Spiritueller Aktivismus: Das kannst du beitragen

Spiritueller Aktivismus

Beim Yoga geht es nicht nur um die Einheit von Körper und Geist oder den inneren Frieden. Es geht auch um die Verbundenheit mit dem gesamten Kosmos, um das Erstreben eines allumfassenden Friedens. Klar also, dass viele Yogis irgendwann an den Punkt kommen, am dem sie sich fragen: „Was kann ich dazu beitragen?“ Wir für dich spannende Projekte entdeckt, mit denen spiritueller Aktivismus machbar ist und Spaß macht.  

Soziales Engagement für Yogis

Yoga praktizieren und dabei Gutes tun? Das geht. Mit Hilfe dieser 4 Organisationen, kannst du den Yoga-Lifestyle mit sozialem Engagement und Hilfe zur Selbsthilfe verbinden. Spiritueller Aktivismus auf ganzer Linie eben.

  • Off the Mat, into the World versteht sich als ein Kollektiv von Yogis, Pädagogen und Aktivisten. Die Gründerinnen Seane Corn, Hala Khouri, MA und Suzanne Sterling sind international bekannt für ihre Yoga-Praxis als Aktivismus-Arbeit. Sie führen Schulungen, Online-Kurse und gemeinnützige Hilfsprojekte durch. Ihr Ziel: ein bewusster und nachhaltiger sozialer Wandel.
  • Auch die internationale Initiative Be the Change will Impulse für einen Bewusstseinswandel geben. Mittels Workshops und Symposien wollen sie die Teilnehmer dazu ermutigen, verstärkt auf eine nachhaltig orientierte Lebens- und Arbeitsweise zu achten.
  • Art of Living und ihr deutscher Ableger Kunst des Lebens Deutschland e.V. wurde von Sri Sri Ravi Shankar gegründet und ist eine der größten humanitären NGO der Welt. Mit Hilfe eines internationalen Netzwerks hat sich die Organisation als einer der wichtigsten Anbieter von Katastrophenhilfe-Programmen weltweit aufgestellt. Dank unzähliger ehrenamtlicher Helfer ist Art of Living in den sozialen Brennpunkten der Welt präsent – egal ob Hochwasserkatastrophen in Deutschland oder Erdbeben in Haiti.

Bewusst essen: Nachhaltig, okölogisch und fair

Auch das ist spiritueller Aktivismus: Yoga und bewusste Ernährung gehören untrennbar zusammen. Das Thema Achtsamkeit spielt nicht nur in der täglichen Praxis eine große Rolle, sondern auch im Umgang mit den Nahrungsmitteln. Diese 7 Organisationen beschäftigen sich genau mit diesem Thema.

  • Die Initiative Foodsharing bietet Privatpersonen, Händlern und Produzenten die Möglichkeit, überschüssige Lebensmittel kostenlos anzubieten oder abzuholen. Zudem setzen sich die Mitglieder für einen Wegwerfstopp und gegen den Verpackungswahnsinn der Supermärkte ein. Über die Online-Plattform vernetzen und koordinieren sich die  Foodsharer und Foodsaver in den einzelnen Städten und Regionen.
  • Slowfood ist eine Non-Profit-Organisation für bewusste Genießer. Sie fördern verantwortliche Landwirtschaft, Fischerei und eine artgerechte Viehzucht. Auch das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt ist ihnen wichtig. Ihr Ziel: Produzenten, Händler und Verbraucher miteinander in Kontakt zu bringen. Mit Wissen über die Qualität von Nahrungsmitteln wollen sie den Ernährungsmarkt transparenter machen.
  • Nach dem Motto „Mit Menschenrechten gegen den Hunger“ engagiert sich FIAN für die weltweite Verwirklichung des Rechtes auf Nahrung. Das schließt die Möglichkeit eines jeden Menschen ein, vor nationalen und internationalen Gerichten zu klagen, wenn dieses Recht verletzt wird.
  • Lust auf leckeres Obst? Über Mundraub können Fundstellen von Fallobst gemeldet und abgerufen werden, damit die Früchte nicht einfach vergammeln.
  • Die Genussgemeinschaft setzt sich für die Förderung von bäuerlich-handwerklichen  Betrieben ein, die nachhaltig produzieren. Sie plädieren für eine wertschätzende Beziehung zwischen Stadt und Land. Damit wollen sie eine kleinteilige Landwirtschaft und das traditionelle Lebensmittelhandwerk stärken. Als Basis von Ernährungssouveränität und für den Erhalt der Biodiversität.
  • Einen Stundenlohn spenden, Unterschriften sammeln – egal wie dein Engagement aussieht: Die Welthungerhilfe setzt sich zum Ziel, dass alle Menschen die Chance haben, das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Gerechtigkeit, frei von Hunger und Armut wahrzunehmen.
  • Biorama ist eine Plattform für Ideen, Menschen und Produkte. Sie versteht sich als Leitfaden im schnell wachsenden Markt des Handels mit Bioprodukten, des Fair-Trade und des bewussten Konsums.

Keine Zeit übrig? Auch eine Spende hilft!

Nicht immer können wir all unsere Vorstellungen so unter einen Hut bringen, wie wir uns das wünschen. Wenn ein ehrenamtliches Engagement gerade einfach nicht zu deinem Alltag passt, kannst du mit einer Spende helfen. Zum Beispiel über diese drei Organisationen. Und das nicht nur am Weltyogatag …

  • Brot für die Welt unterstützt Menschen darin, mit umweltfreundlichen und standortgerechten Methoden gute Erträge zu erzielen. Sie setzen sich für die Förderung von Bildung und Gesundheit, den Zugang zu Wasser, die Stärkung der Demokratie, die Achtung der Menschenrechte, die Sicherung des Friedens und die Bewahrung der Schöpfung ein.
  • Als spendenfinanzierter Verband sammelt die Tafel überschüssige Lebensmittel und verteilt sie an bedürftige Menschen. Wenn möglich bieten sie auch Kleidung, Haushaltswaren, Möbel sowie zusätzliche Leistungen an – vom Bringdienst über einen warmen Mittagstisch bis zur Kinderbetreuung.
  • Auf betterplace.org sammeln mehr als 20.000 internationale Projekte Spenden in Sachen Kinderhilfe, Umwelt- oder Tierschutz, Bildung oder Entwicklungshilfe.

Weißer Schokolade-Birnen-Kuchen von Surdham Göb

Reife, süße Williamsbirnen, weiße Reismlich-Schokolade und eine ordentliche Portion Dampfmohn machen diesen veganen Schokolade-Birnen-Kuchen zum Highlight jeder Kuchenparty. 

Zutaten:
Teig:
250 g Dinkelmehl 630
125 g Margarine (z.B. Alsan)
100 g Rohrohrzucker

Füllung:
500 ml Sojamilch
400 ml Sojasahne (z.B. CreSoy)
200 g weiße Reismilch-Schokolade
2 Päckchen Vanillepudding-Pulver
1 Päckchen Sahnesteif
1 gestrichener Teelöffel Agar-Agar
2 EL Rohrohrzucker

Belag:
5 Williamsbirnen
1/2 Zitrone
Dampfmohn zum Garnieren

Außerdem: 1 kg trockene Bohnen zum Blindbacken

So bereitest du den Schokolade-Birnen-Kuchen zu

Die Margarine wird zusammen mit dem Zucker schaumig geschlagen. Nach und nach wird das Dinkelmehl zugegeben, bis ein fester Teig entsteht. Jetzt bereitet man eine Springform vor, indem man sie einfettet und mit dem Mürbeteig auskleidet. Ein Stück Backpapier, groß genug um den Boden zu bedecken, wird auf den Teig gelegt und mit trockenen Bohnen aufgefüllt. Die Bohnen gut bis in alle Ecken verteilen und anschließend den Teig bei 160 C° 35 Minuten blindbacken.

Die Sojasahne in einer Küchenmaschine zusammen mit dem Sahnesteif aufschlagen. Nebenbei wird die Sojamilch mit Zucker, Agar-Agar und Vanillepudding-Pulver aufgekocht. Hierbei mit einem Schneebesen ständig rühren, damit keine Klumpen entstehen. Wenn die Masse kocht, die Schokolade hinzugeben und abseits vom Herd zu einer festen Creme schlagen. Während die Creme auskühlt, immer wieder mit dem Schneebesen rühren.

Die Birnen werden geschält und entkernt. In einem kleinen Topf mit Wasser die Birnen für vier Minuten blanchieren lassen. Anschließend abtropfen lassen und in ein wenig Zitronensaft wenden. Ist der Teig gar gebacken, werden die Bohnen vom Boden genommen und das Backpapier wird vorsichtig gelöst. Die Birnen auf dem Mürbeteig schön angerichtet verteilen. Die Puddingcreme in einer großen Rührschüssel zusammen mit einem Drittel der geschlagenen Sahne aufschlagen. Danach den Rest der Sahne vorsichtig unterheben und auf den Birnen verteilen. Mit Dampfmohn garnieren und vor dem Servieren mindestens zwei Stunden kaltstellen.


Surdham ist veganer Koch aus München, gibt Workshops und hat schon mehrere tolle Kochbücher verfasst.

Bewusst loslassen im Zyklus mit Yoga

Zyklus Periode Wärmflasche

Einmal im Monat kann man die Yoga-Praxis neu entdecken. Wie lässt man im Zyklus bewusst los? Darüber sprach YOGA JOURNAL mit der Iyengar-Yogalehrerin Nina Woischnik, die unter anderen Workshops zum Thema „Yoga und Periode“ gibt.

Leistungsdruck im Yoga

YJ: Dein Stil, Iyengar Yoga, hat zum Thema „Yoga und Periode“ eine klare Methodik entwickelt. Nina, warum ist dir dieses Thema wichtig?

NW: Als ich mit Yoga angefangen habe, war ich jung. Damals habe ich keine Rücksicht auf meinen Zyklus genommen und bin teilweise weit über meine Grenzen gegangen. Es hat im Unterricht allerdings auch keine Rolle gespielt. Der Yogaweg und speziell die Asana-Praxis sind traditionell auf Männer fokussiert. Heute praktizieren aber überwiegend Frauen. B.K.S. Iyengar und seine Tochter Geeta Iyengar haben Asanas und deren Wirkung genauestens studiert und erkannt, dass Frauen von einer angepassten Praxis profitieren. Im modernen Yoga haben wir es mit viel besuchten und standardisierten Kursen zu tun. Darunter kann sowohl auf Lehrer- wie auf Schülerseite die Achtsamkeit leiden. Gleich welchen Alters, welcher Konstitution, physischer oder mentaler Kraft: Alle Yogaschüler müssen alle Haltungen mitmachen.

YJ: … und wollen es auch! Spiegelt das die Einstellung einer wenig individualisierten Leistungsgesellschaft?

NW: Bis zu einem gewissen Punkt ist sicher viel Ehrgeiz im Spiel. Irgendwann merkt man aber, dass man etwas will, es aber nicht mehr geht. Mein Bewusstsein veränderte sich, als ich nach intensiver Ashtanga Praxis mit Iyengar Yoga begann. Ich fing an, während der Periode spezielle Sequenzen zu üben. Die Periode wurde dadurch leichter, ich konnte mit Schmerzen und Stimmungsschwankungen besser umgehen. Das Ziel von Yoga ist Veränderung, Transformation. Yoga macht uns empfindsam und lehrt uns, genauer hinzuschauen.

In-sich-hinein-Spüren als Schlüssel

YJ: Eine Mischung aus Information und Spüren?

NW: Und genauer Beobachtung. Wie geht es mir vor meinen Tagen, währenddessen und kurz danach? Wir können die Periode als Achtsamkeitsübung sehen, anstatt zu jammern oder die Symptome mit Schmerztabletten zu bekämpfen. Bewusst loslassen im Zyklus. In meinen Workshops zum Thema machen wir vorab eine Liste mit Dingen, die während der Menstruation auftreten können. Viele Frauen fühlen sich vor allem vor der Menstruation kraftlos, unsicher, labil und verletzlich. Symptome aller Art treten auf. Darunter Bauch- und Rückenschmerzen, Migräne, Hitze, Unruhe, Ängste, Krämpfe und Gewichtszunahme. Wenn man sich diese Liste anschaut, kann man gar nicht umhin, als in dieser Zeit mit besonderer Achtsamkeit und Hingabe zu üben. Und an dieser Stelle kann uns Yoga lehren, unsere Weiblichkeit zu respektieren und zu achten.

Tipps für Yoga während der Periode

YJ: Was gilt es deiner Empfehlung nach ganz grundsätzlich während der Periode zu beachten?

NW: In den ersten zwei Tagen sollte man ruhen und viel Savasana üben. Während der Periode darf kein Druck auf den Bauch entstehen. Besonders gestützte Rückbeugen wie Setu Bandha sind gut. Sie helfen bei Bauch- und Rückenschmerzen, Schwere in den Beinen, Stimmungsschwankungen oder Müdigkeit. Es dürfen auch Sitzhaltungen, Hüftöffnungen, sanfte Drehungen und Vorwärtsbeugen mit gestütztem Kopf geübt werden. Wenn die Kraft da ist, können Standhaltungen wie Trikonasana (das gestreckte Dreieck), Ardha Chandrasana und stehende Vorwärtsbeugen wie der Hund geübt werden. Generell ist unsere nach unten gehende Energie, die für die Ausscheidung zuständig ist, während der Periode sehr stark. Diese soll durch das Üben leicht gemacht werden. Sie darf aber nach Iyengar nicht durch Umkehrhaltungen gestört werden.

Den Zyklus des Körpers normalisieren

YJ: Was oft vergessen wird: Was übe ich danach?

NW: Während der Periode steigt der Östrogen-Spiegel. Wir fühlen uns auf einmal aktiv, stark und erfrischt. Jetzt sollten wir die Energie richtig nutzen und noch keine Rückbeugen oder Standhaltungen üben. Nach der Periode übt man am besten die Umkehrhaltungen, Kopf- und den gestützten Schulterstand. Jede Periode ist wie eine winzige Fehlgeburt. Geeta erklärt, dass Umkehrhaltungen die Gebärmutter heilen. Sie geben uns wieder ein Gefühl von Kompaktheit im Becken.

YJ: Ein Missverständnis besteht hier sicher in der Einstufung der Menstruation als Form von Unvermögen oder gar Krankheit. Dabei übt man kein „anderes Yoga“, sondern bestimmte Haltungen oder Variationen der bekannten …

NW: Man kann immer noch sehr viele Haltungen üben, dafür andere weglassen. Und in der Praxis sehr viel Neues entdecken! Man bekommt ein ganz neues Gespür für die Wirkung der Asanas. Wie fühlt es sich an, wenn ich in der Kopf-Knie-Haltung die Füße weit auseinander nehme, den Kopf stütze und mich höher setze? Was ist der Unterschied zur Variante mit geschlossenen Füßen, welche Wirkung auf die Bauchorgane kann ich feststellen?

Bewusst loslassen im Zyklus mit Yoga als entscheidende Praxis

YJ: Härte verlieren, innehalten, Intuition schärfen. Kann der Anlass, einmal im Monat besonders gut hinzusehen, uns auch im Alltag helfen?

NW: Klar, der harte Bauch ist ein Ideal aus der Fitnessbewegung. Das ist aber nicht unbedingt förderlich für die weibliche Gesundheit. Wir sind heute auch als Frauen auf Leistung konditioniert. Wir verdecken vieles, was uns vermeintlich schwach erscheinen lässt. Darunter auch die Menstruation. Statt die entsprechende Energie fließen zu lassen, blockieren wir sie. Tampons sind praktisch, haben aber auch etwas Verheimlichendes. Manche Verhütungsmethoden stoppen mithilfe von Hormonen die Periode komplett. Dabei ist sie eine regelmäßige Reinigung eventuell der Grund, warum Frauen insgesamt gesünder sind. Bei der Menstruation geht es im wahrsten Sinne des Wortes um Loslassen. Und es lohnt sich, dieses Prinzip einmal im Monat bewusst zu erfahren, samt Höhen und Tiefen. Es wird unsere Sensibilität schärfen. Und dank Yoga wissen wir, dass dies Stärke sein kann.

Nina Woischnik Foto: Regina Recht


Nina Woischnik ist zertifizierte Iyengar-Yoga-Lehrerin, zu ihren Lehrern gehören Rita Keller und Bob Blaeser. In München unterrichtet sie am Iyengar Yoga Institut (www.iyengar-yoga-institut-muenchen.de).

Mehr Tipps für die Praxis während der Periode.

Die 7 häufigsten Fragen zur veganen Ernährung

Das sind die häufigsten Fragen auf dem Weg zu einer veganen Ernährungsweise
Das sind die häufigsten Fragen auf dem Weg zu einer veganen Ernährungsweise

Du bist Veganer? Dann wirst du diese Fragen wohl nicht zum ersten Mal hören. Vielleicht lernst du bei der ein oder anderen Antwort aber noch etwas dazu. Für alle, die vegan bemüht leben oder mit dem Gedanken spielen, die Ernährung ganz umzustellen, klären wir hier die häufigsten Fragen des Veganseins.

1. Bekomme ich genügend Eiweiß – und wie viel ist überhaupt genug?

Das ist einfacher, als man meint: Hülsenfrüchte, Tofu, Vollkorn, Nüsse und Saaten, die Liste eiweißreicher pflanzlicher Nahrungsmittel ist lang – und lecker. Hinzu kommt: Die meisten Menschen überschätzen, wie viel Protein sie tatsächlich brauchen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, täglich 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht zu sich zu nehmen. Da kommt eine 60 Kilo schwere Frau gerade mal 48 Gramm pro Tag. Beziehst du bei jeder Mahlzeit ein proteinreiches Lebensmittel ein, erreichst du diesen Wert leicht. Linsen enthalten pro Tasse 18 Gramm Eiweiß, Tofu sogar 20 Gramm.

Tipp: Mit einem Klecks Hummus auf dem Sandwich, ein paar Nüssen im Müsli oder etwas Sesam- oder Mandelmus im Salatdressing kannst du ein paar Extra-Portionen Eiweiß zu dir nehmen. 

2. Sind in einer veganen Ernährung genügend essenzielle Aminosäuren enthalten?

Eiweiß setzt sich aus verschiedenen Aminosäuren zusammen. Neun dieser Aminosäuren sind für den Menschen essenziell. Das heißt, der Körper kann sie nicht selbst herstellen und muss sie über die Nahrung aufnehmen. Zwar kommen alle essenziellen Aminosäuren auch in pflanzlicher Nahrung vor, aber von einigen Ausnahmen wie Quinoa und Soja abgesehen enthalten die wenigsten Pflanzen alle neun auf einmal. Das spielt aber keine Rolle. So lange man auf eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Lebensmittel wie Vollkorn, Hülsenfrüchten, Saaten und Gemüse achtet, bekommt der Körper alle essenziellen Aminosäuren.

Übrigens: Hast du schon unseren warmen Quinoa-Brei probiert?

3. Muss ich mir um niedrige Eisenwerte und Anämie Sorgen machen?

Veganer haben kein höheres Risiko für eine durch Eisenmangel bedingte Blutarmut als Fleischesser. Zahlreiche pflanzliche Lebensmittel wie z.B. Bohnen, Tofu und viele Vollkorngetreide, vor allem Amaranth, Hirse und Quinoa, sind reich an Eisen. Allerdings stimmt es, dass pflanzliches Eisen vom Körper nicht so gut verwertet werden kann wie tierisches. Deswegen sollte die Verzehr-Empfehlung der DGE (10 Milligramm pro Tag für Männer und 15 Milligramm für Frauen) von Veganern deutlich überschritten werden. Zur Orientierung: Eine Tasse gekochte Sojabohnen enthalten 9 Milligramm Eisen.

Tipp: Der gleichzeitige Verzehr von Vitamin C kann die Aufnahme von pflanzlichem Eisen laut PETA um das Drei- bis Vierfache steigern.

4. Woher bekomme ich Kalzium, Vitamin D und B12?

Bei Kalzium gilt auch bei einer veganen Ernährung: Die Milch macht’s! Soja-, Reis-, Mandel- und Hafermilch sind vom Hersteller häufig schon so mit Kalzium angereichert, dass sie den Werten von Kuhmilch entsprechen. Diese zugesetzten Mineralstoffe sollen vom Körper ebenso gut verwertet werden können wie natürliche. Auch Tofu, Hülsenfrüchte und grünes Blattgemüse enthalten hohe Konzentrationen an Kalzium. Vitamin D ist nur in wenigen pflanzlichen Lebensmitteln wie Pfifferlingen und Champignons enthalten. Der Körper kann es aber durch Sonneneinstrahlung auf die Haut selbst bilden. Wenn du nicht viel im Freien bist oder im Winter, empfehlen sich angereicherte Lebensmittel und Vitamin-D-Präparate. Vitamin B12 findet sich ausschließlich in tierischen Lebensmitteln. Zwar bildet der Körper einen Vorrat, aber bei dauerhafter rein veganer Ernährung muss man Vitamin B12 in Form von speziellen, synthetisch erzeugten Präparaten ersetzen.

5. Können Leinöl und Walnüsse die in Fisch enthaltenen Omega-3-Säuren ersetzen?

Ja und nein. Einerseits enthalten diese und andere pflanzliche Lebensmittel hohe Anteile an Alpha-Linolensäure (ALA), einem Typ von Omega-3-Fettsäure mit gesunden entzündungshemmenden Eigenschaften. Der Körper kann aus ALA selbst die zwei anderen Omega-3-Säuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) synthetisieren. Die beiden sind besonders gut für Herz– und Hirnfunktion. Sie kommen in fettreichen Fischen wie Lachs oder Sardinen vor. Leider wird jedoch nur ein geringer Teil ALA auch tatsächlich umgewandelt. Daher raten Ernährungswissenschaftler Veganern zu besonders ALA-reichen Lebensmitteln wie Chia-Samen und Hanföl. Zusätzlich kann man Nahrungsergänzungsmittel mit aus Meeresalgen gewonnenem EPA und DHA zu sich nehmen – denn daher haben es die Fische schließlich auch. 250 Milligramm DHA und EPA täglich sind empfehlenswert. Höher dosierte Präparate nimmt man entsprechend seltener.

6. Wie viel Soja ist zu viel?

Viele vegane Lebensmittel enthalten Soja. Und Soja ist reich an Phyto-Östrogenen. In großen Mengen verzehrt, kann das den natürlichen Hormonhaushalt beeinträchtigen. Soja steht daher im Verdacht, einige Arten von Krebs, insbesondere Brustkrebs, zu begünstigen. Relativ naturbelassene Sojaprodukte wie Edamame, Tofu, Sojamilch oder Sojabratlinge sind in der Regel kein Problem. Vorsichtiger sollte man dagegen mit hochkonzentrierten Erzeugnissen sein. Dazu zählen Eiweißpulver, Energieriegeln und Nahrungsergänzungsmitteln auf Sojabasis. Im Vergleich zur natürlichen Ernährung enthalten diese ein Vielfaches an Sojaprotein.

7. Wie gehe ich mit Gelüsten nach Butter, Käse oder Fleisch um?

Denke lieber an all die tollen Dinge, die du bei einer veganen Ernährung essen darfst. Verwöhne dich mit deinen Lieblingsrezepten und wandeln sie so um, dass sie auch vegan funktionieren. Veganer müssen auf Schokokuchen verzichten? Stimmt nicht. Dieser vegane Schokokuchen kommt ganz ohne tierische Produkte aus. Oder wie wäre es mit veganen Cookies, die mit Zucchini und Banane zubereitet werden? Probiere verschiedene Ersatzmöglichkeiten aus. Das Angebot wird täglich größer: Hochwertiges Olivenöl, Margarine auf Kokosbasis, Brotaufstriche auf Grundlage von Nüssen und Saaten, veganer Käse auf Cashewbasis oder vegane Bratstücke aus Weizenprotein. Gelüste haben sehr viel mit Gewohnheiten zu tun. Irgendwann verschwinden sie meist von ganz alleine. Oder sie werden durch andere ersetzt, die zum veganen Lebensstil passen.


Vegansein und Yoga: Muss ein guter Yogi vegan sein? Bedeutet Ahimsa, das Konzept der Gewaltlosigkeit, zwangsläufig auch den Verzicht auf tierische Lebensmittel? Oder kann es auch anders interpretiert werden? Hier findest du drei Menschen und drei Meinungen..


Lena über Liebe, Hater und ihren Yogastil …

Alles rosa Glamour? Lena fühlt sich von vielen Medienvertretern und Social-Media- Nutzern missverstanden, hat aber gelernt, damit umzugehen – auch dank Yoga.

Wenn sich etwas falsch anfühlt, dann lässt sie es – auch auf die Gefahr hin, andere zu enttäuschen, wie zuletzt durch ihre zweifach verschobene Tour. Authentizität ist ein wichtiger Wert für Lena, die ihren Nachnamen Meyer-Landrut als Künstlerin abgelegt hat. Ein Gespräch über Liebe, Hasskommentare und Silberketten …


Von „Wow, die finde ich toll!“ bis „Oje, diese Zicke“ ist alles dabei. Als ich in meinem Bekanntenkreis erzähle, dass ich Lena interviewen werde, lässt das kaum jemanden kalt. Auch auf der Startseite meines Mailanbieters vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Nachricht zu Lenas Liebesleben, ihrer Figur oder schlicht ihrem letzten Instagram-Post erscheint. Ich stelle mir vor, wildfremde Menschen würden so (viel) über mich sprechen oder schreiben und mir wird ein bisschen schlecht. Wie soll man bei so viel Fremdmeinung zur eigenen Person man selbst bleiben? Unter anderem darüber möchte ich mit der 27-Jährigen reden. Ich wühle in einem Stapel aus Papieren und Zeitschriften nach den Fragen, die ich mir notiert hatte, als das Telefon klingelt und ich mit Lena verbunden werde …


Oje, wenn du das Chaos sehen könntest, in dem ich hier gerade sitze …

Bist du chaotisch? Ich auch total! Allerdings kommen dann manchmal Momente, in denen ich regelrecht ausflippe und plötzlich alles komplett aufräume und putze, bis ins kleinste Detail.

Auf solch einen Anfall warte ich seit Jahren … (lacht)

Dann bist du wohl ein Fall für Marie Kondo, die Aufräum-Expertin.

Eine Freundin hat mir schon vor Jahren ihr Buch „Magic Cleaning“ geschenkt. Gucken wir mal. Aber mal zur Tagesordnung – immerhin das bekomme ich hin: Der Titel deines neuen Albums lautet „Only Love, L“ …

… was zunächst mal einfach die Abschlussformel ist, die ich in meinen E-Mails benutze. (lacht) Im Album geht es um Liebe auf verschiedenen Ebenen, die partnerschaftliche, die platonische, die sexuelle usw. Und natürlich auch Selbstliebe, ein ganz wichtiges Thema.

Um die geht es indirekt in deiner Single „Thank You“. Im Song bedankst du dich sogar bei denen, die dich niedermachen – weil dich deine seelischen Narben auch stärker machen. Verstehe ich das richtig?

Ja, durchaus. Natürlich gehen Hasskommentare im Netz nicht spurlos an mir vorbei, aber ich versuche, ihnen mit Liebe zu begegnen und aus dem Negativen etwas Positives entstehen zu lassen. Das kann auch in anderen Lebensbereichen sinnvoll sein, denke ich.

Ein ehrgeiziger Ansatz. Wie gut gelingt dir das?

Mal besser, mal schlechter. Es ist ein Lernprozess, und ich bin sicher noch nicht am Ziel angekommen.

Glaubst du denn, dass alles im Leben aus einem bestimmten Sinn passiert oder geben wir den Dingen erst im Nachhinein einen?

Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beidem. Ich denke aber, man kann alles, was passiert, als Aufgabe sehen und genau beobachten, was das mit einem macht.

Gar nicht so leicht. Du wirst sicher häufig missverstanden, zum Beispiel von meinen Pressekollegen, oder?

Na klar, das ist an der Tagesordnung.(lacht) Irgendwelche seltsamen Meldungen über mich, die aber nichts mit mir zu tun haben, gibt es ständig. Damit muss ich leben. Ich versuche einfach, so authentisch wie möglich zu bleiben. Zu überlegen, ob ich Spaß an einer Sache habe und dahinterstehe, anstatt mich vom Feedback anderer zu abhängig zu machen.

Aber diese permanenten Bewertungen von außen, denen du als öffentliche Person ausgesetzt bist, stelle ich mir wahnsinnig anstrengend vor. Neben Presseartikeln gibt es ja auch noch die Kommentare auf Social-Media-Plattformen, die du bereits angesprochen hast …

Ach, ich glaube, so viel anders als dir zum Beispiel geht es mir gar nicht. Jeder hat da sein Päckchen zu tragen und wird ständig beurteilt, ob nun von Arbeitskollegen, Familienmitgliedern oder Freunden. Entscheidender als die Masse der Rückmeldungen ist ja meist eher, wer sich äußert. 1000 anonyme Instagram-Kommentare sind besser wegzustecken als die Kritik eines einzelnen Menschen, der dir wirklich etwas bedeutet.

Trotzdem hast du dir letztes Jahr mal eine Social-Media-Pause verordnet.

Ja, und das war wichtig. So habe ich erst mal gemerkt, wie abhängig ich teilweise vom Handy war. Ich war dadurch ständig abgelenkt, zerstreut, konnte mich auf nichts mehr richtig konzentrieren. Da tat diese Offline-Zeit sehr gut. Ich konnte den Fokus wieder auf mich und meine Musik richten.

Apropos – hilft dir Yoga beim Fokussieren?

Sehr! Es hilft mir abzuschalten und verbessert den Zugang zu mir selbst.

Praktizierst du allein oder im Studio?

Allein, das lässt sich besser mit meinem Job vereinbaren, ich bin ja viel unterwegs.

Oje, das wäre nix für mich. Ich brauche da immer jemanden, der mich anleitet.

Dafür gibt’s YouTube. (lacht) Ich liebe den Kanal „Yoga with Adriene“. Die Frau ist mir sehr sympathisch und es gibt für jede Situation das passende Video, sei es nun eine kleine Morgenmeditation, eine Session zur Stressreduktion oder eine, die dir Energie gibt.

Klingt, als seist du nicht unbedingt auf einen Yogastil festgelegt?

Nein, tatsächlich nicht. Es kommt darauf an, was ich gerade brauche. Manchmal geht es darum runterzukommen, mich wieder mehr „connected“ zu fühlen und an anderen Tagen will ich mich viel bewegen und ins Schwitzen kommen.

Seit wann praktizierst du?

Vor zwei, drei Jahren hatte mich eine Freundin mal probehalber mit in ein Studio genommen, seitdem habe ich immer mal wieder was gemacht. Richtig regelmäßig dabei bin ich seit etwa eineinhalb Jahren.

Oben hast du schon kurz Meditation angesprochen – du meditierst also auch?

Ja, ich habe da eine App namens Headspace, dort gibt es geleitete Meditationen, die ich ganz gerne mag, auch weil sie nicht so abgehoben spirituell wirken wie manche anderen, sondern relativ rational. Das kommt mir entgegen.

Auch Pranayama dürfte dir als Sängerin etwas geben. Gibt es spezielle Atemtechniken, mit denen du dich auf die Bühne vorbereitest?

Wir haben sogar ein gemeinsames Band-Ritual. Kurz vor einem Auftritt treffen wir uns immer alle für ein gemeinsames Vocal-Warm-up. Dabei entsteht eine schöne Gruppendynamik, man fühlt sich mit allen verbunden, das ist dann auch später auf der Bühne noch spürbar.

Klingt gut! Solche Momente bringen sicher etwas Ruhe in den stressigen Touralltag. Wobei Alltag da wahrscheinlich das falsche Wort ist.

Sozusagen. Jeder Tag ist anders.


Wie klappt es da mit deiner Ernährung? So weit ich weiß bist du, ähnlich wie ich, vegan-bemüht vegetarisch, oder?

Vegan-bemüht, das trifft es tatsächlich ganz gut. (lacht) Ich bin grundsätzlich absolut pro-vegan, aber es wäre gelogen, würde ich behaupten, dass ich mich komplett pflanzlich ernähre. Das ist unterwegs einfach schwierig, vielleicht bin ich da auch zu bequem. Dann gibt es etwas Vegetarisches. Ich versuche durchaus, achtsam mit meiner Umwelt umzugehen, zum Beispiel auch bei meinen Merchandising-Produkten auf faire Produktion zu achten. Ganz verliebt bin ich in meine auf Bali produzierten Herzketten aus recyceltem Silber! Aber natürlich bin ich weit davon entfernt, perfekt zu sein und mache Fehler.

Wer tut das nicht? Vielen Dank für das Gespräch, Lena.

Danke dir. Vielleicht können wir es bei Gelegenheit ja mal fortsetzen …

4 Yogamythen: Wir klären auf

Mythen erklären uns in Bildern und Symbolen das Leben. Problematisch wird es nur, wenn sie nicht dazu dienen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, sondern selbst als Wahrheit ausgegeben werden. Mark Stephens geht beliebten Yogamythen auf den Grund.

Yoga Rituale

Yoga ist in einer Zeit entstanden, in der die Natur für die Menschen noch ein Mysterium war. Sonnenauf- und -untergang, Regen und Dürre, Geburt und Tod wurden verstanden als Ausdruck göttlichen Wirkens. Yoga bestand damals wahrscheinlich zum größten Teil aus ritualisierten Handlungen, die die Götter gnädig stimmen sollten: Besorgt, dass die Sonne am Morgen nicht wieder aufgeht? Wende dich nach Osten, führe 108 Sonnengrüße aus und bitte den Sonnengott Surya, auch heute zuverlässig zu erscheinen. Und doch: Auch vor 3500 Jahren gab es Menschen, die versuchten, den natürlichen Gang der Dinge mithilfe methodischer Beobachtungen und Versuche genauer zu verstehen. Die alten Yogis experimentierten mit ihrem Atem, ihrem Körper und mit ihrem Bewusstsein – denn sie waren auf der Suche nach klareren und einfacheren Wegen zur Befreiung von Leid. Dieses Bekenntnis zu Wissen (Jnana) und sachkundigem Handeln (Kriya) wird in Patanjalis Yogasutra festgeschrieben. Ein verwirrter Geist gilt hier als Hauptursache von Leid und Wahrheit (Satya) als einer der wichtigsten Werte. Sie stellt sicher, dass die eigene Praxis von moralischer Integrität (Yama) getragen wird.

Alternative Fakten im Yoga – Mythos oder Wahrheit?

Das hat viele Yogis nicht davon abgehalten, Wahrheiten zu verkünden, die schlicht unwahr sind. Zum Beispiel die Behauptung, Patanjali sei kein Mensch, Gelehrter oder Yogi gewesen, sondern eine Gottheit. Solche Abweichungen von der Wahrheit würde ich „Yogamythen“ nennen. Mythen können wunderschön sein, inspirierend und kraftvoll. Wenn wir in Homers Ilias die Geschichte von Achill lesen, die von Lakshmi im Athara Veda oder Hanumans in der Ramayana, dann wachsen unserer Einbildungskraft Flügel: Wir setzen diese Dramen mit unseren eigenen in Beziehung. Zwar wissen wir, dass die Geschichten Mythen sind, aber dennoch können sie uns zu Einsichten führen, die unser Leben klarer, bewusster und gesünder machen. Wenn Mythen aber als wahr oder real dargestellt werden, dann verwirren sie den Geist. 2017 lernte die Welt „Alternative Fakten“ kennen: Der Apfel des einen soll für den anderen eine Orange sein können, die Schwerkraft wird hinterfragbar und die Wahrheit selbst, na ja, langweilig. Es ist doch viel interessanter, mehrere Wahrheiten zu haben! Und wenn man nicht mag, was die anderen sagen, dann wischt man es einfach als „Fake News“ beiseite.

Trotzdem – oder umso mehr: Ein Yogalehrer schuldet seinen Schülern die genaueste, aufschlussreichste und wahrhafteste Information. Natürlich kann er ihre Praxis mit alten und neuen Geschichten aus den Kulturen der Welt bereichern, aber dabei sollte er klar unterscheiden zwischen Wahrheit und Mythos. Als moderne Yogis sind wir mit einem Schatz an Methoden und Quellen des Lernens gesegnet – und die sollten wir auf möglichst wahrhafte Weise nutzen, anstatt zur Mystifizierung beizutragen. Denn nur indem wir uns bemühen, immer klarer zwischen Mythos und Wahrheit zu unterscheiden, würdigen wir das Erbe unserer yogischen Vorgänger. An vier beliebten Yogamythen möchte ich das deutlich machen.

4 beliebte Yogamythen – und was es wirklich damit auf sich hat

Mythos 1: Der laut Om und der Urknall

In jeder Kultur gibt es Schöpfungsmythen. Unter den Yogamythen besonders beliebt: Das Universum aus dem Laut Om entstanden ist. Demnach hat das Om Bewusstsein (Purusha) und Materie (Prakriti) miteinander verbunden und jene Kategorien (Tattvas) manifestiert, aus denen die gesamte Existenz bis hin zu uns Menschen besteht. Dieser Mythos ist umso schöner, als er sich gar nicht so grundlegend von dem unterscheidet, wie Astrophysiker die Ursprünge des Universums erklären: Hier vereinen sich Energie und Materie im sogenannten Urknall.

Wenn wir zu Beginn und Abschluss einer Yogastunde den Laut Om anstimmen, dann also nicht, weil wir glauben, dass dies der tatsächliche Urlaut des Universums ist, sondern weil wir uns damit den symbolischen Beginn einer neuen Reise ins Leben vergegenwärtigen. Häufig wird der Laut Om auch unterteilt in die Laute A-U-M. Hier symbolisiert jeder Buchstabe einen Teil des universellen spirituellen Zyklusses: A steht für Brahma, den Schöpfer; U für Vishnu, den Erhalter; und M für Shiva, den der Zerstörer. Bezogen auf die Yogapraxis können sie symbolisch stehen für den Beginn der Praxis (Bhava), für unsere Ausdauer im Üben (Abhyasa) und für das Nicht-Anhaften an ihre Wirkungen (Vairagya).

Mythos 2: Chakras und Nadis

Nach yogischer Vorstellung fließt die Lebensenergie (Prana) in Form von fünf Strömen (Vayus) durch uns hindurch – und das nicht willkürlich, sondern in 72 000 Energiekanälen (Nadis). Wo sich die drei Haupt-Nadis (Sushumna, Ida, Pingala) begegnen, liegen sieben Knotenpunkte (Chakras), mit deren Hilfe man die Energie bewusst steuern kann. Woher wir das wissen? Wie die meisten yogischen Überlieferungen soll auch dieses Modell direkt aus der Sphäre des Göttlichen übermittelt worden sein – einer Quelle, die für die wahrhaftigste und präziseste gehalten wird. Seltsam nur, dass diese göttliche Quelle nicht erwähnt hat, dass wir auf ei-
ner sich drehenden Kugel leben, die um die Sonne kreist, was uns Tage, Nächte und Jahreszeiten beschert. Oder dass die Chakras eigentlich mythische Abstraktionen sind: Sie existieren nicht physisch, sondern „nur“ in unserer Vorstellung.

Dennoch können wir auf wunderbare Weise mit diesen mythischen Chakras und ihrer symbolischen Kraft spielen und dabei vieles lernen: Betrachte beispielsweise deine Erfahrungen mit Stehhaltungen durch die Lupe des Muladhara-Chakra. Frage dich, wie es um deine Erdung, deinen Überlebenstrieb und deinen Umgang mit dem Thema Sicherheit steht. Je bewusster und ausgeglichener dein Zugang zu diesen Fragen ist, desto wahrscheinlicher wirst du in Stehhaltungen Stabilität (Sthira) und Leichtigkeit (Sukha) empfinden. Umgekehrt kann eine feinere Arbeit an den Stehhaltungen auch deine Erdung im Leben verbessern. In ganz ähnlicher Weise bereichern und verfeinern auch die anderen sechs Chakras unsere Erfahrungen mit Yoga – selbst wenn wir wissen, dass sie keine faktische Realität sind, sondern ein Modell.

Mythos 3: Umkehrhaltungen, Menstruation und das rote Zelt

Zwar sind über 80 Prozent der Yogaübenden heute Frauen, doch das täuscht leicht über die Tatsache hinweg, dass Yoga noch bis weit in unsere Zeit hinein von Männern dominiert wurde. Männer wie Krishnamacharya, Sivananda, Patthabi Jois und Iyengar boten zwar sehr variantenreiche Yogapraktiken an, doch sie blieben ihren Vorbehalten gegenüber Frauen in der Yogawelt in vieler Hinsicht treu. Entsprechend hartnäckig halten sich einige Mythen über die weibliche Physiognomie. In vielen Yogabüchern steht nach wie vor, es sei gefährlich, während der Menstruation Umkehrhaltungen zu üben, weil das den Blutfluss unterbinde und Krankheiten wie Endometriose auslösen oder verschlimmern könne.

Teil der Yogamythen: In Wirklichkeit wird die Menstruation durch körperinneren Druck geregelt und nicht durch die Schwerkraft – wie sonst könnte sie auch nachts im Bett liegend oder sogar als Astronautin in einem Raumschiff ungestört vonstatten gehen? Leider gibt es sogar Yogalehrer, die es Frauen untersagen, während ihrer Periode überhaupt ins Studio zu kommen. Mich erinnert das an das Rote Zelt, in das manche Stämme Frauen aus Angst vor den dämonischen Kräften der Menstruation verbannten. Anstatt solchen abergläubischen (und sexistischen) Mythen zu folgen, muss es im Yoga darum gehen, die Menstruation auf individuelle Weise zu würdigen: Einige Frauen fühlen sich während ihrer Tage in Umkehrhaltungen wohl, andere nicht. Als Yogalehrer sollten wir sie ermutigen, ihrer eigenen Körperwahrnehmung zu vertrauen und entsprechend zu üben.

Ist weibliche Spiritualität das Gegenstück zur männlichen Praxis? Seit jeher prägten spirituelle Traditionen die Gesellschaft. Aber welche Rolle spielt die weibliche Spiritualität? Was macht die weibliche Übermacht mit Yoga? Und welche Chancen stecken darin?

Mythos 4: Yoga Detox

Vor einigen Jahren habe ich selbst noch Workshops über „Yoga-Detox“ angeboten, in denen wir den Körper erhitzten, umdrehten, Kapalabhati atmeten und andere Reinigungspraktiken bemühten, die man im Yoga Shatkarma nennt. In meinem Werbeflyer stand, wir würden dadurch Giftstoffe ausschwitzen und die Leber stimulieren. Das klingt zwar vernünftig, gehört aber großteils ins Reich der Yogamythen: Mit Ausnahme von Achseln und Leisten schwitzen wir nirgends Gifte aus. Vielmehr dient das Schwitzen vor allem dazu, die Körpertemperatur stabil zu halten. Und die Leber? Ist ein wunderbarer Blutfilter, der sehr gut in seiner geschützten Höhle im Brustkorb funktioniert. Er braucht weder Massagen noch übermäßigen Druck, der zu Verletzungen führen kann.

Was der Körper wirklich zum Entgiften braucht, ist mehr Wasser, weniger Alkohol und weniger Kaffee. Der menschliche Körper verfügt über mehrere Entgiftungssysteme, beginnend mit dem Einatmen von Sauerstoff und dem Ausatmen von Kohlendioxid. Das Lymphsystem reinigt die Gewebe und stärkt die Immunabwehr. Auch all das, was wir auf der Toilette tun, wirkt entgiftend und kann am besten unterstützt werden, indem wir gesundes Essen und Wasser zu uns nehmen. Wenn man all diese Systeme noch durch Yoga verbessern will, dann lautet die Anweisung ganz einfach: Übe täglich und auf ausgeglichene Art.


Mark Stephens hat bereits drei internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Ein viertes Buch über Yogatherapie ist 2017 auf Englisch erschienen. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig auch im deutschsprachigen Raum. markstephensyoga.com

Kalte Gurkensuppe: Ayurvedisches Rezept für den Sommer

Gurkensuppe Rezept

Diese kalte Gurkensuppe ist im Handumdrehen zubereitet. Sie schmeckt, ist gesund und eignet sich ideal als Gericht für heiße Sommertage.

Die Suppe ist nach der Lebens- und Ernährungsweise des Ayurveda konzipiert. Diese besagt, dass wir besonders im Sommer kalte Speisen brauchen um Pitta, die Hitze, etwas einzudämmen. Kennst du deine Konstitution im Ayurveda? Dieser Test gibt dir Aufschluss über die Einflüsse, die momentan deine individuelle Ayurveda-Konstitution bestimmen.

Das brauchst du für zwei Personen:

• 800 g Gurken, geschält und fein gerieben oder püriert

• 100 g frische grüne Kräuter, fein gehackt (z. B. Minze, Schnittlauch, Petersilie, Koriandergrün, Basilikum, Dill)

• 1 EL Bockshornkleesamen, über Nacht eingeweicht

• 100 ml (vegane) Sahne und / oder 200 g (veganen) Joghurt (oder Hüttenkäse)

• Salz, Pfeffer

Und so geht’s:

Geriebene Gurken mit Kräutern, Gewürzen, Sahne/Joghurt und Hüttenkäse verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wenn du vegane Sahne oder veganen Joghurt verwenden willst, dann achte darauf, dass dieser möglichst geschmacksneutral ist wie etwa die meisten Soja- oder Hafer-Cremes. Manche tendieren nämlich dazu, sehr süßlich oder sogar nach Vanille zu schmecken.


Autorin: Sirkka A. Arad ist freiberufliche Yoga- und Ayurvedatherapeutin, Gesundheits- und Ernährungsberaterin.

Ökologische Yogakleidung: Materialien und Öko-Zertifikate

Ökologische Yogakleidung Öko-Zertifikate Yoga

Welche Hose ist wirklich öko? Wurde das Shirt nachhaltig und gerecht produziert? Wenn du Yoga machst, solltest du auch Wert auf Material und Stoff deiner Kleidung legen. Wir erklären dir, worauf du bei ökologischer Yogakleidung achten musst und welche Öko-Zertifikate es gibt.

Wir haben oft extrem volle Kleiderschränke – braucht es überhaupt besondere Yogakleidung oder tut es nicht auch irgendeine Jogginghose und ein gemütliches Shirt? Natürlich lässt sich grundsätzlich in jeder bequemen Kleidung Yoga üben, solange sie die Beweglichkeit nicht einschränkt und dich darin wohlfühlst. Nichtsdestotrotz haben Hosen, Tops, Shirts und Jacken, die speziell für die Yogapraxis gemacht sind, gewisse Vorzüge.

Warum Yogakleidung sinnvoll ist

Sie ist zum Beispiel atmungsaktiv, und die Shirts in der Regel so geschnitten, dass sie auch in Umkehrhaltungen nicht so leicht verrutschen oder auf andere Weise zu tiefe Einblicke geben. Bei den Hosen wird zum Beispiel auf störende Knöpfe oder Reißverschlüsse verzichtet, die unangenehm drücken können. Auch ist der Anteil von fairer Ökokleidung bei speziellen Yogamode-Anbietern relativ hoch.

Die gängigen Materialien für Yogahose und Co.

  • Bio-Baumwolle: Langlebig, hautfreundlich, saugfähig und biologisch abbaubar, allerdings nicht regional. Der Anbau verbraucht zudem viel Wasser, wenn auch weniger als konventionelle Baumwolle (ca. 6.600 statt 11.000 Liter pro Kilo).
  • Lyocell: Auch als Tencel (Markenname der Firma Lezing Fibers) bekannt. Aus Holzcellulose (i.d.R. Eukalyptus, Birke oder Eiche), schadstoffarm, atmungsaktiv, saugfähig und weich. Der Wasserverbrauch ist deutlich niedriger als bei Baumwolle.
  • Modal: Strapazierfähige, biologisch abbaubare Regeneratsfaser, vorrangig aus Buchenholz. Wie Lyocell wird die Faser synthetisch hergestellt, ist aber natürlichen Ursprungs. Achte darauf, dass heimisches Holz verwendet wird.
  • Recycling-Polyester: Meist aus recycelten PET-Flaschen, mit geringem Energieaufwand herstellbar, langlebig, strapazierfähig und ressourcenschonend. Vermeidet zwar zunächst Plastikmüll im Meer, durch Waschgänge können aber dennoch Mikrokunststoffe in die Ozeane gelangen.

Öko-Zertifikate, die du kennen solltest

  • Naturtextil IVN zertifiziert BEST: Das anspruchvollste Siegel des IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.): Gekennzeichnete Stoffe müssen zu 100 Prozent aus Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) bestehen.
  • Global Organic Textil Standard (GOTS): Für Textilien, die zu mindestens 70 Prozent aus biologisch angebaute Naturfasern bestehen. Bei der GOTS-Kennzeichnung „Bio“ bzw. „kbA/kbT“ müssen es mindestens 95 Prozent sein.
  • Öko-Test: Label des Verbrauchermagazins Öko-Test, das seit 1985 Waren und Dienstleistungen testet (z.B. Produktionsbedingungen, Schadstoffbelastung). Der Gesamteindruck wird in Schulnotenmanier („sehr gut“ bis „ungenügend“) bewertet.
  • Oeko-Tex® Standard 100: Sämtliche Details eines Produktes (also ggf. auch Knöpfe und Reißverschlüsse) müssen frei von gesetzlich verbotenen Schadstoffen sowie gesundheitsschädlichen Chemikalien (etwa Pestiziden) sein.

Kein Öko-Zertifikat – trotzdem gut?

Wichtig zu wissen: Solche Gütezeichen sind eine gute Orientierung, doch ein Produkt ohne Zertifikat ist nicht per se „schlecht“! Denn ein Siegel führen zu dürfen, kostet Geld, das gerade kleineren und dennoch sehr „sauberen“ Unternehmen oft fehlt. Frage im Zweifel einfach nach – oft können gerade diese Betriebe recht transparent Auskunft über ihre Produktionswege geben und tun das auch gern. Recherchiere immer nach, wenn dir ein Gütesiegel unbekannt ist. Manche Hersteller schmücken Ihre Ware mit offiziell wirkenden Fantasie-Zeichen, die keine Aussagekraft haben.

Ökologische Hilfsmittel im Yoga

Fragen dich vor dem Kauf zunächst, welche Utensilien du wirklich regelmäßig benutzen würdest. Manchmal lockt ein Sonderangebot oder ein hübsches Design. Dann solltest kurz innehalten und überlegen, ob sich die Anschaffung wirklich lohnt. Wer zum Beispiel meist im Studio und nur selten zu Hause übt, der kann daheim die Blöcke einfach durch dicke Bücher ersetzen. Auch Secondhand-Käufe sparen Ressourcen! Aus Öko-Sicht empfehlenswerte MarkenBausingerhej-hej-matsLotus DesignMandukaSchildkrötYogistar