Vegane Heidelbeer-Pasta mit Pfannenpilzen und Pfefferrahm

Wir lieben kleine Tricks, die aus einem einfachen Gericht ein Highlight machen. Hier färben die Profiköchinnen Jessica Wolf und Kristina Mohr die Pasta mit einer Heidelbeerreduktion blaubeerviolett – für einen echten Hingucker. Dieses Rezept stammt aus ihrem Kochbuch „Gemüse feiern! Genial zubereitet – grandios serviert“.

Heidelbeer liebt Pilz

Für 4 Personen / Zubereitungszeit: 1 Stunde

Für die Heidelbeerreduktion:

300 g TK-Heidelbeeren
600 ml Heidelbeersaft
4 EL Aceto Balsamico
3 EL Ahornsirup
2 TL Zitronensaft
Salz, Pfeffer

Für den Pfefferrahm:

1 Zwiebel
30 g Knollensellerie
80 g Möhren
50 g mehligkochende Kartoffel
5 Egerlinge (Champignons)
1–2 EL Olivenöl
1 TL Tomatenmark
1 TL Ahornsirup
400 ml Gemüsebrühe
1 Lorbeerblatt
1 TL eingelegte grüne Pfefferkörner
1 EL Gurkenaufguss, Salz

Für die Pfannen-Egerlinge:

300 g Egerlinge (Champignons), 2 EL Olivenöl, Salz, Pfeffer

Pasta:

500 g Hartweizen-Pasta, Salz, 1–2 EL Olivenöl

Außerdem:

150 g Heidelbeeren, 1 Handvoll Rucola

Zubereitung der Heidelbeer-Pasta mit Pfannenpilzen und Pfefferrahm

Gemüse feiern Heidelbeer Pasta Mohr Wolf
Gräfe und Unzer / Lars Walther

Heidelbeerreduktion
Alle Zutaten in einem Topf aufkochen und auf die Hälfte einköcheln lassen. Die Reduktion mit dem Stabmixer fein pürieren und durch ein Sieb streichen (alternativ in einem Hochleistungsmixer pürieren). Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Pfefferrahm
1. Zwiebel, Sellerie und Möhren schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Kartoffel waschen und ungeschält würfeln. Die Pilze putzen und vierteln.
2. Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Zwiebel darin anschwitzen. Sellerie und Möhre 1–2 Min. mitdünsten. Die Temperatur erhöhen, die Pilze dazugeben und alles anrösten. Das Tomatenmark unterrühren und ein paar Minuten mitrösten. Den Ahornsirup untermischen und karamellisieren lassen.
3. Mit 100 ml Brühe ablöschen, dabei die Röststoffe vom Topfboden mit einem Kochlöffel lösen. Die übrige Brühe angießen und alles ca. 5 Min köcheln lassen. Kartoffel, Lorbeerblatt, Pfefferkörner und Gurkenaufguss dazugeben. Alles weitere 10 Min. köcheln lassen, bis die Kartoffel weich ist.
4. Das Lorbeerblatt entfernen und das Gemüse mit dem Stabmixer fein pürieren. Mit Salz abschmecken.

Pfannen-Egerlinge
Während der Pfefferrahm köchelt, die Egerlinge putzen und – je nach Größe – vierteln oder sechsteln. Eine große Pfanne heiß werden lassen und die Pilze darin ohne Fett kräftig braun braten. Olivenöl und Salz dazugeben und die Pilze durchschwenken. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Pasta
Die Pasta in reichlich Salzwasser nach Packungsanweisung gar kochen und in ein Sieb abgießen. Das Olivenöl mit der Pasta in den Topf geben und bei mittlerer Hitze kurz durchschwenken. Die Heidelbeerreduktion gut untermischen. Falls sie zu dickflüssig ist, noch etwas Wasser hinzufügen.

Anrichten
Heidelbeeren und Rucola waschen und trocken tupfen. Den Pfefferrahm erhitzen. Die Pasta spiralförmig auf Tellern anrichten, den Pfefferrahm und die Egerlinge darauf und daneben verteilen. Mit Rucola und Heidelbeeren dekorieren.


Über die Autorinnen

Kristina Mohr Jessica Wolf
Gräfe und Unzer / Lars Walther

Jessica Wolf, vegane Unternehmerin und leidenschaftliche Köchin, gründete 2019 mit Kristina Mohr das vegane Restaurantkonzept „die FETTE BEETE“, das 2020 zu den Gewinnern des deutschen Gastro-Gründerpreises zählte. Kristina Mohr lebt vegan und ist leidenschaftliche Köchin. Gemeinsam mit Jessica Wolf beweist sie in ihrem Restaurant „die FETTE BEETE“ jeden Tag, wie kreativ pflanzliche Küche sein kann. In der angeschlossenen Kochschule geben die beiden Gastronominnen ihr Wissen weiter.


Gemüse feiern Kristina Mohr Jessica Wolf

Vegane Rezepte aus der kreativen Profiküche, die auch Nicht-Veganer*innen überzeugen und begeistern – das und vieles mehr gibt es im aktuellen Kochbuch „Gemüse feiern!“, mit dem die Profiköchinnen mit geschmacklichen Highlights durch das ganze Jahr begleiten. Ob Gourmet-Abend mit Freunden, After-Work- oder Candlelight-Dinner: In „Gemüse feiern!“ werfen sich die Zutaten in Schale und treten in den aufregendsten Kombis auf, ob Süßkartoffel-Bruschetta mit Grünkohltopping oder Frittierter Rosenkohl mit Whiskeykaramell.

„Gemüse feiern!“ (240 Seiten), erschienen im GU Verlag


#56 Indische Palmblätter: Können sie wirklich die Zukunft voraussagen? – mit Marcello Michelutti

Finde heraus, ob die alten Rishis auch für dich eine Botschaft aus der Vergangenheit haben

In dieser Folge „YogaWorld Podcast“ geht’s um die indischen Palmblattbibliotheken. Auf den besagten Palmblättern sind Inschriften aus Indien abgebildet, die persönliche Lebensläufe und konkrete Prognosen für das eigene Leben enthalten sollen. Die Palmblätter sind vermutlich 4000-6000 vor Christus entstanden. Sie sollen von den sogenannten Rishis angefertigt worden sein und auf die Suchenden in indischen Tempelbibliotheken warten. Der vedische Astrologe Marcello Michelutti begleitet Menschen bei der Suche und Lesung ihres Palmblattes und steht im Gespräch mit Susanne Rede und Antwort zu diesem spannenden, mystischen Thema.

Zunächst erzählt Marcello, was es mit den sagenumwobenen Palmblattbibliotheken auf sich hat und skizziert die Entstehungsgeschichte der Palmblätter. Er beschreibt, wer die alten Rishis waren und woher das Wissen auf den Palmblättern kam. Außerdem erläutert Marcello, welche Lebensthemen auf den Palmblättern festgehalten wurden und erklärt anhand konkreter Beispiele, wie wir dieses Jahrtausende alte Wissen für die Gestaltung unseres Lebens anwenden können. Zudem verrät er, was man unbedingt beachten sollte, um eine authentische Palmblattlesung zu erhalten und sich vor Nachahmern zu schützen. Möchtest du wissen, ob auch auf dich ein Palmblatt in Indien wartet?

Unsere beliebten Montags-Mantras in einer Playlist

Viele von euch haben es sich gewünscht: Nun haben wir alle Montags-Mantras von unserem Kanal @yogaworld108 für euch in voller Länge und in einer Playlist zusammengestellt:

Die Montags-Mantra-Playlist

Wir wünschen dir viel Freude damit! Speichere dir die Playlist am besten gleich ab; wir werden sie regelmäßig ergänzen.

Das waren eure liebsten Mantras

Aham Prema – „Ich bin Liebe“


Om Gam Ganapataye Namaha – Mantra für Ganesha


Gayatri Mantra – Mantra an das göttliche Licht


Om Tare Tuttare Ture Soha – Mantra der grünen Tara


Ek Ong Kaar – das Magische Mantra


OM – AUM – die heilige Silbe des Universums


Titelbild: Marilyn Nieves / Getty Images Signature via Canva

Pimp your Mind! Die 30-Tage-Niyamas-Challenge

Wer A sagt, lässt B folgen. Und auf Yama folgt: Niyama. Nach der Challenge zu den ethischen Lebensregeln laden wir dich jetzt zu einem neuen Abenteuer ein: Hier erfährst du von unserer Gastautorin Sybille Schlegel, wie du in 30 Tagen genauer hinsiehst, dein Ego-Ich besänftigst und so zu mehr Durchblick und neuen Perspektiven über dich selbst und die Welt gelangst – weg vom kleinen „Ich, ich, ich“ und hin zum inneren Licht.

Text: Sybille Schlegel

Ihr kennt das von Netflix-Serien: Da das Vorherige in das Aktuelle hineinspielt, gibt es zunächst mal einen kleinen Rückblick, der zugleich eine Einführung ist: Was sind die Niyamas überhaupt, wie hängen sie mit den Yamas zusammen und welche Rolle spielen sie in dem komplexen Setting von Patanjalis Yogasutra und der Yogaphilosophie überhaupt?

Was die Sanskrit-Begriffe Yama und Niyama vereint, ist der Wortteil Yama. Der kommt von der Sanskrit-Verbwurzel yam, welche – wie so oft im Sanskrit – ziemlich verschiedene Bedeutungen haben kann. Am bekanntesten ist das Bedeutungsfeld von: sich zurückhalten, einschränken, kontrollieren oder gar zügeln. Meist wird Yama so übersetzt. Schließlich geht es im Yogasutra darum, das Ego-Ich im Zaum zu halten, bis es freiwillig mal innehält, sich hinsetzt und am inneren Licht erfreut. Bevor man dahin kommt, fühlt man möglicherweise Ängste oder Zweifel seines Ego-Ichs. Man hört es wimmern, ob dieses Zügeln denn wirklich nötig sei. Ob gar eine Peitsche oder Fesseln involviert seien. Denn in der Natur des Ego-Ichs liegt ja: Me first. Da wird Zurückhaltung klein geschrieben.

„Yoga ist radikal. Es eröffnet uns eine Perspektive, aus der wir sonst nur selten auf die Welt blicken.“

Sri Nisargadatta Maharaj

Mein Wörterbuch des Vertrauens zeigt Verständnis mit dem Ego-Ich. Es nimmt es beruhigend in den Arm und flüstert: „Fürchte dich nicht. Es geht darum, dass du über dich hinauswächst und deinen Menschen darin unterstützt, in positivem Verhalten beständig zu werden. Das ist gut, denn es führt dazu, dass der Schmerz weniger wird.“ Das Ego-Ich atmet tief ein. Das Wörterbuch wispert aufmunternd: „Es geht darum, dich auf gewisse Dinge zu konzentrieren. Das kannst du doch!“ Zaghaft äugt das Ego-Ich auf das Buch und jammert: „Aber hier steht auch: ‚in Flammen aufgehen‘!“ Das Wörterbuch schmunzelt liebevoll: „Keine Sorge. Das einzig Brennbare hier bin ich. Feuer steht für Reinigung und Veränderung. Flammen transzendieren bildlich das, was dich davon abhält, deine eigene Perfektion zu erkennen.“ Das Ego-Ich schnieft und wischt sich nicht sehr ladylike mit dem Handrücken über die Nase.

Siora Photography Unsplash Buch
Foto: © Siora Photography via Unsplash

„Im Begriff Niyam verinnerlicht die Vorsilbe ni das yam„, doziert das Wörterbuch bereitwillig weiter. „Das heißt: Hier geht es darum, das innere Gefühl der Mitte zu erkennen und durch Verhalten zu pflegen. Und bevor du dich aufregst: Einige Übersetzungen werden dir nicht gefallen, weil sie auch etwas mit Einschränkung und Kontrolle zu tun haben. Das liegt aber nur daran, dass man, wenn man etwas Neues in sich etablieren möchte, in diesem Lern- und Übungsprozess Willenskraft, Konzentration und Durchhaltevermögen einsetzen muss. Niyama will dich nicht bestimmen. Ganz im Gegenteil. Es dient dir, dich selbst zu befreien.

Lies auch: „Yamas und Niyamas in der Yoga-Praxis“ von Mark Stephens

Das Wörterbuch seufzt. „Ich wünschte, du und deinesgleichen würden das verstehen. Dann würde es euch viel leichter fallen, euch mehr für diese Übungen zu öffnen.“ Das Ego-Ich kraust seinen Mund nachdenklich nach links. „Freiheit gefällt mir“, sagt es langsam. „Und die Übungen aus dem Yama-Bootcamp haben mir und meinem Menschen eigentlich auch Spaß gemacht. Wir hatten plötzlich mehr Freude im Alltag, mehr Lächeln.“ Das Wörterbuch winkt eine Ausgabe des Yogasutra heran: „Komm, es ist jetzt soweit!“


Hast du Teil 1 bereits gelesen? Hier geht’s zur 30-Tage-Yamas-Challenge:


Passt das Außen, geht’s nach innen

Rücksicht, Umsicht, Vorsicht: Während die Yamas das eigene Verhalten gegenüber anderen Wesen und der Umwelt yogisch modifizieren und so ethische, bewusste und achtsame Handlungen fördern, liegen die Stellschrauben der Niyamas tiefer, nämlich in uns selbst: Reinheit, Zufriedenheit, Disziplin, Eigenstudium und Einheit mit dem Universalen, sind hier die Themen. Und das zeigt: Es geht ans Eingemachte. Yoga ist radikal, sagt Sri Nisargadatta Maharaj in seinem Buch „I am that“. Weil es eine Ebene in uns hervorbringt, die wir sonst nur selten bemerken. Weil es eine Perspektive in uns eröffnet, aus der wir selten auf die Welt blicken.

Wenn man mal darüber nachdenkt, ist schon die Idee vom Stillstellen des Geistes, Citta Vritti Nirodha, radikal! Patanjali sagt in Sutra 1.4, dass wir diesen Zustand normalerweise nicht haben. Stattdessen erfahren wir unsere Umwelt zunächst durch die Sinne. Die wiederum regen den Geist an, die gesammelten Eindrücke auf Basis verschiedener Algorithmen zu bewerten. Solche Berechnungsmethoden haben wir alle in uns entwickelt und zwar auf Basis bisheriger Daten (Gedächtnis), aus Erziehung, Bildung, Kultur, aus persönlichen und epigenen Lebenserfahrungen.

Yoga-Sutras Ylanite Koppens Pexels
Foto: © Ylanite Koppens via Pexels

Dieses innere Team aus Sicherheitsleuten, Abenteurer*innen, Chef*innen, Genießer*innen, Lehrer*innen und Quengler*innen berichtet uns dann in einer Powerpoint-Präsentation die passende Geschichte zur momentanen Sinneserfahrung. Dieses Meeting im Geist kann auch mal länger dauern. Oder von Hölzchen zu Stöckchen führen. Oder komplett in die Irre. Was dabei untergeht, ist die Möglichkeit, dass alle auch mal die Klappe halten können und Platz machen für das Sein im Hier und Jetzt, das Fühlen von Verbundenheit, eine innere Ruhe, die uns erfüllen könnte. Und genau dafür gibt es die Niyamas: Es sind Übungsbereiche, die den Geist klar machen, das Ego im Zaum halten und das Herz weit öffnen für die unmittelbare, lebendige Erfahrung.


Erfahre mehr zu Patanjalis Yogasutras in unserer Podcast-Folge mit Eckard Wolz-Gottwald:


Auf die Plätze, fertig, los geht es mit der Niyamas-Challenge!

Grundlegend für das sich Üben in den Niyamas ist – neben Wunsch und Willen es zu tun – die Fähigkeit zur Selbstbetrachtung, Reflexion. Das bedeutet im ersten Schritt: sehen, was man denkt, wie man sich fühlt, was man gerade sieht. Im zweiten heißt es, supervisorisch zu sehen, also überlegen, ob das, was man denkt, sieht und fühlt, dem angestrebten Ziel der inneren Ruhe dienlich ist. Oder ob es einen aus der Mitte herauskatapultiert. Gut, dass der Geist trainierfähig ist wie ein Bizeps. Bis er irgendwann eine Qualität erlangt, die Sri Nisargadatta Maharaj „Meditative Mind“ nennt: einen Geist, der bereitwillig mal schweigt, und ein Ego, dass dem Herzen gerne den Vortritt lässt. Wie schon beim ersten Teil wollen wir uns auch jetzt für jedes Thema 6 Tage Zeit nehmen:

Tag 1 bis 6: SAUCA

Wer putzt, kriegt Durchblick

„Durch Reinigung (entstehen) Distanz zum eigenen Körper und Abstand von anderen. Die Wahrnehmung von Reinheit (mit der Qualität von sattva) macht den Geist klar und fokussiert.“

Patanjali, YS 2.40/41

Das erste der Niyama bedeutet Reinheit. Nähern wir uns der Sache mal bewusst mit Pragmatismus: Was passiert, wenn wir unsere Körper (oder wahlweise die Küche) reinigen? Zuerst setzen wir uns überhaupt mal mit der Notwendigkeit des Reinigens auseinander. Wir akzeptieren das Konzept „Reinheit“ als ursprünglichen Zustand und das Konzept „Verschmutzung“ als eines, das die Wahrnehmung der ursprünglichen Reinheit verhindert. Dann beginnen wir, die Verschmutzung zu finden und zu entfernen. Hier gilt: Man findet, was man sieht.

Ich reinigte als Teenager mal das Cerankochfeld im Elternhaus und war total zufrieden mit mir. Meine Mutter sah das nicht so. Sie bat mich den Kopf schief zu halten und das Kochfeld von der Seite zu betrachten: überall Fettschlieren. Wenn wir uns mit dem Reinigen beschäftigen, dann lernen wir, genauer hinzusehen, Feinheiten wahrzunehmen. Und wir bemerken, dass es scheinbar endlos ins immer Feinere geht. Und was passiert in diesem Prozess mit unserem Geist? Wir werden auch innerlich aufgeräumter, weil wir beginnen die Ruhe und die Klarheit von Reinem zu mögen und zu wollen. Wir erkennen, dass die Reinheit in all dem, das wir reinigen, nicht von Dauer ist. Und laden damit das in unser Leben ein, was dauerhaft rein ist.

Aktion 1: Wir haben heutzutage eine recht ausgeprägte Körperhygiene. Nimm spielerisch, aber regelmäßig, eine weitere dazu: Zungenschaber, Zahnseide, Nasenspülung, hochbewusste Pediküre – was du willst. Beobachte dich dabei und notiere deine Gedanken.

Mehr über Neti, Zungenschaber & Co…

Aktion 2: Trage ein weißes T-Shirt oder Hemd – Fortgeschrittene gehen ganz in weiß. Wie sieht so ein Kleidungsstück aus, bevor du es anziehst? Wie versuchst du den Zustand der Reinheit zu erhalten?

Aktion 3: Detox. Yeah! Obwohl noch gar nicht Januar ist. Du kannst auch jetzt detoxen, zum Beispiel indem du mal von Zucker, Kaffee, Rauchwaren oder ähnlichem Abstand hältst, von dem du weißt, dass es deinen Körper verunreinigt. Fortgeschrittene verzichten auf Social Media oder Netflix-Serien, noch besser auf Tratsch und Klatsch. Wie fühlst du dich? Notiere.

Lesetipp: „Ordnung meistern: endlich Raum zum Atmen!“

Tag 7 bis 12: SANTOSHA

Emotional öfter in der Mitte

„Aus Zufriedenheit gewinnt man unübertroffenes Glück.“

Patanjali, YS 2.42

Was ist Zufriedenheit eigentlich? Oder was ist es nicht? Es ist kein Aufgeben. Kein Akzeptieren, weil man muss. Kein Gefühl von Enge, Schwere, Bedrückung oder Unsichtbarkeit. Vielmehr ist es buchstäblich das „zu Frieden gekommen sein“: Ruhig, leicht, frei von Wollen, Streben, Müssen & Co. In der Bhagavad Gita Vers 2.55-66 ist etwas ausführlicher die Rede davon: Stetes Wollen kommt aus dem Geist, es wird gefüttert durch die Eindrücke der Sinne. Wenn man dieses Einflusses der Sinne nicht Herr wird (weil man sich dessen gar nicht bewusst ist), bleibt der Fokus hier. Ein Habenwollen ersetzt das andere. Eine ziemlich machtvolle Unruhe-Gewohnheit! Eine Sucht nach Erfüllung durch das Außen – materiell wie emotional.

Aus diesem Getriebensein entsteht Wut. Aus der Wut Verwirrung. Aus dieser der Verlust von Erinnerung. Daraus die Zerstörung aller Klarsicht. „Ab hier ist man verloren“, sagt Krishna. Kultivieren wir dagegen Zufriedenheit – also die Abwesenheit von Verlangen und Ablehnung (Raga und Dvesha) – wächst tiefe Ruhe in uns. Die bleibt, sogar im Alltag. Der Geist legt sich freiwillig in den Liegestuhl und lässt sich einen frisch gepressten Orangensaft servieren. Die Ruhe darf bleiben. Diese Ruhe ist Frieden. Und Frieden ist unübertroffenes Glück.

Lies auch: „Yogaphilosophie: Die vier Arten des Glücks“

Aktion 1: Dieses „Raus aus den Sinnen“ funktioniert über den Blick nach innen. (Und was sich reimt, das funktioniert.) Meditiere jeden Tag 5–10 Minuten. Mit klarem Fokus nach innen. Bis du die Stille hörst.

Aktion 2: Das Spiel der ersten Wahl. Beim Einkaufen, im Restaurant und so weiter: Wähle das erste, was dir in die Augen fällt. Denke nicht lange darüber nach, sondern erlaube dir das anzunehmen, was kommt. Betrachte deine Gefühle bei diesem Spiel, mach Notizen: Wie fühlt es sich an, dieses „erste Beste“? Kannst du zufrieden damit sein?

Aktion 3: Notiere, was du magst und was nicht – Marken, Produkte, Gewohnheiten, Routinen. Frage dich, wie es wäre, wenn diese Dinge nicht mehr da wären. Wie gut gehst du damit um, wenn sich dein Plan ändert? Wie ist dein Verhältnis zu Akzeptanz? Schreib auch hierzu auf, was dir begegnet und dir auffällt.

Probiere auch diese Yogapraxis zum Kultivieren von Santosha aus…

Tag 13 bis 18: TAPAS

Damit der Schweinehund Platz macht

„Die feurige Energie, die in Disziplin liegt, verbrennt alles Unreine und lässt Körper, Sinne und Geist strahlen.“

Patanjali, YS 2.43

#55 Praxisreihe: Sound Meditation – mit Olivia Leicht

YogaWorld Podcast Cover Olivia Leicht

Einfach nur sein: Genieße die einzigartige Wirkung der Crystal Singing Bowls

In dieser Praxisfolge im „YogaWorld Podcast“ führt dich Sound Healerin Olivia Leicht durch eine Sound Meditation mit Crystal Singing Bowls. Spüre die transformierende Wirkung des Sounds auf allen Ebenen: Der Körper findet innerhalb kürzester Zeit in eine tiefe Entspannung, die Gedanken werden beruhigt und geklärt und auch emotional wirken die Klänge wie eine reinigende Dusche. Das Beste daran: Das alles passiert ohne aktives Zutun. 

Wie das funktioniert? Alles auf der Welt besteht aus Schwingungen und Frequenzen. Auch dein Körper. Die Crystal Singing Bowls erzeugen harmonische Schwingungen, die auf deine Gehirnwellen wirken. Bei der sogenannten Frequency-Following-Response reagiert dein Gehirn auf die Stimuli des Sounds und kann durch den Klang in den Alpha- und Theta-Zustand kommen, wobei sich die Gehirnwellen verlangsamen. Dies wird mit einem meditativen und friedlichen Zustand in Verbindung gebracht. Es kann sich eine tiefe Ruhe in deinem Körper ausbreiten und dein Körper kann sich erholen. Zudem wirken die Bowls harmonisierend auf deine Chakras und können energetische Blockaden lösen. Die Sound Meditation wirkt wie eine Abkürzung von der Reizüberflutung in der äußeren Welt zurück in die innere Mitte. 

Du darfst dich während dieser Sound Meditation einfach nur hinlegen, den Klängen lauschen und sein. Der Sound wirkt von alleine. Wir wünschen dir viel Freude dabei!

Kraftierreisen – finde dein Schutztier

via Canva

Tiere üben auf viele von uns allein durch ihre Präsenz eine große Faszination aus. Und auch im Yoga spielen sie eine wichtige Rolle. So nehmen wir zum Beispiel oft Asanas ein, die Tiere verkörpern, oder leben nach dem yogaphilosophischen Konzept der Gewaltlosigkeit, Ahimsa genannt. Als Krafttiere können sie zu spirituellen Begleitern werden. Unsere Kollegin Jenny hat sich auf ihre ganz persönliche Krafttierreise gemacht… // anzeige

Text: Jenny Hansen / Titelbild Activedia via Canva

Krafttiere sind spirituelle Helfer, die uns im Schamanismus begleiten und unterstützen. Sie werden als Tiere dargestellt und repräsentieren die Kräfte und Eigenschaften, die diesem Tier zugeschrieben werden. Jeder Mensch hat mindestens ein Krafttier, das ihn oder sie auf seiner spirituellen Reise begleitet. Carolin Mallmann beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Schamanismus und Krafttieren. Als NLP Coach & Trainerin unterstützt sie Menschen dabei, sich die traditionellen spirituellen Lehren aus dem Schamanismus auf eine moderne und praktische Weise zu erschließen. Die Weisheit der Tiere kann uns in jeder Lebensphase bewusster unseren realen Zielen näher bringen.

Die Bedeutung von Krafttieren im Schamanismus

Der Schamanismus ist eine spirituelle Praxis, die seit Tausenden von Jahren von verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt praktiziert wird. Krafttiere, auch bekannt als Totemtiere oder Schutztiere, spielen hier eine zentrale Rolle. Sie haben unterschiedliche Bedeutungen und Kräfte, je nachdem, welches Tier es ist. Einige der häufigsten Krafttiere und ihre Bedeutungen sind:

Bär: Stärke, Ausdauer, Heilung, Weisheit

Adler: Klarheit, Weitblick, Freiheit, spirituelle Verbindung

Wolf: Führung, Gemeinschaft, Mut, Instinkt

Fuchs: List, Anpassungsfähigkeit, Intelligenz, Kreativität

Schmetterling: Transformation, Leichtigkeit, Schönheit, Freude

Die Bedeutung des Krafttieres kann sich im Laufe der Zeit ändern, je nachdem, welche Herausforderungen man im Leben meistern muss oder welche Eigenschaften man stärken möchte. Es ist daher wichtig, regelmäßig Kontakt mit seinem Krafttier aufzunehmen und sich mit seiner Bedeutung und Kraft zu verbinden.

Wie findet man sein Krafttier?

Schon seit Wochen freue ich mich auf die Session mit Carolin, denn Tiere spielen in meinem Leben eine sehr große Rolle. Möglichst vielen Tieren zu einem besseren Leben zu verhelfen und ihr Leid zu beenden, ist mein übergeordnetes Lebensziel. Schon in meiner Kindheit fühlte ich mich zu ihnen hingezogen und wollte einfach in ihrer Nähe sein (mit Ausnahme von Spinnen). Das ist bis heute so.

Fast schon streberhaft bereite ich mich also mit meinem Krafttier-Orakel-Set und meinen ausgearbeiteten Fragen vor und warte, bis Carolin auf dem Bildschirm erscheint. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch, lachen viel und driften immer wieder in Alltags-Stories oder Sternzeichen-Geplauder ab. Interessant ist, dass ich mich Carolin gegenüber sofort öffnen kann und ihr meine Themen anvertraue. Offensichtlich hat sie den richtigen Job. ;-)

Beim ersten Video-Treffen geht es darum, eine Einschätzung der momentanen Situation zu bekommen und sich etwas kennenzulernen. Im zweiten Step führt Carolin dann mit Hilfe von Schamanen eine Krafttierreise durch, bei der wir uns zeitgleich mental miteinander verbinden. Dazu später mehr …

Welches Thema beschäftigt mich gerade?

Aktuell geht es bei mir um Klarheit und eine ausgewogene Work-Life-Love-Mum-Balance. Ich fühle mich häufig zerrissen oder wie ein Oktopus, dem sechs Arme fehlen. Morgens das Kind zur Schule bringen, arbeiten, 100 Prozent geben, mittags feststellen, dass ich noch nichts gegessen habe, ach Mist, Wäsche muss ich ja auch noch waschen. Einkaufen, Funktionieren, Play → Repeat. Viele von euch kennen es bestimmt und nicken zustimmend. Das berühmte Hamsterrad dreht und dreht sich. Keine Zeit für Kreativität, Muße, Atempausen. By the way: Wollte ich nicht jeden Tag Yin Yoga üben?

Und während es so aus mir heraussprudelt, sagt Carolin plötzlich: „Ich sehe den Adler bei dir! Der Adler hat alles im Blick, hat klare Visionen und sieht das große Ganze.“ Ich denke kurz nach und stimme ihr zu. Tatsächlich ist es mein Herzenswunsch, mein ganzes Potential, meine Vision zu leben und mich nicht mehr so oft zu verzetteln. Sie fügt hinzu: „Dein Mund öffnet sich beim Sprechen kaum, das heißt dein Gesagtes hat zu wenig Kraft. Lass es mehr raus, öffne dich und zeige der Welt, was du drauf hast!“ – Stille –

Ich: „Tja, das trifft wohl den Nagel auf den Kopf, aber so habe ich es noch nie gesehen, geschweige denn an den Adler als mein Krafttier gedacht.“

Jeder Mensch hat übrigens unterschiedlich viele Krafttiere. Einige sind der Meinung, dass man sogar pro Chakra zwei haben kann. Bei mir waren bisher immer Pferde, Delfine und Elefanten meine Begleiter, weil ich jedem dieser Tiere in der Natur schon auf magische Art und Weise nahe gekommen bin. Umso gespannter bin ich, welches Tier am nächsten Tag während der Krafttierreise erscheint … oder ob es beim Adler bleibt. Während der Reise soll ich meditieren oder Yoga praktizieren, rät mir Carolin. Wir verabreden uns für den nächsten Tag.

Ich entscheide mich für eine Yin-Sequenz aus herzöffnenden Asanas, dem halben Schmetterling, der liegenden Katze und Drehungen. Mir fällt es an dem Tag schwer, in die Haltungen hinein zu schmelzen und mich fallen zu lassen. Zu viele Gedanken kreisen über mir. Plötzlich denke ich an meinen Hund, der drei Wochen zuvor gestorben ist. Es schmerzt noch immer. Ich frage mich, was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Was brauche ich jetzt? Was möchte ich noch erreichen?

Und auf einmal, während des liegenden Schmetterlings, lichtet sich der Konfetti-Wirbel aus Gedanken, sie scheinen sich zu ordnen, die Struktur und der Fokus kommen zurück und ich fühle mich frischer.

Zwei Stunden später schickt mir Carolin auch schon die Audiodatei der Krafttier-Reise, die ich mir ganz für mich an einem ruhigen Plätzchen am See anhöre. Ich atme tief ein und aus und lasse mich von Carolins sanfter Stimme in eine andere Welt mitnehmen.

Nachdem sie den Raum der vier Himmelsrichtungen geöffnet hat, bittet Carolin mein persönliches Krafttier, zu erscheinen und wiederholt nochmal meine Intention. Es taucht wieder der Adler auf.

@ Carolin Mallmann

„Der Adler blickt von oben auf die Erde. Dabei schwebt er nicht ziellos umher, sondern hat einen genauen Plan. Er sagt, auch du, Jenny, kennst deinen Lebensplan. Die Kraft der Unterstützung liegt in dir. Und wenn du tief in dich hineinhorchst, weißt du auch, was du zu tun hast … du bist als eine Art Schutzpatronin auf die Welt gekommen, um Tiere und unseren Planeten zu schützen.“ Ich bin tief berührt. Es fühlt sich wahr an und etwas löst sich in mir.

Letztlich sagt sie, gehe es darum, Entscheidungen zu treffen, die nicht immer allen Menschen gefallen müssen. Meinen Weg zu gehen, selbstbestimmt und mutig. Nach der halbstündigen Reise fühle ich mich frei, zufrieden und beseelt, irgendwie leichter als vorher. Ich schaue in den blauen, fast wolkenlosen Himmel, nehme einen Stift heraus und fange an, meinen Plan auf Papier zu bringen.

Über Carolin Mallmann

Carolin hat ihr eigenes Krafttier-Orakel-Set heraus, das du über ihre Webseite kaufen kannst. Neben Krafttierreisen bietet sie individuelle NLP-Coachings und -kurse, Schamanismus-Sitzungen und Rauhnächte-Kurse an. Mit ihrem Podcast HERZVERMÖGEN möchte sie Menschen helfen, ihre innere Bestimmung, ihren Herzensweg und ihr Glück zu finden.

Neugierig geworden? Wenn auch du jetzt gerne eine solche Krafttierreise erleben oder ein Coaching bei Carolin machen möchtest, findest du unter www.carolinmallmann.de weitere Infos.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich immer mal wieder Zeit für sich zu nehmen, innezuhalten und zu reflektieren. Manchmal braucht es den Blick von außen oder Begleiter aus der geistigen Welt, um wieder Klarheit zu erlangen. Ich wünsche euch, dass auch ihr solche Momente erlebt und dass ihr dankbar und glücklich seid. Eure Jenny.

Warum die Yogawelt traumasensible Achtsamkeit braucht

Immer öfter begegnet man in der Yogawelt dem Begriff „Traumasensibilität“. Wir haben mit zwei Expertinnen auf diesem Gebiet, Louisa Domhan und Loredana Di Filippo, gesprochen und nachgefragt, was genau es bedeutet, Yoga und Achtsamkeit traumasensibel – oder traumainformiert – zu unterrichten. Louisa und Loredana sind Yogalehrerinnen und bieten darüber hinaus körperorientierte Coachings auf Grundlage traumasensibler Achtsamkeit an. Denn viel mehr Menschen sind von einem Trauma betroffen, als uns vielleicht bewusst ist. Warum es so wichtig ist, auch im Yogaunterricht ein Bewusstsein dafür zu schaffen, erfährst du in diesem Interview.

Louisa Domhan und Loredana Di Filippo
Louisa Domhan (links) und Loredana Di Filippo (rechts)

YW: Zuallererst würde mich interessieren: Wie seid ihr selbst auf Traumasensibilität aufmerksam geworden? Wie kam es dazu, dass ihr heute Traumasensibilität in eure Arbeit integriert?

Louisa: 2017 bin ich eine längere Zeit nach Indien gereist, um in einem traditionellen indischen Ashram meine erste Yogaausbildung zu absolvieren. Diese Zeit war alles andere als (trauma)sensibel. In indischen Ashrams geht es sehr dogmatisch zu. Klare Regeln, wenig Raum für individuelles Empfinden und Herangehen an den Yogaunterricht. Es war eine sehr bereichernde und lehrreiche Zeit. Wenn ich aber aus meiner heutigen Sicht darauf schaue, hätte ich mir einige Dinge anders gewünscht – wie zum Beispiel den Umgang mit dem Ausführen von Yogaasanas im Hinblick auf körperliche Einschränkungen und emotionale Zustände.

Als ich dann 2017 meine ersten Yogaklassen unterrichtete und den ersten Job als Sozialarbeiterin mit geflüchteten Menschen begann, kam ich mit dem Thema Trauma in Kontakt. Ich habe verstanden, wie Trauma im Gehirn und unserem Nervensystem wirkt und was für extreme Auswirkungen Trauma auf das ganze Leben und Umfeld hat. Was als zwei Parallelstraßen begann, lief 2020 als große Hauptstraße mit einer ersten Weiterbildung zum traumasensiblen Yoga bei Eva Weinmann zusammen.

Loredana: Wenn ich mich zurück erinnere, dann bin ich durch Zufall auf eine Fortbildung zum traumasensiblen Yoga gestolpert. Rückblickend kann ich sagen, dass ich vermutlich aufgrund meiner eigenen Trauma-Geschichte tiefer in die Materie eingetaucht bin. So oft lernen und lehren wir doch gefühlt das, was wir am meisten brauchen. Ich habe sehr viele verschiedene Traumata erlebt, die mich als Mensch sehr geprägt haben. (Trauma)sensibles Yoga, Achtsamkeit und Körpertherapie haben mir gezeigt, dass ich viel mehr bin als die Summe meiner prägenden Erlebnisse. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mein Wissen jetzt auf unterschiedliche Art und Weise weitergeben darf – zusammen mit Louisa in der Erwachsenenbildung, in den Yogastunden und Workshops, die ich unterrichte, und in der Arbeit mit meinen Klientinnen.

YW: Könnt ihr uns eine kurze Einführung geben, was Trauma bedeutet?

Loredana: Wenn Menschen an Trauma denken, denken sie meist an Schocktraumata. Sie denken an Krieg, Naturkatastrophen, Unfälle oder sexuelle Gewalt. Und es stimmt natürlich: Diese Ereignisse haben das Potenzial, traumatisch zu sein. Doch noch einmal von vorn: Trauma bedeutet erst einmal Wunde. Ein Trauma ist etwas, das unser Nervensystem überfordert und damit unsere Verarbeitungsmöglichkeiten übersteigt. Eine moderne Definition von Trauma ist also: Ein Trauma entsteht im Nervensystem, nicht im Ereignis selbst. Das bedeutet, was traumatisch ist, ist subjektiv. Anstelle von Trauma könnte man auch sagen: „Das Nervensystem überfordernde Erfahrungen“.

Frau mit mentaler Belastung
© Anthony Tran via Unsplash

Und wir dürfen den Trauma-Begriff achtsam verwenden. Ich höre in Gesprächen oft Dinge wie: „Und dann musste ich einfach zwei Stunden auf die Bahn warten. Das war richtig traumatizing.“ Nur weil uns etwas emotional fordert, ist es nicht direkt traumatisierend. Hier dürfen wir, aus Respekt vor Menschen mit Trauma-Hintergrund, feinfühlig in unserer Sprache werden.

YW: Was bedeutet traumasensibles Unterrichten im Yoga?

Louisa: (Trauma)sensibel Yoga zu unterrichten bedeutet für mich, in erster Linie trauma-informiert zu sein und dadurch eine bewusste und achtsame Haltung einzunehmen. Menschen kommen meist zum Yoga oder fangen mit dem Meditieren an, um ihre Symptome wie zum Beispiel innere Unruhe, Verspannungen, Gedankenkreise und schlechten Schlaf zu lindern. Klassische Yogastunden können durch die Art und Weise des Unterrichtens, der Sprache, der Haltungen und durch das Nichtwissen über das Nervensystem dazu führen, dass sich diese Symptome tatsächlich verschlimmern. Viele Teilnehmende denken dann, dass sie alles falsch machen oder „nicht hinbekommen“, weil sie keine Entspannung oder Verbesserung der unerwünschten Symptome wahrnehmen können.

Menschen, die (trauma)sensibel achtsam Yoga unterrichten, wissen über das autonome Nervensystem Bescheid und verstehen, wie Trauma im Nervensystem wirkt. Mit dieser achtsamen Haltung können wir Menschen gezielter und wirksamer begleiten und sie da abholen, wo sie gerade stehen. Egal ob mit oder ohne Trauma-Hintergrund. Es ist nicht notwendig, Expert*in zum Thema Trauma zu sein. Denn in seriösen (trauma)sensiblen Angeboten geht es nicht darum, traumatherapeutisch zu arbeiten. Das ist – es steckt schon im Begriff – Sache einer traumatherapeutisch ausgebildeten Person.

YW: Könnt ihr dazu ein Beispiel geben? Was sind vielleicht No-Gos unter dem Aspekt der traumasensiblen Achtsamkeit im Yogaunterricht?

Loredana: Erstmal: Ich bin mir sicher, dass wir alle mit den besten Absichten unterrichten. Wir wollen Menschen auf dem Weg in die eigene Balance, Freiheit und Stärke unterstützen und inspirieren. Und wie Louisa schon angemerkt hat, finden ganz viele No-Gos eher aus Unwissenheit statt. Ich selbst liebe die Freiheit, die mir in (trauma)sensiblen Stunden geboten wird. Deswegen praktiziere ich selbst, soweit es geht, selbst nur (trauma)sensible Yogastunden. Da diese aber noch nicht weit verbreitet sind, bin ich immer mal wieder in klassischen Yogastunden. Und ich bin dann oft erstaunt, wie viel die kleinen Modifikationen in (trauma)sensiblen Stunden ausmachen.

Erst kürzlich war ich in einer Stunde, in der es um das Thema Herzöffnung und Emotionen ging. Ich vermute, dass einige das nicht hören wollen, aber: Wenn ich kein therapeutisches Hintergrundwissen habe, empfinde ich es als gewagt, ein so intensives Thema in einer offenen Klasse zu unterrichten. Denn besonders in großen und offenen Klassen wissen wir nie, wer den Weg zu uns findet. Wir können Menschen ihre inneren Wunden nicht ansehen. Deswegen schaffen wir am besten einen möglichst sicheren Rahmen. Und deswegen legen wir den Fokus in der (Trauma)Sensibilität auf Stabilität und Sicherheit.

Hände auf dem Herzen
© Aghavni Shahinyan/Getty Images via Canva

Das Schöne am Yogaunterrichten, das kenne ich selbst, ist die Kreativität in der Gestaltung der Stunden. Ich kann also verstehen, dass Yogalehrende die Themen aufgreifen möchten, die sie selbst berühren. Eine einladende Sprache kann hier unterstützen. Anstatt „Lege dir eine Hand auf das Herz und spüre die Verbundenheit zu dir“ könnte ich sagen: „Wenn du möchtest und es sich sicher anfühlt, kannst du dir eine Hand auf den Brustkorb legen.“ So spreche ich nicht suggestiv, sondern einladend. Und ich ermächtige die praktizierende Person, selbst zu entscheiden, was sich gerade gut anfühlt.

Generell ist der Aspekt der Wahlfreiheit ganz typisch für (trauma)sensible und achtsamkeitsbasierte Angebote. Trauma, egal in welcher Form, beraubt uns unserer Wahlmöglichkeiten. Deswegen ist es schön, wenn unsere Angebote Menschen darin unterstützen, ihre Bedürfnisse zu spüren. In einer Yogastunde hatte ich zum Beispiel das Bedürfnis, meinen Kopf in der Sphinx auf einem Block abzulegen. Ich wollte nichts festhalten, sondern eher eine „yinnige“ Qualität einladen. Die Lehrerin schwebte in meine Richtung und flüsterte: „Wir bleiben hier aktiv.“ Dazu hat sie mir dann noch meine Schulterblätter ausgerichtet. Dabei wollte ich eigentlich nicht berührt werden und hätte mich gefreut, wenn sie vorher gefragt hätte, ob mir eine Berührung gut tun würde.

Ich mache der Yogalehrerin keinen Vorwurf, denn ich weiß, dass es teilweise noch so gelehrt wird: „Geh durch den Raum, zeig deine Präsenz, berühre die Menschen.“ Die Lehrenden wollen es einfach gut und richtig machen. Doch damit ist Menschen mit Trauma-Hintergrund oder auch sehr feinfühligen Menschen nicht geholfen. Es gibt noch einige andere Aspekte, die ein (trauma)sensibles von einem nicht (trauma)sensiblen Setting unterscheiden. Doch ich belasse es erstmal hierbei.

YW: Würdet ihr sagen, Traumasensibilität ist in der Yogawelt ein zu vernachlässigtes oder zu unterschätztes Thema?

Loredana: Die Ereignisse unserer Zeit erzeugen auf den unterschiedlichsten Ebenen Stress. Individuell, gesellschaftlich, innerhalb der Familie, im Beruf. Permanenter Stress versetzt unser Nervensystem in den Überlebensmodus. Das führt dazu, dass nicht integriertes traumatisches Erleben an die Oberfläche kommt. Ich denke deswegen erleben die Themen Traumasensibilität und Nervensystem gerade einen richtigen Boom. Konkret auf Yoga bezogen: Nun ja, hier wäre spannend zu sehen, inwiefern Traumasensibilität schon in Yogaausbildungen integriert wird. Momentan ist das eher eine Ausnahme. Traumasensibilität wird noch oft als Nischenthema betrachtet. Dabei ist die Herausforderung: Wir sind in der Regel keine Therapeut*innen, werden aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit Menschen konfrontiert, die einen Trauma-Hintergrund haben. Deswegen fände ich es wunderbar, wenn Yogaausbildungen sich entsprechend aufstellen.

Shavasana Yogastunde
© Webphotographeer/Getty Images Signature via Canva

Louisa: Ich persönlich finde: absolut! Wenn ich aus meiner Brille, mit meiner Geschichte und dem jetzigen Wissen über das Nervensystem auf die Yogawelt schaue, darf sich hier noch viel verändern. Einige Yogalehrende sind meiner Meinung nach oft grenzüberschreitend: physisch und emotional. Oft wurde ich im Unterricht berührt und ausgerichtet ohne gefragt zu werden. Eine Situation ist mir sehr eindrücklich geblieben, als ein männlicher Yogalehrer mich in einer sitzenden Vorbeuge – ich konnte ihn weder sehen, noch hat er mich gefragt – tiefer in die Haltung bringen wollte. Ich weiß, dass hier ein wohlwollender Gedanke dahinter stand, dennoch war für mich an diesem Punkt die Stunde gelaufen. Es war einfach nur unangenehm.

Toxische Positivität wie „Good Vibes Only“-Mentalität oder Diskriminierung ist in der Yoga-Bubble oft zu spüren. Ich persönlich wünsche mir von der gesamten Yogawelt mehr Inklusivität, mehr Auseinandersetzung mit Trauma, dem Nervensystem und seinen Folgen, um Menschen sensibel da abholen zu können, wo sie stehen.

YW: Traumasensible Achtsamkeit ist ja ein relativ weiter Begriff. Gibt es neben Yoga noch andere Lebensbereiche, in die ihr traumasensible Achtsamkeit mit einbringt?

Louisa: Ich arbeite als körperorientierte Coachin und Reiki Practitioner. In diesen Bereichen ist traumasensible Achtsamkeit unumgänglich, wenn wir Menschen nachhaltig gezielt unterstützen möchten. Spannend ist, dass durch die Traumasensibilität meine gesamte Haltung als Mensch verändert wurde. Ich bin im Kontakt mit Menschen viel einfühlsamer, empathischer und sensibler geworden. Wenn ich an die Zeit als Sozialarbeiterin zurückdenke, würde ich mir heute wünschen, ich wäre früher mit dem Wissen in Kontakt gekommen.

Loredana: Ich arbeite ebenfalls als körperorientierte Begleiterin und Body Workerin und spüre, wie sehr die traumasensible Arbeit mir und meinen Klient*innen Sicherheit gibt. In unseren Workshops zu Traumasensibler Achtsamkeit waren aber auch schon Sozialarbeiter*innen und Lehrer*innen. Und kürzlich hatte ich auf einem meiner Retreats ein interessantes Gespräch mit einer Tätowiererin. Sie empfand es so, dass sie die traumasensible Praxis sehr gut für ihre eigene Selbstfürsorge nutzen kann, um in ihrem Beruf präsent und gut abgegrenzt zu bleiben. Trauma ist kein individuelles Randphänomen, sondern eine gesellschaftliche Tatsache. Deswegen darf das Wissen sich auch mehr und mehr gesamtgesellschaftlich abbilden. Traumasensibilität ist kein Yogastil, sondern eine Haltung. Und ich versuche, alles was ich tue, traumasensibel zu tun.


Louisa Domhan und Loredana Di Filippo
Louisa Domhan (links) und Loredana Di Filippo (rechts)

Louisa Domhan ist Yogalehrerin, körperorientierte und nervensystembasierte Coachin und Reiki Practitioner. Zudem leitet sie das Yogastudio „Fuß über Kopf“ in Stuttgart und hostet den Podcast „Yoga Home“. Mehr zu Louisa und ihrer Arbeit unter www.yogamitlouisa.de und auf Insta @louisadomhan

Loredana Di Filippo arbeitet ebenso als Yogalehrerin, körperorientierte Begleiterin – sowohl im 1:1 als auch in Gruppen – und bietet (trauma)sensible Retreats an. Es ist ihr ein Anliegen, besonders in Bezug auf generalisierte Angst und innere Unruhe über das Potenzial von Körperarbeit aufzuklären. Mehr zu Loredana und ihrer Arbeit unter www.loredana-di-filippo.de und auf Insta @loredana_pina


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Seit Juni 2022 gibt es den „YogaWorld Podcast“ und seit Oktober 2022 hat sich inzwischen auch die Praxisreihe fest in unserem Sendeplan etabliert. Bisher hatten wir schon tolle Meditationen mit Tina Beitinger und eine dreiteilige Pranayama-Übungsreihe mit Gitta Kistenmacher im Programm. Besondere Specials zum Jahresende waren außerdem die DJAYA Soundhealing & Yin-Yogasession von Tanja Seehofer und Yann Kuhlmann sowie die Neujahrsmeditation mit Beate Tschirch. Und: Annika Isterling hat uns besucht und eine wunderbare Meditation zur Stärkung unserer weiblichen Ur-Energie eingesprochen.

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Normalerweise führt Gastgeberin Susanne Mors im Podcast spannende Interviews mit den unterschiedlichsten Gästen. „Aber heute heißt es abhyasa,“ sagte sie jeden zweiten Sonntag im Monat zu Beginn der Praxisreihe. Es gibt Meditation, Pranayama, Asanas und die ein oder andere Überraschung.

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Übrigens, falls du dich bald über eine neue Stimme im Podcast Opener wunderst: Seit Mai 2023 unterstützt unsere Online-Redakteurin Dani (Daniela Klemmer) die liebe Susanne bei den Praxisfolgen des Podcasts. Freue dich auf viele weitere Sessions, mit denen du noch tiefer in deine Yogapraxis eintauchen kannst!


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