Wie können wir sexuelle Übergriffe im Yoga verhindern? – Interview mit Psychologin Pia Witthöft

Yogapsychologin Pia Witthöft

Wie konnte es in der Yogaszene zu sexuellen Übergriffen kommen und wie können wir sie zukünftig verhindern? Die Diplom-Psychologin und Yogalehrerin Pia Witthöft vom Institut für Integrative Yogapsychologie macht sich mit uns auf die Suche nach Antworten.

Interview: Carmen Schnitzer, Titelbild: Martin Witthöft

Dieses Interview haben wir als Ergänzung zu unserem Hauptartikel „Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch im Yoga“ im YOGAWORLD JOURNAL 03/2024 geführt. Hier geht’s zum Artikel:

Sexualisierte Gewalt ist sicher ein gesamtgesellschaftliches Problem. Gibt es dennoch Aspekte im Yoga-Kosmos, die sie begünstigen?

Es fällt jedenfalls auf, dass man in fast allen großen Yogatraditionen auf Fälle von Machtmissbrauch stößt, häufig auch sexualisiertem. Und das betrifft nicht nur die bekannten Namen wie Patthabi Jois, Bikram Choudhury, Swami Vishnudevananda, Yogi Bhajan etc. Darüber hinaus gibt es meist noch weitere Täter und seltener auch Täterinnen, die den Täterschutz und das Weggucken der gesamten Organisation ausnutzen. Die weiter übergriffig sind, ohne hinterfragt zu werden. Aus der Aufarbeitung sexueller Gewalt in den Kirchen und Internaten, mit der wir sicher noch nicht fertig sind, wissen wir schon mal manches, das sich auch auf die Yogaszene übertragen lässt.

Zum Beispiel?

Dass es bei sexuellen Übergriffen nicht in erster Linie um Sexualität geht, sondern um die Ausübung von Macht. Und da müssen wir uns natürlich fragen: Was hat Macht mit Yoga zu tun?

Das ist normalerweise nicht der erste Begriff, der einem zu Yoga einfällt …

Und doch gibt es diese häufig hierarchischen Strukturen, die in vielen Schulen leider unkritisch weitergelebt werden. Es scheint nicht unbedingt opportun zu sein, die Traditionen und die Lehrenden kritisch zu hinterfragen. Im Gegenteil: Oft wird immer weiter reproduziert, was einmal als Wahrheit erklärt wurde, und als Schülerin oder Schüler ist man eher aufgefordert zu folgen und sich ein Stück weit anzuvertrauen, wenn man es positiv ausdrücken will – oder, hier kommen wir zur problematischen Variante: sich zu unterwerfen. Überall dort, wo wir starke Hierarchien haben, gibt es natürlich auch ein starkes Machtgefälle.

Hier der Mensch, der weiß, dort der, der noch lernen muss …

Genau. Wer behauptet, Wissen und eine Deutungshoheit, vielleicht gar eine Art Geheimwissen zu haben, hat dadurch Macht. Insbesondere Menschen gegenüber, die nach Lösungen suchen, oder auch spiritueller Er-Lösung. Man muss natürlich sehr aufpassen, dass man nicht alles in einen Topf wirft, aber mir scheint es schon sehr wichtig, auf diesen Punkt Licht zu werfen.

Wie kann das aussehen?

Zum Beispiel sollte sich meiner Ansicht nach jeder und jede Yogalehrende fragen: Was habe ich eigentlich mit Macht zu tun? Was bedeutet sie mir, was macht sie mit mir? Viele würden das Thema wahrscheinlich erst mal weit von sich weisen, wenn man sie darauf anspricht. Dabei ist die Auseinandersetzung damit so wichtig.

Es hat ja durchaus etwas Verlockendes, in der Rolle der „mächtigen“ Person zu sein, die Wissen vermittelt und dafür bewundert wird.

Eben. Wenn jemand bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen, ist das schon mal Teil der Problemlösung. Wir müssen in den Ausbildungen über Rollen sprechen und über die Verantwortung, die unsere Rolle als Lehrerin oder Lehrer mit sich bringt. Oft bekommen wir von Schülerinnen und Schülern einen großen Vertrauensvorschuss. In der Tiefenpsychologie gibt es hier den Begriff der positiven Übertragung: Man kommt zur Lehrperson mit gewissen Wünschen und Hoffnungen, die oft mit der eigenen Vergangenheit zu tun haben, mit dem Wunsch nach Bestätigung, Zugehörigkeit, Akzeptanz und natürlich auch der Hoffnung, etwas fürs Leben zu lernen. Darin liegt auch das große Potenzial, dass ich mich zunächst einmal anvertrauen kann.

Was ist die Kehrseite?

Wenn der oder die Lehrende sich von dieser Übertragung persönlich gemeint fühlt, von diesen oft gar nicht bewussten Erwartungen der Schülerinnen und Schüler, wächst das Podest und damit die Gefahr einer unreflektierten Machtposition … Idealerweise führen wir aber mit unseren Schülerinnen und Schülern eine Beziehung auf Augenhöhe und bestärken sie darin, ihre subjektive Wahrnehmung ernst zu nehmen.

Da sind wir an einem wichtigen Punkt: Was, wenn wir es mit Grauzonen zu tun haben, wenn der sexuelle Übergriff nicht offensichtlich ist, aber ich mich irgendwie unwohl fühle?

Dann hat dieses Gefühl ganz klar eine Berechtigung, ist ernst zu nehmen und weist auf ein Bedürfnis, zum Beispiel nach Abgrenzung und Abstand hin: Empfinde ich zum Beispiel Unbehagen bei einer Berührung oder erlebe mich im Unterricht oft unsicher, klein und vielleicht sogar beschämt, ist es völlig angemessen, die Situation in Frage zu stellen.

Was kann ich in so einem Fall tun?

Eine Möglichkeit wäre, nicht mehr zur entsprechenden Lehrperson zu gehen. Sinnvoll kann aber auch der Austausch mit anderen Schülerinnen und Schülern sein: Wenn man merkt, dass man mit seiner Wahrnehmung nicht alleine ist, kann das helfen. Natürlich kann man auch immer klar sagen, dass man auf eine bestimmte Weise nicht berührt werden möchte, aber dazu braucht es in der Regel ein starkes Selbstbewusstsein, das nicht jeder hat. Sinnvoll ist es auch, sich bei einer Fachberatungsstelle zum Thema sexualisierte Gewalt Rat zu holen. Dort finde ich auch Beratung und Unterstützung, wenn es möglicherweise um die Erstattung einer Strafanzeige geht.

Es bleibt kompliziert … Mehr Psychologie in den Ausbildungen, inklusive Supervisionen, wäre das ein Ansatz?

Ich denke ja. Meiner Ansicht nach kommt in den meisten Yogalehrerausbildungen das Thema Beziehungen viel zu kurz, beziehungsweise es fehlt komplett. Dabei lässt sich das eigentlich nicht ausklammern: Überall, wo Menschen einander begegnen, treten sie in Beziehung. Die Frage ist: Will ich diese bewusst gestalten oder passiert sie eben einfach so, außerhalb des Bewusstseins? Letzteres ist gefährlich. Nun gibt es aber natürlich auch die Frage, wie wir diejenigen erreichen, die ihre Ausbildung bereits hinter sich haben …

Haben Sie einen Vorschlag?

Ich finde die Idee eines Prädikats charmant, das zum Beispiel Yogaschulen bekommen, deren Leiterinnen und Leiter Fortbildungen zum Thema absolviert haben und anbieten. Das könnte zum Beispiel „Sicherer Ort“ oder so ähnlich heißen und in Kooperation mit Berufsverbänden organisiert werden. Ich glaube, damit könnten wir schon viel Veränderung und Prävention bewirken, auch wegen des Aufklärungscharakters und dem Signal nach außen. Wenn immer mehr Schulen dieses Prädikat erwerben und es auffällt, wenn andere Schulen es nicht haben, könnte sich die Yogalandschaft peu à peu ändern.

Apropos Aufklärung: Anfangs erwähnten Sie das Weggucken in vielen Organisationen …

… das natürlich verheerend ist! Wir brauchen unbedingt eine transparente, offene Aufarbeitung der bereits passierten Fälle. Im Falle von Swami Vishnudevananda in der Sivananda-Tradition kann man zum Beispiel lernen, wie man es nicht macht. Da wurde viel vernebelt und unter den Teppich gekehrt, anstatt dass man Betroffene ermutigte, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Schlimmer noch: Julie Salter, die den Stein ins Rollen gebracht hatte, wurde teilweise selbst angegriffen mit Sätzen wie, Maria Magdalena habe schließlich auch nur über Jesu‘ Lehren gesprochen und ihn nicht kritisiert. Wer die Aufarbeitung in diesem Fall vorangetrieben und gezeigt hat, wie man es machen kann, war die selbstorganisierte Gruppe „Project Satya“, die über Crowdfunding Geld für Anwältinnen aufgetrieben hat, die Anhörungen gemacht und Geschichten gesammelt haben.

Warum tun sich Organisationen so schwer damit, sich der Verantwortung zu stellen?

Zum einen geht es bei großen Organisationen sicher um wirtschaftliche Faktoren, zum anderen erfordert die Konfrontation mit einer möglichen eigenen Mitschuld ein hohes Maß an Selbstreflexion. Dazu kommt natürlich auch, dass es für Betroffene oft sehr schwer ist, sich zu öffnen, da sie mit einer bestimmten Yogatradition ja oft auch eine spirituelle Heimat, eine Familie verbinden, teilweise seit Jahrzehnten. Das ist für viele hochdramatisch. Oft brauchen sie erst mal viel Zeit und Abstand, um über das, was geschehen ist, sprechen zu können.

Ähnlich wie beim Missbrauch in der Kleinfamilie, oder? Diese Ambivalenz, dass der Täter, der einem schlimme Dinge antut, gleichzeitig jemand ist, den man liebt, an dem man hängt …

Ja, das ist der Punkt. Man kann es nicht trennen. Mit der Offenlegung der Taten drohen umfassende Konsequenzen, die auch Angst machen. Wie gehe ich damit um, dass der, den ich so verehrt habe, mein geliebter Guru, solch schlimme Dinge getan hat? Im Zuge dieser Tragik kommt es auch oft zu Spaltungen in den Organisationen, zu Solidarisierungen mit der einen oder anderen Seite. Das ähnelt tatsächlich den strukturell missbräuchlichen Konstellationen, die wir auch aus Kirchen und anderen Institutionen kennen.

Aufklärung von und Auseinandersetzung mit den Taten sowie ein Bewusstsein für die Rollen und Beziehungen im Yoga – gibt es noch einen weiteren Punkt, den es zu beachten gilt, wenn wir sexualisierte Gewalt künftig bestmöglich verhindern wollen?

Sicher! Worüber wir noch kaum gesprochen haben, ist etwa das Thema Ego. Die oft propagierte Überwindung, das Loswerden des Egos ist psychologisch gesehen problematisch. Wir brauchen ein klares Ich, das weiß, wer ich bin und was ich fühle. Denn nur so haben wir Orientierung und können auf das, was passiert, reagieren. Das ist in meinen Augen kein Hindernis auf dem Yogaweg, im Gegenteil. Ein solches geklärtes, starkes Ich kann dann auch durchlässig sein und sich in das Selbst integrieren, ohne seine regulierenden Funktionen zu verlieren. Grundsätzlich ist die ganze Thematik aber viel zu komplex, als dass wir sie mit ein paar wenigen Punkten komplett erfassen könnten. Öffentlichkeit zu schaffen ist aber zumindest ein sehr guter Anfang.


Mehr über Pia Witthöfts Arbeit beim Institut für Integrative Yogapsychologie findest du unter yogapsychologie.com oder auf Instagram @yogalife_lab

Dieses Interview stammt aus der YOGAWORLD JOURNAL Ausgabe 03/2024:

https://yogaworld.de/produkt/yogaworld-journal-nr-93-03-24-print-ausgabe

Mehr trinken, besser leben: So wichtig ist Hydration für dein Wohlbefinden

Hydration, Wasser trinken

Wasser ist die Grundlage allen Lebens und ein essenzieller Bestandteil unseres Körpers. Dennoch trinken viele Menschen nicht genug, um ihren täglichen Bedarf zu decken. Dabei hat ausreichende Hydration immense Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. In diesem Artikel erfährst du, warum es so wichtig ist, genügend zu trinken, wie du deinen Flüssigkeitsbedarf decken kannst und welche positiven Effekte eine gute Hydration auf deinen Körper und Geist hat.

Titelbild von Avrielle Suleiman auf Unsplash

Die Bedeutung von Wasser für unseren Körper

Unser Körper besteht zu etwa 60 Prozent aus Wasser. Dieses Wasser erfüllt zahlreiche lebenswichtige Funktionen: Es reguliert die Körpertemperatur, transportiert Nährstoffe zu den Zellen, spült Abfallprodukte aus dem Körper und dient als Schmiermittel für Gelenke und Gewebe. Ohne ausreichende Wasserzufuhr können diese Funktionen beeinträchtigt werden, was zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen kann.

Wie viel Wasser solltest du täglich trinken?

Die empfohlene Menge an Flüssigkeit, die du täglich zu dir nehmen solltest, variiert je nach Alter, Geschlecht, Gewicht und Aktivitätsniveau. Allgemein wird empfohlen, etwa 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Tag zu trinken. An heißen Tagen oder bei intensiver körperlicher Betätigung kann der Bedarf jedoch deutlich höher sein. Es ist wichtig, auf die Signale deines Körpers zu achten und regelmäßig zu trinken, auch wenn du keinen Durst verspürst.

Anzeichen von Dehydrierung erkennen

Dehydrierung kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Zu den häufigsten Anzeichen gehören Durst, trockener Mund, Kopfschmerzen, Müdigkeit und dunkler Urin. In schweren Fällen kann Dehydrierung zu Schwindel, Verwirrtheit und sogar Bewusstlosigkeit führen. Es ist daher wichtig, frühzeitig auf die Warnsignale deines Körpers zu reagieren und ausreichend zu trinken.

Tipps für eine bessere Hydration im Alltag

Eine der größten Herausforderungen im Alltag ist es, regelmäßig genug zu trinken. Hier sind einige Tipps, wie du deine Hydration verbessern kannst:

  • Trage immer eine Wasserflasche bei dir: Eine wiederverwendbare Wasserflasche kann dich daran erinnern, regelmäßig zu trinken. Fülle sie mehrmals am Tag auf und halte sie in Reichweite.
  • Setze dir Trinkziele: Setze dir zu Beginn des Tages ein Ziel, wie viel du trinken möchtest, und verfolge deinen Fortschritt. Es gibt auch Apps, die dich daran erinnern, Wasser zu trinken.
  • Aromatisiere dein Wasser: Wenn dir reines Wasser zu langweilig ist, kannst du es mit natürlichen Aromen wie Zitronenscheiben, Gurken oder Minzblättern aufpeppen. Eine andere Möglichkeit sind Produkte wie Waterdrop, die dein Wasser mit natürlichen Geschmacksrichtungen bereichern und dich motivieren, mehr zu trinken.
  • Esse wasserreiche Lebensmittel: Lebensmittel wie Gurken, Wassermelonen, Orangen und Zucchini enthalten viel Wasser und können einen Teil deines Flüssigkeitsbedarfs decken.
  • Trinke vor und nach den Mahlzeiten: Ein Glas Wasser vor den Mahlzeiten kann nicht nur zur Hydration beitragen, sondern auch das Sättigungsgefühl verbessern und dir helfen, weniger zu essen.
  • Mache es zur Gewohnheit: Integriere das Trinken von Wasser in deine täglichen Routinen. Trinke zum Beispiel ein Glas Wasser direkt nach dem Aufstehen und eines vor dem Schlafengehen.

Die Vorteile ausreichender Hydration

Eine gute Hydration hat zahlreiche positive Effekte auf deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Hier sind einige der wichtigsten Vorteile:

  1. Bessere körperliche Leistungsfähigkeit: Dehydrierung kann zu Muskelkrämpfen und Müdigkeit führen, während ausreichende Hydration deine körperliche Ausdauer und Leistungsfähigkeit verbessert. Bei sportlicher Betätigung hilft es, die Körpertemperatur zu regulieren und die Gelenke geschmeidig zu halten.
  2. Verbesserte geistige Leistungsfähigkeit: Wasser ist wichtig für die Funktion deines Gehirns. Studien haben gezeigt, dass selbst leichte Dehydrierung die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen kann. Ein gut hydrierter Körper kann schneller denken, klarer und konzentrierter arbeiten.
  3. Gesunde Haut: Ausreichendes Trinken kann das Erscheinungsbild deiner Haut verbessern, indem es die Hautfeuchtigkeit erhält und dazu beiträgt, Giftstoffe auszuspülen. Eine gut hydrierte Haut ist elastischer und zeigt weniger Falten und Unreinheiten.
  4. Unterstützung der Verdauung: Wasser hilft, Nahrungsmittel zu verdauen und Nährstoffe besser aufzunehmen. Es kann auch Verstopfung vorbeugen, indem es den Stuhl weicher macht und die Darmbewegungen fördert.
  5. Gewichtsmanagement: Wasser kann ein effektives Hilfsmittel beim Abnehmen sein. Es hat keine Kalorien und kann das Sättigungsgefühl erhöhen, was dazu beiträgt, weniger zu essen. Ein Glas Wasser vor den Mahlzeiten kann helfen, die Kalorienaufnahme zu reduzieren.
  6. Förderung der Nierenfunktion: Ausreichende Hydration ist essenziell für die Gesundheit der Nieren. Wasser hilft, Giftstoffe und Abfallprodukte aus dem Körper zu spülen und das Risiko von Nierensteinen zu verringern.

Hydration und spezielle Lebenssituationen

In bestimmten Lebenssituationen ist es besonders wichtig, auf eine ausreichende Hydration zu achten. Schwangere und Stillende haben während der Schwangerschaft und Stillzeit einen erhöhten Wasserbedarf, da der Körper zusätzliches Wasser benötigt, um das Fruchtwasser zu bilden und die Milchproduktion zu unterstützen. Ältere Menschen sollten ebenso besonderes Augenmerk auf ihren Wasserhaushalt legen, da mit zunehmendem Alter das Durstgefühl abnimmt und somit das Risiko einer Dehydrierung erhöht ist. Es ist wichtig, dass ältere Menschen bewusst darauf achten, regelmäßig Wasser zu trinken.

Auch Kinder und Jugendliche, die oft sehr aktiv sind, haben einen hohen Wasserbedarf. Eltern sollten sicherstellen, dass ihre Kinder genug trinken, besonders während des Sports oder bei hohen Temperaturen. Zudem ist bei Krankheiten, die mit Fieber, Durchfall oder Erbrechen einhergehen, der Flüssigkeitsverlust besonders hoch. In solchen Fällen ist es entscheidend, den Flüssigkeitsverlust durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr auszugleichen.

Wenn du Wasser trotzdem nicht gern magst, oder einfach mehr Abwechslung möchtest, sieh dir mal dieses Rezept für vegane Golden Milk an.

Fazit

Wasser ist lebenswichtig und eine ausreichende Hydration sollte ein zentraler Bestandteil deines täglichen Lebens sein. Indem du regelmäßig und genügend trinkst, unterstützt du zahlreiche Funktionen deines Körpers und förderst dein allgemeines Wohlbefinden. Achte auf die Signale deines Körpers und integriere einfache Gewohnheiten, um deine Hydration zu verbessern. Ob du eine Wasserflasche bei dir trägst, aromatisiertes Wasser genießt oder wasserreiche Lebensmittel in deine Ernährung einbaust – es gibt viele Wege, um sicherzustellen, dass du ausreichend hydriert bleibst. Und denk daran: Mehr trinken bedeutet besser leben.

Auf der Matte zu Hause – 12 Tipps für eine regelmäßige Praxis

Sadhana- Auf der Matte zu Hause

Zeitmangel, Ablenkung, Energielosigkeit – es gibt viele Gründe, nicht auf die Matte zu gehen. Dabei ist eine regelmäßige persönliche Praxis der eigentliche Kern von Yoga. Was brauchst du, damit dein Schweinehund sich endlich trollt und dem herabschauenden Hund Platz macht? Vielleicht helfen dir diese Tipps dabei, (wieder) in dein Sadhana zu finden.

Text: Stephanie Schauenburg / Titelbild: Studioroman via Canva

Sadhana साधन

Der Sanskrit-Begriff ist abgeleitet von der Wurzel sadh (geradewegs auf ein Ziel zugehen, erfolgreich sein) und bezeichnet eine spirituelle Disziplin. Dazu gibt es in den verschiedenen Traditionen verschiedene Übungen und Regeln, aber im Grunde handelt es sich immer um einen persönlichen Weg. Yogi Bhajan, der Begründer des Kundalini-Yoga, drückte es so aus: „Es ist nicht etwas, das man tut, um jemandem zu gefallen oder um etwas zu erreichen. Sadhana ist ein persönlicher Prozess, in dem du dein Bestes hervorbringst.“

1. Mach dir klar, warum du übst

Es kann jeden Tag ein bisschen anders sein, aber es ist hilfreich, wenn du weißt, warum du auf die Matte gehst. Nicht im Sinn einer Zielsetzung à la „Ich will endlich den Handstand schaffen“ oder „Ich muss jeden Tag üben, sonst bin ich keine ernstzunehmende Yogini“.

Es geht eher darum, was dir die Praxis tatsächlich bedeutet, was du an ihr liebst, worin sie dich unterstützt, welche Welt sie dir eröffnet … Wenn du das nicht nur weißt, sondern auch empfindest, wird es dir viel leichter fallen, jeden Tag zu ihr zurückkehren und sie mit Sinn zu erfüllen.

2. Verabrede dich mit dir selbst

Sadhana- Deine Verabredung mit dir
Foto: Andrea Hajdu

Kontinuierlich über einen längeren Zeitraum selbstständig zu üben, erfordert vor allem in der ersten Zeit (oder nach einer längeren Pause) eine Menge Entschlossenheit. Nimm dein Vorhaben deshalb genauso ernst wie einen Geschäftstermin oder ein Treffen mit Freunden: Deine Zeit auf der Matte ist eine feste Verabredung mit dir selbst, die du würdigen und einhalten willst.

Dabei ganz wichtig: Das ist nicht etwas, das du tun sollst oder musst, die Praxis sollte ganz sicher kein zusätzlicher Punkt auf deiner sowieso schon überquellenden To-Do-Liste werden. Mach dir klar: Ich muss nicht üben, aber ich habe mich dafür entschieden, ich will das – ich gönne es mir.

3. Finde heraus, was für dich funktioniert

Gerade zu Anfang sind ein klarer Rahmen und eine Struktur hilfreich, um überhaupt in eine Routine zu finden: Dazu gehören zum Beispiel eine bestimmte Uhrzeit, eine feste Dauer, vielleicht auch ein Ablauf (zum Beispiel: 15 Minuten Meditation, 15 Minuten Pranayama, 30 Minuten Asana) oder das Grundschema einer Sequenz. All das soll aber gut auf dich zugeschnitten sein: Es ist deine Praxis, du legst fest, wie sie aussieht – und das kann sehr verschieden sein und es darf sich auch immer wieder ändern.

4. Sei realistisch

Diesen Tipp kennst du vielleicht auch aus den gängigen Ratgebern für Neujahrsvorsätze, denn nichts lässt Vorhaben so schnell scheitern wie unrealistische Ansprüche an sich selbst: Es hilft nichts, dir an sieben Tagen die Woche 90 Minuten vorzunehmen, wenn du dafür den Wecker auf 4:30 Uhr stellen musst und dich anschließend hundemüde durch den Tag schleppst. Beginne lieber mit weniger und schaffe dafür passende Räume in deinem Alltag.

Dasselbe gilt natürlich auch für dein Übungsprogramm: Deine Praxis soll dich nicht überfordern, sondern bereichern und dich in eine tiefere Verbindung zu dir selbst und dem Leben bringen. Weniger ist meistens mehr.

5. Beseitige die Hindernisse

Gott Ganesha
Ganesha hilft dir, deine Hindernisse zu überwinden. Foto: Nikhil Patea/Getty Images via Canva

Was hält dich davon ab, überhaupt auf die Matte zu gehen? Und dort angekommen: Was lenkt dich ab und führt dazu, dass du schon nach fünf Minuten wieder aufspringst? Was stört deine Konzentration und raubt dir die Lust?

Die inneren Störfaktoren kannst du nur freundlich beobachten und dich darin üben, sie mehr und mehr in ihre Schranken zu weisen. Es gibt aber auch eine Menge äußerer Faktoren, die du ganz leicht beseitigen kannst. Zum Beispiel: Türe zu, Handy aus, Klingel auf lautlos, herumliegenden Kram wegräumen, Blase leeren und die liebe Familie eine Weile auf Abstand halten …

6. Gehe in die Freude

Beobachte umgekehrt auch, was dir das Üben erleichtert, was dich freut und anspornt und kultiviere diese Faktoren. Das beginnt schon mit einem aufgeräumten, schön gestalteten Platz für deine Praxis. Auch Lüften, Räuchern und das Anzünden einer Kerze können dir als kleine Rituale helfen, in eine achtsame, bewusste Stille zu kommen, bevor du beginnst.

Vielleicht gestaltest du dir an deinem Yogaplatz auch einen persönlichen Altar. Oder du beginnst mit einem Mantra oder einem Gebet. Auch während der Praxis gibt es möglicherweise Dinge, die dir helfen, dich wohlzufühlen und zu konzentrieren: zum Beispiel deine Lieblingsasanas, eine schöne Musik, eine gedruckte, gesprochene oder gefilmte Anleitung. Gehe mit deiner gesamten Praxis dahin, wo du Freude empfindest.

7. Lausche nach innen

Sadhana
Zur Ruhe kommen … Foto: Los Muertos Crew/Pexels via Canva

Eines der größten Geschenke beim selbständigen Üben ist es, dass du Zeit und Raum hast, um wirklich deiner eigenen Stimme zu folgen. Spüre in jeder Übung genauer hin: Was empfindest du körperlich? Was geschieht vielleicht auf energetischer Ebene, beim Atem, bei deiner Kraft? Welche Stimmungen oder Gedanken werden wach? Und was folgt daraus? Welche kleine Korrektur wünscht sich dein Körper jetzt vielleicht? Und was wäre die nächste Bewegung? In dieser achtsamen Selbsterforschung entfaltet die Yogapraxis erst ihre eigentliche Tiefe und transformierende Kraft.

8. Aktiviere dein Tapas

Es ist ganz normal, dass du im Lauf der Zeit Ups und Down erlebst und auf Widerstände stößt: Die Praxis ist nicht immer nur wohliger Genuss, manchmal fordert sie uns auch heraus und zwingt uns, die Komfortzone zu verlassen. Was dir dabei laut Yogaphilosophie hilft, ist Tapas, eine Art yogisches Feuer, ein liebevoller Eifer, der dich antreibt, ohne dich zu verbrennen.

Swami Satchidananda hat Tapas definiert als die Bereitschaft, das anzunehmen, was der eigenen Reinigung dient. Kino McGregor meint: „Wenn du normalerweise vor Schwierigkeiten zurückweichst, dann zeigt dir Tapas einen Weg, wie du dich immer wieder aufrappeln und Herausforderungen mit kämpferischer Liebe begegnen kannst.“

9. Sei freundlich mit dir selbst

So wichtig Disziplin und Entschlossenheit sind: Sie dürfen nicht dazu führen, dass du dich selbst verurteilst oder verletzt. Es ist okay, wenn du es an manchen Tagen (oder auch mal länger) nicht auf die Matte schaffst. Oder wenn du nur zwei Sonnengrüße machst. Oder dich einfach in der Mittagspause fünf Minuten auf eine Bank setzt und meditierst.

In dieser freundlichen Flexibilität steckt viel mehr Yoga als in Leistungsdenken und akrobatischen Kunststücken. Alles, was zählt, ist, dass du die Verbindung zu deinem Sadhana hältst – in genau der Form, die jetzt für dich passt. Dabei helfen dir Humor, Akzeptanz und liebevoll eingesetztes Tapas.

10. Bleib offen

Eine regelmäßige Praxis wird viel müheloser, wenn sie erst einmal zur Gewohnheit geworden ist. Psycholog*innen zufolge ist das nach frühestens zwei Monaten der Fall ist. Eine beliebte Challenge im Yoga ist es, 108 Tage am Stück zu üben. Irgendwann kann es sein, dass du so selbstverständlich auf die Matte gehst, wie du dir die Zähne putzt. Allerdings haben solche fest eingeführten Routinen auch entscheidende Nachteile: Sie können sich irgendwann stumpf und öde anfühlen.

An diesem Punkt ist es hilfreich, sich frische Impulse zu holen: Lerne etwas Neues, lass dich inspirieren von neuen Lehrer*innen, Büchern, Filmen, probiere Yoga nochmal ganz anders aus. Genauso kann es auch sein, dass du deiner geliebten Routine allzu verhaftet bist und dann von einer Krankheit oder veränderten Lebensbedingungen dazu gezwungen wird, sie aufzugeben. Auch hier heißt es: offen sein für neue Wege, neue Übungen und darauf vertrauen, dass auch darin ein Segen liegen kann.

11. Vergiss nicht: Es ist ein geistiger Weg

„Die Praxis gewinnt nur festen Boden, wenn sie lange Zeit ohne Unterbrechung hingebungsvoll und in rechter Weise ausgeführt wird.“ Mit diesem berühmten Vers aus dem Yogasutra (1.14) mahnt uns Patanjali zu Abhasya (beharrlichem Üben).

Allerdings meinte er damit etwas ganz anderes als stundenlanges Schwitzen auf der Yogamatte: Hier geht es um einen Weg, den Geist zu reinigen und zu beruhigen, es geht um Gelassenheit und innere Freiheit (Vairagya), um spirituelles Wachstum. Dieser geistige Weg ist der eigentliche Yogaweg, den dein Sadhana verfolgen sollte. Er kann viele Formen annehmen – und er reicht sehr viel weiter als der Mattenrand.

12. Roll einfach die Matte aus

Motivation die Yogamatte auszurollen
Foto: Macniak via Canva

„Yoga zeigt sich im Yoga“, schreibt Vyasa, einer der wichtigsten Kommentatoren zum Yogasutra. Und von Swami Sivananda soll der berühmte Spruch stammen, dass ein Gramm Praxis besser ist als eine Tonne Theorie. Will heißen: Tu es einfach! Denk nicht lange drüber nach, was jetzt vielleicht dafür oder dagegen spricht, erlaube deinem Geist keine Ausflüchte und roll gleich jetzt deine Matte aus. Auch wenn es nur für zehn Minuten ist. Und morgen wieder. Und übermorgen …


Stephanie Schauenburg hatte gute Gründe, diesen Artikel zu schreiben: Auf ihrer Yogamatte kampiert hin und wieder ein ausgewachsener Schweinehund, den sie dann freundlich, aber bestimmt dazu auffordert, sich zu trollen.

#111 Rituale, Trance und Heilung: Einführung in den Schamanismus – mit Annette Mors

Verbindung zur spirituellen Welt: Erfahrungen und Erkenntnisse einer modernen Schamanin

Schamanismus ist eine der ältesten Formen der spirituellen Praxis der Menschheit und ein Glaubenssystem, das in verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt existiert. In dieser Folge „YogaWorld Podcast“ begrüßt Gastgeberin Susanne Mors ihre Schwester Annette Mors, eine moderne Schamanin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Gemeinsam erkunden sie die faszinierende Welt des Schamanismus.

Annette beschreibt zunächst das schamanische Weltbild in seinen Grundzügen und erläutert dabei die Grundgedanken der schamanischen Arbeit. Sie erklärt die Rolle von Schaman*innen als Heiler*innen, spirituelle Führer*innen und Vermittler*innen zwischen der physischen Welt und der spirituellen Welt sowie die Bedeutung von Ritualen und Trancezuständen. Hier teilt Annette persönliche Erlebnisse aus ihren schamanischen Reisen, gibt Einblicke in die moderne Interpretation schamanischer Arbeit und äußert ihre Meinung zu bewusstseinserweiternden Drogen.

Außerdem betont sie, warum es gerade in unserer technologisierten Welt wichtig ist, sich auf das Ursprüngliche zu besinnen und welche Rolle der Schamanismus in der Zukunft spielen könnte. Sie erklärt auch, warum schamanische Praktiken oft missverstanden werden und gibt stimmige Anregungen zur Interpretation von Krankheit und Heilung.

Erfahre, wie Schamanismus heute angewendet wird, wie du eine tiefere Verbindung zu dir selbst und der spirituellen Welt herstellen kannst und welche wichtige Rolle dabei die Natur spielt. Eine tief berührende persönliche Geschichte rundet die Folge ab und schlägt den Bogen zurück zum Yoga.

Mein(e) Schatten und ich – von Sally Kempton

Wachstum durch Schattenarbeit
Nutze die Chance für Wachstum / Foto: Kieferpix / Getty Images via Canva

Jeder Mensch hat Schattenseiten, die er lieber im Dunkeln lassen möchte. Doch um dein wahres Potential auszuleben, ist es notwendig, negative Eigenschaften zu beleuchten – nur so kannst du sie verändern.


Text: Sally Kempton, Titelbild: Kieferpix/Getty Images via Canva

Liane weiß genau, dass Brian ihre große Liebe ist, aber als sie zusammenziehen, bemerkt sie ein verstö­rendes Verhaltensmuster an sich. Wenn Brian spät nach Hause kommt oder ganz in seine Arbeit versun­ken ist, während sie mit ihm reden will, wird sie ex­trem wütend. Entweder zieht sie sich dann in ärger­liches Schweigen zurück, oder, was noch schlimmer ist, schreit ihn an.

Als Liane sich selbst während einer dieser Tiraden zufällig im Spiegel sieht, ist sie scho­ckiert über den harten, aggressiven Ausdruck auf ih­rem Gesicht. „Ich bin ein liebevoller Mensch“, sagt sie. „Ich weiß nicht, wo diese Gefühle herkommen. Gibt es keine spirituelle Praxis, mit deren Hilfe ich etwas gegen diese negativen Eigenschaften tun kann?“

Mache dir deine negativen Eigenschaften bewusst

Die eigenen Schattenseiten beleuchten
Beleuchte deine Schattenseiten. Foto: Ossyugioh/Getty Images via Canva

Diese Frage taucht häufig auf, besonders bei Yogi*nis, die wissen, wie sich ein liebevoller und großzügiger Zu­stand anfühlt. Sie kennen die warmherzige, weise Per­son in sich selbst. Woher also kommen diese hässlichen Gefühle und Verhaltensweisen? Oft wünscht man sich dann einen Zauberstab, der Angst, Wut und Unsicher­heit für immer ein Ende macht. Aber das Bedürfnis, die eigenen negativen Eigenschaften loszuwerden, so dass man nur seine „guten“ Seiten auslebt, ist Teil des Prob­lems.

Es gibt keinen magischen Trick, der die negativen Eigenschaften verschwinden lässt, weder im Yoga noch auf einem anderen spirituellen Weg. Stattdessen muss man sich seiner Schattenseiten bewusst werden, von ihnen lernen und mit Bedacht an ihnen arbeiten. Die schmerzhaften Samskaras, die man sich als tiefe Fur­chen in der eigenen Seele vorstellen kann und die ne­gative Verhaltensweisen auslösen können, werden deine Gedanken und dein Verhalten beeinflussen, bis du sie genau erforschen und sie als wesentlichen Teil des ei­genen Bewusstseins annimmst.

Dunkelheit führt zu Wachstum

Dann kannst du die Energie, die darin gebunden ist, freisetzen und sie für dein persönliches und spirituelles Wachstum nutzen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem du dich mit diesen negativen Eigenschaften (für die der große Psy­choanalytiker Carl Gustav Jung den Ausdruck „Schat­ten“ geprägt hat) auseinandersetzen musst, oder du wirst mit den Folgen deiner sich ständig wieder­holenden unfreiwilligen Fehler leben müssen.

Viel­leicht fragen dich deine Freunde, warum du ständig zu spät kommst. Oder warum du Gerüchte über andere Menschen verbreitest. Oder dir wird wie Liane be­wusst, dass du ständig auf einen deiner nahestehen­den Menschen wütend bist. Oder du überspielst deine Unsicherheit mit Überheblichkeit. Oder deine Stimmung schwankt ständig zwischen guter und schlechter Laune.

Jung, dessen Werk von den östlichen Schriften und Weisheiten beeinflusst war, nannte den Schatten „den Menschen, der du lieber nicht sein willst“ – das Gegen­teil deiner bewussten Persönlichkeit. Er prägte den Aus­druck „Schatten“, um die Eigenschaften zu beschrei­ben, die einige der yogischen Schriften als Kleshas bezeichnen (wörtlich übersetzt: Ursachen des Leidens). Das sind die Eigenschaften, die in der Bhagavad Gita, einer der wichtigsten yogischen Schriften, etwas ein­schüchternd als „dämonisch“ beschrieben werden.

Der Ursprung des Schatten

Jeder hat seine Schattenseiten
Jeder hat seine Schattenseiten. Foto: Cherry’s Cr8ve Cliqs via Pexels

An­ders ausgedrückt: Der Schatten vereint alle selbstsüch­tigen, primitiven, egoistischen, gewalttätigen, faulen und selbstgerechten Seiten deiner Persönlichkeit. Der Schatten umfasst alle Seiten deiner Psyche, die du lieber nicht genau ansehen – die Wesenszüge, für die du dich immer geschämt hast und die Eigenschaften, die du am liebsten im tiefsten Keller deiner Persönlich­keit verstecken möchtest.

Unsere Schattenseiten sind häufig primitiv und unreif, weil wir sie ausblenden und deshalb nicht weiterentwickeln. Wenn wir unse­re negativen Eigenschaften vor unserer bewussten Selbstwahrnehmung verstecken, werden sie unsere Gefühle und unser Verhalten auf unberechenbare Art beeinflussen. Du merkst es, wenn du wegen einer Kleinigkeit wütend wirst, wegen eines kleines Feh­lers verzweifelst, oder wenn du eine Abneigung gegen jemanden entwickelst, der eine Eigenschaft an den Tag legt, die du bei dir selbst nicht wahrhaben willst.

Der innere Richter

Shelly, eine Krankenschwester, war immer stolz auf ihre Fähigkeit, sich in Patient*innen hineinzufühlen und är­gerte sich über ihre Vorgesetzte, die die Patient*innen ihrer Meinung nach herablassend behandelte. Deshalb geriet sie häufig in Streit mit ihrer Vorgesetzten. Bei einem Wochenend­-Workshop über den eigenen Schatten bat ich Shelly, zu erforschen, warum ihr Urteil so hart aus­fiel. Als wir darüber sprachen, wurde ihr klar, dass sie selbst Herablassung gegenüber genau jenen Patient*innen empfand, die ihre Vorgesetzte herablassend behandelte – aber sie kompensierte dieses Gefühl, indem sie die­sen Patient*innen gegenüber besonders nett war.

Ihr Urteil über ihre Vorgesetzte war ein Spiegelbild des Urteils über sich selbst, sobald sie wütend wurde oder sich an­ders verhielt als der nette, liebevolle Mensch, der ihrem Selbstbild entsprach. Shelly brauchte eine Weile, um die Verbindung zwi­schen ihrer Selbstkritik und der strengen Beurteilung ihrer Vorgesetzten wahrzunehmen. Als sie die Un­erbittlichkeit ihres inneren Richters erkannte, konnte sie auch ihre Vorgesetzte mit mehr Mitgefühl betrach­ten. Das führte dazu, dass sie weniger stritten, und Shelly hat inzwischen das Gefühl, dass sich die gesamte Atmosphäre auf der Station verbessert hat.

„Vielleicht hat sich die Atmosphäre wirklich verändert“, sagte sie. „Oder sie fühlt sich anders an, weil ich mich verändert habe.“ Diese Geschichte zeigt, wie die Einstellungen deines un­bewussten Schattens deinen Blick auf das Leben beein­flusst. Wenn man etwas an sich selbst nicht wahrneh­men kann, projiziert man es unweigerlich auf jemand anderen – ob man diese Eigenschaft am anderen nun verurteilt oder bewundert.

Der Weg der Schattenarbeit

Wachstum durch Schattenarbeit
Nutze die Chance für Wachstum. Foto: Kieferpix/Getty Images via Canva

Eine Strategie gegen diese Muster kann die „Schat­tenarbeit“ sein, bei der man sich ganz bewusst durch Praktiken und Methoden der Selbsterforschung (aus der Yogatradition und der Psychologie) die eigenen Schattenseiten bewusst macht und Verantwortung für sie übernimmt, so wie es Shelly getan hat. Sobald dein Schatten wirklich zu dir gehört, kannst du damit beginnen, ihn zu verändern und zu integrieren. Wenn du lernst, deine Schatten wahrzunehmen, kannst du deine Beziehung zu anderen Menschen und zu dir selbst verändern.

Du kannst konstruktive Kritik leichter annehmen, sobald du erkannt hast, dass es dein perfektionistischer innerer Kritiker ist, der dir das Leben schwer macht – und nicht der Mensch, der versucht, dir mit kritischem Feedback zu helfen. Noch wichtiger: du wirst feststellen, dass du mit Hil­fe dieser „Schattenarbeit“ viele der negativen Gefühle, die du dir selbst gegenüber hegst, lösen kannst – bei­spielsweise das Gefühl von Scham und Minderwertig­keit, oder den schleichenden Verdacht, dass du nicht der Mensch bist, der du vorgibst zu sein.

Annehmen und loslassen

Es wird auch einfacher, einige unbewusste Verhaltensmuster loszulassen: Vielleicht bist du stets unehrlich zu deinen Kolleg*innen oder wütend auf deine Mutter, oder du wählst immer wieder Partner, die dich ausnutzen. Oft zeigen Menschen, die sich ernsthaft mit der „Schattenarbeit“ beschäftigt haben, ein hohes Maß an Aus­geglichenheit, Toleranz und Selbstakzeptanz.

Du bist häufig sehr aufrichtig – du predigst nicht das eine und tust das andere. Deine ethischen Grundsätze werden nicht von unbewussten Impulsen, emotional aufgela­denen Projektionen oder negativen Verhaltensmustern unterlaufen. Sobald du beginnst, deine verdrängten Ei­genschaften anzuerkennen und mit deiner „Schattenar­beit“ vorankommst, wirst du ahnen, wie sich echtes inneres Gleichgewicht anfühlt.

Die Entstehung des Schattens

Schattenseiten
Schattenseiten. Foto: Superette/Corelenes via Canva

Es ist oft schmerzhaft, sich einer tief sitzenden Schat­tenseite bewusst zu werden, und dieser Schmerz hat seine Wurzeln häufig in der frühen Kindheit. Vielleicht fanden deine Eltern dich zu unbändig, zu sprunghaft, zu fordernd, zu sensibel oder zu wütend. Vielleicht ha­ben deine Freunde, Mitschüler*innen und Lehrer*innen bestimmte Eigenschaften belohnt und andere abgelehnt.

Wenn bestimmte Eigenschaften Missfallen erregen, beginnt man häufig, sie zu unterdrücken oder zu verstecken. Wenn solche nicht akzeptierten Charaktereigenschaf­ten aber unterdrückt werden, hat man nicht die Mög­lichkeit, an ihnen zu arbeiten und die positiven Seiten daran zu entdecken – das ist das eigentliche Problem. Beispielsweise kann sich die Intensität, die sich in kind­licher Wut ausdrückt, bei einem geistig gesunden Men­schen in eine reifere Eigenschaft verwandeln – etwa in Widerstand gegen Rücksichtslosigkeit oder in Selbstbe­hauptung in schwierigen Situationen.

Die Traurigkeit kann zu einer Fähigkeit zu tiefem Mitgefühl werden. In der Angst liegt das Potenzial, sich zu einer gesunden Verletzlichkeit zu entwickeln. In der Impulsivität liegt die Wurzel zu echter Spontaneität. Aus diesem Grund bringt es nichts, den eigenen Schatten zu verleugnen. Er mag primitiv, egoistisch und manchmal inkonse­quent sein, aber in ihm liegt auch eine Energiequelle für kreatives und spirituelles Wachstum.

Vom Schatten ins Licht

Es gibt verschiedene Ansätze, mit den eigenen Schat­tenseiten zu arbeiten, und jeder ist auf seine Art pro­duktiv. Im klassischen Yoga des Patanjali wird die Ansicht vertreten, dass man sich von seinen Schatten­seiten reinigen und sie letztendlich loswerden sollte. Die traditionelle Heilung besteht darin, Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit und Zufriedenheit aus­zubilden und Reinigungstechniken zu üben: Bestimmte Asanas, Mantras und Meditationsübungen sollen viele Schattenseiten aus dem Unbewussten vertreiben.

Das Chanten und Singen von Mantras beispielsweise kann eine sehr wirksame Methode sein, um negative Gedan­ken und Gefühle aus dem Geist und Herzen zu beseiti­gen und schmerzhafte Empfindungen aufzulösen, die uns sonst vielleicht zu impulsiven Handlungen treiben würden. Diese Praktiken sind wichtige und notwendige Verbündete.

Aber irgendwann folgt die Erkenntnis, dass man noch einen Schritt weiter gehen kann: indem man die Ener­gie befreit, die in den Schattenseiten gefangen ist, und ihr eine positive Richtung gibt. Ein Schlüsselsatz in der Spanda Karikas, einem wich­tigen Text der tantrischen Philosophie, erklärt das My­sterium, das sich in dieser „Schattenenergie“ verbirgt: Im Text wird beschrieben, wie Spanda, die transforma­tive Energie des Universums und die Energie, die uns die Kraft für unseren evolutionären Sprung verliehen hat, sich in Momenten extremer Gefühle und Leiden­schaften – Wut, Angst, tiefer Verwirrung und freu­diger Erregung – besonders stark zeigt.

Der tantrische Ansatz empfiehlt folgende Technik: Konzentriere dich auf die Energie, die in intensiven Momenten spür­bar wird, und richte deinen Fokus nach innen, zur Wurzel dieser Energie oder des Impulses, statt diesen auszuleben. Dann kannst du dem negativen Gefühl auf den Grund gehen – und zu dem reinen Bewusstsein vorstoßen, das in deinem göttlichen Innersten liegt.

Sich selbst erforschen

Schattenarbeit
Der Weg der Schattenarbeit. Foto: StockSnap via Pixabay

Wenn du diese Gegensätze in dir selbst erforschen willst, musst du deine Schatten objektiv und auf­merksam betrachten. Ein guter Ansatzpunkt sind die Eigenschaften, für die du häufig kritisiert wirst. Vielleicht kommt von deiner Familie oder deinen Kolleg*innen das Feedback, dass du manchmal dominant oder auf­brausend bist oder mit Menschen flirtest, die anderen viel bedeuten – und du hast dieses Feedback bisher ignoriert.

Wie mein Freund Jon. Er wird ständig von all seinen Freunden aufgezogen, weil er seine eigenen Leistungen übertreibt, und er wird kritisiert, weil er anderen die Schuld an seinen Fehlern gibt. Lange Zeit weigerte er sich, diese Kritik ernst zu nehmen. Dann erklärte ihm ein langjähriger Freund, dass er nicht länger so eng mit jemandem befreundet sein wolle, der nicht ehr­lich sei.

Jon war sehr verletzt, aber ihm wurde klar, dass er endlich zugeben musste, dass es ihm zur Gewohnheit geworden war, es mit der Wahrheit nicht ganz so ge­nau zu nehmen. Er gestand es sich selbst gegenüber ein und setzte sich mit den Schamgefühlen auseinander, die dieses Geständnis in ihm auslöste. Von einem Mo­ment auf den anderen wurde er zu einem aufrichtigen Menschen.

Hier kommst du zu unserem Podcast: Starke Verbindung für persönliches Wachstum mit Sandra Walkenhorst

Drei Strategien

Genauso wichtig ist es wahrzunehmen, wann eine Si­tuation starke Gefühle auslöst. Warum ärgert es dich so, wenn sich die Schlange am Fahrkartenschalter so lang­sam vorwärts bewegt? Könnte deine Wut aus einer fehlgeleiteten Anspruchshaltung resultieren – dem Gefühl, dass alles so laufen muss, wie es dir passt? Warum löst es in dir ein schlechtes Gefühl aus, wenn deine Freundin ganz mühelos ihre Rechtsanwaltszulassung bekommt? Liegt es daran, dass du deine Doktorarbeit schon ewig aufschiebst und der Erfolg anderer sich bedrohlich anfühlt?

Wenn du deine verdrängten Schat­tenseiten ganz genau unter die Lupe nimmst, verlieren diese ihre Wirkung – und so auch die Macht über dich. Ein anderer Weg, deine Schattenseiten ans Licht zu ho­len, ist die Betrachtung von Menschen, denen du ein starkes negatives Gefühl entgegenbringst.

Als Hil­lary Clinton 2008 bei den Vorwahlen antrat, traf ich immer wieder Frauen, die praktisch Schaum vor dem Mund hatten, wenn ihr Name erwähnt wurde. All die­se Frauen waren erfolgreich und hatten viele Kompro­misse eingehen müssen, um in männlich dominierten Berufen Karriere zu machen. Sie meinten, Hillary wäre skrupellos und opportunistisch. Manche sagten sogar: „Ich hasse sie.“ Die Heftigkeit der Ablehnung allein zeigte, dass hier Projektionen am Werk waren. Die „dunklen“ Eigenschaften, die die Frauen in Hillary sahen, waren verleugnete Seiten ihrer selbst.

Erkenne dein Potential

All das trifft auch auf deine positiven Schatten zu – auf deine nicht gewürdigten „guten“ Eigenschaften. Viel­leicht spiegeln die Menschen, die du für ihren Mut, ihre Kreativität, ihre Weisheit und ihren Charme bewun­derst, lediglich dein eigenes verstecktes Potenzial wider? Denke darüber nach: Wen hast du während deiner Jugend bewundert und warum? Welche Eigen­schaften bringen dich dazu, sich in jemanden zu verlie­ben? Was bewunderst du an deinen engsten Freunden? Das könnte dich zu denen eigenen vernachlässigten oder versteckten Stärken führen.

Wenn du deine „Schattenarbeit“ über längere Zeit fort­setzt, mache dir die Mühe aufzuschreiben, worin sich deine Schattenseiten zeigen – ohne dich zu verurteilen oder dir die Schuld daran zu geben. Viel­leicht erkennst du, dass deine Schattenseiten die Macht über dich übernommen haben, wenn du dich über die kritischen Bemerkungen deines Expartners empörst. Oder wenn du dich darüber ärgerst, dass eine enge Freundin sich nicht meldet, anstatt sie selbst anzuru­fen. Oder wenn du deinen Chef idealisierst, weil er so kreativ ist, während du deine eigenen Ideen nicht ein­bringst.

Sobald du merkst, wann dein Schatten dich im Griff hat, kannst du versuchen, ganz bewusst nicht deinem ersten Impuls zu folgen – beispielsweise, indem du einen nahe stehende Menschen anschreist. Du kannst dich entscheiden, anders zu reagieren als sonst – vielleicht, indem du geduldig bist, wenn du dich über je­manden ärgerst, oder indem du dir klarmachst, dass der Mann, den du bewunderst, positive Eigenschaften besitzt, die auch in dir selbst versteckt sind.

Sich befreien

Dann kannst du den nächsten Schritt gehen: Den Schritt, der es dir erlaubt, deinen Schatten zu inte­grieren und ihn schließlich loszulassen. Du kannst lernen, dich deiner Schattenseiten bewusst zu werden, und die Energie, die darin gebunden ist, befreien. Du wirst verstehen und akzeptieren, dass du wie jeder andere Mensch auch, helle und dunkle Seiten hast. Und wenn du beide wahrnimmst, wirst du allein durch diese Achtsamkeit beide Seiten in deiner Persön­lichkeit einbinden können. Dann wird die Energie frei, die durch die Übermacht der einen Seite gebunden war.

Es ist ein Paradox, dass du erst dann, und nur dann, wirklich die Kraft haben wirst, jene Eigenschaften und Verhaltensweisen zu ändern, die geändert werden können und sollten. Veränderung entsteht nicht aus dem blinden Versuch, negative Seiten zu unterdrücken oder die positiven zu verleugnen.

Sie entsteht durch die Kraft, die frei wird, wenn wir diese Eigenschaften auf­merksam betrachten. Nur wenn wir uns unserer eige­nen Abgründe bewusst werden – unserer ganz eigenen Weisheit und unserer ganz eigenen Blindheit, unserer Selbstlosigkeit und unserer selbstgerechten Wut – nur dann können wir selbst und andere uns wirklich ver­trauen. Das ist der Moment, in dem wir uns entschei­den können, unsere besten Seiten zu leben. Das ist der Moment, in dem unser Yoga all unsere Stunden und Tage mit Licht erfüllt.


Sally Kempton Yogajournal

SALLY KEMPTON gehörte zu den international renommiertesten Lehrerinnen für Meditation und Spiritualität. Sie schrieb viele Jahre über Yogaphilosophie und hat mehrere Bücher verfasst. Mehr Infos unter sallykempton.com.


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Hilfestellungen im Yoga – hands on, hands off?

Hands-on/Hands-off

Yogahaltungen wirklich zu verstehen und zu verkörpern, statt sie nur auszuführen – das ist eines der wichtigsten Ziele der Praxis. Dafür braucht es eine gute Anleitung, Übung und nicht zuletzt auch Korrekturen. Doch welche Hilfestellungen im Yoga sind wirklich hilfreich – und welche eher nicht? Unser Adjustment-Guide weist den Weg.

Titelbild: fizkes/Getty-Images via Canva

Hands on, hands off – Hilfestellungen im Yoga und die Verletzungsgefahr

Coral Brown unterrichtet seit über 20 Jahren Yoga. In dieser Zeit, sagt sie, habe sie vermutlich schon Tausende Male manuell korrigiert. Zum Beispiel, wenn sie mit Shiva Rea zu Workshops in der ganzen Welt gereist ist und dort assistiert hat. „Energetic alignment-based assists“ hieß das dort – Berührungen, die den Schülerinnen und Schülern helfen sollten, Drehungen, Vorwärtsbeugen, Stehhaltungen und andere Asanas besser zu verstehen und tiefer zu verkörpern. „Ich glaube nicht, dass ich in all den Jahren jemanden verletzt habe“, sagt Brown. „Aber mir ist bewusst, dass das natürlich passieren kann.“

Nachdem sie sich vergangenes Jahr selbst bei einer zu intensiv ausgefallenen Hilfestellung im Yoga durch einen Lehrer einen Muskelfaserriss an der Oberschenkelrückseite zuzog, hat bei ihr ein Umdenken eingesetzt: „Viel zu lange habe ich so assistiert, dass ich die Übung quasi für den Schüler gemacht habe. Totaler Quatsch! Eigentlich sollte es eher um eine sanfte Berührung gehen, die verständlich macht, in welche Richtung sich die Bewegung oder Haltung entwickeln sollte, damit sie wirklich verkörpert wird – und zwar selbstständig!“

Korrekturen auf dem Prüfstand

Wie Coral Brown geht es derzeit vielen: Manuelle Hilfestellungen und Korrekturen stehen zunehmend auf dem Prüfstand. Und das ist gut so, denn wir sollten uns bewusst machen: Was ist überhaupt sinnvoll? Was ist gefahrlos möglich? Und welche Dynamik entfalten dabei (auch mal abgesehen von #metoo) die subtilen Machtverhältnisse im Lehrer-Schüler-Verhältnis?

Der renommierte Ausbilder Jason Crandell sagt: „Es ist ganz natürlich, dass man sich nach der Zuwendung seines Lehrers sehnt – aber das kann auch leicht zu unguten Situationen führen.“ Er selbst hat daher manuelle Hilfen und Korrekturen in seinem Unterricht immer mehr eingeschränkt.

Hilfestellungen: Kommen sie in der Yogalehrer-Ausbildung zu kurz?

Hands on - Wie gut sind Hilfestellungen?
Foto: boophuket/Getty-Images via Canva

Ein wichtiges Thema sind dabei sicher auch Verletzungen. Dass es die noch immer viel zu häufig gibt, hängt nach Crandells Einschätzung mit zwei Dingen zusammen: Zum einen nehmen Hilfestellungen und Korrekturen in der Yogalehrer-Ausbildung noch immer einen viel zu geringen Raum ein. Mit anderen Worten: Viele wissen gar nicht so genau, was sie da eigentlich tun.

Und zum zweiten sind Assists allzu oft geleitet von einem Beweglichkeitsfetisch, der eher das Instagram-Foto vor Augen hat als eine gut integrierte, in der Tiefe verkörperte Asana.

Hands-On: 10 Adjustment-Regeln für die Yogastunde

Manuelle Hilfestellungen im Yoga sind nach wie vor ein sinnvoller Teil des Yogaunterrichts. Keine verbale Erklärung und keine visuelle Demonstration kann man so direkt spüren und umsetzen wie eine kundige und angemessene Berührung. Worauf es dabei ankommt? Das erfährst du hier:

  1. Nur mit Einwilligung
    Klingt selbstverständlich, ist es aber leider nicht: Yogaschüler*innen sollten nicht gezwungen sein, sich aktiv dagegen zu verwehren, berührt oder korrigiert zu werden. Stattdessen muss klar sein: Die manuelle Hilfe ist immer eine Option, für die man sich entscheiden kann – oder auch nicht.
  2. Jetzt lieber nicht!
    Was ich jetzt als hilfreich und angenehm empfinde, kann zu einem anderen Zeitpunkt oder in einer anderen Haltung sehr unangenehm sein. Manche Lehrer*innen arbeiten daher mit neben der Matte liegenden, beidseitig bedruckten Kärtchen. So kann man jederzeit mitteilen: „Ja, bitte“ oder „Jetzt lieber nicht“. Genauso gut kann man als Lehrer*in aber auch vor jeder Berührung diskret nachfragen.
  3. Widerstand wahrnehmen
    Manchmal geschieht die Einwilligung zu Adjustments eher aus Schüchternheit als aus Überzeugung. Yogalehrer*innen sollten deshalb sehr fein spüren können: Gibt es körperlichen oder emotionalen Widerstand? Ist eine manuelle Korrektur überhaupt notwendig und relevant? Im Zweifel ist weniger immer besser.
  4. Nein ist okay
    Ein klares „Nein“ oder gar harsches „Stopp!“ kann sich für wohlmeinende Yogalehrende wie eine Zurückweisung anfühlen und sie zu entsprechend emotional gefärbten Reaktionen verleiten. Sollte es aber nicht, denn jedes „Nein“ ist okay – immer.
  5. Ach du Schreck!
    Je konzentrierter man übt, desto weniger nimmt man seine Umgebung wahr – und umso mehr kann man bei einer plötzlichen Berührung erschrecken. Manchmal so sehr, dass es einen buchstäblich umhaut. Für Yogalehrende gilt deshalb: Niemals von hinten annähern, wahrnehmen, ob man wahrgenommen wurde und sich gegebenenfalls sanft bemerkbar machen, bevor man jemanden berührt.
  6. Integrität statt Intensität
    Leider hört man immer wieder von Yogalehrenden, die jemanden mit sanfter Gewalt „tiefer“ in eine Haltung drücken – und damit den eigentlichen Sinn manueller Korrekturen missverstehen: Statt die Intensität zu pushen sollten alle Adjustments eine Ermutigung zu mehr Feinheit, Integrität und Stabilität sein. Häufig kann das auch heißen, dass man einen Schritt zurückgeht, Alternativen erkundet oder die Haltung behutsam auflöst.
  7. Sanft anklopfen
    Die klassische Korrektur leitet den Schüler oder die Schülerin manuell in eine bestimmte Bewegung oder Ausrichtung. Es geht aber auch subtiler und mindestens so effektiv: Schon eine an einer bestimmten Stelle aufgelegte Hand, lenkt die Aufmerksamkeit des Übenden in diese Region und kann eine vielleicht schlafende Muskelgruppe aufwecken. Anstatt also zum Beispiel beim herabschauenden Hund die Oberarme mit den Händen auswärts zu drehen, kann man auch nur sachte gegen die Außenseiten der Arme klopfen.
  8. Gewusst wie
    Wenn man nicht sehr genau weiß, was man vorhat und wie man es erreicht, dann sollte man als Lehrkraft buchstäblich die Finger von manuellen Korrekturen lassen. Dazu kommt: Unsicherheit, Nervosität und Ungeschicklichkeit teilen sich in einer Berührung immer mit und wirken dann eher verunsichernd als hilfreich.
  9. Feedback einholen
    Oft haben Schüler*innen Hemmungen, von sich aus mitzuteilen, wie sich Adjustments anfühlen und was sie damit anfangen können. Es ist daher eine gute Idee, schon in der Situation kurz nachzufragen: „Wie fühlt sich das an?“ oder „Kannst du das spüren?“
  10. Manuell & verbal
    Indem man mit Worten erklärt, was man mit seinen Händen tut, verstärkt man oft nicht nur den unmittelbaren Effekt, man verhilft seinen Schüler*innen auch zu mehr Verständnis. Das macht es leichter, eine Korrektur auch auf Dauer ins eigene Üben zu integrieren und wirklich dazuzulernen.

Hands-Off: 3 Ideen, Hilfestellungen im Yoga zu umgehen

Hands-Off-Assits
Hands-Off-Assits / Foto: Vitapix/Getty Images via Canva

Ganz egal, ob es um Traumata geht oder ganz einfach um die Wahrung individueller Grenzen: Für manche Menschen und in manchen Situationen sind manuelle Hilfestellungen im Yoga ungut oder sogar tabu. Dass wirksame Hilfen und aufmerksame Zuwendung trotzdem immer möglich sind, zeigen diese drei Beispiele:

1. Selbst Hand anlegen lassen:

Die eigenen, an den Körper gelegten Hände sind ein wunderbarer Weg, Ausrichtungsdetails oder Bewegungsmuster wahrzunehmen, verbale Anleitungen besser zu verstehen und sich selbst zu korrigieren. So macht zum Beispiel die Hand am Kreuzbein dem Übenden sofort bewusst, wenn das Becken nach vorn gekippt ist, und ein paar sanft auf den Solar Plexus gelegte Finger ermuntern fast automatisch zur Aufrichtung des Rumpfes. Diese Berührungen kann man verbal und visuell anleiten – und der Lerneffekt dieser Kombination aus Erklärung, Spüren und selbstständigem Umsetzen ist oft viel nachhaltiger als eine manuelle Korrektur im Vorübergehen.

2. Gesten und Bilder:

Asanas und Korrekturen mit Worten zu beschreiben, ist gar nicht so einfach, zumal wenn es um die Feinheiten einer präzisen Ausrichtung geht. Aber selbst wenn ein*e Lehrer*in diese Kunst versteht: Eine wortreiche Erklärung kann manchmal ganz schön verwirrend sein, besonders wenn man noch nicht so lange übt, oder sich an einer neuen Asana versucht. Deshalb ist es besser, sich knapper auszudrücken, anschauliche Bildern zu verwenden und das Gesagte mit Gesten zu untermalen. Anstatt also etwa in der Heldenhaltung 2 über die Auswärtsrotation im Hüftgelenk des gebeugten Beins zu sprechen, würde man sagen: „Beweg dein vorderes Knie etwas mehr in Richtung kleiner Zeh“ und diese Bewegungsrichtung mit der Hand zeigen.

3. Hilfsmittel geben

Blöcke, Gurte, Decken und andere Hilfsmittel machen Asanas verständlich und zugänglich. Die Idee dabei: Erst wenn eine optimale Ausrichtung erreicht ist, kann der Körper überhaupt lernen, worum es für ihn in dieser Haltung geht. Diesen Effekt nennt man auch propriozeptives Feedback. Neigt ein*e Schüler*in zum Beispiel im gestreckten Dreieck dazu das vordere Bein zu überstrecken, dann könnte die Lehrperson einen Gurt um die Kniekehle legen, sanft nach vorne ziehen und dazu auffordern, gegen diesen Widerstand zu arbeiten. Dabei lernt der*die Schüler*in, das Knie durch Muskelkraft zu stabilisieren, anstatt es zu blockieren. Im Gegensatz zur manuellen Korrektur erlauben solche Hilfen mehr räumlichen und mentalen Abstand. So können beide besser beobachten, was geschieht.

Tipp: Hier zeigen wir innovative Self-Assists für acht klassische Haltungen:


#110 Yoga und Politik: Chancen und Grenzen – mit Cornelia Brammen

Cornelia Brammen Yoga und Politik

Ist Yoga politisch und haben wir Yogi*nis eine soziale Verantwortung?

In dieser Folge „YogaWorld Podcast“ geht es um die spannende Verbindung zwischen Yoga und Politik. Zwei große Fragen stehen im Raum: Ist Yoga politisch? Und haben Yogi*nis eine politische Verantwortung? Passend zum aktuellen Schwerpunkt des YogaWorld Journals „Yoga und Politik“ spricht Gastgeberin Susanne Mors mit Cornelia Brammen vom „Yoga für alle e.V.“, die sich leidenschaftlich dafür einsetzt, Yoga zu Menschen zu bringen, die normalerweise keinen Zugang dazu haben.

Im Gespräch wird klar, dass Yoga als Praxis der Einheit und Verbundenheit nicht nur philosophisch, sondern auch praktisch politisch wirken kann. Conny äußert ihre Meinung dazu, ob und wie  Yogi*nis sich aktiv politisch engagieren sollten und wie Yoga dabei helfen kann, Frieden und Klarheit im Inneren zu finden – und somit auch in der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang teilt sie ihre Erfahrungen und Einsichten darüber, wie Yoga für alle e.V. durch strukturelle Präventionsarbeit gemäß §20a SGB V einen gesellschaftspolitischen Unterschied macht. 

Conny geht auch auf die Herausforderungen ein, die auftreten können, wenn Yoga politisch wird, und wie diese bewältigt werden können. Sie erläutert, wie Prinzipien wie Ahimsa (Gewaltlosigkeit) und Satya (Wahrhaftigkeit) auf politische Themen angewendet werden können und warum Positionierung wichtig ist, um Gewaltlosigkeit wirklich zu leben.

Außerdem wird die Rolle von Yoga im sozialen Wandel und in der Förderung von Gemeinschaft und sozialem Zusammenhalt beleuchtet. Zum Ende gibt Conny wertvolle Ratschläge, wie politisch Aktive ihre Energie und Motivation langfristig aufrechterhalten und gleichzeitig auf sich selbst achten können. Dies ist ein inspirierendes Gespräch über die politische Dimension von Yoga und die Möglichkeiten, wie Yoga den sozialen Wandel unterstützen kann.

Yoga und hochschwingendes Quellwasser von St. Leonhards

Quellwasser St. Leonhards

Was Wasser mit unserem Sein zu tun hat und wie hochschwingendes Quellwasser unsere Praxis unterstützen kann, darüber schreibt die Journalistin Ursula Maria Lang hier aus ihrer persönlichen Perspektive. //anzeige

Text: Ursula Maria Lang

Unser Ziel bei jeder Yogaübung ist es, in uns selbst die innere Quelle der Harmonie und Kraft zu erfahren und uns aus dieser inneren Mitte heraus zu stärken. Die spirituellen Meister sprechen hierbei vom „Ich bin“: unserer Essenz. Als Körper-Geist-Seele-Wesen bestehen wir überwiegend aus Wasser. Der Schwingungszustand unseres Körperwassers in all unseren Zellen ist entscheidend für unsere innere Ordnung und Harmonie, sowohl körperlich als auch geistig. In seiner natürlichen Ordnung hat es eine hexagonale Struktur wie Schneeflocken – genauso wie reines, lebendiges, artesisches Quellwasser. Trinken wir dieses, so schenken wir uns flüssige Energie für Körper und Geist.

Yoga und „Ich bin“

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit Spiritualität (auch Hatha-Yoga) und habe einen tiefen Bezug zu Wasser. Als ich das erste Mal eine Flasche „Ich bin die Quelle“ in der Hand hielt, fielen mir sofort die Worte „Ich bin“ auf. Seit Jahrtausenden wird damit unsere Essenz benannt: Im Altgriechischen nannte man den Wesenskern ἐγὼ εἰμί (ego eimi), in der Bibel heißt es „Ich bin, der ich bin!“ und bezeichnet damit Gott beziehungsweise das ewig Göttliche in allem Seienden. In seinem Kultwerk „Autobiografie eines Yogi“ schreibt Paramahansa Yogananda, dass jeder Mensch in seinem inneren Wesenskern göttlich ist und dass unser Lebensziel die Vereinigung mit dem Göttlichen sei. Als wichtigste Werkzeuge dafür nennt Yogananda Meditation und Yoga. In heutiger Zeit sind es spirituelle Lehrer, die mich inspirieren und dazu auffordern, mit meiner Seele, meinem „Ich bin“ in Kontakt zu treten.

Yoga und „Ich bin die Quelle“

Doch welche Bedeutung hat das Wassertrinken dabei? Schon vor etwa tausend Jahren riet die Heilige Hildegard von Bingen ihren Mitschwestern, bei geistigen Übungen wie der Meditation reines, klares Quellwasser zu trinken, weil es der Bewusstseinsentwicklung dienlich sei. Sie nannte Wasser einen „Spiegel der Seele“, der uns helfe, unsere Gedanken und Emotionen zu klären. Aus meiner Erfahrung kann ich Ähnliches berichten: „Ich bin die Quelle“ ist sehr weich, es lässt sich ausgesprochen leicht schlucken und verteilt sich wunderbar im ganzen Körper. Es fühlt sich an, als gehöre das Wasser zu mir. Vor der Meditation getrunken – meinem Einstieg in jede Yoga-Session – fühle ich so etwas wie eine innere Zentrierung, eine Klarheit, eine Wachheit, innere Ruhe und gleichzeitig Energie – eine perfekte Vorbereitung.

„Ich bin die Quelle“-Meditation und Yoga

Zur besonderen Einstimmung höre ich die „Ich bin die Quelle“-Meditation von Otto Lichtner, einem Komponisten energetischer Musik, der die Energie der ursprünglichen „Ich bin die Quelle“ in Klang übersetzt hat. Man kann sie auf der Internetseite ich-bin-die-quelle.de kostenlos herunterladen. Auf den beiden Yogafestivals Om am See und Xperience-Festival wird sie auch live vorgetragen – eine besondere Gelegenheit, sowohl das Wasser als auch die Meditation kennenzulernen.

Unser Körper ist der Tempel und der Zugang zu unserer Seele, sagt die spirituelle Meisterin Kim Eng: „Lasst uns unseren Körper nutzen, um einen Zugang zum Raum jenseits der körperlichen Form zu finden“. Ein gutes Wasser kann uns dabei gute Dienste leisten, bei körperlichen und geistigen Übungen eine wertvolle Basis geben. Das ist meine Erfahrung.

Hochschwingendes Wasser und Bewusstsein

Weiter gedacht empfinde ich das Wassertrinken auch als wichtigen Beitrag für innere Prozesse. Nach dem Resonanzprinzip schwingen unsere Zellen und unser Bewusstsein mit dem, was wir denken, sprechen, tun – wie Yoga – aber auch mit dem, was wir essen und trinken. Je hochschwingender die Lebensmittel sind, die wir zu uns nehmen, desto hochschwingender ist die Energie, die wir unseren Zellen und damit Körper wie unserem Geist und damit Bewusstsein zuführen. Daher ist für mich das Trinken eines hochschwingenden Wassers wie „Ich bin die Quelle“ eine bewusste Entscheidung für meinen ganzheitlichen Weg.


Mehr Info: ich-bin-die-quelle.de