem man durch dick und dünn gehen kann. Jetzt zeigt sich, dass Krishna über wahre Weisheit verfügt. Denn anstatt in Arjunas Lamento einzustimmen, hört er sich dessen Problem an und lächelt. Lächelt? Es ist ein wissendes Lächeln, wie das einer Mutter, deren Kleinkind das Ende der Welt in einem zerbrochenen Keks fühlt.

Krishna
Gott Krishna Illustration: © Cascoly via Canva

Sie lächelt, weil sie weiß, es geht vorbei, es ist nicht das Ende, es ist das, was es ist – und das Kind wird es lernen. Krishna lächelt, weil er sieht, dass sein Freund in seinem Leid und durch sein Leid genau an dem Punkt ist, an dem er lernen und wachsen, selbst weiser werden kann.

An dieser Stelle der Erzählung beginnt die eigentliche Lehre der Bhagavad Gita und wir tun gut daran, zuzuhören. Denn natürlich sind wir in gewisser Weise wie Arjuna: Wir kennen Leid und suchen inneren Frieden. So kann die Bhagavad Gita auch für uns zu dem werden, was sie schon für Johann Wolfgang von Goethe war: ein Text, der unser Leben maßgeblich beeinflusst.

Jnana Yoga: Erkennen, was wirklich ist

Zurück zu Arjuna: Sein Problem ist nicht wirklich der Kampf, sein Problem ist die Unruhe seines Geistes. Der Geist ist es, der ein Problem verkündet hat: kämpfen oder nicht kämpfen? Und er kann keine Lösung finden. Einerseits, andererseits, aber, jedoch, oder… Man kennt das. Die Nadel hängt im Kratzer der Dualität und wiederholt wirbelnd, einsaugend und einnehmend, was man nicht hören will. Ach, Geist, wenn du doch mal die Klappe halten würdest!

Krishna weiß den Ausweg: den Weg nach innen. Krish bedeutet auf Sanskrit nach innen ziehen oder in die eigene Kraft ziehen. Krishna ist also einer, der die Energie, die nach innen, in die Quelle der eigenen Kraft führt. Und gleichzeitig ist er selbst das Innerste und die Kraft, wie er Arjuna im 9. Gesang erklärt. Weg und Ziel. Einheit.

Der Dialog beginnt – etwas unüblich für einen Yogatext – mit dem Thema Tod. Arjunas Furcht, sich mit dem Töten der Gegner Schuld aufzuladen, hat ja schließlich sein Dilemma mit ausgelöst. Krishna versucht, ihm das Unerklärliche zu erklären: Die ewige Seele (Atman) ist das, was ewig und damit einzig wirklich ist. Alles andere ist im Prozess des Kommens und Gehens befindlich und dadurch nur temporär existent. Dieses Temporäre ist nach Krishnas Ausführungen aber nicht „wirklich“. Demnach kann Arjuna nur die temporären Körper töten, niemals aber den wahren Kern des Seins.

Es hilft hier, den Blick von der erzählten Geschichte auf die Symbolebene zu heben: Es geht hier nicht so sehr um die Frage „Töten oder nicht töten?“, sondern eigentlich um das Wesen des Seins und der Existenz. Um Purusha (Geist, Essenz) und Prakriti (Materie, Natur), um den Tanz von Shiva und Shakti. Wer das Wesentliche erkennt, wird frei von Angst und Kummer. Aber so einfach ist das nicht: weder für Arjuna noch für uns …

Raja Yoga: Meditieren bis zum Eins-Sein

Unruhe verschwindet in der Präsenz der Ruhe. Angst in der Gegenwart der Liebe. Leid in „dem Moment, in dem man nichts vermisst“, wie Sri Brahmananda Sarasvati den Begriff Yoga oft definiert hat. Krishna weist Arjuna an, zu meditieren: sitzend auf einem Haufen Kuhu-Gras, die Nase zur Brust gesenkt, äußerlich bewegungslos, innerlich still. So, sagt er, kann er in sich spüren, was eins ist, der Ursprung von allem, das existiert und in allem enthalten ist. Brahman, Atman, Purusha, Shiva, Krishna – die Yogaquellen kennen viele Namen, aber der Name ist irrelevant, die Realisierung des Einen ist ausschlaggebend.

Denn dann kann Arjuna erkennen, dass sein Problem ein Problem des Geistes ist, der alles in Gegensatzpaare ordnet, gemäß seiner dualen Art. Dass alles kommt und alles geht. Das Wesen der Existenz im Unterschied zum Wesen des Seins, das ewig ist. Arjuna gefällt, dass es etwas gibt, das er tun kann. Als Angehöriger des Kriegerstands ist ihm Handeln näher als Kontemplation. Realistisch wie er ist, weist er Krishna darauf hin, dass er in seinem Alltag, zumal aktuell auf einem Streitwagen inmitten zweier aufgestellter Heere sitzend, wenig Raum hat für langwierige Meditationen.

Und wer kennt das nicht? Auch wenn bei den meisten der Kampfplatz aus Arbeitsstelle, Familie, Urlaubsplanung, Karriere-Überlegungen, Hausputz etc. besteht … Gibt es noch eine andere Möglichkeit, fragt er seinen Freund?

Karma Yoga: Handeln im Jetzt

Es gibt sie. Die Praxis für alle, die keine Zeit für Praxis haben. Die mitten im Leben stehen, auf ihrem individuellen Schlachtfeld. Tu, was du tun musst, sagt Krishna. Aber kümmere dich nicht um das Ergebnis. Diese Stelle triggert uns zur Verantwortung und Effizienz erzogenen modernen Menschen doch sehr: Ist ergebnis-unorientiertes Handeln nicht dasselbe wie zielloses Handeln? Wo ist die Motivation? Wo das Weiterkommen, der Fortschritt?

Willst du wirklich, dass dein Arzt handelt „ohne an die Früchte zu denken“? Natürlich nicht, ist mein erster Gedanke. Aber: So ein Arzt wäre vor allem ein konzentrierter Arzt, dessen Fokus auf dem reinen Handeln liegt, was ja ein gutes Ergebnis bedingt. Was ich nicht will, ist ein Arzt, der während der OP an seine Quartalsabrechnung denkt, an seinen Fähigkeiten zweifelt oder innerlich beim nächsten Golfspiel ist (um mal ein paar Klischees zu bemühen). Und genau darum geht es: Um die Konzentration, den Fokus. Handeln mit einem ruhigen Geist. Ohne Citta Vrttis (Gedankenbewegungen), wie es Patanjali nennen würde. Dann ist man in dem Teil des Selbst, das nicht aus dem denkenden Geist besteht. So sieht Handeln im Yoga aus. Denn Frieden ist innerer Frieden.

Bhakti Yoga: Lieben geht immer

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, einen weiteren Pfad des Yoga. Und der ist Krishna eigentlich am liebsten: Lieben. Im Verständnis, dass Krishna in allen Manifestationen steckt. Die Einheit in der Vielfalt erkennend und schätzend. „Handle so, dass es für alle gut ist“, sagt Krishna. Verhalte dich umsichtig, rücksichtsvoll, mitfühlend, respektierend, verständnisvoll, frei von Gewalt, zugewandt. Das ist Hingabe an das Leben, ebenso wie an das Sein selbst. Herz über Kopf. Wahrer Frieden.

Arjuna findet seine Fassung wieder und nimmt den Kampf auf. Moment mal? Morden um des Friedens willens? Entspann dich, Geist. Es ist symbolisch zu verstehen! Arjuna kämpft gegen Gewohnheiten, Ängste, den eigenen windigen Geist. Er kämpft für den Frieden, den laut Sri Nisargadatta Maharaj derjenige verdient, der ihn nicht stört.


Sybille Schlegel ist unsere Lieblingsautorin, wenn es um alltagstaugliche Texte zur Yogaphilosophie geht: So locker und leicht, so tief und wahr, einfach wunderbar! Dieser Text stammt aus unserer Reihe im YOGAWORLD JOURNAL „Die wichtigsten Texte der Yogaphilosophie“. Mehr über Sybille erfährst du auf ihrem Instagram Account. Live kannst du sie in Mainz erleben, im Hatha Vinyasa Parampa Studio, das sie gemeinsam mit Andreas Ruhula leitet.


Du willst noch tiefer in die Lehren der Bhagavad Gita eintauchen? Hier geht es zu einer passenden Podcast-Folge mit dem Yogaphilosophie-Experten Dr. Eckard Wolz-Gottwald:

#105 Gelassen altern mit Pro Age Yoga – mit Elena Lustig

Wie Yoga unsere Einstellung zum Älterwerden transformiert und Vitalität schenkt

Das Älterwerden ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft geradezu gefürchtet wird. Dabei ist unser paradoxer Umgang mit dem Thema Altern besonders interessant. Einerseits gibt es einen riesigen Markt für Faltencremes, Botox und Schönheitsoperationen. Andererseits wird das Altern regelrecht tabuisiert, denn irgendwie will keiner so richtig zugeben zu altern. Aber warum ist das so? Und wie kann Yoga dabei helfen, diesen Prozess mit Gelassenheit und Vitalität zu erleben? Darüber sprechen Gastgeberin Susanne Mors und die erfahrene Yogalehrerin Elena Lustig in dieser Folge „YogaWorld Podcast“. 

Elena hat sich darauf spezialisiert Yoga auf das Älterwerden abzustimmen und nennt diese Art Yoga zu üben „Pro Age Yoga“. Dabei ist ihr wichtig zu zeigen, dass Yoga nicht nur unseren Körper beim gesund Altern unterstützt, sondern auch unsere innere Einstellung zum Älterwerden positiv beeinflussen kann – eben Pro Age und nicht Anti Age. So teilt Elena ihre Expertise und gibt viele praktische Tipps, wie eine entsprechende Yoga Praxis konkret aussehen kann. Zum einen kann diese Praxis präventiv wirken und zum anderen helfen, mit den Herausforderungen des Älterwerdens besser umzugehen. Zudem verrät sie, welche philosophischen Ansätze uns helfen gelassen und glücklich zu altern.

Der Sponsor dieser Folge ist YogaMeHome. Mit dem Code YogaWorld14 könnt ihr das Online-Studio für zwei Wochen kostenlos testen. Hier entlang:  https://www.yogamehome.org/gutschein

Dr. Ronald Steiner: Alignment Cues für Baddha Konasana

Baddha Konasana: Alignment Cues

Ein Klassiker in vielen Yogastunden: der Schustersitz oder Baddha Konasana wörtlich übersetzt: die gebundene Winkelhaltung. Sie gilt als klassischer „Hüftöffner“, erhöht also die Flexibilität in den Hüftgelenken. Auf den ersten Blick scheint sie simpel zu sein, für eine gesunde Ausführung ist aber überraschend viel Aufmerksamkeit nötig.

Text: Dr. Ronald Steiner / Fotos: Richard Pilnick

Wirkung von Baddha Konasana

Baddha Konasana entwickelt die Flexibi­lität aus einer Kombination von Außen­rotation und Abduktion im Hüftgelenk. Das Zusammenspiel dieser beiden Bewegungsrichtungen wird oft „Hüft­öffnung“ genannt.

So geht’s

Baddha Konasana: Alignment Cues

Step 1: Beginne in einem aufrechten Sitz. Lasse dabei deine Oberschenkel locker nach außen rollen und beuge die Knie, bis sich die Fußsohlen berüh­ren können.

Step 2: Fasse nun von außen um das Fußgelenk herum deine Fersen und ziehe sie nahe an dein Becken.

Step 3: Zum Schluss kippst du den Oberkörper langsam nach vorne, bis sich Bauchnabel und Fersen einander annähern. Die Hände bleiben an den Fersen, während sich die Ellenbogen beugen und dicht am Körper vorbei nach hinten ziehen. Wenn möglich, setzt du das Kinn am Boden auf.

Alignment Cues

Gutes Alignment schützt in dieser Haltung vor allem die Knie und erweitert zugleich den Bewegungsraum im Hüftgelenk. Diese Tipps können dir helfen:

Druck erzeugt Zug: Drücke die Fersen kraftvoll gegeneinan­der, noch während du aufrecht sitzt (Step 2). Dieser Druck nach innen erzeugt im Hüftgelenk einen Zug nach außen. So zentriert sich der Oberschenkelkopf in seiner Gelenkpfanne und es entsteht mehr Raum für seine Bewegung.

Knöchelstabilität: Um uns beim Laufen vor versehentli­chem Umknicken und Stürzen zu schützen, stabilisieren wir reflexartig das Hüftgelenk, sobald das Sprunggelenk ver­dreht wird. Bei Baddha Konasana kann dieser Reflex leicht gegen uns arbeiten: Wenn wir mit den Händen an den Ze­hen ziehen, kommt Spannung auf das Sprunggelenk und automatisch limitiert die Muskulatur rund um das Hüftge­lenk dessen Flexibilität.

Fasse daher von außen unter den Schienbeinen hindurch, bis deine Finger die Fersen berühren. Das hebt die Fersen leicht an und die Schienbeine set­zen sich in der Richtung des Fußrückens in gerader Linie fort. Mit dieser Stabilität in Knöchel und Rückfuß kannst du Mittelfuß und Vorfuß entspannen. Der vordere Teil der Fuß­sohle weist entspannt nach oben, während die Fersen fest gegeneinander drücken.

Gegenrotation von Becken und Oberschenkel: Sobald du den Oberkörper nach vorne neigst (Step 3), kippen oft auch Becken und Oberschenkel nach vorne. Dabei entsteht Druck auf die Innenmenisken, was eine Verletzung provozieren kann. Achte daher darauf, die Bewegung des Oberkörpers nach vor­ne isoliert aus dem Hüftgelenk heraus entstehen zu lassen. Das kannst du erreichen, indem du die Vorderseite der Ober­schenkel bewusst nach außen hinten ziehst. Behalte diese außenrotierende Spannung und die Position der Oberschenkel während des Kippens des Beckens bei.

Alternative: Basic Form von Baddha Konasana

In der links beschriebenen traditionellen Form birgt Baddha Konasana bei nicht ausreichender Hüftflexibilität und einer nicht ganz perfekten Ausführung die Gefahr, die Knie zu überlasten. Vor allem bei Vorschädigungen am Innenmeniskus empfehle ich daher diese sicherere Basic Form.

So geht’s

Baddha Konasana Alignment Cues

Step 1: Beginne auch hier in einem auf­rechten Sitz, lasse die Oberschenkel locker nach außen rollen und beuge deine Knie, bis sich die Fußsohlen berühren können.

Step 2: Halte deine Füße dabei so weit vom Becken entfernt, dass die Knie­gelenke nur etwa rechtwinklig gebeugt sind.

Step 3: Um dich nun zusätzlich nach vorne zu beugen, platzierst du deine Hände vor den Füßen auf dem Boden und stützt dich auf ihnen ab. Auch hier bewegst du dich nur aus den Hüft­gelenken heraus. Die Knie bleiben in der Luft und du kannst sie zusätzlich mit Kissen oder schräg gestellten Blöcken abstützen.


Dr. Ronald Steiner ist Arzt, Wissenschaftler und Sportmediziner sowie einer der bekanntesten Ashtanga­-Yogis. Mehr zu ihm findest du auf seiner Website ashtangayoga.info. Mehr zu Baddha Konasana erfährst du unter https://tinyurl.com/23maezcz.

Auch im „YogaWorld Podcast“ war Dr. Ronald Steiner bereits mehrmals zu Gast. Wie z.B. in dem spannenden Zweiteiler über Yogatherapie:

Geben und Nehmen: Klare Statements zum Thema „Yoga und Geld“

Ist es nicht auffällig, wie verschämt und verklemmt es häufig wird, sobald wir im Zusammenhang von Yoga über Geld sprechen? Dabei verdient dieses Thema genauso viel Bewusstsein und Klarheit wie alle anderen Aspekte des Lebens.

Text: Stephanie Schauenburg, Titelbild: bondarillia via Canva

Spiritualität und schnöder Mammon, das hat scheinbar noch nie zusammengepasst: Erleuchtete Menschen brauchen nichts und wollen nichts, sie geben mehr als sie nehmen und opfern sich auch gerne auf, wenn es um eine gute Sache geht, ist schließlich gut fürs Karma … Dieses Bild hält sich hartnäckig, vielleicht sogar umso mehr, als es das genaue Gegenteil der gnadenlos kapitalistischen Welt ist, in der wir leben. Geldgierige Ausbeuter*innen hier, heilige Asket*innen dort, Luxus auf der einen Seite, schlichte Genügsamkeit auf der anderen. Wahrer Reichtum liegt ja im Inneren. Aber wo bewegst du dich selbst in diesem Schwarz-Weiß-Bild? Und ganz konkret: Darf man mit Yoga Geld verdienen?

Was sagen die Upanishaden dazu?

Ein Blick in die alten Schriften zeigt: Selbst im alten Indien waren spirituelle Lehren nicht umsonst zu haben: Ein gewisser Janashruti bietet dem erleuchteten Raikva 1000 Rinder, seinen Wagen und eine Menge Goldschmuck an, damit der ihn unterweist. Satyakama hütet zwölf Jahre lang die Rinder seines Gurus. Genauso lange kümmert sich Upakosala im Haus seines Lehrers um die Feuerstellen. Nur drei beliebige Beispiele aus der Chandogya Upanishad, die zeigen: Es gab wohl auch im Yoga immer das Prinzip von Leistung und Gegenleistung. „Energieaustausch“, nannte man das in spirituellen Kreisen eine Zeitlang gerne – meistens in Zusammenhang mit sehr bescheidenen Preisen. An denen hat sich seit Jahren nichts geändert.

3 Modelle, wie es funktioniert

Eigentlich bräuchten wir viel mehr professionelle Lehrende, die sich mit vollem Einsatz dem Yoga widmen. Aber Yoga als Hauptberuf funktioniert nur in drei Modellen (oder einer Mischung aus ihnen). Erstens Askese: Ich entscheide mich bewusst für einen genügsamen Lebensstil. Zweitens Unabhängigkeit: Ich bin dank Erbe, Ehe oder früherer Karriere nicht auf Verdienst angewiesen. Oder drittens: Ich bekenne mich zum Unternehmertum. Letzteres ist immer eine Gratwanderung: Einerseits muss auch ein Yoga-Business finanziell funktionieren, um Bestand zu haben – und wie schwierig das ist, haben wir nicht zuletzt während der Pandemie erlebt.

Andererseits wünscht sich niemand eine Yogawelt, die von Profitdenken geprägt ist und in der alle Dollarzeichen in den Augen haben. Der Anspruch, Yoga für alle zugänglich zu machen, darf kein Lippenbekenntnis bleiben, und im Zentrum sollte niemals der Umsatz stehen, sondern immer die ideelle und menschliche Ebene. Die alten Geschichten machen es vor: Auch in den Upanishaden ist die „geschäftliche“ Transaktion nie der Kern, aber sie ist eben auch keine Nebensächlichkeit. Bei den (sicherlich absichtlich übertriebenen) 1000 Rindern oder zwölf Jahren als Diener ist immerhin klar, dass alle Beteiligten sehr genau wissen, wie kostbar das ist, was hier vermittelt wird.

Was bedeutet Geld für uns?

Aber es steckt noch mehr Potenzial in dem Thema: Welche Beziehung haben wir überhaupt zu Geld? „Viele Menschen machen Geld für alle Übel der Welt verantwortlich, vermeiden es aber, sich ihr eigenes Verhältnis dazu wirklich klar vor Augen zu führen,“ meint Brent Kessel. Er ist Buchautor, Yogi und Mitbegründer einer Firma für nachhaltige Investments. Sein Credo: „Geld kann ein spiritueller Lehrer sein, wenn man bereit ist, ihm mit demselben Grad an Bewusstheit und klarer Intention zu begegnen wie anderen spirituellen Praktiken.“ Eigentlich eine spannende Idee, oder?

Was sich bei dieser Selbstreflexion zeigt, wird individuell sehr verschieden sein: Für die einen ist finanzielle Sicherheit ein wichtiges Bedürfnis, andere leben mehr im Vertrauen, dass immer genug da sein wird. Manche geben allzu leicht Geld aus, andere kämpfen damit, es jemals loszulassen. Diese Neigungen, Widerstände und Ängste reichen sehr tief ins eigene Wesen, aber man kann sie als Yogi*ni ebenso freundlich anschauen wie den Dehnungsschmerz in einer Vorwärtsbeuge – und mit der Zeit bewusster und entspannter im Umgang mit ihnen werden. Vielleicht können wir dann auch im Yoga endlich unverkrampfter über Geld sprechen.

Nachgefragt: Wie stehst du zum Thema Yoga und Geld?

Wir haben uns im Rahmen der YOGAWORLD JOURNAL-Ausgabe 05/23 mal in der Yoga Community umgehört. Diese spannenden und doch teils unterschiedlichen Aussagen konnten wir sammeln:

Thomas Meinhof:

„Wir müssen über geld sprechen!“

„Auch im Yoga, wo hauptsächlich mit Luft und Liebe gehandelt wird, gilt: Geld ist nichts Böses, im Gegenteil. Es ermöglicht uns wunderbare Dinge, wie zum Beispiel eine ordentliche Schulbildung für unsere Kinder, ein paar Tage am Meer oder auch den Besuch einer Yogaklasse. Nicht mal in den alten Schriften findet sich etwas Abfälliges hinsichtlich des Materiellen. Yoga und Geld sind für Yogaprofis untrennbar miteinander verbunden. Und darum solltest du dich als Yogalehrer*in auch darum kümmern, dass es in deine Richtung fließt. Denn weder Prana noch Karma werden am Ende deine Miete bezahlen.

Obwohl du für dein Teacher Training vermutlich nicht gerade wenig bezahlt hast, wurde dort über Geld erstaunlich wenig gesprochen. Wahrscheinlich gibt es keine andere Berufsausbildung, aus der die Schüler*innen in Sachen Finanzen und Organisation so ratlos herauskommen, wie die der Yogalehrenden. Mathematik beschränkt sich dort im Allgemeinen auf fünf Atemzüge pro Asana, und selbst die Frage, was Yogalehrende pro Stunde verdienen, wird in der Regel alles andere als transparent beantwortet. Dabei leben wir in einer Welt des perfektionierten Kapitalismus. Und in dieser Welt regieren nicht Gurus mit langen Bärten, sondern Gelehrte in Sachen BWL. Wenn du als Yogalehrer*in in dieser Welt überleben willst, musst du einen Zugang zum System finden.“

In seinem Buch „Selbstständig mit Yoga“ hat der Münchner Yogalehrer und studierte Betriebswirt THOMAS MEINHOF (aka YogaDude) ein kompaktes – und humorvolles – Gründer-Coaching für Yogi*nis zusammengestellt.

Tipp: Thomas hat für uns bereits mehrere Artikel geschrieben. Besonders passend hierzu: „Tipps vom Yogadude: Was verdient man als Yogalehrer*in?“


Ronald Steiner:

„Es geht auch anders.“

Mir ist es wichtig, die Lehren der Yogaphilosophie auch praktisch zu leben. Deswegen verfolgen wir bei AYI einen anderen Ansatz als die meisten Yogaschulen: Es gibt bei uns keine festen Preise pro besuchter Stunde, sondern einen Mitgliedsbeitrag. Dafür kannst du wöchentlich 25 Yogastunden in unserem Studio oder online besuchen, Inspiration aus über 650 aufgezeichneten Tutorials und Yogastunden ziehen und sogar unsere Sauna genießen. Wir geben also mit vollem Enthusiasmus alles, was wir können. Wie viel du zurückgeben möchtest, entscheidest du selbst. Denn die Mitgliedschaft bei uns hat keinen festen Beitrag, du legst völlig frei fest, wie viel du monatlich zahlst.

Auf diese Weise ermöglichen wir es auch Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln, Yoga vollständig zu erleben und in seinen Tiefen zu erfahren. Es macht mich glücklich, wenn ich nach einer schönen Yogapraxis in die strahlenden Augen von Menschen blicke. Dabei ist es mir egal, was sie jeweils finanziell beitragen. Gelingt dieses Experiment? Wir denken: Ja! Finanziell ist das Ergebnis oft eng. Doch die AYI Community trägt sich. Wir sind dankbar für die verantwortungsvolle Selbsteinschätzung all der wundervollen Yogin*is, die über ihre Mitgliedschaft ein Teil dieser Gemeinschaft sind.

Das AYI-Studio von Yogi, Arzt, Ausbilder und Autor RONALD STEINER findest du in Ulm oder online unter ashtangayoga.info


Lisa Hoerz-Weber:

„Dankbarkeit und Hingabe.“

Yoga ist ein göttliches Geschenk, etwas Heiliges. Yoga zu erfahren ist eine Gnade. Demut und Dankbarkeit dürfen daher an erster Stelle stehen. Wenn wir Yoga aus tiefer Glückseligkeit lehren, dann fühlen wir uns verbunden. Wenn wir Yoga primär für Geld unterrichten, dann fühlen wir uns erschöpft und leer. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass ich sowohl meine individuelle Arbeit als Yogalehrerin als auch unser gemeinsames Ausbildungsinstitut von null aufgebaut habe. Geleitet hat mich dabei immer die Dankbarkeit für Yoga. Am Anfang habe ich oft kostenlos oder für wenige Euro unterrichtet. Mit der Zeit kamen automatisch unternehmerische Aspekte hinzu: Mieten, Gehälter, Steuer. Aber sie dürfen nicht im Zentrum stehen.

Seit einigen Jahren praktiziere ich aktiv die Hingabe zu Gott und ich erkenne, dass es im Grunde immer diese Hingabe war, die mich dorthin geführt hat, wo ich heute bin. Auch der Yogahof, den wir gerade aufbauen, ist durch diese Hingabe in unser Leben gekommen. Was uns leitet? Das tun, was zu tun ist. Mehr geben als nehmen. Wahre Größe und Reichtum zeigen sich nicht in dem, was du hast oder dir zufällt, sondern in dem, was du gibst. Jeden Tag, wenn ich aufwache, richte ich mich darauf aus. Ich übe Meditation, Dankbarkeit und Akzeptanz. Was kommt, das kommt. Wenn wir dabei innerlich in der Mitte bleiben können, dann sind wir reich – und frei.

Mit dem Ausbildungsinstitut Hatha Yoga Institut in Graz, ihrem Studio Yoga and More und dem Umbau eines alten Bauernhofs zum Yogahof haben sich LISA HOERZ-WEBER und ihr Mann Martin Weber viel vorgenommen. Sie nimmt es mutig und vertrauensvoll: „Geld ist immer im Fluss.“

Podcast-Tipp: #82 Bhakti Yoga: Entdecke die Kraft der Hingabe – mit Lisa Hoerz-Weber


Nicole Bongartz:

„Es gibt Handlungsbedarf!“

Ich sehe ganz viele Yogalehrende, die irgendwann ausbrennen: Sie geben wahnsinnig viel, aber es kommt in monetärer Form sehr, sehr wenig zurück. Dadurch entsteht eine energetische Dysbalance. Viele bilden sich jahrelang in unzähligen Trainings fort, aber ihre Stunden kosten immer noch gleich viel. Ich finde, da haben wir uns zu viel von dem asketischen Ideal übergestülpt, ohne dass das für die meisten zu der Art passt, wie sie leben: Natürlich kann man sagen, ich will weniger essen, weniger reisen, weniger Kleider besitzen, einfach weniger konsumieren, deshalb kann ich auch für kleines Geld unterrichten. Aber für die meisten Frauen, die ich unterrichte, passt das eben nicht. Die haben oft Kinder, möchten gute Lebensmittel kaufen, nachhaltig reisen und für all das brauchen sie eine gute Menge Geld.

Das kann nur funktionieren, wenn wir Yoga in der Wertigkeit positionieren, die es hat. Dazu müssen wir klarmachen: Wir haben etwas sehr Wertvolles anzubieten – und es darf innerhalb der Yogawelt auch Unterschiede geben. Warum soll die 10er-Karte bei einer sehr erfahrenen Lehrerin gleich viel kosten wie bei allen anderen? Man kann ja auch Jeans kaufen für 20 Euro und welche für 200. Dahinter steckt – vor allem bei Frauen – oft auch ein Selbstwertproblem: Ich kann eine Personal-Training-Stunde für 200 Euro nur anbieten, wenn ich auch das Gefühl habe, dass sie das wert ist. Es gibt also eine Reihe von Faktoren, die allesamt dazu führen, dass das Preisniveau im Yoga nicht angestiegen ist, in so vielen anderen Bereichen aber schon. Ich finde, da gibt es wirklich Handlungsbedarf, denn sonst brechen uns die guten Yogalehrer*innen irgendwann weg.

NICOLE BONGARTZ ist als Lehrerin, Ausbilderin und Gründerin von Lord Vishnus Couch in Köln eine der einflussreichsten Yoginis hierzulande. Sie bekennt sich zu ihrem Unternehmertum – und auch dazu, einen Hang zum Luxus zu haben.


Cornelia Brammen:

„Wir nennen nicht den richtigen Preis.“

Yoga ist gesellschaftlich relevant – sowohl Lifestyle-Yoga als auch Soziales Yoga. Tag für Tag begleiten Yogalehrende Menschen durch Unsicherheit, Angst und Krisen. In der Pandemie haben sie wirkungsvoll gestützt und stabilisiert. Wir in der Yogawelt wissen, dass Yoga wirkt. Aber wir nennen dafür nicht den richtigen Preis. Oder wir tun es und erleben merkwürdige Dinge: Wenn eine Yoga-Unternehmerin wie Sinah Diepold vom Personalmanager eines Konzerns ernsthaft gefragt wird, wieso sie denn Geld für einen Yoga-Workshop wolle, es mache ihr doch Spaß, Yoga zu unterrichten – dann sind wir noch nicht da, wo wir sein sollten.

Auch wenn unser Verein „Yoga für alle“ Wohlfahrtsverbänden und Behörden immer wieder erklären muss, was soziale Arbeit mit Yoga ist und dass sie einen Preis hat, sind wir noch nicht da, wo wir sein sollten. Qualifiziertes Yoga hat einen Preis. Der fängt für Yogalehrende bei etwa 60 Euro netto pro Stunde an, damit es wirtschaftlich Sinn ergibt. Deshalb: Hört auf, kostenlos Yoga anzubieten! Seid solidarisch und rechnet aus, wie viel ihr braucht, um ausschließlich vom Yoga leben zu können! Daraus resultieren echte Preise, die allen Yogalehrenden nützen.

Und denkt in Arbeitsteilung: Lifestyle-Yoga für Menschen, die sowohl ökonomisch wie psycho-sozial dazu in der Lage sind – und Soziales Yoga (in Kooperation mit sozialen und staatlichen Einrichtungen) für Menschen, die nicht am Lifestyle-Yoga teilnehmen können. Wenn wir das alle gemeinsam ab sofort berücksichtigen, bekommt Yoga die Wertschätzung, die es verdient. Dann klappt es auch mit dem Pricing bei Konzernen, Behörden und anderen Institutionen, die Yoga für ihre Mitarbeiter*innen, Gäste, Klient*innen, Patient*innen, Besucher*innen anbieten wollen.

Als Geschäftsführerin des Vereins Yoga für alle e.V. steht CORNELIA BRAMMEN auch für die zahlreichen Programme von „Yoga hilft!“: präventives Yoga für Grundschulkinder in Brennpunktvierteln, psychosensitives Yoga und Yoga für Senior*innen.

Podcast-Tipp: #37 Sozialarbeit durch Yoga – mit Cornelia Brammen


Wie stehst du zum Thema Yoga und Geld? Lass gerne einen Kommentar da!

Das könnte dich auch interessieren:

#104 Kosmische Einflüsse: Die Verbindung von Astrologie und Yoga – mit Antonia Langsdorf

Wie das Sternenwissen deine spirituelle Reise bereichern und vertiefen kann

Die Astrologie widmet sich der Interpretation der himmlischen Konstellationen, also den Stellungen von Planeten, Sternen und Monden zu bestimmten Zeiten. Diese sollen sich auf das Leben auf der Erde auswirken. In den Welten von Yoga und Astrologie treffen zwei alte Traditionen aufeinander, die auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich erscheinen, aber auch tief verbunden sind. Diese Verbindung geht auf die uralten vedischen Traditionen zurück, in denen Yoga und Astrologie als Teil eines umfassenden Systems spirituellen Wissens betrachtet wurden. 

In dieser Folge „YogaWorld Podcast“ begrüßt Moderatorin Susanne Mors die Astrologie-Expertin Antonia Langsdorf, um über die subtilen Einflüsse der kosmischen Zyklen auf unser Leben zu sprechen. Zunächst erklärt Antonia den Unterschied zwischen der Astrologie, wie sie hier bei uns im Westen praktiziert wird, und der vedischen Astrologie. Dann erfolgt eine Einführung in diverse astrologische Grundlagen, wie Tierkreiszeichen und Aszendenten. Dabei geht Antonia auch auf die typischen Eigenschaften der Sternzeichen und ihre Bedeutung im spirituellen Jahreskreis ein. 

Besonders spannend wird es bei der Frage wie man Yoga und Astrologie in der Praxis kombinieren kann. Hier teilt Antonia Einblicke darüber, wie du bestimmte Asanas und Yogapraktiken auf die Sternzeichen abstimmen kannst und verrät wie Planetenkonstellationen den Energiekörper und die Chakras beeinflussen können. Du erhältst viele wertvolle Impulse, wie Astrologie und Yoga zusammenarbeiten können, um dein persönliches Wachstum zu fördern.

Hier geht’s zur Abstimmung beim deutschen Podcastpreis: https://www.deutscher-podcastpreis.de/podcasts/yogaworld-podcast/

Hier geht‘s zu Antonias Begleitartikel zur Folge: 

Yoga und Astrologie: Astrologische Zyklen für die Praxis nutzen – von Antonia Langsdorf

Astrologie und Yoga Maximusnd Zahar via Canva

Die Astrologie lässt sich auf verschiedene Arten mit Yoga verbinden. So kann man sich zum Beispiel bei den Yogaübungen vom Lauf der Sonne durch die zwölf Sternzeichen und dem Mondzyklus und seinen Phasen inspirieren lassen. Antonia Langsdorf erklärt, wie du diese Zyklen für deine Praxis nutzen kannst und welche Planeten dich dabei unterstützen können.

Text: Antonia Langsdorf, Titelbild: sydaproductions via Canva

Es gibt viele tolle Möglichkeiten Astrologie und Yoga zu verbinden! Aktuell ist Glücksplanet Jupiter besonders hervorgehoben, weil er am 26. Mai ins Zeichen Zwillinge wechselt. Wir könnten uns durch Yogaübungen, die unser drittes Auge, unseren Geist und unseren Optimismus stärken, mit dieser kosmischen Kraft verbinden. Auch Übungen, welche die Leber, Hüftregion und Oberschenkel stärken, wecken Jupiters positive Energie im Körper.

Antonia Langsdorf im „YogaWorld Podcast“

In der neuesten Folge „YogaWorld Podcast“ begrüßt Moderatorin Susanne Mors die Astrologie-Expertin Antonia Langsdorf, um über die subtilen Einflüsse der kosmischen Zyklen auf unser Leben zu sprechen.

Planeten und Chakren

Yoga und Astrologie
Nutze die Energie der Planeten als Inspiration für deine Yogapraxis. Foto: AdisResic via Pixabay

Interessant ist auch die Verbindung zwischen den sieben Chakren und Planeten, denn genau wie die Chakren stehen auch die Planeten für bestimmte Energien und Themen im menschlichen Erleben, und genau wie die Chakren haben auch die Planeten Körperregionen, denen sie zugeordnet sind. Diese Systeme lassen sich nicht ohne weiteres in Deckung bringen und es gibt auch keine allgemeingültige Zuordnung zwischen Planeten und Chakren, das darfst du nicht denken.

Wenn das irgendeiner behauptet, dann ist das frei erfunden. Falls du das recherchierst, wirst du auch feststellen, dass verschiedenste Zuordnungen durchs Netz geistern, aber wie gesagt, keine davon kann den Anspruch erheben, allein gültig zu sein. Für mich macht es am meisten Sinn, wenn man die Planeten ganz intuitiv zuordnet und danach geht, welche Planeten in etwa den Energien der Chakren entsprechen. 

Daraus ergibt sich folgende Zuordnung: 

  • 7 Kronenchakra: Jupiter, Uranus
  • 6 Drittes-Auge-Chakra: Neptun, Jupiter
  • 5 Halschakra: Merkur
  • 4 Herzchakra: Mond, Venus
  • 3 Solarplexus-Chakra: Sonne, Mars
  • 2 Sakralchakra: Jupiter, Venus, Pluto
  • 1 Basis Chakra oder Wurzelchakra: Mars, Saturn, Mond (Instinkte)

Die Verbindung von Chakren und Energien beim Yoga zu nutzen ist vielleicht dann besonders nützlich, wenn man das eigene Horoskop und die wichtigen Planeten gut kennt und weiß, welches Planetenthema gerade eine Stärkung gebrauchen könnte oder vielleicht hat man gerade einen schwierigen Transit oder man möchte das Thema einfach besser ganzheitlich integrieren.

[real3dflipbook id=“47″ mode =“normal“]

Wir wissen ja, alles ist mit allem verbunden. Man kann also eine Verbesserung im Leben durch eine Yogaübung anstoßen, während man vielleicht in der Außenwelt auf andere Weise an diesem Thema arbeitet. 

Beispiel Yoga/Geburt

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben ist eine unvergessliche Yogasituation, die ich erleben durfte, als ich mit meiner Tochter Marilen hochschwanger war, das war wenige Wochen vor der Geburt. Ich habe dieses Erlebnis in meinem Buch „Lilith – die Weisheit der ungezähmten Frau“ verewigt und zitiere aus meinem Buch: 

„Bis direkt vor meiner Geburt absolvierte ich meine regelmäßigen Yogakurse bei Birgit, meiner spirituellen Lehrerin. Einige Wochen vor meiner Niederkunft machte sie mit uns eine Gruppenmeditation. Mit der Gruppe baute sie einen Tempel aus Licht auf und sagte dann: ‚Wenn eine von euch besondere Energie braucht, kann sie jetzt in die Mitte des Kreises gehen und die gebündelte Energie empfangen.‘

Meditative Geburtserfahrung

Ich ließ mich nicht lange bitten und nutzte die Gelegenheit. Ich kniete mich in die Mitte und schloss die Augen. Während Birgit leise die Meditation weiterführte, sah ich vor meinem inneren Auge, wie sich mein Basischakra öffnete, trichterförmig zur Erde hin und tiefrot leuchtend. Ich hatte die Vision, dass meine Tochter durch diesen Trichter wie auf einer Rutsche aus meinem Körper auf die Erde glitt und mich aus großen Augen anschaute. Es war wundervoll. Und es sollte schließlich genauso kommen.“

Ich habe dann tatsächlich eine Hausgeburt hingelegt, mit fantastischer Unterstützung unserer Hebamme Andrea. Sie leitete uns so an, dass ich die finale Phase der Geburt in der Hocke absolvieren konnte, wobei mich Marilens Vater in den Armen hielt. 

Und ich zitiere noch mal: „Wir fanden einen Rhythmus, in dem wir uns von den Presswehen mitreißen ließen und zwischendurch entspannten. Das Kind war auf dem Weg. Ich konnte es spüren. Die Presswehen waren wie riesige Ozeanwellen, die mich mitrissen. Ich nahm so gut wie keinen Schmerz wahr, nur eine unglaubliche, heiße, strahlende Energie im Bereich meines Basischakras.

Eine transformierende Entwicklung

Schließlich war meine Tochter da, aufgefangen von unserer wundervollen Hebamme, und schaute mich mit großen Augen an. Sie war auf die Welt geglitten wie in meiner Vision aus dem Yoga-Lichtkreis. Sie schrie nicht und weinte nicht. Sie wirkte vollkommen … ja, zufrieden. Ja, meine kleine Göttin war zufrieden, wie alles gelaufen war.“

Für mich war das eine besondere spirituelle Entwicklung, von der verunsicherten 37-jährigen „Spätgebärenden“ zu einer selbstbewussten Schwangeren, die eine Hausgeburt hinlegen konnte. Ich bin sicher, dass meine regelmäßigen Yogasessions bis kurz vor der Geburt erheblich dazu beigetragen haben, dass ich diese Entwicklung nehmen durfte.

Yoga und Jahreslauf, Planeten, Sonnengruß

Ein weiterer guter Weg, Yoga mit Astrologie zu verbinden wäre, sich bei den Yogaübungen vom Jahreslauf der Sonne durch die zwölf Sternzeichen inspirieren zu lassen, oder von den 13 Mondzyklen mit ihren Phasen, von den vier Sonnenwendpunkten oder man kann sich auch einzelnen kosmischen Kräften widmen.

Da werde ich sofort kreativ, wenn ich mir das vorstelle. Und für die Königin des Horoskops die Sonne, gibt es ja bereits die beste Übung aller Zeiten, den Sonnengruß! Und vielleicht gibt es ja auch schon andere Planetenübungen, die ich jetzt nur nicht kenne, weil ich keine Yogaspezialistin bin. 

Aber mir fällt dazu auch selber ganz viel ein, zum Beispiel Lilith Yoga – das wäre ein Yoga, was die Hormone und die innere Leidenschaft stimuliert und uns in Verbindung mit unserer wilden Urkraft bringt. 

Mars Yoga wäre ein dynamisches Yoga mit Übungen im Stand, z.B. „der Krieger“. 

Mond und Hormonyoga passt gut zusammen, wir wissen ja dass die Mondin unseren Zyklus steuert. 

Jupiter Yoga wären demnach Übungen, die unseren Optimismus, unsere innere Stärke und unseren Weitblick stärken, da fallen mir ganz wunderbare Übungen für die Augen ein, die meine Yogalehrerin immer mit uns gemacht hat. 

Saturn Yoga können Übungen sein, die stark erdend wirken und auch Übungen, bei denen wir gewissermaßen der Schwerkraft trotzen und den Körper damit herausfordern. Außerdem regiert Saturn die Grenzen, das heißt Saturn ist in dem Konzept enthalten, dass man im Yoga immer bis an die Grenze heran, aber nicht darüber hinausgehen soll.

Bei Uranus denke ich an Übungen, die den Rhythmus fördern und die Atmung herausfordern. 

Neptun ist der Planet der Fantasie, der Träume und der Bilder, dazu passen geführte Meditationen oder Yogaübungen, die das Erleben innerer Bilder fördern. 

Venus Yoga wäre demnach eine Übungsfolge, die das Herz und die Beziehungsfähigkeit stärkt und vielleicht auch die Nieren und die Blasenregion, die der Venus untersteht und mit dem Thema Beziehungen in Verbindung gebracht wird. 

Yoga im Einklang mit der Zeitqualität

Und wenn man dann Yoga im Einklang mit der Zeitqualität gestalten will, dann kann man sich von den jeweils gültigen Sternzeichen und Elementen anregen lassen. Da gibt es dann auch wieder viele Möglichkeiten. Man kann sich auf die jeweilige Jahreszeit und die Themen des jeweiligen Sternzeichens einlassen oder man kann den Planetenherrscher des Monats würdigen.

Zum Beispiel kann man in der Zwillinge-Zeit im Juni Übungen machen, die zu Merkur passen, dem Planeten des Denkens und der Kommunikation. Übungen, die ganz konkret die Zunge und den Sprechapparat stärken oder die Empathie in der Kommunikation fördern. Mit Merkur bzw. Zwillinge werden auch die Hände und die Arme verbunden, sehr gut dazu passen Mudras, die Übungen der Hand. Da gibt es so viele tolle Möglichkeiten! 

Verbinde dich mit den Elementen

Oder man geht nach den Elementen, das ist auch eine tolle Sache. Wenn die Sonne zum Beispiel in einem feurigen Zeichen steht wie Widder, Löwe oder Schütze könnte man dynamische Übungen machen, die das innere Feuer stärken, den Enthusiasmus anfachen, auch die sexuellen Kräfte und die Leidenschaft anregen. Und so kann man das natürlich auch mit den anderen Elementen Erde, Wasser und Luft durchspielen. 

Ich denke, vor allem für Yogalehrende oder auch alle, die allein Yoga praktizieren und Anregungen suchen, welche Übungen sie so machen könnten, bietet die Verbindung zur Astrologie ohne Ende Anregungen. Dafür reicht ein intuitives Grundwissen über Astrologie oder man kann ja auch ganz einfach im Internet recherchieren, welche Sternzeichen und Planeten gerade gültig sind oder Furore machen. 

Das erfährst du auch bei mir auf meinem YouTube Kanal oder auf Instagram, da poste ich Deutungen zu wichtigen Planetenbewegungen. Und im Monatshoroskop findest du viele wertvolle Infos darüber, welche kosmischen Energien gerade wirken und integriert werden wollen. Außerdem, wie diese auf dein Sternzeichen bzw. den Aszendenten wirken.

Ich wünsche dir viel Freude damit, kreativ die Verbindung zwischen Yoga und Astrologie auszuprobieren!


Yoga und Astrologie
Foto: Antonia Langsdorf

Antonia Langsdorf studierte freie Kunst in Köln und begann parallel ihre Medienkarriere, als Kultur- und Musikjournalistin. Nach einem Studium der traditionellen Astrologie ist sie heute eine international gefragte Vortragsrednerin. 2013 wurde ihr Erfolgsbuch „Lilith – die Weisheit der ungezähmten Frau“ veröffentlicht. Seit 2016 betreibt sie ihren YouTube Kanal „Antonias Sterne“.

Mehr zu Antonia Langsdorf unter www.antonialangsdorf.com