„Yoga als dreidimensionale Kunst“: Simon Park im Interview

Simon Park
Tracy&John

Yoga-Legende Simon Park hat auf der ganzen Welt unterrichtet und seinen eigenen Yogastil gegründet: Liquid Flow Yoga. Im Interview mit YogaWorld teilt der Wahl-Münchner seinen Lebens – und Yogaweg mit uns und verrät, wie er die Zukunft der Yogawelt einschätzt.

Der erstaunliche Yogaweg von Simon Park begann 1995 mit Shiva Rea an der Universität von Los Angeles. Es folgte eine Yogalehrerausbildung mit Maty Ezraty beim ersten YogaWorks in Kalifornien. Später unterrichtete er landesweit und zog nach New York, wo er im Exhale Studio arbeitete und die Körpertherapie namens „Body Enlightening“ entwickelte. Seine Yoga-Reise führte ihn neben Asien und Australien schließlich nach Europa, vor allem nach Paris und Barcelona und München – Kein Wunder also, dass er vom US-Yoga Journal unter die 21 einflussreichsten Yogalehrer*innen unter 40 gewählt wurde.

Wegen seiner Liebe zu den Bergen und zum Wandern lebt Simon mittlerweile in München, wo er im Kale and Cake Studio mit Sinah Diepold unterrichtet und Yogalehrerausbildungen leitet – einmal im Jahr sogar in den französischen Alpen. Höchste Zeit, dass er dem deutschen Yogaraum Frage und Antwort steht …

Simon, schön dich kennenzulernen und danke, dass du dir heute Zeit für unser Interview nimmst! Was hat dich persönlich zum Yoga gebracht?

Simon Park
Tracy&John

Alles begann mit einer Verletzung nach einem Motorradunfall. Zuerst habe ich Physioptherapie probiert, dann aber schlug mein Nachbar in Venice Beach Yoga vor. Also meldete ich mich bei einer Klasse an der Uni an und traf dort Shiva Rea. Sie war erst 27 und hatte Ashtanga bei Chuck Miller und Maty Ezraty gelernt. Damals trainierten großartige Lehrer*innen bei Yoga Works: Rod Stryker, Sean Corne, Baron Baptiste usw. Dort habe auch ich damit begonnen, sehr intensiv zu praktizieren und Ashtanga und Iyengar zu lernen. Dann wurde Maty Ezraty mit seinem Mysore Stil mein Hauptlehrer. Nach meiner Ausbildung zog ich zunächst zurück nach Philadelphia und übte dort mit Joan White, einer direkten Schülerin von BKS Iyengar. Dabei nahm ich besonders viel von den Grundlagen und dem Alignment der Asanas mit. Ab meiner Ausbildung 2000 unterrichtete ich in Vollzeit. Ich verband mich wieder mit Shiva Rea, die damals nationale Anerkennung erreicht hatte. Ihr durfte ich bei der Yoga Journal Konferenz assistieren. Das gab mir die Möglichkeit, noch mehr großartige Lehrer*innen zu treffen wie Rodney Yee, John Friend, Richard Freeman, Ana Forrest und viele weitere.

Wow, du hast echt bei vielen bekannten Größen geübt. Wenn Schüler*innen nach ihren Lehrer*innen suchen, auf was sollten sie achten?

Ich habe mit Yoga begonnen, als Lehrer*innen noch nicht so wie Rockstars behandelt wurden. Ganz im Gegenteil: Abgesehen von den indischen Meister*innen gab es nur sehr wenige im Westen bekannte Yogalehrer*innen. Ihre Bekanntheit hing ab von ihrer Erfahrung bei der Praxis und ihrem dynamischen Unterrichtsstil. Ich persönlich suche nicht nach Lehrer*innen wegen ihres Ruhms. Meine erste Lehrerin, Shiva Rea, war noch ziemlich unbekannt. Als ich Maty Ezraty traf, hatte ich keine Idee, dass sie die Leiterin einer großen Yogaschule war und eine richtige Legende. So war das für mich ein relativ intuitiver Prozess.

Dann sollten die Schüler*innen also mehr auf ihre Intuition vertrauen und weniger auf Bekanntheit achten?

Der Schlüssel ist die Verbindung oder der Vibe. Oft kann man lange gar nicht genau sagen, was einen an dieser Person fasziniert. Besonders wichtig ist es, sich von den Lehrer*innen gesehen zu fühlen. Mit all deinem Potential und deinen Herausforderungen. Sie sollten darüber hinaussehen können, wie du in einer bestimmten Pose aussiehst. Man findet sich irgendwie gegenseitig. Was all meine Lehrer*innen gemeinsam hatten war folgendes: Egal, wie berühmt sie waren, sie konnten ihre Präsenz vielen Individuen gleichzeitig schenken. Dadurch bekommen die Schüler*innen eine einzigartige Verbindung zu ihnen.

Welche Lehrer*innen haben dich am meisten berührt?

Ich hatte ja sehr viele verschiedene Hauptlehrer*innen, was wahrscheinlich viel aussagt über das, was ich für meine Entwicklung gebraucht habe. Ich suche mir in den meisten Bereichen des Lebens das aus, was für mich passt: bei Kunst, Musik, Freunden, Reisen. Die Vielfalt meiner Lehrer*innen machte das Lernen umso interessanter. Shiva kommt aus Kalifornien, ist ein Freigeist, eine Tänzerin und eine Rebellin. Maty war eine wahre Technikerin, aufregende Motivatorin und die Meisterin, dein Potential zu erkennen. Richard für seinen Teil war ein genialer Professor mit seinem Kopf bei den Sternen und auf der Yogamatte in die hinduistische Mythologie geerdet. So hat jede/r seine/ ihre Vorzüge.

Was empfiehlst du Yogi*nis die auf der Suche nach dem/r richtigen Lehrer/in an einen Ort gebunden sind?

Heutzutage ist die Auswahl an Yogaunterricht sehr breit durch das Online Yoga. Trotzdem würde ich empfehlen, mit einer/m lokalen Lehrer*in zu üben, die du regelmäßig sehen kannst. Am besten natürlich mehrmals die Woche. Wenn du in deiner Praxis fortgeschritten bist, kann das auch einmal im Jahr oder alle paar Jahre stattfinden. Wenn Schüler*innen mit der richtigen Absicht suchen, gibt es Lehrer*innen. So kann ein tiefer Wachstumsprozess stattfinden. Das beste, was Lehrer*innen eigentlich für ihre Schüler*innen machen können, ist sie von Tag eins darauf vorzubereiten, dass sie sich frei entwickeln und auch irgendwann weiter ziehen.

Und weitergezogen bist du und hast dabei die Welt bereist. Worin unterscheidet sich in deinen Augen die Yogaszene in den USA und von der in Deutschland?

Zur Zeit gibt es neben vielen Gemeinsamkeiten auch ein paar große Unterschiede. Die Parallelen kommen daher, dass wir im Informationszeitalter leben. Zudem hatten viele US-amerikanische Lehrer*innen großen Einfluss auf die Szene in Deutschland, wie etwa Jivamukti in Berlin und München. Sharon Gannon und David Life inspirierten ein paar Schlüsselfiguren in der Entwicklung und der Verbreitung von Yoga in Deutschland: Patrick Broome, Gabriela Bozic und Petros Haffenrichter. Vor der Eröffnung von Jivamukti München folgten deutsche Yogi*nis meistens der Shivananda Tradition.

Wie denkst du kam es dazu?

Die breite Bevölkerung nahm Yoga als New-Age-Spiritualität war. Die meisten Lehrer*innen übten mit US-amerikanischen Yogi*nis, wie beispielswiese Christine May und Barbara Noh. Die Lehrerinnen wurden immer bekannter und so verbreitete sich der relativ neue amerikanische Yogastil in Deutschland. Das ist die Grundlage der deutschen Yogaszene. Aber auch andere bekannte eklektische Yogalehrer*innen wie Young Ho-Kim und Sinah Diepold orientierten sich am US-amerikanischen Yoga und dessen Trends. Dieses Phänomen hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Dadurch verbreitete sich das positive Charisma, die Weisheit und die Leidenschaft, die die bereits genannten Lehrer*innen mitbrachten. Sonst wäre Yoga in Deutschland nicht so bekannt. Anschließend begannen auch sie ihre eigenen Stile zu entwickeln, was ich als gesunde Entwicklung betrachte. Heute hat die deutsche Yogaszene ein eigenes Leben. Ich persönlich finde sie sehr aufregend, aufblühend und genau am Puls der Zeit.

Young Ho Kim über Yoga-Evolution: Warum “Inside Flow” pure Expression ist

Auch du hast mit Liquid Flow Yoga deinen eigenen Stil entwickelt …

Liquid Flow Yoga ist einerseits die Synthese aus den Stilen, die ich von der Abstammungslinie meiner Lehrer*innen mitnehmen durfte. Allerdings sind diese Erkenntnisse natürlich durch meine einzigartige Weltanschauung wie durch ein Prisma gefiltert. Lange war mein Unterricht wie eine Kopie der Personen, von denen ich gerade lernte. Wenn ich mehr mit Shiva lernte, dann unterrichtete ich ihren Flow. Wenn du noch nicht so viel Erfahrung hast, dann macht das dein Lernen etwas schizophren: Du springst von Stil zu Stil und von Lehrer*in zu Lehrer*in. Ich musste dadurch erst lernen, allen Input durch meine Brille zu filtern und nur das zu behalten, was sich für mich und meine Schüler*innen stimmig anfühlte. Man saugt zuerst alles auf und kopiert. Anschließend muss sich das Potpourri an Informationen und Techniken erst setzen. An einem Punkt erkennt man dann seinen eigenen Stil. Dann kannst du dich und deine Persönlichkeit einzigartig ausdrücken. Diese Entwicklung spiegelt die von den meisten Künstler*innen.

Ein Mittel zum Ausdruck ist Musik und genau die spielt auch eine wichtige Rolle in deinen Workshops.

Ich sehe da eine große Parallele zwischen den beiden Welten Musik und Yoga. Auch Vinyasa Flow profitiert von großartiger Musik. Ich höre am liebsten Bruce Springsteen, Jimi Hendrix, und The Rolling Stones. Auch hier bin ich Fan von vielen Genres und Stilen und arbeite selbst gerne mit Live Musik bei meinen Workshops. So sehe ich auch Yoga als eine fluide Kunst an, nicht als Sammlung von exakten Techniken und Informationen. Das war für mich ein sehr langer Prozess, der bis heute anhält. Nach all den Jahren entwickelt sich auch meine Yoga- und Unterrichtspraxis immer noch weiter und gewinnt an Tiefe. Ich freue mich sehr, dass auch die nächste Generation Yoga übt. Außerdem bin ich gespannt, wie sich Yoga noch weiterentwickeln wird.

Wenn du dir die Zukunft von Yoga vorstellst, was siehst du?

Da ist natürlich das Internet der „Elephant in the Room“. Der Lockdown hat aber nicht nur die Entwicklung hin zum Online Unterricht verschnellert. Sondern auch den Kult um die Person der Yogaleher*innen. Einerseits hat das viele Vorteile, z.B. ist Yoga dadurch für viele erreichbarer geworden. Die Preise sind runtergegangen; so kann man für wenig Geld gutes Yoga finden. Viel mehr Menschen können von der Wissenschaft des Yoga profitieren.

Ich spüre ein ABER …

Ja, das Ganze hat auch eine Schattenseite. Die Qualität des Unterrichts und das Üben online kann nicht die Live-Klasse mit einem erfahrenen Lehrer ersetzen. Manche Dinge kann man nicht oder weniger klar und deutlich vermitteln, wenn man mit Video oder Audio übt. Yoga ist eigentlich eine mindestens dreidimensionale Kunstform. Video kann nur zwei Dimensionen vermitteln und alles andere nur ankratzen. Ich erkenne auch die Chancen von Plattformen wie Instagram. Wenn Praktizierende hartnäckig und begeistert üben, dann kann man online schon einen großen Fortschritt machen.

Hast du eine Empfehlung bezüglich Online Yoga?

Wie bei jeder Disziplin müssen die Methoden und die Inhalten in den entsprechenden Kontext gebracht werden. Bei Yoga gehören die verschiedenen Yogi*nis und die über 5000 Jahre alte Tradition zum Kontext. Eine wichtige Person, die es geschafft hat, die alte yogische Tradition ins moderne Zeitalter zu überführen, ist Krishnamanchaya. Er unterrichtete Pattabhi Jois, BKS Iyengar, Indra Devi und TKV Desikachar – der Lehrer der Lehrer*innen. Er unterrichtete nur eine/n Schüler*in zur selben Zeit, weil die Praxis individualisiert am meisten Vorteile birgt. Mit den Samen, die er in seine Schüler*innen setzte, sorgte er trotzdem dafür, dass sich Yoga über den gesamten Erdball verbreitet. Der standardisierte Unterricht vor vielen ist ein Schritt weg von der Lehre Krishnamacharyas. Für mich fühlt sich dann Online-Unterricht noch einen Schritt ferner davon an. Vielleicht sorgt das breite Angebot von Lehrer*innen auch dafür, dass man gar nicht mehr intensiv von einer Person lernt. Das ist allerdings entscheidend gewesen für meinen persönlichen Yogaweg. Am Ende geht es wieder darum, Balance zu finden. Wenn Schüler*innen tiefer zur Praxis finden, werden sie auch nach tieferem Wissen suchen. Und die Intuition wird sie oder ihn zu den richtigen Lehrer*innen bringen.


Simon Park Gesicht

Simon Park ist ausgebildet in Ashtanga, Iyengar und Vinyasa. Auch du kannst bei Kale and Cake in München mit Simon privat oder gemeinschaftlich trainieren und dich von ihm ausbilden lassen. Zudem hofft er, Liquid Flow, seinen selbst entwickelten Yogastil, bald wieder weltweit unterrichten zu können.

Mehr Infos über Simon Park auf seiner Website www.liquidflowyoga.com oder auf Instagram.

Was bedeutet eigentlich Karma?

Was bedeutet Karma

Gutes Karma, schlechtes Karma. Doch was bedeutet Karma überhaupt? Mit einem gewissen Verständnis können wir einen Grundstein für die Zukunft unserer Träume legen.

„Karma“ ist ein Wort, das man in der Yoga-Szene häufig hört – und trotzdem wird der Begriff oft missverstanden und bleibt vielen unklar. Nicht ohne Grund interessiert uns dieses faszinierende Thema: Karma ist sowohl im Yoga als auch in den Traditionen des Buddhismus ein wesentliches Prinzip. Seine grundlegenden Lehren können uns dabei helfen, viele Zusammenhänge im Leben zu begreifen. Wenn man das Konzept des Karmas versteht, kann das eine neue Sichtweise auf wichtige Beziehungen, auf die Arbeit und die finanzielle Situation ermöglichen – und sogar auf die eigenen Gedankenmuster und die Verhaltensweisen, die daraus entstehen. Karma fasziniert. Es gibt Rätsel auf. Und viele von uns stellen sich dieselben Fragen dazu. Deswegen will ich versuchen, einige davon zu beantworten. Aber zuerst möchte ich die grundlegenden Prinzipien des Karmas aus yogischer Perspektive beleuchten.

Das Gesetz des Karmas

Das Wort „Karma“ kommt aus dem Sanskrit und seine Wurzel bedeutet übersetzt einfach nur „Handeln“ – alles, was man sagt, tut oder sogar denkt. Die Tradition des Yoga jedoch definiert das Wort Karma auf drei verschiedene Arten: erstens als die gegenwärtigen Handlungen; zweitens als die Wirkung, die vergangene Handlungsweisen auf unseren jetzigen Charakter und unser Leben haben; und drittens als das, was man im Westen oft als „Schicksal“ bezeichnet. Wenn man sagt, dass etwas im Leben „Karma“ sei, bezieht man sich meist auf die zweite Bedeutung des Wortes: Man beschreibt damit, dass man in der Gegenwart die Folgen dessen erntet, was man in der Vergangenheit gesät hat.

Karma – die Kraft hinter jeder Veränderung

Das yogische Konzept des Karmas beinhaltet die Erkenntnis, dass Gedanken und Handlungen uns verändern und dass die Welt durch unsere Gedanken und Taten verändert wird. Das ist das erste Prinzip des Karmas: Handlungen haben Folgen. Das Gesetz des Karmas, so wie es in der Tradition des Yoga beschrieben wird, ist eigentlich das Gesetz von Ursache und Wirkung. Schon in der Bibel steht geschrieben: „Man erntet, was man sät.“ Und das ist eine wichtige Erkenntnis – auch wenn es auf den ersten Blick trivial erscheint. Das Gesetz des Karmas – die Tatsache, dass jede Handlung eine Wirkung hat – ist es, was Veränderung, Wachstum und Entwicklung im Menschen anstößt. In diesem Sinne ist Karma die Kraft hinter jeder Veränderung.

Alles eins – das Geflecht von Karma

In der Yogawelt halten viele Karma für etwas ganz Persönliches und denken nur an ihre eigenen Handlungen und deren Konsequenzen. Aber wir leben nicht isoliert voneinander. Nach der Lehre des Yoga werden wir nicht nur durch unsere eigenen Entscheidungen beeinflusst, sondern auch durch das kollektive Karma unserer Zeit und des Orts, an dem wir leben, sowie durch die Kräfte, die auf unseren Planeten und sogar auf den Kosmos einwirken. Auf einer Ebene ist dieses Universum ein Geflecht aus Materie und Energie. Wir können es aber auch als ein Geflecht von Karma betrachten – einen Teppich aus Handlungen, Intentionen und ihren Folgen. Um ein bekanntes Beispiel zu bemühen: Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Hongkong kann Einfluss auf einen Hurrikan haben, der sich im Südatlantik bildet. Die Finanzkrise an der Wall Street 2008 beeinflusst das Leben der Bauern in Argentinien. Unser eigenes Leben ist unauflösbar mit dem Ganzen verbunden.

Verändere deine Gewohnheiten

Infolgedessen spielen aus der yogischen Perspektive persönliche Entscheidungen die größte Rolle. Denn hier kann man das Gesetz des Karmas nutzen, um Veränderung und Wachstum anzustoßen. Das führt zum zweiten Prinzip des Karmas: Gedanken und Handlungen in der Vergangenheit haben unser gegenwärtiges Leben mitbestimmt und unsere gegenwärtigen Gedanken und Handlungen haben großen Einfluss auf unser künftiges Leben. Vielleicht kennst du das Sprichwort: „Wenn du wissen willst, was du früher getan hast, betrachte dein gegenwärtiges Leben. Wenn du wissen willst, was für ein Mensch du in der Zukunft sein wirst, sieh dir deine gegenwärtigen Gedanken und Handlungen an.“

Karmische Eindrücke – die Samskara

Das ist der Punkt, an dem das Thema Karma interessant wird – und zugegebenermaßen auch etwas mysteriös. In den Traditionen des Yoga, des Buddhismus und des orthodoxen Judentums wird gelehrt, dass individuelles Bewusstsein sich durch viele verschiedene Lebensalter bewegt. Im Yoga Sutra, einem der Grundlagentexte des Yoga, sagt Patanjali, dass vergangene Gedanken und Handlungen Eindrücke im Unterbewusstsein hinterlassen. Diese Eindrücke, auch Samskaras genannt, werden im unbewussten Gedächtnis gespeichert. Sie wirken wie Spurrillen oder Furchen in unserem Unbewussten, die sich in unseren Denkweisen und Neigungen zeigen. Zusammengenommen bestimmen diese Denkweisen und Neigungen unseren Charakter und erschaffen die Linse, durch die wir die Welt betrachten. Unser vergangenes Karma drückt sich in diesen angesammelten Samskaras aus, die auch karmische Tendenzen, karmische Eindrücke oder karmische Muster genannt werden. Unsere Samskaras sind ein Ausdruck unseres vergangenen Karmas und sie werden auch unser Verhalten in der Zukunft mit beeinflussen. Wenn man seine Verhaltensweisen verändert, schafft man neue Samskaras und so auch neue karmische Auswirkungen.

Aber das funktioniert auch andersherum: Wenn man seine Samskaras ändert, indem man seine Gedankenmuster transformiert, beeinflusst das auch das Verhalten. Ein modernes Sprichwort sagt: „Säe einen Gedanken und du erntest eine Gewohnheit. Säe eine Gewohnheit und du erntest einen Charakter. Säe einen Charakter und du erntest ein Schicksal.“ Kurz gesagt: Gespeicherte Eindrücke, die unbewusste Erinnerungen an vergangene Gedanken und Taten sind, sind ebenso die Wurzel zukünftiger Erfahrungen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich mit gewohnten Gedankenmustern zu beschäftigen, wenn man sein Leben verändern will.

Gutes Karma, schlechtes Karma

In der Tradition des Yoga heißt es, dass Samskaras aus früheren Leben die Situation bestimmen, in die wir hineingeboren werden: Wie unsere Eltern sind, unser Temperament und vieles mehr. Das ist natürlich mit der Vorstellung der Wiedergeburt verbunden – ein Konzept, das für viele Menschen aus westlichen Ländern schwer annehmbar ist. Aber selbst wenn man nicht an vergangene oder zukünftige Leben glaubt, kann das Verständnis der wichtigsten Grundlagen des Karmas sehr wirkungsvoll dabei helfen, unser Leben zu verstehen. Yoga lehrt, dass vergangene Handlungen und Gedanken die Vorlage schaffen, von der aus man wachsen und sich weiterentwickeln kann – im Hier und Jetzt.

Du willst herausfinden, wie das praktisch funktioniert? Diese 3 Schritte zeigen dir, wie es geht:

  • Notiere dir drei deiner größten Fähigkeiten, Begabungen oder Gebiete, auf denen du Glück hast – die Yoga-Tradition bezeichnet diese Begriffe als die guten Karmas.
  • Schreibe danach die drei größten Herausforderungen deines Lebens auf – emotionale und mentale Blockaden, Gebiete, auf denen du Schwierigkeiten hast (beispielsweise gesundheitliche Probleme oder Familienthemen), oder andere Bereiche, unter denen du leidest oder die du als Belastung empfindest. Anders ausgedrückt: deine negativen Karmas.
  • Überlege dir, wie dieses Geflecht aus positiven und negativen Seiten deines Lebens dein persönliches Wachstum beflügelt und welche Veränderungen sie bewirkt haben. Wie haben Belastungen und Verletzungen dir geholfen, zu wachsen? Wie haben die leichten Seiten deines Lebens dir das Gefühl von Erfolg und Flow vermittelt? Wie haben die miteinander verbundenen negativen und positiven Karmas also dazu beigetragen, dass du jetzt der Mensch bist, der du bist?

Durch Karma richtig handeln – im Hier und Jetzt

So wie die Theorie des Karmas davon ausgeht, dass die Gegenwart durch frühere Gedanken und Handlungen beeinflusst wird, ist auch die Zukunft eng mit unseren gegenwärtigen Handlungen verbunden. Der yogische Gelehrte Vasistha fasste die tiefste Wahrheit über Karma so zusammen: „Es gibt auf Erden keine größere Kraft als das richtige Handeln im Hier und Jetzt.“ Das ist das dritte Prinzip des Karmas – und das wichtigste: Man hat immer eine Wahl. Selbst wenn die Dinge im Moment nicht so laufen, wie man sich das vorgestellt hat, besagt das Gesetz des Karmas, dass positive Bemühungen unausweichlich Früchte tragen werden. Das trifft sowohl auf alltäglicher als auch auf spiritueller Ebene zu. Egal, ob du versuchst, deine Gewohnheiten zu ändern oder dein wahres Selbst zu erwecken. Wenn du das Gesetz des Karmas verstanden hast, weißt du, dass deine Bemühungen am Ende erfolgreich sein werden. Deine früheren Handlungen stehen dir vielleicht im Weg, aber deine gegenwärtigen Handlungen können dir dabei helfen, diese Hindernisse zu überwinden. Nach der Lehre des Karmas ist jeder Augenblick sowohl Ergebnis Ihrer Vergangenheit als auch der Samen für deine Zukunft.

Was bedeutet Karma im Alltag

Zugleich bedeutet die Veränderung des Karmas auch eine Veränderung des Alltags. Man muss viele kleine Entscheidungen fällen, um die Muster zu verändern, die vielleicht noch an alten Karmas festhalten. Kelly, eine meiner Schülerinnen, stammt beispielsweise aus einer sehr voreingenommenen Familie und hatte immer Probleme damit, enge Freundschaften zu schließen. Vor einigen Jahren fing sie an, sich zu wundern, warum sie sich so oft allein fühlte. Als sie darüber nachdachte, erkannte sie, dass ihre Beziehungsprobleme mit ihrer Neigung zu Klatsch und Tratsch zusammenhingen. So entschied sie sich, diesem Bedürfnis nicht mehr nachzugeben. Nachdem sie das ein Jahr lang erfolgreich geschafft hatte, stellte Kelly fest, dass wieder mehr ihrer alten Freunde anriefen. Menschen, denen sie begegnete, waren freundlicher zu ihr. Sogar ihre Yogalehrerin schenkte ihr während der Stunden mehr Aufmerksamkeit. Sie erkannte: Durch ihre aktive Entscheidung, das negative karmische Muster zu verändern, welches sie so hart über andere urteilen ließ, hatte sich ihre Fähigkeit, Freundschaften zu schließen und zu pflegen, maßgeblich verändert.

Auf das Handeln kommt es an

Diese Geschichte ist ein gutes Beispiel für einen der wichtigsten Leitgedanken der Karma-Lehre: Auf das Handeln kommt es an. Wir sind das Ergebnis unseres Handelns. Unsere Handlungen spielen nicht nur in unseren eigenen Beziehungen und für unsere persönliche und spirituelle Entwicklung eine Rolle, sondern auch in dem großen karmischen Geflecht, das das Leben auf diesem Planeten bestimmt. Jede Entscheidung, die man aus Mitgefühl trifft, und jeder Moment, den man innehält, um über die Konsequenzen des eigenen Handelns für das große Ganze nachzudenken, beeinflusst tatsächlich das große Ganze. Wenn man die Lehre des Karmas auf die eigene Entwicklung anwendet, hilft man auch dabei, das Bewusstsein der Menschen im eigenen Umfeld zu verändern – in der Familie, im Freundeskreis und sogar in der Welt.

Geheimrezept: Veganes Safran-Risotto

Veganes Risotto

Du möchtest die Woche mit einem gemütlichen Abend und einem leckeren Gericht ausklingen lassen? Hier stellt dir Peter Ludik, Gründer vom Münchner Restaurant Max Pett, sein Geheimrezept vor: ein Risotto mit frischen, frühlingshafte Toppings. Zudem erfährst du die Geschichte dahinter: Wie ist eigentlich das erste vegane Restaurant in München entstanden?

Der gebürtige Wiener Peter Ludik und Anna Lena Hoening können sich auf die Schulter klopfen. Denn ihr Max Pett – das erste rein vegane Restaurant in München – gibt es bald seit 10 Jahren. Mit ihrer gesunden, kreativen Kost haben sie sich ein Plätzchen im Herzen der Münchner erkocht. Und sich damit einen Traum erfüllt. Schon mit vier Jahren hat sich Lena für vegetarische Kost entschieden – aus Tierliebe. Ihr Partner Peter machte den Umweg über traditionelle Gasthäuser. Dort erwachte in ihm der Wunsch, sich und andere mit pflanzlicher Kost gesünder zu ernähren. Ein Wunsch, der ihn als Chefkoch in Münchens erstes vegane Restaurant, das Saf Zerwirk, führte. Später als Küchenchef ins Prinz Myshkin.

Leidenschaft für Veganismus

Als die beiden in einem vegetarischen Imbiss ins Gespräch kamen, nahm das Schicksal seinen Lauf. Sie entdeckten ihre gemeinsame Leidenschaft für das Vegane. Und auch, dass sich beide ein eigenes Restaurant wünschten. Sie hatte Zeit, da sie gerade erst von einer einjährigen Reise zurückgekehrt war; und er war auf der Suche nach einer größeren Herausforderung. Der Geburt von Max Pett stand also nichts entgegen.

Während die Küche Internationales von Puszta Gulasch bis Gerichte nach Ayurveda ebenso wie Heimisches bietet. Eines gibt es nicht: Alkohol. Denn Namensgeber Max von Pettenkofer war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Vorsitzender des „Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke“. Was aber nicht der einzige Grund ist. „Wir waren von vornherein gegen den Verkauf von Alkohol. Ich finde es nicht ehrenwert, Geld damit zu verdienen“, sagt Lena Hoening. Dafür gibt es eine feine Auswahl an alkoholfreien Weinen und Bieren. Eine gute Gelegenheit, diese einmal zu kosten.

Safran-Risotto

Was du dafür brauchst:

  • 200 g Gemüse (z.B. Karotte, Sellerie Lauch)
  • ½ TL Senfsaat
  • ½ TL Kalonji (Schwarzkümmel)
  • ½ TL Fenchelsaat
  • 1 Messerspitze Safran oder Cumin
  • 300 g Risottoreis
  • 1/8 L Weißwein
  • Gemüsebrühe
  • 1 Handvoll frischen Spinat
  • 1 EL Hefeflocken
  • Sojasahne

Und so geht’s:

Schneide das Gemüse in kleine Würfel und brate diese mit Senfsaat, Kalonji, Fenchelsaat und Safran an. Mische den Risottoreis darunter und brate ihn kurz mit an. Lösche alles mit Weißwein ab. Zudem kochst du das Risotto al dente, indem du nach und nach Gemüsebrühe dazugibst. Stelle dann alles kalt.

Bringe nun in einem anderen Topf 1/8 Liter Gemüsebrühe, den Spinat und das abgekühlte Risotto zum Kochen und gebe die Hefeflocken und Sojasahne dazu. Zum Garnieren eignen sich gegrillte Pilze, Salat oder Kürbisscheiben.

Tipp für ein gelungenes Risotto

Risotto ist ein typisch norditalienisches Gericht und sollte mit Risottoreis zubereitet werden. Die Kochzeit beträgt dabei bis zu 20 Minuten, dabei muss der Reis aber bissfest bleiben. Grundsätzlich gilt: Körner in pflanzlicher Butter anbraten. Dabei sollen sie ihre ursprüngliche Farbe behalten. Dann mit heißer Brühe ablöschen. Aber nur soviel aufgießen, dass der Reis bedeckt ist. Mehrmals Brühe aufgießen und konstant umrühren. Bei Bedarf gelegentlich kalte Butterflocken untermengen.


Foto von Becca Tapert

Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll

Brauche ich sie und wenn ja, welche? Worauf sollte man bei Kauf und Dosierung achten? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Nahrungsergänzungsmittel (kurz NEM) findest du hier im Überblick.

Wie sinnvoll sind Multivitamin-Präparate?

„Das kommt ganz auf die Ernährungsweise an“, erläutert die ganzheitliche Pharmazeutin Sherry Torkos. Wenn du die berühmten fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag nicht schaffst und häufig zu ‚To go‘-Essen oder Fertiggerichten greifst, dann können Multivitaminpräparate helfen, Mängel auszugleichen und deinen Nährstoffbedarf zu decken. Hast du dagegen kein Problem mit der ‚5 am Tag‘-Regel und nimmst dazu regelmäßig Nüsse, Samen und ausreichend Proteine zu dir, dann bekommt dein Körper aller Wahrscheinlichkeit nach alles, was er an Vitaminen braucht. Andere Faktoren, die es laut Torkos zu berücksichtigen gilt: „Ihr allgemeiner Gesundheitszustand, Vorerkrankungen oder Medikamente, die Sie einnehmen.“ So fehlt es zum Beispiel Frauen, die die Pille nehmen, häufig an Vitamin B6 und C sowie Folsäure. Auch Menschen mit Magen-Darm-Leiden, die die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen, etwa Zöliakie oder Morbus Crohn, können Torkos zufolge von Multivitaminpräparaten profitieren.

Wie sinnvoll sind Vitamin D Präparate?

„Seit der Jahrtausendwende ist Vitamin D mehr und mehr in den Fokus geraten, da es neben dem schon bekannten Einfluss auf die Knochengesundheit noch viele weitere Vorzüge zu haben scheint“, erklärt Dr. Howard Sesso, der mehrere Studien zum Thema durchgeführt hat. Vieles deutet darauf hin, dass etwa Leiden wie Arthritis, Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Multiple Sklerose oder Parkinson mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel in Zusammenhang stehen. Allerdings sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig, dass diese Studien noch nicht aussagekräftig genug sind, um blindlings zu supplementieren. Wichtig zu wissen: Der Körper bildet Vitamin D durch über die Haut aufgenommenes Sonnenlicht. Als Faustregel gilt, dass 50 Prozent der Haut täglich 10-20 Minuten ungeschützt der Sonne ausgesetzt sein müssen, um die erforderliche Menge Vitamin D zu produzieren. Entsprechend kann man die Dosis im Sommer reduzieren oder ganz auf die Pillen verzichten. Allerdings gilt zu beachten, dass es einige Variablen gibt, die die tatsächliche Sonnenlicht-Aufnahme beeinflussen, etwa Alter oder Hautfarbe: Jüngere Menschen bzw. hellere Hauttypen wandeln das Licht effizienter um. Außerdem spielt es eine Rolle, zu welcher Tageszeit du dich der Sonne aussetzt. Wenn du über 50 bist, die Knochen öfters schmerzen, deine Muskeln schwach sind oder du unter Stimmungsschwankungen leidest, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du zu der einen Milliarde Menschen zählst, die weltweit unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. Ob dem so ist, kannst du durch einen Bluttest leicht bestimmen lassen. Als Richtwert für den empfohlenen Tagesbedarf nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 20 μg bzw. 800 Internationale Einheiten (IU) für Kinder ab einem Jahr und Erwachsene, wobei dieser Wert für den Fall gilt, dass keinerlei Eigenproduktion des Körpers stattfindet. Der tatsächliche Zufuhrbedarf liegt also darunter.

Benötige ich Probiotika?

Probiotika sind lebensfähige Mikroorganismen („gute Bakterien“), die als Lebensmittelzusatz oder in Form von Kapseln und Pulvern die Darmflora ins Gleichgewicht bringen, schädliche Keime bekämpfen und eine gute Nährstofffaufnahme gewährleisten sollen – alles Faktoren, die auch wichtig sind, um das Immunsystem zu stärken. Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen. Idealerweise sorgt schon die Ernährung für eine gesunde Darmflora: Viele Vollkorn- und sonstige ballaststoffreiche Lebensmittel enthalten Präbiotika, das sind nicht verdauliche Pflanzenfasern, die Aktivität und Anzahl der „guten“ Dickdarmbakterien erhöhen. Häufig nehmen wir allerdings nicht ausreichend Ballaststoffe zu uns, außerdem kann die Einnahme von Antibiotika einen Großteil der „guten Bakterien“ abtöten. Bislang haben sich nur einige wenige Probiotika-Stämme als wirklich gesundheitsfördernd erwiesen. So zeigten Testreihen, dass das Milchsäurebakterium Lactobacillus GG sowie Zuckerhefen (Saccharomces) bei Durchfall helfen können. Andere Studien bestätigen, dass Bifidobakterien Reizdarmbeschwerden, Magenkrämpfe und Blähungen lindern sowie die Stressverarbeitung erleichtern können.

Lies auch: 8 Techniken, die Ängste und Stress lösen und keine Atemübungen sind.

Hat die Darreichungsform einen Einfluss auf die Wirksamkeit?

Tatsächlich kann die Form sowohl die Verträglichkeit als auch die Effizienz beeinflussen. „Vitamin-Gummis etwa enthalten häufig zu wenig oder zu viel an bestimmten Nährstoffen, weil der Herstellungsprozess es schwierig macht, die Menge zu kontrollieren“, erklärt der Arzt Dr. Tod Cooperman, Gründer und Präsident von ConsumerLab, einer Organisation, die unabhängige Studien zu Ernährungs-, Wellness- und Gesundheitsprodukten veröffentlicht. „Außerdem schmecken Gummis wie Süßigkeiten und sehen auch so aus, wodurch man in Versuchung geführt wird, mehr als die empfohlene Tagesdosis zu sich zu nehmen, die verträgliche Menge also zu überschreiten.“ Liquids oder Sublingualtabetten (also solche, die du unter die Zunge legst) sowie Sprays können gegenüber klassischen Pillen und Kapseln einige Vorteile haben. „Flüssiges Fischöl kann zum Beispiel schneller verwertet werden als ein Softgel“, führt die Pharmazeutin Sherry Torkos aus. „Allerdings ist ein Sofort-Effekt bei Fischöl nicht unbedingt nötig.“ Anders als etwa bei Melatonin, das möglichst schnell beim Einschlafen helfen soll. Apropos Melatonin: Dieses normalerweise von der Zirbeldrüse produzierte „Schlafhormon“ ist in den USA frei in Drogerien und Supermärkten erhältlich, ob nun als Spray, Kapsel, Liquid oder Gel. Hierzulande ist die Zulassung bislang rechtlich umstritten, was zu vielen Unklarheiten führt. Hochdosiertes Melatonin (über 0,5 mg) ist eigentlich rezeptpflichtig, dennoch gab es Gerichtsurteile, die bestimmte Präparate als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen haben.

Du kannst nicht einschlafen? Dann versuche es doch einmal mit Goldener Milch, dem Wundermittel für erholsamen Schlaf.

Kann eine Überdosierung schaden?

Nahrungsergänzungsmittel Überdosierung
Für Vitamine und Mineralien gibt es empfohlene Höchstverzehrmengen, die auf der Packung angegeben sind.

„Ja“, sagt Dr. Howard Sesso, Mediziner, Ernährungsforscher und Epidemologe an der Harvard T.H. Chan School of Public Health. „Viele groß angelegte Studien zeigen, dass eine höhere Dosis nicht nur keinen höheren gesundheitlichen Effekt hat, sondern weit schlimmer: Bei bestimmten Vitaminen kann eine Überdosierung gefährliche Nebenwirkungen haben, von Magenbeschwerden über Geburtsfehlern bis hin zu Gehirnblutungen, die zum Schlaganfall führen.“ Für Vitamine und Mineralien gibt es deshalb empfohlene Höchstverzehrmengen, die auf der Packung angegeben sind. Da die Studienlage jedoch nicht immer eindeutig ist, solltest du im Zweifel auf Nummer Sicher gehen und lieber etwas weniger einnehmen als zu viel. Ziel sollte es sein, nur die ernährungsbedingten Mängel auszugleichen anstatt sich willkürlich mit Vitaminen, Mineralien und Kräuterauszügen vollzustopfen. Besondere Skepsis ist daher bei „Mega-Dosis-Produkten“ angebracht. Das sind Nahrungsergänzungsmittel, die pro Ration mehr als 100 Prozent der vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Höchstmenge beinhalten. Das Komplizierte an der Sache: Derzeit gibt es noch keine EU-weite Regelung. Produkte, die zwar die für Deutschland gesetzlich festgelegte Menge überschreiten, im europäischen Herstellerland aber legal sind, dürfen wegen des Prinzips der gegenseitigen Anerkennung auch hierzulande verkauft werden. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat jedoch bei der EU die Erarbeitung einheitlicher Richtlinien eingefordert, sodass die Lage hoffentlich in naher Zukunft etwas weniger verwirrend aussieht.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es hierzulande?

Was die zugelassenen Vitamine und Mineralien sowie die Kennzeichnung angeht, gibt es europaweite Regelungen; in Bezug auf die Mindest- und Höchstmenge herrscht derzeit aber noch keine Einigkeit. Erlaubte Vitamine sind A, C, D, E, K, B1, B2, B6, B12, Niacin, Pantothensäure, Folsäure und Biotin; erlaubte Mineralstoffe Kalzium, Magnesium, Eisen, Kupfer, Jod, Zink, Mangan, Natrium, Kalium, Selen, Chrom, Molybdän, Fluor, Chlor, Phosphor, Bor und Silicium. Regelungen fehlen derzeit noch für Pflanzenzubereitungen wie Aloe Vera, Goji oder Noni sowie für sekundäre Pflanzenstoffe und Fettsäuren. Vorgeschrieben sind neben den Inhaltsstoffen auch einige Hinweise auf der Packung, darunter zum Beispiel der, dass Nahrungsergänzungsmittel eine vollwertige Ernährung nicht ersetzen und dass die ebenfalls anzugebene empfohlene Höchstmenge nicht überschritten werden darf. Heilsversprechen sind verboten, erlaubt dagegen Formulierungen wie „hilft bei“ oder „senkt das Risiko von“ – nach Überprüfung durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA).

Gibt es Testsiegel für Nahrungsergänzungsmittel?

Ja, jede Menge. Allerdings sind das gerne auch mal Fantasie-Siegel, die im Grunde nichts aussagen. Verlassen kannst du dich auf das internationale HACCP-Siegel (Hazard Analysis and Critical Control Points), das Einhalten von Kontrollmaßnahmen und Hygieneregeln garantiert. Ebenfalls hilfreich: Das TÜV-oder BIO-Siegel sowie DIN-Normen wie z.B. DIN ISO 9001.

Gibt es Tricks, die die Wirksamkeit verbessern?

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel wirken besser, wenn man sie nicht auf leeren Magen, sondern zu einer Mahlzeit einnimmt. Im Optimalfall handelt es sich dabei um ein „ausgewogenes Gericht, das Proteine, Kohlenhydrate und Fett beinhaltet und die Magensäureproduktion anregt, was ausschlaggebend dafür sein kann, wie gut die Nährstoffe vom Körper aufgenommen und verarbeitet werden“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Lauri Wright. Außerdem wirken einige Nährstoffe besonders gut, wenn man sie miteinander kombiniert. Hier zum Beispiel drei optimale Paarungen:

  • Eisen und Vitamin C: Die Säure in Vitamin-C-haltigen Produkten (etwa Beeren, Zitrusfrüchten oder Apfelessig) erleichtert die Verarbeitung des Eisens.
  • Kalzium/Magnesium und Vitamin D: Ohne ausreichend Vitamin D kann der Körper Kalzium und Magnesium nicht richtig aufnehmen. Vitamin D verbessert zudem die Fähigkeit der Nieren, Kalzium aufzuspalten, das andernfalls einfach ausgeschieden würde.
  • Vitamin A, D, E und Fett: Die fettlöslichen Vitamine A, D und E sollten mit einer kleinen Menge gesundem Fett eingenommen werden, wie es etwa in Nüssen, Olivenöl oder Avocados enthalten ist. (Achtung bei Avocados: Klimabilanz im Auge behalten!)

Welche Gegenanzeigen sollte ich kennen?

„Einige Vitamine und Kräuter können sich gegenseitig beeinflussen oder auch die Wirksamkeit anderer Medikamente beeinträchtigen„, warnt die Pharmazeutin Sherry Torkos. Darum ist es immer sinnvoll, mit deinem Arzt oder Apotheker über Präparate zu sprechen, die du einnehmen sollst oder einnehmen willst. Die folgenden Gegenanzeigen (Kontraindikationen) solltest du kennen:

  • Wenn du Blutverdünner nimmst, solltest du nichts schlucken, was das Blut weiter verdünnen kann, wie zum Beispiel Vitamin E, hochdosierte Omega-3-Fettsäuren und Gingko. Auch bei Vitamin K ist Vorsicht geboten, da es die Wirksamkeit bestimmter Medikamente beeinflussen kann.
  • Hast du vor, dich längere Zeit in der Sonne aufzuhalten, dann lasse die Finger von Johanniskrautextrakt, Niacin und Vitamin B3, da diese die Lichtempfindlichkeit erhöhen und zu sonnenbedingten Hautreaktionen wie Ausschlägen führen können.
  • Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung solltest du die Einnahme von Pro- und Präbiotika vermeiden, denn diese könnten deinen Darm mit Bakterien überschwemmen und deine Blähungen verschlimmern, erklärt Dr. Gerard Guillory, ein Integrativmediziner, der sich auf Reizdarmbeschwerden und das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom (leaky gut = löchriger Darm) spezialisiert hat.

Mythen rund um den Mond: Was ist dran?

Mythen Mond

In Vollmond-Nächten kann man sich dem Bann des Mondes kaum entziehen. Und das nicht nur als Romantiker: Auch für intensive Träume, Geburten oder Hundebisse soll die schöne Silberkugel verantwortlich sein. Aber was ist dran an den Mythen des Mondes?

Umstrittene Kräfte des Mondes

„Manchmal wird der Mann im Mond für seinen treuen Dienst belohnt“, sangen Anfang der 1990er-Jahre „Die Prinzen“ – und wenn man all den Gedichten, Mythen und Legenden rund um die mystisch glänzende Kugel Glauben schenken darf, dann hat das emsige Männlein tatsächlich ganz schön viel zu tun auf der Erde. Es beeinflusst angeblich den weiblichen Zyklus, das Wachstum von Haaren und Pflanzen, die Intensität der Libido, die Stabilität von Bauholz, Geburtenrate, Wundheilung, Aggressivität und außerdem – der Klassiker – unseren Schlaf. Jeder wird den ein oder anderen kennen, der schwört, der Vollmond störe regelmäßig seine Nachtruhe, und nein, das läge nicht an dessen Helligkeit, die Rollläden seien stets fest geschlossen. Laut Umfragen sind rund 40 Prozent aller Deutschen von Vollmond-Schlafstörungen betroffen. Grundsätzlich an die Kraft des Mondes glauben sogar 92 Prozent. Dann muss doch etwas dran sein. Oder?

Der Mond und das Wasser

Tatsächlich klingt das Ganze zunächst einmal schlüssig: Wenn der Erdtrabant ganze Meere bewegen kann (siehe Ebbe und Flut), warum dann nicht auch den Menschen, der bekanntlich zu 50 bis 80 Prozent aus Wasser besteht? Die Antwort ist so ernüchternd wie einleuchtend: Zwar hat der Mond wirklich besagten Einfluss, doch seine Gravitationskraft ist geradezu winzig. Es braucht schon gewaltige Wassermassen, damit sie erkennbar wird. Schon im Mittelmeer oder an der Ostsee lassen sich keine sichtbaren Gezeiten beobachten, geschweige denn an den meisten Seen der Welt. Auch beim Blick in die heimische Badewanne dürfte man kaum Auffälligkeiten entdecken. Die paar Liter, die wir in unseren Körpern herumschleppen, sind viel zu wenig, um einen nachweisbaren Effekt auszulösen.

Die fehlende Beweislage

Wie man es auch dreht und wendet: Es fehlen die objektiven Beweise für die magische Kraft des Mondes. Jeder Forschungsarbeit, die etwas Gegenteiliges herausgefunden haben will, konnte man im Nachhinein deutliche Schwächen nachweisen – etwa aufgrund des gewählten (zu kurzen) Zeitraums, der (zu kleinen) Anzahl der Teilnehmer oder der (zu ungenauen oder verfälschenden) Umstände. Die wohl umfangreichste Meta-Studie zum Thema hat 1996 das Forscher-Trio Ivan Kelly, James Rotton und Roger Culver verfasst. Ihr Fazit: „The moon was full – and nothing happened“, zu Deutsch: „Es war Vollmond und nichts ist passiert“.

Schlafprobleme bei Vollmond – was ist wirklich dran?

Natürlich hat man seither weiterhin nach Beweisen für die Kraft des Mondes gesucht: Was Millionen Menschen bewegt, muss doch einfach stimmen. 2013 schließlich ging wieder einmal ein Raunen durch die Medienlandschaft: Es stimme eben doch! Der Mond sei schuld! Die Schlafstudie, die für so viel Aufsehen sorgte, war die des Baseler Chronobiologen Christian Cajochen. Eigentlich sollte es darin gar nicht um den Mond gehen, umso überraschter war der Versuchsleiter – und umso glaubwürdiger wirkten seine Ergebnisse: Die 33 Probanden hatten während der Vollmondphasen tatsächlich im Schnitt 20 Minuten kürzer geschlafen, 5 Minuten länger zum Einschlafen gebraucht, die Tiefschlafphasen waren reduziert und der Melatoninspiegel vermindert. Dieses Hormon ist verantwortlich für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Alles klar? Nicht ganz – ein Jahr später ging die Diskussion in die nächste Runde, eine Studie des Max-Planck-Instituts widerlegte Cajochens Beobachtungen, andere Untersuchungen bestätigten sie.

Psychologe und Schlafexperte Rubin Naiman über einen traumlosen Schlaf als spirituelle Praxis.

Der Mond-Kalender

Ob man jemals einen endgültigen Beweis für oder gegen die Mondkraft-Theorien finden wird? Eher unwahrscheinlich. Was bleibt, sind die vielen Millionen Menschen, die an besagte Kräfte glauben: Hebammen, die von einer höheren Geburtenrate bei Vollmond überzeugt sind, obwohl keine Statistik das belegt. Langmähnige, die schwören, ihr Haar sei erst so kräftig gewachsen, seit sie ihre Friseurtermine nach dem Mondkalender richten, obwohl der Zusammenhang zwischen toten Hornfäden und dem Universum sich nicht logisch erschließen lässt. Es gibt Menschen, die ihren Diätplan oder wichtige Investitionen am Erdtrabanten orientieren. Und natürlich all diejenigen, die Mondwasser, Mondbrot, Mondseife, Mondratgeber oder andere Produkte kaufen, die zu bestimmten Mondphasen verarbeitet wurden und dadurch besondere Kräfte innehaben sollen. Kann so eine große Menge an Menschen wirklich irren? Man muss kein Atheist, Wissenschaftsfanatiker oder Kulturpessimist sein, um diese Frage zu bejahen. Ein Blick in die Geschichtsbücher reicht aus, um zu erkennen: Masse allein ist kein Beleg für Wahrheit, Weisheit oder Moral.

Die Mondgläubigkeit

Es gibt nachvollziehbare Erklärungen für das Phänomen der Mondgläubigkeit. Psychologen machen dafür im Wesentlichen drei Aspekte verantwortlich. Da wäre zum einen das Phänomen der sogenannten Sinnsucht. Menschen sehnen sich nach ordnenden Zusammenhängen, die ihnen das Chaos der Welt begreifbar machen. Etwas Außergewöhnliches ist geschehen? Kein Wunder, es war schließlich Vollmond! Solche Erklärungen beruhigen uns. Und verfestigen sich durch ständige Wiederholung und Überlieferung zu vermeintlich sicherem Wissen.

Wandelbare Wahrnehmung

Ähnlich verhält es sich mit der selektiven Wahrnehmung, die neben anderen Faktoren unsere Erinnerung formt. Die verhält sich nämlich, auch wenn wir das gerne glauben möchten, nicht wie ein Computer, auf dem eine einmal abgespeicherte Datei auch beim Öffnen nach Jahren noch denselben Inhalt hat. Im Gegenteil, sie formt und ändert sich stetig – mitunter so extrem, dass sie nichts mehr mit dem eigentlich Erlebten zu tun hat. Wir sortieren und formen uns die Welt, bis wir uns in ihr zurechtfinden. Die Male, in denen wir einen Zusammenhang zwischen den Mondphasen und unserem Leben erkannt haben wollen, merken wir uns besonders, gleichzeitig blenden wir die Momente aus, in denen wir keine Besonderheiten wahrnehmen konnten.

Alles nur Erwartungs-Haltung?

Der dritte Aspekt ist eine Folge der vorherigen beiden: Weil wir durch permanente Überlieferung und wegen der auf bestimmte Weise interpretierten Erlebnisse unseren Glauben verfestigen, kommt es zur berühmten selbsterfüllenden Prophezeiung: Wir fürchten beispielsweise, bei Vollmond schlechter zu schlafen und wälzen uns aus dieser Angst heraus dann tatsächlich im Bett.

Eine Magie für sich

So weit, so ernüchternd. Aber wäre es nicht doch irgendwie schön, wenn in unserer so durchanalysierten Welt noch ein wenig Magie übrig bliebe? Wenn der Mond – der in den meisten anderen Kulturen und Sprachen übrigens als weiblich gilt – tatsächlich Kräfte hätte, die über das logisch Fassbare hinausgehen? Womöglich stimmt eine philosophische Herangehensweise versöhnlich: Was ist schon die Wahrheit? Gibt es nicht vielmehr unzählige Wirklichkeitsebenen? Sind Vernunft, Objektivität und Statistiken immer und überall das Maß aller Dinge? Können Gefühle „falsch“ sein? Und wer bestimmt, was in diesem Zusammenhang falsch bedeutet? Ist es überhaupt grundsätzlich und immer wichtig, alle Phänomene mit überprüfbaren, allgemeingültigen Fakten zu belegen?

Ein Hoch auf die Unvernunft

Womöglich kommen diejenigen am weitesten, die sich weder komplett vom Verstand noch ausschließlich vom Gefühl leiten lassen. Die objektive Fakten wahrnehmen und anerkennen, ohne sich dem Unerklärbaren, „Unvernünftigen“ gänzlich zu verschließen. Ganz wie ein Schulmediziner, der sich im Bereich alternativer Heilmethoden weiterbildet und nach Abwägen aller Fürs und Widers mal zum einen, mal zum anderen Mittel greift. Vertrauen Sie Ihren Emotionen ebenso wie Ihrem Verstand und sorgen Sie dafür, dass beides in Balance bleibt. Bei akuten gesundheitlichen Beschwerden die passende Mondphase für die Operation abzuwarten, kann verdammt gefährlich sein. Der Erwerb von Produkten, der Sie finanziell ruiniert, ebenso. Doch wenn Ihnen das Wasser aus der Karaffe, die Sie nachts ins Mondlicht gestellt haben, guttut, gibt es keinen Grund, es nicht mehr zu trinken. Oder nehmen Sie den sogenannten Wunschmond, jene Nächte, in denen der Vollmond im Sternzeichen Stier, Löwe, Skorpion oder Wassermann steht und in denen die Erfüllung eines Wunsches als besonders wahrscheinlich gilt. Warum nicht mal versuchen, in diesen Nächten eine Bestellung ans Universum zu schicken? Möglich, dass wirklich „Zauberei“ im Spiel ist (zumal, wenn der Wunsch im Mondschein in ein fließendes Gewässer gespuckt wird). Vielleicht ist es auch „nur“ ein psychologischer Trick und Sie bringen durch die Konzentration auf Ihr Inneres die Erfüllung des Wunsches selbst auf den Weg – Hauptsache, Sie tanken Kraft aus diesem Ritual.

Der gute Glaube

Festzuhalten bleibt: Das Leben besteht nicht nur aus Logik. Was uns Halt gibt und guttut, bedarf nicht zwangsläufig einer vernünftigen Erklärung. Und so darf man das subjektive Empfinden durchaus über die Wissenschaft stellen, solange man sich nicht verrückt und abhängig macht. Denn ob es Ihr Glaube ist, der Berge versetzt, oder ob die silberne Himmelsgöttin beziehungsweise der Mann im Mond die Fäden zieht – was ändert das letztlich? Nichts. In Abwandlung des berühmten Erich-Fried-Zitats über die Liebe: Es ist, was es ist, sagt der Mond. Schlafen Sie gut heute Nacht – oder bleiben Sie noch ein bisschen länger wach, schauen Sie in den sommerlichen Nachthimmel und machen Sie sich Ihren eigenen Reim auf diesen großen Zauber.


Was sagt ihr dazu? Glaubt ihr an den Einfluss des Mondes oder habt ihr bestimmte Erfahrungen gemacht?

Die Meinungen gehen in Sachen Mond und Yoga auseinander: Spielt der Mond nun eine Rolle beim Üben – oder nicht?
Erfahre in dieser Podcast-Folge alles über den Rhythmus des Mondes

Pincha Mayurasana Variation: Die verbogene Feder

Pfauenfeder Yoga Jelena Lieberberg

„Bend, don’t break“ lautet das Motto bei dieser ziemlich fortgeschrittenen Variante der Pfauenfeder Pincha Mayurasana – aber träumen darf man ja!

Der Unterarmstand erlaubt uns, die Stärke unseres Rückens in zahlreichen Varianten zu erforschen, sei es indem wir die Beine ganz einfach grätschen, oder sie beim herausfordernden Skorpion beugen und hinter dem Körper absenken. Der Sanskrit-Name des Unterarmstands lautet Pincha Mayurasana, zu deutsch „Pfauenfeder“. Und genau wie den Schaft einer Feder oder einen Bambus kann man auch die Wirbelsäule biegen – nicht grenzenlos, aber langsam und vorsichtig doch ganz schön weit. Der sogenannte Tuck, die hier gezeigte Variante von Pincha Mayurasana mit zusammengefalteten Beinen ermöglicht eine noch tiefere Dehnung von Brustwirbelsäule und Schultern, ohne dabei aber die Lendenwirbelsäule zu beeinträchtigen.

Am besten tastest du dich an diese Haltung heran, indem du erst mal die Fußspitzen an die Wand legst. Dabei bleibt der Blick auch noch am Boden. Sobald ein freies Üben im Raum möglich ist, wird die Ausrichtung der Augen langsam vom Boden in den Raum geändert. Das verstärkt die Öffnung der Schultern noch mal und macht die Statik ausgewogener. Das Faszinierende ist: Irgendwann wird auch so eine intensive Haltung stabil. Dann kehrt Ruhe ein und die Asana bekommt – auch wenn es unwahrscheinlich klingt – etwas Meditatives.

Lies auch: Pfauenfeder de luxe

Macht das Spaß?

Allerdings! Mache die ersten Versuche am besten vor einer Wand, denn frei im Raum ist es anfangs kniffelig, die Form zu halten. Wer gewohnt ist, beim Unterarmstand die Handflächen aufzusetzen, anstatt wie hier gezeigt die Finger zu verschränken, kann das natürlich auch so üben.

Muss ich das können?

Auf keinen Fall! Diese Version von Pincha Mayurasana gehört zu den fortgeschrittenen Modifikationen. Voraussetzung ist, dass du den klassischen Unterarmstand sicher und stabil halten kannst.

Was muss ich dafür tun?

Sonnengrüße stellen ein leichtes Warm-up dar, wobei der Fokus auf dem Aufwärmen von Rücken und Schultern liegen sollte. Je mehr Rückbeugen wie Kobra, Updog & Co. du außerdem übst, desto leichter wird es dir fallen, in der kniffligen Balance die Kontrolle zu behalten.

Step by step in die Pfauenfeder-Variation gehen

1. Wir beginnen auf allen Vieren, optional vor einer Wand. Setze deine Ellenbogen an den Platz der Hände und stelle den Abstand zwischen ihnen nochmal genauer ein, indem du an die gegenüberliegenden Oberarme greifst. Dann lege die Unterarme ab, je nach Vorliebe entweder mit den Handflächen am Boden oder mit gefalteten Händen. Dabei lässt du eine Handbreit Abstand zwischen deinen Händen und der Wand.

2. Achte darauf, dass deine Ellenbogen ab jetzt nicht weiter auseinander gleiten. Richte den Blick zwischen deine Unterarme und hebe die Knie wie für den Delfin. Aktiviere bewusst die Schultern und richte den Rücken lang nach oben auf. Wenn du magst, komme dazu mit den Füßen etwas näher zu den Armen. Dann hebe zunächst ein Bein und kicke dann dynamisch, aber sachte nach oben in den Unterarmstand mit gestreckten Beinen.

3. Beuge nun langsam die Beine und ziehe sie dichter zum Körper in Richtung Tuck.
Falls du an der Wand übst, lege dabei die Zehenspitzen an die Wand. Schiebe dich
weiterhin kraftvoll aus den Schultern nach oben, wenn du nun langsam den Blick in Richtung Raum wendest. Belaste mehr die Hände und bewegen deinen oberen Rücken nach und nach in die Richtung deines Blicks. Dabei wird die Rückbeuge verstärkt und das Gesäß senkt sich langsam von alleine tiefer ab.

4. Halte die Position zu Beginn nur ganz kurz, mit der Zeit dann bis zu 20 Sekunden. Zum Auflösen der Haltung streckst du dich erst wieder lang und setzt dann die Füße einzeln ab. Wiederhole die Übung gerne 3 Mal. Dazwischen und danach komme in die Stellung des Kindes, entlaste Schultern und Rücken und genieße den öffnenden Effekt, der sich auch über das Körperliche hinaus spüren lässt.


Fragen oder Anregungen? Du findest mich auf instagram.com/kickassyoga, 
kickassyoga.net oder im Buch „KickAssAsanas“. Foto: Gordon Schirmer

Tipps für Meditationsanfänger: Entspannter im Alltag

Meditation Hörbücher

Regelmäßige Meditation sorgt dafür, dass du im Alltag ausgeglichener und glücklicher bist. Jedoch stellt sich die Frage: Wie fängst du überhaupt mit dem Meditieren an? Anfangs fällt es dir vielleicht schwer wirklich loszulassen und im Hier und Jetzt anzukommen. Deshalb haben wir ein paar Tipps für Meditationsanfänger.


Was ist Meditation?

Prinzipiell kann Meditation als eine Reihe von Konzentrations- und Achtsamkeitsübungen bezeichnet werden. Dabei versuchst du einen Zustand absoluter innerer Ruhe zu erreichen. Du richtest dich an dein Inneres und versuchst dich vom Außen zu lösen. Gerade für Anfänger ist es gar nicht so einfach, den Kopf auszuschalten. Zu viele Gedanken kommen und gehen und genau das dürfen sie auch. Verbiete dir nicht zu denken. Nimm die Gedanken an und lass sie ziehen. Je öfter du meditierst, desto einfacher wird es dir fallen, deinen Kopf langsam frei zu machen. Meditation braucht Übung.

Was sind die Vorteile der Meditation?

Eine regelmäßige Meditationspraxis bringt viele positive Aspekte mit sich – egal ob für Körper oder Geist. Mediation hilft dir dabei, mit Stress im Alltag besser klarzukommen. Du fühlst dich wacher, entspannter und spürst, wie die Energie durch deinen Körper fließt. Negative Gedanken und Ängste werden mithilfe von Meditation besser verarbeitet. Letztendlich fühlst du dich insgesamt besser. Körper und Geist erreichen einen Einklang, sie sind im Reinen.

Oft hören wir von Menschen, die sich gestresst fühlen und auf der Suche nach Entspannung sind, dass sie für Meditation keine Zeit haben. Dabei muss eine gute Meditation gar nicht immer viel Zeit in Anspruch nehmen. Dieses intensive Runterkommen schenkt dir sogar Zeit, denn mit Meditation vergeudest du deine Zeit nicht mehr mit Gedanken über Stress, Ängste oder Sorgen, die dich im Alltag belasten.

Wie kann ich meditieren lernen?

Wenn du nicht genau weißt, wie du am besten anfängst, versuche es zunächst mit einer geführten Meditation. Eine Sprecherin oder ein Sprecher und Entspannungsmusik helfen dir am Anfang, deine Gedanken loszulassen und dich vollständig auf den Körper zu konzentrieren. Audible bietet dabei einiges an Hörbüchern, die dir je nach persönlichem Geschmack beim Meditieren helfen können. Die Hörbücher helfen dir, dich auf das Thema einzulassen und die Meditation selbst praktisch umzusetzen.

Lies auch: 2 Meditationsformen für den einfach (Wieder-)Einstieg

Was braucht man für die Meditation?

Foto von Ivan Samkov von Pexels

Wenn du möchtest, kannst du dich während der Meditation auf eine Yogamatte, eine gefaltete Decke oder einen Bolster setzen. Es kann hilfreich sein, eine Ecke im Haus einzurichten, die ausschließlich der Meditation gewidmet ist. Hier schaltest du ab, platzierst deine Matte oder dein Kissen. Vielleicht willst du dir ein paar Kerzen anzünden und dir sogar einen kleinen Heimaltar einrichten. All das ist aber kein Muss. Wichtig ist zunächst, dass du dich in aller Ruhe der Meditation widmest. Schalte dein Telefon aus und stelle klar, dass du in den kommenden Minuten wirklich ungestört bist. Ob das nun auf der Yogamatte, im Bett, auf der Couch oder draußen im Garten passiert, ist erst einmal Nebensache. Hole dir auch gerne Hilfsmittel wie geführte Meditationen oder Entspannungsmusik, wenn du damit besser in die richtige Stimmung kommst.

Worauf muss man bei der Meditation achten?

Meditation braucht Zeit und funktioniert nicht von heute auf morgen. Stresse dich nicht damit, dass der Kopf nicht sofort „abschaltet“. Übe jeden Tag ein paar Minuten und steigere dich im Laufe der Zeit. Je mehr du investierst, desto mehr hast du von der täglichen Praxis. Wichtig ist, die richtige Sitzposition zu finden und diese während der gesamten Meditation beizubehalten. Der Schneidersitz, der Lotussitz oder der halbe Lotussitz eignen sich wunderbar. Sind diese Positionen aber aus irgendeinem Grund für dich unangenehm oder schmerzhaft, ist es auch in völlig in Ordnung, auf einem Stuhl zu sitzen oder dich mit geraden Beinen an der Wand anzulehnen. Unabhängig von der Sitzhaltung, ist es wichtig, eine aufrechte Körperhaltung beizubehalten: So ermöglichst du deinem Brustraum und deinem Herz sich zu öffnen. Dein Atem kann frei durch deinen Körper strömen.

Wann und wie lange sollte man meditieren?

Wann du meditierst ist im Grunde egal. Jedoch haben unterschiedliche Tageszeiten verschiedene Auswirkungen. Wenn du morgens meditierst, ist der Geist noch frisch und du kannst dich auf den bevorstehenden Tag fokussieren. Vielleicht nimmst du eine besondere Intention mit in den Tag, die du während der Meditation manifestieren kannst. Meditierst du am Abend, kannst du dich von einem vielleicht stressigen Tag lösen und entspannt ins Bett gehen. Es gibt keine festen Regeln, wichtig ist jedoch, dass du dir täglich die Zeit nimmst. Ob morgens, abends, mittags, ob 5 Minuten oder eine Stunde – auf die Regelmäßigkeit kommt es an. Setze dir zu Beginn eine feste Zeit, die du auf jeden Fall in der Meditation bleiben willst, und versuche das einzuhalten.

Sei gut zu dir!

Viele Menschen, die mit der Mediation beginnen, erwarten zu schnell zu viel von sich. Dabei müssen sich auch dein Körper und dein Geist langsam an ihre neue Aufgabe gewöhnen. Lasse dir Zeit. Schenke auch deinen (negativen) Gedanken den Raum, den sie benötigen und versuche nicht, sie um jeden Preis zu verdrängen. Vielleicht hilft dir die Vorstellung, dass deine Gedanken wie Wolken am Himmel kommen und gehen… Und irgendwann ist der Himmel blau. Es wird anfangs auch Momente geben, in denen du nicht abschalten kannst und keine innere Ruhe findest. Dann nimm auch das an und bedanke dich trotzdem bei dir, dass du dir diese Zeit für dich genommen hast. Meditation ist kein Leistungssport, sondern ein Weg zu dir.


In freundlicher Zusammenarbeit mit Audible // Foto von KoolShooters von Pexels

Yoga im Rollstuhl: Übungsstrecke mit Video

Yoga im Rollstuhl? Ja, das geht. Wie? Das zeigen die zwei Österreicher Lisa und Martin in dieser wunderbaren Übungsstrecke.

Lisa und Martin haben sich nach ihrer Studienzeit kennengelernt. Damals setzten sie sich beide für die Integration von Yoga an österreichischen Schulen ein. Während der anstrengenden Pandemie-Zeit eröffnete das Paar ein Yogastudio in Graz und meisterte einen großen Schicksalsschlag: Nach einem schweren Motorradunfall im Juni 2020 kehrte Martin – wie durch ein Wunder – bereits Ende des Jahres nach Hause zurück. Was dem jungen Paar in dieser Zeit half: Yoga und die Kraft der Hingabe und Liebe. Gemeinsam leiten sie nun ihr Studio, unterrichten Yoga und Meditation für Menschen aus allen Lebensabschnitten und spenden weiter Hoffnung, Mut und Vertrauen. Dass Yoga auch mit Handicap funktioniert zeigen Lisa und Martin in dieser Übungsstrecke. Einmal im Video und einmal Step by Step mit Bild und Text …

Übrigens: Lisa und Martin waren auch in unserem YogaWorld Podcast zu Gast und teilen hier ihre berührende Geschichte:

Sonnengruß am Stuhl oder im Rollstuhl

Falte die Hände vor deinem Herzen. Schließe sanft deine Augen und nimm ein paar ruhige und
tiefe Atemzüge. Spüre wie der Atem durch die Nase einströmt und bis zu deinem Nabel fließt und durch die Nase wieder ausfließt. Wenn dabei Gedanken auftreten, beobachte sie behutsam und lass sie wieder ziehen, wie Wolken am Himmel, angenehme oder unangenehme Gedanken lassen wir ohne Anhaftung oder Identifikation los.

Mit deiner nächsten Einatmung führe deine Arme gestreckt nach oben. Die Finger bleiben
geschlossen und die Ellbogen sind so gut es geht nahe an den Ohren. Halte hier für ein paar Sekunden den Atem an. Anschließend atme aus und senke deine Hände ab auf deine Oberschenkel.

Für die kleine Kobra drücke deine Ellbogen in deine Flanken und hebe das Kinn an. Der Blick ist leicht nach oben gerichtet. Überstrecke den Hals, so als ob du in ein Hohlkreuz gehen würdest. Fokussiere deinen Blick zwischen den Augen und verweile hier für ein paar Atemzüge.

Mit deiner kommenden Einatmung spanne deine Bauchmuskulatur an und drück dich von deinen Oberschenkeln ab, sodass du mit beiden Armen nach oben kommst und die Ellbogen nahe zu den Ohren gleiten lässt. Mit der nächsten Ausatmung bring die Hände wieder vor deinem Herzen zusammen

Mit einem leichten inneren oder äußeren Lächeln verweile in dieser Position für ein paar Augenblicke und spüre nach, wie sich dein Körper anfühlt. Es darf alles sein, jede Empfindung hat seine Berechtigung in diesem einen Moment. Nimm sie an und integriere sie in dein Sein und deinen Weg. Zum Abschluss des Sonnengrußes schließe deine Augen und denke bewusst an 3 Dinge, für die du heute dankbar bist. Natürlich kannst du den Sonnengruß am Stuhl oder im Rollstuhl sooft durchführen wie du möchtest.

Die Palme

Bring deine Hände vor dein Herzchakra. Atme tief ein und flechte die Finger ineinander, sodass die Handflächen nach außen zeigen und lass deine Arme nach oben fließen. Achte darauf, dass die Ellbogen so gut es geht bei den Ohren positioniert sind und die Handflächen zur Decke zeigen. Wenn du möchtest schließe hier deine Augen und halte den Atem für einige Sekunden an. Mit fortgeschrittener Praxis kannst du gerne die Dauer des Luftanhaltens, auch Kumbhaka genannt, verlängern. Atme in deiner Zeit sanft und ohne Druck aus, die Atmung soll leicht und ohne Druck fließen, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen. Atmung ist Leben und Leben ist Fluss. Jeder Atemzug ist für sich kostbar, ohne ihn kann keine darauffolgender stattfinden und das Rad des Lebens würde durchbrochen werden.

Seitliche Palme mit oder ohne Hilfe

Komm wieder in einer Palme an und senke deine gestreckten Arme soweit es geht seitlich ab. Spüre die Dehnung deiner Flanke und versuche Länge in deinen Armen bei zu behalten. Um noch tiefer zu gehen kannst du dein Handgelenk greifen, den Ellbogen beugen und mit der Hand zur Seite ziehen.

Falls du Unterstützung hast, kann die Person dir helfen ein wenig tiefer in die Asana zu sinken. Mit der nächsten Einatmung fließe nach oben und sinke zur anderen Seite ab. Nach einigen Atemzügen komm nach oben in deine Ausgangsposition mit deinen Händen vor dem Herzen.

Die Vorbeuge

Diese Asana kannst du mit Hilfe oder ohne praktizieren. Lass deine Finger hinter deinem Rücken ineinander gleiten und streck die Arme nach hinten oben. Dabei kannst du deinen Oberkörper leicht nach vorne beugen, um eine tiefere Dehnung deiner Brustmuskulatur und deiner Schultermuskeln zu generieren. Öffne deinen Brustkorb und deine Schultern, sodass Leichtigkeit in deinen Herzraum einkehren kann.

Dein*e Partner*in kann deine Hände sanft nach oben führen, um deinen Bewegungsradius zu erhöhen.

Lieblingsyogapraxis: Das Geschenk

Ein Zeichen der Liebe, Dankbarkeit und Wertschätzung füreinander zu setzen und in inniger Verbindung zueinander zu treten. Den anderen spüren zu lassen, wie kostbar und wertvoll er ist. Die Stirn aneinanderlegen und vertraut mit dem anderen zu ruhen. „Durch meine Verlobte Lisa wurde mir ein Geschenk gemacht, dass unbezahlbar ist und das meine Seele jeden Tag nährt und mir Kraft und Hoffnung spendet, auch und gerade in Zeiten, in denen ich selbst schon lange keine mehr in mir trug. Sie ist meine Sonne die viel Licht in mein Herz scheinen lässt und dafür danke ich ihr jeden Tag,“ erklärt Martin warum das Geschenk seine Lieblingsyogapraxis ist.

Kobra und hingeworfener Fisch

Nur wenn es dir möglich ist, setze dich aus deinem Rollstuhl auf den Boden und begib dich in Bauchlage. Komm mit deiner nächsten Einatmung in die Kobra und halte 10 Atemzüge. Mit deiner nächsten Ausatmung löse und spüre nach.

Nach der Rückbeuge komm weiter in den hingeworfenen Fisch: Das untere linke Bein bleibt gestreckt und das rechte Bein wird etwas mehr als 90 Grad abgewinkelt. Führe nun deinen linken Arm über den Kopf, sodass sich die Fingerspitzen beider Hände nach Möglichkeit berühren, lege deinen Kopf sanft auf deinen Handrücken ab. Verweile hier für einige Atemzüge und wechsle dann die Seite.

Stellung des Kindes zu zweit oder allein

Fließe in deinem Tempo mit deinem Gesäß nach hinten auf deine Fersen und lege deinen Oberkörper auf deinen Oberschenkeln ab, sodass du die Stirn auf der Matte ablegen kannst. Strecke nun die Arme nach vorne und lege die Handflächen auf der Matte ab. Vollkommene Hingabe in das Leben. Hingabe in den Augenblick. Und Loslassen von eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Durch die Praxis von Hingabe lernen wir das „so sein lassen“ des Lebens in unser Leben zu integrieren und nichts mehr gegen das zu haben, was ist. Auch wenn es immer wieder ein Versuch ist, so zählt der Wille sein Selbst in den Zyklus des Lebens einfließen zu lassen und als Puzzleteil des Universums Ganzheit zu erfahren. Dafür müssen wir Teile unseres alten Ichs loslassen und darauf vertrauen, aufgehoben und umsorgt zu sein von etwas Größerem.

Lies auch: Loslassen im Yoga

Abschluss-Meditation

Setze dich mit einer aufrechten Wirbelsäule auf die Matte und leg die Hände auf den Knien ab. Daumen und Zeigefinger zusammen. Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem und beobachte, wie er ein und ausströmt. Beobachte wie die Fließgeschwindigkeit beschaffen ist. Nimm wahr, ob du mit Druck oder leicht fließend atmest. Versuche deinen Atem nicht zu bewerten oder zu verändern, sondern nur zu beobachten. Auch wenn Gedanken und Gefühle auftreten, nimm sie wahr auf der Theaterbühne deines Verstandes und lass sie wieder gehen. Nach einigen Minuten lenke deine Aufmerksamkeit bewusst auf den Punkt zwischen deinen Augen und halte deine Konzentration dort für einige Minuten gebündelt. Wiederhole dabei die Silbe „OM“ im Kopf immer und immer wieder. Nach dieser Übung reibe die Handflächen vor deinem Herzen zusammen, sodass Wärme entsteht und lege sie dir anschließend auf die Augen. Namasté.

Affirmationen in Gedanken wiederholen

Natürlich kannst du auch heilsame Affirmationen in deine Yogapraxis einfließen lassen. Diese Affirmationen kannst du auch abseits der Matte immer wieder wiederholen. Besonders kraftvoll sind sie nach dem Aufwachen und vor dem zu Bett gehen:

  • Helles, weißes und heilendes Licht fließt entlang meiner Wirbelsäule.
  • Ich spüre, wie ich wieder gesund werde.
  • Mein Immunsystem wehrt krank machende Bakterien und Viren ab.
  • Ich liebe und achte meinen Körper, so wie er ist.
  • Ich vertraue in meine Selbstheilungskräfte.
  • Jede Zelle regeneriert sich.

Lisa, Martin und Nadi Shodana – ihre Yoga-Katze.

Mehr Infos zu Martin und Lisa, ihre Ausbildungen, Workshops und Vorträge findest du unter: yoga-and-more.at und auf instagram.com/lisahoerz

Text: Martin Matthias Weber & Lisa Christin Hoerz
Fotos: Nicole Jasmin Mueller