Was bewirkt eine medizinische Panchakarma Kur wirklich? Yogalehrerin Ranja Weis hat zwei Wochen im Rosenberg Ayurveda Kurzentrum verbracht und erzählt in diesem Erfahrungsbericht von ihren persönlichen Eindrücken, den ayurvedischen Anwendungen, der Wirkung auf Verdauung und Agni – und wie Körper, Geist und Seele auf sanfte Weise wieder ins Gleichgewicht kommen.
Text: Ranja Weis / Bilder: Ayurveda Kurzentrum Rosenberg
Das Rosenberg Ayurveda Kurzentrum empfängt mich mit einem warmen Duft nach Ingwer, Kardamom und Zimt, und der aufmerksamen Freundlichkeit seiner Mitarbeiterinnern. Im kleinen gemütlichen Café neben dem Eingang bekomme ich einen Chai und ein Stück köstliches Laddu (ayurvedisches Kichererbsen-Konfekt) zur “Vata-Beruhigung”. Ich muss lächeln und merke auch tatsächlich, wie ich aufatme und der Reisestress von mir abfällt. Ich habe mich für eine zweiwöchige medizinische Panchakarma Kur entschieden, da ich nach einem sehr fordernden Jahr dringend einen Reset brauche: nicht einfach nur Urlaub, sondern tiefgreifende Regeneration. Als ich mein gemütliches Zimmer mit seiner schlichten, warmen Eleganz betrete, habe ich das klare Gefühl, am richtigen Ort zu sein.

Warum ich mich für eine medizinische Panchakarma Kur entschieden habe
Als Yogalehrerin bringe ich ein wenig Wissen und Erfahrung in Ayurveda mit und habe bereits eine Rasayana Kur gemacht, die mich mit ihrer entspannenden und vitalisierenden Wirkung begeistert hat. Diesmal möchte ich gern einen spürbaren und langfristigen Unterschied für meine Verdauung und das Mikrobiom meines Darms machen. Der Ayurveda sagt, dass es weniger darauf ankommt, was man isst, sondern wie man verdaut. Zentral ist das Konzept von Agni, dem Verdauungsfeuer, das für die Umwandlung von Nahrung in Nährstoffe und Energie sorgt.
Agni gilt als Grundlage aller Gesundheit: es verarbeitet nicht nur Essen, sondern beeinflusst auch Immunsystem, Gewebebildung und geistige Klarheit. Ein starkes Agni verhindert Ama (Schlackenstoffe), die Krankheiten verursachen – unabhängig davon, was genau gegessen wird. Du bist also, was du verdaust – nicht nur was du isst! Ein Freund von mir hat ein so starkes Verdauungsfeuer, dass er tatsächlich essen kann, was er will. Da ist auch mal die Pizza spät abends kein Problem. Bei mir schon. Und das würde ich gern ändern.
Ayurveda Ernährung, Agni und individuelle Verdauung

Jeder verdaut individuell anders, je nach Dosha (Vata, Pitta, Kapha), Tageszeit und Zustand. Daher sind warme, frische Speisen und bewusste Essgewohnheiten entscheidend. Das Rosenberg Kurzentrum legt großen Wert auf frische, biologische, unverarbeitete Nahrungsmittel und mit Liebe zubereitetes, regelmäßiges Essen. Wir essen dreimal am Tag zu festen Uhrzeiten, und es schmeckt so köstlich, dass ich mich zusammenreißen muss, um mir nicht auch noch einen zweiten Teller zu holen. Da der entlastende und reinigende Aspekt bei dieser Kur im Mittelpunkt steht, sollte man nur so viel essen, dass der Magen zu etwa zwei Dritteln gefüllt ist: ein Teil feste Nahrung, ein Teil flüssige/weiche Nahrung, ein Teil bleibt frei für die Durchmischung im Magen.
Der Ayurveda gibt keine Grammzahl vor, sondern arbeitet mit “Magen- und Handmaß”: eine Portion in der Größe der beiden gewölbten Handflächen gilt als gute Orientierung. Zugegeben hole ich mir trotzdem oft noch etwas mehr, einfach weil ein solches Essen nicht nur den Körper, sondern auch die Seele nährt, und mein inneres Kind einen ziemlichen Nachholbedarf hat. Interessanterweise nehme ich nicht zu, obwohl ich zu Hause nur zweimal anstatt dreimal am Tag esse. Ich führe es auf die gekonnte Zubereitung mit den ayurvedischen Gewürzen zurück (die man dort auch im Shop und online kaufen kann), was schon am zweiten Tag dafür sorgt, dass sich meine aus dem Takt geratene Verdauung normalisiert.
Tagesablauf während der Panchakarma Kur
Vielleicht liegt es aber auch am gut strukturierten Tagesablauf: Wir beginnen morgens um 07:00 Uhr mit Yoga, was ich trotz des Schlafmangels, den ich mitgebracht habe, auf keinen Fall verpassen möchte. Danach gibt es Frühstück und dann Anwendungen und persönliche Konsultationen mit der Kurleitung: den beiden Ayurveda-Medizinern Petra und Roman. Erstaunt stelle ich fest, dass man sich hier, anders als in unserem maroden Gesundheitssystem, Zeit nimmt.
Die beiden gehen kompetent und einfühlsam auf jeden Menschen individuell ein und passen den Therapieplan entsprechend an. Ich fühle mich gesehen, verstanden und gut begleitet, und lerne in den täglichen Gesprächen viel von den beiden. Gerade bei Petra denke ich mir immer wieder, dass ich auch gern mit über 70 noch so kraftvoll und vital im Leben stehen und mit so viel Herzblut bei der Sache sein möchte. Wenn das die Wirkung von Ayurveda ist, bin ich mit an Bord!
Ayurvedische Anwendungen und Massagen im Rosenberg Zentrum
Auch die Anwendungen werden individuell auf uns abgestimmt. Ich bekomme von verschiedenen Massagetherapeutinnen Ganzkörpermassagen (Abhyanga), Gesichtsmassagen (Mukabhyanga), Fußmassagen (Padabhyanga), Rückenmassagen (Prststabhyanga), was ich mit allen Sinnen genieße. Ich liebe auch die ayurvedische Dampfsauna, in der ich oft nach der Behandlung sitze und mit den sympathischen Therapeutinnen einen kleinen Plausch halte. Das geht wunderbar, weil der Kopf oben aus der Kabine hinausschaut, während der Körper unten im angenehm warmen Dampf sitzt.
Kati-Basti und Sirodhara – tiefgreifende ayurvedische Therapien

Besonders beeindruckend finde ich die Dauerölanwendung der Lendenwirbelsäule (Kati-Basti). Seit der Schwangerschaft ist der untere Rücken meine Problemzone, und es stellen sich von Zeit zu Zeit Schmerzen ein, die ich dank Yoga immer wieder in den Griff bekomme. Mit der Anwendung habe ich eine weitere Möglichkeit kennengelernt, diesen Bereich zu stärken, wofür ich sehr dankbar bin! Bei Kati-Basti wird ein Teigring um die betreffende Stelle gelegt und ayurvedisches Kräuteröl eingefüllt, was über 20 Minuten einwirkt und bei mir für ein wunderbar befreites Gefühl danach sorgt.
Eine weitere wunderbare Anwendung ist der Stirnölguss (Sirodhara), bei dem warmes Öl gleichmäßig über die Stirn fließt. Er wirkt tief entspannend auf Körper und Geist, indem er das Nervensystem beruhigt und den Parasympathikus aktiviert. Sirodhara kann Kopfschmerzen, Migräne und Bluthochdruck lindern, die Zirbeldrüse aktivieren, die Gehirnhälften synchronisieren, den Schlaf fördern, sowie das Immun- und Hormonsystem harmonisieren. Durch die Stimulation des Stirn Chakras (Ajna-Chakra) fördert er die Intuition, löst innere Blockaden und schafft ein Gefühl tiefer Ruhe, was die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt. Aus ayurvedischer Sicht gleicht Sirodhara vor allem Vata-Dosha aus. Besonders genossen habe ich die lang anhaltende wundervolle Stille meines Geistes, für die ich sonst lange praktizieren und meditieren muss.

Ghee trinken im Panchakarma – körperliche und emotionale Wirkung
Ganz neu ist für mich das Trinken von warmem Ghee. Ghee (geklärte Butter) gilt als sattvisch – also rein, nährend und bewusstseinsfördernd. Es wird seit Tausenden von Jahren in Küche und Medizin verwendet. Ghee dringt laut Ayurveda tief in feine Körperkanäle (Srotas) ein und löst Ama aus Gewebe, Gelenken und Nervensystem, um es in Richtung Darm zu transportieren. Wir trinken also die ersten Tage jeweils vor dem Frühstück und vor dem Abendessen ein Glas warmes, flüssiges Ghee. Wenn man daran denkt, pures Fett zu trinken, läuft einem nicht gerade das Wasser im Mund zusammen. Interessanterweise schmeckt es mir am ersten Tag richtig gut, was laut meiner Kurleitung ein Signal dafür ist, dass der Körper es braucht und gut annimmt.
Am zweiten Tag fällt mir das Trinken schon etwas schwerer, am dritten schließe ich mich der Reihe leicht gequälter Gesichter an, die sich beim Trinken teilweise die Nase zu halten. Nach drei Tagen Ghee-Trinken ist die erste Phase der Kur (Purvakarma, die Vorbereitung der Ausleitung) vorbei, und wir sind alle froh, auf unseren “Aperitif” zu verzichten. Was mich in diesen Tagen erstaunt ist, dass Panchakarma nicht nur körperlich wirkt. Das Trinken von Ghee beruhigt nicht nur Vata (Stress, Angst, Erschöpfung) und stabilisiert das Nervensystem: es wirkt auch auf die Psyche.
Ich kann mich noch einmal emotional mit Themen beschäftigen, sie fühlen und gehen lassen. Während ich tränenüberströmt im Bett liege, freue ich mich gleichzeitig über die ganzheitliche Tiefe dieses Prozesses. Und ich freue mich, endlich mal wieder so richtig weinen zu können. Und das kann ich hier auch aufgrund der liebevollen, zugewandten, mitfühlenden Art der Therapeut*innen und all der Menschen, die an diesem wundervollen Ort wirken. Ich fühle mich gehalten und sicher. Es tut unglaublich gut, zu spüren, wie Körper, Geist und Seele auf allen Ebenen loslassen und ein weiter, freier Raum im Inneren entsteht.
Ausleitungsphase im Panchakarma – Reinigung und Neubeginn
Nun kommt die Phase der Ausleitung und wir trinken am nächsten Morgen Rhizinusöl mit warmem Traubensaft, um Ama aus dem Darm auszuleiten. Diesen Tag verbringe ich so wie die meisten anderen zwischen Bett und Bad. Da ich in den letzten zwei Jahrzehnten einige Fastenkuren inklusive Abführmethoden erlebt habe, finde ich dieses Abführen vergleichsweise mild und bin abends schon wieder relativ fit und ziemlich gut gelaunt. Die Laune sinkt allerdings etwas beim Anblick der Reissuppe auf meinem Tisch. Aber nach einem Entlastungstag mit Reissuppe und Kichari darf ich auch wieder das leckere Essen genießen, das jetzt doppelt so gut schmeckt. Im Essensraum ist es ungewöhnlich still, während wir alle genüsslich schlemmen.
Aufbauphase und Gruppenenergie nach der Panchakarma Kur
Nach der Ausleitungsphase folgt die Aufbauphase, und ich denke in diesen Tagen oft, wie entspannt und verjüngt alle Teilnehmer*innen der Kur aussehen. Was für ein sichtbarer Unterschied! Auch die Stimmung der Gruppe ist deutlich gelöster. Und so genießen wir noch ein paar Tage lang das fröhlich-entspannte Miteinander, das herrliche Essen, die nährenden Anwendungen und interessanten Vorträge.

Zurück im Alltag – Ayurveda als neue Lebensweise
Als ich nach zwei Wochen zurück nach Hause komme, empfängt mich meine Tochter mit den Worten: “Wow Mami, du siehst ja richtig entspannt aus!” Und so fühle ich mich auch. Nun gilt es, das was ich gelernt und erfahren habe, in meinen Alltag zu integrieren. Denn eines ist mir in der Kur klar geworden: ich will unbedingt weitermachen und mehr über Ayurveda lernen! Als sehr hilfreich empfinde ich die Morgenroutine, für die ich gern ein paar Minuten früher aufstehe: als erstes zwei große Tassen heißes Wasser trinken (noch vor dem Zähneputzen), dann Zunge schaben, Öl ziehen, währenddessen den Körper trocken abbürsten und mit Sesamöl einreiben, dann Zähneputzen und schließlich kurz heiß duschen. Nach einem warmen Porridge mit gedünstetem Obst fühle ich mich gut genährt und gestärkt für den Tag. Ich stelle fest, dass ich nicht so wie früher im Winter friere, dass ich mehr Energie habe und gleichzeitig eine Ruhe in mir trage, die mich vieles gelassener angehen lässt. Danke von Herzen an das Rosenberg Ayurveda Kurzentrum und all die wunderbaren Menschen dort!
Ergänzung: die Morgenroutine und ihr Ablauf ist eine individuelle Empfehlung, die je nach Typ variieren kann.
Mehr Info: www.rosenberg-ayurveda.de


