Yoga People: Sven Bünger

„Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“, heißt frei nach Erich Kästner das aktuelle Album des Sängers und Musikproduzenten Sven Bünger. Auch Yoga packte den ehemaligen Dorfpunk eher spät im Leben – als Mitglied einer illustren Künstlergruppe, die sich regelmäßig zum Männeryoga trifft. 

„Ein Mann, ein Wort“: Beim Treffen mit Sven Bünger kommt trotz der Phrase genau dieser Eindruck auf. Kompakt, ehrlich, vertrauenswürdig und, ja, gelassen, wirkt er. Kein Problem, diesem Mann ein Haus oder einen Versicherungsvertrag abzukaufen – oder besser noch, einen guten Song.

Dass sich das lohnt, erfuhren bislang Künstler wie die Band Madsen, Ulrich Tukur, Yvonne Catterfeld und Johannes Oerding, die er als Produzent bis zu Platin-Schallplatten begleitete. Da und in seiner eigenen Musik ist er ein Mann der vielen zutreffenden Worte, aus der Unbedenklichkeit wird Bedacht: Mit scharfer Beobachtungsgabe analysiert Bünger Menschen und Strömungen, Trends und Tendenzen. Im bluesigen „Finde den Fehler“ geht es um Ann-Kathrin und die Zwiespältigkeit von Wohlstands-Weltrettung: „Du fährst jetzt nur noch Fahrrad, das mit dem Klima ist so schlimm. Warst du nicht auf Ibiza, wie kamst du denn da hin?“ „Das Wichtigste ist Liebe, die Welt spielt doch verrückt. Hast du grad deine Mutter am Handy weggedrückt?“ Wer fühlt sich hier nicht ertappt?

„Geh ruhig fremd, ich bin mir treu geblieben. Der Rest ist Kür, wenn wir uns selber lieben“: Klingt provokant, ist aber die Büngersche Variante einer durchaus yogischen Selbstliebe: Man braucht nicht viel, wenn man ganz bei sich ist. Alles, so geht der Song „Ich brauch nichts“ weiter, ist ein Geschenk. Ohne Ego kein Künstler. Dennoch ist Sven Büngers Lebens-ansatz einer der Genügsamkeit. Auch die Yoga-philosophie weise einen auch immer darauf hin, was wirklich wichtig ist: Wie man atmet. Wie man den Geist beruhigt.

Yoga macht er nämlich – fast bietet sich hier ein „natürlich“ an. Soeben ist von einem Retreat mit seiner Hamburger Lehrerin Claudia Uhrig zurückgekommen. Immer schon habe er viel darüber gelesen. Den „Schubser“, den es dann in Richtung Matte brauchte, gab laut Bünger eine „Gruppe älterer Männer“. Der „Selig“-Sänger Jan Plewka erzählte ihm von ein paar Hamburger Künstlern, die sich regelmäßig auf St. Pauli zum Kundalini Yoga träfen. Und weil der Rock’n’Roll–Lifestyle bei ihm, Heinz Strunk, Rocco Schamoni und den anderen Spuren hinterlassen habe, versuchten sie das jetzt durch Tönen, Dehnen und Energie-arbeit auszugleichen.

„Der erste Spruch, den ich hörte, als ich dort auftauchte, war: „Du bist auch nicht so ehrgeizig oder gelenkig, oder?“, erinnert sich Bünger. Keinesfalls, beteuerte er. Aufnahmeprüfung bestanden. Seither hat er auch andere Stile ausprobiert, Einzel- und Medita-tionsunterricht genommen und Geschmack an regelmäßigen Fastenwochen mit Yoga gefunden. Das lade ihn regelrecht mit Energie auf, dann intoniere er sogar besser. Den spirituellen Rahmen findet er mindestens ebenso wichtig wie das Körperliche. Das endet aber – Achtung, Ann-Kathrin! – , „wenn man mir sagt, wie ich zu leben habe.“ Der Kästner-Titel seines phänomenalen Albums passt gut zu einer Erkenntnis, die Bünger auch im Yoga gefunden hat: „Bei allen Ver-irrungen kann man doch immer noch einen neuen Ansatz finden. Der Geist ist nicht auf ewig festgelegt.“

In letzter Zeit beschäftigt sich Bünger auch mit Mantras: „Früher dachte ich immer, das ist Schlager-singen für Gymnasiasten“. An den Klängen gefalle ihm ihre liebevolle Qualität. Ganz in Büngerscher Manier scheut er aber das allzu Harmonische: „Da wird es manchmal unehrlich. Jeder findet sicher etwas doof an anderen Menschen, und das kann man einander doch auch sagen.“ „Jeder, wie er kann“, heiße es oft in den Yogastunden, aber die wenigsten, scheint es Bünger, nehmen dieses Angebot an: Die ehrgeizige, verbissene Lebenshaltung finde sich auch auf der Matte – nach dem Motto: „Wer entspannt am besten?“ Ihm habe die Praxis vor allem geholfen, seine Intuition zu stärken: „Der einzige wahre Kompass für die Musik.“ Das versuche er auch als Produzent an die oft jungen Künstler weiterzugeben: „Nur können die nicht immer gleich was mit Meditation anfangen. Die wollen Aufregung und Abenteuer.“

Partydip Rezepte

Als Party-Vorspeise oder als Snack an einem gemütlichen Abend auf der Couch: Diese drei Dips passen zu vielen Anlässen.

Kräuter-Zaziki

Ergibt 3 Portionen

1 Salatgurke (geschält, geraspelt) //¼ TL Salz // 2 Knoblauchzehen (gehackt) // 1 Tasse griechischer Joghurt // 1 EL frischer Dill // 1 TL frische Minze (gehackt) // 1 TL frische Petersilie

Geben Sie die geraspelte Gurke in einen Sieb. Bestreuen Sie sie mit dem Salz und lassen Sie sie etwa 15 Minuten entwässern. Drücken Sie das überschüssige Wasser mit den Händen heraus. Vermengen Sie Gurke, Knoblauch, Joghurt, Dill, Minze und Petersilie in einer Schüssel. Abgedeckt hält er sich bis zu fünf Tage im Kühlschrank.

Dazu passen: Radieschen, Karotten, Birne, Apfel, Chinakohl, Gurke, Chips.


Würziger Paprika-Dip

Ergibt 3 Portionen

½ Tasse Mandeln // 1 Tasse rote Paprikawürfel // 2 Dosen Chipotle-Chilis // 1 TL geräuchertes Paprikapulver // ½ TL Worcester-Sauce // 2 EL Olivenöl // 1 EL geriebener Parmesankäse

Zerkleinern Sie die Mandeln in einem Mixer. Danach geben Sie Paprikawürfel, Chilis, Paprikapulver und die Worcester-Sauce dazu und mixen alles zu einem Brei. Optional können Sie zum Servieren etwas Parmesan drüber streuen. Abgedeckt und gekühlt hält sich der Dip bis zu einer Woche.

Dazu passen: Karotten, Fenchel, Kohlrabi, Kartoffeln, Brokkoli, Blumenkohl, Süßkartoffeln, Chips.


Cashew-Kurkuma-Dip

Ergibt 3 Portionen

¾ Tasse Cashewnüsse // 3 Knoblauchzehen // 1 EL Nährhefe // ½ TL schwarzer Pfeffer //  ¼ TL Salz // 1 TL frischer Zitronensaft // 2 TL Olivenöl

Weichen Sie die Cashewnüsse mindestens zwei Stunden lang in Wasser ein. Dann gießen Sie das Wasser ab und geben die Nüsse gemeinsam mit Knoblauch, Hefe, Kurkuma, ¼ TL Pfeffer, Salz, Zitronensaft, 1 TL Olivenöl und etwa 3 EL Wasser in einen Mixer. Geben Sie so viel Wasser hinzu, dass die Masse cremig wird. Vor dem Servieren sollten Sie den Dip etwa eine Stunde kühlen und mit dem restlichen Olivenöl und Pfeffer garnieren.

Dazu passen: Blumenkohl, Brokkoli, Paprika, Karotten, Fenchel, blanchierte grüne Bohnen, Gemüse Chips, Vollkorn-Cracker.

Guido von Arx

Guido von Arx kommt aus der Schweiz und ist freischaffender Seminarleiter, Buchautor und Theaterregisseur. Er bereits drei Bücher zur Bhagavad-Gita geschrieben und wird uns an diesem Morgen die zeitlose Weisheit des Yoga näher bringen. Das Kurzseminar ist für alle, die neugierig sind, hinter die Kulissen des Yoga zu blicken, um eine bis jetzt unbekannte, faszinierende Welt zu entdecken… 

YOGA UND WEISHEIT

Ein Vortrag mit Guido von Arx

Yoga hat mehrere Bedeutungen, unter anderem Ausgeglichenheit und Verbindung zum tieferen Selbst. Neben dem Yoga-Sutra ist es vor allem die Bhagavad-Gita, welche die Yoga-Weisheit klar, leichtverständlich und praxisnah ausdrückt.

Auch im 21. Jahrhundert hat die Bhagavad-Gita nichts von ihrer Aktualität und Wichtigkeit verloren. Dieses zeitlose Weisheitsbuch des antiken Indiens ist eine Gebrauchsanweisung für ein ganzheitliches Dasein, durch das alle Aspekte eines aktiven Lebens integriert werden können.


Guido von Arx auf der YogaWorld Stuttgart 2019:

Sonntag, 28. April // 9:30 – 10:15 Uhr // YOGA UND WEISHEIT // Vortragsraum


 

 

 

Film-Tipp: Lucky

lakonisch Ein kleines Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und ein Mann, dessen gesamte Erscheinung Vergänglichkeit ausdrückt: Jeden Morgen beginnt der 90-jährige Lucky (Harry Dean Stanton) den Tag mit dem gleichen Ritual von Aufstehen, Eiskaffee und Yoga mit den „Fünf Tibetern“. Auch sonst verläuft das Leben des stoischen Eigenbrötlers zwischen Diner, Quizshow und Bar in immer gleichen Bahnen – bis ihn ein kleiner Unfall aus der Bahn wirft und sich der spirituelle Cowboy endgültig mit der Essenz der Existenz beschäftigen muss. Bei seinen melancholischen Überlegungen begleiten ihn eine Runde skurriler Individualisten, darunter Howard, der seine entlaufene Schildkröte vermisst – gespielt von Regisseur David Lynch, dem Aushängeschild der Transzendentalen Meditation.

Fazit  Die Hommage an die verstorbene Schauspiellegende Harry Dean Stanton ist Film gewordene Medita­tion zwischen Kakteen und enthält die schönste Etymologie seit Langem: „‚Allein‘ kommt von zwei Wörtern, ‚alle‘ und ‚einer‘. Steht im Wörterbuch.“


Lucky

Regie: John Carroll Lynch

Mit: Harry Dean Stanton, David Lynch, Ed Begley jr.
Kinostart: 18. März 2018

Dies.Das.Asanas.Der fliegende Spagat

Unsere Asana-Kolumnistin Jelena Lieberberg scheint einen unerschöpflichen Vorrat an außergewöhnlichen, spielerischen Asanas zu haben. Wer Spaß an Hanuman-asana & Co. hat, wird auch an dieser Variante des fliegenden Spagats seine Freude haben. Die gute Nachricht dabei ist, dass die Fallhöhe und somit die Angst, in diese Asana einzutauchen, gering sind.

In dieser kompakten Armbalance sind vor allem Beweglichkeit und Kraft von Nöten. Das intelligente Stapeln der Knochen macht es jedoch wesentlich leichter, abzuheben. Sobald man mutig genug ist, sich nach vorne zu lehnen, und seinen Armen zu vertrauen, ist die Versuchung groß, mit dem hinteren Fuß abzuspringen. Viel besser als so ein Hüpfer ist aber ein Gefühl von Festigkeit: Bauen Sie genügend Körperspannung auf, um das hintere Bein mit Kraft und Hingabe zum Schweben zu bringen – also eher wie ein winterlicher Schwan, der elegant seine Flügel ausbreitet, als ein hoppelnder Schneehase. Verzweifeln Sie nicht, falls es beim ersten Mal nicht gelingt, und lassen Sie sich eher von Humor und Ausdauer beflügeln, wenn es um knifflige Armbalancen wie diese geht.

Macht das Spass?

Ja! Für viele ist diese Variante von Eka Pada Koundinyasana 2 leichter, da der Spagat nicht mit gestreckten Beinen durchgeführt wird, sondern das vordere Bein die Funktion einer Zange übernehmen und das hintere auch gebeugt sein kann. Insofern ist weniger Beweglichkeit nötig als in der klassischen Version.

Muss ich das können?

Nein. Wie immer gilt, alles kann, nichts muss. Die Lust am Spielen und Probieren steht im Vordergrund. Ob Sie diese Asana-Variante dann meistern, ist eine andere Frage.

Was muss ich dafür tun?

Bei dieser Armbalance geht es um Kraft in Rumpf und Armen und um Flexibilität in Beinen und Hüften. Sonnengrüße mit Ausfallschritten, Krieger und die Pyramide helfen bei der Beweglichkeit. Einfache Liegestütze und Chaturanga Dandasana ebnen den Weg für mehr Kraft von Armen und Körpermitte.

Schritt für Schritt

  1. Beginnen Sie im Ausfallschritt mit dem rechten Bein vorne und setzen Sie beide Hände innen vom vorderen Fuß auf. Zu Beginn können Sie das linke Knie kurz auf der Matte absetzen, um Ihre rechte Schulter so weit wie möglich unter das rechte Knie zu schieben. Danach wird sich Ihre rechte Hand wieder außerhalb des rechten Fußes befinden.
  2. Heben Sie Ihr linkes Knie vom Boden ab. Dann klemmen Sie den rechten Oberarm wie mit einer Zange in Ihrem rechten Bein ein und wandern dabei mit dem rechten Fuß immer weiter nach innen. Gleichzeitig beugen sich Ihre Arme immer mehr, bis Sie merken, dass der linke Fuß fast von alleine beginnt zu schweben.
  3. Versuchen Sie ein Hüpfen zu vermeiden, sonst besteht die Gefahr, eher auf die Nase zu fallen. Statt dessen machen Sie den Rumpf möglichst stabil und kompakt. Die Gewichtsverlagerung nach vorne, das aktive Wegdrücken des Bodens mit den Händen und das Zurückziehen der Schultern führen dann dazu, dass das hintere Bein abheben kann.
  4. Bei Bedarf beugen Sie das hintere Bein für die auf dem Bild gezeigte kompakte Variante, ansonsten wird es lang nach hinten ausgestreckt. Zum Auflösen setzen Sie das hintere Bein wieder ab und lösen die Zange. Anschließend fließen Sie durch ein Vinyasa und probieren das Ganze auch auf der anderen Seite. Lächeln, Schmunzeln und Kichern sind die ganze Zeit erlaubt.

5 Tipps um schöner zu scheitern

In unserer Leistungsgesellschaft hat Scheitern keinen guten Ruf. Doch die Absage an Perfektionismus und das Akzeptieren von Alternativen ermöglichen wichtige Lernprozesse. Hier sind fünf Schritte, mit denen Sie Ihr Scheitern in eine Erfolgsgeschichte verwandeln können!

Wenn es beim ersten Mal nicht gleich klappt …

  1. Geben Sie Enttäuschungen Zeit und Raum. Unmittelbar nach dem Scheitern spüren Sie vielleicht den Drang, sofort etwas gegen die Enttäuschung zu unternehmen – sei es sofortige Optimierung oder komplettes Abkapseln. Vermeiden Sie beides! Aus einem reaktiven Zustand treffen wir selten unsere besten Entscheidungen. Nehmen Sie sich stattdessen ein paar Minuten, Tage oder länger Zeit, um Yoga und Meditation zu praktizieren. Lassen Sie die Tatsachen und die begleitenden Gefühle unkommentiert auf sich wirken, bis die Emotionen wieder einer inneren Ruhe weichen.

  2. Lösen Sie Ihr Ego von Ihren Handlungen. Nachdem sich eine gelassenere Haltung eingestellt hat, können Sie das Scheitern in Ihren Handlungen, nicht bei sich selbst sehen. Eine solche Entkopplung bringt Klarheit, Akzeptanz und Selbstvergebung, die das oftmals quälende Gefühl der Scham beim Scheitern neutralisieren.
  3. Holen Sie sich Feedback. Erzählen Sie Ihre Geschichte Menschen, denen Sie vertrauen. Bitten Sie sie dann, sie Ihnen aus ihrer Sicht wiederzugeben. Die gleichen Ereignisse aus anderer Perspektive zusammengefasst zu bekommen, kann neues Licht auf die Tatsachen werfen und Ihnen dabei helfen, Ihre blinden Flecken zu erkennen. Versuchen Sie, die verschiedenen Aspekte zu verinnerlichen, um sich selbst mit mehr Großzügigkeit zu begegnen und neues Selbstvertrauen zu erlangen.
  4. Teilen Sie Ihre Geschichte. Je mehr Sie von Ihren Erlebnissen berichten, desto weniger Scham verbinden Sie damit. Lassen Sie Ihre Erfahrungen Revue passieren und betonen Sie den Optimismus, den Sie aus den Schritten 1, 2 und 3 gezogen haben. Vielleicht gibt Ihnen die neue Version Ihrer Geschichte schon jetzt Inspiration für Ihre weiteren Schritte?
  5. Wagen Sie einen Neustart. Formulieren Sie neue, realistischere Erwartungen für Ihr nächstes Vorhaben – und setzen Sie sie um! Mit den Erkenntnissen, der Nachsicht mit sich selbst und dem Selbstvertrauen, die sich aus Ihrem letzten Versuch ergeben haben, sind sie bestens für die neue Herausforderung gewappnet. Lernen Sie aus dem Vergangenen, seien Sie mutig und kreativ! Und erinnern Sie sich: Um Erfolg zu haben, müssen Sie auch riskieren zu scheitern.

Dies.Das.Asanas. Der gebogene Unterarmstand

Man muss Handstand & Co. nicht können oder lieben, um ein Yogi zu sein. Umgekehrt muss man spektakulär aussehende Asanas aber auch nicht reflexhaft mit Selbstdarstellung gleichsetzen. Jelena Lieberberg geht es mit ihren innovativen Varianten um andere Dinge: zum Beispiel um Forscherdrang, Bewegungsfreude und Inspiration.

Kopfstand, Handstand oder der Unterarmstand (Pincha Mayurasana) gehören zu den „fortgeschrittenen“ Yoga-haltungen, die vor allem im Ashtanga und Vinyasa Yoga beliebt sind. Wem dieses Universum nicht liegt, der kann sich entspannt zurücklehnen, genau hinschauen und erstaunt genießen, wozu der menschliche Körper fähig ist. Ein Blick über den Tellerrand schadet nie, im Gegenteil: Er sorgt für frischen Wind und Inspiration!

Bei dieser Variante von Pincha Mayurasana, der Pfauenfeder auf den Unterarmen, geht es um das Spiel mit der Balance und die Suche nach Beweglichkeit. Am einfachsten kann man sich vor einer Wand darin versuchen. Mit dem Po an der Wand fällt es außerdem leichter, gezielt die Brustwirbelsäule zu bewegen. Eine Herausforderung, für die man neben Kraft und Körperspannung im wahrsten Sinne des Wortes auch Fingerspitzengefühl braucht, denn die Hände sind in dieser Haltung eine wichtige Hilfe für die Balance.

Macht das Spass?

Ja! Alle, die sich im Unterarmstand zuhause fühlen, werden hier eine neue Spielwiese entdecken: Es gibt jede Menge Variationen für die Höhe der Knie, außerdem wird aus dieser Position ein langsames Herablassen in das Rad auf den Unterarmen möglich.

Muss ich das können?

Nein! Wie bei allen Varianten und Modifikationen gilt auch hier die Devise: Alles kann, nichts muss. Sich von einer Wand gestützt an die umgekehrte Welt zu gewöhnen, ist schon aufregend genug.

Was muss ich dafür tun?

Der Unterarmstand sollte Ihnen vertraut sein, mit Wand oder ohne. Zum Aufwärmen und Mobilisieren der Schultern dienen Sonnengrüße, Hund, Delfin und Delfin mit Knien am Boden. Außerdem Kobra und Heuschrecke für die Brustwirbelsäule.

Schritt für Schritt

  1. Beginnen Sie in der Delfinhaltung (das heißt wie im herabschauenden Hund nur auf die Unterarme statt auf die
    Hände gestützt). Sie können Unterarme und Hände flach und parallel aufsetzen oder die Finger verschränken. Bei der zweiten
    Variante nehmen Sie den unteren kleinen Finger in die Faust, damit beide Handkanten flach am Boden liegen.
  2. Mit dem Blick nach unten gerichtet, kicken Sie die Beine nach oben in den Unterarmstand. Falls Sie noch unsicher in der Balance sind, üben Sie vor einer Wand. Drücken Sie sich aktiv vom Boden ab, um die Schultern weg von den Ohren zu bewegen.
  3. Dann beginnen Sie, langsam die Knie zu beugen. Dabei dürfen Ihre Zehenspitzen an der Wand entlanggleiten. Lassen Sie den Blick vom Boden in den Raum wandern, so dass sich der Kopf entspannt in neutraler Position befindet. Die Schultern sind über den Ellenbogen ausgerichtet.
  4. Beugen Sie die Knie noch etwas mehr. Jetzt beginnt das Spiel mit der Balance, da sich der Po dadurch nach hinten (Richtung Wand) bewegen muss. Der untere Rücken sollte sich frei anfühlen, wobei die Brustwirbelsäule zwischen den Schulterblättern arbeiten darf. Nach 5 Atemzügen oder mehr machen Sie eine Pause in der Stellung des Kindes. Anschließend wiederholen Sie das Ganze noch einmal.

Yoga People: Mina Caputo

Nicht nur Rocklegenden besagen, dass echte Kunst aus dem Leiden einer zerrissenen Persönlichkeit entsteht. Im Fall von Mina Caputo, früher als Keith Caputo und Frontmann der Band „Life of Agony“ bekannt, sind Musik und Leben tatsächlich eng miteinander verbunden – als Suche nach Essenz und Identität.

„Ich bin die merkwürdigste Person, die ich kenne.“

„A place where there’s no more pain“: Der aktuelle Albumtitel ihrer Band „Life of Agony“ ist pure Verheißung – vor allem, wenn man die Biografie der New Yorker Künstlerin Mina Caputo betrachtet. Nach dem Herointod ihrer Eltern wuchs sie als Junge bei den Großeltern auf, unter dem harten, oftmals gewalttätigen Regiment ihres Großvaters. Die viel zu frühe Verantwortung für die drogenabhängigen Eltern und erste Ahnungen, dass seine Seele nicht im richtigen Körper wohnen könnte, ließen Keith zu einem introvertierten Jugendlichen werden, der seine Zuflucht in der Musik fand: 1989 gründete er in Brooklyn „Life of Agony“ und erlebte mit der Debütplatte „River Runs Red“ in der Grunge-Ära erste Höhenflüge.

Zwischen damals und heute erlebte Keith/Mina das ganze Spektrum eines Rockstar-Lebens: massive Popularität, Absturz, Auflösung der Band, Solokarriere, Wiedervereinigung  – und schließlich das Outing als Transsexuelle. Derzeit erleben Transgender-Themen einen kleinen Boom in der Popkultur. Im Rockbusiness, einem Geschäft der harten Kerle, war Minas öffentliches Bekenntnis 2011 kein Spaziergang, aber eine lang ersehnte, von den Fans erstaunlich gelassen tolerierte Katharsis. Wie fast immer durchlebte auch sie eine Vorgeschichte der Verdrängung und des Versteckens, Leben und Kunst lassen sich dabei bis heute nicht so einfach trennen. Dies wird auch im aktuellen „Life of Agony“-Album deutlich, wie das Fachmagazin „Classic Rock“ zusammenfasst: „Die rohe Emotion, die Caputo in den Anfangsjahren von ‚Life of Agony‘ eine so ergebene Fanbase bescherte, wurzelte damals in schierer, bisweilen auch für den Hörer kaum ertrag-barer Verzweiflung. Im neuen Album fußt sie auf einer ganz neuen Stärke, der entfesselten Energie einer gepeinigten Seele, die einen jahrzehntelang überfälligen Befreiungsschlag bewältigt hat und nun nicht mehr gegen den Schmerz ansingt, sondern Kraft daraus zieht.“

Neue Stärke und schließlich ein „Place where there’s no more pain“: Ist Mina endlich dort angekommen? Und kann es einen solchen Ort wirklich geben? „Ich glaube nicht, dass es eine realistische Option ist“, so die Sängerin, die seit 20 Jahren Yoga übt, vor allem nach B.K.S. Iyengar und Dharma Mittra. „Das Leben ist als Auseinandersetzung bestimmt, aus Kontrast und der Reibung zwischen Positivem und Negativem. Schwierigkeiten lassen uns wachsen und zu wahrer Freude finden. Im Leben sollten wir kein Ziel haben. Es geht um die Entwicklung.“ Ob sie Yoga wirklich als „Heilung“ erfahren habe? Da ist sich Caputo nicht sicher. Auf jeden Fall aber „tausendprozentig“ als „konstantes Aufwachen“ und eine Reise zu ihrem wahren Kern. Ihre Praxis finde überall statt: Auf Langstreckenflügen, in Tourbussen, Hotelzimmern. „Die Welt ist meine Matte. Yoga hat mich gelehrt, mit allem spielerisch umzugehen. Es hat mein Leben heller gemacht.“

„Ich bin die merkwürdigste Person, die ich kenne“, sinniert Caputo im Gespräch nicht ohne Selbstironie. „Die süßeste, treu sorgendste, mutigste, mitfühlendste. Das ist meine Selbstdefinition – egal, was andere sagen. Wenn man sich einmal akzeptiert hat, hört die Entwicklung nie auf. In einem solchen Energiefeld gibt es keine Grenzen. Als fließende Praxis hat mich Yoga erkennen lassen, dass unser Bewusstsein ständig vibriert. Dazu passt großartig, dass ich mich weder vollständig als Mann noch als Frau fühle. Ich bin beides und keines. Ich will einfach sein und mag keinen Titel, der auf die Essenz meines Wesens aufgedrückt wird.“ 

Der rohe, rauhe Sound ihrer Musik und der weiche Fluss der Selbstdefinition: Merkwürdig ist Mina auf jeden Fall, entgegen aller Rock-Klischees jedoch keinesfalls düster. Aber dunkle Seiten habe sie auf jeden Fall, die in den Songs zum Tragen kommen – und ebenfalls in ihrem Yoga: „In den Dehnungen und in meinem Atem. Rein mit dem Guten, raus mit dem Bösen.“