Guter Yoga-Unterricht: Quick Tips

Quick Tips Yogaunterricht
Foto von Tim Savage von Pexels

Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der bekanntesten Yogalehrer und -Ausbilder. Nicht umsonst nennt man ihn den „Lehrer der Lehrer“. In einer neuen Artikelreihe erklärt er exklusiv für YOGA JOURNAL Deutschland, was guten Yoga-Unterricht und gute Yogalehrende im Kern wirklich ausmacht. Hier gibt er einige Tipps an angehende Yogalehrer

Präzise, aber knappe verbale Anweisung

Das Gesagte sollte beim Einfachsten beginnen und dem Level der gesamten Klasse angemessen sein. Die ersten Anweisungen führen in die Asana hinein und legen dabei besonderen Wert auf das Fundament der Haltung. Aus den Beobachtungen beim Einnehmen der Haltung leiten sich spezifischere Anweisungen ab: Dann werden missverstandene Anleitungen präzisiert, Modifikationen angeboten und sinnvolle Hilfsmittel vorgeschlagen.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, wird nach und nach erklärt, wie man die Haltung so verfeinern kann, dass Stabilität und Leichtigkeit immer besser ins Gleichgewicht kommen, Verletzungsrisiken sinken und die wichtigsten Ziele der Übung verstanden werden. Erst wenn das in der Grundform erreicht ist, gibt man Hinweise dafür, wie man die Haltung in fortgeschritteneren Varianten und im Hinblick auf die innere Erfahrung weiter vertieft.

Dabei ist wichtig: nicht zu viel reden! Die selbe Asana wird noch oft bei der Yoga-Praxis unterrichtet werden. Bei den ersten Malen genügen die Basics, im Lauf der Zeit folgen dann feinere und komplexere Anweisungen.

Visuelle Demonstration

Der Platz des Lehrers sollte vom gesamten Raum aus gut sichtbar sein, umgekehrt sollte er dem Lehrer einen guten Überblick über die Klasse ermöglichen. Diese visuelle Demonstration wird begleitet von klar verständlichen Worten. Besonders effektiv ist die spiegelverkehrte Demonstration: Wenn man frontal vor der Klasse steht sagt man zum Beispiel: „Jetzt drehst du den linken Fuß auswärts und öffnest deine Rumpfmuskeln“, während man selbst den rechten Fuß dreht. Auch wenn mann wichtige Punkte hierbei leicht überzeichnet demonstriert, sollte die Haltung immer Stabilität und Leichtigkeit ausstrahlen. Besonders in Workshops kann es sinnvoll sein, typische Beispiele von falscher Ausrichtung oder unnötig erschwerter Ausführung selbst zu demonstrieren. Jedoch sollte man niemals etwas demonstrieren, von dem man in diesem Moment nicht sicher weiß, dass es tatsächlich funktioniert.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, verliert die visuelle Demonstration an Bedeutung. An diesem Punkt beginnt der Lehrer , durch den Raum zu gehen, die Ausführung beobachtet und auf dieser Grundlage noch gezieltere verbale und körperliche Hilfestellungen gibt.

Taktile Hilfen

Als Lehrer sollte man grundsätzlich um Erlaubnis bitten, bevor man einen Schüler berührt. Guter Yogaunterricht akzeptiert es, wenn Adjustments unerwünscht sind. Vor allem sollte man nur Hilfestellung anbieten, wenn es aus gutem Grund als sinnvoll erscheint. Jede Berührung sollte auf einer klaren Vorstellung davon beruhen, was sie genau bewirken soll. Wenn jedoch die Wirkung anders als erwartet ausfällt, sollte man auch bereit sein, diese Intention abzuwandeln.

Am wirksamsten und verständlichsten sind Hilfen, die synchron zur Atmung gegeben werden: Einatmend bereitet die Hilfe vor und dehnt aus, zur Ausatmung folgt der vertiefende Impuls in die Haltung. Vor allem biomechanisch sinnvoll sind zum Körperzentrum hinführende Korrekturen. Dabei sollte man verletzliche Körperpartien und Hebelbewegungen meiden und jederzeit auf unwillkürliche Bewegungen vorbereitet sein. Keine Berührung darf je grob, unachtsam, ziellos, unangemessen oder übergriffig sein. Beim sanften Lösen der Berührung sollte der Schüler auch alleine ausreichend stabil und leicht in der Haltung bleiben können.

Guter Yoga-Unterricht – taktile Hilfen sollten immer dazu dienen:

  • verbale Anleitungen zu verdeutlichen
  • eine stabile Basis zu fördern
  • Einsatz oder Entspannung bestimmter Muskeln in den Asanas klar machen
  • einen größeren Bewegungsspielraum auszuloten
  • Vertrauen und ein Gefühl der Verbundenheit und offenen Kommunikation zu fördern
  • dem Schüler auch in intensiven Haltungen das Gefühl zu geben: „Ich werde gut unterstützt“

Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yoga-Unterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Cover Shootings, Yoga in allen Facetten und Stände ohne Ende: Das war die YogaWorld 2020 in München

Cover Shooting Challenge Yoga World 2020

Good Vibes only: Auf der YogaWorld in München tummelten sich Aussteller, Yogis und Yoginis, Ayurveda-Anhänger und alle die auf der Suche nach einem entspannten Lifestyle sind.

Die Palette war breit gefächert: Von Yoga-Fashion und Zubehör, über Irisfotografie und filigrane Schmuckstücke, bis zu nachhaltigen Yogareisen, Faszienrollen, spannenden Messeneuheiten und Klangschalen in allen Größen. Die Aussteller auf der Yoga-World im MOC München zeigten auch in diesem Jahr wieder, wie vielfältig das Thema Yoga aufgestellt ist. Die Besucher konnte durch die Messehalle schlendern, Vorträgen lauschen, sich über Ayurveda informieren oder an einer Yogastunde teilnehmen: Denn hier warteten unter anderem Ashtanga, Kundalini, Meditation, Sound Healing, Kinderyoga und noch viel mehr …

Eindrücke von der YogaWorld 2020 in München

Aber am besten kommst du einfach auf unsere nächste YogaWorld- und Vegan-Messe in Stuttgart und machst dir vor Ort ein Bild.

Wir freuen uns auch dich! Namasté

Playlist für Herzöffner von Veronika Rössl

Veronika Rössl

Blockaden im Herzchakra? Yogalehrerin Veronika Rössl hat uns eine Playlist erstellt, die Herzen öffnet.

Also: Roll deine Yogamatte aus und lasse dich in den Rockstar fallen. Diese Lieder öffnen den Herzmuskel und lassen ganz viel Liebe hinein. Wenn du dabei Lust auf mehr bekommst, kannst du diese Meditation für Herzöffner von Elena Brower üben.

Mehr zu Veronika, ihren Kursen, Workshops, Retreats und ihrem Studio findest du auf MahaShakti Yoga.

Playlist für Herzöffner

Mein erstes Mal: Ayurveda für Anfänger auf Sri Lanka

Ayurveda Sri Lanka

Von Zuckerbananen und Kopfmassagen: Yoga-Journal-Redakteurin Carmen Schnitzer reiste nach Sri Lanka, um in einem der Mutterländer des Ayurveda diese traditionelle Heilkunst am eigenen Leib kennenzulernen …

Mein erster Eindruck: grün! Grün in allen Schattierungen, es ist zu schön! Der Weg vom Flughafen Colombo zu unserem Hotel Ayurvie Weligama Resort im Südwesten Sri Lankas führt uns die Küste entlang, vorbei an Palmenlandschaften, Bananenplantagen, Mango- und Papayabäumen. Hier also soll ich Ayurveda kennenlernen, jene uralte, traditionelle Heilkunst, die übersetzt „Wissen vom Leben“ bedeutet. Wie passend, denke ich angesichts der prallen Saftigkeit der Natur, die an unserem Busfenster vorbeirauscht, und beiße in eine der kleinen Zuckerbananen, die unser Reiseleiter verteilt hat. Da weiß ich noch nicht, dass ich mir diese säuerlich-süße Köstlichkeit aufgrund meines Doshas, also meines ayurvedischen Konstitutionstyps, nur ab und zu genehmigen sollte. Doch dazu später mehr.

Erfahrung durch eigenes Erleben weitergeben

Ich habe großes Glück, hier mitfahren zu dürfen, denn das hier ist keine klassische Pressereise – als einzige Journalistin darf ich einen Famtrip von Neue Wege begleiten, einem Reiseveranstalter, der sich auf Yoga- und Ayurvedareisen in Asien und Europa spezialisiert hat. Famtrip, das steht für Familarisations-Trip und bedeutet, dass hier Personen aus der Reisebranche bestimmte Angebote durch eigenes Erleben kennenlernen, um diese später guten Gewissens weiterempfehlen zu können. Kleiner Spoiler: Das werden neben mir auch die anderen zehn Frauen und der einzige Mann aus unserer Gruppe nach der Woche hier tun.

Ayurveda auf Sri Lanka beginnt mit ärztlicher Konsultation

Das Ayurvie Weligama liegt in einer ruhigen kleinen Bucht und mich als Wasserratte freut neben der Nähe zum Meer auch der wunderschöne, dreieckige Infinitypool, in dem ich mir trotz straffen Programms jeden Tag zumindest ein paar Bahnen gönnen werde. Doch in erster Linie bin ich ja hier, um zu lernen – über Ayurveda, meinen Körper und mich selbst. Unsere Woche beginnt mit einer ärztlichen Konsultation: Der Chefarzt des Ayurvie, Dr. Herath, der im Übrigen wie auch der Yogalehrer des Hauses Deutsch spricht, wickelt mir zur Begrüßung ein weißes Gebetsbändchen ums Handgelenk und murmelt dabei einige Worte. Anschließend misst er mir den Puls, untersucht mein Haar, meine Zähne, meine Zunge – und befragt mich zu meiner Verdauung, meinen gesundheitlichen Schwachpunkten und meinem Lebenswandel. Oje. Soll ich schwindeln? Doch das brächte mir ja nichts, zumal man mir vieles ohnehin ansehen dürfte.

Tut weh: Der Blick auf die Waage

Also gebe ich zu, dass ich einen recht unregelmäßigen Tagesablauf habe, gerne mal fett- und kohlenhydratreich esse, zu einem guten Gläschen Wein (oder auch zwei) selten nein sagen kann und geradezu süchtig nach zuckerfreien, koffeinhaltigen Softdrinks bin. Dass ich in der kommenden Woche problemlos ausschließlich stilles, warmes Wasser und Kräutertee sowie zweimal einen Fruchtsaft trinken werde, kann ich mir zu diesem Zeitpunkt nur schwer vorstellen. Doch tatsächlich werde ich meine eingeschmuggelten Notfall-Colaflaschen nicht anrühren! Wer mich kennt, weiß, was das heißt. Dann der Schritt auf die Waage. Noch mal oje! Ich habe ihn seit Jahren vermieden, weil ich mein Wohlbefinden nicht von einer Zahl abhängig machen wollte und hinter dieser Haltung im Grunde immer noch stehe. Nun erschrecke ich aber doch, was sich da bei mir im Laufe der Zeit so angesammelt hat. Mollig sein ist völlig okay für mich, aber gesund möchte ich bleiben. Die Zahl, die mir da entgegenblinkt, klingt mir dafür dann doch etwas zu grenzwertig und ich sehe mich in naher Zukunft zumindest Knieprobleme bekommen.

Ich bin ein Kapha-Vata-Typ

Ayurveda Sri Lanka

Immerhin ist mein Blutdruck super, und dass ich Vegetarierin bin, sorgt ebenfalls für Pluspunkte auf meiner ayurvedischen Selbstfürsorge-Liste. Tatsächlich sind meine Doshas relativ ausgeglichen, mit etwas zu ausgeprägtem Kapha-, leicht erhöhtem Vata- und einem etwas unterversorgten Pita-Anteil. Insgesamt ein Kapha-Vata-Typ. Dieses „Etikett“ hilft mir bei den täglichen Buffets das für mich Passende aus den leckeren Currys, Gemüsegerichten, dem frischen Obst und Gemüse sowie den köstlichen Dessertverführungen zu wählen, denn alle Speisen sind mit einem entsprechenden Vermerk versehen. Zugegeben, manchmal mogle ich und lege mir auch mal etwas Verlockendes auf den Teller, das eigentlich Pita-Typen empfohlen wird. Aber insgesamt versuche ich, brav zu sein.

Ayurveda-Schnupperkur mit Verwöhneffekt

Neben unserer Ernährung beinhaltet unsere „Schnupper-Kur“ (für eine richtige bräuchte es mehr als eine Woche Zeit) auch spezielle Treatments wie Kopf-, Fuß- oder Ganzkörpermassagen, Dampfbäder, Peelings usw. Welche genau am nächsten Morgen auf uns warten, erfahren wir jeden Abend an der Rezeption, denn dort liegt für jeden ein Zettel, auf dem Uhrzeit und anstehende Behandlungen vermerkt sind. Wie die Kinder freuen wir alle uns nach dem Dinner immer auf diese kleinen Überraschungen, die uns vorfreudig in den Schlaf gleiten lassen. So macht Gesundheit Spaß!

Sir Lanka relativiert meine Vorstellung von Verzicht

Dennoch will ich nicht verschweigen, dass ich anfangs mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte. Ob es am tropischen Klima liegt oder daran, dass mein Körper sich erst an den Koffeinentzug und die Ernährungsumstellung gewöhnen muss – vermutlich ist es eine Mischung aus allem und bei Ayurvedakuren ganz normal, wie mir versichert wird. Und von Tag zu Tag wird es besser, am Ende würde ich sehr gerne noch länger bleiben, Colaverzicht hin oder her. Überhaupt relativiert sich meine Vorstellung von Verzicht auf Sri Lanka schnell angesichts der Schicksale, die mir begegnen und die ich an dieser Stelle nur am Rande erwähnen kann, obwohl sie Bücher füllen könnten: Der Tsunami von 2004 hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen, viele zerstörte Häuser stehen leer, beinahe jeder weiß von Menschen zu berichten, die durch die Katastrophe ihr Leben lassen mussten. Ein Fischer etwa, mit dem ich bei einem kleinen Strandspaziergang ins Gespräch komme, verlor damals seine Frau und seinen kleinen Sohn. Der Herzlichkeit der Einwohner hat dieses fürchterliche Unglück keinen Abbruch getan, wir werden überall sehr warm empfangen.

Offenheit gegenüber allen Heilmethoden

Ayurveda Sri Lanka

Kleines Goodie obendrauf: Mein Feministinnenherz hüpft, als ich feststelle, wie viele Frauen unter den Ayurveda-Ärzten sind, die wir im Laufe der Reise kennenlernen durften. Das hätte ich, so ehrlich will ich sein, nicht gedacht. Auch dass während des sechsjährigen Ayurveda-Studiums auch ein Jahr lang westliche Medizin gelehrt wird, wusste ich bislang nicht. Mir gefällt diese Offenheit gegenüber unterschiedlichen Heilmethoden, von der wir, glaube ich, in unserer Entweder-oder-Kultur noch lernen können.

CO2-Kompensation mit Atmosfair

Was bleibt mir zu sagen? Ich würde gerne wiederkommen! Nicht nur das Ayurvie Weligama Resort, auch die anderen Neue-Wege-Hotels, die wir während der Reise besuchen, versprechen wunderbare Aufenthalte. Ob nun das stylische Ananda Resort, das elegante Sithnara Ayurveada Resort oder die schnuckelig-familiäre Villa Safira
– jeder dieser Orte hatte einen ganz besonderen Zauber, der nachhaltige Erholung verspricht. Und das im doppelten Wortsinn: eine Erholung, die auch nach der Rückreise anhält und die an einem Ort stattfindet, der auf nachhaltige Bauweise, Stromversorgung etc. sowie auf Bio-Ernährung setzt. Ein Wermutstropfen ist lediglich die Anreise mit dem Flugzeug. Wer diese Umweltsünde durch einen CO2-Kompensationsbeitrag an das Vorzeigeprojekt Atmosfair ausgleichen möchte, wird von Neue Wege unterstützt: Der Veranstalter übernimmt hierfür die Hälfte der Kosten.

Auyurveda auf Sri Lanka: Eine Reise die lange nachwirkt

Ayurveda Sri Lanka
Unsere Autorin Carmen Schnitzer auf Sri Lanka

Fazit: Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und noch immer wirkt die Reise in mir nach. Nicht nur, dass Dr. Heraths weißes Bändchen nach wie vor mein Handgelenk ziert, dass bereits vollkommen stressfrei die ersten Kilos gepurzelt sind, dass mich hin und wieder ein lieber Gruß aus unserer Sri-Lanka-WhatsApp-Gruppe erreicht: Insgesamt habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich nun ein kleines bisschen mehr vom Leben weiß – um auf die Bedeutung des Wortes Ayurveda zurückzukommen. Schön war‘s!

Du willst noch mehr zum Thema Ayurveda erfahren? Dann klicke dich durch die Auswahl unserer Ayurveda-Themen.

Dies.Das.Asanas: Die verspielte Variation der Krähe

Variation Krähe Asana Jelena Lieberberg - Foto: Sofia Gomez Fonzo
Unsere Kolumnistin Jelena Lieberberg fotografiert von Sofia Gomez Fonzo

Krähen gelten unter den Vögeln als besonders intelligent und verspielt. Kein Wunder, dass sich auch die Yogakrähe nicht mit ein oder zwei klassischen Formen zufrieden geben sollte – findet zumindest unsere ebenso schlaue und verspielte Asana-Kolumnistin und erklärt, wie diese Variation der Krähe funktioniert.

Ich liebe die Vielfalt im Yoga. Ist es nicht wunderbar, dass es für jedes Alter und jede Lebenslage genau den richtigen Yoga-Stil gibt? Von still bis fließend, von sanft bis kraftvoll ist alles dabei. Wer also keine Lust auf Anstrengung und Kraftakt hat und sich zum Beispiel im Yin Yoga viel wohler fühlt, darf einfach nur die wunderschönen Blautöne genießen, die ich für dieses Foto auf Ibiza gefunden habe. All jene, denen Stabilität und Power am Herzen liegen, werden sich an den Spielmöglichkeit freuen, die ich Euch hier zeige: Auf dem Weg zur einbeinigen Krähe begegnet dem fleißigen Yogi und der fleißigen Yogini unter anderem diese Stellung der Beine.

Nervenkitzel der Balance

Variation Krähe Asana
Unsere Kolumnistin Jelena Lieberberg fotografiert von Sofia Gomez Fonzo

Sobald Geist und Seele auf einer Wellenlänge fließen, lässt sich der Körper nämlich auf das ein oder andere Abenteuer ein. Mich erinnert die Pose ein wenig an das Wahrzeichen von Sizilien, die Trinacria, ein Fabelwesen mit Kopf und drei Beinen. Diese Asana-Variante eignet sich für alle, die ihre Kräfte spielen lassen möchten und dem Nervenkitzel der Balance lächelnd trotzen. Das Schöne ist: Sobald man in Händen und Fingerspitzen das richtige Gefühl für den Schwerpunkt gefunden hat, kann man die Beine theoretisch in fast unmögliche Positionen bewegen – die nötige Kraft und Beweglichkeit natürlich vorausgesetzt.

Verspielte Variation der Krähe: Muss ich das können?

Natürlich nicht. Trotzdem sind der Kraftaufbau und das Spiel mit der Balance eine tolle Sache – selbst wenn man dabei auf allen Schnickschnack verzichtet und sich auf die klassische Krähe (Schritt 1 und 2) beschränkt.
Wärme Handgelenke, Schultern und die Rumpfmuskeln gründlich auf. Um für den „Fall des Fallens“ gewappnet zu sein, legen dir ein großes Sofakissen vor die Nase. So kannst du dich, wenn schon nicht graziös, dann doch immerhin weich abfangen.

Step by Step Anleitung

  1. Beginne mit einer Vorwärtsbeuge aus dem Stand und setze deine Hände schulterbreit auf den Boden. Aktiviere deine Hände und verwurzele sie kraftvoll am Boden. Dann hebe die Fersen, beuge die Knie und schiebe eines nach dem anderen fest gegen deine Oberarme.
  2. Verlagere vorsichtig das Gewicht nach vorn, bis sich die Zehen vom Boden lösen. In dieser Haltung versuchst du zunächst, die Fersen Richtung Po heranzuziehen.
  3. Sobald Schritt 2 mit Leichtigkeit klappt, versuchst du, ein Knie vom Oberarm zu lösen, in der Mitte zwischen den Ellenbogen schweben zu lassen und danach wieder auf dem Oberarm zu platzieren. Dasselbe wiederholst du auf der anderen Seite. Dabei stabilisierst du dich nicht nur mit den Bauchmuskeln, sondern vor allem aus der Kraft deiner aktiv arbeitenden Hände.
  4. Wenn das funktioniert, beginnst du nach einer kleinen Pause erneut in der Krähe (Schritt 1 und 2). Löse langsam und kontrolliert wieder ein Knie vom Oberarm und ziehe es in Richtung Himmel. Dann versuchst du, das gehobene Knie mit den Zehenspitzen des anderen Fußes zu berühren. Voilà! Nach 1-3 Atemzügen segelst du langsam und elegant zurück und wiederholst das Ganze auf der anderen Seite.

FRAGEN ODER ANREGUNGEN? Du findest mich auf instagram.com/kickassyoga, kickassyoga.net oder im Buch „KickAssAsanas“.

Helge Timmerberg über Mantras, Ängste und sein neues Buch

Helge Timmerberg
Helge Timmerberg spricht mit uns über die Kraft der Mantras - Foto: Frank Zauritz

Helge Timmerberg ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. In zahllosen Reportagen und Büchern hat er seine Leser schon mitgenommen auf Reisen rund um den Globus – und zu sich selbst. Sein neues Buch handelt von einem Mantra, einem nepalesischen Wanderyogi und der Frage, ob man im Leben zu allem bereit sein kann.

Helge Timmerberg, dein neues Buch heißt „Das Mantra gegen die Angst“ – und es kreist um ein Mantra, von dem du schreibst, es hätte dir das Leben gerettet. Erzähl mal …

Vor etwas über 15 Jahren, als ich so um die 50 war, hatte ich eine schwere Krise. Nach goldenen Jahren als freier Autor saß ich plötzlich fast ohne Jobs da. Ich hatte keine Kohle mehr und kein Selbstbewusstsein, nur noch Ängste – die ganze Kraft, die ich mit 30 oder 40 gespürt hatte, war weg. Ich fühlte mich komplett out.

Wie kam die Wende?

Geo gab mir den Auftrag für eine Reportage. Ich sollte mit einem Wanderyogi durch den Himalaja pilgern. So traf ich den Yogi Kashinath und der tat mir unheimlich gut. Egal, was auf der Reise alles schief ging, er sagte immer: „I’m ready for everything.“ Die Vorstellung, dass man wirklich bereit ist für alles, hat mich fasziniert. Wenn das stimmt, ist es doch der Wahnsinn: Dann hat man keine Angst mehr! Man wählt nicht mehr aus, gut oder schlecht, will ich oder will ich nicht, man ist nur noch in der Wahrnehmung.

Und das Mantra?

Das gab er mir beim Abschied. Ich hab das erst nicht so ernst genommen, aber daheim angekommen, hab ich es sofort ausprobiert: Da gab’s bei mir im Haus ein Bordell und die Luden hatten Kampfhunde. Vor denen hatte ich panische Angst, weil mich als Kind mal ein Wolfshund gebissen hat. Ich kam also vom Flieger, bog um die Ecke, sah die Hunde, probierte das Mantra – und es funktionierte auf der Stelle! Die Angst war wie weggewischt und die Hunde ließen mich in Ruhe. Da hab ich Vertrauen geschöpft. Immer wenn dann wieder Ängste des Weges kamen, murmelte ich mein Mantra und es half.

Im Kleinen wie im Großen?

Ja. Auch die Lebensangst, dieses „Was soll nur aus mir werden?“, war mit dem Mantra nur noch halb so wild. Von da ab ging es wieder aufwärts. Ich fing an, Bücher zu schreiben und die hatten richtig viel Erfolg.

Für dein neues Buch bist du nach Kathmandu zurückgekehrt. Du wolltest den Yogi Kashinath suchen und dich bei ihm bedanken. Ohne hier schon zu viel zu verraten: Dabei wurde dein Glauben an das Mantra ganz schön erschüttert.

Ach, das können wir schon erzählen: Ich hatte gehofft, beim Gorakhnath-Tempel wenigstens jemanden zu treffen, der mir sagen könnte, wo Kashinath hingegangen ist. Da hieß es aber nur „Der ist irgendwo in Indien.“ Der ältere Mönch, mit dem ich sprach, wollte wissen, worum es ging. Da erzählte ich ihm von dem super Mantra. Er guckte so komisch und sagte: „Das ist gar kein Mantra. Das ist nur eine Begrüßungsformel für den Gott Ganesha.“

Was hat das bei dir ausgelöst?

Ich stand da wie ein begossener Pudel. Einerseits hatte das Mantra immer extrem gut funktioniert. Aber das ist ja ein alter Hut: Es hat funktioniert, weil ich dran geglaubt habe. Plötzlich war da dieses ganze Thema Glauben und ich fragte mich: Sind die Objekte des Glaubens wirklich so unwichtig? Geht es nur um meine eigene Glaubensfähigkeit? Ich konnte gar nichts mehr ernst nehmen. Es war wie in dem Film Matrix, wo die plötzlich aufwachen, am Rande des Universums an einem Felsen hängen und ins Nichts gucken.

Kam der Glaube wieder?

Na ja, ich kam bald wieder in eine Situation, in der ich eine Riesenangst hatte. Die Geschichte steht auch im Buch. Hier nur so viel: Ich hatte den alten Mönch – routinemäßig – beim Abschied noch gefragt, ob es denn ein „echtes“ Mantra gegen die Angst gäbe. Das hatte ich auf dem Handy aufgezeichnet. Und als ich nun in dieser Todesangst nicht mehr weiter wusste, hab ich das Handy aus der Tasche gezogen und mir das Mantra ans Ohr gehalten.

Und das hat gewirkt?

Bumm – die Panik war weg. Der böse Film riss einfach.

Kannst du dir das erklären?

Wenn etwas sofort so funktioniert, dann interessiert es mich erst mal gar nicht, wieso und warum. Aber ich hab es immer wieder probiert. Vor allem beim Schreiben, denn da habe ich immer Ängste: „Klappt das oder klappt das nicht?“ Und dabei stellte ich fest, dass das „richtige“ Mantra schon noch mal anders wirkte als mein altes.

Wie denn?

Es schneidet nicht einfach, zack, die Angst ab. Die Angst ist noch da, aber in ihrer Mitte kommt der Mut: „Das schaffst du schon!“ Denn eine Angst hat ja meistens einen Sinn. Man braucht nur Mut, ihr zu begegnen.

Es gibt ja die These, dass die Konzentration auf ein Mantra Panikgedanken einfach wegdrückt. Demnach könnte man auch „Coca Cola, Coca Cola“ chanten, um die Angst zu besiegen …

Das hab ich mir auch oft gesagt: Nüchterne Erklärung, du schaltest nur dein Gehirn auf „Nicht-Denken“. Ich habe es sogar mit „Coca Cola“ probiert, aber bei mir hatte das nicht dieselbe Wirkung. Die Inder haben ja nicht umsonst ganz verschiedene Mantras – für alles und gegen alles: ein Mantra gegen die Angst, ein Mantra, um Tiger ruhig zu stellen und so weiter.

Wir westlichen Yogis sind inzwischen auch ganz schön auf dem Mantra-Trip …

Ich wusste gar nicht, dass Mantras in der Yogaszene jetzt so ein Ding sind. Das hat mir erst mein Wiener Freund Manfred Holub gesagt, als ich von Kathmandu zurückkam und ihm erzählt habe, dass ich jetzt das „richtige“ Mantra kenne. Da hat er nur gelacht: „Ach das! Das singen wir jeden Donnerstag im Mantra Circle.Da hättest du auch hierbleiben können!“

Bist du mal mit ihm beim Kirtan gewesen?

Ja und ich sag dir: Ich kam raus und war richtig high! Als hätte ich stundenlang meditiert. Wenn ich donnerstags in Wien bin und es nicht vergesse, dann gehe ich da hin.

Du meditierst regelmäßig seit du 19 warst, oder?

Ja, das mache ich wirklich jeden Morgen. Eine Kombination von verschiedenen Atem- und Meditationstechniken. Ohne das möchte ich nicht leben. Das ist auch gar keine Anstrengung. Nach dem ersten Kaffee und der ersten Zigarette setze ich mich hin.

Was erlebst du da?

Ich fühle mich total wohl. Ich komme zurück in so einen seelischen Schutzraum. Da hab ich meine besten Gedanken und finde Lösungen für alles mögliche.

Hat sich etwas verändert in den vielen Jahren Praxis?

Ne, das geht nur immer mal mehr oder weniger tief. Mehr oder weniger sicher. Mehr oder weniger inspirierend. Nur in meiner Krise kam ich damit nicht mehr durch. Da kam dann das Mantra ins Spiel. Wie so ein Special Effect. Obwohl ich es nie so praktiziert habe, wie Kashinath mir das empfohlen hat: „Dieses Mantra sprichst du jetzt schön 108 Mal!“ Ich hab’s gesagt, wenn ich Angst hatte, und wenn die Angst weg war, dann tschüss.

Und wie steht es mit Asanas? Denen bist du doch in Indien sicher auch begegnet?

Ich spiele lieber Tischtennis. Ich fahre auch wahnsinnig gerne Fahrrad und hatte immer viel Sex – was brauche ich da noch Asanas? So hat eben jeder sein Ding.

Du bist auf deinen Reisen vielen traditionellen Yogis begegnet. Was war dein berührendstes Erlebnis?

Ich hab es zweimal erlebt, dass mir ein Yogi die Hand aufgelegt hat und ich schlagartig im Hier und Jetzt angekommen bin. Da denkst du nicht mehr, was du noch alles erleben willst und wo du noch überall hinwillst. Ich war komplett da – und alles war ein einziger Genuss. Darum geht es! Mein Lieblingssatz im neuen Buch ist auch: „Das Sein braucht keinen Sinn.“ Das ist einfach.

Wenn man das verinnerlicht, dann ist man vielleicht auch so wie Kashinath „ready for everything“.

Also wenn du mich so fragst: Ich bin mit Sicherheit nicht ready for everything. Absolut nicht. Aber es ist eine unheimlich gute Zielsetzung. Das ist doch das Geilste, was es gibt! Es bedeutet ja nicht nur, dass du kaum noch Ängste hast, du wertest einfach nicht mehr. Alles ist da und du kannst an allem lernen. Wie gehe ich mit einer Pleite um? Wie gehe ich mit Liebeskummer um?

Und solange wir noch nicht „ready“ sind, helfen uns die Mantras … Dein Mantra gegen die Angst willst du hier wohl nicht verraten? Im Buch gibt es nur einen QR-Code und der führt zu einem Soundfile, wo du es singst.

Ah, da hattest du anscheinend die vorläufige Pressefahne. In der Druckfassung steht das Mantra drin. Ich hatte es bloß vergessen.

Mir hat die Idee mit dem Soundfile eigentlich gut gefallen. Da bleibt dem Mantra mehr von seiner Magie, als wenn man es schwarz auf weiß liest. Übrigens Kompliment: Du singst sehr gut. Vielleicht bist du ja auch „ready for Kirtan-Karriere“?

Haha, das sagt der Manfred auch immer. Der ist ja Profi-Musiker und hat ein eigenes Studio. Da werden wir das noch mal richtig aufnehmen – und auch noch ein paar andere Mantras mehr.

Da bin ich gespannt. Aber ich denke, wir verraten hier jetzt doch nur so viel: Das Mantra gegen die Angst ist sehr bekannt. Es richtet sich an Ganesha und hat zehn Silben.

Und wer es jetzt noch nicht weiß, kann ja das Buch lesen …


HELGE TIMMERBERG war viele Jahre freier Journalist, bevor er als Buchautor erfolgreich wurde. Titel wie „Tiger fressen keine Yogis“ und „Shiva Moon“ zählen inzwischen zu Bestsellern der Reiseliteratur. Sein neuestes Buch erscheint am 14. Oktober:

Helge Timmerberg: Das Mantra gegen die Angst. Oder: Ready for everything. (Malik Verlag, 20 Euro)

Montags-Mantra: Gewinne deine Neugierde zurück

Neugierde Montags-Mantra

Neugierde: Ein Werkzeug für Erfolg

Neugierde ist eine unserer ersten Eigenschaften und der Motor für Entwicklung. Kinder hinterfragen, wollen verstehen, erkunden und erforschen. Sie beobachten. Sie hören Geräuschen zu. Sie bemerken Dinge, die Erwachsene für selbstverständlich halten. Kinder sehen die Welt mit anderen Augen und sind hungrig nach Wissen. Im Laufe des Lebens verdrängen Angst und das Bedürfnis nach Sicherheit einen Teil dieser Neugierde. Dabei ist sie ein so wertvolles Werkzeug wenn es um Erfolg geht.

Übrigens: Wieso probierst du nicht mal eine Yogastunde mit Kindern aus? Da steckst du dich sicherlich mit eine ganzen Portion Neugierde an.

Sei neugierig

Neugierde geht im Alter oft verloren. Du gewinnst sie zurück, wenn du dich öfter mal für den unbequemen Weg entscheidest. Im Unbekannten liegt die Freiheit, Fehler zu machen. Wir scheitern, wir probieren es erneut bis es klappt und lernen somit auf eine Art wie wir es als Kinder getan haben. Manchmal hilft auch schon etwas mehr Achtsamkeit im Alltag. Bleibe auf einem bekannten Weg stehen. Schaue dich um, nehme Geräusche und Gerüche wahr und du wirst feststellen, dass es immer etwas Neues zu entdecken gibt.

„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.

-Albert Einstein

Playlist für Neuanfänge

Neuanfänge
Neuanfänge

„Zwischen den Jahren“ – eine schöne Redewendung, findest du nicht? Sie geht auf Kalender-Debatten vergangener Jahrhunderte zurück. Aber lassen wir das mal außen vor. Für sich genommen klingt der Ausdruck nach Innehalten. Nach Zeit, die uns geschenkt wird. Das alte Jahr liegt hinter uns, für das neue können wir in aller Ruhe Anlauf nehmen… und überlegen, welche Wege wir einschlagen wollen. Nun ist das Jahr 2020 da und wir können die guten Vorsätze in die Tat umsetzen. In welchen Bereichen deines Lebens würdest du gerne Neuanfänge wagen? Zu den Klassikern gehören (vielleicht findest du dich ja wieder): gesünder ernähren, mehr bewegen, mehr Zeit mit der Familie verbringen. Tja, und plötzlich wird es März, und alles ist wieder beim Alten.

Neu beginnen in 2020

Damit das in diesem Jahr anders wird, haben wir diese Playlist den Neuanfängen gewidmet, dem inneren Wachstum und (vielleicht auch äußeren) Wandel. Sie ist also eine kleine Erinnerung, dem Drang des Gewohnten zu widerstehen. Und sie bringt eine Portion Mut, wenn du vor Neuanfängen stehst und der sich der erste Schritt etwas schwierig gestaltet. Viel Spaß damit und ein gesundes und glückliches neues Jahr.

Playlist für Neuanfänge

Übrigens: In unserem Jahreshoroskop blicken wir in der aktuellen Yoga Journal Ausgabe in die Sterne und verraten dir, wie deine Chancen für Neuanfänge in 2020 stehen.