10 Maximen für Yogalehrer von Mark Stephens

10 Maximen für Yogalehrer
Foto von Engin Akyurt von Pexels

Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der profiliertesten Yogalehrer und Ausbilder. In dieser Artikelreihe spricht er zu Yogalehrern und verrät uns heute 10 Maximen für Yogalehrer, die man bei gutem Yogaunterricht in jedem Fall einhalten sollte. Sein wir mal ganz ehrlich: welcher Yogalehrer hätte sich nicht schon einmal Richtlinigen gewünscht?

1. Du sollst niemandem schaden, niemanden verletzen. Einerseits sind helfende Hände sind Teil des Yogaunterrichts. Andererseits sollten diese aber nur gegeben werden, wenn sie auch erwünscht sind. Aber nicht nur bei Adjustments ist Vorsicht geboten: auch die Übungen sollten flexibel den Schülern angepasst werden. 

2. Unterrichte, was du kennst, und nicht, was du nicht kennst. Kein Yogalehrer muss zwingend alle Umkehrhaltungen und Variationen der Krähe beherrschen. Allerdings ist es wichtig, dass du nur deine Stärken lehrst. Denn diese kannst du auch erklären.

Yogalehrer bleiben immer auch Schüler

3. Bleibe deiner persönlichen Praxis treu. Man sollte als Lehrer in jedem Fall auch Schüler bleiben. Denn sie ist der Grundstein, auf dem deine Beziehung zu Yoga aufbaut! Lies hier nach, wie eine Yogapraxis für LehrerInnen beibehalten wird. 

4. Wenn du praktizierst, dann praktiziere, wenn du unterrichtest, dann unterrichte. Außerdem sollten visuelle Demonstrationen sollten in jedem Fall angeboten werden, wenn auch nur in Maßen. Allerdings findet deine eigene Praxis unbedingt außerhalb deines Yogaunterrichts statt. 

5. Sei immer offen, zu lernen. Ganz besonders von deinen Schülern. Frage unbedingt um Feedback nach der Stunde. Vielleicht kommt jemand aus einem anderen Yoga-Stil und kennt andere Adjustments und Ausführungen einer Haltung. Tue auch hier nicht so, als würdest du alles wissen, sondern sei offen und ehrlich. 

6. Schaffe Raum für Stille. Nichts stresst die Schüler mehr als ein gestresster und abgehetzter Lehrer. Besonders am Anfang der Stunde ist Zeit für Stille und auch in den Asanas soll der Fokus darauf liegen, dass die Schüler abschalten können. Deswegen sollte eine besonders detaillierte verbale Beschreibung nur gezielt eingesetzt werden (Peak-Asana/ Anfängerstunden). 

7. Lasse deinen Schülern Raum für eigene Erfahrungen. Leiste Hilfestellung, aber gib ihnen trotzdem den eignen Raum auf der Matte. Genauso mit Meditationsanfängern und philosophischem Input: du kannst sie durch deine Worte zwar leiten, aber die Erfahrung müssen sie selbst machen. 

Yogaunterricht sollte nicht ganz zur Routine werden

8. Ermutige deine Schüler, Neues kennen zulernen. Schränke sie nicht ein und lass ihnen auch Raum dafür, dass sie an anderen Stunden teilnehmen. Biete ihnen auch an, Yoga mit einem anderen Stil oder Schwierigkeitsgrad zu besuchen. Wenn sie danach fragen, empfehle ihnen Bücher, die sie auf spiritueller Ebene weiterbringen können. 

9. Bleibe selbst offen für neue Herangehensweisen. Auch nach fünf Unterrichtsjahren kannst du immer noch dazu lernen. Bilde dich regelmäßig weiter, denn auch in Bereichen wie der Anatomie werden gibt es immer was neues.

10. Sei dir selbst gegenüber ehrlich, so wirst du in deiner Authentizität wachsen. Jeder Yogalehrer hat wie jeder andere Mensch auch seine Stärke bei anderen Aufgaben. Du musst nicht ein Ass in allen Bereichen wie Atemübungen, Meditation und Massagen sein. Allerdings kenne deine Stärken und wende diese im Unterricht anzuwenden. Darüber hinaus bilde dich bei den ausbaufähigen Bereichen weiter. Das reicht vollkommen aus. Deine Authentizität ist als Yogalehrende deine größte Stärke, denn sie hebt dich von anderen ab. 


Neben den 10 Maximen für Yogalehrer hat Mark Stephens bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Interview mit Duncan Wong

6-27-5_fr53.tif

Vor über 20 Jahren integrierte Duncan Wong Ashtanga Vinyasa Yoga, Kampfkunst, Thai-Massage und Tanz zu seinem Warrior-Flow-System „Yogic Arts“. Damals hat er Stars wie Madonna trainiert, heute lebt er zurückgezogen als Familienvater in einem Dorf in Japan. Eine Unterhaltung über Erdung im Spektakel, das wahre Ich und darüber, was Selfies mit Erleuchtung zu tun haben.

Deine Yogastunden ähneln oft einer Unterhaltungsshow. Spielst du da auf der Bühne eine Rolle?

Nach der yogischen Philosophie und auch nach meiner Erfahrung sind Körper und Geist bloß unsere Mittel, Geschenke, göttliche Energie. Der Ausdruck dieser Körper-Geist-Integration ist die Persönlichkeit. Die Rolle ist ein Mittel zur Inspiration, dafür wurde sie geschaffen, und nicht dafür, um uns damit zu identifizieren. Wenn jemand die Rolle nicht als Mittel des Dienens versteht, denkt man vielleicht: „Ich bin ein Star. Das bin ich.“ Aber wenn wir uns selbst wie ein Kanal für Information und Energie öffnen, können wir dienen. Wir schillern nur, um Menschen in die Gegenwart zu holen, um sie zu berühren.

Deshalb schießt du Selfies und zeigst gerne deine – durchaus beeindruckenden – Bauchmuskeln?

… danke. Ja, das macht doch Spaß! Wenn du Spaß hast, fühlst du dich wohl, sexy, dazugehörig und verbunden. Im Wort „Enlightenment“ (Erleuchtung) steckt „light“ (leicht): Mach’s dir leicht, hab Spaß! Es muss ein Vergnügen sein, ananda. In solchen Momenten hast du die Chance, wirklich etwas zu verändern. Indem du in die Tiefe der Seele und Spiritualität von Menschen gehst, kannst du ihre Fantasie anregen.

Wie gelingt das?

Entweder, indem du ihnen die richtige Technik einer Bewegung zeigst. Das führt zur korrekten Ausrichtung, die wiederum die Energie fließen lässt. Oder du lässt kleine Juwelen fallen: bestimmte Lehren etwa. Oder du sagst etwas Einfaches, aber Starkes, das die Menschen zum Nachdenken bringt. Dann können sie Yogi sein. Dann können sie erfahren, wie es ist, Spaß zu haben und sich nicht an Glaubenssätze wie „Ich bin hier, weil…“ oder „Ich bin so und so…“ zu klammern. Wenn wir diese Sätze loslassen und einfach nur zusammen sind, können wir zu denen werden, die wir wirklich sind.

„Sei wieder du selbst!“: Das sagst du sehr oft. Was meinst du damit?

Wir verbringen unsere Leben damit zu versuchen, wir selbst zu werden. DNA hat einen Riesenanteil – das weiß ich als Vater – aber die Essenz ist, dass es einen lebendigen Geist in einem physischen Körper gibt. Egal, wie alt oder jung wir sind, das sind immer wir. Eine weise Person, die mich jahrelang nicht gesehen hat, hat mich unlängst gefragt: „Hast du dich in den letzten 10 Jahren überhaupt verändert?“ Nein, nicht wirklich. Menschen verändern sich nicht. Wir passen uns an, an die Gesellschaft, unsere Umgebung, aber wir sind, wer wir sind. „Alles ist bereits in uns“ bedeutet eigentlich: „Du bist, wer du bist.“ Wenn Menschen mit Yoga anfangen, versuchen sie, ihre Yoga-stunden an ihr Leben und ihren Arbeitsplan anzupassen. Je tiefer wir aber gehen, desto mehr verändert sich unser Leben und passt sich der Praxis an: Wir essen weniger schweres Essen, wir haben weniger Drama, weniger Chaos – die Praxis wird unser Leben.

Das heißt, wir lernen und entwickeln uns zu diesem „Ich“?

Ja, bleib ewiger Schüler! Wir sind alle auf dem Meisterpfad und verbessern ständig, was wir bereits machen. Vor 10 Jahren wäre ich hier auf die Bühne gegangen und hätte Show gemacht, geschillert, brilliert und gedacht, das bin ich – und hätte mich selbst darin verloren. Es war aufregend, aber ich hatte keine Wurzeln. Der Baum war nicht geerdet. Deshalb hatte es weniger Bedeutung, es entstanden keine Herzensverbindungen. Es hat nicht funktioniert.

Was hat dich zum Umdenken bewegt?

Ich habe Schamanen besucht, viele Heilreisen gemacht, weise Gurus in indischen Höhlen und Therapeuten aufgesucht – weil ich gemerkt habe, dass ich völlig verrückt war. Und die Welt wusste, dass ich verrückt war. Am Höhepunkt meiner Popularität, als ich in allen Magazinen war, bin ich ausgestiegen. Ich wusste, dass ich es tun musste. Mich hat es aufgefressen, zu brillieren, ohne geerdet zu sein. Dann bin ich nach Asien.Ich habe viel praktiziert, in der Natur gelebt, mir eine Familie gesucht und von den Zen-Meistern in den Bergen gelernt. Sie unterrichten, indem sie dich einfach bei ihnen sein lassen, indem sie die Information ausstrahlen. So habe ich gelernt, wie man Energie teilt. Vor 10 Jahren hätte ich nur Show gemacht. Heute mache ich ein bisschen Show, dann bringe ich die Menschen wieder auf den Boden zurück und versorge sie mit Energie.

Das klingt, als hättest du in der Natur Asiens deine Wurzeln gefunden!

Ja, es war mein Heilbalsam! Einer meiner Ashtanga-Meister hat einmal gemeint: „90 Prozent aller Menschen leben auf 10 Prozent der Erde. In 25 Jahren werden wir – die Yogis – diese anderen 10 Prozent sein. Wir müssen zur Natur zurückkehren.“ Er hatte recht. Es hat 40 Jahre gebraucht, damit ich für den Wald bereit war. Natürlich müssen wir unsere Natur überall in jedem Moment finden. Darum geht es schließlich in der Praxis. Aber dennoch ist es viel besser, unsere Natur in der Natur zu finden, und wenn jemand nach einer Abkürzung auf dem Pfad sucht – falls es die überhaupt gibt – dann ist die nicht unbedingt in den Slums von Bombay zu finden. Sie könnte vielleicht im Himalajagebirge stecken. Ich bin mittlerweile sicher, dass unsere Umgebung unsere Erfahrung beeinflusst. Deshalb lebe ich mit meinen Kindern auch in der Natur.

A propos Kinder: Deine Zwillinge sind fast 6 Jahre alt. Was hat dich die Vaterschaft bislang gelehrt?

Du lernst, für jemand anderen zu leben. Mein ganzes Leben ist in ihren Händen. Jetzt achte ich mehr auf mich, um für meine Kinder am Leben zu bleiben. Um lang genug zu bleiben, um sie in die Unabhängigkeit zu schicken. Vielleicht Großvater zu werden. Und sie haben mich gelehrt, sie in allem und jedem zu erkennen. Ich sehe die Augen meiner Kinder in den Augen aller und ich erkenne, dass sie einfach nur das kleine Baby sind, das groß geworden ist und jetzt eine Umarmung braucht – es ist so einfach. Das habe ich gelernt.

2013 hast du in einem Interview gesagt, dass du gern in Rente gehen würdest …

Da habe ich wohl Witze gemacht. Mein Pfad war seit jeher der eines reisenden Yogis und Lehrers. Den versuche ich jetzt an die Vaterschaft anzupassen: Ich bin unterwegs und lehre und wenn ich zuhause bin, bin ich einfach nur Papa. Bis jetzt funktioniert es ganz gut! Im Moment entwickle ich ein Retreat-Programm für die Community in Kyoto. Ich habe alles, was man dazu braucht, in meiner Tasche: Ich weiß, wo es gutes Sushi gibt, wo Wasserfälle sind … Außerdem habe ich zwischen Osaka und Kyoto ein Yoga Zendo, einen gemeinsamen Ort für Yoga, Meditation und Martial Arts.

Du bleibst offensichtlich deinem Prinzip treu, verschiedene traditionelle Lehren zu vermischen?

Ja, ich mache das, was ich immer getan habe, am Anfang noch als Pionier. Vor 20 Jahren habe ich für die Einführung von „Warrior Yoga“ noch viel Widerstand geerntet. Heute ist das ganz normal. Heute vermischt jeder Yoga, Tanz, Kampfkunst, Musik… Und es ist auch okay, denn alles muss integriert werden und zusammenkommen, damit Yoga seinen Job erfüllen kann: als Heilbalsam und Rettungsanker an einem kritischen Punkt unserer Geschichte.

Berenice Sophia Seiss – Playlist der Woche

Unsere Playlist der Woche kommt direkt aus dem wunderschönen Palma. Berenice Sophia Seiss hat uns den Balearen-Vibe eingefangen und sendet warme Grüße von der Traum-Insel.


Über Berenice Sophia Seiss

Berenice hat langjährige Erfahrungen in den Bereichen Group Fitness und Personal Fitness Training. Über die Jahre hinaus hat sie sich aus Leidenschaft auf Yoga spezialisiert. Ihre Yoga Ausbildungen besuchte Berenice unter anderem in Österreich (Sivananda Yoga), Indien (Ashtanga Yoga) und New York (Jivamukti Yoga). Sie ist als erfahrene Yoga Lehrerin bei Yoga-Alliance-Amerika zertifiziert und anerkannt (E-RYT 200).

Mit ihren vielseitig inspirierten Yoga Workshops nimmt sie sich als Aufgabe, ihre Teilnehmer mit auf die wundervolle Reise der fröhlich, bunten Yoga Welt zu nehmen. Motivierend und kraftvoll versucht sie ihre Teilnehmer zu ermutigen, ihre gewohnten Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. Berenice ist stets nah an ihren Teilnehmern und versteht es mit Herzlichkeit und Achtsamkeit auch den größten Yogaskeptiker zu inspirieren.

Berenice ist Yogalehrerin und inspiriert ihre Schüler bei Yoga Retreats, Workshops und Events. In ihrer Wahlheimat, Palma de Mallorca, bietet sie nun auch Einzelcoachings an. Für alle, die im Urlaub nicht auf Yoga verzichten möchten oder es einfach mal ausprobieren wollen, gibt sie private Stunden. Termine können Sie unter hello@bereniceyoga.com oder +34 631 934 030 vereinbaren.

Quick Tips: 5 schnelle Energiespritzen

Besser als Kaffee & Co.

  1. Tiefe Atmung: Die sanfteste und einfachste Art, sich tief zu regenerieren – im aufrechten Stehen oder Sitzen ein paar Mal einatmend die Arme heben und ausatmend senken. Wichtig: Die Bewegung folgt dem Atem, nicht umgekehrt! 
  2. Ausschütteln: Es muss ja nicht gleich eine „dynamische Medita­tion“ nach Osho sein: Schon ein paar Minuten kräftiges Wippen, Schütteln und Abklopfen vertreibt Trägheit und macht wach und frisch – am besten zu mitreißender Musik!
  3. Thymusdrüse aktivieren: Sanftes Klopfen auf die Brustbeingegend weckt die Lebensgeister und stärkt die Abwehrkräfte – Gorilla-Style!
  4. Denkmütze: Der kinesiologische Frische-Kick fürs Gehirn. Einfach den Rand des Ohrs zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, nach hinten ziehen und ausfalten, dabei oben anfangen und bis zum Ohrläppchen wiederholen.
  5. Kopfstand: Der Yogaklassiker für mehr Energie: fördert die Durchblutung, kräftigt das Herz, schärft die Aufmerksamkeit. Aber kein Stress: Einfachere Umkehrhaltungen wie Hund und Brücke tun ähnlich gut.

Interview mit Martyna Eder

Mein innerer Altar wird immer größer

Für Martyna Eder bedeutet Yoga nicht nur die Fürsorge für den eigenen Körper und Geist. Ihre Hingabe an eine vegane Lebensweise beschreibt sie als Ausdruck der Liebe zu allen Lebewesen. Im Interview mit YOGA JOURNAL spricht die Jivamukti- Yogalehrerin über Demut und Dogmatismus. 

Das Yogarad muss nicht pausenlos neu erfunden werden

Martyna, dein Weg führte dich vom Modeln und der Schauspielerei zum Yoga, derzeit bist du eine der Hauptlehrerinnen bei Jivamukti Berlin. Wie unterscheiden sich diese Erfahrungsbereiche?

Als Darstellerin musste ich mich kontinuierlich verkaufen und bei Castings immer beweisen, dass ich toller bin als die anderen. Als feststand, dass ich hauptsächlich als Yogalehrerin arbeiten wollte, sah ich das auch als Abschied von dieser Konkurrenzsituation – nur um festzustellen, dass ich offenbar schon wieder laufend Werbung für mich machen sollte! Nach sechs Jahren Vollzeit Unterrichten lautet meine Erkenntnis aber, dass es auch ohne Selbstmarketing geht.

Eine interessante Erkenntnis, wenn man heutzutage vor allem die sozialen Medien betrachtet…

Ich wäre so froh, wenn Äußerlichkeiten überhaupt keine Rolle mehr spielen würden. Für mich macht es keinen Sinn, mich als Person anzupreisen, weil ich nicht finde, dass man im Yogaunterricht als Person vor den Leuten steht, vielmehr als Mikrofon und Vermittlung für das, was einem die eigenen Lehrer beigebracht haben.

Fühlst du dich dennoch frei, deinen eigenen Stil weiterzuentwickeln?

Natürlich gibt es die klassische Form der Asanas und die Vorgaben der Jivamukti-Methode. Diesen Rahmen halte ich mit voller Überzeugung ein und fühle mich sogar persönlich getroffen, wenn es jemand nicht macht (lacht). Meiner Meinung nach muss das Yogarad nicht pausenlos neu erfunden werden. Innerhalb dieser Vorgaben fühle ich mich ganz frei, Energie aufzunehmen und weiterzugeben.

Auffällig oft wird im modernen Yoga betont, dass man sich an keinerlei „Dogmen“ gebunden fühle.

Ich habe auch schon oft überlegt, was im Yoga darunter verstanden wird. Ich persönlich finde es wichtig, Leitlinien zu haben, eine feste Meinung zu vertreten und mich an meinen Lehrern zu orientieren. Ich bin ihnen äußerst dankbar für das, was ich von ihnen gelernt habe – vor allem, dass mir Sharon Gannon (eine der Begründerinnen von Jivamukti Yoga) den „missing link“ von meinem lebenslangen Vegetarismus zum Veganismus bereitet hat. Für mich ist er fest im achtgliedrigen Pfad des Yoga verankert. In dieser Hinsicht – und das hört sich eventuell durchaus „dogmatisch“ an – weiß und fühle ich, dass es die richtige Lebensweise ist.

Wie steht es mit Toleranz gegenüber nicht vegan Lebenden?

Wenn man seine eigene Wahrheit leben will, werden der Bewegungsradius und das Umfeld enger. Ich lebe Veganismus aus einer mitfühlenden Haltung meiner Umwelt gegenüber und sehe im Sinne der Gewaltfreiheit keine Alternative. Natürlich versuche ich immer, liebevoll mit anders Denkenden umzugehen, aber wenn ich Yogis die vierte Ashtanga-Serie üben und danach eine Fischplatte essen sehe, empfinde ich das als absurd. Mittlerweile würde es mir auch sehr schwer fallen, mit einem nicht veganen Partner zusammen zu sein. Auch wenn ich meine Wohnung untervermiete, möchte ich nicht, dass tierische Produkte hineinkommen…

Im Zeitgeist der Unverbindlichkeit ist das auf jeden Fall ein Statement.

Ich will den Menschen um mich herum keine Vorschriften über ihre Lebensführung machen – gerade den Yogaschülern – sondern meine eigene Erfahrung weitergeben. Dabei hüte ich mich aber, mich nur auf mich selbst zu berufen, sondern berufe mich auf die Schriften. Gerade weil heute Individualismus so stark zählt, ist für mich die Hingabe an etwas Größeres – nennen wir es ruhig „Gott“ – fester Bestandteil meiner Praxis.

Auch weil die menschlichen Beziehungen Höhen und Tiefen unterworfen sind?

Wenn etwas nicht mehr passt, finde ich es wichtig, es gehen zu lassen statt das System von innen auszuhöhlen. Das bringt keine gute Energie und steht einem selber und anderen im Weg. Sowohl in der Lehrer-Schüler-Beziehung als auch bei allen anderen Dingen des Lebens ist es manchmal Zeit, sich liebevoll zu verabschieden und auf dem eigenen inneren Altar eine Kerze anzuzünden. Mein eigener Altar wird immer größer…


Martyna Eder schloss 2011 ihr Jivamukti-Teacher-Training in Rhinebeck, New York, ab. Zu ihren wichtigsten Lehrern gehören neben Sharon Gannon und David Life Petros Haffenrichter und Rolf Naujokat.

www.jivamuktiberlin.com 

Yogalehrer im Inneren von Mark Stephens

Meditation Namaste Frau Yogaworld
Foto von Valeria Ushakova von Pexels

Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der profiliertesten Yogalehrer und Ausbilder. Nicht umsonst nennt man ihn den „Lehrer der Lehrer“. In dieser Artikelreihe erklärt er YOGA JOURNAL Deutschland, was guten Yogaunterricht inklusive Stundenaufbau und Übungsbogen wirklich ausmacht. Heute teilt er mit uns, was er mit Yogalehrer im Inneren meint. 

Der beste Yogalehrer, den man je finden kann, befindet sich im eigenen Inneren. Mit jedem Atemzug, jeder Empfindung und jedem Gedanken leitet dieser innere Lehrer unsere Praxis. Die Lehren dieses ultimativen Lehrers zu entdecken und zu würdigen, ist nach meiner Erfahrung das Herzstück einer nachhaltigen und tief transformativen Praxis.

Allerdings steht diese Einstellung im Widerspruch zur traditionellen Sichtweise. Nach der hat ein hingebungsvoller Schüler die Lehren seines allwissenden Gurus gehorsam aufzunehmen. Natürlich kann die Zuwendung eines Gurus oder Lehrers, der auf Fragen eine Antwort hat, sehr wohltuend sein. So erklärte eine Schülerin von Paramahansa Yogananda einmal, dass man auf diese Weise endlich „aufhört immer wieder neue Wege zu suchen. Man kann von ganzem Herzen einen Weg verfolgen, weil man darauf vertraut, dass der Guru einen zum höchsten Ziel des Yoga führt.“

Es spricht aber auch manches gegen eine solche Sichtweise. Joel Kramer und Diana Alstad beschreiben in ihrem Buch „Die Guru Papers. Masken der Macht„, wie problematisch es sein kann, sich einem äußeren Lehrer hinzugeben. Vor allem dann, wenn sich dieser Lehrer als Scharlatan erweist, oder wenn er oder sie seine Macht missbraucht. Der englische Historiker und Publizist Lord Dalberg-Acton warnte schon im 19. Jahrhundert: „Macht neigt dazu zu korrumpieren und absolute Macht korrumpiert absolut.“

Wie also kann man im Rahmen einer gesunden und freien Weltanschauung auf dem Yogaweg Unterstützung und Anleitung finden? Und worin besteht dabei die Rolle eines Yogalehrers? Um diese Fragen zu beantworten, will ich zunächst einen Blick auf die Praxis selbst werfen.

Die Yogapraxis

Ein wichtiger Teil dessen, was Yoga so großartig macht, ist die Tatsache, dass es unendlich viele Möglichkeiten für die eigene Praxis gibt. So können wir alle genau da beginnen, wo wir gerade stehen. Und eben nicht da, wo jemand anderes oder wir selbst fälschlicherweise meinen, dass wir stünden. Beim Üben begegnen wir verschiedensten Asanas und werden mit zahllosen von ihnen hervorgerufenen Empfindungen konfrontiert.

Wenn wir Yoga üben, dann atmen wir bewusst und tief. Wir nutzen den Atem, um eine Asana zu entdecken. Dadurch erwecken wir Bewusstheit im Körper und im Geist. Sie öffnet uns dafür, umfassender zu spüren und alle die Empfindungen jeden Augenblick klarer wahrzunehmen. Das wiederum verleiht uns die Fähigkeit, Bewegung und Haltung so zu verfeinern, dass sie selbst stabiler und müheloser werden. Wie es Patanjalis Yogasutra beschreibt: „sthira sukham asanam“. Die Asana sei stabil und leicht zugleich.

In diesem Tanz des Körper-Geists mit dem Atem zeigt jede Asana bestimmte Empfindungen. Wir beobachten, wie sie nicht nur körperliche, sondern auch verschiedene emotionale und mentale Reaktionen hervorruft. Genauso hat jede Asana die Tendenz, die Atmung beim Yoga auf verschiedene Weise zu beeinflussen. Wenn wir bei der Wahrnehmung der Atmung im Körper-Geist bleiben, können wir den Atem gezielt zu verspannten oder blockierten Regionen lenken. Wir lösen sie und entwickeln bewusstere Wahrnehmung. Dadurch erfahren wir von innen heraus, wie sich Körper, emotionales Fühlen und mentale Achtsamkeit allmählich verändern.

Außerdem wollen wir weiter zu erforschen, wie wir uns verfeinern und wohin wir unsere Energie und unser Handeln richten. In der Kommunikation zwischen Körper-Geist und Asana entscheiden wir bewusst über Abwandlungen, Intenstität, Reihenfolge, Tempo und Dauer. Mit jeder Praxis entwickeln wir so unser Üben ein Stück weiter in Richtung Innen. Darin besteht die grundlegende Praxis, das Herzstück des Asana-Yoga. Es ist ein Erwachen und Integrieren. Wir können mit verschiedenen einfachen Atemübungen, Positionen und Visualisierungen spielen, eine Vielzahl von Effekten erforschen, unsere Reaktionen beobachten, dem inneren Dialog lauschen. Dabei entdecken wir einen zunehmend klarer werdenden Spiegel, der uns zeigt, wie wir immer mehr und immer bewusster der- oder diejenige werden, die wir eigentlich sind.

Die Rolle des Yogalehrers im Inneren

Die wichtigste Rolle für den Yogalehrer besteht darin, auf dem Yogaweg anzuleiten, dass die Schüler diesen inneren Lehrer entdecken und würdigen. Dafür sollten Lehrer ihren Schülern zuhören, ihre besonderen Bedürfnisse zu verstehen und ihre Intentionen respektieren. Bezogen auf den Unterricht brauchen Yogalehrer im Inneren Kenntnis über praktische funktionale Anatomie und Bewegungslehre. Sie sind die Basis für eine gute Ausrichtung in den Haltungen, für Modifikationen, Hilfsmitteleinsatz, Übergänge zwischen einzelnen Asanas und für das Entwerfen von Stunden.

Sofern man Pranayama unterrichtet, sollte man aus eigener Erfahrung die körperliche und energetischen Qualitäten jeder einzelnen Atemtechnik kennen. Auf dieser Grundlage verfolgt man im Aufbau der Pranayama-Einheiten „Vinyasa Krama“ – das kluge Fortschreiten. Wenn es im Unterricht Raum für das Gehirn beeinflussende Meditation gibt, dann machen wir als Lehrer unsere eigene Präsenz auf eine Weise zur Quelle des Lichts. Worte werden überflüssig für die Teilnehmenden ist erfahrbar, dass wir alle Teil eines großen Ganzen sind.

Der Unterricht erhält Kraft und Bedeutung durch die räumliche Umgebung, die Ausstrahlung des Lehrers und den Spannungsbogen der Stunde. Als Lehrer können wir unsere Einsichten über Yoga und das Leben mit unseren Schülern teilen. Dabei ist es wichtig, dass es unter den Schülern einer jeden Klasse unterschiedliche Lernweisen gibt. Manche lernen gut über verbale Anweisungen, während andere ein visuelles Vorbild brauchen. Wieder andere brauchen eher Hands-on Assists spüren, um es vollständig zu erfassen. Dieses gesamte Spektrum sollte in jeder Yogastunde zum Einsatz kommen, damit das Lernen konzeptuelle, emotionale, körperliche und spirituelle Dimensionen umfasst.

Menschen unterrichten, nicht Haltungen

Die besondere Kombination von Lehrmethoden und Techniken, die man als Lehrer einsetzt, sollte immer die persönlichen Empfindungen und Einstellungen widerspiegeln. Als Yogalehrer im Inneren sollten wir nicht Haltungen unterrichten, denn sie sind nichts anderes als statische Repräsentationen einer idealisierten Form, etwas, das Models für die Kamera ausführen, um eine äußerliche Botschaft zu vermitteln.

Im Gegensatz dazu sind echte Asanas lebendig und persönlich. Sie sind der Ausdruck organischer Menschen, die sich ausprobieren, die leben, atmen und sich im Tempel ihres Körper-Geists entfalten möchten. Wenn man einen Schüler mit der Weisheit des eigenen Herzens schätzt, nimmt man ganz selbstverständlich auch die innere ganz eigene Schönheit wahr, die sich in seiner Praxis ausdrückt. Aus dieser Haltung heraus wird man als Lehrer natürlicher und gibt seinen Schülern den nötigen Raum, um in der Fülle ihrer eigenen Praxis aufzublühen. Selbst dann, wenn alle Kenntnisse, die man vielleicht haben mag, auf nichts anderes angewendet werden als auf die Architektur, den Ausdruck und die Stimmung einzelner Asanas, wie sie in einzigartiger und wunderschöner Weise bei jedem einzelnen Schüler zum Vorschein kommen.

Indem man sich seinen Schülern aus dieser Haltung heraus nähert, versetzt man sie in die Lage, genau so tief in die Übung zu gehen, wie es für sie in diesem Moment richtig und angemessen ist. Zugleich klärt es das Lehrer-Schüler-Verhältnis. In der Beziehung zu seinen Schülern bemühen sich Yogalehrer um das soziale Miteinander, was ein integraler Bestandteil der Yogapraxis ist. In einer solchen Beziehung werden Schüler und Lehrer gleichermaßen transformiert. Der Lehrer bleibt immer Schüler und der Schüler stimmt sich immer tiefer auf seinen eigenen inneren Lehrer ein.

An alle zukünftigen Yogalehrer

„Wir können nicht anders
als unsere Macht gebrauchen.
Können nicht der Versuchung widerstehen,
der Welt unseren Stempel aufzudrücken.

Deshalb lasst uns
in der Wahl unserer Worte
und widersprüchlich wie wir sind
all unsere Macht für die Liebe nutzen.“

-Martin Buber

Für einen guten Yogalehrer im Inneren werden das eigene Lernen und die eigene Entwicklung niemals aufhören. Je weiter man als Lehrer in seiner Yogalehrer Ausbildung, seinem Lernen und seiner Erfahrung voranschreitet, desto deutlicher wird einem bewusst, dass es noch mehr Wissen und Weisheit gibt, das man in die Praxis einbringen kann. Atemzug für Atemzug atmen wir mit unseren Schülern, damit sie ihren eigenen inneren Lehrer entdecken und würdigen. So wird Yoga persönlicher, nachhaltiger und tief transformierend.


Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt „Schlaf“ erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

YogaWorld 2018: Auf die Matte, fertig, los!

Yoga machen und genießen auf der YogaWorld – die große Mitmachmesse in Stuttgart.

Ein Erlebnis für alle Sinne: Am vergangenen Wochenende, vom 6. – 8. April 2018, lud die YogaWorld unter dem Motto „Let’s dive into the magic of mantra und spiritual wisdom“ im Rahmen der Frühjahrsmessen nach Stuttgart ein. Neben zahlreichen Ständen, informativen Vorträgen und einem riesigen Mitmachprogramm erwartete die Besucher*innen ein rein pflanzlicher Food-Court, der nicht nur die Herzen von Veganer*innen höher schlagen, sondern auch Allesesser*innen das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.

Ein gelungener Auftakt: Die Messetüren waren gerade erst geöffnet, da ging’s schon auf die Yogamatte! Yogalehrerin Ivonne Wiedmann zeigte am Freitag eine Auswahl typischer Jivamukti-Sequenzen und zauberte so schon kurz nach Einlass ein Lächeln auf viele Gesichter. Die, die es ruhiger angehen lassen wollten, nahmen an der Vinyasa-Esay-Stunde von Yogalehrer Frank Stockmann teil, der Interessierten zeigte, wie sie gelassener durch den Alltag gehen können. Richtig ins Schwitzen brachte Jelena Lieberberg ihre Schüler*innen mit ihrem Kick-Ass-Yoga-Programm. Viele freuten sich über die seltene Möglichkeit, mit Dr. Patrick Broome Yoga zu machen, der seit 2006 als Yogalehrer für die Deutsche Fußballnationalmannschaft tätig ist.

Und damit nicht genug! Zahlreiche Pioniere, kreative Köpfe, spannende Start-ups sowie etablierte Marken kamen zur Messe und informierten an ihren Ständen über ihre Produkte und neue Trends wie etwa Ayurveda-Reisen, Yogamatten, Mala-Ketten, Yoga-Surfbretter, natürliche Kosmetik und nachhaltige Fashion. Und so wurde am vergangenen Wochenende mächtig gestaunt, fleißig getestet und gekauft. Zum zweiten Mal dabei: ein veganer Foodcourt, der die Gäste mit indischen und ayurvedischen Gerichten, veganem Eis, gesunden Gemüse-Bowls, Maultaschen und Kaffee mit Hafermilch verwöhnte.

Dass zu Yoga auch Gemeinschaft gehört, zeigte das Abendprogramm von Samstag: Meditativ wirkende Kirtans, gemeinsame Gesänge zu den friedvollen Klängen des Harmoniums führten Yogabegeisterte zusammen und sorgten für Entspannung nach einem aufregenden Messetag.

YogaWorld freut sich über tolles Feedback seitens der Besucher*innen, Austeller*innen, Lehrer*innen und Referent*innen. Trotz der ersten warmen Sonnenstrahlen in diesem Jahr folgten Tausende Yogabegeisterte der YogaWorld-Einladung und nutzen die drei Tage, gemeinsam Yoga zu machen, sich auszutauschen und zu genießen. Die YogaWorld bedankt sich bei allen für drei tolle Messetage in der Großstadt zwischen Wald und Reben!

Fearless 50 – Yoga für Fortgeschrittene

Yoga für Ü50

Ab durch die Mitte! Was die Richtung betrifft, kann es von dort aus auf- oder abwärts gehen. Für die Yogalehrerinnen Desiree Rumbaugh (58) und Michelle Marchildon (56), die zusammen auf eine über 50-jährige Yogapraxis zurückblicken, ist die Lebensmitte eine Zeit für Resumees, aber auch für Neustart und Wachstum.

Älterwerden ist nichts für Feiglinge.

-Desiree Rumbuagh

„Es ist unvermeidlich, dass sich die Yogapraxis im Laufe des Lebens ändert. Was immer Sie daraus machen – geben Sie nicht auf“, empfehlen Desiree Rumbaugh und Michelle Marchildon. In unverwechselbar amerikanischer Motivationsmanier feuern sie in ihrem bislang nur auf Englisch erschienen Buch „Fearless after Fifty“ (Wildhorse, ca. 18 Euro) ihre Altersgenossinnen zu mehr Selbstbewusstsein an: „It’s not game over. It’s game on!“. Auch ihre Kolleginnen Seane Corn, Patricia Thielemann und Kristin Rübesamen, die alle kürzlich ihren 50. Geburtstag feierten, verweigern sich dem frühen Seniorinnen-Status. Diese Woche erzählen sie über ihre persönlichen Realitäten und Visionen rund um die 50 – und sehen dabei (das ist einfach nicht ganz unwichtig) fantastisch aus. Kleine Anmerkung vorab: Abseits des Graue-Schläfen-Charmeur-Klischees haben auch Männer ihre Themen mit der halben Hundert und der sensiblen Balance aus Fazit und Perspektive. Dass Frauen in der Lebensmitte zu neuer Hochform auflaufen, ist im Mainstream allerdings ein etwas jüngeres Phänomen: Deshalb Fokus auf die furchtlosen Ladies über 50.

Zeig mir eine Person in der zweiten Lebenshälfte, die sich weiterhin zum Lernen, Wachsen und verändern herausfordert, und ich werde wahres Yoga sehen.

-Jason Crandell

„Fearless after Fifty“ hat sich aus der zehnjährigen Freundschaft zwischen der international bekannten Iyengar- und Anusara-Expertin Rumbaugh und der Yogalehrerin und Journalistin Michelle Marchildon entwickelt. „Als über 40-jährige Yogaeinsteigerin habe ich einen Kurs bei Desiree besucht. Wo andere Lehrer eine ältere, ziemlich steife Frau gesehen hätten, interessierte sie sich vor allem für mein Potential“, berichtet Michelle. Das Buch erzählt außerdem Rumbaughs persönliche Geschichte, in der ihr die Yogaphilosophie auch half, den tragischen Verlust ihres Sohnes Brandon zu verarbeiten. „Jeder hat in seinem Leben besonders Intensives zu verarbeiten“, sagt sie mit großer, hart erarbeiteter Gelassenheit. „Um zu überleben, habe ich gelernt, statt auf Angst auf Liebe zu setzen.“ 

Eine Geschichte, die weit hinausweist über den Yoga-Boom und die damit verbundenen Bilder. Hier wird Yoga meistens über jugendliche Vitalität repräsentiert. Erst in letzter Zeit rücken vereinzelt auch schwarze oder kurvige Yoginis ins Bild. Was Yogis mit Falten betrifft, läuft die Entwicklung langsamer. Es scheint, als müsse sich frau ab einem bestimmten Alter auch hier zurückziehen. Während die Autorinnen einschlägiger Anti-Aging-Ratgeber oft gerade einmal zwischen 30 und 40 sind, haben Rumbaugh und Marchildon die „Midlife-Kriegerin“ im Blick: „Wir wollen nicht, dass ältere Schülerinnen die herausfordernden Haltungen in der Yogastunde auf Blöcken aussitzen oder nur noch Gentle Yoga besuchen – so wertvoll diese Stunden auch sind. Wir wollen, dass alle 50 plus wissen: Du kannst immer noch stark und kraftvoll agieren, vielleicht langsamer und vorsichtiger, aber ungebrochen experimentierfreudig.“

Die immer noch erstaunlich verbreitete Vorstellung, der weibliche Körper brauche jenseits der Menopause vor allem Schonung, teilen die Autorinnen nicht. Grundlagen einer solchen Haltung seien mangelndes Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, schwindende Lust auf Grenzverschiebungen und vor allem Angst, dem Körper zu schaden. Die Zeit ab 50 mit ihren natürlichen Herausforderungen sei eine Phase, um konzentrierter, bedachter und – ja – härter am Körper zu arbeiten, um Muskelkraft und Ausdauer zu erhalten.