Erkunde die indischen Philosophiesysteme Samkhya, Nyaya, Vaisheshika und Purva Mimamsa und ihre Verbindungen zum Yoga
Diese Folge “YogaWorld Podcast” ist der erste Teil einer spannenden Doppelfolge über die sechs klassischen Darshanas – die orthodoxen, philosophischen Systeme des Hinduismus. Gemeinsam mit Yogalehrer und Philosophie-Experte Timo Wahl erkundet Gastgeberin Susanne Mors die Lehren von Samkhya, Nyaya, Vaisheshika und Purva Mimamsa. Diese Darshanas bieten unterschiedliche und teils widersprüchliche Ansätze, um die Wirklichkeit zu beschreiben und den Weg zur Befreiung zu ergründen. Doch sie alle sind tief in der indischen spirituellen Tradition verwurzelt und haben wiederum Einfluss auf den Yoga.
Wir beleuchten in dieser ersten Folge, wie die Darshanas das Verständnis von Yoga bereichern können, welche Rolle die Grundsätze dieser Philosophiesysteme in der modernen Praxis spielen und warum es so lohnenswert ist, sich als Yogalehrende oder Übende damit zu beschäftigen. Besonders interessant wird es, wenn wir uns anschauen, wie Yoga von den dualistischen Prinzipien des Samkhya-Darshanas beeinflusst wird und welche Rolle die drei Gunas – Sattva, Rajas und Tamas – dabei spielen.
Diese Episode ist der Auftakt einer intensiven Reise durch die Welt der hinduistischen Philosophie, in der wir die philosophischen Hintergründe des Yoga in einen größeren Kontext setzen. In Teil 2 geht es dann weiter mit Vedanta und der Frage, wie diese Philosophie Yoga auf neue Weise interpretiert und bereichert.
Wenn du mehr über die Ursprünge des achtgliedrigen Pfades erfahren möchtest und wie du dieses Wissen für deine eigene Praxis nutzen kannst, ist dieses intensive Gespräch genau das Richtige für dich.
Der Herbst wird von der starken Energie des Vata Doshas dominiert. „Vata“ bedeutet „das, was Dinge bewegt“, setzt sich aus den Elementen Luft und Äther zusammen und steht grundsätzlich für die Bewegung im Organismus. Es regelt die Dynamik hinter allen Stoffwechselprozessen, die Atmung sowie sämtliche Vorgänge des Ausdehnens und Zusammenziehens im Körper. Ayurvedische Herbstrezepte unterstützen diesen Prozess.
Text & Rezept: Volker Mehl, Titelbild: Susann Sam/Getty Images via Canva
Vata besitzt die Eigenschaften kalt, rau, trocken, leicht, bewegt und feinstofflich. Traditionell werdem diesem Dosha Emotionen und Gefühle wie Kühle, Nervosität, Aufregung, Zittern und Krämpfe zugeordnet. Dieser Konstitution wird der Dickdarm zugeordnet, dem Becken, den Ohren, der Haut und den Knochen und hat auch für den Verlauf des Lebens Bedeutung: Vata nimmt nicht nur im Herbst, sondern auch im Laufe des Lebenszyklus zu. Erscheinungen des Alters, darunter Osteoporose, Demenz, Zittern und sprichwörtlich die morschen Knochen, sind aus Sicht des Ayurveda eine zu starke Anhäufung der Elemente Luft und Äther im Körper.
Die Bedeutung von Vata
Mit seiner dynamischen Energie sorgt Vata aber auch für den nötigen Schuss Inspiration und Dynamik – vor allem nach der Hitze des Sommers, die uns manchmal verleitet, alles von uns zu strecken und den lieben Gott einen guten Mann oder Frau sein zu lassen. Deshalb ist der Herbst eine gute Zeit, um anstehende Projekte mit neuer kreativer Kraft anzugehen.
Zudem bietet sich der Herbst hervorragend an, um mit einer kleinen Entgiftung die durch die Hitze des Sommers gelösten Schlacken auszuspülen. Denn schon bald steht wieder die Weihnachtszeit mit Plätzchen, Punsch und deftigem Essen vor der bunt geschmückten Tür.
Eine einfache Variante ist, morgens nach dem Aufstehen eine Tasse heißes Wasser zu trinken. Aber Achtung: Das Wasser sollte mindestens 10 Minuten kochen. Dadurch werden die Wasserstoffbrückenbindungen gelöst, die Moleküle werden somit leichter und ähneln so stärker dem Wasser in den Zellen. Dieser Vorgang beschleunigt die Detoxen der Zellen erheblich, da das Wasser schneller aufgenommen werden kann. Wenn ein Stück frischer Ingwer mitgekocht wird, verstärkt sich dieser Effekt noch.
Um ein Gleichgewicht zu den kalten, rauen und trockenen Eigenschaften des Herbstes zu schaffen, sind aus Sicht des Ayurveda Gerichte mit süßem, salzigem und saurem Geschmack zu empfehlen. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, die pure Zitrone zu trinken oder das Nugat-Glas leer zu frühstücken. Mit ihrem wärmenden, anfeuchtenden und schweren Charakter sorgen diese drei Geschmacksrichtung aber für ein natürliches Gleichgewicht: Im wärmenden Mantel fühlen wir uns jetzt ja auch wohler als mit Flip-Flops und T-Shirt.
Karotten-Dattel-Suppe (Zutaten für 4 Personen)
1,5 Liter basic Karottensaft 8 Karotten 12 Blätter frisches Basilikum 8 saftige Datteln 1 EL edelsüßes Paprikapulver 1 EL mildes Currypulver 2 TL frische, zerstoßene, rosa Pfefferbeeren 2 EL Gemüsebrühe Ghee oder Kokosfett zum Anbraten 1 Prise Meersalz
Die Karotten schälen, klein schneiden, Datteln ebenfalls klein schneiden und in Ghee andünsten. Anschließend werden Paprika und Currypulver zugeben, alles gut verrühren und für weitere drei Minuten ziehen lassen. Mische den Karottensaft mit der Gemüsebrühe, in den Topf geben, aufkochen und für 15 Minuten köcheln lassen. Basilikum zugeben und die Suppe pürieren. Zum Schluss wird mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.
Biryani mit warmem Kokos-Mangold-Salat und gerösteten Cashewkernen (Zutaten für 4 Personen)
Reis-Zubereitung:
400g gemischtes Gemüse, gewaschen und klein geschnitten 100g getrocknete Mangostücke, klein gehackt 500g Natur- oder Sojajoghurt 300g Reis 1,5 Liter Gemüsebrühe 1 EL fein gehackter Ingwer 2 EL Currypulver 2 EL süßes Paprikapulver 2 rote Zwiebeln
Zuerst wird der Reis nach Anleitung in Salzwasser gekocht. Gemüse in 1,5 Liter Gemüsebrühe bissfest garen. Als nächsten Schritt schäle die Zwiebeln, schneide sie in Würfel und dünste sie zusamen mit dem Ingwer kurz in Ghee glasig. Darüber hinaus vermische Joghurt mit Curry, Paprika, Zwiebeln und Ingwer. Darin wird das Gemüse mariniert und 20 Minuten lassen es. In eine kleine Auflaufform eine Schicht Reis, darauf das Gemüse und wieder eine Schicht Reis geben. Das Ganze für 15 Minuten bei 180 Grad in den Backofen geben.
Zubereitung Mangold:
100 g Cashewkerne 1 EL Garam Masala oder eine andere Gewürzmischung 500g Mangold 200 ml Kokosmilch 200 ml Gemüsebrühe 100 ml Orangensaft 1 EL gehackter Ingwer 1 kleine gehackte grüne Chili 1 EL Ghee oder Kokosfett
Cashewkerne in einer Pfanne ohne Fett anrösten. Mangold waschen, die weißen Stiele und die Blätter in Streifen schneiden. Danach wird Ghee in einer Pfanne erhitzt. Anschließend Ingwer und Chili kurz darin glasig dünsten. Zuerst die Mangoldstiele in die Pfanne geben, nach 4-5 Minuten die Blätter. Nun Brühe, Kokosmilch und Orangensaft zugießen. Lass die Mischung aufkochen, reduziere die Hitze und lass den Mangold auf kleiner Hitze weitere 2-3 Minuten in der Pfanne. Kurz vor dem Servieren die Cashewkerne untermischen. Bei Bedarf mit Meersalz und rosa Pfefferbeeren abschmecken und mit Kokosflocken bestreuen.
Schafft Verbindlichkeit einen Raum, in dem Verbundenheit überhaupt erst möglich wird? Oder ist es vielmehr so, dass die (gerade im yogischen Denken oft mitschwingende) „Verbundenheit allen Seins“ Verbindlichkeit sogar verhindert? Unsere Autorin plädiert dafür, sich viel öfter festzulegen.
Text: Andrea Goffart / Titelbild: R_Tee/Getty Images via Canva
„Du, ich weiß noch nicht genau, ob ich heute Abend komme. Können wir später noch mal telefonieren?“, sage ich zu meiner Freundin und ärgere mich einige Stunden später über Teilnehmer*innen meiner Schreib-Räume, die 10 Minuten vor Start absagen. Wenn überhaupt. Auch in Yogastudios wird es immer schwieriger, einen 10-wöchigen Kurs anzubieten. So lange festlegen? Unmöglich.
Inzwischen geht der Trend von der flexiblen 10er-Karte längst zum online gebuchten Drop-in. Last-minute ist die Devise und es wird uns sehr einfach gemacht, nach diesem Prinzip unser Leben zu gestalten. Wenn alles immer und jederzeit verfügbar ist, dann reservieren wir halt für einen schönen Abend einen Zweiertisch („bitte am Fenster“) in drei verschiedenen Restaurants. Man weiß ja schließlich heute noch nicht, ob man am Freitag mehr Lust auf Veggie, Indisch oder Burger hat.
Es ist nie genug
Immer mehr Verbindung wird unverbindlich, erscheint das nur mir so? Beziehungen enden nach wenigen Monaten, Arbeitsverträge sind befristet, gewohnt wird heute hier, morgen dort. Wir testen und schnuppern, erweitern stetig unseren Horizont – was ja toll ist – und bleiben nie stehen. Wir leben, so scheint es, in einer Welt auf Probe und zögern, zaudern, winden uns, wenn es darum geht, ein klares Ja zu verkünden.
Was hält uns davon ab, verbindlich zu sein? Individualismus im Sinne einer umfassenden Gewinnmaximierung für das Ego? Mangelerleben? Es reicht nie – immer ist etwas anderes besser. Gerade habe ich den Kurzurlaub in Kapstadt gebucht, da sehe ich ein Special über Baku. Da will ich hin – ist doch viel geiler. Denn auch ich werde irgendwie besser sein, wenn ich mehr habe und aus der großen Auswahl schlau das Beste für mich sichere. Unser Konsumverhalten geht weit über Grundbedürfnisse hinaus. Vielmehr scheint es essenziell, richtig zu wählen.
„Wir jonglieren gefühlt ständig mit 1000 Bällen. Und jetzt noch einen zusätzlichen Ball aufnehmen und das auch noch verbindlich? Lieber nicht.“
Und dieses Richtig schließt von Jahr zu Jahr mehr Parameter ein: Erziehung, Bildung, Umfeld, Werte, finanzielle Möglichkeiten? Klar, aber auch Aspekte wie Umwelt, Klima und natürlich in den letzten Jahren massiv die Gesundheit sowie unzählige weitere Bedenken und Begierden spielen in unsere Entscheidungen hinein. Wenn ich mit der Bahn zum Seminar fahre, dann bin ich nachhaltig, aber vielleicht zu spät, wie unangenehm. Fahre ich mit dem Auto, finde ich keinen Parkplatz. Vielleicht besser eine Fahrgemeinschaft? Puh, dann bleibt die ganze Orga an mir hängen …
Wir jonglieren gefühlt ständig mit 1000 Bällen. Und jetzt noch einen zusätzlichen Ball aufnehmen und das auch noch verbindlich? Lieber nicht. Und überhaupt – so wichtig ist das Seminar eigentlich nicht, geh‘ ich halt nicht hin. Komplexität, letztlich also die Erkenntnis der Verbundenheit unendlich vieler Entscheidungsfaktoren, verursacht ein wachsendes Unvermögen, sich zu entscheiden. Und eine immer weiter sinkende Aufmerksamkeitsspanne macht Verbindlichkeit auch nicht einfacher.
Verbindlichkeit: Was ist das eigentlich?
Für mich drückt die Formel „Walk the talk“ es sehr gut aus: Ich tue, was ich sage. Ich lasse Worten Taten folgen und überlege bewusst, was ich zusage und warum. So gesehen, ist Verbindlichkeit mehr als ein Pflichtgefühl im Außen, es ist auch eine Verneigung vor dem eigenen Dharma, der eigenen Klarheit und Ausrichtung. Wenn wir Verbindlichkeit ernst nehmen, entsteht aus ihr ein solides Vertrauen, das Beziehungen tragfähig macht – auch und gerade mitten im Chaos.
Drum prüfe, wer…
Viele von euch werden das Silvesterphänomen kennen. Die Eingeladenen melden sich auf den letzten Drücker, wenn etwas noch Besseres für die „Nacht der Nächte“ definitiv nicht in Aussicht steht – na gut, dann halt zum Fondue bei Ute. Woher kommt diese Last Minute-Mentalität – welche Glaubenssätze, Mechanismen oder Ängste liegen dahinter? Warum ist es für viele von uns so schwierig, sich zu entscheiden? Bevor du weiterliest – frage dich vielleicht einmal selbst – (warum) ist es für dich schwierig?
Zum einen besteht bei einer verbindlichen Entscheidung immer die Gefahr, enttäuscht zu werden. Hinter jeder Verbindlichkeit lauert eine Fehlentscheidung. Das ist nicht schön, wir fühlen uns unwohl, unsicher. Ein Verhalten, das Verbindlichkeit – generell Bindung – vermeidet, ist also immer Selbstschutz. Etablierte Bindungstheoretiker*innen wie John Bolby und Mary Ainsworth halten uns den Spiegel vor unsere unsicheren, vermeidenden Verhaltensweisen – die eben nicht nur in der Partnerschaft wirken und dazu führen, dass wir in einem permanenten Zustand der Selbst-Unsicherheit feststecken.
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Dort werden wir vermutlich so lange bleiben, bis wir verstehen, dass der Anspruch, alles richtig entscheiden zu müssen, zum Scheitern verurteilt ist. Die Angst vor dem Entscheidungs-GAU hat sogar einen schicken Namen: FOMO – Fear of missing out. Aber was können wir eigentlich wirklich verpassen? Wenn wir verbindlich sind, wenn wir klar unsere Meinung sagen, wenn wir Entscheidungen treffen und zu ihnen stehen, dann werden wir ab und zu falsch liegen. Wir werden scheitern. Immer wieder. Immer neu. Wir könnten es lustvoll tun? Und, ja, dann kann es auch passieren, dass wir die Chance unseres Lebens verpassen, wenn wir bei Utes Fondue zu früh zusagen. Und vielleicht trotzdem einen netten Abend verbringen, während das Leben die nächste „einmalige“ Chance schon genüsslich aus der Schublade zieht.
Verbindlich verbunden
Wenn ich mich entscheide, werde ich verbindlich. Ich mache eine verbindliche Zusage und stelle damit eine Verbundenheit her – und wenn es nur die Verbundenheit von zwei Terminkalendern ist. Nehme ich die Verabredung nicht ernst oder nicht wahr, dann hinterlasse ich eine Leerstelle – sowohl im Kalender als auch im Leben des Gegenüber. So weit – so banal. Und gleichzeitig ist Verbindlichkeit auch etwas, das wir mit Interesse, mit Offenheit und mit einem weitergehenden Verweben von Schicksalen konnotieren. Wir sind verbunden – wenn ich mich bewege, bewege ich dich mit, bewegst du dich mit.
Und hier kommen wir meines Erachtens am Kern an, nämlich bei der Erkenntnis, dass Verbindlichkeit und Verbundenheit in ihrer wechselseitigen Bezogenheit der Dualität von Yin und Yang gleichen. Gemäß der goldenen Regel, die sich als ein „Behandele andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest“ in fast allen Weisheitstraditionen wiederfindet, sprechen wir von Verantwortung für das eigene Verhalten. Es geht um Empathie oder – weitergefasst – um die Fähigkeit, das eigene Tun in all seinen Auswirkungen beurteilen zu können (und zu wollen).
Wie beeinflusst mein Handeln mein Gegenüber, meine Familie, Kolleg*innen, die Nachbarschaft – letztlich die Welt? Ausgehend von einem tantrischen Netz, in dem alles Leben miteinander verbunden ist, hat jede meiner Bewegungen eine Auswirkung auf das Ganze. Jedes Tun wirkt sich aus – auch das Nicht-Tun.
Unverbundenheit und Unverbindlichkeit
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Die Art von Verbundenheit, wie ich sie hier beschreibe, ist unsere Ursehnsucht. Sie ist eine Sehnsucht der Seele. Wir möchten zu einer Existenzebene zurückkehren, die wir tief in uns zeitlos erfüllt erleben – im Inneren sind wir verbunden. Wir sind eins – immer schon. Trotzdem leben wir die Trennung auf so vielen Ebenen: Zum einen die Trennung von dem, was wir Umwelt nennen. Hier ich – dort Welt. Dazwischen ganz viel (dicke) Luft. Dann die Trennung von Menschen, die meist „die anderen“ sind. Über Urteile, Meinungen und alles, was unser Denken so produziert, halten wir sie fern von uns. Und wünschen uns zugleich verzweifelt Nähe. Und zuletzt die Trennung in und von uns selbst – von Verstand und Herz, von Ego und Selbst, von Körper und Geist.
Es ist diese Trennung, aus der Unverbindlichkeit entsteht, denn sie verhindert, dass wir uns einlassen können. Wir bleiben getrennt vom großen Ganzen und flüchten uns ins denkende Wollen, Vergleichen, Erwarten, weil unsere innere Stimme irgendwann verstummt ist. Wir haben nicht nur das Vertrauen in uns selbst verloren, sondern auch in vieles, was Generationen vor uns noch Halt gab – zum Beispiel in die Autorität von Eltern, Lehrer*innen, Ärzt*innen, einer Religion oder den Medien.
Dann wäre es also im Umkehrschluss diese innere Stimme, die wir benötigen, um ein klares, sattes Ja zu sagen? Aus einem kraftvollen Selbstmitgefühl heraus und durch eine fühlende Wahrnehmung der Verbundenheit könnten wir unseren Verbindlichkeitsmuskel stärken – vielleicht über Yoga. Als achtfacher Pfad hilft uns Yoga, die Verbindung zur eigenen Wahrnehmung einzugehen. Yoga heißt Verbindung, bringt uns in Verbindung mit der eigenen Wahrheit, aus der heraus unsere Sprache klar und deutlich werden kann. Verbindlich.
Du, das fühlt sich gerade falsch an…
Andererseits entsteht aus dem ausschließlichen und/oder „zwanghaften“ Lauschen auf die innere Stimme, wie es in der spürenden Selbstwahrnehmung gerade modern ist, wiederum Unverbindlichkeit. Oft bekomme ich im spirituell erfahrenen Umfeld zu hören: „Du, es fühlt sich gerade nicht richtig an, heute mit dir ins Kino zu gehen, ich möchte lieber im Wald sein, mich mit der Natur verbinden.“ Absage. Leerstelle in meinem Kalender. Dieser Gegensatz ist spannend, oder?
Du handelst vielleicht aus der Verbundenheit allen Seins heraus. Du nimmst deine innere Stimme in diesem Augenblick wahr und du nimmst sie ernst, damit du dich weiter verbunden fühlen kannst. Das ist tatsächlich wichtig, aus all den oben genannten Gründen. Ich möchte aber mit dir ins Kino gehen, weil wir verabredet waren und ich mich darauf gefreut habe. Ich möchte mich über das gemeinsame Tun mit dir verbunden fühlen und mich auf dich verlassen können. Auch das ist wichtig. Wie lösen wir das auf? Wie priorisieren wir die „Verbundenheit allen Seins“, die dich inspiriert, unsere Pläne zu ändern?
In Verbindung bleiben
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Hier gibt es tatsächlich ein Paradox, das wir nur situativ und mitfühlend auflösen können, indem wir unbedingt weiter miteinander verbunden bleiben und uns nicht im Groll abwenden. Aus der Verbindung heraus zeige ich dir, dass ich enttäuscht bin, mich auf unser „Wir“ gefreut hatte, und ich zeige dir zugleich, dass ich dein Bedürfnis verstehen kann. Aus der ganz konkreten Verbundenheit heraus – wenn wir sie nicht verkürzt als spirituelle Rettungsinsel wahrnehmen – können wir den Konflikt gemeinsam lösen, indem wir uns zeigen, uns öffnen und auch mal Dinge ansprechen, die nicht angenehm sind, sondern als problematisch oder peinlich wahrgenommen werden.
Auch das ist Verbindlichkeit – sich nicht abzuwenden und ins Schneckenhaus zurückzuziehen, weil mich mal wieder niemand versteht. Ich bleibe stehen und habe einen Standpunkt und du hast deinen und wenn wir unsere Bedürfnisse (an-)erkennen, dann können wir uns festlegen – vielleicht heute auf einen gemeinsamen Waldspaziergang?
Wenn wir auf diese Art aus der Verbundenheit agieren, könnte es dann geschehen, dass gerade aus dem gemeinsamen Auflösen einer konkreten Verbindlichkeit etwas Größeres entsteht? Könnte aus diesem gegenseitigen Mit-Teilen nicht eine tiefere Verbindung entstehen, gegründet auf der Gewissheit, gemeinsam Teil der lebendigen Wirklichkeit zu sein?
Andrea Goffart freut sich, wenn sie Abgabetermine für Artikel einhält und pünktlich zu Verabredungen erscheint. Als Autorin und Schreibcoach unterstützt sie Menschen dabei, ihre Geschichten zu erzählen und macht die verbindende Kraft des Schreibens erlebbar. Mehr über die Autorin findest du auf ihrer Website.
Auch unsere Redaktion hat sich mit dem Thema Verbundenheit auseinandergesetzt, hier kommst du direkt zum Gespräch:
Dieses Mal stellt euch unsere Autorin Sybille Schlegel die Mandukya Upanishad vor, einen kurzen Text, der es ganz schön in sich hat: Er handelt von nichts weniger als dem Wesen des Bewusstseins, der Ordnung des Universums – und einem großen Klang, der all das in sich trägt: OM!
Text:Sybille Schlegel / Titelbild: Ivan Vuckovic/Getty Images via Canva
Auf dem Siegertreppchen gibt es genau drei Plätze,weshalb der vierte Platz oft als „undankbar“, im besten Fall tröstlich als „Sieger der Herzen“ bezeichnet wird. Überhaupt hat die Zahl drei bei uns einen äußerst spruchreifen Ruf: Aller guten Dinge sind schließlich drei. Oft muss der Held im Märchen drei Aufgaben bestehen, gibt es drei Schwestern oder drei Wünsche. Das zeigt: Die Drei hat sich einen festen Platz in unserem kollektiven Bewusstsein erarbeitet. Und um das Bewusstsein geht es auch in der Mandukya Upanishad – allerdings liegt laut diesem Text das Eigentliche erst hinter den magischen Drei verborgen, in einer alles entscheidenden vierten Dimension …
Mandukya Upanishad auf einen Blick
Die kürzeste Upanishad • 12 Verse • legendärer Verfasser: Manduka Themen: • das Bewusstsein • der Klang OM • Existenz in Dreiheit • das Vierte als transzendentes Sein
Dreiheit, Zweiheit, Einheit
Die Mandukya Upanishad ist die kürzeste und nach Auffassung der Forschung auch die jüngste der 108 traditionell anerkannten Upanishaden. Aber Moment, noch mal einen Schritt zurück: Was sind überhaupt dieUpanishaden? Die Entstehung dieser Gruppe von indischen Weisheitstexten hat sich vermutlich von etwa 700 bis 200 vor Christus und damit über ein halbes Jahrtausend erstreckt. Sie gelten als der „Abschluss der Veden“ – das Vedanta. Der Begriff Veda bezeichnet dabei sowohl die Gesamtheit der vedischen Texte als auch generell (göttliches) Wissen, während Anta ganz einfach Ende bedeutet.
Die unter dem Namen Vedanta bekannte philosophische Schule, (auch als Advaita Vedanta bezeichnet) stellt eine Lehre in den Mittelpunkt, der wir auch im Yoga sehr viel Gewicht geben: Alles ist eins. Die Frage, die dazu aber in vielen Upanishaden gestellt wird, lautet nachvollziehbarerweise: Was ist denn dieses Eine, wenn sich doch augenscheinlich alles voneinander unterscheidet und in dieser Unterschiedlichkeit ja getrennt ist? Das meiste, was wir in unserer Wahrnehmungswirklichkeit erleben, ist mindestens in Paaren vorhanden: Schuhe, Hände, ich und du, Tag und Nacht – also gerne auch in Gegensatzpaaren: kalt und heiß, klein und groß, hart und weich …
Foto: Maximusnd Zahar via Canva
Dank solcher Unterscheidungen sind wir in der Lage, uns zu orientieren. Ganz vorne im Verständnis kommt dabei die Unterscheidung von unten und oben: Unten ist der Planet, mit dem wir durch die auf unsere Körper wirkende Schwerkraft verbunden sind, oben ist die Weite des Himmels, des Universums. Ich habe mal gelesen, dass man auf der ISS anfangs kein oben und unten definiert hatte, was die Astronauten in der Schwerelosigkeit fast verrückt hat werden lassen. Erst als man zwischen einem an den Wänden markierten „oben“ und einem „unten“ herumschwebte, ging’s. Aus oben und unten leiten sich vorne und hinten und rechts und links ab (auch wenn ich persönlich damit immer so meine Probleme hatte …).
An dieser Orientierung spendenden Möglichkeit des gegensätzlichen Vergleichs hat der menschliche Geist so sehr seine Freude gefunden, dass wir auch alle anderen Erscheinungen munter auf diese Weise einordnen. So weit, so gut, könnte man meinen, dann können wir eben etwas Festes von etwas Fluffigem unterscheiden. Wo liegt das Problem? Es liegt wie so oft in den Gewohnheitsmustern: Wenn wir alles, was uns umgibt und was wir erleben, durch Gegensätzlichkeit definieren und nach Eigenheiten einordnen, geht der Blick für das Vereinende, Gemeinsame verloren.
Offenbar war das schon vor über 2500 Jahren Menschen bewusst. Deshalb stellten im antiken Indien die Schüler*innen (ja, Frauen waren auch dabei) ihren Lehrern (hier sind zumindest namentlich nur Herren bekannt) die entscheidende Frage: Was ist die Einheit, was verbindet mich mit allem, das ist? Die Antwort lautete: Brahman. Die Lehrer sagten, dass Brahman als einzige Entität wirklich ist, weil es nicht geboren wird und nicht verschwindet. Und dieses göttliche, große Eine trage man in sich. Bezogen auf den einzelnen Menschen heißt es zwar Atman, aber bis auf die unterschiedliche Bezeichnung sei beides dasselbe: „Denn all dies ist Brahman, dieser Atman ist Brahman.“
„Wenn wir alles, was uns umgibt, durch Gegensätzlichkeit definieren, geht der Blick für das Vereinenende verloren.“
Kurz und bündig
Sich dieser Frage „Was ist Einheit?“ anzunähern, ist der inhaltliche Zusammenhang der Upanishaden. Ansonsten haben die einzelnen Texte untereinander keinen Bezug. Die Annäherung kann in Form von Lehrer-Schüler-Dialogen geschehen, anhand von Geschichten oder in Beschreibungen. Es kann um Energetik gehen wie in der Taittirya Upanishad oder um den Ursprung des Seins wie in der Isha Upanishad. All das sind einfach verschiedene Perspektiven auf das selbe Thema.
Die Mandukya Upanishad, um die es hier geht, zieht uns in die Tiefen der Klangenergie und des Bewusstseins. Sie erklärt in knappen 12 Versen nachvollziehbar und logisch den Zustand von Yoga, der in so vielen anderen Text en „unbeschreiblich“ genannt wird. Seinen Namen hat der Text von seinem vermuteten Verfasser: Im ersten Text der Upanishaden, der Brihadaranyaka Upanishad, wird ein Weiser (Rishi) namens Manduka genannt. Auch seine Schüler, die Mandukeyas, werden in anderen Texten, etwa dem Rigveda, erwähnt. Es ist also gut möglich, dass sich mit der Mandukya Upanishad die Weisheit eines Lehrers aus sehr alter Vorzeit erhalten hat.
Die drei Phasen des OM
Foto: Ivan Vuckovic/Getty Images via Canva
Meine eigene Lehrerin, Manorama, lehrt Sanskrit, Mantra, alte Texte und Meditation. Sie spricht nicht nur sehr viel über das OM, es wird bei ihr – wie auch in vielen Yogaklassen – dreimal am Anfang und dreimal am Ende des Unterrichts gechantet. Manorama erklärt dann „den OM-Kreislauf“, wie sie es nennt: das Werden, das Existieren und das Vergehen. Man könnte sagen, dass der Klang OM diesen Kreislauf symbolisiert, aber dahinter steckt mehr als einfache Symbolik: Im OM verbinden sich auf eine ganz erfahrbare Weise die Ebenen von Existenz und Energie.
Klanglich besteht das OM aus drei hörbaren und singbaren Lauten: A, U und M. Das A vibriert tief in der Kehle und ist die Energie des Entstehens oder der Schöpfung. Das U vibriert vorne an den Lippen mit der Energie der Existenz. Das M schließt zuletzt die Lippen und beendet so die Existenz des Klangs. Das sind die drei. Im indischen Götterhimmel stehen dafür Brahma, Vishnu und Shiva – Entstehung, Existenz, Ende. Und alles, was aus Materie besteht, egal wie fein, gehorcht diesem Prinzip von Dreiheit. So bekommt die Zahl drei eine mystische Bedeutung. Und so wird das OM zum Inbegriff eines universellen Prinzips:
„All dies ist das Unvergängliche, ist der Laut OM. Das wird auch so gelehrt: Was war, was ist,was sein wird, das alles ist der Klang OM. Und auch, was jenseits der drei Zeiten ist, auch das ist der Klang OM.„
Bist du schon wach?
Das OM unterstützt also im konkreten Erleben unser Verstehen: A – es kommt, U – es existiert, M – es vergeht. Nach dem Chanten ist man traditionell still und spürt die Schwingung der Energie, die langsam in der Stille verschwindet. Und aus eben dieser Stille entsteht dann der neue A-U-M-Kreislauf. Dabei hört man trotz des AUM ein OM, da die Laute A und U sich einander angleichen, um eine hörbare Einheit zu schaffen. Aber was viel entscheidender ist: Die Stille liegt außerhalb dieser Dreiheit, aus ihr kommt der Klang und in sie geht er zurück. Und sie liegt auch unter dem, was existiert.
Wie eine Tafel, die unbewegt bleibt, während auf sie geschrieben, von ihr gelesen und weggewischt wird. Die Stille ist der vierte Zustand des OM. Und um diesen Vierten geht es der Mandukya Upanishad und zwar nicht nur in der Praxis von OM, sondern ganz allgemein in unserem Bewusstsein: Jenes, das wir täglich benutzen, das uns in Tiefschlaf, Ohnmacht und Narkose schwinden kann, das uns Träume beschert, Sinneswahrnehmung, Sprache, Handlungen.
Die Verse beschreiben drei Bewusstseinszustände, die wir alle gut kennen: Wachsein, Traumschlaf und Tiefschlaf. Check. Aber nicht so schnell! Wenn man etwas schnell versteht und zu kennen meint, streift der Geist die Information nur kurz und bewegt sich zum nächsten Impuls. Da wir aber im Yoga tiefer gehen wollen, lohnt es sich, auch das vermeintlich Bekannte unter die Lupe zu nehmen. Das Wachsein ist der Zustand zwischen Aufwachen und Einschlafen. Es erscheint uns als der Zustand der Normalität und Realität – der, in dem wir „da“ und handlungsfähig sind, weil uns die Außenwelt bewusst ist.
In den Tiefen des Schlafes
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Im Traumschlaf schlafen wir und betrachten erstaunt, was uns das eigene Unterbewusstsein als Film vorspielt. Manchmal realistisch, manchmal absurd. Dinge, die im Wachbewusstsein eine Rolle spielten, Ängste, Träume und all das, was Freud darüber herausgefunden hat. Während des Träumens können wir manchmal den Traum eindeutig als irreal identifizieren, manchmal nicht. Ich habe mal geträumt, dass ich verreist sei, und es fühlte sich so echt an, dass nur ein Blick in den Kalender beweisen konnte, dass ich sicher nicht verreist gewesen war. Zumindest nicht in der Wachzustand-Realität.
Im Tiefschlaf ist nichts. Kein bewusster Sinneseindruck, kein Traumbild. Als wären wir nicht da. Wenn uns ein Außenstehender erzählt, was wir im Schlaf gemacht hätten, können wir uns nicht erinnern. Dennoch ist auch in diesem Zustand das Bewusstsein eine Realität. Es richtet sich nicht mehr auf äußere oder innere Objekte, sondern verdichtet sich zu einer Art reinem Erkenntnisvermögen. Die Mandukya Upanishad beschreibt es so:
„Der Stand des Wachseins weiß um das Außen. Der Stand des Traumschlafs weiß um das Innen.Im Stand des Tiefschlafs ist nichts als Wissen, genießend mit dem Mund des Bewusstseins.„
Im vierten liegt die Einheit
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Normalerweise bewegen wir uns munter oder müde durch die drei Bewusstseinszustände. Erst wenn wir mit Yoga in Kontakt kommen, lernen wir, dass es noch mehr gibt – und dieses Mehr ist entscheidend: Der Zustand des Yoga oder Samadhi. Er wird zwar in Texten wie dem Yogasutra mehr oder minder deutlich beschrieben, doch nur wenige kennen ihn persönlich so gut, dass er sich einfach in Worte fassen ließe. Mir hat hier die Mandukya Upanishad sehr geholfen – nicht dabei, den Zustand zu erlangen, das kann nur die Praxis, aber im Verständnis, wo oder wie Bewusstseinserweiterung im Kontext von Yoga zu verstehen ist:
„Weder inneres noch äußeres Wissen, nicht zu sehen, nicht zu vergleichen, nicht zu fassen, nicht zu beschreiben, nicht zu erdenken, ohne Namen:Das ist der Vierte, den nichts als das Selbst kennt. Ohne körperlichen Teil ist der Vierte: In dem es keine Vielfalt gibt, Nur Stille, Freude, Nicht-Zweiheit.Das ist das Selbst, das erkannt werden muss.„
Die Mandukya Upanishad lehrt uns, dass das Chanten von OM eine valide Praxis ist – und nichts anderes sagt ja auch Patanjali im Yogasutra in den Versen 1,23 bis 1,28, falls ihr noch mal nachlesen möchtet. Aber noch viel besser: Ihr setzt euch auf euer Meditationskissen, schließt die Augen und singt das OM in wiederholendem Japa. A in der Kehle und U an den Lippen werden zu O, das von Kehle zu den Lippen vibriert, bevor das M den Klang schließt. Dann fühlen und nach innen lauschen, bis ihr die Stille hören könnt …
Nach Yogasutra, Bhagavad Gita und den Texten der Nath-Yogis ist dies der vierte Quellentext, den Sybille Schlegel im Rahmen unserer Reihe alltagstauglich für euch interpretiert – und weitere werden folgen! Mehr über Sybille erfährst du auf ihrem Instagram Account.
Lese mehr von Sybille Schlegel und tauche tiefer in die Yogaphilosophie ein:
Strahlend schön: Integriere Face Yoga in deine Asana-Praxis
Von unseren mehr als 650 Muskeln liegen sage und schreibe 50 im Gesicht. Sie formen unsere Mimik und zeigen unsere Gefühle, sie ermöglichen es uns zu lächeln, zu sprechen und uns auszudrücken.
Im Yoga achten wir sehr darauf, dass es unserem Innenleben gut geht, wir zielen darauf ab, Innen und Außen, Körper, Geist und Seele in eine harmonische Verbindung zu bringen. Wie kann es da sein, dass wir unser Gesicht, den Spiegel unserer Seele, völlig außer Acht lassen? Denn unsere Körperpraxis hört meistens beim Nacken auf. Oder andersherum: Es gibt zwar Face Yoga, hier wird aber üblicherweise komplett auf den kosmetischen Effekt abgezielt und der Körper bleibt unbeteiligt.
Hier kommt Body Face Yoga von Amiena Zylla ins Spiel: Die Yogalehrerin und Faszienyoga-Expertin verbindet Gesichts- und Körperübungen zu einer ganzheitlichen Praxis. Immerhin ist alles in unserem Körper durch Bindegewebe miteinander verbunden und die Faszienbahnen reichen bis in das Gesicht hinein. Als Amiena begann, beides miteinander zu kombinieren, sah sie nicht nur äußerlich die positive Wirkung, sie spürte sie auch in ihrer inneren Welt.
Diese besondere Praxis möchte Amiena in dieser Folge “YogaWorld Podcast” mit dir teilen. In den einzelnen Übungen werden zunächst die Körperhaltungen eingenommen und dann mit einer Face-Übung ergänzt. Abgerundet wird die Sequenz mit einer schönen Endentspannung und Amienas Top-Tipps für einen frischen und strahlenden Look.
Dass in vielen Yogastudios Buddha-Figuren thronen, ist kein Zufall: Zwischen den beiden Lehren gibt es viele Parallelen. Timo Wahl erläutert, wie uns der Buddhismus dabei helfen kann, eine moderne und alltagstaugliche Sicht auf die Yogaphilosophie zu entwickeln.
Text: Timo Wahl / Titelbild: Samuel Austin via Unsplash
Schon immer suchten Menschen nach Antworten auf die großen Fragennach dem Sinn des Lebens und nach der Bedeutung des Todes. Zu allen Zeiten strebten sie nach tiefem Glück und Freiheit von Leid. Auch im antiken Indien meinte man, Antworten gefunden zu haben. Man glaubte an eine kosmologische Ordnung hinter den Dingen und an ein alles durchdringendes Bewusstsein. Auch daran, als Mensch mehr zu sein als nur Körper und Geist. Man betrachtete den Körper als Gefäß für den Geist und seine unsterbliche Seele, die von Leben zu Leben reist, bis sie eines Tages erkennt, dass sie selbst unsterblich ist und eins mit allem.
Wer nach Weltlichem strebe, so wurde geschrieben, werde automatisch darin verwickelt, denn der Geist hefte sich an Besitz und Standesdünkel. Wer jedoch nach der Wahrheit suche, der müsse nach dem Ewigen suchen – dem Teil in uns, der immer schon gewesen sei und immer sein würde. Diese Suche ist auch heute noch die Kernidee im Pfad des Yoga.
Der frühe Yoga kannte sehr wahrscheinlich noch keine Körperübungen. Zu üben bedeutete, einen ethisch reinen Lebensstil zu pflegen, den Geist ganz und gar auf das „Sein“ zu fokussieren und dabei alle Identifikationen mit der Welt, Besitz, Beziehungen, Gedanken und dem Körper aufzulösen. Gleichzeitig aber diktierte das strenge Kastensystem, dass nur derjenige Yoga betreiben dürfe, der seine karmische Last der letzten Leben bereits aufgearbeitet hätte. Und dies waren lediglich die Menschen der oberen Kaste, die durch ihre Geburt „bewiesen“ hatten, ihre letzten Leben richtig gelebt zu haben.
In diese hinduistische Weltanschauung hinein wurde 563 vor Christus Siddharta Gautama, der spätere Buddha, geboren. Auch sein Weg führte zunächst traditionell über die Lehre der heiligen Schriften, die Praxis der Meditation und vor allem eine strenge Askese. Diese Praxis sollte dazu führen, alle Anhaftung an den Körper und damit an das Vergängliche zu überwinden. Buddha jedoch erkannte, dass der Weg der Befreiung weder in der absoluten Askese bestand, noch in deren Gegenteil. Er postulierte den Weg der Mitte und damit einen Weg der Befreiung, die inmitten des Lebens stattfinden könne.
Historischer Überblick
563 – 483 v. Chr.: Lebenszeit des Buddha 4. oder 3. Jh. v. Chr.: Entstehung Bhagavad Gita 3. Jh. v. Chr.: Entwicklung des Buddhismus ? 300 v. Chr. / 300 n. Chr.: Entstehung des Yoga Sutra um 300 n. Chr.: Vyasa nennt in seinem Kommentar zum Yoga Sutra 11 Asanas um 100 n. Chr.: erste ayurvedische Schriften um 500 n. Chr.: erste tantrische Schriften um 1400 n. Chr.: Entstehung der Hatha Yoga Pradipika
Quelle: Yoga. L’encyclopédie. Paris 2021
Die Anfänge des Buddhismus
Buddhas Lehrreden verbreiteten sich schon bald wie ein Lauffeuer – hätte er einen Instagram-Account besessen, wären ihm sicher tausende Menschen gefolgt. Seine enorme Wirkkraft bestand sicherlich in seiner Lehre selbst, aber auch darin, dass er den Menschen auf eine neue Weise begegnete. Entgegen damaliger Gepflogenheiten negierte er Standesunterschiede zwischen den Kasten, er erkannte Frauen als Schülerinnen an und forderte alle, die ihm folgten, auf, seine Lehren auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen. Das war revolutionär, denn nach der damals gängigen Überzeugung sollte man vor allem seiner durch die Geburt auferlegten Bestimmung folgen.
Für alle Fragen der Spiritualität war allein die Priesterkaste zuständig, an die man Abgaben zu entrichten hatte. Der wesentliche Aspekt in Buddhas Lehre ist deshalb sicherlich das Übernehmen von Eigenverantwortung für den eigenen Lebensweg und somit auch für das persönliche Karma. Und hier finden wir eine wichtige Analogie zum klassischen Yogaweg: Auch dieser sieht für jeden individuellen Fortschritt das eigene Bemühen als Grundlage.
Die vier edlen Wahrheiten
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Aber auch inhaltlich finden wir in den beiden Lehren wesentliche Übereinstimmungen, allen voran die „Vier edlen Wahrheiten„. Diese beruhen grob gefasst auf der Beobachtung, dass wir alles, was uns im Leben begegnet, auf zwei grundlegende Fragen hin untersuchen, nämlich ob eine Situation für uns potenziell bedrohlich oder förderlich ist. Diese Bewertung entscheidet, wie wir reagieren: Auf vermeintlich Angenehmes reagieren wir anhaftend: Wir verlangen nach mehr oder möchten den angenehmen Zustand zumindest erhalten (Raga). Auf Unangenehmes reagieren wir dagegen mit der Energie der Ablehnung (Dvesha). Dazu kommt die Fehleinschätzung (Avidya), dass äußere Bedingungen für unser Glück sorgen könnten. Dieser Dreiklang aus Gier, Ablehnung und Fehleinschätzung gilt im Buddhismus als Ursache für unser selbstverschuldetes Leiden (Dukkha).
Alle drei Begriffe finden wir auch rund 500 Jahre später im Yoga Sutra von Patanjali. Es gilt als eine der wichtigsten und zentralsten Schriften des Yoga und wird vor allem im Westen als Grundlage der Yogaphilosophie angesehen. In Patanjalis Werk werden die drei von Buddha beschriebenen „geistigen Gifte“ in den sogenannten Kleshas (Hindernissen auf dem Weg zur Befreiung) integriert. Patanjali erweitert den Leid erzeugenden Dreiklang aus Gier, Ablehnung und Fehleinschätzung um zwei weitere Begriffe und entwickelt somit aus heutiger Sicht die Ideen Buddhas weiter. Diese beiden Begriffe sind: Ich-Bezogenheit (Asmita) und die Angst vor dem Unbekannten (Abhinivesha). Asmita meint eine Betrachtung und Bewertung der Dinge aus dem Ego heraus. Abhinivesha mündet letztlich in die Angst vor dem Tod als größte Instanz des Unbekannten.
Nicht-Ich: Es gibt kein beständiges Selbst
Wir alle identifizieren uns ständig mit unserer Historie, erzählen uns und anderen die Geschichte(n) unseres Lebens und entwickeln dabei die Idee einer relativ stabilen Persönlichkeit. Buddha war jedoch davon überzeugt, dass die Idee eines „Ich“ lediglich ein Konzept unseres Geistes sei. Stellen wir uns also einmal vor, unsere gesamte Lebenshistorie würde auf einmal gelöscht … Sicherlich ein zunächst befremdlicher Gedanke. Aber wie viel freier könnten wir sein, hielten wir nicht an den Überzeugungen darüber fest, was wir meinen zu können und zu sein!
Auch diese buddhistische Idee greift die klassische Yogaphilosophie auf. Unsere wahre Form zu erkennen, ist demnach nur dann möglich, wenn alle Gedankenwellen (Vritti) über uns und die Welt zur Ruhe gekommen sind. Liegen also keine Aktivitäten im Geist vor, gibt es auch keine Identität mehr, die uns beeinflusst. Kein Ego, das sich einschaltet. Keine innere Rechtfertigung und auch kein Drama.
Sati: Achtsamkeit
Kaum ein Diskurs verzichtet heute auf den Hinweis auf Achtsamkeit als Basis für Zufriedenheit und seelische Gesundheit. Nicht immer ist dabei klar, worum es genau geht. Buddha forderte seine Schüler*innen auf, sich selbst, ihre Reaktionen und Gewohnheiten genau zu studieren. Allen inneren Anteilen möge man mit Freundlichkeit begegnen, bemüht, in jedem Augenblick die wohlwollendste Haltung allem und allen gegenüber einzunehmen, die möglich ist. Damit stellte Buddha die Gemeinschaft über das Individuum.
In der Yogaphilosophie finden wir dazu gleich diverse Analogien. Das Yoga Sutra fordert zu einem beharrlichen Beobachten aller geistigen Aktivitäten auf. Der denkende Geist wird genau beschrieben. Er kann zu richtigen Ergebnissen kommen, sich aber auch leicht täuschen lassen, da dauernd Erinnerungen und Vorstellungen auftauchen, die uns von einer ungefilterten Wahrnehmung ablenken. Beobachten wir unseren Geist, können wir Zeuge, Zeugin unserer Gedanken werden, ohne uns stetig mit ihnen zu identifizieren – nach dem Motto: „Glaube nicht alles, was du denkst“. Durch diese Distanz zu unseren Gedanken wird der Raum größer, in dem wir uns für eine wohlwollende und heilsame Ausrichtung entscheiden können.
Liebende Güte und Mitgefühl
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Buddha formulierte in seiner Lehre vom „Edlen achtfachen Pfad“ die Wichtigkeit der Entwicklung von liebender Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Großzügigkeit. Diese „Vier unermesslichen Qualitäten“ zu kultivieren, bedeutet, sich bewusst für sie zu entscheiden. Dieselben erstrebenswerten Tugenden finden wir auch im Yoga Sutra wieder. Auch Patanjali fordert uns auf, in allen Situationen stets die vier Qualitäten Maitri(Liebende Güte), Karuna(Mitgefühl), Mudita(Mitfreude) und Upeksha(Großzügigkeit) zu kultivieren. Aufbauend auf diesen buddhistischen Ideen geht die Yogaphilosophie aber auch hier noch ein Stück weiter.
Denn Yoga gibt uns zu sätzlich die Möglichkeit, den Geist über die Regulation des Atems zu beruhigen. Je ruhiger der Atem, desto ruhiger der Geist – so sagt es das Sutra. Und dann gibt es ja noch den heute bekanntesten Bereich des Yoga, nämlich die Körperpraxis. Hier finden wir einen weiteren Schlüssel, um unser System ganzheitlich in die Ruhe zu führen und Gleichmut zu bewirken.
Akzeptanz: Schlüssel zur Befreiung
Zu jeder Zeit haben die Denker und Denkerinnen der Welt voneinander gelernt, voneinander gelesen, studiert, interpretiert und Konzepte weiterentwickelt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass buddhistisches Gedankengut in die Yogaphilosophie eingewoben wurde – und auch der Buddha selbst war von älterem Wissen inspiriert. Ohne die Grundpfeiler seiner hinduistischen Prägung wären vielleicht ganz andere Gedanken entstanden. Wichtig aber ist, dass die zugrundeliegende Botschaft aller großen Traditionen die gleiche war und ist: Akzeptanz.
Sowohl Buddhas Lehrreden als auch die großen Yogaschriften zielen ab auf die Botschaft der Akzeptanz. Dabei sind die Lehren Buddhas klar und strukturiert. Sie sind rational, logisch und oft kompromisslos. Die Weichheit, die es aber im Alltag manchmal braucht, finden wir eher in den Yogaschriften. Denn Yoga hat immer integriert, nie gab es einen Anspruch auf die ultimative Richtigkeit einer Idee oder eines Konzeptes. Deshalb findet man auch häufig verschiedene Interpretationen zu einer Aussage, und alle dürfen nebeneinander stehenbleiben.
„Zu jeder Zeit haben die Denker und Denkerinnen der Welt voneinander gelernt, voneinander gelesen, studiert, interpretiert und Konzepte weiterentwickelt.“
Der Yogaweg hat sich über die Jahrhunderte immer weiter entwickelt und in verschiedene Richtungen ausdifferenziert. Im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Ayurveda gewann die Idee, den Körper in die Lehren einzubeziehen, mehr und mehr Raum und die Asanapraxis entwickelte sich. Durch den Tantra bekam der Mensch als Abbild des Göttlichen die Erlaubnis, auch wieder mehr Mensch sein zu dürfen und das Leben in Freude zu gestalten. Und die Auseinandersetzung mit der Bhagavad Gita führte dazu, dass auch die mystische Suche nach etwas „Größerem„, dem wir uns hingeben und anvertrauen möchten, stärker kultiviert wurde.
Wollen wir also in unserem eigenen Alltag ein Stück weiter in Richtung Befreiung und Entwicklung voranschreiten, bedeutet das, uns von einschränkenden Glaubenssätzen und Überzeugungen zu lösen. Beide Systeme – Buddhismus und Yoga – lehren uns dabei vor allem eines: Wenn wir das Ruder nicht selbst in die Hand nehmen, wird es auch sonst niemand für uns tun! Hegen wir den Wunsch nach Veränderung, müssen wir bereit sein, Verantwortung für uns und unsere Umwelt zu übernehmen. Die Welt wird weder vom Beten geheilt, noch vom Abwarten. Und verbinden wir diese Haltung mit Lebensfreude und Zuversicht, können wir vielleicht auch selbst für andere zu Influencerinnen und Influencern werden.
Timo Wahl ist einer der profiliertesten Yogalehrer und -Ausbilder in Deutschland und weit über sein Frankfurter Studio hinaus dafür bekannt, eine moderne, bewegungs-, aber nicht leistungsorientierte Praxis zu unterrichten, bei der Achtsamkeit, Selbstbeobachtung und philosophische Tiefe im Vordergrund stehen. Mehr zu Timo auf timowahl.de und auf Instagram @timo_wahl_yoga_frankfurt
Timo Wahl war auch zu Gast in unserem Podcast und hat uns in diesem Zweiteiler mehr über den Buddhismus erzählt:
Manchmal braucht man einfach eine Auszeit vom Alltag, Zeit, um die Seele ein bisschen baumeln zu lassen und Zeit für Entspannung und Erholung. Wenn man diese kleine Auszeit in Südtirol verbringt, dann gibt es dafür wohl kaum einen besseren Ort als das 5-Sterne Hotel „Das Paradies“. Schon der Name lässt erahnen, was einen erwartet: ein Paradies des Wohlbefindens eingebettet in die saftig grünen Apfelwiesen und den majestätischen Bergen der Texel- und Ortlergruppe …//anzeige
Fotos: Foto Atelier Wolkersdorfer, Franziska Unterholzner, Hotels in Southtyrol
Wenn man im kleinen Dorf Latsch im Vinschgau ankommt, spürt man sofort die besondere Atmosphäre. Man wird begrüßt von frischer Bergluft und einem gemütlichen Ambiente, welches Entspannung ab der ersten Minute verspricht. Umgeben von den malerischen Apfelwiesen und dem milden Klima mit rund 300 Sonnentagen im Jahr ist das Paradies der perfekte Ort, um zur Ruhe zu kommen und die Natur in vollen Zügen zu genießen. Das Hotel bietet nicht nur Entspannung pur, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten, wie Wandern und Radfahren. Besonders Mountainbike-Fans kommen auf den rund 170 km an Strecken im nahegelegenen Martelltal voll auf ihre Kosten. Ein kleiner Geheimtipp: Im Sommer kannst du hier die süßen Marteller Erdbeeren probieren – ein Genuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Wer es lieber etwas gemütlicher mag, der kann direkt vom Hotel aus zahlreiche Spaziergänge unternehmen oder entlang des nahegelegenen Fahrradwegs „Via Claudia Augusta“ radeln.
Im Hotel selbst hat man es geschafft einen Ort zu kreieren, an dem sich wirklich jeder wohlfühlen kann. Die Wellnesslandschaft des Hotels erstreckt sich über großzügige 3.700 m² und bietet zwei Bereiche: einen Family-Spa, wo Familien gemeinsam entspannen können, und den exklusiven Adults-Only Silence Spa Garden, der Erwachsenen eine friedliche Rückzugsoase bietet. Besonders die täglichen Sauna-Aufgüsse und Peelings im Silence Spa Garden sind ein echtes Highlight – man fühlt sich danach wie neugeboren.
Ergänzt wird das Wohlfühlprogramm durch das umfassende Fitness- und Aktivitätsprogramm, bei dem Yoga und Meditation eine besondere Rolle spielen, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.
Yoga als Lebensweg
Das Yoga- und Entspannungsprogramm ist ein Herzensprojekt von Juniorchefin Marilena Pirhofer und ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Hotels, der von Gästen sehr geschätzt wird. Marilena erkannte schon vor Jahren die wohltuende Wirkung von Yoga und Entspannungsübungen auf Körper und Geist.
Ihre Leidenschaft für Yoga begann auf einer Reise durch Südostasien. Schon immer faszinierte sie ein gesunder und bewusster Lebensstil in Kombination mit Sport und Bewegung. Ihre erste richtige Yogastunde absolvierte sie 2016 auf Bali, gefolgt von zahlreichen weiteren Kursen. Im Jahr 2019 reiste sie schließlich nach Indien, dem Ursprungsland des Yoga, und absolvierte im Sivananda-Ashram ihre Ausbildung zur Yogalehrerin.
„Für mich ist Yoga eine harmonische Kombination aus verschiedenen Posen, der richtigen Atmung, Konzentration, einer bewussten Lebensweise, Gedankenkontrolle und gesunder Ernährung“, sagt Marilena. „Yoga ist eine innere Haltung und ein Weg zu größerer Lebensfreude, der nicht auf der Yogamatte endet.“
Das Yoga- und Entspannungsprogramm ist ebenso vielfältig wie abwechslungsreich. Egal ob man sich für Klangschalenmeditation, Hatha-Yoga, Pilates oder Qi Gong interessiert – hier findet jeder etwas, das ihn anspricht. Besonders schön sind die Yogaeinheiten, die im Sommer auf der Outdoor-Yoga-Plattform stattfinden. Umgeben von der Kraft der Natur und der frischen Bergluft fällt es leicht, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren und die Verbindung zur Natur zu spüren. Einfach traumhaft!
Neben Yoga wird auch ein vielseitiges Fitnessprogramm mit Pilates, Aqua Gym, Bauch-Beine-Po oder HIIT-Trainings im Fitnessraum des Hotels geboten. Die erfahrene Fitness- und Yogatrainerin Valentina begleitet dich mit viel Motivation auf deiner Reise zu dir selbst.
Neben Gruppenkursen werden auf Anfrage und gegen Gebühr auch private Einzelstunden angeboten, wie z. B. Sound Healing oder Private Yoga. Zudem können Schwangerschaftsyoga und Baby Yoga als Privatkurs bei Marilena gebucht werden.
Wellness für alle Sinne
Auf einer Wellnessfläche von 3.700 m² erwartet dich eine Oase der Ruhe, davon 1.700 m² im exklusiven Adults-Only-Wellnessbereich „Silence Spa Garden“. Hier kann man in der Panoramasauna, dem Solepool, dem Dampfbad und der Biosauna entspannen. Zudem stehen Infrarotliegen, Ruheräume, luxuriöse Sonnenterrassen und idyllische Rückzugsnischen jederzeit zur Verfügung. Um einen absoluten Erholungsraum zu generieren, ist der Zugang zu diesem Bereich nur den Gästen ab 16 Jahren vorbehalten.
Der Familien-Spa-Bereich hingegen ist für Gäste jeden Alters geöffnet und bietet auch Kindern die Möglichkeit, erste Wellnesserfahrungen zu sammeln. Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten wird ein größeres Saunaprogramm angeboten. Während der beliebten Sauna-Wochen erwarten dich besondere Aufgüsse, eine wöchentliche Sauna-Night, spannende Rituale und spezielle Highlights wie der Vollmondaufguss. Zudem gibt es immer wieder informative Sessions zum „richtigen Saunieren“, um dein persönliches Saunaerlebnis zu perfektionieren.
Tiefenentspannung und Harmonie: Ayurveda und mehr im LaVita Spa
Im LaVita Spa des Hotels das Paradies kannst du aus einer breiten Palette an Behandlungen wählen, darunter Massagen, Ayurveda- und Beauty-Anwendungen. Ayurveda, ein traditionelles indisches Medizinsystem mit über 5.000 Jahren Geschichte, fördert das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele. Eine der angebotenen Ayurveda-Behandlungen ist die Abhyanga Ganzkörpermassage, bei der der Körper mit warmem Sesamöl großzügig eingeölt wird. Diese Massage wirkt entspannend, vitalisierend und unterstützt die Harmonisierung des Körpers sowie die Ausscheidung von Giftstoffen.
Hier merkt man wirklich, dass Ayurveda mehr ist als nur eine Behandlung – es ist eine Philosophie, die darauf abzielt, das Gleichgewicht von Körper und Geist wiederherzustellen. Ayurveda ist nur ein Teil des umfangreichen Angebots im LaVita Spa – so werden beispielsweise auch spezielle Verwöhnbehandlungen für Schwangere und Spa-Behandlungen für Kinder angeboten.
Genussvoll durch den Tag: Die Soft All Inclusive Formel
Nach einem Tag voller Entspannung, Yoga und Wellness kann der Appetit groß sein – und genau dafür gibt es im Paradies die Soft All Inclusive Formel. Der Tag beginnt mit einem paradiesischen Frühstücksbuffet, bei dem du dir an der Live-Kochstation dein Frühstück ganz nach Wunsch zubereiten lassen kannst. Am Nachmittag lockt ein leckeres Buffet mit einem frisch zubereiteten italienischen Pasta-Gericht. An den Saft-Stationen stehen von 07:30 bis 11:00 Uhr und von 14:00 bis 16:30 Uhr kostenfreie Getränke zur Verfügung. Im Wellnessbereich kannst du dich zudem den ganzen Tag über mit kostenfreien Getränken und getrockneten Früchten stärken. Am Abend wird man dann mit einem 5- bis 7-Gänge-Menü verwöhnt, das den Tag kulinarisch abrundet.
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Der Kopfstand gilt als der „König der Asanas“, doch während er traditionell zu den wichtigsten Yogahaltungen zählt, spielt er in der heutigen Praxis eine deutlich geringere Rolle.Hier erfährst du, worauf es ankommt, um Shirshasana gefahrlos zu üben.
Text: Dr. Ronald Steiner / Fotos: Richard Pilnick
Wirkung von Shirshasana
Laut der traditionellen Energielehre der Hatha-Yogis tropft Lebensenergie (Prana) im Körper von oben nach unten und verbraucht sich dabei. Man nahm an, die körperliche Umkehr könne diesen Prozess stoppen beziehungsweise umkehren und daher verjüngend wirken. Doch damit nicht genug: Die mit Hilfe der Schwerkraft in den Kopf geführte Energie sollte auch zu einer spirituellen Einheitserfahrung führen.
Aus naturwissenschaftlicher Sicht gibt es bisher keine Belege für diese verjüngende oder gar erleuchtende Wirkung. Viel eher steht der Kopfstand wegen seiner Risiken in der Kritik (dazu weiter unten mehr). Dennoch hat die Asana für viele Übende einen besonderen Reiz, fast eine Magie: Sie vermittelt wie wenige andere Selbstvertrauenund Konzentration und wird als gleichermaßen erfrischend und beruhigend empfunden. Voraussetzungen für eine gefahrlose Ausführung sind ein starker Rumpf und Schultergürtel und Stabilität in der umrundenden Halsmuskulatur.
So geht’s:
Step 1: Knie dich auf den Boden und falte deine Hände. Nimm dabei den kleinen Finger der unteren Hand nach innen. Platziere nun deine Unterarme so vor dir, dass zwischen Ellenbogen und den gefalteten Händen ein etwa gleichseitiges Dreieck entsteht, im Zweifelsfall setzt du die Ellenbogen lieber enger, denn sie haben die Tendenz auseinander zu rutschen.
Step 2: Lege nun die Mitte deiner Schädeldecke so auf den Boden, dass dein Nacken gerade ist und du deinen Hinterkopf mit den Händen umschließt und stützt. Schiebe dabei die Unterarme aktiv gegen den Boden, so dass nur wenig Gewicht auf dem Kopf lastet.
Step 3: Strecke Beine und Rumpf und wandere mit den Füßen Richtung Kopf, bis das Becken senkrecht über den Schultern steht.
Step 4: Bewege das Becken noch etwas weiter nach hinten und komme auf die Zehenspitzen. Sobald sie sich vom Boden lösen, ziehst du deine Knie an den Rumpf.
Step 5: Rolle deine gebeugten Beine nun langsam nach oben. Dann streckst du die Beine senkrecht Richtung Himmel.
Alignment Cues
Druck auf die Unterarme: Schiebe die Schultern aktiv in die Länge und drücke die gefalteten Hände fest gegen den Boden. So lastet weniger Druck auf der Schädeldecke und du bringst die Muskel-Faszienzüge rings um die Halswirbelsäule auf Spannung. Das schafft Länge und Stabilität in der Halswirbelsäule.
Balance aus dem Becken: Anstatt sich abzustoßen oder die Beine mit Muskelkraft zu heben, also gegen die Schwerkraft zu arbeiten, verlagerst du mit dem Becken den Körperschwerpunkt so, dass die Füße sich von alleine vom Boden lösen.
Rippen rein, Schulterblätter lang: Wenn du deine Rippen zum Bauchnabel hin ziehst, spürst du wie die Muskulatur, die deine Schulterblätter mit dem Rumpf verbindet, einen besseren Ansatz bekommet. Stemme dich nun von den Schulterblättern beginnend kraftvoll gegen den Boden.
Kreuzbein lang, Sitzbeinhöcker weit: Indem du das Kreuzbein aktiv weg von deinem Hinterkopf in die Länge spannst, entsteht mehr Stabilität durch den gesamten Rumpf. Achte dabei aber darauf, die Sitzbeinhöcker weit zu lassen. Das Becken balanciert in einer neutralen Stellung auf der stabilisierten Wirbelsäule.
Risiken:
Wie bei allen Umkehrhaltungen ist auch hier Vorsicht geboten, insbesondere bei erhöhten Blutdruck, vorheriger Schädigung der Blutgefäße und der Einnahme von Blutverdünnern: Der Augeninnendruck kann sich erhöhen, auch Hirnblutungen sind möglich, weswegen in diesen Fällen grundsätzlich vom Kopfstand abgeraten wird. Hinzu kommt der mögliche Druck auf die empfindliche Halswirbelsäule, vor allem bei mangelnder Kraft und Vorbereitung. Daher empfehle ich, zunächst genügend Kraft und Stabilität im Schultergürtel und im gesamten Rumpf aufzubauen, bevor man von der Basic Form zur klassischen übergeht.
Alternative Form – Basic Form
Stütze hierzu deine Unterarme wie in Step 1 beschrieben auf dem Boden auf. Platziere dann jedoch im zweiten Schritt deinen Kopf nicht auf dem Boden, sondern halte die Schultern senkrecht über den Ellenbogen und lass den Kopf knapp über dem Boden schweben, während du deine Beine wie in Step 3 langsam streckst. Bleibe mehrere Atemzüge lang in dieser Position. Sie aktiviert deine Schulter-Rumpf Verbindung, baut Kraft auf und erzeugt viele der positiven Effekte der Umkehrhaltung.
DR. RONALD STEINER ist Arzt, Wissenschaftler und Sportmediziner sowie einer der bekanntesten Praktiker des Ashtanga Yoga. Mehr zu Ronald und zu Shirshasana findest du auf ashtangayoga.info.