Jeder kann Yogalehrer sein – Mark Stephens

Mark Stephens Buch “Teaching Yoga” ist inzwischen zum Standardwerk für jeden Yogalehrer avanciert. Sein Buch “Yoga-Workouts gestalten” zielt auf die Planung von Yogastunden und -sequenzen ab.

Der Yogalehrer-Boom

Einer deiner Workshops läuft unter dem Titel “Lerne Yoga unterrichten”. Denkst du denn, dass jeder Yoga unterrichten kann?

Ich bin überzeugt, dass es jeder lernen kann. Um wirklich gut zu werden, braucht es Jahre der Praxis und des Studiums, in denen man viel über funktionale Anatomie, Biomechanik und philosophische Aspekte lernt. Man muss sowohl in das traditionelle Wissen als auch in die zeitgenössischen Quellen eintauchen, um den Unterricht besser zu gestalten.

Wie findest du es, dass so viele Yogaübende irgendwann selbst lehren möchten?

Ich finde es großartig, dass so viele Menschen Yoga unterrichten wollen! Mit über sieben Milliarden Erdenbürgern brauchen wir auch mehr Lehrer. Viel wichtiger aber ist, dass wir bessere Lehrer bekommen, die ihre Arbeit ernst nehmen. Sie sollten sich verpflichten, Yoga auf höchstem Niveau zu unterrichten. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, lehren zu dürfen. Meine Leidenschaft für das Unterrichten basiert direkt auf der Erfahrung meiner eigenen Praxis. Es ist wie mit allem: Je mehr wir lernen, desto stärker merken wir, wie wenig wir wissen. Das ist ein Prozess, sowohl aus der Perspektive des Lehrers als auch des Schülers.

Sequenzieren als essentiell

Es dauert doch bestimmt Jahre, bis man die Kunst des Sequenzierens richtig beherrscht. Schwer vorstellbar, dass man das in einem Workshop erlernen kann …

Je erfahrener man in seiner eigenen Praxis ist, desto mehr versteht man davon. Dennoch reicht Erfahrung nicht aus, um all die Fertigkeiten zu entwickeln, die dafür nötig sind. Es gibt mindestens genau so viele erfahrene Lehrer, die leider über Jahre  falsch unterrichten, weil sie es selbst so gelernt haben, wie es neue Lehrer gibt, die sehr gute Einsichten haben. In Workshops, die gut organisiert sind und Raum für Experimente bieten, kann man allerdings schon in kurzer Zeit viel lernen.

Und was macht gutes Sequenzieren aus?

Einige meiner besten Yogastunden entstehen spontan, wenn ich intuitiv Sequenzen erstelle. Dieser Ansatz ist jedoch besser bei der persönlichen Praxis aufgehoben. Dann gibt es Stile wie Ashtanga Vinyasa oder Bikram, bei denen es für jeden die gleiche Asana-Praxis gibt. Das ist problematisch, wenn verschiedene Bedürfnisse der Schüler aufeinander treffen. Die Kunst des Stundenaufbaus liegt darin, die Praxis leichter zugänglich zu gestalten. Die Wissenschaft dabei ist ein Verständnis vom Zusammenspiel der verschiedenen Asanas. Im Gegensatz zum “zufälligen Aneinanderreihen” einzelner Haltungen gestalten wir Stunden, die auf den Köper abgestimmt sind. Die Asanas bauen aufeinander auf und machen die Praxis dadurch ganzheitlicher. Es ist wichtig zu wissen, was uns jede einzelne Asana bringt und welcher Weg dorthin für uns am sinnvollsten ist. Die Kunst des Sequenzierens ermöglicht Lehrern einen kreativen Spielraum.

Eigenschaften eines wirklich guten Yogalehrers

Was macht einen guten Lehrer aus?

Ein guter Yogalehrer hört seinen Schülern zu und ehrt sie. Ein Yogalehrer im Inneren lernt von ihnen und führt sie mit Intelligenz, Respekt und Sanftmut. Des Weiteren fördert ein kompetenter Lehrer das Wissen und lebt seine Lebensaufgabe Dharma.

Du betonst die Wichtigkeit einer nachhaltigen Praxis. Wie wird meine Praxis nachhaltig?

Wenn wir Yoga so praktizieren, wie es für uns angemessen ist, ist es nachhaltig. Wenn wir einen Anschlag aufs Ego verüben, uns nach innen wenden und den Atem wichtiger nehmen als die Asana, ist unsere Intention mit unserer Kondition im Einklang. Kannst du dir vorstellen, bis ans Ende deines Lebens Yoga zu üben? Wenn ja, dann weißt du, dass deine Praxis nachhaltig ist.


Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Foto: pixabay.com

Das Neueste

Alignment Check mit Timo Wahl: Kleine Kobra, große Kobra – oder beides?

Wie bei fast allen klassischen Asanas gibt es auch zur Kobra sehr verschiedene Ansichten: Soll sich die Schlange aus...

Zwei Wochen, die alles verändern: Meine Panchakarma Kur im Rosenberg Ayurveda Kurzentrum

Was bewirkt eine medizinische Panchakarma Kur wirklich? Yogalehrerin Ranja Weis hat zwei Wochen im Rosenberg Ayurveda Kurzentrum verbracht und...

Superfood-Rezepte mit Kurkuma, Kollagen, MCT-Öl und Proteinpulver

Wie wäre es mit einem Extra-Shot – oder einfacher gesagt: Darf es etwas mehr sein? Ein paar extra Nährstoffe...

Meditation bei Überforderung und Weltschmerz – warum sie gerade jetzt wichtig ist

Die Schlagzeilen machen Angst, und ihre Schlagzahl auch. Was nützt es da zu meditieren? Glauben wir wirklich, damit die...

4 einfache Morgenrituale für mehr Energie

Oh, happy day! Um besser gelaunt und gelassener in den Tag zu starten, hilft ein persönliches Morgenritual. Auch wenn...

Asana & Mudra – Sequenz mit Susanne Mors

In der Verbindung von Körperhaltungen und energetischen Gesten kann sich die Wirkung von Asanas vertiefen – und du lernst,...

Pflichtlektüre

Neumondkalender 2026: So wirkt der Februar-Neumond im Wassermann

Wann ist Neumond? Den nächsten Neumond erwarten wir am 17. Februar 2026. Um 13:01 Uhr steht er im Zeichen Wassermann....

Zwei Wochen, die alles verändern: Meine Panchakarma Kur im Rosenberg Ayurveda Kurzentrum

Was bewirkt eine medizinische Panchakarma Kur wirklich? Yogalehrerin Ranja Weis hat zwei Wochen im Rosenberg Ayurveda Kurzentrum verbracht und...

Das könnte dir auch gefallen
Unsere Tipps