Dies.Das.Asanas: Die verspielte Variation der Krähe

Variation Krähe Asana Jelena Lieberberg - Foto: Sofia Gomez Fonzo
Unsere Kolumnistin Jelena Lieberberg fotografiert von Sofia Gomez Fonzo

Krähen gelten unter den Vögeln als besonders intelligent und verspielt. Kein Wunder, dass sich auch die Yogakrähe nicht mit ein oder zwei klassischen Formen zufrieden geben sollte – findet zumindest unsere ebenso schlaue und verspielte Asana-Kolumnistin und erklärt, wie diese Variation der Krähe funktioniert.

Ich liebe die Vielfalt im Yoga. Ist es nicht wunderbar, dass es für jedes Alter und jede Lebenslage genau den richtigen Yoga-Stil gibt? Von still bis fließend, von sanft bis kraftvoll ist alles dabei. Wer also keine Lust auf Anstrengung und Kraftakt hat und sich zum Beispiel im Yin Yoga viel wohler fühlt, darf einfach nur die wunderschönen Blautöne genießen, die ich für dieses Foto auf Ibiza gefunden habe. All jene, denen Stabilität und Power am Herzen liegen, werden sich an den Spielmöglichkeit freuen, die ich Euch hier zeige: Auf dem Weg zur einbeinigen Krähe begegnet dem fleißigen Yogi und der fleißigen Yogini unter anderem diese Stellung der Beine.

Nervenkitzel der Balance

Variation Krähe Asana
Unsere Kolumnistin Jelena Lieberberg fotografiert von Sofia Gomez Fonzo

Sobald Geist und Seele auf einer Wellenlänge fließen, lässt sich der Körper nämlich auf das ein oder andere Abenteuer ein. Mich erinnert die Pose ein wenig an das Wahrzeichen von Sizilien, die Trinacria, ein Fabelwesen mit Kopf und drei Beinen. Diese Asana-Variante eignet sich für alle, die ihre Kräfte spielen lassen möchten und dem Nervenkitzel der Balance lächelnd trotzen. Das Schöne ist: Sobald man in Händen und Fingerspitzen das richtige Gefühl für den Schwerpunkt gefunden hat, kann man die Beine theoretisch in fast unmögliche Positionen bewegen – die nötige Kraft und Beweglichkeit natürlich vorausgesetzt.

Verspielte Variation der Krähe: Muss ich das können?

Natürlich nicht. Trotzdem sind der Kraftaufbau und das Spiel mit der Balance eine tolle Sache – selbst wenn man dabei auf allen Schnickschnack verzichtet und sich auf die klassische Krähe (Schritt 1 und 2) beschränkt.
Wärme Handgelenke, Schultern und die Rumpfmuskeln gründlich auf. Um für den „Fall des Fallens“ gewappnet zu sein, legen dir ein großes Sofakissen vor die Nase. So kannst du dich, wenn schon nicht graziös, dann doch immerhin weich abfangen.

Step by Step Anleitung

  1. Beginne mit einer Vorwärtsbeuge aus dem Stand und setze deine Hände schulterbreit auf den Boden. Aktiviere deine Hände und verwurzele sie kraftvoll am Boden. Dann hebe die Fersen, beuge die Knie und schiebe eines nach dem anderen fest gegen deine Oberarme.
  2. Verlagere vorsichtig das Gewicht nach vorn, bis sich die Zehen vom Boden lösen. In dieser Haltung versuchst du zunächst, die Fersen Richtung Po heranzuziehen.
  3. Sobald Schritt 2 mit Leichtigkeit klappt, versuchst du, ein Knie vom Oberarm zu lösen, in der Mitte zwischen den Ellenbogen schweben zu lassen und danach wieder auf dem Oberarm zu platzieren. Dasselbe wiederholst du auf der anderen Seite. Dabei stabilisierst du dich nicht nur mit den Bauchmuskeln, sondern vor allem aus der Kraft deiner aktiv arbeitenden Hände.
  4. Wenn das funktioniert, beginnst du nach einer kleinen Pause erneut in der Krähe (Schritt 1 und 2). Löse langsam und kontrolliert wieder ein Knie vom Oberarm und ziehe es in Richtung Himmel. Dann versuchst du, das gehobene Knie mit den Zehenspitzen des anderen Fußes zu berühren. Voilà! Nach 1-3 Atemzügen segelst du langsam und elegant zurück und wiederholst das Ganze auf der anderen Seite.

FRAGEN ODER ANREGUNGEN? Du findest mich auf instagram.com/kickassyoga, kickassyoga.net oder im Buch „KickAssAsanas“.

Helge Timmerberg über Mantras, Ängste und sein neues Buch

Helge Timmerberg
Helge Timmerberg spricht mit uns über die Kraft der Mantras - Foto: Frank Zauritz

Helge Timmerberg ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. In zahllosen Reportagen und Büchern hat er seine Leser schon mitgenommen auf Reisen rund um den Globus – und zu sich selbst. Sein neues Buch handelt von einem Mantra, einem nepalesischen Wanderyogi und der Frage, ob man im Leben zu allem bereit sein kann.

Helge Timmerberg, dein neues Buch heißt „Das Mantra gegen die Angst“ – und es kreist um ein Mantra, von dem du schreibst, es hätte dir das Leben gerettet. Erzähl mal …

Vor etwas über 15 Jahren, als ich so um die 50 war, hatte ich eine schwere Krise. Nach goldenen Jahren als freier Autor saß ich plötzlich fast ohne Jobs da. Ich hatte keine Kohle mehr und kein Selbstbewusstsein, nur noch Ängste – die ganze Kraft, die ich mit 30 oder 40 gespürt hatte, war weg. Ich fühlte mich komplett out.

Wie kam die Wende?

Geo gab mir den Auftrag für eine Reportage. Ich sollte mit einem Wanderyogi durch den Himalaja pilgern. So traf ich den Yogi Kashinath und der tat mir unheimlich gut. Egal, was auf der Reise alles schief ging, er sagte immer: „I’m ready for everything.“ Die Vorstellung, dass man wirklich bereit ist für alles, hat mich fasziniert. Wenn das stimmt, ist es doch der Wahnsinn: Dann hat man keine Angst mehr! Man wählt nicht mehr aus, gut oder schlecht, will ich oder will ich nicht, man ist nur noch in der Wahrnehmung.

Und das Mantra?

Das gab er mir beim Abschied. Ich hab das erst nicht so ernst genommen, aber daheim angekommen, hab ich es sofort ausprobiert: Da gab’s bei mir im Haus ein Bordell und die Luden hatten Kampfhunde. Vor denen hatte ich panische Angst, weil mich als Kind mal ein Wolfshund gebissen hat. Ich kam also vom Flieger, bog um die Ecke, sah die Hunde, probierte das Mantra – und es funktionierte auf der Stelle! Die Angst war wie weggewischt und die Hunde ließen mich in Ruhe. Da hab ich Vertrauen geschöpft. Immer wenn dann wieder Ängste des Weges kamen, murmelte ich mein Mantra und es half.

Im Kleinen wie im Großen?

Ja. Auch die Lebensangst, dieses „Was soll nur aus mir werden?“, war mit dem Mantra nur noch halb so wild. Von da ab ging es wieder aufwärts. Ich fing an, Bücher zu schreiben und die hatten richtig viel Erfolg.

Für dein neues Buch bist du nach Kathmandu zurückgekehrt. Du wolltest den Yogi Kashinath suchen und dich bei ihm bedanken. Ohne hier schon zu viel zu verraten: Dabei wurde dein Glauben an das Mantra ganz schön erschüttert.

Ach, das können wir schon erzählen: Ich hatte gehofft, beim Gorakhnath-Tempel wenigstens jemanden zu treffen, der mir sagen könnte, wo Kashinath hingegangen ist. Da hieß es aber nur „Der ist irgendwo in Indien.“ Der ältere Mönch, mit dem ich sprach, wollte wissen, worum es ging. Da erzählte ich ihm von dem super Mantra. Er guckte so komisch und sagte: „Das ist gar kein Mantra. Das ist nur eine Begrüßungsformel für den Gott Ganesha.“

Was hat das bei dir ausgelöst?

Ich stand da wie ein begossener Pudel. Einerseits hatte das Mantra immer extrem gut funktioniert. Aber das ist ja ein alter Hut: Es hat funktioniert, weil ich dran geglaubt habe. Plötzlich war da dieses ganze Thema Glauben und ich fragte mich: Sind die Objekte des Glaubens wirklich so unwichtig? Geht es nur um meine eigene Glaubensfähigkeit? Ich konnte gar nichts mehr ernst nehmen. Es war wie in dem Film Matrix, wo die plötzlich aufwachen, am Rande des Universums an einem Felsen hängen und ins Nichts gucken.

Kam der Glaube wieder?

Na ja, ich kam bald wieder in eine Situation, in der ich eine Riesenangst hatte. Die Geschichte steht auch im Buch. Hier nur so viel: Ich hatte den alten Mönch – routinemäßig – beim Abschied noch gefragt, ob es denn ein „echtes“ Mantra gegen die Angst gäbe. Das hatte ich auf dem Handy aufgezeichnet. Und als ich nun in dieser Todesangst nicht mehr weiter wusste, hab ich das Handy aus der Tasche gezogen und mir das Mantra ans Ohr gehalten.

Und das hat gewirkt?

Bumm – die Panik war weg. Der böse Film riss einfach.

Kannst du dir das erklären?

Wenn etwas sofort so funktioniert, dann interessiert es mich erst mal gar nicht, wieso und warum. Aber ich hab es immer wieder probiert. Vor allem beim Schreiben, denn da habe ich immer Ängste: „Klappt das oder klappt das nicht?“ Und dabei stellte ich fest, dass das „richtige“ Mantra schon noch mal anders wirkte als mein altes.

Wie denn?

Es schneidet nicht einfach, zack, die Angst ab. Die Angst ist noch da, aber in ihrer Mitte kommt der Mut: „Das schaffst du schon!“ Denn eine Angst hat ja meistens einen Sinn. Man braucht nur Mut, ihr zu begegnen.

Es gibt ja die These, dass die Konzentration auf ein Mantra Panikgedanken einfach wegdrückt. Demnach könnte man auch „Coca Cola, Coca Cola“ chanten, um die Angst zu besiegen …

Das hab ich mir auch oft gesagt: Nüchterne Erklärung, du schaltest nur dein Gehirn auf „Nicht-Denken“. Ich habe es sogar mit „Coca Cola“ probiert, aber bei mir hatte das nicht dieselbe Wirkung. Die Inder haben ja nicht umsonst ganz verschiedene Mantras – für alles und gegen alles: ein Mantra gegen die Angst, ein Mantra, um Tiger ruhig zu stellen und so weiter.

Wir westlichen Yogis sind inzwischen auch ganz schön auf dem Mantra-Trip …

Ich wusste gar nicht, dass Mantras in der Yogaszene jetzt so ein Ding sind. Das hat mir erst mein Wiener Freund Manfred Holub gesagt, als ich von Kathmandu zurückkam und ihm erzählt habe, dass ich jetzt das „richtige“ Mantra kenne. Da hat er nur gelacht: „Ach das! Das singen wir jeden Donnerstag im Mantra Circle.Da hättest du auch hierbleiben können!“

Bist du mal mit ihm beim Kirtan gewesen?

Ja und ich sag dir: Ich kam raus und war richtig high! Als hätte ich stundenlang meditiert. Wenn ich donnerstags in Wien bin und es nicht vergesse, dann gehe ich da hin.

Du meditierst regelmäßig seit du 19 warst, oder?

Ja, das mache ich wirklich jeden Morgen. Eine Kombination von verschiedenen Atem- und Meditationstechniken. Ohne das möchte ich nicht leben. Das ist auch gar keine Anstrengung. Nach dem ersten Kaffee und der ersten Zigarette setze ich mich hin.

Was erlebst du da?

Ich fühle mich total wohl. Ich komme zurück in so einen seelischen Schutzraum. Da hab ich meine besten Gedanken und finde Lösungen für alles mögliche.

Hat sich etwas verändert in den vielen Jahren Praxis?

Ne, das geht nur immer mal mehr oder weniger tief. Mehr oder weniger sicher. Mehr oder weniger inspirierend. Nur in meiner Krise kam ich damit nicht mehr durch. Da kam dann das Mantra ins Spiel. Wie so ein Special Effect. Obwohl ich es nie so praktiziert habe, wie Kashinath mir das empfohlen hat: „Dieses Mantra sprichst du jetzt schön 108 Mal!“ Ich hab’s gesagt, wenn ich Angst hatte, und wenn die Angst weg war, dann tschüss.

Und wie steht es mit Asanas? Denen bist du doch in Indien sicher auch begegnet?

Ich spiele lieber Tischtennis. Ich fahre auch wahnsinnig gerne Fahrrad und hatte immer viel Sex – was brauche ich da noch Asanas? So hat eben jeder sein Ding.

Du bist auf deinen Reisen vielen traditionellen Yogis begegnet. Was war dein berührendstes Erlebnis?

Ich hab es zweimal erlebt, dass mir ein Yogi die Hand aufgelegt hat und ich schlagartig im Hier und Jetzt angekommen bin. Da denkst du nicht mehr, was du noch alles erleben willst und wo du noch überall hinwillst. Ich war komplett da – und alles war ein einziger Genuss. Darum geht es! Mein Lieblingssatz im neuen Buch ist auch: „Das Sein braucht keinen Sinn.“ Das ist einfach.

Wenn man das verinnerlicht, dann ist man vielleicht auch so wie Kashinath „ready for everything“.

Also wenn du mich so fragst: Ich bin mit Sicherheit nicht ready for everything. Absolut nicht. Aber es ist eine unheimlich gute Zielsetzung. Das ist doch das Geilste, was es gibt! Es bedeutet ja nicht nur, dass du kaum noch Ängste hast, du wertest einfach nicht mehr. Alles ist da und du kannst an allem lernen. Wie gehe ich mit einer Pleite um? Wie gehe ich mit Liebeskummer um?

Und solange wir noch nicht „ready“ sind, helfen uns die Mantras … Dein Mantra gegen die Angst willst du hier wohl nicht verraten? Im Buch gibt es nur einen QR-Code und der führt zu einem Soundfile, wo du es singst.

Ah, da hattest du anscheinend die vorläufige Pressefahne. In der Druckfassung steht das Mantra drin. Ich hatte es bloß vergessen.

Mir hat die Idee mit dem Soundfile eigentlich gut gefallen. Da bleibt dem Mantra mehr von seiner Magie, als wenn man es schwarz auf weiß liest. Übrigens Kompliment: Du singst sehr gut. Vielleicht bist du ja auch „ready for Kirtan-Karriere“?

Haha, das sagt der Manfred auch immer. Der ist ja Profi-Musiker und hat ein eigenes Studio. Da werden wir das noch mal richtig aufnehmen – und auch noch ein paar andere Mantras mehr.

Da bin ich gespannt. Aber ich denke, wir verraten hier jetzt doch nur so viel: Das Mantra gegen die Angst ist sehr bekannt. Es richtet sich an Ganesha und hat zehn Silben.

Und wer es jetzt noch nicht weiß, kann ja das Buch lesen …


HELGE TIMMERBERG war viele Jahre freier Journalist, bevor er als Buchautor erfolgreich wurde. Titel wie „Tiger fressen keine Yogis“ und „Shiva Moon“ zählen inzwischen zu Bestsellern der Reiseliteratur. Sein neuestes Buch erscheint am 14. Oktober:

Helge Timmerberg: Das Mantra gegen die Angst. Oder: Ready for everything. (Malik Verlag, 20 Euro)

Montags-Mantra: Gewinne deine Neugierde zurück

Neugierde Montags-Mantra

Neugierde: Ein Werkzeug für Erfolg

Neugierde ist eine unserer ersten Eigenschaften und der Motor für Entwicklung. Kinder hinterfragen, wollen verstehen, erkunden und erforschen. Sie beobachten. Sie hören Geräuschen zu. Sie bemerken Dinge, die Erwachsene für selbstverständlich halten. Kinder sehen die Welt mit anderen Augen und sind hungrig nach Wissen. Im Laufe des Lebens verdrängen Angst und das Bedürfnis nach Sicherheit einen Teil dieser Neugierde. Dabei ist sie ein so wertvolles Werkzeug wenn es um Erfolg geht.

Übrigens: Wieso probierst du nicht mal eine Yogastunde mit Kindern aus? Da steckst du dich sicherlich mit eine ganzen Portion Neugierde an.

Sei neugierig

Neugierde geht im Alter oft verloren. Du gewinnst sie zurück, wenn du dich öfter mal für den unbequemen Weg entscheidest. Im Unbekannten liegt die Freiheit, Fehler zu machen. Wir scheitern, wir probieren es erneut bis es klappt und lernen somit auf eine Art wie wir es als Kinder getan haben. Manchmal hilft auch schon etwas mehr Achtsamkeit im Alltag. Bleibe auf einem bekannten Weg stehen. Schaue dich um, nehme Geräusche und Gerüche wahr und du wirst feststellen, dass es immer etwas Neues zu entdecken gibt.

„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.

-Albert Einstein

Playlist für Neuanfänge

Neuanfänge
Neuanfänge

„Zwischen den Jahren“ – eine schöne Redewendung, findest du nicht? Sie geht auf Kalender-Debatten vergangener Jahrhunderte zurück. Aber lassen wir das mal außen vor. Für sich genommen klingt der Ausdruck nach Innehalten. Nach Zeit, die uns geschenkt wird. Das alte Jahr liegt hinter uns, für das neue können wir in aller Ruhe Anlauf nehmen… und überlegen, welche Wege wir einschlagen wollen. Nun ist das Jahr 2020 da und wir können die guten Vorsätze in die Tat umsetzen. In welchen Bereichen deines Lebens würdest du gerne Neuanfänge wagen? Zu den Klassikern gehören (vielleicht findest du dich ja wieder): gesünder ernähren, mehr bewegen, mehr Zeit mit der Familie verbringen. Tja, und plötzlich wird es März, und alles ist wieder beim Alten.

Neu beginnen in 2020

Damit das in diesem Jahr anders wird, haben wir diese Playlist den Neuanfängen gewidmet, dem inneren Wachstum und (vielleicht auch äußeren) Wandel. Sie ist also eine kleine Erinnerung, dem Drang des Gewohnten zu widerstehen. Und sie bringt eine Portion Mut, wenn du vor Neuanfängen stehst und der sich der erste Schritt etwas schwierig gestaltet. Viel Spaß damit und ein gesundes und glückliches neues Jahr.

Playlist für Neuanfänge

Übrigens: In unserem Jahreshoroskop blicken wir in der aktuellen Yoga Journal Ausgabe in die Sterne und verraten dir, wie deine Chancen für Neuanfänge in 2020 stehen.

Besser entspannen mit Yoga Nidra

Die uralte Praxis des Yoga Nidra bewährt sich in ihrer modernen Form nicht nur als Entspannungs-Technik. Sie ist auch ein sanfter Einstieg in die Meditation und kommt als Therapie bei Angst, Unruhe und Stress zum Einsatz.

An einem kühlen Abend beginnt in einem hohen Speisesaal eine ziemlich untypische Yoga-Stunde: Vierzehn Männer in Jeans, Stiefeln oder Turnschuhen rollen ihre Matten aus und machen es sich mit Schlafsäcken, Decken und Kissen bequem. Kelly Boys lächelt, als sie ihre Schützlinge beobachtet. Sie alle sind Patienten einer kalifornischen Suchtklinik. Kelly fragt nach, ob jemand über seine Erfahrungen während der letzten Stunde sprechen möchte.

Ein 52-Jähriger meldet sich und bekennt, er habe mit dem Gefühl der Einsamkeit zu kämpfen gehabt. „Wie fühlt sich dein Körper bei diesem Gefühl an?“, fragt Boys. „Angespannt“, antwortet Charles. „Und wo genau spürst du die Anspannung?“ „In den Schultern.“ „Gut. Dann frag nach: ‚Was brauchst du? Was willst du mir sagen?’“, rät Boys. „Wir tun nichts anderes, als uns dem Problem aufmerksam zuzuwenden. Wenn wir ihm wirklich begegnen, löst es sich meist schon auf.“ Charles nickt, für den Moment ist er zufrieden mit der Antwort.

Als die Männer dann still liegen, beginnt Kelly Boys, sie mit Worten auf eine detaillierte Reise durch den Körper zu führen, so wie dieser heute, in diesem Moment da ist. Das ist der Einstieg in die Yoga-Nidra-Praxis. Allmählich wird es immer stiller, bald ist nur noch das Brummen der Lüftung zu hören – und die Stimme von Kelly Boys: „Kannst du das Innere deines Mundes spüren? Lenke nun die Aufmerksamkeit auf dein linkes Ohr. Spüre das Innere des linken Ohres… Dann wende dich dem rechten Ohr zu… Kannst du beide Ohren gleichzeitig spüren?“ Ringsum entspannen sich die Gesichter und schon bald sind erste Schnarchgeräusche zu hören.

Tiefe Ruhe

Yoga Nidra ist schon sehr alt, war aber lange Zeit nur wenig bekannt. Seit einigen Jahren wird die moderne Interpretation von Yoga Nidra immer beliebter, sowohl als Meditationstechnik als auch als ganzheitliche Geist-Körper-Therapie. Diese systematische, geführte Entspannung dauert meist 35 bis 40 Minuten. Teilnehmer berichten, dass sich danach schon bald eine wohltuende Wirkung einstellt: Stress wird abgebaut, sie können nachts besser schlafen. Viele sagen auch, Yoga Nidra habe das Potenzial, seelische Wunden zu heilen.

„Im Yoga Nidra stellen wir die natürlichen Funktionen von Körper, Sinnen und Geist wieder her und wecken einen siebten Sinn, der es uns erlaubt, das Gefühl des Getrenntseins zu überwinden. Stattdessen empfinden wir Ganzheit, Ruhe und Wohlbefinden“, erläutert Richard Miller. Der Yogalehrer und klinische Psychologe aus der Gegend von San Francisco ist ein Vorreiter bei der Vermittlung von Yoga Nidra an ein breiteres Publikum.

Zwar bieten viele prominente Lehrer mittlerweile Kurse, CDs und Bücher über Yoga Nidra an, Miller war es aber, der eine Fülle neuer Einsatzmöglichkeiten erschlossen hat. Die Praxis wurde in Militärstützpunkten und Kliniken für Kriegsveteranen eingeführt, in Obdachlosenheimen und Programmen für benachteiligte Kinder, in Suchtkliniken und Gefängnissen. So findet Yoga Nidra neuerdings auch wissenschaftliche Beachtung: Forscher untersuchen dessen Auswirkungen auf Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen, auf Suchtkranke, auf Menschen, die unter Depressionen, Krebs oder MS leiden, aber auch auf gestresste Angestellte im Gesundheitssektor oder auf Ehepaare, die über Schlaflosigkeit klagen.

Vor über 40 Jahren besuchte Richard Miller seine erste Yoga-Stunde im Integral Yoga Institute in San Francisco. „Am Ende der Stunde wurde eine modifizierte Form von Yoga Nidra unterrichtet – ein besonders tiefes Savasana“, erzählt er. „Für mich war das eine sehr tiefe Erfahrung. Ich konnte spüren, dass ich mit dem ganzen Universum verbunden bin. Da schwor ich mir, diese Praxis ganz genau zu ergründen.“ In jahrelangem Studium und Unterricht hat Miller seiner eigene Herangehensweise entwickelt. Er will die Praxis einer breiten Masse zugänglich machen, auch Menschen mit nur sehr wenig oder gar keiner Erfahrung mit Yoga. 2005 erschien sein Buch „Yoga Nidra: A Meditative Practice for Deep Relaxation and Healing„, weitere Bücher und CDs folgten. „Die meisten Menschen versuchen sich zu ändern“, erklärt Miller. „Yoga Nidra fordert sie auf, sich selbst anzunehmen. Nur in diesem wirklichen Annehmen kann tief greifender Wandel stattfinden.“

Einfache Schritte

Die Praxis ist beinahe enttäuschend simpel und weil sie meist im Liegen stattfindet, spricht sie auch Menschen an, die sich von der Arbeit mit Asanas oder von Meditations-Praxis im Sitzen vielleicht abschrecken lassen. Eine verkürzte Version von Yoga Nidra dauert weniger als zehn Minuten. Dennoch ergeben die unterschiedlichen Elemente in Kombination und bei regelmäßiger Praxis ein hoch entwickeltes System von Werkzeugen für Körper und Geist. So kann Yoga Nidra dem Übenden eine wertvolle Stütze in schwierigen Lebensphasen sein – oder auch nur eine leicht zugängliche Meditationsform für das tägliche Wohlbefinden.

Während einer typischen Yoga-Nidra-Einheit nach Miller führt ein Lehrer die Teilnehmer durch verschiedene Stadien. Zunächst werden ein Herzenswunsch und eine Intention für die heutige Praxis wachgerufen. Dann lenkt man die Aufmerksamkeit nacheinander auf den Atem, auf Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken. Während dieses ganzen Prozesses wird der Übende dazu ermutigt, ein tief in ihm schlummerndes, immer vorhandenes Gefühl des Friedens anzuzapfen.

Gleichzeitig soll er ein „Zeugenbewusstsein“ kultivieren, eine innere Instanz, die alles, was da ist, beobachtet und annimmt, ohne sich darin zu verstricken. „Mit Yoga Nidra kann man tiefstmögliche Entspannung erreichen“, meint auch Rod Stryker, der Gründer von Para Yoga. Er unterrichtet Yoga Nidra seit Mitte der neunziger Jahre und schreibt in seinem 2012 erschienenen Buch „The Four Desires“: „Es öffnet eine Tür zu einem Platz, an dem wir uns selbst und unser Leben im positivsten Licht sehen können.“ Im Unterschied zu anderen Meditationsformen, bei denen man die Konzentration auf einem Mantra oder dem Atem halten muss, soll man bei Yoga Nidra nichts anderes tun als loslassen – oder, um mit Strykers Worten zu sprechen, „den Loslassmuskel aktivieren“.

Ruhe für die Ruhelosen

Der Weg von Yoga Nidra zu einem breiteren Publikum führte seltsamerweise über das Walter Reed Army Medical Center, ein Militärkrankenhaus, das seinen Sitz damals in Washington DC hatte. Dort taten sich 2004 die Wissenschaftlerin Christine Goertz und die Yogalehrerin Robin Carnes zusammen. Unterstützt von Richard Miller führten die beiden eine Pilotstudie durch, die die Wirkung von Yoga Nidra auf Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen untersuchte. Weil man in diesem Zusammenhang nach einer griffigeren Bezeichnung suchte, prägte Miller den Namen „iRest“, der für „Integrative Restoration“ steht. Die große Folgestudie mit 150 zufällig ausgewählten Patienten im Veteranenzentrum von Miami bestätigte 2010 die Ergebnisse: Einige der schlimmsten Symptome der Belastungsstörung verbesserten sich deutlich – extreme Ruhelosigkeit, Angstzustände und Schlafstörungen. Cheryl LeClair, die iRest in einem Marinestützpunkt in North Carolina unterrichtet, erzählt: „Die meisten Jungs können nicht schlafen. Aber schon bei der ersten iRest-Session pennen sie ein. Zu sehen, wie sie sich endlich entspannen und loslassen, ist toll.“

Das geht vielen Menschen so: Sie entspannen sich gerade während ihrer ersten Yoga-Nidra-Stunden so sehr, dass sie einschlafen. Aber obwohl Yoga Nidra wört lich übersetzt „yogischer Schlaf“ bedeutet, geht es gerade nicht um eine besondere Art des Schlafens, sondern um einen Zustand zwischen Wachen und Schlafen, um tiefe Entspannung mit einem Rest Bewusstsein und damit um einen Zugang zu tieferem Bewusstsein. Cheryl LeClair drückt es so aus: „Wenn du in der Lage bist, einen Schritt zurückzutreten und deine Gedanken ohne Reaktionen zu beobachten, bekommst du wieder Bewegungsspielraum und lernst Gelassenheit.“

Emotionale Heilung

Die Wurzeln von Yoga Nidra sollen viele tausend Jahre zurückreichen. Als Richard Miller die überlieferten Techniken an die heutige Zeit und die westliche Welt anpasste, ging es ihm vor allem um emotionales Wohlbefinden. „Die östliche Yogalehre setzt ein hohes Maß an körperlicher und seelischer Gesundheit voraus“, sagt er. „Und ich sah ein, dass das für meine eigenen Schüler meistens nicht zutrifft. Deswegen habe ich auch das Element der inneren Zuflucht eingeführt.“ In der ersten Phase von Yoga Nidra, wenn die Teilnehmer sich beginnen zu entspannen, fordert Richard Miller sie dazu auf, ihre persönliche „innere Zuflucht“ heraufzubeschwören, ein Bild oder ein Gefühl von einem Ort, an dem man sich sicher und geborgen fühlt. Wenn dann im Verlauf von Yoga Nidra – oder auch im Alltag – intensive, schwer zu bewältigende Gefühle auftauchen, kann man jederzeit an diesen Ort zurückkehren.

Charles, einer der Männer, den wir in Kelly Boys eingangs geschilderter Yoga-Nidra-Stunde kennen lernten, war abhängig von Alkohol und Schmerzmitteln. Yoga Nidra half ihm dabei, einen Teil von sich wiederzufinden, der von Sucht und Schmerzen unberührt geblieben war. Seine „innere Zuflucht“ ist die Bäckerei seiner Eltern. „Ich gehe zurück in meine Kindheit und helfe in der Backstube“, erzählt er. „Ich denke an meinen Vater und daran, wie gut es sich anfühlte, wenn er mich umarmte.“

Innere Entdeckungen

Wenn Sie schon mal versucht haben, 30 Minuten sitzend zu meditieren, wissen Sie vermutlich, dass man nicht unter einem Trauma leiden oder suchtkrank sein muss, um sich im eigenen Geist unwohl zu fühlen. Als Meditationstechnik angewandt, bietet Yoga Nidra einen sanfteren Zugang. Es beginnt mit Körperbewusstsein, arbeitet mitfühlend mit aufsteigenden Gedanken und Emotionen und führt den Meditierenden ganz allmählich zu größerem Bewusstsein. Nicht ohne Grund verwenden einige der ältesten Quellen den Begriff Yoga Nidra gleichbedeutend mit Samadhi (Einssein), der höchsten Stufe das achtgliedrigen Yogapfades nach Patanjali. Dieser Aspekt von Yoga Nidra lässt sich am schwersten in Worte fassen.

Für Richard Miller stellt er aber den Kern der Praxis dar. Alle Empfindungen, Gefühle und Gedanken, die in tiefer Entspannung aufsteigen, zu beobachten und anzunehmen, kann dazu führen, dass man sich weniger mit dem individuellen Selbst (Miller nennt es den „Ich-Gedanken“) identifiziert. Durch diese Erfahrung ist es seiner Meinung nach auch möglich, das Gefühl zu überwinden, dass man von anderen getrennt ist, und stattdessen ein unerschütterliches Gefühl der Verbundenheit mit allem Leben zu entwickeln. Wenn das geschieht, sagt Miller, „entsteht ein tiefes Wohlgefühl. Das ist es, was ich bei meiner ersten Yoga-Nidra-Stunde erlebt habe und seither zu vermitteln versuche.“


Übrigens: Es gibt auch Kräuter, die wohltuend wirken und bei Schlaflosigkeit eine beruhigende Wirkung haben. Aber Vorsicht: Spreche bitte mit deinem Arzt, bevor du Kräuter oder Nahrungsergänzungsmittel als Einschlafhilfe nimmst.

Lavendel
Lege dich unmittelbar bevor du ins Bett gehst in ein heißes Bad, angereichert mit ein paar Tropfen Lavendel­essenz. Das beruhigt Geist und Körper.

Baldrian
Versuche es mit einem flüssigen Ex­trakt dieses beruhigenden Krauts. Folge den Dosierungsanleitungen. Es kann ein paar Wochen dauern, bis die Wirkung einsetzt.

Passionsblume
Bereite aus der beruhigenden Passionsblume einen Tee zu und trinke diesen am Abend.

Ein Ritual für Neujahrsvorsätze

Schaffe Raum für das neue Jahr(zehnt) und lasse Vergangenes los. Am Besten funktioniert das mit dem folgenden Ritual für Neujahrsvorsätze.

Häufig schon habe ich in meinem Leben den Beginn des neuen Jahres zelebriert. Dazu habe ich eine Liste mit allen guten Vorsätzen für meine Zukunft erstellt. Ich habe all das aufgeschrieben, was ich für mich selbst möchte und dabei eine affirmative Sprache verwendet: „Im neuen Jahr werde ich meinen Schülern mit Freude dienen. Ich werde in meinem spirituellen, emotionalen und materiellen Dasein Fülle erfahren.“

Wieso ich diese Übung mache? Ein solcher Vorsatz lässt einen das Ziel anvisieren und den Pfeil auf die Zielscheibe ausrichten. Wenn deine Ausrichtung klar genug ist, gibt sie allem, was du tust, eine fokussierte Richtung. Du wirst dadurch solche Entscheidungen treffen, die dich auf natürliche Weise auf deinem Weg begleitest. Allerdings ist das bloße Setzen deiner Ausrichtung noch keine Garantie dafür, dass du deine Ziele auch verwirklichst. Falls sich versteckte Widerstände unter der Oberfläche deiner Psyche befinden, können sie den Pfeil deiner Absicht auch gehörig sabotieren. Das trifft zu, ganz egal, ob deine Intention nun ist, den perfekten Partner anzuziehen oder deine Yogapraxis zu vertiefen. Daher ist es zu Beginn, wenn du deine Vorsätze entwickelst, notwendig, dass du dir deine Vorbehalte bewusst machst – vielleicht ein verstecktes Gefühl, das Gewünschte eigentlich gar nicht zu verdienen oder schlicht unverarbeitete Emotionen.

Der Schlüssel dazu ist ein Prozess, den ich als „Rekapitulation“ bezeichne – eine formelle Rückschau auf die größten Hits und Flops deiner jüngsten Vergangenheit. Während dieses Prozesses holst du dir das gesamte Gepäck, das du mit sich herumschleppst, ins Bewusstsein und damit alles, was deiner Absicht auf subtile Weise im Weg stehen könnte.

Erleichternde Karma-Arbeit

Vor einigen Jahren am Silvesterabend führte ich mein erstes Ritual durch, mit dem ich Bilanz ziehen wollte über meine Vergangenheit. Es war eine Bestandsaufnahme aller großen Veränderungen im vergangenen Jahr. Ich lud ein paar enge Freunde zum Abendessen ein, um gemeinsam am Feuer zu sitzen und über unser Leben nachzudenken. Wir erstellten jeweils eine Liste mit allen emotionalen Momenten des letzten Jahres, an die wir uns erinnern konnten. Die Ziele, die wir erreicht hatten, und die Veränderungen, die wir durchlebt hatten. Alle Handlungen, auf die wir stolz oder über die wir glücklich waren. Alle Momente, in denen wir uns jemandem nahe und geliebt gefühlt hatten.

Anschließend schrieben wir alle Handlungen und Worte auf, die wir bereuten. Wir dachten an Konflikte und reflektierten über Verhaltensweisen, die Leid bei uns selbst oder anderen erzeugt hatten. Wir zogen alle Erinnerungen an Momente hervor, an denen wir nicht unser bestmögliches Selbst gelebt hatten.

Meine positiven Errungenschaften aufzulisten, fühlte sich großartig an. Doch der andere Teil ließen mich immer schwerer fühlen. Normalerweise zog ich es vor, mich selbst als immer freundlich, mitfühlend und sozial kompetent wahrzunehmen, anstatt mir bewusst zu machen, wann ich meine starke Mitte verloren, gemein gesprochen und andere missachtet hatte.

Die Gefühle befreien

Nicht nur ich konnte dieses Gefühl der Schwere wahrnehmen konnte, aber wir blieben jedoch weiter dabei. Für jedes einzelne Ereignis oder jeden erinnerten Moment des vergangenen Jahres schrieben wir ein paar Worte nieder. Jemand schlug vor, dass wir uns alle einen Augenblick Zeit nehmen sollten, um glücklich über alle positiven Momente und traurig über all unsere Fehler zu sein. Jeder las eine positive Errungenschaft auf seiner Liste vor. Von „Ich habe eine 50 Kilometer lange Fahrradtour gemacht“ bis hin zu „Ich habe meiner Mutter verziehen“ kam so ziemlich alles vor. Dann teilten wir den anderen – etwas verhaltener – eine Sache mit, die wir bereuten. Meine war, dass ich schlecht über andere geredet hatte. Jemand warf ein, wir sollten spezifischer werden. Also erinnerte ich mich an eine bestimmte Situation und wiederholte, was ich damals gesagt hatte. Tatsächlich fühlte es sich befreiend an, dieses Geständnis zu machen, besonders in einem neutralen wertfreien Raum. Nacheinander warfen wir unsere Listen ins Feuer und sagten dabei laut:

„Ich gebe alles, was in diesem vergangenen Jahr geschehen ist, egal ob positiv oder negativ, an das heilige Feuer ab. Möge alles, was ich erreicht habe, gute Früchte tragen. Mögen mir all meine Fehler vergeben werden. Möge alles Karma dieses Jahres aufgelöst werden. Ich bin dankbar für mein Leben.“

Wir sahen zu, wie das Papier in den Flammen verschwand. Am Ende verbrachten wir noch einige Minuten in Meditation die das Herz heilt und sprachen anschließend darüber, wie das Ritual sich angefühlt hatte. Eine Frau namens Jenny sagte, dass sie sich definitiv leichter fühle.

Im Anschluss befassten wir uns mit unseren Vorsätzen für das kommende Jahr. Dabei orientierten wir uns an folgenden Fragen: „Was möchte ich am allerliebsten erreichen? Wie möchte ich mein Leben leben? Welche Qualitäten in mir würde ich gerne stärker hervorbringen?“ Auch diese Antworten teilten wir miteinander und warfen anschließend die Listen ins Feuer. Als ich meiner Liste beim Brennen zusah, fühlte ich in mir eine tiefe Freude über das neue Jahr, das ich erleben durfte.

Eine meiner Absichten war, mir darüber klar zu werden, was meine Aufgabe als Lehrerin war. Im Laufe des Jahres konnte ich feststellen, dass ich Events und Programme in einem nie zuvor dagewesenen Maß in die Tat umsetzen konnte. Der Prozess des Rekapitulierens schien mich zu befreien, indem er karmische Rückstände beseitigte, die vielleicht sonst zu Verwirrung oder versteckter Schuld geführt hätten.

Die Tradition dieses Rituals

Seither habe ich an jedem Silvesterabend etwas Zeit damit verbracht, mir die Ereignisse des vergangenen Jahres ins Gedächtnis zu rufen, mal mit Freunden, mal alleine. Es ist zu einem der wichtigsten Rituale in meinem Leben geworden. Seit führe Kurzem sogar mehrmals im Jahr ein solches Ritual durch – ganz besonders dann, wenn sich mein Leben im Wandel anfühlt oder wenn ich alte Projekte abschließe oder neue beginne. Diese kraftvolle Übung, sich Zeit zu nehmen, um sich über Worte und Taten der Vergangenheit klar zu werden, halten viele traditionelle Lehrer für eine Voraussetzung für echtes persönliches Wachstum.

Manche Lehrer raten sogar dazu, dass man sich die Übung mindestens einmal pro Woche oder sogar täglich vornimmt! Swami Sivananda beispielsweise, einer der größten Yogameister des 20. Jahrhunderts, nahm das Rekapitulieren in seine Liste der zwanzig spirituellen Unterweisungen auf. Er schlug vor, man solle ein spirituelles Tagebuch zur „Selbstverbesserung“ führen und täglich hineinschreiben. Er warnte aber auch: „Grübele nicht über deine Fehler aus der Vergangenheit nach.“

Zuerst fragte ich mich, ob es nicht eine Form des Brütens über Vergangenem ist, wenn man Listen darüber anfertigt, was man alles gerne anders gemacht hätte. Als ich es jedoch selbst ausprobiert hatte, realisierte ich, dass genau das Gegenteil der Fall war: Der Prozess des Rekapitulierens ist die Vorstufe auf dem Weg zum Loslassen aller Negativität und Selbstverurteilung, die in die Erinnerung an die negativen Handlungen eingebettet sind. Man kann nicht bewusst in eine neue Lebensphase eintreten, wenn man nicht zuvor Bewusstheit in seine Vergangenheit gebracht hat. Das Leben ist so schnell, dass wir die positiven Momente aus den Augen verlieren, und häufig unbequeme Gefühle vergraben. Oder aber, wenn wir uns doch daran erinnern, dann machen wir uns selbst fertig oder versuchen, einen anderen Schuldigen zu finden. Jede dieser Reaktionen hämmert das Unbehagen nur noch tiefer in unser Unterbewusstsein.

Die Macht unbearbeiteter Gefühle über unser Leben

Wenn deine Gefühle verletzt wurden oder du eine andere Person unglücklich gemacht hast, registriert dein Körper dies und hält daran fest. Die Erinnerung daran wird in deinen Neuronen und eventuell sogar in deinen Muskeln abgespeichert. Rücken- und Nackenschmerzen stehen offenkundig in Zusammenhang mit unverarbeiteten Informationen wie Angst oder Ärger.

Unbearbeitete Gefühle häufen sie sich an wie Schlamm. Deshalb spüren wir häufig ein seltsames Gefühl des Unbehagens, Nervosität oder scheinbar grundlosen Ärger. Wenn du dazu neigst, belastende Gefühle und Gedanken zu vergraben, brechen sie häufig an anderer Stelle aus. Sie sabotieren deine guten Vorsätze, verursachen Schmerzen im Körper und beeinflussen deine Art zu sprechen und zu handeln.

Dieses Rekapitulieren unterscheidet sich von Psychotherapie. Anstatt sich mit den Gründen und Ursachen aus der Vergangenheit zu beschäftigen, betreiben wir einfach Hausputz auf mentaler und emotionaler Ebene. Indem du deine Erfolge anerkennst und deine Fehler zugibst, hast du nicht nur die Chance, aus den Erlebnissen und Erfahrungen zu lernen, sondern auch die Möglichkeit, sich von den emotionalen Rückständen zu befreien.

Ein ehrlicher Blick auf sich selbst

In der Yogatradition entspricht die Übung des Rekapitulierens „Vichara“, der Selbstergründung oder -reflexion. Dieses Ergründen basiert auf Fragen. Diese Fragen können spontaner Natur sein, wie „Weshalb fühle ich mich gerade unwohl?“, oder etwas radikaler: „Wer bin ich wirklich?“ Tatsache ist jedenfalls, dass jede Tradition eine Form der Rekapitulierung anbietet – von der Beichte, über Karma-Auflösung bis hin zur moralischen Inventur.

Der Zweck ist immer derselbe: Es ist eine Möglichkeit, das Unkraut aus unserem inneren Feld zu entfernen. Uns selbst ehrlich zu betrachten, ist für die meisten von uns nicht einfach. Häufig ist es schlichtweg unangenehm. Unsere Gewohnheit, uns selbst zu verurteilen, schuldig zu fühlen oder Unerfreuliches zu leugnen, ist oft tief verwurzelt. Vielen Menschen fällt es schwer, Erfolge anzuerkennen. Den meisten fällt es allerdings noch schwerer, Fehler zuzugeben. Ein Grund liegt darin, dass wir uns häufig so sehr mit unserer gewohnten Art zu handeln identifizieren und glauben, uns nicht ändern zu können. Manchmal wollen wir es auch gar nicht!

Durch Reflexion zur Transformation

Je mehr du dich daran gewöhnst, auf deinen Tag, deine Woche oder deinen Monat zurückzublicken und dein Unbehagen aus dem Weg zu räumen, desto automatischer läuft dieser Vorgang ab. Irgendwann wird der „Selbstreinigungs“-Prozess etwas sein, das du regelmäßig praktizierst. Ebenso wie das Gefühl, in einem frisch überzogenen Bett zu liegen, werden wirst du mit der Zeit auch die Offenheit und Freiheit lieben lernen, die sich einstellt, wenn du dir die Rückstände aufgeladener Ereignisse bewusst gemacht und losgelassen hast.

Ein Ritual des Loslassens

Ein Geheimnis beim Erinnern ist, dass es möglichst in einem sicheren Raum der Selbstakzeptanz stattfinden sollte. Gemeinsam mit anderen Menschen kann es ein sehr kraftvolles Ritual sein, wenn die Gruppe fähig ist, einen gemeinsamen Raum mitfühlenden Beobachtens zu schaffen. Die Gruppenmitglieder sollten als klarer Spiegel für die anderen fungieren können und keinesfalls zu Richtern der Fehltritte oder gar zu Neidern der Erfolge werden. Es hat aber auch Kraft und ist manchmal einfacher, diese Zeremonie mit sich alleine durchzuführen. Der Prozess verläuft in vier Schritten:

Die vier Schritte des Reinigungs-Rituals

1. Verbringe anfangs ein paar Minuten damit, in deinem Inneren ein Gefühl liebender Akzeptanz zu entwickeln. Du kannst dich beispielweise an einen Moment erinnern, in dem du dich vollkommen angenommen gefühlt hast – entweder von einer anderen Person oder in der Natur. Fühle dieses Gefühl des Angenommenseins in deiner Erinnerung und lass dich in dieses Gefühl hineinsinken.

2. Schreibe sämtliche Erlebnisse, Worte und Ideen auf, die für du mit Emotionen beladen bist. Die wahre Herausforderung liegt darin, sich die negativen Erlebnisse bewusst zu machen. Schreibe entweder ein paar Worte dazu oder schreibe die ganze Geschichte auf, indem du auch erwähnst, was du oder die andere Person gesagt und getan hast. Tue dies möglichst objektiv und beschreibe deine Gefühle dazu mit derselben Objektivität – warst du stolz, ärgerlich, angsterfüllt?

3. Lies dir die Liste durch. Falls es etwas gibt, wofür du dich entschuldigen solltest oder das du irgendwie in Ordnung bringen musst, mache dir eine Notiz. Beschließe, dass du alle notwendigen Handlungen unternehmen wirst, um die Energie zu befreien, die sich in dem vergangenen Erlebnis angestaut hat. Und entscheide dich dafür, dass du künftig dein Bestes tun wirst, um diesen Fehler nicht zu wiederholen.

4. Der nächste – und wesentliche – Schritt ist, die Negativliste zu zerreißen, zu verbrennen oder anders zu vernichten. Während du das dies tust, denke bewusst: „Mögen diese negativen Vorfälle, Gefühle und Handlungen sich auflösen. Möge kein Wesen durch sie verletzt werden.“ Du kannst auch die positive Liste verbrennen und sich dabei wünschen, dass deine Erfolge und guten Taten zum Wohle anderer Lebewesen sein mögen. Mach es sofort. Verwandele die Dokumentation in ein Befreiungritual.

Die Veränderung neuronaler Verknüpfungen

Es handelt sich keineswegs um ein bedeutungsloses Ritual: Die Gehirnforschung weiß, dass es wichtig ist, bewusst einen anderen neuralen Pfad zu wählen, wenn man eine Gewohnheit oder eine Denkweise verändern möchte. Dazu dient es, einen Gedanken mit einer symbolischen oder tatsächlichen physischen Aktion zu verknüpfen. Der einfache Vorgang, zu sammeln und dann symbolisch loszuwerden, was einen beschäftigt, führt dazu, dass du tatsächlich den negativen Gedanken oder die negative Tat, die du loswerden willst, vernichtest.

Jake, der im ersten Jahr an dem Neujahrsritual teilnahm, fühlte sich schlecht aufgrund eines Streits.  Beinahe ein Jahr herrschte Funkstille zwischen ihm und seinem Bruder. Er nahm sich Zeit, um den Streit nochmals zu rekapitulieren und schrieb auf, was er gesagt und gefühlt hatte, als er die Beherrschung verloren hatte. Sobald er alles aufgeschrieben und das Papier zerrissen hatte, bemerkte er, dass er keinen Groll mehr in sich trug. Am nächsten Tag rief er seinen Bruder an, die beiden vereinbarten ein Treffen. So konnten die beiden damit beginnen, ihre Beziehung zu reparieren.

Rekapitulation ist der Schlüssel zur Veränderung. Es ist das Geheimnis, effektive Absichten zu kreieren. Und eines der mächtigsten Werkzeuge im Yoga.

Playlist für Candle-Light Yoga

Es ist früh dunkel, der Tannenbaum leuchtet und wir können es uns zuhause mit Kerzen, Decken und Tee schön gemütlich machen. In dieser Zeit will man am Abend die Wohnung gar nicht verlassen – selbst wenn es um die geliebte Yogastunde geht. Daher gibt es diese Woche eine Candle-Light Playlist für kalte Winter-Abende, die du mit ganz viel Kerzenschein und deiner Yogamatte in den eigenen vier Wänden verbringst. Einen Flow, der super zur Stimmung passt, findest du hier.

Candle-Light Playlist

Vielleicht möchtest du dir ja auch eine ganze Detox-Woche zuhause gönnen. Hier findest du Inspiration für dein Yoga-Retreat in den eigenen vier Wänden. Wenn du dazu noch mehr Yoga-Musik brauchst, gibt es hier all unsere Playlists.

Einfach selbstgemacht: Grünkohl-Chips

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Der Kale-Trend wanderte von den USA nach Deutschland. Auf der Superfoot-Liste ist der Grünkohl nun schon seit Jahren Seit Jahren das It-Gemüse. Im Winter hat er Saison und ist in jedem Gemüse- oder Bioladen erhältlich. Wir zeigen dir heute, wie du das Grünzeugs in nur wenigen Minuten in gesunde und knackige Grünkohl-Chips verwandelst. Ein Snack-Rezept, das nach den Feiertagen gerade Recht kommt.

Zutaten:

Für die Grünkohl-Chips brauchst du:

  • ca. 500 g Grünkohl
  • 2 EL Erdnussbutter
  • 4 EL Pflanzenöl (falls du Kokosöl verwendest, erwärme es vorher , damit es flüssig ist)
  • Salz, Pfeffer
  • Backbleche und Backpapier

Zubereitung:

Erst einmal werden die Blätter von den Stängeln befreit. Zupfe sie munter ab. Die kleinen Blättchen kommen allesamt in ein Sieb und werden einmal gut mit kaltem Wasser gewaschen, anschließend abgetropft und in eine große Schüssel gegeben.

Anschließend rührst du Erdnussbutter, Pflanzenöl und gegebenenfalls Salz und Pfeffer zu einer Marinade an.  Einfach unter den Grünkohl unterheben und gut vermengen. Im Anschluss werden die Blättchen auf dem mit Backpapier belegten Backblech ausgebreitet und in den vorgeheizten Ofen geschoben.

Bei 140 Grad braucht es dann ca. 10 Minuten bis knusprige, lecker duftende Chips entstehen. Abkühlen lassen und in kleine Gläschen füllen. Zudem eignen sich die Grünkohl-Chips auch perfekt als Mitbringsel und gesunde Knabberei beim nächsten Fernsehabend.

Na? Konnten wir dich vom Kale-Trend überzeugen? Mehr Rezepte findest du hier.