Entdecke die Kraft der Frauenkreise

Frauenkreis

Überall auf der Welt kommen Frauen wieder im Kreis zusammen und erwachen in ihre weibliche Kraft. Warum die weibliche Gemeinschaft so wichtig ist und was genau im Frauenkreis passiert …

Dass wir im Kreise zusammenkommen ist natürlich kein Zufall. Der Kreis ist bei den Urvölkern die Grundlage für den Aufbau von Nomadenzelten und -lagern. Häuser, Felder, und Städteplanung der modernen Gesellschaft sind eher quadratisch angelegt. Der Kreis symbolisiert vieles: er steht für Einheit, das Vollkommene und somit das Göttliche. Als unendliche Linie ist er Symbol der Unendlichkeit. Wenn Menschen im Kreis zusammenkommen, drückt es für diese Gruppe in dem Moment Geschlossenheit und Ganzheit aus. Es schließt ein und grenzt aus. Ja! In der Tat schließen Frauenkreise Männer aus. 

Im Kreise unter Frauen

Warum nur Frauen? Das hat einen einfachen Grund. Wir wollen weibliche Qualitäten in der Gemeinschaft stärken. Egal in welchem Kulturkreis, traditionell gab es schon immer Phasen wo Frauen unter Frauen in regelmäßigen Abständen zusammen kamen – so wie Männer mit ihresgleichen auch. In vielen indianischen Traditionen, wie zum Beispiel der Lakota-Indianer, versammelten sich Frauen während ihrer Menstruation in Mondhütten – einem geschützten Ort des Rückzugs, um unter Frauen diese Zeit zu feiern und Visionen für den Stamm zu empfangen. 

Geschlechtertrennung stärkt

Doch auch hier in Europa, vor allem in den südlichen Ländern Europas ist das Sein unter seinesgleichen noch verbreitet. Wenn wir auf einen italienischen Dorfplatz schauen, sitzen die Männer oft auf der einen und die Frauen auf der anderen Seite; und nach getanem Tratsch und Austausch kommen Frau und Mann wieder zu Hause zusammen. Oft hören wir Beschwerden von Männern warum sie an unseren Treffen nicht teilnehmen dürfen. Erstens, es gibt Männerkreise, zweitens hat das Zusammenkommen mit dem gleichen Geschlecht nichts Trennendes, sondern etwas Stärkendes.

Erinnerung an die weibliche Kraft

Hierzulande kultiviert frau höchstens den Mädelsabend. Auch schön, übrigens! Im Frauenkreis geht es jedoch um mehr. Kathie Melua singt in ihrem Lied Perfect Circles „And even when I’m walking straight I always end up in a perfect circle“. „Selbst wenn ich geradeaus laufe, endet alles in einem perfekten Kreis.“ Das bringt es auf den Punkt! Frauen sind zyklische Wesen und sie können gar nicht anders! Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, es liegt uns im Blut. Wenn wir im Einklang sind, fällt es uns leichter mit den Zyklen zu leben. Alleine über unsere Verbindung mit unserer Menstruation, mit dem Mond und einem inhärenten zarten weiblichen Instinkt, der nah an der Natur ist, können wir (wieder) so viel lernen. Das ist nichts Neues – nur etwas, was in Vergessenheit geraten ist.

In diesem Artikel erklären wir, warum die Sehnsucht nach dem Ur-Weiblichen tief in uns steckt.

Frauenkreis

Frauen müssen einander unterstützen

Vielleicht sind viele deshalb müde, verloren und aufgerieben, fühlen sich zerrissen zwischen all den Rollen und den damit verbundenen Ansprüchen, die wir als Frau heutzutage vermeintlich erfüllen müssen. Denn in der linearen und funktionalen modernen Welt von höher, schneller, weiter hat das Annehmen von Kreisläufen und Rückzugsphasen wenig Platz. Genau das kultivieren Frauenkreise wieder! Das Annehmen. Den Zyklus. Den Kreislauf. 

Wir lernen uns wieder gegenseitig zu unterstützen – den Konkurrenzkampf abzulegen. Denn wenn eine Frau in ihre Kraft kommt hilft das dem großen Ganzen. Wenn eine Frau wieder in ihrem Licht scheint, gibt sie anderen Frauen die Erlaubnis dasselbe zu tun. Dazu gehört es Masken fallen zu lassen und sich verletzlich zu zeigen. Das geschieht weich und in einem sicheren Raum. Nichts wird gepusht (oder sollte nicht!) oder erwartet. Es geht um Vertrauen, Loslassen, chaotisches fließen lassen, annehmen. 

Die Magie der Weiblichkeit

Der meiste Zauber in einem Frauenkreis kann nicht geplant werden, er kann nur geschehen! Es geht um eine natürliche Rückverbindung mit der weiblichen Kraft. Dabei können viele Themen eine Rolle spielen: Geburt, Menstruation, Selbstliebe, Intimität, Intuition, Unabhängigkeit, Abgrenzung, Selbstwert und vieles mehr. Die Themen sind facettenreich. Es gibt genauso viele unterschiedliche Formen des Frauenkreises, wie es Frauen gibt. Ob Tanz, Singen Meditation, Kuscheln, Reden, Rituale. Jeder Kreis ist einzigartig. Es geht darum weibliche Qualitäten wieder zu leben, die das jahrtausendalte Patriachat in Vergessenheit gebracht hat. Wer anderes soll sich daran erinnern, wenn nicht wir Frauen?

Zurück zur Balance

Es geht nicht um Geschlechterkampf. Wie in unserem ersten Artikel bereits erwähnt, glauben wir fest daran, dass die Erde nur in Balance sein kann, wenn das Zusammenspiel zwischen weiblichen und männlichen Qualitäten im Einklang ist. Derzeit leben wir in einer Realität, in der männliche Qualitäten dominieren: Lineares Denken, Logik, alleiniges Vertrauen in die Wissenschaft, Erfolgs- und Konsumorientiertheit, sind nur einige Stichworte, die unsere Gesellschaft beschreiben. Wie immer geht es um Balance. Wenn ein Schiff erst mal zu weit auf eine Seite wankt, droht es zu kentern. So geht es mit unserem Planeten Erde auch. 

Frauenkreise – so wichtig wie nie

Genau deshalb sind die heutigen Frauenkreise von so großer Bedeutung. Oft wird die Befürchtung einer Überbetonung des Weiblichen – meistens von Männern – ausgesprochen. Dazu sagen wir nur: „Entspannt und freut Euch, Männer!“ Wenn Frauen wieder mehr in ihre weibliche Kraft kommen, kommen Männer auch wieder in die ihre. Das Ziel ist das große Ganze wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Lasst uns Katie Meluas Gesang folgen und alle gemeinsam in einem perfekten Kreis zusammen kommen. 

Dir ist noch nicht ganz klar was ein Frauenkreis ist? Da verhält es sich wie mit dem Yoga: am besten erfährst Du es selbst! 


Katrin Strohhäcker Yoga Retreat

Katrin Strohhäcker bietet neben ihren Vinyasa- und Yin-Yogastunden, Frauenkreise, Lomi Lomi Nui Massagen und spezielle Massagen für Frauen an. Des Weiteren bildet sie sich als Heilpraktikerin für Psychotherapie fort, um so ganzheitlich – auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene wirken zu können. Sie versteht sich als Begleitende, die Frauen auf ihrem individuellen Weg zu mehr Entspannung, Weiblichkeit und Freiheit unterstützt. In ihre Arbeit fließen ihre bisherigen Erfahrungen aus Yoga, Tantra, Taoismus, altem Wissen, sowie viel Begeisterung, Mitgefühl und Liebe ein. www.shakti.yoga

Veronika Hausberger Yoga Retreat

Veronika Hausberger unterrichtet Yoga und Pranayama auf Deutsch und Französisch in München. In der Essenz geht es ihr um Bewegung – körperliche und geistige! Als angehende Heilpraktikerin für Psychotherapie begleitet sie Menschen und geht selbst den Weg zu mehr Freiheit, Frieden und Zufriedenheit. Sie ist ausgebildet in Intrapsychischer Systemarbeit (IPS) sowie der intensiven Rebirthing Atemmethode. Sie vertieft ihr Wirken durch kreativen Tanz, Trance Dance und Ahnenarbeit.

Vero und Katrin lernten sich beim Yoga kennen. Beide gehen seit 2015 gemeinsam den Weg der weiblichen spirituellen Praxis. Zusammen möchten sie Frauen durch Frauenkreise und Yoga Retreats an ihre zyklische Natur erinnern und sie dabei unterstützen sich mit ihrer Shakti-Kraft zu verbinden.

Jessamyn Stanley: Keine Lust auf patriarchale Beauty-Standards

Jessamyn Stanley
Jessamyn Stanley ist Yogalehrerin. Was am meisten zählt, ist und bleibt die persönliche Praxis – Tag für Tag seit 7 Jahren.

Ein Yoga, das zum Konsumartikel für dünne, weiße Akademikerinnen verkommt? Jessamyn Stanley hat es so satt! Wortgewandt und charismatisch verkündet die Yogalehrerin und spirituelle Vordenkerin, dass Yoga für alle ist – und zeigt uns selbstbewusst, wie sie das meint.

Nenne Jessamyn Stanley bitte nicht Yogini! Das ist der selbstbewussten 31-Jährigen sehr wichtig und sie ist allen dankbar, die diese Bitte berücksichtigen. Auch mir macht sie das bei unserer ersten Begegnung gleich klar – obwohl es noch etwas dauern wird, bevor sie mir erklärt, warum das so wichtig ist. Schließlich ist die US-Amerikanerin aus North Carolina seit einiger Zeit eine Frontfrau der amerikanischen Yogaszene, also theoretisch sehr wohl eine Yogini. Aber Jessamyn kämpft mit den Folgen ihrer wachsenden Bekanntheit. Sie hat sich noch nicht recht daran gewöhnt, dass Leute sie plötzlich im Bioladen, am Flughafen, auf Ämtern oder auch einfach auf der Straße ansprechen. „Sind Sie nicht diese Yogalehrerin aus der Tampon-Werbung?“, heißt es oft, seit sie als Testimonial für einen amerikanischen Menstruationsartikel-Hersteller auftrat.

„Hey, bist du nicht diese Yogini von Instagram?“

Manchmal fühlt sie sich davon nicht nur überrumpelt, sondern fast etwas erdrückt. Zwar postet sie fleißig und teilt gerne auch Fotos, auf denen sie in Unterwäsche komplizierte Asanas zeigt, trotzdem spürt sie eine gewisse Zerrissenheit zwischen den Ego-Streicheleinheiten, die Social Media mit sich bringt, und dem Yoga-Lifestyle, den sie eigentlich versucht zu leben. Denn der passt so gar nicht zusammen mit der fast schon hysterischen Bewunderung, die ihr zuweilen entgegenschlägt.

Jessamyn scheut kein Tabu

Jessamyn Yoga
Diese Frau hat die Kraft, die Yogaweltauf den Kopf zu stellen – und dabei geht es um sehr viel mehr als Body-Positivity.

Innerhalb weniger Jahre hat Jessamyn jede Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das Forbes Magazine berichtete über sie, USA Today, Brigitte und natürlich auch Yoga-Zeitschriften und Webseiten wie diese. 2018 ist sie sogar zur Yogaexpertin der New York Times avanciert. Derzeit nimmt sie die zweite Staffel ihres Podcast „Jessamyn Stanley Explains It All“ auf, außerdem plant sie eine Web-Serie, in der sie tabubehaftete gesellschaftliche und politische Themen aufgreifen will, darunter etwa die Legalisierung von Marihuana oder die Nachteile der Monogamie. Ihr erster Gast wird die Yogalehrerin Dana Falsetti sein, die wie Jessamyn Stanley selbst in der Body-Positivity-Bewegung aktiv ist.

Eine dicke, schwarze Frau, die Asanas zeigt?

Dass ihr so viel Aufmerksamkeit zuteil wird, wundert diesen energiegeladenen neuen Stern am Yoga-Himmel inzwischen überhaupt nicht mehr: Eine dicke, schwarze Frau, die Asanas zeigt? Das gibt einfach ein allzu ungewohntes, wenn nicht gar schockierendes Bild ab. Besonders in den USA, wo Yoga, so drückt sie es selbst aus, „tief verwurzelt ist in der weißen Oberschicht“. Wobei es in Deutschland und überhaupt in Westeuropa kaum anders aussieht. Unverblümt kritisiert Stanley die weit verbreitete westliche Form von Yoga, den damit verbundenen Druck und das Body-Shaming, denen, wie sie es nennt, „patriarchale, an Weißen orientierte Beauty-Standards“ zugrunde liegen.

Medialer Kreuzzug: Yoga für jeden Körper

Sich selbst bezeichnet sie konsequent nicht etwa als „kurvig“ oder „plus-size“, sondern als „fett“. Zum Beispiel in ihrem 2017 erschienenen Buch „Every Body Yoga“ oder auf ihrem Instagram-Account, wo sie vor einiger Zeit bekannte: „Es ist seltsam, plötzlich das fette Kind zu sein, mit dem sich die dünnen Kinder anfreunden wollen.“ Indem sie sich das Wort „fett“ zu eigen macht, nimmt sie es denen weg, die andere damit beschämen wollen. Unerschrocken und im wahrsten Sinn mit vollem Körpereinsatz zieht sie in einen medialen Kreuzzug. Ihr Ziel: die üblichen Erwartungen an einen „Yogakörper“ auf den Kopf zu stellen und damit Menschen Mut zu machen, die sich normalerweise nicht als Teil des Yogakosmos sehen würden.

„Oh, Yoga ist auch was für Dicke?!“

Yogalehrerin Jessamyn Stanley
Jessamyn Stanleys Körper zieren inspirierende Zitate, darunter das ihres Idols, der taub-blinden US-Autorin Helen Keller: „Das, was ich suche, ist nicht da draußen, sondern in mir.“

Aber natürlich hat Jessamyn Stanley ihren Instagram-Account nicht gestartet, um das Aushängeschild einer „Yoga für Fette“-Bewegung zu werden. Sie war schlicht auf der Suche nach Feedback für ihre Yogapraxis, mit der sie 2011 begonnen hatte. Wie viele andere Yoganeulinge fühlte auch sie sich nie wirklich wohl in den typischen Kursen. Meistens verdrückte sie sich in die hinterste Ecke und wünschte sich, unsichtbar zu sein. Genau das Gegenteil von dem, wofür sie heute steht! Damals hatte sie gerade ein Kunstmanagement-Studium beendet, war unsicher und fühlte sich irgendwie verloren. Yoga tat gut, vor allem nachdem sie beschloss, den Studios den Rücken zu kehren und innerhalb ihrer eigenen vier Wände weiterzuüben. Dabei nutzte sie die US-Ausgaben des YOGA JOURNALs sowie Internet-Kurse von Kathryn Budig und Amy Ippoliti. Ihre Fortschritte dokumentierte sie online, in der Hoffnung auf Hilfestellungen und Anregungen. „Allerdings bekam ich kaum echtes Feedback. Vielmehr kommentierten die Leute immer wieder: ‚Oh mein Gott, ich wusste gar nicht, dass Yoga auch was für Dicke ist!‘ Mich wunderte das anfangs, denn warum sollte es das denn nicht sein? Dicke machen schließlich die ganze Zeit irgendwelche Dinge, die auch Dünne tun!“

Menschen wollen echte Vorbilder

So erkannte Stanley langsam die Chance, der Welt ihre Vorstellung von „echtem Yoga“ mitteilen zu können – mitsamt den Narben, den Unsicherheiten und allem Drum und Dran. Im März 2015 absolvierte sie eine 200-Stunden-Ausbildung zur Yogalehrerin in Asheville, North Carolina. Zuvor hatte das People Magazine einen großen Bericht über die, wie sie sich selbst nennt, „fat femme“ (in etwa: „dicke, feminine Lesbe“) veröffentlicht. Darin sprach Jessamyn unter anderem darüber, wie sie das Geld für ihr Teacher Training über Crowdfunding generieren wollte. „Ganz offensichtlich braucht es jemanden wie mich“, argumentierte sie, „die Leute lechzen nach einer Lehrerin, die aussieht wie sie – oder zumindest nicht so aussieht wie alle anderen.“

Jessamyn wollte nie Yogalehrerin werden

Der Erfolg gab ihr schnell Recht. Doch während wir so bei Churros und Latte in ihrer Wohnung in Durham sitzen, wo sie mit ihrer Partnerin und drei Katzen wohnt, erzählt sie mir, dass sie ursprünglich nie Yogalehrerin werden wollte. „Viele Leute haben mich gebeten, es zu tun – aber ich habe lange nicht verstanden, warum ausgerechnet ich die sein sollte, die unterrichtet.“ Stattdessen empfahl sie ihren Fans Lehrer, mit denen sie selbst gute Erfahrungen gemacht hatte. Erst als ihr Vater, der ihre Yoga-Ambitionen zunächst mit Skepsis betrachtet hatte, ihr anbot, bei der Finanzierung der Ausbildung zu helfen, nahm sie sich selbst endlich ernst. „Meine Eltern haben 3000 Dollar nicht einfach so herumliegen“, erklärt sie. „Dass mein Papa so einfühlsam war und merkte, wie wichtig es für mich war, gab mir irgendwie das Gefühl, dass da höhere Mächte im Spiel sind und es einfach so sein sollte.“

Übrigens: Auch Tao Porchon-Lynch mischte die Yogaszene auf. Mit 101 Jahren war sie die älteste Yogalehrerin der Welt. Freund und Fotograf Robert Sturman erinnert sich in Bildern.

Weniger eine Karriere als eine Mission

Laut Jessamyn lässt sich ihr Leben ziemlich gut einteilen in eine Zeit vor der Lehrerausbildung und eine danach: „Während der Ausbildung hatte ich einige Erlebnisse, die meiner Seele sozusagen geholfen haben, auszubrechen und sich zu befreien. Plötzlich bemerkte ich, wie viel ich verdrängt hatte, und dass Unterrichten für mich der Weg war, Yoga wirklich zu leben und so viel Licht wie möglich dorthin zu bringen, wo die Welt noch dunkel, hässlich und kompliziert ist – und das kann natürlich abfärben auf die Leute, die dort leben. Darum geht es beim Unterrichten nämlich wirklich für mich: Es ist weniger eine Karriere als eine Mission. Ein ‚Call to Action‘ sozusagen. Etwas, das dem Leben Sinn gibt.“

Auch Yogastar Kathryn Budig ist von Jessamyn begeistert

„Als ich mit der Ausbildung fertig war, hatte ich das Gefühl: ‚Okay, nun ist es an der Zeit, dass ich die Leute erreiche, die mich darum gebeten haben, sie zu erreichen.'“ Und das tut sie! Fast jedes Wochenende ist Jessamyn Stanley auf Achse, um dort zu lehren, wo man sie ruft, wo Schüler hungrig sind nach ihrer Spontaneität, Ehrlichkeit und ihrem frechen Unterrichtsstil. „Sie hat eine unglaublich authentische, erfrischende und witzige Art, die ich sehr an ihr bewundere“, lobt Yogastar Kathryn Budig. „Ich glaube, wir erreichen langsam ein Zeitalter, in dem Menschen weniger Plattitüden hören wollen und sich stattdessen Ehrlichkeit wünschen. Und Jessamyn verkündet ihre Botschaften schnörkellos und pur.“

„Yoga ist für alle!“

Yoga für Dicke
Mit ihren Texten und Podcasts erreicht Jessamyn Menschen, die noch nie einen Fuß ins Yogastudio gesetzt haben.

Jessamyn Stanleys Hauptziel ist es, dass mehr Menschen mit den unterschiedlichsten Körpern sich in Yogaklassen trauen – auch die, denen bislang vielleicht gar nicht bewusst war, wie gut ihnen Yoga tun würde. Dafür müssten wir nur alle endlich begreifen und leben, was Yoga eigentlich im Kern ausmacht. „So viele wagen sich bislang nicht in Yogakurse, weil sie darin die einzige Schwarze sind, der einzige Mann, die größte oder dickste Frau, der einzige Hauptschüler oder was auch immer. Das gibt ihnen das Gefühl, nicht dazuzugehören, und das ist so traurig, denn Yoga ist für alle!“

Mittlerweile ist auch Stanleys App „The Underbelly“ auf den Markt. Damit will sie ihre Yogaklassen für alle zugänglich machen, die über ein Smartphone oder einen Computer verfügen. Ihr ist klar, dass auch der Kauf einer App schon ein gewisses Privileg darstellt, doch sie bekennt: „Auch ich habe natürlich Rechnungen zu zahlen.“

Mehr Sein als Schein

An unserem letzten gemeinsamen Tag frage ich sie nach den Tattoos, die ihre Arme zieren. Eines davon ist das Staatsmotto von North Carolina: „Esse quam videri“, ein lateinischer Spruch, der so viel heißt wie „Mehr Sein als Schein“. Das Motto drückt genau das aus, wofür sie steht. Sage Rountree, die Mitinhaberin der Carolina Yoga Company, an der Jessamyn Stanley eine Weile unterrichtet hat, bringt es auf den Punkt: „Ihr geht es nicht darum, wie jemand oder etwas aussieht oder darum, sich in die fotogenste Pose zu werfen. Sie will wirklich echt sein und nicht ein makelloses Bild entwerfen, das möglichst echt wirkt.“

Und genau das ist auch der Grund, warum Stanley nicht gerne Yogini genannt wird. Echte Yogis und Yoginis, so ihre Überzeugung, leben in einem permanenten Zustand der Losgelöstheit – von materiellem Besitz, Sorgen, Vorurteilen. Nichts, was sie mit sich selbst in Verbindung bringt: „Es wäre vermessen und wirklich seltsam, würde ich behaupten, dass ich einen Weg gefunden habe, mich von solchen Bindungen zu lösen“, gibt sie zu. Aber hey – sie arbeitet daran!

Mehr Info: jessamynstanley.com


Die Autorin: Lindsay Tucker ist Redakteurin bei der US-Ausgabe des YOGA JOURNAL, doch sie schreibt auch für Hochglanzmagazine wie Glamour und Allure – Jessamyn hätte auch darin einen Platz.

Yoga Vorher Nachher: Was das Üben mit dir macht

Yoga Vorher Nachher
Fotos: Felix Krammer

Natürlich bewirkt Yoga mehr als entspannte Gesichtszüge, frische Haut und strahlende Augen. Dennoch ist der Yoga-Vorher-Nachher-Effekt bei einer Yogasession frappierend: Zu diesem besonderen Leuchten liefert der Fotograf und Yogalehrer Felix Krammer einige An- und Einblicke.

  • Yoga vorher nachher
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  • Was Yoga bewirkt
  • Yoga vorher nachher
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  • So wirkt die Yogapraxis
  • So wirkt die Yogapraxis
  • So wirkt die Yogapraxis

Yoga Vorher Nachher – Fotograf Felix Krammer im Interview

Felix, du hast fünf Yogaschüler vor und nach deiner Yogastunde fotografiert. Als Lehrer weißt du, was in der Stunde passiert ist, als Fotograf dokumentierst du die Wirkung. Worin besteht die „Verwandlung“?

Durch die Asanapraxis kommen wir wieder mit unserem Körper in Kontakt. Es entsteht Wärme, Spannungen lösen sich, wir spüren unsere Energie und reichern sie gleichzeitig an. Die gleichmäßige und tiefe Atmung hilft, noch mehr im Jetzt zu sein. Unsere Gedanken kommen zur Ruhe, der ganze Körper entspannt. Das macht uns gelassener, freudvoller und auch sanfter.

Kann man es wirklich fotografisch festhalten – das Gefühl „danach“?

Ich glaube schon. Bei einer Fotografie ist immer primär das Gefühl sichtbar, das zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme im Raum oder zwischen Fotograf und der zu fotografierenden Person vorhanden war. Es entscheidet darüber, ob ein Bild gefällt, oder besser gesagt berührt.

Wie war es, bei dieser Session zwischen deinen Rollen zu wechseln?

Als Fotograf habe ich mich heute nicht in der Rolle gesehen, ein schönes, themengerechtes Bild zu machen oder eine bestimmte Charaktereigenschaft herauszuarbeiten. Es ging mir um Momentaufnahmen: Hinstellen, scharf stellen, auslösen. Mein Fokus lag darauf, eine runde Yogastunde zu unterrichten, um dann das sichtbare Ergebnis fotografisch festzuhalten zu können.

Wie unterscheidet sich der Blick auf die Schüler, wenn du unterrichtest?

Sowohl beim Unterrichten als auch beim Fotografieren brauche ich ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und einen Blick, der in die Tiefe geht – nur so kann Verbindung entstehen. In beiden Situationen versuche ich, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, damit sich Anspannung lösen kann. Klarheit und Verbindung sind in beiden Fällen wichtig.

Was hältst du von der gängigen Yoga-Ästhetik in Medien wie Instagram?

Als Yogalehrer sehe ich es kritisch, wenn es nur um Asana-Gepose an tollen Orten geht oder um die Gleichung Handstand = Fortschritt im Yoga. Doch wenn ich als Fotograf erkenne, dass Emotion, Bild und Botschaft übereinstimmen und dass sie zeigen, was Yoga bewirkt, dann kann das Teilen dieser Erfahrung über Social Media beides zusammenbringen und wunderbar ergänzen.


Felix Krammer lebt in München und arbeitet als professioneller Fotograf in den Bereichen Beauty, Fashion, Portrait, Yoga und Werbung. Als Yogalehrer unterrichtet er unter anderem bei Patrick Broome Yoga, wo auch die Fotos für diesen Artikel entstanden. Mehr zu Felix unter: www.felix-krammer.de oder auf seinem Instagram-Account: felix.krammer.photography

Yoga Nidra: Wirkung auf Körper und Geist

Yoga Nidra Wirkung
Yoga Nidra Wirkung

Stress, besserer Schlaf, ein tieferer Zugang zu deinen Gefühlen: Diese vier Wirkungen von Yoga Nidra helfen dabei, dir in hektischen, zerstreuten Zeiten neues Leben einzuhauchen.

Text: Eric Bennewitz / Titelbild: Shutterstock


Wörtlich übersetzt bedeutet der Sanskrit-Begriff Yoga Nidra „Yoga-Schlaf“. Dabei handelt es sich um eine geführte Meditation im Liegen, bei der im Lauf verschiedener Stadien Körper und Geist in eine immer tiefere Entspannung geführt werden. Der Geist soll dabei ganz wach bleiben und eine voll bewusste Ruhe erreichen. Im Verlauf des systematischen Ablaufs einer Yoga-Nidra-Praxis kommen verschiedene Atem-, Entspannungs- und Visualisierungstechniken zum Einsatz, die je nach Lehrer und Vorerfahrungen etwas verschieden sein können. Häufig wird auch ein Vorsatz (Sankalpa) in den tieferen Schichten des Bewusstseins verankert, von wo aus er eine erstaunliche Wirksamkeit entfalten kann. Yoga Nidra geht – wie viele andere yogische Techniken – auf Überlieferungen des Tantra zurück und wurde von Swami Satyananda Saraswati ins moderne Yoga eingeführt.

Mehr zur Bedeutung von Yoga Nidra erklärt Eric Bennewitz in „Yoga Nidra: Ins Sein hinein entspannen„

Stress an der Wurzel lösen

Stress wird ausgelöst durch Gedanken, körperliche Einflüsse und durch die Umgebung. Weißt du noch, was heute früh beim Aufwachen dein erster Gedanke war? War er eher negativ, dann hat er vielleicht den Grundton gesetzt für den gesamten Tag. Denn jeder Gedanke beeinflusst, wie Körper und Geist ausgerichtet sind und wie du in deinem sozialen und beruflichen Umfeld agierst. Auf diese Weise können stressige Gedanken leicht weiteren Stress triggern. Natürlich erleben wir alle jeden Tag ein gewisses Maß an Stress, aber ist er real oder imaginär? Aus biologischer Sicht tritt echter Stress ein, wenn ein bösartiger Hund dich anspringt – dann bist du in einer echten Fight-or-Flight-Situation. Viel häufiger reagieren wir modernen Menschen allerdings mit Stress, weil wir uns an eine längst vergangene stressige Situation erinnern oder weil wir uns eine vielleicht bevorstehende vorstellen. Wenn du zum Beispiel zur Arbeit kommst und deine Chefin sagt dir, sie wolle dich in fünf Minuten in ihrem Büro sehen, dann können innerhalb weniger Sekunden deine Gedanken so sehr eskalieren, dass dein sympathisches Nervensystem beim Eintreten in das besagte Büro schon in einer Fight-or-Flight-Reaktion gefangen ist: Du möchtest deiner Chefin dann entweder am liebsten eine reinhauen oder sofort kehrtmachen und davonrennen.

So wirkt Yoga Nidra auf Stress

Die Entspannungs- und Atemtechniken von Yoga Nidra aktivieren das parasympathische Nervensystem und bewirken so eine Entspannungsreaktion. Das löst die im Körper aufgebaute Stressspannung. Die ersten Phasen der Meditation zielen darauf ab, das Gehirn von den geschäftigen Beta-Wellen hin zu den langsameren Alpha-Wellen zu bringen, bei denen eine tiefere Entspannung beginnt. So wird der Teufelskreis von imaginärem Stress durchbrochen, denn Yoga Nidra öffnet dir den Zugang zur Wurzel von Stress: den Gedanken. Mit zunehmender Übung werden in den darauffolgenden Phasen der Meditation sogar Theta- und Delta-Hirnwellen erfahrbar. Dabei kommt es von innen her zu einer Verschiebung darin, wie Stress auslösende Gedanken verarbeitet werden. Das verändert deine Beziehung zu deinen Gedanken auf positive Weise und mindert Stress schon an seiner Wurzel – dem Geist.

Endlich besser schlafen

Kennst du das? Du liegst im Bett und analysierst die Erlebnisse des vergangenen Tages. Bevor du dich versiehst, ist es 3 Uhr früh und auch jetzt fällt es deinem Geist nicht leicht, endlich loszulassen und dem Körper etwas Ruhe zu gönnen. Ganz egal ob du Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hast, mitten in der Nacht aufwachst oder an echtem Schlafmangel leidest: Guter, erholsamer Schlaf entscheidet über Gesundheit, Stimmung, Gedächtnisleistung, Lernfähigkeit und Entscheidungsfindung. Das merkst du schon alleine daran, wie du nach einer einzigen schlaflosen oder kurzen Nacht funktionierst und dich fühlst. Wobei ich bewusst „guter Schlaf“ schreibe, denn die Zahl der nötigen Stunden ist von Mensch zu Mensch ganz verschieden und verändert sich auch mit zunehmendem Alter. Doch fest steht: Im Durchschnitt schlafen die Menschen heute weniger als früher. Das hängt mit den längeren Arbeitszeiten zusammen, aber auch damit, dass wir 24 Stunden lang Zugang zu Stimulanzien wie Internet und anderen Unterhaltungsmedien haben. Manche Menschen versuchen, den entgangenen Schlaf aufzuholen, indem Sie am Wochenende ausschlafen, aber das reicht in vielen Fällen nicht.

Kennst du schon die 4-7-8-Atmung? Auch sie kann dir bei Schlafproblemen helfen.

So wirkt Yoga Nidra auf den Schlaf

Yoga Nidra basiert auf dem Schlaf und das bedeutet, dass Körper und Geist in einen Zustand tiefer Ruhe geführt werden, obwohl du zugleich ganz wach und bewusst bist. Die positiven Wirkungen dieser Meditation für Menschen mit Schlafmangel sind reich: Im ersten Stadium von Yoga Nidra, in dem körperliche Entspannungstechniken zum Einsatz kommen, werden die fünf Sinne und damit auch die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet. Der Körper lässt los und der geschäftige Geist beginnt, sich zu verlangsamen. In den folgenden Stadien, beim Fokus auf den Atemkreislauf, dem Erfahren entgegengesetzter Empfindungen und Gefühle und dem Wachrufen von inneren Bildern, driftet der Körper in immer tiefere Entspannung und der Geist wird leer. Die Gedankenwellen verlangsamen sich so weit, dass Gedächtnis, Lernfähigkeit und Entscheidungsfindung sich verbessern können. Gleichzeitig wird bei wiederholter Praxis von Yoga Nidra auch mehr Melatonin im Gehirn freigesetzt. Eine der Funktionen dieses Hormons besteht darin, den Biorhythmus zu regulieren: Beim Übergang von Tag zu Nacht und umgekehrt folgt der Körper diesem Rhythmus, indem er Melatonin ausschüttet. Mit anderen Worten: Wenn du unter Schlafstörungen leidest, brauchst du Melatonin, und Yoga Nidra kann dieses Hormon auf ganz natürliche Weise zur Verfügung stellen, was den Einsatz von Medikamenten häufig unnötig macht.

Emotional mit sich ins Reine kommen

Yoga Nidra Wirkung
Foto: Shutterstock

Seit wir kleine Kinder waren, haben wir Eindrücke und Erfahrungen in uns gespeichert, die – bewusst oder unbewusst – unser Selbstbild und unsere wichtigsten Glaubenssätze geformt haben. Nehmen wir mal den Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug“ und das damit verbundene Gefühl, vermutlich Traurigkeit. Ist es in Ordnung, traurig zu sein? Natürlich, aber wohin geht die Traurigkeit, wenn sie eine Zeit lang unterdrückt wird? Sie verschwindet nicht einfach, sie wird irgendwo im Körper festgehalten. Hast du schon mal bemerkt, wie Traurigkeit deine Atmung und Körperwahrnehmung beeinflusst? Unangenehme oder unterdrückte Gefühle sind genau wie die Empfindung von Freude oder Glück auch: Sie mögen an ein früheres Erlebnis, an eine Erinnerung gebunden sein, aber sie wollen offen und wertfrei erlebt werden. Wenn wir akzeptieren, dass das Leben, genau wie unsere Emotionen, voller Gegensätze ist, dann wird es leichter, eine Situation und ein Gefühl einfach so anzunehmen, wie sie sind: Es ist nur ein Gefühl.

So wirkt Yoga Nidra auf der Gefühlsebene

Durch Yoga Nidra können wir lernen, unseren Gefühlen zu lauschen und besser bei ihnen zu bleiben. So kann diese Meditation uns tiefe Einsichten und emotionale Freiheit schenken. Auch wenn Yoga Nidra oberflächlich betrachtet eine einfache Tiefenentspannung ist: Es steckt viel mehr dahinter. Wir bewegen uns systematisch durch die Bereiche von bewusstem, unterbewusstem und unbewusstem Geist. Sobald du tiefer in Ruhe und Stille eintauchst, richtet sich die Aufmerksamkeit unweigerlich nach innen und du beginnst, deine Gefühle und Gedanken eher zu beobachten als an ihnen teilzuhaben und sich an ihnen festzumachen. Je mehr man diese Beobachterhaltung kultiviert, desto leichter fällt es, auch unangenehme oder unterdrückte Gefühle anzunehmen, also Gefühle zu sich selbst, zum eigenen Platz in der Welt oder zur Sicht auf die Welt an sich. In dem Stadium von Yoga Nidra, das sich der Erfahrung von Gegensätzen widmet, lernst du, entgegengesetzte Empfindungen wie warm und kalt, oder widersprüchliche Gefühle wie Angst und Freude vom Standpunkt des Beobachters aus zu akzeptieren und anzunehmen. Ein Bild, das dabei für mich gut funktioniert, ist ein weiter, blauer Himmel. Die vorüberziehenden Wolken sind meine Empfindungen, Gedanken, Erinnerungen und Gefühle. Der Himmel wertet sie nicht und er reagiert nicht auf sie. Er ist einfach da und nimmt wahr. Er lässt sie kommen und gehen und erlaubt den vielleicht vorhandenen Anhaftungen sich zu lösen. Angewandt auf den Alltag, bewirkt diese Perspektive, dass ich harmonischer mit Vorstellungen und Gefühlen umgehen kann, anstatt auf sie zu reagieren. So kann ich mich leichter durch die Veränderungen und Herausforderungen des Lebens hindurch bewegen.

Die Essenz jenseits von Körper und Geist erleben

Hier kommen wir zu dem, was eigentlich die tiefere Wurzel und Intention von Yoga Nidra ist, einem Bereich, der sich dem intellektuellen Verständnis nur zu einem kleinen Teil erschließt und der weit jenseits der Worte liegt. Ich will es dennoch versuchen: Es geht darum, Atma als reines Bewusstsein zu erfahren. Alle Techniken von Yoga Nidra führen letztlich genau dort hin. Alle Anhaftungen und deine Identität von „ich bin dies oder jenes“ lösen sich in einem Beobachter auf, der frei von allem Tun den weiten blauen Himmel betrachtet. Und selbst dieser Beobachter löst sich irgendwann auf in deiner Essenz, in einer Formlosigkeit und Zeitlosigkeit, die dennoch tief verbunden ist mit allen Wesen und Dingen. Es ist, als würde man einen kurzen Blick (oder auch mehr) erhaschen von unserem eigentlichen Selbst, ruhend und da seiend als eine immer präsente Ganzheit oder Einheit mit allem. Wenn du Yoga Nidra regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg übst, werden diese kurzen Einblicke in deine Essenz dich immer fester verankern im unveränderlichen und unvergänglichen Zentrum deiner selbst. Die vielen anderen positiven Effekte von Yoga Nidra (von denen ich in diesem Artikel nur einige angesprochen habe) sind dann nichts weiter als angenehme Nebenwirkungen. Die Verbindung mit unserer Essenz löscht den spirituellen Durst, wir erkennen, dass alles, was wir uns wirklich wünschen, Frieden ist.

Ich hoffe, dass diese Zeilen dich dazu ermuntern, dieses Geschenk namens Yoga Nidra zu üben oder weiterhin zu üben.


Autor Eric Bennewitz lebt und unterrichtet in Hamburg. Mehr auf ericbennewitz.de

Yoga Nidra: Was dahinter steckt

Yoga Nidra
Yoga Nidra

Yoga Nidra wird immer beliebter. Kein Wunder, denn die yogische Tiefenentspannung regeneriert und eröffnet uns einen tieferen Zugang zu uns selbst. Der Yoga-Nidra-Experte Eric Bennewitz erklärt die vier wichtigsten positiven Effekte – und warum drei davon nur angenehme Nebenwirkungen sind.

Text: Eric Bennewitz / Titelbild: Shutterstock

Denke mal einen Moment lang darüber nach, was du tust, um dich zu entspannen? Ich habe das Wort „tun“ ganz bewusst verwendet. Denn viele Menschen meinen, Entspannung sei genau das: eine Tätigkeit. Laufen, Schwimmen, Lesen, Filme anschauen, die Liste ist lang, aber so angenehm diese Entspannungsmethode auch sein mögen: Führen sie uns wirklich in eine Erfahrung, in der das Lösen von zurückgehaltenen Spannungen in Körper, Gefühlen und Geist übergeht in einen tiefen Zustand des Seins?

Diese Erfahrung von „Sein“, ist wichtig, denn sie hat die Kraft, unser Leben auf all seinen Ebenen positiv zu beeinflussen – von der gröbsten bis zur subtilsten oder anders gesagt von der grobstofflichen Ebene des physischen Körpers bis zur feinstofflichsten Schicht, dem Glückseligkeitskörper. Aus diesem Grund ist das „Sein“ auch die Wurzel einer tiefen, dabei aber ganz einfachen geführten Meditation: Yoga Nidra.

Meditationstechnik auf Basis des Schlafes

Diese Form der Meditation auf Basis des Schlafes wird immer beliebter, denn jeder Mensch kann in jeder Lebenslage von ihr profitieren, sei es nun um körperliche Verspannungen zu lösen, angestaute Gefühle anzunehmen und zu verarbeiten oder um sich selbst in seiner Essenz zu erfahren. Diese Möglichkeiten sind umso erfrischender, als unsere Gesellschaft ja meistens davon ausgeht, man müsse etwas tun, damit im Leben etwas geschieht. Es fällt uns vielfach gar nicht leicht zu glauben, dass die wunderbarsten Veränderungen tatsächlich oft genau dann geschehen, wenn wir in einen Zustand des Nicht-Tuns eintreten. Denn nur so können wir das, was unser Denken gefangen hält, eine Weile loslassen.

Ein klarer Blick auf uns und die Welt

Die Energie, die der Geist normalerweise absaugt, wird frei und kann sich darauf richten, ganz mühelos die verschiedenen Ebenen von Körper, Emotion und Denken zu heilen. Löst sich das Wirrwarr des Geistes erst einmal auf, wird der Weg frei für einen klareren, positiven Blick darauf, wie wir mit uns selbst und der Welt um uns leben. Dieser Zustand des „Seins“ liegt jenseits des denkenden Geistes, aber auch jenseits von Traum und Tiefschlaf. Eher ist Yoga Nidra ein bewusster Tiefschlaf, in dem wir uns in unsere immer gegenwärtige wahre Natur hinein entspannen und uns mit ihr verbinden.

Alles was du tun musst: offen zuhören

Alles, was du dabei tun musst, ist, dich hinzulegen und möglichst offen zuzuhören, während du durch die Meditation geleitet wirst. Dazu braucht man keine Vorkenntnisse in Yoga oder Meditation, aber natürlich helfen diese Erfahrungen. Ich habe Menschen unterrichtet, die noch nie einen Fuß auf die Yogamatte gesetzt und nichts mit Meditation am Hut hatten, und dennoch erlebten sie mit Yoga Nidra eine zutiefst heilende Erfahrung. Für erfahrene Meditierende kann es eine effektive Ergänzung zu ihrer bestehenden Praxis sein. Die alten Yogis haben dieses Geschenk des Yoga über die Jahrhunderte hinweg kultiviert und verfeinert. Heute können seine Wirkungen helfen, uns in hektischen, zerstreuten Zeiten neues Leben einzuhauchen.

Hier erfährst du, welche vier Wirkungsfelder von Yoga Nidra besonders interessant sind.


Autor Eric Bennewitz lebt und unterrichtet in Hamburg. Mehr auf ericbennewitz.de

Lieblingsrezept Kathryn Budig: American Sandwich

Rezept veganes Sandwich Kathryn Budig

Kathryn Budig hat sich in den letzten Jahren immer mehr von der Vorzeige-Yogini zur innovativen Küchenfee gewandelt. Uns hat sie ihr Lieblingsrezept verraten: American Sandwich mit Karotten-Speck – lecker, deftig und vegan.

Kathryn Budig„Mein Vater stammt aus Nebraska und liebt die deftige amerikanische Küche. Seit er vom Arzt die strikte Order bekam, auf Rind- und Schweinefleisch zu verzichten, ist es meine Mission, ihm vegane Rezepte schmackhaft zu machen. Mit diesen Sandwiches ist mir das restlos gelungen. Ich finde, die würzigen Karottenstreifen schmecken tausendmal besser als industriell hergestellter Speckersatz. Man kann sie übrigens auch sehr gut im Voraus zubereiten, dann ist das Sandwich im Handumdrehen fertig.“ (Kathryn Budig)

Zutaten für das vegange American Sandwich

Kathryns veganes Sandwich

3 große Karotten
2 EL Kokosöl
2 TL Whiskey
2 EL vegane Worcester-Sauce
2 TL scharfe Grillsauce
2 EL Ahornsirup
1⁄2 TL geräucherte Meersalzflocken
3 EL vegane Mayonnaise
1 Zitrone
6 Scheiben Vollkorntoast
1 große Tomate, in feine Scheiben geschnitten
1 Avocado, Fruchtfleisch in feine Scheiben geschnitten
3 große Salatblätter

Und so bereitest du Kathryn Budigs Lieblingsrezept zu

1 Heize den Ofen auf 200 °C vor. In der Zwischenzeit schneidest du mit einem Gemüseschäler „Speckstreifen“ von den Karotten herunter.

2 Kokosöl in einem kleinen Topf erhitzen. Halte einen Deckel schräg darüber, wenn du nun den Whiskey dazugießt und 30 Sekunden darin zischen lässt. Dann gießt du die Mischung in eine Schale und verquirlst sie mit den beiden Saucen und dem Ahornsirup. In dieser Marinade dürfen die Karottenstreifen 5-10 Minuten ziehen.

3 Jetzt legst du die Streifen auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech aus und streust die Salzflocken darüber. Danach schiebst du sie für 10-15 Minuten in den heißen Ofen. Wenn die Oberseite leicht gebräunt ist, nimmst du das Blech heraus, wendest die Streifen, bestreichst sie mit der restlichen Marinade und backst sie erneut etwa 5-10 Minuten, bis sie knusprig, aber nicht allzu dunkel sind.

4 Verrühre in einer Schale die Vegannaise mit Saft und geriebener Schale der Zitrone. Streiche die Mischung auf die getoasteten Brotscheiben und belege die Sandwiches mit Tomaten, Salat, Avocado und Karotten. Schon kannst du dein leckeres veganes Sandwich genießen.

Übrigens: Noch mehr leckere vegane Rezpete findest du auf veganworld.de.


NÄHRSTOFFE PRO PORTION:
463 Kalorien + 27 g Fett (davon 10 g gesättigt) + 49 g Kohlenhydrate + 6 g Ballaststoffe + 7 g Eiweiß + 804 mg Natrium

Yoga-Playlist von Sara Sommerfeldt

Sara Sommerfeldt

Sara Sommerfeldt ist Sängerin und Schauspielerin. Sie hat auf diesem Weg jedoch auch zum Yoga gefunden und nutzt dessen Vorteile auch für ihren Gesang. Ihre liebsten Lieder hat sie uns in einer Playlist zusammengefasst.

Wunderbar und melancholisch

„Ein absolutes Aha-Erlebnis war für mich, als ich beim Yoga das erste Mal richtig geatmet habe und spüren konnte, wie viel Platz in meinem Körper ist.“ Seither verlässt sich die Sängerin und Schauspielerin Sara Sommerfeldt auch vor wichtigen Aufnahmen auf eine Mischung aus Asanas, Stimm- und Sprechübungen. Das kann man hören, zum Beispiel auf ihrem neuen Album „Herz aus Glas“: eine Mischung aus Pop, Trip Hop und Chanson mit sehr persönlichen Texten. Speziell für YOGA JOURNAL hat sie eine wunderbar melancholische Yoga-Playlist zusammengestellt.

Welche Asana zu welchem Lied?

  1. Zaz – Je veux (Sonnengrüße)
  2. Waldeck – Make My Day (Krieger 1 und 2, Trikonasana,
    gestrickter Winkel, Drehsitz)
  3. Calogero, Passi– Face à la mer (Krieger 1 und 2,
    Trikonasana, gestrickter Winkel, Drehsitz – andere Seite)
  4. Eddy Mitchell – Couleur menthe à l’eau
    (Katze, Vorwärtsbeugen, Tisch)
  5. Jack Johnson – Cocoon (Kopfstand)
  6. Coralie Clement – Samba de mon coeur qui bat
    (Kleinkind, Heuschrecke)
  7. Gotan Project – Epoca (Rückbeugen)
  8. Lara Maria Gräfen – Berlin, ich liebe dich
    (Schulterstand)
  9. Soko – Diabolo menthe (Pflug, Fisch)
  10. Savages Y Suefo – Wings (Bauchübungen)
  11. Bebe – Con mis manos (Bauchübungen)
  12. Sophie Hunger – Travelogue (Entspannung)
  13. Francoise Hardy – Message personnel
    (Entspannung)
  14. Sara Sommerfeldt – Die Fee (Meditation)

Hat dir die Yoga-Playlist von Sara Sommerfeldt gefallen? Dann schaue dir auch unsere anderen Playlists an. Wie wäre es mit ein paar Gute-Laune-Beats? Wenn du gerne mehr von Sara sehen und hören möchtest, findest du sie auch auf Instagram unter @sarasommerfeldt.

Tao Porchon-Lynch: Yoga-Fotograf Robert Sturman erinnert sich an die Yoga-Lehrerin

Tao Porchon Lynch by Robert Sturman
Tao Porchon Lynch

Sie war bekannt für ihren unbändigen Optimismus und ihre innere Stärke: Am 21.Februar verstarb die weltberühmte und inspirierende Yoga-Lehrerin im Alter von 101 Jahren. Yoga-Fotograf Robert Sturman erinnert sich mit diesen wunderbaren Fotos an seine enge Freundin.

Sie waren Künstler und Freunde: Robert Sturman und Tao Porchon Lynch. Dem „US Yoga Journal“ erzählte der Fotograf, wie alles anfing und warum sich die beiden Freigeister so gut verstanden: „Ich traf Tao vor neun Jahren, als sie erst 93 Jahre alt war. Eine ihrer Schülerinnen brachte sie zum Central Park, um mich für ein Shooting zu treffen. Ich hatte gehört, dass sie die älteste Yoga-Lehrerin der Welt war. Sie trug ein wunderschönes rotes Kleid. Wir machten Kunst und freundeten uns an. In dieser Nacht veröffentlichte ich einen Blogbeitrag im Elephant Journal über meine Begegnung mit dieser unglaublichen Frau, die sich permanent dafür bedankte, dass ich so geduldig mit ihr war. Als ich am nächsten Tag aufwachte, war es um die die ganze Welt gegangen; es ging komplett viral. Danach entschieden wir uns weiter miteinander zu arbeiten und unsere Freundschaft wuchs. Zuerst trafen wir uns zwei Mal im Jahr, dann drei oder vier Mal. Sie trug immer eine andere Farbe. Von Rot über Grün zu Blau. Gelb und dann Weiß. Das letzte Mal war es Lila.“

Tao Porchon Lynch

„Als Tao vor drei Jahren nach Venice und Santa Monica kam, gingen wir mit meinem Hund zum Strand, saßen uns in den Sand und redeten. Sie erzählte mir Geschichten aus ihrem Leben – da war sie mal nicht die inspirierende und glückliche Tao, die sie normalerweise der Welt zeigt. Ich hörte ihr zu und spürte ihre Traurigkeit – darüber, dass sie zwei Ehemänner überlebt hatte, eine Fehlgeburt hatte, ihre eigene Mutter während der Geburt verstorben war – eben Schicksale die ein Mensch, der seit 98 Jahren auf dem Planeten ist, erlebt hat.“ Robert Sturman

Tao Porchon Lynch

„Sie hat so oft erlebt, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Sie erzählte über (ihre Verluste) auf eine Art und Weise, dass du den Schmerz spüren konntest. Aber sie beschwerte sich nie darüber und war nie ein Opfer.“ Robert Sturman

Tao Porchon Lynch

„Ich war total interessiert an ihr. Ich wollte mehr über ihre Kindheit in Indien wissen, all die Geschichten über das Leben in Europa während des Zweiten Weltkriegs, über ihre Ankunft in Amerika und ihre Zeit in Hollywood, als sie mit Leuten wie Marlene Dietrich, Marylin Monroe und Clark Gable zusammen war. Und wir tranken auch gerne Wein miteinander.“ Robert Sturman

Tao Porchon Lynch

„Wenn du jemanden siehst, der so anmutig und elegant durch diese Welt geht, dann macht dir das Hoffnung.“ Robert Sturman

Tao Porchon Lynch

„Taos Geschichte muss erzählt werden, um Menschen zu inspirieren nicht aufzugeben. Nicht zu sagen ‚Ich bin zu alt um damit anzufangen‘. Und okay damit zu sein, dass man älter wird und irgendwann stirbt.“ Robert Sturman

Tao Porchon Lynch

„Bei den letzten Bildern ging es weniger um Yoga Posen und mehr um die Linien in ihrem Gesicht, die all die wunderschönen Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Eines Tages, als wir im Sonnenuntergang in Sedona arbeiteten, schien das Licht einfach perfekt auf ihr Gesicht, auf ihre eigene Geschichte.“ Robert Sturman

Tao Porchon Lynch

„Das war das letzte Bild, das wir zusammen gemacht haben. Es entstand im letzten Herbst in New England. Sie bot mir diese einfache, wunderschöne Geste an – ‚Honig im Herzen und Feuer im Bauch.'“ Robert Sturman

Tao Porchon Lynch gemeinsam mit Robert Sturman

„Wir arbeiteten so gut miteinander, weil wir einfach miteinander abhingen und das Leben genossen. Wir teilten die Einstellung, dass Kunst nicht unbedingt anstrengend sein muss. Kunst kann auch ein unaufgeregtes und fröhliches Abbild eines erfüllten Lebens sein.“ Robert Sturman


Robert Sturman findest du auch auf Instagram.