Regelrecht Yoga: Praxis während der Periode

Alles im Fluss: Während der Menstruation empfiehlt es sich, die Yogapraxis den veränderten Abläufen im Körper anzupassen. Die Praxis während der Periode kann Schmerzen erleichtern, die Stimmung heben und eine neue Perspektive auf das Üben eröffnen. Bewusst loslassen – das Motto bei Yoga und der Periode.

„Unpässlich“ war man früher, Tanten kamen zu Besuch. Das „rote Meer“ sorgte für Überschwemmung und die „Erdbeerwoche“ startete. Insgesamt waren die Tage „kritisch“. Die Menstruation wurde verheimlicht und tabuisiert. Je nach historischer Epoche und Region werden ihr magische Wirkungen zugeschrieben. Durch die Berührung einer menstruierenden Frau verwelken Blumen, verderben Lebensmittel und verfärben sich Metalle. Gilt das auch für Yoga und die Periode?

Menstruation als natürlicher Teil des Lebens

Ganz real werden Frauen während ihrer Periode von ihren Communities ausgeschlossen oder schrieben sich selbst Sonderstatus zu. „Immer wieder konnte ich in meinen Kursen Frauen beobachten, die jahrelang unter Periodenschmerzen litten. Weil ihnen dies die einzig legitime Art zu sein schien, Zeit für sich zu haben“, schreibt Yoga-Pionierin Adelheid Ohlig in ihrem Buch „Luna Yoga“. Der weibliche Zyklus wird tatsächlich vom Mond symbolisiert. Erst durch moderne Hygienemaßnahmen fand frau zurück „mitten ins Leben“. Aber bitte diskret. Gesellschaftlich erwünschte Funktionstüchtigkeit führt zur Verdrängung der Weiblichkeit.

Die weise Wunde“ gehört zum Frausein. Das kann wieder als Brücke dorthin dienen – nicht zuletzt in der Yogapraxis. Diese die Selbstwahrnehmung schärft das Gefühl der Verbundenheit. Dann leuchtet mehr ein, dass in der Menstruation individuelleres Üben sinnvoll ist. Im Ayurveda wird die Menstruation als Regulierungs- und Reinigungsprozess gesehen, der Ungleichgewichte beseitigt, die sich angesammelt haben. Allgemein bekannt ist Erkenntnis aus dem Iyengar Yoga. Die Umkehrhaltung sollte weggelassen werdn, um die abfließende Energie nicht zu unterbrechen. Dieses schlägt Frauen während der Menstruation ein explizit angepasstes Programm vor, das bei Bedarf auch in regulären Stunden unterrichtet wird.

Praxis während der Periode: Tipps von den Expertinnen

Wie ist es mit der Teilnahme an einer dynamischen Flow-Stunde? Jivamukti-Lehrerin Antje Schäfer aus München hütet sich vor eindeutigen Ratschlägen. Sie empfiehlt jedoch, zumindest die ersten 2 bis 3 Tage der Menstruation kein intensives Yoga zu üben. „Jede Frau ist unterschiedlich, die wenigsten Regeln gelten für alle. Im Sinne der Achtsamkeit appelliere ich vor allem an die Eigenverantwortung der Yogaschülerinnen. Organisatorisch kann man in gut besuchten, fließenden Yogastunde kein individuelles Perioden-Programm anbieten. Dennoch ist es wichtig, ein Bewusstsein für die körperlichen Abläufe während der Menstruation zu entwickeln.“

Als regelrechte Chance sieht Margarete Eckl vom Iyengar-Studio Iyoga die Periode: „Was für eine gesunde, menstruierende Frau passend ist, kann für eine Frau mit Menstruationsproblemen unpassend oder sogar schädlich sein. Dennoch gibt es einige allgemeine Hinweise, die in jedem Fall hilfreich sein können. Yoga während der Menstruation kann genutzt werden, um an Schulter und Hüfte zu arbeiten.“ Allgemein lässt sich durch Yogaübungen lernen, eine bessere Selbstwahrnehmung zu entwickeln. Die Periode ist nicht mehr „notwendiges Übel“, sondern kostbare Zeit für innere Erkenntnis und Selbsterneuerung. „Eine gute Menstruationspraxis kann durchaus ein Schritt hin zu einer spirituellen Yogapraxis sein.

Margareta Eckl lebt in München und leitet das Studio iYoga. Sie praktiziert Yoga seit 1972, ist zertifizierte Iyengar Yoga-Lehrerin und besucht laufend Fortbildungen in Europa, USA sowie direkt bei B.K.S. und Geeta Iyengar in Indien. www.iyoga.de

Übe hier gleich die Mini-Praxis: Periodenyoga

Der Übungsbogen von Mark Stephens erklärt

Frau machr draußen Meditation
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Ob man eine Yogastunde als rundum wohltuend und beglückend empfindet, oder eher nicht, hängt vor allem davon ab, wie gut der Übungsbogen aufgebaut ist. In unserer Reihe über guten Yogaunterricht erklärt der „Lehrer der Lehrer“ Mark Stephens, worauf man dabei achten muss. Das gilt nicht nur als Yogalehrer, sondern auch als aufmerksamer Schüler oder bei der eigenständigen Praxis. 

Die Bogenstruktur von Yogastunden

Man kann die Struktur eine Yogastunde mit einer Bergwanderung vergleichen. Mal ist diese eher ein Spaziergang über einen Hügel, eine anspruchsvollen Kletter-Tour. Der Yogalehrer übernimmt dabei die Rolle des Bergführers: Er kennt das Gelände und weiß, was er den Teilnehmern seiner Gruppe zumuten kann. Er geht voran und führt die Wanderer auf dem Weg zu sich selbst. Darüber hinaus er lädt sie zum Abenteuer der Selbstreflexion und des bewussten persönlichen Wachstums ein. Dabei wählt er einen Pfad, der sowohl in Bezug auf das Terrain als auch auf die Wanderer sinnvoll ist. Er lässt ihnen genug Zeit, die Gipfel ihrer Erfahrung zu erklimmen und zu genießen. Zudem sorgt er dafür, dass diese Tour sicher vonstatten geht.

Besonders gut kann man diesen Bogen erzeugen, wenn man bei der Stundenplanung von der oder den komplexesten Asanas ausgeht. Das ist sozusagen der Gipfelpunkt der Tour. Als erstes überlegt man, welche Elemente diese „Gipfel“-Yogaposition oder auch „Peak-Asana“ ausmachen, was also ihre Voraussetzungen sind:


Der Übungsbogen: Fragen zum Aufbau anhand einer „Gipfel-Asana“

  1. Was muss laut der Anatomie frei und beweglich sein? Welche Muskeln muss ich zuvor dehnen und entspannen? Welche Übungen können das leisten?
  2. Was muss stabil sein? Welche Muskeln muss ich zur Vorbereitung aktivieren und kräftigen? Welche einfacheren Asanas helfen, diese Stabilität herzustellen?
  3. Wo entsteht Spannung? Welche nachfolgende Asana kann diese Spannung wieder lösen?
  4. Worauf bereitet diese Asana mich vor, wenn ich bereit bin, noch einen Schritt weiter zu gehen?

Bei der Beantwortung dieser Fragen helfen neben der eigenen praktischen Erfahrung auch verschiedene Medien. Zum Beispiel der Anhang in meinem Buch „Yoga-Workouts gestalten“ oder die Stichpunkte „vorbereitende Haltungen“ und „nachfolgende Haltungen“ im großen Asana-Finder. Wichtig ist es hierbei auch, die Asana-Familien mit einzubeziehen. Als nächstes wendet man diese Informationen auf den Übungsbogen in 5 Phasen an.


Der Übungsbogen in 5 Phasen

1. Die Yogaerfahrung initiieren

Zu diesem Punkt zählt alles, was einen Beginn markieren kann und den Schülern hilft, ganz im gegenwärtigen Moment anzukommen. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper an diesem speziellen Platz. Außerdem wecken wir die Atmung mit Ujjayi Pranayama auf. Dann machen wir uns klar, mit welcher Intention wir beginnen zu üben. Für manche gehört dazu auch das Chanten eines Mantra oder der Silbe Om, das Lesen eines Gedichts oder das stille Sitzen mit Konzentration auf den Atem.

2. Aufwecken und Aufwärmen

Jetzt fangen wir an, nach und nach den gesamten Geist-Körper mit Bewegung zu beleben. Ganz egal ob man mit Surya Namaskar (Sonnengruß), Katze-Kuh oder anderen Arten der dynamischen Aktion beginnt, die der Gruppe gerade angemessen sind – die Grundidee ist immer die selbe: Wir aktivieren den Körper so, dass die folgenden, komplexeren Formen des Übens leichter zu erschließen sind.

3. Der Aufstieg zum Gipfel

Wir haben das klare Verständnis, was für die „Gipfel-Asana“ im Einzelnen nötig ist. Nun üben wir eine Reihe von Asanas, die uns Schritt für Schritt darauf vorbereiten. In dieser Phase der Praxis tauchen die Elemente und Aspekte des „Gipfels“ auf. Wir lernen sie einzeln kennen und machen unsere Erfahrungen mit ihnen, bevor wir sie später zusammenfügen. Die Anordnung dieser vorbereitenden Übungen folgt dem Prinzip „Vom Einfachen zum Komplexen“. Dabei bietet der Yogalehrer wie ein Wanderführer Alternativen an, er sucht Rastplätze auf. Mal ermuntert er den einen dazu, eine einfachere Route zu wählen, und eröffnet dem anderen eine herausfordernde Variante. So erhält jeder die Möglichkeit, so zu üben, dass es seinen besonderen Bedürfnissen angemessen ist.

4. Den Gipfel erkunden

Kurz vor dem Gipfel ist der Körper warm, aber noch nicht müde. Man ist an jenen Stellen mobil, an denen Beweglichkeit gefordert ist, und da stabil, wo die „Gipfel-Asana“ Kraft verlangt. Während wir all diese vorbereitenden Elemente nun miteinander verbinden, erinnern wir uns an Patanjalis Maxime für jedes Üben von Asana. Sthira sukham asanam – die Asana sollte zugleich stabil und leicht sein. Damit wecken wir Präsenz und Bewusstsein, und erweitern das körperliche Üben zu einer Selbsterforschung. Dabei üben wir Selbstakzeptanz und lösen uns vom Drang nach Leistung. All das braucht Zeit, Ruhe, Geduld und die Unterstützung des Lehrers.

5. Integration

Um den Gipfel herum stand der Körper unter Spannung. Im Idealfall haben wir schon bisher auf dem Übungsbogen einen Großteil dieser Spannung aufgelöst. Der „Abstieg“ vom Gipfel bis zur Endentspannung in Savasana dient nun voll und ganz der Lösung und Integration: Wir wenden das Prinzip von Pratikriyasana an und üben eine Reihe von entspannenden Gegenbewegungen, die uns helfen, alles, was auf dem bisherigen Weg geschah, zu integrieren.


Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Petros Haffenrichter: Mein persönlicher Yoga-Weg

Petros Haffenrichter, internationaler Jivamukti-Yoga-Lehrer, berichtet YOGA JOURNAL GERMANY von seinem persönlichen Bezug zu Yoga durch seinen Großvater. Wie hat sich die Praxis verändert, seit Petros sein persönlicher Yoga-Weg begonnen hat? Und welche aktuellen Tendenzen stehen vielleicht sogar im Gegensatz zur Yogaphilosophie?

Als Vater von den „Yogis“ sprach, wandelte sich seine Stimme. Der Tonfall machte mich neugierig. Da klang Achtung und Würde mit. Ich fragte, was der morgendliche Kopfstand macht. Dabei verstand ich als Kind nicht, wie die Haltung des Körpers etwas mit den inneren Welten zu tun haben könnte. Da war ja der Körper „da draußen“ und das Denken „da drinnen“. Aber den Kopfstand habe ich mir gemerkt. Und damit die Selbstverständlichkeit, dass das Dasein je nach Haltung auch immer Kopf über oder Land unter verstanden werden könnte.

Die Bücher meiner Familie: Philosophie und Spiritualität

Als ich als Teenager die Bibliothek meines Großvaters, die vor allem riesige, schwere Werke zum Umzug ins Nationalarchiv vorbereitete, fiel mir das kleinste Buch von über 10.000 in die Hände. Krishna’s Flöte mit handschriftlichen Kommentaren. Das Buch über die indische Gottesliebe nahm ich als einziges mit. Ich vergaß das Buch bis ich in den Tagebüchern meines Opas viele Zitate aus den Upanishaden oder anderen Schriften fand, deren Quelle jeweils das besagte Büchlein war. Ich weiß nicht mehr viel von meinem Großvater, außer dass er nach Pfeifentabak roch und wir Kinder immer leise sein mussten, wenn wir die Großeltern besuchten, weil „Opa meditiert“. Sein persönlicher Yoga-Weg war die Grundlage für meinen.

Wir sollten in der Lage sein, unser Leben kontinuierlich mit Interesse, der nötigen Distanz, Integrität und ein bisschen Humor zu betrachten. Dadurch wird klarer, welche Wege wir gehen, welchen Mustern wir folgen – und dass es mit Sicherheit keine Zufälle gibt. Manchmal brauchen wir eben etwas Zeit oder Übung um die Zusammenhänge verstehen zu können und Vertrauen zu entwickeln. Weil die individuelle Unordnung zwar nie wirklich die große Ordnung stören kann, doch verzerrt sie den Blick auf das Wirkliche so, dass wir Sein und Schein verwechseln.

Yoga ist keine Glaubenssache

Ein persönlicher Yoga-Weg ist keine Glaubenssache, ganz im Gegenteil. Im Üben erfahren wir die klare Sprache von Ursache und Wirkung von Verantwortung und Konsequenz. Seelisch, universell, eben karmisch. Und Karma hat nichts mit Glauben zu tun: das wird spätestens klar, wenn wir am Ast sägen auf dem wir sitzen. Die Konsequenzen schieben wir lieber allen „anderen“ hin, denn wir in unserer Blase werden sicher irgendwie noch gut wegkommen. Die berechtigte Frage: Welche gesellschaftlichen Veränderungen bringen die kommenden Herausforderungen mit sich? Und was hat das mit unserem Verständnis für Yoga zu tun?

In der Bhagavad Gita erklärt Krishna, dass er sich (tatsächlich und als Bewusstsein) immer dann für uns Menschen erkennbar manifestiert, wenn wir praktisch am Abgrund stehen. Da ist der Moment der Wahrhaftigkeit beim Helden Arjuna. Die momentane Erkenntnis seiner Illusion und sein Drang das sofort zu ändern. Doch das geht nicht ohne Vision, Pfad und Vorbereitung, sonst trägt der Wunsch nach Wandel keine Früchte. Sri Krishna gibt Strategien für alle Lebenslagen und Talente, wie wir aus bloßer Erkenntnis zu Verständnis gelangen, also den Weg aus der Hölle.

Wertvolle Lehren aus der Bhagavad Gita

Im Mahabharat Epos, dem Rahmenwerk der Gita, ist auch das Srimad Bhagavatam enthalten. Ein philosophischer Dialog zu den Kernthemen des Lebens. Darin wird beschrieben, dass in den finstersten Zeiten der Menschheit der Narr zum König gemacht wird, der Mensch dem Materiellen verfallen ist und darin das Ewige wähnt. Und sogar der Yoga als das Heiligste, zur Erlösung oder Befreiung von Leid und Illusion, ist von den niedersten Eigenschaften (Hass, Gier, Neid, Stolz etc.) befeuert, zum Produkt degradiert. Ist alles nicht so wild? Früher war alles besser? Jetzt geht’s erst los?

Problematisch wird es z.B. von SchülerInnen aufgenommen, wenn ich im Unterricht, über leidfreie Ernährung spreche. In allen Fällen bin ich natürlich bereit, den Beteiligten ihre eigene Entscheidung zuzugestehen und bin mir im Klaren, dass es kein Recht und Unrecht per se gibt. Da ich seit 20 Jahren Yogastudios führe, kann ich ja nicht anders, als auf die Tradition zu verweisen. Dabei geht es nicht um Geschmack, auch nicht um Freiheit der persönlichen Entscheidung. Es geht tatsächlich ums Ganze. Das erfahrbare Prinzip der universellen Einheit. Solange wir das Leid anderer nicht als unser Leid verstehen, wirkt kein persönlicher Yoga-Weg. Denn Yoga ist das Aufheben dieser grundlegende Trennung von „die anderen“ und „ich“.

Yoga als Verhaltensänderung auch abseits der Matte

Die Entscheidung darüber, wer wir sind und welche Verantwortung wir für unser Bewusstsein und dessen Wirkungen in der Welt haben. Eine Welt, die Mensch und Tier bzw. Natur immer noch als zweierlei ansieht und Yoga dem Markt unterworfen ist, schreibt den Unterricht dann z.B. für Krankenkassen um. Der Kopfstand wird deswegen weggelassen. Traditioneller Weise dient diese Übung jedoch dazu, dass der Yogi gezielt das eigene Feuer ausrichtet (Agni), das Verhalten von den Vayus manipuliert um eine psychoenergetische Wahrnehmung zu ermöglichen in der alle Chakren ausgeglichen rotieren. Das gibt es bei der Krankenversicherung nicht.

Auch kein Karma, und kein Dharma. All das ist aber der Kern der Übungen des Yoga. Ein persönlicher Yoga-Weg hat nichts zu tun mit einer körperliche Zielebene. Das körperliche Wohlbefinden ist sozusagen ein Nebeneffekt, wenn wir uns durch Yoga mit den Kräften des Lebens harmonisieren. Wir tun uns schwer, als Menschen unser Wissen in Wirken umzusetzen. Der Yoga ist ein klarer, Schrittweiser weg, dies zu erlernen. Demut, Mitgefühl, Enthusiasmus, Bereitschaft, Reflexion und eben auch Entscheidungen gehören unausweichlich dazu.

Die Worte meines Vaters klingen mir noch im Ohr. Aber der Versuch Yoga auf den kleinsten Nenner zu bringen birgt immer den Nebeneffekt, dass thematische Tiefe verloren geht. Daher war Yoga, in allen Schriften und Traditionen so erwähnt, eine Geheimlehre. Die Idee ist ja, dass der Yoga vor allem den konditionierten Geist aushebelt. Das findet das Ego nicht sofort attraktiv, im Gegenteil. Denn wir lernen im Üben zunächst den Umfang unserer Illusion (Avidya). Für diese Begegnung müssen wir gesund, flexibel, mutig und konsequent sein. Und die war schon immer eine innere. Wir müssen aufhören, moderne, ob indische oder westliche, Trainingssysteme mit den Yogatraditionen zu verwechseln oder sie als solche anzupreisen.

Selbstreflexion sollte persönlicher Yoga-Weg sein

Die beinhalten zwar Asanas, doch als Teil eines holistischen Weges, der vor allem moralische und ethische Fragestellungen sowie einen klaren Bezug zum spirituellen Inhalt. Nicht religiös oder gesellschaftlich, sondern radikal den persönlichen Bezug in den Vordergrund stellt. Als selbstwirksames Korrektiv. Das bedeutet, dass durch die Übung der gegebenen Inhalte die Illusion materiellen Identität aufgebrochen und erkennbar wird, und Erkenntnisfähigkeit entsteht. Denn ohne die Zutaten von intensiver, andauender Bemühung, Reflexion über das Thema, emotionsloser Betrachtung des kleinen und des großen Ichs kann es nur die Betrachtung geben die unsere schon bestehenden Identitäten zulassen.

Meister Patanjali erklärt gleich vorneweg im Yoga-Sutra, dass Yoga das gegebene, also in der Natur inhärente Prinzip ist, aber die Denkmuster der konditionierten Person erlauben diese Wahrnehmung nicht. Daher muss die Grundlage für andere Muster geschaffen werden – dies geschieht u.a. durch die Praxis der Yamas: Ahimsa, Gewaltlosigkeit, Asteya – Erkenntnis über die Unmöglichkeit von Besitz oder Anspruch darauf, Satya – Wahrhaftigkeit, Brahmacharya (der Schöpfungsauftrag des Menschen und das Heilige in der Intimität), Aparigraha (ein Gemüt jenseits von Anspruch und Gier).

Was der Status Quo jedoch zeigt: Die Yoga-Tradition ist umstritten. Dadurch ist meiner Meinung nach damit die Wirkungsmöglichkeit gefährdet. Wir müssen gemeinsames Interesse haben an offenen, mutigen Gesellschaften, in denen wir unsere Illusionen aufdecken lernen. Ein persönlicher Yoga-Weg braucht intensive Übung und Kontinuität und Intensität. Dies muss ein persönlicher, ehrlicher Weg sein. Wohl dann mit der Einsicht, dass Wahrheit und Wahrhaftigkeit Lebensaufgaben sind, die alle Lebenskraft brauchen.

Hier liest du Teil 2 von Petros‘ Essay: aktueller Zeitgeist im Yoga.

Petros Haffenrichter ist international anerkannter Yogalehrer und Kritan-Künstler. Seine Leidenschaft, das Bhakti- und Jivamukti-Yoga gibt er weltweit auf Festivals und Gastlehrer bei verschiedensten Schulen weiter. In München kannst du ihn in seinem Studio Yoga am Engel live erleben.

Jivamukti Spiritual Warrior Video – 60-Minuten Signature Class

Video Jivamukti Spiritual Warrior

In diesem Video leitet euch Olga Oskorbina von Jivamukti Barcelona durch die 60 Minuten der festen Abfolge der Signature Class des Spiritual Warrior. Diese Klasse wird in Englisch unterrichtet. Auf dem Digital Channel und der App von Jivamukti gibt es den Spiritual Warrior in acht Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Norwegisch, Russisch, Japanisch: jivamuktiyogadigital.com

Video – Jivamukti Spiritual Warrior – 60 Minuten mit Olga Oskorbina (Englisch)


Wer die einzelnen Haltungen und Reihenfolge nochmal ganz genau sehen möchte, schaut in den Artikel von Moritz Ulrich rein. Er betreibt die Jivamukti Yoga School „Peace Yoga Berlin“. Er ist Arzt, Ausbilder der Jivamukti Yoga Teacher Trainings und unterrichtet neben Asanas auch Sanskrit und Anatomie für Yogalehrende. Außerdem ist der Jivamukti Advanced Teacher, Ausbildungsleiter für das Teacher Training in Italien.

Zwei unterschätzte Formen der Meditation + Anleitung

Meditation ist für uns Yogi*nis ein naheliegender Weg in die Stille. Es gibt jedoch so viele verschiedene Formen der Meditation, dass wir manchmal gar nicht wissen wie wir beginnen sollen. Welche passt zu mir? Diese zwei Formen der Meditation kannst du ganz einfach in deinen Alltag einbauen.

Der Body-Scan

Was bringt’s?

Der Body-Scan ist eine Form der Meditation, bei der du übst, die Körpergefühle inklusive möglicher Anspannungen genauer wahrzunehmen. Er beruhigt und trägt dazu bei, wieder „in uns selbst zu Hause“ sein zu können. In der Achtsamkeits-basierten Stressreduktion (mindfulness based stress reduction, kurz MBSR) ist der Body-Scan ein wichtiges Werkzeug, um die Kopflastigkeit unserer Wahrnehmungen zu mindern. Der Erfinder von MBSR, Jon Kabat-Zinn, erklärt:

„Wenn wir unseren Körper als Musikinstrument sehen, so ist der Body-Scan sozusagen das Stimmen. Betrachten wir unseren Körper als Haus, so ist der Body-Scan der Frühjahrsputz, wir reißen die Fenster auf und lassen die frische Luft der Achtsamkeit herein.“

Wie geht’s?

Nehme dir für diese Meditation anfangs etwa 10 Minuten Zeit. Auf die Dauer können es auch 20 bis 30 werden. Sofern du Schmerzen hast, zum Beispiel im unteren Rücken, werden diese durch den Body-Scan nicht verschwinden. Viele Menschen berichten aber, dass es ihnen so gelingt, ihre Schmerzen besser zu akzeptieren und als weniger störend zu empfinden.

  1. Lege dich auf den Rücken aufs Bett, auf eine Decke oder Matte auf dem Boden.
  2. Hole einmal tief Atem und lasse ihn langsam ausströmen. Richte deine Konzentration dann auf deinen linken Fuß, ganz speziell auf den kleinen Zeh. Kannst du ihn spüren? Wenn du ihn tatsächlich wahrgenommen hast, konzentriere dich auf die mittleren Zehen, dann auf den großen Zeh, den Spann, die Fußsohle, die Ferse, den Knöchel. Jedem dieser Körperteile solltest du mindestens 2 Atemzüge lang deine Aufmerksamkeit widmen.
  3. Es folgen das linke Schienbein. Die linke Wade, die Kniescheibe, die Kniekehle. Der Oberschenkel, erst die Vorderseite, dann die Rückseite. Die Leistenbeuge, das linke Hüftgelenk. Wieder jeweils mindestens 2 Atemzüge lang.
  4. Nun wechselst du zum rechten Bein: kleiner Zeh, die mittleren Zehen, großer Zeh, Spann, Fußsohle, Ferse. Knöchel, Schienbein, Wade, Kniescheibe, Kniebeuge, Oberschenkel vorn und hinten, Leistenbeuge, rechtes Hüftgelenk.
  5. Spüre nacheinander und wiederum jeweils für mindestens 2 Atemzüge in den gesamten Beckenbereich einschließlich Hüften, Pobacken, Genitalien. Dann in den unteren Rücken, den Bauch, den oberen Rücken, den Brustkorb und die Brust, in das Herz und die beiden Lungenflügel.
  6. Danach richtest du die Aufmerksamkeit auf die Schulterblätter und die Schultern selbst. Du kannst als Nächstes beide Arme zugleich erspüren oder auch einen nach dem anderen: Fingerspitzen, jeden einzelnen Finger, Handfläche, Handrücken, Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen, Oberarm, Achselhöhle.
  7. Schließlich erreichst du erneut die Schultern. Nun fühlst du möglichst achtsam hinein in den Hals, ins Gesicht, das Kinn, die Lippen, die Nase, die Wangen, die Augen, die Augenlider, die Stirn, die Schläfen, die Ohren, die Kopfhaut, den Hinterkopf.
  8. Nehme noch einen Moment lang den Körper als Ganzes wahr, dann atme tief ein, lassen den Atem langsam ausströmen und beenden die die Formen der Meditation.

Die Metta-Meditation

Was bringt’s?

Metta ist ein Wort aus der indischen Gelehrtensprache Pali, es bedeutet Liebe, Freundschaft oder Sympathie und kommt der christlichen Nächstenliebe recht nahe. Bei dieser Meditation senden wir erst uns selbst, dann den Menschen, die wir mögen, und schließlich allen Lebewesen auf der Welt Liebe und Dankbarkeit – auch denen, die uns weniger sympathisch sind. Das klingt vielleicht seltsam, aber es macht mit der Zeit deine Einstellung der Welt und anderen Menschen gegenüber positiver und dich selbst ein wenig zufriedener. Mönche, die die Metta-Meditation über lange Zeit hinweg regelmäßig praktizieren, gehören laut Wissenschaft zu den glücklichsten Menschen der Welt! Manchen Menschen fällt es schwer, sich selbst etwas Gutes zu wünschen. Dabei hat das nichts mit Egoismus zu tun.

Nur wer sich selbst wertschätzt, kann auch andere Menschen lieben. Scheue dich also nicht vor diesem Teil der Übung. Die Meditation lässt sich auch aufteilen: Heute Liebe für mich, morgen Liebe für den Rest der Welt. Eine der einfachen aber sehr wirksamen Meditationsformen!

Wie geht’s?

Beginne mit 2-3 Minuten. Führe in dieser Zeit nur den ersten Teil der Meditation durch. Wenn sie dir gefällt, verlängere die Zeit schrittweise. So kannst du immer mehr gute Wünsche in die Welt senden.

  1. Konzentriere dich für einen Moment auf deinen Atem. Dann wiederhole die folgenden Sätze je drei Mal, entweder stumm oder du liest sie leise vor:

    ✱ Möge ich gesund sein und frei von Leiden!
    ✱ Möge ich frei sein von Hass, Gier und Verblendung!
    ✱ Möge ich erfüllt sein mit Ruhe, Gelassenheit und Frieden!
    ✱ Möge ich glücklich sein!
  2. Denke dann an ein Wesen, das du sehr magst. Das kann ein bestimmter Mensch sein, aber auch dein Haustier. Hilfreich ist, wenn schon bei der Vorstellung ein Gefühl von Wohlwollen, Güte und Liebe in dir aufsteigt. Spreche dann im Geiste oder leise für dich je drei Mal:

    ✱ Mögest du gesund sein und frei von Leiden!
    ✱ Mögest du frei sein von Hass, Gier und Verblendung
    ✱ Mögest du erfüllt sein mit Ruhe, Gelassenheit und Frieden!
    ✱ Mögest du glücklich sein!
  3. Schicke nach und nach Liebe und Wohlwollen an weitere Personen: An eine Person, zu der du ein ziemlich neutrales Verhältnis hast. An einen für dich schwierigen Menschen. An alle Menschen in deinem Umfeld. An alle Menschen in deinem Land. Und schließlich an alle Menschen und Lebewesen auf der ganzen Welt.
  4. Zum Abschluss holst du tief Luft. Halte den Atem einen Moment an, und lasse ihn dann wieder ausströmen. Beende die Meditation und nehme das wunderbare Gefühl, sich und anderen Menschen mühelos Gutes tun zu können, mit in den Tag.

    Hilfestellung: Wenn es anfangs nicht so recht klappt mit dem Liebe-Schicken, dann stelle dir ein regenbogenartige Energiebahn von dir selbst zu deinem Gegenüber vor, auf der die Sätze übermittelt werden. Oder du ziehst einen kleinen Helfer hinzu, der deine Liebevolle-Güte-Sätze überbringt. Etwa eine Taube oder einen Engel …

Weitere Formen der Meditation für einen einfachen (Wieder)-Einsteig findest du hier.

ULRICH HOFFMANN…

… ist mehrfacher Bestsellerautor, Yoga- und Meditationslehrer. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Hoffmann veröffentlichte u.a. „Was Meditation wirklich kann“, „Übungsbuch: Meditation“ und „Mini-Meditationen“. Mehr Infos zu ihm findest du unter www.ulrichhoffmann.de.

Aktueller Zeitgeist im Yoga – Petros Haffenrichter

Petros Haffenrichter, internationaler Jivamukti-Lehrer, berichtet YOGA JOURNAL GERMANY über seinen persönlichen Weg zum Yoga. Wie hat sich die Praxis verändert, seit Petros als Kind durch seinen Großvater in den Bann von Yoga gezogen wurde? Und welche Tendenzen diagnostiziert Petros Haffenrichter als aktueller Zeitgeist im Yoga und muss man auch kritisch betrachten?

Wenn wir dann den Blick auf den weltweiten Zeitgeist richten, ist es auffällig: Wir tun uns kollektiv schwer tun, uns von ich-bezogenen Wettbewerbern und Verbrauchern zu integren, verantwortlichen Mithelfern zu verändern.

Yoga als Aufforderung, die Welt ein Stückchen besser zu machen

Die einen denken mit Plan an unsere kollektive, verantwortliche Veränderung, und die Möglichkeiten, das Gute, Mitmenschliche und Kreative das da entstehen kann. Die anderen verweisen andererseits, mangels Alternativen die sich Menschen mit dieser konservativen Weltanschauung nicht vorstellen können, auf die Gegenwart, die es zu erhalten gibt, und meinen eigentlich den materiellen Wohlstand eines überschaubaren Teils der Weltbevölkerung. Allerdings kann nur ein Model Zukunft haben und dieses ist nicht der Status Quo. Lasst uns Yoga für eine zukunftsfähige Gesellschaft praktizieren.

Um ehrlich mit der eigenen Verklärung umzugehen, gibt uns der Yoga unendlich Inspiration und Halt. Da gibt es einen ganzen Kosmos an Inhalten, die uns menschlich fordern und uns eben nicht nur physisch auf den Kopf stellen, sondern unser Bewusstsein so verändern, dass Erkenntnis möglich wird. Wenn wir aber die Grundlagen nicht achten, dann verstehen wir auch nicht, was sich da wirklich regt.

Oder: Das grobe Netz erkennt alles nur als ein Teil vom Ganzen. Die Chandogya–Upanishad erklärt, dass der Mensch in Avidya, also mit einem falschen Verständnis von Identität und Zugehörigkeit, die Glut und das Feuer im Holz (die Analogie für die Seele im Körper) nicht wahrnehmen kann. Der sieht nur das was er dinglich sehen kann. Der Yogaweg macht die Seele erfahrbar und somit sichtbar. Das ist aber keine Glaubenssache, sondern eine Konsequenz. Wenn aber die Grundlagen nicht da sind, nehmen wir uns diese Möglichkeit. Die Seele wird nicht erfahren und bleibt somit ein ideelles Konstrukt.

Yoga als Halt in stürmischen Zeiten: aktueller Zeitgeist im Yoga

Der Weg zur Erkenntnis ist herausfordernd und bedarf der richtigen Führung. So wie die Katha–Upanischad beschriebt, ist die Erfahrung der Seele die größte Freude, die einem widerfahren kann (2.20). Doch es gibt Bedingungen für diese Erkenntnis (2.23). Und der Weg ist schwer und braucht entsprechende Führung. (3.14.). Das Ende dieser Upanishad, eine der wichtigsten Quellen des Yoga, ist eine abschließende Interpretation über Yoga:

Das ist es, was man nennt Yoga,

Das Größte was das menschliche Bewusstsein erfahren kann:

Einheit mit Allem, nicht als Idee sondern als Gewissheit der Erfahrung.

Die ersten Schritte auf dem Yogaweg sind die wichtigsten. Dadurch können wir später verstehen, welche metaphysischen Prozesse sich offenbaren können. Hierbei ist die Physis die Voraussetzung für die physio-energetischen Prozesse. Ohne sie haben wir keine Möglichkeit unsere Seele zu spüren. Aber darum geht es dann doch: Atman, das ewige Ich, die Seele. Atman als Wissen und Identität ist ein alternativer Zugang zu den Informationen des Lebens. So ist erst ein anderes Handeln möglich. Und das Licht im anderen zu sehen brauchen wir, offensichtlich. Wir brauchen  Schulen, in denen wir lernen, uns in Ruhe, ausdauernd und wahrhaftig, gegenseitig an die sakrale Natur unserer Existenz zu er-innern sowie Lehrende, die das durch Erfahrung weitergeben. Sonst sind wir nur ein Stück Holz.

Ausschnitte aus den Upanishaden – aktueller denn je

Vers 2.20
Des kleinen Kleinstes und des großen Größtes
Wohnt er als selbst hier dem Geschöpf im Herzen;
Frei von Verlangen schaut man, fern von Kummer,
Gestillten Sinnendrangs des Atman Herrlichkeit. [6]

Vers 2.23
Nicht durch Belehrung wird erlangt der Atman,
Nicht durch Verstand und viele Schriftgelehrtheit;
‚Nur den er wählt; von dem wird er begriffen:
Ihm macht der Atman offenbar sein Wesen. [7]

Vers 3.14
Steht auf! Wacht auf! erlangt haben
Treffliche Lehrer, merkt auf sie,
Wie schwer zu gehen auf scharfer Messerschneide ist,
Schwer ist der Weg! Den lehren euch die Weisen. [9]

Verse 6.7-6.11
Höher als Sinne steht Manas,
Höher als Manas Sattvam steht,
Höher als dies das >große Selbst<,
über diesem Avyaktam steht.

Das entscheidende Ende der Katha-Upanishad

Dies überragt der Purusha,
alldurchdringend und merkmallos,
Wer ihn erkannt, erlöst wird er
geht ein zur Unsterblichkeit.

Nicht ist zu schauen die Gestalt derselben,
Nicht sieht ihn irgendwer mit seinem Auge;
Nur wer an Herz und Sinn und Geist bereitet,-
Unsterblich werden, die ihn also kennen.

Erst wenn gelangt zum Stillstande
Mit den fünf Sinnen Manas ist,
Und unbeweglich steht Buddhi,
Das nennen sie den höchsten Gang.

Das ist es, was man nennt Yoga,
Der Sinne starke Fesselung,
Doch ist man nicht dabei lässig:
Yoga ist Schöpfung und Vergang

Der Autor von „Aktueller Zeitgeist im Yoga“: Petros Haffenrichter ist international anerkannter Yogalehrer und Kritan-Künstler. Seine Leidenschaft, das Bhakti- und Jivamukti-Yoga gibt er weltweit auf Festivals und Gastlehrer bei verschiedensten Schulen weiter. In München kannst du ihn in seinem Studio Yoga am Engel live erleben.

Floras veganes Valentinstagsmenü: Drei Gänge für die Liebe

Rezept für Valentinstag
Soroush Karimi via unsplash

Für den Herzensmenschen zu kochen, ob nun am Valentinstag oder wann auch immer, sollte Freude und wenig Arbeit bereiten, damit mehr gemeinsame Zeit bleibt. Findet ich zumindest. Hier findest du ein ganz einfaches veganes Valentinstagsmenü, das mit wenigen Zutaten schnell gekocht und leicht verdaulich ist, damit die Liebe durch den Magen schweben kann. Die Farben – Orange, Gelb, Rot, etwas Grün – schmeicheln dem zweiten und vierten Chakra, Becken und Herz. Ein Hurra auf die Verbindung!

Rechne etwa eine Stunde zum entspannten Kochen und Anrichten. Ihr dürftet zu zweit satt werden, ergänze aber natürlich gerne um knuspriges Baguette zu Vorspeise und/oder Hauptgang, um schnelle vegane Kekse zum Dessert. Dann ist das vegane Valentinstagsmenü vielleicht nicht mehr glutenfrei, aber ich glaube sowieso nicht an böses Gluten – wenn nicht eine wirkliche Unverträglichkeit vorliegt, sollte der Körper – das wäre die Perspektive des Ayurveda – durchaus in der Lage sein, Weizen und anderen „Kleber“ zu verdauen. Manchmal heißt das, dass wir für eine Zeit wenig Weizen und Verwandtes zu uns nehmen, um den „Dauerbeschuss“ zu unterbrechen. So können wir unsere Verdauung heilen, mit leicht Verträglichem, den passenden Gewürzen, vor allem sanft wärmenden Speisen, wenig Rohkost …, aber zunächst ist da ja bald erst einmal der Tag der Liebe, die sowieso alles heilt.

Zubereitung veganes Valentinstagsmenü

Du brauchst: 4 große Karotten, 2 Süßkartoffeln, Ingwer, gerne auch Chili und Kräuter, 200 g (Räucher-)Tofu, Sonnenblumenkerne und Sesam, Oliven- und Kokosöl, (Apfel-)Essig, Senf und Gewürze nach Wahl, Sojasoße, Agavensirup oder Zucker, Polenta, etwas Lieblingsmarmelade und Schokolade.

Ich habe am Vorabend etwa eine halbe Tasse (Standard-Kaffeetasse, T) Sonnenblumenkerne eingeweicht und am nächsten Tag abgegossen, mit etwas frischem Wasser püriert und so eine vegane Sahne, meine Sonnensahne, hergestellt – du kannst aber auch zum Beispiel Tahin oder Erdnussmus (evtl. mit etwas Wasser verrührt) oder auch Kokosjoghurt verwenden. Ebenfalls am Vorabend oder ein paar Stunden vor dem Kochen den Tofu marinieren: Dafür in einem tiefen Teller 2 Esslöffel (EL) Sojasoße mit ½ EL Agavensirup oder etwas Zucker und 1 EL Apfelessig verrühren, 200 g (Räucher-)Tofu in dünne Scheiben schneiden und in der Marinade wenden, kühl stellen.

Vorspeise: Karotten mit Ingwercreme

4 große Karotten waschen, nach Belieben schälen und in Scheiben schneiden. Etwas Wasser in einem Topf erhitzen, die Karottenscheiben in einen Dämpfkorb geben und etwas salzen, etwa 10 min über kochendem Wasser (in dem auch die Süßkartoffeln für den Hauptgang garen kannst) dämpfen. Wenn du keinen Dämpfeinsatz hast, kannst du die Karotten ein paar Minuten in Salzwasser kochen – verwende das Wasser dann einfach für die Süßkartoffeln weiter. In einer heißen Pfanne ohne Fett ein paar Esslöffel Sonnenblumenkerne anrösten. Für die Creme 3-5 Esslöffel Sonnensahne (oder Alternativen, s.o.) mit der Tofumarinade, die nicht aufgesogen wurde und etwas geriebenem Ingwer verrühren, abschmecken. Karotten mit Soße anrichten, pfeffern, mit Sonnenblumenkernen, eventuell Chiliringen und Kräutern dekorieren, etwas Öl darübergeben und fertig.

Hauptgang: Sesamtofu auf Süßkartoffelpüree

2 Süßkartoffeln schälen und würfeln, (unter oder nach den Karotten im selben Topf) in etwa 10 Minuten, je nach Größe der Würfel, in wenig gesalzenem Wasser weichgaren. Zumindest etwas Wasser im Topf lassen (kannst du einfach trinken oder für Suppen, Soßen oder zum Getreidekochen zum Beispiel weiterverwenden), wenn du das Gemüse mit einer Gabel oder einem Kartoffelstampfer zerdrückst, nach Geschmack würzen, zum Beispiel mit Muskat und etwas Paprika. In der noch vom Kernerösten heißen Pfanne etwas Kokosöl erhitzen und Tofu anbraten (Rest der Marinade für die Ingwercreme verwenden, s.o.), mit etwas Sesam bestreuen. Tofu hübsch auf das Püree legen, mit Sesam, Kräutern, eventuell Senf und etwas Öl noch hübscher machen.

Dessert veganes Valentinstagsmenü: Goldener Grieß

Während das Gemüse gart, kannst du das Dessert zubereiten – oder auch vorher, wenn du nicht so gerne gleichzeitig mehrere Töpfe und Pfannen auf dem Herd hast. Dafür in einem kleinen Topf 1 EL Kokosöl schmelzen lassen, darin 4 EL Polenta etwas anrösten, 1 EL Agavensirup oder Zucker und dann 1 T Wasser zugeben, unter Rühren aufkochen. Gewürze dazugeben (gerne etwas Vanille, Kurkuma, Zimt – wie für Goldene Milch, oder was du eben magst – oder auch gar nichts, schmeckt mir auch so), gut umrühren und zudecken. Ohne weitere Hitzezufuhr fertigziehen lassen, immer wieder rühren. Anstelle von Wasser kannst du (pflanzliche) Milch verwenden, Kokosmilch passt natürlich gut, und auch mehr Flüssigkeit zugeben, wenn du dein Halwa (so heißt dieses Dessert in Indien) nicht so fest magst. Den Grieß in Schälchen geben, mit etwas Sonnensahne (s.o.) oder Kokosjoghurt und einem großen Klecks Lieblingsmarmelade verschönern. Etwas feingehackte Schokolade oder Schokoherzen machen das Ganze natürlich noch besser.

Alles Liebe und guten Appetit!


Yogalehrerin Flora Fink

Flora Fink ist nicht nur Yin Yoga-Lehrerin und Ayurveda-Coach sondern auch leidenschaftliche Bäckerin. Für uns kreiert die Augsburgerin neue, vegane und himmlisch leckere Rezepte. Lust auf noch mehr kreative Rezeptideen? Dann folge Flora auf Instagram.

Der schmale Grat zwischen Kommerz und Spiritualität – Dr. Alexandra Kleiner im Interview

Dr. Alexandra Kleiner Interview

„Ein Raum für die Erinnerung an unser Selbst“: Die Yogalehrerin und Unternehmerin Dr. Alexandra Kleiner spricht im Interview über die Aufgaben eines modernen Yogastudios und was du bei der Gründung eines eigenen Studios beachten musst.

Alex, du hast in diesem Jahr in München zwei Yogastudios eröffnet: Welcher Weg hat dich dorthin geführt?

Spontane Antwort: Eine Reihe von Zufällen, die das aber bei näherem Hinschauen gar nicht sind. Rund um meinen 40. Geburtstag kamen viele Schritte in meinem Leben zusammen – meine Ausbildung zur Rechtsanwältin, meine Erfahrung in der Umstrukturierung großer Firmen, die Geburt meiner beiden Kinder, schließlich meine Ausbildungen zur Yogalehrerin und Holistic Counselor. Dass ich jahrelang Unternehmen in ihrem Kern kennengelernt habe, hilft mir sicher, nun zwei Yogastudios zu betreiben.

Vor welchen wirtschaftlichen Herausforderungen steht man bei einer solchen Neugründung?

Die Atmosphäre muss stimmen, denn der größte „Erfolgsfaktor“, wenn man es so nennen möchte, liegt darin, dass sich die Schüler wohl und inspiriert fühlen. Daneben muss das Studio so betrieben werden, dass es wirtschaftlich Sinn ergibt. Ich muss und möchte meine Mitarbeiter und Lehrer bezahlen, dazu die Miete in einer der teuersten deutschen Städte und alle anderen Kosten. Experimente sind da schwieriger als woanders. Aber da ich die Verantwortung gewohnt bin, Unternehmensstrukturen auf- und umzubauen, fiel es mir leicht, Regeln für funktionierende Prozesse aufzustellen.

Du berätst als yogischer „Business-Coach“ auch andere Studios und Lehrende bei ihrer Existenzgründung. Was sind in aller Kürze deine Top-3-Tipps für Yogis, die sich professionalisieren wollen?

  • Im Köper: eine eigene regelmäßige Yoga-Praxis
  • Im Verstand: Informationen und Expertenwissen bezüglich der Selbstständigkeit, die z.B. wir in The STUDIO anbieten
  • Im Herz: Fühlen und Spüren, den eigenen authentischen Weg zu gehen

Wenn alle drei zusammengebracht werden können, fügen sich die kleinen Schritte auf dem Weg.

In der Wirtschaft gibt es Mentorenprogramme, und auch im Yoga ist die Lehrer-Schüler-Beziehung traditionell eng, mit dem Lehrer als Ansprechpartner in allen Aspekten. Wie ist hier deine Erfahrung?

Ich hatte Glück. Vor etwa zehn Jahren entschied ich mich zwischen zwei Jobs für eine längere Reise und landete bei Mark Whitwells Teacher Training auf Fidschi. Dort habe ich viel von seinem Leben mitbekommen, mit sehr lehrreichen Momenten. So antwortete er einmal auf meine hoch motivierte Frage „Und, was machen wir morgen?“: „Ananas schneiden und dann aufs Meer schauen.“ Wir sind heute noch regelmäßig in Kontakt. Nach diesem Vorbild möchte ich auch bei uns ein Mentorenprogramm aufbauen und die neuen Lehrer langsam an die Schüler ranführen. Auch nach 200 Stunden Ausbildung muss das Handwerkszeug vertieft werden. Es gibt so viele Aspekte, die sich nur über die Zeit lernen lassen. Dafür möchten wir uns auf Weiterbildung konzentrieren, zum Beispiel Sprachtraining, Faszienarbeit und andere Details. Und die Schüler darauf vorbereiten, dass ihr Unterricht nicht nur Asanas umfassen wird, sondern durchaus auch den Umgang mit den Lebensthemen ihrer Schüler.

Wirtschaftlich gesprochen ist Yoga eine Dienstleistung, in der es irgendwie als „unspirituell“ gilt, Gewinn zu machen. Wie hältst du hier als Unternehmerin die Balance?

Auch ein Unternehmen ist ein wunderbares Feld, um die yogischen Grundprinzipien anzuwenden und mit seinem Vorbild Zeichen zu setzen. Verkauft man Kleidung und Snacks? Wo ist der Grad zum Kommerz? Er ist auf jeden Fall schmal und verändert sich stetig. Da hilft es, sich selbst mit offenem Herzen zu beobachten und nicht in Dogma oder Klischees zu verfallen. Nur so kann man Türen für Menschen aufmachen, die aus anderen Umgebungen kommen.

Wie kann es gelingen, einen breiten Zugang zum Studio zu schaffen?

Auf unseren Infoabenden für Einsteiger können unter Umständen auch Fragen nach Parkmöglichkeiten auftauchen oder etwa ob Turnschuhe mitgebracht werden sollen, aber es ist spürbar, dass alle ahnen, dass hier etwas Tiefes passieren wird. Wenn der erste Schritt dazu der Kauf einer Hose ist – warum nicht! Wichtig ist es, einen Ort zu schaffen, an dem sich die Schüler aufgenommen und zu Hause fühlen können, mit einem Angebot zu Gemeinschaft und Öffnung. Dazu gehört für mich unbedingt die eigene Reflektion: Wer sind wir eigentlich?

Ein Ort für die Resonanz zwischen innen und außen?

Ja, und an dem es auch an allen Ecken und Enden menscheln darf. Es soll ein Ort sein, an dem Platz für alles ist, was die Menschen mitbringen. Dafür haben wir auch Angebote aus der Psychologie, Heilpraxis und Selbsterfahrung, was für mich auch zum Yoga gehört – sonst bleibt es bei einer Fitnessübung.

Ein besonderes Anliegen sind dir die Frauen …

Es ist ein bisschen wie beim Kochen: Die großen Stars sind Männer, aber Frauen bilden die Basis und entwickeln sie weiter. Jenseits aller Diskussionen über Feminismus interessieren mich Fragen zum Zusammenhalt, der Lebensentwürfe, Rollenbilder und unser besonderes Potenzial. Was können wir heute beitragen und welche Qualitäten können wir dazu kultivieren? Nicht nur hier ist es mir wichtig, Yoga in einem modernen Kontext zu halten.


Weitere Infos zu Dr. Alexandra Kleiner gibt es auf Instagram