Erkältung und Yoga: Was hilft, was lasse ich bleiben?

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Yoga und Erkältung
Wie krank ist zu krank für die Yogastunde?

Die kalte Jahreszeit gilt als Erkältungszeit. Ein starkes Immunsystem, gekoppelt mit einer gesunden Ernährungsweise, kann die ein oder anderen Beschwerden vehindern. Und doch erwischt es selbst uns Yogis manchmal. Wenn wir erste Symptome einer Erkältung verspüren, kann Yoga helfen – oder die Sache verschlimmern. Doch wie krank ist zu krank und was sollte man beachten?

Innere Stimme oder innerer Schweinehund?

Bevor du auf Tipps anderer hörst oder dich mit falschem Stolz zur Yogastunde schleppst, achte auf die Signale deines Körpers. Hast du Fieber oder starke Schmerzen? Bleib im Bett und trinke viel. Bei Beschwerden, wie Schnupfen, Gliederschmerzen oder Kopfweh kann dich Yoga dabei unterstützen, schneller wieder fit zu werden. Hier liegt es also an dir, deine innere Stimme zu deuten.

Rückzug der Sinne

Wenn dich schon der Weg vom Schlafzimmer in die Küche erschöpft, ist es ratsam keine Asanas zu üben. Vorallem bei erhöhter Temperatur oder Fieber solltest du auf Asana-Praxis und Pranayama verzichten. Wie wäre es stattdessen mit Pratyahara? In der Yogaphilosophie bezeichnet dieser Sanskrit-Begriff einen Zustand, in dem sich die Sinne nach innen zurückziehen und dort gehalten werden. Schalte also Handy und Laptop aus, erlaube dir mal nicht erreichbar zu sein und kuschele dich mit einem Tee ins Bett. So erholst du dich am schnellsten.

Taste dich an die Asanas heran

Wenn du dich neben Beschwerden wie Schnupfen, Halsweh oder Husten aber fit fühlst, kannst du die Yogamatte ausrollen und dich langsam an das herantasten, was deinem Köper gut tut. Vielleicht beginnst du die Yogastunde zur Abwechslung mal in Savasana (eventuell mit einer Decke) und probierst das Krokodil oder die Brücke aus. Wenn du durch langes Sitzen oder Liegen verspannt bist, können diese Asanas den unteren Rücken dehnen und entlasten. Auch ein paar Durchgänge Katze und Kuh können Rückenschmerzen lindern. Führe jedoch nur Bewegungen aus, die sich gut im Rücken anfühlen.

Umkehrhaltungen können Schnupfen und Kopfweh verschlimmern

Wenn du dich nach diesen Asanas fit fühst, kannst du in deine normale Praxis übergehen. Generell empfiehlt es sich an solchen Tagen jedoch, dein normales Übungs-Level eine Stufe herabzusetzen. Manche empfinden Umkehrhaltungen bei einer verstopften Nase als unangenehm. Sie erhöhen den Druck auf die Nasen- und Stirnnebenhöhlen und können bestehende Kopfschmerzen noch verschlimmern. Teste es an einer Vorwärtsbeuge. Geht dir hier die Nase zu, verzichte in dieser Zeit am besten auf Umkehrhaltungen. Brummt dir der Kopf, kannst du stattdessen Asanas üben, die Schulter- und Rückenmuskulatur stärken. So sind die unvermeidlichen Schwierigkeiten des Alltags doch schon leichter zu tragen. Wenn du beim Üben deine Ausatmung verlängerst, verlierst du die Fixierung auf den Kopf und kannst belastende Gedanken besser loslassen. Ähnlich wie die 4-7-8 Atmung wirkt die verlängerte Ausatmung gegen Stress und Anspannungen.

Übrigens, hier findest du 10 Asanas, die gegen Kopfschmerzen helfen.

Rückbeugen befreien Atemwege

Rückbeugen können nicht nur Verspannungen in Schultern und Nacken lösen, sie unterstützen auch das Atemsystem. Indem die Brustwirbelsäule nach hinten gestreckt wird, weiten sie den Brustkorb, dehnen Lungen- und Herzbereich sowie die gesamte Atemhilfsmuskulatur. Regelmäßiges Üben vertieft somit unsere Atmung und versorgt den Körper mit mehr Sauerstoff. Das befreit die Atemwege und fördert unsere Konzentration. Da das gesamte Verdauungssystem gestreckt wird, können sogar Probleme mit der Verdauung gelindert werden. So kannst du bei Atemwegsbeschwerden beispielsweise Bhujangasana, die Kobra, oder Matsyasana, den Fisch, in deine Praxis einbauen. Manche behaupten sogar, dass diese Asanas aufgrund der positiven Wirkung auf unser Atemsystem auch eine heilende Wirkung auf Asthma haben. Hier findest du noch weitere Inspiration für Rückbeugen.

Neti und Jihva Dhauti – Zwei yogische Erkältungstricks

Zum Glück ist Yoga so vielfältig und nicht nur auf die Asana-Praxis zu beschränken. Ein toller, yogischer Tipp, die Nase zu reinigen oder einen Schnupfen vorzubeigen ist Neti, die Nasenspülung. Meine erste Erfahrung mit Nasenspülung habe ich beim Yoga-Retreat mit Berenice Seiss auf Mallorca gemacht. Seitdem vergeht kaum ein Morgen, an dem ich kein Salzwasser durch meine Nasenlöcher jage und ich behaupte fest, dass mich die regelmäßige Anwendung schon gesund durch die ein oder andere Erkältungswelle gebracht hat.

Anleitung Nasenspülung:

Fülle lauwarmes Wasser in ein Nasenspülkännchen und gebe etwas hochwertiges Salz dazu. Halte das Kännchen mit der Salzlösung an ein Nasenloch, lege den Kopf etwas schräg und lasse die Salzlösung einfach laufen. Es hilft, den Mund etwas zu öffnen, damit sich das Gaumensegel schließen kann. Bei einer Erkältung, kannst du deine Nase auch mehrmals täglich spülen. Bei Problemen mit Allergien, Heuschnupfen oder Staub kann die regelmäßige Nasenreinigung Wunder wirken.

Eine weitere yogische Anwendung, die eine Erklältung vorbeugen kann, ist Jihva Dhauti, die Zungenreinigung. Vor allem nachts lagern sich gerne Abfall- und Giftstoffe unserer Nahrung auf der Zunge ab. Bei einer Erkältung kommen auch Bakterien und Viren dazu.

Anleitung Zungenreinigung:

Für die Zungenreinigung brauchst du einen Zungenscharber aus Edelstahl oder einen Edelstahl-Löffel. Ziehe ihn jeden Morgen von hinten nach vorn über die Zunge und schabe den Belag ab. Das trägt dazu bei, dass deine Erkältung schneller verschwindet und wehrt zukünftige Bakterien-Attacken ab.

Kapalabhati gegen Viren

Soweit angenehm, kannst du bei einer Erkältung Pranayama üben – das geht auch super im Liegen. Kapalabhati, die Feueratmung, reinigt die Atemwege und unterstütze dabei, lästige Viren aus dem Körper zu katapultieren. Doch Vorsicht: Die Atemtechnik hat eine energetisierende Wirkung und stimuliert den Sympathikus. Das ist der Teil des Nervensystems, der für Aktivität steht. Daher ist Kapalabhati nichts für nervöse oder gestresste Menschen und sollte auch nicht am Abend geübt werden. Richtig gut wirkt sie dagegen, wenn man sich matt fühlt oder den Geist ankurbeln möchte.

Anleitung Feueratmung:

Setze dich aufrecht und bequem hin und finde zunächst deinen natürlichen Atemrhythmus. Atme bei der nächsten Einatmung in den Bauch ein und ziehe die Bauchdecke beim Ausatmen in raschen, rhythmischen Bewegungen nach innen. Das drückt die Luft aus den Lungen und erzeugt kurze, kraftvolle Ausatmungen. Diese Abfolge kannst du 20 bis 30 mal üben und danach zu deinem natürlichen Atem zurückkehren.

Summen gegen Heiserkeit

Bhramari ist die Bienenatmung und verdankt ihren Namen dem Summen, das man beim Ausatmen macht. Die Atemübung verbessert die Stimme, kann Hals-und Nasenerkrankungen vorzubeugen und die Atemwege reinigen. Außerdem schenkt sie Ruhe und Entspannung und hilft daher gegen Stress und Kopfschmerzen.

Anleitung Bienenatmung:

Setze dich aufrecht und bequem hin. Verschließe nun mit den Daumen sanft deine Ohren, lege die Zeigefinger leicht über die Augen, platziere die Mittelfinger seitlich an die Nasenflügel, die Ringfinger auf die Oberlippe und die kleinen Finger auf die Unterlippe. Dieses Shanmukti Mudra, das Verschließen der 7 Pforten, ermöglicht dir einen kompletten Rückzug der Sinne. Somit kannst du die innere Vibration der Bienenatmung besser wahrnehmen. Atme nun tief ein und immitiere beim Ausatmen das Summen einer Biene. Wiederhole diesen Vorgang etwa 8 mal und lasse die Augen danach noch einen Moment geschlossen um das Geräusch auf dich wirken zu lassen.

Yoga und das Immunsystem

Generell ist eine Erkältung ist ein schöner Weg, den Weg nach innen zu finden und mehr in sich hinein zu hören. Dazu gehört auch, auf die Signale des Körpers zu achten. Ist der Körper gestresst, schüttet er Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus – und die fahren das Immunsystem nach unten. Yoga ist ein meditatives Training, das den Geist beruhigt, Stress herunterfährt und daher das Immunsystem kräftigt– und das gibt den Viren im Körper erst gar keine Chance. Daher kannst du die ein oder anderen Beschwerden mit einer regelmäßigen Praxis vorbeugen.

Positive Aspekte einer Erkältung

Und wenn du doch mal mit einer Erkältung flach liegst, versuche es auch hier mit der Kraft der positiven Gedanken. Wie oft beschweren wir uns, dass wir keine Zeit haben? Jetzt haben wir sie. Heiße die Erkältung willkommen, jetzt ist sie ja eh da. Sehe sie als Reinigung für den ganzen Organismus und nutze das Zeichen des Körpers, um neue Energie und Kraft zu tanken. Es ist eine Gelegenheit zur Ruhe zu kommen und einen Gang zurück zu schalten. Vielleicht liegt auf deinem Nachttisch schon seit Monaten ein Buch, das du fertig lesen möchtest oder du machst dir ein schönes Hörbuch an. Wichtig ist nur, dass du dir die Zeit gibst die du benötigst. Eventuell kannst du mit Vitamin C, Echinacea oder anderen Mitteln aus der Naturheilkunde nachhelfen.

Vielleicht helfen dir ja auch diese Erkältungs-Tipps aus der Ayurveda-Lehre. Gute Besserung.

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