Der “Yogadude” Thomas Meinhof schreibt bei uns über das Thema Yoga & Business. Heute: Wie passt beides zusammen?
Yoga und Business – wirklich jetzt?
Yoga ist eine reine Lehre, etwas Selbstloses, das weltlichen Verfehlungen wie dem Kapitalismus komplett entbehrt. Das Letzte was wir wollen ist, den täglichen Kampf ums monetäre (Über)leben auch noch mit auf der Yogamatte auszutragen. Da hat er ja auch gar nichts zu suchen, oder etwa doch? Denn wenn Yoga so losgelöst wäre vom schnöden Mammon, warum kann man dann so viel Yoga für Geld kaufen? Ein schniekes Yogaoutfit (Sommer- und Winterkollektion) braucht es mindestens und eine Yogamatte fürs heimische Wohnzimmer genauso wie die dazu passende Reisematte für unterwegs. Oh, fast vergessen: Die Yogaschule an der Ecke nimmt natürlich auch gerne ein paar Euro, wenn man eine ihrer Klassen besucht. Also gibt es wohl doch einen Zusammenhang zwischen Yoga und dem volkswirtschaftlichen Geldkreislauf.
Alles hat seinen Preis – auch du
Wenn du Yoga unterrichtest, bist du – ob du willst oder nicht – Teil einer Wertschöpfungskette. Sei es als “Einzelkämpfer*in” mit einer Privatklasse pro Woche oder als Studiobetreiber*in mit fünf Yogaschulen in drei Städten: Am Ende muss die Kasse stimmen. Denn irgendwer – ob Yogi oder Nogi – will am Monatsende Geld von dir sehen. Für die Studiomiete, deinen Lebensunterhalt, dein Handy oder die Monatskarte für die Straßenbahn. Und diese ganze Kohle muss irgendwie verdient werden. Als Yogalehrende*r liegt es natürlich nahe, eine kleine Kursgebühr von den Schüler*innen zu verlangen – auch wenn es sich nach mindestens drei yogischen Schriften falsch anfühlt, die noble Praxis durch finanzielle Begehrlichkeiten zu beschmutzen. Und außerdem macht es dir ja auch solchen Spaß, Yogastunden zu geben. Wäre es da grundlegend nicht falsch, sich dafür bezahlen zu lassen? Vor allem dann, wenn du (wie die meisten Yogalehrenden auch) noch einen “richtigen” Job hast und gar nicht auf das Honorar für deinen Yogaunterricht angewiesen bist?
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Und jetzt: Das Mantra
YOGA UNTERRICHTEN IST KEIN HOBBY – für niemanden. Egal, ob du schon seit Jahrzehnten Yogalehrer*in bist oder den Teacher Training noch vor dir hast – dieser Satz sollte dein Mantra sein. Denn Yoga lehren ist am Ende auch ein Job. Das große Missverständnis ist meistens, dass es ja solchen Spaß macht, zu unterrichten oder dass es den Menschen so viel gibt. Aber Restaurants nehmen auch Geld für ihr Angebot, obwohl es so viele begeisterte Köche da draußen gibt. Oder Fußballtrainer, die sich ihre Leidenschaft für Ballspiele auch bezahlen lassen (müssen). Und genau wie alle anderen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, bist du als Yogalehrer*in ein Teil einer Industrie, die ganz nebenbei noch ganz schön viel Geld umsetzt jedes Jahr. Und genau so solltest du dich auch verhalten. Denn wer sich in diesem Job unter Wert verkauft, schadet am Ende nicht nur sich, sondern auch anderen.
Tu es für die anderen
Es mag dich am Ende des Monats nicht schmerzen, für wenig bis gar kein Honorar zu unterrichten. Vielleicht, weil du im Lotto gewonnen hast oder ein dickes Gehalt aus deinem “Hauptberuf” beziehst. Aber wer versucht, seinen Lebensunterhalt mit Yoga zu unterrichten, kann mit Dumpingpreisen einfach nicht konkurrieren. Zumindest nicht, ohne sich damit direkt in den Burnout zu yogieren. Wer schon einmal mehr als drei Yogaklassen an einem Tag gegeben hat, weiß worum es geht. Deshalb ist es mit yogischen Lehren und Prinzipien vielleicht doch ganz gut vereinbar, sich das Anleiten der Praxis nicht nur spirituell entlohnen zu lassen. Wenn man es nicht als Bereicherung seiner selbst sieht, sondern als die Möglichkeit, einen Traumberuf so auszuüben, dass man viele Jahre gesund daran Freude haben kann.

Thomas Meinhof, auch bekannt als “Yogadude”, ist studierter Betriebswirt, ausgebildeter Yoga-Lehrer und betreibt in München sein eigenes Yoga-Studio SHIVA SHIVA YOGA.


