Das richtige Yoga Outfit finden

Outfit

Beim Packen der Yogatasche steht man oft vor dem Schrank. Was ist denn nun für die Yogastunde das richtige Outfit? Sitzen muss es, ganz klar! Nichts ist nerviger und hält mehr vom Wesentlichen ab, als ein rutschender Träger beim Top. Oder die ungeeignete Hose, die ständig zurechtgezogen werden muss. Der Wohlfühlfaktor ist entscheidend!

Die passende Kleidung ist also nicht ganz unwichtig beim Üben. Bequeme Sporthosen oder T-Shirts, die auch für Pilates oder zum Laufen geeignet sind, machen sich ebenso gut wie spezielle Yoga-Kleidung. Verschiedene Onlineshops bieten hier eine große Auswahl an Yoga- und Sportbekleidung. Wer Yoga erst mal ausprobieren möchte, muss sich nicht gleich eine komplette Yoga-Ausrüstung kaufen. Wichtig ist, dass du dich wohl fühlst, gut bewegen kannst, nichts kneift und nichts rutscht. Für alle, die dabei bleiben, ist es allerdings durchaus sinnvoll, sich nach und nach das eine oder andere Hilfsmittel zuzulegen.

Lesetipp: Hilfsmittel im Yoga – Notwendig? Und wenn ja wieviele?

Die verschiedenen Yoga-Stile können bei der Kleiderwahl ebenso eine entscheidende Rolle spielen wie der Übungsort. Für Yoga im Freien brauchen Yogis witterungsbedingt spezielle Kleidung. Aber auch Yoga-Stile wie Bikram Yoga, bei dem man durchaus ganz schön ins Schwitzen kommen kann, stellen an die Kleidung besondere Anforderungen. Sie sollte auf jeden Fall atmungsaktiv und schnelltrocknend sein.

Beim Iyengar Yoga etwa, das sich durch die genaue Ausrichtung in den jeweiligen Asanas auszeichnet, ist es von Vorteil, kurze Hosen zu tragen. So bekommen die Yogalehrer*innen einen guten Blick auf die Haltung der Übenden und können bei Bedarf einzelne Körperpartien entsprechend der Physis korrigieren. Ist der eigene Körper präzise ausgerichtet, fällt es sehr viel leichter, den Atem frei fließen und den Geist zur Ruhe kommen zu lassen.

Lesetipp: Consent Cards für Adjusments – du entscheidest über deinen Körper

Yin Yoga wiederum ist sehr passiv und passiert meistens im Sitzen oder Liegen. Dabei wird einem schnell kalt. Es lohnt sich also eine dickere Jogginghose. Und vielleicht sogar mal ein leichter Pulli oder Sweater.

Die Yogapraxis ist barfuß

Und noch ein nicht ganz unwichtiger Hinweis für komplette Neulinge: Yoga wird immer barfuß praktiziert. Schuhe sind also nicht nötig. Prüfe trotzdem vor der ersten Stunde kurz, ob du dich auch ohne Socken auf der Matte wohl fühlst. Inzwischen gibt es auch Zehensocken, die dir Yoga im Winter kuscheliger machen. Jetzt steht das Outfit! Dann steht der Konzentration aufs Innere nichts mehr im Wege.

Ganz egal, wofür sich Yogis entscheiden. Wichtig ist am Ende immer, dass die Kleidung atmungsaktiv und bequem ist und die Freude am Üben nicht auf der Strecke bleibt.

Videotipp: 30 Minuten Yoga für Anfänger


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Yoga gegen Stress und Depression

In schwierigen Lebensphasen kann Yoga eine besonders große Hilfe sein. Das hat auch Sandra erfahren, die durch jahrelangen Stress im Beruf komplett aus der Balance geriet. Achtsame Bewegungen, Atemübungen und Meditation halfen ihr aus der Krise – und ließen sie einen neuen Weg finden. Ihre Geschichte erzählt Sandra in einem Video des Bayerischen Rundfunks.

Im BR-Video erzählt Unternehmerin Sandra, wie sie auch mit Hilfe von Yoga ihre Depression in den Griff bekommen hat.

Wie lässt sich erklären, was Sandra erlebt hat? Warum hat Yoga eine heilsame Wirkung?

Die beiden Ärzte Imogen Dalmann und Martin Soder, Gründer des Berliner Yoga Zentrum, haben sich jahrzehntelang mit dem therapeutischen Nutzen von Yoga beschäftigt. Sie kennen die Forschung und die Praxis. Sie weisen darauf hin, dass unser Ich-Gefühl stark von unserem Körperempfinden getragen und beeinflusst wird. „Es wird sehr stark geprägt von bewussten und unbewussten Botschaften aus dem Bewegungssystem.“ Das bedeutet: Wer sich bewegt, erlebt sich. Spürt sich. Wird sich seiner selbst bewusst. Das gilt natürlich besonders für die achtsamen Bewegungen des Yoga: Wer Yoga macht, spürt seinen Körper und damit sich selbst. Das gibt Sicherheit.

Der Atem bringt dich zu dir

Pranayama, das Atmen, ist bei diesem Sichspüren von großer Bedeutung. Auf den Atem zu achten, ihn rhythmisch mit den Bewegungen zu verbinden, bringt den Übenden oder die Übende nah zu sich selbst. „Durch das Ausblenden der Umgebung und das Wahrnehmen der eigenen Atmung ist man mehr bei sich“, schreiben der Neurowissenschaftler Ulrich Ott und die Psychotherapeutin Janika Epe in ihrem Buch „Gesund durch Atmen„. Man nimmt dann deutlicher wahr, wie es einem geht, wie man sich fühlt. „Der Atem eröffnet den Zugang zu den Gefühlen in Ihnen“, erklären Ott und Epe.

Im Video zum Mitmachen: Atemtechniken für Fokus und Klarheit

Yoga gegen einseitige Beanspruchung

Dazu kommt die Wirkung der Übungen auf unseren Bewegungsapparat, dem das viele Sitzen und dauernde Nach-vorn-gebeugt-Sein nicht guttut. Die Asanas und ihre fließenden Verbindungen wirken einer einseitigen Beanspruchung unserer Muskeln entgegen. „Asanas verändern Bewegungsmuster, Körperhaltung, Beweglichkeit und muskuläre Leistungsfähigkeit. Sie helfen, die Gelenke zu bewegen, Muskeln und Bänder zu dehnen und den Stoffwechsel der Muskulatur zu aktivieren.“ (Imogen Dalmann und Martin Soder in „Heilkunst Yoga„) Und schließlich: Yoga lindert Stress. Auch das hat mit dem Atmen zu tun. Wenn die Atmung verlangsamt wird oder wenn die Ausatmung deutlich länger ist als die Einatmung, dann wirkt das beruhigend auf unser Nervensystem. Stress und Anspannung werden reduziert.

Atemtechniken für Fokus und Klarheit

Yogalehrerin Nora Kersten zeigt dir, wie du mit Hilfe dieser Atemtechniken mit mehr Energie, Fokus und Klarheit in den Tag startest. Beginnend mit verschiedenen Kapalabhati-Variationen gehst du unter Noras Anleitung über in Nadi Shodhana.

Die Pranayama-Einheit beginnt mit Kapalabhati in Wechselatmung und geht dann über in reines Kapalabhati: Mit dieser Übung stärkst du deine Lungen, reinigst deine Nadis (Energiebahnen) und massierst deine Bauchorgane. Kapalabhati ist auch eine wunderbare Vorbereitung für andere Atemübungen, wie die Wechselatmung Nadi Shodhana. Nora führt in diesem Pranayama-Video nicht nur die Atemübungen, sondern erklärt dir auch genau, was es mit den Übungen auf sich hat und wie sie in deinem Körper wirken.

Nimm dir ein wenig Zeit für diese Atemübung und erlaube dir Pausen zwischen den Pranayama-Einheiten: „Wenn wir unserem Körper die Chance geben ein wenig nachzuspüren, können wir auch die Wirkung besser wahrnehmen. Die Erfahrungen die unser Körper, unser Geist, unser Energiekörper macht, können wir so besser verarbeiten“, erklärt Nora.

Für deine tägliche Inspiration schau doch auch mal auf Noras Insta und Co. vorbei. Dort findest du auch aktuelle Infos zu ihren Live Streams und Online-Klassen.
Instagram: Yoga Nora
Facebook: Athletic Flow
Website: www.yoganora.ch

Flora Fink: Rezept für vegane Pizza und Haferflocken-Kekse

Flora Fink Regionalpizza grün-weiß

Yogalehrerin und Küchenfee Flora Fink hat ihren Backofen angeschmissen und für uns zwei superleckere Blechspeisen aus regionalen Zutaten gezaubert: grün-weiße vegane Pizza und Haflerflockenkekse, die uns an Verwöhntage bei Oma erinnern. Das Beste: Du kannst beide Gerichte gleichzeitig im Ofen backen und nach der herzhaften Pizza süße Nachtischkekse knabbern.

Rezept für vegane Pizza (mit regionalen Zutaten)

Ergibt 1 Blech.

  • Am Vorabend, wenn du daran denkst, sonst geht es auch ohne langes Einweichen: 1 Oma-Kaffeetasse oder cup (T) Sonnenblumenkerne mit Wasser bedeckt in den Kühlschrank stellen.
  • 3 T Mehl nach Wahl (eventuell Flüssigkeitsmenge anpassen) mit 1 Teelöffel Salz in einer Schüssel mischen, in der Mitte einen kleinen Krater formen.
  • Darin ½ Würfel frische Hefe in etwas lauwarmem Wasser auflösen, für ein paar Minuten abdecken
    und warten, bis sich Blasen gebildet haben.
  • Knapp 1 T lauwarmes Wasser zugeben, glattrühren, dann zu einem geschmeidigen Teig kneten (mit Mixer, Küchenmaschine oder Löffel und Händen), anschließend 30-60 Minuten abgedeckt ruhen lassen (am besten an einem warmen Ort, etwa nahe der Heizung).
  • Sonnenblumenkerne abgießen, mit wenig frischem Wasser zu einer dicken glatten Creme pürieren, mit Salz, gerne auch Muskat abschmecken.
  • Ein paar Handvoll Grün- oder Schwarzkohl vorbereiten (waschen, Stiele entfernen, trockenschütteln) und in feine Streifen schneiden.
  • Backofen auf 200 Grad vorheizen.
  • Den Teig auf ein vorbereitetes Backblech (mit Backpapier, -matte ausgelegt oder gefettet) geben, mit dem Nudelholz oder einer sauberen Flasche ausrollen oder mit den Händen ausstreichen.
  • Sonnenblumenkern-Creme auf dem Teig verteilen, darüber Kohlstreifen, gewürzt mit Salz, Pfeffer und Kümmel verteilen.
  • In den Ofen schieben und etwa 25 Minuten backen – die Backzeit ist abhängig vom Belag, deinem Ofen und anderen Launen.
  • Vor dem Genießen noch ein wenig Öl deiner Wahl darüber träufeln. Ein frischer Rohkost-Salat passt perfekt dazu.

Wann Flora ihre Liebe fürs Backen entdeckte und wie sie ihre Rezepte kreiert, erfährst du im Interview.

Varianten für die vegane Pizza

  • Trockenhefe: 1 Päckchen unter das Mehl mischen, mit Wasser zu einem Teig kneten, weiter wie beschrieben.
  • Weniger Hefe, längere Gehzeit – für bequeme BäckerInnen, wie mich: So ganz genau geht es nicht mit der Hefemenge und Gehzeit, zum Glück. So kannst du auch einfach die Menge reduzieren und den Teig dafür ein paar Stunden vor dem Backen ansetzen, dann darf auch das Kneten kürzer ausfallen.
  • Glutenfreier Polentaboden: Koche aus 2 T Polenta und 4 T Wasser, nach Geschmack gesalzen, in etwa 10 Minuten einen dicken Brei und streiche ihn auf ein Backblech, wo er etwas ruhen und fest werden darf. Dann im Ofen ein paar Minuten vorbacken, belegen und fertig backen.
  • Anderes Gemüse anstelle von Kohl – was immer du magst, nur nicht zu viel und zu nass.
  • Andere Gewürze – einfach experimentieren! Gerne auch Hefeflocken für käsigen Geschmack zugeben.
  • Cashewkerne anstelle von Sonnenblumenkernen – vielleicht etwas feiner im Geschmack, dann aber weniger regional.

Haferflockenkekse mit Marmeladenklecks

Flora Fink Haferflockenkekse mit Marmeladenklecks
Haferflockenkekse mit Lieblingsmarmelade

Ergibt etwa 12 Stück

  • Je ¼ Oma-Kaffeetasse oder cup (T) neutrales Öl (z.B. Bratöl), (Vollrohr-)Zucker und Wasser in einer Schüssel verrühren, bis der Zucker sich aufgelöst hat.
  • 1 T Mehl und ¼ T Haferflocken mit gut ½ Teelöffel Backpulver und 1 Prise Salz zugeben, alles glattrühren.
  • Mit Händen oder zwei Teelöffeln Kekse formen und auf ein vorbereitetes Backblech (mit Backpapier, -matte ausgelegt oder gefettet) geben, in die Mitte mit dem Daumen eine Vertiefung drücken, diese mit der Lieblingsmarmelade füllen.
  • Im auf etwa 180 Grad vorgeheizten Ofen ungefähr 18-20 Minuten backen

Varianten für Haferflockenkekse

  • Du kannst natürlich auch mehr oder (noch) weniger Zucker verwenden.
  • Du kannst mit verschiedenen Mehlsorten experimentieren: weißes oder Vollkornmehl, Weizen oder Dinkel oder auch Buchweizen (oder anderes glutenfreies Mehl – dann gerne etwas gemahlene Leinsamen oder Stärke zum Binden zugeben) – eventuell die Flüssigkeitsmenge anpassen.
  • Die Marmelade wählst du natürlich nach Geschmack – du kannst sie aber auch weglassen und stattdessen gehackte Schokolade oder Nüsse zum Teig geben.
  • Probier doch auch mal Floras schnelle vegane Kekse mit Schoko-Überzug.

Der Clou: Alles in einem Rutsch backen

Warum den Backofen zweimal anheizen? Du kannst wunderbar beide Rezepte auf einmal in den Ofen schieben. Vielleicht passt du dazu die Temperatur ein klein wenig an. Schiebe erst die vegane Pizza hinein und später die Kekse. Wenn die Kekse fertig aussehen und appetitlich gebräunt sind, raus damit. Keine Bange, je öfter du deinen Backofen benutzt, desto besser lernst du ihn kennen. Trau dich zu experimentieren.


Yogalehrerin Flora Fink

Flora Fink ist nicht nur Yin Yoga-Lehrerin und Ayurveda-Coach sondern auch leidenschaftliche Bäckerin. Für uns kreiert die Augsburgerin neue, vegane und himmlisch leckere Rezepte. Lust auf noch mehr kreative Rezeptideen? Dann folge Flora auf Instagram.

Sivananda Yoga: Style Guide

Sivananda Yoga

„Gesundheit ist Reichtum. Geistiger Frieden ist Glück. Yoga zeigt den Weg.“ Mit diesen Worten fasste Swami Vishnudevananda (1927-1993) seine über 30-jährige Arbeit zusammen. Dabei war es nie seine Absicht, einen Yogaweg mit der Bezeichnung „Sivananda Yoga“ zu schaffen. Dies ergab sich aus den westlichen Yogastilen. Sowie aus dem Namen „Sivananda Yoga Vedanta Zentren“. Der von ihm gegründeten weltweiten gemeinnützigen Organisation.

1957 begann Swami Vishnudevananda im Auftrag seines Meisters Swami Sivananda (1887-1963), die Welt zu bereisen. Die „5 Punkte des Yoga“. Yogaübungen, Atemschulung, Tiefenentspannung in Savasana, vegetarische Ernährung und positive Denkanstöße aus der Vedanta-Philosophie mit Einführung in die Meditation. Swami Vishnudevananda bezog sich auf diese Darstellung des klassischen 8-Stufen-Lehrsystems nach Patanjali. „Simplify to clarify“. Also Erklären durch Vereinfachung, war ein wichtiger Teil seiner Unterrichtsmethode.

Ruhe und Besinnung

Als ich 1978 zum ersten Mal ein Sivananda Yoga Zentrum betrat, lagen die Grundprinzipien in der Luft. Eine ruhige Atmosphäre, geprägt von Räucherwerk. Gemischt mit dem Duft von Gemüse. In der kleinen Küche lief ein vegetarischer Kochkurs. Eine Gruppe von Schülern kam aus der Asana-Stunde und unterhielt sich mit dem Lehrer. Neben der Umkleide war ein Meditationsraum. Aus diesem drang eine intensive Stille. In den nächsten Monaten verstand ich, dass in dieser spirituellen Oase eine echte Yoga-Community lebte. Deren Mitglieder praktizierten schon frühmorgens. Denn sie hatten gemeinsam ein großes Projekt. Das spirituelle Vakuum in der urbanen Gesellschaft zu füllen.

Diene, liebe, gib, reinige dich, meditiere und verwirkliche.

Swami Sivananda

Diese Lehren sind die spirituelle Kraft der Sivananda Yoga Zentren. Sie inspirieren weltweit spirituell Suchende zu einem Leben in Nächstenliebe und Einheit. 

Yoga-Energie der Einheit

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In kurzer Zeit lernte ich die klassische Praxisreihe mit zwei Atemübungen, Sonnengebet und zwölf Haupt-Asanas. Dabei wurde viel Wert auf einen Ausgleich von Stellung, Atmung und Entspannung gelegt. Außerdem flossen eine Vielzahl von Asana-Variationen mit ein. Zur „Drop-in“-Yogastunde ohne Voranmeldung kamen viele verschiedene Teilnehmer. Nach der Endentspannung endete der abschließende Mantragesang mit einem gemeinsamen „Om Shanti – Om Frieden“. Dann lag da mehr als nur individuelles Wohlbefinden in der Luft. Die Yoga-Energie hatte alle zusammengebracht.

In der Zentrumsbibliothek fand ich Dutzende von Swami Sivanandas Büchern, damals noch hauptsächlich auf Englisch. In einfacher Sprache wurden dort die vier klassischen Yogawege erklärt. Am meisten beeindruckte mich Swami Sivanandas Kommentar der Bhagavad Gita. Darin flossen die scheinbar so unterschiedlichen Yogawege in ein praktisches Rezept für den Alltag zusammen. Handeln mit Verantwortung. Aber durch die Verhaftungslosigkeit den Blick auf das unveränderliche Bewusstsein gerichtet halten.

Ein Weltenbürger

Swami Vishnudevananda stellte nie seine indische Herkunft in den Vordergrund. Er benutzte Elemente des Hinduismus, um die Tiefe des Bhakti Yoga besser zu vermitteln. Sanskrit-Ausdrücke wurden nur benutzt, wenn sie für das Verstehen der Vedanta-Philosphie nötig waren. Durch seine Reisen gelang es ihm, Menschen verschiedener Religionen in gemeinsamer Yoga- und Meditationspraxis zusammenzubringen. Dabei verschmolz der kulturelle Hintergrund des Einzelnen mit einer tieferen menschlichen Kultur.

Swami Vishnudevananda nahm kein Blatt vor den Mund. So hielt er der westlichen Lebensart den Spiegel vor. „A king size cigarette leads to king size cancer.“ „Der moderne Mensch stirbt mit 50 und wird mit 70 begraben.“ Gleichzeitig hatte er Respekt vor der Disziplin und Ernsthaftigkeit der westlichen Yogaschüler. In Indien forderte er seine Landsleute heraus. „Meint nicht, ihr hättet Yoga automatisch aus eurer Kultur geerbt. Seid ihr bereit, mit Yoga wirklich sein Leben zu ändern? So tun es jetzt immer mehr Menschen im Westen.“

Swami Sivananda (1887-1963)

  • Indischer Yogameister und Arzt
  • Intensives Studium und Praxis von Yoga und Meditation in Rishikesh, Himalaya
  • Gründung der „Divine Life Society“ in Rishikesh (Ashram, der sich zu einer weltbekannten Yoga-Institution entwickelte)
  • Veröffentlichung von über 200 Büchern zu allen Aspekten des Yoga
  • Ausbildung von Yogameistern, die dem klassischen Yoga weltweit zu hoher Anerkennung verholfen haben (z. B. Swami Vishnudevananda, Swami Chidananda, Swami Krishnananda, Swami Satchidananda, Swami Venkateshananda)
  • Gründung der „Yoga Vedanta Forest Academy“ in Rishikesh (Modell für die Yogalehrer-Ausbildung im Westen)
  • Persönliche Korrespondenz mit Yogaschülern auf der ganzen Welt

Yogalehrer für den Frieden

Aufgrund einer Vision entschloss sich Swami Vishnudevananda 1969, Yogalehrer als Friedensbotschafter auszubilden. Immer wieder betonte er: „Nur wenn man selbst die Kraft von Yoga als Mittel zum inneren Frieden erfährt und versteht. Dann kann man anderen helfen, dieses innere Potenzial freizusetzen.“ Neben der vierwöchigen Yogalehrer-Grundausbildung entstand in den siebziger Jahren eine fortgeschrittene Ausbildung. In den achtziger Jahren schließlich ein Sadhana-Intensivkurs. Hierbei übt man schrittweise bis zu neun Stunden täglich Pranayama und Asanas.

Der von Swami Vishnudevananda gepflanzte Samen der Yogalehrer-Friedensmission ist mit heute weltweit jährlich über 50 Ausbildungen. Diese Arbeit findet immer noch ausschließlich auf ehrenamtlicher Ebene statt. Dadurch findet Yoga in allen denkbaren Gesellschaftsschichten Akzeptanz. Wer Yoga sucht, kann Yoga finden. Wie weit er kommt, hängt vor allem davon ab, mit welcher Einstellung sein Lehrer ihm zur Seite steht. Und welches Beispiel er mit seiner persönlichen Praxis gibt.

Ein Beitrag zum friedlichen Mauerfall

Dazu eine Begebenheit, die ich bei einem der letzten Besuche Swami Vishnudevanandas in Deutschland miterlebte. Als 1989 die Mauer fiel, war Swami Vishnudevananda begeistert. Er war im September 1983 mit einem Drachensegler selbst von West- nach Ost-Berlin geflogen. „Überwindet menschengemachte Grenzen nicht mit Bomben und Gewehren. Sondern mit Blumen und Liebe.“ Eine Woche nach dem Mauerfall kam er nach Berlin. Denn er wollte den Präsidenten der DDR treffen. Der war gerade in einer Parlamentssitzung. Die Parteibürokraten teilten mit, dass ein Treffen mit Egon Krenz nicht möglich sei.

Was folgte, war eine meisterhafte Demonstration der Kraft von Ahimsa (Gewaltlosigkeit) und Satya (Wahrhaftigkeit). Swami Vishnudevananda setzte sich auf den Bürgersteig vor dem Palast der Republik und meditierte. Nach einer Weile sprachen ihn die Wachsoldaten an. Er sagte er ihnen, dass er auch dem Präsidenten „zur baldigen Wiedervereinigung gratulieren“ wolle. Nach längerem Warten erschien der Protokollsekretär der Regierung der DDR. Ihm übergab Swami Vishnudevananda eine signierte Kopie des „Großen illustrierten Yogabuches“. Er und fragte ihn, ob er das Buch dem Präsidenten überreichen würde. Der Protokollsekretär erwiderte einen diplomatisches „Ja“. Swami Vishnudevananda sah ihm daraufhin fest in die Augen: „Wirklich?“ Sein Gegenüber wurde nervös. Er versprach, die Friedensbotschaft zu übermitteln. Bald darauf fuhr der dunkelblaue Präsidenten-Volvo aus dem Tor. Egon Krenz ließ den Wagen halten. Swami ermutigte ihn, für den Frieden die Öffnung aufrechtzuerhalten.

Für manche klingt das vielleicht nur wie eine Anekdote. Aber es könnte als Leitfaden für die sich schnell verbreitende Yogabewegung im Westen dienen. Yoga für viele, Yoga für alle? Ja, aber dabei bleibt die Aufmerksamkeit immer auf den Einzelnen gerichtet. Nur so zeigt Yoga die enorme Kraft, mit der man die eigenen inneren und äußeren Einschränkungen überwindet.

„Nur wenn man selbst die Kraft von Yoga als Mittel zum inneren Frieden erfährt und versteht, kann man auch anderen helfen, mit Yoga dieses innere Potenzial freizusetzen.“

Swami Vishnudevananda

Swami Sivadasananda, Yoga-Acharya, ist langjähriger Schüler von Swami Vishnudevananda. Dem Gründer der weltweiten Sivananda Yoga Vedanta Zentren. Er unterrichtet seit über 30 Jahren in den Sivananda-Yogalehrerausbildungen weltweit. Außerdem ist er einer der Leiter der Internationalen Sivananda Yoga Vedanta Zentren. Mehr Infos zu den europäischen Zentren findest du unter: www.sivananda.eu

Beruhigende Meditation für Kinder

Auch Räuberkinder, Piratenzwerge, Drachenbezwinger und Kletteräffchen brauchen mal eine Pause – mit dieser wunderbaren Steinmeditation von Florian Sprater kommen auch die Kleinsten zur Ruhe. Aber seht selbst …

Florian Sprater ist krankenkassenzertifizierter Yoga- und Kinderyogalehrer sowie Kinderbuch- und Hörbuchautor. Dem Münchner liegt besonders am Herzen, dass Kinder einen Zugang zu Yoga und Meditation bekommen. Denn nicht nur Erwachsene, auch die Kleinsten brauchen dringend mehr Achtsamkeit in ihrem Alltag. Mit dieser Steinmeditation kommen unsere kleinen Wilden nach einem Tag voller Abenteuer zur Ruhe. Was ihr dafür braucht? Einen Stein und ein kuscheliges Plätzchen … und schon kann es los gehen.

Yoga gehört in die Schulen

Der Herzenswunsch von Florian Sprater ist es, Kinderyoga in Schulen zu einem festen Bestandteil des Lehrplans zu machen. „Jedes Schulkind sollte in den Genuss von Kinderyoga kommen, denn so pflanzen wir den Samen für eine bessere Welt. Meine Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass wir besonders den Kindern, die normalerweise nicht von ihren Eltern in einen Kinderyogakurs geschickt werden, die Möglichkeit geben sollten, in die Yogawelt hineinzuschnuppern.

Denn diese Kinder brauchen Yoga und Achtsamkeit besonders dringend. Aus diesem Grund bin ich dafür, dass Kinderyoga als „Pflichtprogramm“ für alle Schüler und Schülerinnen an die Schulen kommt – am besten bereits in der ersten Klasse und dann auch an der weiterführenden Schule. Aber ohne Notenpflicht, denn sonst wird aus dem Spaß an Yoga schnell Leistungsdruck und Wettbewerb. Und wenn dieses Angebot kostenfrei ist, können alle davon profitieren und nicht nur die, die es sich leisten können.“

Florian Sprater: „Kinder brauchen Achtsamkeit.“

Bevor Florian seine Berufung im Yoga fand, hat er übrigens jahrelang als internationaler Projektmanager in der Finanzbranche gearbeitet. Heute unterrichtet er neben Kinderyoga auch Yoga für Erwachsene und bietet Yoga@Work in Unternehmen an. Florian hat in Kooperation mit einer großen deutschen Krankenkasse ein Projekt für Kinder, Pädagogen und Lehrkräfte entwickelt, um Kinderyoga spielerisch und nachhaltig in den Alltag an Schulen und in Kindertagesstätten zu integrieren.


Mehr Infos zu Florian:
Web: www.govinda-yoga.de
Facebook: florian.sprater und GovindaYogaMuenchen
Instagram: florian.sprater

Einfach mal ausprobieren: Bei Giraffe, Elefant, Schlange und Löwe können sich die Kleinen austoben.

Aufmacherfoto: Foto von Sharon McCutcheon von Pexels

Vedische Astrologie: Wie Rāhu und Ketu die globale Entwicklung prägen

Vedische Astrologie Rahu und Ketu

Zweigeteilt und verbannt ans Firmament. Was für ein Schicksal für Rāhuketu, der dreiste Dämon, dem es gelang, den Göttern einige Tropfen Amrita abspenstig zu machen. Amrita, das ist nicht irgendein hipper Cocktail. Amrita ist der Nektar des Lebens. Die ultimative Essenz, mit deren Hilfe sich die Götter den entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Erzfeinden, den Dämonen, sichern wollten. So prägen die Dämonen Rāhu und Ketu in den kommenden anderhalb Jahren die globale Entwicklung.

Gerade als Amrita seine Lippen benetzte, war es um ihn geschehen. Seine Verkleidung flog auf und aus Rāhuketu wurden Rāhu und Ketu. Zweigeteilt durch Vishnus scharfen Diskus und dennoch unsterblich. Amrita sei Dank. Seither geistern Rāhu und Ketu unermüdlich durch den Zodiak (Tierkreis) und als Planeten durchs Vedische Horoskop. Wo immer sie sich aufhalten, verursachen sie Überraschungen der besonderen Art. Intensiv, unorthodox, irritierend.

Weltliche Bedürfnisse

Im Horoskop bilden Rāhu und Ketu eine Achse. Sie besiedeln immer zwei gegenüberliegende Sternbilder. Am 23. September sind beide einmal mehr weitergezogen. Rāhu ist in das Sternbild Stier und Ketu in Skorpion gewandert, wo sie nun eineinhalb Jahre, bis zum 12. April 2022, ihre Spuren hinterlassen werden.

Diese Spuren sind geprägt durch Eigenschaften, die nicht besonders yogisch anmuten. Dazu gehören Motivationen, wie Lust, Gier und Habsucht. Damit wir uns mit solchen ungewollten Attributen, die vielleicht tief versteckt auch in uns schlummern, besser arrangieren können, bezeichnen wir sie einfach als weltliche Bedürfnisse, in Abgrenzung zu spirituellen Bedürfnissen. Spielen Rāhu und Ketu uns Streiche, dann kommen diese weltlichen Themen aus ihrer Versenkung ans Tageslicht. Ohne dein komplettes Geburtshoroskop zu kennen, lässt sich keine Aussage darüber treffen, ob überhaupt und wenn ja, in welcher Weise Rāhu und Ketu für Dich mit Überraschungen aufwarten, während sie durch Skorpion und Stier wandern.

Let’s go global!

Anders verhält es sich mit einer globalen Perspektive. Der Globus hat kein Geburtshoroskop anzubieten. Daher nutzen wir in der Vedischen Astrologie unter anderem die langsam wandernden Planeten (Saturn, Rāhu & Ketu, Jupiter, Mars), um Aussagen über globale Entwicklungen zu treffen. Also los. Begeben wir uns mit Rāhu und Ketu auf die globale Ebene:

Rāhu befindet sich im Sternbild Stier. Stier indiziert z.B. Agrarwirtschaft und steht für Sturheit, unflexibles Verhalten und für Aggressivität bei Provokation. Rāhu ist in Stier debilitiert (im Fall), also schwach und damit noch unberechenbarer in seinem konfusen Verhalten. Wir können in der Zeit bis Frühjahr 2022 mit Skandalen (Rāhu) in der Agrarwirtschaft (Stier) rechnen. Gelder (Stier) versickern (Rāhu), Korruption (Rāhu) greift um sich. Ambitionen (Rāhu) konzentrieren sich auf Besitzstandswahrung (Stier). Reformen (Rāhu) werden gebremst (Stier). Innovationen (Rāhu) werden blockiert (Stier), da Rāhu schwach ist. Gen-Technologie (Rāhu) wird gegen Widerstände (Stier) weiter vorangetrieben. Zahlen und Statistiken (Stier) über die chemische Belastung (Rāhu) der Böden (Stier) werden manipuliert (Rāhu). Diese Tendenzen rufen die Umweltbewegung (Rāhu) auf den Plan. Aktivisten (Rāhu) fühlen sich provoziert und werden selbst provozieren. Aggression liegt in der Luft.

Ketu befindet sich im Sternbild Skorpion. Skorpion indiziert z.B. Ressourcen-Abbau und steht für Geheimnisse, Forschung und Manipulation. Ketu ist in Skorpion exaltiert (erhöht), also stark und kann daher viel bewirken: Die globale Suche nach Ressourcen (Skorpion) wird innovativ (Ketu) vorangetrieben. Alternative (Ketu) Verfahren zum Abbau der Vorkommen (Skorpion) werden entwickelt. Geheime Absprachen (Skorpion) unterlaufen (Ketu) bestehende Gesetze, Kartelle (Ketu) werden erfolgreich den Markt manipulieren. Auf der anderen Seite werden Protest-Organisationen (Ketu) genau diese Vergehen aufdecken (Skorpion). Gleichzeitig werden alternative (Ketu), ressourcenschonende Lösungen (Skorpion) erfolgreich weiterentwickelt.

Eigenwilligkeit wird zur Norm

Unser kleiner Trip mit den Dämonen zeigt uns, dass Rāhu und Ketu ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Zu den Zutaten gehört immer eine Portion selbstgerechte Eigenwilligkeit, die nicht den Dialog sucht, um Lösungen zu finden. Vielmehr geht es darum, Regeln zu brechen (Korruption, illegales Handeln) oder Missstände anzuprangern. Ist einer der beiden stark, so wie Rāhu in Skorpion, dann bekommt nicht nur Mauschelei und Bereicherung Vortrieb, sondern auch die gegenläufige Dynamik erhält Schwung und es wird innovativ und provokativ nach vorne gedacht.

Die letzten 1 ½ Jahre war Rāhu übrigens im Sternbild Zwilling und Ketu in Schütze unterwegs. Intensiv, unorthodox, irritierend. Zwilling steht unter anderem für Kommunikation und Schütze für idealistische Initiativen. Lass diesbezüglich die vergangenen 18 Monate nochmal Revue passieren. Denke an Politik, Gelbwesten, Salvini, Greta und anderes. Viele, viele Spuren!


Bernd Rößler widmet sich seit 2004 den vedischen Lehren, mit Schwerpunkt Astrologie (Jyotisha). Seit 2009 ist Bernd Rößler hauptberuflicher Astrologe. Neben seiner regen astrologischen Beratungspraxis für Menschen und Unternehmen quer durch die Gesellschaft, hält er Vorträge und gibt Workshops und Seminare in diversen Städten im In- und Ausland. www.bernd-roessler.com.

Mehr Infos:
www.sama-glueck-lernen.de
www.facebook.com/BerndRoesslerConsulting
www.instagram.com/bernd_roessler

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Playlist der Woche: Marcel Clementi

Marcel Clementi
Marcel Clementi

Die Playlist der Woche kommt heute von Yogalehrer Marcel Clementi. Für YOGA JOURNAL hat er all seine Lieblingslieder in eine Playlist gepackt. Diese laufen beim Unterrichten, aber auch wenn er selbst praktiziert. Sie eignen sich super für eine entspannte Stunde, wie zum Beispiel für einen Gentle Flow, Yin Yoga oder Deep Stretching.

Marcel Clementi: Yogalehrer aus Leidenschaft

„Mein Name ist Marcel Clementi und ich bin internationaler Yogalehrer, zurzeit wohnhaft in Tirol. Ich reise um die Welt, um meine Workshops, Events und Retreats zu veranstalten. Was ich an Yoga so sehr liebe, ist die Kombination aus Kraft, Flexibilität, Atem und Bewegung. Mehr über mich findest du auf Instagram @marcelclementiyoga. Dort teile ich mein tägliches Leben, meine Reisen mit Yoga, Tipps und Tricks für deine Praxis, leckere Rezepte und vieles mehr! Auf YouTube findest du auch kostenlose Yogastunden mit mir.“

Yoga und Musik gehören zusammen

Beim Yoga spielt Musik für ihn eine große Rolle. „Verschiedene Musikrichtungen lösen unterschiedliche Emotionen aus, welche man natürlich je nach Aufbau der Stunde wählen kann. Auch beim Meditieren hilft Musik sehr um konzentriert zu bleiben und entspannen zu können.“ Privat greift er jedoch lieber auf Podcasts zurück und nutzt die Zeit zum Lernen. „Außer beim Sport, da brauche ich laute Musik!“

Marcel’s Lieblings-Flow

Übrigens: Vielleicht willst du uns aber auch selbst mal deine Lieblings-Playlist zusammenstellen? Dann melde dich unter redaktion@yogajournal.de, auf Facebook oder Instagram bei uns. Wir freuen uns von dir zu hören. Mehr Playlists findest du hier.