Leere Yogastudios: Wo sind die Yogis hin?

Nach monatelangem Online-Yoga, dürfen wir wieder im Yogastudio üben. Zwar mit Abstand. Aber immerhin hört man beim Chanten von OM mehr als verzerrtes Knacken. Trotzdem stellen wir fest, dass viele Yogastudios leer sind. Auch Online Yoga wird immer weniger in Anspruch genommen. Wo sind die Yogis hin?

Und plötzlich kam Corona … Beim Umstieg auf Online-Klassen in Folge der Ausgangsbeschränkung konnten nicht alle Yogis mithalten. Diese Zeit bedeutete leider für viele den Ausstieg, obwohl sie das Business teilweise über Jahre hinweg aufgebaut hatten. Die traurige Entwicklung: In lokalen Yoga-Facebook-Gruppen verkaufen insolvente Yogis Komplett-Sets an Block, Gurt & Co.

Auch im Yoga spielt Geld eine Rolle

Corona bringt in allen Lebensbereichen Dinge zum Vorschein, die wir bislang gerne ignoriert haben. So stellt sich in der Yoga-Szene die Frage, wie lange es noch kleine private Studios geben wird. Aber auch andere, teilweise national bekannte Studios, kämpfen ums Überleben. Eine weitere Finanzierung ist teilweise nur durch Lehrerausbildungen möglich. Besonders Studios, deren Eröffnung mit Corona zusammenfiel, trifft es hart. Denn hier ist noch kein etablierter Kundenstamm vorhanden – da reichen auch die Soforthilfen für Selbstständige nicht lange aus. Denn sie wurden zu einem Zeitpunkt ausgerufen, als die Dauer des Lockdowns noch gar nicht abzuschätzen war.

Die Erleichterung war groß, als der Betrieb der Yoga-Studios wieder erlaubt war. Lehrer und Yogis freuten sich auf ein Wiedersehen in Person. Zwar mit Abstand und ohne Hand-on-Assists, aber immerhin. Doch die Begeisterung hielt nur kurze Zeit an: Viele Studios blieben leer, die Kurse wurden nur wenig gebucht. Euphorisch gefüllte Stundenpläne wurden wieder ausgedünnt. Aber: So können die Studios kaum ihre Lehrer bezahlen.

Einige Erklärungsansätze

Die anfängliche Solidarität à la #supportyourlocals scheint, ebenso wie der Wille zur Kontakteinschränkung, langsam ausgeklungen zu sein. Vielleicht erinnern sich viele gar nicht mehr daran, wie gemütlich es im Nachbarschaftsstudio war. Oder niemand erinnert sich mehr an die yogischen Grundwerte. Weil in einer 60 Minuten Online Klasse keine Zeit mehr ist fürs Reden – weder über Verbindung noch selbstloses Geben. Zudem hat uns Corona wieder mehr zu uns selbst zurück gebracht

Yoga ohne Nackenmassage und lange Gespräche vor und nach der Stunde ist nicht mehr dasselbe. Vielleicht bleiben deswegen manche Yogis lieber auf der heimischen Matte. Aber auch die Nachfrage nach bezahlten Online-Stunden ist zurück gegangen. Vermutlich werden vermehrt kostenlose YouTube-Videos oder Apps genutzt – verständlich, viele Yogis sind in Kurzarbeit oder haben vielleicht keine Kinderbetreuung. Natürlich ist es da einfacher, kurz zu Hause die Matte auszurollen – und im Prinzip darf und soll das auch jeder für sich entscheiden. Nur: Die Yogalehrer investieren viel Zeit und Liebe in die Vorbereitung ihrer Stunden und natürlich können auch sie ohne Bezahlung nicht überleben.

Und natürlich haben die vergangenen Wochen bei fast allen Spuren hinterlassen: Die soziale Angst ist verständlicherweise größer denn je. Der Drang nach Freiheit stärker als zuvor: Wir fahren lieber mit dem Fahrrad zum nächsten See, als uns mit Atemmaske den Weg zur Yogamatte zu bahnen.

Yoga als Stütze in bewegten Zeiten

Ich kann mir noch eine letzte Möglichkeit vorstellen: Die Menschen machen einfach weniger Yoga. Aber das möchte ich wie viele andere Lehrerinnen nicht glauben. Für mich steht nämlich fest: Yoga ist eigentlich wichtiger denn je. Aktuell ist immer noch nichts sicher. Außer, dass wir in einer Zeit voller Unsicherheit leben. Yoga schenkt uns die Ruhe im Sturm. Yoga hilft dabei, uns vertrauensvoll ins hier und jetzt zu leiten. Das können wir alle gebrauchen.

Übrigens: Mehr zum Thema „leere Yogastudios“ findet ihr auch im spannenden Podcast von Yogadude Thomas Meinhof, der sich mit Patrick Broome über das Thema unterhält: Warum bleiben die Yogastudios auch nach Corona leer?


Text: Kerstin Thost

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