„Mach nicht dein Hobby zum Beruf“ – Yogapraxis für LehrerInnen

Die Menschen haben dich vielleicht vor deiner Yogalehrerausbildung davor gewarnt, dein Hobby zu deinem Beruf zu machen. Du dachtest, dass da bei deiner großen Leidenschaft Yoga keine Probleme auftauchen werden? Jetzt aber fragst auch du dich, wie du eine Yogapraxis für LehrerInnen aussehen kann? Eine Yogalehrerin erzählt aus ihrem Alltag und gibt Tipps für die eigene Praxis.

Bevor ich meine Yogaausbildung begonnen habe, dachte ich: Alle YogalehrerInnen stehen um 5 für ihre eigene Praxis und Meditation auf. Später am Tag unterrichten sie mindestens noch 3 Kurse, mühelos mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein Irrtum? Zur Zeit unterrichte ich Yoga, wie viele andere YogalehrerInnen, nur nebenberuflich. Viele Gespräche mit anderen LehrerInnen über die Balance zwischen eigener Yogapraxis und Unterricht sind von Seufzern begleitet. Vielleicht stellst du auch dir gerade die Frage: Wie kann ich sowohl LehrerIn als auch SchülerIn sein? 

Schon in der Yogalehrer-Ausbildung wurde betont, dass gute Lehrer immer auch eine eigene Praxis haben sollten. Man kann nur etwas an andere weitergeben, wenn die eigenen Energiespeicher voll sind. Das weißt du bestimmt, aber vielleicht hast du trotzdem deine Probleme damit. Vielleicht ist deine eigene tägliche Yogapraxis sogar nur zu einem Punkt auf deiner To-Do-Liste geworden, Teil deines Jobs. Sogar wenn du dir die Zeit nimmst, selbst einen Kurs zu besuchen, schaltest du nicht ab. Du analysierst den Aufbau der Stunde und versuchst dir für deinen eigenen Unterricht das Beste zu merken. 

Tipps um als LehrerIn eine eigene Praxis zu behalten

  • Nimm dich selbst mindestens genau so wichtig wie deine SchülerInnen. Zum Glück erinnert uns die Yogaphilosophie daran, dass wir selbst der wichtigste Mensch in unserem eigenen Leben sind. Aber im Arbeitsalltag gerät das schnell in den Hintergrund. Denke an das Leuchten in den Augen deiner SchülerInenn nach der Stunde, an die Entspannung der Körperhaltung und des Geistes. Bestimmt ist dies eine große Motivation für dich als LehrerIn, aber auch du hast diese Entspannung mehr als verdient. Es ist Zeit für Yoga ohne Ziel und Zweck. Wahrscheinlich brauchst du dafür eine Routine, die mindestens so wasserfest ist, wie dein Unterricht. 

Mit neuem Input zu mehr Leidenschaft

  • Bilde dich fort um die Neugierde beizubehalten. In einer Beziehung ist es uns vollkommen klar, dass eines Tages der Punkt kommt, an dem der Alltag die Liebe bedroht. Es braucht einen neuen Weg, um sich neu kennen zu lernen. Was in Sachen Beziehung ein gemeinsames Hobby sein kann, das ist für deine Yogapraxis eine neue Fort- oder Weiterbildung. So behältst du die Leidenschaft für Yoga und deinen eigenen Yogaunterricht bei.
  • Probiere andere Yoga-Stile aus. Meiner Erfahrung nach hat dies zwei entscheidende Vorteile: Du kannst dich in einer Yogastunde, die nicht dem Stil entspricht, den du gelernt hast und unterrichtest, ganz anders entspannen. Mir persönlich fällt es da sehr viel leichter, mich der Stunde einfach hinzugeben ohne automatisch ihren Aufbau oder die Besonderheiten zu analysieren. In jedem Fall wird es deine persönliche und auch deine Unterrichtspraxis extrem bereichern.

Deine unterbewussten Gewohnheiten nutzen

  • Gehe nicht ins selbe Studio zum Üben und zu Unterrichten. Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn du die Anweisung „Krieger II“ hörst und dein Körper automatisch die richtige Position einnimmt, dann ist das ein großer Vorteil. Aber in der Yogastunde einer Kollegin/ eines Kollegen aus deinem Yogastudio kann das zum Verhängnis werden: Vielleicht musst du die ganze Zeit daran denken, wie du die Stunde halten würdest. Dann halten dich deine unterbewussten Mechanismen von der Entspannung ab. Gönne dir für eine eigene Praxis eine Umgebung, die nichts mit deinem Arbeitsalltag zu tun hat.
  • Schaffe dir ein anderes Umfeld, wenn du zuhause nur für dich übst. Diese Zeit sollte ganz klar abgetrennt werden von dem Zeitpunkt, an dem du deinen Yogaunterricht vorbereitest. Vielleicht kannst du andere Kleidung oder sogar eine andere Matte oder andere Kerzen oder Musik zur Hilfe nehmen. Wir haben für dich auch eine passende Candle Light-Yoga Playlist erstellt. So kann dein Unterbewusstsein ganz automatisch von einem Modus in den anderen wechseln. Und wer weiß, vielleicht kommen ja sogar beim Yoga nur für dich ganz automatisch Impulse für deine nächste Yogastunde, die du gibst? Aber mach dir keinen Druck. 
  • Tausche dich mit KolegInnen aus, vor denen du kein perfektes Bild abgeben musst. 

Ich hoffe, dass auch du bald deiner eigenen Praxis mit weniger Perfektionismus, dafür aber mit derselben Experimentierfreude und Leidenschaft entgegentreten kannst, die du vor deiner Ausbildung hattest. Bald kannst du die Frage „Ist es nicht schwer, sein Hobby zum Beruf zu machen?“ ehrlich positiv beantworten. Kommentiere außerdem gerne, was du selbst für Tipps hast für die Yogapraxis von YogalehrerInnen. 

Foto: Veronica Topp

Kerstin ist Yogalehrerin und Studentin der europäischen Ethnologie in München. Ursprünglich kommt sie aus dem Vinyasa-Yoga, unterrichtet aber heute langsamer und mit vielen Affirmationen. Wöchentlich spricht sie auf ihrem Podcast mit dem Namen „[re]flektion“ über Yoga und Spiritualität. Mehr über Kerstin auf Instagram.

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