Hier kommt ein spielerisch-tänzerischer Detox-Twist unserer „Yoga Journal“-Asana-Kolumnistin Jelena, die es sich wie immer nicht nehmen lässt, gewohnten Yogahaltungen einen neuen Dreh zu verleihen. Mit dieser Drehhaltung hilfst du deinem Körper beim Entgiften.
Entgiftung ist schon lange ein Trend-Thema. Dabei entgiftet der Körper ja eigentlich ganz von selbst, wenn man ihn denn lässt (anstatt ihn immer weiter mit Giftstoffen zu füttern). Dazu leisten Leber, Darm, Nieren und die Bauchspeicheldrüse den größten Beitrag. Dennoch kann man sich durch Drehhaltungen gut bei der Verdauung, Ausscheidung und damit beim Entgiften unterstützen. Und wie heißt es so schön: „Du bist so alt wie deine Wirbelsäule!“ Das klingt vielleicht provokant, aber es entspricht der Wahrheit. Wer jung und agil bleiben will, sollte Drehhaltungen üben. Sie reinigen nämlich nicht nur die die inneren Organe, sie verzögern auch das Altern, indem sie die Wirbelsäule geschmeidig halten.
Dafür gibt es Twists in allen Schwierigkeitsgraden: komplexe in Kombination mit Balance wie beim gedrehten stehenden Mond oder ganz einfache Drehsitze wie Ardha Matsyendra, was auch die Basis dieser Variante ist. Der sogenannte „Bind“, das Verbinden der Hände hinter dem Rücken macht diesen einfachen Twist zu einem Stretch für die Schultern. Wird dann zusätzlich noch das Bein gestreckt wie bei einer grazilen Ballerina, dann kommt noch eine Dehnung der Beinrückseiten hinzu. Nimm dir aber Zeit für die einzelnen Schritte und erzwinge nichts, sonst wird aus der feinen Bilderbuch-Ballerina eher ein wenig eleganter Elefant.
Ballerina Twist: Muss ich das können?
Nein. Voraussetzung ist, dass du im Drehsitz mit oder ohne Hilfe eines Gurtes deine Hände hinter dem Körper verbinden kannst. Aber wie immer gilt: Wer Spaß an kleinen, feinen, aber nicht minder spannenden Details hat, wird seine Freude an Spielereien wie dem Ballerina-Twist haben. Wichtig: Lächeln nicht vergessen!
Wie bereite ich mich auf die Drehhaltung vor?
Zum Aufwärmen wirken Sonnengrüße wahre Wunder, vor allem was die Beweglichkeit der rückseitigen Faszienkette angeht. Einfachere Drehungen bereiten die Wirbelsäule auf diesen intensiveren Twist vor, dazu eignen sich zum Beispiel Drehungen im Ausfallschritt, aus Krieger 1 oder auch der einfache Drehsitz mit einem am Boden ausgestreckten Bein.
Step by Step Anleitung
Foto: Bella Lieberberg
Beginne im Sitzen mit aufgestellten Füßen und angewinkelten Beinen. Auf dem Foto siehst du den Twist nach links, aber zur Unterstützung der Verdauung beginnst du am besten seitenverkehrt mit der Drehung nach rechts. Dafür ziehst du den linken Fuß zur rechten Gesäßhälfte und legst Knie und Unterschenkel am Boden ab.
Als nächstes setzt du deinen rechten Fuß an der Außenseite des linken Oberschenkels auf den Boden. In dieser Haltung erdest du beide Sitzknochen und lässt die Wirbelsäule Richtung Himmel wachsen.
Greife dein rechtes Knie mit der linken Hand. Atme ein und strecke dabei den rechten Arm zur Decke. Mit der Ausatmung stellst du die rechte Hand dann rechts hinter sich auf Fingerspitzen oder der Handfläche auf.
Verweile 2-3 Atemzüge in diesem Twist, bevor du zur gebundenen Variante übergehst. Dafür schiebst du die linke Schulter so weit es geht vor das rechte Knie, um hinter dem Rücken mit der rechten Hand zur linken greifen zu können. Falls das nicht auf Anhieb gelingt, verbindest du die Hände mithilfe eines Gurtes oder einer Socke. Betone weiter mit jeder Einatmung die Länge der Wirbelsäule und vermeide es, den Rücken zu runden.
Sobald sich diese Version stabil und gut anfühlt, versuche langsam das rechte Bein zu strecken. Nach 2-5 Atemzüge wechselst du dann behutsam die Seite.
Wenn es unangenehm in der Hand kribbelt, ist häufig ein Nerv eingeklemmt, meistens im sogenannten Karpaltunnel. Es gibt aber auch noch andere Engstellen in Handgelenk und Unterarm. Therapeutische Yogaübungen können helfen, solche Druckstellen wieder frei zu bekommen – und dir nicht selten eine OP ersparen.
Sicher kennst du das: Man berührt aus Versehen die heiße Herdplatte und zuckt instinktiv zurück, weil einem der Schmerz förmlich durch den Arm schießt. Doch was genau passiert da im Körper? Sinnesrezeptoren nehmen den äußeren Reiz auf und wandeln ihn in einen elektrischen Impuls um. Der fließt über eine lange Nervenfaser zum Rückenmark. Dort wird er auf einen weiteren Nerv übertragen und zum Gehirn geleitet. Durch die Verarbeitung im Gehirn können wir die Empfindung dem Ursprungsort zuordnen. Damit wir nun aber auch entsprechend reagieren können, funktioniert der gleiche Prozess auch in umgekehrter Richtung: Das Gehirn sendet elektrische Impulse zum Muskel, der sie in eine Kontraktion umwandelt. So steuert das Gehirn die Aktivität unserer Muskulatur – und damit Körperspannung, Gelenkstellung und Bewegung.
Druck als Nervenreiz
Im Idealfall funktioniert dieser Vorgang in beide Richtungen reibungslos. Wenn jedoch die lange Nervenbahn zwischen Sinnesrezeptor und Rückenmark an irgendeiner Stelle gestört ist, wird ein verfälschter Impuls weitergeleitet. Genau das passiert, wenn es in der Hand kribbelt: Eine Engstelle im Bereich von Unterarm und Handgelenk erzeugt Druck. Dieser Druck wird übertragen in einen elektrischen Impuls, und das Gehirn deutet das ankommende Signal so, als käme er von einem äußeren Reiz. Die Folge: Die Hand fühlt sich an, als würde sie von Ameisen gezwickt. Hält der Druck über längere Zeit an, dann läuft die verfälschte Reizübertragung oft nicht nur von der Hand zum Gehirn, sondern auch wieder zurück. Die Folge sind schmerzhaft Lähmungserscheinungen in den Muskeln der Hand.
Beim ersten Kribbeln zum Arzt
So weit solltest du es nicht kommen lassen. Suche am besten schon bei kribbelnden Gefühlen in der Hand den Arzt auf. Wird der Nerv nämlich stark zusammengedrückt, ist bald eine Operation erforderlich. In den meisten Fällen wird der Arzt jedoch damit einverstanden sein, dass du erst einmal mit Übungen aus der Yogatherapie arbeitest und auf diese Weise versuchst, die Engstelle wieder zu lösen. Ob du damit erfolgreich bist, kann der Arzt leicht kontrollieren.
Die typischen Engstellen
Die Handwurzel wird durch ein quer verlaufendes Band (Retinaculum Flexorum) in eine leichte Wölbung gezogen. Gleichzeitig hält dieses Band die zu den Fingern führenden Sehnen an ihrem Platz. Auch ein Nerv (Nervus Medianus) zieht unter diesem Band hindurch. Diese Engstelle heißt Karpaltunnel. Schwellen hier die Beugesehnen der Hand beziehungsweise der Finger an, dann kann der darunterliegende Nerv komprimiert werden. Auch ein Aufweiten der Wölbung der Handwurzel oder das Ansammeln von Flüssigkeit unter dem Band können Druck auf den Nerv erzeugen. Weil der Nervus Medianus die ersten drei Finger (Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger) innerviert, kribbeln diese bei Druck auf den Nerv. Eine weitere Engstelle für die zur Hand führenden Nerven ist eine Vertiefung an der Elle (Sulcus Ulnaris). Durch sie verläuft der gleichnamige Nerv (Nervus Ulnaris). Er leitet Empfindungen aus Ring- und Kleinfinger zum Gehirn.
Sicher kennst du den in die Kleinfingerseite der Hand schießenden Schmerz bei Stößen gegen den Ellenbogen: Man jault nicht selten laut auf, weswegen man diese Stelle auch „Musikantenknochen“ nennt. So ein gelegentlicher Stoß ist für den Nerv nicht weiter problematisch. In manchen Situationen ist der Kanal im Knochen aber verengt oder umliegendes Gewebe ist geschwollen. Dann erfährt der Nerv einen konstanten Druck und es kribbelt permanent in diesem Bereich der Hand.
Weil alle zur Hand führenden Nerven durch die Muskulatur des Unterarms führen, können auch Verspannungen dieser Muskulatur die Nerven irritieren. Sogar der sehr sensible auf Stress reagierende kleine Brustmuskel (M. Pectoralis Minor) ist nicht selten die Ursache: Ist er chronisch verkrampft, dann zieht er das Schulterblatt nach vorn und der Raum für die Nervenbahn zwischen Muskel, Schulterblatt und Rippen wird enger.
Ein Effekt, zweifache Ursache
Welche dieser Engstellen nun für dein kribbelndes Gefühl hauptverantwortlich ist, muss der Arzt bestimmen, wenn eine Operation geplant ist. Für die Yogatherapie befreien wir erst einmal die beiden wesentlichen zur Hand führenden Nervenbahnen: den Nervus Medianus im Karpaltunnel und den Nervus Ulnaris im Sulcus Ulnaris. Beide können auch durch Verspannungen der Unterarmmuskulatur irritiert sein – und oft ist eine Kombination von verschiedenen Faktoren die Ursache. So kann es sein, dass die verhärtete Unterarmmuskulatur den Nerv bereits irritiert und die Enge im Karpaltunnel oder Sulcus Ulnaris tut dann ein Übriges.
All diese Bereiche sprechen wir mit diesen vier Übungen für eingeklemmte Handnervenan an. Zusätzlich lohnt es sich, noch etwas intensiver am Schulter- und Nackenbereich zu arbeiten.
Dr. Ronald Steiner ist Sportmediziner, Wissenschaftler und einer der bekanntesten Ashtanga-Yogis. Die von ihm begründete AYI-Methode steht für traditionelles Ashtanga-Yoga und innovative Yogatherapie. Sein Ziel: Körper und Geist zueinander in eine harmonische Balance führen. Mehr unter: AshtangaYoga.info
Mit den Büchern “Vegan Foodporn” und “Vegan Soulfood” kochte sich die Autorin und leidenschaftliche Foodbloggerin Bianca Zapatka bereits in unsere Herzen. Ihr Geheimrezept: köstliche vegane Wohlfühlgerichte, die einem schon beim Ansehen den größten Appetit machen. In ihrem Buch “Vegan Cakeporn” findet sich auch das Rezept für diese Schokobrötchen.
Für 9 Stück / Zubereitungszeit: ca. 30 Minuten / Vorbereitungszeit: ca. 15 Minuten / Ruhezeit: ca. 1 Std. 15 Minuten
Zutaten:
500 g Weizen- oder Dinkelmehl 160 g Sojajoghurt oder mehr Sojadrink (zimmerwarm) 120 ml Sojadrink 100 g vegane Schokodrops oder andere backfeste Schokolade 70 g brauner Zucker 50 g vegane Butter (in kleine Stücke geschnitten; zimmerwarm) 1 Päckchen Trockenhefe oder ½ Würfel frische Hefe 1 TL Salz Sojasahne zum Bestreichen
Zubereitung:
Den Sojadrink auf ca. 40 °C erwärmen und in eine kleine Schüssel gießen. Dann 2 EL Zucker und die Hefe darin auflösen. Anschließend ca. 3 Minuten beiseite stellen, bis die Mischung beginnt zu schäumen (so weiß man, dass die Hefe arbeitet). In einer großen Schüssel Mehl, Salz und den restlichen Zucker vermischen.
In die Mitte eine Mulde formen und die Hefemischung hineingießen. Sojajoghurt und Butterstücke dazugeben und von außen mit einem Holzlöffel einarbeiten, bis sich alles verbunden hat. Den Teig auf eine Arbeitsfläche geben und mit den Händen ca. 5-8 Minuten kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht (oder eine Küchenmaschine mit Knethaken verwenden). Anschließend den Teig in eine geölte Schüssel legen, mit einem feuchten Geschirrtuch abdecken und ca. 45-60 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich der Teig verdoppelt hat. Alternativ kann man ihn auch über Nacht in den Kühlschrank stellen, wo er langsam aufgeht.
Nach der Ruhezeit die Schokodrops vorsichtig in den Teig einarbeiten. Dann zu 9 Brötchen formen (je 110 g) und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech (oder in eine Auflaufform/Backform) setzen, dabei ca. 1 cm Abstand lassen. Mit einem Geschirrtuch abdecken und nochmals für 20-30 Minuten gehen lassen.
Nach ca. 15 Minuten Gehzeit den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Schokobrötchen mit Sojasahne bestreichen (damit sie später schön glänzen) und ca. 25-30 Minuten backen.
Tipps:
• Bitte das Mindesthaltbarkeitsdatum der Hefe prüfen, denn die Verwendung »alter« Hefe kann dazu führen, dass der Teig nicht aufgeht.
• Für fluffige Brötchen helles Weizenoder Dinkelmehl. Wenn man ein schwereres Mehl wie Vollkornmehl verwendet, werden die Brötchen weniger aufgehen und härter werden. Eine Mischung aus hellem Mehl und Vollkornmehl wäre dann besser geeignet.
• Man kann auch Kokosblütenzucker oder jeden anderen Zucker oder Zuckerersatz nach Wahl verwenden.
• Sojadrink und Sojajoghurt eignen sich am besten für veganes Backen. Man kann aber stattdessen auch andere pflanzliche Milch- oder Joghurtsorten verwenden.
• Empfehlung: backfeste Schokodrops, damit sie nicht schmelzen, wenn sie in den Teig eingearbeitet werden.
• Das Kneten des Hefeteigs ist sehr wichtig, damit die Brötchen weich und fluffig werden.
Unsere YOGA WORLD-Kolumnistin Denise Klier gibt euch Einblicke in die Verbindung zwischen der Numerologie und Yoga – diesmal geht es um die Zahl Drei…
Auf Sanskrit heißt die Drei „Tri“ und stellt eine Grundzahl dar. Sie steht für das Göttliche und spiegelt sich z.B. in der Trimurti, der Dreifaltigkeit von Brahman, Vishnu und Shiva.
Dieser Zahl widmet sich sogar ein ganzer Yoga-Stil, nämlich TriYoga: Asanas, Pranayama und Mudras sind bei diesem Stil die drei tragenden Säulen.
Auch in Asanas ist die Drei weit verbreitet. Am bekanntesten wird euch Uttitha Trikonasa (Dreieck) sein, oder Tri Pada Adho Mukha Svanasana (dreibeiniger Hund) sowie Haltungen, in denen wir ein Dreieck bilden. Janu Shirshasana (Kopf-Knie-Stellung) oder Baddha Konasana (Schmetterling) werden der Drei zugeordnet.
Janu Shirshasana – die Kopf-Knie-Haltung
Drei in mystischen Traditionen und in der Numerologie
Sie ist und bleibt die Zahl des Glücks und des Erfolgs. So sind aller guten Dinge drei, wir klopfen drei mal auf Holz, spucken drei mal über unsere Schulter und sagen toi toi toi. Im christlichen Glauben kennen wir die Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Diejenigen, die unter der Zahl 3 geboren wurden, werden gerne als Problemlöser bezeichnet. Ihr seid innovativ und findet schnell Lösungen, weil ihr über den Tellerrand hinaus denkt und einzigartig alltägliche Probleme meistert. Ihr seid optimistisch und habt eure kindliche Seite behalten.
Drei in der Astrologie
Die Zahl 3 steht für Jupiter. Menschen, die am 3., 12., 21. oder 30. eines jeden Monats geboren sind, werden dem Jupiter zugeordnet. Ihr seid ehrgeizig, diszipliniert, seid offen und euch eurer Handlungen jederzeit bewusst. Eure größte Schwäche ist, dass ihr ungern versagen wollt und dazu neigt, selbst kleine Misserfolge zu hart zu bewerten.
Drei im Buddhismus
Buddhisten glauben, dass es drei Eigenschaften gibt, die allen im Leben gemeinsam sind. Sie sind als die drei Zeichen der Existenz bekannt und heißen Dukkha (Leid), Anatta (Unpersöhnlichkeit) und Anicca (Unbeständigkeit).
Diese drei Zeichen der Existenz sind wichtig, da ihre Überwindung Buddhisten hilft, Nibbana, das Ende des Leids, zu erlangen bzw. Leiden zu beenden.
Drei im Hinduismus
Die Trimurti oder Trideva ist die dreifache Gottheit der höchsten Göttlichkeit im Hinduismus. In ihr sind die kosmischen Funktionen der Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung als Triade enthalten, personifiziert von Brahman (dem Schöpfer), Vishnu (dem Bewahrer) und Shiva (dem Zerstörer). Interessanterweise ist im Hinduismus die Zahl drei keine Glückszahl.
Unsere YOGA WORLD-Kolumnistin Denise Klier ist Pilates und Yogalehrerin in München.
Denise findet ihr unter www.deniseklier.com und auf Instagram unter @diebienenkönigin. Dort teilt sie ihr tägliches Leben, Reisen, Yoga, Tipps und Tricks für deine Praxis und vieles mehr!
„Lass es los, das bringt doch nichts.“ Ein gut gemeinter Ratschlag von Freunden, wenn wir uns mal wieder verzweifelt an etwas festklammern, das uns nicht gut tut. Oft wissen wir, dass unser Gegenüber Recht hat. Und doch setzen wir lieber unzählige Kommas als einmal einen Punkt. Und genau darum steht das Loslassen im Fokus unseres Montags-Mantras.
Loslassen gehört zum Leben
Wie oft hälst du an Menschen, Situationen oder Gedanken fest? Wie oft willst du dir beweisen, dass du eine Kämpfernatur bist und gibst nicht auf? Dabei bedeutet loslassen nicht, dass wir flüchten, Schwäche zeigen oder die Kontrolle abgeben. Vielmehr fordert es eine ganze Portion Mut, sich von negativen Aspekten im Leben zu lösen. Es beweist innere Stärke, einzusehen, wenn etwas sinnlos ist. Um im Fluss des Lebens voranzukommen, kann man sich nicht an jeden kleinen Ast in der Strömung klammern. Loslassen gehört zum Leben dazu. Wieso nicht darauf vertrauen, dass bei uns bleiben wird, was auch dahin gehört?
Der englische Philosoph Alan W. Watts sah das ähnlich. Er war der Auffassung, dass wir das Leben und seine Geheimnisse nicht verstehen können, solange wir es greifen und festhalten wollen. Er vergleicht es mit fließendem Wasser eines Flusses. Versuchst du, es in einen Eimer einzufangen, wirst du enttäuscht sein. Es verliert seine besondere Eigenschaft und wird still stehen. Lasse Menschen, Situationen und Gedanken kommen und gehen ohne sie kontrollieren zu wollen. Erfreue ich am Fluss des Lebens und wachse an seinem ständigen Wandel. Nur so hast du die Hände frei und bist offen für das, was danach kommt.
„Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen.“ – Hermann Hesse
Du möchtest gern noch mehr inspirierende Gedanken lesen? Hier findest du noch weitere Mantras.
Immer wenn Menschen, die mit Yoga nichts am Hut haben, erfahren, dass ich Yogalehrerin bin, bemerken sie entweder „Na, dann musst du ja total entspannt sein!“ oder sie turnen mir den Baum vor. Jelena Lieberberg erklärt dir Vrikshasana ausführlich.
Vrksa (= Vrikshah, Baum) bzw. Vrksasana, heißt eine der wenigen vokalarmen Haltungen im Yoga. Es gibt mehrere Schreibweisen: vielleicht kennt ihr sie auch als Vriksanasa, Vrksasana oder Vrikshasana. Ähnlich wie Tadasana (Berghaltung) oder Savasana (Totenstellung) scheint sie so vermeintlich einfach zu sein. Das ändert sich aber schlagartig, wenn man die Augen schließt, während man auf einem Bein steht.
In Anfängerkursen gerne unterrichtet, hat diese Gleichgewichtshaltung im Stehen mehr mit der Ruhe bzw. Unruhe des Geistes als mit der körperlichen Verfassung zu tun. Erstaunlich dabei und für den rationalen Verstand erstmal eine harte Nuss ist: In Balance zu sein, bedeutet nicht Stillstand. Es heißt, offen für Veränderungen zu sein! Mal wankt man mehr, wie Baumwipfel in einer herbstlichen Böe, mal weht nur ein frühlingshaftes Lüftchen. Dabei sind minimale Bewegungen im Fuß des Standbeins zu spüren, die, wenn man sie zulässt, Gleichgewicht überhaupt erst ermöglichen. Wenn es gelingt, dann kann es so sein, als stünde man einfach nur in der Berghaltung (Tadasana).
Schritt für Schritt
1 Stelle dich in Tadasana (Berghaltung) auf eine Matte oder den Boden.
2 Setze den linken Fuß entweder an die Innenseite des Oberschenkels (klassische Variante), stelle die Zehen am Boden an die Inneseite des rechten Fußes (leichte Variante) oder ziehe das Bein in den halben Lotus (fortgeschrittene Variante). Dabei drehst du das linke Knie nach außen und richtest das Becken auf.
3 Erde dich über das Standbein, den Baumstamm, und verwurzel sich, indem du die Innenseite des Standbeins in Richtung Mittellinie ziehst.
4 Die Hände sind vor dem Herzen aneinandergelegt, die Schulterblätter leicht zueinander gezogen, das Gesicht ist weich. Lass den Atem gleichmäßig fließen.
5 Versuche langsam, den Blick nach innen zwischen die Augenbrauen zu senken und mit der Zeit die Augen ganz zu schließen. Anschließend wechselst du für Vrikshasana die Seiten.
TIPP: Manchmal ist es leicht, das Gleichgewicht zu halten, manchmal gar nicht. Aber wenn sich ein Gefühl der Ruhe ausbreitet, kannst du diese Konzentration vielleicht nach und nach auf 1 Minute ausdehnen. Diese Variante des Baumes mit geschlossenen Augen wird dir zeigen, wie geduldig und engagiert du praktizierst, ohne aufzugeben oder frustriert zu sein!
Nicht gesellschaftsfähig: So empfinden sich viele Menschen, die nach einer Covid-19-Infektion mit Folgebeschwerden kämpfen. Forscher*innen suchen nach Ursachen und Heilungsmethoden, doch schon jetzt können Yoga und Ayurveda helfen, das angegriffene System wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
TEXT: CHRISTINA RAFTERY
Wird mein Kaffee demnächst nach Benzin riechen? Wird es vielleicht Monate dauern, bis ich wieder Saft von Wasser unterscheiden kann? Diese Fragen markierten einen Tiefpunkt im Frühjahr 2021, als ich mich, infiziert mit dem Corona-Virus, in einer 14-tägigen „häuslichen Quarantäne“ befand, glücklicherweise ohne große körperliche Beschwerden, aber abgespannt und ängstlich. Urplötzlich konnte ich nichts mehr schmecken und riechen. Darauf reagiert eine Journalistin wie ich vor allem mit: intensiver Recherche. Und dann mit entsprechend wachsender Sorge. „Du schaust zu viel nach“, sagte meine zehnjährige Tochter, eine unbeirrte Optimistin: „Wird schon alles gut.“
Sie hat recht: Was schon bei leichtem Unwohlsein fatal ist, kennt hinsichtlich der Corona-Berichterstattung keine Grenzen. So begegneten mir Krankheitsbilder wie „Parosmie“ oder „Kakosmie“, Erkrankungen des Riechhirns, in deren Folge Dinge plötzlich nicht mehr oder ganz anders riechen: Parfüm wie Windeln, Tee wie Gülle. Glücklicherweise verzog sich das Phänomen nach einer Woche. Körperlich hat die Infektion (vorerst) keine Folgen – außer dem Gefühl, durchaus Federn gelassen zu haben und manche Freundschaft in neuem Licht zu sehen. Nicht alle stellten nämlich Currys vor die Tür, gaben rührenden Zuspruch oder wohltuende Online-Yogastunden. Einige gingen auch auf eine Distanz, die eindeutig über die nötigen Abstandsregeln hinausreichte.
Genesen, aber gesund?
Gemeinsam geht jetzt wieder vieles leichter – und vor allem geht es! Den Umständen entsprechend. Geöffnete Studios, nur ohne Hilfsmittel und Assists, Reisefreiheit, aber vorangemeldet und bepackt mit Zertifikaten, Festivals und Retreats in Aufbruchsstimmung, aber mit Auflagen. Die Zoom-App werden wir so schnell nicht löschen. Gelernt haben wir so eindrücklich wie noch nie, dass nichts sicher oder vorhersehbar ist, sondern immer im Wandel. Und es gibt neue Freiheiten für die Davongekommenen!
Aber wie steht es überhaupt mit uns vermeintlich „Genesenen“? Unter den Stichworten „Post-“ oder „Long Covid“ machen zwei Syndrome von sich reden, die im Sprachgebrauch nicht deutlich definiert und voneinander abgegrenzt sind. Manchmal gleichen sie allgemeinen Erschöpfungszuständen, zu oft beeinträchtigen sie den Alltag der Betroffenen aber in aller Härte. Die Rede ist von teils vorerkrankten, aber auch überraschend vielen zuvor kerngesunden Menschen, die sich mit Covid-19 infizierten und teilweise auch Monate nach der vermeintlichen „Genesung“ an schweren Belastungen leiden. Zu körperlichen Folgen wie Lungenschäden, Atemnot, Konzentrationsschwierigkeiten und chronischer Müdigkeit, die oft selbst einfachste Alltagstätigkeiten unmöglich machen, kommen nicht selten die traumatisierende Erfahrung von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein, dazu Ängste und Ausgrenzung bis hin zu gesellschaftlicher Stigmatisierung. Zehn Prozent aller Corona-Patienten leiden auch zwölf Wochen nach der akuten Erkrankung noch unter oft unspezifischen Symptomen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In Deutschland wären das rund 360.000 Menschen.
Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der München-Klinik Schwabing, nennt Long Covid ein medizinisches „Chamäleon“ mit „überraschenden“ Symptomen. „Es ist nicht geklärt, warum wer was bekommt“, erklärte der Mediziner im Rahmen eines Gesundheitsforums der Süddeutschen Zeitung: „Und da ist die Panik, dass immer noch etwas dazukommen kann.“ Den Unterschied zwischen Post- und Long Covid sieht die Berliner Heilpraktikerin Manuela Heider de Jahnsen auch in der Intensität des erlebten Traumas: Seien die körperlichen Symptome abgeklungen, gelte man als „genesen“ und freue sich zunächst, „überhaupt überlebt zu haben.“ Beim Long Covid, so de Jahnsen, die ihren Schwerpunkt unter anderem in der Yoga- und Ayurvedatherapie hat, komme der Schock nach, dazu ein Gefühl des Versagens, Perspektivlosigkeit, Panikattacken und chronische Müdigkeit – ein Zustand, der nicht klar von einer Depression unterschieden werden könne.
Noch weiß man zu wenig. Daher werden entsprechende Forschungsprojekte in Deutschland bereits mit mehreren Millionen Euro gefördert. An Kliniken entstehen erste Long-Covid-Ambulanzen, verschiedene medizinische Fachrichtungen veröffentlichen Studien und Leitlinien. Sie in konkrete Hilfsmaßnahmen umzusetzen, ist nicht nur für Praxen und Krankenkassen bisher Neuland.
Kontrolle über das Kopfkino
Das öffentliche Leugnen der Pandemie und die Ablehnung der Schutzmaßnahmen macht es für Betroffene nicht gerade leichter. Prof. Dr. Martin Teufel, der Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Duisburg-Essen, sieht darin „Verdrängungsmechanismen“, mit denen die Corona-Skeptiker*innen versuchten, „einer lähmenden Angst auszuweichen.“ Gerade in der Yogaszene war und ist diese Skepsis weit verbreitet. Da tat es gut, dass sich ein bekannter Yogalehrer wie Patrick Broome im Spiegel zu seiner eigenen Covid-19-Infektion bekannte. Deren Verlauf beschrieb er als „gespenstisch“ und schlichtweg „scheiße“. Seine Empfehlung: „Yoga kann uns dabei helfen, dass diese dauernde Angst oder Wut, die uns alle umgibt, nicht unser Leben bestimmt.“
Heyam duhkham anagatam – Zukünftiges Leid ist zu vermeiden.
Patanjali Yoga Sutra II.16
„Die Sorgen aller ernst nehmen und mit evidenzbasierten Informationen die Auseinandersetzung suchen“, lautet Martin Teufels Ratschlag. In seiner Klinik nutzt der Psychosomatiker unter anderem achtsamkeitsbasierte Methoden und Schreibtherapien, um die traumatische Wirkung einer Corona-Infektion zu begleiten. Ein Viertel der schwer an Covid-19 Erkrankten entwickle im Durchschnitt drei Monate nach körperlicher Genesung eine posttraumatische Belastungsstörung: „Die einschneidende Erfahrung, besonders auf der Intensivstation, ist unstrukturiert als Emotion im Unterbewusstsein abgespeichert“, erklärte er im Juni beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. „Durch bewusste Narrative wird sie ins Bewusstsein geholt und aufgearbeitet. Neue Kontrolle über die Affekte kann erlangt werden.“
„Noch nicht ganz zurück“
Ein Gefühl von Kontrolle ist genau das, wonach auch ich mich sehne: Ist meine gelegentliche Erschöpfung schon der berüchtigte „Hirnnebel“ („brain fog“) oder doch nur Ergebnis des mittelprächtigen Sommerwetters? Liegen die Muskelschmerzen an den vergeblichen Handstandversuchen oder an bleibenden Entzündungen der Gefäßwände? „Die Betroffenen leiden unter Ängsten, die Erkrankung nicht mehr loszuwerden, und atmen deshalb zu viel. Sie befinden sich in einer Art Hyperventilationszustand, der auf die noch nicht wiedergefundene Sicherheit zurückzuführen ist“, erklärt Martin Teufel. Aus Sicht des Yoga würde man sagen: Es gibt eine spürbare Abkopplung von Prana, der Lebenskraft.
Während Patrick Broome ein halbes Jahr nach seiner Genesung nur noch gelegentlich eine „gewisse Müdigkeit“ verspürt, hat die ebenfalls im November 2020 erkrankte Annika Wahl ihren Geschmacks- und Geruchssinn noch nicht wieder erlangt. Dazu leidet die 39-jährige ehemalige Hockey- Nationalspielerin unter Muskelschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und rheumaähnlichen Beschwerden. Als die Yogalehrerin und Inhaberin des Studios Yoga Street in Gelsenkirchen ihre Erkrankung mit bewegenden Aufnahmen auf ihrem Instagram-Account dokumentierte, sah sie sich auch sehr negativem Feedback ausgesetzt. Zu den belastenden körperlichen Symptomen kam also der spürbare Riss durch ihr Umfeld: „Als ich selbst kaum noch die Treppe hochkam und gleichzeitig von Angehörigen der Yogawelt lesen musste, dass alle Schutzmaßnahmen unangebracht seien: Das war sehr frustrierend.“
Schon während ihrer Erkrankung, als sie aufgrund akuter Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, halfen ihr entlastende, liegende Haltungen, bewusst langsame Atmung und die Reflektion via Tagebuch. Ähnlich wie die Berliner Iyengar-Lehrerin Claudia Lamas Cornejo berichtet sie, die Praxis seit der Erkrankung als wertvoller denn je empfunden zu haben. Damit inspirierte sie sogar die anwesenden Pflegekräfte und eine Reinigungskraft: „Sie beobachtete mich beim Meditieren und erzählte mir später, dass sie es selbst ausprobiert habe.“ Heute sagt sie, sie sei „durchgekommen, aber noch nicht ganz zurück.“
Habt ihr fleißig euer Traumtagebuch geführt? Haben euch das Dankbarkeits- oder Wunschritual zwölf Tage vom 25.12. bis zum 6.1. begleitet? Ihr habt reflektiert, euch mit euren Sehnsüchten und Wünschen verbunden und die Magie von vergangenen Zeiten in euren Alltag gebracht. Zum Abschluss ein Gedicht der Traumforscherin Ortrud Grön.
In ihren Büchern erklärt Grön die Grundelemente des Lebens, zum Beispiel steht Wasser bildhaft für Gefühle, Luft für das Geistige. In der Natur reinigt sich Wasser im Kreislauf zwischen Luft und Erde. Ebenso klären sich unsere Gefühle dadurch, dass wir sie mit dem Denken und dem Tun verbinden. Der Himmelsraum ist ein Bild für Freiheit. Für die Traumforscherin Ortrud Grön war eins sicher: „Im Leben geht es darum: Was wünsche ich, und wie will ich es verwirklichen?“ Dazu hat sie ein wunderbares Gedicht verfasst, mit dem wir euch zum letzten Tag der Rauhnächte inspirieren wollen:
Ich bin die Wünsche, die ich verwirkliche. Es ist kein Wunsch im Herzen des Menschen, der nicht den Weg weist in das Glück. Glück ist die Liebe zum Leben, ist das befreite Leben. Ich suche einen Wunsch, der mir Leben gibt. Leben in einer Weise, wie Kinder: Ohne Angst vor den Wünschen, die in ihrem Herzen sind. Das Herz weiß im Geheimen immer, was ich brauche, um Mich frei fühlen zu können: Hätte ich doch einen Tag, an dem ich alles tun kann, was ich möchte. Hätte ich doch den Mut, nicht tun zu müssen, was man von mir erwartet, sondern zu tun, was sich mein Herz wünscht. Hätte ich doch die Liebe zu mir, mir einen Wunsch zu erfüllen, der mein Herz befriedigt. Ich bin der Wunsch, den ich verwirkliche. Wünsche sind Leben – sie sind der Samen, ich bin der Gärtner. Ich bin der Gärtner meiner Wünsche. Meine Wünsche sind die Blumen, die mit ihren Farben und mit ihrem Duft werben, von einem anderen wahrgenommen zu werden.
Ortrud Grön
Das Gedicht ist aus dem folgenden Buch – mit freundlicher Genehmigung des EHP-Verlags.