#104 Kosmische Einflüsse: Die Verbindung von Astrologie und Yoga – mit Antonia Langsdorf

Wie das Sternenwissen deine spirituelle Reise bereichern und vertiefen kann

Die Astrologie widmet sich der Interpretation der himmlischen Konstellationen, also den Stellungen von Planeten, Sternen und Monden zu bestimmten Zeiten. Diese sollen sich auf das Leben auf der Erde auswirken. In den Welten von Yoga und Astrologie treffen zwei alte Traditionen aufeinander, die auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich erscheinen, aber auch tief verbunden sind. Diese Verbindung geht auf die uralten vedischen Traditionen zurück, in denen Yoga und Astrologie als Teil eines umfassenden Systems spirituellen Wissens betrachtet wurden. 

In dieser Folge „YogaWorld Podcast“ begrüßt Moderatorin Susanne Mors die Astrologie-Expertin Antonia Langsdorf, um über die subtilen Einflüsse der kosmischen Zyklen auf unser Leben zu sprechen. Zunächst erklärt Antonia den Unterschied zwischen der Astrologie, wie sie hier bei uns im Westen praktiziert wird, und der vedischen Astrologie. Dann erfolgt eine Einführung in diverse astrologische Grundlagen, wie Tierkreiszeichen und Aszendenten. Dabei geht Antonia auch auf die typischen Eigenschaften der Sternzeichen und ihre Bedeutung im spirituellen Jahreskreis ein. 

Besonders spannend wird es bei der Frage wie man Yoga und Astrologie in der Praxis kombinieren kann. Hier teilt Antonia Einblicke darüber, wie du bestimmte Asanas und Yogapraktiken auf die Sternzeichen abstimmen kannst und verrät wie Planetenkonstellationen den Energiekörper und die Chakras beeinflussen können. Du erhältst viele wertvolle Impulse, wie Astrologie und Yoga zusammenarbeiten können, um dein persönliches Wachstum zu fördern.

Hier geht’s zur Abstimmung beim deutschen Podcastpreis: https://www.deutscher-podcastpreis.de/podcasts/yogaworld-podcast/

Hier geht‘s zu Antonias Begleitartikel zur Folge: 

Yoga und Astrologie: Astrologische Zyklen für die Praxis nutzen – von Antonia Langsdorf

Astrologie und Yoga Maximusnd Zahar via Canva

Die Astrologie lässt sich auf verschiedene Arten mit Yoga verbinden. So kann man sich zum Beispiel bei den Yogaübungen vom Lauf der Sonne durch die zwölf Sternzeichen und dem Mondzyklus und seinen Phasen inspirieren lassen. Antonia Langsdorf erklärt, wie du diese Zyklen für deine Praxis nutzen kannst und welche Planeten dich dabei unterstützen können.

Text: Antonia Langsdorf, Titelbild: sydaproductions via Canva

Es gibt viele tolle Möglichkeiten Astrologie und Yoga zu verbinden! Aktuell ist Glücksplanet Jupiter besonders hervorgehoben, weil er am 26. Mai ins Zeichen Zwillinge wechselt. Wir könnten uns durch Yogaübungen, die unser drittes Auge, unseren Geist und unseren Optimismus stärken, mit dieser kosmischen Kraft verbinden. Auch Übungen, welche die Leber, Hüftregion und Oberschenkel stärken, wecken Jupiters positive Energie im Körper.

Antonia Langsdorf im „YogaWorld Podcast“

In der neuesten Folge „YogaWorld Podcast“ begrüßt Moderatorin Susanne Mors die Astrologie-Expertin Antonia Langsdorf, um über die subtilen Einflüsse der kosmischen Zyklen auf unser Leben zu sprechen.

Planeten und Chakren

Yoga und Astrologie
Nutze die Energie der Planeten als Inspiration für deine Yogapraxis. Foto: AdisResic via Pixabay

Interessant ist auch die Verbindung zwischen den sieben Chakren und Planeten, denn genau wie die Chakren stehen auch die Planeten für bestimmte Energien und Themen im menschlichen Erleben, und genau wie die Chakren haben auch die Planeten Körperregionen, denen sie zugeordnet sind. Diese Systeme lassen sich nicht ohne weiteres in Deckung bringen und es gibt auch keine allgemeingültige Zuordnung zwischen Planeten und Chakren, das darfst du nicht denken.

Wenn das irgendeiner behauptet, dann ist das frei erfunden. Falls du das recherchierst, wirst du auch feststellen, dass verschiedenste Zuordnungen durchs Netz geistern, aber wie gesagt, keine davon kann den Anspruch erheben, allein gültig zu sein. Für mich macht es am meisten Sinn, wenn man die Planeten ganz intuitiv zuordnet und danach geht, welche Planeten in etwa den Energien der Chakren entsprechen. 

Daraus ergibt sich folgende Zuordnung: 

  • 7 Kronenchakra: Jupiter, Uranus
  • 6 Drittes-Auge-Chakra: Neptun, Jupiter
  • 5 Halschakra: Merkur
  • 4 Herzchakra: Mond, Venus
  • 3 Solarplexus-Chakra: Sonne, Mars
  • 2 Sakralchakra: Jupiter, Venus, Pluto
  • 1 Basis Chakra oder Wurzelchakra: Mars, Saturn, Mond (Instinkte)

Die Verbindung von Chakren und Energien beim Yoga zu nutzen ist vielleicht dann besonders nützlich, wenn man das eigene Horoskop und die wichtigen Planeten gut kennt und weiß, welches Planetenthema gerade eine Stärkung gebrauchen könnte oder vielleicht hat man gerade einen schwierigen Transit oder man möchte das Thema einfach besser ganzheitlich integrieren.

[real3dflipbook id=“47″ mode =“normal“]

Wir wissen ja, alles ist mit allem verbunden. Man kann also eine Verbesserung im Leben durch eine Yogaübung anstoßen, während man vielleicht in der Außenwelt auf andere Weise an diesem Thema arbeitet. 

Beispiel Yoga/Geburt

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben ist eine unvergessliche Yogasituation, die ich erleben durfte, als ich mit meiner Tochter Marilen hochschwanger war, das war wenige Wochen vor der Geburt. Ich habe dieses Erlebnis in meinem Buch „Lilith – die Weisheit der ungezähmten Frau“ verewigt und zitiere aus meinem Buch: 

„Bis direkt vor meiner Geburt absolvierte ich meine regelmäßigen Yogakurse bei Birgit, meiner spirituellen Lehrerin. Einige Wochen vor meiner Niederkunft machte sie mit uns eine Gruppenmeditation. Mit der Gruppe baute sie einen Tempel aus Licht auf und sagte dann: ‚Wenn eine von euch besondere Energie braucht, kann sie jetzt in die Mitte des Kreises gehen und die gebündelte Energie empfangen.‘

Meditative Geburtserfahrung

Ich ließ mich nicht lange bitten und nutzte die Gelegenheit. Ich kniete mich in die Mitte und schloss die Augen. Während Birgit leise die Meditation weiterführte, sah ich vor meinem inneren Auge, wie sich mein Basischakra öffnete, trichterförmig zur Erde hin und tiefrot leuchtend. Ich hatte die Vision, dass meine Tochter durch diesen Trichter wie auf einer Rutsche aus meinem Körper auf die Erde glitt und mich aus großen Augen anschaute. Es war wundervoll. Und es sollte schließlich genauso kommen.“

Ich habe dann tatsächlich eine Hausgeburt hingelegt, mit fantastischer Unterstützung unserer Hebamme Andrea. Sie leitete uns so an, dass ich die finale Phase der Geburt in der Hocke absolvieren konnte, wobei mich Marilens Vater in den Armen hielt. 

Und ich zitiere noch mal: „Wir fanden einen Rhythmus, in dem wir uns von den Presswehen mitreißen ließen und zwischendurch entspannten. Das Kind war auf dem Weg. Ich konnte es spüren. Die Presswehen waren wie riesige Ozeanwellen, die mich mitrissen. Ich nahm so gut wie keinen Schmerz wahr, nur eine unglaubliche, heiße, strahlende Energie im Bereich meines Basischakras.

Eine transformierende Entwicklung

Schließlich war meine Tochter da, aufgefangen von unserer wundervollen Hebamme, und schaute mich mit großen Augen an. Sie war auf die Welt geglitten wie in meiner Vision aus dem Yoga-Lichtkreis. Sie schrie nicht und weinte nicht. Sie wirkte vollkommen … ja, zufrieden. Ja, meine kleine Göttin war zufrieden, wie alles gelaufen war.“

Für mich war das eine besondere spirituelle Entwicklung, von der verunsicherten 37-jährigen „Spätgebärenden“ zu einer selbstbewussten Schwangeren, die eine Hausgeburt hinlegen konnte. Ich bin sicher, dass meine regelmäßigen Yogasessions bis kurz vor der Geburt erheblich dazu beigetragen haben, dass ich diese Entwicklung nehmen durfte.

Yoga und Jahreslauf, Planeten, Sonnengruß

Ein weiterer guter Weg, Yoga mit Astrologie zu verbinden wäre, sich bei den Yogaübungen vom Jahreslauf der Sonne durch die zwölf Sternzeichen inspirieren zu lassen, oder von den 13 Mondzyklen mit ihren Phasen, von den vier Sonnenwendpunkten oder man kann sich auch einzelnen kosmischen Kräften widmen.

Da werde ich sofort kreativ, wenn ich mir das vorstelle. Und für die Königin des Horoskops die Sonne, gibt es ja bereits die beste Übung aller Zeiten, den Sonnengruß! Und vielleicht gibt es ja auch schon andere Planetenübungen, die ich jetzt nur nicht kenne, weil ich keine Yogaspezialistin bin. 

Aber mir fällt dazu auch selber ganz viel ein, zum Beispiel Lilith Yoga – das wäre ein Yoga, was die Hormone und die innere Leidenschaft stimuliert und uns in Verbindung mit unserer wilden Urkraft bringt. 

Mars Yoga wäre ein dynamisches Yoga mit Übungen im Stand, z.B. „der Krieger“. 

Mond und Hormonyoga passt gut zusammen, wir wissen ja dass die Mondin unseren Zyklus steuert. 

Jupiter Yoga wären demnach Übungen, die unseren Optimismus, unsere innere Stärke und unseren Weitblick stärken, da fallen mir ganz wunderbare Übungen für die Augen ein, die meine Yogalehrerin immer mit uns gemacht hat. 

Saturn Yoga können Übungen sein, die stark erdend wirken und auch Übungen, bei denen wir gewissermaßen der Schwerkraft trotzen und den Körper damit herausfordern. Außerdem regiert Saturn die Grenzen, das heißt Saturn ist in dem Konzept enthalten, dass man im Yoga immer bis an die Grenze heran, aber nicht darüber hinausgehen soll.

Bei Uranus denke ich an Übungen, die den Rhythmus fördern und die Atmung herausfordern. 

Neptun ist der Planet der Fantasie, der Träume und der Bilder, dazu passen geführte Meditationen oder Yogaübungen, die das Erleben innerer Bilder fördern. 

Venus Yoga wäre demnach eine Übungsfolge, die das Herz und die Beziehungsfähigkeit stärkt und vielleicht auch die Nieren und die Blasenregion, die der Venus untersteht und mit dem Thema Beziehungen in Verbindung gebracht wird. 

Yoga im Einklang mit der Zeitqualität

Und wenn man dann Yoga im Einklang mit der Zeitqualität gestalten will, dann kann man sich von den jeweils gültigen Sternzeichen und Elementen anregen lassen. Da gibt es dann auch wieder viele Möglichkeiten. Man kann sich auf die jeweilige Jahreszeit und die Themen des jeweiligen Sternzeichens einlassen oder man kann den Planetenherrscher des Monats würdigen.

Zum Beispiel kann man in der Zwillinge-Zeit im Juni Übungen machen, die zu Merkur passen, dem Planeten des Denkens und der Kommunikation. Übungen, die ganz konkret die Zunge und den Sprechapparat stärken oder die Empathie in der Kommunikation fördern. Mit Merkur bzw. Zwillinge werden auch die Hände und die Arme verbunden, sehr gut dazu passen Mudras, die Übungen der Hand. Da gibt es so viele tolle Möglichkeiten! 

Verbinde dich mit den Elementen

Oder man geht nach den Elementen, das ist auch eine tolle Sache. Wenn die Sonne zum Beispiel in einem feurigen Zeichen steht wie Widder, Löwe oder Schütze könnte man dynamische Übungen machen, die das innere Feuer stärken, den Enthusiasmus anfachen, auch die sexuellen Kräfte und die Leidenschaft anregen. Und so kann man das natürlich auch mit den anderen Elementen Erde, Wasser und Luft durchspielen. 

Ich denke, vor allem für Yogalehrende oder auch alle, die allein Yoga praktizieren und Anregungen suchen, welche Übungen sie so machen könnten, bietet die Verbindung zur Astrologie ohne Ende Anregungen. Dafür reicht ein intuitives Grundwissen über Astrologie oder man kann ja auch ganz einfach im Internet recherchieren, welche Sternzeichen und Planeten gerade gültig sind oder Furore machen. 

Das erfährst du auch bei mir auf meinem YouTube Kanal oder auf Instagram, da poste ich Deutungen zu wichtigen Planetenbewegungen. Und im Monatshoroskop findest du viele wertvolle Infos darüber, welche kosmischen Energien gerade wirken und integriert werden wollen. Außerdem, wie diese auf dein Sternzeichen bzw. den Aszendenten wirken.

Ich wünsche dir viel Freude damit, kreativ die Verbindung zwischen Yoga und Astrologie auszuprobieren!


Yoga und Astrologie
Foto: Antonia Langsdorf

Antonia Langsdorf studierte freie Kunst in Köln und begann parallel ihre Medienkarriere, als Kultur- und Musikjournalistin. Nach einem Studium der traditionellen Astrologie ist sie heute eine international gefragte Vortragsrednerin. 2013 wurde ihr Erfolgsbuch „Lilith – die Weisheit der ungezähmten Frau“ veröffentlicht. Seit 2016 betreibt sie ihren YouTube Kanal „Antonias Sterne“.

Mehr zu Antonia Langsdorf unter www.antonialangsdorf.com

BEWUSST SEIN – Achtsamkeitstage im Zeichen der Elemente in Oberstaufen im Allgäu

Yoga in Oberstaufen
Einatmen. Ausatmen. Ankommen (Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH Moritz Sonntag)

Erlebe die Magie der Verbindung von Körper, Geist und Seele im Zeichen der Elemente. Gönn‘ dir, deinem Körper und deinen Gedanken eine Auszeit bei den Yoga-Tagen rund um die Sommersonnwende in der herrlichen voralpinen Landschaft Oberstaufens im Allgäu. //anzeige

Einatmen. Ausatmen. Ankommen. Ruhe und Balance finden, die Körpermitte stärken und den Kopf frei bekommen: Entfliehe dem Alltag und tauche vom 20. bis 23. Juni 2024 in der atemberaubenden Landschaft Oberstaufens ein, in die Achtsamkeitstage und ein Yoga Wochenende voller Entspannung, Bewegung und Ruhe. An den längsten Tagen des Jahres, kannst du vielseitige Angebote für Körper, Geist und Seele erleben. Jeder Tag ist einem Element gewidmet, um die Stärke der jeweiligen Naturkraft – Wasser, Feuer, Erde, Luft – für sich zu spüren und deren Eigenschaften zu nutzen.

Yoga in Oberstaufen
Yoga im Park (Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH)

Erfahrene, regionale Experten führen dich durch die insgesamt 20 Sessions. Neben kraftvollen Yoga-Einheiten und entspannenden Meditations- und Klangreisen erlebst du kulinarische Entdeckungen aus der Ayurveda-Lehre und kreative Workshops. Hinzu kommen Wohlfühl-Rezepte, kleine Atemübungen und Natur-Erlebnisse für deinen Alltag zum „Mit-nach-Hause-nehmen“.

Eines haben alle Angebote gemeinsam: Sie laden dich ein, ganz bewusst Ruhe und Balance zu finden, die Körpermitte zu stärken und den Kopf freizubekommen, Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Tu dir etwas Gutes und buche dein individuelles Yoga-Retreat im Allgäu! Die Tage können einzeln (ab 60 Euro) zusammengestellt oder in Kombination als komplettes Retreat (280 Euro) gebucht werden. Eine weitere schöne Besonderheit: Du kannst deine Unterkunft nach Belieben auswählen, von der Ferienwohnung bis zum 5-Sterne-Wellness- Hotel.

  • Yoga in Oberstaufen

Von Feuer-Meditation bis Floating im Sole-Becken

Der erste Tag widmet sich dem Zeichen der Ausdauer und Erneuerung – Wasser. Das Element steht für Reinigung, Transformation und Flexibilität. Noch vor der offiziellen Öffnung des Erlebnisbades Aquaria geht es für eine Floating-Einheit in dessen Außen-Sole-Becken. Mit frischer Bergluft in der Nase und Morgensonne im Gesicht schwebt man an der Wasseroberfläche und erlebt eine tiefe Entspannung von Körper und Geist. Es folgen Meditations- und Yoga-Einheiten. Der krönende Abschluss des Tages ist eine Stand-Up-Paddling-Tour über den Alpsee, während die untergehende Sonne den Himmel in ein beeindruckendes Farbspektakel verwandelt.

Element Wasser (Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH Leo Schindzielorz)

Feuer steht für Stärke, Mut und Energie.

Entsprechend gestaltet sich der zweite Tag. Am Morgen wird zunächst ein Feuer mit Naturmaterialien entzündet. Anschließend stellen die Teilnehmer Ritualkerzen mit persönlich ausgewählten Kräutern her. Bei geführten Meditationen aktivieren die Teilnehmer ihr Kraftzentrum und treten bei einer energievollen Hatha-Yoga-Stunde mit dem inneren Feuer in Kontakt.

Element Feuer (Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH Nico Bogenreuther)

Am dritten Tag stehen Standfestigkeit und die Verbindung zum Selbst im Vordergrund, denn das Element Erde steht für Kraft und Verwurzelung. So beginnt der Samstag mit einem Genusserlebnis beim frisch gekochten Ayurveda-Brunch, später lernt man alles über das Heilgetränk Oxymel und saisonale Kräuter. Der Tag wird abgerundet durch eine Yoga Meditation mit klangvoller Begleitung, um in einer Tiefenentspannung anzukommen.

Element Erde (Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH Moritz Sonntag)

Luft ist leicht, beweglich und steht für Freiheit und Austausch mit sich selbst und anderen.

Am finalen, vierten Tag lernen die Teilnehmer loszulassen und zu spüren, wie sich Leichtigkeit anfühlt. Sei es bei der Atemreise, die zu tiefer Entspannung einlädt oder bei der geführten Morgenmeditation: Die Atmung dient als Schlüssel der Innen- zur Außenwelt, ein erhöhtes Energielevel wird abgerufen und wohliger innerer Frieden gefunden.

Element Luft (Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH Leo Schindzielorz)

Informationen und Buchung unter oberstaufen.de/yoga

Oberstaufen – Sehnsuchtsort mit Alpenpanorama

Die Gemeinde Oberstaufen liegt im Dreiländereck am Rand der wunderschönen Allgäuer Alpen. Die abwechslungsreiche Landschaft, das besondere Heilklima, die jahrhundertelangen Traditionen und das gelebte Brauchtum sowie die Gastfreundschaft machen es zu einem beliebten Reiseziel. Urlauber können ihre Sehnsucht stillen, nach Bergen, Natur und Weite – ideal für eine erholsame Auszeit. Aber auch Aktivurlauber und Familien finden ein großes Angebot für jede Menge Spaß, Abenteuer und unvergessliche Erlebnisse.

Rezept: Edamame-Bratlinge mit einer Kruste aus Hanfsamen

Edamame-Bratlinge Kino MacGregor Rezept

Nicht nur auf der Matte, auch bei der Ernährung sind unsere Yogalehrer*innen eine tolle Inspiration. Essen wie die Profis – das heißt in unserem Fall: gesund, genussvoll und mit viel Liebe frisch zubereitet. Wir präsentieren: das Lieblingsrezept der Ashtanga-Yogalehrerin Kino MacGregor.

Foto: Jennifer Olson

Rezept-Idee aus Miami Beach

Die Edamame-Bratlinge mit Hanfsamen-Kruste sehen gut aus? Finden wir auch! Das Rezept stammt aus der Soul Tavern in Miami Beach und ist Kino’s absolutes Lieblings-Food. Sie schwärmt: „Diese Bratlinge sind für mich wirklich Seelen-Nahrung: total lecker und überraschend anders.“

Das brauchst du für eine Portion:

  • 1 Tasse geschälte Edamame
  • 1⁄2 Knoblauchzehe, gehackt
  • Salz
  • Pfeffer
  • Zitronensaft
  • Olivenöl
  • 1⁄4 Tasse Tahini
  • 1⁄2 Fenchelknolle,
  • in feine Streifen geschnitten
  • 1⁄2 Apfel, in feine Streifen geschnitten
  • 1⁄2 Tasse Lotoswurzelscheiben
  • 1⁄3 Tasse geschälte Hanfsamen
  • 1 EL + 1 TL Mehl
  • 1 EL + 1 TL gemahlene Leinsamen
  • 2 Zweige Dill, zerpflückt
  • 1⁄4 TL schwarzer Sesam

Nährstoffe pro Portion

  • 554 Kalorien
  • 46 g Fett (davon 6 g gesättigte Fettsäuren)
  • 23 g Kohlenhydrate
  • 7 g Ballaststoffe
  • 16 g Eiweiß
  • 272 mg Natrium

Edamame-Bratlinge: Und so geht’s:

  1. Koche die Edamame-Bohnen nach Packungsangabe weich. Dann verarbeite sie im Mixer gemeinsam mit Knoblauch, je einer Prise Salz und Pfeffer, 2 TL Olivenöl und 1 TL Zitronensaft zu einer klebrig-krümeligen Masse. Aus dieser Masse formst du 3 Bratlinge.
  2. Verquirle für das Dressing die Tahini mit einer Prise Salz und 2 EL Zitronensaft. Wenn du es lieber etwas flüssiger magst, verdünne es mit etwas Wasser. Löffele das Dressing auf einen Teller.
  3. Lasse den Fenchel mindestens 5 Minuten lang in einer Mischung aus 2 EL Zitronensaft und 2 EL Wasser ziehen. Tupfe die Fenchelstreifen mit Küchenpapier trocken und verteile sie gemeinsam mit den Apfelstreifen und den Lotoswurzeln auf dem Teller. Beträufele den Salat mit 1 TL Zitronensaft und 2 TL Olivenöl.
  4. Mische Hanfsamen, Mehl und Leinsamenmehl in einem tiefen Teller und wende die Bratlinge darin. Erhitze etwa 1⁄4 Tasse Olivenöl in einer beschichteten Pfanne und brate die Edamame-Bratlinge auf jeder Seite 3-4 Minuten, bis sie knusprig und goldbraun sind. Richte die Bratlinge auf dem Salat an und garniere das Ganze mit Dill und Sesam.

Lies auch diesen spannenden Artikel von Kino MacGregor über Tapas. Damit sind natürlich keine spanischen Vorspeise-Häppchen gemeint ;-)

Raus aus dem Hamsterrad: Routinen durchbrechen!

Raus aus dem Hamsterrad

Von der Tagesplanung über die Yogapraxis bis zur Skin Care: Routinen werden uns häufig als Allheilmittel verkauft. Bloß kein Chaos, bloß keine Leere, bloß keine Unsicherheit aufkommen lassen! Doch wann erleichtern sie uns das Leben und wann hindern sie uns eher daran, die eigene Lebendigkeit zu spüren?

Text: Madeleine Dore, Illustration/Titelbild: Mara Ohlsson & Midjourney

Du hast deinen Job verloren? Schaffe neue Routinen für deinen Alltag! Du hast mit Ängsten zu kämpfen oder betrauerst den Verlust eines lieben Menschen? Finde eine Routine! Krieg, Klimawandel und andere düstere Zukunftsaussichten machen dir zu schaffen? Routinen helfen dir sicher auch durch diese Zeit! Durchoptimierte Routinen scheinen in unserer auf Produktivität getrimmten Kultur die Lösung sämtlicher Probleme zu sein.

Routinen im Alltag

Und keine Frage, manchmal tut es richtig gut, einen festen Plan zu haben: Routinen vermitteln ein beruhigendes Gefühl von Struktur, Ordnung und Sicherheit, insbesondere wenn die Welt um uns herum gerade im Chaos zu versinken scheint. Vor allem aber erleichtern sie erst einmal den Alltag: Wann stehen wir auf, was frühstücken wir, welche Zahnpasta kaufen wir, wann gehen wir zum Sport, welche Menschen wollen wir sehen?

Müssten wir jede dieser unbedeutenden kleinen Entscheidungen täglich neu überdenken, würde uns das schnell überfordern und erschöpfen. Die Wissenschaft hat die psychischen und körperlichen Vorteile von Routinen schon seit einiger Zeit belegt. Seien es nun regelmäßige Schlafenszeiten, regelmäßige Bewegung oder eine regelmäßige Yoga- und Meditationspraxis: Gesunde Routinen wie diese können sogar bei Depressionen, Ängsten, der Trauma-Verarbeitung oder Suchtbekämpfung wichtige Hilfen sein.

Madeleine Dore

Doch was wir dabei oft übersehen, ist, dass Routinen mitunter auch genau das Gegenteil bewirken. Vor allem dann, wenn du ihnen allzu starr und zu unflexibel folgst, können sie Ängste und Unruhe sogar verstärken oder gar erst hervorrufen. Problematisch sind vor allem solche Routinen, die schwer einzuhalten sind. Schafft man es nicht, sie zu befolgen, sind Schuld- und Schamgefühle vorprogrammiert. Auch Routinen, die den gesamten Tag durchtakten, sollte man vermeiden: Sie hindern uns daran, offen zu sein oder überhaupt wahrzunehmen, wie der gegenwärtige Moment sich eigentlich entfaltet.

Genau das, was eine Routine definiert, nämlich eine Abfolge sich regelmäßig wiederholender Handlungen, ist eben auch der Kern eines festgefahrenen Alltagstrotts: Das sprichwörtliche Hamsterrad. Der Unterschied liegt im Erleben: Beim einen fühlen wir uns wach und lebendig, beim anderen abgestumpft und auf unangenehme Weise leer und antriebslos. Und das Gemeine ist: Auch das, was wir zu Beginn als ideale Routine erleben, kann sich irgendwann in ein Hamsterrad verwandeln.

Routine oder Trott – wo liegen die Unterschiede?

Routinierter Alltag
Illustration: Zolga F./Getty Images

Wenn du eine Routine gefunden hast, die für dich gut funktioniert und dich sozusagen auf Hochtouren laufen lässt, dann bist du in Bewegung, dein Tag hat einen Rhythmus, der sich stimmig und gut anfühlt, der dich aufblühen lässt. Doch mit der Zeit kann dieser Rhythmus sich einschleifen und zum monotonen Ticken werden. Du fühlst dich zunehmend gelangweilt und unzufrieden. Möglich, dass es dir zum Beispiel eine ganze Zeitlang guttat, regelmäßig die immer gleiche Yogastunde bei der gleichen Lehrerin zur gleichen Zeit zu besuchen, aber irgendwann brauchst du neue Impulse.

Was anfangs noch eine gesunde Struktur war, die dich beflügelt hat, macht dich nun lethargisch, du wirst lustloser und bringst dich so auch um ihren positiven Effekt. Aber darum gleich alles aufgeben? Vielleicht hilft es, beides erstmal nicht als gegensätzliche Pole zu betrachten, sondern als Teile eines Kreislaufs, den wir kontinuierlich durchleben: Routine – Trott – Neuausrichtung – mehr oder minder stark veränderte Routine. Wenn du diese zyklische Struktur erkennst, merkst du auch, dass jede dieser Phasen ihren Wert hat.

Madeleine Dore

Wäre da nicht der spürbare Unterschied zwischen einer Struktur, die dir Stabilität gibt, und einem Alltagstrott, der sich wie eine Plackerei anfühlt, könntest du niemals erkennen, was der Psychoanalytiker C.G. Jung als „psychologische Entropie“ bezeichnet hat: eine Spannung sich ständig wandelnder, ungeordneter und sich bedingender Gegensätze. Ändert sich etwas im Außen, ändert sich auch etwas in deinem Inneren und umgekehrt.

Dann gilt es abzuwägen, ob du an deinen Routinen festhalten oder sie anpassen musst, um seelisch im Gleichgewicht zu bleiben. Diese Spannung ist zwar unbequem, für unser persönliches Wachstum aber von entscheidender Bedeutung. Gäbe es sie nicht, wäre das, als würde man die Unterschiede zwischen heiß und kalt eliminieren, man stürbe, um es mit Jung zu sagen „in gleichmäßiger Lauheit“.

Chance zur Weiterentwicklung

Mit anderen Worten: Es muss nicht immer alles reibungslos und in perfekter Ordnung ablaufen, im Gegenteil! Ein sich ständig weiterentwickelnder Zyklus mit gegensätzlichen Phasen erlaubt es dir, eingefahrene Lebensweisen durch neue zu ersetzen – damit du seelisch nicht „stillstehst“. Aus diesem Grund ist ein Alltagstrott nichts, was man grundsätzlich verteufeln sollte. Er kann das Bewusstsein dafür schärfen, dass du etwas ändern möchtest.

Daran erkennst du, dass du in unguten Strukturen steckst

1. Du fühlst dich unwohl
Eine einst gesunde Routine führst du nur noch automatisch und widerwillig aus und spürst ein
Unbehagen – gleichzeitig aber oft auch die Unfähigkeit, etwas zu ändern.

2. Du bist erschöpft
Einfache Aufgaben kosten dich plötzlich mehr Energie, und um Energie zu sparen, reduzierst du das, was du tust, immer mehr. Du wirst immer antriebsloser.

3. Du ziehst dich zurück
Du hast immer weniger Lust, dich mit Freund*innen zu treffen, oder Dinge zu tun, die dir eigentlich immer Freude gemacht haben.

Wenn du merkst, dass du dich in deinem Job, deiner Beziehung oder in anderen Lebenssituationen in einer Art Sackgasse befindest, kann dir das den nötigen Schubs geben, um dich neu zu orientieren. Der Sozialforscher Hugh Mackay spricht in diesem Zusammenhang von einem „Utopie-Komplex“ unserer Gesellschaft: einer vermessenen Idee vom perfekten Leben, die uns keinen Gefallen tut, wenn es um den Umgang mit Problemen oder Spannungen geht.

„Je mehr wir über die menschliche Psyche lernen, desto mehr erkennen wir, dass Veränderungen, Unsicherheiten, Unvorhersehbarkeiten, Störungen und unerwartete Ereignisse uns dabei helfen, klarer zu erkennen, wer wir sind, was wir vom Leben wollen und was wir dazu beitragen müssen“, so Mackay.

Vom Hamsterrad in die (kleine oder große) Veränderung

Wenn Routinen zum Hamsterrad werden
Illustration: Mara Ohlsson & Midjourney

Es gibt Dinge, die einen ganz plötzlich aus dem Trott reißen können: der Tod eines geliebten Menschen etwa, eine Krankheit, ein Arbeitsplatzverlust, eine tiefe Enttäuschung. Und natürlich gibt es solche lebensverändernden Meilensteine auch auf der Sonnenseite des Lebens: Wenn ein Kind geboren wird, man sich Hals über Kopf verliebt, einen neuen Job antritt oder eine Abschlussprüfung besteht zum Beispiel.

In all diesen Situationen sind wir gezwungen, etwas zu ändern. In anderen Fällen sind die Veränderungsprozesse aber schleichender und erfordern viel Geduld. „Phasen der Ruhe und Untätigkeit sind genauso wichtig wie Phasen großer Anstrengung, so wie auch die Stille zwischen den Tönen Teil der Musik ist“, schreiben Bob Sullivan und Hugh Thompson in ihrem Buch „The Plateau Effect: Getting from Stuck to Success“ („Der Plateau-Effekt: Vom Stillstand zum Erfolg“, bislang nicht auf Deutsch erschienen).

Angst vor dem Stillstand

Du kennst das vom Yoga, indem Anspannung und Entspannung, Festhalten und Loslassen auch unbedingt zusammengehören. Aber warum verurteilen wir uns überhaupt selbst so schnell, wenn wir das Gefühl haben, irgendwie festzustecken? Haben wir vielleicht einfach zu wenig Geduld für den Prozess? Manchmal weichen wir auch instinktiv aus, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, die in einer Krise stecken. Oder wir schlagen jemanden eine schnelle Lösung für seine Probleme vor und finden, er oder sie solle doch jetzt langsam mal über diese und jene Sache „hinwegkommen“.

Auf der Stelle zu treten, festzustecken, nicht vorwärts zu kommen, all das erscheint uns als ineffizient und inakzeptabel, denn es passt so gar nicht in eine Welt, in der unerbittlich auf Produktivität gepocht wird. Deshalb ist es so wichtig, zu betonen: Dein wertvollstes Werkzeug, wenn du das Gefühl hast festzustecken ist Freundlichkeit dir selbst gegenüber. Und Geduld!

Mehr Geduld für Veränderungen

Manche Veränderungen beginnen ganz unmerklich. Es mag gar nicht so wirken, als tue sich etwas, aber unter der Oberfläche rüstest du langsam um und orientierest dich neu. In einer Folge des Psychoanalyse-Podcasts „This Jungian Life“ wurde der Anpassungsprozess an neue Lebensumstände mit dem Butterstampfen verglichen. Man stampft und stampft und stampft die Sahne, aber nichts passiert, also stampft man weiter, und siehe da: Plötzlich hat man tatsächlich Butter!

Sich aus einem Alltagstrott oder einer festgefahrenen Situation zu befreien, kann ganz ähnlich vonstatten gehen: Manchmal hast du das Gefühl, dich an deinen Aufgaben und Routinen regelrecht abzuarbeiten und dennoch im Butterfass festzustecken. Du fühlst dich erschöpft und verwirrt und merkst nicht, dass die Veränderung längst im Gang ist: Plötzlich kommst du an einen Punk, von dem aus es eben doch wieder weitergeht.

SO FINDEST DU AUS DER SACKGASSE

1. Sei geduldig mit dir!
Du musst deinem Leben nicht sofort eine Kehrtwendung geben. Aber schau genau hin,
wo du dich gerade befindest und wie es dir damit geht. Nimm dir zunächst täglich kleine Veränderungen vor, geh mit einer Freundin spazieren, probier ein neues Yogastudio aus
oder iss etwas anderes zum Frühstück als sonst!

2. Lerne etwas Neues!
Wenn dich das Leben als solches nicht mehr so recht interessiert, lenke deine
Aufmerksamkeit auf etwas Spezielles! Ob eine neue Sprache, ein neues Instrument
oder Segeln: Jetzt ist die Zeit, sich an neue Aufgaben zu wagen und etwas zu erkunden,
das dich schon immer interessiert hat.

3. Tu etwas, vor dem du Angst hast
Um aus einer starr gewordenen Routine auszubrechen, kann es helfen, genau
das Gegenteil von dem zu tun, was du gewohnt bist. David Bowie sagte mal: „Geh immer etwas tiefer ins Wasser hinein, als du dir zutraust. Geh etwas weiter ins Unbekannte – wenn du dann den Boden unter den Füßen verlierst, dann ist das der richtige Punkt um etwas Aufregendes zu tun.“ Bleib offen!

Auch hier: Sollten dir auf Dauer schon kleinste Veränderungen schwer fallen, könnte das ebenfalls auf eine Depression hinweisen. Such dir in diesem Fall professionelle Hilfe!

Veränderungen lassen sich selten erzwingen. Aber mit Neugier und Achtsamkeit wirst du gerade auch an deinen Routinen merken, wann eine einst sinnvolle und stabilisierende Struktur so sehr eingefahren ist, dass du nicht mehr weiterkommst. Und wenn du das erkennst, hast du die Chance, dein Leben wieder einmal in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und auszurichten.

In Bewegung bleiben

Auch wenn ein Trott, wie wir gesehen haben, ein toller Katalysator für Veränderung sein kann: Oft geht das auch mit großer Erschöpfung einher. Gerade das bedeutet ja das Bild vom Hamsterrad: Wir laufen und laufen und kommen dabei kein bisschen von der Stelle. Manchmal muss man in solchen Fällen erst einmal aussteigen und eine Pause machen. Weniger tun, um erst einmal wieder die Akkus aufzuladen. Es kann aber auch vorkommen, dass die Trägheit dann überhand nimmt und man gar nicht mehr in die Pötte kommt. Du lässt du dich womöglich immer tiefer in der Gefühl hineinsinken, in der Sackgasse zu stecken.

Vielleicht ganz einfach, weil sich das irgendwie vertraut anfühlt. Es ist bequemer, als sich der Ungewissheit der Veränderung zu stellen. Der Verhaltenspsychologe Charles Ferster erklärt, dass Menschen, die sich unwohl fühlen, häufig weniger aktiv sind – auch in Bezug auf Dinge, die ihnen eigentlich Freude bereiten und ihnen etwas bedeuten. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen: Wer sich aus der Welt zurückzieht, dem fällt die Rückkehr mit der Zeit immer schwerer.

Madeleine Dore

Es gilt also, diesen Kreis zu durchbrechen! Wenn du die Motivation für einen großen Schritt nicht aufbringen kannst, dann beginne mit einem ganz kleinen. Entscheidend ist die Bereitschaft, etwas Neues zu erleben – auch wenn darin noch nicht das Allheilmittel für all deine Probleme liegt oder und es sich vielleicht sogar erst mal unangenehm anfühlt. Denn jeder kleine Schritt kann dir dabei helfen herauszufinden, welche neue Routine für dich funktionieren könnte. Dran und offen bleiben ist die Devise. So lassen sich innere Spannungen abbauen und es geht vorwärts, anstatt dass du auf der Stelle trittst und immer mehr in dich zusammensackst.

Leben bedeutet Veränderungen

Das ist das Faszinierende: Einerseits kann uns eine Routine erst in eine Sackgasse hineinmanövrieren – sie kann uns aber genauso auch wieder aus ihr herauslotsen. Schon winzige Veränderungen, etwa in Sachen Schlafhygiene, Sport oder Kreativität, können die Bausteine für neue Routinen sein. Mit der Zeit wirst du merken, welche Säulen dir Stabilität geben und dich durch schwierige Phasen hindurchtragen können.

Gut möglich, dass du ein bisschen Übung brauchst, um zu erkennen, was dich stärkt und was für dich funktioniert. Vor allem kann sich das immer wieder im Leben ändern! Es gilt also, immer wieder erneut und geduldig dazuzulernen.

Der kontinuierliche Kreislauf aus Routine, Alltagstrott und Neuausrichting hilft dir, heraus-zufinden, was dir wichtig ist und woher du die Kraft bekommst, nötige Veränderungen zu meistern. Wenn du nicht verharrst in dem, was ist, wirst du erkennen, dass morgen nicht nur ein neuer Tag ist, sondern auch ein völlig anderer als heute. Ein Tag, in dem so viel Leben steckt, das es zu entdecken gilt, ob nun in der Routine, im Trott oder auf dem holprigen Weg dazwischen.


Madeleine Dore
Foto: Madeleine Dore

Die Autorin Madeleine Dore beschäftigt sich auf ihrem Blog Extraordinary Routines“ und in ihrem Podcast „Routines & Ruts“ viel mit der Frage, was einen gut strukturierten und sinnvoll verbrachten Tag ausmacht. Zu diesem Thema hat sie auch ihr Buch „I didn’t do the thing today“ geschrieben, das allerdings nur auf Englisch erhältlich ist.

Ayurveda-Lehre: Verlieren Frauen ihre Weiblichkeit?

Ayurveda Weiblichkeit Emanzipation

Laut Ayurveda sollen Frauen ihr Leben mehr genießen und weniger arbeiten. Doch wie bitte passt das zum Bild einer modernen Frau? Welchen Einfluss haben klassische Geschlechterrollen auf eine glückliche Beziehung? Und warum sind Frauenfreundschaften so wichtig für unser Leben? 

Text: Kerstin Rosenberg / Titelbild: Marvin Meyer via Unsplash

Aus vedischer Sicht sind Frauen der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält: Wenn es den Frauen gut geht, dann geht es auch der Familie und dem Staat gut. Mit weiblicher Intuition und Kraft wirken Frauen nicht nur als emotionale Intelligenz innerhalb der Beziehung, sondern stärken auch das soziale Netzwerk in der Gemeinschaft. Geraten die männlichen und weiblichen Energien aus dem Gleichgewicht, stört das auch die Kommunikation und den Energieaustausch in einer Partnerschaft. Statt neuer Vitalität und Lebensfreude durch Austausch prägen dann Abgrenzung, Abwehr und Unverständnis das Zusammenleben.

Die Frau als „die Energie selbst“

Aus ayurvedischer Sicht lässt sich dieses Phänomen gut erklären: Das weibliche Reproduktionselement repräsentiert den Ausdruck von Energie bzw. Agni, das seinem Wesen nach feurig ist. Deshalb wird das Weibliche in der indischen Tradition auch als Shakti, „die Energie selbst“, bezeichnet. In der indischen Mythologie heißt es, dass Shiva sich ohne Shakti nicht bewegen kann – ohne Energie ist keine Aktivität möglich. Die Verantwortung, das Leben zu verkörpern und zu nähren, liegt bei der weiblichen Kraft. Der Körper der Frau wurde erschaffen, um den wachsenden Fötus zu beherbergen, zu nähren und zu entbinden. Er ist der Schoß des Lebens und die Frau spürt dadurch eine tiefe Verbindung zur kreativen Kraft des Universums: die das Leben manifestierende Shakti. Das männliche Reproduktionselement hingegen steht für die Verdichtung von Energie als Materie bzw. Soma, das in seinem Kern kühl ist.

Sex und die Ur-Persönlichkeit von Mann und Frau

Die sexuelle Erfüllung erhält somit eine neue Dimensionen für Gesundheit und Wachstum auf körperlicher, emotionaler und spiritueller Ebene: Durch die unterschiedliche Struktur des männlichen und weiblichen Körpers erfahren Paare während der sexuellen Vereinigung umfassende Energietransformationen. Der männliche Körper verliert durch die Samenflüssigkeit Soma und das Wasserelement, und entzündet sein Feuer im Schoß der Frau. Der weibliche Körper baut überschüssige Hitze während der Menstruation und durch den kühlenden Kontakt sowie die befeuchtende Qualität der Samenflüssigkeit des Mannes ab. Beim Sex verliert die männliche Ur-Persönlichkeit die weiche und erdende Wirkung von Soma und wird vom Wesen her aggressiv und stark. Dagegen gibt die weibliche Ur-Persönlichkeit die Intensität und Schärfe des Feuerelements ab und wird dadurch weich und sanft.

Kosmische Kraft, komische Probleme

Beim Sex verbinden sich Mann und Frau mit dem Kosmos: Der Mann hilft, die männliche Energie in der Frau zu wecken und umgekehrt. Die männliche Persönlichkeit wird ausgeglichen, wenn die weibliche Energie geweckt wird, und die weibliche, wenn die männliche Energie aktiviert wird. Dieser Prozess – der jeden Menschen und jede sexuelle Beziehung prägt – sorgt für emotionale, mentale und spirituelle Gesundheit. Doch: Wenn sich Männer und Frauen aus spiritueller Sicht derart gut ergänzen und sich eigentlich alles geben können, was sie zur „kosmischen Ganzheit“ benötigen, warum gibt es dann im Alltag so viel Stress miteinander?

Im Austausch mit anderen Frauen nähren wir unsere Weiblichkeit

Auch das erklärt Ayurveda auf anschauliche Weise: Um die sanfte Kraft der weiblichen Shakti-Energie zu entfalten, die sie dann mit dem Mann teilen kann, benötigt die Frau einen Zugang zu den nährenden (Erde und Wasser) und feinstofflich-durchdringenden Elementen (Äther) im Kosmos. Sie findet ihn durch einen harmonischen Lebensrhythmus und den Kontakt zur Natur. Im Umgang mit frischen Nahrungsmitteln und Kräutern, durch Yoga und Pranayama sowie im regelmäßigen Austausch mit anderen Frauen nährt die Frau ihre Weiblichkeit. Leidet die Frau jedoch unter Zeitmangel, Anspannung und Überarbeitung in einer männlich dominierten (Arbeits-)Welt, schwindet die weibliche Shakti-Energie. Die Frau verliert den Zugang zu ihrem Kraftzentrum und zieht sich in sich selbst zurück. Dadurch reduzieren sich auch ihre Lust und Empfänglichkeit. Das männliche Energiesystem, das für seine Kraftentfaltung den Kontakt mit dem Weiblichen sucht, wird dadurch ebenfalls belastet.

Frauen zahlen einen hohen Preis

Laut Ayurveda helfen Frauen sich selbst, ihrem Partner und der sozialen Gesundheit, indem sie ihr Leben mehr genießen und weniger arbeiten. Die moderne Frau ist emanzipiert, besitzt einen aufgeklärten Intellekt und einen systemisch übertragenen Durchhaltekodex – sie ist eine „Alleskönnerin“, die Kinder, Beruf, Haushalt und Selbstverwirklichung unter einen Hut bringt. Für diesen Lebensstil zahlt sie einen hohen Preis. Manche Frauen, die „ihren Mann im Leben stehen“, verlieren den Kontakt zu ihrer eigenen Weiblichkeit. Unerfüllte Sehnsüchte nach solch „urweiblichen“ Werten wie Harmonie, Liebe, Familie und genussvoller Lebensfülle hinterlassen nicht nur eine emotionale Leere, sondern auch psychosomatische Erkrankungen, speziell im Unterleib.

Frauen brauchen Frauen, Männer brauchen Männer

Die ayurvedische Frauenheilkunde betont den regelmäßigen Kontakt mit anderen Frauen als eine der wirkungsvollsten Therapien für die weibliche Gesundheit und Zufriedenheit. Gerade in unserer männlich dominierten Welt brauchen Frauen Freundinnen, in deren Gesellschaft sie entspannen und auftanken können. Ebenso brauchen Männer einander, um ihr eigenes Potenzial zu entdecken und zu schärfen. Seit jeher gibt es zahlreiche Rituale, die diese Bedürfnisse erfüllen: zum Beispiel männlich-sportliche Wettkämpfe im Fußballstadion oder weiblich-nährende Wellness-Urlaube, bei denen Frauen Gefühle und Erfahrungen austauschen.

Sex funtioniert besser als Worte

So klischeehaft es für unsere modern aufgeklärten Ohren auch klingen mag: Aus ayurvedischer Sicht ist es gut, wenn Frauen sich gemeinsam mit anderen Frauen verwöhnen lassen und Männer mit anderen zusammen ihre Stärke austesten. Frauen suchen für ihr inneres Gleichgewicht den Dialog und emotionalen Austausch. Männer hingegen werden glücklich, wenn sie ihr Selbstwertgefühl über praktisches Tun und sportliche Erfolgserlebnisse aufbauen können. Auch die Kommunikation zwischen Frau und Mann hat unterschiedliche Schwerpunkte: Während Frauen im vertrauten Gespräch ihrer Liebe und Zuneigung Ausdruck verleihen, funktioniert die männliche Vereinigung mit der Frau häufig besser über Sex als über Worte.

Moderne Gesellschaft versus Ayurveda

Sind Frau und Mann im Kleinfamilienmodell ständig zusammen und teilen sämtliche Lebensphasen, Wünsche und Erfahrungen ausschließlich miteinander, fehlt das ausgleichende Ventil einer guten, gleichgeschlechtlichen Freundschaft. In diesem Sinne ist es eine therapeutische Ayurveda-Empfehlung, wenn sich Mann und Frau regelmäßige „Freizeiten“ voneinander gönnen, um den emotionalen Ausgleich im Kontakt mit Gleichgesinnten zu finden. Anschließend können sie sich beim Wiedertreffen neu begegnen und sich aus dem gestärkten Selbst heraus mit dem Partner oder der Partnerin vereinen.

Ayurveda-Massagen thematisieren Geschlechter

Die Bedeutung dieses Polaritäten ausgleichenden Aspekts spiegelt sich auch in der Ayurveda-Praxis wider: Traditionell werden ayurvedische Massagen am gleichgeschlechtlichen Patienten durchgeführt – dass Männer Männer massieren und Frauen Frauen hat nichts mit Schamgefühl oder Angst vor sexuellen Übergriffen zu tun, sondern hängt mit der energetisch ausgleichenden Wirkung zusammen. Auch der Massagestil ist bei beiden Geschlechtern unterschiedlich: Die klassisch-weiblichen Behandlungsformen wie Mukabhyanga (Gesichtsmassage) oder Samvahana (verjüngende Ganzkörperbehandlung) werden wörtlich als „Liebestherapie“ übersetzt. Sie arbeiten viel mit Öl, zärtlichen Ausstreichungen und emotionaler Berührungskunst. Die Frau badet in einem Meer von Öl und sanften Händen, welche sie ihre erfüllte Weiblichkeit aus der Tiefe erleben lässt. Die klassisch-männlichen Therapieformen entstammen der Kriegertradition des Kalari. Mit dynamischem Streichen und kraftvollen Druckpunktmassagen (Marma-Therapie) wird der Körper mit Kraft aufgeladen.

Körperliche und mentale Gesundheit von Mann und Frau

Ein ergänzendes Bewegungsprogramm verleiht ihm neue Kraft und Ausdauer und schult den Geist in Selbstdisziplin, Konzentration und Beharrlichkeit. Für die körperliche und mentale Gesundheit von Mann und Frau empfiehlt die Ayurveda-Heilkunde unterschiedliche Kräuterrezepturen, Ölmassagen, Ernährungsregeln und spirituelle Therapietechniken. Für Frauen liegt der Fokus auf nährenden und aufbauenden Verfahren, die sowohl für Schönheit und Verjüngung als auch in der Schwangerschaft oder bei Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden geeignet sind. Zellerneuernde Nahrungsergänzungen und Gewürze wie Shataviari (Asparagus racemosus), Safran, Zimt, Muskat und Dillsamen, stärkende Rasayana-Nahrungsmittel wie Mandeln, Cashewnüsse, Milch, Ghee, Weizen und Honig, sowie süß-saftige Mangos, Trauben, Aprikosen und Rosinen stärken den weiblichen Organismus und schenken der Frau neue Lebensenergie und Stabilität.

Auch Männer können über diese Gewürze, Kräuter und Nahrungsmittel ihre Gesundheit und ihr Nervenkostüm stärken. Als „typische“ Männer-Rasayanas empfiehlt Ayurveda die Einnahme von Hülsenfrüchten, Kohlgemüse, Rotwein, Ingwer, Pfeffer, Galgant und Nahrungsergänzungen wie Ashwaganda (Withania somnifera) und Chyavanprash (Amla-Mus).


Autorin Kerstin Rosenberg bildet als Ayurveda-Spezialistin und erfolgreiche Buchautorin Ayurveda-Therapeut*innen, -Ernährungsberater*innen und psychologische Berater*innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Mehr auf www.rosenberg-ayurveda.de

#103 Praxisreihe: Schamanische Trommelreise zu deinem Krafttier – mit Annette Mors

Tauche ein in die Welt der Spirits und entdecke verborgene Weisheiten

Der Schamanismus ist eine der ältesten Heiltraditionen dieser Welt. Trommel-, Trance- oder Traumreisen sind ein fester Bestandteil in der schamanischen Arbeit und finden oft mithilfe von Spirits, wie Krafttieren oder Meister-Energien, statt, die uns begleiten und unterstützen.

Vereinfacht gesagt ist die unsichtbare Welt im Schamanismus in drei Ebenen aufgeteilt: die hiesige Mittelwelt, in der wir leben, sowie eine obere und eine untere Welt. Die untere Welt ist die Welt der Krafttiere. Diese unsichtbaren Wesen sind Seelen verstorbener Tiere und haben die Aufgabe, uns zu begleiten und auf unserem Wachstumsweg zu unterstützen.

In dieser Praxisfolge im „YogaWorld Podcast“ begleitet dich Schamanin und Heilpraktikerin für Psychotherapie Annette Mors mit ihrer Trommel zu deinem Krafttier. Die Trommel wird während schamanischer Traumreisen eingesetzt, um durch ihren Rhythmus und ihre Schwingung leichter in einen tranceähnlichen Zustand zu finden. So können wir noch besser Botschaften und Antworten aus der Welt der Spirits empfangen. Annette eröffnet hierfür einen heiligen, geschützten Raum und erklärt dir Schritt für Schritt, wie du sicher und selbstwirksam zu deinem persönlichen Krafttier finden kannst.

Wir wünschen dir viel Freude bei deiner Reise!

Wenn du dich austauschen möchtest, schreib eine Email an annette@mors.de. Annette freut sich, von dir zu hören.

Hier geht’s zur Abstimmung beim deutschen Podcastpreis: https://www.deutscher-podcastpreis.de/podcasts/yogaworld-podcast/

„Fass mich (nicht) an!“ – Berührung: Sehnsucht vs. Angst

Das Berührungsverbot damals während Corona hat uns womöglich noch scheuer gemacht – dennoch sehnen wir uns nach Berührung. Sie ist im wahrsten Sinn des Wortes lebenswichtig. Wie können wir uns auf achtsame und heilsame Weise berühren, im Yoga und auch sonst im Leben?

Text: Stephanie Schauenburg, Titelbild: Dmitry Belyaev/Getty Images via Canva

Es gibt Berührungen, die vergisst man sein Leben lang nicht. Georg spricht noch mit über 50 davon, wie seine Oma ihm als kleiner Junge zärtlich den schmerzenden Bauch gerieben hat. Marie musste weinen, als ihre Yogalehrerin ihr nach einem langen Ausbildungstag einen Moment lang die Hand auf die Stirn legte. Nicht zu fest, nicht zu leicht, ganz ohne Ziel und Erwartung und dennoch sooo liebevoll. Genau so, dachte Marie damals, will ich berührt werden – in meinem Innersten angerührt.

Sicher erinnerst auch du dich an solche Momente: eine tröstliche Umarmung, eine ermutigende Hand auf deiner Schulter, der feste Griff einer kleinen Babyhand um deinen Finger, ein erster Kuss oder eine heilsame Massage. Aber natürlich sind da auch die anderen Erinnerungen: die unsympathische Frau, die sich Hüfte an Hüfte neben dich auf die Bank setzt, das als Versehen getarnte Grapschen eines Fremden im vollgestopften Bus, Momente, in denen deine Grenzen übertreten wurden, kleine und große Verletzungen.


Podcast #101 „Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt im Yoga“ – mit Kristin Rübesamen, Carmen Schnitzer und Susanne Mors

Leider kann es auch im Yoga Berührungen geben, die unsere persönlichen Grenzen überschreiten. Ein ehrliches Gespräch zum Thema Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt im Yoga findest du in unserer Podcast-Folge #101:

Außerdem hat unsere Redakteurin Carmen Schnitzer einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema für das YOGAWORLD JOURNAL 03/2024 geschrieben. Hier kannst du dir das Heft bestellen.


Ob eine Berührung als angenehm erlebt wird, als heilsam und beglückend oder aber als Übergriff und schlimmstenfalls sogar als Trauma – es hängt zuallererst davon ab, dass wir einverstanden mit ihr sind. Dass wir wissen: Hier bin ich sicher. Denn die Hand, die uns streichelt, der Arm, der uns hält, kann auch zuschlagen. Das ist unser Dilemma: Wenn wir die nährende, heilende Kraft von Berührungen erleben möchten, müssen wir uns für sie öffnen – und das macht uns immer auch verletzbar. Deswegen schützen wir instinktiv unseren Nahraum und lassen nur Menschen in ihn, denen wir vertrauen. Doch wem vertrauen wir und warum, beziehungsweise warum nicht?

Historisch gesehen waren wir noch nie so sicher vor Übergriffen und Gewalt wie hier und heute. Nicht nur werden die Gesetze immer umfassender, auch das gesellschaftliche Bewusstsein hat sich stark gewandelt: Wir reklamieren und genießen unser Recht auf Unversehrtheit und Selbstbestimmtheit, besonders auch als Frauen und mit Blick auf unsere Kinder. Zugleich sind wir aber offenbar scheuer und ängstlicher denn je, bleiben immer mehr auf Abstand. Nie gab es so viel Abgrenzung, so viele Singles, so viel Einsamkeit – und im Gegenzug auch nie so viele Angebote für Massagen, Kosmetik, Körpertherapie. Denn dass wir bei aller Scheu Berührung notwendig brauchen, das verstehen wir heute auch aus wissenschaftlicher Sicht sehr viel besser als noch vor 20 Jahren:

Foto: Olga Drach via Unsplash

Berührung – ein Lebensmittel

In seinem Buch „Homo hapticus“ erklärt der Psychologe und Haptik-Forscher Martin Grunwald faktenreich, dass angemessene Berührungsreize „nicht nur metaphorische Lebensmittel sind, sondern der zentrale Motor für Wachstums- und Entwicklungsprozesse“. Ohne Körperkontakt kann ein Neugeborenes nicht gedeihen, Berührung ist in dieser Lebensphase sogar wichtiger als Nahrung – und das gilt nicht nur für uns Menschen, sondern für alle Säugetiere. Nur durch Berührung können wir ein Gefühl der eigenen Körperlichkeit entwickeln: ein Körperschema, das uns sagt, wie wir beschaffen sind, einen Tastsinn, der uns hilft, unsere Position im Raum zu bestimmen und uns sicher zu bewegen. Die durch Berührung vermittelte Wahrnehmung der eigenen Grenzen ist überhaupt der Grundstein unseres Ich-Bewusstseins: Hier ende ich, dort beginnt das, was nicht ich bin. Berührungsreize aktivieren aber auch das Zellwachstum, sie sind notwendig für die Reifung des Nerven- und Immunsystems, können Blutdruck und Emotionen regulieren, sie helfen zu entspannen und zu regenerieren, sie motivieren und fördern Leistung.

Nicht ohne Grund gibt es in fast allen Kulturen Traditionen des Heilens durch Berührung, vom schlichten Handauflegen über diverse Massagen bis hin zu Reiki und Akupressur. Wie genau die Kraft der Berührung hier Heilung bewirkt, ist oft nicht ganz klar, aber dennoch wird immer deutlicher, dass selbst kleinste Berührungen bedeutsame zelluläre, neurologische und biochemische Prozesse anstoßen – von den psychischen und sozialen ganz zu schweigen. Angenehme, erwünschte und adäquate Berührungen können nach den Worten von Martin Grunewald „in jedem Menschen eine körpereigene Apotheke öffnen“. Zu den bekannteren Wirkstoffen dieser Apotheke gehören zum Beispiel das Bindungshormon Oxytocin und das Glückshormon Serotonin.

Kommt immer darauf an

Foto: Joshua Reddekopp via Unsplash

Aber welche Berührungen empfinden wir als angenehm und warum? Die Forscher*innen nennen dafür zwei ausschlaggebende Kriterien: Wärme und sanfter Druck – also genau das, was wir aus dem Mutterleib und unserer frühesten Babyzeit kennen. Aber natürlich kann auch eine sanfte, warme Berührung hochgradig unangenehm sein. Experimente im Labor zeigen, dass wir den exakt gleichen Reiz auf unserer Haut völlig unterschiedlich wahrnehmen, je nachdem welche Person uns in welcher Situation an welcher Körperregion berührt. Entsprechend unterschiedlich reagieren wir auch: Wenn beispielsweise die Kellnerin im Café kurz und freundlich ihre Hand an deinen Oberarm legt, bekommt sie laut einer US-amerikanischen Studie mehr Trinkgeld. Würde sie dir aber (so wie der Friseur oder die Kosmetikerin) ungefragt den Kopf kraulen oder die Wange streicheln, ließen viele von uns vermutlich den Manager oder die Managerin rufen.

Bis auf die Hände, Arme und Schultern sind in unserem Kulturkreis eigentlich alle Körperregionen für Fremde erst mal tabu. Dabei gibt es gewaltige Unterschiede – und die ungeschriebenen Gesetze ändern sich manchmal rasend schnell. Noch in den späten 1980er-Jahren wäre in Deutschland zum Beispiel niemand auf die Idee gekommen, seine Bekannten wie in Frankreich mit Küsschen links und rechts zu begrüßen, dann taten es plötzlich alle. Genau wie es vor 2020 viele Menschen als Affront gewertet hätten, nur mit einem freundlichen Nicken statt per Handschlag gegrüßt zu werden, doch während der Pandemie war diese seit Jahrhunderten ritualisierte Form von Körperkontakt völlig verpönt.

Eine berührungslose Gesellschaft?

Schon 2008 konstatierte der Journalist Tobias Haberl in einem SZ-Artikel: „Der moderne Mensch hat ein ziemlich gestörtes Verhältnis zur Nähe.“ Familien und Partnerschaften seien überfordert, der Alltag der Menschen „entkörperlicht und entsinnlicht“. Und während alles, „immer visueller und virtueller“ würde, entstünde parallel eine „Berührungsindustrie“ – und die sei „der geheime Akku einer berührungslosen, aseptischen Gesellschaft“.

Weiter geht’s auf der nächsten Seite …