Hast du dir schon Gedanken über deine Ziele im neuen Jahr gemacht? Hier zeigt dir Nicole Bongartz, wie du dich deinen tiefsten Wünschen annähern und sie in dein Leben bringen kannst – mit Yoga, Reflexion und Bereitschaft zu innerem Wandel. Dabei begegnest du niemand Geringerem als deinem wahren Selbst.
Text und Sequenz: Nicole Bongartz / Titelbild: Hanna Witte
Yoga ist Transformation – darin sind sich wahrscheinlich alle ernsthaft praktizierenden Yogi*nis einig. Doch Hand aufs Herz: Kannst du klar und deutlich beschreiben, wie Yoga dich oder dein Leben transformiert hat? Wenn nicht, wenn das Gefühl eher diffus ist, bist du damit nicht alleine. Und dennoch ist es schade, denn im Yoga geht es doch um viel mehr als nur einen starken, geschmeidigen Körper, es soll mitten in unser Leben hinein wirken. In der Yogalehrer-Ausbildung spielt Vinyasa Krama eine zentrale Rolle – der schrittweise und intelligente Aufbau einer Praxis hin zu einem bestimmten Ziel: Lehrende überlegen, worum es in einer Klasse gehen soll, und entwickeln einen sinnvollen Weg, um dieses Ziel zu erreichen und zu integrieren. Etwas, das zuvor nur eine Idee war, wird also zu einer realen Erfahrung für alle Teilnehmenden – ein Manifestationsprozess. Das Prinzip von Vinyasa Krama kann man aber nicht nur auf einzelne Stunden beziehen, sondern auch auf die Yogapraxis über einen längeren Zeitraum und zwar nicht nur auf rein körperlicher Ebene, sondern auch mit dem Ziel von mentalen oder emotionalen Veränderungen.
Transformation wagen
Meistens muss viel geschehen, damit wir nicht länger wegsehen, sondern unseren Blick neugierig und ernsthaft nach innen wenden. An diesem Punkt war ich vor etwa drei Jahren: Meine über Jahre florierende Yogaschule stand kurz vor der Insolvenz, ich trug die Verantwortung für viele liebgewonnene Mitarbeiter*innen, war seit längerem alleinerziehend, hatte eine große Liebe verloren, und mein Körper – vor allem meine Haut – rebellierte und wurde empfindlich. Ich fühlte mich vom Leben überfordert. Kleinste Ereignisse, wie das Ausfallen unserer Heizung, brachten mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Damals suchte ich Hilfe im Außen – und bekam sie auch. Es fühlte sich gut an, mit meinen Problemen nicht alleine zu sein. Gleichzeitig gab es in mir aber auch eine Stimme, die sicher war, dass ich eigentlich alle nötigen Werkzeuge an der Hand hatte. Ich wollte verstehen, warum ich in diese Situation geraten war.
Wahrnehmung der inneren Landkarte
Ich begann, meine Meditationspraxis zu verändern. Geführte Hypnosen halfen mir, den Weg in mein Unterbewusstsein zu ebnen und dort längst vergrabene Erinnerungen aufzudecken. Tägliches Journaling ordnete meine Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte. Atemarbeit machte mich sensibel und mitfühlend für meine Emotionen. Asanas wurden ein Mittel, um mich besser wahrzunehmen. Ich lernte, dass jede Emotion und jeder Trigger seine korrespondierende Wirkung im Körper hat. Wenn ich diese genau spürte und mich auf die Suche nach ihrer Wurzel machte, konnte ich klarer erkennen, was im jeweiligen Moment in mir lebendig war. Über die Zeit entstand so eine Art innere Landkarte, die mir mehr und mehr Klarheit darüber verschaffte, wer ich eigentlich bin – und vor allem, warum. Auch das Außen begann sich zu ordnen und das Universum unterstützte mich in zahlreichen kleinen und größeren Hilfestellungen. Diese Erfahrung war der Ausgangspunkt für mein Konzept “Me Yoga”.

Was Manifestation bedeutet
Was aber hat das mit “Manifestation” zu tun? Das Wort bedeutet ursprünglich “mit den Händen erschaffen” – es ist also ein aktiver und auch körperlicher Prozess. Viele der in letzter Zeit sehr populär gewordenen Methoden beschränken sich jedoch auf den kognitiven Bereich von Manifestation: Man wird angeleitet, sich Ziele möglichst plastisch vorzustellen und sie so ins eigene Leben zu “ziehen”. Dabei wissen wir, dass gerade in unseren Körpern wertvolle Antworten auf viele Lebensfragen liegen. Ein Potenzial, das man nicht brachliegen lassen sollte.
“Manifestation ist ein tief spiritueller Weg, bei dem es weniger darum geht, etwas zu erhalten, als vielmehr darum, zu werden, wer man wirklich ist.”
Transformation zum authentischen Selbst
In einem mehrtägigen Workshop bei der Kundalini-Yogalehrerin Kia Miller stand das Thema “Muster” im Vordergrund. Sie beschrieb Yoga als einen Prozess des Umgestaltens des Unterbewusstseins, hin zu neuen, unterstützenden Mustern. Auch die Ashtanga-Yogini Bhavani Silvia Makhi beschreibt Yoga in ihrer Interpretation des Yoga Sutra als einen bewussten Akt des Auflösens destruktiver und selbstlimitierender Muster. Dabei geht es um Unterscheidungsvermögen und Eigenverantwortung, um einen Prozess, der uns zurückführt zu etwas, das bereits in uns vorhanden war.
Diese Auffassung deckt sich wunderbar mit der Lehre der Manifestation, wie sie beispielsweise von Lacy Phillips vermittelt wird: Um zu gefallen und zu überleben, haben wir Schicht für Schicht über unser authentisches Selbst gelegt. Diese Schutzmechanismen waren in der Vergangenheit nützlich, stehen aber jetzt zwischen uns und unseren Träumen. Denn nur wenn wir vollständig in unserer Wertigkeit und Wahrheit sind, können wir verwirklichen, was wirklich zu uns passt. Manifestation ist also viel mehr als die New-Age-Idee, dass man nur genug an einen Parkplatz denken und glauben muss, um ihn zu bekommen. Vielmehr ist Manifestation ein tief spiritueller Weg, bei dem es weniger darum geht, etwas zu erhalten, als vielmehr darum, zu werden, wer man wirklich ist.
Wahrhaftige Wünsche statt vermeintliche Sehnsüchte
Es geht also darum, ein Leben zu führen, das frei ist von Masken und der ständigen Suche nach Bestätigung und Anerkennung. Patanjali beschreibt den Yogaprozess als das Abschleifen der äußeren Persönlichkeit, bis die wahre Essenz des jeweiligen Wesens zum Vorschein kommt. So gehen Yoga und Manifestation Hand in Hand: Je näher wir uns selbst kommen, desto eher entfaltet sich ein Leben, das nicht unseren vermeintlichen Träumen und Sehnsüchten, sondern unseren wahrhaftigen, innersten Wünschen entspricht. Daher stehen Manifestation, Persönlichkeitsentwicklung und Yoga nach meiner Überzeugung in enger Verbindung und ergänzen sich gegenseitig.

Was willst du verwirklichen?
Jetzt aber zu dir: Hast du dir vorgenommen, 2026 etwas Besonderes zu erleben, etwas zu verändern oder zu erreichen? Oder hast du Neujahrsvorsätze ad acta gelegt, weil du dir bewusst bist, dass dein altes Verhalten dich immer wieder einholen wird? Nur weil du kognitiv entscheidest, etwas zu verändern, bedeutet das ja noch lange nicht, dass du es auch schaffst. Um ein neues Verhalten zu etablieren und ein destruktives Muster durch ein neues zu ersetzen – Patanjali spricht hier von Samskaras – braucht es Zeit, die richtigen Werkzeuge und kontinuierliches Engagement. Daher verspreche ich dir hier keine schnellen Ergebnisse, sondern vielmehr einen Einblick in meine “Me Yoga”- Methode.
Dazu zeige ich dir beispielhafte Übungen, die dir helfen können, dich über einen längeren Zeitraum hinweg auf den Weg zu machen und diesen Prozess zu gestalten. Zuvor solltest du dir allerdings darüber klar werden, wohin du gehen willst – und zwar so konkret wie möglich. Nimm dir Zeit, zu träumen und zu reflektieren und erstelle dann eine Liste von Langzeit-Zielen für die kommenden 6 bis 12 Monate und eine zweite mit kurzfristigen Zielen für die nächsten 2 bis 6 Wochen. Dabei darfst du gerne groß träumen, dennoch sollten die Ziele so realistisch sein, dass dir dein Unterbewusstsein abnimmt, dass ihr Wahrwerden möglich ist. Reflektiere außerdem darüber, welche Bedürfnisse hinter deinen Wünschen stehen. Lass all das etwas wirken, bevor du daraus ein übergreifendes Ziel, ein Thema für 2026 formulierst.
Manifestieren mit der “Me Yoga”-Methode
Der “Me Yoga”-Zyklus verläuft entlang der Chakras, deiner Energiezentren: Zu Beginn legen wir das Fundament für das, was wir kreieren möchten. Wir gießen das Samenkorn im zweiten Chakra, und es beginnt zu keimen. Ab dem dritten Chakra strebt die Pflanze der dem Licht entgegen und entfaltet ihre Knospen durch die Chakren vier bis sechs. Am Ende erblüht sie in voller Pracht, und unser Kronenchakra öffnet sich. Wir fühlen uns verbunden mit Mutter Erde und Vater Kosmos und sind bereit, die eigene Manifestation zu empfangen. Vielleicht ist sie sogar schon Realität geworden. So kann unsere Yogapraxis ein Prozess des Wachstums und der Transformation sein, der weit über den Moment hinausgeht.
Beginne deine Entdeckungsreise …
Hinter jedem Menschen liegt ein einzigartiger Lebensweg mit ganz verschiedenen Umständen und Herausforderungen. Entsprechend individuell sollte auch jeder Transformationsprozess gestaltet sein. Die folgenden Übungen sind daher eher als Anregungen, Wegweiser und Unterstützung gedacht und nicht als ein festes Programm. Du kannst die drei Übungsteile variieren oder ergänzen. Lausche nach innen, sei kreativ. Es ist dein Körper, dein Prozess, es sind deine Entscheidungen, Handlungen. Übernimm die Verantwortung.
Übe die 3 Teile zunächst einzeln und nimm dir jeweils so viel Zeit, wie du insbesondere für die Reflektion und das Journaling brauchst. Wenn du möchtest, kannst du sie später auch zu einer durchgängigen Sequenz kombinieren, die von der Wurzel bis zur Krone durch alle Chakren hindurch wirkt.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Suche dir bei Fragen oder Unsicherheiten Unterstützung, sei es nun durch Freund*innen, Lehrer*innen oder auch professionelle Therapeut*innen.
Bist du bereit? Hier geht es direkt zu Teil 1: Vertrauen, Selbstwert und Lösung von Blockaden:
Teil 2 und 3 folgen in den kommenden Tagen!

Nicole Bongartz ist der kreative Kopf und die Geschäftsführerin von Lord Vishnus Couch in Köln. Sie unterrichtet, bildet Yogalehrende aus und begleitet als ganzheitlicher Coach Menschen dabei, zu sich und in ihre Kraft zu kommen. Mehr auf nicolebongartz.de oder auf Instagram @nicolebongartz.de

Mehr über ihr ganzheitliches “Me Yoga“- Konzept aus Yoga und Manifestation erfährst du in ihrem gleichnamigen Buch (Scorpio, 29 Euro).


