Montags-Mantra: Vergleichen ist der Dieb der Freude

Schon im Kindergarten hatten wir die im Auge, die schöner ausmalen und schneller rennen konnten. Im Erwachsenenalter hat sich am Vergleichprozess nicht viel geändert, außer dass es sich nun um Gehälter, die Traumfigur, die Sportlichkeit oder den Erfolg dreht. Vergleichen ist eine Denkgewohnheit und geschieht häufig unbewusst. Und obwohl uns ein kleiner Tritt in den Hintern ab und an ganz gut tut, geht es häufig über einen Motivationsschub hinaus. Es nagt an uns, frisst sich im Kopf fest und wirft Selbstzweifel auf.

Als ob im Alltag nicht schon genug Vergleiche lauern, werfen uns die sozialen Medien noch mehr Material vor die Füße. Für viele gehört Facebook zum Frühstück wie Kaffee. Wir scrollen durch den Newsfeed, sehen wer geheiratet hat oder wer zum fünften mal im Jahr Urlaub macht. Auf dem Weg zur Arbeit werden die Instagram-Stories der Blogger angeschaut, die mal wieder in einer Hängematte auf einer einsamen Insel liegen und so ihr Geld verdienen. Da fängt der Tag im Büro ja super an.

Doch wir vergleichen uns überwiegend mit Personen, über deren genaue Umstände wir nichts wissen. Wir nehmen ihre „Highlights“ und messen sie mit unserem Leben „hinter den Kulissen“. Dabei herrscht Backstage bei jedem Chaos. Die Inhalte der sozialen Medien sind nur ein kleiner Teil der Realität. Wissen wir immer, welche Geschichte und welche Persönlichkeit hinter einem Bild steckt? Niemand wird der Öffentlichkeit gerne seine Misserfolge mitteilen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen – doch niemand wird ein Bild davon auf Instagram stellen. Zumindest nicht ohne das Päckchen zu retuschieren und ein paar Filter drüber zu legen, um es zum Glänzen zu bringen.

Es gibt niemanden auf der Welt, der ist wie du. Niemand hat deine Fingerabdrücke, deine Stimme, dein Lächeln, dein Gesicht. Niemand hat deine Talente, Erfahrungen oder deine Gefühle. So viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, dass es keine Basis für einen Vergleich geben kann. Wir alle sind einmalig und einzigartig. Und das ist auch gut so. Die einzige Person, mit der wir uns messen sollten, ist die Person, die wir gestern waren.

Zudem macht vergleichen unglücklich. Egal wie viel wir haben, es wird immer Menschen geben, die mehr davon besitzen. Da verfangen wir uns leicht in einer Endlosspirale an negativen Gedanken, die uns nur unglücklich machen. Offen durch die Welt zu gehen, Inspirationen aufzusaugen und sich neue Möglichkeiten vor Augen zu halten ist sinnvoll und kann uns im eigenen Leben vorantreiben. Solange wir uns nur unter Kontrolle haben und keine Vergleiche ziehen.

Jeden Tag bekommen wir 86.400 Sekunden geschenkt. Und da es sicherlich genug in unserem eigenen Leben zu tun gibt: Wieso wertvolle Zeit und Energie verschwenden und uns Gedanken über andere machen?

Beim Yoga geht der Blick sowieso nach innen und kaum über die eigene Matte hinaus. Und wenn wir doch mal auf das perfekt gestreckte Bein der Nachbarin schielen: Inspirieren lassen, als Möglichkeit sehen uns selbst zu verbessern und den Blick wieder auf uns selbst richten.

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

Komm gut in die neue Woche. Wenn dir noch das Wochenende in den Knochen steckt, wirst du mit dieser Mini-Practice in 10 Minuten ganz sicher fit.

Lernen von Karttikeya: Wecke den Krieger in dir

Karttikeya - Wecke den Krieger in dir
Foto by Rhett Wesley /unsplash

Wusstest du, dass Ganesha einen Bruder hat? Einen ziemlich mutigen und kämpferischen noch dazu? Karttikeya heißt der tapfere Götterjunge und wir können eine Menge von ihm lernen: furchtlos zu sein, selbstbewusst unseren Weg zu gehen und an unsere Fähigkeiten zu glauben. 

In fast allen Yogaschulen der Welt steht irgendwo ein Bild oder eine kleine Figur von Shivas Sohn. Meist ist das Ganesha, der Beseitiger der Hindernisse. Er repräsentiert die „Anfangsenergie“. Wir wenden uns an ihn, wenn wir mit etwas Neuem beginnen, damit er mit seinem Rüssel und seinem dicken Bauch alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen kann. Wenn wir dann gesegnet ein Projekt begonnen haben, kommen wir trotzdem immer wieder an den Punkt, an dem es irgendwo nicht weiter geht. Dann bekommen wir Angst, vielleicht doch die falsche Richtung eingeschlagen zu haben, den falschen Yogastil zu üben oder mit dem falschen Partner zusammen zu sein. Gott sei Dank hat Ganesha einen Bruder, der das Ruder übernehmen kann. Treten Sie ein, junger Herr Karttikeya!

Auch Götter haben mal Angst

Karttikeyas Geschichte beginnt noch vor seiner Zeugung und wie bei jeder guten Göttergeschichte ist auch hier ein Dämon im Spiel: In den düsteren alten Zeiten hatte der finstere Taraka so lange asketische Praktiken geübt, bis die Götter nicht umhin konnten, ihm einen Wunsch zu gewähren. Wie so oft, brachten sie sich dadurch selbst in größte Schwierigkeiten. Denn Taraka erbat sich nichts anderes als Unbesiegbarkeit. Nur ein Sohn Shivas sollte ihn besiegen können. Die Götter erschraken. Denn Shiva war damals als Asket bekannt, der nie seine Meditation verließ. Dass er sich dem Wunder der Liebe hingeben und ein Kind zeugen würde, schien völlig undenkbar. Nur war es jetzt zu spät, den gewährten Wunsch abzulehnen. Und so begann Taraka, die Götter zu terrorisieren und die Welt zu unterjochen. Wer dieser Taraka war? Wir kennen ihn im 21. Jahrhundert unter einem anderen Namen: Angst. Angst vor der Freiheit. Angst vor der eigenen Kraft. Angst vor der Lust. Angst hat viele Gesichter. Und der große Meditierende tat so, als ob ihn das alles nichts angehen würde.

Parvati und Shiva – Liebe wie ein Gewittersturm

Es klingt wie in einem kitschigen Roman, aber eine Frau mit der Kraft der Erde kann die Konzentration des größten Yogis aus dem Gleichgewicht bringen. Parvati – als Tochter des Berggottes Himavat geboren – war diese Shakti, die Shiva dazu bringen konnte, vom Meditationskissen hinab und ins Bett hinein zu steigen. Was dann passierte, können wir hier mit Worten nicht beschreiben. Zwar hatten die Götter sich gewünscht, dass Shiva und Parvati das Kind zeugen würden, das sie befreit. Aber der dazugehörige Liebesakt jagte ihnen ganz schön Angst ein. Die beiden fanden einfach kein Ende. Und es rumpelte so dermaßen in ihrer Kammer, dass die Grundfesten der Welt erschütterten. Wir alle kennen diese Energie, wenn wir verliebt sind. Die Welt schien für die beiden keine Rolle mehr zu spielen

Karttikeya: Jugend kennt keine Selbstzweifel

So schickten die Götter Agni, den Gott des Feuers, in Gestalt einer Taube, das Liebesspiel zu unterbrechen. Die beiden waren wenig erfreut, und Shivas Samen traf den Vogel in den Schnabel. Doch selbst der Feuergott wäre fast verbrannt an der Hitze von Shivas Kraft, und so ließ er die Tropfen in die Flussgöttin Ganga fallen. Diese trug ihn an Land. Leider erklärt die Mythologie nicht befriedigend, wie auf einmal der hübsche Karttikeya aus dem Samen entstand. Aber da er von sechs Schwestern gesäugt wurde, die laut Geschichte die Luft und den Raum verkörperten, wissen wir, dass dieser propere Jugendliche die Kraft aller fünf alle Elemente in sich vereinte. Und er wusste das auch. Karttikeya, oder Skandha, wie er in manchen Traditionen auch genannt wird, war zu jung um an sich zu zweifeln. Er sollte einen Dämon bezwingen. Was konnte er tun, als zu siegen? In ihm gab es nur diesen einen Gedanken: Auf in den Kampf!

Abhaya Mudra, der Geste der Furchtlosigkeit.

Wenn du bei deiner nächsten Reise in Süd-Indien in einem Tempel den jungen Krieger siehst, der auf seinem Pfau reitet, dann spürst du vielleicht ein bisschen was von dieser Unbändigkeit und Ungebändigtheit der Jugend in seinem Ausdruck. Er sieht immer so aus, als sei er ein Teenie-Gott. Und doch ist er in einer sehr machtvollen Position, als Gott des Krieges, bekannt. Seine Hand grüßt uns in Abhaya Mudra, der Geste der Furchtlosigkeit. Bei aller Liebe zur Besonnenheit, oft brauchen wir diese Kriegerkraft. Gerade auf der Yogamatte, auf dem Meditationskissen, in unserer Familie, im Beruf.

Auch in dir steckt dieser Krieger – Lass ihn raus

Wir können uns tausendmal ablenken lassen von Bedenken oder dem Wunsch, langsam voranzugehen, um nur nichts falsch zu machen. Das mag oft angemessen sein. Manchmal lähmt es uns. Wir müssen lernen zu unterscheiden, wann es hilfreich ist, vorsichtig zu sein, und wann es angemessen ist, sich mit Leib und Seele in die Schlacht zu stürzen. Karttikeya wurde in Wildheit gezeugt, und besiegte die Furcht ohne mit der Wimper zu zucken. Er machte sich keine Gedanken darum, ob er verlieren könnte. Und noch besser: Er hatte auch keine Angst davor, erfolgreich zu sein. Warum sollten wir davor Angst haben? Schreite in grenzenloser Liebe voran, und schau, was passiert. Erwarte nichts als ein Wunder. Du wirst überrascht sein.


Unser Autor Ralf Sturm arbeitet als Yoga- und Meditationslehrer sowie als Paar- und Sexualtherapeut in Berlin. 

Yoga-Anatomie mit Dr. Ronald Steiner: Dehnung der Hüfte

Hast du während einer „hüftöffnenden Übung“ an der Außenseite der Hüfte, tief unter den oberflächlichen Gesäßmuskeln, eine Dehnung beobachtet? Und dich gefragt, um welchen Muskel es sich dabei handelt und warum es sich so gut anfühlt? In Dr. Ronald Steiners Yoga-Anatomie erfährst du, was es mit dem Hüftöffner auf sich hat.

An der Rückseite des Beckens verlaufen zwischen Kreuzbein (Sacrum) und Oberschenkelknochen (Femur) lediglich zwei Muskeln, die diese beiden Knochen direkt verbinden. Einer, der birnenförmige Muskel (M. piriformis), kommt von der Innenseite des Kreuzbeins und zieht an die Außenseite des großen Rollhügels (Trochanter Major) am Oberschenkelknochen. Der andere kommt von der Außenseite des Kreuzbeins und zieht ebenfalls Richtung Trochanter Major: Hierbei handelt es sich um den untersten Anteil des großen Gesäßmuskels (M. glutaeus maximus – pars infimus).

Die Muskeln im Stehen spüren

Um die Funktion beider Muskeln zu ergründen, fasse im Stehen mit der rechten Hand von hinten an deine rechte Pobacke, so dass deine Fingerspitzen in Kontakt mit dem Ende deines Steißbeins (Os coccygis) kommen. Rotiere nun dein rechtes Bein aus dem Hüftgelenk nach außen, so als wolltest du mit den Zehen am Boden nach außen wischen. Du wirst die Kontraktion des M. glutaeus maximus – pars infimus unter deinen Fingern spüren. Der M. piriformis liegt etwas tiefer in der gleichen Verlaufsrichtung. Genau diese Funktion, die Außenrotation, ist in jedem Anatomielehrbuch für beide Muskeln aufgelistet. Die Lage begründet die Wirkung. Sie befinden sich im Stehen hinter der durch den Oberschenkel verlaufenden Rotationsachse. Beim Anspannen verkürzen die Muskeln und rotieren damit den Oberschenkel nach außen.

Verblüffende Veränderung im Sitzen

Wiederhole ein ähnliches Experiment im Sitzen, stellst du jedoch Erstaunliches fest. Setze dich hierzu auf einen Stuhl und lege den rechten Knöchel auf den linken Oberschenkel, so dass der rechte Knöchel dicht am linken Knie positioniert ist. In dieser Position entspricht ein Abheben des Knöchels und Senken des Knies der Außenrotation. Du wirst feststellen, dass diese Bewegung zu keinerlei Kontraktion unter deinen Fingern führt. Drückst du jedoch deinen rechten Knöchel fest gegen den linken Oberschenkel, so kommen der M. glutaeus maximus – pars infimus und der darunter liegende M. piriformis sofort in Aktion. Eine verblüffende Entdeckung, die du in den meisten Anatomielehrbüchern vergeblich suchen. Beide Muskeln verändern bei gebeugtem Hüftgelenk ihre Funktion vollkommen. Dann werden sie zu Innenrotatoren. Bei der Yogapraxis ist diese Tatsache natürlich von entscheidender Bedeutung.

Zwischen Kreuzbein (Sacrum) und großem Rollhügel am Oberschenkel (Trochanter Major) liegt das Becken, genauer gesagt der Anteil, der als Sitzbein (Os Ischii) bezeichnet wird. Beide Muskeln werden beim Beugen um eine Kante dieses Knochens umgelenkt. Sie liegen nun oberhalb der durch den Oberschenkel verlaufenden Rotationsachse. Verkürzen sie durch eine Anspannung, so rotieren sie nun den Oberschenkel nach innen.

Yoga-Anatomie im Volksmund: „Den Po zusammenkneifen“

Piriformis und auch Glutaeus Maximus – Pars Infimus neigen bei Stress zu Verkrampfung. „Den Po zusammenkneifen“ heißt es im Volksmund entsprechend. Verspannen die Muskeln chronisch, so verkürzen sie. Vom Becken ausgehend rotiert dann das gesamte Bein nach außen. Das kann zu einer ungünstigen Verdrehung und Fehlbelastung im Kniegelenk führen. Am Boden sitzend verhindert der hohe Tonus dieser Muskeln, dass die Knie locker zur Seite sinken können. Versuchen wir dann überambitioniert, unsere Beine in den Lotussitz (Padmasana) zu legen, muss das Knie für die Bewegung herhalten, die uns im Hüftgelenk fehlt. Die Folge kann eine Verletzung im Kniegelenk sein.

Effektive Dehnung im lockeren Schneidersitz

Ein entspannter und lockerer Piriformis und Glutaeus Maximus – Pars infimus sind daher essenziell für gesunde Knie. Lassen Sie sich locker in einem offenen Schneidersitz nach vorne sinken (Svastikasana) oder gehen Sie in eine der anderen sogenannten „hüftöffnenden Haltungen„. So können Sie Piriformis und Glutaeus Maximus – pars infimus effektiv dehnen. Vordergründig erweitern Sie damit Ihre Beweglichkeit und bereiten sich auf den Lotussitz vor, ohne dabei das Kniegelenk zu überlasten. Doch mit dem Lockern der Verspannungen in der Muskulatur lösen Sie auch den zugrundeliegenden und tiefsitzenden Stress – daher sind „hüftöffnende Übungen“ oft auch emotional so befreiend. Aha!

Welche Übungen bei Problemen im Hüftbereich helfen, erklärt Dr. Ronald Steiner in dieser Übungsstrecke für die Hüfte.


Yoga-AnatomieDr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung. www.AshtangaYoga.info

Zurück zur Klarheit: Yoga ohne Schnickschnack

Madhavi Guemoes - Yoga ohne Schnickschnack

Die Yogawelt mutiert immer mehr zu einem Konsumtempel. Während man sich früher einem Yogalehrer anvertraute, weiß man sich heute kaum noch in der Vielfalt von Lehrern, Stilen und Workshops zurechtzufinden. Ein Plädoyer für mehr Schlichtheit – für Yoga ohne Schnickschnack.

Flugs rennen wir zu einem neuen Yogalehrer oder üben einen neuen Stil, wenn uns der alte nicht mehr zusagt. Auf der neuen rutschfesten Yogamatte (mit integriertem Duft und Buddha-Köpfchen) schauen wir überallhin, nur nicht dorthin, wo der eigentliche Schauplatz sein sollte: in unserem Inneren. Wir gehen zu hundert verschiedenen Workshops und natürlich zu den angesagtesten Lehrern. Wir versammeln uns auf Konferenzen, erkennen uns an den feschen bunten Leggings und fühlen uns so hip, als wären wir soeben für den Oscar nominiert worden.

Geht es im Yoga nur noch ums „Sehen und Gesehen-Werden“?

Schlimmer noch: Der Faktor „Sehen und Gesehen-Werden“ wird immer wichtiger in unserer schillernden Yogawelt. Zeigen, was man hat, wer man ist, lautet die Devise. Die Wachheit bekommen wir von unserem fetten Starbucks-Käffchen und fertig ist die Laube. Es ist Zeit, nachzudenken. Ich sage: Wir müssen umdenken. Wie wäre es, sich einfach auf einen einzigen Lehrer einzulassen? Und wenn es dann mal ungemütlich wird, nicht gleich die Biege zu machen? Yoga ist an jeder Ecke zu haben. Das ist auch gut so, doch die Lehre wird in eine bubblegumartige Masse verwandelt und dadurch bisweilen so klebrig und rosa wie Zuckerwatte. Brauchen wir tatsächlich alle zwei Wochen eine neue Leggings oder Yogamatte? Nein!

Yoga ohne Schnickschnack: Rückbesinnung auf das Wesentliche

Wir verzetteln uns, verlieren den Überblick und die Klarheit! Aparigraha gehört zu den fünf Yamas und bedeutet so viel wie Nicht-Anhäufen und keine Habgier zulassen. In der Yogastunde üben wir barfuß. Wir nehmen Kontakt zu uns und der Erde auf. Atmen. Schaffen Raum, um nach innen zu schauen und uns nach außen zu öffnen. Wir nehmen Abstand von unserem Abstand, tauchen ab in die Weite des eigenen Selbst und wenn wir Glück haben, entsteht dadurch eine wundervolle Klarheit und Sensibilität. Es geht überhaupt nicht darum, keinen Spaß mehr zu haben. Nur sollten wir uns wieder stärker auf das Wesentliche besinnen. Warum haben wir angefangen zu praktizieren? Um zu uns selbst zu finden, uns wieder stärker zu spüren? Oder um uns mit der perfekt durchgestylten Frau auf der Matte neben uns zu messen?

Weniger Zeit im Netz verschwenden

Der Fokus sollte dahin gehen, dass wir genau prüfen, wo wir unsere Energie hinlenken. Quillt mein E-Mail-Postfach vor lauter Newslettern über? Dann sollte ich aussortieren, Raum schaffen. Mich nicht ablenken lassen von der Vielfalt und mich in der Konzentration auf das Wesentliche üben. Im Yoga und im Buddhismus wird dies so schön als „Einpünktigkeit“ bezeichnet. Wie viel Zeit verschwenden wir im Internet, sammeln wahllos „Likes“ und Freunde? Drücken unachtsam und vorschnell einen „Gefällt mir“-Button und wundern uns dann, dass wir bei Facebook mit Müll überschwemmt werden?

Lass deinen Geist zur Ruhe kommen

Auch Yoga kann in Stress ausarten. Wenn wir zum Beispiel in mehreren Yogastudios gleichzeitig Mitglied sind und uns überhaupt nicht entscheiden können, bei wem und wo wir überhaupt üben wollen. Und letztendlich so überfordert sind, dass wir zu Hause bleiben. Durch Yoga wollen wir unsere Gedanken und Gefühle entzerren. Für mich bedeutet das, in mir selbst aufzuräumen, damit wieder eine Verbindung entstehen kann. Wenn aber von allem zu viel da ist, kann der Geist nur sehr schwer zur Ruhe kommen. Generell sollte meiner Meinung nach der Trend wieder mehr Richtung Schlichtheit gehen. Lasst uns Yoga ohne viel Schnickschnack üben und den eigenen Raum durch mehr Klarheit und Fokus erweitern!


Die Autorin Madhavi Guemoes möchte mit ihrem Yoga Blog Menschen dazu animieren, facettenreich und lebensbejahend über sich und das Leben nachzudenken.

Montags-Mantra: Kein Regen, keine Blumen

An Niederschlägen können wir wachsen
An Niederschlägen können wir wachsen

Den Regenschirm eines Passanten im Auge, nasse Füße auf dem Weg zur Arbeit, ein Auto rast durch die Pfütze am Straßenrand – willkommen Schmuddelwetter. Schon allein die Regenwolke in der Wettervorschau lässt uns aufstöhnen. Doch wieso sollen wir uns wegen jeder dunklen Wolke die Stimmung verdüstern lassen? An der Wetterlage ändert das rein gar nichts. Tun wir es lieber den Blumen gleich: Zurücklehnen, Gesicht in den Regen halten, jeden Tropfen genießen und wachsen. Der Gewinn ist eine starke Basis in den Wurzeln und eine wunderschöne Blüte, die mit ihrer Farbintensität wichtige Partner wie Bienen auf sich aufmerksam macht.

Das Vorbild der Blümchen

Auch im Alltag werden wir ab und an mit Niederschlägen und kleinen Schauern konfrontiert, die unsere Laune trüben. Uns bleiben zwei Möglichkeiten: Ein Unwetter daraus machen und den ganzen Tag maulend auf Sonnenschein warten oder die Situation annehmen und im Regen tanzen. Schwere Zeiten und neue Herausforderungen sind ideal, um daran zu wachsen. Kommen wir zurück zum Vorbild der Blumen. Nutze Niederschläge um zu gedeihen, Stabilität in deiner Basis zu schaffen und ein Strahlen zu entwickeln, das andere anlockt, inspiriert und ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Wenn Blümchen das hinbekommen, können wir das auch.

Beim nächsten Alltags-Unwetter also das Gesicht in den Regen halten und herausfinden, wie du den unerwartete Schauer nutzen kannst um dich zu entwickeln. Jede Situation bietet positive Aspekte – die Kunst ist nur, sie zu erkennen. Und wer weiß, vielleicht ist genau das die Kombination, aus der ein Regenbogen entsteht.

„Ohne Regen, kein Regenbogen.“

Du möchtest noch mehr Lebensweisheiten lesen? Hier findest du unsere Montags-Mantras.

TMX meets Yoga (Journal) – Schultern

Im letzten Teil unserer Serie TMX meets Yoga (Journal) sind wir ganz oben angekommen, bei den Schultern. Um dir Techniken zu zeigen, wie du Krankheits- und Schmerzsyndrome von Fuß bis Schulter lindern kannst, hat sich TMX mit dem YOGA JOURNAL und der Yogalehrerin Shida Pourhosseini zusammengetan. Um was genau es sich bei einem TMX Trigger handelt, kannst du hier nachlesen.

Probleme mit den Schultern

Das Video erklärt, wie du TMX Yoga einsetzen kannst um Schulterschmerzen zu lindern. Dazu zählen unter anderem Bewegungseinschränkungen, die Frozen Shoulder oder eine schmerzhafte Einklemmung von Sehnen oder Muskeln innerhalb eines Gelenks, dem Impingmentsyndrom.

Du hast die vorherigen Teile verpasst? Hier kommst du zu den jeweiligen Videos:


Veganer Schokokuchen mit Rote Bete und Avocado

Soooo gut: Ein veganer Schokokuchen, der ganz ohne tierische Produkte aus und  super in die kommende Herbstzeit passt. Wir verraten, wie du mit wenigen  gesunden Zutaten einen himmlischen Kuchen zauberst, der garantiert auch den kleinen Familienmitgliedern schmeckt.

Mhm lecker … Von diesem Kuchen dürfen es nach der Yogastunde auch gerne mal zwei Stück sein. Wenn du an der Mischung aus Schokolade und Avocado Gefallen gefunden hast, gibt es hier noch ein Rezept, das die beiden Superfoods in einem gesunden Desert vereint.

Zutaten

  • 1 ¾ Tassen glutenfreies Mehl
  • ¾ Tasse dunkles Kakaopulver
  • ½ Tasse Mandelmehl oder gemahlene Mandeln
  • 1 TL Backpulver
  • 1 vollreife Avocado, zerdrückt
  • ¾ Tasse Kokosblütenzucker
  • ½ Tasse fein geriebene rohe Rote Bete
  • 1/3 Tasse und 2 EL Kokosöl, geschmolzen
  • 1 TL Vanille-Extrakt
  • 1 TL Speisenatron
  • 1 EL Apfelessig
  • 1 EL Puderzucker

Veganer Schokokuchen – so einfach geht’s

1.Heize den Ofen auf 175 °C vor. Schneide ein Stück Backpapier für den Boden der Springform zu, fette die Form ein und drücke einen Streifen Backpapier an den Rand.

2. Vermenge Mehl, Kakao, Mandelmehl und Backpulver in einer Schüssel. In einer zweiten Schüssel verquirlst du Avocado, Kokoszucker und Rote Bete. Lasse nun das zerlassene Kokosöl bei laufendem Rührgerät langsam dazu rinnen. Zum Schluss rührst du Vanille-Extrakt und 1 Tasse Wasser unter. Mische die Mehlmischung unter die nassen Zutaten und verquirle alles zu einem glatten Teig.

3. Verrühre das Speisenatron in einem Schälchen mit dem Essig, bis die Mischung schäumt. Rühre diesen Mix unter den Teig. Dann streichst du den Teig in die Form und backst den Kuchen auf der mittleren Schiene 20–25 Minuten, bis eine in die Mitte gestochene Nadel sauber wieder herauskommt.

4. Lasse den Schokokuchen auf einem Gitter abkühlen. Dann löst du ihn aus der Form und bestäubst ihn mit Puderzucker.

Übrigens: Noch mehr leckere vegane Rezepte findest du auf veganworld.de


Nährstoffangaben: pro Stück 291 Kalorien, 14 g Fett (davon 8 g gesättigt), 44 g Kohlenhydrate, 4 g Ballaststoffe, 4 g Eiweiß, 321 mg Natrium

Yoga und Nachhaltigkeit

Yoga und Nachhaltigkeit
Illustration: Carla Schostek

In jeder noch so unbedeutenden Ansprache ist von Nachhaltigkeit die Rede. Kein Politiker, kein CEO, keine Werbebotschaft spart das Thema aus. Doch die Ergebnisse dieses Hypes fallen oft spärlich bis katastrophal aus. Wie sieht es aber beim Thema Yoga und Nachhaltigkeit aus? Was sich Wirtschaft und Staat auf die Fahnen geschrieben haben, ist im Yoga vielleicht eine der wichtigsten Nebenwirkungen.

Eines steht fest: Gäbe es eine Top-Ten-Liste mit Begriffen, die einem hohen Abnutzungsrisiko ausgesetzt sind, stünde „Nachhaltigkeit“ sicherlich auf einem der vordersten Ränge. Was die Glaubwürdigkeit des Wortes gefährdet, ist die Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Bedeutung und dem, was uns Vertreter des öffentlichen Lebens täglich vorleben. Der „Rat für Nachhaltige Entwicklung„, ein von der Bundesregierung einberufenes Gremium, definiert das Wort übrigens wie folgt: „Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“

Nachhaltigkeit unterliegt der freien Marktwirtschaft

Durch nachhaltige Strukturen sollen also unterschiedliche Ebenen in unserem Leben verbessert werden und erhalten bleiben. Im Mittelpunkt stehen dabei immer Mensch und Umwelt, nicht Profit und Zerstörung. Nachhaltige Strategien und Anstrengungen unterliegen jedoch nicht selten der Profitgier und den finanziellen Rahmenbedingungen der freien Marktwirtschaft oder des Staates. Der Ölriese BP beispielsweise betont auf der Firmen-Website leidenschaftlich sein soziales und ökologisches Engagement. Gleichzeitig ist der Ölproduzent für die wohl größte Umweltkatastrophe der USA verantwortlich. Seit der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ sind Expertenschätzungen zufolge etwa 15 bis 20 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko geflossen.

Es sollte also nicht weiterhin ­verwundern, wenn Umweltschutz und Sozialreformen das ­erfahren, worunter die Kulturlandschaft in Deutschland und an anderen Orten immer wieder zu leiden hat: Sie werden eingespart oder nicht ausreichend zum Wohle von Mensch und ­Umwelt umgesetzt.

Sehnsucht nach anhaltendem Wandel

Trotzdem: Dass man außerhalb der konventionellen CEO-Interessen und Politikerreden in Zeiten des Wahlkampfes ­immer wieder auf das schöne Wort stößt, spiegelt die Sehnsucht der zivilen Gesellschaft nach einem wirkungsvollen und ­anhaltendem Wandel auf vielerlei Ebenen wieder. Schon ­lange, bevor die Nachhaltigkeit in Mode gekommen ist, waren unzählige Initiativen auf diesem Gebiet tätig. Und täglich werden es mehr, um den ­Herausforderungen der modernen Welt für Mensch und Umwelt gerecht zu werden. Egal ob Politiker, Umweltschützer und Gewerkschafter, alle sind sich einig: Das ­Engagement auf sozialer, ökologischer und ­ökonomischer Ebene muss sich verstärken.

Yoga und Nachhaltigkeit

Worin aber liegt nun der Nachhaltigkeitsaspekt im Yoga? Gibt es so etwas wie nachhaltiges Yoga, „sustainable Yoga“ – ein Begriff, der im US-­amerikanischen Sprachgebrauch öfter auftaucht? Hat Nachhaltigkeit im Yoga etwas damit zu tun, wie oft ich zuhause oder im Studio übe? Oder mich mit den Yoga-Sutren auseinandersetze? Kann man mit Yoga die Umwelt schützen? Wäre sogar in dieser Sphäre Müll zu trennen? Als ich die Arbeit für diesen Beitrag begann, unternahm ich vielleicht den Fehler, das Thema von einer ungünstigen Warte aus zu betrachten. Der Begriff „nachhaltiges Yoga“ wollte für mich keinen rechten Sinn ergeben. Das würde ja bedeuten, dass manche Yoga-Richtungen nachhaltiger sind als andere. Damit würde die Methode jedoch an Glaubwürdigkeit ­verlieren und zu Grabenkämpfen in den ­verschiedenen Yoga-Lagern verführen. Yoga ist für mich außerhalb der Verbesserungs­spirale anzusiedeln, die den Nachhaltigkeitsboom so sehr umgibt. Es gibt nichts zu verbessern am Yoga, es steht so klar und strahlend für sich, dass sogar ­Atomkraftbefürworter vor Neid erblassen müssten.

Yoga: Kompost für emotional Unausgereiftes?

Die Intention, die wir mit zum Yoga bringen, setzt unseren ganz persönlichen Nachhaltigkeitsaspekt fürs Leben. Die nachfolgende Situation ist typisch für viele Yogis: Am Anfang waren die Rückenschmerzen, die uns auf die Matte geführt haben. Ein paar Monate später wechseln wir endlich zum Ökostromanbieter, flicken die platten Reifen unseres Drahtesels und denken über alternative Lebensentwürfe nach. Über kurz oder lang bleibt niemandem das weitreichende Potenzial von Yoga verborgen. Yoga und Nachhaltigkeit gehen irgendwie Hand in Hand.

Für mich ist Yoga mittlerweile so etwas wie ein emotionaler Komposthaufen: Auf den kann ich alles gefühlsmäßig Unausgereifte kippen, dort wird es zersetzt und nach einer Weile entsteht etwas Neues, hoffentlich Gutes. Wir können uns Yoga hingeben und darauf vertrauen, dass sich unser Leben ­verändern wird. Es ist eine allmähliche, jedoch stetige Entwicklung. Die positive Nebenwirkung dabei ist, dass sich meine Um- und Nachwelt immer weniger von meiner Existenz bedroht fühlen muss.

Yoga zuhause üben – fehlt da nicht etwas?

Nur in Gedanken darin zu schwelgen, was Yoga für unser Leben bedeutet, reicht natürlich nicht aus. Yoga will praktiziert und als Konsequenz auch umgesetzt werden – und zwar regelmäßig. Damit fangen wir am besten gleich zuhause an. Die meisten kommen zum ersten Mal im organisierten Umfeld eines Studios mit Yoga in Berührung. Vor dem regelmäßigen Ausrollen der Matte in den eigenen vier Wänden jedoch schrecken viele von uns zurück. Kein Wunder: Die Daheim-Praxis fühlt sich oft so an wie Autofahren mit angezogener Handbremse. Langsam stottern wir uns voran, wissen nicht so recht, welche Asana-Sequenzen wir als nächstes üben sollen. Schon wieder den Sonnengruß? Also gut – und schon klingelt das Telefon. Danach wieder auf die Matte zurückzufinden ist nicht einfach, der Flow ist verschwunden. Schuldbewusst rollen wir unsere Matte wieder ein und verschieben eine etwas konzentriertere Heimpraxis auf unbestimmt. Wenn es jetzt richtig dumm läuft, tritt uns zu guter Letzt auch noch der innere Zensor gehörig auf die Füße: „Und du willst ein Yogi mit einer hingebungsvollen Praxis sein? Dir fehlt es mal wieder an Durchhaltevermögen“, flüstert er gemein.

Ich habe gelernt, meine Erwartungen an das, was ich zuhause auf der Matte tue, einfach zu reduzieren. Das Credo: Die Heimpraxis gehört mir! Da darf ich machen, was ich will, mit Musik oder ohne, zehn verschiedene Asanas oder auch nur eine. Hauptsache, ich bin auf der Matte! Es ist gar nicht notwendig, ein 90-Minuten-Äquivalent für die Unterrichtseinheiten im Studio zu finden. Auch wenn es sich bisweilen holprig anfühlt, so wissen wir: Es kommt alles einem guten Zweck zugute.

Heimpraxis: Ruhig und unspektakulär

Aha-Erlebnisse auf der Heimmatte bleiben im Übrigen nie aus. Es sind meist die kleinen Augenblicke, die uns erst auf den zweiten Blick wichtige Erkenntnisse liefern: Da nimmt man zum ersten Mal den inneren Oberschenkel des gestreckten Beines wahr und begreift die Dimension dieser Anweisung, die man zuvor schon hundertmal im Unterricht gehört hat. Oder man erkennt, wie wichtig der Kraftaufbau in der Hüfte ist, um Ardha Chandrasana halten zu können. Wie während einer Sonnengruß-Sequenz plötzlich der Atem fließt, ohne dass man sich dafür am Nebenmann ­orientieren muss. Die Heimpraxis läuft ruhiger und ­unspektakulärer ab als im Studioalltag – aber sie ist nicht weniger wichtig.

Mit ihr ehren wir nicht nur die Tatsache, dass wir uns regelmäßig einer Lehre hingeben, die sich der Transformation unserer körperlichen und seelischen Zustände verschrieben hat. Wir gedenken darüber hinaus auch der wechselseitigen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Das Übermittelte zuhause verfeinern und vertiefen zu wollen: Welcher berufene Yoga-Lehrer träumt nicht von solchen Schülern? Unsere eigene Praxis ist eine Möglichkeit, etwas davon zurückzugeben. Und wem partout keine Übungssequenz einfallen will, fragt einfach einmal im Yoga-Studio seines Vertrauens nach.

Nachhaltiges Leben: Yoga-Studios in der Pflicht

Wo Yogis aufeinandertreffen, wird leidenschaftlich über Yoga philosophiert und diskutiert. Dieses ganz offensichtliche Bedürfnis spiegelt sich jedoch selten in den wöchentlichen Angeboten der meisten Yoga-Studios wieder. Es fehlen beispielsweise die regelmäßige intensive Auseinandersetzung mit Patanjalis Yoga-Sutren, der Yoga-Mythologie und -Philosophie oder der Meditation. Genau auf diesem Gebiet jedoch gibt es eine ­Menge über Nachhaltigkeit zu lernen.

Der normale Unterrichtsbetrieb bietet Kurse für alle Altersgruppen und körperlichen Verfassungen an: Yoga für Alle eben. Yoga für Schwangere, ­postnatales Yoga, Yoga für Kinder, Stress- und Rückenschmerzgeplagte. Yoga für Frauen mit hormonellen Beschwerden und ­Menschen ab 50. Viele Kurse werden auch auf Spendenbasis angeboten. Mediationskurse beispielsweise findet man oft nur in Form von Wochenend-Workshops mit Gastlehrern. Der Workshopcharakter, den viele der Yoga-Aspekte haben, erweckt leicht den Eindruck, dass diese Glieder außerhalb von Yoga ­anzusiedeln sind. Oder zumindest nicht so wichtig wie das ­Praktizieren von Asanas sind.

Yoga muss mehr sein

Natürlich kann nicht jedes Yoga-Studio dieser Republik ­sämtliche Yoga-Aspekte im wöchentlichen Stundenplan ­abbilden. Die großen und bekannten Studios sollten sich dies jedoch zum Ziel setzen. Außerdem setzt ein umfassender Stundenplan genau jene Qualitätskriterien, die in der Yoga-Landschaft oft schmerzlich vermisst werden. Als Ausbildungsbetrieb ist man so beispielsweise gegen den Vorwurf gefeit, nur eine „Yoga Light“-Ausbildung anzubieten. Yoga und Nachhaltigkeit gehören zusammen. Durch die Einbeziehung aller Yoga-Glieder in unsere Praxis – sei diese nun zuhause, im Studio oder auf einem Retreat – werden die Nachhaltigkeitsaspekte im Leben zusätzlich gestärkt und gefestigt. Und wie gut und schön klingt der ­Zusatz, mit dem so ein Yogastudio werben könnte: „Dies ist ein Ausbildungs- und Lehrbetrieb für ein nachhaltiges Leben.“


Drei Menschen, drei Meinungen: Yoga und Nachhaltigkeit

Nicola Knoch, Beraterin bei der Sustainable AG in München: „Nachhaltigkeit ist ein Prozess, bei dem wir Altes hinter uns und Neues entstehen lassen. Hinsichtlich der Herausforderungen wie dem sozialen Wandel oder dem Klimawandel stellt sich die Frage, wie die Welt aussehen sollte, in der wir morgen leben möchten. Je mehr wir bereit sind, diese Zukunft selbst zu gestalten, desto ’nachhaltiger‘ ist unser Beitrag.“

Annette Söhnlein, Inspired Anusara-Yogalehrerin in Berlin: „Nachhaltigkeit im Yoga bedeutet für mich ‚Action in Balance‘. Ich pflege Körper und Geist auf einer tieferen Ebene, ohne andere dabei auszunutzen. Dieser Weg der Mitte schafft Bewusstsein für die Verknüpfung all meiner Gedanken und Taten mit denen des Universums. Yoga kümmert sich um mich und stärkt meine Weitsicht auf alle Dinge.“

Tom Beyer, Home Yoga Berlin: „Yoga zu leben, yogisch zu leben, heißt im Einklang mit unserer Umwelt, mit der Natur und auch mit unseren Mitmenschen zu leben. Achtsamkeit, Gewaltlosigkeit, Respekt und Toleranz auf allen Ebenen sind dafür notwendig. Das Gleiche gilt für nachhaltiges Leben und Wirtschaften mit Blick auf zukünftige Generationen: Dies erfordert ebenfalls Achtsamkeit und ein Bewusstsein, das über den eigenen Horizont, das eigene Ego hinausgeht. Ein echter Yogi lebt immer nachhaltig.“