Kraftvolle Mitte Praxis: Yoga für Mütter

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Diese kraftvolle Mitte Praxis richtet sich nicht nur, aber ganz besonders an alle Mütter – und zwar in jeder Lebenslage. Deshalb gibt sie dir Kraft für die schönsten Momente des Elternseins und auch für jene, wenn deine Kinder dich an den Rand des Wahnsinns treiben. Hierfür braucht eine kraftvolle Mitte – sowohl körperlich als auch emotional. So bleibst du trotz überbordender Liebe und aller Herausforderungen des Mutterseins ganz in deiner Mitte.

Yogapraxis für Mütter

Wenn du gerade frisch entbunden hast, solltest du ganz besonders auf die Bedürfnisse und Signale deines Körpers achten. Deswegen beginne langsam und taste dich behutsam an die schwierigeren Übungen und das längere Üben heran. Falls du kürzlich einen Kaiserschnitt hattest, konsultiere bitte vor dem Üben deinen Arzt. Wahrscheinlich ist dein Tag kaum planbar und vollgepackt. Da ist es wichtig, auch kurze ruhige Momente zum Praktizieren oder auch nur für ein paar bewusste Atemzüge zu nutzen. Auch wenn du denkst, du hast keine Zeit für Yoga. Trotzdem solltest du hineinspüren in deinen Körper und dein Sein und zurück in deine Mitte kommen.

Einstimmung

Beginne im Sitzen leicht erhöht auf einem Block oder einer gefalteten Decke und verbinde dich mit deinem Atem. Dann schließt du die Augen und spürst aufmerksam in deinen Körper hinein. Nimm deinen Körper wahr. So findest du zurück ins Hier und Jetzt. Verweile so 5 bis 10 Minuten, bis dein Atem entspannt fließt.

Savasana Variation mit passiver Rückbeuge für 3 Minuten (24-30 Atemzüge)

Lege zwei Blocks T-förmig und mit etwa 15 Zentimeter Abstand zueinander an das obere Ende der Matte. Der obere Block liegt flach auf, der untere entweder flach oder für einen Herzöffner halbhoch. Wenn du magst, polster ihn mit einer Decke. Lege dich so auf die Blocks, dass der Kopf auf dem oberen Block ruht und der untere auf Höhe des Herzens liegt. Anschließend breite die Arme weit zu den Seiten aus und atme tief bis in die unteren Lungen.

Navasana, Boot Variation, für 1 Minute (8–10 Atemzüge)

Lege die Blocks zur Seite und stell für die Variation der vollständigen Boothaltung die Füße auf. Dabei spreizt du die Zehen und ziehst die Fersen energetisch Richtung Becken. Dabei kreuze die Arme und umarme die unteren Rippen. Die Hände ziehen leicht zur Körpermitte, um die Rippen enger zueinander zu bringen. Ausatmend schiebst du den unteren Rücken gegen den Boden und hebst Kopf und Schultern an. Trotzdem bleibt der Nacken lang. Einatmend legst du dich langsam wieder ab.

Navasana, Boot Variation, für 1 Minute (8–10 Atemzüge)

Für eine forderndere Variante hebst du die ausgestreckten Beine 30 bis 60 Zentimeter von der Matte ab. Ausatmend hebst du Kopf und Schultern, mit der Einatmung führst du die Beine behutsam und kontrolliert zurück zum Boden. Macht sich dein unterer Rücken hier bemerkbar? Dann hebst du die Beine etwas höher und winkelst sie eventuell an. Oder du übst erneut die erste Variante mit angestellten Füßen.

Setu Bandha Sarvangasana, Schulterbrücke, für 1 Minute (8–10 Atemzüge)

Stelle die Füße hüftbreit auf, die Fußgelenke sind unter den Knien ausgerichtet. Erde die Füße. Dann rollst du langsam das Steißbein nach oben und hebst das Becken. Hierbei verschränkst du die Hände entweder mit lang gestreckten Armen unter dem Körper, oder du breitest die Arme zu den Seiten aus. Halte den Nacken weich und spüre, wie Füße, Arme und Hinterkopf gegen den Boden drücken. Währenddessen atmest du tief bis in die untere Lunge. Wenn dir diese Haltung zu intensiv ist, dann über die sanften Variationen der Schulterbrücke.

Marjaryasana und Bitilasana, Katze–Kuh, für 2 Minuten (16–20 Atemzüge)

Rolle dich für eine kurze Zwischenentspannung auf die rechte Seite. Dann nimmst du den Vierfüßlerstand ein. Die Handgelenke stehen direkt unter den Schultern, die Knie sind unter den Hüften ausgerichtet. Spreize die Finger. Bei empfindlichen Knien legst du eine Decke unter. Mit einer Einatmung lässt du das Herz weit werden, ausatmend rundest du den mittleren Rücken und rollst das Steißbein wie eine Katze ein.

An dieser Stelle kannst du die kraftvolle Mitte Praxis mit 2 Minuten Savasana (Totenstellung) beenden. Ein Hinweis, wenn du weiter machst: Übe die nächsten sechs Haltungen zuerst mit dem linken Bein vorn, danach wiederholst du die Abfolge der kraftvolle Mitte Praxis mit dem rechten Bein.

Katze-Kuh, Variation, pro Seite 1 Minute (8–10 Atemzüge)

Aus dem Vierfüßlerstand streckst du einatmend das linke Bein waagerecht nach hinten. Wenn sich das stabil genug anfühlt, strecke zusätzlich den rechten Arm nach vorn. Ziehe dich von den Fingerspitzen bis zu den Fußspitzen in die Länge. Ausatmend machst du einen Katzenbuckel und ziehst das linke Knie und rechten Ellbogen zueinander. Atme tief in die Rückseite deines Herzens. Der Nacken bleibt lang.

Vierfüßlerstand mit gehobenem Bein pro Seite 30 Sekunden (4–5 Atemzüge)

Ausgehend vom Vierfüßlerstand streckst du mit einer Einatmung das linke Bein nach hinten und beugst das Knie bis annähernd in einen rechten Winkel. Die Fußsohle zeigt zur Decke und du ziehst den Unterbauch Richtung Wirbelsäule. Auch die Schulterblätter schmiegst du zur Wirbelsäule hin, die Hände ziehen energetisch Richtung Knie. Das Herz öffnet sich weit nach vorn.

Anjaneyasana Variation, tiefer Ausfallschritt, für 1 Minute (8–10 Atemzüge)

Stell die Zehen des rechten Fußes auf und setze den linken Fuß nach vorn zwischen die Hände. Das hintere Bein ist gestreckt (für eine sanftere Variante das Knie absetzen). Ziehe den rechten Fuß energetisch nach vorn und die linke Fußsohle nach hinten, um Mula Bandha (Beckenbodenverschluss) zu setzen. Das kräftigt den Damm und kann die Heilung nach einem Dammriss oder -schnitt fördern.

Gedrehter Ausfallschritt, Variation, pro Seite 30 Sekunden (4–15 Atemzüge)

Im hohen Ausfallschritt drehst du den Oberkörper vom Unterbauch her nach links auf und streckst den Arm zur Decke. Lass auch die linke Hüfte immer tiefer sinken und schiebe die hintere Ferse Richtung Matte. Atme langsam ein und aus. Ausatmend ziehst du die Füße gedanklich zueinander hin, einatmend öffnest du dein Herz zur Decke.

Hoher Ausfallschritt, Variation, 1 Minute (8–10 Atemzüge)

Kehre zurück in den hohen Ausfallschritt als Variation des Krieger I. Wer sanfter üben will, setzt wieder das Knie ab. Die Arme sind weit zu den Seiten geöffnet, die Ellbogen im rechten Winkel gebeugt. Spüre deine Beine: Beide Füße drücken fest in die Matte und ziehen energetisch zueinander hin. Mit jeder Ausatmung rundest du die Schultern, bringst die Ellbogen zusammen und ziehst das Kinn zur Brust. Einatmend öffnest du die Arme und weitest das Herz.

Ausfallschritt mit Kick für 1 Minute (8–10 Atemzüge)

Erde im Ausfallschritt bewusst deinen vorderen Fuß. Mit einer Ausatmung ziehst du die Ellbogen nach hinten, spannst den Bauch an und ziehst das hintere Knie hoch zur Brust. Einatmend setzt du das Bein zurück in den hohen Ausfallschritt und schwingst die Arme parallel zu den Ohren nach oben.

An dieser Stelle kannst du die kraftvolle Mitte Praxis mit 2 Minuten Savasana (Totenstellung) beenden. 

Prasarita Padottanasana, Vorwärtsbeuge im gegrätschten Stand, für 1 Minute (je 8–10 Atemzüge)

Stell dich in eine weite Vorwärtsbeuge aus der Grätsche im Stand. Die Füße sind etwa eine doppelte Mattenbreite voneinander entfernt. Die Zehen drehen leicht nach innen, die Fersen nach außen. Stell dir vor, die Füße zögen zueinander hin, ohne sie jedoch zu bewegen. Das aktiviert die Beine. Beuge dich aus den Hüftgelenken nach vorn und lasse Oberkörper und Arme hängen. Als Variante umfasst du die großen Zehen mit Zeige- und Mittelfinger. Schmiege die Schultern zur Wirbelsäule.

Shalabhasana, Heuschrecke, für 1 Minute (je 8–10 Atemzüge)

Aus der Grätsche gehst du über Hund und Bretthaltung, die auch immer gut ist für eine starke Mitte, in die Bauchlage über. Breite die Arme weit zu den Seiten aus und hebe Herz, Kopf und Arme. Der Nacken bleibt lang. Anschließend hebst du die Beine. Scheitelpunkt und Zehen ziehen voneinander weg. Dabei geht es eher darum, Länge zu schaffen als besonders hoch zu kommen. Atme tief und nimm wahr, wie der Atem die Asana verändert. Zwischen durch legst du den Kopf zur Seite gedreht ab und pausierst 1 bis 2 Atemzüge lang.

Tisch für 1 Minute (je 8–10 Atemzüge)

Aus dem Sitzen stellst du die Füße auf und setzt die Hände hinter dem Gesäß auf. Die Handgelenke sind unter den Schultern ausgerichtet, die Finger zeigen zu den Füßen. Hebe das Becken und komm in den Tisch. Dabei sollten die Knie über den Fußgelenken ausgerichtet bleiben. Der Körper bildet von den Knien über das Becken bis zum Scheitel eine gerade Linie. Außerdem nimmst du bewusst wahr, wie der Atem durch den Oberkörper fließt. Wenn du dich sehr fit fühlst, kannst du auch stattdessen das Rad praktizieren.

Sukhasana, einfache Sitzhaltung, für 4 Minuten (32–40 Atemzüge)

Richte dir eine bequeme Sitzhaltung mit oder ohne Kissen ein. Die Beine sind locker gekreuzt, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln. Lasse die Wirbelsäule nach oben wachsen und verbinde dich erneut mit deiner Atmung. Des Weiteren schließst du die Augen. Richte die Aufmerksamkeit nach und nach auf alle Partien des Körper und nimm deine Empfindungen wahr. Spüre, wie der Atem die Rippen in alle Richtungen weitet und wie die Energie im Herzbereich zirkuliert.

Salamba Supta Baddha Konasana, unterstützter Schmetterling in Rückenlage für 5 Minuten

Lege ein Bolster (oder gefaltete Decken) längs auf die Matte. Setz dich so vor das Bolster, dass das Kreuzbein die Kissenkante berührt. Lege die Fußsohlen aneinander und lass die Knie nach außen sinken. Wenn dein unterer Rücken empfindlich ist, stütze die Knie mit Blocks oder Kissen ab. Anschließend legst du dich auf das Bolster und breitest die Arme zu den Seite aus. Nach Bedarf stützt du den Kopf mit einem weiteren Block oder Kissen. Schließe die Augen und lass den Atem das Herz in alle Richtungen weiten.

An dieser Stelle beendest die kraftvolle Mitte Praxis mit 2 Minuten Savasana (Totenstellung).


Autorin und Model dieser Sequenz ist die Vinyasa-Lehrerin und Kirtan-Künstlerin Janet Stone. Als Mutter von zwei Töchtern weiß sie: „Muttersein ist ein immerwährendes Lernen: Loslassen, ermutigen, Fehler machen, Geduld haben – und dann nochmal eine Extraportion Geduld. Yoga kann dir mitten in diesem Abenteuer helfen, zentriert zu bleiben.“


Fotos: Rick Cummings, Titelbild von Valeria Ushakova von Pexels

Gentle Yoga Playlist von Dani

Gentle Yoga Playlist
Foto: Susanne Schramke / Amienas Werkstatt

Log Out, Shut Down, Do Yoga – Mit Danis persönlicher Yoga Playlist kannst Du mal so richtig abtauchen und dich voll und ganz deiner persönlichen Yoga-Praxis widmen. Immer wieder wird sie von ihren Schülern nach ihren Songs gefragt. Deshalb hat sie für YOGA JOURNAL all ihre Liebling-Ttitel in eine Playlist gepackt. Dani unterrichtet Vinyasa Flow, Faszien-, Hatha und Gentle Yoga. Ihre Songs sind also perfekt für eine entspannte, ruhigere Yoga-Praxis.

Gentle Yoga Playlist

Über Dani

Wenn Dani nicht gerade Yoga unterrichtet kann man ihre Stimme auch im Radio hören. Hauptberuflich moderiert sie bei Radio ENERGY in München und hat dort sogar einen eigenen Podcast. Du möchtest mehr von Dani mitkriegen? Auf Instagram hält sie dich immer auf dem neusten Stand. Als gebürtige Münchnerin unterrichtet Dani bei Amienas Werkstatt, The STUDIO Yoga in München und beim R1 Sportsclub.

Mark Stephens: Yamas und Niyamas in der Yoga-Praxis

Mark Stephens über Yamas und Niyamas
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Yogalehrer haben viele Möglichkeiten, in ihren Stunden einen inneren Raum zu öffnen. Hier sind einige Techniken, die – auch beim persönlichen Üben – eine bedeutungsvollere Erfahrung fördern: Mark Stephens über Yamas und Niyamas.

Du willst die eigene Yoga-Praxis und die deiner Schüler bereichern? Hier erfährst du, wie dir das mit der Reflektion über Yamas und Niyamas gelingt. Denn die beiden Kernpunkte des Yoga Sutra sind Verhaltensempfehlungen: Für den Umgang mit anderen Menschen und für das Verhalten uns selbst gegenüber. 

Die Yogastunde als Raum für Stille

Lasse deinen Schülern mehr Raum für ihre eigenen Erfahrungen, anstatt ihnen mit vielen Worten deine eigenen Interpretationen und Vorstellungen überzustülpen. Jeder Yogi sollte lernen, möglichst genau in sich selbst hineinzuhören und die Effekte der eigenen Praxis wahrzunehmen.

Yama und Niyama in der Yoga-Praxis

Die beiden Kernpunkte des Yoga Sutra mit ihren zehn Geboten helfen dir, die Yoga-Praxis zu vertiefen und zu bereichern. So kannst du sie auf deine Yogastunde und eine eigene Praxis übertragen.

  • Ahimsa (Gewaltlosigkeit)

Schmerz wird im Yoga manchmal als Freund bezeichnet. Das stimmt aber nur dann, wenn er als Wegweiser für eine sichere und nachhaltige Praxis genutzt wird. 

  • Satya (Wahrhaftigkeit)

Als Yogalehrer solltest du nur das unterrichten, was du wirklich kennst und schätzt. Für die Lehre gilt ebenso wie für die Praxis: „Sei dir selber treu.“

  • Brahmacharya (heilige Lebensweise, Keuschheit)

Nutze deine Energien auf ehrenvolle Weise – würdige deine eigene Integrität ebenso wie das Wohlergehen und die Sicherheit deiner Schüler.

  • Asteya (Nicht-Stehlen)

Nimm dir nicht ohne Erlaubnis, was nicht dir gehört. Dazu gehören auch Ideen, Zeit und Kraft anderer Menschen.

  • Aparigraha (Nicht-Gier)

Öffne dich dafür, dass die Dinge zu dir kommen und sich dir als Möglichkeit erschließen, anstatt etwas zu erzwingen.

  • Saucha (Reinheit)

Stelle dir die Frage, wie das Streben nach Reinheit dein Leben beeinflusst: Was (und wer) hat darin Platz und welche Stoffe möchte ich in meinem Organismus haben?

  • Santosha (Zufriedenheit)

Sei bereit, in diesem Moment zufrieden zu sein, auch während die Praxis dich auf immer wieder neue Weise fordert.

  • Tapas (Eifer)

Auch während du Zufriedenheit und Genügsamkeit übst, verdient deine Praxis den größtmöglichen persönlichen Einsatz. Die Balance aus Stabilität und Mühelosigkeit ist dabei ein guter Wegweiser.

  • Svadyaya (Selbsterforschung)

Wer bin ich? Reflektiere während der Praxis fortwährend die Gesamtheit deine Erfahrungen. Lerne dich selbst in deinen emotionalen und geistigen Reaktionen kennen.

  • Ishvara Pranidhana (Hingabe an Gott)

Was ist der größere Zusammenhang? Denke über diejenigen Kräfte des Universums nach, die allem, was ist, Form und Bedeutung verleihen.

Spiritualität neu erfunden

Lasse diese Gebote aus dem Yoga Sutra in deinen Unterricht einfließen. Dabei geht es nicht darum, bestimmte Gottheiten anzurufen oder mit Sanskrit-Begriffen und philosophischen Schlagworten um sich zu werfen, sondern um ganz einfache Dinge: Vor allem darum, mehr Selbst-Gewahrsein zu fördern. Zum Beispiel indem man sich selbst in jedem Atemzug spüren lernt. Oder indem man versucht, das ganze Leben mehr vom Herzen her zu betrachten, geduldig und freundlich zu sein und offen gegenüber Fehlern.


Mark Stephens: Yamas und Niyamas hat dir gefallen? Lies mehr von Mark Stephens über Yogaunterricht für alle Bedürfnisse.


Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt „Schlaf“ erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Selbst-Mitgefühl bringt dein wahres Ich zum Blühen

Du musst oder möchtest etwas in deinem Leben ändern? Dann ersetze doch mal nüchterne Disziplin durch Selbst-Mitgefühl. Denn Studien belegen, dass das die effektivere Strategie ist, um Verhaltensänderungen zu etablieren.

Jeder gute Vorsatz beginnt mit übersprudelnder Begeisterung. Du fühlst dich gut, wenn du Yoga übst, also schwörst du dir, ab sofort jeden Tag zu praktizieren. Oder du merkst, dass deine nachmittäglichen Kaffeepausen dir Energie rauben und willst sie komplett kappen. Wenn du dir selbst dieses Versprechen gibst, fühlst du dich fröhlich. Oder beschwingt und sogar verbunden mit deinem höheren Selbst. Du bist bereit, deiner Sehnsucht nach Gesundheit und Glück Raum zu geben, und tief im Inneren weißt du auch: Du bist der Herausforderung gewachsen.

Selbstzweifel durch „Versagen“

Doch wenn dieser anfängliche Enthusiasmus nachlässt und du den ersten Rückfall erleidest (die verführerische Latte Macchiato, die verpasste Yogastunde …), dann meldet sich dein innerer Kritiker zu Wort: „Was läuft falsch mit dir? Warum bekommst du diese einfache, kleine Veränderung nicht hin?“ Die Stimme wird lauter und gemeiner, und bald schleichen sich Selbstzweifel ein. Möglicherweise bekämpfst du sie, indem du dir noch strengere Ziele setzt. Vielleicht sagst du dir aber auch, dass der Vorsatz eigentlich doch nicht so wichtig gewesen sei. So oder so schwindet deine Begeisterung und – zack! – kehrst du zurück zu deinen alten Gewohnheiten.

Glücklicherweise zeigt Yoga dir noch einen anderen Weg, mit dem du dein Leben in eine neue, positive Richtung lenken kannst: Selbst-Mitgefühl. Eine der Botschaften aus der wichtigsten Schrift des Yoga, dem Yogasutra von Patanjali, lautet: Menschen wandeln sich nicht über Nacht, aber es ist durchaus möglich, negative Verhaltensmuster nach und nach abzulegen. Wenn du milde mit dir selbst bist und Verständnis für deine Rückfälle aufbringst, kannst du dein Leben verbessern. Neuere wissenschaftliche Studien untermauern diese alte Weisheit. Sie zeigen, dass Selbst-Mitgefühl die größte Kraftquelle ist, wenn es darum geht, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen.

Dein inneres Licht

Wenn es also kontraproduktiv ist, hart zu sich selbst zu sein, warum bist du es? Kate Holcombe, die Gründerin der Healing Yoga Foundation in San Francisco, erklärt, dass der kritisch-harte Weg mit uns Selbst mit „Avidya“ zusammenhängt. Holcombe übersetzt den von Patanjali geprägten Begriff mit „falschem Verstehen“, was häufig von Selbstverurteilung, Angst, Scham und Schuldgefühlen begleitet wird. Das Problem dabei sei häufig, dass man das Verhalten, das man ändern wolle, mit der eigenen Person gleichsetzt. Stattdessen sollte man es als das sehen, was es ist: eine Angewohnheit oder ein Verhaltensmuster, das einem nicht gut tut.

„Ein Grundprinzip des Yoga besagt, dass du tief in dir bereits absolut perfekt bist, so wie du bist“, fasst Holcombe zusammen. Wenn du dir daher bewusst machst, dass du im Grunde bereits makellos bist, anstatt dich auf deine vermeintlichen Makel zu konzentrieren, kannst du deine negativen Angewohnheiten betrachten, ohne dich zu verurteilen. „Patanjali sagt, dass das Gehirn wie eine Art Juwel ist, wie ein Diamant. Im Laufe eines Lebens wird dieser Diamant schmutzig und staubig, er wir überzogen von antrainierten Denkweisen und Erfahrungen.“

„So verblasst nach und nach sein Glanz und wir verlieren den Zugang zu unserem inneren Licht. Wir können uns nicht einmal erinnern, dass es einmal da war.“ Yoga ist ein Weg, diesen „Gedankenstaub“ quasi wegzuwischen und alles, was deinen inneren Diamanten am Strahlen hindert, aus dem Weg zu räumen. Also den Teil deines Wesens, der nicht repariert, kontrolliert oder perfektioniert werden muss. Selbst-Mitgefühl zu entwickeln, entspricht dieser Art von Reinigung und bringt dein bereits „richtiges“ Ich zum Vorschein.

Änderung zum Guten

Schon seit Jahrtausenden widmen sich Yogaübende dem Selbst-Mitgefühl, doch Psychologen haben gerade erst begonnen, die Weisheit dieser Herangehensweise zu erforschen. Ein erstes Ergebnis gibt es aber bereits: Selbst-Mitgefühl verbessert die Chancen, seinem Leben eine positive Wende zu geben, ganz erheblich. Eine der weltweit führenden Wissenschaftlerinnen auf diesem Gebiet ist Kristin Neff, Lehrbeauftragte für Persönlichkeitsentwicklung an der University of Texas. Sie erklärt: „Eine Haupterkenntnis aus meinen Forschungen ist: Menschen denken, es sei gut, ein wenig Mitgefühl mit sich selbst zu haben, aber bloß nicht zu viel. Es gibt einen starken Glauben daran, dass Selbstkritik wichtig ist, um uns zu motivieren. Nach dem Motto: Wenn ich nicht hart zu mir selbst bin, bedeutet das, dass ich mir alles durchgehen lasse.“ Das, so Neff, sei ein gewaltiges Missverständnis.

Denn Selbst-Mitgefühl bedeute, freundlich und unterstützend auf eigene Schwächen, Herausforderungen und Rückfälle zu reagieren. „Selbst-Mitgefühl geht noch tiefer als Selbst-Akzeptanz“, erklärt sie. „Es beinhaltet ein aktives Sich-Kümmern, das Beste für sich selbst zu wollen und sich zu sagen: Ich will meine Wunden heilen, gesund und glücklich sein. Und das bedeutet eben manchmal, dass eine Änderung des Lebensstils nötig ist.“ Es ist Erfolg versprechender, den guten Vorsatz als Akt der Selbstliebe zu sehen, anstatt sich durch Ärger und Ablehnung zu motivieren.

Selbstmitleid ist nicht Selbst-Mitgefühl

Neff führt weiter aus, dass manche Menschen Selbst-Mitgefühl mit Selbstmitleid verwechseln. Damit, sich hängen zu lassen und keine Verantwortung zu übernehmen. Dabei sei Forschungen zufolge das Gegenteil wahr: In einer fünfteiligen Studienreihe (Journal of Personality and Social Psychology, 2007) sollten Teilnehmer auf reale, erinnerte und imaginierte Fehler reagieren. In jedem Szenario ließen sich die Teilnehmer, die in Neffs Test einen höheren Selbst-Mitgefühl-Wert erreicht hatten, von Fehlern weniger leicht aus der Ruhe bringen. Sie waren außerdem weniger defensiv und eher bereit, die Verantwortung für die Ergebnisse ihres Handelns zu übernehmen. Anders als die, welche hart mit sich ins Gericht gingen. Neffs Forschungen haben ergeben, dass selbstkritische Menschen Fehl- und Rückschlägen gegenüber empfindlicher reagieren und anfälliger für Ängste und Depressionen sind. Sie behandeln sich so, wie sie niemals einen Menschen, den sie lieben, behandeln würden: Sie bestrafen sich für jede Schwäche und halten sich von dem ab was sie wirklich wollen.

Selbst-Mitgefühl dagegen schafft eine unterstützende, emotionale Grundhaltung, die Veränderungen möglich macht. Ohne Scham, Schuldgefühle und Selbstzweifel kann man seine Entscheidungen viel bewusster und klarer treffen. Das ultimative Ziel von Yoga ist es, in seinem wahren Ich, fern von allem Leiden, ein Zuhause zu finden. Doch diesen Punkt zu erreichen ist nach Patanjali ein weiter Weg. Die Reise besteht aus kleinen Schritten des Selbst-Mitgefühls, die du in deine achtsame Yogapraxis und in dein Leben integrieren kannst.

Innere Zeugenbefragung

Maggie Juliano, die Inhaberin von Sprout Yoga in Pennsylvania, leitet Yogalehrer-Kurse, die sich auf Erholung und psychische Gesundheit konzentrieren. Zudem hat sie sich darauf spezialisiert, Menschen beim Ablegen selbstzerstörerischer Verhaltensweisen zu helfen. Seien es nun Junk-Food-Orgien oder Drogenmissbrauch. Ihrer Meinung nach ist es wichtig, zunächst den Blickwinkel auf das ungesunde Muster zu ändern. Man sollte es als ein Symptom sehen, unter dem man leidet, anstatt als schlechten Teil seines Selbst, den es zu reparieren gilt.

„Wenn wir zu viel essen oder Geld ausgeben, dann halten wir uns selbst in gewisser Weise für schlecht„, erklärt Juliano. „Wir realisieren nicht, dass wir leiden, weil wir unsere Traurigkeit mit Essen oder Shopping bekämpfen. Wir denken: Ich fühle mich schlecht, weil ich schlecht bin. Ich habe keine Selbst-Kontrolle.“ Allzu oft entsteht so ein Teufelskreis und wir kehren zu unseren alten Tröstern (der Eiscreme, Couch oder Kreditkarte) zurück, weil sie (zumindest kurzfristig) unsere Seelenruhe fördern.

Fragen, was dahinter steckt

Anstatt uns selbst zu kritisieren, so Juliano, sollten wir erkennen, dass wir an der falschen Stelle nach Glück im Jetzt gesucht haben. Wenn es gelingt, das eigene Sein vom eigenen Verhalten zu trennen, dann sei es leichter, sich zu fragen: „Welches Bedürfnis wollte ich hiermit erfüllen?“ In anderen Worten: Warum wolltest du das nächste Glas Wein, den dritten Donut oder dieses Paar Schuhe? Willst du Stress bekämpfen oder fürchtest du die Einsamkeit? Was steckt wirklich dahinter, wenn du auf der Couch bleibst und Erledigungen wieder aufschiebst?

Laut Juliano ist es wichtig, auf die eigenen Gefühle zu achten, statt sie ständig beiseite zu schieben. Wenn du wieder in die Versuchung kommst, in eine schlechte Gewohnheit zurückzufallen, nutzt du das, um sie noch geduldiger und liebevoller zu untersuchen. Dies wird dir helfen, weise Entscheidungen zu treffen, die dir wirklich gut tun.

Positiv denken

Anstelle von Selbstkritik solltest du eine positive Motivation finden, rät Juliano. „Erinnere dich daran, dass du bedingungslose Liebe verdienst. Dass du es wert bist, nicht zu leiden. Aus diesem Blickwinkel heraus kannst du jede Veränderung angehen: Ich ändere dieses Verhalten, weil ich ein gesünderes, glücklicheres Leben verdiene.

Ihrer Ansicht nach ist die Yogamatte ein guter Ort, um damit zu beginnen. Auch hier meldet sich oft genug unser innerer Kritiker. Julianos Rat: Achte in solchen Momenten darauf, wie du dich fühlst – psychisch und physisch. Und dann wählst du eine mitfühlendere „Antwort“ auf diese Emotionen. Wenn du dich zum Beispiel schimpfst, weil du für eine bestimmte Asana nicht flexibel genug bist? Erinnere dich daran, dass genau diese Asana dir dabei hilft, deine Flexibilität nach und nach zu verbessern. Es geht nicht darum, die Haltung über Nacht perfekt zu beherrschen. Einfach achtsam in der Pose zu bleiben, ist genug. Wenn du dich bei dem Gedanken erwischst: „Ich muss mehr in diese Asana gehen oder sie besser aussehen lassen!“ Frage dich stattdessen: „Fühlt sie sich gut an? Fühle ich mich darin sicher? Was kann ich tun, um sie mehr zu genießen?“

Diese Denkweise kommt dir auch außerhalb der Matte zugute. Wenn du vor der Wahl zwischen Standhaftigkeit und altem Verhaltensmuster stehst, dann achte darauf, wie du diese Entscheidung innerlich diskutierst. Nein zu dem Stück Schokoladenkuchen zu sagen oder früh aufzustehen, um zu meditieren, ist kein Akt der Selbstverleugnung! Es bedeutet, dass du dich um sich selbst kümmerst. Sei stolz auf deine positive Entscheidung und du stellst fest, wie kleine Schritte mit der Zeit zu großen Erfolgen führen.

Ausrutscher und Rückfälle

Wenn wir Schwierigkeiten haben, einen guten Vorsatz in die Tat umzusetzen, sind wir schnell versucht, das als Beweis dafür zu sehen, dass mit uns etwas nicht stimmt. Doch wie Patanjali ausführt, leidet jeder auf seinem Weg der Selbst-Transformation und macht dabei Fehler. Das bedeutet nicht, dich jedes Mal abzukanzeln, wenn du zum Beispiel eine morgendliche Yogastunde verpasst. Oder in deiner Partnerschaft  die Geduld verlierst oder mal eine riesige Schüssel Eiscreme verputzt. „Wenn du dich fragst: Warum ich? oder Wieso bin ich so blöd?, vermehrst du nur dein Leiden. Besser ist es, den Fehler als Chance zu sehen. Als Chance, daraus zu lernen.“

Studien bestätigen, dass achtsame Selbstreflexion helfen kann, positive Veränderungen zu bewirken, während zu große Selbstkritik einen kleineren Ausrutscher oft zu einem größeren Rückfall werden lässt. Von Oh nein, ich habe meine Kreditkarte benutzt! ist es dann nur noch ein kurzer Weg zu Jetzt habe ich meinen Vorsatz schon gebrochen, dann kommt es auf dieses 300-Euro-Kleid auch nicht mehr an. Ich habe heute kein Yoga geübt wird zu Ich werde niemals eine passionierte Yogini werden, also kann ich den Kurs gleich aufgeben.“

Dieses Phänomen ist so gängig, dass Wissenschaftler ihm sogar einen Namen gegeben haben: den „What-the-hell“-, also „Was zur Hölle“-Effekt. Das Problem ist nicht der einzelne Fehler, sondern das Elend, das man daraus macht. Das führt dazu, dass wir genau in dem Verhalten Trost suchen, das wir eigentlich ändern wollten. Oder dass wir ein Ziel aufgeben, damit wir uns nicht schlecht fühlen müssen, wenn wir auf dem Weg dorthin Fehler machen. Fehlerhaft ist fabelhaft! Studien haben ergeben, dass deine Erfolgschancen größer sind, wenn du dich erst mal so akzeptierst, wie du bist – und dir Ausrutscher verzeihst. Selbst-Mitgefühl bedeutet, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, ohne die üblichen Schuldgefühle auszulösen. Im Gegenteil, es gibt dir die Kraft, dich um dich selbst zu kümmern. Auch dann, wenn alte Versuchungen locken. 

Die Antwort der Yogaphilosophie

In der Bhagavad Gita, einer der Heiligen Schriften des Yoga, findet man einen Rat, wie man an Vorsätzen festhält, auch wenn die Fortschritte alles andere als groß sind: Am Rande einer Schlacht überwältigen Furcht und Verwirrung den Protagonisten. Der Krieger und Sinnsucher namens Arjuna verliert seine Kampfeslust und bittet Krishna um Unterstützung. In dem darauffolgenden Monolog lehrt Krishna Arjuna, sein Selbstvertrauen und seine Entschlossenheit zurückzugewinnen. Er „umarmt“ und verinnerlicht sozusagen die Taten, die er auszuführen hat. „Taten, die der wahren Natur eines Menschen entspringen, sollten nicht aufgegeben werden, auch wenn sie Schuld beinhalten. Denn jede Unternehmung ist auch durchzogen von etwas Schuld, so wie es kein Feuer ohne Rauch gibt.“

Der Yogalehrer und Psychologe Rolf Sovik, spiritueller Leiter des Himalayan Institute, erklärt: „Tief innen sind selbst die Taten, denen die besten Vorsätzen zugrunde liegen, niemals perfekt. Das heißt aber nicht, dass du aufgeben solltest! Die Bhagavad Gita besagt, dass, wenn du dich den Taten widmest, für die du bestimmt bist, du toleranter gegenüber deinen Unperfektheiten sein wirst. Schritt für Schritt wirst du bemerken, wie dein Verstand klarer und dein Herz ruhiger wird. Mitgefühl ist in diesem Zusammenhang weniger eine psychologische Strategie als das natürliche Ergebnis des Strebens nach einem höheren Selbst.“

Was also ist die Kernaussage von all dem?

Wenn du ein bestimmtes Verhalten ändern möchtest, tue das mit Selbst-Mitgefühl. Bei jedem deiner Schritte, auch dann, wenn du aufgeben willst, denke stets daran, dass die Kraft für Veränderung einem liebevollen Umgang mit sich selbst entspringt. Wie Holcombe beobachtet: „Wir alle besitzen eine innere Quelle voller Weisheit, Widerstandsfähigkeit und Kraft, einen Ort voller innerem Frieden und Leichtigkeit, von großer Freude und Licht. Wenn wir mit dieser Quelle verbunden sind, dann haben Selbstzweifel keine Chance. Tief im Inneren wissen wir, wer wir sind und was wir tun sollten.“ Yoga kann dir helfen, diesen Ort zu finden. Und Selbstliebe ebenfalls.


Kelly McGonigal ist promovierte Psychologin, Professorin und Yogalehrerin. Ihr Buch „Glücksfaktor Stress: Warum Stress uns erfolgreich und gesund macht“ ist bei Trias erhältlich.

Guter Yoga-Unterricht: Quick Tips

Quick Tips Yogaunterricht
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Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der bekanntesten Yogalehrer und -Ausbilder. Nicht umsonst nennt man ihn den „Lehrer der Lehrer“. In einer neuen Artikelreihe erklärt er exklusiv für YOGA JOURNAL Deutschland, was guten Yoga-Unterricht und gute Yogalehrende im Kern wirklich ausmacht. Hier gibt er einige Tipps an angehende Yogalehrer

Präzise, aber knappe verbale Anweisung

Das Gesagte sollte beim Einfachsten beginnen und dem Level der gesamten Klasse angemessen sein. Die ersten Anweisungen führen in die Asana hinein und legen dabei besonderen Wert auf das Fundament der Haltung. Aus den Beobachtungen beim Einnehmen der Haltung leiten sich spezifischere Anweisungen ab: Dann werden missverstandene Anleitungen präzisiert, Modifikationen angeboten und sinnvolle Hilfsmittel vorgeschlagen.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, wird nach und nach erklärt, wie man die Haltung so verfeinern kann, dass Stabilität und Leichtigkeit immer besser ins Gleichgewicht kommen, Verletzungsrisiken sinken und die wichtigsten Ziele der Übung verstanden werden. Erst wenn das in der Grundform erreicht ist, gibt man Hinweise dafür, wie man die Haltung in fortgeschritteneren Varianten und im Hinblick auf die innere Erfahrung weiter vertieft.

Dabei ist wichtig: nicht zu viel reden! Die selbe Asana wird noch oft bei der Yoga-Praxis unterrichtet werden. Bei den ersten Malen genügen die Basics, im Lauf der Zeit folgen dann feinere und komplexere Anweisungen.

Visuelle Demonstration

Der Platz des Lehrers sollte vom gesamten Raum aus gut sichtbar sein, umgekehrt sollte er dem Lehrer einen guten Überblick über die Klasse ermöglichen. Diese visuelle Demonstration wird begleitet von klar verständlichen Worten. Besonders effektiv ist die spiegelverkehrte Demonstration: Wenn man frontal vor der Klasse steht sagt man zum Beispiel: „Jetzt drehst du den linken Fuß auswärts und öffnest deine Rumpfmuskeln“, während man selbst den rechten Fuß dreht. Auch wenn mann wichtige Punkte hierbei leicht überzeichnet demonstriert, sollte die Haltung immer Stabilität und Leichtigkeit ausstrahlen. Besonders in Workshops kann es sinnvoll sein, typische Beispiele von falscher Ausrichtung oder unnötig erschwerter Ausführung selbst zu demonstrieren. Jedoch sollte man niemals etwas demonstrieren, von dem man in diesem Moment nicht sicher weiß, dass es tatsächlich funktioniert.

Sobald die Schüler die Grundform der Asana eingenommen haben, verliert die visuelle Demonstration an Bedeutung. An diesem Punkt beginnt der Lehrer , durch den Raum zu gehen, die Ausführung beobachtet und auf dieser Grundlage noch gezieltere verbale und körperliche Hilfestellungen gibt.

Taktile Hilfen

Als Lehrer sollte man grundsätzlich um Erlaubnis bitten, bevor man einen Schüler berührt. Guter Yogaunterricht akzeptiert es, wenn Adjustments unerwünscht sind. Vor allem sollte man nur Hilfestellung anbieten, wenn es aus gutem Grund als sinnvoll erscheint. Jede Berührung sollte auf einer klaren Vorstellung davon beruhen, was sie genau bewirken soll. Wenn jedoch die Wirkung anders als erwartet ausfällt, sollte man auch bereit sein, diese Intention abzuwandeln.

Am wirksamsten und verständlichsten sind Hilfen, die synchron zur Atmung gegeben werden: Einatmend bereitet die Hilfe vor und dehnt aus, zur Ausatmung folgt der vertiefende Impuls in die Haltung. Vor allem biomechanisch sinnvoll sind zum Körperzentrum hinführende Korrekturen. Dabei sollte man verletzliche Körperpartien und Hebelbewegungen meiden und jederzeit auf unwillkürliche Bewegungen vorbereitet sein. Keine Berührung darf je grob, unachtsam, ziellos, unangemessen oder übergriffig sein. Beim sanften Lösen der Berührung sollte der Schüler auch alleine ausreichend stabil und leicht in der Haltung bleiben können.

Guter Yoga-Unterricht – taktile Hilfen sollten immer dazu dienen:

  • verbale Anleitungen zu verdeutlichen
  • eine stabile Basis zu fördern
  • Einsatz oder Entspannung bestimmter Muskeln in den Asanas klar machen
  • einen größeren Bewegungsspielraum auszuloten
  • Vertrauen und ein Gefühl der Verbundenheit und offenen Kommunikation zu fördern
  • dem Schüler auch in intensiven Haltungen das Gefühl zu geben: „Ich werde gut unterstützt“

Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yoga-Unterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Cover Shootings, Yoga in allen Facetten und Stände ohne Ende: Das war die YogaWorld 2020 in München

Cover Shooting Challenge Yoga World 2020

Good Vibes only: Auf der YogaWorld in München tummelten sich Aussteller, Yogis und Yoginis, Ayurveda-Anhänger und alle die auf der Suche nach einem entspannten Lifestyle sind.

Die Palette war breit gefächert: Von Yoga-Fashion und Zubehör, über Irisfotografie und filigrane Schmuckstücke, bis zu nachhaltigen Yogareisen, Faszienrollen, spannenden Messeneuheiten und Klangschalen in allen Größen. Die Aussteller auf der Yoga-World im MOC München zeigten auch in diesem Jahr wieder, wie vielfältig das Thema Yoga aufgestellt ist. Die Besucher konnte durch die Messehalle schlendern, Vorträgen lauschen, sich über Ayurveda informieren oder an einer Yogastunde teilnehmen: Denn hier warteten unter anderem Ashtanga, Kundalini, Meditation, Sound Healing, Kinderyoga und noch viel mehr …

Eindrücke von der YogaWorld 2020 in München

Aber am besten kommst du einfach auf unsere nächste YogaWorld- und Vegan-Messe in Stuttgart und machst dir vor Ort ein Bild.

Wir freuen uns auch dich! Namasté

Playlist für Herzöffner von Veronika Rössl

Veronika Rössl

Blockaden im Herzchakra? Yogalehrerin Veronika Rössl hat uns eine Playlist erstellt, die Herzen öffnet.

Also: Roll deine Yogamatte aus und lasse dich in den Rockstar fallen. Diese Lieder öffnen den Herzmuskel und lassen ganz viel Liebe hinein. Wenn du dabei Lust auf mehr bekommst, kannst du diese Meditation für Herzöffner von Elena Brower üben.

Mehr zu Veronika, ihren Kursen, Workshops, Retreats und ihrem Studio findest du auf MahaShakti Yoga.

Playlist für Herzöffner

Mein erstes Mal: Ayurveda für Anfänger auf Sri Lanka

Ayurveda Sri Lanka

Von Zuckerbananen und Kopfmassagen: Yoga-Journal-Redakteurin Carmen Schnitzer reiste nach Sri Lanka, um in einem der Mutterländer des Ayurveda diese traditionelle Heilkunst am eigenen Leib kennenzulernen …

Mein erster Eindruck: grün! Grün in allen Schattierungen, es ist zu schön! Der Weg vom Flughafen Colombo zu unserem Hotel Ayurvie Weligama Resort im Südwesten Sri Lankas führt uns die Küste entlang, vorbei an Palmenlandschaften, Bananenplantagen, Mango- und Papayabäumen. Hier also soll ich Ayurveda kennenlernen, jene uralte, traditionelle Heilkunst, die übersetzt „Wissen vom Leben“ bedeutet. Wie passend, denke ich angesichts der prallen Saftigkeit der Natur, die an unserem Busfenster vorbeirauscht, und beiße in eine der kleinen Zuckerbananen, die unser Reiseleiter verteilt hat. Da weiß ich noch nicht, dass ich mir diese säuerlich-süße Köstlichkeit aufgrund meines Doshas, also meines ayurvedischen Konstitutionstyps, nur ab und zu genehmigen sollte. Doch dazu später mehr.

Erfahrung durch eigenes Erleben weitergeben

Ich habe großes Glück, hier mitfahren zu dürfen, denn das hier ist keine klassische Pressereise – als einzige Journalistin darf ich einen Famtrip von Neue Wege begleiten, einem Reiseveranstalter, der sich auf Yoga- und Ayurvedareisen in Asien und Europa spezialisiert hat. Famtrip, das steht für Familarisations-Trip und bedeutet, dass hier Personen aus der Reisebranche bestimmte Angebote durch eigenes Erleben kennenlernen, um diese später guten Gewissens weiterempfehlen zu können. Kleiner Spoiler: Das werden neben mir auch die anderen zehn Frauen und der einzige Mann aus unserer Gruppe nach der Woche hier tun.

Ayurveda auf Sri Lanka beginnt mit ärztlicher Konsultation

Das Ayurvie Weligama liegt in einer ruhigen kleinen Bucht und mich als Wasserratte freut neben der Nähe zum Meer auch der wunderschöne, dreieckige Infinitypool, in dem ich mir trotz straffen Programms jeden Tag zumindest ein paar Bahnen gönnen werde. Doch in erster Linie bin ich ja hier, um zu lernen – über Ayurveda, meinen Körper und mich selbst. Unsere Woche beginnt mit einer ärztlichen Konsultation: Der Chefarzt des Ayurvie, Dr. Herath, der im Übrigen wie auch der Yogalehrer des Hauses Deutsch spricht, wickelt mir zur Begrüßung ein weißes Gebetsbändchen ums Handgelenk und murmelt dabei einige Worte. Anschließend misst er mir den Puls, untersucht mein Haar, meine Zähne, meine Zunge – und befragt mich zu meiner Verdauung, meinen gesundheitlichen Schwachpunkten und meinem Lebenswandel. Oje. Soll ich schwindeln? Doch das brächte mir ja nichts, zumal man mir vieles ohnehin ansehen dürfte.

Tut weh: Der Blick auf die Waage

Also gebe ich zu, dass ich einen recht unregelmäßigen Tagesablauf habe, gerne mal fett- und kohlenhydratreich esse, zu einem guten Gläschen Wein (oder auch zwei) selten nein sagen kann und geradezu süchtig nach zuckerfreien, koffeinhaltigen Softdrinks bin. Dass ich in der kommenden Woche problemlos ausschließlich stilles, warmes Wasser und Kräutertee sowie zweimal einen Fruchtsaft trinken werde, kann ich mir zu diesem Zeitpunkt nur schwer vorstellen. Doch tatsächlich werde ich meine eingeschmuggelten Notfall-Colaflaschen nicht anrühren! Wer mich kennt, weiß, was das heißt. Dann der Schritt auf die Waage. Noch mal oje! Ich habe ihn seit Jahren vermieden, weil ich mein Wohlbefinden nicht von einer Zahl abhängig machen wollte und hinter dieser Haltung im Grunde immer noch stehe. Nun erschrecke ich aber doch, was sich da bei mir im Laufe der Zeit so angesammelt hat. Mollig sein ist völlig okay für mich, aber gesund möchte ich bleiben. Die Zahl, die mir da entgegenblinkt, klingt mir dafür dann doch etwas zu grenzwertig und ich sehe mich in naher Zukunft zumindest Knieprobleme bekommen.

Ich bin ein Kapha-Vata-Typ

Ayurveda Sri Lanka

Immerhin ist mein Blutdruck super, und dass ich Vegetarierin bin, sorgt ebenfalls für Pluspunkte auf meiner ayurvedischen Selbstfürsorge-Liste. Tatsächlich sind meine Doshas relativ ausgeglichen, mit etwas zu ausgeprägtem Kapha-, leicht erhöhtem Vata- und einem etwas unterversorgten Pita-Anteil. Insgesamt ein Kapha-Vata-Typ. Dieses „Etikett“ hilft mir bei den täglichen Buffets das für mich Passende aus den leckeren Currys, Gemüsegerichten, dem frischen Obst und Gemüse sowie den köstlichen Dessertverführungen zu wählen, denn alle Speisen sind mit einem entsprechenden Vermerk versehen. Zugegeben, manchmal mogle ich und lege mir auch mal etwas Verlockendes auf den Teller, das eigentlich Pita-Typen empfohlen wird. Aber insgesamt versuche ich, brav zu sein.

Ayurveda-Schnupperkur mit Verwöhneffekt

Neben unserer Ernährung beinhaltet unsere „Schnupper-Kur“ (für eine richtige bräuchte es mehr als eine Woche Zeit) auch spezielle Treatments wie Kopf-, Fuß- oder Ganzkörpermassagen, Dampfbäder, Peelings usw. Welche genau am nächsten Morgen auf uns warten, erfahren wir jeden Abend an der Rezeption, denn dort liegt für jeden ein Zettel, auf dem Uhrzeit und anstehende Behandlungen vermerkt sind. Wie die Kinder freuen wir alle uns nach dem Dinner immer auf diese kleinen Überraschungen, die uns vorfreudig in den Schlaf gleiten lassen. So macht Gesundheit Spaß!

Sir Lanka relativiert meine Vorstellung von Verzicht

Dennoch will ich nicht verschweigen, dass ich anfangs mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte. Ob es am tropischen Klima liegt oder daran, dass mein Körper sich erst an den Koffeinentzug und die Ernährungsumstellung gewöhnen muss – vermutlich ist es eine Mischung aus allem und bei Ayurvedakuren ganz normal, wie mir versichert wird. Und von Tag zu Tag wird es besser, am Ende würde ich sehr gerne noch länger bleiben, Colaverzicht hin oder her. Überhaupt relativiert sich meine Vorstellung von Verzicht auf Sri Lanka schnell angesichts der Schicksale, die mir begegnen und die ich an dieser Stelle nur am Rande erwähnen kann, obwohl sie Bücher füllen könnten: Der Tsunami von 2004 hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen, viele zerstörte Häuser stehen leer, beinahe jeder weiß von Menschen zu berichten, die durch die Katastrophe ihr Leben lassen mussten. Ein Fischer etwa, mit dem ich bei einem kleinen Strandspaziergang ins Gespräch komme, verlor damals seine Frau und seinen kleinen Sohn. Der Herzlichkeit der Einwohner hat dieses fürchterliche Unglück keinen Abbruch getan, wir werden überall sehr warm empfangen.

Offenheit gegenüber allen Heilmethoden

Ayurveda Sri Lanka

Kleines Goodie obendrauf: Mein Feministinnenherz hüpft, als ich feststelle, wie viele Frauen unter den Ayurveda-Ärzten sind, die wir im Laufe der Reise kennenlernen durften. Das hätte ich, so ehrlich will ich sein, nicht gedacht. Auch dass während des sechsjährigen Ayurveda-Studiums auch ein Jahr lang westliche Medizin gelehrt wird, wusste ich bislang nicht. Mir gefällt diese Offenheit gegenüber unterschiedlichen Heilmethoden, von der wir, glaube ich, in unserer Entweder-oder-Kultur noch lernen können.

CO2-Kompensation mit Atmosfair

Was bleibt mir zu sagen? Ich würde gerne wiederkommen! Nicht nur das Ayurvie Weligama Resort, auch die anderen Neue-Wege-Hotels, die wir während der Reise besuchen, versprechen wunderbare Aufenthalte. Ob nun das stylische Ananda Resort, das elegante Sithnara Ayurveada Resort oder die schnuckelig-familiäre Villa Safira
– jeder dieser Orte hatte einen ganz besonderen Zauber, der nachhaltige Erholung verspricht. Und das im doppelten Wortsinn: eine Erholung, die auch nach der Rückreise anhält und die an einem Ort stattfindet, der auf nachhaltige Bauweise, Stromversorgung etc. sowie auf Bio-Ernährung setzt. Ein Wermutstropfen ist lediglich die Anreise mit dem Flugzeug. Wer diese Umweltsünde durch einen CO2-Kompensationsbeitrag an das Vorzeigeprojekt Atmosfair ausgleichen möchte, wird von Neue Wege unterstützt: Der Veranstalter übernimmt hierfür die Hälfte der Kosten.

Auyurveda auf Sri Lanka: Eine Reise die lange nachwirkt

Ayurveda Sri Lanka
Unsere Autorin Carmen Schnitzer auf Sri Lanka

Fazit: Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und noch immer wirkt die Reise in mir nach. Nicht nur, dass Dr. Heraths weißes Bändchen nach wie vor mein Handgelenk ziert, dass bereits vollkommen stressfrei die ersten Kilos gepurzelt sind, dass mich hin und wieder ein lieber Gruß aus unserer Sri-Lanka-WhatsApp-Gruppe erreicht: Insgesamt habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich nun ein kleines bisschen mehr vom Leben weiß – um auf die Bedeutung des Wortes Ayurveda zurückzukommen. Schön war‘s!

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