Osho: Erleuchtung oder Enttäuschung?

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Kaum ein spiritueller Lehrer ist so umstritten wie Bhagwan Shree Rajneesh, der sich später Osho nannte. Von Tausenden als Erleuchteter verehrt und von den Medien in den Siebzigern als „Sex-Guru“ abgestempelt, erregt er bis heute das öffentliche Interesse.

„Schuhe und Verstand bitte draußen lassen“, war in den 1970ern auf einem Schild vor Bhagwans Buddha-Halle im indischen Poona zu lesen, in der er täglich seine Vorträge hielt. Heute steht das Schild nicht mehr dort. Trotzdem ist die Anweisung berechtigt.

Wenn man dem heutigen Osho Meditation Resort in Pune einen Besuch abstattet, trifft man morgens in der pyramidenförmigen Meditationshalle – wie damals – auf hunderte Menschen in roten Roben, die laut und mit erhobenen Armen „Hu! Hu! Hu!“ schreien. Oshos „Dynamische Meditation“ verläuft in fünf Phasen: Zuerst atmet man kraftvoll und „chaotisch“ durch die Nase, lässt dann in der Katharsis seinem Körper und allen Gefühlen freien Lauf, springt in der dritten Phase mit erhobenen Armen auf und ab, während man laut und kontinuierlich das Mantra „Hu“ ruft, verharrt anschließend wie versteinert in völliger Stille und beendet die Meditation mit Tanzen.

Im Gegensatz zu traditionellen Meditationstechniken, bei denen man innere Stille im ruhigen Sitz erreichen will, war Osho der Überzeugung, dass der westliche Mensch für diese Stille im Grunde das Gegenteil benötigt: Aktivität. Statt den Verstand ruhigzustellen, forderte er diesen heraus. Austoben soll man sich deshalb in den ersten Phasen der Dynamischen Meditation, um dann – ganz von selbst – in Ruhe zu verfallen, in der sich die Wellen des Verstands beobachten lassen. Dahinter steckt ­Oshos Ansicht, dass alles, was verdrängt oder unterdrückt wird, später intensiver wieder hochkommt. Offener mit dem Thema Sexualität umzugehen, war nur eine seiner daraus resultierenden Forderungen: Die indische Gesellschaft empfand er als verklemmt. Priestern warf er vor, ihre Sexualität nicht zu transzendieren, sondern lediglich zu unterdrücken – ein Ansatz, der damals für reichlich Furore sorgte. Heute teilen ihn einige von Osho völlig unabhängige Therapeuten und setzen die Dynamische Meditation begleitend zur Psychotherapie ein.

Osho Poona Ashram LifeDer Einfluss westlicher Psychotherapien zeigte sich auch in den legendären Encounter-Gruppen, englisch für ­„Begegnung“, die damals im Ashram veranstaltet wurden. Bei diesen Gruppen ging es um die intensive Konfrontation zwischen den Teilnehmern – die Presse berichtete von mehreren Knochenbrüchen, zu denen es bei gewalttätigen ­Auseinandersetzungen kam. In seinem Tagebuch „Ganz ­entspannt im Hier & Jetzt“ beschreibt der ehemalige „Stern“-Reporter Jörg Andrees Elten alias Satyananda (siehe Interview unten), der 1977 seine bürgerliche Existenz aufgab, um von da an ganz im Ashram zu leben, Encounter als „Übung, die zum Wahnsinn treibt“. Aus einer der Gruppen kam er selbst mit einem ­Rippenbruch zurück.

Bhagwan traf den damaligen Zeitgeist: In den siebziger Jahren waren viele Menschen aufgebrochen – zu einem neuen Bewusstsein, Spiritualität und sexueller Befreiung. Bei der breiten Masse rief der Name „Bhagwan“ jedoch negative Assoziationen hervor. Die Medien berichteten nicht nur reißerisch vom „Sex-Guru“ und den gewaltsamen Ausschreitungen in den Gruppen, auch seine Rolls-Royce-Sammlung und die höchst provokativen Reden waren Stein des Anstoßes. Wer sich damals zu seinem Guru bekannte, hatte es nicht leicht: Mit orangefarbenen Gewändern und der Holzmala mit dem Bild des Meisters um den Hals war man auch zu Hause im heimatlichen Dorf für jeden sofort erkennbar. Sicher war auch hier Provokation im Spiel, schließlich ging es um Befreiung – von gesellschaftlichen und individuellen Zwängen. Manche, die heute von Osho hören oder lesen, wissen gar nicht, dass es sich bei ihm und Bhagwan um dieselbe Person handelt. Während viele „Osho“ mit seiner Lehre, den Büchern und Meditationen in Verbindung bringen, wendet sich das Blatt, sobald der Name „Bhagwan“ fällt. Dann wird vor allem die Erinnerung an Negativmeldungen im Zusammenhang mit Sex, teuren Autos und angeblichen Sektenopfern wach.

Kritik hat die Neo-Sannyas-Bewegung im Laufe der ­Jahrzehnte genug einstecken müssen. In Büchern und Filmen erzählen Sannyasin-Kinder von ihren negativen Erfahrungen; die Vorwürfe reichen von der Vernachlässigung durch ihre Eltern, die auf dem Selbstverwirklichungstrip ihre Kinder zurückließen, bis hin zur Misshandlung. Ein prominentes Medienthema war zudem das Scheitern der Kommune in Oregon. Von 1981 bis 1985 diente die „Big Muddy Ranch“ nahe der Stadt Antelope der wachsenden Bewegung als neue Heimat. Tausende Sannyasins arbeiteten Tag und Nacht am Aufbau – nach Aussage vieler zu beinahe unmenschlichen Bedingungen. Bhagwans neue Sekretärin, Ma Anand Sheela, war stark in die Leitung der Kommune involviert – viele standen ihr und ihren Anweisungen kritisch gegenüber. Schnell kam es zu Problemen im Inneren und mit den ­Behörden. Die Situation eskalierte und Sheela wurde ­verhaftet – unter anderem fanden die ­Untersuchungsbehörden auf dem Gelände Abhöranlagen und ein ­Chemielabor mit ­Salmonellenkulturen. Bhagwan und die meisten ­Anhänger stellten sich nun offen gegen Sheela.

Ma Ananad SheelaEin neuer Dokumentarfilm aus der Schweiz mit dem Titel „Guru – Bhagwan, His Secretary and His Bodyguard“, der Anfang September 2014 in die Kinos kam, beschäftigt sich mit Sheelas persönlicher Geschichte. Schon der Untertitel „Eine spirituelle Reise in die Tiefen und Untiefen der menschlichen Seele“ macht klar, dass es in dieser Dokumentation nicht ­darum geht, einen historischen Rückblick über die Geschehnisse zu liefern, sondern die Frage nach dem Warum zu stellen. Die Regisseurin Sabine Gisinger, die zusammen mit Co-Autor Beat Häner den Film drehte, beschreibt ihre ­Motivation: „Was uns stark umtrieb, war die Geschichte der Neo-Sannyas-Bewegung. Warum enden junge Menschen, denen es um spirituelle Selbstfindung und Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen ging, in einer zwanghaften, hierarchischen Gesellschaft? Wann führt eine Beziehung zu einem Guru zu neuen Abhängigkeiten? Diesen Fragen sind wir während der Recherchen und im Film nachgegangen. Sie führten am Ende auch zu der Entscheidung, den Film ausschließlich mit Sheela Birnstiel und Hugh Milne zu machen: die Sekretärin und der Leibwächter, archetypische Figuren aus dem Zentrum der Macht, in einer Geschichte, die über die der Neo-Sannyasins hinausweist.“ Ihr selbst fiel bei der ausführlichen Beschäftigung mit Oshos Gedankengut auf, dass vieles damals Neue und Revolutionäre heute selbstverständlich in unser Leben und Denken integriert ist. Was sie während der Recherchen erstaunte, war, dass sie immer wieder auf Menschen traf, die nicht in einem Film vorkommen wollten, in dem Sheela eine wichtige Rolle spielt. „Sie gilt bei vielen ehemaligen ­Sannyasins bis heute als die Schuldige. Der Guru selbst machte sie beim Zusammenbruch der Kommune in Oregon zum Sündenbock. Warum gab und gibt es bei vielen Schülern des Gurus, der immer wieder dazu aufgerufen hat, den eigenen Schatten zu betrachten, nicht mehr Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten?“ Dieser Schatten wird im Film bis in den kleinsten Winkel beleuchtet. Sheela und Hugh, die sich seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen haben, stellen sich einer intensiven Auseinandersetzung. In langen Vorgesprächen und tagelangen Interviews fand eine detaillierte Zeitreise statt, die laut Regisseurin für alle Beteiligten aufwühlend und nicht immer einfach war. Die „Osho International Foundation“, die heute ­Oshos Nachlass urheberrechtlich verwaltet, distanzierte sich von diesem Film. Im Abspann ist zu lesen, dass den Filmemachern zwar die Verwendung von historischem Archivmaterial erlaubt wurde, der Inhalt und die Interpretationen des Films jedoch nicht Oshos Vision von Freiheit, Meditation und persönlicher Verantwortung entsprächen.

Oregon Ranch Rolls Royce OshoIn seinen letzten Jahren betonte Osho immer wieder die Eigenverantwortung des Einzelnen für sein Leben und Handeln. Manche Sannyasins berichten sogar von Statements nach dem Zusammenbruch der Kommune, Osho habe damit seine Schüler und deren Verantwortungsbewusstsein testen wollen. Zurück in Pune wollte Osho, dass der Ashram von nun an den Charakter eines Resorts haben sollte, in dem man entspannen und meditieren kann.

Heute sieht es hier genau so aus: Alles zeugt von Luxus. Viel Marmor, schickes Design, gepflegte Grünflächen, ein Pool, eine eigene Wasserfilteranlage, gutes Essen und ein umfassendes Angebot zur Selbstfindung. Man fühlt sich ein wenig wie in einer Seifenblase, erst wenn man vor die Tore tritt, ist man mitten in Indien. Und teuer ist es, hierher zu kommen. „Guru der Reichen“ wurde Osho manchmal genannt, und das ist wohl bis heute so geblieben. Alles kostet für indische Verhältnisse viel – die Aufnahmegebühr, der Tagespass, die Kurse, die roten und weißen Roben, die man hier tragen muss, das Essen, das Zimmer. Ob man überhaupt irgendeinen Eindruck davon erlangen kann, wie es damals war, sei dahingestellt. Es gibt sie nach wie vor, die Neo-Sannyas-Bewegung, aber man findet sie heute wohl woanders – verteilt in kleinen Gemeinschaften auf der ­ganzen Welt.

Bildquelle: www.gurufilm.ch


ÜBER BHAGWAN/OSHO

1931: Bhagwan Shree Rajneesh wird als Chandra Mohan Jain in einem kleinen indischen Dorf geboren. Den Spitznamen „Rajneesh“ erhält er als Kind von seiner Familie. Anfang der 1970er Jahre geben ihm seine Schüler den Titel „Bhagwan“ (Sanskrit, „der Gesegnete“) – „Shree“ ist in Indien die alltägliche Anrede für „Herr“.

Vor 1970 ist Bhagwan, der als Philosophieprofessor an der Universität lehrt, im Westen so gut wie unbekannt. In Indien allerdings fällt er durch seine kritischen Vorträge zu gesellschaftlichen Themen und über den Hinduismus auf. Bereits in den 1960er Jahren lehrt er spezielle Meditationstechniken, die sich von herkömmlichen Methoden hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass sie in Bewegung durchgeführt werden.

1970 beginnt Bhagwan in seiner Wohnung in Bombay (heute Mumbai), Vorträge für ausgewählte Besucher zu halten. Er initiiert seine ersten Schüler und gibt ihnen neue Sanskrit-Namen – die Neo-Sannya-s-Bewegung ist geboren. Seine Schüler tragen von nun an orange -Kleidung und eine Holzmala mit seinem Bild.

1974 zieht Bhagwan mit seinen Schülern von Bombay nach Poona (heute Pune) und gründet im Koregaon-Park ein Meditationszentrum. Zehntausende Suchende aus aller Welt pilgern zwischen 1974 und 1981 dorthin. Der Tagesablauf ist strukturiert: Dynamische Meditation um sechs, Bhagwans Vortrag um acht, Kurse und Gruppen über den Tag verteilt, abends persönliche Gespräche in kleinen Gruppen mit dem Meister. In den nächsten Jahren expandiert der Ashram stark, zudem werden in mehreren westlichen Ländern Meditationszentren von Anhängern gegründet.
Seit Ende der 1970er ist Bhagwans Gesundheitszustand zunehmend schlecht, er reduziert den -persönlichen Kontakt zu seinen Schülern. Im April 1981 tritt er in eine Schweigephase ein.

1981: Ma Anand Sheela, Bhagwans neue Sekretärin, kauft im selben Jahr eine Ranch in Oregon – die „Big Muddy“. Da Bhagwan schweigt, wird sie seine offizielle Sprecherin.

1981 bis 1985: In Oregon entsteht eine Kommune mit dem Anspruch auf eine ideale Lebensgemeinschaft. Die lokalen Behörden und die einheimische -Bevölkerung -stehen der Kommune feindselig gegenüber. Nach -offiziellen Bestimmungen darf nur eine kleine Anzahl von Häusern auf den Ländereien errichtet werden – -tatsächlich kommen jedoch Tausende Sannyasins.

1982 wird auf dem Gelände eine Stadt -gegründet: -Raj-neeshpuram – mit eigener Post und Schule, -eigenen Res-taurants und Einkaufsmöglichkeiten und einem -privaten Flugplatz. Bald schalten sich die -Einwanderungsbehörden wegen fehlender Aufenthaltsgenehmigungen und angeblicher Scheinehen ein. Im Inneren wächst der Unmut aufgrund von harten Arbeits- und Lebensbedingungen.

1984: Bhagwan bricht sein Schweigen und hält wieder Vorträge. Die internen Stimmen gegen Sheelas Führungsstil werden immer lauter. Bhagwan selbst distanziert sich in einer Pressekonferenz von ihr. Außen erhöht sich der Verdacht auf kriminelle Machenschaften in der Kommune.

1985 wird Sheela wegen Brandstiftung, Betreibens von Abhöranlagen und versuchten Mordes verhaftet und zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Bhagwan wird wegen angeblicher Einwanderungsdelikte festgenommen, jedoch auf Bewährung unter der Bedingung, das Land zu verlassen, freigelassen.

1987: Nach Reisen in verschiedene Länder kehrt -Bhagwan in den Ashram nach Pune zurück. Von nun an liegt der Fokus wieder stark auf den Meditationen; die einheitliche orangefarbene beziehungsweise rote -Kleidung und die Mala werden abgeschafft.

1988 erklärt Bhagwan, dass er von nun an nicht mehr so genannt werden will, mit den Worten, der Scherz sei nun vorbei. Er nimmt den Namen Osho an, im Zen–Buddhismus ein Titel für Mönche.

Oshos Gesundheitszustand verschlechtert sich. Bald hält er keine Vorträge mehr. Am 19. Januar 1990 stirbt Osho mit 58 Jahren. Seine Asche wird von seinen -Schülern feierlich im Ashram untergebracht. Noch heute können Besucher an der Gedenkstätte meditieren.


Insider-Sicht Vom anderen „Stern“

Der Journalist Jörg Andrees Elten arbeitete jahrelang als Reporter für den „Stern“. 1977 reiste er zu Bhagwans Ashram nach Poona – und blieb. 1979 schrieb er seine Erlebnisse in dem Bestseller „Ganz entspannt im Hier & Jetzt“ nieder. Seit 1998 lebt er in Mecklenburg und leitet dort ein Institut für Kreativität und Meditation.

YOGA JOURNAL: Herr Elten, Bhagwan ist tot, um die Sannyas-Bewegung ist es ruhig geworden. Wo finden sich denn noch Spuren von diesem Aufbruch?
JÖRG ANDREES ELTEN: Die Bewegung hat es eigentlich nie ­gegeben. Es gab ein paar ­hunderttausend Individualisten, die sich rot gekleidet, aber ihr gewohntes Umfeld nie verlassen haben. Nur relativ ­wenige Sannyasins waren im Ashram von ­Poona und in den Osho-Medita­tionszentren weltweit aktiv. Viele Zentren gibt es inzwischen nicht mehr. Die meisten Sannyasins gehen ganz unspektakulär ihren Berufen nach. Viele arbeiten mit Menschen, vor allem als Ärzte, Heilpraktiker, Sozialhelfer, Lehrer, Anwälte und Richter. Sie tragen keine Mala und kein Rot mehr. Aber was sie bei Osho gelernt haben, tragen sie sicher weiter.

Wäre so etwas wie Poona heute wieder möglich?
Nein, jedenfalls nicht in dieser Form. Osho ist nicht mehr in seinem Körper und die Menschen, die heute ihren Weg als spirituelle Sucher gehen, sind ganz anders als früher. Ich denke aber, dass die Kommune als Lebensform eine große Zukunft hat. Viele Menschen sind schon dabei, sich in Lebensgemeinschaften zu organisieren. Es ist nicht die Blutsverwandtschaft, die sie zusammenführt, sondern eher ein spiritueller Gleichklang. Viele träumen von modernen Landkommunen, die über das Internet mit der ganzen Welt verbunden sind. Sie wollen umweltfreundlich leben, ihre Kinder in eigenen Schulen erziehen, eine ökologische Landwirtschaft betreiben und ihre Kreativität auch künstlerisch entfalten. Das Internet verbindet die tiefste Provinz mit der Welt.

Wird Bhagwan vergessen? War’s das? Oder kann seine Lehre eine Renaissance erleben?
Er ist seiner Zeit um mindestens 50 Jahre voraus. Aber immer mehr Menschen sehen in ihm das, was er von Anfang an war: einen Weisen, der die Antworten auf viele existenzielle Fragen unserer Zeit hat. Seine Bücher erzielen weltweit Millionenauflagen. Sein Gesamtwerk ist vor zwei Jahren in die Bibliothek des indischen Parlaments aufgenommen worden – eine Ehre, die bisher nur noch Mahatma Gandhi zuteil geworden ist. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Osho zumindest in Indien angekommen ist und ernst genommen wird.

Sie sind einen sehr ungewöhnlichen Weg gegangen. Meinen Sie, dass die jüngere Generation von Ihnen etwas lernen kann? Oder ist das alles zu ­eskapistisch?
Nein, das ist nicht eskapistisch, sondern eher pragmatisch, was ich meinem Enkel raten werde, wenn er das rechte Alter erreicht hat. Ich werde ihm vor allem dies raten: Meditiere jeden Morgen eine halbe Stunde. Lerne die Sprache deines Körpers und achte auf seine Signale. Sei dir in jedem Augenblick bewusst, was du tust und was du denkst. Gehe nicht wie ein Roboter durch den Tag – de-automatisiere dich. Habe den Mut, immer wieder bequeme Sicherheiten loszulassen und Neues anzupacken. Mache keine Kompromisse auf Kosten deiner Integrität. Sei dir bewusst, dass du nicht auf der Welt bist, um die Erwartungen anderer Leute zu erfüllen. Wisse, dass Liebe nichts mit Nehmen zu tun hat, sondern nur mit Geben. Trenne dich von Beziehungen, die nicht mehr lebendig sind und von Arbeitsverhältnissen, die dich herunterziehen. Freue dich nicht nur über deine Erfolge, sondern auch über deine Niederlagen, denn sie sind dein bester Lehrmeister.

Bei diesem Interview (2010) handelt es sich um Auszüge aus einem Gespräch der Hamburger Publizistin und Radiomoderatorin Gabriele Heise mit Jörg Andrees Elten.