Yoga im Gasteinertal: Durchatmen in Österreich

Yoga-Urlaub im Alpenhaus Gastein
Yoga-Urlaub im Alpenhaus Gastein/ Foto: Michael Huber

Lust auf eine Auszeit vom Alltag? Einfach ein wenig zur Ruhe kommen, Yoga praktizieren und die Lehre der Druiden beim Waldbaden entdecken. All das umgeben von Bergen und herrlicher Natur. Im DAS ALPENHAUS GASTEINERTAL dürfen die Gäste einfach mal durchatmen.

Gastein und Yoga – eine Verbindung die funktioniert: Zwei Mal im Jahr schiebt sich der Kur- und Wintersportort im Nationalpark Hohe Tauern ins Blickfeld der Yogaszene. Denn bei den Yogatagen Gastein geben bekannte Yogalehrende ihr Wissen weiter. Sie praktizieren Yoga an verschiedenen Kraftorten, viele davon vor einer atemberaubenden Bergkulisse. Abschalten. Zur Ruhe kommen. Die Gedanken ziehen lassen. Diese kleinen Verschnaufpausen sind so wichtig für unser Seelenheil: ganz ohne Social Media, Berufsverkehr und Pflichten.

Selbstheilungskräfte aktivieren

Für Alle, die genau nach diesen kleinen Auszeiten suchen, bietet DAS ALPENHAUS GASTEINERTAL ganzjährig Yoga. Das Konzept aus unterschiedlichsten Asanas und Yogaflows und den sogenannten „Alpen.Kraft.Selfness Seminaren“ soll den Gästen bei einer aktiven Besinnung auf sich selbst helfen. Schönes Feature: Bei gutem Wetter startet der Tag schon mal mit Sonnengrüßen auf der Yogaplattform im Garten – immer die Berge im Blick. Yoga und Meditation im Freien wirken sich nicht nur positiv auf dein Stresslevel aus: die Luft, die Bäume der freie Blick, die spürbare Natur – all das aktiviert deine Selbstheilungskräfte.

Yoga Alpenhaus Gastein
Yogaplattform Alpenhaus Gastein /Foto: Michael Huber

Kraftorte: Waldbaden und Lithopunktion

Waldbaden und Lithopunktion – eine Kombination, die aktiv unser Stresslevel senkt und unseren Geist in der Natur zur Ruhe kommen lässt. Denn Lithopunktion ist eine Methode der ökologischen Heilung und Ausbalancierung. Dazu werden – kurz gesagt -Steinsäulen auf den Kraftbahnen und Kraftpunkten einer Landschaft platziert. Im Gasteinertal sind viele dieser besonderen Kraftorte zu finden und Alfred Silbergasser weiß genau wo. Der Naturmensch kennt jahrhundertealte Kraftplätze zum Energie tanken. Er lehrt schamanische Natur-Meditationen, begleitet auf Kräuterwanderungen und erzählt Naturgeschichten.

Waldbaden mit Alfred Silbergasser
Alfred Silbergasser/ Foto: Michael Huber

Alles ist im Einklang

Der Energetiker, Naturgeschichtenerzähler, Wildnispädagoge und Wildkräuterexperte unternimmt mit seinen Wanderungen eine Reise zu den Wurzeln des Seins. Übrigens: Damit sich alle voll und ganz auf das Ritual einlassen, wird das Handy gleich zu Beginn gegen eine Hängematte getauscht. Wer will, führt gemeinsam mit Alfred Silbergasser WYDA-Übungen durch; die Mental- und Bewegungslehre der Druiden. Ein echtes Erlebnis, das in der Verbindung mit einem Yoga-Urlaub im DAS ALPENHAUS GASTEINERTAL Körper, Seele und Geist in Einklang bringt.

Mehr Infos unter www.alpenhaus-gastein.at

Playlist für heiße Sommertage

„Falls mich jemand sucht, ich bin im Kühlschrank.“ So heiß wie in den letzten Tagen ist es selten. Die Temperaturen in Deutschland steuern diesen Sommer immer öfter in  Richtung der 40-Grad-Marke. Die einen sagen „endlich“, die anderen sehnen sich den Winter herbei. Erst vor ein paar Tagen haben wir euch erklärt, welche Atemübungen  eine kühlende Wirkung haben. Passend dazu könnt ihr unsere neue Playlist für coole Köpfe anhören und ja vielleicht trotz Hitze die Yogamatte ausrollen.

Mehr Playlists findet ihr hier.

Yoga-Mythen: Was ist dran am Klischee über die Yoga-Szene?

Yoga-Mythen halten sich hartnäckig: Yogis, das sind doch diese gelenkigen, immer gut gelaunten Alltag-Hippies, die man auch draußen auf der Straße in ihren bunten Azteken-Leggins und mit Spinat-Bananen-Smoothie anstatt Cappuccino to Go antrifft. Mit hübschen Malas um den Hals und kleinen Buddha Kettchen an Hand- und Fußgelenken schlendern sie mit Yogamatte aus Naturkautschuk anstatt der Birken Bag aus Krokodilleder durch die Großstadtstraßen. Oder?

Die Yoga-Szene ist voller Klischees. Doch es heißt ja, an Vorurteilen ist immer ein Stückchen Wahrheit dran. Da wir aber der Meinung sind, Yoga ist für jeden was, räumen wir mal etwas auf mit den Yoga-Mythen. Was ist also dran am Yogi-Dasein, was sind Mythen und somit doch nur Ausreden

1. Für Yoga muss man gelenkig sein

Auch wenn viele Yoga-Posen anspruchsvoll aussehen, Gelenkigkeit ist keine Voraussetzung. Zugegeben, hat sich eine Art Yoga Inspirations-Battle auf Instagram etabliert – was schräge, sehr fortgeschrittene Hals-über-Kopf Asanas angeht. Diese Posen machen aber in Wirklichkeit nur einen kleinen Teil des Yoga aus und werden auch in keinen Anfängerkursen praktiziert. Beim Yoga geht es viel mehr darum, den Atem und die Bewegung in Einklang zu bringen, als irgendwelche Verrenkungen nachzuahmen. Gelenkigkeit ist eher das schöne Ergebnis einer regelmäßigen Yoga-Praxis.

2. Alle Yogis sind Vegan

Viele Yogis entscheiden sich für eine vegane Lebensweise. Dennoch ist die Formel Yoga = Vegan ein Mythos. Bewusst und achtsam zu leben ist definitiv ein essentielles Ziel im Yoga und vegane Ernährung somit für viele eine logische Konsequenz. Für viele aber auch nicht. Da darf und muss natürlich jeder seine individuelle Ernährung selbst finden. Eine Ernährung, die einem gut tut, Kraft und Energie spendet und hinter der man selbst stehen kann.

3. Wenn du nicht ernsthaft dabei bist, bist du kein richtiger Yogi

Schon mal was von Lachyoga gehört? Verbissen zu sein und engstirnig an seinen Prinzipien festzuhalten, ist wie in allen Bereichen des Lebens auch kein Ziel im Yoga. Wir wollen frei sein, uns öffnen. Wir wollen lachen, lieben, das Leben genießen. Und das auch als Yogi. Zwischen Authentizität und Ernsthaftigkeit bzw. Verbissenheit gibt es deutliche Unterschiede. Yoga sollte nicht zum Zwang werden. Man sollte stets auf seinen Körper und vor allem in sich hinein hören. Da kann es auch mal vorkommen, dass man sich eine Pause gönnt oder über sich selbst lacht, wenn was nicht klappt.

4. Alle Yogis sind Hippies

Zwar tragen die meisten Yoginis und Yogis wunderschön farbenfrohe Yogaleggins. Das heißt aber noch nicht, dass man dadurch zum Vollzeithippie mutiert. Die Yogis, die auf Shampoo, Deodorants verzichten und Konsum fast vollständig meiden, machen tatsächlich die Minderheit aus.

5. Spirituell sein gehört dazu

Viele meinen: JA. Dennoch gibt es einige, für die Yoga nur eine physische Praxis ist. Und das ist vollkommen OK. Manche fühlen sich einfach im Konflikt mit dem Wort Spiritualität, ob es nun die Unkenntnis ist oder sich einfach zu weit weg anhört. Letztendlich muss jeder für sich selbst erfahren, was Yoga für einen bedeutet. Das Schöne ist ja, dass die spirituelle Seite jederzeit zugänglich ist, zugleich aber genauso unsichtbar für diejenigen bleibt, die nicht aktiv danach suchen.

6. Yoga ist ein Frauending

Ist das Klischee schlechthin. Schon mal durch den Hashtag #yogadudes gescrollt oder den Instagram Star Patrick Beach gegoogelt. Spätestens dann wird klar, dass Yoga nicht nur uni-sex(y) ist, sondern, dass auch Männer von der Vielseitigkeit des Yoga, dem Kraftaufbau und der Flexibilität profitieren können. Yoga holt dich genau dort ab, wo du bist. Vorkenntnisse oder eine persönliche spirituelle Ausrichtung ist nicht vonnöten. Nur ein wenig Neugier und Offenheit für das Thema.

7. Yogis sind immer friedlich

Yogis sind auch nur Menschen. Keine Heiler, keine Gurus, keine Götter. Auch wenn sie für 20 Minuten friedlich und still dasitzen und meditieren, bedeutet es nicht, dass sie non-stopp von einem hellem Licht umgeben von Peace, Love & Happiness baden. Auch Yogis haben ganz normale Gefühle, die sie manchmal nicht im Zaum halten können. Stress, Sorgen, negative Emotionen – all diese Stimmungen gehören eben zum Leben dazu. Niemand ist perfekt, auch kein Yogi.

8. Yoga macht dich zu einem besseren Menschen

Erwarte nichts vom Yoga. Erwarte nicht, dass die Tatsache, das du dich nun in einem tollen Yogastudio angemeldet hast, dich irgendwie besser macht. Wichtig ist, dass du – wie bei allen Dingen im Leben – ohne Erwartungen oder Vorurteile an die Sache herangehst. Du solltest dich darauf einlassen, dich öffnen und die Dinge geschehen lassen. Yoga macht dich nicht plötzlich zu einem Gutmenschen. Allerdings kann Yoga ein wirksames Werkzeug sein, dich zu transformieren.

Tantra: Mystische Ekstase oder esoterische Spielerei?

Tantra - was ist das eigentlich?
Tantra - was ist das eigentlich? /Foto: unsplash

Für die meisten Menschen klingt das Wort auch heute noch geheimnisvoll: „Tantra“. Ist es tatsächlich ein Weg zu mystischer Ekstase – oder doch bloß esoterische Spielerei? Wie nähern wir uns diesem Geheimnis am besten? Ralf Sturm, Sexualtherapeut und systemischer Berater, hat für uns eine Einleitung und thematische Einweisung erstellt.

Falls du an dieser Stelle eine präzise Angabe erwartest, wo und wann der Begriff „Tantra“ entstanden ist und was er genau bedeutet, solltest du bereits an dieser Stelle umdenken, denn endgültige Antworten darauf gibt es nicht. Tantra ist und bleibt ein Mysterium. Wenn du dich darauf einlässt, kann Tantra jedoch zu einer faszinierenden Entdeckungsreise für dich werden, auf der es nicht um das schnelle Erreichen eines Ziels, sondern um die Entwicklung an sich geht.

Der Urspung des Tantra

Indologen wie der große Heinrich Zimmer sahen Tantra früher als Synthese der alten urindischen Mutterreligionen und der vedischen Philosophie, die arische Einwanderer mit nach Indien gebracht haben sollen. Heute ist diese Sichtweise mehr als umstritten. Man kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob es diese Einwanderung überhaupt gegeben hat. Und doch bleibt die Idee interessant, wenn wir das Geheimnis von Tantra erfahren wollen. Sie zeigt eine Verbindung vom dualistischen Denken der Urkulturen mit der „Alles-ist-Eins“-Philosophie der Brahmanen. Am Anfang der Entwicklung unseres Bewusstseins sahen die Menschen sich von einer nährenden göttlichen Kraft getrennt, die deshalb im Außen anzubeten war. Vedanta hingegen lehrt, dass alles, was wir wahrnehmen können, lediglich eine Illusion ist, und die materielle Welt nicht zur Erfahrung des reinen Bewusstseins führen kann. Tantra bringt beide Aspekte dadurch zusammen, dass wir uns über geistige Vorstellungen und körperliche Empfindungen selbst als „göttlich“ entdecken.

Shiva und Shakti: Reines Bewusstsein und universelle Kraft

Tantra

Es mag verwirrend sein, aber die Philosophie hinter Tantra ist sowohl dualistisch als auch nicht-dualistisch. Im Tantra geht es allerdings auch gar nicht darum, etwas zu verstehen oder zu glauben: Es geht einzig und allein um die Erfahrung. Tantra – in welcher Form auch immer – ist stets ein praktischer Weg. Und ebenso einfach wie genial: Wenn das Absolute vom Relativen untrennbar ist, dann muss man das Göttliche im Weltlichen erfahren können. Im Tantra werden diese beiden Pole meist als Shiva und Shakti bezeichnet. Shiva repräsentiert das reine Bewusstsein, die einpünktige Konzentration. Shakti ist die universelle Kraft, die alle Namen und Formen annehmen kann, sich auf natürliche Weise überall verströmt, und ungebändigt ist. Sie sehnt sich nach der Sammlung durch den kraftvollen Fokus Shivas. Auf die gleiche Weise ist es sein Wunsch, sich in Shakti aufzulösen. Tantrische Praxis beginnt mit dem Erleben dieser Beziehung zwischen dem reinen Sein und der Ekstase der Lebendigkeit. Sie endet in ihrem Höhepunkt mit der Verschmelzung dieser beiden Pole – dort, wo die Erfahrung eins wird mit dem Erfahrenden.

Streng geheim: Über die Praxis schweigen

Das ist wahrhaftig kein bescheidenes Ziel. Schließlich sind sich die meisten spirituellen Schulen darin einig, dass es viele Leben lang dauert, bis man Erleuchtung erlangt. Die Praxis von Tantra gilt hingegen als „Highway“ zu diesem überbewussten Zustand. Gehören wir jedoch zu den Schülern, die körperlich, mental und emotional in der Lage sind, die geballte Kraft der oben beschriebenen Erfahrung auszuhalten? Vielleicht sollten wir diesbezüglich realistisch sein. Zudem scheint ein mitfühlender Lehrer, der nicht von eigenen Motivationen gelenkt wird, heute schwerer zu finden als je zuvor. Welche Chance haben wir dann, Tantra kennen zu lernen?In jedem guten tantrischen Text steht geschrieben, wie wichtig es ist, über die Praxis zu schweigen. Weshalb sind die Anleitungen über Jahrhunderte oft nur mündlich überliefert und Texte lange Zeit geheim gehalten worden?

Besserer Sex durch Tantra?

Es gibt viele Erklärungen. Die energetischen Praktiken, besonders die, welche den Bereich der Sexualität betreffen, sind umstritten und können – so wird oft gesagt – bei falscher Anwendung zu physischen und psychischen Schwierigkeiten führen. Das populärste Beispiel ist sicherlich das Zurückhalten der Ejakulation des Mannes bei der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau. In der Hatha Yoga Pradipika wird diese Technik als Vajroli beschrieben. Um „gute Liebhaber“ zu werden, haben sich seit Ende des zwanzigsten Jahrhunderts Tausende von Männern im Westen an dieser Praxis geübt. Meist sind sie langfristig gescheitert, manchmal tatsächlich mit gesundheitlichen Folgeproblemen. Aber ging es überhaupt darum? Ist Tantra ein Weg zu mehr „Leistung“ in der Sexualität? Was führt tatsächlich zu „höheren“ Erfahrungen?

Zwei Pfade die sich unterscheiden: Rechts oder Links?

Die indischen Schriften unterscheiden zwischen dem links- und rechtshändigen Pfad. Beiden Pfaden ist gemein, dass sie Vorgänge im physischen Körper und im Energiekörper sowie geistige Vorstellungen für sich nutzen. Alle physischen und psychischen Prozesse, die innerhalb des Mikrokosmos unseres Wesens ablaufen, werden als Abbildungen der Vorgänge im Makrokosmos des Universums gesehen. Vama Marga, der rechtshändige Pfad des Tantra, ist die „jugendfreie“ Version. Wir setzen beispielsweise die Schwingung von Mantras oder die Visualisierung von Mandalas und komplizierten dreidimensionalen Yantras ein, um unser Energiesystem für Erfahrungen jenseits des Alltagsbewusstseins vorzubereiten. Auch Asanas, Pranayama, Mudras und Bandhas dienen dazu, die Energien in unserem Körper zunächst bewusster wahrzunehmen und anschließend unseren Vorstellungen entsprechend zu lenken.

Grenzenlos sein: Fühle dich wie Gott

Die Praxis kann auch Rituale einschließen, in denen metaphysische Kräfte angerufen werden, um den Übenden zu unterstützen. Einer der Höhepunkte ist schließlich die Visualisierung der eigenen Person als Gottheit. Wolltest du dich schon immer einmal so fühlen, wie Shiva oder Shakti selbst? Tantra erlaubt dir wirklich, grenzenlos zu sein – und doch findet rechtshändiges Tantra immer in einem gewissen Rahmen statt: In der Visualisierung können wir zur Gottheit werden und deren Qualitäten erfahren, um uns – zurück im Alltag – an diese Eigenschaften zu erinnern, die wir als in uns innewohnend festgestellt haben. Das macht uns stärker für die Yogapraxis und für unsere täglichen Aufgaben. Wir können dabei auch so weit gehen, dass wir uns die Vereinigung mit der gegenpoligen Gottheit des anderen Geschlechts vorstellen. Das kann tatsächlich zu einer Erfahrung führen, die uns vollständiger macht. Im besten Fall werden wir durch solche Visualisierungen weniger abhängig von externen Beziehungen. Auf diesem Übungsweg werden keine sexuellen Praktiken benutzt.

Shiva und Shakti verschmelzen

Dies ist Dakshina Marga, dem linkshändigen Tantra vorbehalten. Hier sieht man maithuna, das Vereinigungsritual, als Weg, die Energien von Shiva und Shakti zu verschmelzen. Das, was als Ziel des Kundalini Yoga bekannt ist, kann den Schriften nach im Geschlechtsakt zwischen Mann und Frau erreicht werden. Wenn wir zu dem Bild vom Makrokosmos des Universums im Mikrokosmos des Körpers zurückgehen, dann ist diese Idee nicht abwegig. Ebenso wie aus dem allumfassenden ruhenden Bewusstsein das ganze Universum entstand, ist auch der Liebesakt ein Ausdruck der höchsten schöpferischen Kraft – eine Handlung völliger Hingabe und vielleicht ein Moment reiner Liebe. Schon diese Erfahrung kann uns verändern. Tantra belässt es darüber hinaus nicht dabei, die gewaltige Energie, die in der sexuellen Vereinigung steckt, passiv zu erleben. Sie soll vielmehr aktiv in die höheren psychischen Energiezentren gelenkt werden. Entlang des Hauptenergiekanals, Sushumna, lassen wir die Energie in die höchsten Chakras fließen. Das kann tatsächlich durch die bereits beschriebene Praxis von Vajroli Mudra geschehen, was als „Hochziehen der Samenflüssigkeit“ erklärt wird.

Der eigene Körper als Spielwiese

Wie funktioniert Tantra

Tantrische Techniken sind auch deshalb „geheim“ gehalten worden, weil sie nicht immer wörtlich gemeint waren. Wenn wir die Hatha Yoga Pradipika lesen, finden wir viele Bilder, die nicht unbedingt realistisch erscheinen. Als Anregung zu Assoziationen für die eigene Praxis sind sie jedoch ein reicher Schatz, den wir uns selbst durch achtsames Hinschauen erschließen können. Das ist möglich, wenn wir uns nicht auf der Suche nach Rekorden im Liebemachen durch die Tantras wühlen, sondern uns Zeit nehmen, kleine Versuche auf der Spielwiese unseres eigenen Körpers zu unternehmen. Oft werden wir dann überrascht, wie sich auf einmal der Horizont der möglichen Erfahrungen erweitert. Dazu muss nicht unbedingt immer gleich „die Erfahrung mit dem Erfahrenden verschmelzen“. Tantra kann auch ein Weg in kleinen Schritten sein. Ob mit oder ohne Partner: Wir können uns selbst besser kennen lernen, wenn wir uns bewusst den Energien zuwenden, deren Spielball wir sonst sind.

Atem und Achtsamkeit

Bleiben wir beim Bild der Energie des Mannes: Wird er wirklich dazu aufgefordert, das physische Wunder zu vollbringen, sich seinen Samen durch die Wirbelsäule ins Gehirn zu ziehen? Nein. Es geht um den Fluss der Achtsamkeit im eigenen Energiesystem. Und da kann ein Mann schnell eine überraschende Erfahrung machen, wenn er bewusst wird und lernt, seine Wahrnehmung mit Hilfe des Atems durch den ganzen Körper zu führen, anstatt sie nur an einer Stelle geballt zu lassen, bis er explodiert – in welcher Situation auch immer. Das gilt natürlich gleichermaßen für die Frau. Wenn wir die Energiezentren, die unsere innerpsychischen Vorgänge bestimmen, kennen und spüren lernen, haben wir einen viel größeren Raum, in dem wir uns selbst erleben können. Das erweitert auch unsere Möglichkeiten, auf das zu reagieren, was auf uns zukommt. Wir empfinden, wie oben erwähnt, den Makrokosmos des Universums im Mikrokosmos unseres Körpers. Bezogen auf die sexuelle Energie heißt das ganz praktisch: Wir können das, was uns antreibt, aus dem Schoß aufsteigen lassen, in unser Herz. Damit veredeln wir diese sehr ursprüngliche Empfindung zu etwas Hingebungsvollem. Und nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Mit der Erfahrung zurück in den Alltag

Tantra ist immer ein Weg der Achtsamkeit und egal, wie wir praktizieren, es darf sich gut anfühlen. Vielleicht erreichen wir nicht sofort die in den Schriften beschriebene vollständige Glückseligkeit, Ananda. Es spricht jedoch nichts dagegen, sich ihr in kleinen Schritten zu nähern. Dies kann geschehen, während wir mit einem Partner oder einer Partnerin zusammen sind, oder aber, wenn wir alleine auf dem Meditationskissen sitzen. Je mehr Bewusstheit wir in die Liebe und in unseren Alltag bringen, desto mehr sind wir alle Tantriker. Wer Tantra übt, wendet sich nicht vom Leben ab, sondern nutzt es.

Mit Tantra zu neuem Selbst-Bewusstsein

Das Schönste am Tantra ist: Es hört nicht damit auf, dass wir einmal diesen höchsten Zustand erreicht haben. Die Tantriker nennen das den „Abstieg der Kundalini“. Vielleicht wird es daran deutlich, wie wir die Welt sehen, nachdem wir uns selbst – wenn auch nur kurz – einmal als allumfassend wahrgenommen haben. Wie oft betrachten wir uns sonst schon mit gegensätzlichen Augen? Was ist an unserem Körper nicht alles zu dick, zu dünn, zu groß oder zu klein? In der Regel gehen wir nicht sehr freundlich mit uns selbst und anderen ins Gericht. Tantra erlaubt einen neuen Blick: Wir sehen uns als Verkörperung unseres wirklichen Selbst, mit großem „S“. Wie gut könnte es tun, wenn wir das den ganzen Tag praktizierten? Wenn wir mit diesem Bewusstsein in ein Bewerbungsgespräch gingen, mit unserem Partner sprächen oder mit unseren Kindern spielten. Wenn wir uns selbst als Shiva oder Shakti visualisieren und empfinden lernen, haben wir ausreichend Kraft, für uns und andere präsent zu sein. Das hat nichts mit Größenwahn zu tun. Denn als Gott und Göttin sind wir auch mitfühlend. Das ist im Paket mit drin. Viel Vergnügen beim täglichen Üben.


Der Autor Ralf Sturm ist staatlich geprüfter Heilpraktiker für Psychotherapie. Ausbildung Systemische Sexualtherapie bei Ulrich Clement (IGST Heidelberg), Systemische Paartherapie bei Dr. Arnold Retzer (SID Heidelberg). Als Autor zum Thema Partnerschaft ist er u.a. inspiriert von David Deida (Sexuelle Polarität) und Dr. David Schnarch (Crucible Neurobiological Therapy). Seit 1998 langjährige eigene Meditations- und Achtsamkeitspraxis in Europa & Asien  (u.a. mit H.H. Dalai Lama, Thich Nhat Hanh) und Leitung von Ausbildungen zum Meditationslehrer. Seit 2011 Arbeit als Paar- und Sexualtherapeut, seit 2015 Dozent für Systemische Beratung und Therapie.

Montags-Mantra: Mutausbrüche

Mutig sein – was heißt das überhaupt? Foto via unsplash
Mutig sein – was heißt das überhaupt? Foto via unsplash

Was ist Mut?

Was bedeutet es für dich, mutig zu sein? Ist es die Kunst, nicht ängstlich zu sein? Oder ist es einfach die Fähigkeit, sich Situationen zu stellen, obwohl es dich mit deinen Ängsten konfrontiert? „Courage‘ ist das englische Wort für Mut. Es stammt vom lateinischen ‚cor‘, was Herz bedeutet. Und vielleicht ist es auch genau das – eine Herzenssache. Der Schritt aus unserer Komfortzone hinaus konfrontiert uns meist auch mit Unsicherheiten, Zweifeln oder Ängsten – und doch fühlt er sich richtig an.

Mut kommt von innen

Für die Autorin Brené Brown hat Mut auch mit Verletzlichkeit zu tun. Es bedeutet, die eigene Geschichte aus tiefstem Herzen zu erzählen und Verletzlichkeit zu zeigen. „Courage over comfort,“ lautet ihr Motto. Ohne Mut nehmen wir uns die Chance zu wachsen, uns zu entwickeln und neue Erfahrungen zu machen. Wenn es um Herzensangelegenheiten geht, sollte man der Angst öfter mal die Stirn bieten, das Risiko eingehen und es trotzdem machen – vielleicht sogar gerade wegen der Angst. Mit einem offenen Herzen loszugehen und darauf zu vertrauen, dass alles so kommt, wie es kommen soll. Mutig genug sein, dem Leben zu vertrauen und uns Herausforderungen zu stellen. Denn wir verlieren nicht – entweder wir lernen oder wir gewinnen.

Mutmuskeltraining

Daher stelle dich öfter deinen Ängsten und Unsicherheiten. Das können kleine Taten wie eine aufgeschobene Entschuldigung oder ein unangenehmer Anruf sein, es können aber auch größere Dinge wie ein Jobwechsel oder eine Reise alleine sein. An Mutanfällen wachsen wir und genau darum geht es im Leben.

Du kannst von positiven Affirmationen nicht genug bekommen? Hier findest du noch mehr Mantras.

Montags-Mantra: Saure Zitronen des Lebens

Wie gehst du mit bitteren Zeiten im Leben um? - Foto via unsplash.com
Wie gehst du mit bitteren Zeiten im Leben um? - Foto via unsplash.com

Starte deine Woche mit einem Mantra

„Keine Zitrone kann so sauer sein, dass du daraus nicht sowas wie Limonade machen kannst. „

Zum Leben gehören nicht nur die schönen, unbeschwerlichen Momente. Traumatische Ereignisse und schmerzhafte Erfahrungen verschonen keinen und sind Teil der Achterbahnfahrt – ein ständiges Auf und Ab, das jeden Tag enden kann. Nicht jeder schafft es, selbst an dunklen Tagen den kleinen Lichtschimmer im Auge zu behalten. Manche geben sich auf und versuchen dem Schmerz zu entfliehen – durch Alkohol, Drogen oder in Form von Depressionen. Doch was du nicht verarbeitest, wird dich einholen. Daher ist es wichtig, traurige Erfahrungen zu machen und zu durchleben. Was dir im Leben widerfährt, kannst du nicht kontrollieren. Was du jedoch kontrollieren kannst, ist wie du darauf reagierst. Nimm die bitterste Zitrone, die dir das Leben bietet, und zaubere daraus so etwas wie Limonade.

Du kannst von positiven Affirmationen nicht genug bekommen? Hier findest du noch mehr Mantras.

Uttanasana neu interpertiert: Dies.das.Asanas

Uttanasana
Asana-Kolumnistin Jelena zeigt den Klassiker ganz neu - Foto: Gordon Schirmer

Vorwärtsbeugen dehnen die gesamte rückseitige Faszienkette und das vom Scheitel bis zu den Sohlen. Sie helfen, das Nervensystem etwas herunterzufahren und laden uns ein, nach innen zu schauen und abzuschalten. Diese einbeinige Variante wirkt allerdings im Vergleich zum Klassiker Uttanasana eher anregend. Der Grund: Hier ist Konzentration gefragt!

Du stehst nämlich nicht wie gewohnt sicher auf beiden Füßen, während die ganze Welt auf dem Kopf zu stehen scheint. Ein ziemlich schwindeliges Gefühl, wenn einem so der Boden unter einem Fuß entzogen wird. Aber genau dieses Ungewohnte, Neue macht ja auch Freude und holt uns aus dem Trott der Gewohnheit. Wer also Spaß daran hat, seine Balance mal wieder auf’s Neue zu testen, wird diese Suche nach dem Schwerpunkt auf einem Bein sicher lieben.

Ganz nebenbei genießt du aber auch alle positiven Wirkungen der klassischen Vorwärts-
beuge: Du dehnst deine Beinrückseiten und ziehst die Wirbelsäule mitsamt den in ihr verlaufenden Nervenbahnen in die Länge. Das fördert nicht nur deine Beweglichkeit, sondern auch die Durchblutung in diesem Bereich.

Macht das Spaß?

Ja, denn es ist kniffliger, als es aussieht. Übe zu Beginn am besten vor einem weichen Sofa oder neben einer Wand. Das hilft dir, in die Balance zu finden und dich an die Position zu gewöhnen, bevor du es frei im Raum versuchst.

Muss ich das können?

Natürlich nicht, aber es ist immer wieder spannend, die eigene Balance auf die Probe zu stellen. Wenn dir Krieger 3 und Baum über fünf Atemzüge lang keine Probleme machen, dann bist du bereit für diese Herausforderung. Dabei müssen deine Hände nicht den Boden berühren geschweige denn die Beine umgreifen, du kannst dich auch mit einer oder beiden Händen auf einem Stuhl abstützen.

Was muss ich dafür tun?

Als Warm-up eignen sich Sonnengrüße und jegliche Varianten der Vorwärtsbeuge, denn je leichter dir die fällt, desto kompakter (und damit stabiler) kannst du auch die einbeinige Variante üben.

Step by Step zur Uttanasana Variante:

  1. Ausgangshaltung ist die klassische Vorwärtsbeuge aus dem Stand (Uttanasana). Setze die linke Hand zunächst auf dem Boden, einem Block oder Stuhl auf. Sie ersetzt dir das zweite Standbein und hilft dir, stabil zu stehen, wenn du gleich einen Fuß vom Boden lösen.
  2. Beuge das rechte Bein und ziehe die Ferse möglichst dicht zum Gesäß. Dann löst du die rechte Hand vom Boden und greifst um den rechten Fuß oder Schienbein. Jetzt kommt es darauf an, wie tief deine Vorwärtsbeuge ist: Entweder der Blick richtet sich zum Boden, oder du senkst den Kopf und richtest den Blick hinter dich.
  3. Sobald du hier sicher in der Balance bist, löst du auch die linke Hand vom Boden und legst sie ans linke Fußgelenk. Erlaube deinem linken Standbein dich zu tragen. Bleibe 1 bis 5 Atemzüge lang in der Haltung. Dann wiederhole die Abfolge auf der anderen Seite.

Lust bekommen? Hier gibt es noch mehr Asanas mit Step by Step-Eklärungen.

Noch mehr Asanas von unserer Kolumnistin Jelena Liebermann findet ihr auf www.instagram.com/kickassyoga

Rezept für Vegan-Döner: Denn Döner macht schöner!

Vegan-Döner
Vegan-Döner: zum Anbeißen oder? / Foto: Susann Döhler

Lecker, gesund und noch dazu herrlich frisch: Dieser prall gefüllte Vegan-Döner  macht Lust auf mehr. Wir verraten dir, wie du ihn in nur 30 Minuten nachzaubern kannst – wetten, du hast danach ein neues Lieblingsgericht? 

FÜR 4 PERSONEN | CA. 30 MINUTEN

Für Brot und Füllung:
1 Aubergine, längs in Scheiben geschnitten
1 Zucchini, längs in Scheiben geschnitten
200 g veganes Dönerfleisch
4 Pita-Teigtaschen
2 Tomaten, in Scheiben geschnitten
100 g Rotkohl, in feine Streifen geschnitten
1⁄4 Salatgurke, in Scheiben geschnitten
1 Avocado, Fruchtfleisch gewürfelt
1 Schalotte, in feine Streifen geschnitten

Für den Zaziki:
300 g Sojajoghurt
1⁄4 Gurke, gehobelt
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
Salz
Pfeffer, aus der Mühle

Für die Tomaten-Creme:
300 g veganer, ungesüßter Quark
100 g eingelegte Tomaten, abgetropft
1 EL Reissirup
1 EL Weißweinessig
1 TL Paprikapulver
Meersalz
frisch gemahlener Pfeffer
Außerdem: Öl zum Braten

Und so bereitest du den leckeren Vegan-Döner zu:

1. Mische für den Zaziki den Sojajoghurt mit Gurken, Knoblauch, Salz und Pfeffer. Für die Tomaten-Creme verarbeitest du den veganen Quark mit den restlichen Zutaten im
Mixer zu einer cremigen Masse.

2. Brate die Aubergine und Zucchini im heißen Öl an und würzen sie mit Salz und Pfeffer. Anschließend nimmst du sie aus der Pfanne und lässt sie abtropfen.

3. Anschließend brätst du das Dönerfleisch in der Pfanne scharf an und wärme die Pita-Taschen im Toaster oder im vorgeheizten Ofen kurz auf. Bestreiche die untere Seite der Taschen mit der Tomaten-Creme und die obere mit Zaziki. Dazwischen füllst du das gegrillte sowie das rohe Gemüse und das Dönerfleisch. Und jetzt heißt es: Gleich genießen.

Du hast das Rezept nachgekocht? Wir sind gespannt, wie es dir geschmeckt hat und freuen uns über einen Kommentar von dir! Bleibt nur noch zu sagen: Vielen Dank an die Redaktion der Vegan World, die sich dieses leckere Rezept für Vegan-Döner ausgedacht hat. Guten Appetit!