Vedische Astrologie: Wenn Vögel die Richtung weisen

Jyotisha vedische Astrologie
Foto: Frank Mckenna via unsplash

Ein neues berufliches Engagement wartet auf mich. Habe ich soeben erfahren. Binnen weniger Tage wird sich mir eine neue, erfolgsversprechende Kooperation anbieten. Wie ich darauf komme? Ein Vogel hat es mir erzählt. Klingt ungewöhnlich? Nicht für einen Astrologen. Bernd Rössler erklärt, wie die vedische Astrologie funktioniert.

Ein Vogel, vor meinem Fenster auf der Terrasse, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Er tat was Vögel auf Terrassen tun: Er hüpfte umher. Schließlich verschwand er aus meinem Blickfeld, um einen Moment später wieder aufzutauchen, zusammen mit einem zweiten Vogel. Beide schauten sich kurz an und flogen fort. Richtung Osten.

Spontane Ereignisse und was sie bedeuten

Wenn ein Ereignis spontan meine Aufmerksamkeit bindet, dann fühlt sich der Astrologe in mir angesprochen. Spontan ist dabei das Schlüsselwort. Gut möglich, dass sich jetzt dein gesunder Menschenverstand meldet und die berechtigte Frage aufwirft, was denn hüpfende und fliegende Vögel mit Jyotisha zu tun haben. Mitunter eine ganze Menge, wie du gleich sehen wirst.

Horoskope zeigen die Positionen der Planeten im Zodiak (Tierkreis). Jeder dieser Planeten und jeder Bereich des Horoskops indiziert bestimmte Dinge, Themen und Ereignisse. Die vedische Astrologie nutzt diese Indikationen, um zu definieren, was wem zu welcher Zeit im Leben begegnet. So weit, so gut. Was aber wirklich dahinter steckt ist, dass bestimmte Phänomene in der Außenwelt in Zusammenhang stehen mit unserem persönlichen Erleben. Zum Beispiel ganz weit außen die Wanderung der Planeten im Zodiak. Mit anderen Worten: Wir sind Teil der Natur, wir könnten auch sagen Teil eines größeren Ganzen. Was wir tun (oder auch nicht tun) findet Parallelen in unserer Umgebung.

Aufgepasst: Unser persönliches Erleben findet Parallelen in der Umwelt

Vorsicht! Ein kleiner Quantensprung für dein Jyotisha-Verständnis: Jedem von uns ist bereits klar, dass unsere Handlungen unsere Umwelt beeinflussen und umgekehrt. Fridays for Future lässt grüßen. Doch jetzt kommt’s. Jyotisha geht noch einen Schritt weiter und baut darauf, dass unser persönliches Erleben Parallelen in unserer Umwelt findet, und zwar in Form ganz anderer Phänomene. Und was soll das heißen? Soll heißen: das Phänomen, dass zwei Vögel sich finden und nach Osten fliegen, ist die Parallele für meine neue, erfolgsversprechende Kooperation.

Nun fliegen vermutlich ständig irgendwelche Vögel zusammen nach Osten und nicht jede neue Kooperation wird durch Vogelflug eingeläutet. Ein Baustein fehlt uns noch und für den Astrologen ist dieser Baustein das Horoskop des Moments. Dieses Horoskop offenbart die Parallele zwischen dem spontan beobachteten Ereignis und meinem persönlichen Erleben.

Die Reihenfolge ist diese:

  1. Ein Ereignis zieht spontan meine Aufmerksamkeit auf sich (Vogel hüpft auf der Terrasse).
  2. Storyline der Szene (ein Vogel trifft anderen Vogel und zusammen fliegen sie nach Osten).
  3. Das Horoskop des Moments (offenbart das Parallel-Ereignis)

Kurzer Ausflug ins Parallel-Universum des Horoskops

Die kleinen gefiederten Freunde werden in der vedischen Astrologie durch Merkur vertreten. Möchtest du wissen, was die Storyline der beiden Vögel indiziert, dann schaue dir die Rolle von Merkur im Horoskop an. Zum Zeitpunkt meiner spontanen Beobachtung war Merkur der Herrscher des Aszendenten, regierte also den Osten und repräsentierte damit den Fragesteller, also mich. Merkur selbst stand prominent und kraftvoll im eigenen Sternbild Zwilling (zwei Vögel!) im 10. Haus. Das 10. Haus repräsentiert unter anderem Beruf und Status. Merkur selbst ist Vermittler und Geschäftsmann. Zwilling ist ein duales Sternbild und indiziert zwei Vögel, zwei Menschen, zwei Institutionen.

Dann wäre da noch der Osten: Beide Vögel flogen nach Osten und Merkur beherrscht, als Regent des Aszendenten, den Osten. Der Osten signalisiert alles, was auf uns zukommt. Hier geht die Sonne, der Mond und alle Sternbilder auf. Der Osten birgt Neuigkeiten, neue Ansätze und neue Impulse.

Dank des Horoskops ist es jetzt nicht mehr schwer die Parallele zwischen der Umwelt (Storyline der Vögel) und meinem persönlichen Erleben (neue Kooperation) zu verstehen.

Ein neues (Osten) berufliches Engagement (Merkur im 10. Haus) wartet auf mich (Merkur beherrscht den Aszendent). Habe ich soeben erfahren (spontanes Ereignis). Binnen weniger Tage wird sich mir eine neue (Osten), erfolgversprechende (Merkur kraftvoll im 10. Haus) Kooperation (zwei Vögel, die sich treffen und zusammen nach Osten fliegen) anbieten.

Es ist leicht zu sagen, dass wir als Mensch Teil einer größeren Ordnung sind, wie auch immer wir diese benennen möchten. Wesentlich schwerer ist es dagegen häufig, diese Aussage alltagstauglich zu erleben. Jyotisha, die vedische Astrologie, baut uns genau dafür Brücken. Brücken, die es uns ermöglichen, unsere Umwelt ganz anders zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Das ist doch was!

Bernd Rößler www.bernd-roessler.com

Bernd Rößler widmet sich seit 2004 den vedischen Lehren, mit Schwerpunkt Astrologie (Jyotisha). Seit 2009 ist Bernd Rößler hauptberuflicher Astrologe. Neben seiner regen astrologischen Beratungspraxis für Menschen und Unternehmen quer durch die Gesellschaft, hält er Vorträge und gibt Workshops und Seminare in diversen Städten im In- und Ausland.
www.bernd-roessler.com

https://yogaworld.de/vedisches-handlesen-welcher-typ-sind-sie/

Was ist (Chakra & Vinyasa) Flow Yoga?

Vinyasa Yoga Natur

Bei so vielen unterschiedlichen Yogastilen fällt die Auswahl oft schwer. Das liegt unter anderem daran, dass viele Stilrichtungen schwer von einander abzugrenzen sind. Das gilt im Besonderen für Flow Yoga. Wir erklären dir, was Flow Yoga ist.

Was genau ist Flow?

Flow ist eigentlich ein psychologisches Konzept. Es sagt aus, dass wir in einen ganz besonderen Tunnel-ähnlichen Zustand kommen – wenn die äußeren Gegebenheiten ideal sind. Dazu muss die zu bewältigende Aufgabe ein wenig größer sein, als das eigene Können. So sind wir gefordert, aber nicht überfordert und vergessen die Zeit. Wir kommen im yogischen Hier und Jetzt an. Das kann durch Arbeit, das Lösen von Kreuzworträtseln oder eben Yoga entstehen. Auf der Matte erreichen wir diesen Zustand durch sehr dynamisches Yoga. Der Geist wird durch das Meistern schneller Bewegungen (Flow) ruhig gestellt. Die Richtlinie lautet: Ein Atemzug ist mit einer Bewegung synchron.

Wie immer im Yoga ist die Atmung entscheidend. Man vertieft sie und passt sie den Ansagen des Lehrers an. Fortgeschrittene nutzen gerne die Ujayy Atmung. Sie ist hörbar. Ähnlich einem Wellenrauschen trägt sie Yogis durch den Flow. Der Flowzustand wird aber meist nur beim Höhepunkt der Stunde erreicht. In diesen Flows werden drei bis 15 Asanas aneinandergereiht. Davor wird durch Mobilisation und Sonnengrüße aufgewärmt. Hier besteht die Kunst darin, den Körper anatomisch optimal auf den Flow und die die Peak Pose (die schwierigste Asana) vorzubereiten. Danach wird der Körper mit sanften Dehnungen wieder ausgeglichen und abgekühlt. Der Stundenaufbau ist eine Wissenschaft für sich.

Ein kurzer Überblick über verschiedene Flow Yogastile

Chakra Flow, Vinyasa Flow, Hatha Flow. Was genau ist jetzt der Unterschied? Wenn man die verschiedenen Flow-Yogastunden besucht, fällt dem Schüler vielleicht kein großer Unterschied auf. Von der Tradition des Yoga sind sie aber etwas unterschiedlich. Im Stammbaum kann man das meiste Flow Yoga vom Guru Krishnamancharya ableiten. Seine Schüler entwickelten daraus allerdings ihre eigenen Schwerpunkte. Zu den verwandten Yogastilen zählt deshalb auch Ashtanga und Anusara Yoga.

Vinyasa bedeutet auf Sanskrit so etwas wie „festgelegte Abfolge von Übungen“. Deshalb wird das Wort auch für die Reihenfolge Brett, Chaturanga, heraufschauender Hund und herabschauender Hund verwendet. In der Praxis geht es im Vinyasa Flow aber weniger um eine starre Abfolge. Im Gegenteil: Die Lehrer sind höchst kreativ. Die Grenzen zu Hatha Flow verlaufen jedoch unscharf. Auch hier steht längst nicht mehr nur die Tradition im Vordergrund. Beim Chakra Flow strebt man, wie der Name schon sagt, nach der Balance der Chakren. Verschiedene Lehrer bauen ihre Stunden mit dem Fokus auf ein Chakra auf. Andere wiederum haben das Ziel, in einer Stunde von unten nach oben alle Chakren anzusprechen. Aber auch viele Hatha oder Vinyasa Flow Lehrer richten ihre Stunden nach den Energiezentren aus. Die Übergänge sind fließend.

Für wen ist Flow Yoga gut geeignet?

Flow Yoga ist heute sehr beliebt und weit verbreitet. Dabei ist es nicht unbedingt für jeden etwas. Denn es spricht besonders körperlich gesunde und fitte Menschen an, die auf der Yogamatte ordentlich schwitzen wollen. Dies kannst du beim Hatha Yoga oder in einer Vinyasa Flow Beginner-Klasse langsam trainieren. Dann ist die Grundkenntnis über die Asanas schon vorhanden und du kannst den schnellen Anweisungen des Lehrers besser folgen. Hierbei ist zudem ein Bewusstsein für das Können und die Grenzen des eigenen Körpers entscheidend. Denn obwohl komplexe Übungen und die Atmung angesagt werden, musst du dich zurück nehmen, wenn es zu viel wird. Dafür eignet sich am besten die Stellung des Kindes. Denn die Verletzungsgefahr ist bei diesen dynamischen Stilen besonders groß. Zu leicht lässt man sich von der Welle mitreißen und spürt erst am nächsten Tag, dass man zu weit gegangen ist. Eine entspannte Yin Yoga Praxis zum Ausgleich zahlt sich aus.


Foto von Retha Ferguson von Pexels | Text: Kerstin Thost

Ujjayi Atmung – Wellenrauschen für das Halschakra

Meer Yogini

Bei jeder Ausatmung ein kehliges Rauschen? Im Yogastudio ist es normal, dass man nicht nur von Musik, sondern auch von der Atmung des Nachbarmanns beschallt wird. „Du kannst jetzt beginnen, Ujjayi zu atmen“, bietet der Yogalehrer an. Aber vielleicht fragst du dich: Was ist eigentlich die Ujjayi Atmung?

Im Alltag ist unsere Atmung meistens flach und in der Brust verortet. Als Yoga-Anfänger muss man erstmal lernen, die Atmung immer mehr zu vertiefen, zu verlängern und in den Bauch zu atmen. Das ist deswegen so wichtig, da Pranayama deine ganze Asana-Praxis unterstützt. Die hier beschriebene Ujjayi Atmung kannst du separat anwenden und im Sitzen praktizieren. Wenn du immer mehr Sicherheit gewinnst, kannst du sie auch im Flow Yoga oder Ashtanga integrieren. So wird sie deine Yogapraxis auf ein neues Level bringen. Und vielleicht gelingt es dir dadurch, den Anweisungen des Lehrers bezüglich der Atmung zu folgen.

Die Vorteile der Ujjayi Atmung

Es lohnt sich, dich wie Darth Vader anzuhören. Denn die Ujjayi Atmung aktiviert besonders dein Halschakra (Informiere dich hier mehr über Chakren!). Sie reinigt dich von allem Alten und lässt dich mutig deine Wahrheit sprechen. Zudem kannst du während der Asanas so deine Atmung immer noch ruhig und tief fließen lassen. Das aneinander Reiben der Stimmbänder hört sich ja auch ein wenig wie Meeresrauschen an, oder? Lass es uns ausprobieren.

Wie mit dem Meeresrauschen beginnen?

  1. Bevor du anfängst: Wie bei allen Pranayama lohnt es sich, zuerst deine Nase zu putzen und einen Schluck Wasser zu trinken.
  2. Beginne im Sitzen. Vertiefe und verlängere dann deine Atmung. Atme zuerst über die Nase ein und über den Mund aus.
  3. Vielleicht hast du einen Spiegel zur Hand. Oder du verwendest deine Hand und stellst dir vor, es handelt sich um einen Spiegel. Diesen hauchst du jetzt durch den geöffneten Mund an.
  4. Vertiefe nun das Hauchen, sodass ein kehliger Ton entsteht.
  5. Jetzt bist du bereit, den Mund zu schließen. Atme genauso tief und mit Geräusch nur durch die Nase weiter. Spürst du die Ruhe und Ausgeglichenheit, die dadurch entsteht? Dann bist du bei der Ujjayi Atmung angelangt.

Und dann wartet die nächste Challenge auf dich. Kannst du deine Ujjayi Atmung die ganze dynamische Yogapraxis über beibehalten? Auch wenn es am Anfang nicht klappt. Bringe während der Praxis immer wieder die Aufmerksamkeit auf deinen Atem zurück. Setze dir die Ujjayi Atmung am Beginn der Praxis ganz bewusst als Intention. Manchmal sind es die scheinbar kleinen Dinge, die uns tief transformieren.


Text: Kerstin Thost | Foto von Eternal Happiness von Pexels

Leere Yogastudios: Wo sind die Yogis hin?

Frau mit Yogamatte

Nach monatelangem Online-Yoga, dürfen wir wieder im Yogastudio üben. Zwar mit Abstand. Aber immerhin hört man beim Chanten von OM mehr als verzerrtes Knacken. Trotzdem stellen wir fest, dass viele Yogastudios leer sind. Auch Online Yoga wird immer weniger in Anspruch genommen. Wo sind die Yogis hin?

Und plötzlich kam Corona … Beim Umstieg auf Online-Klassen in Folge der Ausgangsbeschränkung konnten nicht alle Yogis mithalten. Diese Zeit bedeutete leider für viele den Ausstieg, obwohl sie das Business teilweise über Jahre hinweg aufgebaut hatten. Die traurige Entwicklung: In lokalen Yoga-Facebook-Gruppen verkaufen insolvente Yogis Komplett-Sets an Block, Gurt & Co.

Auch im Yoga spielt Geld eine Rolle

Corona bringt in allen Lebensbereichen Dinge zum Vorschein, die wir bislang gerne ignoriert haben. So stellt sich in der Yoga-Szene die Frage, wie lange es noch kleine private Studios geben wird. Aber auch andere, teilweise national bekannte Studios, kämpfen ums Überleben. Eine weitere Finanzierung ist teilweise nur durch Lehrerausbildungen möglich. Besonders Studios, deren Eröffnung mit Corona zusammenfiel, trifft es hart. Denn hier ist noch kein etablierter Kundenstamm vorhanden – da reichen auch die Soforthilfen für Selbstständige nicht lange aus. Denn sie wurden zu einem Zeitpunkt ausgerufen, als die Dauer des Lockdowns noch gar nicht abzuschätzen war.

Die Erleichterung war groß, als der Betrieb der Yoga-Studios wieder erlaubt war. Lehrer und Yogis freuten sich auf ein Wiedersehen in Person. Zwar mit Abstand und ohne Hand-on-Assists, aber immerhin. Doch die Begeisterung hielt nur kurze Zeit an: Viele Studios blieben leer, die Kurse wurden nur wenig gebucht. Euphorisch gefüllte Stundenpläne wurden wieder ausgedünnt. Aber: So können die Studios kaum ihre Lehrer bezahlen.

Einige Erklärungsansätze

Die anfängliche Solidarität à la #supportyourlocals scheint, ebenso wie der Wille zur Kontakteinschränkung, langsam ausgeklungen zu sein. Vielleicht erinnern sich viele gar nicht mehr daran, wie gemütlich es im Nachbarschaftsstudio war. Oder niemand erinnert sich mehr an die yogischen Grundwerte. Weil in einer 60 Minuten Online Klasse keine Zeit mehr ist fürs Reden – weder über Verbindung noch selbstloses Geben. Zudem hat uns Corona wieder mehr zu uns selbst zurück gebracht

Yoga ohne Nackenmassage und lange Gespräche vor und nach der Stunde ist nicht mehr dasselbe. Vielleicht bleiben deswegen manche Yogis lieber auf der heimischen Matte. Aber auch die Nachfrage nach bezahlten Online-Stunden ist zurück gegangen. Vermutlich werden vermehrt kostenlose YouTube-Videos oder Apps genutzt – verständlich, viele Yogis sind in Kurzarbeit oder haben vielleicht keine Kinderbetreuung. Natürlich ist es da einfacher, kurz zu Hause die Matte auszurollen – und im Prinzip darf und soll das auch jeder für sich entscheiden. Nur: Die Yogalehrer investieren viel Zeit und Liebe in die Vorbereitung ihrer Stunden und natürlich können auch sie ohne Bezahlung nicht überleben.

Und natürlich haben die vergangenen Wochen bei fast allen Spuren hinterlassen: Die soziale Angst ist verständlicherweise größer denn je. Der Drang nach Freiheit stärker als zuvor: Wir fahren lieber mit dem Fahrrad zum nächsten See, als uns mit Atemmaske den Weg zur Yogamatte zu bahnen.

Yoga als Stütze in bewegten Zeiten

Ich kann mir noch eine letzte Möglichkeit vorstellen: Die Menschen machen einfach weniger Yoga. Aber das möchte ich wie viele andere Lehrerinnen nicht glauben. Für mich steht nämlich fest: Yoga ist eigentlich wichtiger denn je. Aktuell ist immer noch nichts sicher. Außer, dass wir in einer Zeit voller Unsicherheit leben. Yoga schenkt uns die Ruhe im Sturm. Yoga hilft dabei, uns vertrauensvoll ins hier und jetzt zu leiten. Das können wir alle gebrauchen.

Übrigens: Mehr zum Thema „leere Yogastudios“ findet ihr auch im spannenden Podcast von Yogadude Thomas Meinhof, der sich mit Patrick Broome über das Thema unterhält: Warum bleiben die Yogastudios auch nach Corona leer?


Text: Kerstin Thost

Meditationspraxis: Negative Gedanken willkommen heißen

Meditationspraxis
Foto: Med Ahabchane auf Pixabay

Sogar negative Gedanken haben in der Meditationspraxis ihren Sinn: Sie sind Botschaften, die dir helfen können, zu mehr innerem Frieden zu finden.

Gedanken sind unsichtbar, ungreifbar und flüchtig und doch haben sie die Macht, den Lauf unseres Lebens zu beeinflussen. Tag für Tag ziehen bis zu 70.000 Gedanken durch den menschlichen Geist. Diese beeindruckende Zahl hat ein Labor für neurologische Bildgebung an der University of Southern California ermittelt.

Gedanken spiegeln unsere Gefühle

Was uns oft nicht bewusst ist: Gedanken gehen fast immer auch mit Gefühlen einher. Das kann Hoffnung und Verbundenheit sein, aber ebenso Angst oder der Eindruck von Isolation. Manche Gedanken lassen uns glauben, wir seien zu großen Dingen fähig, andere überzeugen uns davon, so überfordert und hilflos zu sein, dass uns nie etwas gelingen wird. Und genau das bestätigen wir uns dann auch häufig. Der Erfinder und Automobilpionier Henry Ford hat dieses Phänomen auf eine griffige Formel gebracht: „Egal
ob Sie denken, ‚ich kann‘ oder ‚ich kann nicht‘ – es stimmt.“

Gedanken beeinflussen unseren Körper

Diese fast unheimliche Kraft der Gedanken beruht zum Großteil auf den körperlichen Reaktionen, die sie verursachen: Sie bewirken nämlich die Ausschüttung von bestimmten Hormonen, die das Nervensystem beeinflussen. Wenn du zum Beispiel denkst, du würdest bedroht (etwa weil du glaubst, ein Einbrecher dringt gerade in deine Wohnung ein), dann setzt dein Körper Cortisol frei. Ein Stresshormon, dass dich in die Lage versetzen soll, die Flucht zu ergreifen oder dich dem Kampf zu stellen. Umgekehrt würden die Gedanken, die dir durch den Kopf gehen, während du ganz entspannt mit deiner Katze schmusst, deinen Körper veranlassen, Oxytocin und Serotonin zu produzieren. Das sind Wohlfühlhormone, die es dir ermöglichen, dich in Sicherheit zu wiegen, dich zu entspannen und zu regenerieren.

Negative Gedanken zulassen erfordert Mut

Daraus folgt: Wenn man in der Lage ist, sein Denken zum Positiven hin zu verändern, dann bewirkt das körperliche Reaktionen, die einem insgesamt zu mehr Optimismus und Verbundenheit verhelfen können. Das klingt simpel, aber es ist leider gar nicht so einfach, seine Gedanken willentlich zu verändern: Es erfordert sogar unglaublich viel Konzentration, Entschlossenheit – und Mut. Sich seinen negativen Gedanken zu stellen, ist in etwa so, als ob dir mitten im Wald ein Wolf begegnet: Im ersten Moment willst du instinktiv die Flucht ergreifen. Aber stattdessen darfst du nicht zurückweichen, du musst der vierbeinigen Bedrohung ruhig ins Auge sehen und möglichst viel Selbstbewusstsein ausstrahlen.

Sieh deiner Angst ins Auge

In dem Moment, wo du nämlich die Beine in die Hand nimmst, wird ein Raubtier – und genauso ein beängstigender Gedanke – mit ziemlicher Sicherheit die Verfolgung aufnehmen. Besonders Gedanken wie „Ich bin unfähig“ oder „Ich habe Angst“ verfolgen uns in der Regel so lange, bis wir kehrtmachen und ihnen ins Auge sehen. Und genauso, wie es sinnlos ist, vor einem Rudel Wölfe davonzulaufen, kann man es sich auch sparen, vor seinen Gedanken zu flüchten – sie holen einen sowieso ein. Die beste Verteidigung besteht also darin, bereit zu sein.

Meditationspraxis hilft dir deine Gedanken anzunehmen

Dabei helfen bestimmte Techniken: Auf dieselbe Weise, wie ein Outdoor-Überlebenstraining dich für die Begegnung mit wilden Tieren wappnet, lehrt dich die Meditation, dich deinen Gedanken zu stellen und auch dann ruhig zu bleiben, wenn deinen Geist heftige und überwiegend negative Vorstellungen umtreiben. Wenn du jetzt nicht gleich davonläufst, lernst du, deine Gedanken zu beobachten, anstatt sofort auf sie zu reagieren. Das gibt dir Zeit, mit deinem Atem zu arbeiten und den Sturm in Geist und Herz im wahrsten Sinne des Wortes „auszusitzen“. Auf diese Weise erlaubt es dir die Meditation mit etwas Übung, jeden Gedanken als einen Botschafter wahrzunehmen, der dir wertvolle Informationen darüber liefert, wie du jeweils am besten reagierst – also so, dass du zu mehr Harmonie mit dir selbst und deiner Umgebung findest.

Schenke dir Mitgefühl und Herzenswärme

Wenn dich während der Meditationspraxis zum Beispiel negative Gedanken quälen wie „Ich bin nicht genug“ oder „Ich kann mir nicht helfen“, dann kannst du lernen, diese Gedanken als ein Signal wahrzunehmen, das dir sagt: Stopp! Was kann ich tun, damit ich mich künftig als wertvoll oder tatkräftig empfinde? Diese Umkehr beginnt damit, dass du dir selbst mit mehr Mitgefühl und Herzenswärme begegnest: Wenn du zum Beispiel mal wieder denkst, du seist nicht liebenswert, dann halte inne und schenke dir selbst die liebevolle Gewissheit, dass du alles so gut machst, wie es dir in diesem Moment möglich ist. Gelingt es dir, diese Botschaften wirklich zu hören und dir zu Herzen zu nehmen, dann werden negative Gedanken allmählich verblassen.

Sie haben ihre Aufgabe als Botschafter erfüllt und müssen dich nicht länger verfolgen und ermüden. Ich nenne diese Praxis „Gegenteilige Gedanken willkommen heißen“. Diese Methode bewahrt dich zuverlässig davor, dich immer tiefer in den Morast negativer Gedanken hinein zu wühlen. Gleichzeitig hilft sie dir, sowohl negative als auch positive Gedanken, Bilder und Erinnerungen immer deutlicher als Botschafter wahrzunehmen, die nur einen einzigen Zweck verfolgen: Dich zu unerschütterlichem inneren Frieden zu führen.

Auch interessant für deine Meditationspraxis: Bevor du deine Gedankenwelt mit Hilfe von Meditation ordnest, solltest du erst versuchen, deine eigene Intention zu finden.


Meditation Dr. Richard MillerDr. Richard Miller ist Gründungsvorsitzender des Integrative Restoration Institute (irest.org), Mitbegründer des internationalen Verbands für Yogatherapeuten, Arzt und Autor und beschäftigt sich für uns mit dem Thema Meditationspraxis.

Ayurvedischer Gerstensalat mit kühlender Minze

Gerstensalat Ayurveda Rezept

Mit diesem ayurvedischen Gerstensalat wirst du auch bei anhaltender Sommerhitze einen kühlen Kopf und starke Nerven bewahren.

Der Gerstensalat eignet sich für ein sommerliches Picknick oder ein Potluck-Dinner. Im Kühlschrank aufbewahrt, schmeckt er auch am nächsten Tag noch frisch und knackig.

Gerste stärkt die Nerven 

Der Gerstensalat passt ideal in den Sommer, denn Gerste wirkt kühlend auf den Organismus. Die Gerste ist ein heimisches Getreide und sehr vielseitig verwendbar. Sie ist eine wertvolle pflanzliche Eiweißquelle und reich an Antioxidantien. Dank des hohen Nährwertgehalts sättigt die Gerste nachhaltig. Zudem ist Gerste bekömmlicher als Weizen da sie deutlich weniger Gluten enthält. In der Ayurveda-Ernährungslehre ist Gerste ein leichtes Getreide. Es reduziert Kapha (bestehen aus den Elementen Wasser und Erde) im Körper und eignet sich auch gut für eine Entschlackungskur. Gerste ist sehr magenfreundlich und stärkt die Bauchspeicheldrüse. Ähnlich dem Haferbrei wirkt sie beruhigend auf die Magenschleimhaut und auch auf das Nervensystem.

Staudensellerie wirkt befeuchtend

Der Stauden- oder Stangensellerie schmeckt sehr mild und hat durch seinen hohen Wassergehalt eine frische, saftige Konsistenz – und er macht den Gerstensalat schön knackig. Die enthaltenen ätherischen Öle und Bitterstoffe tun dem Magen gut und die Verdauungssäfte werden aktiviert. Yogi Bhajan empfiehlt im Frühling z.B. eine Sellerie-Saftkur, denn das Gemüse wirkt tonisierend für die Nerven und stärkt das Herz.

Minze hat eine kühlende Wirkung

Die Minze ist wegen seiner kühlenden Wirkung im Sommer sehr beliebt. Auf den Geist wirkt Minze klärend und erfrischend. Zudem hat sie auch eine beruhigende Wirkung. Minze kann Verspannungen lösen uns ist nach der yogischen Einteilung der Gunas, von sattvischer Natur

Gerstensalat: Zutaten für ca. 4 Portionen

100 g Rollgerste oder geschälte Gerstenkörner
100 g Cashewkerne
3-4 Sellerie-Stangen, auch das Blattgrün
1 grüne Paprikaschote
2 kleine Karotten
1 Bund glatte Petersilie, fein gehackt
½ Bund Minze, fein gehackt
1 Zitrone, Saft
4-5 EL Olivenöl
2 TL Za’atar Gewürzmischung* (Alternative: 1 TL Sumach, ½ TL Thymian, 1 TL Sesam)
1 TL Koriandersamen, gemahlen
½ TL Kreuzkümmel, gemahlen
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Optional: 100 g Feta-Ziegenkäse, Olivenöl, Oregano
 

*Za’atar ist der arabische Name für eine Wildpflanze deren Geschmack an eine Mischung aus Thymian,
Majoran und Oregano erinnert. Diese Za’atar Pflanze hat der nordafrikanischen Gewürzmischung den Namen
gegeben. Za’atar besteht traditionell aus getrockneten Kräutern, Sesam, Sumach und Salz.

Zubereitung Gerstensalat

Die Gerste in ausreichend Salzwasser für ca. 35-40 Minuten kochen. Das Kochwasser abgießen und im Sieb abtropfen lassen. Die gekochte Gerste in eine große Schale geben. Die Cashewkerne in einer Pfanne ohne Fett bei mittlerer Hitze rösten bis sie zu duften beginnen und leicht bräunen. Abkühlen lassen und grob hacken.
Sellerie, Paprikaschote und Karotten in sehr kleine Würfel schneiden. Das Gemüse mit der gekochten Gerste und den gehackten Cashews vermengen. Fein gehackte Petersilie, Minze und Sellerie-Blattgrün unterheben. Mit Olivenöl, Zitronensaft und den Gewürzen (Za’atar, Koriander und Kreuzkümmel gemahlen) den Salat großzügig marinieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Gericht für mindestens 30 Minuten ziehen lassen und nochmals abschmecken. Wer möchte, kann den Gerstensalat mit etwas Ziegenkäse aufpeppen – dazu die Feta-Würfel mit Olivenöl und Oregano marinieren und vor dem Servieren auf dem Gerstensalat verteilen.


Daniela Dörflinger Bruggeman ist Ayurveda-Expertin und Kundalini Yogalehrerin. In ihrem Foodblog teilt sie leckere Rezepte und Inspirationen aus der wohltuende Ayurvedaküche. Noch mehr leckere Ayurveda-Rezepte von Daniela findest du auf www.ayurfood.ch

Gänsehaut-Feeling beim Yoga Festival „Om am See“

Om am See Yoga Festival

„Om am See“ war das erste große Yoga-Festival nach Corona und alle waren gespannt: Klappt das? Kann das gut gehen? Wie wird die Stimmung sein? Ja, ja und einfach wunderbar …

Auszeit von der Krise: „Lasst uns einen Tag gemeinsam das Leben wieder feiern“, das war die Devise der „Om am See“- One Day Edition 2020. Die Veranstalter zeigten, dass trotz Corona eine entspannte Veranstaltung wieder möglich ist. Klar, dafür mussten sie vorher auch ordentlich organisieren, um alle Vorkehrungen im Hygiene- und Abstandsbereich professionell umzusetzen. Aber nicht nur die die Helfer vor Ort auch Yogis und Yoginis waren sorgsam und bedacht darauf, dass der wunderbare Festivaltag ohne Zwischenfälle ablaufen konnte. Ein Gemeinschafts-Spirit der in den letzten Wochen und Monaten nicht immer selbstverständlich war – und gerade deswegen so berührte.

Festival im Regen – na und?

Regen? Egal! Die Veranstaltung war laut den Vorgaben der Bayerischen Landesregierung, mit der vorgeschriebenen zugelassenen Zuschauerkapazität ausverkauft. Wegen des schlechten Wetters wurde das abwechslungsreiche Yogaprogramm spontan in die Innenräume des Festspielhauses verlegt. Dafür machten die Helfer die vorherige Nacht zum Tag, trennten Räume ab und schufen mit Farben und Licht eine inspirierende Atmosphäre. Von morgens bis abends unterrichteten die bekanntesten Lehrer aus Deutschland, wie Patrick Broome, Young-Ho Kim und Gabriele Bozic, Seite an Seite mit regionalen Yogalehrern, in dieser wirklich besonderen Kulisse.

Wer sich nach dem Yoga erholen wollte, konnte das nicht nur mit leckeren Vegan-Snacks oder im „Basar der Sinne“ tun. Tief durchatmen am kristallklaren Forggensee, umrahmt von den Bergen mit Blick auf Schloss Neuschwanstein – kein Wunder, dass die Yogis das Festival lächelnd verließen. Der Erfolg des „Om am See“ – gerade unter diesen besonderen Umständen – hat die Organisatoren angespornt: Sie wollen in den nächsten Jahren ein internationales Yoga- und Musikfestival etablieren, das einzigartig in Europa sein soll. Dann sind wir mal gespannt auf kommendes Jahr.

Mehr Info unter: www.omamsee.com

Bliss Balls: Gerollte Energie

Bliss Balls Rezept

Diese Powerkugeln sind echte Alleskönner: Sie sind schnell gemacht, super gesund, stecken voller Energie und machen beim Vernaschen einfach nur glücklich. Vor allem dann, wenn du sie beim Zubereiten bereits mit einer Intention „füllst“.

Zutaten für ca. 20 Bliss Balls

  • 180 g weiche Datteln ohne Stein
  • 70 g Kokosöl
  • 70 g Cashewkerne, grob gehackt
  • 40 g Kakaopulver ungesüßt (Rohkostqualität)
  • 35 g Kokosraspel
  • 2 EL Nussbutter (Mandel, Erdnuss oder Cashew)
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise gemahlene Vanille
  • 50 g gehackte Mandeln
  • Kokosraspeln zum Wälzen

Zubereitung

  1. Gebe die Datteln in den Mixer und zerkleinere sie so lange, bis ein klebriger Klumpen ohne größere Stückchen entsteht. Schmelze währenddessen das Kokosöl bei niedriger Hitze in einem Topf.
  2. Nun kommen Cashewkerne, Kakaopulver, Kokosraspel, Nussbutter, Salz, Vanille und das zerlassene Kokosöl dazu. Mische die Zutaten kräftig durch und gebe die Masse mit den gehackten Mandeln in eine Schüssel. Knete sie kräftig mit den Händen durch und stelle sie für 15 Minuten kühl.
  3. Danach formst du Kugeln aus der Masse und wälzt diese in den Kokosraspeln. Richte nun alles auf einem Teller an und lagere deine Energie Bällchen im Kühlschrank – hier sind sie etwa eine Woche haltbar.