Fearless 50 – Yoga für Fortgeschrittene

Ab durch die Mitte! Was die Richtung betrifft, kann es von dort aus auf- oder abwärts gehen. Für die Yogalehrerinnen Desiree Rumbaugh (58) und Michelle Marchildon (56), die zusammen auf eine über 50-jährige Yogapraxis zurückblicken, ist die Lebensmitte eine Zeit für Resumees, aber auch für Neustart und Wachstum.

Älterwerden ist nichts für Feiglinge.

-Desiree Rumbuagh

„Es ist unvermeidlich, dass sich die Yogapraxis im Laufe des Lebens ändert. Was immer Sie daraus machen – geben Sie nicht auf“, empfehlen Desiree Rumbaugh und Michelle Marchildon. In unverwechselbar amerikanischer Motivationsmanier feuern sie in ihrem bislang nur auf Englisch erschienen Buch „Fearless after Fifty“ (Wildhorse, ca. 18 Euro) ihre Altersgenossinnen zu mehr Selbstbewusstsein an: „It’s not game over. It’s game on!“. Auch ihre Kolleginnen Seane Corn, Patricia Thielemann und Kristin Rübesamen, die alle kürzlich ihren 50. Geburtstag feierten, verweigern sich dem frühen Seniorinnen-Status. Diese Woche erzählen sie über ihre persönlichen Realitäten und Visionen rund um die 50 – und sehen dabei (das ist einfach nicht ganz unwichtig) fantastisch aus. Kleine Anmerkung vorab: Abseits des Graue-Schläfen-Charmeur-Klischees haben auch Männer ihre Themen mit der halben Hundert und der sensiblen Balance aus Fazit und Perspektive. Dass Frauen in der Lebensmitte zu neuer Hochform auflaufen, ist im Mainstream allerdings ein etwas jüngeres Phänomen: Deshalb Fokus auf die furchtlosen Ladies über 50.

Zeig mir eine Person in der zweiten Lebenshälfte, die sich weiterhin zum Lernen, Wachsen und verändern herausfordert, und ich werde wahres Yoga sehen.

-Jason Crandell

„Fearless after Fifty“ hat sich aus der zehnjährigen Freundschaft zwischen der international bekannten Iyengar- und Anusara-Expertin Rumbaugh und der Yogalehrerin und Journalistin Michelle Marchildon entwickelt. „Als über 40-jährige Yogaeinsteigerin habe ich einen Kurs bei Desiree besucht. Wo andere Lehrer eine ältere, ziemlich steife Frau gesehen hätten, interessierte sie sich vor allem für mein Potential“, berichtet Michelle. Das Buch erzählt außerdem Rumbaughs persönliche Geschichte, in der ihr die Yogaphilosophie auch half, den tragischen Verlust ihres Sohnes Brandon zu verarbeiten. „Jeder hat in seinem Leben besonders Intensives zu verarbeiten“, sagt sie mit großer, hart erarbeiteter Gelassenheit. „Um zu überleben, habe ich gelernt, statt auf Angst auf Liebe zu setzen.“ 

Eine Geschichte, die weit hinausweist über den Yoga-Boom und die damit verbundenen Bilder. Hier wird Yoga meistens über jugendliche Vitalität repräsentiert. Erst in letzter Zeit rücken vereinzelt auch schwarze oder kurvige Yoginis ins Bild. Was Yogis mit Falten betrifft, läuft die Entwicklung langsamer. Es scheint, als müsse sich frau ab einem bestimmten Alter auch hier zurückziehen. Während die Autorinnen einschlägiger Anti-Aging-Ratgeber oft gerade einmal zwischen 30 und 40 sind, haben Rumbaugh und Marchildon die „Midlife-Kriegerin“ im Blick: „Wir wollen nicht, dass ältere Schülerinnen die herausfordernden Haltungen in der Yogastunde auf Blöcken aussitzen oder nur noch Gentle Yoga besuchen – so wertvoll diese Stunden auch sind. Wir wollen, dass alle 50 plus wissen: Du kannst immer noch stark und kraftvoll agieren, vielleicht langsamer und vorsichtiger, aber ungebrochen experimentierfreudig.“

Die immer noch erstaunlich verbreitete Vorstellung, der weibliche Körper brauche jenseits der Menopause vor allem Schonung, teilen die Autorinnen nicht. Grundlagen einer solchen Haltung seien mangelndes Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, schwindende Lust auf Grenzverschiebungen und vor allem Angst, dem Körper zu schaden. Die Zeit ab 50 mit ihren natürlichen Herausforderungen sei eine Phase, um konzentrierter, bedachter und – ja – härter am Körper zu arbeiten, um Muskelkraft und Ausdauer zu erhalten.

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