Die Balance aus Geben und Nehmen

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Kannst du Geschenke aufrichtig und dankbar annehmen? Für unsere Philosophie-Expertin Sally Kempton ist Geben und Nehmen eine spirituelle Praxis. Mit diesem Text lädt sie dich ein, dein Herz für die Gaben des Lebens zu öffnen und eine Balance aus geben und nehmen zu schaffen.

Meine Mutter war ein sehr großzügiger Mensch, aber sie selbst konnte nie ein sinnvolles Geschenk annehmen. Jedes Jahr zu ihrem Geburtstag war es das selbe Spiel. Meine Brüder und ich hatten ihr etwas ausgesucht, von dem wir wussten, dass es ihr gefallen würde. Einen Pulli zum Beispiel, ein Schmuckstück oder einen Massage-Gutschein. Sie nahm das Geschenk und bedankte sich. Dann vergrub sie den Pulli ganz hinten in ihrem Schrank, packte das Schmuckstück weg und machte nie einen Massage-Termin aus. Ganz ähnlich war es, wenn man ihr etwas Nettes sagte. „Hör auf“, rief sie dann, „das ist doch total übertrieben!“ Wir zogen sie oft damit auf, dass sie anscheinend immer die Gebende sein musste. Gleichzeitig fanden wir es aber auch frustrierend, dass wir nie in die Balance aus geben und nehmen kamen.

Komplimente ablehnen als Form Zuneigung abzulehnen

Kürzlich wurde ich daran erinnert. Ein Freund rief an, um sich für etwas zu bedanken, das ich für ihn getan hatte, und um mir zu sagen, wie viel ihm das bedeutete. Ohne nachzudenken, entgegnete ich: „Ach was, das ist doch nicht der Rede wert. Das hätte doch jeder getan!“ Seine Antwort traf mich ins Mark: „Merkst du eigentlich, dass du gerade mein Kompliment zurückgewiesen hast? Ich wollte dir etwas Nettes sagen, aber du hast es nicht angenommen!“ Da wurde mir klar, dass ich genau wie meine Mutter reagiert hatte; ich hatte die Zuneigung eines wichtigen Menschen abprallen lassen. Aus falscher Bescheidenheit oder aus einer Art verdrehtem Stolz.

Mit diesem Erlebnis begann für mich ein längeres Nachdenken über die vielen Nuancen des Gebens und Nehmens. Dabei wurde mir klar. Die meisten Menschen haben nie gelernt, ein Geschenk wirklich und vollständig anzunehmen. Natürlich können wir alle Dankbarkeit einladen. Wir sagen viele Male am Tag „danke“, manchmal schreiben wir auch ein Kärtchen an Freunde und Lehrer, die uns geholfen oder inspiriert haben. Aber selbst wenn wir Dankbarkeit ausdrücken, haben wir häufig nicht wirklich empfangen, in uns aufgenommen und verarbeitet, was wir bekommen haben. Dieses echte, empfangende Annehmen ist Yoga!

Große Bedeutung von Achtsamkeit beim geben und nehmen

Es erfordert ein hohes Maß an Sensibilität und Achtsamkeit. Zunächst müssen wir überhaupt erkennen, dass wir beschenkt wurden, sei es nun mit einem Geburtstagsgeschenk, einem Kompliment, einer Anregung, einem hilfreichen Feedback, einer liebevollen Geste oder vielleicht einem Segen aus ganz anderen als den alltäglichen Sphären. Dann müssen wir genügend Ruhe und Offenheit in uns kultivieren, um diese Gabe wirklich in uns aufzunehmen. Weiter müssen wir sie wertschätzen. Oder zumindest die Intention des Gebenden würdigen. Und schließlich geht es darum zu spüren, dass wir diese Gabe auch verdient haben – dass sie weder zu groß ist noch zu gering. Das englische Wort „receive“ und das französische „recevoir“ stammen vom lateinischen „recipere“ ab. Das bedeutet wörtlich „zurücknehmen“. Darin klingt an, dass das, was uns gegeben wird, uns eigentlich schon gehört, dass wir es wirklich verdienen und zwar in dem Sinn, dass etwas zu uns zurückkommt und uns vervollständigt, das wir durch die Natur unseres Seins angezogen haben.

Dabei ist ganz klar. Nicht immer harmoniert die Energie eines anderen Menschen gut mit der eigenen und manche Geschenke sind mit so vielen Hintergedanken und Erwartungen verknüpft, dass sie eher Bestechungsversuchen gleichen. Deswegen ist es hilfreich, bei der Beschäftigung mit dem Thema zunächst zu ergründen, was genau hinter der Ablehnung gegenüber einem Geschenk steckt. Manchmal spricht darin tatsächlich dein unterscheidendes Bewusstsein. Es teilt dir mit, dass es nicht weise ist, dieses bestimmte Geschenk anzunehmen. Wenn zum Beispiel ein Yogalehrer von einem Schüler privat eingeladen wird, kann das durchaus doppelbödig sein. Möglicherweise will der Schüler nicht nur seine Dankbarkeit ausdrücken, sondern auch eine Sonderstellung erwerben.

Ist das Geschenk aber angemessen und aufrichtig, dann lautet die Frage eher. Kann ich es annehmen? Kann ich es wirklich verarbeiten und in mich aufnehmen? Dabei verhält es sich so ähnlich wie mit dem Verdauungssystem. Kann es die Ernährung nicht richtig umwandeln und ins System integrieren, dann fehlen wichtige Nährstoffe, ganz unabhängig davon, was und wie viel ich esse. Genauso wird man sich nie wirklich geliebt und vom Leben genährt fühlen, wenn man die Liebe und Unterstützung, die ein echtes Geschenk darstellt, nicht annehmen kann. Und wenn man diese Hinwendung seiner Mitmenschen nicht annehmen kann, dann wird es einem auch schwer fallen, die viel subtileren Hilfen anzunehmen, die uns der Kosmos bereitstellt.

Gestörter Austausch

Ein extremes Beispiel für die Unfähigkeit ein Geschenk anzunehmen – und für die Konsequenzen – wird in den Puranas erzählt, einer antiken Sammlung Weisheitstexte aus Indien. Durvasa, ein recht reizbarer Heiliger, findet eine Girlande, in der er die Verkörperung des Glücks erkennt. Als er die Girlande dem Gott Indra schenkt, hängt der sie achtlos seinem Elefanten um. Durvasa fühlt sich von Indras Unfähigkeit, seine Gabe angemessen anzunehmen, so beleidigt, dass er erklärt, fortan würde das Glück aus Indras Welt verschwinden. Und genau so geschieht es. Damit am Ende wieder alles gut wird, sind übermenschliche Anstrengungen verschiedener Götter und Titanen nötig.

Dabei ist Durvasa nicht einfach überempfindlich, in seiner Reaktion spiegelt sich vielmehr eine Wirkweise des Kosmos. Eine der wichtigsten Weisheiten der Veden besteht darin, dass alles Leben auf Austausch beruht, auf einer dynamischen Beziehung von Geben und Nehmen. Auch die Bhagavad Gita die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Mensch, Natur und der unsichtbaren Welt des Geistes mit dem Bild des kosmischen Opfers. Die Erde empfängt das Geschenk des Regens und die Pflanzen können wachsen. Feuchtigkeit steigt aus der Erde auf und wird wieder von der Atmosphäre aufgenommen. Genauso empfangen wir Menschen vielfältige Gaben von der Erde, von unseren Eltern, Vorfahren und Mitmenschen. Wir tragen diese Gaben in uns, aber mit ihnen auch die unausgesprochene Verpflichtung, etwas davon zurückzugeben. Etwa indem wir anderen materiell oder auf energetischer Ebene weiterhelfen oder indem wir unsere eigenen Gaben und Fähigkeiten mit ihnen teilen.

Werden unsere Gaben nicht angenommen, ist die kosmische Dynamik des Austauschs gestört. Wir werden unsere Gaben nicht los und können unsere Verpflichtung nicht erfüllen. Ohne einen aufnahmefähigen Schüler kann kein Lehrer sein Wissen weitergeben, ohne einen bedürftigen Empfänger ist die großzügige Spende des Mäzens sinnlos. Jede nicht angenommene Gabe ist so fruchtlos wie ein Samen, der nicht aufgeht und gedeiht. Das kann man selbst auf einer ganz subtilen Ebene noch spüren. Dann fragt man sich vielleicht, ob etwas mit dem Geschenk nicht gestimmt hat. Man fühlt sich frustriert oder gekränkt. Feinfühlige Menschen nehmen den Widerstand einer Person, eine Gabe anzunehmen, wie eine trennende Wand zwischen sich und diesem Menschen wahr.

Was macht es so schwer?

Es gibt viele Gründe dafür, warum man ein Geschenk, eine Gefälligkeit oder ein Kompliment nicht annehmen kann. Das reicht von Schuldgefühlen und Unsicherheit („Ich hab es nicht verdient“) über ein Gefühl der Überheblichkeit („Was soll daran besonders sein?“) bis hin zu der Angst, man habe nicht die Mittel, diese Zuwendung angemessen zu erwidern. Oder dem nagenden Verdacht, sie sei mit Hintergedanken verbunden. Ein weiterer Grund ist ein unterbewusstes Gefühl der Unterlegenheit. In unserer Kultur wird uns vermittelt, der Gebende sei in einer Machtposition, während der Nehmende stillschweigend eingesteht, bedürftig zu sein. Selbst wenn wir das tatsächlich sogar sind, wird sich das als Anschlag auf das Ego gesehen und häufig wehrt es sich gegen dieses unangenehme Gefühl und damit gegen die Balance aus geben und nehmen.

Eines der größten Probleme mit dem Nehmen hat mit einem Phänomen zu tun, das ich gerne „Die Löcher im Eimer“ nenne. Wenn man Wasser in einen löchrigen Eimer füllt, wird es zwangsläufig herauslaufen. Genauso verhält es sich, wenn man sich chronisch bedürftig fühlt oder wenn man das, was man hat, nicht richtig würdigt. Dann fällt es grundsätzlich schwer, sich an den Gaben zu freuen. Wir mögen uns verzweifelt danach sehnen, dass uns jemand liebt, mit einem aufmerksamen Geschenk bedenkt oder eine helfende Hand ausstreckt. Die Liebe und Hilfe, die uns begegnen, scheinen nie genug oder nie ganz richtig zu sein. Jemand lobt mich dafür, schlau zu sein, und ich frage mich, warum er nicht bemerkt, dass ich gut aussehe. Mein Liebster schenkt mir ein Buch und ich bin enttäuscht, dass er nicht weiß, dass ich mir einen Pulli gewünscht hätte. Was also können wir tun, um das echte, vollständige geben und nehmen zu lernen?

1. Präsenz kultivieren

Wenn man sich gehetzt, zerstreut oder sorgenvoll fühlt, wird es viel schwieriger, ein Geschenk voll und ganz anzunehmen. Deswegen ist es hilfreich, sich zunächst seinen Geisteszustand bewusst zu machen, wenn jemand einem etwas schenkt. Sei es nun ein freundliches Wort, ein Gefallen oder ein Weihnachtsgeschenk. Stell dabei fest, dass du dich zerstreut fühlst, einen inneren Widerstand hast oder keine Verbindung zum Gebenden spüren können, dann kann eine einfache Yogatechnik dir helfen, die Energie auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Atme tief ein und spüre, wo im Körper der Atem ankommt. Nimm wahr, wie der Atem deinen inneren Körper berührt. Ein anderer Weg, Präsenz zu kultivieren, ist die Arbeit mit den folgenden fünf Sätzen:

„Dies ist die richtige Zeit. Genau jetzt. Dies ist der richtige Ort. Genau hier. Dies ist der richtige Mensch. Dies ist das richtige Geschenk. Ich bin der richtige Mensch, um es zu empfangen.“

Die ersten drei Sätze helfen dir, im gegenwärtigen Moment anzukommen. Die letzen beiden erleichtern es, ein inneres Umfeld zu schaffen, in dem du das Geschenk mit aufrichtiger Würdigung annehmen kannst.

2. Wertungen vermeiden

Wenn einem jemand etwas schenkt, geschieht es häufig, dass der Geist wertet, abwägt und das Geschenk für gut oder schlecht befindet, bevor man es überhaupt angenommen hat. Genau wie der Gott Indra mit der Glücksgirlande. Oder wie meine Freundin Ellen kürzlich, als ihr Freund an ihrem Geburtstag den Abwasch für sie machte. Für ihn war das eine liebevoll gemeinte Geste. Ihre Reaktion aber war: „Danke, aber ich finde eigentlich, das solltest du immer tun, wenn ich für dich koche!“ Woraufhin das Paar begann zu streiten, statt den Geburtstag zu feiern…

Wenn dir also das nächste Mal etwas offeriert wird, das auf den ersten Blick vielleicht nicht perfekt erscheint, dann widerstehe dem Drang, darüber nachzudenken, was du vielleicht lieber bekommen hättest. Unterdrücke den Impuls, eine Bemerkung zu machen à la: „Du weißt eben nie, was ich mir wirklich wünsche.“ Versuche statt dessen, die liebevolle Absicht des Gebenden zu sehen.

3. Geschenke als Botschaften sehen

Das Sanskrit-Wort „Prasad“ kennst du vielleicht im Zusammenhang mit einer meist süßen Opferspeise, die einem hinduistischen Gott dargebracht und anschließend unter den Anwesenden verteilt wird. In Indien versteht man darunter alles, was einem von einem als heilig angesehenen Menschen geschenkt wird. Als ich in Indien bei meinem Guru lebte, schenkte er uns Schülern häufig Dinge, manchmal das absurdeste Zeug, aber wir empfingen seine Geschenke immer in großer Dankbarkeit, weil wir in ihnen seinen Segen erkannten. Einmal überreichte er mir ein paar riesige himmelblaue Schaumstoffpantoffeln mit gelber Sohle. Sie sahen nicht nur absolut lächerlich aus, sie waren mir auch viel zu groß. Trotzdem kam es mir nicht in den Sinn, mich zu fragen, was er damit bezweckte, mir so etwas Albernes zu schenken, denn ich spürte, dass alle seine Geschenke von seiner einzigartigen spirituellen Energie erfüllt waren.

Wenn dir Freunde oder Verwandte zum Geburtstag Geschenke machen, dann versuche folgende Übung. Nimm dir einen Moment Zeit, um sich die Güte des Gebenden bewusst zu machen, vielleicht sogar so etwas wie seinen heiligen, göttlichen Kern. Überlege, ob und in welcher Weise dieser Mensch ein Lehrer, eine Art Guru, für dich sein könnte. Beides kann helfen, das Geschenk auf eine andere Weise wahrzunehmen, nämlich als Prasad, erfüllt mit der Kraft eines Segens. 

4. Sich bewusst öffnen

Annehmen und empfangen ist eine spirituelle Praxis – eine Art Yoga. Dieses Verständnis ist vor allem dann wichtig, wenn das Geschenk, das du dir wünschst, in etwas so Subtilem besteht wie Weisheit, Liebe, der Hilfe eines Menschen oder gar Unterstützung aus der göttlichen Sphäre. Manchmal macht es einen riesigen Unterschied, sich bewusst zu öffnen und bereit zu machen für diese Liebe. Es hilft, nicht nur die Zuwendungen anderer Menschen anzunehmen, sondern zugleich auch die Gnade, die in ihnen liegt, also die wohltuende Energie, die durch das Universum fließt.

Diese Empfänglichkeit kann man üben: Nimm dir einen Moment Zeit und schließe die Augen. Einatmend stellst du dir vor, die subtile Energie, Zärtlichkeit und Gnade des Universums in sich aufzunehmen. Vielleicht visualisierst du dein Herz dabei als einen weit geöffneten Trichter, durch den Liebe und Kraft in dich hineinfließen kann. Versuche nicht, diese Energie willentlich anzuziehen, eher öffnest du dich und dein Herz und erlaubst ihr, von alleine zu kommen.

Geschenke des Alltags

Die Kraft dieser einfachen, aber effektiven Übungen liegt darin, dass sie mit der Zeit in dein Wesen einsickern. Indem du deine Fähigkeit verbesserst, vollständig und aufrichtig zu nehmen, wirst du immer deutlicher wahrnehmen, wie viele Geschenke du andauernd bekommst. Der Wind in den Bäumen, das Lächeln eines Fremden, der freudig wedelnde Schwanz eines Hundes. Alles kann sich anfühlen wie von Zuneigung erfüllte Gaben, Geschenke der Schönheit und Weisheit. Was auch immer du dann zurückgibst, wird Teil des selben Tanzes, des Tanzes von Geben und Nehmen, in dem wir alle Tanzpartner sind.


Wenn Sally Kempton nicht gerade über die Balance aus geben und nehmen schreibt, ist sie eine international anerkannte Lehrerin für Meditation und Yogaphilosophie und Autorin zahlreicher Bücher. „Meditation. Das Tor zum Herzen öffnen“ gibt es auch auf Deutsch.

Braucht man eine Morgenroutine? Warum sie jetzt besonders wichtig ist

Morgenroutine Morgenritual

Gerade jetzt ist das Bedürfnis groß, die Zeit zu Hause sinnvoll zu nutzen. Dabei sollten wir unseren Fokus von Außen nach Innen verschieben. Und wie können wir uns selbst und unserer Seele am besten näher kommen? Zum Beispiel durch eine Morgenroutine. Es dauert zwar, bis du gefunden hat, was dir gut tut, aber es lohnt sich. Und zum Glück mangelt es uns gerade nicht an Zeit, das (endlich) zu machen.

Vielleicht geht es dir wie vielen anderen: Du hast schon einmal eine Morgenroutine für dich getestet. Nach kurzer Zeit haben aber Disziplin und Motivation abgenommen und jetzt stehst du dem Thema eher kritisch gegenüber. So ging es mir selbst auch. Aber gerade in dieser Zeit, in der unser Alltag vollkommen auf den Kopf gestellt ist, gibt mir meine (Morgen-)Routine den nötigen Halt. Die Sicherheit in mir selbst, bevor die ganze Nachrichtenflut zu Corona auf mich einprasselt. Ich will dich heute auf die Reise mitnehmen, wie auch du dem Konzept „Morgenroutine“ wieder eine neue Chance geben kannst.

Fülle der Möglichkeiten

Wenn du brainstormst, was alles Teil einer Morgenroutine sein könnte, dann wirst du wahrscheinlich nicht fertig werden. Erst einmal natürlich Meditation und Yoga oder anderer Sport. Aber da stellen sich schon die ersten Fragen: Welche aller Meditationsformen ist die beste? Sollte man es beim Yoga morgens lieber schnell oder langsam angehen? Dann auch noch: Journaling und Visualisierung. Vielleicht Mantra rezitieren oder Räuchern. Lesen wäre auch noch ganz schön, am Besten wie auf diesen ganzen Bildern mit einem frisch gepressten Green Juice und einem gaaanz gesunden ayurvedischen Porridge. Kann ich vielleicht etwas Kreatives wie Malen oder intuitives Tanzen auch noch unterbringen? 

Wenn wir mal ganz ehrlich sind: Wahrscheinlich kannst du das nicht. Denn dann bräuchtest du den ganzen Tag für deine Morgenroutine und so wirst du sie nicht beibehalten. Ich rate dir das Folgende, wenn du dich an diesem Punkt der Überforderung befindest. Träume erstmal groß: Mach dir eine Liste mit allem, was du machen würdest, wenn du wirklich den ganzen Tag Zeit hättest. Schreibe vor allem Sachen auf, die dir der Erfahrung nach besonders gut tun. Die du dir vielleicht an einem ganz freien Sonntag mal gönnst. Liste aber auch Dinge auf, die du schon immer mal ausprobieren wolltest. 

Try and error

Wenn deine Liste steht, dann ist die Probephase angesagt. Nimm dir eine oder zwei Wochen Zeit, in denen du all diese Träume mal verwirklichst. Such dir jeden Tag eine oder zwei der Aktivitäten aus und teste sie als Morgenroutine. Wenn es sein muss, plane sie in deinen Kalender als To-Do ein. Schreib dir danach auf die Mindmap mit den gesammelten Aktivitäten in ein oder zwei Sätzen, wie dir die jeweilige Aktivität gefallen hat.

Mit der Zeit hat sich so für mich ganz klar herauskristallisiert, was ich brauche, um meinen persönlichen perfekten Tag zu erleben. Meditation, Journaling und Yoga. Diese drei Dinge sind meine Essentials. Alles andere ist optional. Lies dir durch, wie dir in den letzten Wochen die einzelnen Aktivitäten gefallen haben. So kannst du deine wichtigsten Morgenrituale finden. Umkreise sie auf deiner Mindmap und schreibe dir dazu, wie viel Zeit du idealerweise für jede Aktivität brauchst. Wenn du deine Lieblingsaktivitäten gefunden hast, dann geht es in die nächste Phase, an die Umsetzung.

Das Ding mit der Zeit

Wahrscheinlich hast du in der Testphase (wieder) gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, dir die Zeit für deine Morgenroutine zu nehmen. Umso wichtiger ist es, dass du es trotzdem machst. Schaue realistisch auf deinen Alltag. Wie viel Zeit ist morgens wirklich? Welche andere Aktivität muss dafür weichen? Ich habe die Zeit ohne Achtsamkeit am Handy verkürzt. Wann willst du nach erholsamem Schlaf aufstehen? (Übrigens ist auch jetzt in der Selbstquarantäne ein möglichst gleichmäßiger Schlafrhythmus besonders wichtig.)

Und es ist mehr als in Ordnung, wenn du nicht jeden Tag um fünf Uhr morgens freudestrahlend aus dem Bett aufspringen kannst oder willst. Lege fest was für dich passt, und schreibe dir dann ein strenges Drehbuch. Das ist wichtig für die erste Zeit der Umsetzung. Und auch, damit du den Zeitplan einhältst und nicht zu lange brauchst. Eine Möglichkeit wäre:

  • 7:00 aufstehen, direkt ins Bad
  • 7:15 Meditieren
  • 7:25 Kaffee aufsetzen, kurzes Dehnen
  • 7:40 Frühstück mit einem Buch in der Hand, immer noch kein Handy! 
  • 8:00 fertig

Angepasst an DEINE Bedürfnisse

Da ich auch nicht bereit bin, zu einer für mich unerträglichen Zeit aufzustehen, habe ich manche der Routinen auf Abends verschoben. Hier ist allerdings die Gefahr, dass man sich sagt: Es bringt mir doch mehr, wenn ich direkt ins Bett gehe. Ich finde es aber sehr hilfreich, vor dem Schlafen Yoga und Journaling zu machen, weil ich dann auch die letzte Zeit des Tages ohne das Handy verbringen kann. Dabei kann ich die Routinen so lange machen, wie es sich gerade gut anfühlt, ohne dass wie morgens noch eine ganze To-Do-Liste auf mich wartet.

Informiere auch deinen Partner, deine Mitbewohner oder deine Familie über dein Vorhaben. (Motiviere vielleicht auch sie für mehr Achtsamkeit im Familienalltag.) Erkläre ihnen deine neue Routine und gib ihnen auch die Erlaubnis, dass sie dich an deine Routine erinnern, wenn du sie mal vernachlässigst. Das ist nicht als nervige Kontrolle gemeint, sondern nur als Stütze für dein eigenes Wohlergehen. Wenn du alleine lebst, dann sind deine To-Do Liste und dein Wecker deine Versicherung, dass du dir selbst treu bleibst.

Kein Platz für Perfektionismus

Ein weiteres Problem an den meisten Morgenroutinen ist das Ziel, dass alles möglichst spirituell und tiefgründig sein muss. Nach dem Motto: eine Stunde Meditation, oder eine aufwendige Yogapraxis? Oder ist es doch besser, morgens direkt in der Bhagavad Gita zu lesen? Manchmal kann das Wirkungsvollste sein, das Handy erst nach dem Frühstück einzuschalten. Wir haben für dich beispielsweise hier 4 Morgenrituale für mehr Energie gesammelt, die ganz einfach umzusetzen sind.

Titelfoto: Cottonbro via Pexels

Aber auch bei vorgefertigten Morgenroutinen ist es entscheidend, dass du sie nicht einfach übernimmst, sondern du diese für dich anpasst. Weder die Spiritualität noch totale Einfachheit sind unabdingbar. Denn da die Morgenroutine ganz einfach nur für dein Wohlbefinden gedacht ist, hat Perfektionismus hier nichts verloren. Du machst deine Morgenroutine nämlich nicht, um sie auf Instagram zu posten. Natürlich kannst du das machen. Aber einem perfekten Bild hinterher zu jagen ist nicht das Ziel. Vielleicht brauchen wir bei all den unrealistischen Erwartungen, die mit dem Wort „Morgenroutine“ verbunden sind, ein neues Wort, das nicht damit belastet ist. So wie: Zeit für mich. Echt statt perfekt.

Wie viel Disziplin ist gesund?

Was ist allerdings, wenn du diese Zeit für dich mal verpasst? Wenn die Kinder schon quengelnd vor der Tür stehen, bevor du das Bett verlassen hast? Wenn du mal krank bist und anstatt deiner Morgenroutine beim Arzt anrufen musst? Dann machst du eben am nächsten Tag wieder weiter. Ich habe mir selbst die Regel gesetzt, dass ich mich auf keinen Fall zwei Tage hintereinander selbst so vernachlässige. Denn wenn man schon mal zwei Tage ausgesetzt hat, dann wird daraus schnell eine Gewohnheit. Aber verurteile dich nicht, wenn du es aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft hat. Denn wenn du dich selbst nur dazu zwingst und für das Aussetzen verurteilst, dann ist die Einstellung dazu alles andere als positiv. 

Achte auf dich und deine Bedürfnisse. Dann ist alles in Ordnung. Auch, wenn wieder Zeit fürs Reisen ist und du dann deine Routine verkürzt. Oder wenn du deine Routine regelmäßig veränderst und anpasst. Solange es gut für dich ist.

Wie kannst du deinen Alltag während der aktuellen Krise noch verbessern und vereinfachen? Beispielsweise mit Coronamalismus.

Yoga-Porträts von Robert Sturman: „Die Essenz von Namasté“

Yoga Gefängnis Robert Sturman
Yoga Gefängnis Robert Sturman

Robert Sturman ist Yogafotograf. Seine Porträts zeigen tiefe Menschlichkeit – egal ob auf den Straßen Afrikas, im Gefängnis, in der Covid-19 Notaufnahme oder in freier Natur. Der Kalifornier zeigt uns ein paar seiner Werke und erzählt, warum verurteilte Straftäter ihn zu einem besseren Leben inspirieren.

Titelbild: Prison Yoga/ Veracruz, Mexico

Robert, ich habe eine Geschichte über dich gehört: Als du noch ein kleiner Junge warst, sagte dir ein eigentlich fremder Mann: „Der Sinn des Lebens ist das Glück“. Würdest du dich heute als glücklich bezeichnen?

Ich erlebe täglich viele Glücksmomente und die haben oft damit zu tun, dass mich das Leben an sich einfach fasziniert. Ja ich würde mich als glücklich bezeichnen, wobei ich es mir auch erlaube die traurigen Momente des Lebens zu fühlen. Und genau darin liegt denke ich der Grund meines Glücks – alles im Leben ohne Ablehnung anzunehmen. Traurigkeit und Glück gehören zum Leben dazu und nur wenn wir diese Gefühle zulassen, dann entsteht dadurch dieses besondere Glücksgefühl.

Robert Sturman
Emergency Room / First Responder / Suicide Assessment and Prevention / Covid19

Du hast mit dem Fotografieren begonnen, nachdem dein Vater dir als Jugendlicher deine erste Kamera schenkte. Damals gab er dir einen Tipp: „Fotografiere einfach das, was du liebst.“ Dieser Ratschlag hat dich bis heute begleitet oder?

Du kannst deinen gesamtes Wissen aus Büchern oder dem Internet holen. Aber du wirst dadurch nichts über Liebe, Aufrichtigkeit, Leidenschaft oder die Lust am Leben erfahren. Was mich bei meiner Arbeit antreibt, sind Momente die auf einem Gefühl von Liebe basieren. Du kannst die beste Kamera der Welt haben, aber das menschliche Herz ist mit Abstand das ausgeklügeltste Instrument. Ich folge einfach meinem Herzen, alles ist im Fluß und wird nie langweilig.

Robert Sturman
Venice Beach, California / Pictured: Steven Madeiros 

Denkst du, dass die Fotografie deine Sicht auf die Welt und die Menschen darin verändert hat?  

Durch das Fotografieren habe ich gelernt aufmerksam zu sein. Die Kamera hilft uns nicht nur starke und poetische Bilder zu machen, sie inspiriert uns dazu, unseren Fokus auf andere Menschen zu richten und ihnen so zu zeigen, dass sie dazu gehören. Den Blick auf andere Menschen zu richten, hat etwas sehr heilsames. Das habe ich während meiner Arbeit im Gefängnis gelernt. Die Leute die ich dort fotografierte haben die Bilder nie gesehen, sie haben nie danach gefragt. Aber sie fühlten sich gesehen. Die simple Tatsache, dass sich da jemand für sie interessierte, war wie ein Geschenk für sie. Das ist das Wertvollste überhaupt – zuhören, sich kümmern, sich sorgen. Dieses grundlegende menschliche Bedürfnis tragen alle Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, in sich. Egal ob es sich dabei um ein Cover-Shooting handelt oder um die Arbeit mit lebenslang Inhaftierten. Jeder begann von Innen heraus zu strahlen: Das ist die Essenz von Namasté.

Robert Sturman
Sedona, Arizona / Pictured: Lauren Jacobs

Wie hat Yoga dich eigentlich gefunden?

Ich bin in Los Angeles aufgewachsen. Yoga war schon immer da. Ich hab hier und da geübt und hatte eine eher lockere Beziehung dazu. Aber so richtig geklickt hat es erst als ich mich entschloss, mein Künstlerdasein neu zu definieren. Eines Tages, so ungefähr vor 20 Jahren, saß ich in einem Museum in Italien. Ich schaute mir die Exponate in einem bestimmten Raum an und plötzlich fiel mir auf, dass viele meiner Künstler-Vorbilder ebenfalls in diesem Raum waren. Ich habe über ihre Lebensgeschichte nachgedacht. Sehr viele dieser Künstler führten ein destruktives Leben, voller Verzweiflung. Manche haben sich sogar umgebracht. Irgendwie machte das keinen Sinn – ihre Werke wurden hier von den Massen gefeiert und quasi unantastbar in unendlich wertvollen Gebäuden streng bewacht. Ich fragte mich, warum sie sich nicht um ihr Leben geschert haben? Sich nicht so um sich gesorgt, wie sich jetzt um ihre Kunstwerke gekümmert wird? Und das war der Moment, in dem Yoga mich gefunden hat. Ich traf die Entscheidung, die Geschichte eines Künstlers neu zu schreiben und erstmal mein Leben als Kunstwerk zu betrachten. Dann kann auch Kreativität und alles was dazu gehört fließen.

Carrie Janell: The J Paul Getty Museum of Art
The Getty Museum: Los Angeles, California / Pictured: Carrie Janell

Während du die Welt bereist machst du Fotos von Kindern, Soldaten, Gefängnis-Insassen oder Lehrern. Du porträtierst Männer und Frauen aus allen Berufs- und Bildungsschichten, mit dem gemeinsamen Nenner Yoga. Was denkst du, woran liegt es, dass Yoga alle zusammenbringt? Vielleicht weil das Herz dabei eine größere Rolle spielt als der Verstand?

Ich denke der Grund ist, dass Menschen mit Yoga beginnen um ihre Lebensqualität zu verbessern. Und die Intention dafür kommt aus dem Herzen, da die Asanas uns dazu bringen in unserem Herzen zu sein.

Irene Auma - Nairobi, Kenya (1)
Nairobi, Kenya / Pictured: Irene Auma

Deine Arbeiten zeigen, dass wir Schönheit, Achtsamkeit und Anmut an jedem Ort, in jedem Menschen und in jeder Seele finden können – sogar in der Zelle eines verurteilten Straftäter. Was glaubst du woran liegt das? An den Menschen oder an Yoga?

Ich glaube nicht, dass es an Yoga liegt. Ich glaube es liegt an einer Art inneren Sehnsucht und der Aufrichtigkeit der Menschen. Für mich als Künstler bietet die Bildsprache des Yoga die Möglichkeit, diese bemerkenswerte Geschichte zu erzählen: Menschen auf der ganzen Welt, die runterkommen, sich einen Moment Zeit nehmen, ihre Herzen öffnen und in Richtung Himmel strecken, ihren Blick nach Innen richten und nach etwas Ungreifbarem suchen. Das ist doch wirklich außergewöhnlich. 

Yoga Foto Strand
Kailua, Hawaii / Pictured: Jennifer Clarke

Für viele Menschen hat die eigene Yogapraxis etwas sehr Persönliches. Wenn man deine Bilder sieht, spürt man aber eine intime Verbindung zwischen dir und den Menschen vor der Kamera. Kannst du beschreiben, wie dieser besondere Moment entsteht?

Das ist eine wunderbare Frage. Ich erreiche das, in dem ich einfühlsam bin, wirklich interessiert. In dem ich den Menschen mit dem ich arbeite wirklich wahrnehme – die Kamera ist dabei eigentlich nur eine Art Ausrede, damit ich genau das tun kann. Es geht darum zuzuhören und Anerkennung zu schenken, egal ob man Fotos macht oder nicht. Wenn uns die Menschen um uns herum wirklich wichtig sind, dann schafft das Verbindung. Und das ist die geheime Zutat für den künstlerischen Schaffensprozess und nichts hilft uns dabei so sehr wie unser Herz.

Foto Yoga Robert Sturman
Southern California / Pictured: Sarah Llewellyn 

Verändert sich die Bedeutung von Yoga, wenn man es in einem Gefängnis, einer Schule in Afrika, in der freien Natur oder auf der Straße praktiziert?

Ich glaube im Gefängnis bekommt die Praxis noch mehr Bedeutung als überall sonst. Die Insassen dürfen einmal pro Woche eine Stunde Yoga machen und jedes Mal spüre ich wie viel diese Stunde allen bedeutet, die dann ihre Matte ausrollen. Es ist wirklich schön. Es berührt mein Herz. Es bringt mich dazu, für das was ich habe dankbar zu sein und all die Momente, in denen ich üben kann wertzuschätzen. Man könnte sogar sagen, dass ich die Menschen mit denen ich in den Gefängnissen zusammen arbeite als Lehrer betrachte. Sie inspirieren mich dazu, ein besserer Mensch zu sein.

Isaac Mukwaya: Nairobi, Kenya
Nairobi, Kenya / Pictured: Isaac Mukwaya

Dann hat deine Arbeit also Einfluss auf deine eigene Praxis?

Ja! Ich sehe immer wieder Menschen, die sich bemühen, die beste Version ihrer Selbst zu sein. Das inspiriert mein gesamtes Leben, auf und abseits der Matte.


Tao Porchon Lynch gemeinsam mit Robert Sturman
Fotograf Robert Sturman mit der im Februar 2020 verstorbenen Tao Porchon Lynch / Fotocredit: Joyce Pines

Mehr Info zu Robert Sturman auf robertsturmanstudio.com oder Instagram.

Bananenbrot Rezept: Gesund und vegan

Spätestens seit der Debatte darum, ob Veganer die besseren Yogis sind, ist es nicht nur bei Veganern, sondern auch bei Yogis immer beliebt. Veganes Bananenbrot ist nicht nur lecker, sondern es wird nicht durch Zucker süß. Dies übernehmen Bananen und Datteln. 

Trockene Zutaten

  • 2 Tassen Mehl: Hiebei kannst du sowohl Dinkel-Vollkorn als auch Mandelmehl oder ein anderes glutenfreies Mehl verwenden. Probiere auch gerne, welche Mischung von Mehlsorten dir am besten schmeckt. Denn sie können auch gerne gemischt werden.
  • 2 TL Weinstein-Backpulver
  • 2 TL Leinsamen geschrotet oder nicht geschrotet, du entscheidest
  • 1-2 TL Zimt

Weitere Zutaten

  • 3-4 überreife Bananen
  • 8-10 Datteln, mit dem Mixer zerkleinert
  • 2 EL Kokosöl, flüssig durch Erhitzen

Zubereitung für veganes Bananenbrot

Heize den Backofen auf 150°C vor (Ober-und Unterhitze). Mische zunächst alle trockenen Zutaten, das Mehl, Backpulver, Leinsamen, Zimt und eine Prise Salz zusammen. Püriere in einer anderen Schüssel die Bananen und gib die Datteln und das Kokosöl hinzu.

Nun kannst du das Mehl-Geschmisch mit dem feuchten Bananen-Mousse zu einem glatten Teig vermengen und in einer mit Kokosfett ausgestrichenen Backform verteilen. Das ganze muss etwa 45 bis 55 Minuten backen. Fertig ist die gesunde Schlemmerei!

Am besten schmeckt das Bananenbrot warm. Röste oder toaste es mit etwas Kokosöl.


Du kochst oder backst gerne und freust dich über neue Rezept-Ideen? Dann schau doch mal hier vorbei. Viele unserer Rezepte sind vegan oder stammen von unserem Ayurveda-Experten Volker Mehl. Wenn du unsere Rezepte nachkochst, dann tagge gerne unseren Instagram-Account YogaWorld108 auf deinen Posts oder Stories. Übrigens: folgst du uns dort schon?

Lernen von den Göttern: Der Moment der Stille

Foto von Taryn Elliott von Pexels

Wie oft rennen wir hektisch von A nach B, um Antworten auf Fragen zu finden, die uns bedrücken? Dabei wäre es manchmal besser, einfach den Moment der Stille zu suchen.

Eins ist klar: Mit Yoga bekommen wir einen bunten Strauß an Möglichkeiten, um mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können. Was weniger klar ist: Wann benutzen wir diese Werkzeuge aktiv? Und wann ist es angebracht, für einen Moment alles fallen zu lassen und gar nichts zu tun? Ich finde mich manchmal in Situationen wieder, in denen ich Bücher wälze, Meinungen von Experten sammle und trotzdem nicht vorankomme. Je mehr Optionen ich habe, desto enger fühle ich mich. Der Druck steigt. Das Problem scheint unlösbar zu werden und ich sehe kein Land mehr.

Auch Götter haben Probleme

Den Göttern geht es nicht unbedingt besser. Die tief unter der Erde schlummernden Dämonen finden immer wieder einen Weg nach oben, wo sie das Götterreich terrorisieren. Genau wie negative Gedanken in uns das tun. In der Shiva Purana wird die Geschichte von drei fliegenden Festungen aus Gold, Silber und Eisen erzählt, mit denen die Dämonen durch die Welt fliegen und aus denen heraus sie die Götter immer wieder angreifen. Vom Göttervater Brahma selbst hatten sie einen besonderen Segen erhalten. Sie sollen nur dann untergehen können, wenn alle drei Festungen gleichzeitig von einem einzigen Pfeil getroffen werden. So geschützt sind sie selbst von den Göttern kaum zu besiegen.

Die Frage liegt nahe: Warum sind die Götter den Dämonen gegenüber zunächst so großzügig? Die simple Antwort lautet: Weil wir Menschen es mit unseren negativen Gedanken auch sind. Je öfter wir uns erlauben, unser Handeln in Frage zu stellen, desto mehr gewöhnen wir uns an diese Haltung der Unsicherheit. Je stärker wir an unseren Möglichkeiten zweifeln, desto starrer werden wir in unseren Bewegungen. Es wird von Tag zu Tag schwerer, aus dem selbst erbauten Käfig auszubrechen.

Die drei Festungen der Dämonen sind Metaphern für die Welt, mit der wir täglich zu tun haben. Die erste steht für das „Ich“: unseren Körper und Geist. Die zweite symbolisiert all das, was „mein“ ist: unser Besitz, unsere Familie, unser Status. Die dritte repräsentiert alles, was „nicht mein“ ist und offensichtlich außerhalb unserer Kontrolle liegt. Aber auch über das Ich und unseren Besitz können wir nicht immer frei bestimmen. Wir werden unverhofft krank oder verlieren lieb gewordene Dinge oder Menschen. Doch wir versuchen stets, uns auf allen Ebenen so zu verhalten, dass wir Verluste vermeiden und mehr davon bekommen, was uns gut zu tun scheint. Da die Welt immer komplexer wird, müssen wir viele Variablen berücksichtigen, wenn wir alles richtig machen wollen.

Es ist schwer, perfekt zu sein. Deshalb sind die Festungen der Dämonen nahezu unzerstörbar. Die Götter versuchen es trotzdem. Aus der Erde wird ein großer Streitwagen gebaut, Sonne und Mond sind seine Räder. Vishnu selbst wird der Pfeil sein, den Shiva im richtigen Moment auf die drei Festungen schießen soll. Doch als der Moment des Angriffs kommt und alle Götter aufgeregt hoffen, dass Shiva den Sieg erringen möge, greift dieser nicht zum Bogen. Er lächelt einfach nur. Der Moment der Stille. Im selben Moment fangen die Festungen an zu brennen. Sie lösen sich in Flammen auf. Allein Shivas Lächeln hat ihrer Existenz ein Ende gesetzt.

Der Moment der Stille

Auch uns kann solch ein Moment der Stille und des Lächelns den größten Dienst erweisen. Wenn wir versuchen, ein Problem auf der Ebene des Problems zu lösen, und es mit diversen Methoden angreifen, ist das so, als ob wir mit mehreren Pfeilen auf die Festungen schießen würden. Es löst sich nichts. Der Pfeil Shivas ist die Stille, aus der sein Lächeln entsteht. Ein Moment, in dem wir frei werden, über dem Problem stehen und in der Lage sind, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das „Om Shanti, Shanti, Shantii“, das wir am Ende der Yogapraxis singen, bezieht sich auf diese drei Festungen, auf die drei Bereiche unseres Lebens, die wir glauben, kontrollieren zu müssen, über die wir jedoch nicht immer die Macht haben. Klar, irgendwann müssen wir handeln. Aber wir dürfen die Zeiten der Pause und der Ruhe nicht vergessen. Sie geben uns die Gelassenheit, wieder weiter nach vorne zu gehen.


Ralf Sturm hat zusammen mit Katharina Middendorf bei GU das Buch „Götter-Yoga“ veröffentlicht. Inzwischen bieten die beiden auch Paartherapie in Berlin an.

Erbsenguacamole: Ein Klassiker neu interpretiert

Rezept Erbsenguacamole

Schon gewusst: Auch aus Erbsen zauberst du eine leckere Guacamole. Das Beste: Erbsenguacamole ist besonders reich an Ballaststoffen und Eiweiß. Und sie ist im Gegensatz zum Klassiker auch am nächsten Tag noch appetitlich grün.

Ergibt vier Portionen Erbsenguacamole

Was du brauchst

2 reife Avocados + 1 Tasse Erbsen, blanchiert und abgetropft + 1 größere reife Tomate, fein gehackt (knapp 1 Tasse) + ¼ Tasse gehackte rote Zwiebel + 2 Jalapeno-Chilis, Kerne entfernt, fein gehackt + Saft von 2 Limetten + 3 EL gehackte Korianderblätter

Und so einfach bereitest du die Erbsenguacamole zu

1 Halbiere die Avocados, entferne die Steine und löse das Fruchtfleisch mit einem Löffel aus der Schale. Püriere das Fruchtfleisch, gib die Erbsen dazu und püriere beides gemeinsam zu einer groben Masse.

2 Gib die Masse in eine Schale. Rühre mit einem Holzlöffel Tomate, Zwiebel, Chili, Limettensaft und Koriander unter. Jetzt schmeckst du die Guacamole mit Salz ab und servierst sie mit knusprigen Tortilla-Chips oder knackiger Rohkost.

Im Kühlschrank lässt sich die Erbsenguacamole gut aufbewahren. Damit sie ihren vollen Geschmack entfaltet, solltest du sie aber ein paar Minuten vor dem Genuss aus dem Kühlschrank nehmen. Du hast Lust auf Experimente? Dann verwende doch mal frische Minze anstatt Koriander – besonders im Sommer ein echtes Frische-Erlebnis.


Nährstoffinfo: Pro Portion 155 Kalorien, 10 g Fett (davon 1 g gesättigte Fettsäuren), 15 g Kohlenhydrate, 7 g Ballaststoffe, 4 g Eiweiß

Burger aus Roter Bete, braunem Reis und Karotten

Veggie Burger rote Beete
Foto: Carmel Zucker

Hier ist er: der herzhafte, köstliche Veggie Burger, der jeden Frikadellen-Esser neidisch macht. Was einen richtig guten Burger ausmacht? Natürlich: der Bratling! Der hier ist aus frischen, gesunden Zutaten selbst gemacht – würzig, fest und saftig.

++ERGIBT 6 BRATLINGE++

Der Patty ist das Herzstück des Burgers, aber richtig rund wird er erst durch den übrigen Belag: knackige Salatblätter, frischer Babyspinat, zarte Avocadostreifen und sauer eingelegter Rotkohl.

Zutaten für den Bratling:

4 mittelgroße Rote Beete, geschält und geviertelt ++ 2 EL Olivenöl, plus Öl zum Braten ++ 1 Tasse gewürfelte Shiitake-Pilze ++ 1⁄2 Tasse gehackte Frühlingszwiebeln ++ 1⁄2 Tasse geriebene Karotten ++1⁄2 TL Kreuzkümmel ++ 1⁄4 TL Paprika edelsüß ++ 1⁄2 Tasse rohe Cashewkerne ++ 1 Dose Kichererbsen(400 g), abgetropft ++ 1 Tasse gekochter brauner Reis ++ 1⁄2 TL Salz ++ 1⁄2 TL Pfeffer ++ 11⁄2 EL Dijonsenf

Und so bereitest du den Veggie Burger zu

  1. Heize den Backofen auf 200 Grad vor. Lege die Rote Beete auf ein Backblech, beträufel sie mit einem Esslöffel Olivenöl und brate sie in etwa 30 Minuten gar. Nach dem Abkühlen hackst du sie in kleine Stücke und gibst sie in eine große Schüssel.
  2. Erhitze jetzt den verbleibenden Esslöffel Olivenöl in einer Pfanne auf mittlere Temperatur. Darin brätst du Pilze, Frühlingszwiebeln, Karotten, Kreuzkümmel und Paprika etwa 5 Minuten lang. Anschließend kommt das Gemüse zur Roten Beete.
  3. Zerkleinere die Cashews im Mixer zu einem feinen Pulver und gib sie in die Schüssel. Danach pürierst du die Kichererbsen ebenfalls im Mixer zu einer cremigen Paste.
  4. Rühre Cashewpulver, Kichererbsen und den braunen Reis sorgfältig unter die Gemüsemischung und würze sie mit Salz, Pfeffer und Senf.
  5. Fast geschafft: Forme daraus sechs feste Bratlinge und lasse sie mindestens eine Stunde lang im Kühlschrank ruhen. Grille oder brate die Pattys etwa 5 Minuten lang bei mittlerer Hitze von beiden Seiten, bis sie zart und knusprig sind.
Viel Spaß beim Zubereiten und guten Appetit!!
Lust auf noch mehr leckere vegane Rezepte? Hier findest du tolle Lecker-Schmecker-Gerichte …

Aerial Yoga im Test: Rückbeugen next Level

Bild: Kerstin Thost

Unsere Werkstudentin Kerstin Thost hat ihre Welt auf den Kopf gestellt und sich einen Traum erfüllt: Sie hat Aerial Yoga ausprobiert. Welche Erfahrungen sie dabei gemacht hat und ob man das als Yogi mal ausprobieren muss, liest du hier.

Die besondere Spezialität von Aerial Yoga: besonders tiefe Rückbeugen

Gleich vorneweg: Es gibt verschiedenste Wege, Yoga in der Luft zu üben. Hier geht es um die langsame und dehnende Variante, also Aerial Yoga. Nicht zu verwechseln mit Fly-High-Yoga. Die verschiedenen Yoga-Stile in der Luft unterscheiden sich am verwendeten Tuch.

Die Hängematte

Aerial Yoga übst du an einem Tuch, ähnlich breit wie eine Hängematte, mit Handgriffen auf drei verschiedenen Höhen. Die Höhe kannst du verstellen und während der Praxis das Tuch beliebig verstellen. Unter dem Tuch liegt die sichere und altbekannte Yogamatte. Körperteile die auf dem Boden bleiben finden hier ihren Halt.

Die Vorteile von Aerial Yoga

Das Tuch im Aerial Yoga eignet sich besonders, um tief in Rückbeugen zu gehen. Sicher getragen durch das Tuch und unterstützt durch die Schwerkraft kannst du tiefer in den Bogen, den Tänzer oder den modifizierten herabschauenden Hund gehen. Und es fühlt sich super an.

Gestützt durch das Tuch fällt selbst der Handstand leichter

Ein weiterer Vorteil: die Wirbelsäule wird extrem gestreckt und ausgehängt. Wenn man kopfüber mit den Beinen um das Tuch geschlungen und den Füßen im Schmetterling hängt, schießt das Blut besonders in den Kopf. Egal welche Erfahrung und welches Alter, die physischen Vorteile von Umkehrhaltungen erlebt jeder. Dazu zählt auch eine erhöhte Ausschüttung des Hormons Serotonin- und Melationin.

Überraschend vielseitig

Es sieht so simpel aus und doch ist das Tuch so vielseitig. Ob eine vertiefte Kindhaltung, gängige Standhaltungen oder Umkehrhaltungen wie den Kopf- oder Handstand, das Tuch unterstützt dich bei (fast) allen Asanas die du auch in einer normalen Yogastunde übst.

Die Konstruktion besteht aus einem großen Tuch, der sogenannten Hängematte, und drei Handgriffen auf verschiedenen Höhen

Für Anfänger ist Aerial Yoga vor allem eines: lustig. Auch als erfahrener Yogi ist dieses Tuch erstmal ein Fremdköper. Dafür ist die Begeisterung um eine in der Luft geglückte Asana viel größer. Besonders aufregend ist der „Rückwärtssalto“ aus dem Tuch zum Stehen.

In der ersten Stunde wurden viele statische Übungen aneinander gereiht weil jede Asana vollkommene Aufmerksamkeit erfordert. Wenn du sonst immer Vinyasa Flow praktizierst, wirst du vielleicht erstmal dieses übliche Yoga-Feeling vermissen. Doch dann bedenke: Yoga ist kein Sport. Es ist ein Mindset, eine Lebenseinstellung. Und die wurde bei Aerial Yoga extrem gefördert. Denn durch das neue Körperbewusstsein im Tuch kommst du voll und ganz dort an, wo wir Yogis hin wollen: In den gegenwärtigen Moment.

Savasana im Kokon

Ein echtes Highlight beim Aerial Yoga ist Savasana. Wie in einem Kokon liegt man in dem breiten Tuch. Die Füße ruhen dabei auf den längsten Handgriffen. Zuerst ist es gar nicht so einfach, eine bequeme Position für die Arme zu finden. Ich habe die Hände einfach aufs Herz gelegt. Da fühlte ich mich in der Luft getragen und hatte den Eindruck zu schweben. Dieses Gefühl hat den Rest des Tages angehalten.

Für wen eignet sich Aerial Yoga?

Teste Aerial Yoga wenn du…

  • … dich und deinen Körper ganz neu kennenlernen möchtest.
  • … dich nicht zu ernst nimmst.
  • … durch ein besser durchblutetes Gesicht und eine gestreckte Wirbelsäule dein Aussehen verjüngern möchtest.
  • … einen neuen, spielerischen Ansatz für dir schon bekannte Asanas suchst.
  • … durch Yoga ganz in den gegenwärtigen Moment kommen willst.
  • … eine wirklich tiefe Dehnung in Rückbeugen erleben möchtest.

Tipps für den Anfang: Ein*e erfahrene*r und gut ausgebildete*r Lehrer*in ist beim Aerial Yoga noch wichtiger als sonst. Du bist auf ausführliche Anweisungen angewiesen und musst den Erklärungen folgen und vertrauen können. Immerhin besteht die Gefahr, zu fallen. Beim Üben solltest du zudem immer darauf achten, nicht zu lange in den Umkehrhaltungen zu bleiben. Hier kann dir schnell schwindelig werden.