Yoga und Atmung: Eine Liebeserklärung an den Atem

Atem Frau einatmen Yoga
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Wir kennen uns schon ewig. Genau genommen seit dem Moment meiner Geburt. Du warst einfach da: Moment für Moment, mein ganzes bisheriges Leben lang. Und doch habe ich dich selten bewusst wahrgenommen. Warum Yoga und Atmung zusammengehören …

Als ich mit Yoga begann, um meinen Körper zu dehnen und zu bewegen, war ich 28 Jahre alt. Plötzlich sprach man auch von dir, dem Atem. Ich wurde angehalten, dir meine Aufmerksamkeit zu schenken, zu spüren, wie du fließt und wohin. Man zeigte mir, wie ich dich durch meine Kehle ziehen kann, so dass ich dich von nun an besser hören konnte. Das half, meine Konzentration auch in viel Bewegung bei dir zu halten. Und so lernte ich dich nach all den Jahren langsam besser kennen. Aus dem „du bei mir“ wurde ein „ich und du“.

Vinyasa und Atmung

Der Vinyasa-Stil verbindet einzelne Bewegungen oder Bewegungsabschnitte mit der Atmung: Die Einatmung ist verantwortlich für das Strecken, die Ausatmung für das Beugen. Wir beide begannen, bewusster zusammenzuarbeiten. Beide Atemabschnitte sollten gleich lang sein – in Sama Vrtti (Sanskrit: „gleiche Bewegung“). Dadurch musste ich mich noch mehr auf dich konzentrieren. Wir wurden immer mehr zum Team; doch in komplexeren, anspruchsvolleren Asana-Kombinationen stolpertest du mir immer noch nach. Das Ergebnis war wie früher beim Sport: hochroter Kopf, schweißnasser Körper, schnell schlagendes Herz. Und du? Du warst außer mir.

Ein neues Verhältnis zum Atem

15 Jahre nachdem ich das erste Mal eine Yogamatte ausgerollt hatte, geriet ich auf einer Yogakonferenz in den Workshop eines Lehrers, der unser Verhältnis völlig neu definierte. Mark Whitwell behauptete, dass man dich nicht mit Bewegungen koordinieren sollte, sondern vielmehr dass du „die Bewegung seist“! Ich glaube, wir waren beide ein wenig geschockt, du und ich. Wir saßen gebannt da und lauschten diesem Mann, der ein bisschen wie ein alter, weiser Indianer aussah. Er machte uns mit den Prinzipien seines Lehrers Sri T. Krishna-macharya vertraut.

1. Atmung ist Bewegung

Mittlerweile verstehe ich das, denn ich habe es gespürt. Mit jedem Atemabschnitt bewegst du meinen Körper. Die Einatmung weitet mich, bei der Ausatmung kontrahieren Brustkorb und Bauch. Dieser einfache, sutra-artige Satz „Atmung ist Bewegung“ ist wie die Zusammenfassung der Kaushitaki Upanishad. Dort wird ein Streit zwischen den Sinnen, dem Geist und dem Atem geschildert. Es wird erzählt, wie sie alle den Körper verlassen und einer nach dem anderen in ihn zurückkehrt. Bevor der Atem zurückkehrt, kann der Körper zwar sprechen, sehen, hören und denken, bleibt aber auf dem Boden liegen. „Da ging der Prana in ihn ein; da stand er alsbald auf. Da erkannten alle jene Gottheiten die Oberhoheit des Prana„, steht in Peter Michels Übersetzung der Upanishaden. Uff. Ich dachte bisher, dass es mein Geist sei, der – bewusst oder unbewusst – meine Bewegungen ausführt. Überhaupt: meine. Jetzt du?

2. Die Einatmung wird von oben empfangen, die Ausatmung nach unten abgegeben

Mark lehrte uns, bewusster aufeinander einzugehen: Ich empfing dich und deine Energie mit jeder Einatmung. Wurde zum bereitwilligen Gefäß, das du komplett ausfüllen durftest. Ausatmend gab ich die ganze Kraft meines „Cores“ mit auf den Weg. Mein Lehrer sagt, dass du als Einatmung die Ausatmung liebst und als Ausatmung die Einatmung – zwei Gegensätze, die in ihrer Einheit mehr sind als in ihrer Summe. „Ha“ und „Tha“. „Prana“ und „Apana“. Sonne und Mond. Das Eine, das füllt, nährt, aktiviert. Das Andere, das löst und beruhigt. Kommst du in mich, um mich zu füllen, bleibt mein Körper passiv und offen für das, was gegeben wird. Gehst du, unterstützt dich meine Kraft, die im unteren Teil meines Körpers liegt. Der, der den „sich bewegenden Aus- und Einatem gleichmäßig gestaltet“, ist weise und „auf immerdar erlöst“, sagt Krishna in Johannes Schneiders Übersetzung der Bhagavad Gita. Weil man dann „das endlose Glück empfindet, das jenseits der Sinne liegend (ist).“ Die Einheit ist ein Gefühl „empfänglicher Stärke“, sagt mein Lehrer. Der völlige Ausgleich der empfangenden, weiblichen und gebenden, männlichen Polaritäten, aus denen das ganze Leben besteht: Ha. Tha. Yoga.

3. Die Atmung leitet die Bewegung ein und endet sie

Im Ujjayi (mit kontrahierter Kehle) mit dir Vinyasa Yoga zu üben, das kannte ich schon. Neu war die Genauigkeit, mit der du mit den Bewegungen synchronisiert werden solltest. Eigentlich mehr als das: Das Prinzip, dass du Bewegung bist, wird umgesetzt, indem du die Bewegung einleitest und endest. Es bedarf dazu einer höheren Konzentration – und eines längeren, langsameren Atems. Am Anfang übten wir das mit einfachen Bewegungsfolgen, später mit komplexen und schwierigeren Asanas. Das Resultat: Wir verloren uns nicht mehr. Im Gegenteil: Wir wurden immer mehr zu Einem. Indem du die Bewegung meines Körpers wurdest, wurdest du zu meinem Körper. Und mein Körper wurde Atem.

Übrigens wenn du wissen willst, wie du mit Hilfe deiner Atmung Ängste und Schlafprobleme lindern kannst, dann lies unseren Artikel über die 4-7-8 Atmung.

4. Durch Asana entsteht Bandha und Bandha unterstützt den Atem

Die Bewegung des Körpers – seine Form, seine Asana – entsteht durch dich. Du bringst meinen Körper dahin und in der Asana stelle ich dir die Form meines Körpers zur Verfügung. Du fließt in alle Bereiche, jede Zelle. Weit über die Lunge hinaus, spüre ich dich. Die Haltungen, die ich einnehme, unterstützen dich dabei. Bringen die Verschlüsse (Sanskrit: Bandha) auf natürliche Weise hervor. Die Bandhas intensivieren und leiten dich. Unterstützen das Einswerden von Körper und Atem. Von ein und aus. Von „Ha“ und „Tha“. Wie eine Mini-Puja zu deinen Ehren.

5. Asana, Pranayama und Meditation sind ein nahtloser Prozess

Wenn ich auf diese Weise Asana übe, löst sich meine Aufmerksamkeit von dem Körper, der sich bewegt. Trotz und weil. Du stehst im Mittelpunkt, das Feinere, das, was normalerweise und jahrelang unbeachtet da war. Vegetativ gesteuert. So entsteht der richtige Fokus für Pranayama. „Prana“ ist das Sanskrit-Wort für Einatmung, für Atem, für Energie. Es ist die gleiche Energie wie der Wind, der über unseren Planeten streicht und manchmal stürmt. Wir versuchen, Prana in uns zu sammeln, es nicht aus uns weg-wehen zu lassen. Die Atmung in der Asana nach den oben genannten Prinzipien Krishnamacharyas zu ehren, gibt überhaupt erst das richtige Verständnis von Atem als Energie, Prana. Dazu erweitert sich unser Wissen von Atem. Das, was wir dazugelernt haben, wird ergänzt durch ein unverfälschtes Gefühl dafür, was Atem als Energie ist. Ohne die Begriffe der Biologie und Physiologie. Ohne Worte.

So eingestimmt ziehen mich die Pranayama-Übungen noch weiter in deinen Bann. Ich fühle dich in mir. Und außerhalb. Meine Selbstwahrnehmung von mir als Entität, als Individuum, weicht einer Wahrnehmung von dir im Überall. Im Atemhalten dann diese Stille. Die Stille, aus der alles entsteht. Der Ursprung allen Seins. Stille, wenn du in mir bist. Stille, wenn du außerhalb von mir bist. Innen und außen beginnen zu verschmelzen. Meditation entsteht, Yoga. Du bist ich. Ich bin du. Tat tvam asi (Sanskrit: Dieses ist du.) Das ist, was ich liebe.


Autorin Sybille Schlegel ist studierte Historikerin und unterrichtet Yoga im Rhein-Main-Gebiet. Außerdem gibt sie deutschlandweit Workshops mit Schwerpunkt Yogaphilosophie und leitet mit Andreas Ruhula Hatha Vinyasa Yoga Teacher Trainings in Mainz, Bochum und am Bodensee.

 

Surf & Balance Yoga für Einsteiger

Kraftvolle Yoga-Flows zu entspannter Sommer-Musik – genau das Richtige um schlechter Laune den Garaus zu machen. Yogalehrerin Vanessa zeigt dir im Video, wie du auf den Balanceboards Yoga üben kannst.

„Wir praktizieren einen sportlichen und trainingsorientierten Yogastil, welcher auf physiotherapeutischem und anatomischem Wissen basiert,“ erklärt Vanessa Grispo, die bei „Fitness and Dance Munich“ unterrichtet. Was Surf & Balance so besonders macht? „Sowohl Yoga-Neulinge als auch routinierte Yogis sind hier richtig, da alle Übungen durch Abwandlung in Intensität und Schwierigkeit auf die eigenen Fähigkeiten angepasst werden können. Wir kombinieren Atmung mit Bewegung und es ist stets das Ziel eine Aufrichtung zu erreichen, Beweglichkeit herzustellen und die Muskulatur zu stärken.“ Im Video erklärt Vanessa, wie Surf & Balance Yoga funktioniert.

Für alle, die mehr aus ihrer Yogapraxis herausholen wollen

Zu entspannten Sommer-Rhythmen, passend zum Surf-Thema, wird in den Stunden gelacht, geächzt und vor allem geschwitzt. Die Yogastunden sind Grundlagentraining für alle Sportarten, die Balance erfordern wie Surfen, Snowboarden, Skifahren, Tanzen und viele weitere. Aktive Läufer, Fahrradfahrer, Fußballer finden zudem einen hervorragenden Ausgleich, um ihre sehr starke – und daher oft auch verkürzte – Muskulatur zu dehnen. Die Stunden sind schlussendlich sehr gut geeignet für alle, die mehr aus ihrer Yoga-Praxis herausholen wollen. Das Praktizieren auf den Balanceboards zum Beispiel von Strobel und Walter ist zusätzliches, propriozeptives Ganzkörpertraining, stärkt die Tiefenmuskulatur und trainiert Stabilität, Reaktionsfähigkeit und Körperkontrolle. Lust bekommen? Im Video kannst du gemeinsam mit Vanessa üben.


Mehr zu Vanessa erfährst du auf: www.vane-jumpandflow.de
Übrigens: Wer in München wohnt, kann sich die Übungs-Boards für zu Hause ausleihen. Dazu einfach über Instagram oder Facebook Kontakt aufnehmen.
Lust auf eine Surf & Balance Live-Session? Den aktuellen Online-Kursplan von Fitness and Dance Munich mit allen Stunden und Kursen findest du hier: https://fitnessanddance.center/#onlinekurse

Im Yoga sind doch alle gleich?! Oder?

Gleichheit im Yoga
Foto von Anna Shvets von Pexels

Woran denkst du beim Thema Yoga? Wohl kaum noch an einen indischen Mann im Meditationssitz. Vielleicht eher an eine weiße schlanke Frau im Handstand? Sind wir im Yoga alle gleich? Nein, sagt unsere Autorin und überlegt, was wir dagegen tun können.

Seit George Floyd von Polizisten ermordet wurde, wird auf der ganzen Welt gegen Rassismus protestiert. Gegen rassistische Familienmitglieder, Kollegen oder Freunde halten? Versteht sich von selbst. Aber was ist mit anderen Bereichen des Lebens, wie etwa der eigenen Yogapraxis. Moment mal: Aber in Sachen Yoga ist doch alles ok, oder?! Immerhin verbessert Yoga die psychische und physische Gesundheit. Und außerdem gibt es Ahimsa, das Prinzip der Gewaltlosigkeit. Im Yoga sind wir doch alle gleich, oder?

Die Flucht aus der Realität

Practise what you preach! Ahimsa nicht nur als Wort verwenden, sondern leben. Das bedeutet: Yogis müssen sich auch mit „weltlichen“ Problemen beschäftigen, die „negative Vibes“ aussenden könnten. Zur menschlichen Erfahrung gehören auch Politik und (spiritueller) Aktivismus. Es geht im Leben um die Balance zwischen menschlichen/körperlichen und geistigen/spirituellen Erfahrungen. Es gibt einen Grund, warum wir mit Körper und Seele geboren werden. Denn es genügt nicht, wenn du in anderen Menschen nur schöne Seelen siehst. Du musst der Realität ins Auge sehen: Da wir in einem System mit strukturellem Rassismus leben, werden BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) Aufstiegschancen erschwert oder ganz verweigert. Das Praktizieren von Yoga im Studio erfordert aber ein bestimmtes ökonomisches Kapital. Das Gleiche gilt für Yogalehrer_Innen-Ausbildungen. Auch im Yoga gibt es Diskriminierung.

Ist Yoga wirklich für alle da?

„Yoga ist so vielfältig heutzutage, da ist schon für jede/n etwas dabei, egal ob sportlich oder spirituell.“ Aber was ist die gelebte Realität? Ja, es gibt Angebote für Kurvige, Senioren und Kinder. Diese sind aber leider immer noch die Ausnahme. Das durchschnittliche Yoga-Publikum ist zwischen 20 und 40 und körperlich fit. Ich habe erfolgreiche Inklusion beobachtet, als eine sehbehinderte Person an einer Yin-Stunde teilnahm. Jessamyn Stanley beispielsweise versucht das Bild eine Yogis ganz zu verändern. Allerdings habe ich auch negative Beispiele erlebt: Eine kurvige Frau erzählte mir nach einer Yogastunde, dass sie über ein halbes Jahr teure Einzelstunden in Anspruch nehmen musste, bis sie sich in eine Anfängerstunde traute. Das Geschlechterverhältnis im Yoga ist noch ein ganz anderes Kapitel. Die zentrale Frage ist: Wer ist nicht in der Yogastunde? Und wie können wir das ändern.

Was du für mehr Gleichheit tun kannst

Kommen wir zu der Frage, die ich mir schon die ganze Zeit stelle: Kann man überhaupt kulturell sensibel oder anti-rassistisch Yoga praktizieren? Hier kommen erste Ansätze.

Informiere dich und respektiere! Du muss dich selbst über deine Privilegien informieren, deine eigenen Vorurteile hinterfragen und mit deiner Yoga Community darüber sprechen. Auch wenn es weh tut, kannst du die Ungleichheit nicht mehr ausblenden. Informiere dich nicht nur über Asanas, sondern über den ganzen achtgliedrigen Yogaweg. Dazu zählen auch Yamas und Niyamas. Sei respektvoll, dankbar und demütig für die Wurzeln von Yoga. Kenne die Linie von Lehrer_Innen, die vor dir kamen. Und respektiere jede individuelle Yogapraxis.

Angebote öffnen! Nimm Machtverhältnisse im Yoga wahr. Wie kannst du Yoga wirklich für alle öffnen? Kein Mensch erwartet, dass du alles kostenlos anbietest. Aber vielleicht kannst du einen Teil deiner zum ermäßigten Preis anbieten? Besonders als Yogastudiobesitzer_in hast du es in der Hand. Du kannst pro Woche z.B. eine Spendenstunde anbieten! Wie divers ist die Lehrer_Innenschaft? Kannst du als Ausbilder_In vielleicht einen Platz pro Ausbildung als Stipendium ausschreiben oder zumindest vergünstigt anbieten? Wenn es dir selbst nicht möglich ist, dann unterstütze wenigstens Vereine, sich engagieren: Yoga für alle.

Spreche mit den Menschen und bilde eine Community, in der sich alle wohl fühlen. Frage BIPoC oder Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Wie fühlen sich in deiner Stunde oder Studio? Verwende aber einzelne Personen nicht als eine Quote, die du erfüllen musst.

Der Umgang mit dem kulturellen Erbe

Sei du selbst, und nicht „möglichst indisch“. Wenn du reines Asana-Yoga unterrichtest, dann steh dazu. Mach klar, welche Aspekte dir persönlich wichtig sind. Wenn meine Schüler_Innen nach philosophischen Konzepte fragen, erkläre ich ihnen, dass ich das nur in Ansätzen studiert habe. Ich verwende lieber den deutschen Namen von Yoga-Übungen, anstatt ihn falsch aus zu sprechen. Und ich stehe dazu, dass ich keine Expertin bin. Deshalb verweise ich auf Menschen, die das sind. Auch bei einem Yogatraining kannst du Expert_Innen einladen.

Die Urheber_Innen unterstützen! Du willst beispielsweise Götterstatuen erwerben? Dann bezahle die Menschen, um deren Kultur es sich handelt.

Kulturelle Aneignung: Infomationen

  • Die beiden Must-Reads zum Thema Rassismus in Deutschland. Exit Racism von Tupoka Ogette und Was weiße Menschen nicht über Rassismus in Deutschland hören wollen, aber wissen sollten von Alice Hasters.
  • Informationen zum Thema Yoga und kulturelle Aneigung: Yoga is Dead Podcast, Yoga Microagressions auf Youtube, Decolonizing Yoga Blog, Susanna Barkatakis Blog.

Text: Kerstin Thost

Style Guide: Strala Yoga aus New York

In vielen Yogastilen achtet man besonders auf die korrekte Ausführung der einzelnen Asanas – nicht so im Strala Yoga. Hier werden anstelle von Haltungen Bewegungen angeleitet, die die individuelle Gefühlslage der Praktizierenden miteinbeziehen. YOGA JOURNAL-Redakteurin Anika Kedzierski sprach mit der Yogalehrerin, die Strala Yoga über den großen Teich nach Deutschland gebracht hat. Was Strala im Vergleich zu anderen Stilen auszeichnet und wie eine Strala-Yogastunde aufgebaut ist teilte Anna Kleb mit uns. 

Strala Yoga geht zurück auf Tara Stiles, eine New-Yorkerin mit Model-Vergangenheit, und ihren Ehemann, den Arzt Michael Taylor. Den Namen „Strala“  setzten die beiden aus den englischen Wörtern „Strength“, „Balance“ und „Awareness“ (Stärke, Gleichgewicht, Bewusstheit) zusammen. Erst später stellte sich heraus, dass das Wort „stråla“ im Schwedischen „strahlen“ bedeutet. Das passt ideal zur Intention des Yogastils – nämlich Menschen zum Strahlen zu bringen. Bei Strala geht es nicht um strenge Regeln oder eine perfekte Ausrichtung in der Haltung. Es ist vielmehr eine Bewegungsphilosophie. Die einzelnen Asanas sind lediglich ein Wegweiser von A nach B.

Anna Kleb und Tara Stiles – Strala Yogalehrerinnen

Die Verbindung von Atmung und Bewegung ist generell ein wichtiges Grundelement im Yoga. Strala nutzt Atemübungen zum einen als Treibstoff für die Bewegung und zum anderen, um den Fokus ganz auf die Gefühle zu lenken.

Beim Einatmen dehnt sich der Brustkorb weit aus, beim Ausatmen verkleinert sich der Körperraum wieder, ähnlich wie eine Welle im Meer: Sie bäumt sich auf, und sinkt dann in sich zusammen, bevor sie langsam ausläuft. So schenkt man auf der Matte dem Atem mehr Beachtung, wie wenn man Wasser beobachtet.Deswegen wird der Atem zur Kraftquelle und ermöglicht fließende Bewegungen, die in einen Flow übergehen. Gleichzeitig praktiziert man mit Intuition und Gefühl, was zur Entspannung beiträgt und hilft, den Körper zu regenerieren.

„Mach dein eigenes Yoga“ –  so lautet der Grundsatz im Strala.

Der Stil bedient sich einiger Aspekte von der Kampfkunst Tai Chi bei der Verspannungen, Blockaden und Stress durch den Bewegungsfluss gelöst werden. In Kombination mit den Asanas entsteht ein Flow, der natürlich, individuell und tagesabhängig ist und auf die eigenen Bedürfnisse eingeht.

Das Streben nach einer perfekten Ausrichtung bringt einen nicht aus dem Kopf in den Körper. Welcher Muskel wird rotiert, wohin geht der Blick, ist meine Ausführung richtig oder falsch? Da fällt es schwerer, auf die eigene Intuition zu vertrauen und darauf zu hören, was dem Körper gut tut. Strala zieht das Bauchgefühl der wertenden Stimme im Kopf vor und möchte den individuellen Bewegungen größere Freiheit schenken. Das bringt mehr Gefühl, Leichtigkeit und Freude in die Praxis. Die Erfahrung stärkt die Verbindung nach innen und zeigt dem ein oder anderen vielleicht sogar eine neue Seite von sich selbst.

Anna Kleb eröffnete das erste Strala Yogastudio in Metzingen

Als die Reiselust die Yogalehrerin Anna Kleb nach New York verschlagen hat, betrat sie zum ersten Mal Tara Stiles Yogastudio am Broadway. Dort fühlte sie sich direkt gut aufgehoben und ein bisschen wie zuhause. Strala Yoga veränderte ihre Yogapraxis und brachte mehr Ungezwungenheit hinein. „Durch diesen gefühlsgesteuerten Bewegungsfluss habe ich eine starke Verbindung zu mir selbst aufgebaut und lernte meinen Körper auf eine andere Art kennen“, sagt die Stuttgarterin. Nach diversen Strala Yoga Ausbildungen eröffnete sie schließlich das erste Strala Yoga Studio in Deutschland, die Yoga Liebe.

YJ: Was zeichnet Strala im Vergleich zu anderen Stilen aus?
Foto: Stefan Grey

Anna Kleb: In anderen Stilen wird jede Haltung detailliert angeleitet, verbessert und perfektioniert. Es geht um die Umsetzung von Gefühlen in einen individuellen Bewegungsfluss. Der Gedanke, dass eine Asana „richtig“ oder „falsch“ ausgeführt werden kann, nimmt uns jedoch die Freiheit, uns dem natürlichen Flow hinzugeben und mehr auf das Bauchgefühl und den Körper zu vertrauen. Viele denken auch beim Yoga kopfgesteuert, können schwerer entspannen und sind frustriert, wenn sie eine Asana nicht so perfekt hinbekommen.

Bei Strala ist es wichtig, Menschen beizubringen sich wieder mit mehr Leichtigkeit und Freude, fernab des Alltagsstresses, zu bewegen. Natürliche und freie Bewegungen sind einzigartig, tagesabhängig und sehen bei jedem anders aus da individuelle Gefühle sie steuern. Allerdings ist es zu Beginn schwerer, seinen individuellen Bewegungen Raum zu geben als sich von Asana zu Asana dirigieren zu lassen. Dafür ist es eine wertvolle und intensive Erfahrung, die die Verbindung zu uns selbst stärkt.

Wie sieht eine Strala Yogastunde aus?

Beim Besuch einer Strala Yogastunde erwartet dich eine ganze Portion gute Energie. Im entspannten Flow der Bewegungen mit moderner Musik darfst du lachen, leben, lieben und dich frei fühlen. In meinen Kursen ist es mir wichtig, dass sich meine Schüler wohl fühlen. Ich leite die einzelnen Schritte von Asana zu Asana an, verzichte jedoch auf die perfekte Ausrichtung einer Haltung. Der Fokus liegt mehr auf der Bewegung dazwischen.

Es gibt sechs unterschiedliche Varianten, die du je nach Lust, Laune oder Tagesform besuchen kannst: Relax, Basics, Gentle, Core, Energize und Strong. Sie variieren im Tempo und dem Schwierigkeitsgrad der Haltungen und der energetischen Wirkung. Eine Klasse dauert 60 oder 75 Minuten, wobei die Wenigsten direkt danach aus dem Raum rennen. Viele bleiben für eine kleine Unterhaltung auf ihrer Matte sitzen, quatschen mit anderen Yogis und knüpfen neue Kontakte – so wächst schnell eine schöne Community.

Was bewirkt Strala Yoga?

Strala hilft uns die Verbindung zu unseren Gefühlen und uns selbst wiederherzustellen. Durch Gewohnheiten, Regeln, Erwartungen und Pflichten von außen vergessen wir, wie es ist zu fühlen. Wir verlieren das Bewusstsein dafür, was sich für uns gut anfühlt und wozu sich Körper und Geist bereit fühlen. Eine Strala Yogastunde erinnert die Schüler immer wieder daran, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören: Diese Art der Praxis führt zurück zu mehr Intuition, Bauchgefühl, Kreativität und einem „strahlenden Ich“.

Eignet sich der Stil für Yoga-Einsteiger?

Ja, wenn du atmen kannst, kannst du auch Yoga üben. Strala eignet sich besonders gut für Anfänger, da der Fokus nicht auf der perfekten Ausrichtung einer Haltung liegt. Das persönliche Gefühl in den Bewegungen ist entscheidend. Somit beginnt Yoga genau da, wo du dich gerade befindest.

Playlist für Energie und Vertrauen

Yoga Playlist Energie

Energie und Vertrauen – davon kann man nie zu viel abbekommen. Das findet auch Yogalehrerin Nora und hat uns eine Playlist erstellt, die ihr genau diese Aspekte geschenkt hat.

Ereignisse, die Veränderung und Verantwortung fordern

Nora verbindet diese Playlist mit positiven Erinnerungen. Während der Geburt ihres Kindes lief sie in Dauerschleife. Sie teilt diese sehr persönliche Playlist mit YOGA JOURNAL und möchte somit Gleichgesinnten helfen. „Sie hat mir unglaublich viel Energie und Vertrauen im Geburtsprozess geschenkt.“ Die Lieder beruhigen, vermitteln Stärke und Geborgenheit. Doch egal welches große Ereignis ansteht und welcher nächste Schritt Veränderung und Verantwortung mit sich bringt. Diese Lieder vermitteln dir genau das, was du dafür brauchst.

Playlist für Energie und Vertrauen

Lust auf noch mehr Yoga-Musik? Auf unserem Spotify-Account findest du eine ganze Liste mit Playlists.

Felizitas Blosat – Yoga Vidya

Yoga Vidya

Eine echte Yoga-Institution: Yoga Vidya ist nicht nur ein Yoga-Seminarhaus, sondern internationaler Treffpunkt für Yogabegeisterte weltweit. Kurse mit namhaften Forscher*innen und erfahrenen Praktizierenden geben tiefe Einblick in Vedanta und andere yogische Schriften auf akademischem Niveau und für alle zugänglich.

Der bei Yoga Vidya praktizierte Yoga ist der „Integrale Yoga“ nach den Lehren von Swami Sivananda, mit der Betonung auf einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen. Wir freuen uns, dass Yoga Vidya auf der YogaWorld in Stuttgart wieder mit mehreren Workshops dabei ist.

Felizitas Blosat

Felizitas war 1,5 Jahre Sevaka bei Yoga Vidya e.V. und ist dort weiter als Seminarleiterin tätig. Zuvor war sie 10 Jahre als Sozialarbeiterin in Hamburg unterwegs und hat während einer langen Indienreise Yoga entdeckt und lieben gelernt. Nach einigen Monaten auf Reisen in Portugal und Thailand ist sie nun wieder in ihrer Heimat in Thüringen gelandet und möchte auch dort noch mehr Menschen für Yoga und alles drum herum begeistern. Es ist ihr ein Herzensanliegen, das, was sie auf ihren Reisen lernen und erfahren darf, mit anderen Menschen zu teilen und besonders auch Yoga in verschiedensten Formen und Facetten weiterzugeben. So begeben sich die Teilnehmenden ihrer Workshops auf die Reise zu sich selbst und werden dabei von Felizitas auf einfühlsame Art begleitet. Sie liebt es, Erfahrungsräume zu schaffen, in denen Menschen sich begegnen können, authentisch, mit allem, was ist. Sie nutzt dafür sowohl Elemente aus dem Yoga, aber auch freie Bewegung, Atem und Musik und verbindet gerne traditionelle und moderne Ansätze miteinander.

Mehr zu Felizitas: Instagram @flitziaufreisen   Seminare: Yoga Vidya: Seminare mit Felizitas

„Shake the Dust Session – Don’t get stucked where it feels good“

In dieser kraftvollen Movement-Praxis bewegst du deinen Körper durch verschiedene „Container“, die manchmal endlos erscheinen können. Hier kannst du Muster, Gewohnheiten und Widerstände erforschen und zu dem vordringen, was darunter verborgen liegt. Elemente aus dem Yoga, HIIT, Bodyweight Training, Somatics und freier Bewegung unterstützen dich dabei, dir selbst zu begegnen. Eine sorgfältig zusammengestellte Playlist begleitet dich auf deiner Reise. Gemeinsam wird geschwitzt, gelacht, geweint, geflucht – bis sich ein Gefühl von Lebendigkeit und Befreiung ausbreitet.

Tauch ein und lass los, was dich davon abhält, DU selbst zu sein.


Wenn du eine Idee von „Shake the Dust“ bekommen möchtest, schau gern hier vorbei:

Ayurveda-Typen: So lieben Vata, Pitta, Kapha

Heute verraten wir dir, wie Liebe und Beziehung entsprechend der individuellen Konstitution funktionieren. Als Grundlage für das Wissen wie Vata, Pitta & Kapha lieben, kannst du zuerst den Dosha-Test machen: Welche Ayurveda-Konstitution bist du?  Vata, Pitta oder Kapha?

Beziehungsprofil des Vata-Typs

Die Vata­-Persönlichkeit ist sehr kreativ, unternehmenungslustig und interessan. Sie hat ständig neue Ideen, ist sehr feinfühlig und legt viel Wert auf Harmonie und eine liebevolle Beziehung. Seelische Tiefe und ein großes Inte­resse an Philosophie, Religionen, Kunst und Musik machen sie zu einem inspirierenden Gesprächspartner. Persönliche Weiterentwicklung, Bildung und spirituelle Lebenswünsche können voll zum Ausdruck gebracht werden. Allerdings sind Vata­ Menschen im praktischen Leben oft etwas unbeholfen, unste­t im Gemüt und verbummeln Verabredungen oder kommen zu spät.

Dies gleichen sie aber durch großzügige Geschenke und spontane Überraschungen aus. Wobei beruflicher Stress, Ängste und Druck einen Vata mehr belasten. Denn Geld, Macht und Einfluss bieten weit weniger Anreiz. Sondern sie brauchen Aufgaben, die persönliche Freiheit, visionäre Schaffenskraft und Abwechslungsreichtum mit sich bringen. Mit einem Vata-­Partner erlebt man immer Überraschungen. Außerdem finden Alltagsroutine und Gewohnheiten keinen Platz in seinem Leben.

Vata-Frauen und -Männer

Vata-­Frauen sind elfenhafte Geschöpfe, die den Beschützerinstinkt bei Männern wachrufen. Unter anderem ihre schlanke Gestalt, ihre Kreativität und ihre Sensibilität laden dazu ein, sie zu verwöhnen, zu halten und zu fördern. Meistens fühlen sie sich zu den kraftvollen und einnehmenden Partnern hingezogen, die Ruhe, Erdung und Sicherheit in ihr Leben bringen.

Vata-­Männer suchen sich oft sehr liebevolle und eher mütter­liche Frauen. Deshalb wünschen sie sich einen Hafen, indem sie im­mer wieder Ruhe und Sicherheit finden. Dabei gehen sie ein­fühlsam auf die Persönlichkeit und Vorzüge ihrer Partnerin ein und stärken auf liebevollste Weise ihr Selbstwertgefühl.


Beziehungsprofil des Pitta-Typs

Durch ihren scharfen Verstand und Führungskraft sowie eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft sind Pitta-Persönlichkeiten sehr erfolgreich. Sie lieben außerdem ein ausgefülltes Leben mit einem verantwortungs­vollen Job, ansehnlichen Hobbys und sportlichen Aktivitäten. Des Weiteren feiern sie ein öffentliches Leben mit Kontakt zu wichtigen und einflussreichen Menschen. Und wer mit einem Pitta-Menschen sein Geschäft oder sein Bett teilt, dem sind Wohlstand und große Abenteuer garantiert.

Der Preis dafür kann jedoch hoch sein: Denn Vollgas verschleißt schnell und lässt wenig Zeit für Regeneration und private Beziehungen. Häufig sind Pitta Menschen sehr lei­denschaftlich, schrecken jedoch vor starken Gefühlen zurück und finden nur schwer Zugang zu ihrer eigenen Emotionswelt. So kann der gewandte Rhetoriker seinen innersten Sehn­süchten oft nur schwer Ausdruck verleihen. Denn er weicht Gesprächen bei Beziehungskonflikten aus und versucht mit großen Sprüchen, spendablen Geschenken oder betont angriffs­lustigen Reaktionen von seinen Nöten abzulenken.

Pitta-Frauen und -Männer

Pitta-Frauen sind aktiv, unabhängig und freiheitsliebend. Sie sind nicht bereit, mit der typischen Frauenrolle Vorlieb zu nehmen, sondern lernen bereits in frühen Jahren stärker zu kämpfen, disziplinierter zu arbeiten und zäher zu verhandeln. Oft bevorzugt sie männlich dominierte Berufsbilder und liebt puristische Mode. Deswegen schrecken manche Männer vor diesen starken Frauen zurück und bevorzugen statt einer Liebesbeziehung eine Freundschaft oder Geschäftsbeziehung.

Pitta-Männer erwarten von einer Partnerin bedingungslose Lie­be und Loyalität, er will auch zu Hause der Chef sein. Wenn die Frau diesen Anspruch des Pitta­-Mannes akzeptiert, so genießt sie Freiheiten und Vorteile. Kämpft sie jedoch gegen ihn, so kommt es zu einem gnadenlosen Machtkampf. Der Pitta-Mann wünscht sich eine attraktive und betont weibliche Partnerin, mit der er repräsentieren und glänzen kann. Hinzu kommt seine starke Libido und Lust an einer erotischen Beziehung.


Beziehungsprofil des Kapha-Typs

Die Kapha-Persönlichkeit ist ein liebevoller und treuer Partner. Sie ist ausgeglichen, geduldig und liebt ein beschauliches Privatleben. Kapha-­Menschen sind hervorragende Hobbyköche, Heimwerker und Gärtner. Außerdem fühlen sie sich generell zufrieden und finden Freude und Erfüllung in den alltäglichen Dingen des Lebens. So lässt es sich mit einem Kapha­-Menschen gemütlich leben. Er ist beliebt, pflegt einen gro­ßen Freundeskreis und unterstützt Menschen auf ihrem persönlichen Lebensweg. Deswegen hat er für die Sorgen und Wünsche von Freunden, Nachbarn und Familienmitgliedern immer ein offenes Ohr und Herz.

Da Kapha­-Menschen keine große Eitelkeit pflegen, vernachlässigen sie ihr Äußeres und achten auch nicht auf die Erscheinung des Part­ners. Egal ob dick oder dünn, groß oder klein: Wichtig sind die inneren Werte, nicht Schönheit und Bestätigung! Zudem werden Sonderangebote und Praktisches zum Anziehen bevorzugt. Sie sind sparsam bis geizig, genießen auch die kleinen (und billigen Dinge) im Leben und haben keine Motivation mit anderen zu konkurrieren. 

Kapha-Frauen und -Männer

Kapha-Frauen sind selbstständig und praktisch. Sie organisieren das Leben für sich, Familienmitglieder und Ehemänner auf angenehmste Weise. Aller­dings benötigen sie Zeit für sich selbst und wehren sich gegen jede Art von Einmischung. Erfüllend für eine Kapha-Frau ist es, ihre mütterlichen und für­sorglichen Charaktereigenschaften zum Ausdruck zu bringen. Denn sie kann hervorragend mit ihren eigenen oder fremden Kindern umgehen, ist eine herzliche und hilfsbereite Gast­geberin und tischt zu Hause immer leckere Rezepte auf.

Kapha-Männer sind sehr stattliche, zärtliche und gemütsvolle Per­sönlichkeiten. Ihre kräftige Gestalt, die sanften Augen und ihre freundliche Ausstrahlung schenken Vertrauen, Geborgenheit und heitere Gelassenheit. So ist ein Kapha-­Mann ein sehr angenehmer, zärtlicher und zuvorkommender Lebensbegleiter, der seine Frau und Familie über alles liebt.


Tauche tiefer mit Vata, Pitta & Kapha: Erfahre hier mehr über die Verbindung von Mann, Frau und Ayurveda. Oder darüber, wie Yoga und Beziehungen in Verbindung stehen.

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Nahko Bear über Yoga, die Umwelt und sein neues Album

Nahko Bear – Ein starker Charakter mit starken Meinungen und einer wunderbaren Stimme. Foto von Josué Rivas
Nahko Bear – Ein starker Charakter mit starken Meinungen und einer wunderbaren Stimme. Foto von Josué Rivas

Ein starker Charakter mit starken Meinungen und einer wunderbaren Stimme: Nahko Bear, mit puertorikanischen, indianischen und philippinischen Wurzeln in Oregon geboren, ist Musiker und Aktivist. Gemeinsam mit seiner Band „Medicine for the People“ setzt er sich engagiert für die Umwelt ein. Im Oktober letzten Jahres erschien sein erstes Soloalbum. Die Songs darauf hat er in seiner Jugend geschrieben – kurz bevor sein Leben eine große Wende nahm. Im Interview mit Redakteurin Anika Kedzierski erzählt der Musiker, was ihn damals geprägt hat und wie er versucht, eine bessere Zukunft zu schaffen.

Über der Bühne des Münchener Technikums hängt ein rundes Banner mit einem Teddy, der auf einer Blumenwiese steht, über ihm der Sternenhimmel. Davor sitzt Nahko Bear an einem Keyboard, auf dem die Worte „Be Here Now“ zu lesen sind. Auf einem Holzregal lehnt ein zerzauster Teddybär an einer Stehlampe – das erste Geschenk von Nahkos Adoptiveltern. Der Teddy heißt nicht Bär sondern Britches und er ist das Symbol der Tour „My Name Is Bear“, die im Oktober mit der Veröffentlichung des gleichnamigen Albums begonnen hat. Hintergrund dieser Platte ist eine wichtige Zeit in Nahkos Leben. Die Zeit, bevor er mit 21 seine leibliche Mutter traf, sich in Hawaii nieder ließ und „Medicine for the People“ gründete.

Nahko, dein Name ist Bär. Ist das tatsächlich so oder nur ein Spitzname?

Nahko ist mein Geburtsname und der bedeutet übersetzt „Bär“. Genau genommen bedeutet Nahko Bear also „Bär Bär“. Meine Adoptiveltern nannten mich David, behielten Nahko aber als zweiten Vornamen. Als Jugendlicher setzte ich mich immer mehr mit meinen indigenen Wurzeln auseinander und kehrte schließlich zu Nahko zurück. Das war ein erster Schritt auf der Suche nach meiner Identität. Den Namen hat meine Großmutter mir gegeben. Damals hat sie sicher nicht geahnt, was für ein Bär später aus mir werden würde.

Diesem Namen hast du nun ein Album und eine ganze Tour gewidmet. Die Lieder erzählen von deiner Jugend. Was hat dich in dieser Zeit geprägt?

Die Lieder habe ich geschrieben, als ich zwischen 18 und 21 Jahre alt war, kurz nachdem ich meine Heimatstadt Portland in Oregon verlassen hatte und in die Welt gezogen war. Ich hatte eine schöne Kindheit, wurde zuhause unterrichtet und bin sehr religiös und behütet aufgewachsen. Als ich auszog, lernte ich schnell, was die Welt noch zu bieten hat. Dazu gehörten die Schattenseiten des Lebens genauso wie die magischen Momente. Ich zog von Ort zu Ort, machte erste Erfahrungen in der Liebe, erlebte erste Verluste, entwickelte aber vor allem eine Liebe zum Leben „on the road“… Das Album erzählt also meine Geschichte vom Erwachsenwerden.

Wieso teilst du diese Geschichte erst jetzt?

Ich habe lange auf den richtigen Moment gewartet. Es hat zwölf Jahre gedauert, aber immerhin, ich habe es gemacht. Die Zeit habe ich gebraucht, um mir zu überlegen, wie ich dem Rest der Welt von diesen Erfahrungen erzähle. Außerdem können wir dem nächsten „Medicine“-Album so mehr Zeit widmen.

Bär mit Hut: Wer Nahko Bear nur mit Irokesenfrisur und als Frontmann von „Medicine for the People“ kennt, muss umdenken. Zur Zeit ist er solo auf Tour – das heißt fast: Sein Teddybär ist dabei.
Bär mit Hut: Wer Nahko Bear nur mit Irokesenfrisur und als Frontmann von „Medicine for the People“ kennt, muss umdenken. Zur Zeit ist er solo auf Tour – das heißt fast: Sein Teddybär ist dabei.

Wenn du sagst, du hast überlegt, wie du der Welt von dieser Zeit erzählst: Meinst du damit auch deine Erfahrungen mit Drogen, von denen du in einigen Liedern sprichst?

Die Jugend ist wild und oft auch seltsam. Man probiert sich aus. Es war eine aufregende Zeit, in der viel passiert ist, was ich verarbeiten musste. Ich hätte schnell den Boden unter den Füßen verlieren können, behielt aber immer eine gesunde Selbstkontrolle und habe es bis hierher geschafft. Von daher: Ja, die Erfahrungen mit Drogen haben meine Lieder sehr beeinflusst, da ich mich in der Zeit weiterentwickelt habe. All die Gebete und Mantras, die mir in den Kopf gegangen sind, haben mir eine neue Sichtweise ermöglicht – zum Beispiel dafür, wie wichtig Mitgefühl und Vergebung sind.

Entstanden ist damals auch die Band „Medicine for the People“ – Medizin für die Menschheit. Hast du das Gefühl, deine Musik heilt dein Publikum oder auch dich selbst?

Ja, absolut. Ich habe diese Verwandlung bei mir selbst erlebt, beobachte aber auch immer wieder Menschen, die sich durch die Musik direkt vor meinen Augen verändern. Lieder haben einen geheimnisvollen Einfluss. Durchlebst du eine schwere Zeit, kann dir ein Lied helfen, dich damit auseinanderzusetzen, dich zu heilen und schließlich zu verwandeln. Hörst du es einige Monate später wieder, kann es eine ganz andere Bedeutung haben und trotzdem dazu beitragen, dass du dich weiterentwickelst.

Inwieweit hat Yoga in deiner Entwicklung eine Rolle gespielt? 

Yoga hat tatsächlich eine große Rolle gespielt. Ob in Form von Praxis oder im Sinn von Gemeinschaft – Yoga hat mich auf der ganzen Welt begleitet. Ich war etwa 19 Jahre alt, als ich mich zum ersten Mal damit auseinandersetzte. Damals war ich auf Hawaii. Yoga hat mich daran erinnert, dass ich einen Körper habe und dass dieser Körper mit meiner Seele verbunden ist. So habe ich mich durch Yoga besser kennengelernt – durch Yoga und durch Surfen…

Du bist generell sehr naturverbunden. Fehlen dir Yoga und Surfen wenn du unterwegs bist? Oder wie bewahrst du deine innere Ruhe?

Das stimmt, ich bin mit Landwirtschaft aufgewachsen und habe selbst zwei Pferde. Wenn ich also nicht gerade Musik mache, findet man mich auf dem Pferderücken oder auf dem Surfbrett. Während der Tour habe ich den Morgen meist frei und nutze die Zeit für Yoga, laufe oder tanze – ich bewege mich einfach gerne. Die Yogapraxis ist einer der Aspekte, die mich mit der Natur verbinden. Ansonsten bin ich so oft wie möglich im Freien, springe ins Meer oder verbringe Zeit mit Tieren – im Gegensatz zum Wasser findet man die überall.

Naturschutz und eine bessere Zukunft für die Jugend liegen dir am Herzen. Gemeinsam mit deiner Band hast du dir eine große Community, den „Medicine Tribe“, aufgebaut. Wie nutzt ihr diese Plattform, um aktuelle Themen anzusprechen?

Ja, das stimmt. Wir kommunizieren aktuelle Themen, die mit Politik, Umwelt oder unserer Gesellschaft zu tun haben, meist direkt über die Musik. Manchmal widmen wir wichtigen gesellschaftlichen Ereignissen oder Umwelt-Themen eine ganze Tour. Egal wo ich bin, arbeite ich gerne mit indigenen Künstlern zusammen. So erhält sich unsere Kultur und bleibt relevant für den Rest der Welt.

Du bist Musiker, beschreibst dich aber auch als Aktivist. Bei welchen Projekten mischst du zur Zeit mit?

Das aktuelle Album von Nahko Bear.

Vor Kurzem fand der zweite „Run 4 Salmon“ in Nordkalifornien statt. Der Lauf dauert drei Wochen und führt entlang der 500 Kilometer langen Strecke, die die Königslachse früher zurücklegten, um zu den nördlichen Flüssen zurückzukehren. Äußere Einflüsse haben Gewässer und Wälder zerstört und die Zahl der Lachse stark verringert. Gemeinsam mit dem Winnemem-Wintu-Stamm kämpfe ich dafür, dass das Ökosystem wiederhergestellt wird und die Lachse zurückkommen können. Dieses Projekt hat viel erreicht und mein Leben verändert. Ich bin auch im Vorstand der Organisation „Honor the Earth“. Momentan kämpfen wir gegen den Ausbau der Ölpipeline Keystone XL. Nächstes Jahr wird es auch wieder das Nahko-Stipendium geben, das junge Native Americans in Sommercamps nach Hawaii schickt.

Das heißt, 2018 ist bisher ein spannendes Jahr. In einem Satz zusammengefasst: Welche Botschaft gebt ihr uns mit auf den Weg?

Im Großen und Ganzen ist es ein soziales Experiment. Wir wollen sehen, inwiefern unsere Musik eine Generation beeinflussen und aufwecken kann. Sei bewusst du selbst und gute Dinge werden kommen. Ich würde es in etwa so formulieren: Mische mit, bilde dich weiter und sei offen für Veränderungen.


Anika Kedzierski konnte kaum glauben, dass ihre Redaktionskolleginnen weder Nahko noch „Medicine for the People“ kannten. Mission erfüllt: Mittlerweile lieben ihn alle und seine kraftvollen, melodischen Songs sind aus dem Redaktionsalltag zur Zeit kaum wegzudenken.