Wo stehe ich eigentlich? Der Purushartha-Check

Die altinidische Lehre der Purusharthas steht für die vier als Lebensziele verstandenen Säulen Dharma (Pflicht, Ethik), Artha (Wohlstand, Fülle), Kama (Freude, Sinnesbefriedigung) und Moksha (Streben nach Befreiung). Sind die vier Purusharthas im Gleichgewicht, sind auch wir mehr im Gleichgewicht. Mache mit uns den Purushartha-Check.

Wenn du herausfinden möchtest, ob deine Purusharthas ausgewogen sind oder du tiefer in die Thematik einsteigen möchten, hilft das wöchentliche Ritual des Purushartha-Checks. Nimm dir 30 Minuten Zeit, Stift und Papier für Notizen und eine Kerze.

1. Zünde die Kerze an. „Kerzen symbolisieren das Licht des inneren Beobachters“, erklärt Sally Kempton. Atme tief, schließe die Augen und entspanne dich einige Minuten lang.

2. Denke zunächst an die vergangene Woche zurück. Betrachte all deine Taten in Bezug auf dein Dharma. Was hast du für Familie, Umfeld und dich selbst getan? Welche Verpflichtungen gab es? Hast du sie mit Leichtigkeit erfüllt? Welche ethischen Fragen sind aufgetaucht und wie bist du damit umgegangen? Schreibe die Antworten in dein Heft. Um das eigene Dharma zu verstehen und zu prüfen, inwiefern man es erfüllt, schlägt Kempton des Weiteren folgende Fragen vor:

  • Was ist meine Aufgabe in der Welt?
  • Was sind meine Verpflichtungen? Welche fühlen sich richtig an?
  • Was tue ich, wenn ich dem übergeordneten Wohl diene?
  • Bin ich auf dem ‚Weg des Guten’?
  • Wie kann ich meinem Umfeld am besten dienen?
  • Was würde Martin Luther King Jr. jetzt tun? (King ist Kemptons persönliches Vorbild – setze hier wahlweise irgendeine andere Person ein, die für dich den Inbegriff dharmischen Lebens verkörpert.)

3. Wenn du Dharma erschöpfend behandelt hast, betrachte Artha. Was hast du diese Woche für deinen Lebensunterhalt getan? Was für deine Gesundheit? Was war nötig, um sich selbst zu versorgen? Hast du es bekommen? Notiere die Antworten und schreibe Sorgen und Ängste auf. Wenn du Artha gekonnt in dein Leben integrieren willst, könnten zudem die folgenden Fragen hilfreich sein:

  • Was brauche ich, um meine Aufgabe in der Welt (Dharma) zu erfüllen?
  • Wie definiere ich Wert?
  • Habe ich genug?
  • Macht mich mein Besitz glücklich oder unglücklich?
  • Macht es mir Angst, mehr als andere zu haben? Oder macht es mir Angst, nicht mehr zu haben?
  • Von Geld einmal abgesehen: Was bedeutet Reichtum für mich?

4. Als nächstes denkst du über Kama nach. Was hast du getan, um mehr Freude in dein Leben und in die Welt zu bringen? Was hat dir am meisten Spaß gemacht? Was waren deine größten Wünsche? Konntest du sie umsetzen? Notieren deine Gedanken. Anhand der folgenden Fragen kannst du deinen eigenen Umgang mit Vergnügen und Sinnesbefriedigung erforschen:

  • Wo liegt meine Leidenschaft?
  • Was erfreut mich?
  • Genieße ich mein Leben?
  • Bin ich glücklich?
  • Was liegt mir am Herzen?
  • Was ist mein größter Wunsch?
  • Wonach bin ich süchtig?
  • Bringt mich mein Vergnügen meinem Lebenssinn näher oder führt es mich davon weg?

5. Anschließend schreibst du auf, inwiefern du dich für Moksha eingesetzt hast. Das kann Yoga, Meditation, Gebete, das Lesen spiritueller Literatur oder Selbstreflexion umfassen. Hast du Freiheit gespürt? Welche Bereiche deines Lebens fühlen sich eng und belastend an? Wie kannst du dich befreien? Notiere die Antworten. Anhand der folgenden Fragen kannst du die Rolle von Moksha in deinem Leben bestimmen:

  • Was tue ich, um mich von Aktivitäten und Ansichten zu befreien, die mich unglücklich machen?
  • Was kann ich tun, um mich nicht in meine Gefühle zu verwickeln? Woran binde ich mich bewusst?
  • Fühle ich mich gefangen?
  • Kann ich mich von Schuldzuweisungen mir selbst und anderen gegenüber lösen?
  • Wie befreie ich meinen Geist?

Nachdem du den Purushartha-Check gemacht hast, wirf einen Blick auf deren Ausgewogenheit. Erkenne anhand deiner Notizen, wo vergangene Woche dein Schwerpunkt lag. Welche Bereiche deines Lebens wurden vernachlässigt? Konzentrierst du dich zu sehr auf einen bestimmten Aspekt? Oder zu wenig? Welche Folgen hat diese Priorisierung? Formuliere einen einfachen Satz darüber, wie sich die Purusharthas in deiem Leben gezeigt haben. In etwa so: „Diese Woche habe ich engagiert meine Pflichten erfüllt, jedoch mit einem unguten Gefühl. Ich habe die meiste Freude aus meinen Freundschaften gezogen. Ich hatte keine Zeit, mich um den Aspekt Freiheit zu kümmern.“

Zum Schluss wähle eine Intention für die kommende Woche. Du kannst eine Absicht für jedes Purushartha formulieren oder dich auf ein oder zwei Aspekte beschränken, die mehr Aufmerksamkeit benötigen. Schreibe die Intention auf. Spreche sie erst laut aus, dann wiederholst du sie geistig. Schließe das Heft, lösche die Kerze und kehre mit einem tieferen Verständnis für die Prioritäten deiner Seele zurück zum Alltag.

Wenn du noch mal genauer nachlesen willst, was sich hinter den Lebenszielen des Purushartha-Checks verbirgt, dann lies hier mehr über die 4 Purusharthas.

Yoga Anatomie: Dr. Ronald Steiner erklärt das Hüftgelenk

Am Beispiel der stehenden Vorbeuge behandelt Dr. Steiner das Hüftgelenk und erklärt, welche Art von Zug beim Yoga gesund ist und welche nicht. 

Move it or lose it. Diesen Spruch kennen wir alle. Oft nutzen wir unseren Bewegungsraum nicht. So verkürzen die Faszienzüge und schränken die Beweglichkeit weiter ein. Bringen wir also immer wieder einen angemessenen Zug auf die bindegewebigen Fasern. Dann geben diese uns mehr Bewegungsfreiheit. In der stehenden Vorbeuge entsteht dieser Zug an der Rückseite der Beine.

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Mehr Flexibilität durch Dehnung

Beobachte am Beispiel der Vorbeuge, in welchem Bereich die Dehnung stattfindet. Vermutlich nimmst du die Spannung irgendwo an der Rückseite des Körpers wahr. Insbesondere an den Oberschenkel, in den Waden oder an der Lendenwirbelsäule. Mitunter setzt sich die Faszien-Spannung an der Körperrückseite sogar bis zu den Augenbrauen fort. Aber egal, wo du die meiste Spannung wahrnimmst. Genau dort wirst du flexibler. Daher ist es wichtig, die Dehnung durch die Position auch in den richtigen Bereich zu lenken.

Vermutlich wünschst du dir mehr Flexibilität in den Beinrückseiten, möchtest aber zum Schutz der Bandscheiben die Lendenwirbelsäule nicht zu sehr runden. Mit Hilfe eines Reflexes, der  reziproken Hemmung, kann man die Muskulatur der Beinrückseite entspannen und mehr dehnen.

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Dafür ziehst du die Vorderseite des Oberschenkels von der Innenseite der Kniescheibe sanft nach oben und außen. Bei der richtigen Ausrichtung des Besckens und der Dehnung mittig an den Beinrückseiten, intensivierst du diese sanft weiter.

Nutze auch am Hüftgelenk in der Vorwärtsbeuge über die Aktivierung der Gegenmuskulatur den Mechanismus der reziproken Hemmung. So ermöglichst du mehr Flexibilität. Spanne dafür die Muskulatur an der Vorderseite der Beine an. Ein Gefühl, als wolltest du aus dem Hüftgelenk tiefer in die Vorbeuge. Dabei ziehst du die Kniescheiben nach oben.

Gelenke in der Dehnung gesund halten

Spürst du in der Vorwärtsbeuge einen Zug tief am Hüftgelenk? Das ist ein Zeichen, dass du das Hüftgelenk nach hinten aushebelst. Wir Ärzte nennen das äußeres Impingement. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Gelenkpfanne ist von einem filigranen Faserring, umgeben. Diese Gelenklippe entzündet sich beim wiederholten Zerren und Reißen. Besonders ungünstig ist eine Vorschädigung durch inneres Impingement. Langfristig schädigt dies ernstzunehmend. Lass es nicht so weit kommen.

Beachte daher folgende Punkte:

  1. Löse zunächst ein wenig die Position.
  2. Zentriere dann den Gelenkkopf in seiner Pfanne. In der Vorwärtsbeuge stellst du dir vor, das Bein wüchse sanft in die Länge.

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Ein gefährliches Hebeln am Gelenkrand ist jedoch bei fast allen Gelenken möglich. Daher gilt allgemein. Eine Aktivierung der tiefen Muskulatur auf der Innenseite der Bewegung! Das holt das Gelenk vom hinteren Pfannenrand weg. Zudem zentriert das den Gelenkkopf besser.

Wenn du deine Aufmerksamkeit dafür schärfst, wird diese Grundlage der Ausrichtung natürlich. So entwickelst du die Flexibilität deiner Faszien weiter. Viel Freude beim Üben mit der Hüft-Praxis!


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin. Er zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Seine AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft. Zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung. www.AshtangaYoga.info

Cross Yoga Sequenz: Mini Practice

Du hast bereits den Beitrag „Cross Yoga: Kraftvolle Kombination“ gelesen und möchtest dich nun selbst daran versuchen? Hier zeigen wir dir eine Cross Yoga Sequenz.

1//BURPEES

Eine Kombination aus Kniebeuge, Liegestütz und Hocksprung. Dabei wird nicht nur Kraft, sondern auch Kondition und Koordination trainiert.

Anleitung:
Führe mit hüftbreit geöffneten Beinen eine Kniebeuge aus. Dafür verlagerst du dein Gewicht auf die Fersen und senkst das Gesäß Richtung Boden. So als würdest du dich auf einen sehr niedrigen Stuhl setzen. Achte dabei darauf, den Rücken gerade zu halten und die Knie weit nach hinten und außen zu schieben, ohne die Füße vom Boden zu heben. Setze dann die Hände in etwa schulterbreitem Abstand auf den Boden und springe mit den Füßen zurück in eine Stützposition. Dabei drückst du die Hände fest gegen die Matte, um die Schultern zu stabilisieren, und ziehst den Nabel kraftvoll Richtung Wirbelsäule, um ein Nachfedern zu vermeiden. Senke danach die Brust Richtung Matte in die Liegestütze. Dabei gehst du nur so tief, dass du den Bauch stabil halten kannst. Du kannst die Knie allerdings auch absetzen.

Strecke die Arme wieder, gib viel Kraft in die Hände und spring mit beiden Füßen nach vorne in eine Hocke mit hüftbreit geöffneten Beinen. Lege die Finger hinter die Ohren, strecke die Ellenbogen zur Seite und drücke dich in einem kraftvollen Strecksprung vom Boden ab. Diese Abfolge wiederholst du möglichst flüssig mehrere Male.

Tipp für deine Cross Yoga Sequenz: Je nach Kraft und Ausdauer kannst du die Liegestützen weglassen und langsamer üben. Grundsätzlich geht im Cross Yoga Qualität (Übungsausführung) vor Quantität (Wiederholungszahl) und du steigerst dich allmählich nach deinem eigenen Empfinden.

2//SIDE PLANK CRUNCH

Das seitliche Brett oder Seitstütz ist eine Kräftigungsübung für die seitliche Bein-, Bauch- und Rückenmuskulatur. Außerdem wird die tiefe Haltemuskulatur am Rumpf beansprucht. Die Crunch-Variation trainiert zusätzlich gerade Bauchmuskeln und Koordination.

Anleitung:
Stütze dich in der Seitenlage so auf den Unterarm und die Hand, dass der Ellenbogen zentral unter der Schulter steht. Lege die Füße übereinander, schiebe Unterarm und Hand aktiv gegen den Boden und hebe das Becken in eine stabile Schräge, bei der der gesamte Rumpf gerade nach vorn ausgerichtet ist. Strecke nun deine freie Hand am Ohr vorbei über den Kopf und hebe langsam dein oberes Bein. Stabilisiere dich gut in dieser Position, bevor du langsam Ellenbogen und Knie des oberen Armes und Beines zueinander hin und dann wieder gestreckt voneinander weg bewegst. Das Becken bleibt dabei weiterhin gehoben und die untere Schulter aktiv. Auch diese und die folgende Übung wiederholst du so oft, wie es dir gut tut.

3//ENGER LIEGESTÜTZ

Ein Klassiker unter den Fitnessübungen: Brust, Arme und Bauch werden gestärkt. Ganz ähnlich wie in Chaturanga Dandasana (viergliedrige Stabhaltung).

Anleitung:
Nimm eine Stützposition ein, bei der die Hände direkt unterhalb der Schultern ausgerichtet sind. Achte darauf, dass dein Bauch während der gesamten Übung fest Richtung Wirbelsäule gezogen bleibt und du viel Länge im unteren Rücken schaffst. Stabilisiere die Schultern, indem du die Hände gegen den Boden schiebst und senkst den Brustkorb langsam, wobei die Ellenbogen zu den Füßen zeigen. Unterdessen sind die Ellbogen nah am Oberkörper. Anschließend drückst du dich wieder gerade nach oben. Achte jedoch auf eine möglichst ungehindert fließende Atmung, während du die Bewegung wiederholst.

Tipp für deine Cross Yoga Sequenz: Für die einfachere Variante dieser Übung setze die Knie auf dem Boden ab (im Foto rechts).

4//HALASANA (PFLUG)

Der Pflug ist eine intensive Dehnübung, vor allem für Wirbelsäule, Schultern und Beine. Außerdem hat er eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem, massiert und aktiviert die Verdauungsorgane und kann Nackenverspannungen lösen helfen.

Anleitung:
Hebe dafür in Rückenlage beide Beine über oder hinter den Kopf und stütze das Becken mit beiden Hände ab. Schiebe die Oberarme möglichst dicht zueinander und lege die Hände an den unteren Rücken. Um deine Halswirbel zu schützen, solltest du jedoch immer gerade nach oben blicken. Tipp: Empfindliche Nackenwirbel bekommen mehr Freiraum, wenn du den Schultergürtel etwas erhöht auf einer gefalteten Decke lagerst.

Aus dieser Position senkst du mit der Ausatmung langsam ein Bein nach dem anderen oder beide gleichzeitig und setzt die Zehenballen hinter dem Kopf am Boden oder an der Wand ab. Berühren die Füße den Boden, kannst du die Arme vom Rücken lösen und gegen die Yogamatte drücken. Aktive Schultern schaffen zum einen Platz für den Nacken und zum anderen Länge in der Wirbelsäule. Versuche des Weiteren, die Beine möglichst gestreckt zu halten. Atme währenddessen ruhig und tief. Zum Auflösen der Haltung beugst du die Beine und rollst sich langsam und mit aktivierter Bauchmuskulatur zurück zum Sitzen.

Tipp für deine Cross Yoga Sequenz: Entspanne dich im Anschluss einige Atemzüge lang in der Rückenlage oder nimm als Gegenposition Matsyasana (Fisch) ein.

5//DHANURASANA (BOGEN)

Der Bogen weitet die Brust, dehnt die gesamte Körpervorderseite und bietet der Wirbelsäule Abwechslung zu einseitiger Belastung im Sitzen.

Anleitung:
Lege in Bauchlage die Arme dicht am Körper ab. Die Stirn ruht mittig auf der Matte. Ziehe die Fersen zum Gesäß und die Zehen Richtung Schienbein (Flexion). Dabei bewegst du den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule, drückst die Beckenknochen gegen die Matte und schiebst das Steißbein Richtung Knie, um Länge im unteren Rücken zu erzeugen. Ziehe die Schulterblätter zueinander hin und greife wenn möglich mit einer Hand nach der anderen die Fußgelenke (siehe Tipp). Mit der nächsten Einatmung schiebst du zudem die Füße gegen die Hände und hebe Oberkörper und Beine. Allerdings nur so weit, wie du die Länge im unteren Rücken halten kannst. Schiebe dabei die Schultern von den Ohren weg, halte den Nacken in Verlängerung der Wirbelsäule und balanciere auf den Hüftknochen. Dabei atmest du möglichst tief in den Bauch. Nach einigen Atemzügen löst du die Haltung ausatmend auf und verweilst zum Entspannen einen Moment in der Stellung des Kindes (Balasana).

Tipp für deine Cross Yoga Sequenz: Bei Spannungen im unteren Rücken oder wenn du die Füße nicht mühelos mit den Händen erreichen, übe stattdessen Kobra oder Heuschrecke.

6//ARDHA MATSYENDRASANA (DREHSITZ)

Dem Drehsitz wird eine entgiftende und verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Außerdem aktiviert er das Sonnengeflecht, stimuliert die Blutzufuhr zur Wirbelsäule, dehnt die tiefe Gesäßmuskulatur und hilft, Verspannungen in der Brustwirbelsäule zu lösen (die unter anderem durch häufiges, nach vorne gebeugtes Sitzen verursacht werden).

Anleitung:
Setze dich mit ausgestreckten Beinen und aufrechtem Oberkörper in Dandasana (Stabhaltung). Kreuze das rechte über das linke Bein, so dass der Knöchel noch das Bein berührt und der Fuß vollständig auf dem Boden steht. Währenddessen drückt das ausgestreckte Bein aktiv gegen den Boden. Hierbei sind die Zehen in Richtung Körper gezogen.

Lege den linken Arm um dein rechtes Bein oder den linken Ellenbogen an die Außenseite des rechten Beines. Ziehe anschließend einatmend den rechten Arm nach oben und strecke die Wirbelsäule gerade nach oben. Mit der nächsten Ausatmung drehst du dich nach rechts und setzt die rechte Hand hinter dem Körper am Boden oder auf einem Block ab. Schiebe die Schultern von den Ohren weg, halte den unteren Rücken lang und das ausgestreckte Bein aktiv. Löse die Haltung mit einer Einatmung auf und drehe dich anschließend mit der Ausatmung sanft und kurz in die Gegenrichtung, bevor du die Übung seitenverkehrt wiederholst.

Tipp für deine Cross Yoga Sequenz: Drehe in dieser Haltung grundsätzlich zuerst nach rechts. Für eine intensivere Drehung kannst du das am Boden liegende Bein auch zur Sitzfläche hin einschlagen.

Nach der Cross Yoga Sequenz noch mehr daheim üben? Hier findest du viele Anregungen für deine Praxis.


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Good Vibrations zu Hause: So helfen dir Ganesha & Co. bei der Home Practice

Momentan brauchen wir immer häufiger etwas Konzentration und Stille in den eigenen vier Wänden. Mit einfachen Mitteln verwandelst du einen Teil deiner Wohnung in einen kleinen Tempel. Mache ihn zu einem kleinen Rückzugsort für deine Meditations- und Yoga-Praxis.

Du sitzt 24/7 zu Hause und kommst trotzdem zu nichts? Ein fester Termin an einem ganz bestimmten Ort in der Wohnung hilft sehr beim regelmäßigen Üben. Dann ist da noch die besondere Atmosphäre im Yoga-Raum: Auch wenn manche Yoga-Studios auf Schlichtheit schwören, fällt es einem doch leichter, sich zu konzentrieren, wenn irgendwo im Raum eine kleine Buddha-Statue steht. Oder wenn auch nur ein Bild von Shiva den Weg zur Stille weist.

Genau das kannst du zuhause erreichen. So wie das Singen eines Mantras den Geist zur Ruhe führt, so lassen sich alle Sinne mit einfachen Mitteln ansprechen und beruhigen. Genau so wie ein heißes Bad sich schöner anfühlt, wenn eine Kerze brennt, so kannst du für deine persönliche Yoga-Zeit einen ganz besonderen Raum schaffen.

Ganesha räumt Hindernisse aus dem Weg

Welche Hindernisse gibt es, die dich vom regelmäßigen Üben zu Hause abhalten? Was lässt dich bei der Meditation in den eigenen vier Wänden nicht die gleiche Stille erfahren, wie im Yoga-Studio? Viele brauchen die Umgebung des Studios, um sich konzentrieren zu können. Denn in der eigenen Wohnung gibt es immer etwas, das einen ablenkt. Warum nicht jemanden einladen, der all das beiseite räumt? Denn egal, wie bescheiden der Raum in der Wohnung ist: Für einen Elefanten ist immer Platz.

Ganesha, die Gottheit mit dem gemütlichen Bauch und dem Elefantenkopf, ist weit über Indien hinaus bekannt als der, der Hindernisse aus dem Weg räumt. Wenn wir ihn mit seiner stabilen Statur und seinem starken Rüssel anschauen, bekommen wir ein inneres Bild von Kraft. Die Abbildung seiner Wesenszüge dient uns, diese Möglichkeiten in unserem eigenen Wesen zu sehen. Wenn ein Ganesha auf unserer Fensterbank – oder noch besser: auf unserem eigenen Altar – steht, dann erinnert uns diese Figur an diesen Teil unserer Persönlichkeit, der stets da ist und den wir nur aktivieren müssen. Indem wir die Yogamatte ausrollen.

Aller Anfang ist leicht – mit einem Elefanten vor Augen

Das Schmunzeln bei seinem Anblick gibt Frische und Energie. Im indischen Pantheon steht Ganesha auch für den guten Beginn aller Aktivitäten. Mit dem kurzen Mantra „Om Gam Ganapathaye Namah“ auf den Lippen erklären wir laut uns selbst gegenüber, dass wir Kraft haben. Das funktioniert auch über die Yogamatte hinaus. Ein kleiner Altar in der Ecke des Raumes, in dem wir Asanas üben, beflügelt unsere home practice.

Räucherstäbchen: Respekt vor der Schönheit der Schöpfung

Wir können diese zusätzliche Energie auch für die Geschäfte unseres Alltags nutzen. Im asiatischen Raum wedeln die Ladenbesitzer zu Beginn des Tages einige Male mit Räucherstäbchen vor der Elefantenfigur. Damit drücken sie Respekt vor der Schönheit der Schöpfung aus – und erledigen gleich nebenbei schon mal ein paar Bestellungen beim Universum.

Krishna und Lakshmi: Fülle ins Leben bringen

Menschen, denen die Dinge zufallen, können es sich leisten, großzügig zu sein. In der indischen Tradition des Sanatana Dharma gilt dieses Prinzip auch umgekehrt. Wer großzügig ist, dem fällt Wohlstand zu. Die Göttin Lakshmi und ihre männliche Entsprechung Vishnu (meist in seiner Inkarnation als Krishna) verkörpern Fülle und Fruchtbarkeit. Auf dem Altar platziert kannst du ihnen stets eine kleine Gabe schenken, eine Kerze oder eine Schale Milch – bevor die Katze sie dann schnappt und sich göttlich darüber freut. Jedes Mal, wenn du solche „rituellen“ Handlungen ausführst, hinterlassen sie einen kleinen Eindruck im Geist, der ungefähr lautet: „Ich kann es mir leisten.“ Auf diese Weise lernst du, wie viel du anderen schenken kannst. Stehen sie auf dem Hausaltar, erinnern sie dich immer wieder daran, wie zufrieden du sein kannst, und dass vielleicht sogar größere Kräfte für dich sorgen, als der Verstand zu erfassen in der Lage ist. Bhakti – die Hingabe an das Leben wächst mit jedem Gedanken an solche Energien.

Shiva Nataraj: Den Tanz des Universums tanzen

Setzt du dich in der eigenen Wohnung zur Meditation, dann gibt es unter Umständen noch einiges um dich herum, das zu erledigen wichtig scheint, und vom Stillwerden ablenkt. Ein Bild von Shiva auf dem Altar erinnert daran, dass auf dem Weg des Yoga nicht alles immer so wesentlich ist, wie es aussieht. Deshalb lieben selbst kühle Raja-Yogis die Verehrung des Göttlichen in Shiva. In seiner sitzenden Form kannst du ihn darum bitten, ablenkende Gedanken auf dem Weg in die Meditation aufzulösen. Tritt er als Nataraj – den Tanz des Universums tanzend – auf,  dann inspiriert er beim Üben der Asanas dazu, alte Ideen über die Grenzen des Körpers fallen zu lassen. Mit Shiva auf dem Altar kannst du dir erlauben, auch bisher ungewohnte Haltungen mit dem Körper einzunehmen, auf die neue Möglichkeiten des Denkens und Fühlens folgen können.

Ein Platz für die Götter

Für den Anfang brauchst du nicht viel. Eine Kiste oder sogar ein paar Kartons können für den Anfang genügen. Mit einem schönen Tuch abgedeckt wird daraus ein erhabener kleiner Altar. Dem Ausschmücken sind keine Grenzen gesetzt. Auch was du alles darauf platzierst, bleibt dir überlassen. Lasse deiner Phantasie freien Lauf, und wählen, was dich selbst berührt.

Egal, für welche Symbole oder „Begleiter“ du dich auf deinem Altar entscheidest – behandle sie so wie Gäste in deiner Wohnung. Dann fühlen sie sich bei dir auch wie zu Hause. Die Murtis – so nennt man die Figuren, die es in den verschiedensten Größen und Ausführungen zu kaufen gibt – kannst du immer so schmücken, dass alle fünf Sinne angesprochen werden. In der Bhakti-Tradition nennt man das „Aufladen“.

Schmücken für die Sinne

Der Geruchssinn wird mit einem Räucherstäbchen verwöhnt. Vielleicht auch mit ein paar frischen Blüten oder Blütenblättern, die gleichzeitig das Auge erfreuen. Eine kleine Klangschale, eine Klingel oder Zimbeln kannst du vor der Meditation nutzen, um dich über den Ton zu zentrieren, und mit dem Ausklingen des Gongs in die Stille zu gehen. Für den Geschmack stellst du frisches Obst oder ein paar Nüsse zu ihnen. Wenn vor Ganesha Süßigkeiten liegen, dann kannst du sicher sein, dass er im Raum ist. Selbstverständlich darfst du die Opfergaben, das Prasad, später auch selbst essen. Krishna-Verehrer schwenken ihre Speisen stets einige Male vor dem Altar, bevor sie diese selber kosten.

Ein Altar ist immer ein erfrischender Ort für Achtsamkeit und Besinnung. Ihn zu verschönern kann in sich selbst eine Meditation sein, die etwas Ruhe im Alltag schenkt. Dann lädt er auch zwischendurch immer wieder zum kurzen Auftanken ein.

Rituale sind ein Fest für die Sinne

Im Bhakti-Yoga nehmen Rituale wie Pujas (Opferrituale) oder Feuerzeremonien einen großen Raum ein. Obwohl sie in der Tradition der Brahmanen zu bestimmten Anlässen streng reglementiert sind, kannst du sie auch leicht in freier Form zuhause feiern. Die äußeren Tätigkeiten bei einer Puja dienen dem Anregen positiver Gedanken und Gefühle. Es geht nicht um eine formvollendete Verehrung von Stein- oder Metallfiguren, sondern darum, das Wesentliche im eigenen Herzen lebendig zu machen. Übrigens: Auch Kindern macht das oft großen Spaß. Gerade jetzt eine wunderbare Beschäftigung für Groß UND Klein.


Unser Autor Ralf Sturm arbeitet als Yoga- und Meditations-Lehrer sowie als Paar- und Sexualtherapeut. Mehr Infos über ihn gibt’s auf www.middendorf-sturm.de

Fotos: Patrick Lenninger

DIY Körperpeeling „Limette“ für samtweiche Haut

Zutaten Körperpeeling

Frisch und fruchtig

Runter mit der alten Haut! Unser selbst gemachtes Meersalz-Limetten-Körperpeeling erfrischt, belebt und pflegt – und das 100 Prozent bio und ganz ohne Plastikmüll. Die Fruchtsäure der Limette macht verhornte Stellen geschmeidig, Meersalz und Olivenöl sind die perfekte Pflege auch für unreine Haut.

Zutaten

  • ½  Tasse feinkörniges Meersalz
  • 1    Bio-Limette
  • ½  Tasse Olivenöl
  • 5    Tropfen ätherisches Zitrusfrüchte-Öl in Bioqualität
  • (z.B. Bergamotte, Grapefruit, Zitrone)

Zubereitung

Zuerst gibst du das Meersalz in eine Schüssel. Dann reibst du die Schale der Bio-Limette auf einer feinen Raspel ab und vermischt sie mit dem Meersalz. In einer separaten Schale verrührst du das Olivenöl mit dem ätherischen Öl, bevor du beides mit dem Limetten-Meersalz vermengst. In einem sauberen Schraubglas kannst du das Peeling aufbewahren.

Anwendung

Massiere das Peeling unter der Dusche auf die feuchte Haut. Da keine Konservierungsstoffe enthalten sind, solltest du das Peeling zügig aufbrauchen. Vorsicht bei empfindlicher Haut! Hier kann es zu Rötungen und Reizungen führen. Am besten vorher an einer kleinen Stelle ausprobieren.

Hier findest du noch mehr Do it yourself-Produkte.

Lendenwirbelsäule: Therapeutisches Yoga mit Dr. Ronald Steiner

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Alexy Almond via Pexels

Rückenschmerzen sind ein Problem, das viele Menschen jeden Alters betrifft. Aber das muss nicht so sein. Diese Woche zeigt der Sportmediziner und renommierte Ashtanga-Yogi Dr. Ronald Steiner therapeutische Yogasequenzen für den „Dauerbrenner“. Die Lendenwirbelsäule, alias der „untere Rücken“.

Yoga richtet uns auf allen Ebenen sprichwörtlich auf. Es verleiht zudem ein besseres Körpergefühl und innere Balance. Gerade bei Rückenschmerzen ist dieser ganzheitliche Ansatz der Schlüssel zum Erfolg. So werden körperliche Blockaden gelöst, Verkrampfungen gelockert und Muskeln gestärkt. Gleichzeitig steht aber auch die Psyche im Fokus. Was bei herkömmlichen Behandlungen häufig vernachlässigt wird.

Problemzone Rücken

Beschwerden am unteren Rücken sind weit verbreitet. Aber sie haben ganz vielfältige Ursachen. Über 90 Prozent sind dabei funktioneller Natur. Ihre Ursache liegt also in einer Dysfunktion der Lendenwirbel, Kreuzbein und Iliosakralgelenke. Das umfasst tiefe Verspannungen, aber auch chronische Verhärtungen in den Faszien. Hier finden die vorgestellten Übungen gut Anwendung. Doch auch von Veränderungen der Facettengelenken bis zu Bandscheibenvorfällen oder gebrochenen Wirbeln. Deshalb ist es wichtig, dass du nicht einfach drauflos übst. Kläre vorab mit deinem behandelnden Arzt, welche Übungen in deinem Fall und in der Situation geeignet sind. So kann die Übungsreihe ein Training für einen älteren Bandscheibenvorfall sein. Wogegen dein Rücken im akuten Stadium etwas ganz anderes braucht.

Ist diese ärztliche Abklärung erfolgt? Dann ist es wichtig, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und außerdem ein Verständnis für den Körper zu erlangen. Studien haben gezeigt, wie wirksam diese Eigenaktivität für den Heilprozess ist. Handeln statt nur behandeln.

Gesunde Unterstützung und Förderung

Ein wichtiges Kennzeichen der Yogatherapie ist es, die gesunde Funktion zu unterstützen. Das erreichen wir in der Übungsreihe durch ein Zusammenspiel von Faszientechniken, Übungen zur Lockerung und Entspannung und kräftigenden Elementen. Letztere sind allerdings für die Lendenwirbelsäule wichtig, um dieser belasteten Partie mehr Stabilität zu verleihen. Auch ein gesunder Rücken profitiert von diesem Übungskonzept. Hier heißt die Überschrift nicht „Yogatherapie“, sondern Prävention und Gesunderhaltung.

Ein Gedanke ist mir dabei wichtig. Yoga bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein. In der Lebendigkeit anzukommen. Dazu gehört es nicht nur, für die eigene Gesundheit zu arbeiten. Zum Beispiel indem du diese Sequenz dreimal pro Woche übst. Sondern auch Akzeptanz dessen, was ist. Anstatt nur die vollständige Heilung im Blick zu haben. Erforsche, was in deinem Körper vorgeht. Und damit einverstanden zu sein. Denn egal, was du beim Üben wie schnell oder vielleicht wie langsam erreichst. Du kannst sicher sein, etwas Gutes für dich zu tun.

Die Lendenwirbelsäule-Praxis findest du hier. Oder übe mit TMX meets Yoga.


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin. Außerdem zählt er zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Seine AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen Tradition und progressiver Wissenschaft. Zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung.

Brief an einen Meditationsanfänger

Du möchtest gerne alles über Meditation wissen, hast aber keinen Lehrer, den du fragen kannst? Sally Kempton erklärt dir, was du als Meditationsanfänger wissen musst.

Wenn ich dir eine Sache über Meditation erzählen müsste, wäre es das Folgende. Meditation ist dein persönliches Experiment im Versuchslabor deines Körpers und Geistes. Deine Praxis wird zwar durch Lehrer geprägt, aber am Ende entscheidest du ganz allein für dich, wie du praktizierst. Natürlich muss ein Meditationsanfänger erst einmal damit anfangen, sich das Sitzen anzugewöhnen. Diese grundlegenden Techniken helfen dir dabei, diese Disziplin zu etablieren sowie eine bequeme Haltung und den inneren Fokus zu finden, damit deine Gedanken nicht ständig abschweifen. Aber wenn du regelmäßig meditierst, verändern sich die Dinge. Du erfährst Phasen der Stille, sogar der Zufriedenheit. Meditation ist eigentlich ein natürlicher Zustand, der von selbst eintritt, wenn du ihm Zeit gibst.

Und du entdeckst einige Vorteile der Meditation. Wie sie dir hilft, bei emotionalem Aufruhr stabil zu bleiben. Oder wie kreative Problemlösungen sich von selbst ergeben, wenn ruhig bist. Du stellst fest, dass sich dein Tag selbst nach einer Meditation schöner, gelassener oder energiegeladener anfühlt. Auch wenn du sie nicht als „gut“ oder „ruhig“ empfunden hast. Einfach durch die Zeit, in der du ruhig gesessen hast. Zugleich tauchen komplexere Fragen auf. Vielleicht stößt du immer wieder an dieselben inneren Mauern und fragst dich, wie du diese überwindest. Oder du empfindest deine Praxis als Routine und fragst dich, wie du sie interessanter gestalten kannst. Fange an, mit deiner Praxis zu spielen, zu experimentieren, werde kreativ. Es ist wichtig, sich selbst die Erlaubnis dazu zu geben, um nicht irgendwann frustriert aufzugeben. Ich möchte dir deshalb einige grundlegende Methoden vorstellen, mit deren Hilfe du die beste Meditationsübung für dich finden kannst.

Mache es dir bequem

Zunächst solltest du es dir bequem machen. Solange dein Rücken gerade ist und der Brustkorb weit, geht zunächst Bequemlichkeit über Form. Unterstütze vielleicht Becken und Knie mit Hilfsmitteln. Achte darauf, dass deine Hüften höher als die Knie sind. Ist es auf dem Boden zu unbequem, dann setze dich auf einen Stuhl. Wenn aufrecht Sitzen zu anstrengend ist, lehne dich an eine Wand und stopfe Kissen dahinter. So viele, dass du eine aufrechte Haltung einnehmen kannst. Wenn du in eine wirklich tiefe Meditation gelangen willst, musst du oft 45 bis 60 Minuten sitzen, bis sich Stille einstellt. Aber die gute Nachricht ist: Eine tägliche Praxis von 20 Minuten steigert deine Konzentration, stabilisiert dein Gefühlsleben, ermöglicht dir  Kreativität und erlaubt immer längere Einblicke in die Quelle deines inneren Friedens.

Grundtechnik für Meditationsanfänger

Als nächstes wählst du eine Grundtechnik und übst diese täglich, bis sie Gewohnheit wird. Deine Grundtechnik ist das Fundament, um die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Das tägliche Üben ermöglicht den Weg zu den tieferen Schichten deines Ichs. Für Meditationseinsteiger ist es besonders wichtig, eine regelmäßige Praxis zu etablieren. Auch erfahrene Meditierende profitieren von einer Morgenroutine, die dem Geist Innenschau signalisiert. Sobald dieses Ritual ein fester Bestandteil ist, kannst mit anderen Techniken experimentieren. Immer in dem Wissen, dass du jederzeit zur Grundtechnik zurückkehren kannst. Wenn du mit dem Meditieren beginnst und keine körperlichen Beschwerden spürst, fange mit 10 Minuten an und verlängere deine Meditation täglich um eine Minute, bis du eine halbe Stunde erreicht hast. Aber wie findest du die richtige Grundtechnik?

Wenn du keinen Lehrer hast, ist es probiere verschiedene klassische Techniken aus. Nimm dir für jede Zeit, damit du dich in sie hineinfühlst und ihre Wirkung spürst. Eine Technik funktioniert, wenn du feststellst, dass sie den Meditationsfluss aktiviert. Ein Paradox der Meditation ist es, dass die Technik selbst nur Mittel zum Zweck ist. Das Ziel ist nicht, die Technik meisterhaft zu beherrschen, sondern im natürlichen Zustand der Meditation. Die meisten Grundtechniken gehören zu einer von fünf einfachen Kategorien. Achtsamkeitsmeditation, Mantra, innerer Körper, Visualisierung und Selbsterforschung.

Jede Technik schult deine Aufmerksamkeit und jede hat eine andere Wirkung auf deinen inneren Zustand. Die Techniken werden oft kombiniert, aber wenn du Meditationsanfänger bist, ist es besser, wenn du dich zunächst nur auf eine konzentrierst. Mit einer Technik sollte man ungefähr einen Monat lang arbeiten, um die Wirkung zu erfahren. Mit der Grundtechnik fokussierst du deinen Geist. Sie sollte sich angenehm anfühlen und sich deine Aufmerksamkeit so bündeln lassen, dass du in einen tieferen Bewusstseinszustand eintrittst.

Wenn du kein visueller Mensch bist, beginne nicht mit einer Visualisierungstechnik. Wenn sich eine Technik nicht wenigstens ab und zu gut anfühlt, ist sie nicht die richtige für dich und funktioniert nicht. Niemand hat ständig Freude an der Meditation. Meditation kann langweilig sein und es gibt Tage, an denen das Sitzen einfach nur anstrengend ist. Deine Praxis sollte nicht immer ermüden. Das ist ein Zeichen dafür, dass du nicht die richtige Grundtechnik gewählt hast.

So natürlich wie die Atmung

Achtsamkeit ist eine der häufigsten Methoden. Dabei ist man dem Atem, dem Körper oder der Umgebung gegenüber aufmerksam. Das Atemspüren ist die grundlegendste und natürlichste Meditationstechnik. Sobald du dem Atemfluss folgst, richtet sich deine Aufmerksamkeit nach innen. Du kannst diese Technik auch in anderen Situationen nutzen. Beobachte, wie bei der Einatmung kühle Luft an der Nasenspitze nach innen strömt. Und bei der Ausatmung warme Luft wieder nach außen. Wenn Gedanken auftauchen, vermerke diese unter „Denken“ und kehre mit der Aufmerksamkeit zur Atmung zurück. Eine weitere Möglichkeit ist das Beobachten eines Körperteils, das sich beim Atmen bewegt. Das kann der Brustkorb sein, der Beckenboden oder der Bauch. Versuchen nicht, den Atem zu lenken, sondern nimm einfach wahr, wie er sich im Körper hebt und senkt.

Das ist mein Mantra

Mantrameditation gibt dir als Meditationsanfänger einen Anhaltspunkt. Das Mantra ist ein meditativer Gedanke. Er ersetzt den normalen inneren Monolog. Das richtige Mantra ist angenehm und freundlich, sodass du mühelos nach innen sinkst. Am schönsten ein Mantra von einem Lehrer, der selbst damit geübt hat. Bestimmte Mantras besitzen aber auch ihre ganz eigene Kraft. Das bekannteste Mantra ist „Om“. Setze dich ruhig hin, atme langsam ein und denke dabei „Om“. Atme langsam aus und denke dabei „Om“. Spüre die Energie und die Vibration der Silbe und ihre Wirkung auf den Körper. Wenn andere Gedanken auftauchen, richte deine Aufmerksamkeit wieder auf das „Om“. Lass deinen Geist mit dem Mantra verschmelzen, so wie sich ein Boot von der Strömung eines Flusses davontragen lässt.

Finde deine Mitte

Eine weitere Methode, ist die Konzentration auf eines der spirituellen Zentren im Körper, wie das Herz-Zentrum oder das dritte Auge. Eine meiner liebsten Herz-fokussierten Techniken für Meditationsanfänger ist folgende.

Richte deine Aufmerksamkeit auf das Zentrum deiner Brust, tief hinter dem Brustbein. Du findest diesen Punkt, indem du fünf Finger breit unter der Lücke der Schlüsselbeine abmisst und deine Aufmerksamkeit von diesem Punkt nach innen in die Mitte richtest. Lass den Atem fließen, als ob er in die Mitte deines Brustkorbs hinein- und hinausströmt und dein Herzens berührt. Wenn du deine Aufmerksamkeit auf das Herzzentrum richtest, wähle ein Wort, um dich nach innen zu richten. Dieses Wort soll ein Gefühl von Sicherheit, Verbindung zur Liebe, oder zum inneren Selbst vermitteln. „Vertrauen“ oder „Liebe“ sind solche Worte. Denke dieses Wort bei jeder Ausatmung. Erlaube deinem Geist, ganz sanft in dein Herz zu sinken und dich dort zu verwurzeln.

Mit dem inneren Auge

Wenn du ein visueller Meditationsanfänger bist, ein visuelles Element in deiner Praxis gut. Ich empfehle oft die klassische Visualisierung, bei der du dich eine Flamme in der Mitte deines Kopfes vorstellen, hinter dem dritten Auge. Das dritte Auge (Ajna Chakra) findest du, indem du einen Finger auf die Stirn zwischen die Augenbrauen legst und deine Aufmerksamkeit von dort nach innen zur Mitte richtest. Sitze still und konzentriere dich auf das dritte Auge. Atme ein und spüre, wie der Atem in dieses Zentrum aufsteigt. Stell dir vor, dass dein Atem durch die Stirn ein- und ausströmt, als ob du dort eine Nase hätten. Visualisiere eine daumengroße, goldene Flamme in diesem Zentrum vor und imaginiere, wie der ein- und ausströmende Atem diese Flamme berührt und sie zum Leuchten bringt. Spüre die goldene Wärme.

Ein Ort jenseits der Gedanken

Shankara, einer der großen Lehrer der vedantischen Tradition, prägte die berühmte Definition vom wahren Selbst als „dem Beobachter des Geistes“. Techniken der Selbsterforschung sind vielfältig, aber das Ziel ist stets, die Aufmerksamkeit direkt auf diesen inneren Beobachter zu lenken. So gelangst du in Kontakt mit deiner eigenen, reinen Aufmerksamkeit, dem Bewusstsein und deinem wahren Ich. Beginne, indem du dich auf deinen Atemfluss konzentrieren, kühl bei der Einatmung, warm bei der Ausatmung. Wenn deine Gedanken abschweifen, frage dich, was genau in dir weiß, dass du denkst. Warte und beobachte, was als Antwort auf diese Frage auftaucht. Nach einigen Minuten sollte dir bewusst werden, dass es tatsächlich ein „Wissen“ gibt, ein unpersönliches Bewusstsein, das deine Gedanken beobachtet. Versuche, dieses Wissen, diesen Zeugen deines Geistes, präsent zu halten.

Der Umgang mit Ablenkung

Egal welche Grundtechnik du als Meditationsanfänger wählst. Du brauchst Strategien für den Umgang mit den unweigerlichen Gedanken. Am einfachsten ist es, sich immer wieder an den Fokus zu erinnern. Sobald du abschweifst, konzentriere dich wieder auf dein Mantra, deine Atmung oder eine andere Technik. Du wirst den Fokus immer wieder verlieren und sich in Gedanken oder Tagträumen verlieren. Das ist ganz normal. Erinnere dich einfach daran, was du eigentlich tun willst, und sagen zu dir selbst: „Denken“.

Routine vermeiden

Sobald du mit deiner Grundtechnik vertraut bist, kannst du anfangen, kreativ zu werden. Eine Methode, deiner Meditationspraxis eine andere Note zu verleihen, ist das Experimentieren mit spirituellen Einstellungen. Du kannst beispielsweise deine Atem-Grundtechnik mit dem Satz „Ich werde geliebt“ bereichern. Oder übe mit deinem Mantra, dich auf die Energie der Vibration konzentrieren, die das Mantra im Körper auslöst, und beobachte, wie sich deine Erfahrung vertieft, wenn du das Mantra energetisch wahrnimmst.

Wenn nicht mehr Meditationsanfänger bist, bemerkst du energetische Verschiebungen. Vielleicht wird deine Energie weicher. Oder du spürst ein Kribbeln auf der Haut. Vielleicht fühlt es sich so an, als ob sich dein Herz weitet. Oder es tauchen Farben oder Visionen von Gesichtern oder Landschaften auf. Diese energetischen Verschiebungen sind Einladungen, weiter in einen tieferen Zustand zu gelangen. Wenn solche Verschiebungen auftreten, gehe mit und lass dich mit dem Meditationsfluss zu treiben. Diese natürliche Energie bringt dich weiter als jede Technik und in den eigentlichen meditativen Zustand. Das ist der Punkt, an dem die Meditation keine Routine mehr ist, sondern zu einer kreativen und herausfordernden Form der Selbsterforschung wird.

Die Kunst des Gleichgewichts

Sobald du als Meditationsanfänger deine Grundtechnik gefestigt hast, versuche ein- oder zweimal pro Woche etwas anderes. Andere Techniken helfen dir bei der Weiterentwicklung der Teile deines Selbst, die durch deine alltägliche Praxis nicht berührt werden. Wir wissen, dass wir im Außen Balance brauchen, aber wir vergessen, dass das auch für unser Innenleben zutrifft. Wenn du bei deiner Grundtechnik übst, deinen Fokus zu halten, versuche einfach mal, ruhig und entspannt zu sitzen, ohne die Aufmerksamkeit zu fokussieren.

Wenn du mit einer Grundtechnik oder mit dem Öffnen des dritten Auges gearbeitet hast und feststellst, dass dein Herz sich verschlossen anfühlt, experimentiere du mit einer herzbasierten Technik wie einem Mantra. Meditierst du hingegen normalerweise mit einer herzbasierten, emotionsbetonten Technik, oder wenn du unbemerkt anfängst, eine erfolgreiche Meditation daran zu messen, ob du dich ständig gut fühlst, dann profitierst du eher von anderen Abwechslung. Versuche ein paar Mal pro Woche eine Technik, bei der du deinen Geist unbeteiligt beobachtest, nichts beurteilst und stets in der Rolle des Beobachters bleibst.

Dabei bleiben

Manchmal erfährst du in deiner Meditationspraxis Phasen großer Tiefe und Freude. Dann wieder fühlt sie sich langweilig an oder wie ein ewiger Kampf gegen die Gedanken. Du erlebst Wochen inneren Friedens und Wochen, in denen die Meditation Gefühle wie Trauer, Wut und Angst auslöst. Fasse den Entschluss, gegen Langeweile und Widerstand durchzuhalten, und erlebst du die Meditation als Reise durch verschiedene emotionale Schichten. Dieser Prozess gehört zur reinigenden Wirkung, da verdrängte Eigenschaften hochkommen, die du dann loslässt.

Lass diese einfach durch dich hindurchgehen, ohne festhalten oder wegdrücken. Am meisten profitiert man von Meditation, wenn man sie stets willkommen heißt. In guten und in schlechten Zeiten. Meditieren ist eine Einladung zu einer intimen Begegnung mit dem eigenen Bewusstsein und Herzen. Zugleich aber auch eine Öffnung zum Universum selbst. Der Meditierende erforscht sein inneres Selbst. Die größte Überraschung ist aber die Feststellung, dass du, wenn du dein inneres Selbst kennst, letztendlich auch das große Ganze, das unendliche universelle Selbst erfährst. Viele wissen, dass der Tropfen im Meer enthalten ist, schrieb der Dichter Kabir, aber nur wenige wissen, dass das Meer im Tropfen enthalten ist. Beginne als Meditationsanfänger du erfährst die Magie der Meditation.


Sally Kempton ist renommierte Meditationslehrerin und Buchautorin.

Playlist für dein Home-Yoga-Retreat

Nur weil wir den Yoga-Urlaub absagen mussten, heißt es nicht, dass wir ganz auf der Strecke bleiben. Diese Playlist versetzt euch gedanklich an den Ort, an dem ihr gerade sein wollt und bringt euch trotz aller Herausforderungen in den gegenwärtigen Moment. Wenn das alles vorüber ist, schätzen wir unsere Möglichkeiten zum Reisen und an Yoga-Retreats teilzunehmen umso mehr.

Das Yoga-Retreat für Daheimgebliebene 

Auch wenn so bald keine Reise geplant ist, kann die Playlist laufen und Freude bereiten. Yoga bedeutet auch, aus einer Situation das Beste zu machen und in der Gegenwart zu leben – egal wie diese gerade aussieht. Wie wäre es mit einem Yoga-Retreat für zuhause? Jivamukti-Yogalehrerin Gabriela Bozic teilt ihre ganz persönlichen Tipps, wie man ein „All Inclusive“-Kurzretreat zuhause veranstalten kann. Ob ihr eure Quarantäne-Buddies oder die Familie mit einbezieht, ist ganz euch überlassen. Vielleicht wollt ihr die Zeit ja aber auch mal für euch alleine nutzen. Und genau dafür eignet sich auch diese Playlist.

Übrigens: Vielleicht willst du uns aber auch selbst mal deine Lieblings-Playlist zusammenstellen? Dann melde dich unter redaktion@yogajournal.de, auf Facebook oder Instagram bei uns. Wir freuen uns, von dir zu hören. Mehr Playlists findest du hier.